Verlorene Punkte

Kopparberg/Göteborgs FC – Piteå IF 0:0

Zwei Punkte hat Meisterschaftsmitbewerber Kopparberg/Göteborgs FC gestern Abend am heimischen Valhalla IP verloren. Und Piteå hat ordentlich mitgespielt, obwohl das Spiel an sich primär statistischen Wert hat. Eine Begegnung arm an Torraumszenen und Höhepunkten.

Ich habe schon früher berichtet, dass alle 132 Spiele der Saison live im TV oder Internet gezeigt werden und das gestrige Spiel habe ich ebenso über weite Strecken gesehen wie die ersten drei Begegnungen des zweiten Spieltags.

TV4 liefert einfache Produktionen. Es gibt einen Reporter, der im Prinzip überall in Schweden (oder anderswo) sitzen könnte, meistens aber wird aus dem Studio in Stockholm kommentiert. Vor Ort ist eine Hauptkamera, mit der man das ganze Spielgeschehen einfangen kann. Es gibt keine Aufnahmen von der Seitenlinie,keine Hintertorkameras etc. Aber, wir können eben nun alle Spiele, alle Tore sehen und in einer Stunde geht es schon wieder los mit der Begegnung Vittsjö GIK – KIF Örebro.

Zurück zum Göteborger Spiel. Trainer Stefan Rehn (Göteborg): “Wir haben wie in Zeitlupe gespielt. Alles, was wir taten war langsam und verkrampft. Es ist lange her, dass wir in einem Spiel so wenig Chancen hatten. Keine hat ihr Normalform erreicht, ich weiß nicht, woran das lag, vielleicht Lampenfieber vor dm ersten Heimspiel”, summierte Rehn.

“Frauenfußball ist kein Kassenschlager” – ffschweden im Gespräch mit Anders Mäki

LFCIn dieser Woche hat er bekanntgegeben, dass er sich aus der Doppelbelastung Männereishockeyboss und Frauenfußballboss zurückzieht. Seine Nachfolgerin Maria Lindström wird sukzessive seine Arbeitsaufgaben beim schwedischen Erstligisten Linköpings FC übernehmen. Aber der 49-Jährige Anders Mäki behält seinen Posten als Clubchef beim Männereishockey-Erstligisten Linköpings HC. Die Zusammenarbeit zwischen Eishockey (Männer) und Fußball (Frauen) wird aber weitergehen.

Sichtbarstes Zeichen nach außen ist der Bus, mit dem die Frauen von April bis Oktober in Schweden zu Auswärtsspielen unterwegs sind und auf dem die Logos beider Vereine zu finden sind. Aber auch im Rahmen der gemeinsamen Nutzung von Trainingsanlagen und Personal aus dem medizinischen Bereich gibt es eine rege Kooperation.

Anders Mäki ist der Mann, der den Frauenfußballverein Linköpings FC aus dem Kenty BK entwickelt hat und innerhalb von knapp 15 Jahren zu einem der besten Clubs Schwedens gemacht hat.

Kurz vor der Saison hatte ich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Mäki.

Anders, wie sieht die Planung für die kommenden zwei, drei Jahre aus?

“Wir haben schon immer langfristig gedacht mit dem Ziel, die Mannschaft in der Spitze des schwedischen und europäischen Fußballs zu etablieren. Daran halten wir fest. Was die Geschwindigkeit beeinflusst, sind natürlich die wirtschaftlichen Voraussetzungen. Seit ein paar Jahren haben wir die Entwicklung eigener Talente durch unsere U19-Mannschaft und durch eine Zusammenarbeit mit dem regionalen Fußballverband von Östergötland sowie sämtlichen Mädchenmannschaften in unserer Gemeinde intensiviert.”

Das Konzept ähnelt dem vieler Vereine, die eine gesunde finanzielle Entwicklung anstreben. Auch in Umeå, wo ich mit Trainerin Maria Bergkvist sprach, hat man vergleichbare Gedanken.

“Wir sind stolz darauf, dass heute nicht weniger als acht Spielerinnen in unserem Kader sind, die in der Region aufgewachsen sind,” erzählt Anders Mäki weiter.

“Unsere Absicht ist, auf dieser Seite so weiterzumachen und gleichzeitig auf der anderen Seite die Möglichkeit zu haben, uns mit Topspielerinnen zu verstärken.”

Schaut man sich den Kader an, so denkt man bei Spielerinnen aus der Region natürlich vor allem an Abwehrspielerin Charlotte Rohlin. Die 34-Jährige ist seit unglaublichen 27 Jahren bei Linköping und dessen Vorgänger Kenty BK aktiv gewesen.

Aber auch Jessica Samuelsson oder Sturmmegatalent Stina Blackstenius etwa kommen aus der unmittelbaren Umgebung von Linköping. 2012 sah es aber so aus, als ob Linköping eine Kraftanstrengung enormen Ausmaßes machen wollte, um den Konkurrenten LdB FC Malmö und Tyresö FF auf den Pelz zu rücken. Mit Nilla Fischer, Lisa DeVanna und Manon Melis hatte man gleich drei sehr teure Spielerinnen im Kader, dazu eine Reihe schwedischer Topspielerinnen wie Louise Fors oder Emma Lundh. Für meinen Geschmack habt ihr nach diesem Jahr die Richtung wieder geändert?

Anders Mäki ist anderer Meinung: “Nein, wir haben die Richtung nicht geändert. Wir hatten in dem Jahr einfach nicht genügend gute Spielerinnen aus unserer Region. Es galt dieselbe Philophie, aber noch einmal, die wirtschaftlichen Voraussetzungen setzen die Meßlatte für die A-Mannschaft. Die Spielerinnen, die du nennst, konnten wir nicht behalten, da sie bessere Angebote von anderen Vereinen bekamen. Wir mussten das Wachstum etwas anhalten und mehr jüngere Spielerinnen mit Entwicklungspotential einbauen.”

Damallsvenskan, 2. Spieltag, Teil 1

FC Rosengård – Hammarby DFF (0:0) 5:0
Tore: 1:0 Anja Mittag (54.), 2:0 Eigentor (72.), 3:0 Marta (75.), 4:0 Ramona Bachmann (79.), 5:0 Marta (Foulelfmeter, 92.)

Linköpings FC – Kristianstads DFF (0:0) 1:0
Tor: 1:0 Stina Blackstenius (84.)

Umeå IK – AIK (0:0) 2:0
Tore: 1:0 Emmi Alanen (52.), 2:0 Sarah Mellouk (70.)

Eine Halbzeit lang hielt Aufsteiger Hammarby den schwedischen Meister Rossengård im Zaum, störte früh und erspielte sich sogar eigene Chancen. Überragende Akteurin: Die letztes Jahr noch für Rosengård spielende Katrin Schmidt. Schade, dass Katrin keinen schwedischen Pass hat, ein WM-Ticket nach Kanada dürfte ihr sicher sein. In Malmö und vorher Tyresö im defensiven Mittelfeld unterwegs, ist “Schmittie” bei ihrem neuen Verein nun die wichtigste Spielerin. Schmidt gewinnt Bälle, abe un ist sie mehr Spielmacherin und schultert auch diese Rolle mit Bravour. Schade, dass der DFB kein Geld hat, um Spielerinnen in Schweden zu scouten, die man irgendwann aus dem Blickfeld verloren hat. Die 28-Jährige Schmidt wäre auch für Neid & Co. eine Verstärkung gewesen, aber dazu wird es nicht mehr kommen. In der ersten Halbzeeit die beste Spielerin auf dem Platz. Aber merke: Schieß nie einen Elfer gegen deine alte Mannschaft. Als Amanda Ilestedt Elina Johansson ungelenk zu Fall brachte, schritt Katrin Schmidt zum Punkt und scheiterte an Schwedens bester Torfrau, Zecira Musovic. Noch eine, die nicht zur WM fahren wird. In der zweiten Halbzeit dann reichte die Kraft nicht bei Hammarby und die Halbprofis aus Stockholm

fingen sich noch fünf Tore ein. Der Eindruck aber, den man in der erste Hälfte hinterließ, war alles andere als der eines potentiellen Absteigers.

