Harder und Lindahl Gewinnerinnen

30340558774_5e7595ef7e_kDie Dänin Pernille Harder und Torhüterin Hedvig Lindahl gewannen jeweils zwei Preise bei der „Fotbollsgalan“ in Stockholm am Montagabend.

Harder wurde als beste Stürmerin und wertvollste Spielerin der Damallsvenskan ausgezeichnet. Die bei Chelsea spielende Lindahl wurde beste Torhüterin und gewann den Diamantball, de facto ist sie damit Fußballerin des Jahres und das zum zweiten Mal in Folge.

Beste Abwehrspielerin wurde die für Montpellier HSC spielende Linda Sembrant. Mittelfeldspielerin Nummer eins wurde die Brasilianerin Marta Vieira da Silva. Newcomer des Jahres Djurgårdens linke Mittelfeldspielerin Johanna Rytting Kaneryd und Trainer des Jahres der Mann von Piteå IF: Stellan Carlsson. 

Auch als Torschützenkönigin konnte sich Harder einen Preis abholen und war damit Abräumerin des Abends. Die 24-Jährige verlässt nach fünf Jahren Linköping und geht ins Ausland. Wohin, das wollte oder konnte sie mir noch nicht sagen. Aber sie lachte zweimal als ich sie auf Deutschland ansprach. Ja, sie möge Deutschland und nein, sie spreche kein Deutsch. Aussereuropäische Engagements schloss sie unlängst aus.

Den Erfolg mit Linköping schrieb sie mir gegenüber einerseit dem Wechsel des Spielsystems hin zum 4-3-3 zu, aber der Meistertitel sei mehrere Jahre in Arbeit gewesen. Martin (Sjögren) sei ein unheimlich guter Trainer. Feiern wolle sie vor allem mit der Mannschaft, wahrscheinlich ein letztes Mal, denn bald heisst es Abschied nehmen. Die potentiellen neuen Vereine stehen Schlange bei der Dänin, die ich seit 2-3 Jahren für eine der besten Fußballerinnen der Welt halte. Völlig unbegreiflich, warum die FIFA sie nicht unter die zehn besten Spielerinnen nominiert hat.

 

Rückblick

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Marta hat eine Torchance im Spiel bei Linköping

Die Saison 2016 ist nun vorbei. Zeit für eine kurze Bilanz.

Linköping ist der souveräne neue schwedische Meister. Vor der Saison hätte man sicher viel Geld verdienen können, wenn man vorausgesagt hätte, dass die Mannschaft um den wohl kommenden Nationaltrainer Martin Sjögren am Ende mit zehn (!!!) Punkten vor der Startruppe vom FC Rosengård landen würde.

Lange marschierten beide Teams im Gleichtakt, aber am Ende zog Linköping unwiderstehlich davon. Entscheidend einerseits der 1:0 Sieg für Linköping im, ja, alles entscheidenden Spiel gegen Rosengård.

Kristine Mindes Kopfball in der 81. Minute im strömenden Regen von Linköping stieß das Tor weit auf, danach implodierte Rosengård.

Linköping hatte bis auf Fridolina Rolfö, die etliche Wochen ausfiel und verletzungsanfällig bleibt, kaum Verletzungen zu beklagen. Das Trio Pernille Harder Stina Blackstenius und Kristine Minde erzielte 53 von 73 Toren, das SPielsystem 4-3-3 war optimal für den vorhandenen Kader. Im Mittelfeld zog eine überragende Claudia Neto die Fäden und in der Abwehr konnte der Rücktritt von Ikone Charlotte Rohlin durch due Beförderung von Magdalena Ericsson zur Kapitänin ohne Reivungsverluste aufgefangen werden. Die Dänin Janni Arnth war ein ebenso gelungener Einkauf, wie die beiden Aussenverteidigerinnen aus der Region, Jonna Andersson und Jessica Samuelsson Garanten für Sicherheit hinten wie Offensivkraft vorne waren.

Dass Martin Sjögren nach dem Weggang der starken Amerikanerin Katie Fraine im Tor der jungen Cajsa Andersson das Vertrauen aussprach, erwies sich nach 22 Spieltagen als ein weiterer hervorragender Schachzug des Trainers. Andersson wuchs an der Aufgabe und gehört nunmehr zu den besseren Torhüterinnen der Liga.

Linköping profitierte aber auch davon, dass Rosengård mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte. Zu Anfang der Saison fiel gleich die neue Stammtorhüterin Erin McLeod für mehr als ein Jahr aus. Auch Zecira Musovic verletzte sich, weshalb man mit der vereinslosen Ex-Nationaltorhüterin Sofia Lundgren eine etablierte Torfrau nach Malmö holte.

Gaelle Engamanouit, die als Torjägerin geholte Kamerunerin aus Eskilstuna, verletzte sich ebenfalls fast direkt und in der zweiten Saisonhälfte fielen auch die neu geholte Lotta Schelin und Lieke Martens zeitweise aus. Dass man mitten in der Spielzeit auch noch die neben Marta wichtigste Spielerin, Sara Björk Gunnarsdottir, an den zahlungskräftigen VfL Wolfsburg verlor, machte die Aufgabe von Trainer Jack Majgaard Jensen nicht gerade einfacher.

Das soll und kann allerdings den Erfolg vonm Linköping nicht schmälern. Aber keine zwei Wochen nach dem Gewinn des Meistertitels verliert Linköping bereits seine überragende Spielerin: Pernille Harder geht ins Ausland, wohin sollen wir nächste Woche erfahren. Zwar kommt mit Lina Hurtig eines der grössten Talente der letzten Jahre, aber der Verlust von Harder ist erst einmal nicht zu ersetzen, wenn die Brieftasche Begrenzungen hat. Fraglich ist auch noch, ob Stina Blackstenius bleibt. Auch die 20-Jährige, deren Nationalteam (U20) morgen möglicherweise bereits aus der WM in PNG fliegt, hat mehrere Angebot aus dem In- und Ausland, hat aber gesagt, dass sie nur ins Ausland gehen würde oder aber in Linköping bleibt. Ich fürchte, dass auch sie gehen wird.

Dahinter dann?

Eskilstuna hatte eine zu grosse Spielerfluktuation vor der Saison, kam dennoch auf den dritten Platz. Hervorragender Vierter abermals im Topwuartett: Piteå IF, dass aber nun mit Irma Helin schon wieder eine Schlüsselspielerin ersetzen muss., Helin trainierte diese Woche zweimal beim 1.FFC Frankfurt. Vom schwedischen Vierten zum deutschen Sechsten?

Die Aufsteiger haben beide sehr positiv ¨überrascht. Vor der Saison sass ich noch mit der rückkehrenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir in einem Café am Karlaplan in Stockholm und Gugga sagte mir, dass sie unsicher sei, wo ihr Team stehen würde. Am Ende kam ein sehr respektabler sechster Platz heraus mit Luft nach oben, denn am Ende ging der Traditionsmannschaft aus Stockholm die Luft aus. Bitterer Beugeschmack aber: Mit nur 376 Zuschauern hatte man trotz ansprechenden Spiels den schlechtesten Schnitt der Liga und das in der bevölkerungsreichsten Stadt oder gerade deshalb?

Die Portugiesin Carolina Mendes muss Stockholm verlassen nach nur einer Saison. Vielleicht bekommt sie ein Angebot vom Lokalrivalen Hammarby, der aufgestiegen ist und Verstärkung braucht.

