Harder und Lindahl Gewinnerinnen

30340558774_5e7595ef7e_kDie Dänin Pernille Harder und Torhüterin Hedvig Lindahl gewannen jeweils zwei Preise bei der „Fotbollsgalan“ in Stockholm am Montagabend.

Harder wurde als beste Stürmerin und wertvollste Spielerin der Damallsvenskan ausgezeichnet. Die bei Chelsea spielende Lindahl wurde beste Torhüterin und gewann den Diamantball, de facto ist sie damit Fußballerin des Jahres und das zum zweiten Mal in Folge.

Beste Abwehrspielerin wurde die für Montpellier HSC spielende Linda Sembrant. Mittelfeldspielerin Nummer eins wurde die Brasilianerin Marta Vieira da Silva. Newcomer des Jahres Djurgårdens linke Mittelfeldspielerin Johanna Rytting Kaneryd und Trainer des Jahres der Mann von Piteå IF: Stellan Carlsson. 

Auch als Torschützenkönigin konnte sich Harder einen Preis abholen und war damit Abräumerin des Abends. Die 24-Jährige verlässt nach fünf Jahren Linköping und geht ins Ausland. Wohin, das wollte oder konnte sie mir noch nicht sagen. Aber sie lachte zweimal als ich sie auf Deutschland ansprach. Ja, sie möge Deutschland und nein, sie spreche kein Deutsch. Aussereuropäische Engagements schloss sie unlängst aus.

Den Erfolg mit Linköping schrieb sie mir gegenüber einerseit dem Wechsel des Spielsystems hin zum 4-3-3 zu, aber der Meistertitel sei mehrere Jahre in Arbeit gewesen. Martin (Sjögren) sei ein unheimlich guter Trainer. Feiern wolle sie vor allem mit der Mannschaft, wahrscheinlich ein letztes Mal, denn bald heisst es Abschied nehmen. Die potentiellen neuen Vereine stehen Schlange bei der Dänin, die ich seit 2-3 Jahren für eine der besten Fußballerinnen der Welt halte. Völlig unbegreiflich, warum die FIFA sie nicht unter die zehn besten Spielerinnen nominiert hat.

 

Rückblick

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Marta hat eine Torchance im Spiel bei Linköping

Die Saison 2016 ist nun vorbei. Zeit für eine kurze Bilanz.

Linköping ist der souveräne neue schwedische Meister. Vor der Saison hätte man sicher viel Geld verdienen können, wenn man vorausgesagt hätte, dass die Mannschaft um den wohl kommenden Nationaltrainer Martin Sjögren am Ende mit zehn (!!!) Punkten vor der Startruppe vom FC Rosengård landen würde.

Lange marschierten beide Teams im Gleichtakt, aber am Ende zog Linköping unwiderstehlich davon. Entscheidend einerseits der 1:0 Sieg für Linköping im, ja, alles entscheidenden Spiel gegen Rosengård.

Kristine Mindes Kopfball in der 81. Minute im strömenden Regen von Linköping stieß das Tor weit auf, danach implodierte Rosengård.

Linköping hatte bis auf Fridolina Rolfö, die etliche Wochen ausfiel und verletzungsanfällig bleibt, kaum Verletzungen zu beklagen. Das Trio Pernille Harder Stina Blackstenius und Kristine Minde erzielte 53 von 73 Toren, das SPielsystem 4-3-3 war optimal für den vorhandenen Kader. Im Mittelfeld zog eine überragende Claudia Neto die Fäden und in der Abwehr konnte der Rücktritt von Ikone Charlotte Rohlin durch due Beförderung von Magdalena Ericsson zur Kapitänin ohne Reivungsverluste aufgefangen werden. Die Dänin Janni Arnth war ein ebenso gelungener Einkauf, wie die beiden Aussenverteidigerinnen aus der Region, Jonna Andersson und Jessica Samuelsson Garanten für Sicherheit hinten wie Offensivkraft vorne waren.

Dass Martin Sjögren nach dem Weggang der starken Amerikanerin Katie Fraine im Tor der jungen Cajsa Andersson das Vertrauen aussprach, erwies sich nach 22 Spieltagen als ein weiterer hervorragender Schachzug des Trainers. Andersson wuchs an der Aufgabe und gehört nunmehr zu den besseren Torhüterinnen der Liga.

Linköping profitierte aber auch davon, dass Rosengård mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte. Zu Anfang der Saison fiel gleich die neue Stammtorhüterin Erin McLeod für mehr als ein Jahr aus. Auch Zecira Musovic verletzte sich, weshalb man mit der vereinslosen Ex-Nationaltorhüterin Sofia Lundgren eine etablierte Torfrau nach Malmö holte.

Gaelle Engamanouit, die als Torjägerin geholte Kamerunerin aus Eskilstuna, verletzte sich ebenfalls fast direkt und in der zweiten Saisonhälfte fielen auch die neu geholte Lotta Schelin und Lieke Martens zeitweise aus. Dass man mitten in der Spielzeit auch noch die neben Marta wichtigste Spielerin, Sara Björk Gunnarsdottir, an den zahlungskräftigen VfL Wolfsburg verlor, machte die Aufgabe von Trainer Jack Majgaard Jensen nicht gerade einfacher.

Das soll und kann allerdings den Erfolg vonm Linköping nicht schmälern. Aber keine zwei Wochen nach dem Gewinn des Meistertitels verliert Linköping bereits seine überragende Spielerin: Pernille Harder geht ins Ausland, wohin sollen wir nächste Woche erfahren. Zwar kommt mit Lina Hurtig eines der grössten Talente der letzten Jahre, aber der Verlust von Harder ist erst einmal nicht zu ersetzen, wenn die Brieftasche Begrenzungen hat. Fraglich ist auch noch, ob Stina Blackstenius bleibt. Auch die 20-Jährige, deren Nationalteam (U20) morgen möglicherweise bereits aus der WM in PNG fliegt, hat mehrere Angebot aus dem In- und Ausland, hat aber gesagt, dass sie nur ins Ausland gehen würde oder aber in Linköping bleibt. Ich fürchte, dass auch sie gehen wird.

Dahinter dann?

Eskilstuna hatte eine zu grosse Spielerfluktuation vor der Saison, kam dennoch auf den dritten Platz. Hervorragender Vierter abermals im Topwuartett: Piteå IF, dass aber nun mit Irma Helin schon wieder eine Schlüsselspielerin ersetzen muss., Helin trainierte diese Woche zweimal beim 1.FFC Frankfurt. Vom schwedischen Vierten zum deutschen Sechsten?

