La reine – die Königin verabschiedet sich

Lotta Schelin spielte am Abend ihr letztes Spiel für Olympique Lyon. Wegen einer leichten Verletzung am Oberschenkel wurde sie erst in der 77. Minute eingewechselt und die Lyon-Fans riefen „Lotta, Lotta, Lotta“ als sie an der Seitenlinie wartete.

Zu dem Zeitpunkt führte Olympique hochverdient mit 1:0 durch ein frühes Tor, das Pauline Bremer für Ada Hegerberg aufgelegt hatte. Das französische Team war in allen Belangen überlegen, versäumte es aber, den berühmten Sack zu schließen.

Und dann kam Alexandra Popps Ausgleichsköpfer. Ein Tor wie es außer ihr nur von Abby Wambach im Frauenfußball kommen konnte. Das war die 88. Minute. Unverdient, aber das ist Fußball., Verlängerung. Elfmeterschießen.

Ada Hegerberg schießt mutig den ersten Elfer und war dafür vielleicht doch noch zu jung. Almuth Schult kann problemlos halten.

Dann ist Schelin an der Reihe und ihre letzte Aktion für Olympique nach acht Jahren in Frankreich bringt den ersten Treffer im Elferschießen. Souverän ins Eck.

Am Ende verschießen Nilla Fischer und Elise Bussaglia und die Japanerin Saki Kumagai trifft zum zweiten Mal in ihrer Karriere entscheidend: 2011 im Alter von 20 gegen die USA im WM-Finale in Frankfurt und fünf Jahre später wieder entscheidend im UWCL-Finale gegen Wolfsburg.

Kumagai und Bremer die besten Spielerinnen auf dem Platz. Lotta Schelin weint hemmungslos, vor Freude, aber sicher auch, dass es so ein gutes Ende für sie gefunden hat. Und auch weil sie weiss, dass acht Jahre Lyon vorbei sind. Und dass sie nun noch mal nach Hause fährt, um die Koffer zu packen.

ERGÄNZUNG: Schelins vermeintlicher USA-Trip ist eine kleine UEFA-Ente. Frauenfußball ist oft nicht der Journalisten Herzangelegenheit. Der UEFA-Kollege schrieb, dass Schelin in die USA gehen würde, während man weder von Necib noch von Henry wisse, was aus ihnen wird. Schlecht nachgelesen hat der Kollege. Amandine Henry geht nach Portland zu Nadine Angerers Thorns und Louisa Necib heiratet bald und wird ihre Karriere nach den Olympischen Spielen in Rio beenden. Wir setzen (wieder) weiter auf Lotta in Göteborg.

Und die UEFA nährt das Gerücht, dass es vielleicht doch noch nicht nach Schweden gehen könnte. Im Live-Kommentar auf der Webseite liest man am Abend, dass es in diue USA gehen könnte. Wohin nicht. Aber wenn, dann wohl nur nach Seattle, vermute ich. Denn da spielt ihre gute Freundin Hope Solo, mit der Lotta in Göteborg zusammen gespielt hat. Und da ist auch die Ex-Lyonerin Megan Rapinoe. Vielleicht also doch noch eine Saison in den USA, bevor es nach Hause geht. Bei Freundinnen in der Hipsterstadt am Pazifik? Wir werden sehen.

Was Schelin groß macht. Ihre Persönlichkeit. Nach dem Spiel geht sie auf die andere Spielhälfte zu ihrer langjährigen Mannschaftskameradin Elise Bussaglia, die den alles entscheidenden Elfer für Wolfsburg versemmelt hat. Sagt ein paar Worte, nimmt sie in den Arm und drückt sie ganz fest. Dann eine schwedische Flagge um die Schultern geht es zu Nilla Fischer, die den ersten Wolfsburger Elfer verschossen hat. Sie schlingt die Flagge um sich und Fischer und es gibt eine wortlose Umarmung. Erst dann geht es zurück zu ihrer Mannschaft zum Feiern. Auch Louisa Necib tröstet Bussaglia.

Dass Lyon nach 120 Minuten und Elfmeterschioeßen hochverdient gewonnen hat, daran gibt es keinen Zweifel.

 

 

 

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Therese Sjögran kritisiert UWCL-Modus

Nach dem Gesamtergebnis von 13:0 zwischen dem deutschen Vertreter 1.FFC Frankfurt und dem dänischen Tabellenführer Brøndby IF kritisiert die schwedische Rekordnatioalspielerin Therese Sjögran das Verfahren. Sie meint, das solche Ergebnisse nicht gut für den Frauenfußball sind.

In der Abendzeitung Kvällsposten sagte die 38-Jährige: „Ich finde, man sollte von Beginn an setzen. Jetzt spielten PSG und Lyon im Achtelfinale gegeneinander und Lyon schied aus. Und dann erreicht eine Mannschaft wie Brøndby das Halbfinale. Da kommen die Mannschaften weiter, die eigentlich nicht gut sind. Ich hoffe, dass sie sich das gesamte Auslosungssystem anschauen und stattdessen Mannschaften setzen.“ Sjögran plädiert dafür, dass die Mannschaft mit dem höchsten Koeffizienten im Achtelfinale auf die mit dem niedrigsten trifft usw.

Natürlich muss das System überarbeitet werden. PSG gegen Lyon in dieser Saison, Lyon gegen Potsdam in der Saison zuvor oder auch PSG gegen Tyresö sind Ansetzungen in einem Achtelfinale, die nicht vorkommen sollten.

Natürlich spricht aus Sjögrans Kritik auch die eigene Enttäuschung, dass man abermals selber gescheitert ist. Denn zu behaupten, dass Brøndby nicht in ein Halbfinale gehört, ist auch ungerecht. Linköping ist mit 0:1 und 1:1 an den Däninnen gescheitert. Dasselbe Linköping, das in der letzten Saison beide Ligaspiele gegen den FC Rosengård, für den Therese Sjögran spielt, gewonnen hat. Taktisch gut aufgestellt, gewannen die Kopenhagenerinnen gegen Linköpings FC, das auf nahezu jeder Position zumindest auf dem Papier besser besetzt ist. Das muss man anerkennen. Ich habe selber vorausgesagt, dass Brøndby Kanonenfutter für den 1.FFC Frankfurt werden wird und bin dafür von dänischen Fans kritisiert worden. Nach dem 0:13 haben sie sich nicht mehr gemeldet.

Was muss denn passieren, damit die Champions League interessanter wird? Ja, in der Tat muss man Begegungen wie Lyon – PSG im Achtelfinale durch ein intelligenteres Setzungssystem vermeiden. Um es gerecht zu machen, muss man Mathematik zu Hilfe nehmen. Bezieht man sich dabei nur auf internationale Spiele, können schnell zusammengestellte Spitzenteams wie Tyresö und PSG durch das Sieb fallen und gegen Rosengård oder Wolfsburg gelost werden. Um das zu vermeiden, müssten die Ligen noch stärker gewichtet werden und auch Ligapiele in die Wertung einfließen.

Schaut man sich die Koeffizientenrangliste der UEFA für die Saison 2014/15 an, ist Frankfurt 12. und Brøndby 14. in Europa, dazwischen befindet sich lediglich der NOSV Neulengbach. Das 13:0 in zwei Spielen hätte durch den Koeffizienten nicht vermieden werden können.

Würde Therese Sjögrans Vorschlag, dass das Team mit dem besten Koeffizienten jeweils gegen den Vertreter mit dem schwächsten Koeffizinten spielen müsste, angenommen, das Achtelfinale in dieser Saison hätte so ausgesehen:

Olympique Lyon – Gintra (Litauen)
VfL Wolfsburg – Bristol City
ASD Torres – FC Zürich
FC Rosengård – FC Barcelona
Fortuna Hjørring – Glasgow City
1.FFC Frankfurt – Zvezda 2005
Neulengbach – Paris Saint-Germains
Brøndby – Linköpings FC

Dabei muss erwähnt werden, dass unter den 16 Vertretern der italienische Club ASD Torres noch vor Rosengård und Frankfurt auf der Rangliste der UEFA residiert. Und Fortuna Hjørring ist der fünftbeste Club unter den 16 Teilnehmern.

Meiner Meinung nach gehört das gesamte System reformiert. Wir brauchen: Deutlich mehr Startgeld für die 32 besten Clubs. Statt wie bislang 20.000 € pro Runde bis zum Halbfinale sollte die UEFA 100.000 € zahlen. verglichen mit den Herren ist das immer noch nicht einmal Taschengeld, aber immerhin ein Anfang.

