Rückblick

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Marta hat eine Torchance im Spiel bei Linköping

Die Saison 2016 ist nun vorbei. Zeit für eine kurze Bilanz.

Linköping ist der souveräne neue schwedische Meister. Vor der Saison hätte man sicher viel Geld verdienen können, wenn man vorausgesagt hätte, dass die Mannschaft um den wohl kommenden Nationaltrainer Martin Sjögren am Ende mit zehn (!!!) Punkten vor der Startruppe vom FC Rosengård landen würde.

Lange marschierten beide Teams im Gleichtakt, aber am Ende zog Linköping unwiderstehlich davon. Entscheidend einerseits der 1:0 Sieg für Linköping im, ja, alles entscheidenden Spiel gegen Rosengård.

Kristine Mindes Kopfball in der 81. Minute im strömenden Regen von Linköping stieß das Tor weit auf, danach implodierte Rosengård.

Linköping hatte bis auf Fridolina Rolfö, die etliche Wochen ausfiel und verletzungsanfällig bleibt, kaum Verletzungen zu beklagen. Das Trio Pernille Harder Stina Blackstenius und Kristine Minde erzielte 53 von 73 Toren, das SPielsystem 4-3-3 war optimal für den vorhandenen Kader. Im Mittelfeld zog eine überragende Claudia Neto die Fäden und in der Abwehr konnte der Rücktritt von Ikone Charlotte Rohlin durch due Beförderung von Magdalena Ericsson zur Kapitänin ohne Reivungsverluste aufgefangen werden. Die Dänin Janni Arnth war ein ebenso gelungener Einkauf, wie die beiden Aussenverteidigerinnen aus der Region, Jonna Andersson und Jessica Samuelsson Garanten für Sicherheit hinten wie Offensivkraft vorne waren.

Dass Martin Sjögren nach dem Weggang der starken Amerikanerin Katie Fraine im Tor der jungen Cajsa Andersson das Vertrauen aussprach, erwies sich nach 22 Spieltagen als ein weiterer hervorragender Schachzug des Trainers. Andersson wuchs an der Aufgabe und gehört nunmehr zu den besseren Torhüterinnen der Liga.

Linköping profitierte aber auch davon, dass Rosengård mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte. Zu Anfang der Saison fiel gleich die neue Stammtorhüterin Erin McLeod für mehr als ein Jahr aus. Auch Zecira Musovic verletzte sich, weshalb man mit der vereinslosen Ex-Nationaltorhüterin Sofia Lundgren eine etablierte Torfrau nach Malmö holte.

Gaelle Engamanouit, die als Torjägerin geholte Kamerunerin aus Eskilstuna, verletzte sich ebenfalls fast direkt und in der zweiten Saisonhälfte fielen auch die neu geholte Lotta Schelin und Lieke Martens zeitweise aus. Dass man mitten in der Spielzeit auch noch die neben Marta wichtigste Spielerin, Sara Björk Gunnarsdottir, an den zahlungskräftigen VfL Wolfsburg verlor, machte die Aufgabe von Trainer Jack Majgaard Jensen nicht gerade einfacher.

Das soll und kann allerdings den Erfolg vonm Linköping nicht schmälern. Aber keine zwei Wochen nach dem Gewinn des Meistertitels verliert Linköping bereits seine überragende Spielerin: Pernille Harder geht ins Ausland, wohin sollen wir nächste Woche erfahren. Zwar kommt mit Lina Hurtig eines der grössten Talente der letzten Jahre, aber der Verlust von Harder ist erst einmal nicht zu ersetzen, wenn die Brieftasche Begrenzungen hat. Fraglich ist auch noch, ob Stina Blackstenius bleibt. Auch die 20-Jährige, deren Nationalteam (U20) morgen möglicherweise bereits aus der WM in PNG fliegt, hat mehrere Angebot aus dem In- und Ausland, hat aber gesagt, dass sie nur ins Ausland gehen würde oder aber in Linköping bleibt. Ich fürchte, dass auch sie gehen wird.

Dahinter dann?

Eskilstuna hatte eine zu grosse Spielerfluktuation vor der Saison, kam dennoch auf den dritten Platz. Hervorragender Vierter abermals im Topwuartett: Piteå IF, dass aber nun mit Irma Helin schon wieder eine Schlüsselspielerin ersetzen muss., Helin trainierte diese Woche zweimal beim 1.FFC Frankfurt. Vom schwedischen Vierten zum deutschen Sechsten?

Die Aufsteiger haben beide sehr positiv ¨überrascht. Vor der Saison sass ich noch mit der rückkehrenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir in einem Café am Karlaplan in Stockholm und Gugga sagte mir, dass sie unsicher sei, wo ihr Team stehen würde. Am Ende kam ein sehr respektabler sechster Platz heraus mit Luft nach oben, denn am Ende ging der Traditionsmannschaft aus Stockholm die Luft aus. Bitterer Beugeschmack aber: Mit nur 376 Zuschauern hatte man trotz ansprechenden Spiels den schlechtesten Schnitt der Liga und das in der bevölkerungsreichsten Stadt oder gerade deshalb?

Die Portugiesin Carolina Mendes muss Stockholm verlassen nach nur einer Saison. Vielleicht bekommt sie ein Angebot vom Lokalrivalen Hammarby, der aufgestiegen ist und Verstärkung braucht.

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Tabitha Chawinga

Kvarnsveden, der Sieger der Elitettan 2015, war bespöttelt worden. Das Wort „dålig“ (schlecht) hatte der Trainer verboten, der Verein sich nur mit vier Spielerinnen aus der zweiten Liga verstärkt. Das wird nicht reichen, sagten ALLE Experten, inklusive meiner Wenigkeit und machten Daumen runter beim Presseauftakt im April. Es sah nicht so gut aus, aber besser als erwartet, als die Olympiapause begann, dann holte jemand die Ghanaerin Elisabeth Addo und die Amerikanerin Tiffany Weimer und mit den Beiden lief es prächtig, nicht zuletzt für die von allen Vereinen begehrte Malawierin Tabitha Chawinga, die innerhalb von zwei Jahren von der dritten in der ersten Liga aufgestiegen war und selbst dort angekommen nun immerhin noch beeindruckende 15 Tote schoss. Nicht auszudenken, wie viel Mal sie für einen Topclub getroffen hätte. Chawinga spielt mit grosser physischer Stärke, Schnelligkeit mit einem unbändigen Zug um Tor. Als ich sie in Kvarnsveden im Sommer erstmals live spielen sah beschäftige sie trotz der 0:4 Niederlage gegen Rosengård immer wieder Nationalspielerinnen wie Emma Berglund und Amanda Ilestedt aufs Äusserste.

Kristianstad hatte am Ende Glück und rettete sich mit 1,5 blauen Augen vor dem Abstieg. Das Geld fehlt in der kleinen Stadt.

Runter dagegen muss der einst so glorreiche Umeå IK nach skandalösen Turbulenzen. Der Vereinsvorsitzende entliess das komplette Trainerteam gegen den Willen der Spielerinnenm wurde deshalb enorm kritisiert und trat deshalb wenig später selber zurück. Selbst ohne diese Differenzen hatte Umeå zu wenig Ressourcen, um eins schlagkräftiges Team auf den Plat zu stellen. Und mit Hanna Folkesson uynd Jenny Hjohlman waren zwei der gedachten Leistungsträgerinnen fast die ganze Saison verletzt. Bitter.

Am Montag steigt die Gala des Fussballs im Stockholmer Ericsson Globe und da bietet sich die Gelegenheit, mit den Preisträgerinnenzu sprechen. Haushohe Favoritin auf den „Diamantenball“ als Fussballerin des Jahres dürfte Chelsea Ladies Torfrau Hedvig Lindahl sein. Zum zweiten Mal in Folge, aber nach den geretteten Elfern bei der Olympiade wohl kaum zu übergehen. Es sei denn, man entscheidet sich für die zweifache Elfersiegerschützin Lisa Dahlkvist. 

Mitten in der Saison entschied sich Anette Börjesson nach 20 (!!!) Jahren die Seite http://www.damfotboll.com nicht länger zu betreiben.  Für den frauenfussball in Schweden ein grosser Verlust, denn nach wie vor berichten die Mainstreammediuen in erster Linie über die Nationalmannschaft, die Champions League und den Kampf um die Meisterschaft. Ansonsten bin ich ziemlich allein auf weiter Flur, wenn ich etwa Spiele in Stockholm besuche. Deshalb blogge ich seit dem 1. Juli auch auf Schwedisch und versuche, mit Spielerinneninterviews ein wenig dazu beizutragen, dass die Lücke gefüllt wird.

Seit dem 1. Juli gab es längere Interviews mit Marianne Gajhede KnudsenKristine MindeOlga Ekblom, Magdalena Ericsson, Mimmi Larsson, Irma Helin, Denise Sundberg, Zecira Musovic, Sofia Jakobsson, Emilia Appelqvist, Claudia Neto, Sara Björk Gunnarsdottir und Nora Holstad BergeLeider habe  ich es wegen hoher Arbeitsbelastung nicht geschafft, die Gespräche auch auf Deutsch zu veröffentlichen.

