Mit bekannten Gesichtern gegen Polen und Moldawien

Kosovare Asllani ist zurück und Nilla Fischer macht aus privaten Gründen Pause, wenn Schweden am 02. und 06. Juni auf Polen (in Lodz) uind Moldawien (in der Nationalarena für Frauenfußball in Göteborg) trifft.

Dass Asllani eher früher als später zurückkehren würde, daran hat wohl seit dem Wechsel der 26-Jährigen nach Manchester niemand gezweifelt. Trainerin Pia Sundhage geht es immer darum, dass ihre Nationalspielerinnen gute Vereine und regelmässiges Training haben. Wer keinen Verein hat, der wird schon mal aussen vor gelassen, das hat es bereits früher so ähnlich auch bei Sofia Jakobsson gegeben.

Ansonsten sieht das Aufgebot sehr vertraut aus. Niemand ist zum ersten Mal dabei.Neben Fischer fehlt verletzungsbedingt auch Emilia Appelqvist (Djurgården).

Tor: Hilda Carlén (Piteå IF), Hedvig Lindahl (Chelsea Ladies), Emelie Lundberg (Eskilstuna United)

Abwehr: Jonna Andersson, Magdalena Eriksson, Jessica Samuelsson (alle Linköpings FC), Emma Berglund, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson (alle FC Rosengård), Freja Hellenberg (Kopparbergs/Göteborg FC), Linda Sembrant (Montpellier HSC)

Mittelfeld und Angriff: Stina Blackstenius, Fridolina Rolfö (beide Linköpings FC), Malin Diaz, Olivia Schough (beide Eskilstuna United), Lisa Dahlkvist, Caroline Seger (beide Paris Saint-Germains), Kosovare Asllani (Manchester City), Pauline Hammarlund, Elin Rubensson  (beide Kopparberg/Göteborgs FC), Sofia Jakobsson (Montpellier HSC), Josefine Johansson (Piteå IF), Lotta Schelin (Olympique Lyon)

 

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Über München und Moskau nach Eskilstuna

olivia2014 warauf Vereinsebene ein Jahr, in dem Olivia Schough bei Bayern München und dem FC Rossiyanka unter Vertrag stand und relativ wenig in Erscheinung trat. Ganz anders in der Nationalmannschaft, wo sie sich in diesem Jahr einen festen Platz in der Truppe Pia Sundhages erarbeitete, die im nächsten Jahr Weltmeister werden will.

Jetzt wechselt die 23-Jährige zum diesjährigen Aufsteiger Eskilstuna United, der somit neben Sara Thunebro und Malin Diaz die dritte aktuelle Nationalspielerin unter Vertrag hat.

 

Fotbollsgalan – Teil 1

Anja Mittag und Malin Diaz

Anja Mittag und Malin Diaz

In acht Minuten beginnt die Livesendúng von den Fußballpreisen 2014 aus dem Stockholmer Ericsson Globe und schon vorher wurden fünf Frauenfußballpreise vergeben, die ich (leider!) allesamt richtig getippt habe: Trainer des Jahres wurde hochverdient Rickard Nilsson (KIF Örebro), der einen Verein mit bescheidenen finanziellen Mitteln in die Champions League geführt hat und das nicht durch Glück, sondern mit Methode.

Rickard Nilsson

Rickard Nilsson

Nicht meine Wahl, aber natürlich die der Jury war Malin Diaz Pettersson als Newcomerin des Jahres. Sie hat sowohl in der Nationalmannschaft wie auch in Eskilstuna keine tieferen Abdrücke hinterlassen, ganz im Gegensatz zu der ebenfalls nominierten Fridolina Rolfö (Linköping). Aber da die Jury zur Hälfte aus Mitarbeiterinnen des schwedischen Fußballverbands besteht, konnte die Wahl nicht anders ausfallen

Anja Mittag hat sich erst einmal die Trophäe der Torjägerin des Jahres abgeholt (21 Treffer) und wurde dann vor Sendebeginn auch als wertvollste Spielerin der Liga ausgezeichnet. Dass man diesen wichtigsten Preis quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit verleiht und die wichtigen Männerpreise dann live im TV sagt einiges aus über die Stellung des Frauenfußballs 2014 in Schweden.

Mia Jalkerud (Djurgården) erhielt als Torschützenkönigin der zweiten Liga Elitettan (26 Tore) ebenfalls den goldenen adidas(?)-Schuh.

Tor in Eskilstuna

Die Spieltage der Damallsvenskan sind immer mehr auseinandergezerrt, so dass man eigentlich nicht mehr durchblickt, welches Spiel nun zu welchem Spieltag gehört. Am Donnerstag spielten Göteborg und Piteå, heute Eskilstuna und Vittsjö, morgen dann Linköping, Umeå, Rosengård und Jitex, die Begegnung zwischen Örebro und Kristianstad ist auf Anfang September verlegt worden. Ein Blick auf die Webseite des schwedischen Fussballverbands verrät mir, dass die heutige Begegnung zwischen Eskilstuna und Vittsjö zum 13. Spieltag gehört.

Wieder 1500 Zuschauer am Tunavallen sahen bei herrlichem Sommerwetter, das wir in Schweden schon seit etlichen Wochen haben und dass, nicht so weit entfernt von Stockholm und Eskilstuna in der Landschaft Västmanland zu extremen Waldbränden geführt hat, eine Partie die früh entschieden wurde. Das weiss man aber immer erst, wenn abgepfiffen wurde. Den einzigen Treffer des Tages für die Gastgeber schoss Neuzugang Kimberly De Cesare in der 17. Spielminute. Die Amerikanerin kam in der Sommerpause von den Boston Breakers nach Schweden.

Eskilstuna war durchgehend die bessere Mannschaft, aber die exzellent aufgelegte Minna Meriluoto im Tor der Gäste, eine Spielerin, die auch in einer internationalen Toppmannschaft spielen könnte, verhinderte Schlimmeres. Und man hätte gar einen Punkt mitnehmen können, was Meriluoto zweifellos zur Heldin des Spiels gemacht hätte. In der 57. Minute nämlich setzte die Schottin Jane Ross einen Foulelfmeter auf die falsche Seite neben den Pfosten.

Antonia Göransson spielte 90 Minuten für Vittsjö während Malin Diaz für ihren neuen verein Eskilstuna sieben Minuten am Ende bekam.

