Alle gegen Pia – da bleibt sie

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Lillie (links) und Pia bleiben – gegen den Willen aller Vereine der ersten Liga

Ich verstehe es immer noch nicht. Der schwedische Fußballverband SvFF hat den Vertrag mit Pia Sundhage um ein Jahr bis 31.12.2017 verlängert. Am gleichen Tag wurde bekannt, dass alle 12 Vereine der Damallsvenskan auf einer Konferenz des EFD, des Spitzenfußballvereins des Frauenfußballs, alle 12 haben gegen eine Vertragsverlängerung gestimmt.

Da aber der Interessenverein nur eine von sieben Stimmen im SvFF hat, ging diese Abstimmung dann mit 6:1 für die Vertragsverlängerung aus.

Spielerinnen haben sich bei Olympia, aber auch in den vergangenen Wochen immer wieder für eine Vertragsverlängerung Sundhages ausgesprochen. Allerdings – wenn man mich fragt, ob ich finde, dass mein Chef gehen soll und ich weiß, dass er sehr gute Chancen hat zu bleiben, was werde ich öffentlich sagen? Er soll gehen? Das wäre beruflicher Selbstmord. Dann werde ich eben nicht mehr aufgestellt. Wenn Emma Berglund die Verdienste der Trainerin hervorhebt und dann sagt, dass sie bleiben soll, dann fällt mir auf, dass Berglund vor allem lobt, dass Sundhage den Fußball in die Zeitungen, ins Radio, ins Fernsehen bringt. Dass sie dafür sorgt, dass Frauenfußball ein Thema ist. Über die Trainerin Sundhage sagt Berglund fast gar nichts, scheints. Aber wer weiß, vielleicht hat der Kollege von Expressen das auch weggelassen.

Heute Morgen las ich, dass die Weltfußballerin des Jahres 2015, Carli Lloyd ihre Memoiren veröffentlicht hat. Unter dem Titel When Nobody Was Watching (Als niemand zusah) ist das Buch seit Montag zu haben. Darin erzählt sie, dass die Spielerinnen des amerikanischen Nationalteams in einer Telefonkonferenz 2012 entschieden, dass sie sich bei Verbandspräsident Sunil Gulati melden um ihm mitzuteilen, dass die Spielerinnen wollen, dass Pia Sundhage NICHT weitermacht, trotz zweier olympischer Goldmedaillen. Man fragt sich warum?

Der Bruch mit den schwedischen Vereinen hat viele Gründe, die meisten dürften im Verborgenen bleiben. Bekannt ist, dass die Vereine sauer sind, dass Sundhage immer wieder angeschlagene Spielerinnen eingesetzt hat, die dann in noch schlechterem Gesundheitszustand zurückkamen. Ganz aktuell Pauline Hammarlund. Bekannt ist, dass Sundhage versucht hat, Einfluss zu nehmen, dass manche Spielerinnen im Club dieselbe (andere) Position spielen sollten wie in der Nationalmannschaft. Stefan Rehn hatte damals nur gelacht, als Pia ihn aufforderte, Elin Rubensson als Abwehrspielerin einzusetzen. Die Vereine zahlen die Gehälter, das ist anders als in den USA.

Kritisch auch, dass es manche Spielerinnen gibt, an denen die Trainerin mit Vasallentreue festhält, obwohl die Leistungen einfach nicht erstklassig sind. „Kannst du mir bitte erklären, warum Olivia Schough in der Nationalmannschaft spielt?“, fragte mich einmal eine andere Nationalspielerin. Ich konnte es nicht.

Die Trainerin kann sich nicht auf ein System festlegen, sie wechselt unentwegt und probiert ständig Neues aus. Taktisch gesehen bringt es ebenfalls wenig Neues. Die Defensivtaktik bei Olympia, die am Ende die Silbermedaille brachte – nach Angaben des schwedischen Bloggers Johan Rydén ist die Taktik nicht von der Cheftrainerin gekommen, sondern von der Mannschaft, die nach dem 1:5 gegen Brasilien meuterte.

Wenn einem so der Gegenwind ins Gesicht bläst, 0:12 ist ein vernichtendes Urteil der wichtigsten Partner, dann würde ich meinen Hut nehmen. Das Trio Marika Domanski Lyfors, Pia Sundhage und Lillie Persson macht weiter. Möglicherweise auch, weil wenn eine geht, alle gehen müssten und weil es jobmässig kaum Alternativen gibt. Dass dabei die Meinung der ;Liga nichts zählt sagt mir, dass es auch im nächsten Jahr kaum eine gute Kommunikation zwischen Nationalmannschaft und Vereinen geben wird.

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ffschweden im Gespräch mit Sofia Jakobsson

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Selfie mit ffschwedens Stick. Von links Lotta Schelin, Linda Sembrant, Physio Annica Svensson, Nilla Fischer. Hinten verdeckt: Sofia Jakobsson, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist (Foto: Anders Henriksson)

Sofia Jakobsson spielt beim HSC Montpellier, dem Tabellendritten der letzten Saison in Frankreich. Sie hat gerade ihre zweite Saison abgeschlossen, davor war sie vom BV Cloppenburg gekommen. Sie hat bei den Chelsea Ladies gespielt und auch beim Moskauer Vorortclub FC Rossiyanka. Bekannt wurde Sofia, als sie 2009 bei der Europameisterschaft der U19 in Weissrussland im Halbfinale die drohende Niederlage gegen Favorit Frankreich abwendet und sowohl das 2:2 in der regulären Spielzeit wie auch das 3:2 und 5:2 in der Verlängerung markierte.