Die Aufsteiger haben beide sehr positiv ¨überrascht. Vor der Saison sass ich noch mit der rückkehrenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir in einem Café am Karlaplan in Stockholm und Gugga sagte mir, dass sie unsicher sei, wo ihr Team stehen würde. Am Ende kam ein sehr respektabler sechster Platz heraus mit Luft nach oben, denn am Ende ging der Traditionsmannschaft aus Stockholm die Luft aus. Bitterer Beugeschmack aber: Mit nur 376 Zuschauern hatte man trotz ansprechenden Spiels den schlechtesten Schnitt der Liga und das in der bevölkerungsreichsten Stadt oder gerade deshalb?

Die Portugiesin Carolina Mendes muss Stockholm verlassen nach nur einer Saison. Vielleicht bekommt sie ein Angebot vom Lokalrivalen Hammarby, der aufgestiegen ist und Verstärkung braucht.

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Tabitha Chawinga

Kvarnsveden, der Sieger der Elitettan 2015, war bespöttelt worden. Das Wort „dålig“ (schlecht) hatte der Trainer verboten, der Verein sich nur mit vier Spielerinnen aus der zweiten Liga verstärkt. Das wird nicht reichen, sagten ALLE Experten, inklusive meiner Wenigkeit und machten Daumen runter beim Presseauftakt im April. Es sah nicht so gut aus, aber besser als erwartet, als die Olympiapause begann, dann holte jemand die Ghanaerin Elisabeth Addo und die Amerikanerin Tiffany Weimer und mit den Beiden lief es prächtig, nicht zuletzt für die von allen Vereinen begehrte Malawierin Tabitha Chawinga, die innerhalb von zwei Jahren von der dritten in der ersten Liga aufgestiegen war und selbst dort angekommen nun immerhin noch beeindruckende 15 Tote schoss. Nicht auszudenken, wie viel Mal sie für einen Topclub getroffen hätte. Chawinga spielt mit grosser physischer Stärke, Schnelligkeit mit einem unbändigen Zug um Tor. Als ich sie in Kvarnsveden im Sommer erstmals live spielen sah beschäftige sie trotz der 0:4 Niederlage gegen Rosengård immer wieder Nationalspielerinnen wie Emma Berglund und Amanda Ilestedt aufs Äusserste.

Kristianstad hatte am Ende Glück und rettete sich mit 1,5 blauen Augen vor dem Abstieg. Das Geld fehlt in der kleinen Stadt.

Runter dagegen muss der einst so glorreiche Umeå IK nach skandalösen Turbulenzen. Der Vereinsvorsitzende entliess das komplette Trainerteam gegen den Willen der Spielerinnenm wurde deshalb enorm kritisiert und trat deshalb wenig später selber zurück. Selbst ohne diese Differenzen hatte Umeå zu wenig Ressourcen, um eins schlagkräftiges Team auf den Plat zu stellen. Und mit Hanna Folkesson uynd Jenny Hjohlman waren zwei der gedachten Leistungsträgerinnen fast die ganze Saison verletzt. Bitter.

Am Montag steigt die Gala des Fussballs im Stockholmer Ericsson Globe und da bietet sich die Gelegenheit, mit den Preisträgerinnenzu sprechen. Haushohe Favoritin auf den „Diamantenball“ als Fussballerin des Jahres dürfte Chelsea Ladies Torfrau Hedvig Lindahl sein. Zum zweiten Mal in Folge, aber nach den geretteten Elfern bei der Olympiade wohl kaum zu übergehen. Es sei denn, man entscheidet sich für die zweifache Elfersiegerschützin Lisa Dahlkvist. 

Mitten in der Saison entschied sich Anette Börjesson nach 20 (!!!) Jahren die Seite http://www.damfotboll.com nicht länger zu betreiben.  Für den frauenfussball in Schweden ein grosser Verlust, denn nach wie vor berichten die Mainstreammediuen in erster Linie über die Nationalmannschaft, die Champions League und den Kampf um die Meisterschaft. Ansonsten bin ich ziemlich allein auf weiter Flur, wenn ich etwa Spiele in Stockholm besuche. Deshalb blogge ich seit dem 1. Juli auch auf Schwedisch und versuche, mit Spielerinneninterviews ein wenig dazu beizutragen, dass die Lücke gefüllt wird.

Seit dem 1. Juli gab es längere Interviews mit Marianne Gajhede KnudsenKristine MindeOlga Ekblom, Magdalena Ericsson, Mimmi Larsson, Irma Helin, Denise Sundberg, Zecira Musovic, Sofia Jakobsson, Emilia Appelqvist, Claudia Neto, Sara Björk Gunnarsdottir und Nora Holstad BergeLeider habe  ich es wegen hoher Arbeitsbelastung nicht geschafft, die Gespräche auch auf Deutsch zu veröffentlichen.

 

 

 

 

Pernille und Irma und Emma gehen

Pernille Harder verlässt Linköpings FC. Das schrieb heute die schwedische Zeitung Expressen unter Berufung auf Harders Agent. Nächste Woche erfahren wir welcher Verein den Zuschlag erhält. Im Angebot hat die Dänin Clubs aus Frankreich, Deutschland, England und den USA.

Auch Piteås Irma Helin wird den Verein verlassen. Das hatte sie mir schon im Interview Anfang September angedeutet. Linköping wäre gut, Djurgården und ihre Heimatstadt Stockholm wohl wahrscheinlicher.

Emma Lundh geht nach einer Saison auch aus Liverpool. Die 27-Jährige spielte in ihrer Karriere bislang für Hammarby, Djurgården, AIK, Tyresö, Brommapojkarna, Linköping, Lilleström und nun Liverpool.

Viermal Jakabfi

30608816920_9df5819929_kKlassenunterschied am Donnerstagabend am Tunavallen in Eskilstuna. Der Tabellendritte der schwedischen Damallsvenskan Eskilstuna United verlor das erste Achtelfinale der Champions League gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga mit 1:5.

Das Positivste aus schwedischer Sicht: Es kamen 3784 Zuschauer am Abend, nachdem ein ungewöhnlich frühzeitiger Wintereinbruch der Hauptstadtregion um Stockholm knapp 30 cm Neuschnee gebracht hatte und dazu ein ordentliches Verkehrschaos.

Als ich mich am Donnerstagnachmittag auf den Weg nach Eskilstuna machte (ca. eine Zugstunde westlich von Stockholm) wurden auf dem Hauptbahnhof Stockholm C ständig Gleise der Züge gewechselt, die Verspätungen waren nicht groß, das Chaos aber herrschte vor. Am Mittwochabend wäre es sehr schwer gewesen, sich fortzubewegen, der Zugverkehr war stundenlang weitgehend eingestellt.

In Eskilstuna liegt das Stadion, Tunavallen, das in der gerade zu Ende gegangenen Saison mit 1897 den besten Zuschauerschnitt der Damallsvenskan hatte, knapp zehn Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt.

