Champions League ohne schwedische Clubs

"Und da machte es popp, popp..." schrieb ein schwedischer Kollege heute. (Foto: Rainer Fußgänger)

“Und da machte es popp, popp…” schrieb ein schwedischer Kollege heute. (Foto: Rainer Fußgänger)

Beide schwedischen Vertreter sind aus der Champions League ausgeschieden. Bloggerkollege Johan Rydén schrieb, dass in den letzten fünf Jahren nur ein schwedisches Team das Halbfinale dieses wohl bedeutendsten Wettbewerbs für Frauenfußballvereine erreicht hätte und dass man das eigentlich nicht zählen dürfe: Tyresö FF erreichte 2014 gar das Finale in Lissabon und unterlag dort knapp dem VfL WOlfsburg mit 3:4.

Tyresö hatte nur das Finale erreicht, weil es sich um ein finanziell gedoptes Team handelte, dass der Verein bzw. die Aktiengesellschaft, der der Verein das Team übergeben hatte, nicht mehr leisten konnte. Von Februar bis zum Zerplatzen der Seifenblase Ende Mai erhielten die Spielerinnen keine Gehälter.

Schweden ist wieder draußen und woran liegt es? An der Unzulänglichkeit im Kopfballspiel, sagt ein Kolege. Dem widersprach Rosengårds Trainer Marcus Tilly entschieden. Er sagte, dass es im Falle Rosengårds die Spitzenqualitäten von Alexandra Popp gewesen wären, die den Unterschied ausgemacht hätten. Popp sei der Unterschied gewesen, das sagte er auch mir in der nicht vorhandenen Mixed Zone, durch die die meisten Spielerinnen schnell verschwunden waren nach dem 3:3.

Nicht verloren und dennoch ausgeschieden, das ging nicht in die Köpfe der Spielerinnen rein. Tut es nie. Das sagte mir vor ein paar Jahren schon Linda Sällström, als sie noch bei Linköping spielte und man nach einem 2:2 daheim “nur” ein 1:1 in London geholt hatte. Das sagte mir gestern auch Anja Mittag nach dem Spiel, als ich ihr noch kurz begegnete.

Marta macht das 1:1. Weltklasse seit 12 Jahren.

Marta macht das 1:1. Weltklasse seit 12 Jahren.

Marta soll lange auf dem Platz gesessen haben, niedergeschlagen. Als ich sie nach dem Spiel auf dem Weg aus der Kabine kommen sehe, tröstet sie einen Fan auf Englisch und sagt, dass man es doch nächstes Jahr wieder versuchen könne. Sie (das Mädchen) solle doch nicht weinen und Marta lacht ihr aufmunternd zu. Ich gebe Marta einen leichten Klaps auf den Oberarm und sage, dass es mir leid tut um das Team, gehe weiter. Marta schaut auf, lächelt kurz und nickt und widmet sich dann wieder ihrer Gesprächspartnerin.

Am Abend ärgere ich mich dann über das deutsche Fernsehen. Das ZDF, namentlich die Reporterin Claudia Neumann, berichtet kurz über das Spiel im Aktuellen Sportstudio. In der Anmoderation sagt Katrin Müller-Hohenstein, die bei der Männer-WM noch lasziv mit den Füßen plantschend mit Lukas Podolski im gleichnamigen Becken in Brasilien gesessen hatte und damit ein Musterbeispiel für neutralen Sportjournalismus geliefert hatte, dass der VfL Wolfsburg gegen “so eine Mannschaft aus Schweden” gespielt hätte.geht’s noch? Als ob man bei den Männern ein vergleichbares Kaliber wie sagen wir Juventus Turin “so ne Mannschaft aus Italien” nennen dürfte. Wenn Frauen Frauenfußball marginalisieren…

Dann setzt Neumann einen drauf. In ihren 3-4 Minuten zeigt sie uns die Tore und macht Stimmung gegen Marta. Sie habe eine klare Tätlichkeit gegen Martina Müller begangen, sagt nicht, was man normalerweise für Tätichkeiten bekommt, denn das soll sich der aufgebrachte Zuschauer selber denken und stellt dann nach dem Spiel gezielt gerichtete Fragen an Müller, die sich über die böse Marta auslassen soll. Müller tut Neumann den Gefallen und demonstriert Schadenfreude. Unterverstanden wird vermittelt, dass Marta indiskutabel sei und dass Müller & Co. aber glücklich seien, dass man sie jetzt zwei Jahre lang hintereinander in die Schranken gewiesen hätte. Als ob es primär darum gehen würde.

Da tut einem die Spielerin Müller leid, die benutzt wird, den Bericht tendenziös zu machen.

Trainer Ralf Kellermann, Stürmerin Alexandra Popp und auch Martina Müller selber haben übrigens nicht von Tätlichkeit gesprochen. Der VfL sollte sich beim ZDF beschweren für diese unprofessionelle Berichterstattung. Die Pfiffe und Buhrufe gegen Marta in Deutschland werden, das wurde mir gestern Abend leider klar, von den Medien unterstützt und sogar provoziert. Es gibt ja eine gute Geschichte und gute Geschichten geben Quoten. Traurig.

Warum hat Wolfsburg “gewonnen”? Gewonnen haben sie ja nicht, aber warum sind sie verdient weitergekommen?

Popp sagte, dass es den Wolfsburgerinnen klar gewesen wäre, dass den Schwedinnen (naja, so viele Schwedinnen spielen nicht in Rosengård…) so nach 60 Minuten die Luft ausgehen würde und so sei es gekommen. Sowohl im Hinspiel wie im Rückspiel.

Das wiederum liege daran, dass Rosengård eben eigentlich noch in der Vorsaison wäre und erst vier Wettbewerbsspiele inklusive dieses gestrigen, absolviert hätte. Sagt mir Rosengårds Trainer Marcus Tilly.

Sollte man dann nicht ernsthaft über eine Änderung der Saisontermine nachdenken, frage ich Tilly. Er gibt sich hoffnungslos. Naja, darüber rede man ja schon lange und immer wieder, aber leider ohne Resultat.

Ob alles an den unterschiedlichen Fitnessständen, weil einmal Vorsaison und zum anderen mitten drin?

Nein. Es ist mehr. Auch eine Einstellungsfrage. Wolfsburg arbeitet mit einem unerhört aggressiven Pressing, gibt dem Gegner keine Luft zu Atmen und versucht dann (ebenso wie Rosengård) bei Balleroberung schnell nach vorn zu kommen. Während die Wölfinnen aber entschlossen marschieren und JEDEM Ball nachrennen, fiel mir in der Abwehr von Rosengård gestern mehrfach auf, dass gezögert wurde. Kommt die noch an den Ball? Nö, dann muss ich ja vielleicht nicht hinlaufen. Oh Mist, sie kommt dran, sie setzt alles dran und kommt dran, ich muss loslaufen. Und schon ist man zwei Zehntelsekunden zu spät in den Sprint gegangen. Das summierte sich. Es führte nicht zu den Toren. Aber es trägt zur Dramaturgie des Spiels bei. Zum psychologischen Übergewicht.