 

 

 

 

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Ausrutscher

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Djurgården ist die positive Überraschung der ersten Saisonhälfte

Lotta Schelins erstes Ligaspiel nach acht Jahren bei Olympique Lyon, der besten Frauenfußballmannschaft der Welt, war sowohl erfolgreich wie auch ein Ausrutscher,. Beim Heimspiel gegen Djurgården gab es ein glückliches 2:2 durch einen Treffer von Schelin in der 90. Minute.

Djurgården kann man getrost als die positive Überraschung der ersten Saisonhälfte bezeichnen. Kompaktes Abwehrspiel, wenn sie nach vorne gehen , dann glkeich mit mehreren im gegnerischen Strafraum. Katrin Schmidt, die beste Mittelfeldspielerin Europas, die nicht in einer Nationalmannschaft spielt, dominierte für Djurgården – bei Rosengård macht sich das Fehlen von Sara Björk Gunnarsdottir arg bemerkbar.

Immerhin hat Rosengård die Neuverpflichtung des Jahres in seinen Reihen – die Amerikanerin Ella McLeod Masar, die ihren zehnten Saisontreffer erzielte. Hat Linköping jetzt einen entscheidenden Vorteil? Mal sehen, ob sie alle Spielerinnen behalten können und ob es ihnen gelingt, nach der Pause in Göteborg zu gewinnen. Zwei Ja auf diese Frage und Linköping hat Anfang Oktober den Gewinn der Meisterschaft beim Heimspiel gegen Rosengåtd in der Hand. Yuerst aber gibt es Ende August schon mal das Pokalendspiel zwischen beiden Teams in Malmö.

FC Rosengård – Djurgården (0:1) 2:2
Tore: 0:1 Mia Jalkerud (22.), 1:1 Ella McLeod Masar (63.), 1:2 Emilia Appelqvist (67.), 2:2 Lotta Schelin (90.)

1800 Zuschauer waren eine neue Bestmarke für Rosengård, die meisten kamen sicher um L8 zu sehen. Der Schnitt liegt jetzt bei 790 Zuschauern, seit zehn Jahren ein stetes Auf und Ab.

Die Tabelle:

  1. FC Rosengård               42:7 35
  2. Linköpings FC              38:10 34
  3. Eskilstuna                     17:12 19
  4. Piteå IF                           14:19 18
  5. Göteborg                       17:12 17
  6. Djurgården                   18:18 17
  7. Örebro                            14:19 14
  8. Vittsjö                            12:23 12
  9. Kvarnsveden                13:26  9
  10. Mallbacken                  15:29 9
  11. Umeå                              12:27 9
  12. Kristianstad                  9:19  8′

 

Torschützenliste: 1. Pernille Harder 13, 2. Stina Blackstenius 11, 3. Marta, Ella McLeod Masar je 10, 5. Mia Jalkerud 7, 6. Tabitha Chawinga, Natasa Andonova, Kristine Minde, Pauline Hammarlund alle 6, 10. Mimmi Larsson 5.

 

damfotboll.com hört auf

Mit http://www.damfotboll.com hört heute eine der bekanntesten Frauenfußballseiten der Welt auf. Seit 17 Jahren hat Anette Börjesson die Seite betrieben und hatte dabei Thorsten Frennstedt immer an ihrer Seite. Beide haben Unglaubliches für den Frauenfußball geleistet. Börjesson war 1985 Europameisterin mit Schweden und Frennstedt teilte heute Abend lakonisch mit, dass er nach 47,5 Jahren (!!!!) Frauenfußballjournalismus heute für immer auslogge. Das stimmt traurig.

Selber habe ich für die Seite mehr als neun Jahre geschrieben. Spielberichte, Nachrichten und auch immer wieder Interviews. Das fällt nun weg und dem Frauenfußball in Schweden geht die wichtigste mediale Quelle verloren.

Denn zwar hat sich die Berichterstattung über den Frauenfußball in den letzten siebzehn Jahren enorm verbessert. Aber in Schweden heisst das primär, dass über die Nationalelf berichtet wird. Selbst bei einem so entfernten Turnier wie in Kanada vergangenes Jahr schickt inzwischen jede grosse Zeitung mindestens einen Berichterstatter mit auf den Weg, um über das schwedische Team zu berichten.

Dass dem so ist, daran haben Anette und Thorsten großen Anteil.

Aber schon über die Ligaspiele der Damallsvenskan wird kaum berichtet. Natürlich macht der FC Rosengård immer wieder Schlagzeilen in Sydsvenska Dagbladet, dem regionalen Blatt in Südwestskåne. Aber in Stockholm hat es ein Verein wie Djurgården oder AIK oder Hammarby sehr schwer, in die Presse zu kommen.

Als ich zuletzt beim Spiel gegen Umeå im Stockholmer Stadion war, gab es keine schreibenden Journalisten und mein Versuch, Torhüterin Tove Enblom zu einem kurzen Gespräch zu bewegen, scheiterte daran, dass sie lieber mit ihren Verwandten und Freunden reden wollte. Kein Problem, aber schon ziemlich komisch, auch weil man es gar nicht gewohnt ist, dass da jemand was fragen und dann veröffentlichen will.

In Schweden sind wir dieses Jahr meiner Meinung nach in eine mediale Krise hineingeschlittert, auch weil die Fernsehrechte nicht verkauft werden konnten. Zwar hat der Interessenverein der Liga, der EFD, nun selber die Übertragungen organisiert, aber vie meisten Kommentatoren sind schlecht und auch schlecht vorbereitet. Interviews gibt es keine, weil man halt billig produzieren muss und der Reporter wohl meist in einem Stockholmer Studio sitzt. Da wird einfach weniger kommuniziert als je zuvor.

Und ohne damfotboll wird es zappenduster.

Ich wusste schon gut einen Monat von der bevorstehenden Schliessung und habe mir überlegt, nun auch ein schwedischsprachiges Blog zu schreiben, in dem es dann regelmässig Interviews geben soll. Den Anfang macht ein Gespräch mit Wolfsburgs Neuzugang Sara Björk Gunnarsdottir, die ich vergangene Woche in Eskilstuna traf. Moirgen auf Schwedisch und Sonntag auf Deutsch.

Rosengård gewinnt in Eskilstuna

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Unwiderstehlich: Marta lässt die wesentlich jüngeren schwedischen Nationalspielerinnen Malin Duaz (links) und Nathalie Björn deutlich hinter sich und erzielt das 1:0 für Rosengård

Zehntes Spiel, neunter Sieg. Der FC Rosengård hat es auch in Eskilstuna zu drei Punkten gebracht und kaum jemand glaubt wohl daran, dass man im Heimspiel gegen Kvarnsveden am 02.07. Federn lassen wird. Damit eine fast perfekte Hinrunde.

Das Spiel war jedoch nicht sonderlich sehenswert. Es erinnerte mich fast ein wenig an die wenig begeisternden Vorstellungen der Herren-EM-Vorrunde. Rosengård war das bessere Team, aber sie hatten nur eine Marta. Die war überragend und sorgte immer wieder für gefährliche Aktionen oder schöne Pässe. Aber die anderen offensiven Spielerinnen Natasa Andonova und nicht zuletzt auch Lieke Martens hatten zumindesty heute zu wenig Durchschlagskraft. Eskilstuna hätte durchaus zum Ausgleich kommen können, was nicht ganz verdent gewesen wäre.

Es war das letzte Spiel von Sara Björk Gunnarsdottir, die Isländerin geht bekanntlich zum VfL Wolfsburg. Nach dem Spiel habe ich mit ihr gesprochen, das Interview könnt ihr am Sonntag lesen.

Kristianstads sportliche Krise scheint erst einmal gedämpft, denn mit dem 1:0 über Mallbacken schob sich das Team von Elisabet Gunnarsdottir erst einmal auf Rang 9 und erstmals weg vom Abstiegsplatz. Finanziell allerdings sieht es ganz düster aus, in den nächsten Wochen werden wir sicher mehr erfahren.

Eskilstuna United – FC Rosengård (0:0) 0:1
Tor: 0:1 Marta (62.)

Kristianstads DFF – Mallbackens IF Sunne (1:0) 1:0
Tor: 1:0 Johanna Rasmussen (13.)

In Eskilstuna sahen mit mir weitere 2248 Zuschauer die Begegnung, in der Marta ihr achtes Saisontor erzielte.

Rosengård auf eins

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Nach langer Verletzungspause meldete sich Amanda Ilestedt zurück und erzielte das 2:0 gegen Piteå

Im letzten Spiel des dritten Spieltags der Damallsvenskan ließ der FC Rosengård gegen ein in allen Belangen enttäuschendes Piteå keinen Zweifel daran, wer die Nummer eins in Schweden ist. Das 4:0 gegen den Vorjahresdritten reichte sogar, um von Linköping die Tabellenführung zu übernehmen. Im Grunde genommen spielte nur eine Mannschaft au8f dem mit 860 Zuschauern gut gefüllten Malmö IP. Überragend die zweifache Torschützin Lieke Martens, aber auch die Außenverteidigerinnen Ali Riley und Lina Nilsson wirkten mehr wie zusätzliche Flügelstürmerinnen, hatten nur wenig in der Abwehr zu tun, in der Anita Asante und Amanda Ilestedt stets die Übersicht behielten und den Spielaufbau betreiben konnten.