Die Gäste aus Deutschland gingen nach drei Minuten bereits durch Zsanett Jakabfi mir 1:0 in Führung, ein Moment, in dem sich die Abwehr Eskilstunas unaufmerksam zeigte, so als sei man noch nicht dabei und gleich ein Moment in dem der Verlauf des Spiels vorbestimmt wurde. Jakabfi war mit ihren vier Treffern natürlich die Spielerin des Abends, aber dem in der Bundesliga zuletzt strauchelnden VfL, der nach acht Begegnungen schon sieben Punkte hat liegen lassen und zwar hochverdient, aber glücklich 2:1 in Mönchengladbach gewann, dem VfL gelang möglicherweise ein Befreiungsschlag gegen Eskilstuna. Die Schwedinnen hatten eigens nicht zugelassen, dass Nathalie Björn und Emma Jansson zur U20-WM nach Papua Neu Guinea fahren durften. Aber auch mit Björn und Jansson waren sie vor allem in der zweiten Halbzeit chancenlos.

Es gab ein paar gefällige Szenen und Marija Banusic zeigte, was sie kann, als Wolfsburg sich bei einem Steilpass gefährlich verschätzte, sie zog schnell Richtung Tor und ließ mit einem harten, platzierten Schuss in die linke Ecke zum zwischenzeitlichen 1:2 nicht den Hauch einer Chance.

In Halbzeit 2 aber kombinierte und lief Wolfsburg wie am Schnürchen. Dennoch: In der einen oder andern Situation sah man Abstimmungsprobleme in der Abwehr, die bei einem stärkeren Gegner doch zu erheblichen Problemen führen würden. Nilla Fischer ist nicht immer die Chefin ihrer Abwehr, sie kommt in die Jahre. Die Schnellste war sie noch nie. Ramona Bachmann zeigte eine ansprechende Partie, Sara Björk Gunnarsdottir war durch und durch souverän, neben Jakabfi vielleicht die beste Spielerin auf dem Platz. Anja Mittag kam in der zweiten Halbzeit, aber eigentlich nicht zu göoßeren Chancen. So standen am Ende vier ehemalige Spielerinnen der Damallsvenskan in neongrünen Trikots auf dem Platz.

Eskilstuna wurde aufgezeigt, dass der Weg in die Spitze Europas noch sehr weit ist. Vieles davon hat natürlich mit Ressourcen zu tun. 25 Spielerinnen im Kader hat der deutsche Vizemeister und kann es sich leisten, sein Team in einem Charterflugzeug ins benachbarte Västerås fliegen zu lassen. Davon können die 18 Spielerinnen aus Eskilstuna nur träumen.

Nathalie Björn, die mit großen Schmerzen ausgewechselt werden musste, zog sich einen Bänderriss am Fuß zu und sie fällt nun einige Wochen aus, es steht aber ohnedies nur noch das Rückspiel in Wolfsburg in dieser Saison an.

Abschluss in der Tele2Arena

30758680286_dc540d2a90_kEs ist nicht üblich, dass ein Zweitligist im Frauenfußball ein Spiel in einem großen, modernen Stadion austrägt, in dem Madonna mit 40 500 Zuschauern den Pulbikumsrekord hält. Dass das bedeutungslos gewordene Spitzenspiel am 26. und letzten Spieltag der eingleisigen schwedischen Elitettan zwischen Hammarby und Limhamn Bunkeflo in der Stockholmer Tele2Arena stattfand, hat indes eine Hintergrundgeschichte.

Zum einen war der Kampf um den zweiten Platz äußerst spannend. Hammarby und der Tabellendritte, Aufsteiger Växjö DFF, lieferten sich einen wochenlangen Zweikampf und einiges sprach dafür, dass Hammarby im allerletzten Spiel gegen den bereits feststehenden Meister Limhamn Bunkeflo einen Sieg, einen Dreier benötigen würde, um wieder ins Oberhaus einzuziehen. Große Spannung war also zu erwarten.

Zum anderen wird der Sportplatz, auf dem die grünweiß gekleideten Hammarbyfrauen für gewöhnlich spielen, der Kanalplan, gerade (?) endlich renoviert. Geplant war das schon für 2015, in der Damallsvenskan dieses Jahres musste Hammarby stets zum nicht weit entfernten Zinkensdamms IP ausweichen. Gegen Ende 2015 spazierte ich am Kanalplan vorbei, um mal zu sehen, wie weit die Arbeiten fortgeschritten waren und stellte fest, dass nichts, nada, niente, nix passiert war. Typisch für öffentliche schwedische Bauvorhaben, leider. Die Stadt sagte, dass das nun eben mal 2016 gemacht würde. „What’s another year“, getreu dem Siegertitel des Eurovision Song Contest 1980, ein Wettbewerb, den niemand so liebt wie die Skandinavier.

Na, dann eben dieses Jahr. Man fing aber nicht im Frühjahr an, da spielte und trainierte Hammarby erst einmal etliche Wochen auf dem Kanalplan, dann ging es rüber zu Zinkensdamm. Und nun ging die Saison in den November hinein und Hammarby ist ein großer Verein mit vielen Sportarten und eines der erfolgreichsten Teams ist das Bandyteam der Männer. Die spielen immer auf Zinkensdamms IP. Das Problem: Bandy wird auf gefrorenen Fußballfeldern gespielt. Man legt dort gerade Eis an, die Frauen konnte also das vermeintlich so wichtige Spiel dort auch nicht austragen.

Die Stadt bot eine Auswahlmöglichkeit an: Grimsby IP. Ein nettes kleines Stadion im Nordwesten Stockholms, auf dem sonst die Männer und Frauen der Brommapojkarna spielen. Der Grimsta IP aber ist 17,7 km (Google Maps) vom Kanalplan entfernt und das fand Hammarby unzumutbar, sowohl den treuen Fans wie auch den Spielerinnen gegenüber, die immerhin auf dem Weg in die erste Liga waren. Also vereinte man ausnahmsweise einmal alle Kräfte der Gesamtoirganisation des Vereins und schloss die 30.000 Zuschauer (bei Fußballspielen) fassende Arena auf. Als ich gestern zum ersten Mal durch den Presseeingang auf das innere Feld ging, war ich schon schwer beeindruckt. Eigentlich hatte ich auf dem Weg zum Stadion geglaubt, dass ich bei den schon winterlichen Temperaturen nahe am Erfrieren wieder nach Hause zittern würde, aber natürlich war das Dach geschlossen und es war angenehm und fantastisch ausgeleuchtet. Allein die Licht- und Heizungsrechnung liegt way beyond dem, was sich der Frauenfußball leisten kann. Nur ein Eingang war geöffnet, der Medieneingang allerdings am anderen Ende. Dieser Bereich war gespenstisch leer, außer mir nur noch eiun weiterer Fotograf und ein Journalist der Tageszeitung Dagens Nyheter, der im Vorfeld einen Artikel über die 30-Jährige Hammarbyspielerin Hanna Olsson geschrieben hatte. Dagens Nyheter hat den ersten Artikel über Hanna geschrieben, als sie sieben Jahre alt war, erzählte mir Anders Sännås Lundkvist. Nun beendet sie ihre Karriere.