Pia Sundhage saß gestern in Publikum. Sie soll begeistert gewesen sein von Malmös neuer Stammtorfrau Zecira Musovic. 18 Jahre alt und wohl die kommende Dominatorin im schwedischen Tir. Unglaublich ihre Ausstrahlung und auch ihr Reflex bei einem Schuss von Yuki Ogimi. Weniger begeistert dürfte Sundhage von ihrer derzeitigen Startspielerin Emma Berglund gewesen sein. Fehlpässe im Aufbauspiel, gleich mehrere und sogar unbedrängt.

Alex Popp köpft das 3:2 für Wolfsburg gegen taumelnde Schwedinnen

Alex Popp köpft das 3:2 für Wolfsburg gegen taumelnde Schwedinnen

Auch Lina Nilsson wurde gestern gezeigt, dass internationale Klassespielerinnen wie Popp oder Verena Faißt sie ins Schliddern bringen. Als Popp das 3:2 köpft und neben ihr auch noch Zsanett Jakabfi herangesprungen kommt, sehen sowohl die in der Natio bereits ausgemusterte Amanda Ilestedt wie auch Nilsson aus wie Spielerinnen einer Jugendauswahl gegen einen Champion-League-Sieger.

Anja Mittag hat abgezogen, noch weiß keine, ob das Ding auch reingeht

Anja Mittag hat abgezogen, noch weiß keine, ob das Ding auch reingeht

Vorne stimmte es, da zeigten besonders Anja Mittag und Marta ihre Klasse. Von der angeschlagenen Ramona Bachmann war ich etwas enttäuscht, aber sie ist eben nicht voll fit. Therese Sjögran hat auch schon bessere Spiele abgeliefert. Neben Mittag und Marta sind Rosengårds Pluspunkte Sara Björk Gunnarsdottir, Anita Asante und Musovic. Hätte man die sprungstarke Asante konkret auf Popp ansetzen können?

Wieso kann Popp, die europäische Antwort auf Abby Wambach, zweimal mehr oder minder ungehindert einköpfen, obwohl man darüber intensiv gesprochen hat?

Kopfballspiel ist in Schweden stark vernachlässigt bei den Frauen. In Kopenhagen verlor Linköpings FC gegen eine auf allen Positionen schlechter besetzte Mannschaft, weil man derzeit unter einer akuten Ladehemmung leidet, sich aber auch zweimal bei Flanken in den Strafraum Tore einhandelte. Emma Madsen köpfte gestern das 1:0 für Brøndby, Mariann Gajhede glich aus und in der zweiten Halbzeit spielten die Däninnen mit einer Neunerkette vor dem eigenen Tor. Für den 1.FFC Frankfurt wird Brøndby Kanonenfutter. Es wird zwar kein 12:0 addiert geben wie gegen Bristol City, aber 6:0 addiert sollte drin sein.

Und im Finale in Berlin holt Wolfsburg den Hattrick. Bis dahin ist Lena Goeßling wieder dabei. Denn das sollte man auch erwähnen: Wolfsburg kam weiter, obwohl es auf Schlüsselspielerinnen verzichten musste. Der kader ist breit und ausgeglichen besetzt. Als Popp gestern ihren zweiten Treffer machte, fragte man sich, wen Marcus Tilly nun einwechseln könnte, der das Matchbild verändern könnte. Da saßen überwiegend talentierte Teenager, die in der Liga durchaus im Rahmen dieses Teams eingebaut werden können, auf dem höchsten europäischen Niveau aber nicht mithalten können. Und so blieb es dann auch bei der Einwechslung von Kirsten van de Ven. Wohl auch weil Tilly wusste, dass er nichts mehr hatte außer die Hoffnung auf Marta oder Mittag oder Bachmann. Bachmann bekam tatsächlich in der 94. Minute noch den Ball nach einer Ecke vor die Füße. Vergab kläglich. Hätte sie das Ding reingemacht, wir wären Zeuge eines Fußballwunders geworden – und das vor einer Rekordkulisse von fantastischen 5.700 Zuschauern.

ffschweden im Gespräch mit Alexandra Riley

Alexandra_Riley_by_ffschwedenDie 27 Jahre alte Abwehrspieleri Alexandra Riley spielt seit 2012 für den amtierenden schwedischen Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö). 2015 nimmt sie an ihrer dritten Weltmeisterschaft teil, als eine der Schlüsselspielerinnen für Neuseeland. Dabei ist Ali Riley in Los Angeles geboren und auch in Kalifornien aufgewachsen. Aber da Vater John Neuseeländer ist, hatte sie von Geburt an zwei Pässe und entschied sich früh für das Land am anderen Ende der Welt. Darüber und über die Champions League, Marta und die Abgänge von Kathrin Schmidt und Elin Rubensson habe ich mich mit Ali Riley unterhalten.

Während wir in Stockholm kurz vor Weihnachten graues, eher trostloses Wetter hatten, schien bei Ali in Los Angeles die Sonne. Neun Stunden Zeitunterschied und etliche Flugstunden entfernt.

Wie lange habt ihr noch frei und fährst du noch weg?

“Wir fangen am 7. Januar wieder mit dem Training an. Ich war schon in Urlaub in der Dominikanischen Republik, jetzt bin ich einfach nur zu Hause, am 6. Januar geht es zurück nach Malmö.”

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Marta einen 3-Jahresvertrag in Malmö unterschrieben hat. Du hast mit ihr schon in jetzt drei Vereinen zusammengespielt. Was sagst du zu der langfristigen Bindung an den Verein?

“Ich bin begeistert. Natürlich haben wir gehofft, dass sie bleiben würde. Sie war ein toller Zugewinn für das Team, um die Explosivität zu bringen, die wir brauchten. Es lief auch schon vorher gut für das Team, aber sie bringt uns ganz einfach diesen Faktor X und ich glaube, das ist genau das, was wir brauchen, wenn wir raus aus Schweden gehen und nach Europa. Ich mag sie sehr sowohl als Spielerin wie auch als Person. Wir haben auf der linken Seite zusammengespielt und ich habe viel von ihr gelernt. Nächstes Jahr wird das vierte Jahr, in dem wir zusammen spielen.”

Schon mit dem FC Gold Pride und mit Western New York Flash haben Marta und Riley zusammen in der WPS Titel geholt. Wie war diese WPS-Erfahrung für dich?

“Es war der Anfang meiner Karriere als Profi und ich liebte es. Was das Spielen auf dem Platz angeht und die Teams, in denen ich war: Ich habe mit Christine Sinclair gespielt, mit Marta, mit Alex Morgan und mit Ashlyn Harris, wirklich mit den Besten der Welt. Ich hatte wirklich großes Glück in zwei tollen Teams zu sein, aber natürlich gibt es auch einen bitteren Nachgeschmack, weil unser Team aufgelöst wurde und später dann sogar die ganze Liga. Das wird leider immer bleiben und ist schon etwas traurig, aber ich liebte es und denke, dass es klug ist, wie sie jetzt arbeiten in den USA und irgendwann in der Zukunft werde ich vielleicht auch wieder in der Liga spielen. Natürlich könnte man dassselbe auch über Schweden und Tyresö sagen, aber dass eine ganze Liga aufgelöst wird, das wird es mit der Damallsvenskan wohl nicht geben.”

In einem Interview mit ESPN hast du dich mal als Spätentwicklerin beschrieben, kannst du das ein wenig erklären?

