Rosengård 7 7 0 0 29: 4 21

Mallbackens IF Sunne – Kopparberg/Göteborgs FC (0:1) 0:1
Tor: 0:1 Rebecca Blomqvist (7.)

KIF Örebro – Eskilstuna United (0:1) 1:2
Tore: 0:1 Gaelle Engamanouit (12.), 1:1 Lisa Dahlkvist (52.), 1:2 Vaila Barsley (63.)

Linköpings FC – Vittsjö GIK (0:0) 2:0
Tore: 1:0 Stina Blackstenius (65.), 2:0 Pernille Harder (90.)

Piteå IF – Umeå IK (1:0) 1:1
Tore: 1:0 Pauline Hammarlund (19.), 1:1 Eigentor (62.)

AIK – Hammarby (1:1) 1:1
Tore: 1:0 Sarah Storck (22.), 1:1 Emma Jansson (33.)

FC Rosengård – Kristianstads DFF (3:0) 7:0
Tore: 1:0 Eigentor (5.), 2:0 Anita Asante (31.), 3:0 Kirsten van de Ven (41.), 4:0 Ramona Bachmann (58.), 5:0 Therese Sjögran (62.), 6:0 Anja Mittag (88.), 7:0 Kirsten van de Ven (90.)

Linköping auf 2

Linköpings FC – KIF Örebro (1:1) 2:1
Tore: 1:0 Kristine Minde (10.), 1:1 Sanna Talonen (21.), 2:1 Magdalena Ericsson (75.)
Es war statistisch gesehen ein ausgeglichenes Spiel, aber Linköping hatte wesentlich mehr Ball und schlug Vizemeister Örebro verdient mit 2:1. Damit steht die Mannschaft von Trainer Martin Sjögren auf dem zweiten Platz, deutlich hinter Rosengård, aber dort wird Linköping bleiben. Die von Pia Sundhage zugunsten der großen alten Dame Sara Thunebro daheim gelassene Magdalena Ericsson entschied das Spiel und die wegen Verletzungen ebenfalls verschmähte Fridolina Rolfö zeigte in der letzten Phase, dass sie auf dem Weg zurück ist. In einem Interview mit der Lokalzeitung Corren sagte Martin Sjögren übrigens dieser Tage, dass er es für einen Fehler halte, Magda Ericsson nicht zur WM mitzunehmen. Die Kommunikation zwischen Pia Sundhage und der Liga sei verbesserungsfähig, so Sjögren weiter und sagte, das gelte für Sundhage, aber auch für die Trainer der Liga.
Unterdessen hat heute Natasa Andonova einen 2-Jahresvertrag in Malmö unterschrieben. Etwas Aufregung brachte ihre Äußerung, dass es in Potsdam kalt sei, während sie gehört habe, dass es in Malmö viel familiärer zugehe. Ich vermute, dass es hier Übersetzungsprobleme bei Sydsvenskan gab.

Die Tabelle nach dem 6. Spieltag:

6

In der Torschützinnenliste sind vier (!!) Spielerinnen von Rosengård vorne: Ramona Bachmann mit sechs Treffern vor Marta und Anja Mittag mit je 5, dann kommt Sara Björk Gunnarsdottir mit vier Toren und immerhin muss sie sich den Platz mit der bislang erfolgreichsten Schwedin Pauline Hammarlund (Piteå) teilen.

Nataša Andonova freut sich auf Marta

Die 21-Jährige mazedonische Nationalspielerin Nataša Andonova ist in Malmö in diesen Tagen und wird wohl bereits heute einen Vertrag unterschreiben. Gestern absolvierte sie einen Mentaltest, den alle neuen Spielerinnen inzwischen machen müssen.

“Ich bin bereit für den nächsten Schritt in meiner Karriere,” sagt sie im Interview mit Sydsvenska Dagbladet.

Am wohlsten fühle sie sich in der Rolle der Nummer 10, die sie auch in Potsdam in einem 3-4-3 System gespielt habe.

“Das Problem dort [in Potsdam] ist, dass immer sehr viele Spielerinnen am Ende einer Saison gehen und sehr viele neue Spielerinnen kommen. Es ist nicht so einfach, ständig ein neues Team zu bauen. Ich hoffe, dass es auch nächste Saison gut läuft für sie. Es ist eine ziemlich kalte Umgebung, ich habe verstanden, dass es viel familiärer hier zugeht,” so Andonova. [Anmerkung: Beim letzten Satz bin ich mir nicht sicher, ob das so gesagt wurde, im Schwedischen ist es in der Tat so formuliert, aber vermutlich hat man den Text ja übersetzt und weder Andonova noch der Reporter werden ihre Muttersprache gesprochen haben…]

Und auf eine Mitspielerin freut sie sich ganz besonders: “Für mich als Mazedonierin mit Marta zu spielen, das ist so als ob einer meiner männlichen Landsleute mit Lionel Messi spielen würde.”