Mehr Zuschauer, aber…

Die Damallsvenskan 2014 hat gut 10% mehr Zuschauer als 2013. Das ist die gute Nachricht Gefeiert wird hierzulande auch, dass Marta sich entschlosen hat, in Schweden weiterzumachen, was allenthalben als Signal gesehen wird, dass die Liga weiterhin hochattraktiv ist

Schaut man genauer hin, stellt man jedoch fest, dass der Anstieg der Zuschauerzahlen einen Namen hat; Eskilstuna United.

Der Aufsteiger hat einen unerreichten Schnitt von 2.064 Personen pro Heimspiel und dazu trägt eine gute Öffentlichkeitsarbeit und natürlich auch ein mehr als geglückter Saisonstart bei. Der lokale Sponsor, eine Bank, erhöhte ihr Engagement beträchtlich und ausserdem holte das Management klug Verstärkungen für alle Mannschaftsteile, zuletzt Tyresös U19-Europameisterin Malin Diaz, die im nächsten Spiel gegen Vittsjö am 09.08. bereits auflaufen kann.

Ein Blick auf die neun Vereine, die auch letztes Jahr in der Liga gespielt haben, zeigt jedoch, dass wir im Grunde genommen weiterhin auf der Stelle treten, was den Publikumszuspruch angeht. Meister FC Rosengård hat den Namenstausch (von LdB FC Malmö) nicht in mehr Zuschauer umsetzen können. Im Gegenteil: Kamen letztes Jahr noch 956 Zuschauer im Schnitt zum Malmö IP, so sind es 2014 nur noch 774, ein Rückgang von 19%. Auch CL-Teilnehmer Linköping hat einen Publikumschwund u verzeichnen, ein Hinweis darauf, dass die Fans Siege sehen wollen- in dieser Saison liegt Linköping bereits weit hinter Rosengård und selbst neun Punkte hinter dem zweiten CL-Platz, den derzeit KIF Örebro innehat.

Aber selst wenn man an der Spitze mitspielt, heisst das nicht notwendigerweise, dass mehr Zuschauer kommen. KIF Örebro steht so gut wie noch nie da, aber trotzdem sind weniger Zuschauer in die Behrns Arena gekommen als vergangenes Jahr. Statt 648 nur noch 533.

Vittsjö hat nach schwachem Start in die Serie an Publikum verloren und kommt nur noch auf 479 im Schnitt, ein Warnsignal an Eskilstuna, denn beim Aufsteiger von 2012 hatte anfangs auch grosse Publikumseuphorie geherrscht,

Ager erfreulicherweise gibt es auich vier Aufsteiger. Piteå kommt auf 1384 (2013: 1011) Zuschauer, Umeå hat jetzt 921 (689), Jitex 510 (467) und Kopparberg/Göteborgs FC 589 (477).

Dass Aufsteiger AIK mit 334 Zuschauern Schlusslicht ist, war leider zu erwarten. In Stockholm (hier: Solna) kommt das Publikum nur bei anhaltendem Erfolg. Die Konkurrenz durch andere Sportarten ist immens.

Zwei Nachnominierungen

Am 4. August trifft Schweden in Hartlepool, südlich von Newcastle, auf England. Verletzungsbedingt gibt es im Kader von Pia Sundhage zwei Veränderungen: Elin Rubensson (Rosengård) und Malin Diaz (Eskilstuna) mussten absagen, dafür rücken Magdalena Ericsson (Linköping) und Olivia Schough (Rossiyanka) nach.

Wechsel

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Das Transferkarussell in Schweden ist in diesen ersten Tagen recht bescheiden, das liegt wohl daran, dass die meisten Entscheidungen mehr oder weniger klar sind und auch, dass der Schock des Verschwindens von Tyresö auch andere wirztschaftlich klamme Vereine zur Zurückhaltung mahnt.

Lisa Dahlkvist, einer der letzten übrig gebliebenen Restposten aus der Konkursmasse von Tyresö, geht nun zum ambitionierten norwegischen Topclub Avaldsnes IL. Dessen starker Mann Arne Utvik ist offenbar in Kroatien im Badeurlaub und postet seit 24 Stunden jeden erreichbaren Link, der über die Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin berichtet. Avaldsnes liegt nach der Hälfte der Spielzeit in Norwegen auf einem eher enttäuschenden siebten Rang, zwölf Punkte hinter den führenden LSK Kvinner. Die wiederum haben sich die Dienste der in Potsdam ein Jahr früher scheidenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir im Tor gesichert.

‚Gugga‘ bekam in Potsdam zuletzt keine Spielzeit mehr und der Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen vor ein paar Wochen aufgelöst.

Unklar noch der Verbleib von Malin Diaz und Carola Söberg sowie Lisa Klinga.

Nach einem halben Jahr Ausleihe an AIK, beendet Malin Levenstad vertragsgemäß ihre Sejour in Solna. Es heißt jedoch, dass sie nicht zu dem sie entleihenden Verein FC Rosengård zurückkehrt, sondern erst einmal ohne Verein nach Paris zieht, wo Freundin Caroline Seger ab der kommenden Saison unter Vertrag ist.

Für AIK ein herber Verlust, aber andererseits hat man bei sieben Punkten Vorsprung auf Jitex Mölndal auf dem elften Platz den Klassenerhalt so gut wie sicher.

 

Das letzte Aufgebot

Der achte Spieltag der Damallsvenskan wurde heute Abend mit der Begegnung Linköpings FC – Tyresö FF abgeschlossen. Das Spiel endete mit einem klaren 3:0-Sieg für Linköping, für das Pernille Harder erstmals nach ihrer Ermüdungsfraktur im Fuß wieder spielte und gleich wenige Minuten nach ihrer Einwechslung das 2:0 köpfte.

Ein höherer Sieg wäre möglich gewesen, aber die Finnin Tinja-Riikka Korpela machte ein großes Spiel und rettete mehrere Großchancen der Gastgeber. Die Schussstatistik endete mit 19:2 für Linköping, daran sieht man, wie sehr sich das Team Tyresös seit der Finalniederlage gegen Wolfsburg in Lissabon vor zwei Wochen geändert hat.

Um seine Juniorinnen, die er einsetzen musste, nicht zu Kanonenfutter werden zu lassen, ließ Tony Gustavsson neben Lisa Klinga, Linda Sembrant und Line Røddik Hansen ausnahmsweise Madelaine Edlund (!) in der Rechtsverteidigung auflaufen. Malin Diaz und Lisa Dahlkvist im Mittelfeld und der Sturm bestand nicht mehr aus Marta, Christen Press undEdlund, sondern aus Emelie Högman, Lina Sundelin und Rebecca Nyberg. Eingewechselt wurden später Astrid Wemö Larsson, Hanna Mohammed und Linda Tzelidis. Das zeigt, wie sich der Kader verändert hat. Wie bereits früher berichtet, befinden sich Rilany, Thaysa und Mayara mit der brasilianischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat, Fabiana hat meines Wissens nie eine Arbeitserlaubnis bekommen.