Sie kommt aus Örnsköldsvik, ein deutliches Stück nördlich von Stockholm an der Ostseeküste gelegen. Dort nennt man das Städtchen einfach Ö-vik. Die drei Jahre Gymnasium hat sie allerdings schon im südlich gelegenen Växjö absolviert und danach dann bei Umeå IK gespielt.

Ich traf Sofia vor eineinhalb Wochen nach dem Training der Legionäre aus Frankreich und Deutschland, zu dem Pia Sundhage und Assistentin Lillie Persson nach Bosön eingeladen hatten. An einem wunderschönen Freitag trainierte das Sextett (ausser Sofia nochj Lotta Schelin, Lisa Dahlkvist, Linda Sembrant, Caroline Seger und Nilla Fischer) unweit der Ostsee (in Sichtweite) in einer idyllisch wirkenden Urlaubsumgebung. Aber Sundhage nahm ihre Spielerinnen ordentlich ran und liess sie zusammen mit 16-Jährigen Jungs des Vereins FC Djursholm spielen und trainieren.

Die Stimmung war fantastisch und aufgeräumt und alle waren bestens gelaunt. „Du, ich glaube, ich muss gleich weg, ich hab nicht so viel Zeit,“ versuchte es Sofia, aber nachdem ich in London schon einmal vergeblich auf die heute 26-Jähriuge gewartet habe, sagte ich freundlich, dass die anderen sicher nicht ohne sie in die Stadt fahren würden. Schliesslich war der Termin auch abgesprochen mit der Pressefrau des schwedischen Teams. Es wurde dann ein richtig nettes, kurzes Gespräch.

Sofia, deine Mannschaft HSC Montpellier, wurde Dritter in Frankreich. Wie schaust du auf die Saison der Mannschaft und auf deine eigene Saison zurück?

„Ich finde, dass beide Spielzeiten sehr gut gelaufen sund. Wir haben wirklich einen großen Schritt nach vorn gemacht. Es scheint so, als ob wir uns wirklich sowohl Paris wie auch Lyon nähern. Wir wurden Dritter und haben gegen beide Topteams gut gespielt. Wir haben zum zweiten Mal in Serie das Pokalfinale gegen Lyon erreicht und dort knapp 1:1 verloren. Das war ein enges Spiel, obwohl die natürlich mehr Ballbesitz hatten und mehr Torchancen. Aber wir haben eine junge Mannschaft mit sehr viel Qualität, ich denke wir haben wirklich zwei gute Spielzeiten absolviert und hoffen, nächstes Jahr um einen Platz in der Champions-League spielen zu können.“

Die französische Liga ist sehr dreigeteilt. Da sind Lyon und PSG in einer Klasse für sich, dann kommt ihr und Juvisy und auch ihr seid wieder in einer Klasse für euch. Dann, weit dahinter kommen die anderen acht Teams. Schon der Tabellenfünfte Rodez Aveyron hatte ein Tiorverhältnis von -14.

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Sofia Jakobsson im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Als Sofia Jakobsson zur Antwort ansetzt, wird sie von Nilla Fischer gerufen, die anderen Spielerinnen wollen unbedingt noch ein Selfie zum Abschluss der Trainingswoche machen. Nilla fummelt mit ihrem Telefon herum, Sofia kommt dazu und ich gebe Nilla Fischer meinen Selfie Srick. Dabei kommt es zu dem Bild oben, das der Fotiograf Anders Henrikson gemachr hat.

Sofia kommt zurück, während die anderen langsam ihre Taschen einräumen.

„Wo waren wir noch mal?“, fragt sie. „Ach ja, Paris und Lyon waren natürlich die besten Teams in den vergangenen Jahren. Aber ich denke, dass wir, Juvisy, Guingamp und auch St. Etienne Mannschaften haben, die im Kommen sind. Es werden noch mehr kommen und hoffentlich wird Marseille auch gut sein, die kommen aus einem grossen Männerclub, nein, ich glaube, dass der Fußball in Frankreich jedes Jahr ein Stück besser wird.“

Jakobsson wurde in ihrer Debütsaison 2014/15 gleich zur besten Spielerin der Liga gewählt, ein toller Erfolg, wenn man sich die Kader von PSG und Lyon anschaut. Lyon stelklt nicht weniger als 13 Spielerinnen in der 18er Olympiatruppe Frabnkreichs. Montpellier hat da niemanden dabei, aber immerhin sind drei der vier Reservistinnen aus Sofia Jakobssons Team.

Du hast in sehr vielen Ländern gewohnt. Russland, Deutschland, Großbritannien und jetzt Frankreich. Was hast du aus jedem einzelnen mitgebracht?

„Es ist ja klar, dass man sowohl viel Erfahrung auf dem Spielfeld wie auch außerhalb gesammelt hat. Ich würde aber sagen, dass da nichts Spezifisches aus gerade einem Land ist, aber man hat sich als Mensch und als Spielerin an allen dieser Orte weiterentwickelt und ich habe sowohl in meiner Fußballkarriäre wie auch privat Schritte nach vorn gemacht.“

Ich war nie in Montpellier, aber wenn ich mal auf Google Maps schaue, wo das liegt, so ist das wunderbar gelegen in Südfrankreich. Wie ist es da zu leben?

„Es ist wirklich eine sehr angenehme Stadt und liegt an der französischen Riviera, ein echt toller Ort, um da zu wohnen. Mir geht es ausserhalb des Fussballs sehr gut da, es ist nah an den Strand, da kann man auch abseits vom Fussball das Leben geniessen.“

Wie sieht es denn mit den Sprachen aus? Hast du überall etwas mitgenommen?