Rosengård behält weiße Weste

Piteå IF – Hammarby DFF (1:0) 2:1
Tore: 1:0 Irma Helin (13.), 2:0 Pauline Hammarlund (78.), 2:1 Eigentor Faith Ikidi (94.)

FC Rosengård – Eskilstuna United (1:1) 2:1
Tore: 0:1 Gaelle Engamanouit (7.), 1:1 Marta (41.), 2:1 Therese Sjögran (62.)

Wir haben es bei Rosengård diese Saison schon öfter erlebt, die erste Halbzeit eher durchwachsen, dann eine viel bessere zweite Hälfte. Das liegt auch daran, dass es in Schweden nun mal kein Team gibt, das Rosengård das Wasser reichen kann. Da geht dem Gegner, dessen Spielerinnen meist dem Ball hinterherlaufen müssen, dann nach 60-70 Minuten die Puste aus.
Marta erzielte den Ausgleich gegen Eskilstuna per Kopf und zeigte jubelnd auf ihre Stirn. Das passiert selten, dass die Brasilianerin Kopfballtore macht. Nach dem Spiel erzählte sie, dass sie die einzige Legionärin der brasilianischen Nationalmannschaft sein wird. Der Rest der Mannschaft ist seit einem halben Jahr in Brasilien zusammen und hat Verträge mit dem einheimischen Verband. Man müsse schauen, wie das klappen wird.
Am Donnerstag spielt Rosengård das letzte Spiel vor der WM gegen Kristianstad in Malmö, das wird dann der Abschied von Therese Sjögran und Anja Mittag als Spielerinnen.
In Piteå gewann man mit 2:1 gegen Hammarby, der zweite Sieg in Folge. Am Donnerstag geht es gegen Umeå im “Lokalderby”, ein interessantes Spiel zweier formstarker Teams.

Linda Sällström und Ida Guehai in den letzten Minuten

Vittsjö GIK – AIK (1:2) 3:2
Tore: 0:1 Sarah Storck (4.), 1:1 Antonia Göransson (7.), 1:2 Julia Zigiotti Olme (13.), 2:2 Antonia Göransson (55.), 3:2 Linda Sällström (90.)

Kristianstads DFF – Mallbackens IF Sunne (0:0) 2:1
Tore: 1:0 Margret Lara Vidarsdottir (57.), 1:1 Tessa Gavilsky (63.), 2:1 Ida Guehai (87.)

Zwei der drei Teams aus Skåne haben ihre Heimspiele am sechsten Spieltag gewonnen. Morgen kann der FC Rosengård im Gipfeltreffen gegen Eskilstuna United nachziehen.

Pech für AIK, dass seine ersten zwei Saisontore schießt und trotzdem verliert. Und wem hat man das Siegtor für Vittsjö mehr gegönnt als der sympathischen Linda Sällström? Nach drei Kreuzbandrissen jetzt im neuen Trikot, auch hier anfangs mit Knieproblemen und man hatte schon Angst um sie, aber sie sei fit, versicherte sie mir vor zwei Wochen, und auf Pass der überragenden Antonia Göransson, die herzliche Grüße an Pia Sundhage schickte (die sie nicht für Kanada nominierte), lobbte Linda den Ball zum 3:2 für Vittsjkö ins gegnerische Tor.

Kurios: Beide Torhüterinnen wurden zu Beginn der zweiten Halbzeit wegen Verletzungen ausgewechselt.

Grüße an Silvia Neid und Evan Pellerud schickte Ida Guehai. Die Nationalspielerin der Elfenbeinküste schoss Kristianstad mit ihrem dritten Treffer im zweiten Spiel zum Sieg. Aufgepasst auf die physisch starke Stürmerin, die eine hervorragende Chancenverwertung hat.

