Rückblick

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Marta hat eine Torchance im Spiel bei Linköping

Die Saison 2016 ist nun vorbei. Zeit für eine kurze Bilanz.

Linköping ist der souveräne neue schwedische Meister. Vor der Saison hätte man sicher viel Geld verdienen können, wenn man vorausgesagt hätte, dass die Mannschaft um den wohl kommenden Nationaltrainer Martin Sjögren am Ende mit zehn (!!!) Punkten vor der Startruppe vom FC Rosengård landen würde.

Lange marschierten beide Teams im Gleichtakt, aber am Ende zog Linköping unwiderstehlich davon. Entscheidend einerseits der 1:0 Sieg für Linköping im, ja, alles entscheidenden Spiel gegen Rosengård.

Kristine Mindes Kopfball in der 81. Minute im strömenden Regen von Linköping stieß das Tor weit auf, danach implodierte Rosengård.

Linköping hatte bis auf Fridolina Rolfö, die etliche Wochen ausfiel und verletzungsanfällig bleibt, kaum Verletzungen zu beklagen. Das Trio Pernille Harder Stina Blackstenius und Kristine Minde erzielte 53 von 73 Toren, das SPielsystem 4-3-3 war optimal für den vorhandenen Kader. Im Mittelfeld zog eine überragende Claudia Neto die Fäden und in der Abwehr konnte der Rücktritt von Ikone Charlotte Rohlin durch due Beförderung von Magdalena Ericsson zur Kapitänin ohne Reivungsverluste aufgefangen werden. Die Dänin Janni Arnth war ein ebenso gelungener Einkauf, wie die beiden Aussenverteidigerinnen aus der Region, Jonna Andersson und Jessica Samuelsson Garanten für Sicherheit hinten wie Offensivkraft vorne waren.

Dass Martin Sjögren nach dem Weggang der starken Amerikanerin Katie Fraine im Tor der jungen Cajsa Andersson das Vertrauen aussprach, erwies sich nach 22 Spieltagen als ein weiterer hervorragender Schachzug des Trainers. Andersson wuchs an der Aufgabe und gehört nunmehr zu den besseren Torhüterinnen der Liga.

Linköping profitierte aber auch davon, dass Rosengård mit etlichen Verletzungen zu kämpfen hatte. Zu Anfang der Saison fiel gleich die neue Stammtorhüterin Erin McLeod für mehr als ein Jahr aus. Auch Zecira Musovic verletzte sich, weshalb man mit der vereinslosen Ex-Nationaltorhüterin Sofia Lundgren eine etablierte Torfrau nach Malmö holte.

Gaelle Engamanouit, die als Torjägerin geholte Kamerunerin aus Eskilstuna, verletzte sich ebenfalls fast direkt und in der zweiten Saisonhälfte fielen auch die neu geholte Lotta Schelin und Lieke Martens zeitweise aus. Dass man mitten in der Spielzeit auch noch die neben Marta wichtigste Spielerin, Sara Björk Gunnarsdottir, an den zahlungskräftigen VfL Wolfsburg verlor, machte die Aufgabe von Trainer Jack Majgaard Jensen nicht gerade einfacher.

Das soll und kann allerdings den Erfolg vonm Linköping nicht schmälern. Aber keine zwei Wochen nach dem Gewinn des Meistertitels verliert Linköping bereits seine überragende Spielerin: Pernille Harder geht ins Ausland, wohin sollen wir nächste Woche erfahren. Zwar kommt mit Lina Hurtig eines der grössten Talente der letzten Jahre, aber der Verlust von Harder ist erst einmal nicht zu ersetzen, wenn die Brieftasche Begrenzungen hat. Fraglich ist auch noch, ob Stina Blackstenius bleibt. Auch die 20-Jährige, deren Nationalteam (U20) morgen möglicherweise bereits aus der WM in PNG fliegt, hat mehrere Angebot aus dem In- und Ausland, hat aber gesagt, dass sie nur ins Ausland gehen würde oder aber in Linköping bleibt. Ich fürchte, dass auch sie gehen wird.

Dahinter dann?

