Eskilstuna das neue Tyresö?

Der schwedische Frauenfußball hat einen neuen Aufsteiger. Vergangenes Jahr war Eskilstuna United in die Damallsvenskan aufgestiegen und sorgte bereits im ersten Jahr für eine ordentliche Leistung, die mit einem am Ende guten siebten Platz belohnt wurde.Man war nicht unbedingt geplant aufgestiegen, hatte dann aber zielstrebig gute Verstärkungen geholt. Sara Thunebro und Annica Svensson wurden schon als Tyresö noch als Spitzenclub existierte dort nicht mehr gebraucht, als man die zukünftigen Weltmeisterinnen Meghan Klingenberg und Ali Krieger geholt hatte. Svensson landete mit einem Exkurs nach Vittsjö in Eskilstuna. Thunebro zog dorthin, weil sie ihren Eltern und ihrer Zwillingsschwester näher sein wollte. Malin Diaz kam ebenfalls aus der Konkursmasse des gescheiterten Stockholmer Vorortclubs und in der Kamerunerin Gaelle Engamanouit landete man einen Glücksgriff. Spätestens seit ihrem Hattrick gegen ein dennoch desolat schwaches Equador bei der WM ist die athletische Stürmerin aus Kamerun auch international ein Begriff. Mit Vaila Barsley und Louise Quinn hatte man bereits in der zweiten Liga ein äußerst kopfballstarkes Innenverteidigerpaar. Zur neuen Saison holte man das ewige Talent Olivia Schough, auch diese Verpflichtung entgegen allen Unkenrufen bislang ein Erfolg. Schough erzielte gestern ein äußerst wichtiges Tor gegen ihren ehemaligen Club Kopparberg/Göteborgs FC.

Ach ja, Eskilstuna gewann 3:1 in Göteborg und steht damit neben Linköping wohl als ernstzunehmender Konkurrent um den Champions-League-Platz für 2016/17 da. Mit 4-2-3 hat sich Göteborg, das wieder einmal ums Gold mitspielen wollte, wohl auch von Rang 2 verabschiedet. Drei Niederlagen und zwei Unentschieden sind eben 13 nicht eingefahrene Punkte, zu viel in einer so kurzen Saison.

KIF Örebro ist trotz des gestrigen Sieges die Enttäuschung der Saison. Der zweite schwedische Champions-League-Teilnehmer der kommenden Saison hatte fast eine komplette Mannschaft abgegeben und viele neue Spielerinnen geholt. Mit Hanna Folkessons Kreuzbandriss verschwand noch vor dem ersten Spiel der wichtigste Neuzugang und auch eine von Pia Sundhages Schlüsselspielerinnen, aber das alleine darf nicht der Grund sein, dass Örebro nun gerade mal zehn Pünktchen aus neun Spielen aufweist. In Umeå, das nach einem kurzzeitigen spielerischen Hoch wieder mal einen neuen Tiefpunkt lieferte, gewann Örebro dank zweier einfacher Torwartfehler von Malin Reuterwall.

Umeå IK – KIF Örebro (0:0) 0:2
Tore: 0:1 Sarah Michael (55.), 0:2 Lisa Dahlkvist (71.)
Zuschauer: 612

Kopparberg/Göteborgs FC – Eskilstuna United (1:3) 1:3
Tore: 1:0 Lieke Martens (10.), 1:1 Olivia Schough (12.), 1:2 Louise Quinn (30.), 1:3 Vaila Barsley (44.)

Linköping auf 2

Linköpings FC – KIF Örebro (1:1) 2:1
Tore: 1:0 Kristine Minde (10.), 1:1 Sanna Talonen (21.), 2:1 Magdalena Ericsson (75.)
Es war statistisch gesehen ein ausgeglichenes Spiel, aber Linköping hatte wesentlich mehr Ball und schlug Vizemeister Örebro verdient mit 2:1. Damit steht die Mannschaft von Trainer Martin Sjögren auf dem zweiten Platz, deutlich hinter Rosengård, aber dort wird Linköping bleiben. Die von Pia Sundhage zugunsten der großen alten Dame Sara Thunebro daheim gelassene Magdalena Ericsson entschied das Spiel und die wegen Verletzungen ebenfalls verschmähte Fridolina Rolfö zeigte in der letzten Phase, dass sie auf dem Weg zurück ist. In einem Interview mit der Lokalzeitung Corren sagte Martin Sjögren übrigens dieser Tage, dass er es für einen Fehler halte, Magda Ericsson nicht zur WM mitzunehmen. Die Kommunikation zwischen Pia Sundhage und der Liga sei verbesserungsfähig, so Sjögren weiter und sagte, das gelte für Sundhage, aber auch für die Trainer der Liga.
Unterdessen hat heute Natasa Andonova einen 2-Jahresvertrag in Malmö unterschrieben. Etwas Aufregung brachte ihre Äußerung, dass es in Potsdam kalt sei, während sie gehört habe, dass es in Malmö viel familiärer zugehe. Ich vermute, dass es hier Übersetzungsprobleme bei Sydsvenskan gab.