Aufruhr in Italien

Normalerweise schreibe ich nicht über Italien in diesem Blog, aber dass hier muss raus. Der Präsident der italienischen Fußballamateurligen, Felice Belloli, soll folgendes gesagt haben: “Dass wir einer Handvoll Lesben so viel Geld hinwerfen, damit muss Schluss sein.”
Fellolis Einschätzung zum Frauenfußball in Italien. Für die Äußerung gibt es mehrere Zeugen. Da hat sich inzwischen selbst der wegen Rassismusvorwürfen gebeutelte Präsident des italienischen Fußballverbands Carlo Tavecchio distanziert: “Das ist unakzeptabel und sehr negativ, wenn er das so gesagt hat,” so Tavecchio.
Belloli behauptet indes, er habe das nie gesagt. “Sie müssen das erst beweisen, dass ich das gesagt habe,” sagte er der Nachrichtenagentur ANSA. Die Äußerung ist aber offenbar protokolliert, wie die angesehene italienische Sportzeitung Gazetto dello sport berichtet.
In Italien ist aber Belloli nicht der einzige, der diskriminierende Dinge gesagt hat. Tavecchio selber sprach vor ein paar Jahren von den “behinderten Frauen im Fußball” (“donne handicappate nel calcio”) und hatte sich mit einer Äußerung über afrikanische Fußballer (Bananen essende Fußballer bekämen in Italien den Vorzug vor italienischen Talenten) eine FIFA-Sperre eingehandelt, wurde aber in Italien doch wiedergewählt.

Göteborg verabschiedet sich aus dem Titelrennen

Kopparberg/Göteborgs FC – Umeå IK (1:0) 1:3
Tore: 1:0 Manon Melis (37.), 1:1 Lina Hurtig (53.), 1:2 Rita Chikwelu (55.), 1:3 Jenny Hjohlman (89.)

Dass der FC Rosengård Meister wird, daran gab es vor der Saison keine Zweifel. Ich glaube sogar, dass man den Titel auch ohne Anja Mittag problemlos  holen wird, denn das Potential von Marta und Ramona Bachmann ist für sich scho sehr groß. Außerdem bestätigte Sydsvenskan-Journalist Max Wiman mir gestern nochmals auf Twitter, dass die Suche nach dem Ersatz von Anja und Therese Sjögran auf Hochtouren läuft. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Wechsels zu PSG wolle eben PSG offiziell bestimmen. Sollten sie mal langsam tun, denn nun stehen lediglich zwei Heimspiele gegen Eskilstuna (morgen) und Kristianstad (Donnerstag) an. Die deutsche Mannschaft beginnt ab Montag das WM-Vorbereitungslager in der Schweiz.

Nein, Rosengård wird Meister und wenn die wenigen Konkurrenten sich auch noch ständig Punkte wegnehmen lassen, dann wird es umso einfacher.

Göteborg kann am Sonntagabend schon acht Punkte zurück liegen, ein unaufholbarer Vorsprung in der Welt der Damallsvenskan. Gestern Abend überraschte Umeå viele mit dem souveränen 3:1 in Göteborg, aber für mich war das sehr erwartet, denn schon daheim gegen Rosengård (0:2) war Umeå mindestens gleichwertig gewesen und hatte die steil ansteigende Form angedeutet. Unter der Woche gewann Umeå schon ein Spiel in Göteborg, nämlich das Pokalviertelfinale 2014/15 in Mölndal gegen Zweitligist Jitex (2:0). Die Mannschaft hielt sich von Mittwoch bis Freitag dann in Göteborg auf.

Sehenswerter Treffer zum 3:1 von Nationalspielerin Jenny Hjohlman, die damit ihren Kritikern eine schöne Antwort gab (auch mir :) ).

Ersetzt Nataša Andonova Therese Sjögran?

Die Gerüchte florierten seit einigen Tagen, seit gestern sind sie in den Medien und damit kann auch hier vermeldet werden, dass der FC Rosengård die 38-Jährige Rekordnationalspielerin Therese Sjögran, die nach der WM in Kanada aufhören will, möglicherweise durch die 21-Jährige mazedonische Nationalspielerin Nataša Andonova, die Turbine Potsdam verlassen wird, ersetzen wird.

Dazu Sportchef Erling Nilsson: “Sie ist eine interessante Spielerin, die wir beobachtet haben, seit wir geahnt haben, dass Sjögran aufhört. Wir werden Sjögran ersetzen und versuchen ein Topteam in Europa zu bleiben.”

Zu Anja Mittag gibt es nach wie vor keine offiziellen Erklärungen. Für PSG, das bekanntermaßen auch an Dzsenifer Marozsan interessiert ist, wäre es die sechste deutsche Spielerin. Falls die Investoren aus Qatar auch an Celia Sasic interessiert sind, sollten sie nach der gestern bekannt gewordenen Kündigung zum Telefonhörer greifen. Celia spricht ja fließend Französisch. Und als potentiell neue Vereine für die 26-Jährige kommen neben Wolfsburg und Bayern München höchstens PSG oder Lyon in Frage. Aber wir wollen nicht ins Blaue spekulieren…

Schweden hat gewählt – Kommentare zum Aufgebot

ggDas Aufgebot ist bestellt, die Jagd auf den WM-Titel kann beginnen. Therese Sjögran hat gesagt, dass das letzte Spiel ihrer Karriere das WM-Finale am 5. Juli in Vancouver sein soll. Ein frommer Wunsch.