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Tabitha Chawinga

Kvarnsveden, der Sieger der Elitettan 2015, war bespöttelt worden. Das Wort „dålig“ (schlecht) hatte der Trainer verboten, der Verein sich nur mit vier Spielerinnen aus der zweiten Liga verstärkt. Das wird nicht reichen, sagten ALLE Experten, inklusive meiner Wenigkeit und machten Daumen runter beim Presseauftakt im April. Es sah nicht so gut aus, aber besser als erwartet, als die Olympiapause begann, dann holte jemand die Ghanaerin Elisabeth Addo und die Amerikanerin Tiffany Weimer und mit den Beiden lief es prächtig, nicht zuletzt für die von allen Vereinen begehrte Malawierin Tabitha Chawinga, die innerhalb von zwei Jahren von der dritten in der ersten Liga aufgestiegen war und selbst dort angekommen nun immerhin noch beeindruckende 15 Tote schoss. Nicht auszudenken, wie viel Mal sie für einen Topclub getroffen hätte. Chawinga spielt mit grosser physischer Stärke, Schnelligkeit mit einem unbändigen Zug um Tor. Als ich sie in Kvarnsveden im Sommer erstmals live spielen sah beschäftige sie trotz der 0:4 Niederlage gegen Rosengård immer wieder Nationalspielerinnen wie Emma Berglund und Amanda Ilestedt aufs Äusserste.

Kristianstad hatte am Ende Glück und rettete sich mit 1,5 blauen Augen vor dem Abstieg. Das Geld fehlt in der kleinen Stadt.

Runter dagegen muss der einst so glorreiche Umeå IK nach skandalösen Turbulenzen. Der Vereinsvorsitzende entliess das komplette Trainerteam gegen den Willen der Spielerinnenm wurde deshalb enorm kritisiert und trat deshalb wenig später selber zurück. Selbst ohne diese Differenzen hatte Umeå zu wenig Ressourcen, um eins schlagkräftiges Team auf den Plat zu stellen. Und mit Hanna Folkesson uynd Jenny Hjohlman waren zwei der gedachten Leistungsträgerinnen fast die ganze Saison verletzt. Bitter.

Am Montag steigt die Gala des Fussballs im Stockholmer Ericsson Globe und da bietet sich die Gelegenheit, mit den Preisträgerinnenzu sprechen. Haushohe Favoritin auf den „Diamantenball“ als Fussballerin des Jahres dürfte Chelsea Ladies Torfrau Hedvig Lindahl sein. Zum zweiten Mal in Folge, aber nach den geretteten Elfern bei der Olympiade wohl kaum zu übergehen. Es sei denn, man entscheidet sich für die zweifache Elfersiegerschützin Lisa Dahlkvist. 

Mitten in der Saison entschied sich Anette Börjesson nach 20 (!!!) Jahren die Seite http://www.damfotboll.com nicht länger zu betreiben.  Für den frauenfussball in Schweden ein grosser Verlust, denn nach wie vor berichten die Mainstreammediuen in erster Linie über die Nationalmannschaft, die Champions League und den Kampf um die Meisterschaft. Ansonsten bin ich ziemlich allein auf weiter Flur, wenn ich etwa Spiele in Stockholm besuche. Deshalb blogge ich seit dem 1. Juli auch auf Schwedisch und versuche, mit Spielerinneninterviews ein wenig dazu beizutragen, dass die Lücke gefüllt wird.

Seit dem 1. Juli gab es längere Interviews mit Marianne Gajhede KnudsenKristine MindeOlga Ekblom, Magdalena Ericsson, Mimmi Larsson, Irma Helin, Denise Sundberg, Zecira Musovic, Sofia Jakobsson, Emilia Appelqvist, Claudia Neto, Sara Björk Gunnarsdottir und Nora Holstad BergeLeider habe  ich es wegen hoher Arbeitsbelastung nicht geschafft, die Gespräche auch auf Deutsch zu veröffentlichen.

 

 

 

 

Linköpings FC ist schwedischer Meister 2016

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Jessica Samuelsson, Claudia Neto, Renée Slegers, Stina Blackstenius

Sie haben es früher geschafft als sie wohl selber geglaubt haben. Trotzdem hatte jemand goldene Hüte und Sekt eingepackt, als die Mannschaft am Sonntag zum Auswärtsspiel ins kleine Vittsjö fuhr.

Kristine Minde macht (wieder) ein Kopfballtor und besorgte die Führung und Stina Blackstenius entschied das Spiel als sie schneller als zwei Gegnerinnen war und dann auch noch Torfrau Katie Fraine umkurvte und den Ball ins leere Tor schob. Linköping hatte somit seinen Pflichtanteil geleistet. Den achtzehnten Sieg im zwanzigsten Spiel. Zwei Unentschieden gegen Rosengård und Örebro auswärts kamen dazu.

Rosengård, der Meister von 2010, 2011, 2013, 2014 und 2015, musste eine Stunde nach dem Anpfiff in Vittsjö daheim gegen den zweiten CL-Teilnehmer Eskilstuna United ran. Und erlebte sein blaues Wunder. Lotta Schelin und Lieke Martens verletzt und nicht einsatzfähig. Marta musste in der zweiten Halbzeit dann raus, als sie vom Ellenbogen Nathalie Björns getroffen wurde. Und nachzusetzen hatte man nichts mehr. 0:1 durch Mimmi Larsson und 0:2 durch Marija Banusics Freistoss. Beim 5-Punktevorsprung mit zwei Spielen ausstehend, war das die Meisterschaft. Am Ende schoss Natasa Andonova zwar noch den Anschlusstreffer, aber nur ein Sieg hätte die Meisterschaft für Linköping noch einmal aufgeschoben. Und davon waren die Rosengårdspielerinnen weit entfernt. Zu wenig motiviert, zu ausgelaugt, die Luft war wohl schon nach dem 0:1 in Linköping vergangenen Sonntag raus.

Linköping hat verdient den Titel geholt. Trainer Martin Sjögren, der meiner Meinung nach Nachfolger von Pia Sundhage werden wird 2018, hat in den letzten drei Jahren eine fantastische Arbeit geleistet. Ein Team, gemischt aus lokalen und regionalen Talenten, dau schwedischen Jungnationalspielerinnen und einigen ausländischen Ergänzungen, keine Stars sondern Spielerinnen wie die großartige Claudia Neto aus Portugal, die in Linköping ihren Weg machte -eine pure Freude, der 28-Jährigen zuzuschauen, wenn sie im zentralen Mittelfeld die Bälle verteilt und das Tempo bestimmt.

Jetzt muss man sehen, ob man es schaffen kann, Pernille Harder und Blackstenius zu halten, an denen die ausländischen Agenten und Topclubs interessiert sind. Linköping könnte aber auch mit dem Pfund wuchern, dass man hier etwas aufgebaut hat, das auch in Europa weit kommen könnte, wenn das Team zusammenbleibt und sich vielleicht sogar noch auf 2-3 Positionen klug verstärkt.

Linköping nah am Ziel

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Glück für Linköpings Torfrau Cajsa Andersson, dass Martas Schuss vorbeigeht

Es war ein fantastisches Fußballspiel, das sich gestern Nachmittag die beiden besten schwedischen Fußballmannschaften lieferten. Linköpings FC kam mit 16-2-0 in die Partie, der Serienmeister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö) kam mit 15-3-0 und zwei Pluspunkten weniger nach Linköping.

Das Wetter spielte nicht mit, es waren aber schon am Samstag über 4.000 Tickets verkauft und am Sonntag kamen dann 6.220 in die Arena, neuer Zuschauerrekord für das zur EM 2013 gebaute Stadion, das noch immer eine Baustelle ist, weil nun Bürogebäude an der einen Längsseite errichtet werden.

