Über Rainer

Seit 2005 beschäftige ich mich mit Frauenfussball und vor allem dem in Schweden, da ich nun mal hier wohne. Das reine Zuschauen reichte mir nicht, also begann ich, über den Sport zu schreiben und habe mit den Jahren immer mehr über Fussball gelernt und sehr viele interessante Begegnungen gehabt. Interviews mit Marta, Lotta Schelin, Anja Mittag, Tiny Gustavsson, Laura Kalmari, Ali Krieger, Christen Press, Vero Boquete und vielen vielen mehr haben mir einen Einblick in die faszinierende Welt dieser wunderbaren Randsportart gegeben, die ab und an sogar das Interesse des Mainstreams bekommt.

Nilla Fischer will Karriere in Schweden beenden

Abwehrbollwerk Nilla Fischer spielt beim vermutlich in der kommenden Saison total dominierenden VfL Wolfsburg und nimmt in einem Interview mit der Boulevardzeitung Expressen gleich drei Titel ins Visier.

Ihre Karrere will die 31-Jährige aber in der Damallsvenskan beenden. Der Vertrag in Wolfsburg läuft 2017 aus und danach will Fischer zurück in die Heimat.

“Man soll ja niemals nie sagen, aber ich habe Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass ich es in einem anderen Club ähnlich gut haben könnte wie hier in Wolfsburg,” so Fischer.

Zum idealen Nachfolger auf Pia Sundhage, die ihren 2016 auslaufenden Vertrag wohl nicht verlängern wird sagte Fischer in dem Interview: “Ich hoffe, dass es jemand wird, der noch überhaupt nicht im System [des schwedischen Fussballverbands] gewesen ist. Natürlich jemand mit Trainererfahrung, aber es wäre schön, wenn es jemand wird, der vorher noch keine Nationalmannschaft betreut hat.” Wunschkandidaten wollte Nilla Fischer nicht nennen.

Die Nationalspielerin äussert sich auch politisch zu den in letzter Zeit veröffentlichten Meinungsumfragen in Schweden, nach denen die mindestens rechtspopulistischen Schwedendemokraten immer stärker werden: “Das, was geschieht, macht mir Angst. Sehr sogar. Ich frage mich, auf welchem Weg Schweden ist. Dass es so viele Leute gibt, die eine rassistische Partei wählen würden, das ist beinahe unwirklich. Ich hoffe, dass es aus Unwissen ist, dass so viele den Schwedendemokraten ihre Stimme geben wollen. Aber ich fürchte, dass es nicht so ist. Schweden ist vielleicht dabei ein fremdenfeindliches statt ein offenes Land zu werden, in dem alle akzeptiert werden.”

In Deutschland sei ihr Rassismus noch nicht direkt begegnet, so Fischer in dem Interview, aber sie erwähnt die zahlreichen Angriffe auf Flüchtlingsheime und konstatiert, dass es möglicherweise und leider überall rauher werde.

Gleichauf – Rosengård strauchelt weiter

Hammarbys U19-Europameisterin Anna Oskarsson gegen AIK

Hammarbys U19-Europameisterin Anna Oskarsson gegen AIK

Hätte vor der Saison 2015 jemand gesagt, dass der FC Rosengård nach 15 Spieltagen zwar Tabellenführer sein würde, dass aber Eskilstuna United punktgleich auf Plat 2 liegen würde, kaum jemand hätte einem geglaubt.

Wenige Stunden vor dem Spiel in Kristianstad erfuhren die Spielerinnen des Meisters, dass Ramona Bachmann nun doch noch nach Wolfsburg wechseln würde. Aus Wolfsburg hagelte es Zitate für die Presse von Trainer Ralf Kellermann und auch von Bachmann selber und Rosengårds Geschäftsführer Klas Tjebbe war stinksauer und sprach von schlechtem Timing. Man hatte die Spielerinnen erst am Tag danach informieren wollen und wollte das wichtige Auswärtsspiel erst einmal ohne Info absolvieren. Dabei war der Mannschaft schon seit Mitte Juli bekannt, dass Bachmann wechseln würde. Für rund 100.000 € Ablöse, wie es heisst.

