Über Rainer

This is in English because I am Blogging both German and Swedish and apparently this text here appears in all of my Blogs when you click my name. My name is Rainer and I have been following women's football or soccer for quite a while now. I watch football games, take pictures when I see matches, because I need them for the blogs. I talk to Players and publish texts about that in my German and Swedish blog. I prefer the term "talk" instead of "interview". It's a dialogue,l notm just Q & A I am interested in.

ffschweden im Gespräch mit Johanna Rytting Kaneryd

32090600590_5eb0be2740_kIn der letzten Saison gewann sie den Titel „Årets genombrott“, was so viel heißt wie „Der Durchbruch des Jahres“, „Newcomer“ wäre vielleicht die bessere, aber freie Übersetzung.

Es geht um die 19-Jähriuge Johanna Rytting Kaneryd aus dem kleinen Dorf Kolsva in Västmanland, zwei Stunden entfernt von der Hauptstadt Stockholm. 15 km von Kolsva entfernt ist das Städtchen Köping mit 17.000 Einwohnern. Kolsva liegt nördlich der Europastraße 18, die die beiden Städte Västerås und Örebro miteinander verbindet. Hier kommt eigentlich nicht unbedingt jemand vorbei. Aber in Kolsva hat Johanna mit dem Fußballspielen begonnen. Im letzten Jahr hat sie das rund 13.000 km weg nach Port Moresby geführt, der Hauptstadt von Papua Neu Guinea, einem Land, von dem Johanna, wie sie mir sagte vorher noch nicht gehört hatte.

Djurgården dam hat wie alle schwedischen Erstligavereine mit dem Training für die neue Saison begonnen. Der Traditionsverein kam nach Abwesenheit aus dem Oberhaus Damallsvenskan vergangenes Jahr wieder zurück ub die erste Liga und es lief besser, viel besser als erwartet. Am Ende sprang im Zwölferfeld ein sehr beachtlicher sechster Platz heraus, für einen Aufsteiger mehr als Mission erfüllt. Und genauso wie Djurgården überraschte, überarschte auch Johanna Rytting Kaneryd. Sie spielte alle 22 Begegnungen von Beginn an und einige Journalisten forderten bereits ihre Nominierung für die A-Natonalmannschaft. Aber die schwedischen Mühlen mahlen sehr langsam, Pia Sundhage gilt als sehr konservativ und nominiert nicht so schnell einen Teenager in ihren Kader. Da muss man sich hochdienen und nach der U19 stünde erst einmal die D23 im Pflichtenbuch.

Am Mittwoch letzter Woche habe ich Johanna getroffen. Djurgården trainiert in diesen kalten und dunklen Wochen in einem Fußballzelt, das im Winter über den Kunstrasenplatz Hjorthagens IP in der Nähe der U-Bahnstation Ropsten aufgespannt ist. Ein großes, schweres, unbeheiztes Zelt, das Anfang November, gottlob nachts, einstürzte, als wir sehr viel Neuschnee hatten.

Erst als ich mich auf das Gespräch mit dir vorbereitet habe, las ich, dass du nicht aus Stockholm bist. Du bist sehr jung von zu Hause weggezogen, wie lief das?

„Alles fing damit an, dass ich an regionalen Trainingslagern teilnahm. Damals spielte ich in Kolsva, dem kleinen Ort, aus dem ich komme. Irgendwann sah mich ein Mann spielen und er fand mich interessant und half mir dann weiter. Er nahm Kontakt mit verschiedenen Mannschaften auf und ich durfte ein Probetrainiung bei Tyresö FF machen und die haben mir dann einen Vierjahresvertrag angeboten, 2+2. Und da habe ich nicht gezögert.“

32240459802_c76434a188_zJohanna bekam die Erlaubnis ihrer Eltern, ihren Traum weiter zu leben. Zunächst wohnte sie bei einer Familie in Stockholm, die sie wie ihr eigenes Kind aufnahmen, wie sie mir erzählt. Sie ging noch in die neunte Klasse, wechselte auf eine Schule in Tyresö und dann später ins benachbarte Haninge auf das Fredrika Bremer Gymnasium. Die Schule hat sie nicht beendet, es wurde zu viel mit bisweilen zwei Trainingseinheiten am Tag. Da muss Johanna noch nacharbeiten, in Schweden ist das relativ einfach. Im Moment arbeitet sie nebenbei und ist Fußballprofi.

Dass junge Mädchen von zu Hause wegziehen, ist selten in Schweden. Mir fällt nur Ramona Bachmann ein, die mit 15 aus der Schweiz nach Schweden kam und Profi bei Umeå IK wurde.

Als Johanna Rytting Kaneryd nach Tyresö kam, spielten da Marta, Caroline Seger, Christen Press, Meghan Klingenberg, Vero Boquete und andere. Es war eine der besten Mannschaften Europas und viel Einsatzzeit konnte sie sich kaum ausrechnen, auch wenn sie schon in den schwedischen Jugendauswahlen spielte.

„Auch wenn ich mir im Klaren darüber war, dass ich nicht viel Spielmiunuten bekommen würde, wusste ich auch, dass das Training mit diesen tollen Spielerinnen mich weiterbringen würde.“

Lampenfieber vor dem ersten Training mit Marta, Seger & Co.?

„Ich hab nicht so viel nachgedacht. Bin einfach hingegangen und habe versucht, mich von meiner besten Seite zu zeigen. Dann sah man ja, mit welchen Spielerinnen es zu tun hatte. Mein Selbstvertrauen war nicht so gut und es war teils etwas hart, zum Training zu gehen, weil man doch einen enormen Druck spürte. Es ist ja nicht so, dass die Rücksicht auf dich nehmen, nur weil du jung bist, das mache ich heute auch nicht.“

Nachdem Tyresös A-Mannschaft in Konkurs ging und den Spielbetrieb aufgab, landete Johanna in Älta, einem Team in Stockholm, das schon immer gute Beziehungen nach Tyresö gehabt hatte. Elin Ekblom Bak spielte dort und auch diue Vizeweltmeisterin von 2007, Elaine Moura. Das Jahr in Älta sei nicht so gut gewesen, sie sei auch verletzt gewesen, berichtet sie. Aber dann kam Djurgården.

Yvonne Ekroth [Djurgårdens Trainerin 2016] hatte mich in der Juniorinnennationalmannschaft gesehen uns holte mich u Djurgården.“

Dort spielte sie in der letzten Saison wie schon erwähnt stets von Beginn an.

„Meine Erwartungen vor dieser Saison waren ja, dass ich dieses Jahr für meine Entwicklung brauchen würde, ich wollte verletzungsfrei bleiben. Natürlich war mein iel, so viel wie möglich zu spielen und so kam es dann ja auch,“ sagt sie selbstbewusst.

31657344223_f3407d45f0_kAcht der elf Heimspiele von Djurgården habe ich 2016 gesehen und fotografiert und auf den Bildern, die ich von Johanna Rytting Kaneryd finde, ist sie meistens in einen intensiven Zweikampf verstrickt.

Sie lacht und sagt: „Vielleicht lege ich es ja darauf an. Es war wohl so, dass ich immer ziemlich schnell jemanden auf der Pelle hatte, besonders, wenn ich nach außen ging.“

Djurgården legte einen famosen Start hin. Der Aufsteiger war bisweilen Vierter, fiel dann aber im letzten Drittel der Saison etwas ab und wurde am Ende Sechster. Woran das lag?

