Über Rainer

This is in English because I am Blogging both German and Swedish and apparently this text here appears in all of my Blogs when you click my name. My name is Rainer and I have been following women's football or soccer for quite a while now. I watch football games, take pictures when I see matches, because I need them for the blogs. I talk to Players and publish texts about that in my German and Swedish blog. I prefer the term "talk" instead of "interview". It's a dialogue,l notm just Q & A I am interested in.

Seger und Schelin machen weiter

34800398060_43d7586341_oDie EURO 2017 ist nicht das Ende für Caroline Seger (32) und Lotta Schelin (33) in der Nationalmannschaft. Beide erklärten der schwedischen Zeitung Aftonbladet, dass sie bereit wären, unter dem neuen Trainer Peter Gerhardsson weiterzumachen. Seger und Schelin gaben an, mit Gerhardsson bereits persönlich gesprochen zu haben. Dieser habe sich hocherfreut gezeigt, dass sie weitermachen wolle, erklärte Caroline Seger, die ab sofort mit Schelin zusammen bei Anja Mittags FC Rosengård spielen wird.

Während Rosengård weiterhin vor allem auf Routine setzt und über die mit Abstand älteste Startformation der schwedischen Liga verfügt, setzt Hauptkonkurrent Linköpings FC weiterhin auf die Anwerbung und Entwicklung junger Talente. Heute gab der schwedische Meister die Verpflichtung der 18-Jährigen Norwegerin Frida Maanum bekannt, an der auch der VfL Wolfsburg interessiert gewesen sein soll. Linköping holte in der Sommerpause auch die 20-Jährige Dänin Nicoline Sørensen. 

Am Donnerstag beginnt die Rückrunde der Damallsvenskan mit dem 12. Spieltag.

Kosovare rein, Jessica raus – Neues aus Linköping

Morgen Abend um 23.59 Uhr schließt sich das schwedische Transferfenster wieder und nachdem gestern der FC Rosengård mit der 32-Jährigen Caroline Seger eine weitere Rückkehrerin nach Lotta Schelin (33) und Anja Mittag (32) verpflichtet hatte, gab es heute eine Überraschung.

Das schwedische Fernsehen SVT war der falschen Fährte aufgesessen, dass auch die 28 Jahre alte Kosovare Asllani nach Malmö wechseln könnte. Als am späten Nachmittag Meister Linköpings FC eine Pressekonferenz für heute 13.45 Uhr einberief und empfahl zu kommen, weil man eine spektakuläre Neuverpflichtung vorstellen würde war mir klar: Asllani geht nach Linköping.

Und richtig, da tauchte sie heute auch in der von der Lokalzeitung Corren übertragenen PK auch auf. Asllani hat einen Vertrag bis Ende 2019 unterschrieben.

Allerdings gab es einen dicken Wermutstropfen. Die Rechtsverteidigerin Jessica Samuelsson wird den Verein mit noch unbekanntem Ziel verlassen. Damit verliert der Meister schon das zweite Stück seiner Viererkette, nachdem schon vor der EM bekannt wurde, dass Kapitänin Magdalena Eriksson zu den Chelsea Ladies nach London wechselt. Samuelsson ist die meiner Meinung nach überragende schwedische Fußballspielerin der letzten beiden Jahre und vielleicht die einzige neben Goalkeeperin Hedvig Lindahl, die zur absoluten Weltklasse gehört.

Wohin es gehen soll, ist noch nicht klar bei Samuelsson. Auf der Nachrichtenplattform Twitter wurde spekuliert, dass Samuelsson möglicherweise die angeblich zu einem Wechsel nach Lyon tendierende Engländerin Lucy Bronze bei Manchester City ersetzen soll.

Was aber macht Linköping nun mit seiner Abwehr? Die Dänin Janni Arnth kam mit einem Ermüdungsbruch im Fuß zurück aus Holland und da nun auch Eriksson und Samuelsson fehlen werden, muss der neue Trainer Kim Björkegren wieder einmal umbauen. Möglicherweise muss Kristine Minde in der Abwehr aushelfen oder aber Björkegren schult die aus Hammarby während des Sommers gewechselte Anna Oskarsson zur Abwehrspielerin um.

Caroline Seger kommt nach Hause

Heute melden sowohl das schwedische Fernsehen SVT wie auch die Zeitung Sydsvenska Dagbladet, dass die 32-Jährige Caroline Seger den FC Rosengård ab Beginn der Rückrunde den Vizemeister FC Rosengård verstärken wird.

Seger hatte zuletzt bei Olympique Lyon vorwiegend auf der Bank gesessen, dürfte aber bei Rosengård direkt in die Startformation aufrücken.

In den Sommermonaten verlor man Lieke Martens (FC Barcelona), Emma Berglund (PSG) und Amanda Ilestedt (Turbine Potsdam) und holte dafür die Kanadierin Jenna Hellstrom und die Isländerin Glodis Vigosdottir (aus Eskilstuna).

Im Gespräch ist aktuell auch Kosovare Asllani, die bei Manchester City Women aus ihrem Vertrag heraus möchte.

Zurück aus Holland

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Österreichs Jubel nach dem entscheidenden Elfer von Sarah Puntigam gegen Spanien

Acht Tage habe ich in Rotterdam verbracht und von dort aus Spiele der EURO 2017 in Breda, Tilburg und Utrecht besucht. Und auch das „historische“ Viertelfinale der deutschen Mannschaft gegen Dänemark in Rotterdam.

Dominik Thalhammer hat am Tag nach dem Sieg seiner Österreicherinnen über Spanien gesagt: „Es ist der 31. Juli, Deutschland, Frankreich und Spanien packen die Koffer und wir bleiben hier.“

Ich würde noch Schweden ergänzen.

Drei Frauenfußballdinosaurier fuhren nach Hause und auch die mit viel Vorschusslorbeeren angereisten Spanierinnen konnten nur gegen Portugal zwei Tore in der ersten Halbzeit machen. Danach kam nichts mehr.

Wachablösung im Frauenfußball?

Schweden kam mit einer Trainerin, die in ihrem Berufsleben unheimlich viel für den Frauenfußball getan hat. Als Spielerin, als Trainerin und nicht zuletzt auch als Persönlichkeit. Pia Sundhage verkörpert heute noch für viele die Ideale des Frauenfußballs. Sie musste sich noch als Junge ausgeben, um Fußball spielen zu dürfen, sie gab nie auf, sie wurde Europameisterin 1984 (schoss den entscheidenden Elfmeter gegen England) und sie sagte vor gar nicht so langer Zeit, dass Frauen es niemals als selbstverständlich ansehen sollten, dass sie Fußball spielen. Denn wenn man sich zurücklehnen würde, käme jemand daher und würde die Errungenschaften wieder streichen. Das ist im Grunde nicht ganz abwegig, aber es verkennt dennoch die Weiterentwicklung des Sports und vieler Gesellschaften.