Es geht ums liebe Geld. Natürlich will Ramona Bachmann vor allem Titel gewinnen, aber die kann sie nur bei einem Team gewinnen, dass sehr starke finanzielle Muskeln hat. Davon gibt es in Europa derzeit nur vier: Wolfsburg, Bayern München, PSG und Olympique Lyon. Rosengårds Muskeln dagegen scheinen nachzulassen.

Anja Mittags und Ramona Bachmanns Weggang sowie Therese Sjögrans Karriereende mitten in der Saison haben den FC Rosengård enorm geschwächt. Vorher sieben Siege in sieben Spielen, nach der WM nur noch drei Siege in acht Spielen. Viermal Unentschieden und eine Niederlage. Beim Dreipunktesystem hast du damit 11 Punkte liegen gelassen.

Noch immer können sie Meister werden, am Sonntag das Auswärtsspiel in Piteå, danach noch Örebro und Göteborg. Neun Punkte aus diesen drei Begegnungen und der Kurs wäre gewendet. Aber der ohnehin schon dünne Kader ist noch dünner geworden. Noch gibt es Marta, aber die Brasilianerin kanns auch nicht alleine machen. Von ehemals drei Offensivspielerinnen mit Prädikat Weltklasse ist nur noch eine geblieben.

In einem Interview mit der Lokalzeitung Sydsvenskan gab Ramona Bachmann zum Abschied ihrem ehemaligen Club einen Rat. Man solle sich möglichst um eine Zusammenarbeit mit dem Männervereuin Malmö FF bemühen, der um zweiten Mal die Quali für die Gruppenphase der Champions League geschafft hat. Darin liege die Zukunft im Frauenfussball. Wie auch ich glaubt Bachmann nicht mehr daran, dass reine Frauenfiussballvereine im Konzert der Grossen bestehen können. In Deutschland sieht man das noch deutlicher dieses Jahr, wo sowohl Potsdam, aber auch Frankfurt weiter an Boden verlieren werden. Und England liegt auf der Lauer. Denn eher früher als später werden dort die durch einen neuen Fernsehvertrag reich gewordenen Clubs der Premier League auch Geld in ihre Frauenabteilungen stecken und damit die europäische Szene aufmischen.

Der 15. Spieltag im Überblick:

Kristianstads DFF – FC Rosengård 0:0
Zuischauer: 671
Zum ersten Mal gewinnt Kristianstad überhaupt einen Punkt gegen Rosengård (einst LdB FC Malmö)

Umeå IK – Piteå IF (0:0) 2:2
Tore: 0:1, 0:2 Hanna Pettersson (47., 53.), 1:2, 2:2 Jenny Hjohlman (75., 81.)
Torschützenkönigin Pauline Hammarlund (Piteå) war gelbngesperrt.
Zuschauer: 589

Hammarby DFF – AIK (1:1) 1:1
Tore: 1:0 Katrin Schmidt (15.), 1:1 Julia Zigiotti-Olme (40.)
Zuschauer: 1160

Kopparbergs/Göteborg FC – M,allbackens IF Sunne (0:0) 1:0
Tor: 1:0 Manon Melis (57.)
Zuschauer: 263

Eskilstuna United – KIF Örebro (1:1) 3:1
Tore: 1:0 Olivia Schough (36.), 1:1 Julia Spetsmark (45.), 2:1 Gaelle Engamanouit (62.), 3:1 Sofie Persson (88.)
Zuschauer: 3004
Olivia Schough schoss nicht nur das erste Tor, sie passte auch zu beiden anderen Treffern.