„Ich weiß nicht, vielleicht wurden wir etwas zu bequem. Aber eigentlich glaube ich, dass unsere Gegner uns gelesen haben. Die wussten, dass wir sehr ballbesitzorientiert spielen wollen und haben das dann gut gestört. Vielleicht lag es daran, am Anfang konnten wir mehr überraschen.“

Ihre größte Reise hat Johanna im November gemacht, es ging zur U20-WM nach Papua Neu-Guinea. Schweden trat mit einigen der Spielerinnen an, die 2015 Europameister geworden waren, nicht zuletzt der in Israel 2015 überragenden Stina Blackstenius. Aberf einer Auftaktniederlage gegen den späteren Weltmeister Nordkorea (0:2) folgte ein 6:0 gegen den Gastgeber und ein 1:1 gegen Brasilien, das dank des besseren Tirverhältnisses weiter kam.

Das muss eine unglaubliche Reise gewesen sein.

„Ehrlich gesagt hatte ich von dem Land noch nie vorher gehört. Es war eine sehr besondere Reise und ein Erlebnis, das man wohl sein ganzes Leben lang mit sich tragen wird. Wir mussten dreimal umsteigen und flogen 30 Stunden. Wir brauchten auchviel eit für die Umstellung auf das Klima, die Zeitzone.“

Der schwedische Fußballverband hatte geraten, nicht alleine dorthin zu reisen. Wie war es mit der Sicherheit, was habt ihr vom Land mitbekommen?

„Wir durften nicht einmal das Hotel verlassen, zum Training und zu den Spielen sind wir jeweils mit Polizeieskorte gefahren. Wir haben also nicht sonderlich viel gesehen, außer auf der Busfahrt vom Flughafen zum Hotel. Die Leure im Stadion waren sehr nett und fröhlich, allein die Tatsache, dass sehr viele Leute zu den Spielen kamen, war toll.“

Nordkorea hat euch geschlagen, sie haben nicht nur U20-Gold geholt, sondern vorher 2016 schon die U17-WM in Jordanien gewonnen. Was zeichnet sie aus, du hast immerhin 25 Minuten gegen sie spielen dürfen?

„Sie sind sehr geschickte Spielerinnen. Alle sind individuell sehr gut, vor allem technisch. Sie finden sich fast blind auf dem Platz und dann geht es einfach sehr schnell und ich glaube, das haben wir nicht verkraftet und sie haben durch uns hindurch gespielt, oft mit einem Touch.“

Viele Leute zu Hause wunderten sich, dass du so wenig Spielzeit bekommen hast und wir fragten uns, ob du krank warst oder verletzt?

„Nein, verletzt war ich nicht. Ich war etwas krank, aber zu den Spielen war ich 100% fit und ich fand auch, dass ich in guter Form war. Aber man muss natürlich den Trainer und seine Entscheidungen akzeptieren. Schade, dass wir dann nach Hause mussten, zumal uns lediglich eiun Tor fehlte.“

Wie willst du dich in der kommenden Saison weiterentwickeln?

„Ich suche mich immer gerne in die Mitte, spiele gerne als Ballverteilerin und manchmal gehe ich gerne selber los. Das will ich in dieser Saison häufiger machen und auch mehr Kälte in meinen Abschlüssen bekommen, was letzte Saison gefehlt hat. Damit werde ich sicher arbeiten. Gleichzeitig verstehe ich auch, dass ich mehr von meiner Schnelligkeit profitiere, wenn ich außen spiele.“

Die Saison beginnt im April, im Februar spielt Djurgården in der großen Tele2Arena gegen Eskilstuna nachdem Djurgårdens Herren das norwegische Team Vålerenga empfangen haben, ein Double Feature, bei dem ich versuchen werde, dabei zu sein. Johanna wird am Tag des Spiels 20 Jahre alt, ein großes Talent, das viele internationale Vereine sicher schon in ihren Notizbüchern haben und weiter beobachten werden.

 

 

Zum Blog

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Seit es die schwedische Seite http://www.damfotboll.com nicht mehr gibt, habe ich auch angefangen, auf Schwedisch zu bloggen. Wir sind zu dritt. Es gibt drei schwedischsprachige Blogs. Johan Rydén, Zeitungsjournalist bei der Borås Tidning, der seit mehr als fünf Jahren nebenbei über Frauenfußball bloggt und David Lundell, der sein Blog Spieler12, also spelare12 nennt und unglaublich detailliert über ALLE (?) Ligen schreibt, so dass man sich manchmal fragt, ob David noch was anderes macht, als Frauenfußball schauen.

Johan habe ich ein paar Mal getroffen, David noch nicht. Zusammen, aber getrennt, bemühen wir uns dem Frauenfußball in Schweden mediales Gehör zu verschaffen. Die Lokalzeitungen berichten regelmäßig über „ihr“ Team, haben aber selten die Gesamtheit im Blick. Das Fernsehen und die Boulevardzeitungen Aftonbladet und Expressen sind vor allem an der Nationalmannschaft „dran“, bestenfalls noch an den Spitzenteams und vor allem an „Skandalen“ intertessiert, an Auffälligem. Das bringt Quote und Schlagzeilen.

Als damfotboll.com aufhörte am 01.07. und dann schließlich ganz abgeschaltet wurde mit all den tausenden Artikeln und auch den vielen hundert, die ich geschrieben habe, mti all den Interviews, die nun einfach WEG sind, weil niemand das Archiv übernehmen wollte, als die Seite aufhörte, verschwand eigentlich die flächendeckende Berichterstattung über Frauenfußball in Schweden. Niemand macht das mehr, niemand schafft das mehr, niemand will das mehr lesen? Ich weiß es nicht.

Leider sind meine deutschsprachigen Artikel weniger geworden. Das bedauere ich, denn ich weiß, dass es eine überschaubare, aber dennoch treue Leserschaft im dreistelligen Bereich gegeben hat und auch noch gibt, wenn hier etwas erscheint. Dennoch sind die Artikel, die ich über „Deutsches“ geschrieben habe, die populärsten. Mein Telefoninterview mit Melanie Leupolz etwa oder vor allem auch mein deutschsprachiges Gespräch mit Ali Krieger in Tyresö for ein paar Jahren.

Überhaupt sind es die Interviews, die Begegnungen mit Spielerinnen, manchmal auch Trainerinnen und Trainern, die ich am liebsten mache. Auch das Gespräch mit Pia Sundhage nach der Rückkehr aus Brasilien war interessant, am spannendsten das relativ spontane und lange Interview, das ich einmal mit Marta machen konnte, nachdem ich ihr einfach eine SMS geschickt hatte, ob man sie treffen könne. 24 Stunden später saßen wir eine Stunde lang im selben Café in Tyresö, in dem ich zuvor auch schon Vero Boquete getroffen hatte.

Deshalb habe ich auch beschlossen, wenigstens eine Saison dranzuhängen. Eigentlich sogar mindestens drei, denn die WM in Frankreich wäre schon ein Ziel. Dann schaun mer mal.