Wer kann Rosengård stoppen? Selbst die Verletzung von Gaelle Engamanouit schadet dem Team in der einheimischen Liga kaum. Und auch der in diesen Tagen verkündete Abgang von Sara Björk Gunnarsdottir zum zahlungskräftigen VfL Wolfsburg Anfang Juli wird mit Sicherheit durch eine Neuverpflichtung auf Augenhöhe ausgeglichen werden können. Schließlich hat man in Malmö vor Beginn der Saison ein Netzwerk aus einem guten Dutzend lokaler und regionaler Sponsoren bekanntgegeben, das dem Verein auch in den kommenden Jahren in Schweden genügend Finanzen garantiert. Ob Caroline Seger tatsächlich nach Hause kommt oder vielleicht doch zu Lyon geht, wie es diese Woche hieß, bleibt abzuwarten. Die bald 31-Jährige Seger wäre ohnehin keine Zukunftsspielerin. Das ist auch die 30-Jährige Ella Masar McLeod nicht, aber Masar McLeod hat auch gestern wieder bewiesen, dass sie in puncto Vielseitigkeit kaum zu toppen ist. Nachdem sie schon als Außenverteidigerin, linke Mittelfelspielerin und Stürmerin bei Rosengård eingesetzt wurde, war es gestern das zentrale Mittelfeld. Und jedes Mal überzeugt sie.

Im Übrigen zeigen die Wechsel von Sara Björk Gunnarsdottir zu Wolfsburg und von Dzsenifer Marozsan von Frankfurt nach Lyon und heute die Meldung, dass Simone Laudehr zum FC Bayern geht, dass es in Europa auch im Frauenfußball  inwischen gegenwärtig nur noch 2-3 Clubs gibt, die wirklich das (vergleichsweise) große Geld in die Hand nehmen können. Und dazu gehören augenscneinlich weder der FC Rosengård noch der 1.FFC Frankfurt. Dass die beiden souveränen Finalisten der Champions League 2015/16 jetzt das weitere Aufrüsten begonnen haben, unterstreicht dies nur. Gespannt sein darf man, was aus PSG wird, nachdem es von Lyon sowohl in der Meisterschaft wie in der UWCL gedemütigt wurde. Wird Nasser Al-Khelaifi nun noch einmal in seine prall gefüllte Brieftasche greifen oder gibt er den Kampf um die Topposition im Frauenfußball auf?

FC Rosengård – Piteå IF (2:0) 4:0
Tore: 1:0 Lieke Martens (4.), 2:0 Amanda Ilestedt (24.), 3:0 Lieke Martens (48.), 4:0 Iina Salmi (66.)

 

Anja Mittags Hattrick am achten Spieltag

Fünf Begegnungen standen am achten Spieltag auf dem Programm. Das „Fernsehspiel“ war die Begegnung zwischen dem FC Rosengård und Kopparberg/Göteborgs FC, das am Ende eine unerwartet klare Angelegenheit für den Meister wurde. Nach der Niederlage in Tyresö vor Wochenfrist präsentierte sich Jonas Eidevalls Mannschaft wesentlich entschlossener und gewann mit 5:0 gegen den Gast aus Westschweden. Wobei also Anja Mittag die Treffer 2, 3 und 5 erzielte. Therese Sjögran per Elfmeter und Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir erzielten die übrigen Treffer für den alten und neuen Tabellenführer, der die Liga mit drei Punkten anführt.

Rang zwei belegt überraschend KIF Örebro, das die Schwächeperioden von Linköping und Göteborg ausgenutzt hat. Lucie Martinkova erzielte den einzigen Treffer beim eigentlich mageren 1:0 gegen AIK in der hemischen Behrns Arena, aber drei Punkte sind nun mal drei Punkte.

Umeå verpasste dem Sensationsaufsteiger Eskiltuna mit dem 6:1 den ersten richtig derben Rückschlag. Zweimal trafen die Finnin Emmi Alanen und die schwedische Nationalspielerin Jenny Hjohlman.

Ein weiteres 1:0 gab es für Kristianstad bei Abstiegskandidat Jitex, den Treffer erzielte Marija Banusic in der 15. Minute.

Auch Piteå gewann mit 1:0 gegen das krisengeschüttelte Vittsjö, das mit dem elften Platz deutlich unter Wert in der Tabelle steht. Bei beiden Teams bestätigt sich wie wichtig ein guter bzw. wie verheerend ein schlechter Saisonauftakt sein kann, denn béi beiden Mannschaften hält die Tendenz aus dem ersten Spiel an.

Rosengård verliert erstes Pflichtspiel

Der FC Rosengård (früher LdB FC Malmö) hat das erste Pflichtspiel seiner Frauenfußballgeschichte gestern Nachmittag überraschend verloren.

Auf dem heimischen Malmö IP verlor der schwedische Meister im Achtelfinale des schwedischen Pokals 2013/14 mit 1:2 gegen KIF Örebro und schied damit vorzeitig aus.

Sanna Talonen hatte die Gäste in Führung gebracht und die neue Mannschaftskapitänin, die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, in der zweiten Halbzeit den Ausgleich erzielt. In der Nachspielzeit leistete sich dann Elin Rubensson einen fatalen Rückpass, der für die trotz Knieproblemen spielende Thora Helgadottir gedacht war, aber bei Sarah Michael landete, die leichtfüßig Helgadottir umrundete und zum 2:1 Sieg einschob.

„Da haben wir das Spiel nicht verloren,“ sagte Trainer Jonas Eidevall nach der Partie der Zeitung Sydsvenska Dagbladet, „Es ist leicht, auf den einfachen Fehler am Ende des Spiels zu zeigen, aber wir haben den Sieg schon in der ersten Halbzeit verpasst, wo wir völlig von der Rolle waren.“

Ramona Bachmann spielte erst in der zweiten Halbzeit, ansonsten war Rosengård in Bestbesetzung.

„Ramona hat im letzten Monat zwei Mal trainiert. Ein ganzes Spiel hätte sie nicht durchgehalten. Und weil das ein Pokalspiel warm, war es mir lieber, sie am Ende des Spiels dabei zu haben, falls es eine Verlängerung gegeben hätte,“ erklärte Eidevall das Fehlen seiner Topspielerin.

Für KIF Örebro war dieses Spiel nach mehreren klaren Niederlagen in Testspielen zuvor das erste Spiel, in dem die beiden Kanadierinnen Stephanie Labbé und Marie-Eve Nault wieder dabei waren.

Im ersten Achtelfinalspiuel am Freitagabend gewann Kristianstads DFF loker mit 6:1 beim Zweitligisten Hovås Billdal. Susanne Moberg (3), Mia Carlsson (2) und Linnéa Liljegärd schossen die Tore für den Erstligisten.

Testspiele

Nur wenige Tage nach der 0:7 Niederlage gegen Linköping verlor KIF Örebro auch sein zweites Testspiel gegen einen Ligakonkurrenten. In Tyresö gab es ein 0:5, bei dem die gerade heimgekehrte Christen Press in der ersten Halbzeit einen Hattrick zur 3:0 Führung erzielte. Caroline Seger und Lisa Dahlkvist schossen die weiteren Treffer. Bei Tyresö gefiel neben Press insbesonders die Brasilianerin Rilany auf der rechten Abwehrposition mit Schnelligkeit, guter Technik und hervorragenden Flanken. KIF Örebro hat derzeit aber noch keinen Zugriff auf die kanadischen Nationalspielerinnen Stephanie Labbé und Marie-Eve Nault sowie die tschechischen Zwillinge Lucie und Irena Martinkova. Auch die Nigerianerin Sarah Michael ist noch nicht an Bord. Gestern wurde gerätselt, warum die Fünf in der so wichtigen Vorbereitung noch nicht dabei sind. Das kann rein finanzielle Gründe haben. Möglicherweise sind die Verträge erst ab einem späteren Datum gültig, um Geld zu sparen. Tyresö selber hat Press, Meghan Klingenberg und Whitney Engen gerade deswegen erst wieder seit dem 15.02. auf Leihbasis unter Vertrag.

Meister FC Rosengård ist in der Türkei im Trainingslager, sollte dort gegen einen türkischen Club spielen und bekam erst eine Stunde vor dem geplanten Spiel zu wissen, dass man stattdessen auf den kasachischen Meister BIIK Chimkent treffen würde. 5:2 für die Schwedinnen endete die Begegnung, in der die von Anfang an spielende Lisa Ek zwei Tore schoss und somit hoffentlich das Gespenst ihrer vielen Knieverletzungen nach anderthalb Jahren Reha vergessen machte. Amanda Ilestedt, Sarah Mellouk und Sarah Björk Gunnarsdottir schossen die übrigen Tore.

Am Wochenende gibt es ein Interview mit AIK:s neuem Innenverteidigerpaar Maija Saari und Malin Levenstad, das ich am Mittwochnachmittag gemacht habe.