Vittsjö GIK – Linköpings FC (0:3) 0:3
Tore: 0:1 Kristine Minde (34.), 0:2 Fridolina Rolfö (35.), 0:3 Stina Blackstenius (38.)

Kein Torwart bei Göteborg

Hammarbys Emma Jansson auf dem Weg zum 1:0 gegen Göteborg

Hammarbys Emma Jansson auf dem Weg zum 1:0 gegen Göteborg

Das Gesprächsthema des 14. Spieltags der Damallsvenskan war die Tatsache, dass Kopparbergs/Göteborg FC zum Auswärtsspiel bei Hammarby in Stockholm ohne Torhüterin auftauchte. Stammtorfrau Lois Geurts ist nach einer Gehirnerschütterung noch immer nicht auf dem Damm, die mehr schlechte als rechte Ersatzfrau Fanny Lund (sorry, aber wenn man in einem Spiel zwei Freistösse aus 55 Meter Entfernung reinplumpsen lässt) ist krank und Backup Kristin Hammarström war auf der Hochzeit ihrer Zwillingsschwester Marie. 

Als ich bei rund 25 Grad herrlichster Sommerwärme in den Presseraum auf dem Zinkensdamms IP marschierte und die Mannschaftsaufstellungen sah, stand bei Göteborg #1 Anna Ahlstrand. Es war das 118. Spiel von Ahlstrand in der Damallsvenskan und zuletzt als Kind hatte sie im Tor gestanden. Aber die Mittelfeldspielerin musste ran, weil sie ab und an schon mal im Training zwischen den Pfosten gestanden hatte.

Am Ende gewann Hammarby 3:2. Mindestens der erste Treffer geht auf Ahlstrands Kappe, aber ihr ist natürlich kein Vorwurf zu machen, eher der Respekt vor dem Mut zu zollen, dass sie in einer schwierigen Situation für die Mannschaft eingesprungen ist. Nein, eine Juniorenmannschaft hat Göteborg nicht und gestern gab es auch keinen Ersatztorwart.

Der Vorsitzende von Hammarbys Konkurrent Mallbacken um den rettenden zehnten Platz war richtig sauer und sprach von Wettbewerbsverzerrung.

In Malmö lief gegen Mallbacken kaum was zusammen für den FC Rosengård trotz klarer Übnerlegenheit und es gab ein äusserst mageres 2:1. Retterin: Marta Vieira da SIlva, die beide Tore schoss. Drei Punkte sind aber drei Punkte, bekanntermassen. Und nun liegt man fünf Punkte vor dem spielerisch stärksten Konkurrenten Linköping, der in Örebro 1:2 patzte.

Die Überraschungsmannschaft der Saison ist definitiv Piteå IF. Das Team aus dem hohen Norden siegte souverän 3:0 bei Vittsjö und wird, das steht schon acht Spieltage vor dem Ende der Saison fest, die bislang beste Punktebeute in der ersten Liga machen.

Im einzelnen.

KIF Örebro – Linköpings FC (1:0) 2:1
Tore: 1:0 Lisa Dahlkvist (16.), 1:1 Mariann Gajhede Knudsen (80.), 2:1 Julia Spetsmark (88.)
Zuschauer: 581

FC Rosengård – Mallbackens IF Sunne (0:0) 2:1
Tore: 1:0 Marta (67.), 1:1 Mimmi Larsson (81.), 2:1 Marta (87.)
Zuschauer: 681

AIK – Umeå IK (1:2) 3:6
Tore: 0:1 Hanna Sandström (2.), 1:1 Maija Saari (5.), 1:2 Rita Chikwelu (31.), 1:3 Emmi Alanen (50.), 1:4 Hanna Sandström (53.), 2:4 Maija Saari (75.), 2:5 Jenny Hjohlman (77.), 2:6 Elin Bäckström (82.), 3:6 Eldina Ahmic (87.)
Zuschauer: 258