Und das deutschsprachige Blog? Morgen mache ich das erste Interview im neuen Jahr, ich treffe mich mit Djurgårdens U19-Nationalspielerin Johanna Rytting Kaneryd, die im November die Auszeichnung „Newcomer des Jahres“ bekam. Johanna schickte ihre Trainerin Yvonne Ekroth, die Trophäe abzuholen, denn sie selber spielte die U20-EM in Papua Neu Guinea. Darüber und mehr werde ich morgen miot Johanna sprechen und die Interviews auf Schwedisch und Deutsch veröffentlichen. Danach schaun mer mal, wer als nächstes dran ist. Die schwedische Nationalmannschaft spielt in la Manga gegen Norfwegen und England und auf meiner Wunschliste steht Lisa Dahlkvist, aber das geht wohl erst, wenn sie zurückkommt. Also, klickt mal wieder rein, lieber Leserinnen und Leser. Auf Deutsch wird ein bisschen mehr dosiert, auf Schwedisch gibt es mehr, weil das Interesse unmittelbarer ist. Ich will auch versuchen, in diesem Jahr wieder mehr für das amerikanische Our Game Magazine zu machen. Denen habe ich ein sehr langes Interview mit Lotta Schelin zu verdanken, wirklich eine meiner Lieblingsgesprächspartnerinnen im FF, eine kluge, sympathische Sportlerin ohne jede Allüren.

Die EM steht auf meiner Wunschliste, eine Woche sollte es werden im Sommer, mehr schaffe ich nicht, es steht noch nicht fest, wann. Vielleicht sieht man sich da.

Linköping verpflichtet Irma Helin

Nachdem Fridolina Rolfö (Bayern), Pernilla Herder (Wolfsburg) und Stina Blackstenius (Montpellier) den Verein verließen, ebenso Mariann Gajhede (hört auf) und Renée Slegers (Kreuzbandriss und Vertragsende), nachdem mein Favorit auf die Nachfolge Pia Sundhages, Martin Sjögren einen Vertrag als norwegischer Nationaltrainer unterschrieb, musste man sich Sorgen darum machen, wie der neugebackene schwedische Meister in die nächste Saison gehen würde und wie er dann im Herbst die Champions League 2017/18 bestreiten sollte.

Aber: die komplette Abwehr steht weiterhin unter Vertrag und die beiden oft unterschätzten Claudia Neto, die Portugal fast im Alleingang zur EM schoss, und Kristine Minde sind ebenfalls noch in Diensten des LFC.

Hinzu kommen die Verpflichtungen von Maja Kildemoe aus Odense für die Abwehr, Lina Hurtig und Marija Banusic für die Offensive, die Dänin Johanna Rasmussen, die ebenfalls als Mittelfeldspielerin oder Angreiferin eingesetzt werden kann und nun Irma Helin aus Piteå. Helin gilt seit mehreren Jahren schon als eines der größten Mittelfeldtalente Schwedens im offensiven Bereich und hat, nachdem sie das heimische Stockholm verlassen hatte und nach Piteå gegangen war, dort bereits einen guten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht. Linköping bringt nun die Probe, ob es noch weiter gehen kann. Mit Helin, Banusic und Hurtig sind jetzt drei Riesentalente versammelt, wenn nur eine oder gar zwei tatsächlich den Durchbruch schaffen, dann ist mit Linköping auch wieder zu rechnen.

In Schweden ist immer entscheidend, ob es viele Verletzungen gibt in einer Saison. Denn anders als zB die wohlhabenden Clubs der BuLi wie Bayern München oder der VfL Wolfsburg, die sich Kader mit 25 mehr oder minder gleichwertigen Spielerinnen leisten können, ist die Spielerdecke in Schweden selbst bei den Spitzenclubs deutlich geringer. Hier arbeitet man mit 17-18 Spielern, Linköping gewann die Meisterschaft mit einer Truppe von 17 Spielerinnen, in der nur Fridolina Rolfö zwischenzeitlich immer mal ausgefallen war. Rosengård verlor möglicherweise die Meisterschaft aufgrund der Verletzungen von Erin McLeod, Lotta Schelin und Gaelle Engamanouit.

Der Kader von Rosengård zeigt auch Alterserscheinungen. Sportchefin Therese Sjögran täte gut daran, ihn jetzt allmählich zu verjüngen. Denn die Leistungsträgerinnen Marta (31 im Februar), Lotta Schelin (33 im Februar), Anita Asante (32 im April), Erin McLeod (34 im Februar), Ella Masar McLeod (31 im April) Ali Riley (30 im Oktober), Emma Berglund (29 im Dezember) und Lina Nilsson (30 im Juni) kommen allmählich in die Jahre.

Linköpings FC wird weiter gerupft

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Ungeschlagen und mit zehn Punkten Vorsprung wurden sie schwedischer Meister: Linköpings FC. Keine drei Monate später verlassen einige der wichtigsten Leistungsträger den Verein.

Zuerst wurde Fridolina Rolfö überraschend vom FC Bayern München verpflichtet.

Dann ging Pernille Harder erwartungsgemäß zum VfL Wolfsburg.

Sensationell der Abgang von Erfolgstrainer Martin Sjögren, der ab Januar die Nationalmannschaft Norwegens trainieren wird.

Dass der U19-Star von 2015, Stina Blackstenius, deren Vertrag auslief, gehen würde war vielen klar.

Heute meldet das schwedische Fernsehen SVT, dass Blackstenius für den französischen Tabellendritten Montpellier HSC unterschreiben wird, bei dem mit Linda Sembrant und Sofia Jakobsson bereits zwei weitere schwedische Nstionalspielerinnen unter Vertrag stehen.

Andonova wird ausgemustert

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Natasa Andonova (rechts) hat keinen Platz mehr in Malmö

Im Mai 2015 unterschrieb Mazedoniens beste Fußballerin Natasa Andonova einen 2-Jahresvertrag in Malmö für den FC Rosengård. Bald schon dürfte sie eiuem neuen Verein angehören.

In einem Interview mit der Lokalzeitung Sydsvenskan sagte Rosengårds ehemalige Spielerin und nunmehrige Sportchefin Therese Sjögran, dass Andonovas Vertrag im Sommer auslaufe und man nicht daran denke ihn zu verlängern.

„Sie ist nicht priorisiert auf ihrer Position und deshalb versuchen sie wohl, im Januar einen neuen Club zu finden. Sie hat jetzt eine bessere Lage auf dem Markt, als wenn sie das ganze Frühjahr auf der Bank sitzt,“ so Sjögran.

Dabei hatte Andonova 2015 noch wesentlich zum Titelgewinn Rosengårds beigetragen. Mit 12 Toren war sie in dem Jahr die beste Torschützin des Vereins. 2016 schoss Andonova immerhin acht Tore, aber durch den Wechsel von Lotta Schelin nach Schweden und die Genesung Gaelle Engamanouits ist die Konkurrenz in der Offensive groß. Und im Zweifel ist Lotta Schelin wesentlich besser zu vermarkten.

Die 39-Jährige sagte ebenfalls, dass man sich bemühe, die Finnin Iina Salmi auszuleihen. Sofia Lundgren wird wohl ebenfalls ihr Engagement in Malmö abbrechen, da der Verein sich nach Aussage Sjögrans keine drei Torhüterinnen leisten könne. Ikone Erin McLeod soll nach der langen Reha eine Chance bekommen: „Vielleicht geht es nicht, aber fine, dann hat sie es wenigstens versucht,“ sagte Sjögran.

Auf der Seite der Neuverpflichtungen findet man derzeit lediglich Hanna Folkesson. Die defensive Mittelfeldspielerin war vergangenes Jahr zu KIF Örebro gewechselt und hatte sich gleich zu Beginn der Saison 2015 das Kreuzband gerissen. Dieses Jahr ein Wechsel zu Umeå IK, wo die 28-Jährige insgesamt neun Mal zum Einsatz kam.