Linköping war gegen eine stark defensive Mannschaft aus Kristianstad völlig überlegen, machte das entscheidende Tor aber erst sechs Minuten vor Schluss nach einer Unsicherheit von Keeperin Brett Maron. Um wirklich Rosengård Kopfzerbreche zu bereiten, muss Linköping häufiger das Tor treffen. Man hat die Saison eingeleitet mit der 0:1 Niederlage gegen Rosengård im Supercup, dann dem unnötigen CL-Aus gegen die eigentlich harmlosen Däninnen aus Bröndby (0:1,1:1), dann zwar Vittsjö mit 5:0 aus dem Pokal gefegt, aber auch in der Liga 0:1 und nun 1:0 gespielt. Aber: Pernille Harder hatte sich zwar warmgelaufen, zog dann aber wegen Schmerzen in der Wade zurück und Janni Arnth musste in der Mitte der ersten Halbzeit raus wegen Schmerzen im Oberschenkel. Und auch Fridolina Rolfö ist noch nicht 100% fit.

Umeå wurde von vielen Kolleginnen und Kollegen in Schweden weit unten getippt, auf Platz 10. Und man tat sich schwer gegen den mutmaßlichen Absteiger AIK am heimischen Gammliavallen, gewann aber am Donnerstagabend in einem schwachen Spiel bei kalte Temperaturen doch mit 2:0.

Damallsvenskan, 1. Spieltag

Hammarby DFF – Mallbacken (3:1) 3:1

Tore. 1:0 Elina Johansson (8.), 1:1 Elin Nyman (19.), 2:1 Olga Ekblom ((28.), 3:1 Katrin Schmidt (34.)

Kristianstads DFF – Umeå IK (0:0) 1:0

Tor: 1:0 Gudny Björg Odinsdottir (60.)

Piteå IF – Vittsjö GIK (0:0) 0:1

Tor: 0:1 Kirsty Yallop (66.)

KIF Örebro – FC Rosengård (1:0 1:4

Tore: 1:0 Sarah Michael (29.), 1:1 Anja Mittag (51.), 1:2 Ramona Bachmann (59.), 1:3 Sara Björk Gunnarsdottir (74.), 1:4 Ramona Bachmann (78.)

AIK – Kopparberg/Göteborgs FC (0:1) 0:2

Tore: 0:1 Lieke Martens (24.), 0:2 Manon Melis (54.)

Eskistuna United – Linkjöpings FC (0:0) 1:0

Tor: 1:0 Olivia Schough (60.)

Rosengård macht es wieder – der Tipp

Erstmals seit 2006 verpasse ich den Saisonstart der Damallsvenskan.- Morgen geht es los, aufgrund der Renovierung des eigenen Kanalplan in diesem Jahr muessen die Damen von Aufsteiger Hammarby nur dieses Mal in die Tele2-Arena (modernes Stadion mit 30.000 Plaetzen) ausweichen, um danach dann auf dem Zinkensdam IP weiterzumachen. In der Tele2-Arena erwarte ich morgen Nachmittag maximal 1.000 Zuschauer, die sich im weiten Rund verlieren werden. 

Wie aber endet die Saison? Hier der Tipp von ffschweden.

1. FC Rosengård

Marta, Ramona Bachmann, Therese Sjögran. Wenn sich keine der Leistungsträgerinnen verlett, sollte es wieder ein lockerer Durchmarsch werden für die Mannschaft von Marcus Tilly.  Spannend, ob Anja Mittag ihren Vertrag verlängern wird, der meines Wissens nach Ende Juni ausläuft. Anzunehmen, dass andere Spitzenclubs an der bald 30-Jährigen dran sind. Möglicherweise ist auch nach der WM Schluss für Therese Sjögran, die 38-Jährige machte Andeutungen in einem kürlichen Interview. Wird sich Kathrin Längert mit der Rolle der Nummer 2 hinter der neuen Stammtorfrau Zecira Musovic zufrieden geben? Nur wenn sich gleich mehrere der Leistungsträgerinnen verletzen, haben andere eine Chance. Der Kader ist relativ dünn hinter der Spitzenformation mit talentierten, aber unerfahrenen Spielerinnen. Sollten sich Marta und Mittag verletzen und wochenlang ausfallen, was sich niemand wünscht, wären sie unersetzbar.

2. Linköpings FC

Ein starkes Team. Ein sehr guter Trainer. Linköping setzt auf Jugend, auf grossartige Nachwuchskräfte wie Pernille Harder, Fridolina Rolfö, Magdalena Ericsson. In diesem Jahr erwarte ich einen weiteren Schritt nach vorne von allen Akteuren, auch der brillanten Mittelfeldtechnikerin Claudia Neto. Martin Sjögren ist überdies der pfiffigste Trainer.

3. Kopparberg/Göteborgs FC

Stefan Rehn ist vielleicht der frechste aller Trainer (er soll nur gelacht haben, als Sundhage ihn bat, seine Spielerin Elin Rubensson doch mit Rücksicht auf die Nationalmannschaft in der Abwqehr statt im Mittelfeld zu bringen), aber seine Truppe hat doch zu viele Verluste personeller Art hinnehmen müssen, um Rosengård ernsthaft zu gefährden. Die Französin Sabrina Vigueir und die Finnin Annica Sjölund zum Beispiel. Lieke Martens wird vermutlich noch besser und Rubensson steht einen interessante Saison bevor, in der sie hoffentlich zu vielen EInsätzen kommt, aber an Linköping und Rosengård reicht man dennoch nicht ran.

4. KIF Örebro

Ein Fragezeichen. Wieso liess man die tschechischen Zwillinge Martinkova ziehen. Warum Annika Kukkonen? Stephanie Labbé und ihre Natiokameradin Nault waren nicht zu halten. Neuzugang Hanna Folkesson spielt leider weder WM noch sonst ein Spiel für Örebro und muss schon vor dem ersten Ligaspiel gegen Rosengård (!) ersetzt werden. Es reicht nicht mehr für Platz 2, zu viele Abgänge, die Stärke des Teams war immer die personelle Stabilität, und das über Jahre und ausgerechnet wenn das Früchte trägt, verabschiedet man sich von der halben Startelf. Das soll einer verstehen. Wenn trotzdem alles flutscht, dann kann es für Platz 4 reichen.

5. -9.: Kristianstads DFF, Eskilstuna United, Umeå IK, Piteå IF, Vittsjö GIK

Unmöglich zu sagen, wer von diesen fünf wo landet. Umeå wird von vielen Experten als 10. gesehen, das kann ich nicht teilen. Da ist doch viel Talent und Potential und die interessanteste Trainerin. Kristianstad hat Hedvig Lindahl und Marija Banusic verloren. Eskilstuna hat sich verstärkt, u.a. mit Nationalspielerin Olivia Schough, die spätestens in dieser Saison beweisen muss, warum sie stets zu Pia Sundhages Lehrgängen nominiert wird, obwohl sie für eine Stürmerin sehr wenig Tore schiesst. Kann Linda Sällström eine Saison endlich ohne Verletzungen spielen, dann hat Vittsjö mit ihr und Jane Ross zwei richtig gute Goalgetterinnen, die das Team auf Platz 5 schiessen könnten.

10. Hammarby IF

Der Aufsteiger erhält die Klasse, weil es noch zwei schwächere Teams gibt. In der Vorsaison gab es durchwachsene Resultate, die Pokalniederlage gegen Zweitligist Djurgården hat gezeigt, dass der Abstand zur zweiten Liga gering ist. Ich bin natürlich gespannt auf Katrin Schmidt und traue ihr noch eine bessere Saison zu. An ihr wird es hängen. Schafft sie es, Hammarby in der Liga zu halten, sollte man Silvia Neid ein Video mit Spielausschnitten der 28-Jährigen zeigen. Wäre sie Schwedin, wäre sie längst im Kader von Sundhage und vermutlich Stammspielerin.