Ali lacht und sagt: “Naja, ich habe ja erstmals mit 14 in einem Verein gespielt und viele der Mädchen da draußen, die in Jungsmannschaften sind oder in Vereinen, sind viel früher dran. Ich war sehr schnell, hatte aber null Technik. Und ich hatte auch nicht das beste Training, du kannst sagen, dass es eigentlich erst losging als ich in Stanford an der Uni studierte, weil da auch ein Trainer war, der sich Zeit für mich nahm. Er hat mich von einer Flügelstürmerin zur Abwehrspielerin gemacht und das war vermutlich der wichtigste Schritt in meiner Karriere. Und ich entwickle mich immer noch und finde, dass das auch gut so ist. Ich bin keineswegs ausgebrannt, sondern voller Leidenschaft für das Spiel. Erst als ich an der Uni spielte und dann bei der WM 2007 dabei war, kam ich auf das internationale Level und bekam den Geschmack dafür und sah auch mein eigenes Potential.”

Du hättest eigentlich für die USA spielen können und wärst dann bei der aktuellen Nummer 2 der Welt dabei, startest aber für Neuseeland. Ich weiß, dass du das schon oft gefragt wurdest, aber erzähle es doch bitte nochmal.

“Ich habe nie in einer der Jugendmannschaften für eine Nationalmannschaft gespielt und kam auch nicht in das Olympiaentwicklungsteam (ODT) der USA. Da waren einige meiner Teamkameradinnen, aber wie ich schon gesagt habe, brauchte ich etwas mehr Zeit, um mich zu entwickeln. Neuseeland bot mir 2006 die Möglichkeit an, für die U20 zu spielen und das war dann schon mein letztes Jugendjahr. 2007 dann hatte ich die Chance an der WM in China teilzunehmen und ich wäre doch blöd gewesen, wenn ich das nicht gemacht hätte, mit 20 Jahren. Ich musste das einfach machen und ich habe jede einzelne Minute mit der Mannschaft Neuseelands genossen. Wir haben tolle Dinge vor uns. Natürlich ist das was anderes, für die Nr 1 oder 2 der Welt zu spielen, aber ich habe die Reise, die ich gemacht habe, genossen. Und die Mannschaft bedeutet mir viel und ist sowas wie eine Familie für mich.”

Riley gewinnt dem Spiel für Neuseeland aber auch positive Seiten für ihre eigene Entwicklung ab.

“Als wir nicht so gut gespielt haben, bedeutete es schon viel, diesen enormen Druck auf die Abwehr zu haben und mit 18, 19 Jahren in Turnieren gegen die USA und Japan spielen zu können, war gut. Du wächst sehr schnell daran und siehst auch, was du noch brauchst, um die beste Abwehrspielerin zu werden. Diese Entscheidung zu treffen, war richtig, das hat meine Entwicklung befördert.”

An der Stanford Universität hast du für das Uni-Team, die Cardinals, gespielt, wahrscheinlich also auch mit Christen Press?

“Ja, ich habe mit Christen Press gespielt, aber auch mit Kelly O’Hara und Rachel Buehler. Christen ist sowas wie eine Tormaschine, sie ist einfach jedes Jahr besser geworden und es ist toll zu sehen, wie sie weiterkommt. Ich glaube, es war sehr mutig von ihr, nach Schweden zu gehen, was sicher nicht einfach war und ich glaube, hier haben sich die Dinge für sie geändert. Ich bin immer sehr beeindruckt von ihr und glaube, dass sie eine sehr wichtige Spielerin für die USA sein wird. Und ich freue mich darauf, sie bei der WM zu sehen.”

irgendwo habe ich gelesen, dass es in Schweden zuerst mal eine Sprachbarriere gab, wie sieht das nach drei Spielzeiten aus?

“Im alltäglichen Leben schaffe ich es gut auf Schwedisch, wenn ich über Politik diskutieren sollte, dann würde ich wohl nicht viel sagen, dazu fehlen mir die Vokabeln. Ich lebe in Schweden, warum sollte ich da Englisch reden, obwohl die meisten Schweden das sehr gut können? Ich finde, das macht der Verein ganz toll, sie zwingen dich nicht, aber motivieren dich. Alle Trainingseinheiten und Mannschaftsbesprechungen sind auf Schwedisch und ich weiß von Mannschaftskameradinnen, dass das ein großer Unterschied ist zu Teams wie Vittsjö oder Göteborg, wo überwiegend Englisch gesprochen wird. In Malmö übersetzen die anderen Mädels anfangs für dich beim Training, bis du selber verstehen kannst. Ramona und Marta konnten ja schon Schwedisch, die Isländerinnen wie Sara Björk schnappen das sehr schnell auf, auch bei Anja war es so, für Anita und mich war es vielleicht die größte Herausforderung, aber alle wollen wirklich lernen und ein Teil der Kultur werden.”

Wo du schon Anita Asante erwähnst, ich habe gesehen, dass ihr beide Videos dreht, die “A & A Show”. Kannst du erklären, was es damit auf sich hat und wird es weitere Folgen geben?

“Wir werden tatsächlich eine neue Folge in den nächsten Tagen hinzufügen. Wir machen sehr gerne Videos. Ich habe das schon an der Uni mit dem Standord-Team gemacht und dann mit Kelly O’Hara, dann habe ich das für ESPNW und die Flash in der WPS gemacht und habe die Fans auch durch unsere neuseeländische WM-Reise 2011 geführt. Anita hat eine tolle Persönlichkeit und sie liebt es, vor der Kamera zu stehen. Ich glaube, wir hatten ein Treffen im Verein, es ging um soziale Medien und Anita sagte, dass sie gerne öfter vor Leuten sprechen würde und ich sagte gleich, dass wir uns zusammentun sollten. Wir haben Ideen gesammelt und lustige Sachen gemacht. Am Ende der Saison haben wir etwas für das Team gemacht. Ein paar Episoden sind auf YouTube, aber wir haben die “A & A Show” jetzt der Frauenfußballseite Women Soccer United gegeben und da sind die Videos zu finden.”

Ein paar gibt es auf YouTube, hier die Premiere mit den zehn wichtigsten Wörtern, die man als Fußballerin in Schweden wissen sollte:

Lass uns vielleicht gegen Ende nochmal auf die Champions League zurückkommen, du hast schon gesagt, dass Marta da die ideale Ergänzung für eine sonst gute Truppe ist. Aber habt ihr sie wirklich gebraucht?

“Tyresö war ja auch ein sehr starkes Team mit tollen Spielern, aber man hat gemerkt, wenn Marta nicht dabei war. Als sie ein paar Spiele verpasste 2013, übernahmen wir in der Liga die Führung. Allein, wenn man sie 2014 im Champions League Finale gesehen hat – sie war phänomenal, sie bringt einfach dieses gewisse Extra. Jeder kennt sie, jeder hat Angst vor ihr und du willst gegen sie definitiv nicht verteidigen müssen, selbst ihr rechter Fuß hat sich jetzt toll entwickelt. Sie hat einfach alles und ist so eine unglaublich hart arbeitende Mannschaftsspielerin. Und das ist, glaube ich, etwas, was nicht alle begreifen.”

Jetzt geht es gegen Wolfsburg, gegen die in der letzten Saison ausgeschieden seid. Den zweifachen Sieger und mit 34:1 Toren souveränen Tabellenführer der Bundesliga.