Die Tabelle nach dem 6. Spieltag:

6

In der Torschützinnenliste sind vier (!!) Spielerinnen von Rosengård vorne: Ramona Bachmann mit sechs Treffern vor Marta und Anja Mittag mit je 5, dann kommt Sara Björk Gunnarsdottir mit vier Toren und immerhin muss sie sich den Platz mit der bislang erfolgreichsten Schwedin Pauline Hammarlund (Piteå) teilen.

Göteborg verabschiedet sich aus dem Titelrennen

Kopparberg/Göteborgs FC – Umeå IK (1:0) 1:3
Tore: 1:0 Manon Melis (37.), 1:1 Lina Hurtig (53.), 1:2 Rita Chikwelu (55.), 1:3 Jenny Hjohlman (89.)

Dass der FC Rosengård Meister wird, daran gab es vor der Saison keine Zweifel. Ich glaube sogar, dass man den Titel auch ohne Anja Mittag problemlos  holen wird, denn das Potential von Marta und Ramona Bachmann ist für sich scho sehr groß. Außerdem bestätigte Sydsvenskan-Journalist Max Wiman mir gestern nochmals auf Twitter, dass die Suche nach dem Ersatz von Anja und Therese Sjögran auf Hochtouren läuft. Den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Wechsels zu PSG wolle eben PSG offiziell bestimmen. Sollten sie mal langsam tun, denn nun stehen lediglich zwei Heimspiele gegen Eskilstuna (morgen) und Kristianstad (Donnerstag) an. Die deutsche Mannschaft beginnt ab Montag das WM-Vorbereitungslager in der Schweiz.

Nein, Rosengård wird Meister und wenn die wenigen Konkurrenten sich auch noch ständig Punkte wegnehmen lassen, dann wird es umso einfacher.

Göteborg kann am Sonntagabend schon acht Punkte zurück liegen, ein unaufholbarer Vorsprung in der Welt der Damallsvenskan. Gestern Abend überraschte Umeå viele mit dem souveränen 3:1 in Göteborg, aber für mich war das sehr erwartet, denn schon daheim gegen Rosengård (0:2) war Umeå mindestens gleichwertig gewesen und hatte die steil ansteigende Form angedeutet. Unter der Woche gewann Umeå schon ein Spiel in Göteborg, nämlich das Pokalviertelfinale 2014/15 in Mölndal gegen Zweitligist Jitex (2:0). Die Mannschaft hielt sich von Mittwoch bis Freitag dann in Göteborg auf.

Sehenswerter Treffer zum 3:1 von Nationalspielerin Jenny Hjohlman, die damit ihren Kritikern eine schöne Antwort gab (auch mir :) ).

Fotbollsgalan – Teil 1

Anja Mittag und Malin Diaz

Anja Mittag und Malin Diaz

In acht Minuten beginnt die Livesendúng von den Fußballpreisen 2014 aus dem Stockholmer Ericsson Globe und schon vorher wurden fünf Frauenfußballpreise vergeben, die ich (leider!) allesamt richtig getippt habe: Trainer des Jahres wurde hochverdient Rickard Nilsson (KIF Örebro), der einen Verein mit bescheidenen finanziellen Mitteln in die Champions League geführt hat und das nicht durch Glück, sondern mit Methode.