„Naja, ich konnte etwas Russisch, aber das meiste habe ich nach ein paar Jahren wieder vergessen. Jetzt spreche ich etwas Französisch und verstehe das Meiste, was gesagt wird. Ich hoffe, dass ich jett noch mehr lernen werden, schliesslich habe ich noch ein drittes Jahr Vertrag. Also denke ich, dass ich schon Französisch mitnehmen werde.“

Wie sind deine Erwartungen für Olympia?

„Ich habe sehr grosse Erwartungen, vor allem ist es klasse, dass wir in Brasilien spielen, solch ein fantastisches Fussballland. Es ist toll, bei einer weiteren Meisterschaft dabei sein zu dürfen. Ich glaube, wir haben eine tolle und interessante Truppe und hoffentlich können wir nach der Enttäuschung des Vorjahres ein gutes Turnier spielen.“

Was habt ihr hier während der Woche gemacht in einer vergleichsweise so kleinen Gruppe?

„Wir waren ja schon eine Zeit vom Fussball weg, deshalb haben wir uns hier getroffen und hatten ein ziemlich hartes Trainingslager mit viel Spiel und etwas physischem Training, es war wirklich sehr hett und wir haben hart trainiert, um uns gut auf Olympia vorzubereiten.“

Hast du denn eigentlich überhaupt Urlaub in diesem Sommer?

„Ich habe mit Umeå IK trainiert und jetzt hier, aber ich hatte zehn Tage frei nach dem Ende der Saison in Frankreich und da war ich zu Hause bei Familie und Freunden. Ich habe auch die Fussballschule in meinem Mutterclub Hägglunds besucht. Da habe ich mit Mädchen trainiert, das hat Spass gemacht.“

Am Donnerstag nächste Woche gibt es ein Wiedersehen mit Sofia und zwar beim Spiel Schweden – Japan in Kalmar.

 

 

Noch nicht aller Tage Abend

Pia Sundhage fehlte gestern bei der Präsentation des Kaders für die Länderspiele gegen die Schweiz und Dänemark, sie hatte Fieber. Aber Assistentin Lillie Persson gab eine Reihe von aufschlussreichen Kommentaren.

Zwei Spielerinnen vermisste man in der Liste. Fridolina Rolfö und Antonia Göransson.

Lillie Persson sagte, dass beide noch eine Chance hätten: „Sie müssen gesund sein und gute Leistungen in der Damallsvenskan zeigen. Zu Rolfö: „Was ich sehen will, ist regelmäßiges Training, es kann nicht sein, dass sie 1-2 Trainingseinheiten absolviert und dann aufhört. Sie muss auch anfangen, regelmäßig zu spielen.“ Da möchte man Persson zurufen, dass man doch nur spielen kann, wenn man auch aufgestellt wird bzw. eingewechselt, was Schwedens versammelte Frauenfußballjournalisten seit Monaten fordern.

Zu Göransson: „Antonia bringt keine Leistungen auf dem Niveau, das wir von ihr erwarten. Sie muss in Vittsjö weiterarbeiten. Sie ist absolut nicht aus dem Blickfeld, sie hat ja eine Eigenschaft die wir ‚explosiv‘ nennen, aber genau dieses ‚explosiv‘ haben wir vermisst, als sie dabei war. Gleichzeitig war sie eine Zeitlang nicht dabei und das kann eine Frage des Selbstvertrauens sein.“

Kennt man Sundhage/Persson und ihren Hang zu Vertrautem und ihre Abneigung gegen spontane Entscheidungen klingt das weder für Rolfö noch für Göransson, als ob sie eine reale Chance haben. Aber wir werden sehen.

Die deutschen Fans, die Interesse am schwedischen Team haben und im Sommer nach Kanada fahren, sollten sich in Toronto aufhalten. Denn dort wird das schwedische Team Quartier machen, um dann erst zum Spiel gegen Nigeria nach Winnipeg zu reisen. Das gab Nationalmannschaftschefin Marika Domanski Lyfors gestern bekannt.

„Viele Teams werden von und nach Toronto reisen,“ sagte Domanski Lyfors gestern. „Nach der Auslosung haben wir mit anderen Teams diskutiert und viele dachten daran, etwas in Toronto zu machen, bevor sie innerhalb Kanadas weiterreisen. In der Nähe kann man Natur erleben und die Mädels mögen ja Städte. Die gehen gerne shoppen und genießen ihre Freizeit und wer tut das nicht.“

Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber „ein sehr gutes Gespräch“ hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Susan Varli macht Schluss

Susan Varli (links)

Susan Varli (links)

Susan Varli hat mit 22 die Fußballschuhe an den Nagel gehangen. Susan who? Varli war eine talentierte Spielerin mit Migrationshintergrund. Ihre Eltern sind Syrianer aus der Türkei. Das wird weiter unten noch Bedeutung bekommen. Varli spielte bei allen drei Stockholmer Traditionsvereinen: bei AIK, Hammarby und Djurgården. Verließ Hammarby vor ein paar Jahren gemeinsam mit Daniella Chamoun und Nazanin Vaseghpanah mitten in der Saison, da wurde viel geredet über die sheinbar Abtrünnigen, die obwohl unter Vertrag bei Hammarby den Rest des Jahres mit AIK trainierten und dann im Jahr drauf bei AIK spielten. Varli wurde dann 2012 bei AIK mitten in der Saison aussortiert, sie wechselte zu Djurgården und ging dann 2013 zu Hammarby in die zweite Liga.

Im Oktober 2012 als es richtig gut lief, debütierte Susan Varli in der U23-Nationalmannschaft für Schweden. Spielte gegen Norwegen, man lag 0:1 hinten und schoss dann beide Tore zum 2:1-Endstand für Schweden.