Ich hatte lange auf dieses Spiel gewartet und in Vorabinterviews verriet mir Linköpings Mannschaftskapitänin Magdalena Ericsson, das auch sie immer wieder mal an dieses Spiel gedacht hatte. Ihr Pendant auf Rosengårds Seite, Emma Berglund, wollte dagegen behaupten, das sie sich auf dieses Spiel wie auf jedes andere vorbereitet hätte.

Vielleicht machte das am Ende den Unterschied aus. Vielleicht war es der Hunger. Dass dieses Spiel größer war für Linköping als für das erfolgsverwöhnte Rosengård.

30188117036_0aa668700f_kAm Ende riss Magda Ericsson die Arme hoch und streckte sie in den mit dunklen Wolken verhangenen Himmel von Östergötland. Am Ende hatte der Gastgeber mit 1:0 gewonnen, durch ein Kopfballtor der Norwegerin Kristine Minde auf Flanke von Pernille Harder. 

„Normalerweise mache ich solche Tore nicht,“ lachte Minde nachher in der Mixed Zone. „Es war eine perfekte Flanke von Pernille und ich kam zwischen zwei Gegenspielerinnen hoch und es war eine Riesenfreude zu sehen, wie der Ball reinging.“

Dass man nun, mit fünf Punkten Vorsprung und drei Spiele vor Schluss den Meistertitel sicher habe, das wollte Kristine aber nicht eingestehen: „Heute und morgen werden wir uns freuen, aber dann geht es weiter. Wir haben jetzt zwei schwere Auswärtsspiele und dann im letzten Heimspiel noch einmal einen starken Gegner.“

Naja. Vittsjö und Mallbacken auswärts. So wie diese beiden Teams bisher gespielt haben, müsste die Meisterschaft am 30. Oktober um ca. 16.50 Uhr nach 2009 zum zweiten Mal in Linköping sein.

Das Spiel gestern war sehr ausgeglichen. Linköping hatte in den bisherigen drei Begegnungen der Saison gegen Rosengård immer schlechter ausgesehen. Aber: alle drei Spiele waren in Malmö. Gestern eine tolle Abwehrleistung auf beiden Seiten. Die Niederländerin Renée Slegers machte ein großes Spiel gegen Marta in der ersten Halbzeit, überragend bei Linköping wie so oft in diesem Jahr die Portugiesin Claudia Neto. Sie ist die große Ballverteilerin und die dominierende Spielerin im Mittelfeld. Rosengård sicher geschwächt durch den Ausfall von Lieke Martens am Mittwoch und dadurch, dass Lotta Schelin nach 51 Minuten gehen musste weil sie Schmerzen in der Wade hatte. Aber was soll’s. Linköping spielt mit wesentlich weniger Geld in der Liga. Hier hat der Verein mit Trainerfuchs Martin Sjögren ein Team aufgebaut, das hauptsächlich aus Talenten aus der Region Östergötland (Blackstenius, J Andersson, Almqvist, Samuelsson) und schwedischen Talenten besteht (Ericsson, Rolfö), die mit ausländischen Talenten (Harder, Gajhede Knudsen, Neto, Minde) veredelt wurden. Hier gibt es keine großen Stars, die man geholt hat, Sjögren hat einige seiner Spielerinnen zu Stars gemacht.

Nicht zuletzt deshalb wird es wohl am Ende er sein, der 2017 Pia Sundhage als Nationaltrainer ablösen wird. Der 39-Jährige ist ein Meistermacher. 2010 hatte er nach vielen Jahren als Mitfavorit ohne Gold schon einmal ein Team zum Meister trainiert: LdB FC Malmö. Nun ist sein Linköping ganz nahe am großen Triumph.

Marta hätte beinahe zumindest den Ausgleich erzielt, aber ihre Anstrengungen am Ende des Spiels (Minde köpfte das Siegtor in der 81. Minute) endeten an der Querlatte und ganz knapp neben dem linken Pfosten.

Ich sprach auch mit Ella Masar McLeod, die ich dummerweise als Anhängsel von Torhüterin Erin McLeod gesehen hatte. Aber nachdem sich Masars Frau verletzte war es Ella, die durchspielte und mit größtem Einsatz bislang zehn Tore für Rosengård erzielte. Jetzt sagte ich ihr, dass ich sie für die beste Neuverpflichtung in der Liga in diesem Jahr halte und fragte, ob sie sehr enttäuscht sei. Ihr Antwort war überraschend: „Ich hoffe, dass viele Sponsoren dieses Spiel gesehen haben und gesehen haben, was für einen tollen Fußball die [Linköping] spielen. Dann hoffe ich, dass sie auch zu investieren bereit sind, damit diese guten Spielerinnen gehalten werden können. Denn für uns sind solche Spiele sehr wichtig, sie sind auch wichtig für die Liga, damit sie, aber auch wir uns weiterentwickeln können.“

Sprach’s und meinte, dass es nun aber gleich mal gelte, umzuschalten, weil man am Mittwoch wieder Champions League spielen müsse.

Auf beiden Seiten dominierten die Abwehrketten, es gab wenig Torchancen, aber die ausgeprägte Taktik und das kluge defensive Verhalten beider Mannschaften war ein Genuss zu sehen. Hoher Einsatz auf beiden Seiten, viel Respekt und sehr viel Fairness, nicht ein böses Foul, obwohl viel auf dem Spiel stand. Das einzige, was störte, war der verdammte Regen.

Linköping spielt jetzt noch: Vittsjö (A), Mallbacken (A), Eskilstuna (H).

Rosengård: Eskilstuna (H), Piteå (A), Mallbacken (H).

Vorteil Linköping

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Katrin Schmidt (Djurgården) lässt Filippa Curmark (Göteborg) stehen

Rosengård kam am Sonntag bei Vittsjö GIK nicht über ein 0:0 hinaus. Lotta Schelin war verletzt, dafür wurde in den letzten 20 Minuten die monatelang abwesende Gaelle Engamanouit eingewechselt. Aufregung bei Malmö, weil Vittsjös Goalie Katie Frayne die Niederländerin Lieke Martens rüde im Strafraum von den Beinen holte, aber die Schidsrichtern die Pfeife nicht ertönen ließ. 90% aller Schiris hätten hier Strafstoß entschieden, Fraine berührte den Ball aber vor allem die Gegnerin.

Linköping siegte munter weiter, jetzt gegen den Zehnten Kristianstad und wieder einmal hießen die Torschützinnen Pernille Harder und Stina Blackstenius beim 2:0. Damit hat Linköping nicht nur das bessere Torverhältnis, sondern bei einem Spiel weniger als Rosengård auch schon einen Punkt mehr. Vorteil also, obwohl das nächste Heimspiel gegen Djurgården alles andere als einfach werden wird.

Djurgården profitierte von einer umstrittenen Linienrichterentscheidung (war der Ball wirklich im Tor?) gegen Göteborg und liess den Gegner das 2:0 per Eigentor machen. Aber spielerisch überzeugten die Hauptstädterinnen und gewannen verdient. Der Aufsteiger könnte tatsächlich einen Platz unter den Top 5 schaffen, selbst der dritte Rang ist nicht unmöglich. Tolle Leistung des Gesamtteams, aus dem ich Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir und das zentrale Mittelfeld mit Katrin Schmidt und Emilia Appelquist hervorheben würde. Immens wichtig auch Torjägerin Mia Jalkerud. Alle andern spielen hervorragend mit, was notwendig ist für die Gesamtleistung und Neuzugang Michelle Wörner aus Deutschland (kam jetzt von Sunnanå SK) überraschend stark im linken Mittelfeld trotz Sprung von zweiter Liga in die erste.