Frauenfußball ist nicht mehr abzuschaffen. Es gibt in den Internetforen in Deutschland, in Schweden und anderswo immer noch ewig Gestrige, die wollen, dass man den Frauenfußball abschafft. Aber leider wird es rechtsgerichtete und frauenfeindliche Dumpfbacken immer geben. In der breiten Gesellschaft ist der Sport jedoch längst angekommen und er enwtickelt sich weiter. Was nicht heißt, dass er zumindest zu unseren Lebzeiten niemals so groß sein wird wie der übermächtige Männerfußball in dem heute davon die Rede ist, dass PSG bis zu 500 Millionen € Ablöse für Neymar hinzublättern bereit ist.

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Lisa Dahlkvist (30) – macht Schweden jetzt den Generationswechsel?

Pia Sundhage hat große Verdienste, als Trainerin hat sie Schweden nicht weitergebracht und wenn wir ehrlich sind, auch die USA nicht. Die beiden Olympiasiege mit den Amerikanerinnen 2008 und 2012 sind natürlich großartig für den Lebenslauf, aber mit der US-Mannschaft konnte nicht viel schiefgehen und auch dort bereits hat Sundhage vor allem die alteingesessenen,. arrivierten Spielerinnen gefördert und immer spielen lassen. Christen Press kam erst nach dem Abgang Sundhages beim glücklosen Tom Sermanni zum Zuge und hat seitdem in 88 Spielen 43 Tore geschossen. Keine schlechte Quote.

Pia Sundhage hat in Schweden den notwenigen Generationswechsel nicht einmal begonnen. Die zentrale Linie mit Hedvig Lindahl (34), Nilla Fischer (33), Caroline Seger (32) und Lotta Schelin (33) ist in die Jahre gekommen und macht dennoch das Führungszentrum im schwedischen Fußball aus. An den Alten, zu denen sicher auch Lisa Dahlkvist (30) und Linda Sembrant (30) gehören, muss man vorbeikommen, wenn man einen dauerhaften Platz im Kader erreichen will.

Pausenclown Olivia Schough hat bis zum Ende der Gruppenphase spielen dürfen, obwohl sie sportlich nun wirklich nicht ins Team gehört. Nicht nur ihre missglückten Ecken gegen Deutschland sondern auch ihre fehlende Technik bei der Ballannahme und ihre zahlreichen Fehlpässe  dokumentieren, dass die wohl vor allem mitgenommen wurde und zur Lieblingsspielerin Pia Sundhages avancierte, weil sie durch ihre gute Laune und ihre wirklich sehr sympathische Art weite Teile des Teams bei Laune hielt.

Aber so kann man keine Mannschaft bauen, die um einen Titel spielen soll.

Erst im letzten Spiel gegen die Niederlande liess Sundhage das Stürmerduo Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius auflaufen, dass sich schon aus den Zeiten in Linköping kennt. Nun ist die eine in München und die andere in Montpellier (wo sie angeblich weg möchte), aber sie ergänzen sich nach wie vor gut. Gegen Holland musste „L8“ wie Schelin von ihren Fans geschrieben wird, dann zurück ins Mittelfeld und da gelang ihr nicht viel.

Überhaupt das Mittelfeld. Da war Kosovare Asllani noch die Beste, obwohl sie sich nachher wie ein kleines Kind über Schiedsrichterin Bibiane Steinhaus beschwerte, sogar noch am Tag nach dem Spiel. Steinhaus habe dem Druck des Publikums nicht standgehalten.

Wahr jedoch ist, dass der schwedischen Mannschaft durch ein jüngeres, technisch versierteres und schnelleres Team die Grenzen aufgezeigt wurden.

Schwedens neuer Coach Peter Gerhardsson hat keine leichte Aufgabe. Er muss das neue Schweden bauen, denn Sundhage hat wohlwissend, dass ihr Vertrag ausläuft wenig für die nähere Zukunft der schwedischen Nationalmannschaft getan. Gerhardsson muss aufräumen, muss Spielerinnen allmählich ersetzen. Bereits Ende Oktober wartet Dänemark in der WM-Qualifikation. Diese Gruppe wird man nicht so selbstverständlich gewinnen wie in all den Jahren zuvor Qualifikationen Spaziergänge waren.

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Theresa Nielsen hat in der 83. Minute das 2:1 für Dänemark geköpft und das Spiel gegen den haushohen Favoriten Deutschland gedreht

Deutschland. Soll Steffi Jones zurücktreten, gefeuert werden?

Ich habe auf Twitter Ariane Hingst geantwortet, dass es vielleicht gut sei, dass Deutschland verloren hat. Sie fragte zurück, wie das denn bitte schön gut sein könne und da sie nah dran ist und selber mal drin war im Team, verstehe ich das gut.

Aber ich bleibe dabei, dass es gut war. Gut für den Frauenfußball international, wo alle anderen Nationen aufatmen und sich freuen, dass endlich mal jemand anderes gewinnen wird. Gut aber auch für Deutschland.

Silvia Neid hat großartige Erfolge eingefahren und ihre Fußstapfen sind groß, der Erwartungsdruck war enorm.

Dabei hat Neid nach 2009 eigentlich schon einer Mannschaft vorgestanden, die sich spielerisch nicht mehr weiterentwickelte. 2009 besiegte man England in einem fulminanten EM-Finale mit 6:2. Irgendwann ging Kelly Smith, Eni Aluko und all den anderen die Puste aus und Inka Grings und Birgit Prinz powerten einfach weiter. Die Zeiten änderten sich.

2011 gab es eine eher klägliche WM nach extremen Erwartungen. Der dritte WM-Titel war selbstverständlich, sowieso im eigenen Land. Dritte Plätze waren nur etwas für Männer. Und man wollte 2011 von seiner schönsten Seite zeigen. Alles furchtbare Aussagen, die den  Verantwortlichen im Halse steckenblieben, als Karina Maruyama in der 108. Minute den Ball an Nadine Angerer vorbeispitzelte. Aus und vorbei das zweite Sommermärchen. Silvia Neid hatte grosse Fehler gemacht und ihr Team verunsichert, nicht zuletzt als sie ihrer Kapitänin Birgit Prinz das Vertrauen entzog und sie auf die Bank setzte.