Jennifer Wegerup, Journalistin bei der Abendzeitung Aftonbladet sieht das etwas anders.

“Ich habe über die Jahre Pia Sundhage in verschiedenen Rollen und Situationen gesehen. Motiviert, wütend, traurig, enttäuscht, geladen und jubelnd glücklich. Aber selten habe ich so leer von Energie gesehen wie jetzt.”

Und offenbar hat Sundhage gestern in Gesprächen mit Medienvertretern die Ansprüche gesenkt. Vor einem Jahr hieß es noch, man wolle unbedingt eine Medaille. Nun sagt sie selber: “Man muss unsere Grenzen sehen. Es hat eine kleine Kursänderung gegeben. Viertelfinale, dann kann ich mit mir selber leben.”

Rosengårds Torhüterin Zecira Musovic war natürlich enttäuscht, zumal ihr Name in den Medien und auch von Pia Sundhage (“Wir haben ein Auge auf sie.”) selber gehandelt worden war. “Das wird für mich eine große Motivation sein. Ich werde ihnen zeigen, was sie falsch gemacht haben. Pia sagte im Fernsehen, dass sie Routine sehr hoch schätzen und dafür habe ich Verständnis. Dann sagte sie auch, dass dies ein Torwarttrio sei, dass sich sehr gut versteht, das kann man nur respektieren, auch wenn es ein wenig schade ist zu hören, dass ich nicht mehr tun konnte.”

Ob Zecira bei der U19-EM in Israel für Schweden spielen kann sei noch nicht sicher, da zur selben Zeit Spiele in der Damallsvenskan stattfinden.

Tomas Pettersson kommentiert in Expressen: “Pia Sundhage und Lillie Persson machten genau das, was man erwarten konnte. Setzten beinahe durchgehend auf Erfahrung. Wählten im Zweifelsfall ihre alten Favoriten. Und strichen unerprobte Supertalente, auf die viele von uns gehofft hatten.”

Und zu den konkreten Nominierungen schreibt Pettersson: “Ich hätte Tschüs gesagt zu Emma Lundh, Olivia Schough, Hilda Carlén und Sara Thunebro. Und stattdessen hallo zu Fridolina Rolfö, Magdalena Ericsson, Petra Larsson und Zecira Musovic.

Selten, so Pettersson weiter, habe ein möglicher Erfolg in einem Turnier so deutlich an so wenigen Spielerinnen gehangen und eigentlich sei man völlig abhängig von Caroline Seger. Gesprächsthema Nummer eins sei gestern auf dem Medientreffen die Gesundheit von Lisa Dahlkvist gewesen. Kann sie ihre Hüftverletzung bis zur WM auskurieren und dann neben Seger im zentralen Mittelfeld auflaufen? Falls nicht, müsste Sundhage wohl Abwehrspielerin Linda Sembrant aufstellen, die dieses Mal auch offiziell im Mittelfeld gelistet ist.

In den meisten Kommentaren in Zeitungen und Blogs wird Olivia Schough aus dem Kader gestrichen. Da sie aber eine der erklärten Favoriten Pia Sundhages ist und auch Sundhage nun mal den Job hat, fährt sie mit. Eine Stürmerin, die in 113 Spielen zehn Tore geschossen hat. Ein Länderspieltor (gegen die Färöer-Inseln) in 22 Begegnungen.

Mit der Kritik konfrontiert sagte Schough der Zeitung Expressen, dass sie keine Zeitungen lese. “Die dürfen denken was sie wollen. Aber ich bin dabei und werde mein Bestes geben.”

Johan Esk kommentiert in Dagens Nyheter und sagt, dass Pia Sundhage nach einer Woge der Euphorie wieder auf der Erde angekommen sei: “Sie hat gezeigt, dass sie eine menschliche Trainerin ist und keine Fußballerlöserin und es ist ihr nicht gelungen, dass Problem zu lösen, dass Nationaltrainer geerbt haben. Auch Sundhage hat es nicht geschafft, den schwedischen Frauenfußball auf Toppniveau zu einen. Der Abgrund der Interessenkonflikte zwischen der Führung der Nationalelf und den Clubs ist nicht kleiner geworden.”

Maja Johansson, ehemalige Leistungsfußballerin und Journalistin schreibt: “Wenn ihr mich fragt, ist dies der langweiligste – und schlechteste – Kader seit langer Zeit. Ich verstehe, dass der größte Teil aus Spielerinnen besteht, die Erfahrung in solchen Turnieren haben. Aber die letzten Plätze gingen an Spielerinnen, die vermutlich überhaupt nicht spielen werden – WARUM haben sie die Plätze 25-Jährigen gegeben, die dieses Niveau gar nicht haben und die nicht Schwedens Zukunft sind?”