“Ich glaube, der Schlüssel zum Erfolg ist der klinische Abschluss. Wie du schon gesagt hast, die sind sehr stark in der Defensive und wenn wir Chancen bekommen, dann müssen wir sie nutzen. Wir hätten damals gegen sie zu Hause gewinnen müssen, haben aber so viele Chancen ausgelassen und dann war es aus nach diesem Spiel. Klinische Abschlüsse und ich denke, es ist alles eine Mentalitätssache. Die sind selbstbewusst, haben eine tolle Einstellung. Nimm nur das Champions League Finale, was die da mitgemacht haben und wie sie es trotzdem geschafft haben. Ich denke, dass wir uns gerade da verbessern müssen. Wir haben eine gute Abwehr, wir haben gute Teamarbeit, es dreht sich alles um den Kopf und den Abschluss. Gegen Wolfsburg wird unser erstes richtiges Spiel in der Vorsaison sein. Wir müssen in der Vorsaison die Einstellung bekommen, dass wir tough sind und unbesiegbar. Die ersten zehn Minuten werden entscheidend sein und den Ton bestimmen.”

Zwei wichtige Spielerinnen haben den Verein verlassen, Kathrin Schmidt und Elin Rubensson, sie werden euch fehlen, besonders Kathrin, die meiner Meinung nach eine der besten defensiven Mittelfeldspielerinnen ist.

“Das sind wirklich zwei große Veränderungen, besonders mit Schmittie. Sie war meine Zimmerkameradin und eine meiner besten Freundinnen in der Mannschaft und ja, ich gebe dir Recht: Ich finde, sie wird unterschätzt; so wie wir spielen, brauchst du eine Spielerin die diese Art von ruhmloser Arbeit mache, da hinten drin ist, die wichtige Tacklings macht und wichtige Pässe spielt, aber niemand sieht sie da so richtig und das ist wirklich eine harte Rolle. Ich glaube aber, dass Anita und ich bin nicht sicher, dass es so kommt, aber wenn Anita ihre Rolle übernehmen soll, dann glaube ich, dass sie das brilliant lösen wird. Ich glaube,dass sie nach vorne dann auch etwas mehr Freiheiten bekommen würde, was sie mögen dürfte. Aber ich habe auch tolle Sache über Emma Berglund gehört und bin sicher, dass sie ein toller Neuzugang ist. Was Elin angeht, so freue ich mich für sie, denn sie sollte von Beginn an spielen können und das ist auch wichtig für die schwedische Nationalmannschaft, die inzwischen sowas wie mein zweites Team ist.

Zum Schluss noch ganz kurz zur WM, wo ihr mit Neuseeland unter anderem gegen den Gastgeber Kanada spielen müsst.

“Wir hatten China als sie Gastgeber waren, wir hatten Großbritannien, als sie Gastgeber waren. Diese Ehre zu haben ist entweder ein Fluch oder ein Segen. Es ist aufregend und ich denke, unsere Gruppe ist ganz schön ausgeglichen. Da gibt es kein Team, das einfach überrollt wird. Ich bin froh, dass es Kanada geworden ist und nicht eines der fünf Powerhäuser der WM. Kanada ist ei sehr respektables Team und die machen tolle Arbeit, aber es ist ein Unterschied, ob du gegen die USA, Deutschland, Japan oder Frankreich spielen musst. Es ist eine gefährliche Gruppe, weil es keine einfachen Siege gibt, aber es ist auch gut für uns. Wir spielen oft gegen China, wir spielen oft gegen Kanada und Holland kennen wir aus jedem Jahr beim Zypern-Cup. Wir hoffen natürlich, die Gruppe zu gewinnen, aber Erster oder Zweiter muss das Ziel sein, um dann eine gute Position in der nächsten Runde zu haben.”

Rosengård noch nicht im Ziel

Beide Spiele der schwedischen Clubs Linköpings FC und FC Rosengård wurden gestern nicht im Fernsehen übertragen. Während Linköpings 5:0-Sieg gegen Zvezda 2005 dabei völlig ohne Filmkameras stattfand, hatte sich der schwedische Meister eine einfachere Methode in den USA bei der NWSL abgeguckt: das Spiel wurde in Regie des FC Rosengård komplett auf der Videoplattform YouTube live übertragen, wo letzten Endes rund 3.000 Zuschauer zusätzlich die Begegnung verfolgten. Inzwischen hat das Video mehr als 11.000 Zuschauer und zeigt, dass es ein beachtliches Interesse gibt.

Anja Mittag brachte ihre Mannschaft mit 1:0 in Führung. Marta hatte die dänische Torhüterin Michelle Betos derart unter Druck gesetzt, dass sie einen Ball zu Therese Sjögran spielte, den Mittag schließlich bekam und zur Führung verwertete. Aber auch wenn alle nun glaubten, dass die Schwedinnen (naja, immerhin standen drei in der Anfangsformation) nun davonziehen würden und ähnlich wie das implodierte Tyresö FF vergangenes Jahr locker mit 4:0 gegen die durch vier Amerikanerinnen und eine Rumänin verstärkten Däninnen gewinnen würden, sah sich schwer getäuscht

Hohes Tempo, gutes Kombinationsspiel, aber wenig eindeutige Torchancen waren das Fazit einer ersten Halbzeit, die durch eine langsamere zweite Hälfte abgelöst wurde, in der Hjørrings Kapitänin Sofie Pedersen auch noch den Ausgleich erzielte (56.)

Nach einem Flankenlauf von Anja Mittag und einer Kopfballvorlage von Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir markierte dann Katrin Schmidt doch noch den Siegtreffer für Rosengård in ihrem letzten Heimspiel.

Die 28-Jährige Deutsche wird ab 2015 für Aufsteiger Hammarby spielen und nach drei Spielzeiten in Malmö zurück in die Hauptstadt ziehen, aus der sie 2012 gekommen war.

Wie vorauszusehen, war Nationalspielerin Emma Berglund (noch Umeå IK) bereits in Malmö, um sich umzuschauen. Noch sei nichts unterschrieben und sie würde auch noch andere Optionen prüfen, sagte sie der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, aber wer bitte sehr lässt sich denn beim Erkundungsbesuch bei einem möglichen neuen Verein gleich in dessen Stadion ablichten, liebe Emma? Nein, der Wechsel wird kommen und dann wird Anita Asante ihren Platz in der Abwehr verlassen und einen Schritt nach vorne auf die Position der wechselnden Katrin Schmidt rücken.

Ob Marta nächstes Jahr bei Rosengård spielt, ist dagegen noch nicht entschieden. Die 28-Jährige Brasilianerin will mehr Geld und pokert mit dem Verein. Sie ernährt schließlich eine ganze Familie in Brasilien und kann nicht ewig Fußball spielen. Marta hat erklärt, dass sie gerne die Champions League weiterspielen möchte, aber noch ist auch dieses Ziel nicht erreicht, wenngleich ein Sieg der Däninnen nächste Woche schon eine riesengroße Überraschung wäre.

 

Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber “ein sehr gutes Gespräch” hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Gegen Frankreich

Am 08.02. wird die schwedische Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel im neuen Jahr bestreiten. Gegner außerhalb von Paris ist Frankreich.