2013 war dann alles wieder gut. War es? In Schweden holte sich Deutschland den sechsten EM-Titel in Folge. Am Ende zählen in der Geschichte nur die Titel und niemand fragt, wie sie zustande gekommen sind. Irgendwann sind dann auch die Zeitzeugen nicht mehr da oder erinnern sich nur noch dunkel und dann steht da eine Goldmedaille in der Liste.

Deutschland spielte Unentschieden (0:0) gegen die Niederland, schlug Island mit 3:0 und verlor gegen Norwegen mit 0:1. In allen drei darauffolgenden Spielen gab es 1:0-Siege nach eher mäßigem Spiel, im Finale waren die Norwegerinnen nicht in der Lage auch nur einen von zwei Elfmetern zu verwandeln. Trine Rønning und Solveig Gulbrandsen scheiterten nicht nur an Nadine Angerer, sie machten es der Keeperin mit sehr schlecht geschossenen Strafstößen auch leicht. Aber beim Fußball gibt es keine B-Note. Nur das Ergebnis zählt. Ende gut, alles gut.

Weiter nach Kanada 2015. Endstation Halbfinale als die USA einfach zu stark war und zum ersten Mal Niederlage gegen eine englische Mannschaft, die auch deutlich besser war als Deutschland. Dennoch war selbst der vierte Platz wieder akzeptabel und es gab erneut keinen Grund für Änderungen.

In Rio dann setzte Silvia Neid den Schlusspunkt einer unglaublichgen Erfolgsserie als Trainerin. Der erste Olympiassieg und der Aufstieg in den Olymp. Gottlob gibt es die schon erwähnte B-Note nicht und du musst gegen die Teams gewinnen, gegen die du spielen musst. Und wenn dir jemand anders die USA, Frankreich und Brasilien aus dem Weg räumt, was willst du machen? Die Leistung der deutschen Mannschaft war nicht überragend, man rumpelte gegen Australien (2:2) gerade noch zu einem Unentschieden, verlor gegen Kanada. Da spielten die deutschen Männer (den Vergleich hat der DFB-Frauenfußball vorher ins Spiel gebracht „Dritte Plätze sind nur was für Männer“) beim 7:1 gegen Gastgeber Brasilien zwei Jahre vorher schon anders auf. Gold gegen Lieblingsgegner Schweden am Ende. Glänzend.

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Dänemarks Coach Niels Nielsen: „Wir sind erst in 3-4 Jahren da, wo wir spielerisch hinwollen.“

Und dann kam Steffi Jones. Und Steffi ist nicht Silv. Wo vorher einige Spielerinnen fehlende Nestwärme beklagten gab es jetzt eine soziale Revolution mit einer Trainerin, die noch nie eine Mannschaft veranwortlich trainiert hatte, die aber als Persönlichkeit herausragend im internationalen Frauenfußball war und ist.

Man musste nicht mehr sitzenbleiben bis die Letzte fertig gegessen hatte, man durfte jetzt auch zu einer Pressekonferenz mit offenen Haaren kommen. Und nach schlechten Spielen gab die Trainerin nicht mehr die Enttäuschung über die Leistung ihrer Mannschaft kund, sondern übernahm selber Verantwortung.

Vielleicht ist Steffi zu nett für den Trainerjob? Vielleicht hat sie ihr nicht junges Team überschätzt? Sie billigte den Spielerinnen sehr viel Eigenverantwortung zu, ging von erwachsenen, selbstbewussten Individuen aus. Aber in den vier Spielen in den Niederlanden ging wenig zusammen. Fünf Tore. Drei Elfmeter und zwei eklatante Torwartfehler. Ansonsten versiebten Anja Mittag, Mandy Islacker und Co.

Die vielen Wechsel sahen auf dem Papier demokratisch aus. Denn alle 20 Feldspielerinnen kamen zum Einsatz. Aber sie schafften Unsicherheit. Ein so kompliziertes Gebilde wie eine Abwehr darf man nicht ständigen Umstellungen aussetzen.

Und mir gefiel auch nicht Steffi Jones‘ Körpersprache an der Seitenlinie. Da war zu viel Mitleiden, zu viel Mitfreuen und ein bisschen zu wenig Distanz. Ich glaube, dass man am Spielfeldrand (wo ich ja noch nie gestanden habe, also wer bin ich schon, das zu sagen…) eine Rolle zu spielen hat. Stärke und Sicherheit dann ausstrahlen muss, wenn man sieht, dass die Mannschaft das nicht empfindet. Und man muss vermutlich auch zumindest einmal so tun, als ob man sauer ist, wenn etwas weniger gut läuft.

Der dänische Trainer Niels Nielsen sagte nach dem Spiel zu mir, dass man vor dem Spiel darüber gesprochen hatte, dass die Deutschen eventuell in Führung gegen. Die sind sehr gut nach vorne, also das kann passieren, sagte er seinem Team. Leider sei es schnell passiert, danach aber gar nicht gut gelaufen. Er hätte vom Team erwartet, dass dann seine Führungsspielerinnen das schlechte Spiel stoppen und umdrehen. Und genau das hätten Pernille Harder und Simone Boye gemacht, weshalb er sehr stolz auf sie sei.

Wo waren die deutschen Führungsspielerinnen nach dem 1:1? Nach dem 1:2? Als das Spiel kippte.

Ich bin unsagbar enttäuscht von Dzsenifer Marozsan. Jahrelang wurde mir eingeredet, dass sie die beste Spielerin der Welt sei, worauf ich immer entgegnete, dass sie zwar hochtalentiert sei, aber noch nie gezeigt hätte, dass sie die Beste ist. Am Ende nach einem tollen Olympiafinale und einer guten Saison in Lyon begann ich zu glauben, dass die EURO 2017 das Turnier Marozsans wird. Nichts da. Sie versteckte sich, sie tauchte unter, ansatzweise schlug sie ein paar gute Bälle, aber die EURO wird nicht als ihr Turnier in die Fußballgeschichte eingehen. Wieder einmal nicht.

Das Turnier bislang ist das Turnier von Jackie Groenen, Lieke Martens, Jodie Taylor und, ja – Sarah Puntigam. 

Steffi Jones hat jetzt die schwere Bürde zu tragen, aber man muss ihr die Chance geben. Wie gesagt, seit 2009 befand sich Deutschland in einer Abwärtsbewegung spielerisch gesehen, die durch fleißig erarbeitete, aber nicht zuletzt auch glückliche Erfolge nicht so öffentlich wahrgenommen wurde.