Vorsitzender Hans Lindberg bleibt immer noch cool. Morgen muss er Papiere beim Antsgericht einreichen, die dann Grundlage für drei Monate Forsetzung der Rekonstruktion bedeuten. Aber selbst im Falle eines Konkurses gedenkt Lindberg nicht, aus der Liga zu verschwinden. Er machte darauf aufmerksam, dass das Spielrecht in der Damallsvenskan dann juristisch von der Firma Tyresö Fotboll AB an den Verein Tyresö FF zurückgehen würde. Theoretisch könne man dann den Rest der Saison mit Juniorinnen in der höchsten Spielklasse Schwedens bestreiten.

Die professionellen Spielerinnen hingegen sind alle in Kontakt mit Vereinen. In den nächsten Wochen werden wir viele Wechsel erleben. Auch in Deutschland soll es Interesse an Spielerinnen des Champions-League-Finalisten geben.

 

 

7: Topteams geben Punkte ab

Christen Press holt aus zum Tor des Monats gegen Rosengård (Foto: Anders Henrikson)

Christen Press holt aus zum Tor des Monats gegen Rosengård (Foto: Anders Henrikson)

Der siebte Spieltag der Damallsvenskan markiert das Ende des ersten Drittels der Saison. Und alle Topteams gaben Punkte ab.

Meister Rosengård verlor seinen Auftritt bei Champions-League-Finalist Tyresö FF mit 1:2. Verdienter Sieg der Elf, die zum letzten Mal in dieser Formation zusammen spielte. Marta hat die Mannschaft bereits am Donnerstagabend nach dem Finale verlassen und wird nicht mehr nach Tyresö zurückkehren.

Auf dem Feld standen aber die drei amerikanischen Nationalspielerinnen und Vero Boquete. Rosengård begann stark und nach achtzehn Minuten spielte Ramona Bachmann wunderbar auf Elin Rubensson, die mit einem geraden, strammen Schuss der am Sonntag stehenden Tinja-Riikka Korpela keine Chance ließ. Alles schien seinen Gang zu gehen.

Aber Malmö oder Rosengård kam Sand ins Getriebe. Und Tyresö hatte (doppelte Bedeutung) Christen Press. In der 28. Minute bekam sie einen Ball im Strafraum und machte die schwedische Nationalspielerin Lina Nilsson buchstäblich schwindlig und nass. Mit zwei Körpertäuschungen brachte sie Nilsson wie eine Anfängerin aus dem Glechgewicht und zu Fall und verwandelte trocken aus nun schussfreier Bahn zum Ausgleich.

Zwar blieb Rosengård im Spiel und hatte Chancen, meisterlich sah das aber nicht aus. In der 63. Minute wurde dann Caroline Seger für Malin Diaz ausgewechselt Die Umarmungen zwischen Seger und Diaz und Seger und Trainer Tony Gustavsson ließen mehr auf einen unmittelbar bevorstehnden Abschied schließen, offiziell macht Seger jedoch noch einen Monat weiter.

Immer wieder setzte Christen Press die überforderte Amanda Ilestedt unter Druck, die mehrfach ihre Nervosität zeigte und Fehler machte, die Anita Asante ausbügeln musste. Nilsson hatte bereits in der ersten Halbzeit das Nachsehen gegen die 25-Jährige Amerikanerin gehabt, die sich dann in der 85. Minute einen fantastischen Abgang verschaffte. Anspiel, kurze Wende und dann aus 25 Metern der Schuss in den Winkel. Tony Gustavsson hielt es nicht mehr, er rannte vor Begeisterung die Linie rauf und runter, der Sieg war ihm sehr wichtig in diesem wohl letzten Spiel der dann vielleicht doch besten Mannschaft Schwedens, zumindest an diesem Tag. Hungriger wirkte Tyresö, weil sich Press und Boquete mit einem guten Spiel verabschieden wollten.

Wie es jetzt weitergeht: Mittwoch Pokalviertelfinale gegen Umeå daheim, ohne mindestens fünf Leistungsträgerinnen und vielleichtauch ohne Caroline Seger. Dann Linköping auswärts und dann Nacka – Gerichtstermin. Und wohl das Aus, wenn kein Wunder geschieht und Hans Löfgren mit einem Geldkoffer über die Oberfläche des Mälarsees spazieret kommt.

Seger machte aus ihrem Herzen nach dem Spiel keine Mördergrube und sagte dem Fernsehsender TV4Sport, dass sie sich nun überlegen würde wie es weitergeht. „Wenn du die ganze Zeit für jemanden was tust, der seinerseits nichts für dich tust, dann fängst du an nachzudenken. Seit März kriegen wir kein Gehalt mehr.“

Vor dem Spiel überreichte Präsident Hans Lindberg den Spielerinnen Wimpel und auch hier sagte Seger, dass sie sich bei der Übergabe sehr unwohl gefühlt habe und am liebsten weggegangen wäre. „Fünf Monate lang habe ich nichts von ihm gehört und dann kommt er und will uns Wimpel überreichen.“

Im zweiten Spitzenspiel teilten sich Eskilstuna und Linköping die Punkte und weiter überzeugt der Aufsteiger aus Eskilstuna vor allem mit solider Abwehrarbeit. 1:1 hieß es am Ende vor 1.500 Zuschauern.

Nach dem Sieg bei Abstiegskandidat Jitex gewann AIK am Sonntag auch gegen Piteå. Dieses Mal 2:1 und AIK entfernte sich damit sogar von den Abstiegsplätzen.

Kristianstad schlug Umeå durch einen von Linnéa Liljegärd in der ersten Minute erzielten Treffer mit 1:0.

 

Vor dem Finale 5: Christen Press

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Ein Finale braucht Torschützen, am besten in der regulären Spielzeit oder Verlängerung, wenn am Ende nicht ein Elfmeterschießen einen eher glücklichen Sieger ermitteln soll.

Eine, die Tore schießen kann, die Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 war und auch die Torjägerliste der Champions League 2013/14 mit bislang neun Treffern anführt, ist Tyresös 25-Jährige amerikanische Nationalspielerin Christen Press. Am vergangenen Samstag habe ich mich mit der Weltklassestürmerin getroffen, um ausführlich über ihre Zeit in Europa zu sprechen. Das kommt in einem zweiten Teil in der kommenden Woche. Am Anfang unseres Gesprächs drehte es sich natürlich um das heutige Finale.