Johansson weiter: “Ich hätte Carola Söberg, Sara Thunebro, Hilda Carlén, Emilia Appelquist, Olivia Schough, Emma Lundh und Jenny Hjohlman ausgetauscht. Niemand von diesen Spielerinnen wird jemals Schlüsselspielerin für Schweden sein, weder in einem noch in vier Jahren.”

Noch härter geht Per Bergsten vom Östgöta Correspondenten (kurz: Corren genannt) mit Sundhage ins Gericht.

Unter der Rubrik: “Du bist zu feige, Sundhage” schreibt Bergsten u.a.: “Als der Kader in den klassischen Räumen von Norra Latin in Stockholm präsentiert wurde, war alles wie erwartet. Sundhage redete viel, ohne etwas zu sagen und nahm all ihre Lieblinge mit. […] Sara Thunebro mit deutlich abgelaufener Mindeshaltbarkeit ist mit dabei auf Kosten von LFC-Abwehrspielerin Magdalena Ericsson, der sowohl die Zukunft gehört und die vor allem bereits jetzt viel besser ist.”

 

27,56

Das Durchschittsalter im schwedischen WM-Kader liegt bei 27,5 Jahren. Mit acht Spielerinnen über 30. Pia Sundhage vertraut wie immer dem Alter, der Routine und der Loyalität. Eine Erneuerin ist sie nicht.

Es gibt keine Zecira Musovic, keine Magdalena Ericsson, keine Fridolina Rolfö. Der Stab um die Doppelolympiasiegerin ist sich sicher, dass die 34-Jährige Charlotte Rohlin fit wird, nicht aber die 21-Jährige Rolfö. Das mag begründet sein, wir werden uns die letzten beiden Spiele vor der WM anschauen.

Die Spielerinnen, auf deren Namen Tickets nach Kanada gekauft werden:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Hilda Carlén

Abwehr: Sara Thunebro, Jessica Samuelsson, Elin Rubensson, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson, Emma Berglund, Charlotte Rohlin.

Mittelfeld: Emilia Appelqvist, Lisa Dahlkvist, Kosovare Asllani, Caroline Seger, Lotta Schelin, Emma Lundh, Jenny Hjohlman, Sofia Jakobsson, Olivia Schough, Mali Diaz Pettersson. Linda Sembrant, Therese Sjögran.

Der deutsche 27er-Kader ist im Schnitt 2,2 Jahre jünger.

Reserven: Marija Banusic, Mimmi Löfwenius

Kein Heimsieg in Runde 5

Mallbackens IF Sunne – Linköpings FC (0:0) 0:1
Tor: 0:1 Pernille Harder (Fouelfmeter 47.)

Von diesem Spiel habe ich nichts gesehen, da ich den deutschen FF-Krimi aus Frankfurt angeschaut habe. Linköping hat wieder Probleme mit dem Tore schießen offenbar und hat trotz Überlegenheit nur ein Törchen per Elfer zustande gebracht. Schade, sehr schade, dass Fridolina Rolfö, eine meiner Lieblingsspielerinnen, jawohl die gibt es, einfach nicht gesund und fit wird. Heute wieder auf der Bank, aber icht eingesetzt. Für Morgen und für das Aufgebot sehe ich schwarz.

Eskilstuna United – Piteå IF (0:2) 0:3
Tore: 0:1 June Pedersen (25.), 0:2 Pauline Hammarlund (32.), 0:3 June Pedersen (70.)

Eine tolle Leistung des bisherige Vorletzten in der Tabelle gegen das mit weißer Weste (12 Pkt. aus vier Spielen) und ohne Gegentor gestartete Eskilstuna. Piteå hatte schon vorher gut gespielt, hute trug die disziplinierte Leistung auch Früchte. Dank zweier Torwartschnitzer von Emelie Lundberg. Sorry, aber man darf sich eine Ecke nicht so reinballern lassen (direkt ins Tor zum 0:1) und beim 0:3 stand zwar Sara Thunebro vor ihr, als Pedersen den Ball in den Strafraum spielte, er sprang zwischen den beiden Eskilstuna-Spielerinnen leicht auf ud durch die offenen Arme von Lundberg ins Tor. Beim 0:2 durch Hammarlund tanzte die 17-Jährige Ronja Aronsson die mehr als doppelt so alte Sara Thunebro auf dem rechten Flügel nach allen Regeln der Kunst aus. Schade, dass Magdalena Ericsson den Nominierungskampf gegen Thunebro für die WM verlieren wird.