Eskilstuna hatte eine zu grosse Spielerfluktuation vor der Saison, kam dennoch auf den dritten Platz. Hervorragender Vierter abermals im Topwuartett: Piteå IF, dass aber nun mit Irma Helin schon wieder eine Schlüsselspielerin ersetzen muss., Helin trainierte diese Woche zweimal beim 1.FFC Frankfurt. Vom schwedischen Vierten zum deutschen Sechsten?

Die Aufsteiger haben beide sehr positiv ¨überrascht. Vor der Saison sass ich noch mit der rückkehrenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir in einem Café am Karlaplan in Stockholm und Gugga sagte mir, dass sie unsicher sei, wo ihr Team stehen würde. Am Ende kam ein sehr respektabler sechster Platz heraus mit Luft nach oben, denn am Ende ging der Traditionsmannschaft aus Stockholm die Luft aus. Bitterer Beugeschmack aber: Mit nur 376 Zuschauern hatte man trotz ansprechenden Spiels den schlechtesten Schnitt der Liga und das in der bevölkerungsreichsten Stadt oder gerade deshalb?

Die Portugiesin Carolina Mendes muss Stockholm verlassen nach nur einer Saison. Vielleicht bekommt sie ein Angebot vom Lokalrivalen Hammarby, der aufgestiegen ist und Verstärkung braucht.

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Tabitha Chawinga

Kvarnsveden, der Sieger der Elitettan 2015, war bespöttelt worden. Das Wort „dålig“ (schlecht) hatte der Trainer verboten, der Verein sich nur mit vier Spielerinnen aus der zweiten Liga verstärkt. Das wird nicht reichen, sagten ALLE Experten, inklusive meiner Wenigkeit und machten Daumen runter beim Presseauftakt im April. Es sah nicht so gut aus, aber besser als erwartet, als die Olympiapause begann, dann holte jemand die Ghanaerin Elisabeth Addo und die Amerikanerin Tiffany Weimer und mit den Beiden lief es prächtig, nicht zuletzt für die von allen Vereinen begehrte Malawierin Tabitha Chawinga, die innerhalb von zwei Jahren von der dritten in der ersten Liga aufgestiegen war und selbst dort angekommen nun immerhin noch beeindruckende 15 Tote schoss. Nicht auszudenken, wie viel Mal sie für einen Topclub getroffen hätte. Chawinga spielt mit grosser physischer Stärke, Schnelligkeit mit einem unbändigen Zug um Tor. Als ich sie in Kvarnsveden im Sommer erstmals live spielen sah beschäftige sie trotz der 0:4 Niederlage gegen Rosengård immer wieder Nationalspielerinnen wie Emma Berglund und Amanda Ilestedt aufs Äusserste.

Kristianstad hatte am Ende Glück und rettete sich mit 1,5 blauen Augen vor dem Abstieg. Das Geld fehlt in der kleinen Stadt.

Runter dagegen muss der einst so glorreiche Umeå IK nach skandalösen Turbulenzen. Der Vereinsvorsitzende entliess das komplette Trainerteam gegen den Willen der Spielerinnenm wurde deshalb enorm kritisiert und trat deshalb wenig später selber zurück. Selbst ohne diese Differenzen hatte Umeå zu wenig Ressourcen, um eins schlagkräftiges Team auf den Plat zu stellen. Und mit Hanna Folkesson uynd Jenny Hjohlman waren zwei der gedachten Leistungsträgerinnen fast die ganze Saison verletzt. Bitter.

Am Montag steigt die Gala des Fussballs im Stockholmer Ericsson Globe und da bietet sich die Gelegenheit, mit den Preisträgerinnenzu sprechen. Haushohe Favoritin auf den „Diamantenball“ als Fussballerin des Jahres dürfte Chelsea Ladies Torfrau Hedvig Lindahl sein. Zum zweiten Mal in Folge, aber nach den geretteten Elfern bei der Olympiade wohl kaum zu übergehen. Es sei denn, man entscheidet sich für die zweifache Elfersiegerschützin Lisa Dahlkvist. 

Mitten in der Saison entschied sich Anette Börjesson nach 20 (!!!) Jahren die Seite http://www.damfotboll.com nicht länger zu betreiben.  Für den frauenfussball in Schweden ein grosser Verlust, denn nach wie vor berichten die Mainstreammediuen in erster Linie über die Nationalmannschaft, die Champions League und den Kampf um die Meisterschaft. Ansonsten bin ich ziemlich allein auf weiter Flur, wenn ich etwa Spiele in Stockholm besuche. Deshalb blogge ich seit dem 1. Juli auch auf Schwedisch und versuche, mit Spielerinneninterviews ein wenig dazu beizutragen, dass die Lücke gefüllt wird.