Christen, in fünf Tagen ist das große Finale (wir sprachen also letzten SAMSTAG) und morgen geht es nach Lissabon. Schläfst du noch gut?

„Als ich jünger war, konnte ich schon einen Monat vor einem Spiel kaum noch schlafen. Weißt du, meine Mutter erzählt da eine Geschichte aus der Zeit, als ich etwa 10 war. Wir standen vor einem entscheidenden Spiel und ich schlief kaum noch. Kam nachts um zwei und fragte, ob wir denn nicht bald losfahren müssten zum Spiel. Um vier Uhr wieder, Nein, sagte Mom, wir haben noch Zeit, du kannst dich wieder hinlegen, Christen. Heute bin ich viel entspannter. Ich werde einfach genießen, die Stadt genießen und mich entspannen und an das Spiel denke ich wenn Training angesagt ist oder das Spiel.“

Während Tyresö es in den letzten Wochen fußballerisch etwas ruhiger angehen ließ mit viel Rotationund Spielerinnen ausruhen lassen, musste Wolfsburg voll ran in der Meisterschaft. Ist das für irgendeine Seite von Vor- oder Nachteil?

„Naja, erst mal denke ich, dass die Saison mit ihrem Verlauf die Teams aus Deutschland und Frankreich bevorzugt, weil wir in Schweden halt die Saison von April bis Oktober haben. Für Wolfsburg ist das eine harte Zeit, weil sie sich ja noch für die Champions League qualifizieren müssen und auf einen der ersten beiden Plätze kommen müssen oder aber uns schlagen. Für uns war es in der tat möglich, uns nur auf die Champions League zu konzentrieren.“

Man hat ja den Entscheidungen des Trainers Tony Gustavsson über wer in der Liga spielen durfte, aber auch eurem Spiel angemerkt, dass die Liga nicht so wichtig ist?

„Der Club ist in so einer Situation, dass die Ressourcen stark begrenzt sind und man hat alles auf die Champions League gesetzt und natürlich gibt es da ein hohes Risiko. Wir haben vielleicht 70% der Energie in die Ligaspiele investiert und nicht voll durchgespielt. Aber ich bin damit einverstanden, dass wir ein Risiko eingehen. Wir werden die Liga dieses Jahr nicht beenden [!] und wir mussten all unsere Energie auf etwas verwenden, dass wir abschließen können. Und es hat sich, wie zuletzt gegendie Birmingham Ladies gezeigt, dass es funktioniert, dass wir unser bestes Niveaui dennoch erreichen können, so wie Tony es will.“

Wenn man sich an das Spiel gegen Eskilstuna erinnert, ich schrieb an dm tag, dass tyresö die beste Ersatzbank der Welt hatte mit dir, Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz, Ohne euch war das ein ausgeglichenes Spiel, ihr lagt 0:1 hinten, dann kamen du und Seger rein, später Vero, aber ihr konntet an der Dramaturgie des Spiels nichts mehr drehen, die Rollen waren verteilt?

„Ja, das hast du gut analysiert. Es war etwas frustrierend. Man saß da auf der Bank und dachte, ah, wenn ich gleich reinkomme, dann muss ich einen Unterschied machen, ein Tor machen. Aber es gab nur einen kleinen, kurzen Effekt auf das Spiel, dann ging es wie vorher weiter und die schossen sogar das 2:0. Das war überraschend und negativ. Aber ein paar Tage danach haben wir auch das Halbfinale gegen Birmingham dann ganz souverän gespielt.“

In den schwedischen Medien ist Wolfsburg Favorit. Die Wolfsburgerinnen, mit denen ich sprach, sehen eher ein 50/50 Spiel heute Abend. Wie sieht das Christen Press?

„Wenn du dir die Mannschaften und deren Geschichte anguckst, dann ist Wolfsburg doch Favorit. Wenn du aber dann schaust, wer da im einzelnen auf dem, Platz stehen wird, dann ist es schwer, uns nicht als Favoriten zu sehen. Ich glaube, dass all die Perobleme, die wir mit unserem Club gehabt haben, dass uns das alles zu Außenseitern machen sollte. Als Außenseiter gehst du normal in ein Spiel und denkst, hier muss was Großes passieren, damit wir gewinnen, die anderen müssen schlecht spielen, wir brauchen ein Wunder. Das brauchen wir nicht. Wir wissen, dass wir gewinnen können, wenn wir unser bestes Spiel spielen. Ich sehe uns nicht als Außenseiter. SDie Umstände um das Spiel machen sie zum Favoriten, die haben in ihrer Organisation immerhin Stabilität und Beständigkeit, kümmern sich bereits um die nächste Saison – aber auf dem Spielfeld sind wir gleich stark.“

Dazu kommt dann noch der Trainerfuchs Tony Guistavsson, der aus der negativen Ausgangsbasis etwas Positives für das Mannschaftsgefühl ziehen wollte, was ihm gelang. Allenthalben hört man, dass die Mannschaft sich so nahe ist wie nie zuvor.

Und als ich Christen Press erzähle, wie ich mir vorstelle, dass Tony Gustavsson ihnen von diesem speziellen Abend des 22.05. in Lissabon erzählt hat, wie er sie damit motiviert, dass es das letzte Mal sein wid, da wird Christen Press’s Lächeln immer breiter und größer und ich ahne, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe.

„Weißt du,“ sagt sie mir da, „ich kann mir ehrlich gesagt, sehr gut vorstellen, wie Tony in seinem Haus sitzt und diesen Abend für uns plant, bis ins kleinste Detail.“

Den großen zweiten Teil des Interviews mit Christen Press, was sie über ihre Zeit in Europa sagt und was sie von Schweden nicht so erwartet hätte und einiges mehr, in der nächsten Woche.

 

 

Tyresö nach Lissabon

Großer Jubel nach Tyresös 2:0 gegen Birmingham

Großer Jubel nach Tyresös 2:0 gegen Birmingham

Tyresö FF steht erwartungsgemäß im Finale der Champions League. Am Sonntag besiegte das Team von Trainer Tony Gustavsson sicher mit 3:0.

Es war der erwartete Spielverlauf. Tyresö hatte vor etwas mehr als 2100 Zuschauern bei vorsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein mehr vom Spiel und das über 90 Minuten.

Das Mittelfeld dominierte mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz. Vor allem die junge Diaz imponierte als gleichwertig neben den drei Weltklassespielerinnen und dürfte nach dem baldigen Abgang der Drei die wichtigste Mittelfeldspielerin sein, wenn man denn Anfang Juni den möglichen Konkurs noch einmal vermeiden kann.