Rickard Nilsson

Rickard Nilsson

Nicht meine Wahl, aber natürlich die der Jury war Malin Diaz Pettersson als Newcomerin des Jahres. Sie hat sowohl in der Nationalmannschaft wie auch in Eskilstuna keine tieferen Abdrücke hinterlassen, ganz im Gegensatz zu der ebenfalls nominierten Fridolina Rolfö (Linköping). Aber da die Jury zur Hälfte aus Mitarbeiterinnen des schwedischen Fußballverbands besteht, konnte die Wahl nicht anders ausfallen

Anja Mittag hat sich erst einmal die Trophäe der Torjägerin des Jahres abgeholt (21 Treffer) und wurde dann vor Sendebeginn auch als wertvollste Spielerin der Liga ausgezeichnet. Dass man diesen wichtigsten Preis quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit verleiht und die wichtigen Männerpreise dann live im TV sagt einiges aus über die Stellung des Frauenfußballs 2014 in Schweden.

Mia Jalkerud (Djurgården) erhielt als Torschützenkönigin der zweiten Liga Elitettan (26 Tore) ebenfalls den goldenen adidas(?)-Schuh.

Die Elf des Jahres

Morgen werden im Stockholmer Ericsson Globe (früher: Globen) die Auszeichnungen des Fußballjahres 2014 vergeben. Acht Preise werden verliehen an die besteTorhüterin, Abwehrspielerin, Mittelfeld, Angriff, Rookie, MVP, Torschützenkönigin und Fußballerin des Jahres (“Diamantboll”).

Der Spieler(innen)verein Fußball in Schweden hat die Spielerinnen der Damallsvenskan nun die Elf des Jahres abstimmen lassen. Pikanterweise gibt es dort lediglich für eine Schwedin Platz…

Stephanie Labbé (KIF Örebro/Kanada), Ali Riley (FC Rosengård/Neuseeland), Anita Asante (FC Rosengård/England), Emma Berglund (Umeå IK/Schweden), Faith Ikidi (Piteå IF/Nigeria), Ramona Bachmann (FC Rosengård/Schweiz), Sara Björk Gunarsdottir (FC Rosengård/Island), Pernille Harder (Linköpings FC/Dänemark), Lieke Martens (Kopparberg/Göteborgs FC/Niederlande), Anja Mittag (FC Rosengård/Deutschland), Manon Melis (Kopparberg/Göteborgs FC/Niederlande).

Zur Spielerin des Jahres wurde Anja Mittag gewählt. Ein Fingerzeig für das Ergebnis einer völlig anderen Jury morgen Abend?

 

Die Tabelle

Es soll gehen, die jeweils aktuelle Tabelle der Damallsvenskan in eine andere Seite zu integrieren, aber leider funktioniert dieses nette Angebot des schwedischen Fußballverbands nicht bei WordPress. Deshalb vom schwedischen Verband hier die aktuelle Tabelle der Liga mal als Bild:

tabelle

 

Linköping und Rosengård siegen vor großem Publikum

Dass in Malmö mit über 2000 Zuschauern ein neuer Saisonrekord aufgestellt wurde, kann man wohl mit fünf Buchstaben erklären: Marta machte ihr erstes Heimspiel im Trikot des schwedischen Meisters und brauchte lediglich 13 Minuten gegen Tabellenschlusslicht Jitex, um ihren ersten Treffer für den neuen Club abzuliefern.

Am Ende hieß es dann 3:0 gegen den punktlosen Jumbo, nachdem auch noch Anja Mittag und Amanda Ilestedt (nach Ecke von Marta) in die Torerubrik Eingang fanden

Die Brasilianerin wurde nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt und für sie kam die Niederländerin Kirsten van de Ven, die ihre ersten Heimminuten für den Club absolvierte, dem sie schon das ganze Jahr angehört. Van de Ven hat nach mindestens zwei Gehirnerschütterungen in den letzten Jahren immer wieder mal Probleme mit dem Kopf gehabt und scheint nun endlich wieder fit zu sein Hoffentlich ist sie auch gesund.

Da Ali Riley und Lina Nilsson auf den Außenverteidigerpositionen starteten, musste auch Dänemarks Nationalmannschaftskapitänin Line Røddik Hansen auf der Bank Platz nehmen und bekam nur 14 Minuten am Ende Neben van de Ven und Røddik saß auch Elin Rubensson unter Plexiglas. Durch die Personalverstärkungen wird Rosengårds Bank inzwischen immer hochkarätiger.

Wo man die 2.000 plus von Malmö recht leicht erklären kann, schienen mir die 5.200 von Linköping zunächst sehr rätselhaft. Warum wollten so viele den frisch gebackenen Pokalsieger (vielleicht deswegen?) sehen?