In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die in den USA eine zweimonatige Gastprofessur wahrnimmt (sie wird zum Algarve-Cup wieder beim Team sein) benannte Co-Trainerin Lillie Persson folgenden Kader für das Frankreich-Spiel:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Magdalena Ericsson, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Charlotte Rohlin, Sara Thunebro

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Emma Lundh, Lina Hurtig, Elin Rubensson, Olivia Schough, Lotta Schelin, Caroline Seger, Therese Sjögran, Josefine Öqvist.

Zurückgekehrt ist Carola Söberg. Im Tor gibt es nach dem Bandscheibenvorfall von Sofia Lundgren und dem Rücktritt von Kristin Hammarström Besetzungsprobleme und die nicht gerade stabile Hedvig Lindahl ist nun wieder die Nummer 1.

Die wieder genesene Emma Berglund wurde noch nicht berücksichtigt, ebensowenig Tyresös Linda Sembrant, die in der Champions League schon starke Spiele im Herbst gemacht hat.

Im Angriff darf man gespannt sein, ob Persson Supertalent Lina Hurtig testen wird. Die neuerliche Nominierung von Emma Lundh zeigt, dass das als schwierig geltende ewige Talent Lundh offenbar beim letzten Lehrgang überzeugt hat. Die mittlerweile 24-Jährige verfügt über eine manchmal geniale Spielintuition, hat aber den Durchbruch immer noch nicht geschafft.

 

Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis’ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren “sammeln” offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

Kreuzband #3

Nach den Verletzungen von Linda Sällström in der Vorsaison und Emma Berglund am ersten Spieltag, stellte sich heraus, dass auch U19-Nationalspielerin Nina Jakobsson (Sunnanå SK) einen Kreuzbandriss hat. Die 18-Jährige verletzte sich auch im ersten Spiel gegen Vittsjö. Da aber die Beschwerden nicht so stark waren, kam sie erst nach ein paar Tagen zur Magnetröntgenuntersuchung, die dann offenbarte, dass auch Jakobssons Saison 2013 zu Ende ist.

Mallbacken mit der zweiten Niederlage, Punkteteilung in Umeå

Dass es für Umeå IK nicht leicht werden würde gegen KIF Örebro, das konnte man sich vorher denken. Örebro war von vielen Experten weit unten getippt worden, hatte aber mit einem furiosen 4:0 gegen Mallbacken die Saison eröffnet. Außerdem sieht der Kader so schlecht nicht mehr aus, seitdem die tschechischen Zwillingsschwestern Lucie und Irena Martinkova hinzugestoßen sind.

Und Umeå muss, wie berichtet, auf seine Kapitänin Emma Berglund verzichten, die nach ihrem Kreuzbandriss für den Rest der Saison ausfällt. Neue Mannschaftskapitänin für die Saison wird nun die Nigerianerin Rita Chikwelu. Trainer Joakim Blomqvist zu der Entscheidung: “Rita war unsere klar beste Spielerin, sie gibt immer Alles und sie hat auch gut Schwedisch gelernt. Außerdem besitzt sie Führungseigenschaften.”

Gegen Örebro brachte Jenny Hjohlman ihre Mannschaft zwar in Führung, aber nach dem Ausgleich durch Helén Eke tat sich nichts mehr in der Protokollierung von Toren. Punkteteilung und bis morgen Tabellenführung für Örebro.

In Munkfors wurde zum ersten (und vorläufig letzten?) Mal Damallsvenskan gespielt. Denn der eigentliche Sportplatz auf dem Mallbacken spielt, ist nach dem langen Winter immer noch nicht spielbereit. Danach sehnt sich der Aufsteiger, denn so gab es heute auswärts eine Heimniederlage. Mit 2:1 gewann Kristianstads DFF sein Auswärtsspiel und hatte dabei den Gegner über weite Strecken unter Kontrolle.

 

EM-Aus für Emma Berglund

emmaEs passierte in der zehnten Minute des Spiels Tyresö FF – Umeå IK am letzten Dienstag. Um 19.30 Uhr Ortszeit versuchte Emma Berglund Marta an der linken Aussenseite des Strafraums einzuholen und knickte plötzlich weg und wurde nur wenige Minuten später vom bulligen Materialverwalter Umeås im Huckepack aus dem Stadion getragen.

Heute kam die leider erwartete Diagnose: Kreuzbandriss. Die neue Saison nach nur zehn Minuten zu Ende und damit auch keine EM für die 24-Jährige, die in den letzten Länderspielen jeweils auf der Innenverteidigerposition starten durfte.

Für Pia Sundhage nun die Herausforderung, vermutlich neben der von ihr favorisierten Nilla Fischer schnell Charlotte Rohling in Gang zu kriegen, die gerade am Mittwoch ihr erstes Ligaspiel machte, nach einer fast einjährigen Pause wegen Kreuzbandriss…

Norwegen ist wieder da

Alle fünf nordischen Teams waren in den gestern zu Ende gegangenen Turnieren an der Algarve und auf Zypern beteiligt. Und am Ende schnitten nicht die favorisierten Schwedinnen am besten ab, sondern der ehemalige Olympiasieger, Welt- und Europameister Norwegen.

Nach den 90 Minuten hatte es 2:2 gestanden. Schweden war zweimal in Führung gegangen, zweimal glichen die Norwegerinnen aus, zuletzt in der Nachspielzeit. Das fällige Elfmeterschießen gewann Norwegen mit 5:4.

Emma Berglund und Susanne Moberg verschossen ihre Elfmeter und Leni Laursen Kaurin verwandelte den entscheidenden Strafstoß.

Pia Sundhages erste Niederlage mit der schwedischen Mannschaft: “Ich bin sehr enttäuscht über das Ergebnis. Die zwei Tore, die wir zulassen, das ist nicht gut. Aher jetzt geht es darum, das hier zu etwas Positivem zu wenden. Am Anfang der Begegnung haben wir sehr gut gespielt. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass die, die das Spiel anfingen, am Ende nicht mehr dabei waren. Es gab Absprachen mit einigen Spielerinen und deren Vereinen. Wenn zum Beispiel Kosovare Asllani und Caroline Seger durchgespielt hätten, bin ich nicht sicher, ob wir dieses Ergebnis gehabt hätten. Man kann sagen, dass es mein Fehler war, aber die Spielerinnen verlassen die Algarve gesund und munter. Nilla Fischer etwa. Sie war fantastisch, spielte heute aber nur 45 Minuten und fährt gesund nach Hause. Ich verantworte die Auswechslungen und deshalb nehme ich die Niederlage auf mich,” so Pia Sundhage in einem Interview mit dem schwedischen Radio.

Schweden spielt seine EM-Elf ein

Nach dem 1:1 gegen die USA am Montag wird Schweden heute das Spiel um Platz 3 an der Algarve gegen Norwegen mit nur einer Personalveränderung beginnen.

Für Johanna Almgren kommt Marie Hammarström in die Mannschaft. Deremn Schwester Kristin steht dann also zum vierten Mal im Tor, der Stammplatz ist somit wohl sicher. Ebenso ist die Abwehr mit Nilsson, Fischer, Berglund und Thunebro inzwischen eindeutig gesetzt. Im zentralen Mittelfeld gibt es an Dahlkvist und Fischer kein Vorbeikommen und das Sturmpaar heißt Asllani und Schelin. Antonia Göransson scheint ebenso gesetzt zu sein, lediglich der Platz, den heute Marie Hammarström bekommt, ist wohl noch zu haben.