Schweden 2014: Die Lage im Januar

In 98 Tagen beginnt die neue Saison der Damallsvenskan. Sollte das Wetter so bleiben, wie es derzeit in Süd- und Mittelschweden ist, nämlich schneefrei und außergewöhnlich mild, könnte es erstmals seit vielen Jahren, eine Vorsaison geben, in der z.B. in Stockholm sogar relativ problemlos draußen trainiert werden kann.

Was hat sich bis dato getan in den 12 Vereinen der ersten Liga? Was machen die Absteiger, welche Entwicklungen gibt es in der zweiten Liga?

Das Transferfenster ist geöffnet und mit Sicherheit wird sich der Kader hier und dort noch verändern. Einige Teams sind mehr aktiv gewesen als andere. Hier ist der Zwischenstand und die Vereine sind so sortiert, wie sie nach heutigem Stand und meiner Meinung abschneiden würden, wenn die Saison nächste Woche beginnen würde.

1. FC Rosengård

Nach der zweiten Umbenennung des einstigen Frauenteams von Malmö FF steht der Meister von 2013 mit neuem Sponsor im Rücken äußerst stark da. Die Vereinsführung und Sportchef Niclas Carlnén haben die Strategie, Spielerinnen möglichst langfristig an den Verein zu binden und auch primär nur solche Spielerinnen anzuwerben, die zum Verein und zur Mannschaft passen.

Scouting war schon immer eine Stärke Malmös in den letzten Jahren. Das beste Beispiel hierfür die Isländerin Sara Björk Gunnarsdottir, die mittlerweile Schlüsselspielerin ist. Bei Annika Kukkonen und Katrine Veje hat man sich aber doch offenbar verrechnet. Kukkonen wechselte bereits vorletztes Jahr und Veje musste jetzt gehen, über den Öresund nach Kopenhagen. Auch die Kolumbianerin Yoreli Rincon hat es nicht geschafft, sie war bei Aufsteiger Eskilstuna im Gespräch, hat aber noch keinen neuen Verein. Ihre technischen Finessen konnten nicht die physischen Mängel überdecken.

Mit Kapitänin Malin Levenstad hat eine Führungsspielerin den Verein verlassen. Sie ist zwar nur sechs Monate an Aufsteiger AIK ausgeliehen, aber es ist nicht anzunehmen, dass sie zurückkehrt. Als Innenverteidigerin fehlt es ihr letztlich auch an der internationalen Klasse, die man braucht, um die Champions League zu gewinnen.

Sowohl gegen Olympique Lyon im März 2013 wie gegen den VfL Wolfsburg im Spätherbst war man letztlich chancenlos. Gegen Wolfsburg zwar glücklos, aber eben nach 180 Minuten erfolglos. Um den nächsten Schritt auch international zu machen, holte man sich mit der robusten und spielintelligenten Engländerin Anita Asante eine Spielerin, die nicht nur die Champions League bereits mit dem FC Arsenal gewonnen hat und über große internationale Erfahrung verfügt, sondern auch jemanden, der multifunktionell einsetzbar ist: sowohl im Zentrum der Abwehr wie auch im zentralen defensiven Mittelfeld.

Der Abgang von Manon Melis zum angeblich wesentlich besser zahlenden Ligakonkurrenten Kopparberg/Göteborgs FC könnte die Südschweden mehr schwächen, als man das gemeinhin erwartet. Im erfolgreichen Herbst, in dem Malmö letztlich den Spieß umdrehte und Tyresö den Titel mit deutlichem Abstand wegschnappte, war es immer wieder Melis im Zusammenspiel mit Veteranin Therese Sjögran, die entscheidende Tore schoss.

Man hat jedoch mit Melis‘ Landsfrau Kirsten van de Ven von Gegenspieler Tyresö eine äußerst ehrgeizige Flügelflitzerin mit hoher Sozialkompetenz geholt. 2014 müsste aber auch die Saison von Megatalent Elin Rubensson werden, falls nicht, würde ich der 20-Jährigen raten, sich einen neuen Verein zu suchen, um ihre Begabung nicht zu verschwenden.

Rosengård ist erster Anwärter auf den Meistertitel im neuen Jahr. Der Konkurrent Nummer eins derzeit ist meiner Meinung nach

2. Linköpings FC

Zampano Anders Mäki und Trainer Martin Sjögren haben in Linköping schon letztes Jahr ein kleines Meisterstück vollbracht. Mit Nilla Fischer gab man die teuerste Spielerin mitten in der Saison an den VfL Wolfsburg ab und man merkte es nicht. Denn Linköping siegte sich souverän durch den Herbst und das mit einem äußerst jungen Team, das man auch noch verstärkt hat für dieses Jahr.

Vor zwei Jahren sollte es noch das Geld und die erfahrenen Spielerinnen machen. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer und andere tummelten sich in der 100.000-Einwohnerstadt, anderthalb Zugstunden südlich von Stockholm und das Experiment ging in die Hose. Trainer Jörgen Pettersson (vor Sjögren Trainer in Malmö) ging und Sjögren kam, das hatte es genauso schon in Malmö gegeben. Sjögren holte dann auf Anhieb den Titel.

In Linköping schaffte er das zwar nicht, aber sowohl Rosengård wie auch Tyresö haben mit Sicherheit gehörigen Respekt vor den Blauen.

Mäki und Sjögren „sammeln“ offenbar U19-Europameisterinnen. Aus der Mannschaft die 2012 in der Türkei für Schweden Gold holte, spielen jetzt vier in Linköping, nachdem man sich von Jitex Fridolina Rolfö für das offensive Mittelfeld gesichert hat. Sofia Lundgren wird ihre Karriere als Torhüterin wohl nach einem Bandscheibenvorfall beenden. Aufgrund der Ungewissheit ihrer sportlichen Zukunft hatte man der 32-Jährigen auch keinen neuen Vertrag mehr angeboten und sich schließlich die Amerikanerin Katie Fraine von Absteiger Mallbacken geholt. Möglicherweise ist Fraine die beste Torhüterin der Liga. Sollte es der Niederländerin Renée Slegers im Mittelfeld nochmals gelingen, das fortzusetzen, was sie in der zweiten Saisonhälfte geboten hat und Welttalent Pernille Harder sich so weiterentwickeln wie anzunehmen ist, dann ist die Quali für die Champions League im Bereich des Möglichen für Linköping.

3. Tyresö FF

Eine Personalpolitik, die ich nicht verstehe. Fünf Amerikanerinnen hat der Verein um den ehemaligen Assistenztrainer der USA, Tony Gustavsson, geholt. Alle fünf müssen nun spätestens Anfang Juni gehen. Die vielen Wechsel in der zweiten Jahreshälfte 2013 und die Verletzung von Marta haben Tyresö den Titel gekostet und mit dem, was vermutlich nun wieder ansteht, neue Spielerinnen, die sich schnellstens akklimatisieren sollen, wird man es wieder nicht schaffen. Kann es sein, dass sich Fädenzieher Hasse Löfgren zurückzieht, wenn er sein 2006 definiertes Ziel Champions League erreicht hat. Auch die Verträge von Caroline Seger, Vero Boquete und Marta laufen im Juni aus, die Saison geht aber bis Ende Oktober. Mit soviel Unstetigkeit wird nicht mehr als Platz 3 drin sein.

4. Umeå IK

Der neue Trainer Jonas WIkström findet eine reformierte Organisation vor und eine starke Truppe. Umeå musste einsehen, dass die finanziellen Abenteuer des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts nicht mehr möglich waren. Man gab die Devise aus, dass man nun auf einheimische Talente setzen würde.

Umeå steht heute in der Tat da mit sechs Spielerinnen, die entweder in der schwedischen Nationalmannschaft spielen oder aber Lehrgänge bei Pia Sundhage besucht haben. Lina Hurtig ist eines der größten Talente im Lande, von ihr dürfte man sehr viel hören in diesem Jahr. Hanna Folkesson im zentralen Mittelfeld ist eine Arbeitsbiene, die ihresgleichen sucht und wenn Kapitänin Emma Berglund nun nach überstandener Kreuzband-Reha wieder in der Inenverteidigung spielten wird, dann hat Umeå eine äußerst starke zentrale Linie.

5. Vittsjö GIK

Der aus Finnland nach Südschweden ausgewanderte Calevi Hämäläinen stellt mit seinem Unternehmen Wiwood Spanplatten her. Da er aber auch noch fußballverrückt ist, sponsort er den örtlichen Frauenfußballverein Vittsjö GIK. In der ersten Saison noch sensationell guter Aufsteiger hatte man vergangenes Jahr das verflixte zweite Jahr, bedingt unter anderem durch mehrere Verletzungen, kriegte am Ende aber doch noch die Kurve. Für 2014 hat man sich bestens verstärkt.

Göteborg schnappte den Kleinstädtern die holländische Torhüterin Loes Geurts weg. Dafür holte man sich die bessere Minna Meriluoto, ein Gewinn für Vittsjö. Ebenso ist die Schottin Hayley Lauder von Absteiger Mallbacken ein Gewinn. Mit der wohl endlich wieder genesenen Ifeoma Dieke und Goalgetterin Jane Ross bildet Lauder ein schottisches Trio in Skåne.