Folkesson soll die im Sommer zum VfL Wolfsburg gewechselte und schmerzlich vermisste Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir ersetzen. Nach „Björkis“m Wechsel war es für Rosengård in der Meisterschaft bergab gegangen und am Ende der Saison landete man trotz des teuersten Kaders mit zehn Punkten Rückstand auf den neuen Meister Linköpings FC auf dem zweiten Platz.

Im Interview sagte Therese Sjögran auch, dass ein Zusammengehen mit dem früheren Dachverein Malmö FF auf Sicht die beste Lösung sei. Das wurde inzwischen vom Direktor des Männervereins Malmö FF, Niclas Carlnén, genauso abgelehnt wie auch vom künftigen Vorsitzenden des FC Rosengård, Amir Poursamad.

Pournasamad: „Persönlich sehe ich das nicht. Ich sehe lieber, dass wir weiter an der Marke FC Rosengård arbeiten. Die Frage ist heute nicht aktuell. Am Ende ist das Aber eine Vorstandsfrage.“

 

Katrin Schmidt wird schwedische Nationalspielerin

26659952152_a97b80b6f5_kLange Zeit habe ich Katrin Schmidt (und Anita Asante) als die besten Mittelfeldspielerinnen Europas bezeichnet, die nicht in einer Nationalmannschaft spielen.

Was Katrin Schmidt angeht, so ist das im Januar vorbei. Vor wenigen Wochen erhielt die inzwischen 30-Jährige Katrin Schmidt zusätzlich zur deutschen auch die schwedische Staatsbürgerschaft und als heute Pia Sundhage ihren 25-köpfigen Kader für Spiele gegen England und Norwegen im Januar (in La Manga) bekanntgab, tauchte erstmals der Name Schmidts auf.

Die Belohnung für eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga seit mehr als fünf Jahren. Schmidt hat mit dem FC Rosengård zwei Meisterschaften geholt nachdem sie ihre schwedische Karriere in der zweiten Liga beim aufstrebenden Tyresö FF gestartet hatte. Aus persönlichen Gründen kehrte sie letztes Jahr nach Stockholm und zunächst zu Hammarby zurück und ging dieses Jahr zum Aufsteiger Djurgården.

Sollte sich Schmidt für den EM-Kader qualifizieren, hieße ihr erster Gegner in einem EM-Spiel – Deutschland.

 

Harder und Lindahl Gewinnerinnen

30340558774_5e7595ef7e_kDie Dänin Pernille Harder und Torhüterin Hedvig Lindahl gewannen jeweils zwei Preise bei der „Fotbollsgalan“ in Stockholm am Montagabend.

Harder wurde als beste Stürmerin und wertvollste Spielerin der Damallsvenskan ausgezeichnet. Die bei Chelsea spielende Lindahl wurde beste Torhüterin und gewann den Diamantball, de facto ist sie damit Fußballerin des Jahres und das zum zweiten Mal in Folge.

Beste Abwehrspielerin wurde die für Montpellier HSC spielende Linda Sembrant. Mittelfeldspielerin Nummer eins wurde die Brasilianerin Marta Vieira da Silva. Newcomer des Jahres Djurgårdens linke Mittelfeldspielerin Johanna Rytting Kaneryd und Trainer des Jahres der Mann von Piteå IF: Stellan Carlsson. 

Auch als Torschützenkönigin konnte sich Harder einen Preis abholen und war damit Abräumerin des Abends. Die 24-Jährige verlässt nach fünf Jahren Linköping und geht ins Ausland. Wohin, das wollte oder konnte sie mir noch nicht sagen. Aber sie lachte zweimal als ich sie auf Deutschland ansprach. Ja, sie möge Deutschland und nein, sie spreche kein Deutsch. Aussereuropäische Engagements schloss sie unlängst aus.

Den Erfolg mit Linköping schrieb sie mir gegenüber einerseit dem Wechsel des Spielsystems hin zum 4-3-3 zu, aber der Meistertitel sei mehrere Jahre in Arbeit gewesen. Martin (Sjögren) sei ein unheimlich guter Trainer. Feiern wolle sie vor allem mit der Mannschaft, wahrscheinlich ein letztes Mal, denn bald heisst es Abschied nehmen. Die potentiellen neuen Vereine stehen Schlange bei der Dänin, die ich seit 2-3 Jahren für eine der besten Fußballerinnen der Welt halte. Völlig unbegreiflich, warum die FIFA sie nicht unter die zehn besten Spielerinnen nominiert hat.

 

Rückblick

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Marta hat eine Torchance im Spiel bei Linköping

Die Saison 2016 ist nun vorbei. Zeit für eine kurze Bilanz.

Linköping ist der souveräne neue schwedische Meister. Vor der Saison hätte man sicher viel Geld verdienen können, wenn man vorausgesagt hätte, dass die Mannschaft um den wohl kommenden Nationaltrainer Martin Sjögren am Ende mit zehn (!!!) Punkten vor der Startruppe vom FC Rosengård landen würde.

Lange marschierten beide Teams im Gleichtakt, aber am Ende zog Linköping unwiderstehlich davon. Entscheidend einerseits der 1:0 Sieg für Linköping im, ja, alles entscheidenden Spiel gegen Rosengård.

Kristine Mindes Kopfball in der 81. Minute im strömenden Regen von Linköping stieß das Tor weit auf, danach implodierte Rosengård.

Linköping hatte bis auf Fridolina Rolfö, die etliche Wochen ausfiel und verletzungsanfällig bleibt, kaum Verletzungen zu beklagen. Das Trio Pernille Harder Stina Blackstenius und Kristine Minde erzielte 53 von 73 Toren, das SPielsystem 4-3-3 war optimal für den vorhandenen Kader. Im Mittelfeld zog eine überragende Claudia Neto die Fäden und in der Abwehr konnte der Rücktritt von Ikone Charlotte Rohlin durch due Beförderung von Magdalena Ericsson zur Kapitänin ohne Reivungsverluste aufgefangen werden. Die Dänin Janni Arnth war ein ebenso gelungener Einkauf, wie die beiden Aussenverteidigerinnen aus der Region, Jonna Andersson und Jessica Samuelsson Garanten für Sicherheit hinten wie Offensivkraft vorne waren.

Dass Martin Sjögren nach dem Weggang der starken Amerikanerin Katie Fraine im Tor der jungen Cajsa Andersson das Vertrauen aussprach, erwies sich nach 22 Spieltagen als ein weiterer hervorragender Schachzug des Trainers. Andersson wuchs an der Aufgabe und gehört nunmehr zu den besseren Torhüterinnen der Liga.

Linköping profitierte aber auch davon, dass Rosengård mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte. Zu Anfang der Saison fiel gleich die neue Stammtorhüterin Erin McLeod für mehr als ein Jahr aus. Auch Zecira Musovic verletzte sich, weshalb man mit der vereinslosen Ex-Nationaltorhüterin Sofia Lundgren eine etablierte Torfrau nach Malmö holte.

Gaelle Engamanouit, die als Torjägerin geholte Kamerunerin aus Eskilstuna, verletzte sich ebenfalls fast direkt und in der zweiten Saisonhälfte fielen auch die neu geholte Lotta Schelin und Lieke Martens zeitweise aus. Dass man mitten in der Spielzeit auch noch die neben Marta wichtigste Spielerin, Sara Björk Gunnarsdottir, an den zahlungskräftigen VfL Wolfsburg verlor, machte die Aufgabe von Trainer Jack Majgaard Jensen nicht gerade einfacher.