Freier Eintritt alleine war es nicht, was so viele Menschen wie seit der Europameisterschaft nicht mehr in die Linköping Arena lockte Ein offenbar rundum gelungenes Wochenende unter dem alten EM-Motto “Winning Ground” (Raum für den Frauenfußball gewinnen) fand in Linköping am Samstag und Sonntag statt und viele Akteure machen mit: die Stadt, die Region, Hotels, lokale Unternehmer machten das Wochende speziell. Zwei Tage, angefüllt mit Fußball-Aktivitäten, bei denen das Spiel von Linköping gegen Umeå dann der Höhepunkt war.

Und die Spielerinnen dankten es mit einem Sieg. Pernille Harder und Fridolina Rolfö schossen die Tore zum 2:0-Sieg und die Damallsvenskan scheint einen neuen Star zu bekommen. Abermals wird die neue Portugiesin Claudia Neto gefeiert und alle noch kommenden Gegner von Linköping werden vor der Kombination Neto/Harder gewarnt. Dazu kommt auch Rolfö in immer bessere Verfassung.

Aber der Rückstand von Linköping auf KIF Örebro beträgt dennoch satte sechs Punkte mit einem Spiel mehr als der Tabellenzweite.

 

 

Tor in Eskilstuna

Die Spieltage der Damallsvenskan sind immer mehr auseinandergezerrt, so dass man eigentlich nicht mehr durchblickt, welches Spiel nun zu welchem Spieltag gehört. Am Donnerstag spielten Göteborg und Piteå, heute Eskilstuna und Vittsjö, morgen dann Linköping, Umeå, Rosengård und Jitex, die Begegnung zwischen Örebro und Kristianstad ist auf Anfang September verlegt worden. Ein Blick auf die Webseite des schwedischen Fussballverbands verrät mir, dass die heutige Begegnung zwischen Eskilstuna und Vittsjö zum 13. Spieltag gehört.

Wieder 1500 Zuschauer am Tunavallen sahen bei herrlichem Sommerwetter, das wir in Schweden schon seit etlichen Wochen haben und dass, nicht so weit entfernt von Stockholm und Eskilstuna in der Landschaft Västmanland zu extremen Waldbränden geführt hat, eine Partie die früh entschieden wurde. Das weiss man aber immer erst, wenn abgepfiffen wurde. Den einzigen Treffer des Tages für die Gastgeber schoss Neuzugang Kimberly De Cesare in der 17. Spielminute. Die Amerikanerin kam in der Sommerpause von den Boston Breakers nach Schweden.

Eskilstuna war durchgehend die bessere Mannschaft, aber die exzellent aufgelegte Minna Meriluoto im Tor der Gäste, eine Spielerin, die auch in einer internationalen Toppmannschaft spielen könnte, verhinderte Schlimmeres. Und man hätte gar einen Punkt mitnehmen können, was Meriluoto zweifellos zur Heldin des Spiels gemacht hätte. In der 57. Minute nämlich setzte die Schottin Jane Ross einen Foulelfmeter auf die falsche Seite neben den Pfosten.

Antonia Göransson spielte 90 Minuten für Vittsjö während Malin Diaz für ihren neuen verein Eskilstuna sieben Minuten am Ende bekam.

Mehr Zuschauer, aber…

Die Damallsvenskan 2014 hat gut 10% mehr Zuschauer als 2013. Das ist die gute Nachricht Gefeiert wird hierzulande auch, dass Marta sich entschlosen hat, in Schweden weiterzumachen, was allenthalben als Signal gesehen wird, dass die Liga weiterhin hochattraktiv ist

Schaut man genauer hin, stellt man jedoch fest, dass der Anstieg der Zuschauerzahlen einen Namen hat; Eskilstuna United.

Der Aufsteiger hat einen unerreichten Schnitt von 2.064 Personen pro Heimspiel und dazu trägt eine gute Öffentlichkeitsarbeit und natürlich auch ein mehr als geglückter Saisonstart bei. Der lokale Sponsor, eine Bank, erhöhte ihr Engagement beträchtlich und ausserdem holte das Management klug Verstärkungen für alle Mannschaftsteile, zuletzt Tyresös U19-Europameisterin Malin Diaz, die im nächsten Spiel gegen Vittsjö am 09.08. bereits auflaufen kann.

