ffschweden im Gespräch mit Emilia Appelqvist

millanSeit Anfang des Monats schreibe ich zwei Frauenfußballblogs. Auf Deutsch und nun auch auf Schwedisch. Das Ende von damfotboll.com hat dazu geführt,. dass der Sport seine wichtigste Publikation verloren hat. Ersetzen lässt sich das nicht, aber ich will weiterhin Spielerinnen interviewen und auf diese Weise ein wenig dazu beitragen, dass Frauenfußball gesehen wird – auch in Schweden.

Am Freitag habe ich am Rande des Extrainings für die Legionäre aus Frankreich und Deutschland kurz darüber mit Lotta Schelin gesprochen. Sie fragte mich, ob das endgültig sei mit damfotboll.com und ich antwortete, dass sie selber ja genug Öffentlichkeit bekomme mit vielen Interviews im Fernsehen oder Radio, aber dass viele, viele andere Spielerinnen einfach nur auf damfotboll.com sichtbar gemacht wurden.

Das mag selbst für eine inzwischen som etablierte Nationalspielerin wie Emilia Appelqvist gelten. Die 26-Jährige kommt aus Uppsala, spielte dann für AIK, Tyresö, Piteå und nun seit Anfang der Saison für Djurgården, wo sie auch Kapitänin ist. Emilia war 2009 Kapitänin der schwedischen U19-Nationalelf, die das Finale der EM in Minsk erreichte.

Ich traf mich mit Emilia am Donnerstagnachmittag vor dem Training auf Kristinebergs IP. Gudbjörg Gunnarsdottir versorgte uns mit einem Becher Kaffee und wir gingen auf die Tribüne der früheren Djurgården-Heimarena, in der Djurgården seine großen Zeiten erlebte, die heute nur noch als Trainingsgelände dient. Kristineberg erfüllt lange nicht mehr die Kriterien, die an Spiel in der Damallsvenskan gestellt werden und die von den Vereinen selber formuliert wurden, in der Hoffnung, Städte und Gemeinden würden ihnen dann diese Kriterien erfüllen.

Wir sitzen auf der Tribüne und ich denke daran, dass ich ungefähr an genau derselben Stelle vor sieben Jahren mit Sara Thunebro gesessen habe, bevor sie nach Frankfurt wechselte. „Wie geht es dir?“ habe ich ‚Thunis‘ vor kurzem in Eskilstuna bewusst auf Deutsch gefragt und sie antwortete ‚Mir geht es gut. Wie geht’s dir?“ Damals, 2009, konnte sie noch kein Deutsch.

Emilia Appelqvist spielt im zentralen Mittelfeld und mein Kollege Anders Sännås Lundquist, der gerade nach fünf Wochen Herren-EM aus Frankreich zurückgekehrt ist, schrieb, dass Appelqvist den neuen Spielertypen verkörpere, der sich in den letzten beiden Jahren Platz geschaffen habe.

Appelqvist verletzte sich im Mai in Piteå, ausgerechnet da, wo sie die beiden Spielzeiten vorher gespielt hatte und den Weg in die Nationalelf machte. Sie musste am Knie operiert werden, eine sogenannte Schlüsselloch-OP. Meine erste Frage gilt denn auch ihrem rechten Knie und warum sie zuletzt gegen Linköping nach 73 Minuten ausgewechselt wurde.

„Ich hatte im ersten Spiel 45 Minuten gespielt und dass ich dann nur 75 spielen sollte, war eigentlich eine Vorsichtsmaßnahme. Es ging sehr gut, es tat nicht weh, es ging nur darum, es nicht zu übertreiben und da reichten 75 Minuten völlig aus,“ sagt Emilia Appelqvist.

Als ihr gegen Umeå spieltet, saß Pia Sundhage auf der Tribüne. Das war zwei Tage, bevor sie ihr endgültiges Aufgebot für Rio benennen sollte und ich dachte mit Blick auf die beiden Teams, die ist nur wegen dir hier, sie will sehen, ob du spielen kannst. Dann hast du eine Halbzeit gespielt und warst im Olympia-Team.

„Ich kann soweit gehen und sagen, dass ich einen Plan hatte. Ich wollte zurück kommen und um einen Platz bei Olympia konkurrieren. Als die OP dann sehr gut verlief und auch die Reha, habe ich während zweier Trainingswochen das Tempo stets erhöht und dann war ich in der Lage zu spielen. Natürlich war es schön, dass sie [Sundhage] da war und sich für mich interessiert hat.“

Für Djurgården lief es anfangs sehr gut, 13 Punkte waren schnell gewonnen, dann kamen drei Niederlagen und nun seid ihr wieder da unten mit drin.

„Ich glaube, wir haben eine sehr gute erste Hälfte gespielt. Wir begannen mit ziemlich schweren Spielen am Anfang der Saison, wo wir verloren, aber dennoch gut spielten und merkten, dass wir viele Punkte gewinnen können, wenn wir so weitermachen. Wir haben einen schönen Angriffsfußball gespielt, wo wir den Ball laufen lassen wollen und viele Torschüsse erreichen wollen. Jetzt gegen Linköping hat man gesehen, dass es auch defensiv geht. Wir machen sehr gut hinten dicht. Wenn wir das mit in den Herbst nehmen können, wird es eine gute Saison.“

Mit was müsst ihr im Herbst weitermachen, was muss sich ändern?