Aber lassen wir die selbstverschuldeten finanziellen Nöte des Clubs erst einmal an die Seite rücken. Wir kommen darauf zurück.

Tyresö dominierte, machte das Spiel und Birmingham verteidigte sich so gut es ging. Und die Leidenschaft, mit der die Spielerinnen aus der zweitgrößten englischen Stadt kämpften, war beeindruckend. Martas Gegenspielerin war über weite Strecken die 24-Jährige Chelsea Weston und eigentlich hätte ein Duell der Beiden in der 28. Minute das Matchbild verändern müssen. Nachdem Marta und Weston nach einem Zweikampf zu Boden gingen, wollte die Engländerin aufstehen als Marta, noch liegend, nach der Gegnerin trat. Ein sonnenklarer Platzverweis, der möglicherweise Sand ins Getriebe gebracht hätte.

Aber seit Udo Lattek weiß man, dass Elfmeter oder rote Karten nur dann Realität werden, wenn der Schiedsrichter pfeift und das Machtinstrument der italienischen Unparteiischen blieb stumm.

Tyresö hätte das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden müssen, aber Birmingham drosch alles aus dem Strafraum und was die Abwehr nicht rausbrachte, das hielt die exzellente Torfrau Rebecca Spencer. 

Einmal traf Superstar Christen Press mit dem Kopf, aber das Tor wurde wegen Schubsens im Fünfmeterraum nicht gegeben, die Kommandobrücke in Tyresö hatte schon mal den Torknopf gedrückt und den eingespielten Tyresö-Song auf volle Lautstärke laufen lassen.

So ging es in die zweite Halbzeit und als dann ein unberechtigter Handelfmeter gegeben wurde, da rechnete man allenthalben mit dem Führungstor. Aber als ausgerechnet Marta sich den Ball zurecht legte, hatte ich negative Vibes. Wie oft schon hat die Brasilianerin wichtige Strafstöße versemmelt? Auch heute war es nicht anders, gut einen Meter über die Querlatte ballerte die 28-Jährige und spätestens jetzt hätte man nach der alten Fußballweisheit „Wer seine Chancen nicht nutzt….“ argumentieren können.

Nichts da. Marta wurde noch wütender und legte einen Gang zu und das restliche Team besann sich auf die eindringlichen Reden seines Trainers. Gustavsson hatte in allen Besprechungen Geduld gefordert. Es kann lange dauern, aber wir werden Chancen bekommen und früher oder später eine rein machen.

Irgendwann musste bei Birmingham auch die Kraft nachlassen. Malin Diaz fand in der 62. Minute natürlich Christen Press, die den Ball mit fantastischer Annahme mitführte und Sekundenbruchteile später unhaltbar an der herauseilenden Spencer vorbeischob.

Das war eigentlich die Entscheidung. Denn niemand erwartete wohl ernsthaft einen Sturmlauf der großartig diszipliniert spielenden Engländerinnen. Birmingham hatte eine aktuelle Nationalspielerin (Karen Carney) in der Startformation, Tyresö begann das Spiel mit elf aktuellen Nationalspielerinnen aus sechs Ländern.

Christen Press wurde noch einmal von Malin Diaz bedient und es stand 2:0 und als man schon an das Endergebnis glaubte, da stand das Publikum noch einmal auf und feuerte seine Truppe an und Christen Press machte das, was sonst andere für sie tun, sie setzte sich auf der linken Seite durch und passte maßgerecht auf Marta, die das 3:0 Endergebnis feststellte.

 

Tyresö und Linköping verlieren

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Dass sein Arbeitgeber die Champions League eindeutig vor der Meisterschaft prioritiert, das hatte mir Tony Gustavsson, Tyresös Trainer, schon im Februar gesagt – bevor das Chaos auch nur andeutungsweise nach außen bekannt wurde.

Dass die Damallsvenskan in den Überlegungen Tyresös keine sonderlich große Rolle (mehr?) spielt, sah man auch heute in Kristianstad. Nach 50 Sekunden schoss die von mir hoch geschätzte Marija Banusic Kristianstad gegen Tyresö mit 1:0 in Führung. Olivia Welin machte in der 79. Minute alles klar, in Abwesenheit von Meghan Klingenberg, Caroline Seger, Marta und Vero Boquete. Letztere saß übrigens mit Annica Svensson (früher Tyresö, jetzt Eskilstuna und morgen dran) auf der Tribüne von Skytteholms IP und sah AIK gegen Rosengård verlieren. Fabiana hat keine Arbeitserlaubnis, die Startformation Tyresös sah so aus: Carola Söberg, Line Røddik Hansen, Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist, Rilany, Thaysa, Mayara, Johanna Rytting Kaneryd, Malin Diaz, Lisa Klinga, Madelaine Edlund.

Sowohl Goalgetterin Christen Press wie Abwehrbollwerk Whitney Engen begannen auf der Bank, waren erst gestern von den beiden Länderspielen der USA gegen China aus Kalifornien zurückgekehrt. Die Brasilianerinnen landeten am Freitag nach einem Ausflug ihrer Natio nach Australien.

Allein schon deshalb war der Sieg Kristianstads keine Überraschung, es zeigt aber auch, dass Tyresö weiterhin wenig Interesse an der Liga hat und alles auf die an den nächsten beiden Sonntagen zu spielende Halbfinals gegen die Birmingham Ladies setzt.

Bei den Gastgebern lief übrigens Therese Björck heute mit der vermutlichen Rekordrückennummer 400 (!!) auf. Grund: Das Städtchen Kristianstad feiert in diesen Tagen und Wochen seinen 400. Geburtstag.

Die größere Überraschung schaffte aus meiner Sicht Piteå, dass dem von fast allen auf Platz 2 getippten Linköping gleich eine Auftaktniederlage beibrachte. Torschützin: Ausgerechnet die in Linköping ausgemusterte ehemalige Tyresöspielerin Pauline Hammarlund. Die 19-Jährige traf vor knapp über 1.000 Zuschauern in der LF-Arena, der nördlichsten Stadt in der Damallsvenskan. Dort ist es, das bezeugen alle, nicht leicht zu gewinnen, aber nach einem eher negativen Wechselverhältnis vor der Saison hatten viele Piteå alles zugetraut, aber nicht den von Martin Sjögren trainierten Mädels aus Linköping alle drei Punkte abzinöpfen. Die junge Keeperin Hilda Carlén zeigte offenbar eine Klasseleistung und Faith Ikidi wird hier als Abwehrchefin grundsätzlich gelobt:).