Düster sieht es jetzt wohl für Charlotte Rohlin und Therese Sjögran aus. Pia Sundhage hat viele großartige Eigenschaften, aber wenn sie sich für etwas entschieden hat, dann ist sie kaum noch umzustimmen. Auch die Youngster Elin Rubensson und Amanda Ilestedt dürften es jetzt sehr schwer haben. Ich denke, alle vier in diesem Abschnitt genannten haben nur noch eine Chance, wenn eine der vor ihnen liegenden sich in den kommenden Wochen ernsthaft verletzt.

Heute spiele Schweden gegen Norwegen mit: 12 Kristin Hammarström – 13 Lina Nilsson, 5 Nilla Fischer, 3 Emma Berglund, 6 Sara Thunebro – 20 Marie Hammarström, 17 Caroline Seger (K), 7 Lisa Dahlkvist, 11 Antonia Göransson – 9 Kosovare Asllani, 8 Lotta Schelin.

Sundhages Startformation gegen Island

Traditionsgemäß geben schwedische Trainer am Abend vor dem Spiel ihre Startformation auch der Öffentlichkeit bekannt – jedenfallsm, was Freundschaftsspiele angeht. Das hat Thomas Dennerby so gehalten und auch Pia Sundhage macht damit weiter.

Heute Abend um 18.00 Uhr Ortszeit (19.00 MEZ) wiord Schweden gegen Island mit folgender Formation auflaufen:

12 Kristin Hammarström – 13 Lina Nilsson, 3 Emma Berglund, 5 Nilla Fischer, 6 Sara Thunebro – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 7 Lisa Dahlkvist, 20 Marie Hammarström – 9 Kosovare Asllani, 8 Lotta Schelin.

Für viele Beobachter ist Sundhage damit sehr nah an der voraussichtlichen Startformation, mit der sie die EM bestreiten will. Nilla Fischer ist endgültig von der 6 zur Innenverteidigerin mutiert. Ob Charlotte Rohlin noch zurückkommt, scheint fraglich, denn Sundhage setzt auf Fischer, obwohl deren Positionsspiel noch oft zu wünschen übrig lässt und beim Gegentreffer gegen China auch ursächlich war. Auf den Außenbahnen in der Abwehr ist Sara Thunebro gesetzt und Lina Nilsson scheint sich im Konkurrenzkampf gegen Annica Svensson durchzusetzen. Schweden ist hier gut, aber keinesfalls mit internationaler Klasse besetzt. Überhaupt scheint mir die Abwehr noch ein Sorgenkind zu sein, denn mit einer ungelernten Fischer in zentraler Position, einer keine Spielzeit im Verein bekommenden Thunebro auf links und einer international eher durchschnittlichen Besetzung auf rechts sieht das nicht sonderlich überzeugend aus.

Im Mittelfeld sind Seger und Dahlkvist gesetzt. Positiv natürlich, dass die Beiden auch im Verein auf denselben Positionen spielen und jede Menge Zeit zum Einspielen hatten und sich sehr gut kennen. Lisa Dahlkvist allerdings ist meilenweit von ihrer Bestform entfernt und Caroline Seger war im letzten Jahr eine Spielerin, die oft 20 Minuten glänzte und 70 verschwand.

Auf den offensiven Außenbahnen kommen heute Göransson und Hammarström zum Einsatz. Göransson hat sich in Potsdam zu einer Rakete entwickelt. Hammarström ist eher die defensive Balance dazu. Offensiv stärker wäre Schweden mit Sofia Jakobsson oder Johanna Almgren.

Lotta Schelin ist die einzige völlig indiskutable Spielerin. Die einzige, der ich uneingeschränkt das Prädikat absolute Weltklasse geben würde. Sie hat das gerade erst am Wochenende noch im Spitzenspiel gegen Paris Saint-Germains unter Beweis gestellt, wo sie mit ihren beiden Toren das Spiel entschied.

Daneben bekommt Kosovare Asllani wieder eine Chance. Mal sehen wie das heute läuft, auch hier wäre natürlich Jakobsson eine Alternative, aber die neue Stürmerin von Chelsea London (im Mai werde ich sie bei Chelsea besuchen und dann auch hier darüber schreiben) ist meiner Meinung nach von der Spielanlage Schelin zu ähnlich und hat nicht so viele Überraschungsmomente wie die quirlige Asllani zu bieten.

Umeå IK stark beim 1:1 in Tyresö

Malin

Umeås Keeperin Malin Reuterwall hat das Nachsehen bei Lisa Dahlkvists Schuss 1-1

Es war das erste Heimspiel von Marta 2013, es war der mit Spannung erwartete Gastauftritt der erst 1995 geborenen Norwegerin Caroline Graham Hansen, die Tyresö derzeit testet. Aber das 1:1 vom schwedischen Meister Tyresö FF gegen Umeå IK war vor allem eine beeindruckende Demonstration der Gäste.

Sicher, die haben mit Emmelie Konradsson, Emma Berglund und Hanna Folkesson immerhin drei Spielerinnen in Pia Sundhages Algarve-Kader, aber Tyresö hat die geballte Übermacht von zahlreichen Nationalspielerinnen, einige davon zur absoluten oder erweiterten Weltklasse gehörend.

Die ersten Minuten gehörten Tyresö und vor allem die gerade 18 Jahre alt gewordene Norwegerin wollte sich von ihrer besten Seite zeigen, und das obwohl Cheftrainer Tony Gustavsson heute mit Abwesenheit glänzte und von Assi Leif Edeborg vertreten wurde. Im Publikum u.a. Pia Sundhage und Tyresös verletzte Stars Kirsten van de Ven, Christen Press und Carola Söberg.

Graham Hansen brillierte in ein paar Szenen auf rechts. Die Norwegerin ist beidfüßig, sehr technisch und hat einen beeindruckenden Antritt und gutes Spielverständnis. Viele bezeichnen sie als das größte Talent des norwegischen Fußballs seit vielen Jahren.

Aber je länger das Spiel dauerte, desto besser wurde Umeå, desto besser auch Graham Hansens Gegenspielerin in der ersten Hälfte, Elin Landgren, selber erst 21 Jahre alt.

Der Führungstreffer durch Konradsson in der neunten Minute kam noch wie eine kalte Dusche, danach hätte man erhöhen können und traf auch zum 2:0 durch Jenny Hjohlman, aber dieser Treffer wurde wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben.

Tyresö kämpfte sich zurück, traf durch Lisa Dahlkvist zum Ausgleich und schien nun auch das Kommando endgültig zu übernehmen, aber dann war Pause und in der zweiten Halbzeit war Umeå einen Tick besser, hätte in der 54. Minute Elfmeter bekommen müssen, als Hjohlmann im Strafraum von Elaine zu Boden gezogen wurde. Und hatte weitere Chancen durch u.a. Lina Hurtig. Es blieb aber beim alles in allem durchaus gerechten 1:1, ein Ergebnis, das natürlich vor allem Umeå als Positivum mitnehmen kann, das für Tyresö ein Warnsignal sein sollte. Denn eindeutig war es Umeå, das mehr wollte und die Koordination in Tyresös Abwehr, vor allem zentral, sah heute nicht so gut aus.