Damals trainierte noch Lillie Persson die U23, dann ging sie zu Pia Sundhage, Nachfolger wurde U19-Trainer Calle Barling.

Anfang 2013 als es darum ging, das U23-Team für das traditionelle Turnier in la Manga zu nominieren, war Varli Reserve, bekam einen Anruf von Barrling, den sie nun der Länstidning in Södertälje wiedergab.

Barrling soll gesagt haben, dass Varli ja mehr Möglichkeiten habe als andere. Schließlich habe sie türkische Eltern und könne ja auch für die Türkei spielen. Sie möge doch mal mit Leyla Güngör in Malmö Kontakt aufnehmen, die habe ähnliche Erfahrungen. Barrling hob in dem Gespräch angeblich auf die andere Mentalität Varlis ab und meinte, diese sei ja nicht wie „wir Schweden“.

Auf das Telefonat von der Zeitung angesprochen, sagte Calle Barling: „Das schreibst du nicht. Das sollst du wissen.“

Das klingt wie Nordkorea mitten in Schweden. Varli sagt, sie hätte nach dem Gespräch mit Barrling geweint, weil der sie quasi als unschwedisch bezeichnet habe und dies als einen der Gründe für ihre Nichtnominierung angegeben habe.

Spielerinnen mit Migrationshintergrund, so der Tenor des Artikels, hätten in Schweden so gut wie keine Chance. Wäre Zlatan Ibrahimovic ein Mädchen gewesen, so Varli, wäre er in Liga 5 steckengeblieben.

So ähnlich habe ich das 2012 auch von Nazanin Vaseghpanah gehört, die damals mir als erstem Journalisten mitteilte, dass sie mit dem Fußball aufhören würde. Ihr wäre immer gesagt worden, dass sie zu viel wolle, sagte „Naza“ mir damals. Ihre Freundin Susan Varli benutzt eineinhalb Jahre später fast dieselben Worte.

Dass Varli, Vaseghpanah und Chamoun als Trio sicher nicht immer einfach in einer Mannschaft zu hantieren waren, habe ich von anderen Spielerinnen gehört, aus mehreren Quellen.

Dass ändert jedoch nichts daran, dass Barrling sich offenbar in dieser Angelegenheit alles andere als souverän und abgeklärt verhalten hat. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass man in den schwedischen U-Teams nicht aus der Masse heraustreten darf. Mädchen haben tüchtig („duktig“) zu sein. Offenbar gehört leider auch dazu, dass man immer den Mund hält. Dass Barling auch der Journalistin von Länstidningen i Södertälje den Mund verbieten wollte, sieht nicht gut aus. Es stinkt zum Himmel, auch wenn jetzt Journalisten wie Anders Nilsson dem Fußballehrer zur Seite springen und bekunden, dass dies nicht der Calle Barrling sein könne, den Nilsson seit zehn Jahren kenne.

Algarve

Unter der Woche hat Pia Sundhages Assistentin Lillie Persson in Abwesenheit der Chefin den Kader für den alsbald in Portugal auszuspielenden Algarve-Cup bekanntgegeben.

Die schwedische Mannschaftsführung setzt auf albewährte Kräfte:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Linda Sembrant, Sara Thunebro

Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelqvist, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Emma Lundh, Elin Rubensson, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Therese Sjögran

Ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat am selben Tag Josefine Öqvist erklärt. Die 30-Jährige will sich mehr um ihre Tochter kümmern und setzt daher nur noch auf das Spiel mit ihrem Verein SC Montpellier.

Eine ehemalige Nationalspielerin ist schwanger und verpasst deshalb die kommende Saison. Stina Segerström, die 31-Jährige Abwehrspielerin von Kopparberg/Göteborgs FC, erwartet ihr erstes Baby. Herzlichen Glückwunsch!

 

Blamage für Schweden

Zurück aus München, wo ich den größten Teil der letzten Woche verbracht habe. Gestern Abend übertrug der Fernsehsender TV4 Sport nun doch das erste Länderspiel der schwedischen Nationalmannschaft im neuen Jahr.

In Amiens bei Paris gab es eine hoch verdiente 0:3-Schlappe gegen Frankreich. Ich habe nur die zweite Halbzeit gesehen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass eine schwedische Nationalmannschaft so dermaßen vorgeführt wurde. Frankreich machte ein tolles Spiel und wenn man eines an den in zartblau spielenden Französinnen kritisieren will, dann ist es die mangelhafte Chancenverwertung. Das Spiel hätte 6:0 oder 7:0 enden können, ja beinahe müssen.

Sicher, die Schwedinnen sind überwiegend in der Saisonvorbereitung, die Französinnen mittendrin, aber das ist eine willkommene, aber zaghafte Verklärung des Spielverlaufs. In Abwesenheit von Pia Sundhage coachte Assistentin Lillie Persson und sicher, Lotta Schelin stand nicht zur Verfügung und auch nicht Therese Sjögran und Charlotte Rohlin. Das erklärt aber nicht, dass Sara Thunebro bis zur Auswechslung ihrer Gegenspielerin Elodie Thomis zur Slalomstange mutierte, die von der schnellen Französin nach Belieben ausgetanzt wurde.

Es erklärt nicht, dass Nachwuchskräfte wie Amanda Ilestedt zwar talentiert, aber noch lange nicht auf diesem Niveau, dem höchsten nämlich, angekommen sind. Da gab es haarsträubende Fehlpässe im Aufbauspiel, so dass die agilen und technisch zwei Klassen besseren Französinnen den Ball meist schon im Mittelfeld der Schwedinnen eroberten und Angriffswelle auf Angriffswelle auf das von Hedvig Lindahl, der wohl alten und neuen Nummer 1 schickte. Lindahl leistete sich zwei ihrer bekannten Ausrutscher, einmal war sie wieder spontan aus dem Tor geeilt, aber der Schuss der eingewechselten Miriam Makanza ging über die Querlatte ins Toraus.