Lotta über Menstruation, Siegtor in der 91.

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Lotta Schelin (Foto: Anders Henrikson)

Lotta Schelin ist eine der großen Persönlichkeiten des internationalen Frauenfußballs. Wer sie schon einmal getroffen hat, wird mir zustimmen, dass sie die wesentlichen Charaktereigenschaften eines Vorbilds auf beste Weise vereint: Sie ist eine herausragende Sportlerin, sympathisch, offen für Anliegen von Fans und Journalisten und sie steht für Werte ein: für Gleichberechtigung und gegen Rassismus um nur zwei Dinge zu nennen.

Jetzt versucht sie, ein bislang tabuisiertes Thema ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Lotta Schelin will, dass man endlich offen darüber spricht, wie die Menstruation Sportlerinnen beeinflusst, will, dass endlich eine ernstzunehmende Forschung in Gang gesetzt wird, die analysiert, ob etwa das Verletzungsrisiko steigt, wenn Frauen während ihrer Menstruation gleichermaßen hart trainieren und spielen wie außerhalb dieser Tage.

„Man glaubt immer, dass das privat ist, dass man sich selber darum kümmern muss, aber Tatsache ist, dass es uns extrem beeinflusst,“ sagt die 32-Jährige Weltklassestürmerin in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen SVT.

„Man forscht über alle möglichen Dinge bei Spitzensportlern, man will alles wissen und macht Herzuntersuchungen, Blutproben usw. Aber kein einziges Mal hat man meine Menstruation untersucht und festgestellt, wie sie mich beeinflusst. Wenn mal jemand nicht zum Training kommt, heisst es oft, sie hat Bauchschmerzen.“

Schelin findet, dass etwa die Nationalmannschaft auf Reisen alles dabei hat, Kaugummi, Nasentropfen, Verbandszeug, das einzige, was nicht im Mannschaftsgepäck ist, sind Binden und Tampons.

Hätten Männer Menstruation, da ist Lotta sich sicher, wäre dieser physiologische Zustand bereits bis ins Kleinste erforscht worden. Insofern sieht die gebürtige Stockholmerin, die in Göteborg aufgewachsen ist, das Thema auch als Gleichberechtigungsfrage und möchte eine Diskussion anstoßen. Es ist ihr gelungen, da alle großen Zeitungen das Interview aufgreifen und andere Sportlerinnen, etwa die Boxerin Klara Svensson sich ebenfalls dazu äußern und Schelin loben und sich bei ihr bedanken, dass sie dieses Tabuthema aus der Schamgefühlecke holt, aus einer Ecke, in die es nicht hingehört.

Lotta sagt, dass ihre eigene Menstruation nicht sonderlich stark sei, aber dennoch würde sie an ein, zwei Tagen im Monat davon ganz klar beeinflusst.

Wir bleiben bei Lotta Schelin, kommen aber zum Geschehen in der Liga zurück. In der 91. Minute erzielte Lotta Schelin am Mittwoch das Siegtor für ihren FC Rosengård gegen Kopparberg/Göteborgs FC. Nochmal Glück gehabt kann man da sagen, andernfalls wäre Linköping potentiell vier Punkte davon gezogen, denn die Frauschaft aus Östergötland gab sich beim 4:0 gegen das wohl dem Abstieg geweihten Umeå keine Blöße. Dabei hatte Rosengård großes Glück, dass Schiedsrichterin Pernilla Larsson Elfmeter für Rosengård gab, als Marta in der 40. Minute Beata Kollmats in deren Strafraum (!) anrempelte und dabei selber aus dem Gleichgewicht geriet. Eine krasse Fehlentscheidung, die auf den TV-Bildern überdeutlich zu erkennen ist. Am Ende gewann Rosengård mit 2:1 durch einen unberechtigten Elfer und ein Tor in der Nachspielzeit. Das Glück des Tüchtigen?!

Ansonsten setzt sich die obere Hälfte der Tabelle immer weiter von der unteren ab. Jetzt sind es fünf Punkte, die den Sechsten Göteborg vom Siebten Vittsjö trennen. Am Sonntag geht es schon weiter, bevor die Schwedinnen dann in die Länderspielpause gehen.

En detail mal wieder vom Mittwochabend:

Kristianstads DFF – KIF Örebro (2:1) 2:2
Tore: 1:0 Jenny Danielsson (21.), 2:0 Johanna Rasmussen (27.), 2:1 Julia Spetsmark (39.), 2:2 Melissa Tancredi (46.)

Umeå IK – Linköpings FC (0:2) 0:4
Tore: 0:1 Stina Blackstenius (15.), 0:2 Renée Slegers (25.), 0:3, 0:4 Pernille Harder (52., 75.)

Kvarnsvedens IK – Eskilstuna United (1:0) 1:1
Tore: 1:0 Meghan Toohey (26.), 1:1 Mimmi Larsson (50.)

FC Rosengård .- Kopparberg/Göteborgs FC (1:0) 2:1
Tore: 1:0 Marta (Foulelfmeter, 40.), 1:1 Elin Landström (80.), 2:1 Lotta Schelin (91.)

Piteå IF – Vittsjö GIK (0:0) 2:1
Tore: 1:0 Elin Bragnum (48.), 2:0 Felicia Karlsson (58.), 2:1 Anna Hjälmkvist (94.)

Mallbackens IF Sunne – Djurgården (0:1) 0:3
Tore: 0:1 Hanna Lundqvist (32.), 0:2 Johanna Rytting Kaneryd (64.), 0:3 Madeleine Stegius (85.)

Die Tabelle:

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In der Torschützenliste sieht es derweil so aus: Pernille Harder 17, Stina Blackstenius (beide Linköping) 15, Marta 11, Ella Masar 10, Lieke Martens (alle Rosengård) 8, Tabitha Chawinga (Kvarnsveden), Pauline Hammarlund (Göteborg), Mia Jalkerud (Djurgården), Mimmi Larsson (Eskilstuna) alle je 7 Tore.

Der Zuschauerschnitt beträgt nach 15 Runden (bei einem Nachholspiel) 814 Zuschauer. Die Tendenz ist leicht steigend. Das liegt meiner Einschätzung nach weniger an der olympischen Silbermedaille, sondern vielmehr daran, dass zB Linköping jetzt die 100e0er-Marke im Schnitt passiert hat, weil das Publikum in der Stadt allmählich mitbekommt, dass da eine Meisterschaft möglich ist.

 

 

Zweikampf geht weiter

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Am Donnerstagabend sah ich ein intensives Spiel im Olympiastadion Stockholm. Hier Piteås Irma Helin (links) und Silbermedaillengewinnerin Emilia Appelquist

Auch am 14. Spieltag geht der Zweikampf Linköpings FC vs FC Rosengård an der Spitze der schwedischen Liga unvermindert weiter. Allen Unkenrufen zum Trotz schloss sich das Transferfenster am Mittwochabend um 23.59 Uhr und sowohl Stina Blackstenius wie auch Pernille Harder sind weiterhin in Diensten von Tabellenführer Linköping. Sie waren dann auch am Freitag für fünf Treffer beim 8:0 Heimsieg über Kvarnsvedens IK verantwortlich.

KIF Örebrö spielte Schweden und „parkte den Bus“ daheim gegen den FC Rosengård, aber es reichte trotz allem zu Toren von Amanda Ilestedt und Lieke Martens. 2:0 für die Equipe aus Malmö.