„Ich würde sagen, wir müssen mit dem weitermachen, mit dem wir angefangen haben: dass wir alle Spielerinnen auf dem Platz einbeziehen, dass wir weiterhin wagen zu spielen, weil wir so viele schöne Kombinationen finden und mit vielen Spielerinnen in den Strafraum des Gegners kommen. Mit jedem Tag, den wir miteinander bekommen, werden wir besser. Wir müssen die Defensive zusammenbekommen, zuletzt war das sehr gut. Vieles wird da entschieden.“

Schweden hat seit dem Achtelfinale der WM in Kanada (1:4 gegen Deutschland) kein Spiel mehr verloren und nur einen Gegentreffer kassiert. Im Mittelfeld hast du sehr viel mit Caroline Seger und Lisa Dahlkvist zusammengespielt. Kannst du uns die Rollenverteilung zwischen euch erklären?

„Es war ja so, dass Dahlkvist diejenige war, die für das Gleichgewicht im Mittelfeld sorgen sollte und Seger war an ihrer Seite. Seger ist ja diejenige, die gerade im letzten Drittel mit dem letzten Pass und so sehr gut ist. Dann kommt es immer ein wenig drauf an, was es für ein Spiel ist. Ich soll bei den Angriffen dabei sein und sehr viel in beide Richtungen laufen. Meine Stärke is ja defensiv, aber ich habe eine etwas offensivere Rolle bekommen, denn ich soll schon hinten an den Stürmerinnen dranhängen, damit die nicht zu isloiert sind.Ich denke mit uns Dreien ist das ein gutes Gleichgewicht und wenn Lisa Dahlkvist nach vorne geht, dann bleiben Seger und ich hinten. Oder andersrum. Wir haben einen guten Mix da und wir sind eingespielt.“

Ist Schweden denn 2016 besser als 2015?

„Schwer zu sagen. Wir hatten eine WM, die nicht so verlief wie wir uns das gewünscht haben. Jetzt sind wir noch nicht bei Olympia, aber alles fühlt sich gut an, seit wir neu angefangen haben. Wir haben gute Ergebnisse, du hast gesagt, dass wir nicht unbedingt gegen die besten Teams gespielt haben, aber es fühlt sich so an, dass wir eine gute Basis haben und einen Glauben, der funktioniert.“

Am 21.07. spielt Schweden in Kalmar gegen den Weltranglistensiebten Japan.

 

 

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Eskilstuna das neue Tyresö?

Der schwedische Frauenfußball hat einen neuen Aufsteiger. Vergangenes Jahr war Eskilstuna United in die Damallsvenskan aufgestiegen und sorgte bereits im ersten Jahr für eine ordentliche Leistung, die mit einem am Ende guten siebten Platz belohnt wurde.Man war nicht unbedingt geplant aufgestiegen, hatte dann aber zielstrebig gute Verstärkungen geholt. Sara Thunebro und Annica Svensson wurden schon als Tyresö noch als Spitzenclub existierte dort nicht mehr gebraucht, als man die zukünftigen Weltmeisterinnen Meghan Klingenberg und Ali Krieger geholt hatte. Svensson landete mit einem Exkurs nach Vittsjö in Eskilstuna. Thunebro zog dorthin, weil sie ihren Eltern und ihrer Zwillingsschwester näher sein wollte. Malin Diaz kam ebenfalls aus der Konkursmasse des gescheiterten Stockholmer Vorortclubs und in der Kamerunerin Gaelle Engamanouit landete man einen Glücksgriff. Spätestens seit ihrem Hattrick gegen ein dennoch desolat schwaches Equador bei der WM ist die athletische Stürmerin aus Kamerun auch international ein Begriff. Mit Vaila Barsley und Louise Quinn hatte man bereits in der zweiten Liga ein äußerst kopfballstarkes Innenverteidigerpaar. Zur neuen Saison holte man das ewige Talent Olivia Schough, auch diese Verpflichtung entgegen allen Unkenrufen bislang ein Erfolg. Schough erzielte gestern ein äußerst wichtiges Tor gegen ihren ehemaligen Club Kopparberg/Göteborgs FC.

Ach ja, Eskilstuna gewann 3:1 in Göteborg und steht damit neben Linköping wohl als ernstzunehmender Konkurrent um den Champions-League-Platz für 2016/17 da. Mit 4-2-3 hat sich Göteborg, das wieder einmal ums Gold mitspielen wollte, wohl auch von Rang 2 verabschiedet. Drei Niederlagen und zwei Unentschieden sind eben 13 nicht eingefahrene Punkte, zu viel in einer so kurzen Saison.

KIF Örebro ist trotz des gestrigen Sieges die Enttäuschung der Saison. Der zweite schwedische Champions-League-Teilnehmer der kommenden Saison hatte fast eine komplette Mannschaft abgegeben und viele neue Spielerinnen geholt. Mit Hanna Folkessons Kreuzbandriss verschwand noch vor dem ersten Spiel der wichtigste Neuzugang und auch eine von Pia Sundhages Schlüsselspielerinnen, aber das alleine darf nicht der Grund sein, dass Örebro nun gerade mal zehn Pünktchen aus neun Spielen aufweist. In Umeå, das nach einem kurzzeitigen spielerischen Hoch wieder mal einen neuen Tiefpunkt lieferte, gewann Örebro dank zweier einfacher Torwartfehler von Malin Reuterwall.