Jones muss umbauen, sie will das Klima verändern (was richtig war und ist), sie will die Spielweise verändern (was richtig war und ist) und sie will Titel gewinnen (wovon das Team weit entfernt ist). Aber bis 2019 ist Zeit.

Spieltechnisch werden mindestens drei Spielerinnen dringend gesucht: schnelle, moderne Innenverteidigerinnen und jemand, der in die Fußstapfen von Birgit Prinz, Inka Grings und Celia Sasic treten kann.

Und, ach ja, eine Führungspersönlichkeit auch auf dem Spielfeld. Jemand, der das Ruder herumreissen kann, wenn es mal nicht läuft. Da war in NL niemand in der Lage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viermal Banusic und Martens ist die neue Harder

 

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Lieke Martens überragend

Marija Banusic scheint endlich ihren Verein gefunden zu haben. Am zweiten Spieltag erzielte sie Saisontore 3 und 4 bei Aufsteiger Hammarby und führt die Torjägerinnenliste nun alleine an vor Rosengårds Amerikanerin Ella Masar McLeod mit drei Treffern.

 

Ob Banusics Torhunger reicht, sie ins nächste und letzte Aufgebot vor der WM zu schießen? Wohl kaum. Pia Sundhage hat ihren Kader im Kopf, auch wenn da Sofia Jakobsson und derzeit auch Fridolina Rolfö nicht nominierbar sind. Aber Sundhage zeichnet sich vor allem auch durch Treue ihren Favoritinnen gegenüber aus. Dazu zählt auf alle Fälle Eskilstunas Stürmerin Olivia Schough, die bislang in 136 Spielen in der ersten schwedischen Liga auf 17 Tore kommt, ein Schnitt von 0,125 Toren pro Spiel oder anders herum: in jedem achten Spiel erzielte sie ein Tor. Die 21-Jährige Banusic kommt bislang auf gleichfalls 17 Torem benötigte dafür allerdings nur 51 Spiele, ein Schnitt von 0,3 Toren pro Spiel und in jedem dritten Spiel ein Tor. Vermutlich wird sich dieses Verhältnis statistisch sehr zugunsten Banusics verändern, aber ebenso vermutlich werden wir auf Sundhages Nachfolger Peter Gerhardsson (57) warten müssen, bevor wir einen anderen Kader erleben werden.

Banusic imponiert also.

Das tut auch Lieke Martens. die 24-Jährige Niederländerin, mit der ich nach dem Spiel gegen Djurgården (3:1) vor Wochenfrist sprach, ist von Trainer Jack Majgaard Jensen in dieser Saison in die 10er-Rolle gepackt worden und dort blüht sie auf und lieferte zwei Klassespiele ab. In Malmö soll im Sommer auch Caroline Seger wieder spielen, wenn man einem Interview mit der 32-Jährigen Nationalspielerin glauben darf. Seger will nach Hause und Rosengårds Sportchefin ist nebenbei auch Segers allerbeste Freundin, was soll dem Wechsel also entgegenstehen? Immerhin wird sie dort auch wieder sicher von Beginn an spielen dürfen und wahrscheinlich Rosengårds 18-Jähriges Talent Ebba Wieder, die bisher starten durfte, auf die Bank verdrängen. Mit Lotta Schelin, Anja Mittag und Caroline Seger hätte Rosengård dann schon drei Heimkehrerinnen, die perspektivisch in ihrem europäischen Topvereinen eher auf der Bank landeten bzw. gelandet wären.

Marta hat Schweden verlassen und wurde in den USA aufgenommen wie ein Hollywood-Star. Und in Orlando hätte die 31-Jährige auch beinahe einen Top-Einstand gehabt, als sie beim Stand von 1:1 einen Ball ganz knapp neben den rechten Pfosten setzte. Orlando Pride kann sich freuen.

Das bislang (aus Publikumsperspektive) sehenswerteste Spiel war etwas überraschend Kvarnsveden – Göteborg. Es endete nach zweimaliger Führung der Gäste (2:0 und 3:1) 3:3, nachdem Kvarnsveden einen furiosen Schlussspurt hingelegt hatte. Und merkt euch bitte den Namen Tabitha Chawinga. Die 20-Jährige aus Malawi, die bereits seit 2014 in Schweden ist, halte ich für die beste Stürmerin der Damallsvenskan: Sie hat Schnelligkeit, Physis und Technik und einen nahezu unbändigen Drang zum Tor. Ihre Spielweise wird von anderen Spielerinnen (wir nennen keine Namen) als „männlich“ bezeichnet. Nicht auszudenken, wie viele Tore Chawinga in einem Topverein in Schweden oder Europa erzielen könnte. Sie könnte vemutlich auch ein Vielfaches verdienen. Wenn Chawinga am Dienstagabend in Kvarnsveden an den Ball kam spürte man förmlich die Angst der Göteborger Abwehr und ein ums andere Mal zog sie unwiderstehlich vorbei. Ich freue mich schon auf den 06.05., wenn ich die Malawierin zum zweiten Mal live (hoffentlich ohne strömenden Regen wie vergangenes Jahr in Kvarnsveden) erleben werde.

Die Ergebnisse:

Djurgården – FC Rosengård 1-3
Hammarby – Linköping 1-3
Örebro – Kristianstad 1-0
LB 07 – Piteå 1-1
Vittsjö – Eskilstuna 1-1
Kvarnsveden – Göteborg 3-3

Ich mache jetzt mehr und mehr Interviews als Video. Zwei nach den letzten beiden Spielen. Wer Schwedisch kann, kann hier mein kurzes Gespräch mit Lieke Martens sehen:

und hier mein Gespräch mit Linköpings Mannschaftskapitänin Janni Arnth (weil Magdalena Eriksson verletzt war) nach dem Spiel bei Hammarby.

Viermal 1:0

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Fiona Brown (rechts) ist ein vielversprechender Neuzugang

Die Damallsvenskan 2017 hat ihren ersten Spieltag absolviert. Und die beiden Favoriten FC Rosengård und Linköpings FC waren die einzigen Teams, die nicht mit 1:0 gewannen, vielleicht ein kleines Zeichen?

Rosengård fegte erwartungsgemäss mit 7:2 weg, fing sich dabei aber zwei Gegentore ein und Kvarnsveden hatte auch noch mehr Chancen. Anja Mittag traf gleich in ihrem schwedischen Comeback. Zweimal traf das Trio Lieke Martens, Ella Masar McLeod und Sanne Troelsgaard. 