Interviews nach dem Spiel waren leider nicht drin. Ich hätte gern etwas länger mit Umeå-Spielerinnen gesprochen, aber wie mir Emma Berglund sagte, müsse man schon bald wieder zum Flughafen. Man war eine Stunde vor dem Spiel angekommen und wollte eine halbe Stunde nach Abpfiff schon wieder zurück, um ins eine Stunde nördlich gelegene Umeå nach Hause zu fliegen.

Mit Umeå wird in der kommenden Saison zu rechnen sein. Nicht als Topteam, das werden wieder nur Tyresö und Malmö sein, aber in der oberen Hälfte müsste dieses starke Team landen können. Wie es dem Club gelungen ist, gute Talente selber zu entwickeln (Beispiel: Konradsson) oder andere Talente an sich zu binden (Beispiel: Hurtig), das ist beeindruckend. Trainer Joakim Blomkvist macht im dritten Jahr exzellente Arbeit in Umeå. Man darf darauf gespannt sein, wie sich das Team bei der Premiere der Damallsvenskan präsentieren wird. Dann geht es auswärts gegen – Tyresö FF.

Sundhages Algarve-Kader

Rubensson

Nachdenklich – Elin Rubensson ist nicht im Algarve-Kader von Pia Sundhage

Pia Sundhage hat mehrere Monate lang mit der schwedischen Nationalmannschaft Lehrgänge durchgeführt. Einige Namen fehlten, einige neue kamen hinzu. Gespielt wurde monatelang nur gegen Jungenmannschaften. Bald geht es an die Algarve zum Traditionsturnier im portugiesischen Frühjahr und da stehen dann vier Länderspiele auf dem Programm, man spielt gegen China (06.03.), Island (08.03.) und gegen Olympiasieger USA (11.03.) sowie gegen einen noch unbekannten Gegner (je nachdem wo man in der eigenen Gruppe landet) am 13. März.

Hier ist der heute in der EURO2013-Stadt Norrköping bekannt gegebene Kader:

Tor: Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Carola Söberg

Abwehr: Emma Berglund, Nilla Fischer, Malin Levenstad, Lina Nilsson, Jessica Samuelsson, Annica Svensson, Sara Thunebro

Mittelfeld und Angriff: Johanna Almgren, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Carina Holmberg, Sofia Jakobsson, Emmelie Konradsson, Susanne Moberg, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger.

Mit Folkesson, Holmberg und Schough enthält der Kader drei potentielle Debütantinnen. Etwas überraschend nicht dabei sind Malmös junge U19-Europameisterinnen Elin Rubensson und Amanda Illestedt. Meine Spekulation: Entweder will Malmö sie vor dem CL-Viertelfinale gegen Lyon extra schonen oder aber sie sind nicht mehr aktuell, weil Oldtimer wie Charlotte Rohlin und Therese Sjögran nach ihren Kreuzbandverletzungen auf dem Weg zurück sind.

Schaut man sich die Vereinsbilanz an, dann sind die 23 Spielerinnen aus insgesamt beeindruckenden zwölf Vereinen. Jeweils vier Spielerinnen kommen von Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC (K Hammarström, M Hammarström, Almgren und Schough) und Meister Tyresö (Söberg, Svensson, Dahlkvist und Seger). Fünf (Jakobsson, Thunebro, Asllani, Schelin und Göransson) spielen im Ausland.

Die älteste Spielerin im Kader ist Frankfurts Abwehrspielerin Sara Thunebro (33) und die jüngste Jessica Samuelsson (21) aus Linköping. Das Team hat ein Durchschnittsalter von 26,3 Jahren beim Start des Turniers. Sechs Spielerinnen (K Hammarström, M Hammarström, Lundgren, Söberg, Svensson, Thunebro) sind über 30 Jahre alt.

Lotta Schelin: “Für mich hat sich nichts verändert”

Lotta_09022013

Lotta Schelin

Ich komme noch einmal zurück auf den letzten Samstag und meinen ersten Besuch in der Friends Arena. Hier wird am 28.07.2013 um 16.00 Uhr das Endspiel der EURO 2013 gestartet und hier hat Pia Sundhage am 09.02. zum ersten Mal ein Training angesetzt.

Jonas Nystedt, Pressechef des schwedischen Fußballverbands, ist da. Bevor die Nationalmannschaft einmarschiert, um sich zunächst mit Mädchen von Danderyds SK und dann mit uns Journalisten zu unterhalten, geht Jonas umher und fragt, mit wem wir reden wollen. Emma Berglund, Emmelie Konradsson, sagt Blogautor Anders Nilsson. Jonas notiert schnell auf einem behelfsmäßigen Zettel. “Elin Rubensson und Amanda Ilestedt, am liebsten beide zusammen,” sagt Alva Nilsson, die wie ich für damfotboll.com schreibt.

Jonas schreibt weiter, sieht mich an. “Lotta Schelin”, sage ich. Jonas schreibt nicht, murmelt etwas wie “die kommt ja sowieso”.

Lotta Schelin ist der unumstrittene Star dieses 22 Personen umfassenden Kaders. Die anwesenden Mädchen von Danderyds SK wollen alle ein Foto mit der 28-Jährigen Fußballerin des Jahres haben, sie bekommen es auch. Lotta lächelt. Lotta schreibt. Lotta posiert. Für jedes der Kinder hat sie ein freundliches Wort, einen Klaps auf den Rücken, eine Geste.

“Hast du Instagram,” fragt eine 12-Jährige und Lotta lacht, es ist ein offenes, ehrliches Lachen. “Nein, das hab ich nicht,” sagt sie. “Haben wir nicht vorhin schon ein Bild zusammen gemacht,” fragt sie zwei Mädchen mit denen sie in die Hocke geht und Wange an Wange posiert. Es ist eh egal, sie lässt sich nochmals fotografieren, inzwischen scheinen alle Kinder in diesem Land IPhones zu haben. Instagram sowieso. Und so erscheinen vermutlich innerhalb weniger Minuten etliche Lotta-Bilder im Internet. Auf Instagram, Facebook und sonstwo.

Pia Sundhage hat in den Wochen und Monaten nach ihrer Amtsübernahme das Land im Sturm erobert. Sie hat so gut wie alle erdenklichen Preise gewonnen, ist nebenbei auch noch Welttrainerin des Jahres geworden und ihr Charisma füllt auch die Halle, in der wir uns an diesem Samstag mit der Nationalelf Schwedens aufhalten. Pia hat offen und deutlich immer wieder in der Öffentlichkeit ihre Erwartungen an Lotta Schelin formuliert. Nicht nur im direkten Gespräch, sondern eben auch in Interviews in Printmedien, im Radio, im Fernsehen. Lotta ist der Star der Mannschaft, so Sundhage. Sie muss liefern. Sie muss Spiele entscheiden. Ich erwarte noch mehr von ihr.

An diesem Samstag sind immerhin gut 25 Akteure versammelt. Aber es ist das Charisma von Pia Sundhage, das den Raum füllt. Und das von Lotta Schelin. Mit einem Mal geht mir auf, das da zwei wahrlich große Persönlichkeiten sind in einem Team, zu dem viele gehören.