Umeå IK – KIF Örebro (0:0) 0:2
Tore: 0:1 Sarah Michael (55.), 0:2 Lisa Dahlkvist (71.)
Zuschauer: 612

Kopparberg/Göteborgs FC – Eskilstuna United (1:3) 1:3
Tore: 1:0 Lieke Martens (10.), 1:1 Olivia Schough (12.), 1:2 Louise Quinn (30.), 1:3 Vaila Barsley (44.)

Über München und Moskau nach Eskilstuna

olivia2014 warauf Vereinsebene ein Jahr, in dem Olivia Schough bei Bayern München und dem FC Rossiyanka unter Vertrag stand und relativ wenig in Erscheinung trat. Ganz anders in der Nationalmannschaft, wo sie sich in diesem Jahr einen festen Platz in der Truppe Pia Sundhages erarbeitete, die im nächsten Jahr Weltmeister werden will.

Jetzt wechselt die 23-Jährige zum diesjährigen Aufsteiger Eskilstuna United, der somit neben Sara Thunebro und Malin Diaz die dritte aktuelle Nationalspielerin unter Vertrag hat.

 

Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber „ein sehr gutes Gespräch“ hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Piteå und Eskilstuna

Neben dem Halbfinale der Champions League, das dem schwedischen Fußball de facto seinen größten Erfolg auf Vereinsebene seit 2008 (als Umeå IK zuletzt im Finale des Women’s Cup stand) bescherte, verblasste in den schwedischen Medien natürlich alles andere.

Dabei fanden drei Spiele der Damallsvenskan statt und zwei Überraschungsmannschaften gewannen erneut.

Aufsteiger Eskilstuna United beendet auch das dritte Spiel der ersten Saison im Oberhaus mit einem 2:0 Sieg und hat jetzt also eine blütenweiße Weste, kein Gegentor und neun Punkte. Mir war schon vorher klar, dass die Abwehrkette mit Annica Svensson, Sara Thunebro, Vaila Barsley und Louise Quinn schwer zu überwinden sein wird. Eskilstuna hatte beim Erfolg gegen den Abstiegskandidaten Jitex sensationell gute 2400 Zuschauer. Da ist erfreulicherweise eine ganze Stadt im Frauenfußballfieber.

Auch Piteå setzte seine Erfolgsserie fort und hat nun sieben Punkte nach dem überraschenden 1:0 Sieg bei Kristianstad, dessen Sieg gegen Tyresöim ersten Spiel nun etwas relativiert wird.

Im Spitzenspiel der beiden vermeintlich stärksten Konkurrenten Rosengårds um den Meistertitel trennten sich Göteborg und Linköping 1:1. Linköoing hat nun bereits fünf Punkte Rückstand auf den Meister, nachdem man ja schon in Piteå verloren hatte. Rosengård muss schon am Donnerstag nach Linköping, da muss dann für die Heimmannschaft ein Sieg her, will man nicht schon jetzt entscheidend an Boden verlieren. Vor allem Pernille Harder fehlt an allen Ecken und Enden.

 

Sundhages Kader

Pia Sundhage bat zur Pressekonferenz nach Solna und gab den Kader für das WM-Qualifikationsspiel am 5. April im Shamrock Park zu Portadown (knapp 40 km südwestlich von Belfast) bekannt. Nominiert sind:

Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Nilla Fischer, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro, Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran.

Rosengårds Elin Rubensson erhielt ein Sonderlob Sundhages für ihr tolles Spiel gegen die USA beim Algvarve-Cup, wo sie Heather O’Reilly einen schweren Stand bereitete.

„Elin war ein sehr angenehmes und nettes Ausrufezeichen an der Algarve,“ so Sundhage auf der Homepage des SvFF. Wir finden, dass sie sowohl links wie rechts spielen kann. Dann werden wir mal sehen, wo sie im Verein landet. Aber sie kann unglaublich gut werden,“ so Sundhage voller Anerkennung.

Elin Rubensson hat auch schon im Verein von ihrer angestammten Stürmerposition kommend als Außenverteidigerin spielen dürfen (müssen). In der Nationalmannschaft startete Schweden zuletzt mit Elin Rubensson und Jessica Samuelsson auf den Außenverteidigerpositionen. Möglicherweise wird die Luft für Lina Nilsson und die bald 35-Jährige Sara Thunebro dünner.

Am 8. Mai findet dann das Rückspiel gegen die Nordirinnen in Växjö statt. Alles andere als sechs Punkte ohne Gegentor wäre eine große Überraschung.

Pia Sundhage fasste auch das Turnier an der Algarve kurz zusammen: „Es gab gleihermaßen Wein wie Wasser an der Algarve. Man kann sagen, dass ein Eindruck war, dass Motivation gegen Klasse gewinnt. Das sage ich und denke dabei sowohl an unseren Sieg über die USA wie auch den Sieg Islands über uns.“

Algarve

Unter der Woche hat Pia Sundhages Assistentin Lillie Persson in Abwesenheit der Chefin den Kader für den alsbald in Portugal auszuspielenden Algarve-Cup bekanntgegeben.