Das soll und kann allerdings den Erfolg vonm Linköping nicht schmälern. Aber keine zwei Wochen nach dem Gewinn des Meistertitels verliert Linköping bereits seine überragende Spielerin: Pernille Harder geht ins Ausland, wohin sollen wir nächste Woche erfahren. Zwar kommt mit Lina Hurtig eines der grössten Talente der letzten Jahre, aber der Verlust von Harder ist erst einmal nicht zu ersetzen, wenn die Brieftasche Begrenzungen hat. Fraglich ist auch noch, ob Stina Blackstenius bleibt. Auch die 20-Jährige, deren Nationalteam (U20) morgen möglicherweise bereits aus der WM in PNG fliegt, hat mehrere Angebot aus dem In- und Ausland, hat aber gesagt, dass sie nur ins Ausland gehen würde oder aber in Linköping bleibt. Ich fürchte, dass auch sie gehen wird.

Dahinter dann?

Eskilstuna hatte eine zu grosse Spielerfluktuation vor der Saison, kam dennoch auf den dritten Platz. Hervorragender Vierter abermals im Topwuartett: Piteå IF, dass aber nun mit Irma Helin schon wieder eine Schlüsselspielerin ersetzen muss., Helin trainierte diese Woche zweimal beim 1.FFC Frankfurt. Vom schwedischen Vierten zum deutschen Sechsten?

Die Aufsteiger haben beide sehr positiv ¨überrascht. Vor der Saison sass ich noch mit der rückkehrenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir in einem Café am Karlaplan in Stockholm und Gugga sagte mir, dass sie unsicher sei, wo ihr Team stehen würde. Am Ende kam ein sehr respektabler sechster Platz heraus mit Luft nach oben, denn am Ende ging der Traditionsmannschaft aus Stockholm die Luft aus. Bitterer Beugeschmack aber: Mit nur 376 Zuschauern hatte man trotz ansprechenden Spiels den schlechtesten Schnitt der Liga und das in der bevölkerungsreichsten Stadt oder gerade deshalb?

Die Portugiesin Carolina Mendes muss Stockholm verlassen nach nur einer Saison. Vielleicht bekommt sie ein Angebot vom Lokalrivalen Hammarby, der aufgestiegen ist und Verstärkung braucht.

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Tabitha Chawinga

Kvarnsveden, der Sieger der Elitettan 2015, war bespöttelt worden. Das Wort „dålig“ (schlecht) hatte der Trainer verboten, der Verein sich nur mit vier Spielerinnen aus der zweiten Liga verstärkt. Das wird nicht reichen, sagten ALLE Experten, inklusive meiner Wenigkeit und machten Daumen runter beim Presseauftakt im April. Es sah nicht so gut aus, aber besser als erwartet, als die Olympiapause begann, dann holte jemand die Ghanaerin Elisabeth Addo und die Amerikanerin Tiffany Weimer und mit den Beiden lief es prächtig, nicht zuletzt für die von allen Vereinen begehrte Malawierin Tabitha Chawinga, die innerhalb von zwei Jahren von der dritten in der ersten Liga aufgestiegen war und selbst dort angekommen nun immerhin noch beeindruckende 15 Tote schoss. Nicht auszudenken, wie viel Mal sie für einen Topclub getroffen hätte. Chawinga spielt mit grosser physischer Stärke, Schnelligkeit mit einem unbändigen Zug um Tor. Als ich sie in Kvarnsveden im Sommer erstmals live spielen sah beschäftige sie trotz der 0:4 Niederlage gegen Rosengård immer wieder Nationalspielerinnen wie Emma Berglund und Amanda Ilestedt aufs Äusserste.

Kristianstad hatte am Ende Glück und rettete sich mit 1,5 blauen Augen vor dem Abstieg. Das Geld fehlt in der kleinen Stadt.

Runter dagegen muss der einst so glorreiche Umeå IK nach skandalösen Turbulenzen. Der Vereinsvorsitzende entliess das komplette Trainerteam gegen den Willen der Spielerinnenm wurde deshalb enorm kritisiert und trat deshalb wenig später selber zurück. Selbst ohne diese Differenzen hatte Umeå zu wenig Ressourcen, um eins schlagkräftiges Team auf den Plat zu stellen. Und mit Hanna Folkesson uynd Jenny Hjohlman waren zwei der gedachten Leistungsträgerinnen fast die ganze Saison verletzt. Bitter.

Am Montag steigt die Gala des Fussballs im Stockholmer Ericsson Globe und da bietet sich die Gelegenheit, mit den Preisträgerinnenzu sprechen. Haushohe Favoritin auf den „Diamantenball“ als Fussballerin des Jahres dürfte Chelsea Ladies Torfrau Hedvig Lindahl sein. Zum zweiten Mal in Folge, aber nach den geretteten Elfern bei der Olympiade wohl kaum zu übergehen. Es sei denn, man entscheidet sich für die zweifache Elfersiegerschützin Lisa Dahlkvist. 

Mitten in der Saison entschied sich Anette Börjesson nach 20 (!!!) Jahren die Seite http://www.damfotboll.com nicht länger zu betreiben.  Für den frauenfussball in Schweden ein grosser Verlust, denn nach wie vor berichten die Mainstreammediuen in erster Linie über die Nationalmannschaft, die Champions League und den Kampf um die Meisterschaft. Ansonsten bin ich ziemlich allein auf weiter Flur, wenn ich etwa Spiele in Stockholm besuche. Deshalb blogge ich seit dem 1. Juli auch auf Schwedisch und versuche, mit Spielerinneninterviews ein wenig dazu beizutragen, dass die Lücke gefüllt wird.

Seit dem 1. Juli gab es längere Interviews mit Marianne Gajhede KnudsenKristine MindeOlga Ekblom, Magdalena Ericsson, Mimmi Larsson, Irma Helin, Denise Sundberg, Zecira Musovic, Sofia Jakobsson, Emilia Appelqvist, Claudia Neto, Sara Björk Gunnarsdottir und Nora Holstad BergeLeider habe  ich es wegen hoher Arbeitsbelastung nicht geschafft, die Gespräche auch auf Deutsch zu veröffentlichen.

 

 

 

 

Pernille und Irma und Emma gehen

Pernille Harder verlässt Linköpings FC. Das schrieb heute die schwedische Zeitung Expressen unter Berufung auf Harders Agent. Nächste Woche erfahren wir welcher Verein den Zuschlag erhält. Im Angebot hat die Dänin Clubs aus Frankreich, Deutschland, England und den USA.

Auch Piteås Irma Helin wird den Verein verlassen. Das hatte sie mir schon im Interview Anfang September angedeutet. Linköping wäre gut, Djurgården und ihre Heimatstadt Stockholm wohl wahrscheinlicher.

Emma Lundh geht nach einer Saison auch aus Liverpool. Die 27-Jährige spielte in ihrer Karriere bislang für Hammarby, Djurgården, AIK, Tyresö, Brommapojkarna, Linköping, Lilleström und nun Liverpool.

Viermal Jakabfi

30608816920_9df5819929_kKlassenunterschied am Donnerstagabend am Tunavallen in Eskilstuna. Der Tabellendritte der schwedischen Damallsvenskan Eskilstuna United verlor das erste Achtelfinale der Champions League gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga mit 1:5.

Das Positivste aus schwedischer Sicht: Es kamen 3784 Zuschauer am Abend, nachdem ein ungewöhnlich frühzeitiger Wintereinbruch der Hauptstadtregion um Stockholm knapp 30 cm Neuschnee gebracht hatte und dazu ein ordentliches Verkehrschaos.