 

6. KIF Örebro

Lediglich Umeås nigerianisches Mittelfeldas Ogonna Chukwudi steht auf der Liste der Neuzugänge. Im Kader hat sich wenig getan und wenn, wie anzunehmen, die tschechischen Zwillinge Lucia und Irene Martinkova eine weitere Saison in Närke absolvieren, dann sollte einem Platz in der oberen Hälfte nichts entgegen stehen.

 

7. Kopparberg/Göteborgs FC

Die Zwillinge Hammarström haben aufgehört. Olivia Schough geht zum FC Bayern, Yael Averbuch und Anita Asante sind weg – und statt Torbjörn Nilsson sitzt Stefan Rehn auf der Bank, den man vom Lokalkonkurrenten Jitex wegholte. Göteborg hat mehr abgegeben an Kompetenz als es sich bislang geholt hat. Manon Melis steht auf der Habenseite, aber die anderen Neuverstärkungen sind eher solide als überragend. Holländerinnen sind im Gespräch in Göteborg, unter ihnen die Duisburgerin Lieke Martens. Seit mehreren Jahren verspricht Sponsor und Klubboss Peter Bronsman, dass Göteborg sich wieder ganz nach oben orientiert. Aber bislang ist das noch nicht passiert. Eine Melis macht noch keinen Sommer.

 

8. Piteå IF

Nach Jahren mit ausländischen Torfrauen versucht man es endlich mal mit einer einheimischen: Hilda Carlén ist in zwei Schritten von Malmö über Hammarby (Stockholm) nach Norden gezogen.

Das solide Gerüst mit Faith Ikidi in der Abwehr steht. Nach vorne gibt es mit den jungen Schwedinnen Pauline Hammarlund und Jennifer Egelryd zwei interessante Neuverstärkungen, die beide via Tyresö gekommen sind, aktuell aber jetzt aus Linköping und Uppsala.

 

9. Kristianstads DFF

Im Kader von Elisabet Gunnarsdottir, der seit Jahren einzigen Frau auf einer erstklassigen Trainerbank, hat sich kaum etwas getan bisher. Viel weiter nach oben wird es deshalb auch nicht gehen, auch wenn Gunnarsdottir möglicherweise wieder die Meisterschaft als Saisonziel ausgeben wird. Aber ich bin sicher, dass sich hier das Karussell noch drehen wird.

 

10. Eskilstuna United

Der Aufsteiger wird seine erste Saison im Oberhaus spielen und dank der Geldspritze eines lokalen Sponsors, der umgerechnet 280 000 Euro zuschießt, sollte es auch gehen, das Experiment Damallsvenskan.

Ein schönes Stadion am Tunavallen, Sara Thunebro als vermutete Spielführerin und vorne soll die Kamerunerin Gaelle Enganamouit für Furore sorgen, neben der in Malmö einst ausgesiebten Felicia Karlsson.

Das sollte reichen für Jahr 1.

 

11. AIK

Mit Malin Levenstad und Maija Saari hat man sich ein routiniertes Paar in der Innenverteidigung geholt. Aber ist Saari wieder fit nach ihrem Kreuzbandriss, der sie die EM-Teilnahme kostete? Und kann die talentierte, aber verletzungsanfällige Sarah Storck vorne wirklich die Tore machen, die man braucht, um in Liga 1 zu bleiben? Zweifelhaft.

 

12. Jitex BK

In Mölndal im südlichen Göteborg haben sie letztes Jahr versucht, der sturen Gemeinde die Schuld an der Finanzmisere zu geben. Aus Spielerinnenkreisen weiß ich jedoch, dass die Organisation des Vereins viel zu wünschen übrig lässt. Das erklärt die Abgänge von insgesamt 12 Spielerinnen (!`), ein Exodus, den normalerweise nur ein Absteiger erlebt.

Elf neue Spielerinnen hat man jetzt geholt, von denen aber keine (!) aus der Damallsvenskan kommt. Eine aus Island und eine aus Kanada. Neun abewr aus der zweiten Liga Elitettan, durchaus Talente darunter wie Filippa Curmark. Aber das wird vorn und hinten nicht reichen und Jitex wird durchgereicht nach unten

Malmö noch nicht reif

Die beiden Spiele (1:2, 1:3) gegen den VfL Wolfsburg haben es gezeigt: LdB FC Malmö ist noch (lange) nicht reif, eine große Rolle in Europa zu spielen.

Sicher, im Hinspiel versemmelte man eifrig Chancen und auch am Mittwochabend hätte wieder einmal Manon Melis dem Spiel einen anderen Verlauf geben können. Aber seien wir dennoch ehrlich: Die kurze Phase Malmös in der zweiten Halbzeit kam wesentlich zu spät und über weite Strecken wirkten die Wolfsburgerinnen reifer und physisch stärker.

Wenn es um die „big points“ geht, um die Spiele gegen die großen europäischen Teams wie Champions League Sieger Wolfsburg oder Olympique Lyonnais werden Fehler gnadenlos bestraft. Ein peinliches Geschenk wie Thora Helgadottirs katastrophaler Fehler beim 0:1, als der Ball über sie ins Tor sprang, und ein Topteam wie Wolfsburg nutzt das gnadenlos aus. Da gab es noch einen haarsträubenden Fehlpass von Kapitänin Malin Levenstad wenig später, der zu einem Schuss führte, den Helgadottir, dann wiederum in Normalform, mit einer Glanzparade zur Ecke klärte. Und nach 26 Minuten verhaute sich Amanda Ilestedt in der Innenverteidigung, es gab eine völlig unnötige Ecke und die führte zum 0:2. Das Spiel war nach zwei individuellen Fehlern gelaufen.

Eigene Chancen wurden nicht genutzt. Während Sara Björk Gunnarsdottir nicht nur wegen ihres Tores eine tolle zweite Halbzeit spielte, kamen die meisten Malmöerinnen nur dazu, einen Bruchteil ihres Potentials abzurufen. Elin Rubensson zeigte eine tolle Partie als Außenverteidigerin, sie war die beste Spielerin auf dem Platz. Ramona Bachmann und Anja Mittag waren bemüht, aber die starke Wolfsburger Defensive um Nilla Fischer (die wegen eines Migräneanfalls ausgewechselt werden musste) hatte beide überwiegend sicher im Griff.

Und dann gab es auf der Bank auch zu wenig Alternativen. Da kam die Kolumbianerin Yoreli Rincon zum Einsatz, die den Verein bald verlassen muss. Sie machte wohl ihr letztes Spiel. Wenn man also eine Spielerin bringt, die man nicht mehr haben will, dann muss auf der Bank auch für das nächste Jahr verstärkt werden. Anita Asante wird kommen und wird dem Team einen Schub geben. Aber sie allein macht noch keinen Sommer. Um mit Tyresö zu konkurrieren, dessen Truppe für 2014 noch ungewiss ist, da nicht bekannt ist, was aus den fünf Amerikanerinnen wird, reicht das. Das haben wir gesehen. Aber im europäischen Topgefüge scheint Malmö nach zwei empfindlichen Niederlagen innerhalb eines Jahres (0:5 und 0:3 gegen Lyon und eben nun 1:2 und 1:3 gegen Wolfsburg) noch in der guten zweiten Reihe zu stehen.

 

LdB FC Malmö – Schwedischer Meister 2013

Amanda Ilestedt setzt sich den goldenen Hut auf

Amanda Ilestedt setzt sich den goldenen Hut auf

Vor einem Jahr fast, am 3. November 2012, verlor Malmö seinen Titel im eigenen Stadion gegen den direkten Konkurrenten Tyresö FF.

Heute holte sich LdB FC Malmö den Titel an gleicher Stelle zurück. Nach dem 2:0 gegen Umeå setzten sich die Spielerinnen die in Schweden traditionellen goldenen Hüte auf und ließen den Sekt spritzen. Manon Melis und Sara Björk Gunnarsdottir schossen beide Tore bereits in der ersten Halbzeit.

Erstmals gewannen damit auch gleich drei deutsche Spielerinnen den Meistertitel in Schweden: Anja Mittag, Katrin Schmidt und Kathleen „Paula“ Radtke. Für Mittag und Schmidt sicherlich eine besondere Genugtuung. Anja verschoss vor einem Jahr gegen Tyresö den Elfmeter, der ihre Mannschaft auf den Weg hätte bringen können und Katrin wurde vor zwei Jahren von Tyresö für nicht mehr gut genug befunden und mehr oder weniger ausgemustert zugunsten von Lisa Dahlkvist.

Schmidt hatte nun wesentlichen Anteil daran mit ihrem unermüdlichen Einsatz im zentralen defensiven Mittelfeld. Eine Ballgewinnerin, deren Rolle oft und meistens unterschätzt wird.