Linköping mit (fast) völlig neuer Offensive siegte solide 3:0 gegen Aufsteiger Limhamn Bunkeflo aus Malmö. Marija Banusic zeigte, dass sie in dieser Saison möglicherweise den grossen Durchbruch schaffen könnte, den ich ihr seit Jahren prophezeie. Zwei Tore, ein Pfostenschuss und eine Glanzparade der Torfrau nach einem Kopfball von ihr. Den dritten Treffer markierte Kristine Minde. 

Und dann also viermal 1:0. Überraschend dabei der Sieg Djurgårdens in der „Festung“ von Piteå IF durch einen Sonntagsschuss von Hanna Lundquist. Überraschend auch ein wenig, dass Vittsjö 1:0 in Kristianstad gewann, Linda Sällström schoss das Tor schon nach fünf Minuten. Für die sympathische Finnin eine Genugtuung nach dem Albtraum des 0:4 mit Luft nach oben (für Gegner Dänemark) in der vergangenen Woche.

Göteborgs 1:0 gegen Örebro war hochverdient, Pauline Hammarlund machte das Tor gegen die Mannschaft, in der nur Schwedinnen spielen.

Nur Schwedinnen hat auch Aufsteiger #2 Hammarby. Das nutzte auch ihnen nichts, denn die in der Damallsvenskan debütierende Schottin Fiona Brown schoss heute Nachmittag das Siegestor für Gastgeber Eskilstuna, ein schlimmer Torwartschnitzer von Emma Holmgren, die Browns Schuss durch die Arme gleiten liess.

Ansonsten Chaos, da der Übertragungsdienst von damallsvenskan.tv (alle Spiele live) nicht funktionierte. Weder am Sonntag noch am Montag. Die Server waren überlastet, die Spiele liefen am Ende auf Facebook und auch der zweite Spieltag wird nun gratis zu sehen sein. Am Mittwoch schon geht es weiter, dann kommt Rosengård nach Stockholm, denn der Termin wurde unter der Prämisse gemacht, dass die Schwedinnen eventuell das UWCL-Halbfinale hätten erreichen können. Dann wäre am Samstag ein Spiel, aber das bestreitet nun der FC Barcelona gegen PSG während Manchester City auf Lyon treffen wird.

Marta (mit Hut) verabschiedete sich gestern vom Publikum in Malmö. Die Schwedin wird aber sicher irgendwann wieder zurückkehren.

Wieder alle Spiele live im Internet

dtvAuch in diesem Jahr werden wieder alle 132 Spiele der Damallsvenskan live im Internet gezeigt. Wieder hat kein TV-Kanal die kompletten Rechte erworben, weshalb sich der Interessenverein der zwölf Erstliga- und sechzehn Zweitligaclubs dazu entschlossen hat, zum zweiten Mal selber mit einem Medienpartner die Übertragungen durchzuführen.

Man verspricht uns neue Funktionen, u.a. leichtere Einbettung von Ausschnitten in soziale Medien und das auch noch zu einem günstigeren Preis als letztes Jahr. Das Paket kostet im Monat 99 SEK (= 10,33 €) und die Sendungen sind NICHT geoblocked, können als auch in Deutschland gesehen werden.

Mehr auf: www.damallsvenskan.tv 

Damallsvenskan – die große Vorschau

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In Pernille Harder hat die Damallsvenskan einen seiner größten Stars verloren

Am Sonntag geht es los! Frohe Ostern! Die Damallsvenskan startet in ihre Saison 2017. Ich gebe euch hier die wichtigsten Infos und wage mich wie immer an eine Prognose.

Die schwedische Liga verliert an Attraktivität

Nach vielen Jahren, in denen die Damallsvenskan zu den besten Ligen der Welt gehört hat, muss man konstatieren, dass für internationake Topspielerinnen nun endgültig andere Ligen interessanter sind. Der Trend geht zu England, Frankreich ist derzeit vorn, Deutschland verliert (nicht zufällig sind keine deutschen Clubs mehr in der UWCL vertreten und haben das deutsch-französische Duell mit 0-2 verloren) und Schweden rutscht noch ein wenig weiter ab, da es mit den finanzstarken VfL Wolfsburg und Bayern München auch nicht mithalten kann. In Spanien bildet man eigene Spielerinnen aus nach den bewährten Männermodellen (siehe FC Barcelona). Für mich gehören die Spanierinnen in der EURO 2017 zu den Medaillenanwärtern.

Am deutlichsten zeigt sich das daran, dass mit Pernille Harder (Wolfsburg), Marta (Orlando Pride), Stina Blackstenius (Montpellier HSC) und Fridolina Rolfö (Bayern München) vier der schillerndsten Stars die Liga verlassen habe. Meistens hängen Geld und Erfolg auch im Frauenfußball zusammen, ist es einmal nicht unbedingt so, spielt einmal eine Mannschaft ein junges Team ein und zum Meistertitel wie letztes Jahr in Schweden, dann antworten die finanzstarken Clubs damit, dass sie die besten Spielerinnen wegkaufen.

Rosengård ist nach dem Jahr von Linköping nun wieder klarer Favorit auf den Meistertitel. Denn der LFC musste seine Offensive (mit Ausnahme der starken Notwegerin Kristine Minde) komplett neu aufbauen und selbst wenn man mit den Verpflichtungen von Marija Banusic und Lina Hurtig zwei der größten Talente des schwedischen Fußballs aus Eskilstuna bzw. Umeå geholt hat, so kann man nicht von den Beiden verlangen, dass sie ab Sonntag in die Fußstapfen von Harder treten, die für mich zu den weltbesten Spielerinnen zählt.

Rosengård kommt in die Jahre, aber die Routine reicht (noch) für den Titel

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Die 33-Jährige Lotta Schelin soll in dieser Saison die Tore machen

In Rosengård gibt es mehr Routine als sonstwo in Schweden. Das Team ist im Kern seit Jahren zusammen, es altert allerdings auch bedenklich. Die neue Sportchefin Therese Sjögran und Mr. Rosengård Erling Nilsson gelingt es zwar immer schnell, entstandene oder entstehende Löcher zu stopfen, allerdings findet man auf dem heutigen Markt eben nicht mehr junge „Rohdiamanten“ wie Sara Björk Gunnarsdottir oder Manon Melis. Und so kommen Lotta Schelin (33), Anja Mittag (32 in vier Wochen), Anita Asante (32 in zwei Wochen), Ella Masar McLeod (31), Erin McLeod (34), Lina Nilsson (30 am 17.06.), Ali Riley (30 am 30.10.) langsam, aber auch unaufhaltsam in die Jahre. Auf der „jungen“ Seite stehen da lediglich Zecira Musovic (21 am 26.05.), Amanda Ilestedt (24) und Lieke Martens (25 am 16.12.) gegenüber. Die 18-Jährige Ebba Wieder ist die einzige der jungen Schwedinnen im Kader, die regelmässig zu Einsatzminuten kommt, wir dürfen sehen, ob das auch in der Saison so sein wird. Nein, Rosengård braucht unbedingt einen Generationswechsel, einen fließenden, gesunden Übergang zur nächsten Generation. das heißt nicht, dass man viele der Leistungsträgerinnen ausmustern muss, das geht auch gar nicht. aber hier ist sukzessive, konsequente Kaderplanung vonnöten, die ich in Malmö nicht sehe.