Wir brauchen auch mehr als zwei Vertreter aus den besten Ligen Europas. Die besten drei Ligen in Europa sind nach dem aktuellen UEFA-Koeffizienten Deutschland (30,249 Pkt.), Frankreich (25,905) und Schweden (20,295). Dass knapp hinter Schweden mit 19,305 Punkten England rangiert, liegt am guten Abschneiden der Arsenal Ladies, aber auch an der Halbfinalteilnahme der Birmingham Ladies von 2013/14. Birmingham ist in der UEFA-Rangliste übrigens zwei Plätze besser als PSG!!! Lasst aus den drei besten Ligen Europas jeweils vier Teams an der UWCL teilnehmen. Dann aus den Ligen auf den Plätzen 4-6 je drei Teams. Bei gegenwärtig England, Russland und Italien würde das sicher auch zu schwachen Teilnehmern führen, aber man muss eine Lösung auch sportpolitisch durchsetzen können. Aus den Ligen auf den Rängen 7-9 kommen je zwei Vertreter. Das sind Spanien, Dänemark und Tschechien. Die verbleibenden fünf Plätze in einem 32er Startfeld werden durch eine Qualifikation vergeben. So bekommen wir 32 Teilnehmer aus 14 Ländern. Der Rest hat sich nicht qualifiziert.

Dann gibt es acht Gruppen à vier Teams. In jeder Gruppe wird ein Team gesetzt. Die beiden besten Teams kommen weiter ins Achtelfinale. Die acht Gruppensieger werden im Achtelfinale den acht Gruppenzweiten zugelost und können lediglich nicht gegen ihren Gruppenpartner spielen.

Der Wettbewerb sollte vom Modus her weitgehend dem der Männer angeglichen werden mit einer etwas anderen Zusammensetzung.

Champions League ohne schwedische Clubs

"Und da machte es popp, popp..." schrieb ein schwedischer Kollege heute. (Foto: Rainer Fußgänger)

„Und da machte es popp, popp…“ schrieb ein schwedischer Kollege heute. (Foto: Rainer Fußgänger)

Beide schwedischen Vertreter sind aus der Champions League ausgeschieden. Bloggerkollege Johan Rydén schrieb, dass in den letzten fünf Jahren nur ein schwedisches Team das Halbfinale dieses wohl bedeutendsten Wettbewerbs für Frauenfußballvereine erreicht hätte und dass man das eigentlich nicht zählen dürfe: Tyresö FF erreichte 2014 gar das Finale in Lissabon und unterlag dort knapp dem VfL WOlfsburg mit 3:4.

Tyresö hatte nur das Finale erreicht, weil es sich um ein finanziell gedoptes Team handelte, dass der Verein bzw. die Aktiengesellschaft, der der Verein das Team übergeben hatte, nicht mehr leisten konnte. Von Februar bis zum Zerplatzen der Seifenblase Ende Mai erhielten die Spielerinnen keine Gehälter.

Schweden ist wieder draußen und woran liegt es? An der Unzulänglichkeit im Kopfballspiel, sagt ein Kolege. Dem widersprach Rosengårds Trainer Marcus Tilly entschieden. Er sagte, dass es im Falle Rosengårds die Spitzenqualitäten von Alexandra Popp gewesen wären, die den Unterschied ausgemacht hätten. Popp sei der Unterschied gewesen, das sagte er auch mir in der nicht vorhandenen Mixed Zone, durch die die meisten Spielerinnen schnell verschwunden waren nach dem 3:3.

Nicht verloren und dennoch ausgeschieden, das ging nicht in die Köpfe der Spielerinnen rein. Tut es nie. Das sagte mir vor ein paar Jahren schon Linda Sällström, als sie noch bei Linköping spielte und man nach einem 2:2 daheim „nur“ ein 1:1 in London geholt hatte. Das sagte mir gestern auch Anja Mittag nach dem Spiel, als ich ihr noch kurz begegnete.

Marta macht das 1:1. Weltklasse seit 12 Jahren.

Marta macht das 1:1. Weltklasse seit 12 Jahren.

Marta soll lange auf dem Platz gesessen haben, niedergeschlagen. Als ich sie nach dem Spiel auf dem Weg aus der Kabine kommen sehe, tröstet sie einen Fan auf Englisch und sagt, dass man es doch nächstes Jahr wieder versuchen könne. Sie (das Mädchen) solle doch nicht weinen und Marta lacht ihr aufmunternd zu. Ich gebe Marta einen leichten Klaps auf den Oberarm und sage, dass es mir leid tut um das Team, gehe weiter. Marta schaut auf, lächelt kurz und nickt und widmet sich dann wieder ihrer Gesprächspartnerin.

Am Abend ärgere ich mich dann über das deutsche Fernsehen. Das ZDF, namentlich die Reporterin Claudia Neumann, berichtet kurz über das Spiel im Aktuellen Sportstudio. In der Anmoderation sagt Katrin Müller-Hohenstein, die bei der Männer-WM noch lasziv mit den Füßen plantschend mit Lukas Podolski im gleichnamigen Becken in Brasilien gesessen hatte und damit ein Musterbeispiel für neutralen Sportjournalismus geliefert hatte, dass der VfL Wolfsburg gegen „so eine Mannschaft aus Schweden“ gespielt hätte.geht’s noch? Als ob man bei den Männern ein vergleichbares Kaliber wie sagen wir Juventus Turin „so ne Mannschaft aus Italien“ nennen dürfte. Wenn Frauen Frauenfußball marginalisieren…

Dann setzt Neumann einen drauf. In ihren 3-4 Minuten zeigt sie uns die Tore und macht Stimmung gegen Marta. Sie habe eine klare Tätlichkeit gegen Martina Müller begangen, sagt nicht, was man normalerweise für Tätichkeiten bekommt, denn das soll sich der aufgebrachte Zuschauer selber denken und stellt dann nach dem Spiel gezielt gerichtete Fragen an Müller, die sich über die böse Marta auslassen soll. Müller tut Neumann den Gefallen und demonstriert Schadenfreude. Unterverstanden wird vermittelt, dass Marta indiskutabel sei und dass Müller & Co. aber glücklich seien, dass man sie jetzt zwei Jahre lang hintereinander in die Schranken gewiesen hätte. Als ob es primär darum gehen würde.

Da tut einem die Spielerin Müller leid, die benutzt wird, den Bericht tendenziös zu machen.

Trainer Ralf Kellermann, Stürmerin Alexandra Popp und auch Martina Müller selber haben übrigens nicht von Tätlichkeit gesprochen. Der VfL sollte sich beim ZDF beschweren für diese unprofessionelle Berichterstattung. Die Pfiffe und Buhrufe gegen Marta in Deutschland werden, das wurde mir gestern Abend leider klar, von den Medien unterstützt und sogar provoziert. Es gibt ja eine gute Geschichte und gute Geschichten geben Quoten. Traurig.

Warum hat Wolfsburg „gewonnen“? Gewonnen haben sie ja nicht, aber warum sind sie verdient weitergekommen?

Popp sagte, dass es den Wolfsburgerinnen klar gewesen wäre, dass den Schwedinnen (naja, so viele Schwedinnen spielen nicht in Rosengård…) so nach 60 Minuten die Luft ausgehen würde und so sei es gekommen. Sowohl im Hinspiel wie im Rückspiel.

Das wiederum liege daran, dass Rosengård eben eigentlich noch in der Vorsaison wäre und erst vier Wettbewerbsspiele inklusive dieses gestrigen, absolviert hätte. Sagt mir Rosengårds Trainer Marcus Tilly.

Sollte man dann nicht ernsthaft über eine Änderung der Saisontermine nachdenken, frage ich Tilly. Er gibt sich hoffnungslos. Naja, darüber rede man ja schon lange und immer wieder, aber leider ohne Resultat.

Ob alles an den unterschiedlichen Fitnessständen, weil einmal Vorsaison und zum anderen mitten drin?

Nein. Es ist mehr. Auch eine Einstellungsfrage. Wolfsburg arbeitet mit einem unerhört aggressiven Pressing, gibt dem Gegner keine Luft zu Atmen und versucht dann (ebenso wie Rosengård) bei Balleroberung schnell nach vorn zu kommen. Während die Wölfinnen aber entschlossen marschieren und JEDEM Ball nachrennen, fiel mir in der Abwehr von Rosengård gestern mehrfach auf, dass gezögert wurde. Kommt die noch an den Ball? Nö, dann muss ich ja vielleicht nicht hinlaufen. Oh Mist, sie kommt dran, sie setzt alles dran und kommt dran, ich muss loslaufen. Und schon ist man zwei Zehntelsekunden zu spät in den Sprint gegangen. Das summierte sich. Es führte nicht zu den Toren. Aber es trägt zur Dramaturgie des Spiels bei. Zum psychologischen Übergewicht.

Pia Sundhage saß gestern in Publikum. Sie soll begeistert gewesen sein von Malmös neuer Stammtorfrau Zecira Musovic. 18 Jahre alt und wohl die kommende Dominatorin im schwedischen Tir. Unglaublich ihre Ausstrahlung und auch ihr Reflex bei einem Schuss von Yuki Ogimi. Weniger begeistert dürfte Sundhage von ihrer derzeitigen Startspielerin Emma Berglund gewesen sein. Fehlpässe im Aufbauspiel, gleich mehrere und sogar unbedrängt.