Die schwedische Mannschaftsführung setzt auf albewährte Kräfte:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro

Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Elin Rubensson, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran

Ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat am selben Tag Josefine Öqvist erklärt. Die 30-Jährige will sich mehr um ihre Tochter kümmern und setzt daher nur noch auf das Spiel mit ihrem Verein SC Montpellier.

Eine ehemalige Nationalspielerin ist schwanger und verpasst deshalb die kommende Saison. Stina Segerström, die 31-Jährige Abwehrspielerin von Kopparberg/Göteborgs FC, erwartet ihr erstes Baby. Herzlichen Glückwunsch!

 

Blamage für Schweden

Zurück aus München, wo ich den größten Teil der letzten Woche verbracht habe. Gestern Abend übertrug der Fernsehsender TV4 Sport nun doch das erste Länderspiel der schwedischen Nationalmannschaft im neuen Jahr.

In Amiens bei Paris gab es eine hoch verdiente 0:3-Schlappe gegen Frankreich. Ich habe nur die zweite Halbzeit gesehen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass eine schwedische Nationalmannschaft so dermaßen vorgeführt wurde. Frankreich machte ein tolles Spiel und wenn man eines an den in zartblau spielenden Französinnen kritisieren will, dann ist es die mangelhafte Chancenverwertung. Das Spiel hätte 6:0 oder 7:0 enden können, ja beinahe müssen.

Sicher, die Schwedinnen sind überwiegend in der Saisonvorbereitung, die Französinnen mittendrin, aber das ist eine willkommene, aber zaghafte Verklärung des Spielverlaufs. In Abwesenheit von Pia Sundhage coachte Assistentin Lillie Persson und sicher, Lotta Schelin stand nicht zur Verfügung und auch nicht Therese Sjögran und Charlotte Rohlin. Das erklärt aber nicht, dass Sara Thunebro bis zur Auswechslung ihrer Gegenspielerin Elodie Thomis zur Slalomstange mutierte, die von der schnellen Französin nach Belieben ausgetanzt wurde.

Es erklärt nicht, dass Nachwuchskräfte wie Amanda Ilestedt zwar talentiert, aber noch lange nicht auf diesem Niveau, dem höchsten nämlich, angekommen sind. Da gab es haarsträubende Fehlpässe im Aufbauspiel, so dass die agilen und technisch zwei Klassen besseren Französinnen den Ball meist schon im Mittelfeld der Schwedinnen eroberten und Angriffswelle auf Angriffswelle auf das von Hedvig Lindahl, der wohl alten und neuen Nummer 1 schickte. Lindahl leistete sich zwei ihrer bekannten Ausrutscher, einmal war sie wieder spontan aus dem Tor geeilt, aber der Schuss der eingewechselten Miriam Makanza ging über die Querlatte ins Toraus.

Schweden hat ein Torwart, ein Abwehr, ein Mittelfeldproblem. Caroline Seger kämpfte unermüdlich, versuchte, zu retten, was zu retten war, stand aber auf verlorenem Posten. Elin Rubensson zeigte ein vielversprechendes Debüt als rechte Außenverteidigerin gegen einen übermächtigen Gegner und auch AIK:s Emma Lundh gelang es zwei, dreimal ihr außergewöhnliches Spielerfassungsvermögen zu zeigen. Torchancen der Gelbblauen: Fehlanzeige.

Mit dem neuen 4-1-3-2 Spielsystem, das man ausgerechnet gegen die wohl spielstärkste Mannschaft Europas in einem Auswärtsspiel testete, fiel man gründlich auf die Nase. An der Algarve geht es dann wohl mit Sundhage weiter.

0:1 durch Gaetane Thiney nach 14 Minuten, als Ilestedt gegen die wesentlich reifere Französin keinen Stich bekam. Ab da übernahmen die Blauen das Spielgeschehen. Zeitweilig herrschte Klassenunterschied in Amiens.

„Wir machen viele leichte Fehler und das kann man natürlich erklären. Vieles lag daran, dass wir nicht dasselbe Tempo wie die Französinnen spielen konnten und darüberhinaus fehlten uns einige gute Namen, während die ihre beste Mannschaft hatten,“ versuchte Lillie Persson nach Erklärungen für das Debakel zu suchen.

Schweden spielte mit folgender Startbesetzung:

1 Hedvig Lindahl – 23 Elin Rubensson, 5 Nilla Fischer, 4 Amanda Ilestedt, 6 Sara Thunebro – 7 Lisa Dahlkvist – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 3 Hanna Folkesson – 9 Kosovare Asllani, 22 Olivia Schough.

Die Tore kann man in diesem Video des offiziellen YouTube-Channels der französischen Frauenfußballnationalmannschaft sehen:

Gegen Frankreich

Am 08.02. wird die schwedische Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel im neuen Jahr bestreiten. Gegner außerhalb von Paris ist Frankreich.

In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die in den USA eine zweimonatige Gastprofessur wahrnimmt (sie wird zum Algarve-Cup wieder beim Team sein) benannte Co-Trainerin Lillie Persson folgenden Kader für das Frankreich-Spiel:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Magdalena Ericsson, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Charlotte Rohlin, Sara Thunebro

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Emma Lundh, Lina Hurtig, Elin Rubensson, Olivia Schough, Lotta Schelin, Caroline Seger, Therese Sjögran, Josefine Öqvist.