Ein Blick auf die neun Vereine, die auch letztes Jahr in der Liga gespielt haben, zeigt jedoch, dass wir im Grunde genommen weiterhin auf der Stelle treten, was den Publikumszuspruch angeht. Meister FC Rosengård hat den Namenstausch (von LdB FC Malmö) nicht in mehr Zuschauer umsetzen können. Im Gegenteil: Kamen letztes Jahr noch 956 Zuschauer im Schnitt zum Malmö IP, so sind es 2014 nur noch 774, ein Rückgang von 19%. Auch CL-Teilnehmer Linköping hat einen Publikumschwund u verzeichnen, ein Hinweis darauf, dass die Fans Siege sehen wollen- in dieser Saison liegt Linköping bereits weit hinter Rosengård und selbst neun Punkte hinter dem zweiten CL-Platz, den derzeit KIF Örebro innehat.

Aber selst wenn man an der Spitze mitspielt, heisst das nicht notwendigerweise, dass mehr Zuschauer kommen. KIF Örebro steht so gut wie noch nie da, aber trotzdem sind weniger Zuschauer in die Behrns Arena gekommen als vergangenes Jahr. Statt 648 nur noch 533.

Vittsjö hat nach schwachem Start in die Serie an Publikum verloren und kommt nur noch auf 479 im Schnitt, ein Warnsignal an Eskilstuna, denn beim Aufsteiger von 2012 hatte anfangs auch grosse Publikumseuphorie geherrscht,

Ager erfreulicherweise gibt es auich vier Aufsteiger. Piteå kommt auf 1384 (2013: 1011) Zuschauer, Umeå hat jetzt 921 (689), Jitex 510 (467) und Kopparberg/Göteborgs FC 589 (477).

Dass Aufsteiger AIK mit 334 Zuschauern Schlusslicht ist, war leider zu erwarten. In Stockholm (hier: Solna) kommt das Publikum nur bei anhaltendem Erfolg. Die Konkurrenz durch andere Sportarten ist immens.

Marta wird Schwedin

Marta Vieira da Silva hat einen Antrag auf schwedische Staatsbürgerschaft gestellt und wird somit in wenigen Monaten Schwedin werden, sollten keine triftigen Gründe dagegen sprechen, was nicht anzunehmen ist.

Nach schwedischem (seit 2001) und brasilianischem (seit 1994) Recht ist es möglich, beide Staatsbürgerschaften zu besitzen. Marta kann also Schwedin werden und dennoch für Brasilien bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 antreten.

“Ich habe Schweden gewählt, weil ich hier bleiben will,” sagte die 28-Jährige der Zeitung Kvällsposten.

“Es geht hier nicht nur um Fussball. Ich bin gerne in Schweden und mag das Leben abseits des Fusballplatzes hier. Vielleicht hätte ich das schon früher machen sollen, aber als ich noch in Umeå spielte, habe ich nicht daran gedacht. und auch nicht verstanden, was es bedeuten¨würde.”

Martas Popularität in Schweden und in der Damallsvenskan dürfte dieser Antrag nun noch weiter steigern, auch wenn Spiele mit der schwedischen Nationalmannschaft ausgeschlossen sind, da Marta in allen Jugendauswahlen und in der A-Mannschaft für Brasilien gespielt hat.

Gewohnt bescheiden fügt sie hinzu: “Schweden hat ja auch so eine gute Mannschaft, dass ich vielleicht gar nicht gebraucht worden wäre.” Sie lacht jedoch, nachdem sie das gesagt hat, als ob sie sich vielleicht doch eines anderen besonnen hätte

Der gestrige Trainingsauftakt in Malmö für ihren neuen Club Rosengård wurde von ungewöhnlich vielen Journalisten begleitet, die vor allem mit der Brasilianerin und baldigen Schwedin sprechen wollten.

Wechsel

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Das Transferkarussell in Schweden ist in diesen ersten Tagen recht bescheiden, das liegt wohl daran, dass die meisten Entscheidungen mehr oder weniger klar sind und auch, dass der Schock des Verschwindens von Tyresö auch andere wirztschaftlich klamme Vereine zur Zurückhaltung mahnt.

