Schweden kann es packen

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Vor einigen Wochen sprach ich mit Emilia Appelqvist. Heute hat sie mindestens eine Silbermedaille sicher.

Es ist nicht mein Fußball. „Den Bus parken“ wie man hierzulande sagt. Aber nach dem 1:5 gegen Brasilien hat Pia Sundhage die Taktik gewechselt. Gegen stärkere Gegner spielt Schweden seitdem die Taktik, die das Team im Grunde auch schon in der Olympia-Quali im Frühjahr erfolgreich begonnen hat zu entwickeln. Zwei kompakte Viererketten und heute mit Stina Blackstenius eine gefährliche Targetstürmerin vorne. Lotta Schelin spielte überwiegend zweite linke Außenverteidigerin in der zweiten Viererkette.

Brasilien hatte in der ersten Halbzeit 71% Ballbesitz, aber die Schwedinnen kämpften und droschen den Ball weg und waren eine unüberwindliche Wand. Ein doppelter Catenaccio.

Schon 2008 in Peking hatte Pia Sundhage diese Taktik gegen die Brasilianerinnen im olympischen Finale gefahren und mit 1:0 gewonnen. Hope Solo erinnerte vor kurzem daran, stinksauer, dass die Schwedinnen nun dieselbe Taktik anwandten. Sie hätten gespielt wie Feiglinge, sagte Solo. Sundhage erwiderte, darauf angesprochen: „Ich pfeife drauf, was sie sagt. Ich fahre nach Rio und sie fährt nach Hause.“

Nach vier Jahren ist Pia Sundhage doch angekommen. Damit hatte kaum noch jemand gerechnet. Sie kam als Erlöserin nach dem netten und soliden, aber biederen Thomas Dennerby. Sie kam mit Temperament und Charisma. Und änderte dann noch fast gar nichts. Sie hielt an manchen Spielerinnen fest und ließ große neue Talente nicht nachrücken. Oft schrieb ich, dass sie endlich der jungen Generation eine Chance geben müsse. Das schrieben auch andere, sie hörte natürlich nicht auf uns, sie machte ihr Ding und dann kamen auf einmal doch viele junge Spielerinnen nach. Magdalena Eriksson, Fridolina Rolfö, Stina Blackstenius, Jonna Andersson sind da zu nennen.

Sie hielt an Hedvig Lindahl fest, und musste dafür Sofia Lundgren opfern, denn Lindahl will keine unmittelbare Konkurrenz um den Torwartposten. Heute überragte Lindahl, war der sichere Rückhalt und hielt zwei Elfmeter.

Ich habe mit Emilia Appelqvist und Sofia Jakobsson gesprochen, die jetzt die olympische Silbermedaille sicher haben und Gold wollen. Beide sagten mir, dass man Revanche wolle für die WM 2015. Diese Enttäuschung, in Kanada so sang- und klanglos ausgeschieden zu sein, gegen Deutschland mit 1:4, sitzt tief. Aber ich vermute, dass die Mannschaft gerade das jetzt auch nutzt, um sich positiv daraus zu erheben.

Nach dem 3:0 gegen Japan in Kalmar schrieb ich, dass Schweden mit der stärksten Truppe seit 2003 in ein Turnier gehe. Im Turnier dann spielten sie holprig gegen Südafrika (1:0), schwach gegen Brasilien, das entfesselt aufspielte (1:5) und kühl kalkulierend gegen China (0:0), wissend, dass man wenigstens Dritter wird und damit weiterkommt.

Gegen die USA und Brasilien gab es unattraktiven Fußball, aber am Ende Erfolge. Die aus einer sehr starken Mannschaftsleistung resultierten. 240 Minuten lang kämpften die Schwedinnen mit einem Hunger, einem Siegeswillen und hielten sich sklavisch an die ausgegebene Taktik. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Ich bin gespannt, was der Strategin Silvia Neid einfällt, um den schwedischen Catenaccio zu knacken. Überrascht wäre ich nicht, wenn Schweden am Freitag den größten Erfolg seiner Fußballgeschichte feiern sollte. Schaffen sie das mit oder ohne Elfmeter, dann haben sie es auch verdient.