Natürlich ist Malmös offensives Spiel das Aushängeschild. Entscheidend für die Siegesserie im Herbst, dass Manon Melis in Gang kam. Auch ich hatte die Niederländerin schon im Frühjahr kritisiert, gefordert, dass Trainer Jonas Eidevall sie mal auf die Bank setzt, denn sie fand nicht hinein in das Zusammenspiel mit Anja Mittag und Ramona Bachmann. Ganz anders im Herbst, in dem Melis‘ Tore lebenswichtig für Malmö waren. Die Niederländerin profitierte aber sicher auch von der Rückkehr Therese Sjögrans in die Stammformation. Sjögran und Melis kennen sich bestens aus den Jahren vor Melis Wechsel nach Linköping.

 

Marta und Anja Mittag Weltklasse – Unentschieden in Malmö

Mein direkter Vergleich zwischen den beiden Teams endete mit einem deutlichen Plus für Tyresö, in der Realiät sieht es dann oft etwas anders ist, aber das hatte ich auch eingeräumt. Zunächst einmal muste Tony Gustavsson die halbe Abwehr umkrempeln. Kapitänin Johanna Frisk hat möglicherweise einen Kreuzbandriss und Sara Thunebro hatte Fieber und musste daheim bleiben.

Stattdessen stellte Gustavsson Annica Svensson und Karin Lissel auf den Platz. Das ist für jede Mannschaft eine Umstellung, aber bei der Qualität auch der Bank lassen wir das nicht als Entschuldigung für irgend etwas gelten.

Malmö war von Beginn an die bessere Mannschaft und hatte Vorteile in den ersten Minuten, aber es bahnte sich ein echtes Spitzenspiel an, bei dem auch Tyresö seine Gefährlichkeit andeutet. Über die Flügel wollte Jonas Eidevall seine Spielerinnen kommen lassen, um so Tyresös Außenverteidigerinnen, die meist sehr offensiv agieren, bloß zu stellen. Und das gelang erstaunlich oft.

Aber Amanda Ilestedt, die junge Innenverteidigerin Malmös, wirkte sehr unsicher und nervös zu Beginn und nach einem bitteren Abspielfehler von ihr, konnte Christen Press den Ball weiterbefördern zu Marta, die nicht lange fackelte und den Ball zum 0:1 nach 14 Minuten einlochte. Das saß dann tief im Selbstbewusstsein der Gastgeberinnen und offenbar hatte sich die Brasilianerin einiges vorgenommen, denn nur vier Minuten später wurde es sehr still auf dem Malmö IP, als Marta nach ein, zwei Finten den Ball noch einmal an Thora Helgadottir vorbei zum 2:0 ins Netz setzte.

Nun gab wohl kaum noch jemand einen Pfifferling oder war es ein Pfennig? auf Malmö. Aber was für die Mannschaft spricht, ist, dass sie sich aus diesem furchtbaren Tief wieder herauszog. Anja Mittag und Manon Melis erhöhten das Tempo und den Druck und im zentralen Mittelfeld ackerten und rackerten Sara Björk Gunnarsdottir und Katrin Schmidt wie eh und je und leisteten ein enormes Arbeeitspensum. Wichtig dabei, dass auch Malmös Abwehr sicherer wurde trotz des brillanten Auftakts von Marta, die zwei Chancen bekam und beide verwertete.

In der Viertelstunde vor der Halbzeit wurde Anja Mittag immer stärker, sie war immer anspielbar und bekam sie den Ball, wurde es gefährlich. Ich sah das Spiel im Fernsehen und murmelte vor mich hin, dass nur ein Tor vor der Halbzeit Malmö noch Chancen in der zweiten Halbzeit einräumen würde. Die Deutsche muss das gehört haben, denn keine 60 Sekunden vor der Pause schoss sie das 1:2, schnappte sich sofort den Ball und rannte Richtung Mittellinie. Ein klares Zeichen, dass sie eine Führungsrolle übernommen hat und ein Zeichen an ihre Mannschaft wie die Gegner, dass dies noch nicht das letzte Wort gewesen sein sollte.

Das Spiel hatte gerade wieder begonnen in Halbzeit 2, da spitzelte Anja schon wieder den Ball an einer vielleicht zu früh fallenden Carola Söberg vorbei zum umjubelten 2:2 Ausgleich. Und die nächsten 20-25 Minuten gehörten nur noch Malmö. Immer wieder Mittag, die jetzt von Marta das Prädikat Weltklasse übernahm und vorbildlich ein ums andere Mal passte, flankte und schoss.

Auch Ramona Bachmann wurde stärker und das Gefühl stellte sich ein, dass das 3:2 für die Gastgeber nur noch eine Frage der Zeit sei, verdient wäre es in dieser Phase gewesen. Bachmann und ihre ehemalige Mannschaftskameradin Marta (aus Zeiten bei Umeå IK) lieferten sich mehrere nicklige, physische Duelle, aber am Ende gab es dann doch ein freundschaftliches Lächeln und einen Klaps unter den Beiden.

Schrecksekunde am Ende: Islands Nationaltrainerin Thora Helgadottir , die mit einer Knieverletzung ins Spiel gegangen war, vertrat sich und verletzte sich am Oberschenkel. Das tat so weh, dass Helgadottir schon beim in die Knie gehen das Auswechselzeichen zur Bank machte. Gespielt waren fast 90 Minuten und in den verbleibenden fünf musste dann die 17-Jährige Zecira Musovic musste zum ersten Mal in der Damallsvenskan ins Tor und das gegen Marta, Christen Press, Vero Boquete und Co.

Aber sowohl Press wie auch Boquete blieben weitgehend farblos bei Tyresö. Auch Seger und Dahlkvist verloren den Kampf ums zentrale Mittelfeld, wenn auch nur knapp.

Malmö hat einen Schlüsselk gefunden, wie Tyresö ins Wanken zu bringen ist. Wenn man derart druckvoll über die Flügel kommt wie gestern Abend, dann gerät Tyresö ins Schwimmen. Dabei muss aber die eigene Abwehr stehen und darf eine Ausnahmespielerin, die Marta immer noch ist, nicht so ins Spiel kommen lassen wie in den ersten 20 Minuten geschehen.

Mittag und Marta überragten und in der zweiten Halbzeit brachte die 19-Jährige Elin Rubensson auf Malmös rechter Seite sehr viel frischen Wind und mehrere hervorragende Bälle ins Zentrum. Rubensson ist leider unterbewertet, sowohl in ihrer Mannschaft wie auch im Hinblick auf die schwedische Nationalelf.

Malmö und Tyresö im direkten Vergleich

Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben vergleicht vor großen und wichtigen Fußballspielen gerne die Startformationen im direkten Vergleich gegeneinander. Das ist mehr Unterhaltung als seriöse Berichterstattung oder Analyse, aber weil’s so schön ist, will ich das auch mal machen vor dem heutigen Knaller LdB FC Malmö – Tyresö FF (19.20 Uhr live im schwedischen Fernsehen).

Der direkte Vergleich endet mit einem klaren Sieg für Tyresö, das zudem noch die bessere Ersatzbank hat. Aber: Das ist ja nur ein Spiel und entscheidend ist bei allen individuellen Fähigkeiten, wie man zusammen spielt und agiert. Und wer das Quentchen Glück auf seiner Seite hat. Gewinnt Malmö, ist die Meisterschaft wieder offen. Gewinnt Tyresö, sind sie nach der Hinrunde sechs Punkte und mehr als elf Tore weg.

 

Thora Helgadottir vs Carola Söberg

Carola Söberg

Carola Söberg

Noch vor zwei Monaten hätte ich hier 1:0 für Malmö gesagt, denn Helgadottir gehört(e?) in Bestform zu den besseren Torhüterinnen der Welt. Aber gerade in den letzten beiden Spielen zeigte die Isländerin doch ungewohnte Unsicherheiten, die zu Gegentoren führten, die vermeidbar waren. Söberg wird selten geprüft, hat aber dieses Jahr noch nicht daneben gegriffen. Möglicherweise hat tatsächlich die fehlende Pause bei Helgadottir eine gewisse Müdigkeit verursacht, sie hat den ganzen Winter in der australischen Liga gespielt. Unentschieden: 0,5:0,5.

Lina Nilsson vs Meghan Klingenberg

Am Sonntag konnte Klingenberg gegen Kristianstad nicht spielen und wurde von Annica Svensson ersetzt. Wir gehen aber davon aus, dass die kleine Amerikanerin heute Abend spielt. Nilsson kämpft um einen Platz in der Startformation der schwedischen Nationalmannschaft gegen Linköpings Jessica Samuelsson. Heute Abend wird sie öfters auf Marta treffen, ein wichtiges Duell. Offensiv gewisse Stärken, defensiv wird sie von schnellen Gegenspielerinnen oft ausgetrickst. Meghan Klingenberg ist defensiv besser, nicht nur, weil sie den dritten schwarzenTaekwondo-Gürtel ihr eigen nennen kann. Auch nach vorne besticht Klingenberg durch brillante Flanken. Klarer Punkt für Tyresö: 0,5:1,5.