Alex Popp köpft das 3:2 für Wolfsburg gegen taumelnde Schwedinnen

Alex Popp köpft das 3:2 für Wolfsburg gegen taumelnde Schwedinnen

Auch Lina Nilsson wurde gestern gezeigt, dass internationale Klassespielerinnen wie Popp oder Verena Faißt sie ins Schliddern bringen. Als Popp das 3:2 köpft und neben ihr auch noch Zsanett Jakabfi herangesprungen kommt, sehen sowohl die in der Natio bereits ausgemusterte Amanda Ilestedt wie auch Nilsson aus wie Spielerinnen einer Jugendauswahl gegen einen Champion-League-Sieger.

Anja Mittag hat abgezogen, noch weiß keine, ob das Ding auch reingeht

Anja Mittag hat abgezogen, noch weiß keine, ob das Ding auch reingeht

Vorne stimmte es, da zeigten besonders Anja Mittag und Marta ihre Klasse. Von der angeschlagenen Ramona Bachmann war ich etwas enttäuscht, aber sie ist eben nicht voll fit. Therese Sjögran hat auch schon bessere Spiele abgeliefert. Neben Mittag und Marta sind Rosengårds Pluspunkte Sara Björk Gunnarsdottir, Anita Asante und Musovic. Hätte man die sprungstarke Asante konkret auf Popp ansetzen können?

Wieso kann Popp, die europäische Antwort auf Abby Wambach, zweimal mehr oder minder ungehindert einköpfen, obwohl man darüber intensiv gesprochen hat?

Kopfballspiel ist in Schweden stark vernachlässigt bei den Frauen. In Kopenhagen verlor Linköpings FC gegen eine auf allen Positionen schlechter besetzte Mannschaft, weil man derzeit unter einer akuten Ladehemmung leidet, sich aber auch zweimal bei Flanken in den Strafraum Tore einhandelte. Emma Madsen köpfte gestern das 1:0 für Brøndby, Mariann Gajhede glich aus und in der zweiten Halbzeit spielten die Däninnen mit einer Neunerkette vor dem eigenen Tor. Für den 1.FFC Frankfurt wird Brøndby Kanonenfutter. Es wird zwar kein 12:0 addiert geben wie gegen Bristol City, aber 6:0 addiert sollte drin sein.

Und im Finale in Berlin holt Wolfsburg den Hattrick. Bis dahin ist Lena Goeßling wieder dabei. Denn das sollte man auch erwähnen: Wolfsburg kam weiter, obwohl es auf Schlüsselspielerinnen verzichten musste. Der kader ist breit und ausgeglichen besetzt. Als Popp gestern ihren zweiten Treffer machte, fragte man sich, wen Marcus Tilly nun einwechseln könnte, der das Matchbild verändern könnte. Da saßen überwiegend talentierte Teenager, die in der Liga durchaus im Rahmen dieses Teams eingebaut werden können, auf dem höchsten europäischen Niveau aber nicht mithalten können. Und so blieb es dann auch bei der Einwechslung von Kirsten van de Ven. Wohl auch weil Tilly wusste, dass er nichts mehr hatte außer die Hoffnung auf Marta oder Mittag oder Bachmann. Bachmann bekam tatsächlich in der 94. Minute noch den Ball nach einer Ecke vor die Füße. Vergab kläglich. Hätte sie das Ding reingemacht, wir wären Zeuge eines Fußballwunders geworden – und das vor einer Rekordkulisse von fantastischen 5.700 Zuschauern.

Halbfinale noch möglich für Linköping und Rosengård

Emma Madsen und ihre Mannschaftskameradinnen können ihr Glück kaum fassen nach dem 1:0 in Linköping

Emma Madsen und ihre Mannschaftskameradinnen können ihr Glück kaum fassen nach dem 1:0 in Linköping

Nach dem Spiel in einer gestern äußerst windigen Linköping Arena wussten die Spielerinnen und der Trainer von Linköpings FC warum es gelegen hatte, dass man dem dänischen Tabellenführer Brøndby mit 0:1 unterlegen war. Obwohl man am Drücker war und das Spiel über sehr weite Strecken dominiert hatte.

„Wir sind die bessere Mannschaft, wir haben besser als die gespielt,“ sagte mir Pernille Harder, die gleich mehrere Chancen auf den Ausgleich hatte, die beste, als sie in der 90. Minute von der Strafraumgrenze die Querlatte traf. Da hätte Katrine Abel keine Chance gehabt.

„Die hatten eine Torchance und haben ein billiges Tor gemacht,“ so Pernille weiter. „Aber im letzten Drittel hat es gefehlt, der letzte Pass kam nicht an und dann müsen wir natürlich die Chancen, die wir haben, auch nutzen.“

Aus nicht ganz klaren Gründen musste Linköping statt im gewohnten Dunkelblau ganz in Rot spielen, eigentlich nur die Reservekleidung des Teams. Optisch wäre Dunkelblau ein guter Kontrast zum Gelb der Gäste gewesen, warum die UEFA-Delegatin Rot anordnete, bleibt ein Rätsel.

Das Gegentor, ein Eigentor von Routinier Charlotte Rohlin fiel schon in der 14. Minute. Und danach rannte Linköping diesem Treffer vergeblich her. In der ersten Halbzeit sorgte die aus Malmö bestens bekannte Katrine Veje noch für Gefahr auf der linken Seite gegen Schwedens Nationalspielerin Jessica Samuelsson, aber in der zweiten Halbzeit musste dann Veje in der Defensive viel gegen eine immer offensivere Samuelsson arbeiten.

„Die haben ein frühes Tor gemacht, wo wir total kollabiert sind,“ analysierte Trainer Martin Sjögren  nach dem Spiel. „Wir haben zu wenig Druck auf deren rechte Außenverteidigerin gemacht und die spielte den Pass in die Tiefe [zu Nanna Christiansen] . Und dann haben sie eine Spielerin im Torraum, wo wir drei haben, da darf einfach kein Tor fallen. Aber wir haben auch Fehler nach vorne gemacht, viele Chancen nicht genutzt.“
Wie wird das Spiel in Kopenhagen verlaufen, fragte ich Sjögren?
„Ich glaube, es wird sehr ähnlich sein. Wir haben uns selber in diese Situation gebracht und Brøndby wird so weiterspielen wie nach dem Treffer, den sie gemacht haben.“
Rosengårds Spiel in Wolfsburg habe ich nicht gesehen, da ich im Zug nach Stockholm nur sehr schlechten Empfang hatte, aber das Ergebnis bürgt natürlich für ein spannendes Rückspiel. Interessant, dass jetzt offenbar die 18-Jährige Zecira Musovic die Nummer 1 imTor von Rosengård ist. Sie hat wohl mit einigen Paraden das Unentschieden gerettet. Bezeichnend, dass es wieder Marta war, die auf Pass von Anja Mittag Rosengård in Führung brachte. Wolfsburg bleibt aufgrund einer doch recht dominanten Leistung weiterhin Favorit auch für das Rückspiel, aber ein Weiterkommen scheint durchaus möglich für den schwedischen Meister, auch wenn man nach wie vor Außenseiter ist gegen den Goliath aus der Autostadt.Aber wieder einmal kochten die Emotionen hoch in Deutschland. Zuerst verpasste Vanessa Bernauer der Dänin Line Røddik Hansen mit ihrem Ellenbogen unabsichtlich das, was sich später dann zunächst nur als leichte Gehirnschütterung zu erwiesen schien. Aber damit fiel die Taktik Rosengårds schon früh in sich zusammen. Trainer Markus Tilly hatte auf eine offensive 5-3-2 Aufstellung gesetzt, mit Røddik und Lina Nilsson als offensive Außenverteidigerinnen. Eigentlich eher eine 3-5-2 mit Marta auf der linken Seite. Das Duo Røddik Hansen & Marta hatte früher in Tyresö sehr erfolgreich die linke Außenbahn bearbeitet. Røddik wurde, mit Decken abgschirmt, vom Platz getragen und direkt ins Krankenhaus gebracht. Sie wird kaum beim Rückspiel dabei sein. Emma Berglund hat sich wohl die Hand gebrochen, zimperlich wurde nicht gespielt, von beiden Seiten.Die Regionalzeitung Sydsvenska Dagbladet war natürlich vor Ort und ihr Sportchef Max Wiman feiert heute Torhüterin Musovic und Marta: „Ein völlig angstfreier Teenager und ein routinierter Weltstar, die beide die Situation einfach nur liebten, da habt ihr die Führungsfiguren, als sich der FC Rosengård eine glänzende Ausgangsposition in der Champions League gegen die Meistermannschaft Wolfsburg verschaffte.“

Wiman gerät ins Schwärmen über Musovic und sagt, dass Pia Sundhage, die gegenwärtig bekanntermaßen Torwartprobleme hat, durchaus einen Gedanken an die 18-Jährige verschwenden solte, die den Luftraum so beherrschen würde, wie das vor ihr nur Caroline Jönsson getan habe.