Als ich mich am Donnerstagnachmittag auf den Weg nach Eskilstuna machte (ca. eine Zugstunde westlich von Stockholm) wurden auf dem Hauptbahnhof Stockholm C ständig Gleise der Züge gewechselt, die Verspätungen waren nicht groß, das Chaos aber herrschte vor. Am Mittwochabend wäre es sehr schwer gewesen, sich fortzubewegen, der Zugverkehr war stundenlang weitgehend eingestellt.

In Eskilstuna liegt das Stadion, Tunavallen, das in der gerade zu Ende gegangenen Saison mit 1897 den besten Zuschauerschnitt der Damallsvenskan hatte, knapp zehn Minuten Fußweg vom Bahnhof entfernt.

Die Gäste aus Deutschland gingen nach drei Minuten bereits durch Zsanett Jakabfi mir 1:0 in Führung, ein Moment, in dem sich die Abwehr Eskilstunas unaufmerksam zeigte, so als sei man noch nicht dabei und gleich ein Moment in dem der Verlauf des Spiels vorbestimmt wurde. Jakabfi war mit ihren vier Treffern natürlich die Spielerin des Abends, aber dem in der Bundesliga zuletzt strauchelnden VfL, der nach acht Begegnungen schon sieben Punkte hat liegen lassen und zwar hochverdient, aber glücklich 2:1 in Mönchengladbach gewann, dem VfL gelang möglicherweise ein Befreiungsschlag gegen Eskilstuna. Die Schwedinnen hatten eigens nicht zugelassen, dass Nathalie Björn und Emma Jansson zur U20-WM nach Papua Neu Guinea fahren durften. Aber auch mit Björn und Jansson waren sie vor allem in der zweiten Halbzeit chancenlos.

Es gab ein paar gefällige Szenen und Marija Banusic zeigte, was sie kann, als Wolfsburg sich bei einem Steilpass gefährlich verschätzte, sie zog schnell Richtung Tor und ließ mit einem harten, platzierten Schuss in die linke Ecke zum zwischenzeitlichen 1:2 nicht den Hauch einer Chance.

In Halbzeit 2 aber kombinierte und lief Wolfsburg wie am Schnürchen. Dennoch: In der einen oder andern Situation sah man Abstimmungsprobleme in der Abwehr, die bei einem stärkeren Gegner doch zu erheblichen Problemen führen würden. Nilla Fischer ist nicht immer die Chefin ihrer Abwehr, sie kommt in die Jahre. Die Schnellste war sie noch nie. Ramona Bachmann zeigte eine ansprechende Partie, Sara Björk Gunnarsdottir war durch und durch souverän, neben Jakabfi vielleicht die beste Spielerin auf dem Platz. Anja Mittag kam in der zweiten Halbzeit, aber eigentlich nicht zu göoßeren Chancen. So standen am Ende vier ehemalige Spielerinnen der Damallsvenskan in neongrünen Trikots auf dem Platz.

Eskilstuna wurde aufgezeigt, dass der Weg in die Spitze Europas noch sehr weit ist. Vieles davon hat natürlich mit Ressourcen zu tun. 25 Spielerinnen im Kader hat der deutsche Vizemeister und kann es sich leisten, sein Team in einem Charterflugzeug ins benachbarte Västerås fliegen zu lassen. Davon können die 18 Spielerinnen aus Eskilstuna nur träumen.

Nathalie Björn, die mit großen Schmerzen ausgewechselt werden musste, zog sich einen Bänderriss am Fuß zu und sie fällt nun einige Wochen aus, es steht aber ohnedies nur noch das Rückspiel in Wolfsburg in dieser Saison an.

Abschluss in der Tele2Arena

30758680286_dc540d2a90_kEs ist nicht üblich, dass ein Zweitligist im Frauenfußball ein Spiel in einem großen, modernen Stadion austrägt, in dem Madonna mit 40 500 Zuschauern den Pulbikumsrekord hält. Dass das bedeutungslos gewordene Spitzenspiel am 26. und letzten Spieltag der eingleisigen schwedischen Elitettan zwischen Hammarby und Limhamn Bunkeflo in der Stockholmer Tele2Arena stattfand, hat indes eine Hintergrundgeschichte.

Zum einen war der Kampf um den zweiten Platz äußerst spannend. Hammarby und der Tabellendritte, Aufsteiger Växjö DFF, lieferten sich einen wochenlangen Zweikampf und einiges sprach dafür, dass Hammarby im allerletzten Spiel gegen den bereits feststehenden Meister Limhamn Bunkeflo einen Sieg, einen Dreier benötigen würde, um wieder ins Oberhaus einzuziehen. Große Spannung war also zu erwarten.

Zum anderen wird der Sportplatz, auf dem die grünweiß gekleideten Hammarbyfrauen für gewöhnlich spielen, der Kanalplan, gerade (?) endlich renoviert. Geplant war das schon für 2015, in der Damallsvenskan dieses Jahres musste Hammarby stets zum nicht weit entfernten Zinkensdamms IP ausweichen. Gegen Ende 2015 spazierte ich am Kanalplan vorbei, um mal zu sehen, wie weit die Arbeiten fortgeschritten waren und stellte fest, dass nichts, nada, niente, nix passiert war. Typisch für öffentliche schwedische Bauvorhaben, leider. Die Stadt sagte, dass das nun eben mal 2016 gemacht würde. „What’s another year“, getreu dem Siegertitel des Eurovision Song Contest 1980, ein Wettbewerb, den niemand so liebt wie die Skandinavier.

Na, dann eben dieses Jahr. Man fing aber nicht im Frühjahr an, da spielte und trainierte Hammarby erst einmal etliche Wochen auf dem Kanalplan, dann ging es rüber zu Zinkensdamm. Und nun ging die Saison in den November hinein und Hammarby ist ein großer Verein mit vielen Sportarten und eines der erfolgreichsten Teams ist das Bandyteam der Männer. Die spielen immer auf Zinkensdamms IP. Das Problem: Bandy wird auf gefrorenen Fußballfeldern gespielt. Man legt dort gerade Eis an, die Frauen konnte also das vermeintlich so wichtige Spiel dort auch nicht austragen.

Die Stadt bot eine Auswahlmöglichkeit an: Grimsby IP. Ein nettes kleines Stadion im Nordwesten Stockholms, auf dem sonst die Männer und Frauen der Brommapojkarna spielen. Der Grimsta IP aber ist 17,7 km (Google Maps) vom Kanalplan entfernt und das fand Hammarby unzumutbar, sowohl den treuen Fans wie auch den Spielerinnen gegenüber, die immerhin auf dem Weg in die erste Liga waren. Also vereinte man ausnahmsweise einmal alle Kräfte der Gesamtoirganisation des Vereins und schloss die 30.000 Zuschauer (bei Fußballspielen) fassende Arena auf. Als ich gestern zum ersten Mal durch den Presseeingang auf das innere Feld ging, war ich schon schwer beeindruckt. Eigentlich hatte ich auf dem Weg zum Stadion geglaubt, dass ich bei den schon winterlichen Temperaturen nahe am Erfrieren wieder nach Hause zittern würde, aber natürlich war das Dach geschlossen und es war angenehm und fantastisch ausgeleuchtet. Allein die Licht- und Heizungsrechnung liegt way beyond dem, was sich der Frauenfußball leisten kann. Nur ein Eingang war geöffnet, der Medieneingang allerdings am anderen Ende. Dieser Bereich war gespenstisch leer, außer mir nur noch eiun weiterer Fotograf und ein Journalist der Tageszeitung Dagens Nyheter, der im Vorfeld einen Artikel über die 30-Jährige Hammarbyspielerin Hanna Olsson geschrieben hatte. Dagens Nyheter hat den ersten Artikel über Hanna geschrieben, als sie sieben Jahre alt war, erzählte mir Anders Sännås Lundkvist. Nun beendet sie ihre Karriere.