Das für nächsten Sonntag angesetzte Spitzenspiel in Malmö zwischen Rosengård und Eskilstuna ist durch den Sieg Piteås etwas der Spannung beraubt. Immerhin noch immer der Erste gegen den Zweiten, aber ich sage einen klaren Sieg für Rosengård voraus, wenn Therese Sjögran und wohl auch Anja Mittag erst mal vom Heimpublikum verabschiedet werden.

Die Tabelle:

tablle

Aufgebote

Morgen um 17.00 Uhr muss Pia Sundhage vor laufenden Live-Fernsehkameras im Stockholm City Conference Centre ihr 23-köpfiges Aufgebot für Kanada bekanntgeben.

Hier zunächst die Namen, die aus Sicht von Sudhage/Lillie Persson sicher sein dürften:

1 Hedvig Lindahl, 2 Carola Söberg
3 Nilla Fischer, 4 Emma Berglund, 5 Lina Nilsson, 6 Elin Rubensson, 7 Sara Thunebro, 8 Linda Sembrant, 9 Jessica Samuelsson
10 Caroline Seger, 11 Sofia Jakobsson, 12 Therese Sjögran, 13 Olivia Schough, 14 Malin Diaz Pettersson, 15 Lisa Dahlkvist,
16 Lotta Schelin, 17 Kosovare Asllani

Demnach wären noch sechs Plätze offen. Bei Torhüterin Nummer 3 dürfte die Entscheidung zwischen Hilda Carlén, Sofia Lundgren und Zecira Musovic gefallen sein. Zu befürchten ist, dass Sundhage/Persson tatsächlich drei 32-Jährige Torhüterinnen mitnehmen und dass Sofia Lundgren das Ticket bekommt. Sie ist zweifelsohne qualifiziert, aber eine Zukunftsentscheidung wäre das nicht, die man sich bei der dritten Torfrau erlauben sollte.

In der zentralen Abwehr gibt es noch wenigstens einen Platz. Favoritin Charlotte Rohlin ist angeschlagen und in die Jahre gekommen. Mögliche Alternative wohl am ehesten KIF Örebros Marina Pettersson Engström oder Überraschung Kristianstads Mia Karlsson.

Im Mittelfeld wäre Fridolina Rolfö ein Superjoker trotz nur zwei Einwechslungen im A-Team bisher.Aber Linköpings athletische Flügelflitzerin war angeschlagen und zuletzt wieder verletzt. Was sagen die Ärzte?

Zu erwarten ist eine weitere Nominierung für das defensive Mittelfeld. Das könnt die Chance für Emilia Appelqvist aus Piteå sein. Oder aber, denn Pia Sundhage liebt Routine, für KIF Örebros Elin Magnusson.

Auch im offensiven Mittelfeld dürfte es eine weitere Spielerin geben. Da wurde schon Mimmi Löfwenius genannt, die noch nie für die A-Mannschaft nominiert war, aber in der zweiten Saison erfolgreich beim norwegischen Meister Lillestrøm SK spielt.

Und was passiert mit Supertalent Marija Banusic, jetzt bei Chelsea London? Sie war in den letzten Lehrgängen stets dabei, hat aber den Durchbruch och lange icht geschafft.

Morgen Abend gibt es die Antworten. Ich habe aber natürlich auch selber Nationaltrainer gespielt und hier kommt mein 23-köpfiges Gegenaufgebot:

Tor: Hedvig Lindahl (Chelsea London), Carola Söberg (KIF Örebro), Zecira Musovic (FC Rosengård)

Abwehr: Elin Rubensson (Kopparberg/Göteborgs FC), Nilla Fischer (VfL Wolfsburg), Emma Berglund (FC Rosengård), Magdalena Ericsson (Linköpings FC), Jessica Samuelsson (Linköpings FC), Linda Sembrant (Montpellier HSC), Marina Pettersson-Engström (KIF Örebro), Lina Nilsson (FC Rosengård)

Mittelfeld: Caroline Seger (Paris Saint-Germain), Sofia Jakobsson (Montpellier HSC), Therese Sjögran (FC Rosengård), Lisa Dahlkvist (KIF Örebro), Fridolina Rolfö (Linköpings FC), Antonia Göransson (Vittsjö GIK), Marija Banusic (Chelsea London), Emelie Appelqvist (Piteå IF)

Angriff: Lotta Schelin (Olymique Lyonnais), Kosovare Asllani (Paris Saint-Germains), Jenny Hjohlman (Umeå IK), Stina Blackstenius (Linköpings FC)

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Debakel

Vittsjö GIK – Kopparberg/Göteborgs FC (1:1) 1:2
Tore: 1:0 Antonia Göransson (3.),1:1 Manon Melis (19.), 1:2 Filippa Curmark (69.)