Schweden hat ein Torwart, ein Abwehr, ein Mittelfeldproblem. Caroline Seger kämpfte unermüdlich, versuchte, zu retten, was zu retten war, stand aber auf verlorenem Posten. Elin Rubensson zeigte ein vielversprechendes Debüt als rechte Außenverteidigerin gegen einen übermächtigen Gegner und auch AIK:s Emma Lundh gelang es zwei, dreimal ihr außergewöhnliches Spielerfassungsvermögen zu zeigen. Torchancen der Gelbblauen: Fehlanzeige.

Mit dem neuen 4-1-3-2 Spielsystem, das man ausgerechnet gegen die wohl spielstärkste Mannschaft Europas in einem Auswärtsspiel testete, fiel man gründlich auf die Nase. An der Algarve geht es dann wohl mit Sundhage weiter.

0:1 durch Gaetane Thiney nach 14 Minuten, als Ilestedt gegen die wesentlich reifere Französin keinen Stich bekam. Ab da übernahmen die Blauen das Spielgeschehen. Zeitweilig herrschte Klassenunterschied in Amiens.

„Wir machen viele leichte Fehler und das kann man natürlich erklären. Vieles lag daran, dass wir nicht dasselbe Tempo wie die Französinnen spielen konnten und darüberhinaus fehlten uns einige gute Namen, während die ihre beste Mannschaft hatten,“ versuchte Lillie Persson nach Erklärungen für das Debakel zu suchen.

Schweden spielte mit folgender Startbesetzung:

1 Hedvig Lindahl – 23 Elin Rubensson, 5 Nilla Fischer, 4 Amanda Ilestedt, 6 Sara Thunebro – 7 Lisa Dahlkvist – 11 Antonia Göransson, 17 Caroline Seger [K], 3 Hanna Folkesson – 9 Kosovare Asllani, 22 Olivia Schough.

Die Tore kann man in diesem Video des offiziellen YouTube-Channels der französischen Frauenfußballnationalmannschaft sehen:

Gegen Frankreich

Am 08.02. wird die schwedische Nationalmannschaft ihr erstes Länderspiel im neuen Jahr bestreiten. Gegner außerhalb von Paris ist Frankreich.

In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die in den USA eine zweimonatige Gastprofessur wahrnimmt (sie wird zum Algarve-Cup wieder beim Team sein) benannte Co-Trainerin Lillie Persson folgenden Kader für das Frankreich-Spiel:

Tor: Hedvig Lindahl, Carola Söberg, Stephanie Öhrström

Abwehr: Magdalena Ericsson, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Charlotte Rohlin, Sara Thunebro

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Hanna Folkesson, Antonia Göransson, Emma Lundh, Lina Hurtig, Elin Rubensson, Olivia Schough, Lotta Schelin, Caroline Seger, Therese Sjögran, Josefine Öqvist.

Zurückgekehrt ist Carola Söberg. Im Tor gibt es nach dem Bandscheibenvorfall von Sofia Lundgren und dem Rücktritt von Kristin Hammarström Besetzungsprobleme und die nicht gerade stabile Hedvig Lindahl ist nun wieder die Nummer 1.

Die wieder genesene Emma Berglund wurde noch nicht berücksichtigt, ebensowenig Tyresös Linda Sembrant, die in der Champions League schon starke Spiele im Herbst gemacht hat.

Im Angriff darf man gespannt sein, ob Persson Supertalent Lina Hurtig testen wird. Die neuerliche Nominierung von Emma Lundh zeigt, dass das als schwierig geltende ewige Talent Lundh offenbar beim letzten Lehrgang überzeugt hat. Die mittlerweile 24-Jährige verfügt über eine manchmal geniale Spielintuition, hat aber den Durchbruch immer noch nicht geschafft.

 

Peinliche Absage

Es ist eine bittere Niederlage für Pia Sundhage. Zehn Vereine der Damallsvenskan weigerten sich, ihre Nationalspielerinnen für das in Växjö geplante Trainingslager abzustellen. Der Zeitraum 12.-16.01. ist zwar ein sogenanntes FIFA-Fenster, aber da Schweden kein Länderspiel bestreitet, können die Vereine der charismatischen Trainerin ihre Zusage verweigern, was sie also auch taten.

Dagegen hatten Turbine Potsdam, der VfL Wolfsburg, BV Cloppenburg, Bayern München, Olympique Lyonnais und Paris Saint-Germains ihre Spielerinnen bereits freigestellt. Lotta Schelin, Kosovare Asllani, Nilla Fischer und Co. wären also gekommen, aber Emmelie Konradsson, Malin Reuterwall, Elin Rubensson und Co. wurde es verboten.

Was für ein Gesichtsverlust für Pia Sundhage. Man kann sich fragen, was diesen tiefen Graben verursacht hat, der offenbar zwischen der Führung der Nationalmannschaft, deren erste Vertreterin die zweifache Olympiasiegertrainerin ist, und den Vereinen der Liga besteht? Denn dies schadet dem Ansehen des schwedischen Fußballs, keine Frage und man fragt sich, wie die weitere Zusammenarbeit zwischen Pia Sundhage und „ihren“ Trainern in der Heimat verlaufen soll.