„Natürlich ist das eine Enttäuschung,“ sagte die neue Torhüterin Linköpings, Katie Fraine, der Zeitung Östgöta Correspondenten.

„Aber wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die so sehr nach hinten arbeitet, wird es schwer, vorne was zu machen. Sie zwingen dich dazu, ein Spiel zu spielen, dass du eigentlich nicht spielen willst. Wir müssen besser werden, diese Art von „hässlichen“ Spielen zu spielen, aber mich beunruhigt das Ergebnis nicht. Wir sind immer noch die beste Mannschaft der Liga,“ so Fraine weiter.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das hochgetippte Umeå sich beim Jungbrunnen der Liga, dem als sicheren Absteiger gehandelten Jitex Mölndal BK sehr schwer tat und erst zehn Minuten vor dem Ende den Siegtreffer erzielen konnte.

Die Ergebnisse und die Toschützen aller Spiele könnt ihr übrigens ab jetzt immer auf der Seite Damallsvenskan 2014 (oben im Menü) finden. Da wird dann ab dem 2. Spieltag jeweils die aktuelle Tabelle auftauchen und auch die Torschützenliste.

 

 

 

 

Malin Diaz: „Jetzt oder nie“

Upptakt02Tyresö FF wurde in Schweden seit 1-2 Jahren auch „Real Tyresö“ genannt, weil der Club über die Maßen international renommierte Spielerinnen an sich band, so wie das eben der spanische Männerhalbfinalist in der Champions League seit langer Zeit tut.

Die wenigen schwedischen Talente kamen dabei meist zu kurz und verließen oft den Verein, frustriert und enttäuscht. Beispiele hierfür sind Lisa Klinga (die jetzt zur neuen Saison wieder zurückkam), Pauline Hammarlund, Jennifer Egelryd und Madeleine Stegius.

Eine, die im Januar 2013 als Neuverpflichtung bekanntgegeben wurde und die noch immer in Tyresö unter Vertrag steht, ist die inzwischen 20 Jahre alte U19-Europameisterin von 2012, Malin Diaz Pettersson. Sie kam von AIK und bei ihrem Wechsel nach Tyresö gab es viel Kritik von einer beinahe einhelligen Expertenfront. Bei der Konkurrenz mit Tyresös Weltklassespielerinnen würde Diaz im Mittelfeld kaum eine Spielminute bekommen und somit ein Jahr verlieren. Besser wäre es, bei einem Team in der Mitte der Liga regelmäßig spielen zu können.

„Ich habe die Entscheidung, zu Tyresö gehen, getroffen, weil ich noch ein Jahr zur Schule gehen musste und auch in Stockholm wohnen bleiben wollte,“ erzählte mir jetzt Malin Diaz beim Presseauftakt der Damallsvenskan am Dienstag.

„Viele haben mich dafür kritisiert und irgendwo war das auch Ansporn für mich. Ich wollte denen zeigen, dass es trotzdem geht, auch wenn ich vielleicht nicht so viel spielen kann. Aber es ist schon wirklich hart, ins Fitnessstudio zu gehen, wenn die anderen Spielen,“ sagte die 20-Jährige, die also nun der Presse vorgestellt wurde, wo in den vergangenen Jahren noch Marta, Caroline Seger und Johanna Frisk waren.

Ich fragte sie, ob sie denselben Schritt noch einmal machen würde.

„Ich würd das heute wieder tun und bin wirklich froh, dass ich den Schritt getan habe. Ich denke, ich habe mich menschlich weiterentwickelt und bin, auch wegen der Rückschläge, stärker geworden. Natürlich ist man traurig, wenn man jeden Tag zwei Mal trainiert und dann nicht spielen darf. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um mich an das höhere Tempo beim Training zu gewöhnen. Die vielen bekannten Spielerinnen haben sich sehr professionell verhalten, ich habe mich da nie schlecht gefühlt oder als geringer geschätzt empfunden.“

Aber: „Es ist wohl klar, dass wenn eine Spielerin zwei Passalternativen hat, mich und Marta, den Ball zu Marta spielt.“

Trainer Tony Gustavsson hatte mir schon im Februar gesagt, dass er glaubt, dass die Zeit für die technisch hochversierte Mittelfeldspielerin nun reif ist. Jetzt fügte er hinzu, dass die WM 2015 in Kanada allem Anschein nach auf Kunstrasen gespielt wird und dass er in Schweden kaum eine bessere Spielerin auf Kunstrasen kenne als gerade Malin Diaz.

Wie sieht sie das selber? „Wenn ich irgendwann den Schritt in der Entwicklung machen soll, dann jetzt. Jetzt oder nie. Ich hatte ein hartes Jahr und habe wenig gespielt. Jetzt habe ich gemerkt, dass es beim Training immer besser klappt und da wächst man natürlich. Ich bin nicht nur auf dem Fußballplatz reifer geworden, sonden auch außerhalb des Platzes.“

Das klingt schon ein bisschen trotzig – Tyresö wird viele Spielerinnen schon nach dem ersten Saisondrittel abgeben: Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Caroline Seger und Marta. Eventuell kommen mehr hinzu. Da ist es klar, dass man auf Malin Diaz setzen muss, die zum einen weniger Konkurrenz haben wird und zum anderen bezahlbar ist. Aber ob es überhaupt ein Team geben wird, das die Saison zu Ende spielen kann, das steht derzeit in den Sternen und die meisten Beobachter gehen nicht davon aus.

 

 

Rosengård haushoher Favorit

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fast 80% der Teilnehmer am traditionellen „Anstoß“-Treffen der Damallsvenskan, dem medialen Kick-Off, tippten am Dienstagvormittag den FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö, ehemals Malmö FF) als alten und neuen schwedischen Meister. Linköping wird Zweiter und Tresö Dritter, wenn man den Experten glauben schenken darf.

Der schwedische Fußballverband und der Elitföreningen Damfotboll (Interessenvereinigung der ersten und zweiten Liga) hatten zum dritten Mal nacheinander in die prächtigen Berns Salonger in Stockholm eingeladen. Am Vormittag parlierten eine Moderatorin von TV4 und die ehemalige Weltklassespielerin und jetzige Expertin Hanna Marklund mit Trainerpaaren und dann sechs Spielerinnen über die kommende Saison.

Ein Höhepunkt hätte die Begegnung zwischen Jitex‘ ehemaligem Sportchef und neuen Trainer Anders Holmvén und Jitex‘ ehemaligem Trainer und nun Göteborgs Trainer Stefan Rehn werden können. Rehn hatte den Lokalrivalen Jitex verlassen und darüber hinaus auch noch gleich eine Handvoll Spielerinnen mitgenommen. Aber die Beiden beließen es dabei, sich mehr oder weniger zu ignorieren.