Das Spiel war dann doch nicht so spannend. Denn Konkurrent Växjö hatte letzte Woche beim formstarken Kungsbacka DFF zwei Punkte liegen lassen, während Hammarby seine Aufgabe bei Sundsvall DFF gelöst hatte und damit den Aufstieg bereits perfekt gemacht hat.

Es war allerdings ein Spiel auf erstaunlich gutem Niveau, wenn man bedenkt, dass es für beide Teams um nichts mehr ging. Die Gäste gewannen durch einen schönen Heber von Michaela Johnsson in der 59. Minute mit 1:0. Und es kamen mehr als 1.000 Zuschauer, die sich zwar im berühmten weiten Rund verloren, aber das interessierte eigentlich niemanden. Es ging darum, den Wiederaufstieg zu feiern.

 

 

And the nominees are…

Am 21. November findet im Stockholmer Ericsson Globe (in Stockholm im Volksmund nach wie vor Globen genannt) die Fußballgala 2016 statt, in der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Zlatan Ibrahimovic zum elften Mal Schwedens Fußballer des Jahres wird.

Welche Spielerinnen aber sind nominiert? Gestern Abend wurden die Namen auf der Homepage des Verbands veröffentlicht.

Tor: Hilda Carlén (Piteå IF), Jennifer Falk (Kopparberg/Göteborgs FC), Hedvig Lindahl (Chelsea Ladies)

Abwehr: Jessica Samuelsson (Linköping), Nilla Fischer (Wolfsburg), Linda Sembrfant (Montpellier)

Mittelfeld: Lisa Dahlkvist (PSG/KIF Örebro), Caroline Seger (PSG/Lyon), Marta (Rosengård)

Angriff: Pernille Harder, Stina Blackstenius (beide Linköping), Tabitha Chawinga (Kvarnsveden)

MVP (Wertvollste Spielerin der Liga): Pernille Harder, Tabitha Chawinga, Marta

Newcomer (eigentlich Durchbruch) des Jahres: Cajsa Andersson (Linköping), Ellen Löfkvist (Piteå), Johanna Rytting Kaneryd (Djurgården)

Trainer des Jahres: Yvonne Ekroth (Djurgården), Stellan Karlsson (Piteå), Martin Sjögren (Linköping)

Wie immer gibt es keine Nominierungen für den Diamantball, der auch von einer anderen Jury vergeben wird. Hier kommen nur schwedische Spielerinnen in Frage und die Entscheidung dürfte zwischen Hedvig Lindahl (Vorjahressiegerin) und Lisa Dahlkvist fallen, die sowohl gegen die USA wie auch gegen Brasilien jeweils den entscheidenden Elfmeter verwandelte.

In den Kategorien vermisse ich die beste Torhüterin der Liga Gudbjörg Gunnarsdottir, auch Torfrau Zecira Musovic (Rosengård), wenngleich in der Kategorie Newcomer oder Durchbruch. Bei den Abwehrspielerinnen hätte Jonna Andersson (Linköping) berücksichtigt werden müssen. Sie führt nach wie vor die Assist-Tabelle an.

Die beiden Länderspiele absolvierte Schweden ohne Gegentor. Daheim gab es vor Minuskulisse (weniger als 2000) in Göteborg ein 7:0 (7:0) gegen den Iran, dabei erzielte Magdalena Ericsson einen Hattrick. Diesem sportlich wertlosen, aber sportpolitisch umso bedeutenderen Spiel folgte dann ein enttäuschendes 0:0 gegen Norwegen in Kristiansand. Enttäuschend nicht wegen des Resultats, sondern wegen des eher bescheidenen Spiels, das die Schwedinnen zeigten. Ideenlos nach vorne, sicher in der Abwehr. Ich fürchte, wir werden Schweden auch bei der EURO in NL gegen stärkere Gegner das Spiel spielen sehen, dass es schon in Brasilien gegen die USA und Brasilien zu bestaunen gab: Am besten parkt man den Bus, wie man in Schweden sagt, denn vorneweg ist das Spiel dürftig. Liegt das an den Spielerinnen, die zur Verfügung stehen oder an der Trainerin?

Irangate

Die iranische Nationalmannschaft sollte heute Abend in Göteborg erstmals auf europäischem Boden ein Länderspiel austragen. Schweden – Iran hat sicherlich nicht den geringsten sportlichen Wert, ein zweistelliger Sieg ist ein Muss. Aber politisch wäre das schon ein schönes Zeichen gewesen.

Aber das Spiel musste auf morgen verschoben werden. Bis Sonntagabend lagen der schwedischen Botschaft in Teheran keine Visaanträge vor. Erst gestern meldeten die skandinavischen Diplomaten, dass man nun sechzehn Spielerinnen und drei Funktionären ein Visum erteilt hätte. Zu dem Zeitpunkt hatte das Team aber noch keine Flugtickets.

Bereits vor neun Jahren sollte Iran gegen Deutschland spielen, diese Begegnung wurde damals sehr kurzfristig abgesagt, weil die Iranerinnen doch nicht kommen durften.

Auch nun wird man wohl bis zum Anpfiff warten müssen, der für morgen Abend um 18.45 Uhr angesetzt ist. Verkauft hatte man eh nur ein paar hundert Tickets. Das Spiel ist sportlich gesehen eben nicht sonderlich interessant. Ich halte euch auf dem Laufenden.

 

 

Linköpings FC ist schwedischer Meister 2016

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Jessica Samuelsson, Claudia Neto, Renée Slegers, Stina Blackstenius

Sie haben es früher geschafft als sie wohl selber geglaubt haben. Trotzdem hatte jemand goldene Hüte und Sekt eingepackt, als die Mannschaft am Sonntag zum Auswärtsspiel ins kleine Vittsjö fuhr.

Kristine Minde macht (wieder) ein Kopfballtor und besorgte die Führung und Stina Blackstenius entschied das Spiel als sie schneller als zwei Gegnerinnen war und dann auch noch Torfrau Katie Fraine umkurvte und den Ball ins leere Tor schob. Linköping hatte somit seinen Pflichtanteil geleistet. Den achtzehnten Sieg im zwanzigsten Spiel. Zwei Unentschieden gegen Rosengård und Örebro auswärts kamen dazu.