Linköping ist hier weiterhin vorn, obwohl man viele Leistungsträgerinnen abgeben musste, für die guten Leistungen sozusagen „bestraft“ wurde. Aber die Abwehr besteht weiterhin aus drei schwedischen Nationalspielerinnen (Jonna Andersson, Jessica Samuelsson und Kapitänin Magdalena Eriksson), hinzu kommen gar zwei dänische Auswahlspielerinnen mit Janni Arnth und Maja Kildemoe. Das Alter der Leistungsträger ist wesentlich niedriger, die Perspektive über 2017 hinaus damit besser.

Klug arbeitet auch die Mannschaft mit dem besten Publikumsschnitt, Eskilstuna United. Nachdem vergangene Saison Gaelle Engamanouit ging (die Kamerunerin war 2015 Torschützenkönigin der Liga, verletzte sich schwer am Knie in einem ihrer ersten Spiele für Rosengård und ging, noch nicht 100% wieder fit zu Beginn des Jahres nach China), verlor man den Anschluss an die beiden Topteams, da Olivia Schough nun mal sehr wenig Tore schiesst und Marija Banusic nicht zurechtkam. Aber man hatte bereits die ausgezeichnete Mimmi Larsson, die aus welchen Gründen auch immer bei Pia Sundhage bestenfalls zweite Wahl ist. In diesem Jahr bekommen Schough und Larsson Hilfe von der ausgezeichneten schottischen Aussenspielerin Fiona Brown. Und nach einem Jahr Pause hat Mittelfeldschwerstarbeiterin Petra Larsson den Nachnamen gewechselt zu Johansson und wird ebenfalls für Akzente sorgen. Am Ostermontag bin ich in Eskilstuna beim ersten Heimspiel gegen Aufsteiger Hammarby.

Die Aufsteiger enttäuschten mit nur wenigen Neuverpflichtungen. Durch die Einführung der eingleisigen zweiten Liga ist zwar der sportliche Abstand zwischen Unter- und Oberhaus geringer geworden, aber man braucht dennoch weiterhin einige Spielerinnen mit Erfahrung. Kvarnsveden hatte das sicher 2016 auch nicht, aber wir alle haben die Klasse der Malawierin Tabitha Chawinga unterschätzt, die mit ihren Toren den Verein in der Liga hielt. Aber weder Hammarby noch Limhamn Bunkeflo haben ein Ausnahmetalent wie Chawinga in ihren Reihen. Es wird interessant sein, zu sehen, wo Tabitha Chawinga landet nach diesem Jahr: Rosengård, Linköping oder gar Lyon, PSG, Wolfsburg? So viel rohe Kraft und Schnelligkeit hat man selten im Frauenfußball gesehen. „Die spielt wie ein Kerl,“ sagten mir vergangenes Jahr mehrere Spielerinnen in einer Mischung aus Neid und Respekt.

2017 – Der Tipp

Wie geht die Saison 2017 also aus? Hier kommt die Abschlusstabelle, wie ich sie voraussage:

  1. FC Rosengård
  2. Linköpings FC
  3. Eskilstuna United
  4. Piteå IF
  5. Kopparbergs/Göteborg FC
  6. Djurgården
  7. KIF Örebro
  8. Kristianstads DFF
  9. Vittsjö GIK
  10. Kvarnsvedens IK
  11. Limhamn Bunkeflo
  12. Hammarby

Interessant noch, dass mit KIF Örebro und Hammarby zwei Teams am Start sind, die völlig ohne Ausländerinnen spielen. Bei einer schnellen Recherche stellte ich neulich auch fest, dass es in Schweden „nur“ noch 53 ausländische Spielerinnen gibt, die meisten in Vittsjö (9).

In Deutschland sind deutlich über 80 Ausländerinnen dabei, wobei der VfL Wolfsburg, Bayern München und der SC Sand mit jeweils 13 Ausländerinnen im Kader beinahe die Hälfte stellen.

 

 

Anja Mittag zurück nach Schweden

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Anja Mittag in ihrem vielleicht letzten Bundesligaspiel gegen den MSV Duisburg am vergangenen Sonntag (Foto: Mirko Kappes)

Die Malmöer Zeitung Sydsvenska Dagbladet meldet heute am frühen Nachmittag, dass Anja Mittag am letzten Tag des schwedischen Transferfensters den VfL Wolfsburg verlässt und zurück nach Schweden zum FC Rosengård wechselt.

 

Anja Mittag hatte in den letzten Wochen oft auf der Bank bei Ralf Kellermann gesessen. Gleichzeitig gibt es ernstzunehmende Gerüchte, dass Marta den FC Rosengård verlassen will, um beim NWSL-Club Orlando Pride noch einmal gutes Geld zu verdienen. Die 31-Jährige Brasilianerin hatte erst vor kurzem auch die schwedische Staatsbürgerschaft bekommen. Sydsvenskan hatte am Donnerstag bereits berichtet, dass Marta möglicherweise schon vor dem ersten Spiel am 16.04. gegen Kvarnsveden weg sein könnte.

Der Vertrag mit Anja Mittag erstreckt sich allerdings nur bis zum 30.06.2017, also exakt drei Monate ab morgen. Am 29.06. spielt Rosengård am elften Spieltag auswärts bei Piteå IF. Danach geht es in die Sommerpause und Mitte Juli beginnt die EM in den Niederlanden, deren Finale am 06.08.2017 in Enschede stattfindet. An der EM würde sie bereits als vereinslose Spielerin teilnehmen, die aber immerhin mit recht viel Einsatzminuten nach Holland reisen könnte.

 

 

Farewell, Kelly Smith!

 

32615504050_7233d4783c_zEs gibt wohl keinen Zweifel daran, dass Kelly Smith die bislang beste und wichtigste Fußballspielerin Englands war. Die 38-Jährige hat zwar keine WM, EM oder Olympia gewonnen, aber sie hat zahlreiche englische Meisterschaften mit den Arsenal Ladies gewonnen und immerhin einmal den Women’s Cup.