Marta, so Wiman, habe wie ein Porsche agiert. Sie habe durch und durch Qualität gezeigt, von ihrem eiskalten Treffer bis hin zu dem Faktum, wie sie die Deutschen aus der Fassung gebracht habe. Wiman sieht die rote Karte Graham Hansens übrigens als durchaus diskutabel an und räumt ein, dass es umstritten gewesen sei. Frappart habe aber völlig den Ellbogeneinsatz Bernauers gegen Røddik übersehen. Wiman fordert die Zuschauer auf, am Samstag zum Malmö IP zu kommen. Rosengård könnte Geschichte schreiben.

Auch die große Boulevardzeitung Aftonbladet war in Wolfsburg vertreten. „Anja hat gesehen, dass ich in einer sehr guten Position war,“ sagte Marta „und ich habe einfach versucht, den Ball dorthin zu spielen, wo die Torhüterin nicht rankommen konnte. Es ist immer schön, wenn man solche Tore machen kann, aber unser Ergebnis hier ist eine Mannschaftsarbeit,“ so die Brasilianerin.

Zu der roten Karte von Graham Hansen sagte Marta: „Sie hat mein Bein mit einem sehr harten Tritt getroffen. Dann habe ich nichts mehr gesehen. Ich lag auf dem Rasen und wartete auf Hilfe. Ich habe nicht einmal gesehen, dass sie die rote Karte bekam und danach schrien alle gegen mich. Was?“

„Wenn man so einen Tritt abbekommt, darf man dann nicht liegen und Schmerzen haben? Ich bin ein Mensch,“ so Marta weiter. „Ein paar Spielerinnen von Wolfsburg kamen zu mir und sagten, sie würden nicht verstehen, warum das Publikum sich so verhielt, aber das kümmert mich nicht. Sachen, die nicht positiv sind, muss man ablegen. Ich habe das schon vergessen.“

Der Zeitung Expressen sagte sie: „Die scheinen mich zu hassen. Aber sie müssen verstehen, dass man nicht immer gewinnen kann, das müssen sie akzeptieren. Die haben sehr schlecht reagiert.“

Und die Situation, als das Wolfsburger Publikum einen Elfmeter haben wollte, als Marta gegen Ellbogensünderin Bernauer hohes Bein spielte, kommentierte die 29-Jährige: „Das war nicht einmal nah an einem Elfmeter. Sie hat geschauspielert.“

Freuen wir uns auf die beiden Rückspiele am Samstag. Das eine in Kopenhagen um 14.00 Uhr und das andere, keine 40 km entfernt auf der anderen Seite des Öresunds, um 15.00 Uhr.

Rosengård noch nicht im Ziel

Beide Spiele der schwedischen Clubs Linköpings FC und FC Rosengård wurden gestern nicht im Fernsehen übertragen. Während Linköpings 5:0-Sieg gegen Zvezda 2005 dabei völlig ohne Filmkameras stattfand, hatte sich der schwedische Meister eine einfachere Methode in den USA bei der NWSL abgeguckt: das Spiel wurde in Regie des FC Rosengård komplett auf der Videoplattform YouTube live übertragen, wo letzten Endes rund 3.000 Zuschauer zusätzlich die Begegnung verfolgten. Inzwischen hat das Video mehr als 11.000 Zuschauer und zeigt, dass es ein beachtliches Interesse gibt.

Anja Mittag brachte ihre Mannschaft mit 1:0 in Führung. Marta hatte die dänische Torhüterin Michelle Betos derart unter Druck gesetzt, dass sie einen Ball zu Therese Sjögran spielte, den Mittag schließlich bekam und zur Führung verwertete. Aber auch wenn alle nun glaubten, dass die Schwedinnen (naja, immerhin standen drei in der Anfangsformation) nun davonziehen würden und ähnlich wie das implodierte Tyresö FF vergangenes Jahr locker mit 4:0 gegen die durch vier Amerikanerinnen und eine Rumänin verstärkten Däninnen gewinnen würden, sah sich schwer getäuscht

Hohes Tempo, gutes Kombinationsspiel, aber wenig eindeutige Torchancen waren das Fazit einer ersten Halbzeit, die durch eine langsamere zweite Hälfte abgelöst wurde, in der Hjørrings Kapitänin Sofie Pedersen auch noch den Ausgleich erzielte (56.)

Nach einem Flankenlauf von Anja Mittag und einer Kopfballvorlage von Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir markierte dann Katrin Schmidt doch noch den Siegtreffer für Rosengård in ihrem letzten Heimspiel.

Die 28-Jährige Deutsche wird ab 2015 für Aufsteiger Hammarby spielen und nach drei Spielzeiten in Malmö zurück in die Hauptstadt ziehen, aus der sie 2012 gekommen war.

Wie vorauszusehen, war Nationalspielerin Emma Berglund (noch Umeå IK) bereits in Malmö, um sich umzuschauen. Noch sei nichts unterschrieben und sie würde auch noch andere Optionen prüfen, sagte sie der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, aber wer bitte sehr lässt sich denn beim Erkundungsbesuch bei einem möglichen neuen Verein gleich in dessen Stadion ablichten, liebe Emma? Nein, der Wechsel wird kommen und dann wird Anita Asante ihren Platz in der Abwehr verlassen und einen Schritt nach vorne auf die Position der wechselnden Katrin Schmidt rücken.

Ob Marta nächstes Jahr bei Rosengård spielt, ist dagegen noch nicht entschieden. Die 28-Jährige Brasilianerin will mehr Geld und pokert mit dem Verein. Sie ernährt schließlich eine ganze Familie in Brasilien und kann nicht ewig Fußball spielen. Marta hat erklärt, dass sie gerne die Champions League weiterspielen möchte, aber noch ist auch dieses Ziel nicht erreicht, wenngleich ein Sieg der Däninnen nächste Woche schon eine riesengroße Überraschung wäre.

 

Linköping deklassiert Zvezda

LKPGZVEZ03Linköping war klarer Favorit gegen Zvezda, das hatte Linda Sällström schon im Interview diese Woche gesagt, aber wohl der größte Optimist hätte sich kaum träumen lassen, dass das Achtelfinale gegen den frisch gebackenen russischen Meister zu einem Spaziergang werden könnte.

Wie gut, dass Linköping eine Halbzeit lang zu zehnt spielen musste: Die amerikanische Torhüterin Katie Fraine hatte kurz vor der Halbzeitpause beim Stand von 4:0 Zvezdas Stürmerin von der Elfenbeinküste, José Nahi, mehr als unsanft von den Beinen geholt und völlig zu recht die rote Karte bekommen. Den fälligen Elfmeter hielt die schnell eingewechselte norwegische Ersatztorhüterin Hilde Gunn Olsen mit der rechten Hand.

LKPGZVEZ05Nicht auszudenken, wie das Ergebnis hätte ausfallen können, wenn die Schwedinnen auch die zweiten 45 Minuten zu elft bestritten hätten. Zwar zeigten die Gäste gerade zu Beginn einige durchaus gefällige Aktionen, aber mit Ausnahme eines Schusses knapp neben das Tor und einem Freistoß den Fraine zur Ecke lenkte, war auch Nahi immer glänzend bei Maja Krantz oder Charlotte Rohlin aufgehoben, außer in der 43. Minute eben.

Fridolina Rolfö zeigte eine starke erste Halbzeit, wurde dann aber von Coach Martin Sjögren gegen die Ersatztorhüterin ausgewechelt, wohl vor allem, um sie zu schonen.

Am Montagmorgen starten 16 Spielerinnen nach Moskau und weiter nach Perm, wo am Mittwoch bei voraussichtlich leichten Minustemperaturen nur noch eine Pflichtaufgabe wartet. Das Linköping im März 2015 das Viertelfinale bestreiten wird, daran zweifelt niemand mehr. Zvezda 2005 hätte in Schweden sicherlich Probleme, die Klasse zu erhalten, vor allem wegen einer völlig desolaten Defensive.

Linköpings FC: 1 Katie Fraine (Rote Karte 45+4.), 21 Maja Krantz, 7 Charlotte Rohlin, 3 Janni Arnth, 20 Magdalena Ericsson,-, 6 Marianne Gajhede Knudsen, 12 Claudia Neto, 14 Fridolina Rolfö (ab 45+5 Hilde Gunn Olsen), 19 Christine Minde, 16 Pernille Harder (ab 78 Emma Lennartsson), 25 Jonna Andersson (ab 69. Linda Sällström).

Tore: 1:0 Charlotte Rohlin (11.), 2:0 Pernille Harder (26.), 3:0 Fridolina Rolfö (37.), 4:0 Magdalena Ericsson (39.), 5:0 Marianne Gajhede Knudsen (75.)