Brillante Generalprobe für Schweden

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Japans Startelf gestern: Saki Kumagai, Mizuho Sakaguchi, Yuri Kawamura, Rumi Utsugi, Ayaka Yamashita, Yuki Nagasato. Vorne: Tomoko Muramatsu, Rika Masuya, Yu Nakasato, Mayu Sasaki, Saori Ariyoshi. 

Durch Tore von Lotta Schelin, Fridolina Rolfö und Olivia Schough gewann Schweden seine Generalprobe für Olympia mit 3:0 gegen den Weltranglistensiebten und Vizeweltmeister Japan.

Vor etwas mehr als 5.000 Zuschauern, einer guten Kulisse angesichts des Termins mitten in den Sommerferien, hat Pia Sundhage dabei eine Reihe von guten Antworten bekommen.

Die Startformation überraschte etwas mit Schelin, Kosovare Asllani und Sundhage-Liebling Olivia Schough auf der Bank, stattdessen setzte die 56-Jährige auf Linköpings Stürmerinnen Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius. Und während Blackstenius eher blass blieb, nutzte Rolfö die ihr gegebene Chance. 90 Minuten, ein Treffer und ein Assist für die Targetstürmerin, die in Rio einen weiteren Schritt Richtung Weltklasse machen könnte.

In der ersten Halbzeit begann man bei sommerlichen Temperaturen forsch, aber schnell fingen die Japanerinnen an, ihre sehr ansehnlichen Ballstafetten zu spielen. Die „technisch vielleicht beste Mannschaft der Welt“ (Asllani) machte es den Schwedinnen schwer, auch wenn Nadeshiko im letzten Drittel relativ harmlos agierte und nur zu 2-3 wirklichen Chancen kam.

Sundhage hatte vorher angekündigt, sechs Mal wechseln zu wollen und brachte dann auch gleich vier Neue in der 46. Minute. Schelin, Asllani, Emma Berglund und Magdalena Eriksson. 

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Fridolina Rolfö überzeugte

Während Berglund Linda Sembrant gut ersetzte, sorgten die übrigen drei neuen Spielerinnen für eine deutliche Verbesserung. Lotta Schelin ging es dreckig, sie hustete und musste mehrere Minuten mit dem Mannschaftsarzt reden, bevor sie dann weitermachte – und trotzdem zeigte sie ihr bestes Spiel seit langem. Dicke Chance schon Sekunden nach ihrer Einwechslung und schliesslich tolle Ballannahme und platzierter, souveräner Abschlus zum 1:0 nach 76 Minuten, nach dem perfekten Pass von Kosovare Asllani.

Die 26-Jährige Asllani, jetzt bei Manchester City, überragte mit brillanten Pässen aus dem offensiven Mittelfeld. Auch beim 2:0 bediente sie Fridolina Rolfö. Obwohl sicher nicht die Favoritin bei Pia Sundhage, sollten die Beiden einen Pakt schließen, denn mit Asllani kann Schweden Erfolg haben.

Das 3:0 in der Nachspielzeit war dann ein Tupfer, Olivia Schough, frei gespielt von Fridolina Rolfö machte ein ähnliches Tor wie zuvor die Spielerin aus Linköping. Beides Mal platziert ins lange Eck.

Der Sieg fiel etwas zu hoch aus, aber wer ein Japan mit sieben Startspielerinnen vom 3:3 gegen die USA in Colorado Anfang Juni so deutlich schlagen kann, sollte mit Selbstbewusstsein und Erwartungen nach Rio reisen.

Pia Sundhage benennt Olympiakader

Es hat Tradition. Wie seinerzeit Kollege Thomas Dennerby 2012  vor London, so nutzte auch Pia Sundhage die Gelegenheit des Elitentrainingslagers in Halmstad, das allsommerlich veranstaltet wird, um ihren Kader für Rio (und Brasilia) zu benennen.

Kritik gibt es dabei an der fehlenden Öffentlichkeit Nicht einmal eine Live-Übertragung im Netz fand statt.

Überraschungen gab es (fast) keine. Die eine Überraschung ist, dass es KIF Örebros 23-Jährige Abwehrspielerin Hanne Gråhns als Reserve in den Kader geschafft hat.