11.-12. Mallbacken, AIK

Die zwei klar schwächsten Teams. Haben sich kaum verstärkt. AIK blieb letztes Jahr nur drin, weil Tyresö sich in den Konkurs gierte. Dierses Jahr geht es aber wieder nach unten. Mallbacken wollte sich mit fünf Qualitätsausländerinnen verstärken, hat es aber nicht getan bzw. gekonnt. Die jungen Schottinnen werden es nicht reissen. Schade eigentlich.

Morgen geht es los und Fernsehsender TV4 mit seinen ABlegern TV4SPORT und TV12 überträgt also ALLE 132 Spiele. Und hat übrigens auch mitgeteilt, dass man sie auch als Abonnent im Ausland sehen kann. Aber ohne Gewähr. 

WM-Aus fuer Folkesson

Dass Schweden am Mittwochabend vor 5.000 Zuschauern in der Stockholmer Tele2-Arena in der Nachspielzeit das 3:3 per Elfmeter gegen Daenemark kassieren mussten, haben sicher die meisten schon gelesen. Ich habe das Spiel leider nicht sehen koennen und auch deshalb nicht darueber geschrieben. 

Zehn Minuten vor Schluss schied Mittelfeldspielerin Hanna Folkesson aus und heute kam die Bestaetigung. Folkesson verpasst nach der EM 2013 auch die WM 2015, dieses Mal ist das vordere Kreuzband gerissen, was sie die gesamte Saison bei ihrem neuen Verein KIF Örebro kosten wird.

Folkesson war eine sichere Spielerin fuer die Startformation und duerfte jetzt von Lisa Dahlkvist ersetzt werden, die Folkesson vor einiger Zeit aus den ersten Elf verdraengt hatte. So kann es leider gehen. 

Schwedische Sorgenfalten

Zwei Monate vor Beginn der Fußball-WM in Kanada steht Pia Sundhage wieder am Anfang. Naja, nicht ganz. Aber die desaströse Vorstellung des schwedischen Teams gegen die Schweiz am gestrigen Abend in Eskilstuna hat keine Antworten auf Fragen gegeben, sondern zahlreiche neue Fragen aufgeworfen. Beim 1:3 vor rund 3.000 Zuschauern fing man sich nah zehn Siegen in bisher zehn Spielen gegen unsereEidgenossen die erste Niederlage ein.

In den Fokus der Berichte und Kommentare über das Spiel gerät dabei das kollektive Abwehrverhalten sowie die grundlegende Spielphilosophie der Trainerin. Die basiert darauf, dass Caroline Seger vor der Abwehr als defensive Mittelfeldspielerin agiert und von dort as Spiel aufbaut und steuert.

Martina Voss-Tecklenburg ist eine ausgezeichnete Trainerin und sie hat sich natürlich das schwedische Spiel vor der Begegung angesehen und diesen Punkt als Achilleferse identifiziert. Ihre Taktik baute darauf auf, dass man Caroline Seger aus dem Spiel nimmt, leichter gesagt als getan, aber den Schweizerinnen gelang es bravourös. Seger wurde unter massiven Druck gesetzt und wenn man in den eigenen Reihen eine internationale Klassespielerin wie die “Wölfin” Vanessa Bernauer hat, dann kann man sogar den Ausfall einer Lara Dickenmann verschmerzen (von der es übrigens heißt, sie sei bi Bayern München im Gespräch).

Schweden war seiner zentralen Idee beraubt und agierte konfus, das Abwehrverhalten lässt ohnehin stets zu wünschen übrig, denn Verteidigung ist nicht unbedingt Pia Sundhages Ding. Sie möchte gerne Tempo und WInd nach vorne haben, einmal gelang das, als Seger in der zweiten Halbzeit nach vorne gerückt war, weil natürlich die Schwedinnen mitbekommen hatten, was Vos-Tecklenburg ihre Spielerinnen exerzieren ließ, und Lotta Schelin mit einem Pass bediente, den diese gewohnt sicher und souverän zum 1:2 verwaltete.

Gestern stand Charlotte Rohlin neben Nilla Fischer ih der Abwehr und sie, die laut Sundhage im Training und in Linköping so gut ausgesehen hattem spielte sich womöglich gestern Abend definitiv aus der Startelf. Ihr unbeherztes Agieren vor allem beim 0:2 durch die Zürcherin Fabienne Humm könnte in Lehrfilmen verwendet werden, wie man es auf keinen Fall machen darf. Es reicht nämlich nicht, einfach neben einer Gegnerin herzulaufen, die in voller Fahrt mit Ball auf dem Weg zum Tor ist. Man muss auch versuchen, sie abzudrängen, irritieren, ihr den Ball abzunehmen oder gar – taktisch vor der Strafraumkante zu foulen – aber sie unbedrängt laufen und schießen zu lassen, das ist keine Lösung.

Kommentator Olof Lundh hat das auf den Punkt gebracht. Er sagte, an SUndhage gerichtet, dass er nicht verstehen könne, dass eine Mannschaft, die beinahe ein Durchschnittsalter von 29 Jahren hätte und im Schnitt 95 Länderspiele so agieren würde.

Auch Nilla Fischer, die Unantastbare, ist alles andere als fehlerlos. Beim 0:1 durch Ramona Bachmann verschätzte sie sich mal wieder mit einem Ball, der dann bei der Spielerin aus Rosengård landete. Das hat man öfter bei Fischer gesehen, was man beim Tennis das Gegenteil vom “guten Auge” nennen würde. Und Goalie Hedvig Lindahl war gestern Abend wieder ganz die Alte. Zwar gab es keine spektakulären Ausflüge aufs Feld, aber sowohl bei 0:1 wie auch 0:2 stand sie falsch und ihre Abstöße in der zweiten Halbzeit, mit der sie das Spiel in Gang setzen wollte, landeten immer wieder im Seitenaus und brachten den Gegnerinnen Ballgewinn ohne eigene Aktion.

“Ich sage jetzt besser nichts”, sagte Caroline Seger nach dem Spiel. “Denn sonst sage ich etwas Falsches, aber so wie wir heute Abend kann man nicht Fußball spielen.”

Die Trainerin wird heute in den Medien und Blogs kritisiert. Sie habe eine Spielphilosophie, aber nicht das Spielermaterial, mit dem man diese umsetzen könne. Und sogar: Man werde vielleicht schon bald die Leistung eines Thomas Dennerby ganz anders bewerten, weil der wusste, was er für Spielerinnen hatte und sie dementsprechend einsetzte.

Da fragt man sich auch ein wenig, wie denn die Stimmung im Team ist. Hat die Trainerin noch alle hinter sich oder muss man nicht jetzt, zwei Monate vor dem Turnier Tacheles reden? Möglicherweise auch zu spät. Denn schwedische Teams haben immer aus einer starken Abwehr operiert, nicht immer schön, aber oft erfolgreich. Sundhage wollte, aus den USA kommend und selber Ex-Stürmerin, das schöne Offensivspiel entwickeln, und sicher hat sich da auch etwas bewegt. Aber hinten sieht es gruselig aus. Aber vielleicht steht das Team ja schon am Mittwoch in der Stockholmer Tele2-Arena gegen Dänemark wie ein Phönix aus der Asche wieder auf.

Zwei Monate vor Beginn der Fußball-WM in Kanada steht Pia Sundhage wieder am Anfang. Naja, nicht ganz. Aber die desaströse Vorstellung des schwedischen Teams gegen die Schweiz am gestrigen Abend in Eskilstuna hat keine Antworten auf Fragen gegeben, sondern zahlreiche neue Fragen aufgeworfen. Beim 1:3 vor rund 3.000 Zuschauern fing man sich nah zehn Siegen in bisher zehn Spielen gegen unsereEidgenossen die erste Niederlage ein.