Da auch Eskilstuna und Göteborg am heutigen Samstag gewannen (Eskiltuna 1-0 bei Abstiegskandidat Kristianstad und Göteborg 4-0 gegen Abstiegskandidat Mallbacken) vergrösserte sich der Abstand der oberen auf die untere Hälfte.

Lediglich der exzellente Aufsteiger Djurgården und Piteå teilten sich beim 1:1 im Olympiastadion von Stockholm die Punkte in einem ansprechenden Spiel, in dem jedoch beide Tore per Elfmeter erzielt wurden.

Pia Sundhage nominierte am Donnerstag auch ihre Auswahl für die anstehenden Qualispiele gegen die Slowakei und in Dänemark. Es handelt sich dabei um den Olympiakader plus Mimmi Larsson (Eskilstuna) und Lina Hurtig (Umeå). Sundhage selber spricht jetzt schon offen darüber, dass sie bleiben will und bald wird es sicher en dazu gehörigen Vertrag mit einer neuen Jahreszahl geben. Mich würde es nicht wundern, wenn man bis einschliesslich WM in Frankreich 2019 verabredet.

U20-Trainer Calle Barrling sprach auf er Pressekonferenz am Donnerstag auch über die WM in Papua Neuguinea und sagte, dass man Individualreisenden dringend von der Reise abrate, weil das Land einfach viel zu gefährlich sei. Für das schwedische Team wird an speziellen Sicherheitsauflagen gearbeitet. Im Gastgeberland der WM gibt es extrem viele Gewalttaten, nicht zuletzt gegen Mädchen und Frauen. Was sich die FIFA wohl bei der Vergabe gedacht haben mag?

Ausrutscher

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Djurgården ist die positive Überraschung der ersten Saisonhälfte

Lotta Schelins erstes Ligaspiel nach acht Jahren bei Olympique Lyon, der besten Frauenfußballmannschaft der Welt, war sowohl erfolgreich wie auch ein Ausrutscher,. Beim Heimspiel gegen Djurgården gab es ein glückliches 2:2 durch einen Treffer von Schelin in der 90. Minute.

Djurgården kann man getrost als die positive Überraschung der ersten Saisonhälfte bezeichnen. Kompaktes Abwehrspiel, wenn sie nach vorne gehen , dann glkeich mit mehreren im gegnerischen Strafraum. Katrin Schmidt, die beste Mittelfeldspielerin Europas, die nicht in einer Nationalmannschaft spielt, dominierte für Djurgården – bei Rosengård macht sich das Fehlen von Sara Björk Gunnarsdottir arg bemerkbar.

Immerhin hat Rosengård die Neuverpflichtung des Jahres in seinen Reihen – die Amerikanerin Ella McLeod Masar, die ihren zehnten Saisontreffer erzielte. Hat Linköping jetzt einen entscheidenden Vorteil? Mal sehen, ob sie alle Spielerinnen behalten können und ob es ihnen gelingt, nach der Pause in Göteborg zu gewinnen. Zwei Ja auf diese Frage und Linköping hat Anfang Oktober den Gewinn der Meisterschaft beim Heimspiel gegen Rosengåtd in der Hand. Yuerst aber gibt es Ende August schon mal das Pokalendspiel zwischen beiden Teams in Malmö.

FC Rosengård – Djurgården (0:1) 2:2
Tore: 0:1 Mia Jalkerud (22.), 1:1 Ella McLeod Masar (63.), 1:2 Emilia Appelqvist (67.), 2:2 Lotta Schelin (90.)

1800 Zuschauer waren eine neue Bestmarke für Rosengård, die meisten kamen sicher um L8 zu sehen. Der Schnitt liegt jetzt bei 790 Zuschauern, seit zehn Jahren ein stetes Auf und Ab.

Die Tabelle:

  1. FC Rosengård               42:7 35
  2. Linköpings FC              38:10 34
  3. Eskilstuna                     17:12 19
  4. Piteå IF                           14:19 18
  5. Göteborg                       17:12 17
  6. Djurgården                   18:18 17
  7. Örebro                            14:19 14
  8. Vittsjö                            12:23 12
  9. Kvarnsveden                13:26  9
  10. Mallbacken                  15:29 9
  11. Umeå                              12:27 9
  12. Kristianstad                  9:19  8′

 

Torschützenliste: 1. Pernille Harder 13, 2. Stina Blackstenius 11, 3. Marta, Ella McLeod Masar je 10, 5. Mia Jalkerud 7, 6. Tabitha Chawinga, Natasa Andonova, Kristine Minde, Pauline Hammarlund alle 6, 10. Mimmi Larsson 5.

 

Portugals zwei Welten

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Claudia Neto und Carolina Mendes am vergangenen Sonntag

Heute Abend spielt die portugiesische Nationalmannschaft der Männer gegen Wales um den Einzug ins EM-Finale. CR7 – Cristiano Ronaldo –lässt dabei niemanden kalt. Abgöttisch geliebt und bodenlos verachtet.

 

CN12?

So wie Ronaldo der mit Abstand beste Spieler seines Landes ist, so ist das Claudia Neto bei den Frauen. Die 28-Jährige aus dem idyllischen Ort Portimão an der Algarve hat als Erwachsene in Portugal nie Fußball gespielt, außer in der Nationalmannschaft.

Claudia spielte eine Saison lang Futsal, dann ging sie nach Spanien, zuerst nach Saragossa, fast 1.100 km entfernt von Portimão, da blieb sie fünf Jahre, bis es sie dann nach Barcelona zu Espanyol verschlug.

2014 im Sommer wurde sie von Linköpings FC geholt.

„In Claudia bekommen wir eine Spielerin, die ihre besten Eigenschaften in der Offensive hat mit ihrer feinen Technik und ihrem Gefühl für das Spiel. Sie hat große internationale Erfahrung durch ihre Einsätze für Portugals Nationalmannschaft. Sie wird eine interessante Neuverpflichtung sein für unseren Kader und ihre Eigenschaften passen gut zu unserer Spielweise,“  sagte Trainer Martin Sjögren zu der Verpflichtung.

Er wusste damals wohl nicht, wie Recht er hatte. Denn Claudia Neto schaffte es sofort in die Startformation und sie spielte so gut, dass sie dort auch nicht mehr wegzubekommen war, bis heute. 2015 wurde sie als eine der besten Mittelfeldspielerinnen auf der alljährlich stattfindenden Fußballgala nominiert – neben Malin Diaz Pettersson und Caroline Seger.

Die meisten Spielerinnen der portugiesischen Frauennationalmannschaft spielen in der Heimat bei Traditionsvereinen (der Männer) wie Benfica und Sporting. Im Ausland sind derzeit: Carole Costa, die beim BV Cloppenburg in der zweiten Staffel Nord spielt, Raquel Infante, die beim finnischen Erstligisten Åland United auf den Åland-Inseln spielt, Monica Mendes, die beim FC Neukirch in der Schweiz verteidigt, Suzane Pires in Brasilien bei Santos und Ana Borges bei den Chelsea Ladies. Hinzu kommen die beiden „Schwedinnen“, Caroline Mendes, die gerade erst aus Russland zu Djurgården kam und meist auf der Bank sitzt und eben Claudia Neto, die spielt und spielt und die Fäden zieht bei Linköping.

Am Sonntag nach dem Spiel bei Djurgården, bei dem Carolina Mendes und Claudia Neto wohl zum ersten Mal in ihrer Karriere gegeneinander gespielt haben, habe ich mich mit Claudia kurz unterhalten.