Im Tor werden Hedvig Lindahl (Chelsea Ladies) und Hilda Carlén (Piteå) stehen.

Sieben Spielerinnen stehen für die Abwehr zur Verfügung: Nilla Fischer (Wolfsburg), Emma Berglund (Rosengård), Linda Sembrant (Montpellier) sowie Magdalena Eriksson, Jessica Samuelsson und Jonna Andersson (alle Linköping).

In Mittelfeld und Angriff stehen: Kosovare Asllani (Manchester City), Lotta Schelin (FC Rosengård), Caroline Seger (PSG), Olivia Schough (Eskilstuna), Stina Blackstenius (Linköping), Emilia Appelqvist (Djurgården), Sofia Jakobsson (Montpellier), Lisa Dahlkvist (KIF Örebro), Fridolina Rolfö (Linköping), Elin Rubensson (Göteborg).

Die drei übrigen Reservistinnen sind Emelie Lundberg (Eskilstuna) im Tor, Abwehrspielerin Amanda Ilestedt (Rosengård) und Stürmerin Pauline Hammarlund (Göteborg).

Malmös Lina Nilsson fiel überraschenderweise in Ungnade.

 

 

 

Mit bekannten Gesichtern gegen Polen und Moldawien

Kosovare Asllani ist zurück und Nilla Fischer macht aus privaten Gründen Pause, wenn Schweden am 02. und 06. Juni auf Polen (in Lodz) uind Moldawien (in der Nationalarena für Frauenfußball in Göteborg) trifft.

Dass Asllani eher früher als später zurückkehren würde, daran hat wohl seit dem Wechsel der 26-Jährigen nach Manchester niemand gezweifelt. Trainerin Pia Sundhage geht es immer darum, dass ihre Nationalspielerinnen gute Vereine und regelmässiges Training haben. Wer keinen Verein hat, der wird schon mal aussen vor gelassen, das hat es bereits früher so ähnlich auch bei Sofia Jakobsson gegeben.

Ansonsten sieht das Aufgebot sehr vertraut aus. Niemand ist zum ersten Mal dabei.Neben Fischer fehlt verletzungsbedingt auch Emilia Appelqvist (Djurgården).

Tor: Hilda Carlén (Piteå IF), Hedvig Lindahl (Chelsea Ladies), Emelie Lundberg (Eskilstuna United)

Abwehr: Jonna Andersson, Magdalena Eriksson, Jessica Samuelsson (alle Linköpings FC), Emma Berglund, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson (alle FC Rosengård), Freja Hellenberg (Kopparbergs/Göteborg FC), Linda Sembrant (Montpellier HSC)

Mittelfeld und Angriff: Stina Blackstenius, Fridolina Rolfö (beide Linköpings FC), Malin Diaz, Olivia Schough (beide Eskilstuna United), Lisa Dahlkvist, Caroline Seger (beide Paris Saint-Germains), Kosovare Asllani (Manchester City), Pauline Hammarlund, Elin Rubensson  (beide Kopparberg/Göteborgs FC), Sofia Jakobsson (Montpellier HSC), Josefine Johansson (Piteå IF), Lotta Schelin (Olympique Lyon)

 

Malmö wieder vorn

Malmö hat Tyresö nach vier Runden die Tabellenführung abgeluchst. Mit einem 2:1 in Umeå am Sonntag (Siegtreffer durch Neuzugang Yoreli Rincon) setzte sich der Vizemeister dank der mehr geschossenen Tore an die Tabellenspitze. Dabei flog Therese Sjögran nach zwei gelben Karten vom Platz.

Ereignis des Tages aber wohl die Stadioneröffnung in Linköping. Das neue Stadion für die Europameisterschaft gebaut wird Heimstatt für Linköpings FC sein. Freier Eintritt und schönes Wetter und eine Rekordkulisse von 5300 Zuschauern, vermutlich ein Saisonrekord, den keiner in der Liga überbieten wird. Und wieder sorgte Örebro für eine Überraschung, lag 2:0 in Führung, ehe am Ende die Abwehrspielerinnen Charlotte Rohlin und Magdalena Eriksson noch für das dritte Unentschieden in Folge für Linköping sorgten.