Hammarby DFF – Kopparbergs/Göteborg FC (1:1) 3:2
Tore: 1:0 Emma Jansson (11.), 1:1 Manon Melis (40.), 2:1 Anna Oskarsson (53.), 3:1 Elina Johansson (60.), 3:2 Danielle van de Donk (66.)
Zuschauer: 422

Vittsjö GIK – Piteå IF (0:3) 0:3
Tore: 0:1 Emelie Lövgren (16.), 0:2 Pauline Hammarlund (36.), 0:3 Faith Ikidi (40.)
Zuschauer: 438

Eskilstuna United – Kristianstads DFF (1:0) 2:0
Tore: 1:0 Felicia Karlsson (30.), 2:0 Gaelle Engamanouit (93.)
Zuschauer: 1837

 

Tabelle:

14

 

Pauline Hammarlund (Piteå) führt die Torschützenliste mit zehn Treffern an. Man darf gespannt sein, ob Pia Sundhage sie für die bevorstehenden EM-Qualifikationsspiele in Moldawien und gegen Polen (in Göteborg) anrufen wird.

Hinter Hammarlund rangieren Ramona Bachmann (Rosengård), Gaelle Engamanouit (Eskilstuna) und Pernille Harder (Linköping) mit je neun Toren.

Marta hat nun sieben Tore und liegt auf Rang 5.

Dreikampf wieder aktuell

Nachdem der FC Rosengård am Freitagabend bereits zwei Punkte im Heimspiel gegen Vittsjö liegen liess, haben die Verfolger Linköping und Eskilstuina ihre Pflichtaufgabenm gelöst und sind bis auf zwei Punkte an den Meister herangerückt.

Das Ereignis des 13. Spieltags aber war das gestrige Spiel Kristianstads DFF – KIF Örebro, das nicht stattfand. 15 Minuten vor dem angesetzten Spielbeginn, zu dem der CL-Teilnehmer aus Örebro immerhin 440 km im Bus angefahren kam, sagte Schiedsrichterin Annica Andric das Spiel ab. Grund: Drainage des Platzes nicht abgeschlossen und grosse Mengen Sand auf verschiedenen Partien des Naturrasens. Wie sich herausstellte, hat der zuständige Platzwart, der für den Stadionbesitzer, die Gemeinde Kristianstad, arbeitet, Urlaub und eine Vertretung gab es nicht.

Wie bitte? Ja, so verlautete es heute Morgen in mehreren Medien. Trainerin Elisabet Gunnarsdottir verweigerte den Journalisten einen Kommentar, sie sei zu sauer, sagte sie. Örebros Trainer Richard Olsson fühlte sich auf den Arm genommen, dass nach einer fünfstündigen Busfahrt wieder eine fünfstündige Busfahrt und der berühmte Satz “ausser Spesen nichts gewesen” stehen sollte. Im Männerfussball wäre das sicher nicht passiert. Mit Frauen kann man’s ja machen. Der schwedische Fussballverband wird nun prüfen, wie mit dem ausgefallenen Spiel verfahren wird und ob der Gastgeber Kristianstads DFF, der den Platz nur mietet, eventuell bestraft wird oder nicht.

Ansonsten. Piteå sorgte nach der überraschend hohen 0:5 Klatsche von Linköping unter der Woche am Sonntag für ein ebenso überraschend hohes 4:0 gegen Göteborg. Dabei schoss die Norwegerin June Pedersen zwei (!!!) Freistosstore aus gut 50 Metern Entfernung, schlimme Fehler der 18-Jährigen Fanny Lund, die mit der Aufgabe, Stammtorhüterin Loes Geurts zu vertreten, überfordert ist. Pauline Hammarlund liegt nach ihrem zehnten Saisontreffer nun allein an der Spitze der Torschützenliste.