Rosengård, der Meister von 2010, 2011, 2013, 2014 und 2015, musste eine Stunde nach dem Anpfiff in Vittsjö daheim gegen den zweiten CL-Teilnehmer Eskilstuna United ran. Und erlebte sein blaues Wunder. Lotta Schelin und Lieke Martens verletzt und nicht einsatzfähig. Marta musste in der zweiten Halbzeit dann raus, als sie vom Ellenbogen Nathalie Björns getroffen wurde. Und nachzusetzen hatte man nichts mehr. 0:1 durch Mimmi Larsson und 0:2 durch Marija Banusics Freistoss. Beim 5-Punktevorsprung mit zwei Spielen ausstehend, war das die Meisterschaft. Am Ende schoss Natasa Andonova zwar noch den Anschlusstreffer, aber nur ein Sieg hätte die Meisterschaft für Linköping noch einmal aufgeschoben. Und davon waren die Rosengårdspielerinnen weit entfernt. Zu wenig motiviert, zu ausgelaugt, die Luft war wohl schon nach dem 0:1 in Linköping vergangenen Sonntag raus.

Linköping hat verdient den Titel geholt. Trainer Martin Sjögren, der meiner Meinung nach Nachfolger von Pia Sundhage werden wird 2018, hat in den letzten drei Jahren eine fantastische Arbeit geleistet. Ein Team, gemischt aus lokalen und regionalen Talenten, dau schwedischen Jungnationalspielerinnen und einigen ausländischen Ergänzungen, keine Stars sondern Spielerinnen wie die großartige Claudia Neto aus Portugal, die in Linköping ihren Weg machte -eine pure Freude, der 28-Jährigen zuzuschauen, wenn sie im zentralen Mittelfeld die Bälle verteilt und das Tempo bestimmt.

Jetzt muss man sehen, ob man es schaffen kann, Pernille Harder und Blackstenius zu halten, an denen die ausländischen Agenten und Topclubs interessiert sind. Linköping könnte aber auch mit dem Pfund wuchern, dass man hier etwas aufgebaut hat, das auch in Europa weit kommen könnte, wenn das Team zusammenbleibt und sich vielleicht sogar noch auf 2-3 Positionen klug verstärkt.

Linköping nah am Ziel

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Glück für Linköpings Torfrau Cajsa Andersson, dass Martas Schuss vorbeigeht

Es war ein fantastisches Fußballspiel, das sich gestern Nachmittag die beiden besten schwedischen Fußballmannschaften lieferten. Linköpings FC kam mit 16-2-0 in die Partie, der Serienmeister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö) kam mit 15-3-0 und zwei Pluspunkten weniger nach Linköping.

Das Wetter spielte nicht mit, es waren aber schon am Samstag über 4.000 Tickets verkauft und am Sonntag kamen dann 6.220 in die Arena, neuer Zuschauerrekord für das zur EM 2013 gebaute Stadion, das noch immer eine Baustelle ist, weil nun Bürogebäude an der einen Längsseite errichtet werden.

Ich hatte lange auf dieses Spiel gewartet und in Vorabinterviews verriet mir Linköpings Mannschaftskapitänin Magdalena Ericsson, das auch sie immer wieder mal an dieses Spiel gedacht hatte. Ihr Pendant auf Rosengårds Seite, Emma Berglund, wollte dagegen behaupten, das sie sich auf dieses Spiel wie auf jedes andere vorbereitet hätte.

Vielleicht machte das am Ende den Unterschied aus. Vielleicht war es der Hunger. Dass dieses Spiel größer war für Linköping als für das erfolgsverwöhnte Rosengård.

30188117036_0aa668700f_kAm Ende riss Magda Ericsson die Arme hoch und streckte sie in den mit dunklen Wolken verhangenen Himmel von Östergötland. Am Ende hatte der Gastgeber mit 1:0 gewonnen, durch ein Kopfballtor der Norwegerin Kristine Minde auf Flanke von Pernille Harder. 

„Normalerweise mache ich solche Tore nicht,“ lachte Minde nachher in der Mixed Zone. „Es war eine perfekte Flanke von Pernille und ich kam zwischen zwei Gegenspielerinnen hoch und es war eine Riesenfreude zu sehen, wie der Ball reinging.“

Dass man nun, mit fünf Punkten Vorsprung und drei Spiele vor Schluss den Meistertitel sicher habe, das wollte Kristine aber nicht eingestehen: „Heute und morgen werden wir uns freuen, aber dann geht es weiter. Wir haben jetzt zwei schwere Auswärtsspiele und dann im letzten Heimspiel noch einmal einen starken Gegner.“

Naja. Vittsjö und Mallbacken auswärts. So wie diese beiden Teams bisher gespielt haben, müsste die Meisterschaft am 30. Oktober um ca. 16.50 Uhr nach 2009 zum zweiten Mal in Linköping sein.

Das Spiel gestern war sehr ausgeglichen. Linköping hatte in den bisherigen drei Begegnungen der Saison gegen Rosengård immer schlechter ausgesehen. Aber: alle drei Spiele waren in Malmö. Gestern eine tolle Abwehrleistung auf beiden Seiten. Die Niederländerin Renée Slegers machte ein großes Spiel gegen Marta in der ersten Halbzeit, überragend bei Linköping wie so oft in diesem Jahr die Portugiesin Claudia Neto. Sie ist die große Ballverteilerin und die dominierende Spielerin im Mittelfeld. Rosengård sicher geschwächt durch den Ausfall von Lieke Martens am Mittwoch und dadurch, dass Lotta Schelin nach 51 Minuten gehen musste weil sie Schmerzen in der Wade hatte. Aber was soll’s. Linköping spielt mit wesentlich weniger Geld in der Liga. Hier hat der Verein mit Trainerfuchs Martin Sjögren ein Team aufgebaut, das hauptsächlich aus Talenten aus der Region Östergötland (Blackstenius, J Andersson, Almqvist, Samuelsson) und schwedischen Talenten besteht (Ericsson, Rolfö), die mit ausländischen Talenten (Harder, Gajhede Knudsen, Neto, Minde) veredelt wurden. Hier gibt es keine großen Stars, die man geholt hat, Sjögren hat einige seiner Spielerinnen zu Stars gemacht.

Nicht zuletzt deshalb wird es wohl am Ende er sein, der 2017 Pia Sundhage als Nationaltrainer ablösen wird. Der 39-Jährige ist ein Meistermacher. 2010 hatte er nach vielen Jahren als Mitfavorit ohne Gold schon einmal ein Team zum Meister trainiert: LdB FC Malmö. Nun ist sein Linköping ganz nahe am großen Triumph.

Marta hätte beinahe zumindest den Ausgleich erzielt, aber ihre Anstrengungen am Ende des Spiels (Minde köpfte das Siegtor in der 81. Minute) endeten an der Querlatte und ganz knapp neben dem linken Pfosten.