Linköping im Achtelfinale

FridolinaDer englische Meister Liverpool Ladies ist in der ersten Rundew der Champions League am letztjährigen Tabelendritten der Damallsvenskan gescheitert. Nach dem 1:2 in Liverpool gewann Linköpings FC deutlicher als erwartet mit 3:0. Alle Tore erzielte die 20-Jährige Fridolina Rolfö (Bild)

Liverpool hatte in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz, aber Fridolina Rolfö sorgte mit einem 25-Meterschuss in den Winkel für die Führung der Gastgeber. Trainer Martin Sjögren strahlte in der Mixed Zone und sagte, dass seine Mannschaft nach ein paar schwächeren Auftritten in der Liga nun das beste Spiel der Saison (zusammen mit dem Sieg bei Meister Rosengård) gezeigt hätte,

„Wir haben extrem viele Torchancen erarbeitet und hätten noch das vierte, fünfte oder sechste Tor machen können,“ so Sjögren zu der Zeitung Östgöta Correspondenten

In Linköping ist man nun gespannt, ob sich Fridolina Rolfö durch ihre Klasseleistung möglicherweise in Pia Sundhages Kader für das Länderspiel gegen Deutschland gespielt bhat.

 

 

Werbung für Frauenfußball

Verteidigt. Wolfsburg gewinnt verdient gegen Tyresö (Foto: Marion Kehren)

Verteidigt. Wolfsburg gewinnt verdient gegen Tyresö (Foto: Marion Kehren)

Sieben Tore und eine dramatische Wende. Individuelle Kabinettstücke. Das Champions-League-Fnale zwischen dem VfL Wolfsburg und Tyresö FF gestern Abend war eine grandiose Werbung für den Fauenfußball.

Ein Spielbericht wäre überflüssig. Aber ein bisschen Analyse und Meinung.

Der VfL Wolfsburg ist die beste Vereinsmannschaft Europas. Vielleicht der Welt. Aber in den USA wird auch gut gespielt. Es war eine amerikanische Leistung, wie sie das gestern gedreht haben.

Marta ist für mich die beste Spielerin, die je gegen einen Ball getreten hat. Dabei bleibt es. Ihre beiden Tore zeigten deutlich ihr überragendes Können. Auch wenn es vielen in Deutschland nicht passt, ihre Klasse ist einzigartig. Vieles in ihrem Wesen auf dem Platz kommt von ihrer Kindheit in dem armen Städtchen Dois Riachos und ihr unbändiger Kampfwille aus der Zeit, wo sie sich behaupten musste, um zu überleben, um den Traum weiterzuleben.

Der Assist von Nadine Keßler zum Siegtreffer ist ein Fußballmoment, den ich nicht vergessen werde. Was für eine geniale, wunderbare Aktion!! Absolute Weltklasse!!! Dass Lena Goeßling trotz der Platzwunde in der ersten Halbzeit weitermachen würde, wenn es nur igendwie geht, war mir klar. Dass sie dann in der zweiten Halbzeit noch ein so grandioses Spiel machen würde, war keine Selbstverständlichkeit. Das alles spricht dafür, dass Deutschland eine ziemlich gute WM spielen kann, nächstes Jahr.

Und wieder ziehe ich den Hut vor Ralf Kellermann. Der Mann hat Wolfsburg seit 2008 geformt, natürlich profitiert er vom Willen des Vereins, besser und am besten zu werden und zu sein. Aber du musst so ein Kollektiv auch führen können. Und vor allem eine Taktik formulieren, und eine Halbzeitansprache halten.

Wolfsburg hat sich gewandelt. Vor einem Jahr zeigte man eine geschlossene, große kämpferische Leistung gegen Lyon. Zerstörte das Spiel der Französinnen, die rein spielerisch besser waren. Und gewann durch einen Handelfmeter, den man nicht geben musste.

Heuer hat Wolfsburg extrem nach vorne gespielt. Man hat neue Möglichkeiten und hart dafür gearbeitet. Ralf Kellermann sagte mir, dass er seine Spielerinnen im Training eher bremsen als motivieren muss. Damit sie nicht zu viel machen.

Stehtz immer hinter seinen Spielerinnen: Tony Gustavsson gestern Abend (Foto: Marion Kehren)

Stehtz immer hinter seinen Spielerinnen: Tony Gustavsson gestern Abend (Foto: Marion Kehren)

Immer ziehe ich meinen Hut für Tony Gustavsson. Ich bin ganz sicher, dass er schon bald mitteilen wird, dass er in die USA geht als Assistent von Jill Ellis.USSOCCEr wäre schön blöd, wenn es sich diesen Knöpfedrücker nicht besorgen würde. Den Menschenversteher und Motivator, der immer schmunzelt und lacht, wenn er mit dir redet. Die Spielerinnen verehren ihn. Christen Press schrieb in ihrem Blog, dass sie sich nach den ersten Wochen in Tyresö unsicher fühlte und nach einem Training in die Kabine ging, wo sie sonst noch außer der Reihe Schüsse aufs Tor übte. Sie sei sich unsicher gewesen, ob sie in diesem Starkollektiv die Anforderungen erfüllen würden könne. Als sie auf den Parkplatz kam, wartete da Tony auf sie. Sprach mit ihr, fragte ob es ihr gutgehe. Gab ihr einen Klaps auf den Oberarm und ging. Vor dem Spiel gegen Birmingham, inmitten all des Chaos des drohenden Konkurses ging es Christen wieder nicht gut und sie machte nicht die eigenen Schussübungen. Und ein Jahr nach der ersten Begegnung wartete Tony wieder auf dem Parkplatz. Aber dieses Mal, so erzählte sie, schaute er sie nur freundlich an, lächelte, nickte ihr zu und ging. Spätestens da weißt du, dass dein Trainer dich sieht und dass er für dich da ist, falls du ihn brauchst. Rückhalt. Das ist stark. Gustavsson hat sein Team stark eingestellt gestern.

Mit Christen Press hatte ich letzten Samstag darüber gesprochen, ob es nicht riskant sei, dass Tyresö die Liga so nebenbei laufen lässt, viel rotiert und hatte mit ihr auch über die Männer von Bayern München gesprochen und Pep Guardiolas gigantischen Fehler, dass er nach der Meisterschaft im März die Zügel schleifen ließ aus Überheblichkeit. Statt seine Mannschaft weiter zu pushen und ihnen zu sagen, wir wollen den absoluten Bundesligarekord ohne eine einzige Niederlage, verlor man in Augsburg und der Zug stotterte vor sich hin. Und holte sich eine Klatsche gegen Real Madrid, war chancenlos. Als es dann wieder statt 70 auf 120% hätte gehen müssen.

Die große Leere - hier bei Vero Boquete (Foto: Marion Kehren)

Die große Leere – hier bei Vero Boquete (Foto: Marion Kehren)

Das war auch Tyresös Problem. Neulengbach und Birmingham waren keine richtigen Gegner. Und in der ersten Halbzeit sah man auch wie der sichere Sieger aus. Als dann auf einmal die Wolfsburger Walze aus der Kabine kam, da konnte Tyresö keine Gegenwehr auf Augenhöhe abrufen, man war es einfach nicht gewöhnt auf einen jetzt so starken Gegner zu treffen. Marta versuchte es noch mal, sie muss das gespürt haben und wie ich das schon so oft von ihr gesehen habe, in entscheidenden Momenten, wenn die anderen alle durchhängen, da macht sie ein Traumtor und bringt ihr Team noch einmal in Führung. Als dann der unglückliche Ausgleich fiel, als Wolfsburg nicht Fairness zeigte und den Ball wieder zurückspielte nach einer Verletzungsunterbrechung für Meghan Klingenberg, da war klar, dass das 3:4 nur eine Frage der Zeit war.

Ich bin sicher, dass sich Wolfsburg jetzt auch den Meistertitel holen wird. Und Tyresö? Am Sonntag sollen alle Stars spielen gegen den FC Rosengård. So hieß es vor dem Finale. Ich bin ziemlich sicher, dass es das letzte Spiel sein wird. Vielleicht wird schon das Pokalspiel gegen Umeå nicht mehr durchgeführt. Aber das ist Spekulation. Dennoch, die Leere muss groß gewesen sein gestern.

Vielen Dank für die tollen Fotos an Marion Kehren, die natürlich alle Rechte an den Bildern hat.

 

 

Vor dem Finale 5: Christen Press

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Ein Finale braucht Torschützen, am besten in der regulären Spielzeit oder Verlängerung, wenn am Ende nicht ein Elfmeterschießen einen eher glücklichen Sieger ermitteln soll.

Eine, die Tore schießen kann, die Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 war und auch die Torjägerliste der Champions League 2013/14 mit bislang neun Treffern anführt, ist Tyresös 25-Jährige amerikanische Nationalspielerin Christen Press. Am vergangenen Samstag habe ich mich mit der Weltklassestürmerin getroffen, um ausführlich über ihre Zeit in Europa zu sprechen. Das kommt in einem zweiten Teil in der kommenden Woche. Am Anfang unseres Gesprächs drehte es sich natürlich um das heutige Finale.

Christen, in fünf Tagen ist das große Finale (wir sprachen also letzten SAMSTAG) und morgen geht es nach Lissabon. Schläfst du noch gut?