In den Fokus der Berichte und Kommentare über das Spiel gerät dabei das kollektive Abwehrverhalten sowie die grundlegende Spielphilosophie der Trainerin. Die basiert darauf, dass Caroline Seger vor der Abwehr als defensive Mittelfeldspielerin agiert und von dort as Spiel aufbaut und steuert.

Martina Voss-Tecklenburg ist eine ausgezeichnete Trainerin und sie hat sich natürlich das schwedische Spiel vor der Begegung angesehen und diesen Punkt als Achilleferse identifiziert. Ihre Taktik baute darauf auf, dass man Caroline Seger aus dem Spiel nimmt, leichter gesagt als getan, aber den Schweizerinnen gelang es bravourös. Seger wurde unter massiven Druck gesetzt und wenn man in den eigenen Reihen eine internationale Klassespielerin wie die “Wölfin” Vanessa Bernauer hat, dann kann man sogar den Ausfall einer Lara Dickenmann verschmerzen (von der es übrigens heißt, sie sei bi Bayern München im Gespräch).

Schweden war seiner zentralen Idee beraubt und agierte konfus, das Abwehrverhalten lässt ohnehin stets zu wünschen übrig, denn Verteidigung ist nicht unbedingt Pia Sundhages Ding. Sie möchte gerne Tempo und WInd nach vorne haben, einmal gelang das, als Seger in der zweiten Halbzeit nach vorne gerückt war, weil natürlich die Schwedinnen mitbekommen hatten, was Vos-Tecklenburg ihre Spielerinnen exerzieren ließ, und Lotta Schelin mit einem Pass bediente, den diese gewohnt sicher und souverän zum 1:2 verwaltete.

Gestern stand Charlotte Rohlin neben Nilla Fischer ih der Abwehr und sie, die laut Sundhage im Training und in Linköping so gut ausgesehen hattem spielte sich womöglich gestern Abend definitiv aus der Startelf. Ihr unbeherztes Agieren vor allem beim 0:2 durch die Zürcherin Fabienne Humm könnte in Lehrfilmen verwendet werden, wie man es auf keinen Fall machen darf. Es reicht nämlich nicht, einfach neben einer Gegnerin herzulaufen, die in voller Fahrt mit Ball auf dem Weg zum Tor ist. Man muss auch versuchen, sie abzudrängen, irritieren, ihr den Ball abzunehmen oder gar – taktisch vor der Strafraumkante zu foulen – aber sie unbedrängt laufen und schießen zu lassen, das ist keine Lösung.

Kommentator Olof Lundh hat das auf den Punkt gebracht. Er sagte, an SUndhage gerichtet, dass er nicht verstehen könne, dass eine Mannschaft, die beinahe ein Durchschnittsalter von 29 Jahren hätte und im Schnitt 95 Länderspiele so agieren würde.

Auch Nilla Fischer, die Unantastbare, ist alles andere als fehlerlos. Beim 0:1 durch Ramona Bachmann verschätzte sie sich mal wieder mit einem Ball, der dann bei der Spielerin aus Rosengård landete. Das hat man öfter bei Fischer gesehen, was man beim Tennis das Gegenteil vom “guten Auge” nennen würde. Und Goalie Hedvig Lindahl war gestern Abend wieder ganz die Alte. Zwar gab es keine spektakulären Ausflüge aufs Feld, aber sowohl bei 0:1 wie auch 0:2 stand sie falsch und ihre Abstöße in der zweiten Halbzeit, mit der sie das Spiel in Gang setzen wollte, landeten immer wieder im Seitenaus und brachten den Gegnerinnen Ballgewinn ohne eigene Aktion.

“Ich sage jetzt besser nichts”, sagte Caroline Seger nach dem Spiel. “Denn sonst sage ich etwas Falsches, aber so wie wir heute Abend kann man nicht Fußball spielen.”

Die Trainerin wird heute in den Medien und Blogs kritisiert. Sie habe eine Spielphilosophie, aber nicht das Spielermaterial, mit dem man diese umsetzen könne. Und sogar: Man werde vielleicht schon bald die Leistung eines Thomas Dennerby ganz anders bewerten, weil der wusste, was er für Spielerinnen hatte und sie dementsprechend einsetzte.

Da fragt man sich auch ein wenig, wie denn die Stimmung im Team ist. Hat die Trainerin noch alle hinter sich oder muss man nicht jetzt, zwei Monate vor dem Turnier Tacheles reden? Möglicherweise auch zu spät. Denn schwedische Teams haben immer aus einer starken Abwehr operiert, nicht immer schön, aber oft erfolgreich. Sundhage wollte, aus den USA kommend und selber Ex-Stürmerin, das schöne Offensivspiel entwickeln, und sicher hat sich da auch etwas bewegt. Aber hinten sieht es gruselig aus. Aber vielleicht steht das Team ja schon am Mittwoch in der Stockholmer Tele2-Arena gegen Dänemark wie ein Phönix aus der Asche wieder auf.

Historischer Tag für den Frauenfußball – Schweden zeigt alle Spiele

Wir in oder aus der Frauenfußballszene sind schnell dabei, uns zu empören, etwa, wenn, wie letzte Woche geschehen, die UEFA das Startgeld für die Männerteams in Champions und Europa League mit etwas mehr als einer läppischen Milliarde Euro erhöht und die Frauenteams mal wieder – nichts – bekommen.

Heute aber sollten wir uns freuen. Denn der schwedische TV-Sender 4 hat mitgeteilt, dass jetzt feststeht, dass ALLE 132 Begegnungen der Damallsvenskan 2015 live im TV oder im Internet übertragen werden. Das ist in der Tat ein großer Schritt, das hat es weltweit noch nicht gegeben. Auf Twitter freuen sich die Spielerinnen. Um wirkich alles sehen zu können, muss man den Dienst TV 4 Premium abonnieren, Kostenpunkt 99 SEK im Monat, also etwa 11€.

Wermutstropfen für alle Fans außerhalb der Reichsgrenzen: Um die Spiele auch in Norwegen oder Deutschland sehen zu können, müsste man das Geoblocking aufheben, was prinzipiell recht einfach ist, aber natürlich nicht legal.

Pokal: Die letzten Acht

Pernille Harder

Pernille Harder

Endlich steht das Viertelfinale des nunmehr überjährig stattfindenden schwedischen Pokals. Gestern Abend beendete Linköpings FC seine zweiwöchgie Ladehemmung und schickte Vittsjö GIK im Achtelfinale gleich mit 5:0 nach Hause. Vierfache Torschützin: Die Dänin Pernille Harder. Nur 89 Zuschauer verloren sich in der Linköping Arena.

Bereits am Sonntag hatte Piteå IF mit 4:3 nach Elfmeterschießen bei Eskilstuna United gewonnen.

Das Viertfelfinale sieht wie folgt aus:

Djurgården – FC Rosengård (21.04.)
KIF Örebro – Piteå IF (22.04.)
Jitex Mölndal – Umeå IK
Hovås Billdal – Linköpings FC

Zlatan Ibrahimovic wird Assistent von Pia Sundhage

zlatanDem schwedischen Frauenfußball ist eine sensationelle Verpflichtung gelungen, namentlich seiner charismatischen Trainerin Pia Sundhage. Nachdem die 53-Jährige immer wieder Persönlichkeiten von außerhalb des Fußballs in Lehrgänge eingebunden hat, von Pippi Langstrumpf-Darstellerin Inger Nilsson bis Skistar Anja Pärson, wird nun kein Geringerer als Zlatan Ibrahimovic höchstpersönlich während der WM in Kanada dem schwedischen Team helfen, den begehrten Weltmeistertitel zu holen.

Das gab der Präsident des schwedischen Fußballverbands Karl-Erik Nilsson am Mitwochmorgen auf einer Pressekonferenz in Solna bekannt.