Zurückgekehrt ist Carola Söberg. Im Tor gibt es nach dem Bandscheibenvorfall von Sofia Lundgren und dem Rücktritt von Kristin Hammarström Besetzungsprobleme und die nicht gerade stabile Hedvig Lindahl ist nun wieder die Nummer 1.

Die wieder genesene Emma Berglund wurde noch nicht berücksichtigt, ebensowenig Tyresös Linda Sembrant, die in der Champions League schon starke Spiele im Herbst gemacht hat.

Im Angriff darf man gespannt sein, ob Persson Supertalent Lina Hurtig testen wird. Die neuerliche Nominierung von Emma Lundh zeigt, dass das als schwierig geltende ewige Talent Lundh offenbar beim letzten Lehrgang überzeugt hat. Die mittlerweile 24-Jährige verfügt über eine manchmal geniale Spielintuition, hat aber den Durchbruch immer noch nicht geschafft.

 

Sara Thunebro stinksauer wegen des Boykotts

natioIch kenne Sara Thunebro als Spielerin seit neun Jahren. Mehrfach hatte ich auch Gelegenheit, die heute 34-Jährige Nationalspielerin von Eskilstuna United zu interviewen. Da spielte sie noch für Djurgården, dann für den 1.FFC Frankfurt und schließlich für Tyresö. Immer habe habe ich Sara eher als eine zurückhaltende, ruhige Spielerin erlebt, die alles andere als im Rampenlicht stehen möchte.

In einem Interview in der heutigen Internetausgabe von Göteborgs Posten erleben wir Sara einmal aufgebracht und wütend: „Ich bin sehr enttäuscht. Es ist traurig, dass erwachsene Menschen sich aus Prestigegründen so aufführen müssen,“ sagt Thunebro im Gespräch mit der westschwedischen Zeitung und meint den Beschluss von zehn der zwölf Vereine der Damallsvenskan, das für den 12.-16.01. angesetzte Trainingslager der Nationalmannschaft zu boykottieren und damit zur Absage und ad absurdum zu führen.

„Es sind die Spielerinnen, die darunter leiden müssen. Vor allem die Jungen, die eine Möglichkeit gehabt hätten, sich zu beweisen und zu zeigen. Ich verstehe, dass die Vereine ihren Betrieb prioritieren, aber man muss das gesamte Bild sehen. Die Nationalmannschaft hat mich erst zu der Spielerin gemacht, die ich heute bin und es ist immer eine große Ehre, dabeisein zu dürfen. Als Spielerin sollte man nicht gezwungen werden, zu zeigen, wem gegenüber man loyal ist,“ so Sara Thunebro weiter in dem Gespräch.

„Man hat versucht, den Clubs entgegen zu kommen und trotzdem werfen sie Sand ins Getriebe. Ich werde stinksauer, wenn ich daran denke. Ich hoffe sehr, dass es zu Regeln kommt, die besagen, dass Nationalmannschaft erlaubte Abwesenheit ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand nein zur Nationalmannschaft sagt, das ist doch Sandkastenniveau. Ich habe mit einigen anderen Spielerinnen darüber gesprochen, aber sie müssen für sich selber sprechen. Aber ich weiß, dass mehrere enttäuscht sind,“ so Thunebro im Interview mit Göteborgs Posten.

Am Nachmittag veröffentlichte www.damfotboll.com ein Interview mit dem Vorsitzenden von Elitföreningen Damfotboll, dem ehemaligen Djurgården-Präsidenten Per Darnell. Darnell sagte, dass man gehofft habe, einen Dialog mit dem Verband und der Leitung der Nationalmannschaft zu bekommen und dass man frühzeitig Signale ausgesendet hätte, dass man die Spielerinnen nicht unentwegt auf Lehrgänge schicken wolle, aber es sei keine Antwort gekommen. Es gehe auch nicht nur um die A-Nationalmannschaft, sondern auch um zahlreiche Lehrgänge und Turniere der U23, U19 und U17, die die Vereine in ihrer Vorbereitung auf eine Saison, aber auch im Spielbetrieb enorm belasten würden. Es gehe auch nicht darum, dass die Vereine finanziell entschädigt werden wollen, etwa, dass der Verband dann das Gehalt einer Spielerin übernehmen solle. „Das müsste man dann auch bei den Männern machen und bei dem, was jemand wie zB Zlatan normalerweise verdient, wäre der Verband bald pleite.“

Am 17. Januar treffen sich die Parteien zu einem runden Tisch in Solna. Man darf gespannt sein.

 

Christen Press: „Gewinnen oder nach Hause“

TFF_JitexEs ist derzeit wenig los im Frauenfußballschweden. Der dicke Rauch nach Zlatan Ibrahimovics Äußerung und vermeintlichen Geringschätzung des Frauenfußballs, den er selbst einige Tage später als unglücklichen Scherz bezeichnete, hat sich erst einmal gelegt. Wir werden sehen, ob die Diskussion beendet ist oder weitergehen wird. Wenn ich beim schwedischen Fußballverband arbeiten würde, würde ich alles daran setzen, im neuen Jahr irgendwann einen Termin hinzubekommen, an dem Ibrahimovic der Frauennationalmannschaft bei einem Training einen Besuch abstattet. Schöne Fotos, ein paar nette Gespräche, Friede, Freude, Eierkuchen, das wäre es. Denn die jetzige Lage nützt keinem. Und ein Besuch mit viel Medienecho wäre eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Wenn kaum etwas passiert, dann ist es schön, wenn Spielerinnen wie Christen Press sich mal in aller Ruhe vor das Laptop setzen und in ihrem Blog schreiben. In ihrem Post „Win Or Go Home!“ hat sie viele Fragen beantwortet, die im letzten Quartal gestellt worden sind. Wer das Original lesen möchte, der findet es hier.