Wie fandest du das Spiel bei Djurgårde, ihr habt 1-0 gewonnen, es war ganz schön hart?

„Ja, es war ganz schön hart, aber das Wichtigste ist, dass wir drei Punkte gewonnen haben.. Wir hatten eine ganze Menge Chancen, haben aber ganz einfach keine Tore daraus gemacht. Das passiert manchmal, so ist das im Fußball.“

Vor zwei Jahren bist du nach Schweden gekommen, den Vertrag mit Linköping hast du vorzeitig verlängert, es läuft richtig gut hier?

„Ich bin sehr zufrieden hier. Ich konnte habe alle Spiele absolviert, was natürlich gut für mich ist. Ich will der Mannschaft in jedem Spiel helfen.“

Die portugiesischen Medien haben ein wenig angefangen, sich für Claudia und damit dem Frauenfußball zu interessieren. Aber es ist noch ein weiter Weg.

„Wir träumen davon, an einer Endrunde teilnehmen zu können,“ hat sie vor ein paar Jahren gesagt, aber auch an der EM 2017 wird Portugal nicht teilnehmen, zu groß bereits der Rückstand auf den großen Nachbarn Spanien und auch auf Finnland. Selbst Irland ist noch vor den Südeuropäerinnen.

Warum seid ihr in Linköping so viel besser als letztes Jahr, wo ihr im Prinzip denselben Kader hattet? Ist die Erklärung, dass ihr jetzt ein klares 4-3-3 spielt mit Pernille (Harder), Stina (Blackstenius) und Fridolina (Rolfö) da vorne?

„Das Spielsystem passt uns besser, ja. Und alle drei Forwards sind wirklich sehr schnell und das führt dazu, dass wir einfach mehr Raum haben, in den wir spielen können.“

Wie siehst du deine eigene Rolle im Spiel?

Ich habe eine sehr technische Rolle. Ich versuche, meine Räume im Mittelfeld abzudecken und ein gutes Gleichgewicht zwischen Abwehr und Angriff herzustellen.“

 

Meisterstück?

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Die Portugiesin Claudia Neto – Mittelfeldmotor bei Linköpings FC

Nein, ich weiß nicht ob der FC Rosengård oder Linköpings FC schwedischer Meister wird. Aber gestern Abend hat Linköping dennoch ein Meisterstück abgeliefert. Gegen den Tabellendritten Kopparberg/Göteborgs FC, der eine EM-ähnliche Defensivtaktik an den Tag legte und kurz davor war, einen Punkt mitzunehmen aus der Linköping Arena, gewann man durch ein Tor von Stina Blackstenius mit 1:0.

 

Man hatte das Selbstvertrauen und die Geduld, auch noch in den letzten zehn Minuten, nicht in Panik zu verfallen und nur noch lange Bälle zu spielen. Martin Sjögren, der Trainerfuchs, hat es geschafft, dem Team einzuimpfen, dass man einfach immer nur weitermachen muss.

Und so spielten die Portugiesin Claudia Neto und die Niederländerin Renée Slegers im zentralen Mittelfeld ihren Schuh runter, unermüdlich. Und am Ende war es – wer sonst? – Pernille Harder, die den öffnenden Pass spielte, in den Lauf der richtig zum Tor stehenden Blackstenius. In der 86. Minute. Spiel aus. Drei Punkte. Linköping wieder Erster dank der mehr geschossenen Tore.

Linköping und Rosengård führen jetzt mit je 28 Punkten nach zehn Runden zwölf Punkte vor dem Dritten Eskilstuna und dreizehn Punkte vor Göteborg. Im Oktober spielen beide Teams in der Damallsvenskan gegeneinander. Vorher noch im Pokalfinale. Ob sie es schaffen, bis dahin verlustpunktfrei zu bleiben?

Tabelle 6/22

Eskilstuna und Kristianstad spielen erst am Montag, aber dennoch hier die noch nicht ganz vollständige Tabelle der Liga:

  1. FC Rosengård 21:3 18
  2. Linköpings FC 20:6 18
  3. Eskilstuna 8:6 9
  4. Djurgården 9:9 9
  5. Göteborg 9:7 8
  6. Piteå 7:11 8
  7. KIF Örebro 5:9 6
  8. Vittsjö 5:9 6
  9. Kvarnsveden 7:10 5
  10. Mallbacken 9:16 4
  11. Umeå 6:14 3
  12. Kristianstad 5:11 2

Beste Torschützin ist die Favoritin Pernille Harder mit 8 Toren. Dahinter Stina Blackstenius mit 6 und Marta mit 5 Treffern.

Eskilstuna – Linköping 1:3

16716719020_167b818c97_kDer Östgöta-Express rollt weiter. Vor etwas mehr als 1.000 Zuschauern gewann Linköpings FC auch das dritte Spiel der Saison, dieses Mal bei Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer (2016/17) Eskilstuna United mit 3:1.

Ein völlig ungefährdeter, überzeugender Sieg mit einer überragenden Pernille Harder, die im Regen ihre Saisontreffer 3 und 4 markierte. Und weil Stina Blackstenius an der Spitze der Torjägerliste bleiben wollte, erhöhte dio 20-Jährige noch auf 3:0 (Treffer # 5), ehe Marija Banusic in der 92. Minute der Ehrentreffer gelang.

Die neue Truppe von Eskilstuna hat Schwierigkeiten, klare Torchancen zu erarbeiten. Das war schon am letzten Wochenende in Vittsjö (0:1) so und setzte sich heute fort. Linköping dagegen übereugt mit seinem 4-3-3 System, obwohl dort immer noch Fridolina Rolfö und die seit langem verletzte Ukrainerin Vera Dyatel fehlen.

Tabelle 02

Nach zwei Spieltagen sieht die Tabelle wie folgt aus:

  1. Linköpings FC 8: 3 Tore, 6 Punkte
  2. FC Rosengård 5:1, 6
  3. Kvarnsvedens KIK 4:2, 4
  4. Piteå IF 3:1, 4
  5. Vittsjö GIK 2:1, 4
  6. Eskilstuna 2:2, 3
  7. Umeå IK 2:2, 2
  8. KIF Örebro 1:1, 2
  9. Kopparberg/Göteborgs FC 0:2, 1
  10. Mallbackens IF Sunne 3:7, 0
  11. Kristianstads DFF 2:6, 0
  12. Djurgården 1:5, 0

 

In der Torschützenliste liegt Stina Blackstenius mit vier Treffern vor Mimmi Larsson, Marta, Johanna Rasmussen, Pernille Harder und Kristine Minde, die jeweils zwei Mal getroffen haben.

Die bisherigen zwölf Begegnungen hatten 9033 Zuschauer, lediglich Eskilstuna schaffte es, mit seinen ungefährdeten 2980 die 1000er-Grenze zu passieren.

Damallsvenskan 2016 – der Tipp

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Zwei Spielerinnen, die auch 2016 von sich reden machen dürften: Natalie Björn (hier noch AIK, jetzt Eskilstuna United) und Natasa Andonova (FC Rosengård)

Der FC Rosengård ist auch 2016 Topfavorit auf den Meistertitel in Schweden. Während der Saison 2015 gingen Anja Mittag und Ramona Bachmann, aber der übrig gebliebene Stamm plus die neu geholten Gaelle Engamanouit, Natasa Andonova und Lieke Martens geben der Mannschaft dennoch ausreichend Spitzenkompetenz, um mehr oder minder einsam an der Spitze zu kreisen. Zu rechnen ist überdies damit, dass Star Caroline Seger nach dem Ende der Saison in Frankreich zum FC Rosengård hinustösst, wo nicht nur die besten Rahmenbedingungen herrschen, sondern mit Therese Sjögran auch Segers BFF als Sportchefin tätig ist. Ausserdem lebt die Familie der 30-Jährigen unweit von Malmö.