Ibrahimovic war bislang eher durch negative Bemerkungen zum Frauenfußball aufgefallen und hatte erst vor Jahresfrist gelästert, dass Rekordnationalspielerin Therese Sjögran sich glücklich schätzen könne, wenn sie ein Fahrrad mit seinem Autogramm bekäme. Das würde völlig reichen.

In einer Presseerklärung auf der Webseite von Svenskfotboll zeigt sich Ibrahimovic nun auf einmal geläutert: “Pia hat mich angerufen und wir haben uns dann ein paar Mal heimlich in Paris getroffen und alles abgesprochen. Das ist echt ne supercoole Braut, die sogar das Tor treffen kann, eh. Sie hat mich gefragt, ob ich bei der WM als ihr Assistent dem Team Motivation einflößen kann. Ich hab das mit Helena besprochen und sie meinte, dass das zwar meinem Image etwas schaden könnte, aber komm, mach es, sagte sie. Denn mit den schwedischen Männern wirst du doch nie was gewinnen, die sind so grottenschlecht, dass du nie ne Medaille gewinnst. Ich wusste gar nicht, dass bei mir in Paris auch zwei schwedische Frauen spielen, die Christina Segerström und die Koso, warte, Kosolina? Hab ich im Moment nicht drauf, iss aber eh egal. Die haben ne richtige Mannschaft die Frauen mit elf Spielerinnen und Trikots und allem Drum und Dran. Na, egal, ich freu mich auf Kanada.”

ffschweden im Gespräch mit: Maria Bergkvist

Umeå IK setzt vorwiegend auf regionale Talente (Archivbild)

Umeå IK setzt vorwiegend auf regionale Talente (Archivbild)

Vor der neuen Saison 2015 hat Umeå IK drei wichtige Leistungsträgerinnen verloren. Hanna Folkesson wechselte zu Vizemeister KIF Örebro, Kapitänin Emma Berglund zu Meister Rosengård und mit Emmelie Konradsson, unter Pia Sundhage immerhin noch Nationalspielerin, beendete eine 25-Jährige einfach ihre Karriere.

Schwer zu ersetzende Abgänge stehen der Philosophie des Vereins gegenüber, seinen Bedarf an Spielerinnen vorwiegend aus dem dünn besiedelten Nordschweden zu decken. Und dennoch 2017 wieder an der Spitze der Liga stehen zu wollen.

Auf der Trainerbank hat die ehemalige Spielerin Maria Bergkvist schon vor ein paar Jahren Platz genommen. Seit Beginn des Jahres aber ist “Berka”, wie die 37-Jährige genannt wird, Cheftrainerin. Die erste Schwedin in der ersten Liga seit Pia Sundhage 2006 KIF Örebro betreute. Sieht man von ein paar Monaten von Annelie Norén bei Hammarby ab, als der Stockholmer Verein 2011 seinen Trainer Daniel Kalles Pettersson im Sommer vor die Tür setzte.

Sechsmal wurde Bergkvist schwedische Meisterin, zweimal gewann sie mit Umeå den Women’s Cup der UEFA. Sie spielte mit Marta, Anne Mäkinen, Malin Moström, Sanna Valkonen, Hanna Ljungberg und all den anderen Größen, die Umeå im letzten Jahrzehnt einen Platz auf der Weltkarte des Frauenfußballs verschafften.

Ein paar Wochen vor dem Beginn der neuen Saison habe ich mich mit Maria Bergkvist unterhalten. Und eine Vorbemerkung: Da wir in Schweden nur extrem selten die Sie-Form benutzen, duze ich meine Gesprächspartner auch in der deutschen Übersetzung.

Nachdem du schon ein paar Jahre im Trainerstab dabei bist, übernimmst du jetzt die volle Verantwortung. Wie fühlt sich das an?

“Das ist einfach nur klasse. Jetzt kann ich das, was mit der Mannschaft passiert, vollständig beeinflussen. Ich muss allerdings sagen, dass ich schon unter meiner Zeit als Assistenztrainer mit Jocke Blomqvist viel Verantwortung hatte und als ich nun übernommen habe, merkte ich, dass der Schritt nicht so groß war, wie ich vermutet hatte.”

Eine deiner wichtigen Aufgaben wird es sein, den Verlust von Berglund, Konradsson und Folkesson zu kompensieren. Wie soll das gehen?

“Innerhalb des Vereins und des Vorstands haben wir eine gemeinsame Philosophie und das ist, dass wir darauf setzen, junge Spielerinnen auszubilden. In meinem Kader sind so viele Mädchen, die ganz viel Fußball in sich haben. Und ich bin sicher, dass viele von denen in der Zukunft große Schritte machen werden. Was Emma (Berglund) angeht, sie ist nicht leicht zu ersetzen, aber ich habe bereits Veränderungen im Spiel der Abwehr vorgenommen und mit heutigem Stand finde ich, dass wir fünf richtig gute Abwehrspielerinnen haben.”

Sicher, obwohl ihr drei A-Nationalspielerinnen verloren habt, habt ihr immer noch drei, die schon in einem Sundhage-Kader waren: Malin Reuterwall, Lina Hurtig und Jenny Hjohlman.

Ja, das stimmt. Und dazu kannst du noch Emmi Alanen und Tuija Hyyrynen rechnen, unsere beiden finnischen Nationalspielerinnen und natürlich Rita Chikwelu (Nigeria), dann hast du schon sechs A-nationalspielerinnen. Plus U23-Nationalspielerinnen aus Schweden wie Tove Enblom, Hanna Glas und Elin Landström. Das ist eine hochtalentierte Truppe und ich bin sehr zufrieden.”

Wer wird denn eure nächste A-Nationalspielerin? “Ganz klar Elin Landström. Sie hat enorme Fortschritte gemacht und spielt eine ganz tolle Vorsaison.”

In einem Interview im Internet habe ich gelesen, dass du gesagt hast, ihr wollt unter die ersten 3-4 Teams schon dieses Jahr kommen. Hältst du daran fest?

„Wir haben bislang eigentlich noch keine internen Zielsetzungen festgelegt. Wir werden noch mit den Mädels darüber sprechen. Ich denke, dass wir uns entwickeln sollen, dass wir versuchen werden, so gut wie möglich zu sein, dass wir unsere Spielidee sowohl in der Defensive wie in der Offensive entwickeln. Wir haben eine sehr gute Abwehr und nach vorn haben wir Lina Hurtig, Jenny Hjohlman und auch Hanna Sandström, eine unheimlich schnelle Spielerin. Schaffen alle, das zu tun, was sie können, dann können wir richtig erfolgreich sein.“

Umeå IK war in Schweden berühmt für seinen enormen Siegeswillen. “Vinnarskallar” – Siegerschädel nennt man das hierzulande. Und wenn man mit Maria Bergkvist redet, dann versteht man, dass sie eine von ihnen war und dass das Feuer noch brennt.

“Ich finde, man muss nicht um Entschuldigung bitten, weil man auf dem Platz steht. Ich glaube an meine Mannschaft. Das ist ein Teil meiner Führungskultur und ich denke, dass es gut ist, wenn man ein bisschen frech ist. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu ehrgeizig,” sagt Maria, aber ich finde das gar nicht. Mir wird allmählich klar, dass die Damallsvenskan eine äußerst interessante Traierpersönlichkeit hinzugewonnen hat in diesem Jahr.

Aufgewachsen in Ågermanland in Nordschweden, mit einer Fußballkarriere in Västerbotten erfüllet sie bereits als ehemalige Spielerin die Zukunftsphilosophie des Vereinsm, auf die Entwicklung regionaler Talente zu setzen.

Kann man denn in diesen dünn besiedelten Gebieten genügend Talente finden, um eine Mannschaft der ersten Liga zu bilden, frage ich Maria Bergkvist.