An diesem Samstag bin ich zur Friends Arena gekommen, weil ich mit Lotta Schelin über die Erwartungen an sie reden will. Wie sie damit klar kommt. Deshalb lasse ich sie nicht aus den Augen, als Funktionäre am anderen Ende des Saals mit ihren Presseerklärungen beginnen.

Wir werden lediglich maximal 15 Minuten haben mit der Mannschaft, bis das Training beginnt. “Verwaltet irgend jemand deine Interviews,” frage ich sie vorsichtig. “Sprich mit ihm da,” sagt Lotta und deutet auf einen Pressevertreter des Verbands. Der weiß es selber nicht so genau, sein Notizbuch ist in beeindruckender Weise mit Krakeleien gefüllt.

Schelin geht mit einer anderen Spielerin in die Arena. Übrig bleiben die anderen, die zu Interviews abkommandiert sind. Rubensson, Berglund, Caroline Seger, Sara Thunebro.

Dann ist der offizielle Teil 1 vorbei und wir dürfen die Spielerinnen sprechen, aber Lotta ist noch im Stadion. Als sie dann kommt, bin ich sofort da, aber dann sagt der neue Pressemann, dass sich die Spielerinnen uns erst einmal vorstellen sollen. Im Halbkreis stellen sie sich auf und Lotta beginnt. “Ich heiße Lotta Schelin und bin Stürmerin.” Und auf der anderen Seite des Halbkreises endet es mit “Ich bin Pia Sundhage, ich bin die Trainerin der schwedischen Frauenfußballnationalmannschaft.”

Da sind ein paar, die auch zu Schelin wollen, aber ausnahmsweise bin ich mal penetranter und schneller. Wäre auch blöd gewesen, wenns jetzt doch nicht geklappt hätte.

Lotta, du bist schon so etwas wie der Star der Mannschaft. Alle Kinder wollen dein Autogramm, wollen mit dir fotografiert werden.

Naja, ich weiß nicht. Ich schreibe Autogramme für alle, die eins haben wollen, antwortet Lotta Schelin ganz Schwedisch bescheiden. Mir ist klar, dass ihr auch meine nächste Frage nicht gefallen wird.

Wie gehst du damit um, dass Pia Sundhage dich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund stellt und so klare Erwartungen auch öffentlich formuliert?

Was soll ich sagen? Ich bin wie immer. Etwas trotzig klingt die Antwort auf die Frage, die sie sicher nicht zum ersten Mal hört. Ich glaube, dass ich auch schon vorher eine ziemlich klar definierte Rolel hatte, für mich hat sich nichts verändert. Ich weiß, was ich kann und das versuche ich so gut wie möglich zu tun.

Naja, dass das alles jetzt auch ganz öffentlich an dich herangetragen wird durch Pia?

Aber was soll sich denn da verändern? Es gibt überhaupt keinen Grund etwas zu ändern. Sie darf doch machen und sagen, was sie will und mit “sie” meint sie die Trainerin Sundhage aber wir sind nun mal elf Spielerinnen auf dem Platz und x Spielerinnen auf der Bank. Wir haben immer von der Mannschaft gesprochen. Ich denke, dass das das Wichtigste ist. Natürlich gibt es immer eine Zahl x von Spielerinnen, die eine mehr hervortretende Rolle haben. Das kaufe ich ab, aber das ist nichts Neues, so war das auch vorher. Der einzige Unterschied ist, dass Pia klarer ist, und Klarheit ist immer gut. Sie weiß, was sie will und sie weiß auch, was sie von jeder einzelnen Spielerin will.

Du bist jetzt seit 3-4 Jahren in Lyon. Es ist schon mein fünftes Jahr, korrigiert sie mich. Oh, mein Gott ja, die Zeit vergeht. Lotta lacht, sie wird jetzt entspannter, bilde ich mir ein. Hat dich die Zeit in Frankreich verändert, nicht nur im Hinblick auf den Fußball, sondern mehr auf das Land bezogen?

Darüber könnten wir sehr lange reden. Klar, dass mich diese Zeit verändert hat. Man entwickelt sich als Mensch, als Spielerin, wenn man ins Ausland zieht. Ich spiele in einem fantastischen Team mit vielen, vielen Weltklassespielerinnen. Das bewirkt, das man sich auch auf einem bestimmten Niveau befindet. Dann haben wir auch einen Trainer, der sehr hohe Ansprüche stellt und der viel von uns will.

Am 28. März wirst du in Malmö spielen, das ist wohl das erste Vereinsspiel auf schwedischem Boden für dich, seit du Schweden verlassen hast?

In meinem zweiten Jahr spielten wir gegen Umeå, aber im Rückspiel war ich verletzt, du hast also Recht. Das wird toll. Wir haben ein gutes Selbstvertrauen und wir brauchen vor nichts Angst zu haben. Natürlich ist Malmö eine supergute Mannschaft. Aber ich denke, dass wir trotzdem leicht favorisiert sind, wir müssen jedoch in beiden Spielen 100% geben.

Sicher. Wie soll eine Mannschaft, die zweimal in Serie die Champions League gewonnen hat und die sich gerade noch mal eben mit Weltstars wie Shinobu Ohno und Megan Rapinoe verstärkt hat, nicht favorisiert sein.

Ihr habt in der Liga aus 14 Spielen 14 Siege und 90:4 Tore. Sehr überlegen, beginne ich.

Dazu kannst du ein Tiorverhältnis von 39:1 in der Champions-League Saison 2011/12 legen, ergänzt Lotta Schelin. Das sagt etwas über unser Team, nicht alles über die französische Liga, die ist sicher nicht gleichmäßig stark, absolut nicht, aber das ist schwer für mich zu beurteilen, weil wir einfach eine so unglaublich gute Mannschaft sind. Wir lassen es nie zu, uns zu entspannen und das kann dann dazu führen, das manche Spiele 10:0 enden.

Wenn man all das addiert, kommt man auf 129:5 Tore in Meisterschaft und Champions League und auch in der mit zwei Runden gestarteten Saison hat man gegen den finnischen Meister PK-35 und den russischen Vizemeister Zorkij insgesamt weitere 23:0 Tore produziert.

Ist es eigentlich wirklich immer noch gleich spannend, in dieser Mannschaft zu spielen, wenn man allen anderen so überlegen ist? Vermisst du nicht manchmal die engen Spiele mit knappen Siegen oder Niederlagen?

Ich kriege diese engen Spiele doch und ich habe eine faszinierende Trainingsumgebung mit allen Möglichkeiten. Da gibt es für mich nichts, über das ich nachdenken müsste. Wir sind eine der besten Mannschaften der Welt.

Ganz schließt sie eine Rückkehr nach Schweden nicht aus und ich denke mir, dass ich spätestens dann wieder mal mit Lotta Schelin reden will, dann mit mehr Zeit und darüber, wie Frankreich auf sie gewirkt hat, welche Dinge sie dort schätzen gelernt hat und wie sich die Wahlheimat vom Leben in Göteborg unterscheidet. Sie hat ja selber gesagt, dass sie dazu viel zu sagen hätte, denke ich, als ich zum ersten Mal die Treppen der Friends Arena hochsteige zu den Presseplätzen, um mir das Training anzuschauen.