Lisa Dahlkvist, einer der letzten übrig gebliebenen Restposten aus der Konkursmasse von Tyresö, geht nun zum ambitionierten norwegischen Topclub Avaldsnes IL. Dessen starker Mann Arne Utvik ist offenbar in Kroatien im Badeurlaub und postet seit 24 Stunden jeden erreichbaren Link, der über die Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin berichtet. Avaldsnes liegt nach der Hälfte der Spielzeit in Norwegen auf einem eher enttäuschenden siebten Rang, zwölf Punkte hinter den führenden LSK Kvinner. Die wiederum haben sich die Dienste der in Potsdam ein Jahr früher scheidenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir im Tor gesichert.

‘Gugga’ bekam in Potsdam zuletzt keine Spielzeit mehr und der Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen vor ein paar Wochen aufgelöst.

Unklar noch der Verbleib von Malin Diaz und Carola Söberg sowie Lisa Klinga.

Nach einem halben Jahr Ausleihe an AIK, beendet Malin Levenstad vertragsgemäß ihre Sejour in Solna. Es heißt jedoch, dass sie nicht zu dem sie entleihenden Verein FC Rosengård zurückkehrt, sondern erst einmal ohne Verein nach Paris zieht, wo Freundin Caroline Seger ab der kommenden Saison unter Vertrag ist.

Für AIK ein herber Verlust, aber andererseits hat man bei sieben Punkten Vorsprung auf Jitex Mölndal auf dem elften Platz den Klassenerhalt so gut wie sicher.

 

Die Woche in Schweden

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Acht Spiele haben in der letzten Woche stattgefunden in der Damallsvenskan und nun steht noch ein Spiel an (die Ligaausgabe des Pokalfinales KIF Örebro – Linköpings FC), bevor alle Spielerinnen und Betreuer in den schwedischen Sommerurlaub gehen können.

An der Spitze breitet sich die erwartete Langeweile allmählich aus. Ich möchte leider behaupten, dass die Saison 2014 als eine Spielzeit in die Annalen eingehen wird, die man einfach voraussagen konnte.

Rosengård schlug am Mittwochabend Piteå mit 6:1 und tat einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft. Kein anderer Verein wird die Südschwedinnen auch nur annähernd gefährden können. Überragend Anja Mittag, die mit drei Toren und zwei Assists ebenfalls unangefochten Richtung Torschützenkönigin und “Stürmerin des Jahres” marschiert. Anja hat jetzt 12 Tore erzielt und auch wenn Ex-Mitspielerin Manon Melis sechs der zehn Tore von Kopparberg/Göteborgs FC gegen AIK (6:0) und Jitex (4:0 erzielte und mit elf Toren nur einen Zähler hinter Mittag rangiert, muss man anmerken, dass Manon Melis ihre Tore gegen die beiden schwächsten Teams der Liga erzielt hat, Anja dagegen immer trifft.

Die einzige Entscheidung, die für Spannung sorgen dürfte, ist Platz zwei, immehin relevant für einen Champions-League-Platz in der Saison 2015/16. Da hat KIF Örebro derzeit die Nase vorn, drei Punkte hinter Rosengård und drei Punkte vor Göteborg, das wie bemerkt, einiges für sein Torverhältnis getan hat. Die Westschwedinnen bekommen nach dem Urlaub auch noch Verstärkung durch Maren Mjelde (Potsdam) und Lisa Ek (Rosengård), die nach sportlich unglücklichen 1,5 Jahren (Kreuzbandriss) in Malmö wieder die Küste hinaufzieht.

Auch Linköping kann, sechs Punkte hinter Örebro, durchaus noch eingreifen in den Kampf um den zweiten Platz. Nach Tyresös Rückzug hat die UEFA ja entschieden, dass der LFC Champions League spielen darf in der kommenden Saison. Und Trainer Martin Sjögren shloss auch Verstärkungen nicht aus.

Überhaupt dürften vor allem die drei genannten Teams ihre Reihen nochmals verstärken, wobei KIF Örebro finanziell den geringsten Spielraum hat.

Denn alle anderen Plätze werden unstrittig sein oder haben keine besondere Bedeutung. Neben dem erwartungsgemäß ausgestiegenen Tyresö FF dürfte mit der Mädchenmannschaft von Jitex BK der zweite Absteiger ebenfalls feststehen. Null Punkte aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn man “nur” 33 Gegentore kassiert hat. Die Mölndaler (Mölndal ist ein Stadtteil von Göteborg) hatten wurden vor der Saison von rund 15 Spielerinnen verlassen und haben sich aus überwiegend sehr jungen Zweitligaspielerinnen ein neues Team für die erste Liga aufgebaut, der Abstieg war vorprogrammiert.