Dieses Mal bekam Linda Sällström immerhin schon 34 Spielminuten, aber Göteborg gewann dennoch erwartungsgemäß, allerdings knapp und durchaus etwas glücklich wenn man die Statistik von 6:4 Schüssen und 9:5 Ecken zugunsten Vittsjös sieht Siegtreffer durch Göteborgs Mittelfeldtalent Filippa Curmark, die vor 1-2 Jahren gern in Deutschlag gespielt hätte, aber dort keinen interessierten Club fand.

AIK – Kristianstads DFF (0:5) 0:5
Tore: 0:1 Susanne Moberg (27.), 0:2 Ida Guehai (31.), 0:3 Ida Guehai (37.), 0:4 Margret Lara Vidarsdottir (42.), 0:5 Amanda Edgren (45.)

Ein Debakel für AIK, das für mich spätestens seit der heutigen Niderlag als erster Absteiger feststeht. Fünf Spiele, fünf Niederlage, 0:14 Tore. 8:21 Schüsse auf das Tor im heutigen Spiel. Kristianstad sei eines jener Teams., gegen das AIK punkten müsse, um die Klasse zu erhalten, hatte man hier und da geschrieben. Zur Halbzeit stand es bereits 0:5. Deutschland-Fans: Jetzt kennt ihr eine Spielerin des deutschen WM-Gegners Elfenbeinküste. Ida Guehai machte ihr erstes Spiel und erzielte gleich zwei Tore. Die 20-Jährige ist 1,84 m groß und hat übrigens die Elfenbeinküste mit ihrem Tor gegen Südafrika erst zur WM gschossen.

ffschweden im Gespräch mit: Zećira Mušović

Zećira Musović nach dem 4:0 bei Djurgården am 21.04.2015 (Foto: Anders Henrikson)

Zećira Musović nach dem 4:0 bei Djurgården am 21.04.2015 (Foto: Anders Henrikson)

Selten, sagt Pia Sundhage, habe sie einen Durchbruch in dieser Geschwindigkeit erlebt. Dass jemand es schafft von der Ersatzbank ins Viertelfinale der Champions League. Und vom blossen Namen in einem Kader zu einem Namen, der bereits als einer von 23 für den schwedischen WM-Kader für Kanada gehandelt wird.

Die Rede ist natürlich von der 18-Jährigen Torhüterin des FC Rosengård, Zećira Mušović. Nach dem Pokalviertelfinale Rosengårds beim Stockholmer Tabellenführer der zweiten Liga, Djurgården, hatte ich die Gelegenheit, mich mit Zećira zu unterhalten.

Die letzten fünf Wochen im Leben eines Teenagers in Malmö waren ziemlich aufregend. 1:0 Sieg gegen Linköping und Gewinn des Supercups und das Vertrauen des Trainers Marcus Tilly, als erste Torhüterin zu spielen. Und auch die Ankündigung, in Wolfsburg gegen den VfL spielen zu dürfen. Aber Mušović fing sich eine Erkältung ein, es sah schlecht aus. Ihr Mutter fütterte die 18-Jährige mit allerlei Hausmitteln,u.a. kleine Berge von Ingwer und als schon klar war, dass Kathrin Längert wohl spielen würde, kam dann doch noch das Klarzeichen. Und die 18-Jährige machte ein Superspiel gegen die Wolfsburger Weltstars.

Wie hast du die vergangenen Wochen selber erlebt?

“Ich habe den Vertrag mit Rosengård ja verlängert, weil ich diese Saison den Startplatz als Torhüterin holen wollte,” erzählt sie mir. “Das war mein Gedanke und deshalb habe ich unterschrieben. Aber das es so schnell gehen würde und ich schon gegen Wolfsburg spielen darf, das habe ich ehrlich gesagt nicht geglaubt. Aber: ich habe viel trainiert. Ich habe zwei Jahre auf der Bank gesessen, ich habe mich quasi für diesen Augenblick vorbereitet, spielen zu dürfen. Jetzt gehe ich einfach nur raus und genieße.”

Und das macht Zećira Mušović zweifelsohne. Sie spricht mir einem herrlich gesunden Selbstvertrauen ohne auch nur irgendwie arrogant zu klingen. Die jüngste Stammtorhüterin der schwedischen Liga ist eine ehrliche und offene Person, die sich nimmt, was ihr zusteht ohne dabei frech zu wirken.