Seit dem 1. Juli gab es längere Interviews mit Marianne Gajhede KnudsenKristine MindeOlga Ekblom, Magdalena Ericsson, Mimmi Larsson, Irma Helin, Denise Sundberg, Zecira Musovic, Sofia Jakobsson, Emilia Appelqvist, Claudia Neto, Sara Björk Gunnarsdottir und Nora Holstad BergeLeider habe  ich es wegen hoher Arbeitsbelastung nicht geschafft, die Gespräche auch auf Deutsch zu veröffentlichen.

 

 

 

 

Linköping nah am Ziel

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Glück für Linköpings Torfrau Cajsa Andersson, dass Martas Schuss vorbeigeht

Es war ein fantastisches Fußballspiel, das sich gestern Nachmittag die beiden besten schwedischen Fußballmannschaften lieferten. Linköpings FC kam mit 16-2-0 in die Partie, der Serienmeister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö) kam mit 15-3-0 und zwei Pluspunkten weniger nach Linköping.

Das Wetter spielte nicht mit, es waren aber schon am Samstag über 4.000 Tickets verkauft und am Sonntag kamen dann 6.220 in die Arena, neuer Zuschauerrekord für das zur EM 2013 gebaute Stadion, das noch immer eine Baustelle ist, weil nun Bürogebäude an der einen Längsseite errichtet werden.

Ich hatte lange auf dieses Spiel gewartet und in Vorabinterviews verriet mir Linköpings Mannschaftskapitänin Magdalena Ericsson, das auch sie immer wieder mal an dieses Spiel gedacht hatte. Ihr Pendant auf Rosengårds Seite, Emma Berglund, wollte dagegen behaupten, das sie sich auf dieses Spiel wie auf jedes andere vorbereitet hätte.

Vielleicht machte das am Ende den Unterschied aus. Vielleicht war es der Hunger. Dass dieses Spiel größer war für Linköping als für das erfolgsverwöhnte Rosengård.

30188117036_0aa668700f_kAm Ende riss Magda Ericsson die Arme hoch und streckte sie in den mit dunklen Wolken verhangenen Himmel von Östergötland. Am Ende hatte der Gastgeber mit 1:0 gewonnen, durch ein Kopfballtor der Norwegerin Kristine Minde auf Flanke von Pernille Harder. 

„Normalerweise mache ich solche Tore nicht,“ lachte Minde nachher in der Mixed Zone. „Es war eine perfekte Flanke von Pernille und ich kam zwischen zwei Gegenspielerinnen hoch und es war eine Riesenfreude zu sehen, wie der Ball reinging.“

Dass man nun, mit fünf Punkten Vorsprung und drei Spiele vor Schluss den Meistertitel sicher habe, das wollte Kristine aber nicht eingestehen: „Heute und morgen werden wir uns freuen, aber dann geht es weiter. Wir haben jetzt zwei schwere Auswärtsspiele und dann im letzten Heimspiel noch einmal einen starken Gegner.“

Naja. Vittsjö und Mallbacken auswärts. So wie diese beiden Teams bisher gespielt haben, müsste die Meisterschaft am 30. Oktober um ca. 16.50 Uhr nach 2009 zum zweiten Mal in Linköping sein.

Das Spiel gestern war sehr ausgeglichen. Linköping hatte in den bisherigen drei Begegnungen der Saison gegen Rosengård immer schlechter ausgesehen. Aber: alle drei Spiele waren in Malmö. Gestern eine tolle Abwehrleistung auf beiden Seiten. Die Niederländerin Renée Slegers machte ein großes Spiel gegen Marta in der ersten Halbzeit, überragend bei Linköping wie so oft in diesem Jahr die Portugiesin Claudia Neto. Sie ist die große Ballverteilerin und die dominierende Spielerin im Mittelfeld. Rosengård sicher geschwächt durch den Ausfall von Lieke Martens am Mittwoch und dadurch, dass Lotta Schelin nach 51 Minuten gehen musste weil sie Schmerzen in der Wade hatte. Aber was soll’s. Linköping spielt mit wesentlich weniger Geld in der Liga. Hier hat der Verein mit Trainerfuchs Martin Sjögren ein Team aufgebaut, das hauptsächlich aus Talenten aus der Region Östergötland (Blackstenius, J Andersson, Almqvist, Samuelsson) und schwedischen Talenten besteht (Ericsson, Rolfö), die mit ausländischen Talenten (Harder, Gajhede Knudsen, Neto, Minde) veredelt wurden. Hier gibt es keine großen Stars, die man geholt hat, Sjögren hat einige seiner Spielerinnen zu Stars gemacht.