Ich sprach auch mit Ella Masar McLeod, die ich dummerweise als Anhängsel von Torhüterin Erin McLeod gesehen hatte. Aber nachdem sich Masars Frau verletzte war es Ella, die durchspielte und mit größtem Einsatz bislang zehn Tore für Rosengård erzielte. Jetzt sagte ich ihr, dass ich sie für die beste Neuverpflichtung in der Liga in diesem Jahr halte und fragte, ob sie sehr enttäuscht sei. Ihr Antwort war überraschend: „Ich hoffe, dass viele Sponsoren dieses Spiel gesehen haben und gesehen haben, was für einen tollen Fußball die [Linköping] spielen. Dann hoffe ich, dass sie auch zu investieren bereit sind, damit diese guten Spielerinnen gehalten werden können. Denn für uns sind solche Spiele sehr wichtig, sie sind auch wichtig für die Liga, damit sie, aber auch wir uns weiterentwickeln können.“

Sprach’s und meinte, dass es nun aber gleich mal gelte, umzuschalten, weil man am Mittwoch wieder Champions League spielen müsse.

Auf beiden Seiten dominierten die Abwehrketten, es gab wenig Torchancen, aber die ausgeprägte Taktik und das kluge defensive Verhalten beider Mannschaften war ein Genuss zu sehen. Hoher Einsatz auf beiden Seiten, viel Respekt und sehr viel Fairness, nicht ein böses Foul, obwohl viel auf dem Spiel stand. Das einzige, was störte, war der verdammte Regen.

Linköping spielt jetzt noch: Vittsjö (A), Mallbacken (A), Eskilstuna (H).

Rosengård: Eskilstuna (H), Piteå (A), Mallbacken (H).

Auf dem Weg zum Finale

Linköping hat dann doch noch gepatzt. Am Sonntag kam man über ein 2-2 bei KIF Örebro nicht hinaus. Rosengård hatte am Freitagabend Umeå mit 5-1 nach Hause geschickt.

Am Sonntag das grosse Finale in Linköping. Da sollte es eine tolle Kulisse geben. Die beiden besten Teams Schwedens treffen aufeinander. Ich werde dabei sein.

Vorher noch ein Ausflug nach Eskilstuna. UWCL-Premiere für den Vizemeister des Vorjahres. Es geht gegen Glasgow City, eine lösbare Aufgabe. Eskilstuna hat das beste Publikum der Damallsvenskan. Heute sprach ich mit Stürmerin Mimmi Larsson, die am Sonntag drei Tore in Stockholm erzielte und trotzdem nicht zufrieden war, denn die 3-2 Führung der Gäste glich die Niederländerin Sheila van den Bulk mit einem fulminanten 35-Meter-Schuss in der letzten Sekunde aus. Aber Mimmi rechnet mit mehreren tausend Zuschauern. Ich bin gespannt.

Stockholm

Alle gegen Pia – da bleibt sie

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Lillie (links) und Pia bleiben – gegen den Willen aller Vereine der ersten Liga

Ich verstehe es immer noch nicht. Der schwedische Fußballverband SvFF hat den Vertrag mit Pia Sundhage um ein Jahr bis 31.12.2017 verlängert. Am gleichen Tag wurde bekannt, dass alle 12 Vereine der Damallsvenskan auf einer Konferenz des EFD, des Spitzenfußballvereins des Frauenfußballs, alle 12 haben gegen eine Vertragsverlängerung gestimmt.

Da aber der Interessenverein nur eine von sieben Stimmen im SvFF hat, ging diese Abstimmung dann mit 6:1 für die Vertragsverlängerung aus.

Spielerinnen haben sich bei Olympia, aber auch in den vergangenen Wochen immer wieder für eine Vertragsverlängerung Sundhages ausgesprochen. Allerdings – wenn man mich fragt, ob ich finde, dass mein Chef gehen soll und ich weiß, dass er sehr gute Chancen hat zu bleiben, was werde ich öffentlich sagen? Er soll gehen? Das wäre beruflicher Selbstmord. Dann werde ich eben nicht mehr aufgestellt. Wenn Emma Berglund die Verdienste der Trainerin hervorhebt und dann sagt, dass sie bleiben soll, dann fällt mir auf, dass Berglund vor allem lobt, dass Sundhage den Fußball in die Zeitungen, ins Radio, ins Fernsehen bringt. Dass sie dafür sorgt, dass Frauenfußball ein Thema ist. Über die Trainerin Sundhage sagt Berglund fast gar nichts, scheints. Aber wer weiß, vielleicht hat der Kollege von Expressen das auch weggelassen.

Heute Morgen las ich, dass die Weltfußballerin des Jahres 2015, Carli Lloyd ihre Memoiren veröffentlicht hat. Unter dem Titel When Nobody Was Watching (Als niemand zusah) ist das Buch seit Montag zu haben. Darin erzählt sie, dass die Spielerinnen des amerikanischen Nationalteams in einer Telefonkonferenz 2012 entschieden, dass sie sich bei Verbandspräsident Sunil Gulati melden um ihm mitzuteilen, dass die Spielerinnen wollen, dass Pia Sundhage NICHT weitermacht, trotz zweier olympischer Goldmedaillen. Man fragt sich warum?

Der Bruch mit den schwedischen Vereinen hat viele Gründe, die meisten dürften im Verborgenen bleiben. Bekannt ist, dass die Vereine sauer sind, dass Sundhage immer wieder angeschlagene Spielerinnen eingesetzt hat, die dann in noch schlechterem Gesundheitszustand zurückkamen. Ganz aktuell Pauline Hammarlund. Bekannt ist, dass Sundhage versucht hat, Einfluss zu nehmen, dass manche Spielerinnen im Club dieselbe (andere) Position spielen sollten wie in der Nationalmannschaft. Stefan Rehn hatte damals nur gelacht, als Pia ihn aufforderte, Elin Rubensson als Abwehrspielerin einzusetzen. Die Vereine zahlen die Gehälter, das ist anders als in den USA.

Kritisch auch, dass es manche Spielerinnen gibt, an denen die Trainerin mit Vasallentreue festhält, obwohl die Leistungen einfach nicht erstklassig sind. „Kannst du mir bitte erklären, warum Olivia Schough in der Nationalmannschaft spielt?“, fragte mich einmal eine andere Nationalspielerin. Ich konnte es nicht.

Die Trainerin kann sich nicht auf ein System festlegen, sie wechselt unentwegt und probiert ständig Neues aus. Taktisch gesehen bringt es ebenfalls wenig Neues. Die Defensivtaktik bei Olympia, die am Ende die Silbermedaille brachte – nach Angaben des schwedischen Bloggers Johan Rydén ist die Taktik nicht von der Cheftrainerin gekommen, sondern von der Mannschaft, die nach dem 1:5 gegen Brasilien meuterte.