“Wir sind ja schon seit ein paar Jahren dabei, jeweils unser U19-Team zu entwickeln. Und ich denke, das funktioniert immer besser. Es gibt dann auch immer eine Anzahl großer Talente in der neunten Klasse der Schule in Umeå, mit der wir zusammenarbeiten. Gleichzeitig ist natürlich klar, dass man auch immer ein paar Spitzenkräfte von außen holen muss, wie zum Beispiel Rita und Tuija.”

Wie bringst du deine Mannschaft dazu, Leistung zu bringen und was siehst du als deine Hauptaufgabe?

“Ich glaube, ich muss vor allem deutlich sein. Ich muss unser Spielidee vermitteln sowohl defensiv wie offensiv. Wir müssen enorm am Spielverständnis arbeiten.”

Maria Bergkvist sagt, dass es wichtig ist, dass Spielerinnen sich herausfordern, dass sie Dinge testen müssen und auch dabei Erfolg haben müssen, um zu wachsen und in ihrer Rolle sicherer zu werden.

“Das Wichtigste für eine Trainerin ist dann, dass sie zuhört und vermittelt,” sagt Berkgkvist. “Und dass sie es schafft, dass alle dasselbe Ziel haben und an einem Strang ziehen.”

Da sie bereits mehrere Jahre als Assistenztrainerin gearbeitet hat, frage ich mich, ob es einen speziellen “Bergkvist-Stempel” geben wird, etwas, dass wir vielleicht so noch nicht bei Umeå gesehen haben.

“Ich werde weiter an dem arbeiten, mit dem Jocke und ich schon gearbeitet haben. Ich möchte, dass wir sehr aggressiv in der Abwehr spielen und dass wir eine gute pressende Mannschaft sind, dass wir viel Ballbesitz haben und ein Spiel bestimmen können.”

Maria ist die erste weibliche Trainerin seitdemPia Sundhage 2006 KIF Örebro und die Liga verlassen hat. Seitdem haben wir die Finnin Marianne Miettinen bein Auf- und Absteiger Stattena IF gesehen und uns daran gewöhnt, dass die Isländerin Elisabet Gunnarsdottir die einzige Frau auf dem jährlichen Presseauftakt der Liga ist.

Warum gibt es so wenig schwedische Frauen, die einen dieser 12 Trainerjobs in der ersten Liga ergattern?

“Erstens gibt es leider nicht so viele Mädels hier, die Trainerin werden. Wenn man sich die Teams anschaut, für die ich gespielt habe, bin ich wohl die einzige, die diesen Weg gegangen ist. Aber ich finde, man sieht etwas Licht am Ende des Tunnels, denk nur an Stina Segerström und Johanna Almgren, die jetzt den Zweitligisten Kungsbacka trainieren werden oder an Alex Nilsson, die unter anderem in Umeå gespielt hat und jetzt Assistenztrainerin bei Sunnanå ist. Und auf eine gewisse Art und Weise zähle ich unter meinen früheren Mannschaftskameradinnen auch Hanna Marklund und Frida Östberg dazu, die jetzt TV-Expertinnen sind und somit eine wichtige Rolle im Frauenfußball haben. Es sind wenige, aber es werden mehr.”

Ich habe ein Interview mit dir gelesen, in dem du die Geschlechterfrage bei Trainern und Schiedsrichtern angesprochen hast und wo du dich dafür aussprichst, dass es nicht da Geschlecht sein soll, das den Ausschlag gibt, sondern nur und einzig und allein die Qualifikation. Hast du Kritik dafür bekommen?

“Nein, eigentlich nicht. Aber ich habe keine Angst zu sagen, was ich denke. Ich bleibe dabei, dass die Besten Chefs und Trainer werden sollten und ich hoffe, dass ich meinen Job nicht bekommen habe, weil ich eine Frau bin, sondern weil man geglaubt hat, dass ich einfach die Beste für den Job bin. Ich finde darüberhinaus auch, dass die Besten Schiedsrichter sein sollen, unabhängig vom Geschlecht. Damit sage ich nicht, dass wir keine guten Schiedsrichterinnen hätten, die gibt es absolut.”

Zum Schluss, drei Tipps Maria. Wer wird schwedischer Meister, wer holt die Champions League und wer wird Weltmeister, bzw. kann Schweden es schaffen?

Maria Bergkvist denkt sorgfältig nach, es gibt eine Pause am Telefon, bis sie dann sagt, dass sie doch glaubt, dass der FC Rosengård seinen Titel verteidigen wird. Die Champions League wird eine Sache zwischen Rosengård (wir haben vor den Spielen gesprochen), dem VfL Wolfsburg und PSG.

Und Schweden könnte Weltmeister werden: “Pia hat eine sehr gute Mannschaft und wenn es ihnen gelingt, das Maximum aus dem Kader rauszuholen, kann man es wohl tatsächlich bis zum Ende schaffen. Ein Platz auf dem Podest müsste möglich sein, auch wenn man beim Fußball vielleicht nicht von Podesplätzen spricht,” sagt Maria Bergkvist.

 

 

 

Ist 2016 Schluss für Pia Sundhage?

Der Vertrag mit Pia Sundhage läuft noch bis Sommer 2016. Eigentlich so waren Sundhage und Schweden eine Liebesgeschichte mit Happy-End. Die zweifache Olympiasiegerin (mit den USA) hatte ihren Traumjob und die schwedische Nationalmannschaft ihre Traumtrainerin bekommen. Und dann lebten und spielten sie glücklich bis an ihr Ende?

In einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Dagens Industri sagte Sundhage am Freitag, dass es derzeit so ausehen würde, als ob sie ihren 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde, unabhängig davon, ob sie ein Angebot bekomme oder nicht.

Diese Äußerung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, zwei Monate ud eie Woche vor der WM in Kanada. Sie wird die Spielerinnen aber wohl nicht allzusehr beeinflussen. Die Generation Lotta Schelin (31), Nilla Fischer (31 im August), Caroline Seger (30), Hedvig Lindahl (32 Ende April), Therese Sjögran (38 im April) und Sara Thunebro (36 Ende April) lässt sich wohl nicht verunsichern.

Aber was ist passiert? Ich glaube nicht, dass Sundhage eigentlich hinschmeißen will. Sie genießt die Rolle, genießt die Sympathien der Bevölkerung und sie hat es auch verdient. Aber sowohl ihre Nominierungen wie auch ihr Verhältnis zu den Vereinen sind alles andere als rosig. Da gibt es immer wieder den berechtigten Vorwurf, dass Sundhage sehr zurückhaltend gegenüber personellen Veränderungen sei. In den USA hat das blendend funktioniert, weil Spielerinnen wie Hope Solo, Shannon Boxx, Abby Wambach auch jenseits der 30 noch Weltklasseleistungen zeigen. Dass der Nachwuchs nur schleppend bis gar nicht integriert wurde, gehört zur Handschrift der Schwedin. Sie setzt auf Vertrautes, vertraute Gesichter, vertraute Lieder. Ihre musikalischen Exkurse wurden immer wieder in den höchsten Tönen gelobt, aber man braucht von ihr keinen Song erwarten, der nicht mindestens 25 Jahre alt wäre.

Die Vereine machen ihr jedoch mehr Kummer. Sie wollen einfach nicht tun, was Sundhage ihnen vorschreiben möchte. Letztes Jahr schon kam es zum Eklat, als die Vereinstrainer einen nicht durch FIFA-Termin abgesegneten Lehrgang zum Platzen bringen ließen.

Trainer aus der Liga klagen nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand darüber, dass der Verband ihnen die Spielerinnen wegnehmen will, obwohl letztlich der Verein zahle. Als Sundhage kürzlich Göteborgs Trainer Stefan Rehn bat, er möge doch bitte seinen Neuzugang Elin Rubensson als Außenverteidigerin statt wie von Rehn gewünscht im rechten Mittelfeld einzusetzen, lachte Rehn Sundhage einfach nur aus.