Das Spiel war dann doch nicht so spannend. Denn Konkurrent Växjö hatte letzte Woche beim formstarken Kungsbacka DFF zwei Punkte liegen lassen, während Hammarby seine Aufgabe bei Sundsvall DFF gelöst hatte und damit den Aufstieg bereits perfekt gemacht hat.

Es war allerdings ein Spiel auf erstaunlich gutem Niveau, wenn man bedenkt, dass es für beide Teams um nichts mehr ging. Die Gäste gewannen durch einen schönen Heber von Michaela Johnsson in der 59. Minute mit 1:0. Und es kamen mehr als 1.000 Zuschauer, die sich zwar im berühmten weiten Rund verloren, aber das interessierte eigentlich niemanden. Es ging darum, den Wiederaufstieg zu feiern.

 

 

And the nominees are…

Am 21. November findet im Stockholmer Ericsson Globe (in Stockholm im Volksmund nach wie vor Globen genannt) die Fußballgala 2016 statt, in der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Zlatan Ibrahimovic zum elften Mal Schwedens Fußballer des Jahres wird.

Welche Spielerinnen aber sind nominiert? Gestern Abend wurden die Namen auf der Homepage des Verbands veröffentlicht.

Tor: Hilda Carlén (Piteå IF), Jennifer Falk (Kopparberg/Göteborgs FC), Hedvig Lindahl (Chelsea Ladies)

Abwehr: Jessica Samuelsson (Linköping), Nilla Fischer (Wolfsburg), Linda Sembrfant (Montpellier)

Mittelfeld: Lisa Dahlkvist (PSG/KIF Örebro), Caroline Seger (PSG/Lyon), Marta (Rosengård)

Angriff: Pernille Harder, Stina Blackstenius (beide Linköping), Tabitha Chawinga (Kvarnsveden)

MVP (Wertvollste Spielerin der Liga): Pernille Harder, Tabitha Chawinga, Marta

Newcomer (eigentlich Durchbruch) des Jahres: Cajsa Andersson (Linköping), Ellen Löfkvist (Piteå), Johanna Rytting Kaneryd (Djurgården)

Trainer des Jahres: Yvonne Ekroth (Djurgården), Stellan Karlsson (Piteå), Martin Sjögren (Linköping)

Wie immer gibt es keine Nominierungen für den Diamantball, der auch von einer anderen Jury vergeben wird. Hier kommen nur schwedische Spielerinnen in Frage und die Entscheidung dürfte zwischen Hedvig Lindahl (Vorjahressiegerin) und Lisa Dahlkvist fallen, die sowohl gegen die USA wie auch gegen Brasilien jeweils den entscheidenden Elfmeter verwandelte.

In den Kategorien vermisse ich die beste Torhüterin der Liga Gudbjörg Gunnarsdottir, auch Torfrau Zecira Musovic (Rosengård), wenngleich in der Kategorie Newcomer oder Durchbruch. Bei den Abwehrspielerinnen hätte Jonna Andersson (Linköping) berücksichtigt werden müssen. Sie führt nach wie vor die Assist-Tabelle an.

Die beiden Länderspiele absolvierte Schweden ohne Gegentor. Daheim gab es vor Minuskulisse (weniger als 2000) in Göteborg ein 7:0 (7:0) gegen den Iran, dabei erzielte Magdalena Ericsson einen Hattrick. Diesem sportlich wertlosen, aber sportpolitisch umso bedeutenderen Spiel folgte dann ein enttäuschendes 0:0 gegen Norwegen in Kristiansand. Enttäuschend nicht wegen des Resultats, sondern wegen des eher bescheidenen Spiels, das die Schwedinnen zeigten. Ideenlos nach vorne, sicher in der Abwehr. Ich fürchte, wir werden Schweden auch bei der EURO in NL gegen stärkere Gegner das Spiel spielen sehen, dass es schon in Brasilien gegen die USA und Brasilien zu bestaunen gab: Am besten parkt man den Bus, wie man in Schweden sagt, denn vorneweg ist das Spiel dürftig. Liegt das an den Spielerinnen, die zur Verfügung stehen oder an der Trainerin?

Irangate

Die iranische Nationalmannschaft sollte heute Abend in Göteborg erstmals auf europäischem Boden ein Länderspiel austragen. Schweden – Iran hat sicherlich nicht den geringsten sportlichen Wert, ein zweistelliger Sieg ist ein Muss. Aber politisch wäre das schon ein schönes Zeichen gewesen.

Aber das Spiel musste auf morgen verschoben werden. Bis Sonntagabend lagen der schwedischen Botschaft in Teheran keine Visaanträge vor. Erst gestern meldeten die skandinavischen Diplomaten, dass man nun sechzehn Spielerinnen und drei Funktionären ein Visum erteilt hätte. Zu dem Zeitpunkt hatte das Team aber noch keine Flugtickets.

Bereits vor neun Jahren sollte Iran gegen Deutschland spielen, diese Begegnung wurde damals sehr kurzfristig abgesagt, weil die Iranerinnen doch nicht kommen durften.

Auch nun wird man wohl bis zum Anpfiff warten müssen, der für morgen Abend um 18.45 Uhr angesetzt ist. Verkauft hatte man eh nur ein paar hundert Tickets. Das Spiel ist sportlich gesehen eben nicht sonderlich interessant. Ich halte euch auf dem Laufenden.

 

 

Linköpings FC ist schwedischer Meister 2016

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Jessica Samuelsson, Claudia Neto, Renée Slegers, Stina Blackstenius

Sie haben es früher geschafft als sie wohl selber geglaubt haben. Trotzdem hatte jemand goldene Hüte und Sekt eingepackt, als die Mannschaft am Sonntag zum Auswärtsspiel ins kleine Vittsjö fuhr.

Kristine Minde macht (wieder) ein Kopfballtor und besorgte die Führung und Stina Blackstenius entschied das Spiel als sie schneller als zwei Gegnerinnen war und dann auch noch Torfrau Katie Fraine umkurvte und den Ball ins leere Tor schob. Linköping hatte somit seinen Pflichtanteil geleistet. Den achtzehnten Sieg im zwanzigsten Spiel. Zwei Unentschieden gegen Rosengård und Örebro auswärts kamen dazu.

Rosengård, der Meister von 2010, 2011, 2013, 2014 und 2015, musste eine Stunde nach dem Anpfiff in Vittsjö daheim gegen den zweiten CL-Teilnehmer Eskilstuna United ran. Und erlebte sein blaues Wunder. Lotta Schelin und Lieke Martens verletzt und nicht einsatzfähig. Marta musste in der zweiten Halbzeit dann raus, als sie vom Ellenbogen Nathalie Björns getroffen wurde. Und nachzusetzen hatte man nichts mehr. 0:1 durch Mimmi Larsson und 0:2 durch Marija Banusics Freistoss. Beim 5-Punktevorsprung mit zwei Spielen ausstehend, war das die Meisterschaft. Am Ende schoss Natasa Andonova zwar noch den Anschlusstreffer, aber nur ein Sieg hätte die Meisterschaft für Linköping noch einmal aufgeschoben. Und davon waren die Rosengårdspielerinnen weit entfernt. Zu wenig motiviert, zu ausgelaugt, die Luft war wohl schon nach dem 0:1 in Linköping vergangenen Sonntag raus.