Einen Tag nach ihrem 25. Geburtstag enthüllt Press nun, dass sie Anfang Oktober einen Anruf vom amerikanischen Verband US Soccer bekommen hat. Die Botschaft war, dass sie nach Hause kommen solle. Schließlich hat man aber verhandeln können, dass Press (und andere Amerikanerinnen, also Meghan Klingenberg und Whitney Engen) so lange bleiben dürfen, wie Tyresö FF noch in der Champions League 2013/14 aktiv ist.

Denn man will die Amerikanerinnen in der NWSL haben, der neuen einheimischen Liga, die nur dann bestehen bleiben kann, wenn auch die Spielerinnen der amerikanischen Nationalmannschaft daheim aktiv sind.

Die Quintessenz der Vereinbarung zwischen US Soccer, den Amerikanerinnen und Tyresö FF lautet also nun: „Gewinnt oder kommt nach Hause!“

Da spielt die vermeintlich günstige Auslosung jetzt sicher eine gute Rolle für Press, die betont, wie viel sie in Europa gelernt hat und wie schwer es ihr fallen wird, sich von all den neu gewonnenen Freunden zu verabschieden. Neulengbach im Viertelfinale und möglicherweise Arsenal London, das seit Ende der FA WSL Saison Spielerinnen wie Kim Little und Stephanie Houghton verloren hat, eröffnen Tyresö und Christen Press die große Möglichkeit, tatsächlich am 22. Mai 2014 in Lissabon in dem Finale zu stehen, das Zampano Hans Löfgren 2006 als Ziel seines Projektes ausgegeben hat.

Wobei ich mich eben frage, welche Ziele nach dem 22. Mai 2014 definiert sind, falls der Sieg in der Champions League dann tatsächlich eingefahren sein sollte. Was macht Löfgren, sollte er sein Ziel erreichen?

Tyresö hat die finnische Torhüterin Tinja Riikka Korpela für die nächsten beiden Jahre präsentiert. Aber auch auf den Positionen von Press, Klingenberg und Engen muss es gleichwertigen Ersatz geben, der nach dem 22.05. garantiert, dass Tyresö eine Spitzenmannschaft mit Potential für die Champions League bleibt. Sicher, Madelaine Edlund, die 2012 das Team in Malmö zur Meisterschaft schoss, kehrt zurück nach ihrer Babypause. Aber seien wir ehrlich: Da, wo Weltklassestürmerin Christen Press eine Chance braucht, um ein Tor zu erzielen, braucht Madde Edlund 2,5 Chancen. Gleichwertiger Ersatz ist die 28-Jährige Schwedin nicht.

Whitney Engen ist eine Luxusverstärkung. Für sie muss derzeit eine internationale Klassespielerin wie die Kapitänin der dänischen Nationalmannschaft, Line Røddik Hansen, auf der Bank sitzen. Aber es verschwinden auch Ali Krieger (deren Freundin Ash Harris schon offiziell verabschiedet wurde; sie aber noch nicht) und eben Klingenberg, zwei offensiv extrem starke Defensivspielerinnen. Sara Thunebro hat bereits in Eskilstuna unterschrieben.

Eine mögliche Verstärkung für die Abwehr des schwedischen Vizemeisters wird im Januar in Schweden sein und Tests absolvieren. Die 25-Jährige Kapitänin der Nationalmannschaft Kameruns, Ejangue Siliki, kommt vom russischen Meister Rossiyanka. Aber auch sie ist nicht in der Champions League spielberechtigt, aber da wird ja Klingenberg sein und vielleicht auch Krieger. Siliki hat nicht nur bei Rossiyanka, sondern auch bei Energya Woronezh gespielt und ist seitdem mit Mittelfeldstar Vero Boquete bekannt.

Dennoch: Mit Marta, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist und Vero Boquete behält Tyresö sein enorm starkes Mittelfeld. Verlassen hat Kirsten van de Ven den Verein, sie ist aber schon quasi durch Caroline Graham Hansen ersetzt worden. Gerüchte besagen, dass auch Jennifer Hermoso Fuentes Tyresö Richtung Spanien verlassen könnte, ihr Vertrag ist auch noch nicht verlängert worden.

Das Karussell dreht sich in der kleinen Vorortgemeinde von Stockholm.

Sara Thunebro trägt 2014 blau

Wie erwartet gab heute Morgen der Aufsteiger Eskilstuna United bekannt, dass die 34-Jährige Nationalspielerin Sara Thunebro in der nächsten Saison das Team verstärken wird. Thunebro hatte zuletzt in Tyresö vornehmlich auf der Bank gesessen und war von Trainer Tony Gustavsson lediglich immer wieder eingewechselt worden. Stammplätze hatten die Amerikanerinnen Meghan Klingenberg und Ali Krieger auf den Außenbahnen.