Und Mallbacken strafte mich Lügen. Nachdem ich am Samstag nach dem neuerlichen Debakel Sunnanås noch behauptete, dass beide Aufsteiger sang- und klanglos absteigen würden, gewann das Team sein zweites „Heimspiel“ in Munkfors mit 3:0 gegen das bislang starke Piteå.

Aber auch trotz dieses sporadischen Erfolgs kann ich so recht nicht daran glauben, dass Mallbacken mit seinem bescheidenen Kader in der Liga bleibt.

Kreuzbandriss Nummer 6: Hanna Petterssons Knieschmerzen aus einem Training vor dem Spiel in Mallbacken rührten von einem gerissenen Kreuzband her. Saison zu Ende. Auch diese Saison werden wohl wieder 20-25 Spielerinnen mit dieser Diagnose von Magnetröntgenuntersuchungen nach Hause kommen.

Schwedens U19 im EM-Halbfinale

Malin Diaz (AIK) – Spielmacherin der schwedischen U19

Schweden und Spanien haben bei der U19-Europameisterschaft in der Türkei beide schon vor dem letzten Gruppenspiel (gegeneinander) das Halbfinale erreicht. Den Schwedinnen gelang ein 5:1 gegen Serbien, Spanien schlug England mit 4:0.

„Serbien ist ein technisch sehr versiertes Team,“ sagte Schwedens Trainer Calle Barling. „Als wir gegen die in der ersten Runde der Qualifikation 7:0 gewonnen haben, hatten sie schon sehr viel Ballbesitz und heute hatten sie, glaube ich, noch mehr. Sie haben eine große Ballsicherheit, aber sie sind nach wie vor übermütig. Im Großen und Ganzen produzieren sie keine Torchancen, und wir können uns nach vorne durcharbeiten und unsere Tore machen.“

Schwedens Tore schossen Elin Rubensson (2), Pauline Hammarlund und Malin Diaz (Foto), dazu kam ein Eigentor der Serbinnen.

In der anderen Gruppe setzten sich ebenfalls vorzeitig Dänemark und Portugal durch.

Schwedens U19 vor dem Deutschlandspiel im April 2012. Stehend vlnr: Magdalena Eriksson, Jennie Nordin, Pauline Hammarlund, Therese Boström, Fridolina Rolfö, Julia Wahlberg. Vorne vlnr: Amanda Ilestedt, Hanna Glas, Jessica Höglander, Malin Diaz, Elin Rubensson

„Dänemark ist vermutlich die beste Mannschaft der anderen Gruppe. Aber wir freuen uns auf die Fortsetzung des Turniers, die Mannschaft, die wir haben, ist ungeheuer vielseitig. Wir spielen einen sehr guten Fußball, dass muss man sagen. Das ist wunderbar anzuschauen, die können nach hinten auf Sicherheit spielen, sie können angreifen und auf Konter spielen. Diese Mädchen hier sind in ihrer Ausbildung weit gekommen und das haben wir natürlich ihren Vereinen zu verdanken. Besonders auch, dass die Mädchen ausgeruht und fit zur EM gekommen sind, daran haben wir viel Freude,“ sagte Calle Barling der Homepage des schwedischen Fußbvallverbands nach dem Spiel gegen Serbien.

Ähnlich enthusiastisch hatte sich Barling schon nach dem 1:0 Sieg gegen Deutschland in der Quali in Västerås im April geäußert. Da hatte er davon gesprochen, dass diese U19 wohlk diejenige mit dem besten Zuspiel sei, das er je bei diese3r Altersgruppe erlebt habe. In der Tat spielen in der schwedischen Mannschaft (Archivbild vom Spiel gegen Deutschland in Västerås) viele Talente, die bereits Stammplätze in ihren Vereinen haben: Magdalena Eriksson (Djurgården), Jennie Nordin (AIK) und Amanda Ilestedt (LdB FC Malmö) spielen Woche für Woche gegen Stürmerinnen wie Marta, Manon Melis, Christen Press und Anja Mittag. Stürmerin Elin Rubensson hat inzwischen auch einen Stammplatz beim schwedischen Meister und geht im AUgust sogar in die Champions League.