AIK hat sich wohl aufgegeben, denn nach dem 0:1 in Mallbacken, durch einen sehr zweifelhaften Foulelfmeter, gibt es wohl kaum noch Chancen auf den Klassenerhalt. Da liess man heute auch Nationalspielerin Emma Lundh nach  Norwegen zu Tabellenführer Lilleström SK ziehen. Die wollen vermutlich die eine verletzte Schwedin Mimmi Löfwenius durch eine andere ersetzen.

Überhaupt: Schiedsrichterinnenleistungen. Eine freche Schwalbe von Ramona Bachmann, die mit nichts anderem als gelb hätte geahndet werden müssen, rettete Rosengård den Punkt. Ein Nicht-Elfer bringt Mallbacken den Sieg und AIK den endgültigen Abstieg. In Umeå bringt eine katastrophale Einwurfentscheidung das 0:1. Das sieht düster aus in dieser Saison. Männer wird man aber dennoch nicht pfeifen lassen. Es bleibt bei der politisch korrekten Lösung statt eine sportlich adäquate Lösung zu suchen. Die nämlich, dass die Besten die Spiele der besten Liga pfeifen sollten. Damit nicht gesagt, dass Männer besser pfeifen als Frauen, es gibt halt noch immer weniger gut ausgebildete Schiedsrichterinnen. Auch das sollte man ändern. Aber solange man noch nicht ausreichend gute Frauen hat, muss dem Sport zuliebe gehandelt werden.

FC Rosengård – Vittsjö GIK (1:1) 2:2
Tore: 1:0 Emma Berglund (3.), 1:1 Jane Ross (44.), 1:2 Antonia Göransson (48.), 2:2 Sara Björk Gunnarsdottir (Foulelfmeter, 50.)
Zuschauer: 849

Piteå IF – Kopparberg/Göteborgs  FC (3:0) 4:0
Tore: 1:0 June Pedersen (29.), 2:0 Hanna Pettersson (35.), 3:0 June Pedersen (45.), 4:0 Pauline Hammarlund (85.)
Zuschauer: 1920

Mallbackens IF Sunne – AIK (1:0) 1:0
Tor: 1:0 Frida Broström (Foulelfmeter, 45.)
Zuschauer: 1323

Umeå IK – Eskilstuna United (0:1) 1:2
Tore: 0:1 Gaelle Engamanouit (24.), 1:1 Hanna Glas (63.), 1:2 Sofie Persson (85.)
Zuschauer: 441

Linköpings FC – Hammarby DFF (2:0) 3:0
Tore: 1:0, 2:0 Pernille Harder (9., 43.), 3:0 Emma Lennartsson (82.)
Zuschauer: 819

Punktverlust in Malmö

Auch wenn der FC Rosengård am Freitagabend sein Heimspiel gegen Vittsjö GIK eigentlich hätte verlieren müssen, werden die Verfolger dennoch zufrieden sein, dass der Tabellenführer beim 2:2 zwei Punkt liegen liess.

Verlieren müssen, da Vittsjö nach dem Schrägschuss von Antonia Göransson das Spiel gedreht hatte und weil der Ausgleich nach einer gelbreifen Schwalbe von Ramona Bachmann zustande kam. Den völlig unberechtigten Elfmeter verwandelte Sara Björk Gunnarsdottir. 

Aber mit Marta und Anita Asante verletzt, reicht der vorhandene Spielerkader nicht einmal aus, um gegen den Tabellensechsten zu schlagen, den man in den drei Vorjahren daheim mit 4:1, 4:1 und 7:1 abgefertigt hatte.

Im Stadion: Neuzugang Josée Belanger, die also mit der Nummer 20 auflaufen wird und wohl nächste Woche ihr erstes Spiel bestreiten wird.