16960071365_a52506f8df_zEnde März war ich auf dem Malmö IP und fotografierte u.a. als Alexandra Popp und Zsanett Jakabfi sich in die Luft schrauben und mit unbändiger Energie auf das Tor von Mušović zuspringen. Popp köpft das 2:3. Wie hast du das empfunden, an diesem Nachmittag auf einmal gegen eine Alexandra Popp zu spielen?

“Wenn ich ehrlich sein soll,” lacht Zećira und, “dann wusste ich vorher gar nicht, wer Popp ist. Dann machte sie in zwei Spielen drei Tore gegen mich und ich wusste wer sie ist.”

Die 18-Jährige kann auch über sich selbst lachen und darüber, dass sie noch lernt.

“Natürlich, das war Wolfsburg und Nilla Fischer und all die anderen, aber daran denkt man doch nicht, wenn es losgeht. Es geht nur darum, seinen Job zu machen und das möglichst gut. Ich will normalerweise auch nicht so sehr viel wissen. Klar, es ist gut, wenn du weißt, die ist gut mit dem Kopf und die schießt gute Freistöße, aber ich sitze ich vorher und denke, wooo, jetzt kommt Fischer, das mache ich nicht.”

Das Pokalspiel bei Djurgården waren 90 Minuten in denen du beinahe völlig arbeitslos warst. Wie hast du dieses Spiel gesehen?

“Ich habe das Spiel dazu genutzt, weiter daran zu arbeiten, 90 Minuten lang fokussiert zu bleiben. Denn ich glaube, dass viele Spiele in diesem Jahr so für uns aussehen werden. Dass ich da doch wenig beschäftigt bin und dann kommt auf einmal der hohe Ball in der 93. Minute, den ich haben muss. Mein Ziel heute war, fokussiert zu bleiben und es gut zu machen.”

Die Leute haben nach deinen tollen Leistungen angefangen, über dich und einen Platz für Kanada zu reden. Du bist schon die Mannschaftskapitänin der schwedischen U19, die sich für das Endturnier in Israel qualifiziert hat. Wie siehst du das mit der A-Mannschaft?

“Klar, das ist schon toll, dass viele darüber reden, dass es so schnell gegangen ist, dass auch Pia gesagt hat, dass sie mich im Auge hat. “Das ist natürlich ein Traum, aber man muss viele Spiele hier zu Hause gut spielen, um eine Chance in der A-Mannschaft zu bekommen.”

Wahrscheinlicher also, dass du im Juli bei der U19-EM in Israel sein wirst?

Zećira lächelt und sagt: “Naja, das werden wir ja dann sehen, ob ich da hinfahre.”

Solange die Tür nach Kanada nicht ganz zu ist, kann man noch träumen.

Es ist die Zielstrebigkeit hinter Mušovićs Lächeln, die sie von so vielen anderen Talenten unterscheidet. Ich frage mich, wie sie es geschafft hat, der 27-Jährigen Längert den Stammplatz wegzunehmen.

“Ich habe wirklich sehr viel gearbeitet daran, was ich tun kann, um besser zu werden. Wie ich diesen ersten Platz kriege kann. Mit unserem Mannschaftspsychologen habe ich eine Methode erarbeitet, dass ich nur auf mich selbst schaue, nicht darauf, was die andere Torhüterin macht. Was kann ich ganz persönlich verbessern? Und dann habe ich gedacht, dass ich zwar erst 18 Jahre bin, mich aber nicht mehr als das 18-Jährige Talent sehen will, sondern als jemanden, der in einer A-Mannschaft spielt und dort bei gerechten Bedingungen um einen Platz konkurriert.”

Bist du schon Vollprofi oder was machst du außer Fußball?

“Ich gehe noch zur Schule, Pro civitas, eine richtig gute Schule. Bald mache ich das Abitur, dann will ich weiter studieren an der Universität. Ich engagiere mich auch ziemlich viel für die Schule. Damit beide Richtungen funktionieren, weil es für eine Frauenfußballspielerin wichtig ist, nicht nur Fußball zu spielen.”

Gibt es Dinge als Torhüterin, wo du besser werden musst?

“Ich glaube nicht,dass ich in einer bestimmten Sache besser werden muss, ich kann in allen Dingen besser werden,” beurteilt Zećira realistisch. “Ich will das Niveau überall erhöhen, um den nächsten Schritt machen zu können.”

Einige Tage nach dem Gespräch mit ihr, lese ich Zećira Mušovićs Blog. Sie hat gerade einen Eintrag über Thora Helgadottir geschrieben, mit der sie sich in Malmö getroffen hat. Die Frau, die eineinhalb Jahre spielte, als sie auf der Bank saß. Zećira schreibt in den höchsten Tönen über Helgadottir und am Ende: “Ich will so wie Thora Helgadottir werden. Nur etwas besser.”