„Als ich jünger war, konnte ich schon einen Monat vor einem Spiel kaum noch schlafen. Weißt du, meine Mutter erzählt da eine Geschichte aus der Zeit, als ich etwa 10 war. Wir standen vor einem entscheidenden Spiel und ich schlief kaum noch. Kam nachts um zwei und fragte, ob wir denn nicht bald losfahren müssten zum Spiel. Um vier Uhr wieder, Nein, sagte Mom, wir haben noch Zeit, du kannst dich wieder hinlegen, Christen. Heute bin ich viel entspannter. Ich werde einfach genießen, die Stadt genießen und mich entspannen und an das Spiel denke ich wenn Training angesagt ist oder das Spiel.“

Während Tyresö es in den letzten Wochen fußballerisch etwas ruhiger angehen ließ mit viel Rotationund Spielerinnen ausruhen lassen, musste Wolfsburg voll ran in der Meisterschaft. Ist das für irgendeine Seite von Vor- oder Nachteil?

„Naja, erst mal denke ich, dass die Saison mit ihrem Verlauf die Teams aus Deutschland und Frankreich bevorzugt, weil wir in Schweden halt die Saison von April bis Oktober haben. Für Wolfsburg ist das eine harte Zeit, weil sie sich ja noch für die Champions League qualifizieren müssen und auf einen der ersten beiden Plätze kommen müssen oder aber uns schlagen. Für uns war es in der tat möglich, uns nur auf die Champions League zu konzentrieren.“

Man hat ja den Entscheidungen des Trainers Tony Gustavsson über wer in der Liga spielen durfte, aber auch eurem Spiel angemerkt, dass die Liga nicht so wichtig ist?

„Der Club ist in so einer Situation, dass die Ressourcen stark begrenzt sind und man hat alles auf die Champions League gesetzt und natürlich gibt es da ein hohes Risiko. Wir haben vielleicht 70% der Energie in die Ligaspiele investiert und nicht voll durchgespielt. Aber ich bin damit einverstanden, dass wir ein Risiko eingehen. Wir werden die Liga dieses Jahr nicht beenden [!] und wir mussten all unsere Energie auf etwas verwenden, dass wir abschließen können. Und es hat sich, wie zuletzt gegendie Birmingham Ladies gezeigt, dass es funktioniert, dass wir unser bestes Niveaui dennoch erreichen können, so wie Tony es will.“

Wenn man sich an das Spiel gegen Eskilstuna erinnert, ich schrieb an dm tag, dass tyresö die beste Ersatzbank der Welt hatte mit dir, Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz, Ohne euch war das ein ausgeglichenes Spiel, ihr lagt 0:1 hinten, dann kamen du und Seger rein, später Vero, aber ihr konntet an der Dramaturgie des Spiels nichts mehr drehen, die Rollen waren verteilt?

„Ja, das hast du gut analysiert. Es war etwas frustrierend. Man saß da auf der Bank und dachte, ah, wenn ich gleich reinkomme, dann muss ich einen Unterschied machen, ein Tor machen. Aber es gab nur einen kleinen, kurzen Effekt auf das Spiel, dann ging es wie vorher weiter und die schossen sogar das 2:0. Das war überraschend und negativ. Aber ein paar Tage danach haben wir auch das Halbfinale gegen Birmingham dann ganz souverän gespielt.“

In den schwedischen Medien ist Wolfsburg Favorit. Die Wolfsburgerinnen, mit denen ich sprach, sehen eher ein 50/50 Spiel heute Abend. Wie sieht das Christen Press?

„Wenn du dir die Mannschaften und deren Geschichte anguckst, dann ist Wolfsburg doch Favorit. Wenn du aber dann schaust, wer da im einzelnen auf dem, Platz stehen wird, dann ist es schwer, uns nicht als Favoriten zu sehen. Ich glaube, dass all die Perobleme, die wir mit unserem Club gehabt haben, dass uns das alles zu Außenseitern machen sollte. Als Außenseiter gehst du normal in ein Spiel und denkst, hier muss was Großes passieren, damit wir gewinnen, die anderen müssen schlecht spielen, wir brauchen ein Wunder. Das brauchen wir nicht. Wir wissen, dass wir gewinnen können, wenn wir unser bestes Spiel spielen. Ich sehe uns nicht als Außenseiter. SDie Umstände um das Spiel machen sie zum Favoriten, die haben in ihrer Organisation immerhin Stabilität und Beständigkeit, kümmern sich bereits um die nächste Saison – aber auf dem Spielfeld sind wir gleich stark.“

Dazu kommt dann noch der Trainerfuchs Tony Guistavsson, der aus der negativen Ausgangsbasis etwas Positives für das Mannschaftsgefühl ziehen wollte, was ihm gelang. Allenthalben hört man, dass die Mannschaft sich so nahe ist wie nie zuvor.

Und als ich Christen Press erzähle, wie ich mir vorstelle, dass Tony Gustavsson ihnen von diesem speziellen Abend des 22.05. in Lissabon erzählt hat, wie er sie damit motiviert, dass es das letzte Mal sein wid, da wird Christen Press’s Lächeln immer breiter und größer und ich ahne, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe.

„Weißt du,“ sagt sie mir da, „ich kann mir ehrlich gesagt, sehr gut vorstellen, wie Tony in seinem Haus sitzt und diesen Abend für uns plant, bis ins kleinste Detail.“

Den großen zweiten Teil des Interviews mit Christen Press, was sie über ihre Zeit in Europa sagt und was sie von Schweden nicht so erwartet hätte und einiges mehr, in der nächsten Woche.

 

 

Vor dem Finale 3: Alex(andra) Popp

Schon eine Woche ist es her, dass ich mit Alexandra Popp telefoniert habe. Ein lebendiges Gespräch, das ich gerne mal fortsetzen würde.

Wir begannen beim Finale vor einem Jahr, das Wolfsburg bekanntlich mit 1:0 an der Stamford Bridge gegen den hohen Favoriten Olympique Lyon gewann.

Erinnern Sie sich noch gut an das Endspiel?

„Natürlich erinnere ich mich noch sehr gern an das Finale in London im letzten Jahr,“ erzählt Alexandra.

„Das war ein echtes Highlight meiner bisherigen Karriere. Wir haben eine tolle Mannschaftsleistung gezeigt, im Stadion war eine fantastische Atmosphäre.

Allein mal im Stadion Stamford Bridge zu sein, ist ja schon ein Erlebnis, aber das wir dann da spielen durften, und die Aufmerksamkeit dem Frauenfußball gehörte, das war wirklich großartig.“

Ich war im Stadion und kann mich noch gut an die Überraschung vieler Journalistenkollegen erinnern, die sich wunderten, warum Sie auf einmal auf der linken Abwehrseite spielen. Dabei war das aus meiner Sicht einer der wichtigsten Schlüssel zum Sieg?
„Für mich war das ein kurioses Spiel, weil ich mit einem Bänderriss angetreten bin. Es war vorher fraglich, ob ich überhaupt spielen kann und dann sagte mir der Trainer, dass ich hinten in der Abwehr auf der linken Seite spielen sollte. Gegen Elodie Thomis, die normalerweise über diese Seite kommt.

Gegen die hatte ich schon mal im Halbfinale der Champions League gespielt, als ich noch bei FCR Duisburg war. Es war gut, dass ich ihr in den ersten Zweikämpfen gleich zeigen konnte, wer auf dem Platz an diesem Abend das Sagen hatte. Ich denke, dass ich die Aufgabe gut gelöst habe, auch wenn sie mir dann doch ein paar Mal entwischt ist, weil sie halt so schnell ist.“

Ich habe gelesen, dass der ehemalige tschechische Nationalspieler Pavel Nedved Ihr Vorbild ist. Der spielt ja nicht gerade dieselbe Position. Aber ist er es noch immer?
„Das ist richtig. Pavel Nedved war immer mein Vorbild und ist es auch geblieben. Er war ein überragender Mittelfeldspieler, der seine eigene Spielphilosophie hatte und seinen sehr eigenen Stil. Das hat mir als Jugendliche gefallen.“

Ich denke oft, wenn ich sehe, wie kompromisslos auch mit Gedanke an Ihr eigenes Wohlergehen Sie in bestimmte Situationen hereingehen können, tatsächlich mehr an die grosse Amerikanerin Abby Wambach.

„Das ist nicht das erste Mal, das man mir sagt, dass es Ähnlichkeiten mit Abby Wambachs Spielstil bei mir gibt. Sie ist eine der weltbesten Stürmerinnen, also habe ich nichts dagegen. Ich möchte aber auch eine Stürmerin nennen, von der ich sehr viel gelernt habe und das ist Inka Grings, die jetzt gerade ihre Karriere beendet hat.“

Was wissen Sie (eine Woche vor dem Finale) über den Gegner aus Tyresö?
„Tyresö habe ich noch nicht spielen sehen. Aber wenn man Spielernamen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete hört, auch Christen Press, dann spricht das schon Bände und sagt, dass da sehr viel individuelle Klasse ist.“

Sie gelten als sehr heimatverbunden und haben lange einen Wechsel gescheut, sind dann nach Wolfsburg gegangen, wo es sehr gut läuft. Können Sie sich langfristig auch mal einen Wechsel ins Ausland vorstellen? Ich las davon, dass es mal ein Angebot aus Schweden gegeben haben soll im Jahr 2012.