Isabell Herlovsen sollte zu Rosengård

Statt Josée Belanger stand eigentlich die 27-Jährige Norwegerin Isabell Herlovsen auf der Wunschliste des FC Rosengård. Laut Ex-Sportchef Erling Nilsson waren alle Papiere bereits unterschriftsreif, als die Norwegerin bei einem Umug innerhalb Oslos eine Tür auf ihren Fuss bekam und sich dabei den kleinen Zeh des linken Fusses brach. Sechs bis sieben Wochen Pause und zu lange für Rosengård, das hier und jetzt Verstärkung brauchte. Nilsson nannte nicht den Namen der Norwegerin, die bei der WM Tore für Norwegen erzielt habe, aber eine einfache Suche führte zu der in Mönchengladbach als Tochter des ehemaligen Borussen Kai-Erik Herlovsen geborenen Spielerin.

Allerdings scheint mir Isabell Herlovsen dann doch wesentlich torgefährlicher zu sein als Belanger. Das Warten hätte sich lohnen können.

Ikidi spielt nicht für Schweden

Die Nigerianerin Faith Ikidi hat seit kurzem einen schwedischen Pass. Seit mehreren Jahren spielt sie schon in der Damallsvenskan und neben vielen anderen halte auch ich sie für die beste Abwehrspielerin der Liga, nicht nur in diesem Jahr. Wenn Nilla Fischer allenthalben ausgezeichnet wird, müsste Ikidi den Schrank schon voller Preise haben. Allein in Sachen Stellungsspiel könnte die Wolfsburgerin viel von Faith Ikidi lernen, die im hohen Norden bei Piteå IF spielt.

In einem Interview mit einer Lokalzeitung in Piteå sagte Pia Sundhage, dass Ikidi auf jeden Fall interessant für die schwedische Nationalmannschaft sei. Sie werde den schwedischen Fussballverband bitten, untersuchen zu lassen, ob Ikidi trotz A-Länderspielen für Nigeria für Schweden in Frage kommen könnte.

Das hätte sie auch einfacher haben können, denn fast alle wissen: Spielerinnen, die für ein Land A-Länderspiele absolviert haben, können bei Wechsel der Staatsangehörigkeit NICHT für das neue Land spielen. Ausnahmen gibt es nicht.

Bachmann muss bleiben

Der Wechsel der Japanerin Yuki Ogimi, der am Donnerstagmorgen bekanntgegeben wurde, hat noch einma die Spekulationen angeheizt, dass Ramona Bachmann nun doch noch in den nächsten Tagen zum VfL Wolfsburg wechseln könnte.

Rosengårds Sportchefin Therese Sjögran hat solchen Vermutungen heute in Sydsvenska Dagbladet eine Absage erteilt, oder?

“Natürlich gibt es Interesse, aber wenn es einen Wechsel geben soll, muss es eine Ablöse geben. Für mich ist sie unverkäuflich. Sie ist eine der Spielerinnen, um die wir die Mannschaft bauen und sie ist sehr wichtig für uns,” so Sjögran.

Das schwedische Transferfenster ist seit Dienstag geschlossen und man könnte jetzt auch keine neue Spielerin mehr holen.

Wenn Sjögran sagt, dass Bachmann für sie unverkäuflich ist, gibt es vielleicht andere im Verein, die mehr zu sagen haben und die entscheiden können, Bachmann zu verkaufen, wenn die Ablöse stimmt?

Fakt ist, dass Rosengård weiter stark geschwächt würde, wenn die 24-Jährige Schweizerin tatsächlich gen Wolfsburg schon jetzt ziehen würde. Geschäftsführer Klas Tjebbes Äusserung im Kontext mit der Verpflichtung von Josée Belanger klang fast schon wie der Abgesang auf den Anspruch, einer Topclubs in Europa sein zu wollen. Am Dienstag hatte Therese Sjögran hier noch hoffnungsvoll hinzugefügt, dass man in Malmö mit anderen Werten konkurrieren könne, einer tollen Umgebung und so weiter. Aber das zählt auch in der Topetage des Frauenfussballs nicht mehr. Da gibt es nun mal wenige Weltklassespielerinnen, die doch schon gutes Geld verdienen können und warum sollten sie andere Werte vorziehen, wenn sie anderswo das Doppelte und Dreifache verdienen können?