Ich sehe nur ein Team, das Rosengård herausfordern kann und das ist der Vorjahresvierte Linköpings FC. Dort ist zwar die legendäre Charlotte Rohlin in Fussballerinnenrente gegangen, sie wird aber problemlos ersetzt durch Magdalena Ericsson. Die 22-Jährige, die in der Nationalmannschaft Linksverteidigerin spielt, wird von Coach Martin Sjögren (bester Trainer der Liga?) in die Mitte neben der routinierten Dänin Janni Arnth eingesetzt. Sjögren hat sich entschieden, auf 4-3-3 als Spielsystem zu setzen. Im Angriff haben die jungen Pernille Harder, Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius bereits in den Testspielen ordentlich hingelangt und selbst als Rolfö wegen Verletzung ausfiel, sorgte die Norwegerin Kristine Minde für Torjubel. Im Mittelfeld hat man mit der filigranen Technikerin Claudia Neto und Renée Slegers zwei exquisite Spielerinnen. Linköping wird Zweiter und erreicht sein Saisonziel Champions League.

Platz drei geht an den Viemeister von 2015. Eskilstuna United hat etliche Schlüsselspielerinnen durch Karriereende (Petra Larsson und Sofie Persson) verloren und die Kamerunerin Gaelle Engamanouit an den schärfsten Konkurrenten Rosengård. Aber Coach Victor Ericsson hat interessante Neuverpflichtungen geholt. Vor allem Marija Banusic könnte bei ihm den Durchbruch schaffen. Er hat bereits Olivia Schough zu neuen Karrierehöhen verholfen. Ausserdem holte Ericsson zwei AIK-Talente mit Petra Andersson und Natalie Björn. Björn habe ihm am meisten imponiert, sie sei schon jetzt eine Führungsspielerin, sagte Ericsson am Rande des Medienauftaktes der Damallsvenskan. Dennoch reicht das „nur“ zu Platz 3.

Dahinter wird es schwierig. Der Vorjahresdritte Piteå IF hat Pauline Hammarlund an Göteborg abgeben müssen, Hanna Pettersson og sich bei einem der ersten Trainings einen neuerlichen Kreuzbandriss zu. Aber mit Felicia Karlsson könnte Piteå einen Glücksgriff getan haben. Die vielleicht schnellste Stürmerin der Liga (Linda Sällström?) hat einen Durchbruch längst verdient und könnte ihn bei Stellan Carlsson schaffen, der schon Hammarlund und Emilia Appelqvist veredelt hat. Ich sehe Piteå knapp auf Platz vier vor Kopparberg/Göteborgs FC, das immer um den Titel mitspielen will, sich dann aber doch nicht entsprechend verstärkt. Die Niederländerinnen Manon Melis, Lieke Martens und Danielle van de Donk haben den Club verlassen, mit Pauline Hammarlund und Elin Landström hat man zwei grosse Talente geholt. Das Team ist jünger und wieder wird es nicht für die Champions League reichen. Platz 5. Sollte Lotta Schelin zurückkehren, wie Gerüchte besagen, dann könnte sie Göteborg doch noch ein wenig weiter nach oben bringen, aber wohl kaum in die Champions League.

Vittsjö GIK hat sich nach zwei mittelmässigen Spielzeiten enorm verstärkt. Mit Katie Fraine holte man die beste Torhüterin der Liga aus Linköping und die Nigerianerin Ngozi Okobi wirbelte bei der WM in Kanada 2015 die schwedische Abwehr nach Belieben durcheinander. Schaun mer mal, ob sie das auch in der Liga schaffen wird. Hinzu kamen eine weitere Nigerianerin, die Finnin Emmi Alanen und die physisch starke Clara Markstedt. Platz sechs sollte keine Utopie sein, wenn das Trainerduo unter der Führung von Thomas Mårtensson das Team zügig einspielen kann.

Für KIF Örebro bleibt dann nur Rang 7 übrig. Hanna Folkesson absolvierte 2015 kein einziges Spiel für den ehemaligen Vizemeister und Lisa Dahlkvist verliess ihren Mutterclub, um mit Caroline Seger wesentlich lukrativer das PSG-Mittelfeld zu bespielen. Ende des Jahres hagelte es Rücktritte. Elin Magnusson, Sanna Talonen und Susanna Lehtinen hingen die Fussballschuhe an den Nagel und werden enorm fehlen. Das Gefüge im Team verändert sich. Hinzu kommt, dass die Nigerianerin Sarah Michael einen Kreuzbandriss erlitt und man deshalb schnell die 34-Jährige Melissa Tancredi aus Kanada holte. Interessant zu sehen wird, inwieweit Mittelfelddiamanttalent (ein neues Wort…) Michelle De Jongh weiter von sich reden machen wird. Ein Interview mit ihr kommt in der nächsten Woche.

Achter in der Liga ist dann die einstige Fussballgrossmacht Umeå IK, die längst auf dem Boden der finanziellen Realitäten angekommen ist. Immerhin konnte man Nationalspielerin Jenny Hjohlman behalten und auch Supertalent Lina Hurtig. Letztere ist allerdings noch verletzt, aber zu mehr als Platz acht reicht das nicht. Zu unbeständig war das Team 2015, was der mangelnden Routine und auch der fehlenden Breite im Kader geschuldet ist.

Elisabet Gunnarsdottir ist schon im achten Jahr Trainerin von Kristianstads DFF und gestern hat ihr Team ganz gut ausgeschaut bei Meister Rosengård, was allerdings an einer eher indiskutablen Leistung der Gastgeber in Malmö lag. Die finanziellen Probleme haben Gunnarsdottir zu einer erheblichen Verjüngung des Kaders gezwunfen, mehr als Platz neun ist damit leider nicht drin.

Aufsteiger Djurgården schafft es trotz interessanter Neuverpflichtungen nur knapp, in der Liga zu bleiben. Gegen Linköping erlitt man eine knallende 1:6-Niederlage, es hätte auch zweistellig ausgehen können und ich sah nur wenig Erstklassiges. Die Paraden von Gudbjörg Gunnarsdottir, die wieder dabei ist. Die Innenverteidigerinnen Sheila van den Bulk und Petronella Ekroth sind solide, aber nicht erstklassig. Das ist dafür das zentrale Mittelfeld mit Emilia Appelqvist und Katrin Schmidt. Vorne sollen Mia Jalkerud, Alexandra Höglund und Madeleine Stegius alles richten, verstärkt durch die Portugiesin Carolina Mendes. 

Mallbacken schaffte es letztes Jahr um Haaresbreite, ein Tor besser als Hammarby, die Klasse zu erhalten. In diesem Jahr hat man Mimmi Larsson an Eskilstuna abgeben müssen. Die Neuverpflichtungen, u.a. mit Kirsty Yallop aus Vittsjö sind solide, aber es reicht leider nicht aus. Möglich wird es, wenn man es schafft, zu Hause den Heimvorteil mehrfach zu nutzen. Ein Spiel in Mallbacken ist etwas Besonderes, das haben mir schon viele Spielerinnen anderer Clubs erzählt.