„Ja, das ist richtig, das ich mal ein Angebot aus Schweden hatte. Einen Wechsel ins Ausland irgendwann in der Zukunft will ich nicht ausschließen, aber im Moment ist das überhaupt kein Thema für mich. Ich fühle mich hier sehr wohl und kann mit dem VfL Wolfsburg in eine der stärksten Ligen Europas spielen.“

 

 

 

Vor dem Finale 2: Lena Goeßling

Foto: Andreas Nilsson/bilderna.it / http://bilderna.it / CC-BY-SA-3.0 & GFDL

Foto: Andreas Nilsson/bilderna.it / http://bilderna.it / CC-BY-SA-3.0 & GFDL

Im zweiten Teil meiner Vorschau auf das Finale kommt Lena Goeßling zu Wort. Alle Interviews entstanden eigentlich für die schwedische Seite damfotboll.com, aber sie sind hoffentlich auch für deutsche Leser interessant.

Hier in Schweden sehen die meisten Medien den VfL Wolfsburg als Favoriten an. Akzeptieren Sie die Favoritenrolle?

„Wir haben letztes Jahr das Champions-League-Finale gewonnen, insofern kann ich verstehen, dass man sagt, wir sind Favoriten. Aber auf der anderen Seite hat Tyresö eine Mannschaft mit vielen Nationalspielerinnen und persönlich glaube ich, dass es keinen Favoriten gibt. Es wird ein ausgeglichenes Spiel.“

Tyresö steckt seit Wochen, wenn nicht Monaten, in sehr ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten, seht möglicherweise kurz vor dem Konkurs. Ist das etwas, dass man in irgendeiner Weise bedenkt?

„Über Tyresö FF weiß ich noch nicht sehr viel, die Spielernamen sind teilweise bekannt. Aber was Stärken und Schwächen angeht, werden wir sicher alles Notwendige nach unserem Spiel gegen Potsdam erfahren. Ich habe auch mit Anja Mittag über Tyresö gesprochen, die ja in Schweden spielt.“

So wie Nadine Keßler für das Kochen bekannt ist, so habe ich verschiedentlich Hinweise darauf erhalten, dass sich Lena Goeßling etwas mehr als andere für Fußbekleidungen interessieren soll. Darauf zielt dann auch meine vorletzte Frage an die Weltklassemittelfeldspielerin ab.

„Ja, das stimmt, ich habe viele Schuhe, aber es verschwinden auch immer wieder mal welche. Dreistellig ist meine Sammlung aber nicht.“

Und was vielleicht nicht alle wissen, die 28-Jährige engagiert sich für die Stiftung Deutsche Kindersuchthilfe.

Ich unterstütze die Stiftung Deutsche Kindersuchthilfe, weil ich auch in meinem Umfeld schon mit Sucht zu tun hatte. Die Kinder sind der Sucht ihrer Eltern fast immer schutzlos ausgeliefert. Die Stiftung schenkt diesen Kindern Hoffnung, das unterstütze ich gern,“ sagt Lena Goeßling.

 

Vor dem Finale 1: Nadine Keßler

Nadine Keßler (Foto: Marion Kehren)

Nadine Keßler (Foto: Marion Kehren)

Drei Tage noch bis zum Abschluss der Champions League Saison 2013/14. Im Finale stehen der Vfl Wolfsburg als Titelverteidiger und der schwedische Vizemeister Tyresö FF.

Vor dem Spiel habe ich mich mit einigen der Akteure unterhalten und heute mache ich den Anfang mit Wolfsburgs Mannschaftskapitänin Nadine Keßler. Ihr kommt beim Finale sicher eine besonders wichtige Rolle zu, nicht zuletzt weil Tyresö im Mittelfeld erstklasig besetzt ist.
Gut eine Woche vor dem Endspiel habe ich Nadine Keßler einige Fragen stellen können.
Wie würden Sie sich als Spielerin selber beschreiben?
„Ich versuche sowohl bei meinem Verein als auch bei der Nationalmannschaft Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen. Mein Anspruch ist es, mich stetig weiterzuentwickeln und somit auch meinen Teams damit zu helfen.
In meinem Verein ist meine Rolle als Kapitänin natürlich noch größer.“
Tyresö ist ein Breitensportverein mit der Frauenmannschaft als Aushängeschild. Der VfL Wolfsburg hat eine starke Männermannschaft, die in der Bundesliga den fünften Platz belegt hat und damit in der Europa-League spielen wird. Wieviel Nutzen haben Sie von der Organisation?
„Die Unterstützung durch unsere Profimannschaft ist enorm“, sagt Nadine Keßler. „Wir profitieren extrem von den Strukturen des VfL und sind auch sehr dankbar dafür. Wir sind ein Teil des Vereins. Diese Wertschätzung wird uns in sehr vielen Bereichen entgegengebracht. Wir besuchen regelmäßig die Spiele unserer Männer und haben auch alle eine Dauerkarte. Umgekehrt kommen auch öfter mal Profis oder Dieter Hecking und Klaus Allofs zu unseren Spielen. Das ist toll und eine große Ehre für uns.“
Gibt es eine/n Spieler/in, die Sie selber als Vorbild bezeichnen würden?
„Rein fußballerisch war es für mich immer Zidane. Seine außergewöhnlichen spielerischen Fähigkeit aber auch sein angenehm bescheidenes Auftreten finde ich klasse.“
Inzwischen sind Sie selber auch schon ein Vorbild für viele junge Mädchen und möglicherweise auch Jungs. Welche Eigenschaften muss ein Vorbild mitbringen?
„Emotionaltät, Teamfähigkeit, Ehrgeiz, soziale Kompetenz. Das versuche ich natürlich auch vorzuleben, um als Vorbild gerecht zu werden.“
Fußballspielerinnen auf Ihrem Niveau reisen naturgemäß sehr viel. Gibt es irgendeine Reise, an die Sie sich besonders gerne erinnern?
„Es gibt viele besondere Reisen. Dazu gehört natürlich die EM in Schweden aber auch zahlreich CL-Reisen. Speziell die zu den Finalspielen. Mit Potsdam in Getafe oder auch London mit dem VfL. Es liegt natürlich auch daran, dass man gewonnen hat. Aber diese Reisen bringen natürlich extreme Erfahrungswerte mit sich. Und auch einfach besondere Momente.“
Zum Schluss zwei mehr persönlich, alltägliche Fragen. Können Sie mir drei Titel verraten, die Sie im Moment öfters in den Kopfhörern laufen lassen?
Filous – able

Helene Fischer- Atemlos

Andreas bourani-auf uns

In einigen Interviews habe ich sowohl gelesen wie auch gehört, dass Sie ganz gerne für sich und andere kochen. Was kochen Sie denn derzeit, wenn Sie Besuch bekommen?
„Gerne unterschiedlich. Ich probiere gerne etwas aus und koche auch saisonal.
Im Moment würde ich einen Couscous-Auflauf mit Mango, Schafskäse, Avocado und Nüssen zubereiten.“
Zum Spiel gegen Tyresö kommen noch Gespräche mit Lena Goeßling, Alex Popp, Ralf Kellermann und Christen Press.

Jill Ellis macht das Rennen und Sommer in Schweden

Es wurde nicht Tony Gustavsson, sondern Jill Ellis. Aber noch bin ich nicht sicher, dass der Trainer von Tyresö FF nicht doch bald in einem Flugzeug über den Atlantik sitzen wird. Ellis hat noch keine Assistenten benannt und in London 2012 arbeiteten beide zusammen unter Pia Sundhage

Heute finden fünf Spiele in der Damallsvenskan statt und am Abend gibt es eine Zusammenfassung. In Stockholm wird nicht gespielt.

Aber dennoch gibt es viel zu tun für mich. Interviews wollen vertextet werden. Gestern hatte ich ein sehr langes Gespräch mit Tyresös amerikanischer Weltklassestürmerin Christen Press, in dem ich sie ihre etwas mehr als zwei Jahre in Europa zusammenfassen lassen wollte. Dabei verriet sie mir, und das schon mal hier vorab, dass der 22. Mai in Lissabon doch nicht das letzte Spiel für Tyresö FF für sie sein wird. Trainer Gustavsson sagte mir im Februar, dass es so aussehe, als ob Meghan Klingenberg, Whitney Engen und eben Press unmittelbar nach dem Finale nach Hause in die USA müssten.

Damit wäre die Mannschaft schon im Spiel gegen Meister Rosengård nächsten Sonntag deutlich dezimiert gewesen. Nun aber sagte Christen mir gestern, dass die Amerikanerinnen, aber auch Marta und Caroline Seger gegen Rosengård spielen würden. Vero Boquete geht es nach ihrer Oberschenkelverletzung übrigens wieder gut und sie wird spielen können, wie sie mir gestern Nachmittag bestätigte, als ich die Spielerinnen in der Stockholmer Innenstadt traf.