Beflügelt

Der Pokalsieg am Sonntag hat Linköpings FC scheinbar Flügel verliehen. Denn am Mittwochabend gewann man daheim gegen den Tabellenvierten Piteå IF mit 5:0 und setzte sich damit wieder auf Rang 2 der Tabelle nach 12 Runden, fünf Punkte hinter dem FC Rosengård, der wieder einmal einsam seine Kreise zieht, aber dennoch selten so verwundbar ausgesehen hat wie in dieser Saison nach dem Weggang von Anja Mittag und dem wohl bevorstehenden Abgang von Ramona Bachmann. 

Als Mittag-Nachfolgerin wurde heute die Verpflichtung der kanadischen Nationalspielerin Josée Belanger bekanntgegeben. Belanger ist Franko-Kanadierin, kommt aus Montréal und hat 35 Länderspiele für Kanada absolviert, bei der WM alle fünf Begegnungen der Gastgeber durchgespielt. Mit Sicherheit keine Spielerin, die auch nur annähernd die Klasse von Anja Mittag hat. Und dabei trotzdem schon 29 ist.

Dabei war die Sprache von Geschäftsführer Klas Tjebbe nicht wie gewöhnlich bei Neuverpflichtungen enthustiastisch, sondern eher schon fast entschuldigend. “das ist eine gute Lösung für den FC Rosengård in der Lage, in der wir uns befinden. Wir haben wenig Geld und ein sehr strammes Budget. Der Frauenfussball ist in Europa im Aufwind und damit auch die Gehälter. Wir können nicht und wir wollen nicht bei den Gehältern konkurrieren. Wir müssen es wagen, die Wirklichkeit zu sehen.” Ein sehr merkwürdiger Kommentar über eine Neuverpflichtung. Nach dem Namenswechsel von LdB FC Malmö zu FC Rosengård wurde zunächst von einer glänzenden Zukunft gesprochen, aber nach rund eineinhalb Jahren ist davon jetzt also keine Rede mehr. Tjebbes Worte klingen wie der Anfang vom Ende der kurzen Hegemonie der Südschwedinnen..

AIK – Vittsjö GIK (0:3) 0:4
Tore: 0:1 Michelle Pao (20.), 0:2 Jane Ross (26.), 0:3 Michelle Pao (36.), 0:4 Jane Ross (79.)
Zuschauer: 250

Umeå IK – Hammarby (1:0) 2:0
Tore: 1:0 Lina Hurtig (5.), 2:0 Lina Hurtig (46.)
Zuschauer: 458

Mallbackens IF Sunne – KIF Örebro (0:0) 1:0
Tor: 1:0 Madeleine Janogy (55.)
Zuschauer: 855

Linköpings FC – Piteå IF (3:0) 5:0
Tore: 1:0 Wera Djatel (10.), 2:0, 3:0, 4:0 Pernille Harder (21.,43., 54.), 5:0 Fridolina Rolfö (87.)
Zuschauer: 548

Tabelle nach 12 Spieltagen:

12

Blackstenius und Dyatel schiessen Linköping zum Pokalsieg

20430783512_5409cb6eac_kFreier Eintritt in der Linköping Arena und 5602 Zuschauer.

Nach einem Frauenfussballwochenende in der Hauptstadt der Provin Östergötland, bei dem Linköpings FC mit vielen Sponsoren, der Stadt und freiwlligen Helfern ein tolles Programm für Kinder und Jugendliche, hauptsächlich Mädchen aufgezogen hatte, fand am Sonntagnachmittag bei bestem Wetter das Pokalfinale der Saison 2014/15 statt.

Zum zweiten Mal wurde der Pokal dabei analog zu den überjährigen Ligen in Deutschland, Frankreich und anderswo ausgetragen, mit dem Finale im August. Wenn die Viertel- und Halbfinals ausgelost werden, wird auch per Los bestimmt, wer das Finale austragen darf. In Schweden wird so der Pokal zum Heimspiel für einen Verein.