Im Anschluss an eine Dienstreise in der vorvergangenen Woche hing ich daher noch den Sonntag dran und begab mich mit mehrmaligem Umsteigen verbunden, nach Elstree & Borehamwood, rund 45 Minuten von den zentralen Teilen Londons entfernt, um Kelly Smith’s Abschiedsspiel im Meadows Park zu erleben.

Anfang Februar hatte Smith via Twitter mitgeteilt, dass sie nicht spielen werde am 19.02., dass sie aber ihre AllStar-11 coachen würde. Kelly Smith ist im dritten Monat schwanger. Sie kam dann aber doch und griff akriv ins Geschehen ein…

32842187702_bb95449dd3_zBesonders erfreulich aus meiner Sicht: eiun fantastisches Publikum, bestehend aus fast 2400 Fans, die Kelly einen würdigen Abschied bereiteten. Da war unglaublich viel Wärme und Zuneigung und großer Respekt unter den Fans zu spüren.

Die Arsenal Ladies spielen wie alle FA WSL Teams im Frühjahr 2017 „nur“ den Pokalwettbewerb und bereiten sich ansonsten auf die Umstellung der Saison auf Herbst/Sommer hin, die mit der Saison 2017/18 beginnen wird.

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Heather O’Reilly (links), eine von mehreren US-Stars in der FA WSL 2017

Und Arsenal begann feurig und erstmals mit ihrem Neuzugang Heather O’Reilly, frisch aus den USA importiert. Besonders O’Reilly, aber auch Kapitänin Alex Scott und Neuzugang Kim Little waren immer wieder in Aktion. In Kelly Smith’s Team stand immerhin Englands Nationalmannschaftskapitänin Stephanie Houghton, aber auch Smiths ehemalige Trainerin Hope Powell, , die mit iohren 50 Jahren natürlich nicht mehr ganz Schritt halten kann. Abef darauf kam es an diesem Tag auch nicht an.

 

Arsenal führte in der zweiten Halbzeit mit 2:1, bis sich dann Alex Scott eine Variante einfallen ließ, um Kelly Smith doch noch mal auf das Spielfeld zu locken. Sie sprang einfach im eigenen Strafraum einer Gegnerin vorsichtig, aber deutlich sichtbar in den Rücken und ging zusammen mit ihr zu Boden.

Klarer geht es nicht: Elfmeter!

32616518360_8c18500c68_zDie 2400 im Meadows Park schrien nun: „Kelly! Kelly! Kelly!“ und der Schiedsrichter drückte natürlich beide Augen zu und ließ die Trainerin auf den Platz kommen. Durch ein Spalier, das beide Mannschaften für sie bildeeten, schritt sie zum Punkt und verwandelte zum umjubelten Ausgleich. Später erzählte sie, dass sie sehr nervös gewesen sei, aber Schiedsrichter Howard Webb habe ihr gesagt, falls er nicht reinginge, würde er den Elfmeter wiederholen lassen.

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Kim Little kaum zu stoppen

Am Ende gewann Arsenal dann doch 4:2 und Kelly Smith hielt mit belegter Stimme eine bewegende Ansprache zuerst an die beiden Teams und dann ans Publikum in Boreham Wood. Als ich schon längst wieder im Zug nach London saß, schrieb Kelly Smith immer noch Autogramme und ließe sich mit den Fans fotografieren. Später hörte ich, dass Smith selber überrascht und überwältigt war von der Anteilnahme des Publikums.

 

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Ein großer Nachmittag für eine Große des Frauenfußballs.

Nach dem Spiel hatte ich Gelegenheit mit einer Spielerin aus Kelly SMiths Team zu sprechen, die aber aus Vorsichtsgründen nicht spielen durfte. Anita Asanre vom FC Rosengård hat mit Kelly Smith lange bei Arsenal gespielt und ebenfalls viele Jahre in der englischen Nationalmannschaft. Das Gespräch (auf Englisch) liegt auf YouTube:

 

 

ffschweden im Gespräch mit: Lisa Dahlkvist

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Lisa Dahlkvist beim Empfang der schwedischen Nationalmannschaft im Kungsträdgården (Stockholm), unmittelbar nach der Rückkehr aus Brasilien

Lisa Dahlkvist hat im Sommer 2016 nichts weniger als schwedische Sportgeschichte geschrieben. Kurz nach 16 Uhr lokaler Zeit in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia schoss sie den alles entscheidenden Elfmeter für Schwedens Einzug ins Halbfinale.

 

Die Schwedinnen räumten damit den größten Brocken aus dem Weg, den Deutschland auf dem Weg zur Goldmedaille zu fürchten hatte. Hope Solo spielte die zweite Hauptrolle in einem kurzen, beeindruckenden Krimi. Wir kommen darauf zurück.

Mitte letzter Woche kamen die Schwedinnen aus La Manga zurück, wo sie zwei Testspiele gegen Norwegen (1:2) und England (0:0) bestritten haben. Mein Gespräch mit Lisa Dahlkvist, das ich am vergangenen Samstagmorgen führte, begann dort.

Wie hast du die beiden Spiele in Spanien empfunden?

„Wir hatten richtig gute Gegner, sowohl Norwegen wie auch England, das sind fysisch starke Mannschaften. Es war echt schön einen solchen Start des neuen Jahres zu bekommen und der neuen Saison. Im Norwegenspiel sind wir anfangs nicht so richtig dabei, wir schwedische Spielerinnen, die in Schweden spielen und jetzt gerade angefangen haben, für die neue Saison zu trainieren. Aber wir spielen eine bessere zweite Halbzeit und dann ein sehr gutes Spiel gegen England. Ich denke, wir hatten eine gute Entwicklung während der Tage, die wir dort waren.“

Gegen England hattet ihr auch die besseren Torchancen.

„Ja, genau, wir hatten ein gutes Offensivspiel und auch gute Kombinationen. Es war schon sehr schön, dass wir richtig klare Chancen hatten.“

In beiden Spielen habt ihr ein 4-4-2 gespielt und es scheint, als ob die Nationalmannschaft damit schon wieder das System gewechselt hat?

„Ja, wir haben etwas geänder, es war ein 4-4-2 in der Defensive und mehr ein 4-3-3 im Offensivspiel.“

Ist es nicht besser, an dem System festzuhalten, das am besten funktioniert?