ImInerview mit DI sagte Sundhage nun, dass sie gerne wieder mal einen Verein trainieren möchte oder auch als Assistenztrainerin einen Männerverein. Es sei doch ein wenig lächerlich, dass man sich zwar eine Regierungschefin wünsche, aber unter keinen Umtänden eine Frau als Trainerin eines Männerteams akzeptieren könne.

Ich glaube, dass sich Pia mit diesem Interview und der Ankündigung hlchstwahrscheinlich nicht zu verlängern, eine bessere Diskussionsgrundlage mit den Clubtrainern verschaffen will. Der Schuss aber könnte nach hinten losgehen.

Selber glaube ich auch nicht, dass Pia Sundhage die ideale Trainerin ist, um den nach der WM 2015 notwendigen Generationswechsel entschlossen und mutig anzugehen. Sie hat bislang eher Teams betreut, die schon einen starken Stamm arrivierter Spielerinnen hatten. Es wird spannend.

Champions League ohne schwedische Clubs

"Und da machte es popp, popp..." schrieb ein schwedischer Kollege heute. (Foto: Rainer Fußgänger)

“Und da machte es popp, popp…” schrieb ein schwedischer Kollege heute. (Foto: Rainer Fußgänger)

Beide schwedischen Vertreter sind aus der Champions League ausgeschieden. Bloggerkollege Johan Rydén schrieb, dass in den letzten fünf Jahren nur ein schwedisches Team das Halbfinale dieses wohl bedeutendsten Wettbewerbs für Frauenfußballvereine erreicht hätte und dass man das eigentlich nicht zählen dürfe: Tyresö FF erreichte 2014 gar das Finale in Lissabon und unterlag dort knapp dem VfL WOlfsburg mit 3:4.

Tyresö hatte nur das Finale erreicht, weil es sich um ein finanziell gedoptes Team handelte, dass der Verein bzw. die Aktiengesellschaft, der der Verein das Team übergeben hatte, nicht mehr leisten konnte. Von Februar bis zum Zerplatzen der Seifenblase Ende Mai erhielten die Spielerinnen keine Gehälter.

Schweden ist wieder draußen und woran liegt es? An der Unzulänglichkeit im Kopfballspiel, sagt ein Kolege. Dem widersprach Rosengårds Trainer Marcus Tilly entschieden. Er sagte, dass es im Falle Rosengårds die Spitzenqualitäten von Alexandra Popp gewesen wären, die den Unterschied ausgemacht hätten. Popp sei der Unterschied gewesen, das sagte er auch mir in der nicht vorhandenen Mixed Zone, durch die die meisten Spielerinnen schnell verschwunden waren nach dem 3:3.

Nicht verloren und dennoch ausgeschieden, das ging nicht in die Köpfe der Spielerinnen rein. Tut es nie. Das sagte mir vor ein paar Jahren schon Linda Sällström, als sie noch bei Linköping spielte und man nach einem 2:2 daheim “nur” ein 1:1 in London geholt hatte. Das sagte mir gestern auch Anja Mittag nach dem Spiel, als ich ihr noch kurz begegnete.

Marta macht das 1:1. Weltklasse seit 12 Jahren.

Marta macht das 1:1. Weltklasse seit 12 Jahren.

Marta soll lange auf dem Platz gesessen haben, niedergeschlagen. Als ich sie nach dem Spiel auf dem Weg aus der Kabine kommen sehe, tröstet sie einen Fan auf Englisch und sagt, dass man es doch nächstes Jahr wieder versuchen könne. Sie (das Mädchen) solle doch nicht weinen und Marta lacht ihr aufmunternd zu. Ich gebe Marta einen leichten Klaps auf den Oberarm und sage, dass es mir leid tut um das Team, gehe weiter. Marta schaut auf, lächelt kurz und nickt und widmet sich dann wieder ihrer Gesprächspartnerin.

Am Abend ärgere ich mich dann über das deutsche Fernsehen. Das ZDF, namentlich die Reporterin Claudia Neumann, berichtet kurz über das Spiel im Aktuellen Sportstudio. In der Anmoderation sagt Katrin Müller-Hohenstein, die bei der Männer-WM noch lasziv mit den Füßen plantschend mit Lukas Podolski im gleichnamigen Becken in Brasilien gesessen hatte und damit ein Musterbeispiel für neutralen Sportjournalismus geliefert hatte, dass der VfL Wolfsburg gegen “so eine Mannschaft aus Schweden” gespielt hätte.geht’s noch? Als ob man bei den Männern ein vergleichbares Kaliber wie sagen wir Juventus Turin “so ne Mannschaft aus Italien” nennen dürfte. Wenn Frauen Frauenfußball marginalisieren…

Dann setzt Neumann einen drauf. In ihren 3-4 Minuten zeigt sie uns die Tore und macht Stimmung gegen Marta. Sie habe eine klare Tätlichkeit gegen Martina Müller begangen, sagt nicht, was man normalerweise für Tätichkeiten bekommt, denn das soll sich der aufgebrachte Zuschauer selber denken und stellt dann nach dem Spiel gezielt gerichtete Fragen an Müller, die sich über die böse Marta auslassen soll. Müller tut Neumann den Gefallen und demonstriert Schadenfreude. Unterverstanden wird vermittelt, dass Marta indiskutabel sei und dass Müller & Co. aber glücklich seien, dass man sie jetzt zwei Jahre lang hintereinander in die Schranken gewiesen hätte. Als ob es primär darum gehen würde.

Da tut einem die Spielerin Müller leid, die benutzt wird, den Bericht tendenziös zu machen.

Trainer Ralf Kellermann, Stürmerin Alexandra Popp und auch Martina Müller selber haben übrigens nicht von Tätlichkeit gesprochen. Der VfL sollte sich beim ZDF beschweren für diese unprofessionelle Berichterstattung. Die Pfiffe und Buhrufe gegen Marta in Deutschland werden, das wurde mir gestern Abend leider klar, von den Medien unterstützt und sogar provoziert. Es gibt ja eine gute Geschichte und gute Geschichten geben Quoten. Traurig.

Warum hat Wolfsburg “gewonnen”? Gewonnen haben sie ja nicht, aber warum sind sie verdient weitergekommen?

Popp sagte, dass es den Wolfsburgerinnen klar gewesen wäre, dass den Schwedinnen (naja, so viele Schwedinnen spielen nicht in Rosengård…) so nach 60 Minuten die Luft ausgehen würde und so sei es gekommen. Sowohl im Hinspiel wie im Rückspiel.

Das wiederum liege daran, dass Rosengård eben eigentlich noch in der Vorsaison wäre und erst vier Wettbewerbsspiele inklusive dieses gestrigen, absolviert hätte. Sagt mir Rosengårds Trainer Marcus Tilly.

Sollte man dann nicht ernsthaft über eine Änderung der Saisontermine nachdenken, frage ich Tilly. Er gibt sich hoffnungslos. Naja, darüber rede man ja schon lange und immer wieder, aber leider ohne Resultat.

Ob alles an den unterschiedlichen Fitnessständen, weil einmal Vorsaison und zum anderen mitten drin?

Nein. Es ist mehr. Auch eine Einstellungsfrage. Wolfsburg arbeitet mit einem unerhört aggressiven Pressing, gibt dem Gegner keine Luft zu Atmen und versucht dann (ebenso wie Rosengård) bei Balleroberung schnell nach vorn zu kommen. Während die Wölfinnen aber entschlossen marschieren und JEDEM Ball nachrennen, fiel mir in der Abwehr von Rosengård gestern mehrfach auf, dass gezögert wurde. Kommt die noch an den Ball? Nö, dann muss ich ja vielleicht nicht hinlaufen. Oh Mist, sie kommt dran, sie setzt alles dran und kommt dran, ich muss loslaufen. Und schon ist man zwei Zehntelsekunden zu spät in den Sprint gegangen. Das summierte sich. Es führte nicht zu den Toren. Aber es trägt zur Dramaturgie des Spiels bei. Zum psychologischen Übergewicht.