Auch wenn da noch nicht aller Tage Abend ist, mathematisch. Denn in der Theorie kann man die sieben Punkte Rückstand auf AIK durchaus aufholen, praktisch aber wäre das so, wenn der Iran bei der Herren-WM das Halbfinale erreicht hätte.

 

Im Schatten Brasiliens

Natürlich überschattet die Männer-WM in Brasilien dieser Tage alles andere und nicht zuletzt das laufende Geschehen im Frauenfußball. Das schwedische Fernsehen überträgt trotz Abwesenheit der eiegenn Mannschaft alle Spiele und ist mit einem üppigen Team von “Experten” vertreten, denen eine Brasilien-Reise im schwedischen Sommer 2014 nicht sonderlich unangenehm ist.

Im staatlichen SVT hat Nationaltrainer Erik Hamrén in den ersten beiden Wochen trocken, langweilig und immer voller Lampenfieber zusammen mit dem geschwätzigen, ehemaligen China- und Norwegenprofi Daniel Nannskog. Der bekommt jetzt jedoch sehr ernste Konkurrenz, denn wie geplant wurde Hamrén nach der ersten Hälfte der WM ersetzt durch Nationalspielerin Lotta Schelin, deren Ankunft und erster Einsatz in Rio bereits heute von den schwedischen Medien gefeiert wurde. Bereits bei der EM vor zwei Jahren hatte Schelin Bestnoten bekommen und ist dieses Mal auch vor Ort in Brasilien bis zum Finale dabei.

Unter der Woche wurde auch in der ersten Liga gespielt. Rosengård mühte sich zu einem 1:0 gegen Abstiegskandidat Jitex, KIF Örebro gewann bei Kristianstad und Göteborg siegte vor 2.000 Zuschauern (freier Eintritt) in Piteå mit 1:0. Die Auswirkungen auf die Tabelle habe ich jetzt erst übernommen, da ich dienstlich fast die gesamte letzte Woche in München verbringen musste.

Am heutigen Sonntag wird nicht nur Achtelfinale in Brasilien gespielt, sondern auch dreimal Damallsvenskan. Die Ergebnisse kommen dieses Mal zeitnäher ins Blog.

Anja Mittags Hattrick am achten Spieltag

Fünf Begegnungen standen am achten Spieltag auf dem Programm. Das “Fernsehspiel” war die Begegnung zwischen dem FC Rosengård und Kopparberg/Göteborgs FC, das am Ende eine unerwartet klare Angelegenheit für den Meister wurde. Nach der Niederlage in Tyresö vor Wochenfrist präsentierte sich Jonas Eidevalls Mannschaft wesentlich entschlossener und gewann mit 5:0 gegen den Gast aus Westschweden. Wobei also Anja Mittag die Treffer 2, 3 und 5 erzielte. Therese Sjögran per Elfmeter und Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir erzielten die übrigen Treffer für den alten und neuen Tabellenführer, der die Liga mit drei Punkten anführt.

Rang zwei belegt überraschend KIF Örebro, das die Schwächeperioden von Linköping und Göteborg ausgenutzt hat. Lucie Martinkova erzielte den einzigen Treffer beim eigentlich mageren 1:0 gegen AIK in der hemischen Behrns Arena, aber drei Punkte sind nun mal drei Punkte.

Umeå verpasste dem Sensationsaufsteiger Eskiltuna mit dem 6:1 den ersten richtig derben Rückschlag. Zweimal trafen die Finnin Emmi Alanen und die schwedische Nationalspielerin Jenny Hjohlman.

Ein weiteres 1:0 gab es für Kristianstad bei Abstiegskandidat Jitex, den Treffer erzielte Marija Banusic in der 15. Minute.

Auch Piteå gewann mit 1:0 gegen das krisengeschüttelte Vittsjö, das mit dem elften Platz deutlich unter Wert in der Tabelle steht. Bei beiden Teams bestätigt sich wie wichtig ein guter bzw. wie verheerend ein schlechter Saisonauftakt sein kann, denn béi beiden Mannschaften hält die Tendenz aus dem ersten Spiel an.