Linköping hat verdient den Titel geholt. Trainer Martin Sjögren, der meiner Meinung nach Nachfolger von Pia Sundhage werden wird 2018, hat in den letzten drei Jahren eine fantastische Arbeit geleistet. Ein Team, gemischt aus lokalen und regionalen Talenten, dau schwedischen Jungnationalspielerinnen und einigen ausländischen Ergänzungen, keine Stars sondern Spielerinnen wie die großartige Claudia Neto aus Portugal, die in Linköping ihren Weg machte -eine pure Freude, der 28-Jährigen zuzuschauen, wenn sie im zentralen Mittelfeld die Bälle verteilt und das Tempo bestimmt.

Jetzt muss man sehen, ob man es schaffen kann, Pernille Harder und Blackstenius zu halten, an denen die ausländischen Agenten und Topclubs interessiert sind. Linköping könnte aber auch mit dem Pfund wuchern, dass man hier etwas aufgebaut hat, das auch in Europa weit kommen könnte, wenn das Team zusammenbleibt und sich vielleicht sogar noch auf 2-3 Positionen klug verstärkt.

Linköping nah am Ziel

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Glück für Linköpings Torfrau Cajsa Andersson, dass Martas Schuss vorbeigeht

Es war ein fantastisches Fußballspiel, das sich gestern Nachmittag die beiden besten schwedischen Fußballmannschaften lieferten. Linköpings FC kam mit 16-2-0 in die Partie, der Serienmeister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö) kam mit 15-3-0 und zwei Pluspunkten weniger nach Linköping.

Das Wetter spielte nicht mit, es waren aber schon am Samstag über 4.000 Tickets verkauft und am Sonntag kamen dann 6.220 in die Arena, neuer Zuschauerrekord für das zur EM 2013 gebaute Stadion, das noch immer eine Baustelle ist, weil nun Bürogebäude an der einen Längsseite errichtet werden.

Ich hatte lange auf dieses Spiel gewartet und in Vorabinterviews verriet mir Linköpings Mannschaftskapitänin Magdalena Ericsson, das auch sie immer wieder mal an dieses Spiel gedacht hatte. Ihr Pendant auf Rosengårds Seite, Emma Berglund, wollte dagegen behaupten, das sie sich auf dieses Spiel wie auf jedes andere vorbereitet hätte.

Vielleicht machte das am Ende den Unterschied aus. Vielleicht war es der Hunger. Dass dieses Spiel größer war für Linköping als für das erfolgsverwöhnte Rosengård.

30188117036_0aa668700f_kAm Ende riss Magda Ericsson die Arme hoch und streckte sie in den mit dunklen Wolken verhangenen Himmel von Östergötland. Am Ende hatte der Gastgeber mit 1:0 gewonnen, durch ein Kopfballtor der Norwegerin Kristine Minde auf Flanke von Pernille Harder. 

„Normalerweise mache ich solche Tore nicht,“ lachte Minde nachher in der Mixed Zone. „Es war eine perfekte Flanke von Pernille und ich kam zwischen zwei Gegenspielerinnen hoch und es war eine Riesenfreude zu sehen, wie der Ball reinging.“

Dass man nun, mit fünf Punkten Vorsprung und drei Spiele vor Schluss den Meistertitel sicher habe, das wollte Kristine aber nicht eingestehen: „Heute und morgen werden wir uns freuen, aber dann geht es weiter. Wir haben jetzt zwei schwere Auswärtsspiele und dann im letzten Heimspiel noch einmal einen starken Gegner.“

Naja. Vittsjö und Mallbacken auswärts. So wie diese beiden Teams bisher gespielt haben, müsste die Meisterschaft am 30. Oktober um ca. 16.50 Uhr nach 2009 zum zweiten Mal in Linköping sein.

Das Spiel gestern war sehr ausgeglichen. Linköping hatte in den bisherigen drei Begegnungen der Saison gegen Rosengård immer schlechter ausgesehen. Aber: alle drei Spiele waren in Malmö. Gestern eine tolle Abwehrleistung auf beiden Seiten. Die Niederländerin Renée Slegers machte ein großes Spiel gegen Marta in der ersten Halbzeit, überragend bei Linköping wie so oft in diesem Jahr die Portugiesin Claudia Neto. Sie ist die große Ballverteilerin und die dominierende Spielerin im Mittelfeld. Rosengård sicher geschwächt durch den Ausfall von Lieke Martens am Mittwoch und dadurch, dass Lotta Schelin nach 51 Minuten gehen musste weil sie Schmerzen in der Wade hatte. Aber was soll’s. Linköping spielt mit wesentlich weniger Geld in der Liga. Hier hat der Verein mit Trainerfuchs Martin Sjögren ein Team aufgebaut, das hauptsächlich aus Talenten aus der Region Östergötland (Blackstenius, J Andersson, Almqvist, Samuelsson) und schwedischen Talenten besteht (Ericsson, Rolfö), die mit ausländischen Talenten (Harder, Gajhede Knudsen, Neto, Minde) veredelt wurden. Hier gibt es keine großen Stars, die man geholt hat, Sjögren hat einige seiner Spielerinnen zu Stars gemacht.

Nicht zuletzt deshalb wird es wohl am Ende er sein, der 2017 Pia Sundhage als Nationaltrainer ablösen wird. Der 39-Jährige ist ein Meistermacher. 2010 hatte er nach vielen Jahren als Mitfavorit ohne Gold schon einmal ein Team zum Meister trainiert: LdB FC Malmö. Nun ist sein Linköping ganz nahe am großen Triumph.

Marta hätte beinahe zumindest den Ausgleich erzielt, aber ihre Anstrengungen am Ende des Spiels (Minde köpfte das Siegtor in der 81. Minute) endeten an der Querlatte und ganz knapp neben dem linken Pfosten.

Ich sprach auch mit Ella Masar McLeod, die ich dummerweise als Anhängsel von Torhüterin Erin McLeod gesehen hatte. Aber nachdem sich Masars Frau verletzte war es Ella, die durchspielte und mit größtem Einsatz bislang zehn Tore für Rosengård erzielte. Jetzt sagte ich ihr, dass ich sie für die beste Neuverpflichtung in der Liga in diesem Jahr halte und fragte, ob sie sehr enttäuscht sei. Ihr Antwort war überraschend: „Ich hoffe, dass viele Sponsoren dieses Spiel gesehen haben und gesehen haben, was für einen tollen Fußball die [Linköping] spielen. Dann hoffe ich, dass sie auch zu investieren bereit sind, damit diese guten Spielerinnen gehalten werden können. Denn für uns sind solche Spiele sehr wichtig, sie sind auch wichtig für die Liga, damit sie, aber auch wir uns weiterentwickeln können.“

Sprach’s und meinte, dass es nun aber gleich mal gelte, umzuschalten, weil man am Mittwoch wieder Champions League spielen müsse.

Auf beiden Seiten dominierten die Abwehrketten, es gab wenig Torchancen, aber die ausgeprägte Taktik und das kluge defensive Verhalten beider Mannschaften war ein Genuss zu sehen. Hoher Einsatz auf beiden Seiten, viel Respekt und sehr viel Fairness, nicht ein böses Foul, obwohl viel auf dem Spiel stand. Das einzige, was störte, war der verdammte Regen.

Linköping spielt jetzt noch: Vittsjö (A), Mallbacken (A), Eskilstuna (H).

Rosengård: Eskilstuna (H), Piteå (A), Mallbacken (H).