Wenn einem so der Gegenwind ins Gesicht bläst, 0:12 ist ein vernichtendes Urteil der wichtigsten Partner, dann würde ich meinen Hut nehmen. Das Trio Marika Domanski Lyfors, Pia Sundhage und Lillie Persson macht weiter. Möglicherweise auch, weil wenn eine geht, alle gehen müssten und weil es jobmässig kaum Alternativen gibt. Dass dabei die Meinung der ;Liga nichts zählt sagt mir, dass es auch im nächsten Jahr kaum eine gute Kommunikation zwischen Nationalmannschaft und Vereinen geben wird.

Schweden verliert in Dänemark

Die Niederlage gegen Dänemark am Dienstag war ein Tiefpunkt in der schwedischen Länderspielgeschichte der letzten Jahre. Auch wenn die Däninnen motiviert und aggressiv ans Werk gingen und in allen Belangen besser waren: Von einem Silbermedaillengewinner Olympischer Spiele kann und muss man mehr erwarten.

Pia Sundhage hatte nach etlichen Absagen und einigen Verletzungen noch einmal nachnominiert und der Zeitung Expressen gesagt, das dies die Gelegenheit böte, viele neue Spielerinnen zu testen.

Am Ende blieb es beim Lippenbekenntnis. Sundhage bot die netten, engagierten, aber international definitiv eher zweitklassigen Sofia Jakobsson (Jakobsson war letztes Jahr wesentlich entschlossener im Abschluss) und Olivia Schough auf. Schough hatte im Finale gegen Deutschland zuletzt zwei dicke Chancen versemmelt. Statt die jüngeren und hungrigeren Pauline Hammarlund und Stina Blackstenius aufzubieten also wieder die Zugeständnisse an die Treuen. Pia Sundhage ist leider niemand, der erneuert. Sie ist der fortgesetzte Status Quo. Die ständige Erstarrung. Schon als US-Trainerin hat sie es versäumt, neuen Spielerinnen eine Chance zu geben, hielt immer an ihren Lieblingen fest. Dabei ist Sundhage eine sehr sympathische Persönlichkeit des Frauenfußballs. Niemand hat so wie sie in den letzten Jahren den Sport in breitere Gesellschaftskreise des Landes getragen. Aber als Trainerin hat sie leider ausgedient. Sie ist definitiv nicht die Person, die den notwendigen Neuaufbau denkt und durchführt, wenn Hedvig Lindahl, Nilla Fischer, Caroline Seger und Lotta Schelin in wenigen Jahren in die Fußballrente gehen. Bei der EM kann es trotzdem wieder weit gehen, wenn man die Defensivtaktik wieder auspackt, mit der man schon die USA und Brasilien ins Elfmeterschießen kämpfte. Bringt das den schwedischen Fußball weiter? Wohl kaum.

Vorteil Linköping

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Katrin Schmidt (Djurgården) lässt Filippa Curmark (Göteborg) stehen

Rosengård kam am Sonntag bei Vittsjö GIK nicht über ein 0:0 hinaus. Lotta Schelin war verletzt, dafür wurde in den letzten 20 Minuten die monatelang abwesende Gaelle Engamanouit eingewechselt. Aufregung bei Malmö, weil Vittsjös Goalie Katie Frayne die Niederländerin Lieke Martens rüde im Strafraum von den Beinen holte, aber die Schidsrichtern die Pfeife nicht ertönen ließ. 90% aller Schiris hätten hier Strafstoß entschieden, Fraine berührte den Ball aber vor allem die Gegnerin.

Linköping siegte munter weiter, jetzt gegen den Zehnten Kristianstad und wieder einmal hießen die Torschützinnen Pernille Harder und Stina Blackstenius beim 2:0. Damit hat Linköping nicht nur das bessere Torverhältnis, sondern bei einem Spiel weniger als Rosengård auch schon einen Punkt mehr. Vorteil also, obwohl das nächste Heimspiel gegen Djurgården alles andere als einfach werden wird.

Djurgården profitierte von einer umstrittenen Linienrichterentscheidung (war der Ball wirklich im Tor?) gegen Göteborg und liess den Gegner das 2:0 per Eigentor machen. Aber spielerisch überzeugten die Hauptstädterinnen und gewannen verdient. Der Aufsteiger könnte tatsächlich einen Platz unter den Top 5 schaffen, selbst der dritte Rang ist nicht unmöglich. Tolle Leistung des Gesamtteams, aus dem ich Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir und das zentrale Mittelfeld mit Katrin Schmidt und Emilia Appelquist hervorheben würde. Immens wichtig auch Torjägerin Mia Jalkerud. Alle andern spielen hervorragend mit, was notwendig ist für die Gesamtleistung und Neuzugang Michelle Wörner aus Deutschland (kam jetzt von Sunnanå SK) überraschend stark im linken Mittelfeld trotz Sprung von zweiter Liga in die erste.

Lotta über Menstruation, Siegtor in der 91.

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Lotta Schelin (Foto: Anders Henrikson)

Lotta Schelin ist eine der großen Persönlichkeiten des internationalen Frauenfußballs. Wer sie schon einmal getroffen hat, wird mir zustimmen, dass sie die wesentlichen Charaktereigenschaften eines Vorbilds auf beste Weise vereint: Sie ist eine herausragende Sportlerin, sympathisch, offen für Anliegen von Fans und Journalisten und sie steht für Werte ein: für Gleichberechtigung und gegen Rassismus um nur zwei Dinge zu nennen.

Jetzt versucht sie, ein bislang tabuisiertes Thema ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Lotta Schelin will, dass man endlich offen darüber spricht, wie die Menstruation Sportlerinnen beeinflusst, will, dass endlich eine ernstzunehmende Forschung in Gang gesetzt wird, die analysiert, ob etwa das Verletzungsrisiko steigt, wenn Frauen während ihrer Menstruation gleichermaßen hart trainieren und spielen wie außerhalb dieser Tage.

„Man glaubt immer, dass das privat ist, dass man sich selber darum kümmern muss, aber Tatsache ist, dass es uns extrem beeinflusst,“ sagt die 32-Jährige Weltklassestürmerin in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen SVT.

„Man forscht über alle möglichen Dinge bei Spitzensportlern, man will alles wissen und macht Herzuntersuchungen, Blutproben usw. Aber kein einziges Mal hat man meine Menstruation untersucht und festgestellt, wie sie mich beeinflusst. Wenn mal jemand nicht zum Training kommt, heisst es oft, sie hat Bauchschmerzen.“

Schelin findet, dass etwa die Nationalmannschaft auf Reisen alles dabei hat, Kaugummi, Nasentropfen, Verbandszeug, das einzige, was nicht im Mannschaftsgepäck ist, sind Binden und Tampons.

Hätten Männer Menstruation, da ist Lotta sich sicher, wäre dieser physiologische Zustand bereits bis ins Kleinste erforscht worden. Insofern sieht die gebürtige Stockholmerin, die in Göteborg aufgewachsen ist, das Thema auch als Gleichberechtigungsfrage und möchte eine Diskussion anstoßen. Es ist ihr gelungen, da alle großen Zeitungen das Interview aufgreifen und andere Sportlerinnen, etwa die Boxerin Klara Svensson sich ebenfalls dazu äußern und Schelin loben und sich bei ihr bedanken, dass sie dieses Tabuthema aus der Schamgefühlecke holt, aus einer Ecke, in die es nicht hingehört.