Der Verband ergab sich heute und sagte das Trainingslager aufgrund des Boykotts ab. Nationalmannschaftschefin Marika Domanski Lyfors: „Es wäre nicht richtig, die ausländischen Spielerinnen zu einem Lehrgang einzubestellen, an dem dann praktisch keine einheimischen Spielerinnen teilnehmen.“

Und Pia Sundhages Assistentin Lillie Persson: „Dieser Lehrgang sollte einigen Spielerinnen die Möglichkeit geben, sich mit den allerbesten zu messen. Spielerinnen, die es bislang nicht geschafft hatten, in eine 18er-Formation hereinzukommen, die wir zu Länderspielen nominieren. Darüber hinaus war der Lehrgang als wichtiger fysiologischer Test im Hinblick auf die WM 2015 geplant.“

Der nächste Lehrgang findet nun vom 6.-9. Februar in Stockholm (Bosön) statt. Sicherheitshalber hat man nun schnell ein Auswärts-Länderspiel (Gegner wird noch bekanntgegeben) vereinbart, um nicht eine neuerliche Blamage hinnehmen zu müssen.

Alle gegen Sundhage

Vom 12.-16. Januar hat der schwedische Fußballverband den ersten Lehrgang für die A-Nationalmannschaft angesetzt. In Abwesenheit von Cheftrainerin Pia Sundhage, die eine Gastprofessur in den USA wahrnimmt, wird Assistentin Lillie Persson Lehrgangsleiterin sein. Insgesamt 65 Tage wollen Sundhage und Persson 2014 mit ihren Nationalspielerinnen verbringen, um das Team zu schweißen, das bei der WM 2015 in Kanada um die Medaillen mitspielen soll.

Die Vereine sind alles andere als begeistert und nach Angaben von Anders Nilsson, Blogger bei der Boulevardzeitung Aftonbladet, sieht es so aus, als ob die Spielerinnen von Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö), Linköpings FC und Umeå IK nicht zum Lehrgang nach Växjö fahren dürfen.

Damit wären zehn der insgesamt 25 nominierten Spielerinnen aus dem Rennen: Malin Reuterwall, Magdalena Ericsson, Amanda Ilestedt, Emmelie Konradsson, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Hanna Folkesson, Therese Sjögran, Lina Hurtig und Elin Rubensson.

„Unser Ziel ist, das Regelwerk zu befolgen und die Spielerinnen lediglich von den von der FIFA bestimmten Spielterminen freizugeben,“ wird Rosengårds Sportchef Niclas Carlnén zitiert. Es gehe nicht darum, dass man gegen die Nationalmannschaft sei, so Carlnén weiter, aber es müsse ein besseres Gleichgewicht geben und man müsse die Belastung für die Spielerinnen zu gewissen Zeiten verringern.

Nilson behauptet in seinem Blog ebenfalls, dass zehn der zwölf Vereine der Damallsvenskan einen Brief an Fußballchefin Marika Domanski Lyfors geschrieben hätten, in dem sie mitteilen, ihre Spielerinnen lediglich zu den von der FIFA bestimmten Terminen freigeben wollen.

westAls ich gestern auf Twitter etwas provokant fragte, ob man sich nicht mehr an der Nationalmannschaft orientieren müsse, da die Öffentlichkeit die Spiele der Nationalmannschaft verfolgt, aber kaum jemand zur Damallsvenskan gehe, antwortete mir Umeås Sportchef Niklas Westman: „Meinst du das Ernst? Sollen die Clubs der Damallsvenskan den Spielerinnen Gehälter zahlen für eine Menge Fysio-Tests im Januar?“.

Das zeigt, dass es auch noch um etwas anderes geht als Ruhe für die Spielerinnen. Westman bringt das finanzielle Argument ins Spiel. Wenn die Nationalmannschaft die Spielerinnen 65 Tage lang im Jahr in Beschlag nehmen will, dann zahlen die Vereine etwas mehr als zwei Monatsgehälter trotz Abwesenheit ihrer besten Mitarbeiterinnen.

Aber ist nicht eine Möglichkeit, die Publikumsmisere der letzten Jahre, in denen die Liga Zuschauer in großem Maße verloren hat, anzugehen, die Nationalmannschaft noch opulärer zu machen? Oder geht Frauenfußball und großes Publikum vielleicht nur im Rahmen von Länderwettbewerben und großen internationalen Meisterschaften zusammen?

Könnte nicht ein amerikanisches Modell, in dem der Fußballverband zumindest ansatzweise die Gehälter seiner 25 wichtigsten Spielerinnen übernimmt und damit auch das Recht hat, die Spielerinnen zu Lehrgängen einzuberufen eine interessante Variante sein?

Oder wollen wir im Klein-Klein weiterwurschteln und uns auch in drei Jahren noch darüber ärgern, dass zu den meisten Spielen höchsten fünfhundert Zuschauer kommen, wenn man dann auch noch den Zeugwart, alle Spielerinnen und Ordner mitgezählt hat?

In jedem Fall scheint Pia Sundhage mit ihrem Team allmählich die Grenzen von dem zu erreichen, was die Vereine mit ihr bereit sind, mitzumachen. Das ist für den schwedischen Fußball kaum eine gute Entwicklung.

Das Argument Carlnéns, dass die Spielerinnen nicht mehr belastet werden können, verfängt doch auch nicht. Die Damallsvenskan hat 22 Spiele. Die Spielzeit dauert sieben Monate, davon ist ein guter Monat spielfrei. Auch hier muss man darüber nachdenken, ob man den Spielbetrieb nicht ausdehnt, zum Beispiel im März beginnt und im November aufhört. Wir reden hier über hauptamtlich vergütete Spielerinnen, die zwar nicht viel Geld verdienen, aber im Wesentlichen doch Profis sind. Und die sind sozusagen ein halbes Jahr auf der Bühne, während sie den Rest des Jahres auf mehr schlecht als recht beleuchteten Trainingsplätzen für das andere halbe Jahr üben und infolgedessen von der Öffentlichkeit, die letztlich die notwendige Lebensnahrung (Geld) zuführen soll, nicht wahrgenommen wird.