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Als dann die ersten sechs Spielerinnen die Bühne betraten und befragt wurden, sah man auf einmal wie Rosengårds Therese Sjögran (die heute ihren 37. Geburtstag feierte) Piteås Stürmerin Hanna Pettersson von der Bühne führen wollte. Pettersson sackte dann schon fast zusammen, es ging ihr offenbar nicht gut, und begleitet von Sjögran und einem Funktionär wurde sie in den Nebenraum geführt. Nur zwei Minuten später war die 26-Jährige wieder da. Von der Moderatorin befragt, ob denn wirklich alles wieder in Ordnung sei, sagte Pettersson: „Ja, danke. Man tut halt alles, um Aufmerksamkeit zu erregen.“

Und das war auch schon der Witz des Tages. Als dann die zweite Liga ihren 20-minütigen Auftritt hatte, kam die 19-Jährige Torhüterin Fanny Edström mit Gitarre und Mikrofon auf die Bühne und wenn man sich in die Nationalmannschaft singen könnte, dann wäre Edström wohl im nächsten Aufgebot, denn die nicht gerade unmusikalische Pia Sundhage wiegte sich begeistert im Takt.

Wie immer gab es eine Menge interessanter und weniger interessanter Umfragen, die wir Anwesenden mit unseren Abstimmungsgeräten klären sollten. Und da ergaben sich nicht weniger als 79,5%, die auf Rosengård als Meister tippen. Stefan Edberg, nein, nicht der Tennisspieler, sondern sein Namensvetter von der staatlichen Lotteriegesellschaft Svenska Spel, die sich zum wichtigsten Sponsor entwickelt hat, gab die Langzeitquoten bekannt. Rosengård bringt lediglich 1,7 als Meister, man ist bei der Lotterie aber optimistisch, was Tyresö angeht, denn die sollen Zweiter werden. Glaubt man Edberg, dann wird Anja Mittag zum zweiten Mal nach 2012 Torschützenkönigin.

Und obwohl Tyresö am Vormittag nicht auf die Bühne musste, dominierte es doch an der Nachrichtenfront. Auf Facebook gab Präsident Hans Lindberg bekannt, dass man in der jetzigen Situation nicht imstande sei, die im Sommer auslaufenden Verträge von Marta und Caroline Seger zu verlängern. Man könne sich vorstellen, die Spielerinnen schon Ende Mai freizugeben, damit sie z.B. in die USA wechseln könnten.

Marta wird schon seit einigen Tagen in der norwegischen Presse mit Tyresö-Nachahmer Avaldsnes IL in Verbindung gebracht. Arne Utvik, der Löfgren aus Norwegen, bestätigte gegenüber dem norwegischen Fernsehen auch, dass er mal eine Anfrage von Martas Agent bekommen habe, aber es sei daraufhin nichts weiter geschehen. Viel Rauch um fast gar nichts in dieser Norwegen-Spur, scheint mir.

Caroline Seger wurde dann gleich mal vom schwedischen Fernsehen angerufen und zeigte sich gelinde gesagt, empört. Sie hatte um die Mittagszeit, vor oder nach der Facebooknachricht des Clubs, eine E-Mail bekommen, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie sich wohl einen neuen Verein suchen müsse. „Ich weiß nicht so recht, was passiert. Enttäuscht ist zu wenig gesagt. All das ist in sehr kurzer Zeit geschehen und mit dem Gedanken an die Champions League ist das sicher nicht optimal,“ so Seger.

Sie wolle weg, sagte sie denn auch erstmals so deutlich wie nie zuvor. „Das einzige, was ich weiß, ist, dass mein nächster Verein nicht solche Probleme haben wird. Es wird ein professioneller Club sein und eine Organisation, die das erledigt, was erledigt werden muss, damit ich mich auf den Fußball konzentrieren kann. Das ist das einzige, was ich über meine Zukunft weiß.“

Auch Carola Söbergs Vertrag läuft aus und auch ihr legt man keine Steine in den Weg, um Gehaltskosten zu sparen.

Interessierte deutsche Vereine können sich also umgehend bei Caroline Seger oder Marta melden… Tyresö würde sie ab dem 31.05. freistellen, was mit dem Gedanken an die Saison in Deutschland oder Frankreich sicher nicht optimal ist.

Trainer Tony Gustavsson sprach dann später von der weißen Linie, innerhalb derer sich die Mannschaft bewege. Man sei noch enger zusammengewachsen und es klingt fast als sei das Team und die Trainer auf der einen Seite und die Welt auf der anderen. Freundschaftlich scheint da niemand mehr dem Vorstand mit Hans Lindberg verbunden zu sein. Lindberg saß denn auch alleine beim Mittagessen. Über das Afrika-Projekt, das den Verein angeblich in der ersten Liga halten kann, konnte er noch immer nichts bekanntgeben. Man arbeite daran.

Als die junge Malin Diaz auf der Bühne stand, Trainer Gustavsson hatte sie vorher noch als eine der besten Kunstrasenspielerinnen Schwedens bezeichnet, da sprachen die Blicke der Konkurrentinnen Bände, dabei kann die kleine, junge Malin natürlich nichts für die Misere, in die gierige und unkundige Funktionäre den Verein reingewirtschaftet haben.

Zuviel Tyresö.

Was gab es sonst noch? Interessant, dass sich Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir sehr selbstkritisch gab und vor allem für 2014 weniger „Mädchenprobleme“ wünschte. Ein zarter Hinweis darauf, dass es in der Mannschaft 2013 betriebsklimatische Probleme gab, die zum schlechten Abschneiden beitrugen.

Man fragt sich ja immer, warum es in der ersten und zweiten Liga jeweils nur eine Trainerin unter lauter Männern gibt. Vielleicht haben Gunnarsdottir und die Zweitligatrainerin und Ex-Nationalspielerin Linda Fagerström (Trainerin bei Jennifer Meiers letztem Verein Bollstanäs SK) darauf eine Antwort gegeben, denn auch Fagerström sagte, dass es „verdammt schwer“ sei, „eine Truppe Mädels zu bändigen“.

Über das Publikumsproblem wurde diskutiert und Victoria Sandell Svensson meinte, darüber würdn wir jedes Jahr reden und dabei sei es einfach so, dass viele Schweden im Sommer zu ihren Hütten fahren und den Fußball sein ließen. Ihr Ex-Clubchef und jetzige Präsident des EFD Per Darnell sagte, man habe eigentlich schon alles probiert und wisse auch nicht so genau, woran es liegt, man habe tolle Stadien… Hallo?