 

Amanda Ilestedt vs Johanna Frisk

Amanda Ilestedt

Amanda Ilestedt

Ilestedt ist schneller und kopfballstärker als Tyresös Mannschaftskapitänin, die zwar grundsolide, aber nicht unüberwindbar ist. Frisk wäre die erste, die ich bei einer Verstärkung des Kaders in der Abwehr aussortieren würde. Punkt für Malmö: 1,5:1,5.

 

Malin Levenstad vs Line Röddik Hansen

Malmös Mannschaftskapitänin kommt heute Abend nach guten Trainingsleistungen wieder in die Startelf, aus der sie zuletzt von Kathleen Radtke verdrängt worden war. Trainer Jonas Eidevall sagte auch, dass Levenstad wichtig bei der Kommunikation auf dem Platz sei. Das reicht aber trotzdem alles nicht, um die brillante Dänin auszustechen, die selbst auf der angestammten Innenverteidigerposition besser ist, im Spiel nach vorn, aber auch kompromisslos und souverän in der Defensive. Klarer Punkt für Tyresö: 1,5:2,5.

 

Ali Riley vs Sara Thunebro

Kein Zweifel, Sara Thunebro kommt mit 34 Jahren dem Karriereende näher. Ihre Flankenläufe sind längst nicht mehr so spektakulär und häufig wie vor Jahren, bevor sie nach Frankfurt wechselte, wo sie am Ende keine Spielzeit mehr bekam. Die Neuseeländerin Riley aber wird auch häufig überschätzt. Als sie nach Schweden kam, las ich, dass sie eine der besten Außenverteidigerinnen der Welt sei. Weltklasseleistungen aber hat man kaum gesehen. Beide Spielerinnen sind solide, aber verwundbar. Es wird interessant zu sehen, ob Ramona Bachmann Thunebro ab und an einen Knoten in die Beine spielt. Aber auch Riley wird mit Kirsten van de Ven ihre Müh und Not haben. Unentschieden: 2:3.

 

Katrin Schmidt vs Lisa Dahlkvist

Katrin bekam in Tyresö keinen Vertrag mehr. Zu erklären ist das nur damit, dass die Deutsche schlechter Sponsoren gegenüber zu vermarkten war als schwedische Nationalspielerinnen wie Lisa Dahlkvist, die aber auch nicht gerade charismatisch ist. Darum geht es aber nicht. Dahlkvist ist bei Pia Sundhage wohl fast gesetzt, Katrin Schmidt wieder nicht von Silvia Neid gesehen worden. Spricht das für die enorme Breite des deutschen Frauenfußballs oder einfach eine ignorante Einstellung gegenüber Spielerinnen, die im Ausland herangereift sind? Beide Spielerinnen gewinnen ungeheuer viel Bälle und können gefährlich nach vorn sein. Unentschieden: 2,5:3,5

 

Sara Björk Gunnarsdottir vs Caroline Seger

(Sara) Björk Gunnarsdottir

(Sara) Björk Gunnarsdottir

Die junge Isländerin ist nicht mehr wegzudenken aus Malmös Mittelfeld. Enormer Einsatzwille, sechsfache Torschützin in dieser Saison. Seger tauchte vergangene Saison und zu Beginn der neuen allzu oft unter und machte zuletzt Schlagzeilen wegen ihres Coming Out. Knapper Punkt für Malmö: 3,5:3,5

 

Ramona Bachmann vs Veronica Boquete

Ojojoj, was für ein Vergleich. Zwei Weltklassespielerinnen, die wertvollste Spielerin der Liga 2011 gegen die beste Mittelfeldspielerin 2012. Beide können ein Spiel alleine entscheiden mit überragender Technik und erstklassiger Schusstechnik. Dennoch: der Punkt geht an die Spanierin, die als einzige auf dem berühmten Kanaldeckel Kunststücke vollführen kann, auf engstem Raum brilliert und auch insgesamt mannschaftsdienlicher ist. 3,5:4,5

 

Manon Melis vs Kirsten van de Ven

Zwei Holländerinnen im direkten Vergleich auf der rechten Angriffsseite. Jahrelang hätte Melis hier immer souverän gesiegt. Aber seit dem Weggang von Malmö nach Linköping 2011 und dem gescheiterten Engagement in der kollabierenden WPS ist die mehrfache Torschützenkönigin der schwedischen Liga von der Weltklassestürmerin die sie einmal war, weit entfernt. Ich hätte sie schon längst auf die Bank gesetzt und Talent Elin Rubensson in die Angriffskette geschickt. Van de Ven wird immer stärker, auch sie saß lange auf der Bank (!) und war hinter dem spanischen Neuzugang Jennifer Hermoso Fuentes einsortiert, aber seitdem sie wieder spielen darf, tut sie das mit Verve, viel Schwung und bislang sieben Toren. Punkt für Tyresö: 3,5:5,5.

 

Anja Mittag vs Christen Press

Ojojoj, noch so ein extrem harter Vergleich wie bei Bachmann vs Boquete. Anja hatte eine Supersaison 2012, die kaum zu toppen war. 21 Tore, drei Preise auf der Fußballgala in Schweden. Press schoss 17 für Göteborg und wechselte nach Tyresö und hier spielt sie so wie Anja in der vorigen Saison in Malmö: jeder Schuss ein Treffer. Bislang 12 in neun Spielen gegen Anjas sechs Tore. Deshalb auch hier schweren Herzens. Punkt für Tyresö: 3,5:6,5.

 

Katrine Veje vs Marta Vieira da Silva

Marta Vieira da Silva

Marta Vieira da Silva

Die Brasilianerin war früher stärker, glaube ich, als sie noch bei Umeå spielte. Oder die Gegnerinnen waren weniger in der Lage, ihr Probleme zu bereiten und sind besser geworden. Aber wer Marta sieht, weiß, dass sie immer noch in der Lage ist, einzigartige Dinge zu tun. Klarer Punkt für Tyresö: 3,5:7.5.

 

Malmö: Sieg im Spitzenspiel

Um das inzwischen auf 23 Punkte vorausgeeilte Tyresö auch nur annähernd gefährden zu können und die am 12.06. angesetzte Spitzenbegegnung wirklich zum Höhepunkt der Vorrunde zu machen, gab es von Beginn an keine andere Alternative für LdB FC Malmö, als gegen Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC sozusagen volle Kanne zu spielen.

Zumal man am letzten Spieltag beim 1:3 in Linköping eine peinliche Pleite hatte einstecken müssen. Malmös junger Trainer Jonas Eidevall zog eine harte personelle Konsequenz: Sündenbock und Mannschaftskapitänin Malin Levenstad ist nicht nur out im Nationalmannschaftskader von Pia Sundhage, auch Eidevall setzte seine Spielführerin auf die Bank und ließ stattdessen Amanda Ilestedt und Kathleen Radtke in der Innenverteidigung auflaufen.

Auf der Bank auch Therese Sjögran. Die 182fache Nationalspielerin wil nach Kreuzbandriss in ihrem 37. Lebensjahr noch unbedingt zur EM, aber Eidevall entschied sich abermals gegen Sjögran und gab ihr elf Minuten am Ende der Begegnung. Aber beim Expertentalk am Rande der Fernsehübertragung des Spiels gestern war herauszuhören, dass man gemeinhin doch mit einer Nominierung Sjögrans für das Spiel am 19.06. in Stockholm gegen Brasilien rechnet. Merkwürdigerweise muss man sagen, denn dass eine Spielerin, die in der Liga keine 90 Minuten spielen darf, weil andere stärker sind, nun die Personalprobleme der Nationalmannschaft lösen soll erscheint mir bei aller Leistungen Sjögrans in der Vergangenheit doch etwas zweifelhaft. Aber Johanna Almgren fällt aus für die EM und mit einem Mal fällt allen auf, dass man denselben Spielertypen, den Sofia Jakobsson, Antonia Göransson, Kosovare Asllani repräsentieren offenbar in Hülle und Fülle hat, während jemand fehle, die den Ball halten könne. Nicht gut genug für Malmös Startelf mit den acht Ausländerinnen, aber gut genug für Schweden, das Europameister werden will, ist aber trotz allem ein Paradox für mich.

Zwei Ausländerinnen herrschen in Malmös Mittelfeld und sie sorgten gestern auch für den furiosen Auftakt in den ersten 20 Minuten der Partie. Malmö druckvoll, schnell und engagiert wie noch nie in dieser Saison. Man wollte die Scharte von Linköping auswetzen, das war klar. Katrin Schmidt gewann beinahe jeden Zweikampf und zusammen mit Sara Björk Gunnarsdottir leistete sie Kärrnerarbeit. Silvia Neid liest leider nicht dieses Blog, ansonsten sollte sie schnell noch einmal nach Malmö reisen, um sich Schmidt anzusehen, die ist in Topform und eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Und Gunnarsdottir, gestern Abend trotz ihrer erst 21 Jahre Mannschaftskapiänin machte auch das 1:0 in der neunten Minute, nach einem mustergültigen Angriff und einem trockenen Schuss in die rechte Ecke von Nationalkeeperin Kristin Hammarströms Tor.