Pia Sundhage saß gestern in Publikum. Sie soll begeistert gewesen sein von Malmös neuer Stammtorfrau Zecira Musovic. 18 Jahre alt und wohl die kommende Dominatorin im schwedischen Tir. Unglaublich ihre Ausstrahlung und auch ihr Reflex bei einem Schuss von Yuki Ogimi. Weniger begeistert dürfte Sundhage von ihrer derzeitigen Startspielerin Emma Berglund gewesen sein. Fehlpässe im Aufbauspiel, gleich mehrere und sogar unbedrängt.

Alex Popp köpft das 3:2 für Wolfsburg gegen taumelnde Schwedinnen

Alex Popp köpft das 3:2 für Wolfsburg gegen taumelnde Schwedinnen

Auch Lina Nilsson wurde gestern gezeigt, dass internationale Klassespielerinnen wie Popp oder Verena Faißt sie ins Schliddern bringen. Als Popp das 3:2 köpft und neben ihr auch noch Zsanett Jakabfi herangesprungen kommt, sehen sowohl die in der Natio bereits ausgemusterte Amanda Ilestedt wie auch Nilsson aus wie Spielerinnen einer Jugendauswahl gegen einen Champion-League-Sieger.

Anja Mittag hat abgezogen, noch weiß keine, ob das Ding auch reingeht

Anja Mittag hat abgezogen, noch weiß keine, ob das Ding auch reingeht

Vorne stimmte es, da zeigten besonders Anja Mittag und Marta ihre Klasse. Von der angeschlagenen Ramona Bachmann war ich etwas enttäuscht, aber sie ist eben nicht voll fit. Therese Sjögran hat auch schon bessere Spiele abgeliefert. Neben Mittag und Marta sind Rosengårds Pluspunkte Sara Björk Gunnarsdottir, Anita Asante und Musovic. Hätte man die sprungstarke Asante konkret auf Popp ansetzen können?

Wieso kann Popp, die europäische Antwort auf Abby Wambach, zweimal mehr oder minder ungehindert einköpfen, obwohl man darüber intensiv gesprochen hat?

Kopfballspiel ist in Schweden stark vernachlässigt bei den Frauen. In Kopenhagen verlor Linköpings FC gegen eine auf allen Positionen schlechter besetzte Mannschaft, weil man derzeit unter einer akuten Ladehemmung leidet, sich aber auch zweimal bei Flanken in den Strafraum Tore einhandelte. Emma Madsen köpfte gestern das 1:0 für Brøndby, Mariann Gajhede glich aus und in der zweiten Halbzeit spielten die Däninnen mit einer Neunerkette vor dem eigenen Tor. Für den 1.FFC Frankfurt wird Brøndby Kanonenfutter. Es wird zwar kein 12:0 addiert geben wie gegen Bristol City, aber 6:0 addiert sollte drin sein.

Und im Finale in Berlin holt Wolfsburg den Hattrick. Bis dahin ist Lena Goeßling wieder dabei. Denn das sollte man auch erwähnen: Wolfsburg kam weiter, obwohl es auf Schlüsselspielerinnen verzichten musste. Der kader ist breit und ausgeglichen besetzt. Als Popp gestern ihren zweiten Treffer machte, fragte man sich, wen Marcus Tilly nun einwechseln könnte, der das Matchbild verändern könnte. Da saßen überwiegend talentierte Teenager, die in der Liga durchaus im Rahmen dieses Teams eingebaut werden können, auf dem höchsten europäischen Niveau aber nicht mithalten können. Und so blieb es dann auch bei der Einwechslung von Kirsten van de Ven. Wohl auch weil Tilly wusste, dass er nichts mehr hatte außer die Hoffnung auf Marta oder Mittag oder Bachmann. Bachmann bekam tatsächlich in der 94. Minute noch den Ball nach einer Ecke vor die Füße. Vergab kläglich. Hätte sie das Ding reingemacht, wir wären Zeuge eines Fußballwunders geworden – und das vor einer Rekordkulisse von fantastischen 5.700 Zuschauern.

Noch nicht aller Tage Abend

Pia Sundhage fehlte gestern bei der Präsentation des Kaders für die Länderspiele gegen die Schweiz und Dänemark, sie hatte Fieber. Aber Assistentin Lillie Persson gab eine Reihe von aufschlussreichen Kommentaren.

Zwei Spielerinnen vermisste man in der Liste. Fridolina Rolfö und Antonia Göransson.

Lillie Persson sagte, dass beide noch eine Chance hätten: “Sie müssen gesund sein und gute Leistungen in der Damallsvenskan zeigen. Zu Rolfö: “Was ich sehen will, ist regelmäßiges Training, es kann nicht sein, dass sie 1-2 Trainingseinheiten absolviert und dann aufhört. Sie muss auch anfangen, regelmäßig zu spielen.” Da möchte man Persson zurufen, dass man doch nur spielen kann, wenn man auch aufgestellt wird bzw. eingewechselt, was Schwedens versammelte Frauenfußballjournalisten seit Monaten fordern.

Zu Göransson: “Antonia bringt keine Leistungen auf dem Niveau, das wir von ihr erwarten. Sie muss in Vittsjö weiterarbeiten. Sie ist absolut nicht aus dem Blickfeld, sie hat ja eine Eigenschaft die wir ‘explosiv’ nennen, aber genau dieses ‘explosiv’ haben wir vermisst, als sie dabei war. Gleichzeitig war sie eine Zeitlang nicht dabei und das kann eine Frage des Selbstvertrauens sein.”

Kennt man Sundhage/Persson und ihren Hang zu Vertrautem und ihre Abneigung gegen spontane Entscheidungen klingt das weder für Rolfö noch für Göransson, als ob sie eine reale Chance haben. Aber wir werden sehen.

Die deutschen Fans, die Interesse am schwedischen Team haben und im Sommer nach Kanada fahren, sollten sich in Toronto aufhalten. Denn dort wird das schwedische Team Quartier machen, um dann erst zum Spiel gegen Nigeria nach Winnipeg zu reisen. Das gab Nationalmannschaftschefin Marika Domanski Lyfors gestern bekannt.

“Viele Teams werden von und nach Toronto reisen,” sagte Domanski Lyfors gestern. “Nach der Auslosung haben wir mit anderen Teams diskutiert und viele dachten daran, etwas in Toronto zu machen, bevor sie innerhalb Kanadas weiterreisen. In der Nähe kann man Natur erleben und die Mädels mögen ja Städte. Die gehen gerne shoppen und genießen ihre Freizeit und wer tut das nicht.”

Ohne Musovic und Rolfö – Schwedens letzter Kader vor der WM

Pia Sundhage ist keine Freundin von schnellen oder mutigen Entscheidungen. Nachdem sich Zecira Musovic wohl einen Stammplatz in Schwedens bester Vereinsmannschaft erspielt hat und zuletzt gegen Spitzenteams wie Linköpings FC und auch den VfL Wolfsburg glänzende Leistungen zeigte, hatte die Presse ihren Namen ins Spiel gebracht, aber wer Sundhage kennt, weiß, dass sie nichts von spontanen Entscheidungen hält, nicht einmal, wenn es nur um den dritten Platz als Torhüterin geht. Hedvig Lindahl, Carola Söberg und Hilda Carlén sind bei den Spielen gegen die Schweiz und Dänemark dabei.

Auch die zuletzt verletzte Fridolina Rolfö, die das Potential zu einem der besten WM-Joker des Turniers hätte, wird nicht dabei sein, obwohl sie jetzt wieder bei Linköping im Kader ist und am Sonntag gegen Brøndby die letzten 20 Minuten spielte. Damit ist die WM-Teilnahme für Schwedens vielleicht talentierteste Angreiferin durchaus fraglich.

Lediglich Emilia Appelqvist aus Piteå nimmt anstelle von Antonia Göransson aus Vittsjö an dem Lehrgang teil. Einen Monat nach den beiden Spielen Anfang April steht dann die Bekanntgabe des Kaders auf dem Programm.