Statt zumindest neues Denken zu ermöglichen, verschanzen sich die Clubs, deren Zuschauerränge immer leerer werden, aber lieber hinter dem Argument, dass die Spielerinnen bitte vor allem und in erster Linie ihnen gehören. Ist das der Weg in die Zukunft?

 

 

Wieder mal auf Bosön

Die schwedische Nationalmannschaft beendet das Jahr 2013 nicht mit Qualifikationsspielen zur WM, sondern mit einem ausgiebigen Trainingslager, seit einigen Jahren auch gerne Lehrgang genannt, auf Bosön in der Nähe von Stockholm.

Recht abgeschieden von der Öffentlichkeit, die dennoch zugelassen wäre, lässt es sich hier, in einem der Leistungszentren des schwedischen Spitzensports arbeiten. In der „Vinnarhallen“ (Siegerhalle) gibt es einen vollgroßen, überdachten Kunstrasenplatz.

Pia Sundhage und ihre Assistentin Lillie Persson, in der Öffentlichkeit treten die Beiden in skandinavischer Eintracht immer mehr als nahezu gleichberechtigtes Team auf, hatten 28 Spielerinnen eingeladen, von denen eine ganze Reihe abgesagt, eine ganze Reihe nachnominiert wurden.

Kristin und Marie Hammarström waren im ersten Kaderentwurf dabei, beendeten dann aber, wie sich das für eineiige Zwillinge gehört, am selben Tag ihre Karrieren.

Abgesagt haben auch Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Josefine Öqvist, Carola Söberg, Marija Banusic und Josefin Johansson.

Auf Bosön dabei sind jetzt:

Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Malin Reuterwall (Umeå IK), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)

Mia Carlsson (Kristianstads DFF), Magdalena Ericsson Linköpings FC), Nilla Fischer (VfL Wolfsburg), Amanda Ilestedt (LdB FC Malmö), Elin Landström (Umeå IK), Lina Nilsson (LdB FC Malmö), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Sara Thunebro (vereinslos)
Petra Andersson (AIK), Emilia Appelqvist (Piteå IF), Kosovare Asllani (Paris SG), Lisa Dahlkvist(Tyresö FF), Hanna Folkesson (Umeå IK), Antonia Göransson (Turbine Potsdam), Jenny Hjohlman, Lina Hurtig (beide Umeå IK), Sofia Jakobsson (BV Cloppenburg), Emmelie Konradsson (Umeå IK), Emma Lundh (AIK), Elin Magnusson (KIF Örebro), Lotta Schelin (Olympique Lyonnais), Olivia Schough (Kopparberg/Göteborgs FC), Caroline Seger (Tyresö FF), Therese Sjögran (LdB FC Malmö).

 

Lotta Schelin ist Fußballerin des Jahres in Schweden

Montagabend versammelte sich die schwedische Fußballelite wieder im Stockholmer Ericsson Globe, um in der Livesendung von TV4 die offiziellen Preise an die besten Spieler und Spielerinnen des Jahres zu überreichen.

Ramona Bachmann bekam zum zweiten Mal nah 2011 die Auszeichnung als wertvollste Spielerin der Liga. Seinerzeit noch als Spielerin von Umeå IK, heute Morgen im Frühstücksfernsehen als Vorabappetithapperl auf die Abendgala dann schon merkwürdigerweise den vielleicht wichtigsten Preis, bei dem man sowohl schwedische wie internationale Spielerinnen nominieren kann.

Lotta Schelin wurde gleich zu Beginn etwas überraschend als beste Stürmerin ausgezeichnet, ein Preis, bei dem ich Christen Press favorisiert hatte. Aber Schelins Saison als Torschützenkönigin der französischen Liga, Champions League Finale und Torschützenkönigin der EM (wenn auch mit Toren gegen vermeintlich leichte Gegner)  wog bei der rein schwedischen Jury natürlich stärker. Auch eine verdiente Siegerin, keine Frage.

Erwartungsgemäß wählte die Jury um Pia Sundhage Nilla Fischer zur besten Abwehrspielerin des Jahres, zumal es ja gerade Sundhage war, die Fischer auf diese Position beordert hatte. Die Neu-Wolfsburgerin dankte ihrer Familie, ihrer Frau und auch Linköpings Charlotte Rohlin, die eine Art Mentorin bei der zu Beginn nicht gerade freiwilligen Umschulung gewesen ist.

Jonas Eidevall erhielt den Preis als bester Trainer für seine Meisterleistung auf der ersten Cheftrainerstelle in Malmö gleich Tyresö den Titel abzuluchsen und den Kronprinzessin-Victoria-Pokal wieder nach Malmö zu holen.

Da fast ohne Konkurrenz teilten Sundhage & Co. den Preis als „Durchbruch“ der Saison an ihre Nationalspielerin Jessica Samuelsson aus.

Und ins Tor stellte die Jury erwartungsgemäß Islands Nummer 1 Thora Helgadottir, die in Malmö 14 mal ohne Gegentor blieb. Die bedankte sich beim Trainer, der die Mannschaft viel besser gemacht habe und bei ihrer Viererkette, die manchmal herbe Kritik bekommen hätte, aber wenn man 14 mal zu 0 spielt und nur 13 Gegentore bekommt, dann zeige das doch, das auf sie Verlass sei.