„Ich finde, es macht Spaß. Man muss mit dem Kopf dabei sein und umdenken, um neue Wege zu finden, von diesem System her gesehen. Man ist konzentierter, genauer in den Abständen und wo man auf dem Feld sein soll und so weiter. Ich finde das gut.“

Nun ja, ihr habt so viel Routine in der Nationalmannschaft mit einigen Spielerinnen, die 100 und mehr Länderspiele haben, so dass ihr Umstellungen iohne größere Probleme machen könnt.

„Genau so ist es. Denk mal, wie wir bei Oympia gespielt haben, wo wir zurückgegangen sind und sehr tief in der Defensive standen, das ist doch einfach unheimlich gut. Es wist wichtig, dass man sich anpassen kann und auch Spiele gewinnen kann auf diese Weise, in dem man das System wechselt.”

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Lisa Dahlkvist bei einem Lehrgang der schwedischen Nationalmannschaft (Foto: Anders Henrikson)

Apropos Olympia. Deine Elfmeter und besonders der gegen die USA ist meiner Meinung nach ein Teil schwedischer Sportgeschichte geworden. Und alle fragen sich bis heute, wie du das gemacht hast, ruhig zu bleiben, die Konzentration zu behalten wenn du einen entscheidenden Elfer gegen die vielleicht beste Torhüterin der Welt schießen musst, die dann auch noch vor deinem Schuss die Handschuhe wechselt?

 

„Ich habe wohl einen Weg gefunden, der mich wie in einer Blase agieren lässt. Es geht darum, nur positive Gedanken zu haben und negative Gedanken einfach abzulehnen. Man ist sehr konzentriert auf sich selbst und die Gedanken. Darum geht es. Es geht nur darum, den Ball ins Tor zu schießen, es geht darum, die Gedanken am richtigen Platz zu haben. Ich denke daran, dass ich schon viele Elfmeter geschossen habe, ich kann das, ich weiß es, ich finde es schön, dass es toll ist, dass ich diese Chance bekomme, ich denke an alles Positive, dass ich finden kann.“

Aber Hope Solo trickste, sie versuchte Dahlkvist in ihrer Konentration zu stören und auch wenn man nicht so cool ist wie Lisa, dann muss man wohl den Ball reinschießen wollen, um weiterzukommen. Wie hat sie die Sekunden überstanden, die Solo einfach herausschindete?

„Naja, es geht wirklich nur darum, die positiven Gedanken zu behalten. Ich denke zum Beispiel, wie komisch, dass sie die Handschuhe jetzt wechselt, sie muss sehr nervös sein und sie macht alles, um zu gewinnen und ich finde es nur lustig, dass sie dieses Spiel spielen will, wirklich alles versucht. Ich denke nicht daran, dass es irgendeine Möglichkeit gibt, diesen Elfmeter zu verschießen, sondern daran, dass ich ihn reinmache.“

Wie viel bedeutet die Silbermedaille für dich, du hast ja zB auch Bronze bei der WM in Deutschland gewonnen, Champions League FInale gespielt?

„Es ist wohl klar, dass das viel bedeutet. Es ist eine Medaille in einer internationalen Meisterschaft. Aber ich denke, dass eine olympische Medaille besonders ist, weil man sie gewinnt, wenn die ganze Sportwelt dabei ist. Das ist eine andere Art von Medaille, alle sind dabei, schauen zu, halten zu dir, nicht nur die, die an Fußball interessiert sind. Bei der WM gibt’s ja eben nur Fußball.“

Du hast ein Jahr bei PSG gespielt und sowohl vorher wie nachher hast du für KIF Örebro gespielt.

„Ja, es war schon toll, die Chance zu bekommen, nach Paris zu gehen. Es war toll, mit so guten Spielerinnen zu trainieren und zu spielen und ich habe mich da enorm entwickelt. Dann gab es einen Wandel in Paris, sie bekamen einen neuen Trainer und da waren einige Spielerinnen, die weggingen und da wollte auch ich nicht mehr in Paris bleiben. Und vor den Olympischen Spielen, dachte ich, dass ich in einer Umgebung sein will, in der ich mich wohl fühle, in der ich die Batterien laden kann, mich geborgen fühle und da habe ich mich entschieden, nach Örebro zu gehen. Das war eine gute Entscheidung. Vor dieser neuen Saison haben wir eine Reihe voin Veränderungen gemacht, Umorganisation im Verein und neue Spielerinnen geholt, haben ein neues Spielkonzept und auch für den Verein und ich finde das spannend, weil ich insgesamt ein paar Jahre in Örebro gespielt habe und ich ein Herz für die Stadt habe. Es ist inspirierend, in Örebro zu bleiben.“

 

 

Ich habe daran gedacht, dass du dieses Jahr nicht Champions League spielen will, einen Wettbewerb, den du mit Umeå gewonnen hast und in dem du mit Tyresö im Finale warst.

„Das ist etwas schade, das sind ja sehr gute Spiele. Aber das kommt vielleicht wieder, dass ich Champions League spiele. Ich habe einen Einjahresvertrag mit KIF Örebro und ich werde nicht weniger trainieren und meine Karriere so lange fortsetzen, wie ich kann und so lange wie mein Körper es aushält. Es gibt also nach wie vor eine Zukunft für die Champions League.“

Wenn man sich die Truppe von KIF anschaut in diesem Jahr, dann fällt auf, dass ihr nur noch schwedische Spielerinnen mehr habt, keine einzige Ausländerin. Ist das eine bewusste Wahl?

„Ehrlich gesagt weiß ich das nicht, aber sie haben nun mal viele junge Spielerinnen geholt, die einen guten Charakter haben und dann ist es vielleicht so gekommen, dass es nur Schwedinnen sind, dieses Jahr, zufällig. Wir hatten ja vergangenes Jahr recht viele ausländische Spielerinnen.”J

Wenn man die Truppe anschaut, versteht man dann aufgrund der Altersstruktur auch, dass Lisa Dahlkvist eine Führungsrolle haben wird.

”Das ergibt sich eben, wenn man schon lange dabei ist und viele Spiele absolviert hat. Im Kader gibt es viele junge Spielerinnen, insofern ist es ganz natürlich, dass ich diese Rolle habe und versuchen werde, das Team in die richtige Richtung zu lenken.“

Wo wird KIF Örebro 2017 landen, mir scheint, die Damallsvenskan wird wieder ein großes Mittelfeld haben, in dem zwischen dem vierten und neunten Platz alles möglich ist.

„Wir haben ein Ziel, nämlich in den Top 4 zu landen und wollen so weit wie möglich nach oben kommen. Wir werden sehen, ob das geht und ob wir die Mannschaft, die viele neue Spielerinnen hat, entsprechend einspielen können.“