Eskilstuna erklärte in einer Pressemitteilung, dass man stolz sei, Thunebro verpflichten zu können und dass die routinierte Abwehrspielerin eine wichtige Rolle auf dem Platz aber auch außerhalb spielen werde, um das Team zum angestrebten Klassenerhalt in der Damallsvenskan zu führen.

Sara Thunebro auf dem Weg zu Eskilstuna?

8729086897_8da11360eb_bSara Thunebro bekam nicht mehr viele Spielminuten, nachdem Tyresö FF nach der Sommerpause die Amerikanerinnen Whitney Engen, Ali Krieger und Ashlyn Harris verpflichtet hatte. Krieger verdrängte Thunebro von ihrem Stammplatz, Harris schmiss Carola Söberg aus der Startformation und selbst Dänemarks Weltklasseverteidigerin Line Røddik Hansen fand sich zugunsten von Whitney Engen in den Champions-League Spielen in Paris und gegen Fortuna Hjørring auf der Bank wieder.

Dass die 34-Jährige Thunebro keinesfalls ans Aufhören denkt, hat sie mehr oder weniger unmissverständlich trotzig ebenso kundgetan wie die zwei Jahre ältere Therese Sjögran. Beide wollen unverdrossen weitermachen.

Aber Sara Thunebro gedenkt offenbar, ihrer Heimat näher zu kommen. Geboren in dem kleinen Städtchen Strängnäs, gut 90 km von Stockholm entfernt, zog sie aus und spielte lange in Stockholm bei Djurgården, dann in Frankfurt und schließlich für Tyresö. Dass jetzt Eskilstuna United in die Damallsvenskan aufgestiegen ist, könnte eine Fügung sein.

Knapp 35 km entfernt von Strängnäs wäre „Thunis“ somit fast zu Hause und überdies in der Stadt, in der auch Zwillingsschwester Johanna wohnt.

Viktor Eriksson, Trainer und Sportchef des Aufsteigers: „Dass, was wir mal als Traumverpflichtung bezeichnet haben, ist auf einmal realistisch. Wir brauchen jetzt nicht mehr dazusitzen und zittern, wenn es um das Wirtschaftliche in Verhandlungen mit Sara Thunebro geht.,“ sagte er der Zeitung Folket.

Hauptsponsor Sparbanken Rekarne hat kürzlich die Zuwendungen für den Meister der Elitettan 2013 vervierfacht: Von in diesem Jahr 67.400 Euro auf mindestens 281.000 Euro im ersten Jahr in der Damallsvenskan. Im Gespräch für den Aufsteiger ist übrigens auch seit längerem die bei Meister LdB FC Malmö aussortierte Kolumbianerin Yoreli Rincon.

Wieder mal auf Bosön

Die schwedische Nationalmannschaft beendet das Jahr 2013 nicht mit Qualifikationsspielen zur WM, sondern mit einem ausgiebigen Trainingslager, seit einigen Jahren auch gerne Lehrgang genannt, auf Bosön in der Nähe von Stockholm.

Recht abgeschieden von der Öffentlichkeit, die dennoch zugelassen wäre, lässt es sich hier, in einem der Leistungszentren des schwedischen Spitzensports arbeiten. In der „Vinnarhallen“ (Siegerhalle) gibt es einen vollgroßen, überdachten Kunstrasenplatz.

Pia Sundhage und ihre Assistentin Lillie Persson, in der Öffentlichkeit treten die Beiden in skandinavischer Eintracht immer mehr als nahezu gleichberechtigtes Team auf, hatten 28 Spielerinnen eingeladen, von denen eine ganze Reihe abgesagt, eine ganze Reihe nachnominiert wurden.

Kristin und Marie Hammarström waren im ersten Kaderentwurf dabei, beendeten dann aber, wie sich das für eineiige Zwillinge gehört, am selben Tag ihre Karrieren.

Abgesagt haben auch Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Josefine Öqvist, Carola Söberg, Marija Banusic und Josefin Johansson.

Auf Bosön dabei sind jetzt:

Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Malin Reuterwall (Umeå IK), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)

Mia Carlsson (Kristianstads DFF), Magdalena Ericsson Linköpings FC), Nilla Fischer (VfL Wolfsburg), Amanda Ilestedt (LdB FC Malmö), Elin Landström (Umeå IK), Lina Nilsson (LdB FC Malmö), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Sara Thunebro (vereinslos)
Petra Andersson (AIK), Emilia Appelqvist (Piteå IF), Kosovare Asllani (Paris SG), Lisa Dahlkvist(Tyresö FF), Hanna Folkesson (Umeå IK), Antonia Göransson (Turbine Potsdam), Jenny Hjohlman, Lina Hurtig (beide Umeå IK), Sofia Jakobsson (BV Cloppenburg), Emmelie Konradsson (Umeå IK), Emma Lundh (AIK), Elin Magnusson (KIF Örebro), Lotta Schelin (Olympique Lyonnais), Olivia Schough (Kopparberg/Göteborgs FC), Caroline Seger (Tyresö FF), Therese Sjögran (LdB FC Malmö).

 

Tschüss, Torbjörn!