Peinlich wurde es, als dem männlichen Rekordnationalspieler Anders Svensson von einem Sponsor via Fußballverband ein Auto als Geschenk dafür gegeben wurde, Therese Sjögran aber, die 30 Länderspiele mehr als Svensson hat, nicht einmal einen Blumenstrauß bekam. In einem Land, das sich selbst immer das gleichberechtigste Land der Welt nennt, kein Ruhmesblatt und auf Twitter brach dann auch ein zahmer Shitstorm los.

Als dann der Preis „Diamantbollen“ anstand, also Schwedens Fußballerin des Jahres ausgezeichnet werden sollte, wurde es spannend. Denn nicht wenige hatten Nilla Fischer als Konkurrentin von Lotta Schelin heraufbeschworen. Aber als Anja Gatu, Sportchefin bei Sydsvenska Dagbladet die Begründung vorlas, war der letzte Satz klar: „Der diamantene Ball 2013 geht an Lotta Schelin.“ Für die 29-Jährige Göteborgerin in Diensten von Olympique Lyonnais ist es insgesamt das vierte Mal und das dritte Mal hintereinander.

Zum achten Mal hintereinander gewann anschließend Zlatan Ibrahimovic den goldenen Ball als Fußballer des Jahres.

 

Gehirnerschütterung stoppt Madde Edlund

Pia Sundhages Aufgebot trifft sich morgen im Spielort Växjö, aber statt 24 werden nur 23 Spielerinnen dabei sein, um sich auf das Länderspiel gegen die Schweiz am 23.10. vorzubereiten. Tyresös Stürmerin Madeleine „Madde“ Edlund musste wegen einer Gehirnerschütterung absagen, die sie im Spiel bei Kristianstad erlitten hatte. Pia Sundhage entschied sich, keine Spielerin nachzunominieren.

Unterdessen verfestigt sich das Gerücht, dass bei einem eventuellen Ausscheiden Schottlands in den Playoffs zur EM gegen Spanien die Schwedin Anna Signeul die dritte Im Bunde werden könnte, neben Sundhage als Chefin und Lillie Persson als Assistenztrainerin mit Spezialaufgabe Angriff.

Kader gegen Schottland

Thomas Dennerby gab heute seinen Kader für das Länderspiel gegen Schottland am 26.05. bekannt. Nach der Kreuzbandverletzung von Charlotte Rohlin und der länger andauernden Reha von Sara Larsson stehen nun Malmös Malin Levenstad und Umeås Emma Berglund im Aufgebot. Aber spielen dürften Stina Segerström und Linda Sembrant. Stina hat noch eine nicht ausgeheilte Schulterverletzung und noch Schmerzen, aber sie wird wohl die Zähne zusammenbeissen.

Im Mittelfeld ist Kosovare Asllani nach ihren guten Leistungen jetzt dabei, aber nicht die hervorragend in die Saison gestartete Sofie Andersson, was auch so zu erwarten war, denn Thomas Dennerby geht so kurz vor dem Turnier keine Risiken mehr ein. Das kann man bei den notwendigen Ummöblierungen in der Abwehr aber auch verstehen.

NACHTRAG

Hier der 20-köpfige Kader für das Länderspiel gegen Schottland:

Sofia Lundgren (Linköping), Hedvig Lindahl (Kristianstad)
Annica Svensson (Tyresö), Linda Sembrant (Tyresö), Stina Segerström (Göteborg), Malin Levenstad (Malmö), Emma Berglund (Umeå), Sara Thunebro (Frankfurt), Lina Nilsson (Malmö)
Kosvare Asllani (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Tyresö), Madelaine Edlund (Tyresö), Nilla Fischer (Linköping), Antonia Göransson (Potsdam), Marie Hammarström (Örebro), Sofia Jakobsson (Rossiyanka), Susanne Moberg (Kristianstad), Caroline Seger (Tyresö), Lotta Schelin (Lyon), Therese Sjögran (Malmö).

Lillie Persson trainiert die schwedische D23, die am selben Wochenende in Deutschlöand spielen wird, wenn die A-Mannschaft auf Schottland trifft. Sie nominierte U19-Torhüterin Jessica Höglander und AIK:s Susanne Nilsson.

Hinzu kommen u.a. Jessica Samuelsson aus Linköping, die viele als größtes Talent auf der Außenverteidigung sehen, Louise Fors wurde wieder aus der A-Mannschaft in die Jugend gesteckt, Emma Lundh und Emmelie Konradsson aus demselben 89er Jahrgang.

U23 in La Manga: Schweden schlägt England

Malmös Ersatztorfrau Hilda Carlén war am Ende die Heldin des Spiels gegen England. Nachdem es nach 90 Minuten unentschieden gestanden hatte, wobei Schweden zweimal in Führung gegangen war, hielt Carlén im Elfmeterschießen (im Turnierreglement bei Unentschieden nach 90 Minuten vorgesehen) einen Elfmeter und verwandelte anschließend den entscheidenden Strafstoß für die Blaugelben.

Die beste Spielerin auf dem Platz aber hieß Emma Lundh: „Sie macht ein fantastisch gutes Spiel, sowohl im defensiven Bereich und vor allem, was sie auch tun soll, im offensiven Bereich. Eine richtige Klassespielerin,“ lobte Trainerin Lillie Persson. Ffschweden glaubt nicht erst seit heute, dass Emma Lundh nach oder durch den Wechsel weg von Stockholm nach Linköping in dieser Saison eine der interessantesten Spielerinnen in Schweden werden könnte.

Den ersten Treffer erzielte Lundh nach Doppelpass mit Jenny Hjohlman, beim zweiten Tor legte sie auf für Malmös Sarah Storck.