Linköping schlug den amtierenden Meister und Tabellenführer FC Rosengård mit 2:0 nach Toren von U19-Star Stina Blackstenius und der Ukrainerin Vera Dyatel. 

In der ersten Halbzeit dominierte Linköping nach einer Anfangsphase, die von sehr viel Respekt geprägt war. Bei Rosengård sassen die verletzten Sara Björk Gunnarsdottir und Ramona Bachmann auf der Bank, an einen Einsatz war nmicht zu denken. Aber man hat einfach niemanden mehr in einer ohnehin schon kleinen Truppe und geht personell auf dem Zahnfleisch. Trainer Jack Majgaard Jensen scherzte in der Pressekonferenz und versprach, dass dies wirklich Therese Sjögrans letztes Spiel gewesen sei. Die 38-Jährige war eigentlich vor einigen Wochen zurückgetreten, musste dann aber keine zwei Wochen später schon ihr Comeback lancieren und war für zehn Tage Sportchefin, Trainerin und Spielerin in Personalunion, eine Belastung, die unzumutbar ist. Ob es denn wirklich das letzte Spiel war? Ja, im Fussball wisse man doch nie, lachte Majgaard Jensen, wurde dann aber ernst und sagte, ja, jetzt sei Schluss für Sjögran.

Vor dem Spiel hatte ich die Prognose abgegeben, dass Linköping Favorit sei, dass man aber nie wisse, ob nicht doch Marta individuell mit einem Kabinettstück ein solches Spiel entscheiden würde.

Die überrragende Pernille Harder, wohl eine der besten Fussballerinnen Europas, spielte kurz vor der Halbzeit einen perfekt getimten Ball in die berühmte Tiefe des Raumes, wo er von Stina Blackstenius aufgenommen wurde. Und vor den Augen von Nationaltrainerin Pia Sundhage nahm Blackstenius den Ball auf und liess Sundhages nationale Innenverteidigung in Person von Amanda Ilestedt und Emma Berglund stehen und schoss eiskalt an ihrer U19-Mannschaftskameradin Yecirsa Musovic vorbei zum verdienten 1:0 für Linköping ins Netz.

Rosengård wurde stärker in der zweiten Halbzeit, im Takt als Linköping nachliess. Und tatsächlich hätte mein Gedanke wahr werden können, denn es war Marta, die die beiden besten Chancen zum Ausgleich für Rosengård hatte. Zunächst nach einem Fehler von Charlotte Rohlin, aber Goalie Katie Fraine klärte brillant. Und dann mit einem Kopfball den sie knapp vorbeisetzte. Aber da hatte sie schon Schmerzen im linken Oberschenkel und als, beim Rückstand, dann Marta ausgewechselt werden musste, 13 Minuten vor dem Ende und Trainer Majgaard Jensen die 20-Jährige Malin Gunnarsson brachte, war den meisten klar, dass aus einer Verlängerung wohl kaum noch was werden könnte. Zu klein die Truppe Rosengårds, zu wenig wirkliche Möglichkeiten auf der Bank.

Und drei Minuten vor dem Ende der normalen Spielzeit spielte Pernille Harder wieder einen so gefühlvollen Pass in den freien Raum nach links und da zog die Ukrainerin Vera Dyatel Richtung Tor und überwand Musovic mit einem Heber. 2:0. Gelaufen.

“Wir brauchen eine Stürmerin”, sagte Majgaard Jensen auf meine Frage, ob man denn die Herbstsaison mit Liga und Champions League mit diesem Kader bestreiten wolle. Eine Norwegerin soll kurz vor der Unterschrift gestanden haben, sich dann aber am Fuss verletzt haben.

In Sachen Bachmann nichts Neues, aber alle “Experten” gehen davon aus, dass sie bald zu Wolfsburg wechseln wird.