Ich habe keine Probleme mit den Sportplätzen und Stadien, aber vom Wohlfühlfaktor der bei der EM letztes Jahr benutzen Männerstadien sind die Frauenarenen doch noch weit entfernt. Aber vielleicht ist es Murphy’s Gesetz. Da sagte einer, er ginge nicht hin, weil da so wenig Zuschauer seien und auf die Frage, ob er denn selber hingehe, sagte er nein.

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage hatte einen Auftritt und beschrieb den Weg der Nationalelf nach Kanada. Sie wolle enger mit den Vereinen zusammenarbeiten und will alle Clubs besuchen und auch das Training anschauen. Eigentlich wünscht sie sich, dass Blöcke der Nationalelf in schwedischen Vereinen spielen, aber sie ahnt wohl, dass das nicht mehr geht.

Und so endete der Tag dann mit der Gelegenheit, Interviews zu machen und die streue ich in den nächsten Tagen hier ein.

Am Sonntag spielt dann Meister Rosengård in Solna bei Aufsteiger AIK und die Liga startet in die neue Saison.

Tschüss, Torbjörn!

TorbjörnNehmen wir es gleich einmal vorweg. Der Mann hat Charisma. Mit ihm verlässt einer der sympathischsten und mit Sicherheit der erfolgreichste ehemalige Fußballprofi die Damallsvenskan.

Torbjörn Nilsson und sein Club Kopparberg/Göteborgs FC gaben heute Nachmittag gemeinsam auf der Webseite des Vereins bekannt, dass nach sechs Spielzeiten Schluss ist für ihn als Cheftrainer.

Nach einer enttäuschenden Rückrunde mit drei Siegen, einem Unentschieden und fünf Niederlagen ist die Luft raus, wie Nilsson selber klug sagte. Möglicherweise hatte er der Mannschaft nichts mehr zu geben, konnte definitiv kein Feuer mehr entzünden.

Aber Personalien fallen einem in Göteborg ein. Christen Press war die ideale Stürmerin für das Spiel Göteborgs. Als einzige Spitze hatte sie den Auftrag „in the deep“ zu gehen, wie Nilsson ihr vergangenes Jahr erklärte. Nach einer akzeptablen Saison, in der man aber weder Malmö noch Göteborg gefährden konnte, ließ es die sportliche Leitung und der Vorstand zu, dass Press dem aggressiven Werbegebaren von Meister Tyresö FF nachgab und den Verein wechselte. Da lockte wohl die Champions League, das Geld und auch die eine oder andere Mitspielerin in Tyresö.

Aber es gab einen Glücksgriff. Von den Birmingham Ladies kam Jodie Taylor, für die meisten ein unbeschriebenes Blatt, eine Spielerin, die dem Nationalkader von Hope Powell in England nicht angehörte. Und Jessica Landström wollte es auch noch einmal wissen und kam von Absteiger Djurgården.

Taylor schlug ein wie eine Bombe. Zehn Tore in zehn Spielen, ein perfekter Ersatz für Press und Taylors Erfolg war gleich mit Landströms Rückkehr auf die Bank – wie schon in Frankfurt. Jodie Taylor war schnell, schussstark, konnte das Spiel lesen und nutzte ihre Chancen. Und wurde nicht für die EURO nominiert. Eine Fehlentscheidung von Powell wie so viele andere, die dann zum kläglichen Ausscheiden Englands bei der EURO führten und zu Powells Abschied nach mehr als 15 Jahren an der Macht im englischen Frauenfußball. Jodie Taylor haute ab. Nach Hause. Sie sagte, sie habe so viel investiert, um in die Nationalmannschaft zu kommen, habe ihr Zuhause, ihre Freunde, sogar eine Beziehung aufgegeben dafür. Zu viel. Torbjörn Nilsson sagte, dass man jemanden, dem es so schlecht wie Taylor gehe, nicht aufhalten könne.

Da blieben Cathrine Dyngvold, Jessica Landström und Olivia Schough. Aber keine konnte Taylor ersetzen. Schough ist ein Wirbelwind auf den Außenpositionen, aber sie ist kein Goalgetter. Jessica Landström fehlt die Technik und Cathrine Dyngvold ist zu langsam. Und so holte man eine Spielerin, die in puncto Schnelligkeit angeblich auch noch nachlegen muss: Andrine Hegerberg und die Art wie dieser Wechsel zustande kam, mit Abschied ohne sich zu verabschieden, einem Testspiel, von dem der alte Verein Turbine Potsdam nichts wusste und einer Bitte um Freigabe 24 Stunden bevor das Transferfenster schloss, war schon kein gutes Zeichen. Am Samstag kann ich mir das alles noch einmal anschauen, dann gastiert Göteborg nach drei Niederlagen in Serie bei Tyresö.

Der Kader von Göteborg besteht nach wie vor aus 15-16 Spielerinnen, zu wenig, um an der Spitze mithalten zu können. In Tyresö sitzen derzeit Sara Thunebro, Kirsten van de Ven, Jennifer Hermoso Fuentes und Malin Diaz auf der Bank und nach der Ankunft Whitney Engens letzte Woche wird wieder eine geopfert werden müssen, möglicherweise Nationalspielerin Linda Sembrandt.

In Göteborg sitzt Jane Törnqvist (ja, genau die) offiziell zumindest auf der Bank, meist jedoch auf der Tribüne. Und unten zwei junge Spielerinnen und Landström.

Sponsor Peter Bronsman hatte Nilsson versprochen, dass der Club investiert, dass man mithalten wolle mit Tyresö und Malmö. Aber er hat seine Millionen dann doch lieber im Tresor gelassen. Das ist schon ein wenig unfair, denn wie ich es verstanden habe, hatte Nilsson gerade unter der Prämisse der Verstärkung für zwei Jahre unterschrieben, von denen er sich nun eines sparen wird.

Ich werde ihn vermissen, den verschmitzten Gentleman, den Mann, der seinerzeit seinen IFK Göteborg zum UEFA-Pokalsieg schoss, im Finale gegen den Hamburger SV. Den Mann, der seine Spielerinnen auch schon mal Samstagabend anrufen konnte, um zu hören wie es ihnen ging. Linnéa Liljegärd hat mir das einmal erzählt. „Das kann schon mal nerven,“ sagte sie lächelnd, „aber es ist eigentlich auch ganz schön, denn er meint es ernst.“