Kvarnsveden hatte kein Geld, nach dem Aufstieg etablierte Spielerinnen aus der ersten Liga zu holen. Stattdessen gab es nur vier Neue aus der Elitettan. Superstar Tabitha Chawinga, die das Team mit ihren 42 Toren in 26 Spielen fast im Alleingang nach oben schoss, alleine kann es auch nicht richten. Chawinga wird sowieso heiss begehrt von allen anderen Clubs sein. Die 20-Jährige Malawierin hat sich dennoch 25 Tore zum Ziel gesetzt. Schafft sie das, dann hat Kvarnsveden eine Chance. Aber woher sollen die Bälle kommen?

Also, noch einmal zusammengefasst:

  1. FC Rosengård
  2. Linköpings FC
  3. Eskilstuna United
  4. Piteå IF
  5. Kopparbergs/Göteborg FC
  6. Vittsjö GIK
  7. KIF Örebro
  8. Umeå IK
  9. Kristianstads DFF
  10. Djurgården
  11. Mallbacken
  12. Kvarnsveden

ffschweden im Gespräch: Annika Kukkonen

15371573452_a7bcfa613b_kAls ich zuletzt mit Annika Kukkonen gesprochen hatte, war sie gerade aus Malmö nach Stockholm umgezogen. In Malmö war es ihr nicht gelungen, sich in eine mit Stars gespickte Mannschaft zu spielen, die zudem noch Anja Mittgag und Ramona Bachmann verpflichtet hatte. Bei Djurgården konnte Annika wesentlich mehr Spielzeit sammeln, aber auch sie konnte den Abstieg des ehemaligen Meisters nicht verhindern. Im Jahr darauf spielte sie im nordschwedischen Skellefteå für Sunnanå SK und auch dort hieß es nach einer Saison Abschied nehmen, weil das Team abgestiegen war. Ich erinnere mich noch daran, das ich ihr geraten habe, sich als vierten Verein in Schweden nicht wieder einen potentiellen Absteiger auszusuchen.

Als wir am Mittwochabend ein paar Sätze ausgetauscht haben, stelle ich fest, dass Annika Kukkonen etwas aus Skellefteå mitgenommen hat: eine deutliche dialektale nordschwedische Färbung, Sie lacht, offenbar und natürlich ist das auch anderen aufgefallen. Sie habe auch noch Freunde da, sagte sie mir und bedauerte, dass Sunnanå am Abend ein Nachholspiel gegen Hovås Billdal mit 01 verloren hat und damit wohl endgültig nichts mehr mit dem Aufstieg in die Damallsvenskan zu tun hat.

„Ich habe mich de facto auch in Stockholm und Skellefteå weiterentwickelt,“ sagt Annika auf die Frage, ob sie denn jetzt fußballerisch nach Hause gekommen wäre. „Ich habe sehr viel im Bereich des defensiven Spiels gelernt und gerade da war ich vorher nicht sonderlich gut.“

Es war leicht, sich bei KIF Örebro zu integrieren „Ich bin ja ein ziemlich sozialer Typ und dann ist das auch eine nette Truppe. Vor allem muss ich mich bei der „finnischen Mafia“, Lehtinen und Talonen bedanken, die mir da sehr geholfen haben.“

Auch wenn die Spielerinnen schon vor der Saison wussten, dass sie in einer guten Mannschaft spielen würden, hat wohl kaum jemand von ihnen damit gerechnet, dass sie drei Spiele vor Saisonende mit drei Punkten Vorsprung auf die großen Konkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC und Linköpings FC auf dem zweiten Champions-League-Platz stehen.

„Wir haben sehr gute Spielerinnen und es gibt eine gesunde Konkurrenz im Team, was sehr wichtig ist Dann haben ja viele aus der Mannschaft schon mehrere Jahre zusammengespielt, was auch nicht schlecht ist und unser Trainer Richard Nilsson hat das alles sehr klug und geschickt aufgebaut,“ sagt Annika.

Wo die Konkurrenten Stars wie Anja Mittag, Manon Melis oder Pernille Harder haben, die Tore schießen, hat Örebro die immer noch unterschätzte und sehr ruhige Nigerianerin Sarah Michael.

„Als wir unsere tolle Serie hatten und neun Mal hintereinander gewonnen haben, da haben wir unter anderem 2:0 in Göteborg und 4:0 in Linköping gewonnen, das war totaler Wahnsinn,“ sagt Annika Kukkonen und der Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.

Am Samstagnachmittag nun steht das kleine „Finale“ an, KIF Örebro empfängt den Dritten aus Göteborg. Sollte Örebro es tatsächlich schaffen zu gewinnen, dann steht das Tor zur Champions League sperrangelweit offen, denn in den letzten beiden Spielen trifft man noch auf Eskilstuna und Absteiger Jitex.

„Naja, Eskilstuna hat schon eine tolle Mannschaft,“ versucht es Annika Kukkonen, selbst wenn wir gegen Göteborg gewinnen sollten, dann ist da noch Eskilstuna,“ sagt sie routiniert um dann zu enden: „Naja, aber gegen Jitex sollten wir dann doch gewinnen, selbst wenn wir schlechter spielen.“

„In den letzten beiden Tagen haben wir doch immer wieder über das Samstagspiel geredet,“ sagt Annika Kukkonen „Ich finde, wenn man bedenkt, dass wir da völlig überraschend stehen, dann liegt der Druck doch eindeutig auf Göteborg.“

Auch das ist natürlich bewusst eingesetzt, um selber möglichst frei aufspielen zu können. Sicher ist der Göteborger Kader namhafter, aber Örebro hat wirklich diese kluge Mischung. Da sind die tschechischen Zwillingsschwestern Irene und Lucie Martinkova, nach der ehemaligen Weltklassestürmerin Pavlina Scasna die Importe zwei und drei aus Prag in Örebro, die besser einchlagen haben, als alle das erwartet haben.

Annikas Vertrag endet mit dieser Saison. Einen Wechsel nach Deutschland schließt sie aus. Obwohl sie damals in der Schule Deutsch als erste Fremdsprache gelernt hat. „Nein, danke!“ sagt sie mir auf Deutsch. Sie fühle sich in Schweden so wohl und könne sich nicht vorstellen, anderso zu spielen. KIF Örebros wirtschaftliche Saison ist nicht die beste und Annika Kukkonen möchte gerne wissen, wer denn alles bleibt. Im Moment spielt sie nur Fußball, aber sie sagt mir, dass sie schon noch etwas anderes brauche. Da ist zwarf das Fernstudium in Finnland, aber Annika Kukkonen möchte gerne neben dem Fußballspielen auch etwas arbeiten, sie habe doch zu viel Freizeit und außerdem sei es gut auch etwas zu haben, dass nicht viel oder gar nichts mit Fußball zu tun hat.

Wir sprechen kurz über das Ausscheiden der Finninnen aus der WM-Qualifikation „Das schmerzt noch immer und ist traurig,“ sagt sie, „gegen Frankreich haben wir am Ende eine tolle Halbzeit gespielt, in der wir bis zur 40.Minute mit 1:0 führten, das war sicher die beste Halbzeit Finnlands, seitdem ich in der A-Nationalmannschaft spiele.“

In Örebro ist Annika Kukkonen Stammspielerin geworden trotz harter Konkurrenz. Sie startete in 13 von 17 Begegnungen und wurde vier Mal eingewechselt. Das macht sic im Mittelfeld zu einem wichtigen Rädchen in einem Getriebe, das alle Gegnerinnen in der Liga stets als unbequem bezeichnen. Örebro ist ein physischer und aggressiver Gegner heißt es oft.

Morgen könnte ein wesentlicher Schritt getan werden, um die jahrelang betriebene Aufbauarbeit mit der Vizemeisterschaft zu krönen.