TorbjörnNehmen wir es gleich einmal vorweg. Der Mann hat Charisma. Mit ihm verlässt einer der sympathischsten und mit Sicherheit der erfolgreichste ehemalige Fußballprofi die Damallsvenskan.

Torbjörn Nilsson und sein Club Kopparberg/Göteborgs FC gaben heute Nachmittag gemeinsam auf der Webseite des Vereins bekannt, dass nach sechs Spielzeiten Schluss ist für ihn als Cheftrainer.

Nach einer enttäuschenden Rückrunde mit drei Siegen, einem Unentschieden und fünf Niederlagen ist die Luft raus, wie Nilsson selber klug sagte. Möglicherweise hatte er der Mannschaft nichts mehr zu geben, konnte definitiv kein Feuer mehr entzünden.

Aber Personalien fallen einem in Göteborg ein. Christen Press war die ideale Stürmerin für das Spiel Göteborgs. Als einzige Spitze hatte sie den Auftrag „in the deep“ zu gehen, wie Nilsson ihr vergangenes Jahr erklärte. Nach einer akzeptablen Saison, in der man aber weder Malmö noch Göteborg gefährden konnte, ließ es die sportliche Leitung und der Vorstand zu, dass Press dem aggressiven Werbegebaren von Meister Tyresö FF nachgab und den Verein wechselte. Da lockte wohl die Champions League, das Geld und auch die eine oder andere Mitspielerin in Tyresö.

Aber es gab einen Glücksgriff. Von den Birmingham Ladies kam Jodie Taylor, für die meisten ein unbeschriebenes Blatt, eine Spielerin, die dem Nationalkader von Hope Powell in England nicht angehörte. Und Jessica Landström wollte es auch noch einmal wissen und kam von Absteiger Djurgården.

Taylor schlug ein wie eine Bombe. Zehn Tore in zehn Spielen, ein perfekter Ersatz für Press und Taylors Erfolg war gleich mit Landströms Rückkehr auf die Bank – wie schon in Frankfurt. Jodie Taylor war schnell, schussstark, konnte das Spiel lesen und nutzte ihre Chancen. Und wurde nicht für die EURO nominiert. Eine Fehlentscheidung von Powell wie so viele andere, die dann zum kläglichen Ausscheiden Englands bei der EURO führten und zu Powells Abschied nach mehr als 15 Jahren an der Macht im englischen Frauenfußball. Jodie Taylor haute ab. Nach Hause. Sie sagte, sie habe so viel investiert, um in die Nationalmannschaft zu kommen, habe ihr Zuhause, ihre Freunde, sogar eine Beziehung aufgegeben dafür. Zu viel. Torbjörn Nilsson sagte, dass man jemanden, dem es so schlecht wie Taylor gehe, nicht aufhalten könne.

Da blieben Cathrine Dyngvold, Jessica Landström und Olivia Schough. Aber keine konnte Taylor ersetzen. Schough ist ein Wirbelwind auf den Außenpositionen, aber sie ist kein Goalgetter. Jessica Landström fehlt die Technik und Cathrine Dyngvold ist zu langsam. Und so holte man eine Spielerin, die in puncto Schnelligkeit angeblich auch noch nachlegen muss: Andrine Hegerberg und die Art wie dieser Wechsel zustande kam, mit Abschied ohne sich zu verabschieden, einem Testspiel, von dem der alte Verein Turbine Potsdam nichts wusste und einer Bitte um Freigabe 24 Stunden bevor das Transferfenster schloss, war schon kein gutes Zeichen. Am Samstag kann ich mir das alles noch einmal anschauen, dann gastiert Göteborg nach drei Niederlagen in Serie bei Tyresö.

Der Kader von Göteborg besteht nach wie vor aus 15-16 Spielerinnen, zu wenig, um an der Spitze mithalten zu können. In Tyresö sitzen derzeit Sara Thunebro, Kirsten van de Ven, Jennifer Hermoso Fuentes und Malin Diaz auf der Bank und nach der Ankunft Whitney Engens letzte Woche wird wieder eine geopfert werden müssen, möglicherweise Nationalspielerin Linda Sembrandt.

In Göteborg sitzt Jane Törnqvist (ja, genau die) offiziell zumindest auf der Bank, meist jedoch auf der Tribüne. Und unten zwei junge Spielerinnen und Landström.

Sponsor Peter Bronsman hatte Nilsson versprochen, dass der Club investiert, dass man mithalten wolle mit Tyresö und Malmö. Aber er hat seine Millionen dann doch lieber im Tresor gelassen. Das ist schon ein wenig unfair, denn wie ich es verstanden habe, hatte Nilsson gerade unter der Prämisse der Verstärkung für zwei Jahre unterschrieben, von denen er sich nun eines sparen wird.

Ich werde ihn vermissen, den verschmitzten Gentleman, den Mann, der seinerzeit seinen IFK Göteborg zum UEFA-Pokalsieg schoss, im Finale gegen den Hamburger SV. Den Mann, der seine Spielerinnen auch schon mal Samstagabend anrufen konnte, um zu hören wie es ihnen ging. Linnéa Liljegärd hat mir das einmal erzählt. „Das kann schon mal nerven,“ sagte sie lächelnd, „aber es ist eigentlich auch ganz schön, denn er meint es ernst.“