Es wird hier aber auch ausnahmsweise ein paar Stimmen direkt aus Deutschland geben vor dem Finale. Ich habe mich mit Alexandra Popp, Lena Goeßling, Ralf Kellermann und Nadine Keßler unterhalten, mündlich wie schriftich und diese Stimmen passen zu dem herannahenden Finale am nächsten Donnerstag.

Auch mit Dzsenifer Marozsan sprach ich vorvergangene Woche für einen Artikel für das amerikanische OurGameMagazine, in dem es um die Nummer 10 als Thema geht. Das alles kommt in der nächsten Woche auf die Leser hier zu.

 

Tyresö nach Lissabon

Großer Jubel nach Tyresös 2:0 gegen Birmingham

Großer Jubel nach Tyresös 2:0 gegen Birmingham

Tyresö FF steht erwartungsgemäß im Finale der Champions League. Am Sonntag besiegte das Team von Trainer Tony Gustavsson sicher mit 3:0.

Es war der erwartete Spielverlauf. Tyresö hatte vor etwas mehr als 2100 Zuschauern bei vorsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein mehr vom Spiel und das über 90 Minuten.

Das Mittelfeld dominierte mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz. Vor allem die junge Diaz imponierte als gleichwertig neben den drei Weltklassespielerinnen und dürfte nach dem baldigen Abgang der Drei die wichtigste Mittelfeldspielerin sein, wenn man denn Anfang Juni den möglichen Konkurs noch einmal vermeiden kann.

Aber lassen wir die selbstverschuldeten finanziellen Nöte des Clubs erst einmal an die Seite rücken. Wir kommen darauf zurück.

Tyresö dominierte, machte das Spiel und Birmingham verteidigte sich so gut es ging. Und die Leidenschaft, mit der die Spielerinnen aus der zweitgrößten englischen Stadt kämpften, war beeindruckend. Martas Gegenspielerin war über weite Strecken die 24-Jährige Chelsea Weston und eigentlich hätte ein Duell der Beiden in der 28. Minute das Matchbild verändern müssen. Nachdem Marta und Weston nach einem Zweikampf zu Boden gingen, wollte die Engländerin aufstehen als Marta, noch liegend, nach der Gegnerin trat. Ein sonnenklarer Platzverweis, der möglicherweise Sand ins Getriebe gebracht hätte.

Aber seit Udo Lattek weiß man, dass Elfmeter oder rote Karten nur dann Realität werden, wenn der Schiedsrichter pfeift und das Machtinstrument der italienischen Unparteiischen blieb stumm.

Tyresö hätte das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden müssen, aber Birmingham drosch alles aus dem Strafraum und was die Abwehr nicht rausbrachte, das hielt die exzellente Torfrau Rebecca Spencer. 

Einmal traf Superstar Christen Press mit dem Kopf, aber das Tor wurde wegen Schubsens im Fünfmeterraum nicht gegeben, die Kommandobrücke in Tyresö hatte schon mal den Torknopf gedrückt und den eingespielten Tyresö-Song auf volle Lautstärke laufen lassen.

So ging es in die zweite Halbzeit und als dann ein unberechtigter Handelfmeter gegeben wurde, da rechnete man allenthalben mit dem Führungstor. Aber als ausgerechnet Marta sich den Ball zurecht legte, hatte ich negative Vibes. Wie oft schon hat die Brasilianerin wichtige Strafstöße versemmelt? Auch heute war es nicht anders, gut einen Meter über die Querlatte ballerte die 28-Jährige und spätestens jetzt hätte man nach der alten Fußballweisheit „Wer seine Chancen nicht nutzt….“ argumentieren können.

Nichts da. Marta wurde noch wütender und legte einen Gang zu und das restliche Team besann sich auf die eindringlichen Reden seines Trainers. Gustavsson hatte in allen Besprechungen Geduld gefordert. Es kann lange dauern, aber wir werden Chancen bekommen und früher oder später eine rein machen.

Irgendwann musste bei Birmingham auch die Kraft nachlassen. Malin Diaz fand in der 62. Minute natürlich Christen Press, die den Ball mit fantastischer Annahme mitführte und Sekundenbruchteile später unhaltbar an der herauseilenden Spencer vorbeischob.

Das war eigentlich die Entscheidung. Denn niemand erwartete wohl ernsthaft einen Sturmlauf der großartig diszipliniert spielenden Engländerinnen. Birmingham hatte eine aktuelle Nationalspielerin (Karen Carney) in der Startformation, Tyresö begann das Spiel mit elf aktuellen Nationalspielerinnen aus sechs Ländern.

Christen Press wurde noch einmal von Malin Diaz bedient und es stand 2:0 und als man schon an das Endergebnis glaubte, da stand das Publikum noch einmal auf und feuerte seine Truppe an und Christen Press machte das, was sonst andere für sie tun, sie setzte sich auf der linken Seite durch und passte maßgerecht auf Marta, die das 3:0 Endergebnis feststellte.

 

Karen Carney im Gespräch vor dem Halbfinale

Karen_CarneyMorgen Nachmittag spielt Tyresö FF sein Halbfinale gegen die Birmingham City Ladies und wie immer bei Champions-League-Spielen bittet die UEFA darum, dass beide Teams zu Pressekonferenzen zur Verfügung stehen.

Tyresö machte das bereits am Vormittag und hielt auch ein öffentliches Training ab, Birmingham reiste erst um 11.00 Uhr mitteleuropäischer Ortszeit von London ab und kam demzufolge recht spät im Süden von Stockholm (Regierungsbezirk) an. Man entschied sich sogar, direkt zum Training zu fahren und erst später im Hotel einzuchecken.

Nach einem nicht unerwartet eher lockeren Training, bei dem sich einer der Assistentrainer bei einem Sprint zur Belustigung der Spielerinnen eine Oberschenkelzerrung zuzog, hatte ich dann Gelegenheit, mit der wohl namhaftesten Spielerin Birminghams, der 90fachen englischen Nationalspielerin Karen Carney zu sprechen.

Karen, das Hinspiel konnte ich leider nicht sehen. Kannst du das vielleicht kurz für mich aus deiner Sicht zusammenfassen?

„In der ersten Halbzeit war Tyresö besser als wir, aber ich finde, dass wir in der zweiten Hälfte besser waren. Dann war es ziemlich ausgeglichen und ich denke, dass das 0:0 ein gerechtes Ergebnis war. Die hatten vielleicht ein paar Chancen, die besser als unsere waren, aber insgesamt war es ausgeglichen und daher ging das Ergebnis in Ordnung.“

In der Champions League habt ihr bisher nur in einem Spiel [gegen Zorky beim 5:2] Gegentore bekommen. Das spricht für eine starke Abwehr, obwohl die noch alle jung sind dahinten?

„Ja, wir sind stolz auf unsere Abwehr. Hoffentlich gelingt es uns auch morgen Nachmittag zu Null zu spielen.“

Wie habt ihr euch auf den Kunstrasen hier vorbereitet? Zu Hause habt ihr Naturgras und Tyresö ist immer sehr bewusst, den Kunstrasen als Vorteil darzustellen.

„Wir müssen uns auf unser Spiel konzentrieren. Wir alle wissen, dass wir viel besser spielen können als in der ersten Halbzeit vor einer Woche. Unabhängig davon, auf welchem Boden wir spielen, es geht hier um zwei Mannschaften, die aufeinander treffen und es geht um Herz und Leidenschaft. Wir können nicht den Bodenbelag als Entschuldigung für etwas anführen, hier geht es um Fußball.“

Irgendwelche speziellen Diskussion oder Gedanken darüber, wie ihr Weltstars wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete stoppen könnt?

„Nein, wir spielen unser Spiel. Natürlich haben die Trainer dann taktische und strategische Gedanken, aber es geht in erster Linie wirklich darum, dass wir unser Spiel spielen. Die haben ein paar sehr gute Spielerinnen, aber die haben wir auch. In Birminghams jetziger Lage können wir uns die Topnamen nicht leisten, aber wir arbeiten hart. Gleichzeitig zeigen wir dem Gegner auch den gebotenen Respekt. Aber auf dem Platz geht es nicht darum, welchen Namen du hast, da musst du immer wieder aufs Neue 90 Minuten lang eine gute Leistung bringen.“

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich eigentlich erwartet, heute hier die Arsenal Ladies zu treffen, aber ihr habt sie zweimal geschlagen.

„Wir haben von Anfang an geglaubt, dass wir Arsenal schlagen können und als es dann passierte, war es auch keine Überraschung für uns. Wir wussten, dass wir gewinnen und haben danach auch den Respekt bekommen, den wir uns verdient haben.“

Zuerst wollte sich Karen dann nicht fotografieren lassen, ok, sagte sie, wenn noch jemand drauf ist und da gerade der 29-Jährige Cheftrainer David Parker in der Nähe war (der Jüngste, der je in England die höchste Trainerlizenz erworben hat), kam es zum diesen Post einleitenden Bild. Morgen Abend mehr vom Tyresövallen.