Lotta sagt, dass ihre eigene Menstruation nicht sonderlich stark sei, aber dennoch würde sie an ein, zwei Tagen im Monat davon ganz klar beeinflusst.

Wir bleiben bei Lotta Schelin, kommen aber zum Geschehen in der Liga zurück. In der 91. Minute erzielte Lotta Schelin am Mittwoch das Siegtor für ihren FC Rosengård gegen Kopparberg/Göteborgs FC. Nochmal Glück gehabt kann man da sagen, andernfalls wäre Linköping potentiell vier Punkte davon gezogen, denn die Frauschaft aus Östergötland gab sich beim 4:0 gegen das wohl dem Abstieg geweihten Umeå keine Blöße. Dabei hatte Rosengård großes Glück, dass Schiedsrichterin Pernilla Larsson Elfmeter für Rosengård gab, als Marta in der 40. Minute Beata Kollmats in deren Strafraum (!) anrempelte und dabei selber aus dem Gleichgewicht geriet. Eine krasse Fehlentscheidung, die auf den TV-Bildern überdeutlich zu erkennen ist. Am Ende gewann Rosengård mit 2:1 durch einen unberechtigten Elfer und ein Tor in der Nachspielzeit. Das Glück des Tüchtigen?!

Ansonsten setzt sich die obere Hälfte der Tabelle immer weiter von der unteren ab. Jetzt sind es fünf Punkte, die den Sechsten Göteborg vom Siebten Vittsjö trennen. Am Sonntag geht es schon weiter, bevor die Schwedinnen dann in die Länderspielpause gehen.

En detail mal wieder vom Mittwochabend:

Kristianstads DFF – KIF Örebro (2:1) 2:2
Tore: 1:0 Jenny Danielsson (21.), 2:0 Johanna Rasmussen (27.), 2:1 Julia Spetsmark (39.), 2:2 Melissa Tancredi (46.)

Umeå IK – Linköpings FC (0:2) 0:4
Tore: 0:1 Stina Blackstenius (15.), 0:2 Renée Slegers (25.), 0:3, 0:4 Pernille Harder (52., 75.)

Kvarnsvedens IK – Eskilstuna United (1:0) 1:1
Tore: 1:0 Meghan Toohey (26.), 1:1 Mimmi Larsson (50.)

FC Rosengård .- Kopparberg/Göteborgs FC (1:0) 2:1
Tore: 1:0 Marta (Foulelfmeter, 40.), 1:1 Elin Landström (80.), 2:1 Lotta Schelin (91.)

Piteå IF – Vittsjö GIK (0:0) 2:1
Tore: 1:0 Elin Bragnum (48.), 2:0 Felicia Karlsson (58.), 2:1 Anna Hjälmkvist (94.)

Mallbackens IF Sunne – Djurgården (0:1) 0:3
Tore: 0:1 Hanna Lundqvist (32.), 0:2 Johanna Rytting Kaneryd (64.), 0:3 Madeleine Stegius (85.)

Die Tabelle:

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In der Torschützenliste sieht es derweil so aus: Pernille Harder 17, Stina Blackstenius (beide Linköping) 15, Marta 11, Ella Masar 10, Lieke Martens (alle Rosengård) 8, Tabitha Chawinga (Kvarnsveden), Pauline Hammarlund (Göteborg), Mia Jalkerud (Djurgården), Mimmi Larsson (Eskilstuna) alle je 7 Tore.

Der Zuschauerschnitt beträgt nach 15 Runden (bei einem Nachholspiel) 814 Zuschauer. Die Tendenz ist leicht steigend. Das liegt meiner Einschätzung nach weniger an der olympischen Silbermedaille, sondern vielmehr daran, dass zB Linköping jetzt die 100e0er-Marke im Schnitt passiert hat, weil das Publikum in der Stadt allmählich mitbekommt, dass da eine Meisterschaft möglich ist.

 

 

Zweikampf geht weiter

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Am Donnerstagabend sah ich ein intensives Spiel im Olympiastadion Stockholm. Hier Piteås Irma Helin (links) und Silbermedaillengewinnerin Emilia Appelquist

Auch am 14. Spieltag geht der Zweikampf Linköpings FC vs FC Rosengård an der Spitze der schwedischen Liga unvermindert weiter. Allen Unkenrufen zum Trotz schloss sich das Transferfenster am Mittwochabend um 23.59 Uhr und sowohl Stina Blackstenius wie auch Pernille Harder sind weiterhin in Diensten von Tabellenführer Linköping. Sie waren dann auch am Freitag für fünf Treffer beim 8:0 Heimsieg über Kvarnsvedens IK verantwortlich.

KIF Örebrö spielte Schweden und „parkte den Bus“ daheim gegen den FC Rosengård, aber es reichte trotz allem zu Toren von Amanda Ilestedt und Lieke Martens. 2:0 für die Equipe aus Malmö.

Da auch Eskilstuna und Göteborg am heutigen Samstag gewannen (Eskiltuna 1-0 bei Abstiegskandidat Kristianstad und Göteborg 4-0 gegen Abstiegskandidat Mallbacken) vergrösserte sich der Abstand der oberen auf die untere Hälfte.

Lediglich der exzellente Aufsteiger Djurgården und Piteå teilten sich beim 1:1 im Olympiastadion von Stockholm die Punkte in einem ansprechenden Spiel, in dem jedoch beide Tore per Elfmeter erzielt wurden.

Pia Sundhage nominierte am Donnerstag auch ihre Auswahl für die anstehenden Qualispiele gegen die Slowakei und in Dänemark. Es handelt sich dabei um den Olympiakader plus Mimmi Larsson (Eskilstuna) und Lina Hurtig (Umeå). Sundhage selber spricht jetzt schon offen darüber, dass sie bleiben will und bald wird es sicher en dazu gehörigen Vertrag mit einer neuen Jahreszahl geben. Mich würde es nicht wundern, wenn man bis einschliesslich WM in Frankreich 2019 verabredet.

U20-Trainer Calle Barrling sprach auf er Pressekonferenz am Donnerstag auch über die WM in Papua Neuguinea und sagte, dass man Individualreisenden dringend von der Reise abrate, weil das Land einfach viel zu gefährlich sei. Für das schwedische Team wird an speziellen Sicherheitsauflagen gearbeitet. Im Gastgeberland der WM gibt es extrem viele Gewalttaten, nicht zuletzt gegen Mädchen und Frauen. Was sich die FIFA wohl bei der Vergabe gedacht haben mag?