Aber Göteborg stellte um, von 4-4-2 auf 4-5-1, Fuchs Torbjörn Nilsson holte Olivia Schough zurück ins Mittelfeld und bekam so ein Gegengewicht zu Malmös bis dahin drückender Überlegenheit im zentralen Mittelfeld zustande. Schnelle Bälle auf die flinke Jodie Taylor sorgten immer wieder für Gefahr. Jessica Landström übrigens ist nun auch in Göteborg (ähnlich wie früher in Frankfurt) eine Bankspielerin geworden, sie hat auch nicht mehr (?) die Klasse, die Taylor einbringt, die technisch und läuferisch deutliche Vorteile hat.

Es gab kein zweites Tor in der ersten Halbzeit für Malmö und so bestätigten sich meine Erwartungen, dass Göteborgs Zeit nun gekommen war kurz nach dem Seitenwechsel, als Jodie Taylor wieder einmal geschickt wurde und aus halbrechter Position schoss und lobbte, ein Treffer, bei dem Islands Nationalkeeperin Thora Helgadottir wieder einmal alt aus sah. Wieder einmal, denn auch gegen Linköping hatte die Weltklassefrau nicht so ganz stabil ausgeschaut. Wütend und schuldbewusst kickte Helgadottir das Leder auch Richtung Mittellinie nach dem Ausgleich – sie hatte falsch gestanden.

Im Nachhinein  sagte Torbjörn Nilsson, das seine Mannschaft nach dem Ausgleich etwas überheblich geworden sei, man habe geglaubt, dass man nun die Punkte zwei und drei einsacken würde und sich Leichtsinnsfehler erlaubt. Gleichzeitig weckte der Ausgleich aber auch Malmö auf. Eine gefährliche Kombination, die durch Treffer von Ramona Bachmann und Anja Mittag zum äußerst wichtigen 3:1-Heimsieg führte.

Malmö gewinnt also und in einer Woche um 19.20 Uhr kommt Meister Tyresö nach Malmö. Vor einem Jahr entschied sich in dieser Begegnung die Meisterschaft, das könnte wieder so sein, falls Tyresö in Malmö gewinnen kann. Wir aber können uns wirklich auf diese Begegnung freuen, die alle Chancen hat, zum Classico der schwedischen Frauenliga zu werden.

Noch ein wichtiges Thema, das sich im gestrigen Spiel manifestierte. 645 Zuschauer bei einem Spitzenspiel an einem schönen Vorsommerabend sind zu wenig. Viel zu wenig, obwohl das Spiel live von TV4 Sport übertragen wurde. Linda Wijkström, Generalsekretärin des Elitfföreningen Damfotboll (EFD; der Zusammenschluss aller Erst- und Zweitligavereine zur Entwicklung des Frauenfußballs) sagte dazu vor einigen Wochen, dass das wirklich bedauerlich sei, dass aber auch gleichzeitig Frauenfußball in den sozialen Medien wesentlich häufiger Thema sei als noch vor drei Jahren.

Da werden Äpfel mit Birnen oder eher noch Mandarinen verglichen, denn die Vereine haben letztlich nichts davon, dass die Zahl der Twitter- und Facebook-Nutzer weiter steigt und somit auch die Erwähnung des Sports in diesen Gratisforen. Die Spielerinnen wollen doch vor Publikum spielen und nicht vor Häusern, die in den letzten Jahren immer leerer werden. Bislang jedenfalls hat man wenig davon, dass der Frauenfußballinteressierte 2013 offenbar irgendwo mit einem Smartphone sitzt und Tormeldungen auf Twitter retweetet. Nicht nur Malmö hat Zuschauer verloren. Tyresö, das ja nicht nur den Meistertitel verteidigen will, sondern auch die Champions League 2014 in Lissabon einsacken will, hatte vor der Saison gewohnt lauthals verkündet, dass man den Zuschauerschnitt jetzt Richtung 2.000 entwickeln werde. Hans Löfgren hatte gelegentlich sogar das Gerücht gestreut, man werde zum ersten Saisonspiel in die Friends Arena (Auftragungsort des EM-Finals 2013 mit einem maximalen fassungsvermögen von rund 52.000) ausweichen. Bei drei von fünf Heimspielen gab man die offizielle Zuschauerzahl unter 1.000 an und man hat die 1.500er-Marke noch nicht überschritten. Inoffiziell sind es oft weniger Zuschauer als gemeldet, da muss es Dunkelziffern geben, das sagen alle, die regelmäßig Spiele besuchen, ob in Tyresö oder anderswo.

Das Ganze spielt sich aber eben 35 Tage vor dem ersten Spiel der EURO 2013 ab, Italien trifft in Halmstad auf Finnland. Am selben Tag wird dann Schweden gegen Dänemark in Göteborg spielen, diese Begegnung ist ausverkauft, aber meine Befürchtung ist, dass die Spiele ohne schwedische Beteiligung eher spärlich besucht werden, obwohl man offenbar und angeblich schon jetzt mehr Tickets abgesetzt hat, als ie EURO 2009 in Finnland Zuschauer hatte. Sorgenkind dabei ist die Gruppe in Linköping und Norrköping, in der Frankreich, Englan, Russland und Spanien spielen, Länder, die zumindest bislang noch keine Tradition darin haben, dass Fans ihren Mannschaften nachreisen.

Der Liga jedoch hat das Megaevent noch gar nichts gebracht, beinahe im Gegenteil. Man bleibt zu Hause und facebookt oder twittert. Im Vergleich zu 2005 haben wir mehr als 25% Zuschauer verloren.

Ausgerutscht und Malmö wieder top

Eine schnelle Zusammenfassung der fünf Sonntagsspiele in Runde 6 der Damallsvenskan.

LdB FC Malmö ist wieder Tabellenführer. Mit einem in der Höhe sicher unerwarteten 5:0 gegen Kristianstad im Skåne-Derby arbeitete der Meister von 2010 und 2011 für das Torverhältnis und dank der Tore von Sara Björk Gunnarsdottir und Ramona Bachmann (je 2) sowie Katrine Veje versetzte man den ambitionierten Kristianstädterinnen eine empfindliche Niederlage.

2:0 hatte es zur Halbzeit gestanden, da war Kristianstad durchaus noch im Spiel. Dann setzte Trainerin Elisabet Gunnarsdottir ales auf eine Karte und spielte 3-4-3, was Malmö weitere drei Tore und viel Platz gab.

„Wir machen ein schlechtes Spiel. Es ist nicht akzeptabel, mit fünf Toren zu verlieren. Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir mit unserer Taktik in der zweiten Halbzeit keinen Erfolg hatten. Malmö hat uns kaputt gelaufen und die fünf Tore verdient,“ zeigte sich Gunnarsdottir immerhin selbstkritisch.

Einziger Lichtblick bei den Gästen: die erst 17-Jährige Marija Banusic, die selbst der Meinung war, dass die Unparteiische ihr einen klaren Elfmeter in der zweiten Halbzeit verweigert hatte.

Der Ausrutscher des Tages, vielleicht der Saison. Trotz einer abernals haushoch überlegenen Statistik kam Tyresö FF nicht über ein 1:1 bei Aufsteiger Mallbacken hinaus. Marta schoss zwar die Führung für den Meister, aber Linda Wallin glich elf Minuten vor Ende aus und dabei blieb es dann.

Tyresös Spielberichterstatter Hans Löfgren wettert über einen Rasen, der seiner Meinung nach in der ersten Liga nicht erlaubt sein dürfte. Und zum dritten mal hintereinander gibt es einen Vorwurf an erneut eine Schiedsrichterin, die einen an Marta verursachten Foulelfmeter nicht gesehen haben soll. In der zweiten Halbzeit dann hat Löfgren noch einen Handelfmeter nicht bekommen und zum vierten Mal hintereinander (!) sagt er, habe man Tyresö Elfmeter verweigert. Da muss dann doch schon fast Methode hinter stecken, wenn es denn wahr wäre.

Immerhin kommt er doch zu der Selbsterkenntnis, dass man so viele Torchancen hatte und nicht nutzte. Tyresö ist jetzt voller Revanchelust und will am Sonntag gegen den zweiten Aufsteiger daheim mehr als 2000 Zuschauer ins eigene Stadion locken.

Dritter ist jetzt – KIF Örebro. Helén Eke schoss schon ihr viertes Saisontor und das reichte zu einem 1:0 in Piteå. Der von vielen als Absteiger getippte Verein wird wohl in der oberen Hälfte zu finden sein.

0:0 spielten Vittsjö und Göteborg, beiden hilft das wenig, ein bisschen vielleicht Vittsjö, dass nach vier Niederlagen in Serie nun immerhin gegen den Pokalsieger zu einem Unentschieden kam. Jessica Landström wieder auf der Bank. Und Göteborg wohl raus aus dem Meisterschaftsrennen. Endgültig.

Unentschieden 1:1 auch die fünfte Begegnung zwischen Jitex und Linköping. Auch Linköping entwickelt sich damit wieder zum Remis-Spezialisten und seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel vor gefühlt 25 Jahren weiß man, dass einen das weit von der Spitze entfernt.

Das Interview der Woche mache ich morgen Abend mit der für Malmö spielenden Sara Björk Gunnarsdottir.