Nicht zuletzt deshalb wird es wohl am Ende er sein, der 2017 Pia Sundhage als Nationaltrainer ablösen wird. Der 39-Jährige ist ein Meistermacher. 2010 hatte er nach vielen Jahren als Mitfavorit ohne Gold schon einmal ein Team zum Meister trainiert: LdB FC Malmö. Nun ist sein Linköping ganz nahe am großen Triumph.

Marta hätte beinahe zumindest den Ausgleich erzielt, aber ihre Anstrengungen am Ende des Spiels (Minde köpfte das Siegtor in der 81. Minute) endeten an der Querlatte und ganz knapp neben dem linken Pfosten.

Ich sprach auch mit Ella Masar McLeod, die ich dummerweise als Anhängsel von Torhüterin Erin McLeod gesehen hatte. Aber nachdem sich Masars Frau verletzte war es Ella, die durchspielte und mit größtem Einsatz bislang zehn Tore für Rosengård erzielte. Jetzt sagte ich ihr, dass ich sie für die beste Neuverpflichtung in der Liga in diesem Jahr halte und fragte, ob sie sehr enttäuscht sei. Ihr Antwort war überraschend: „Ich hoffe, dass viele Sponsoren dieses Spiel gesehen haben und gesehen haben, was für einen tollen Fußball die [Linköping] spielen. Dann hoffe ich, dass sie auch zu investieren bereit sind, damit diese guten Spielerinnen gehalten werden können. Denn für uns sind solche Spiele sehr wichtig, sie sind auch wichtig für die Liga, damit sie, aber auch wir uns weiterentwickeln können.“

Sprach’s und meinte, dass es nun aber gleich mal gelte, umzuschalten, weil man am Mittwoch wieder Champions League spielen müsse.

Auf beiden Seiten dominierten die Abwehrketten, es gab wenig Torchancen, aber die ausgeprägte Taktik und das kluge defensive Verhalten beider Mannschaften war ein Genuss zu sehen. Hoher Einsatz auf beiden Seiten, viel Respekt und sehr viel Fairness, nicht ein böses Foul, obwohl viel auf dem Spiel stand. Das einzige, was störte, war der verdammte Regen.

Linköping spielt jetzt noch: Vittsjö (A), Mallbacken (A), Eskilstuna (H).

Rosengård: Eskilstuna (H), Piteå (A), Mallbacken (H).

FC Rosengård – Kristianstads DFF 2:1

Die Saison ist eröffnet. Im einzigen Samstagsspiel gewann Meister FC Rosengård gegen die in dieser Saison wohl eher in der unteren Hälfte einzusortienden „Lokalrivalen“ aus dem nicht weit entfernten Kristianstad mit 2:1.

Das erste Tor der neuen Saison schoss eine gewisse Marta Vieira da SilvaJohanna Rasmussen glich beinahe im Gegenzug überraschend aus, bevor dann die Niederländerin Lieke Martens mit einem möglicherweise von Marta abgefälschten Schuss das Siegtor in der ersten Halbzeit markierte. Dass Martens Schuss abgefälscht wurde, daran besteht kein Zweifel, auf den Livebildern des neuen Dienstes http://www.damallsvenskan.tv jedoch war nicht zu erkennen, wer exakt den Ball abgefälscht hat. Sollte es, wie mir schien, Marta gewesen sein, wäre der Treffer wegen Abseits irregulär. Die Rosengårdspielerinnen reagierten auch zweifelnd und jubelten erst, als ganz klar wurde, dass die Unparteiische das Spiel mit Anstoß für Kristianstad fortsetzen würde.

Überzeugend war das 4-1-4-1 System, das der dänische Trainer Jack Majgaard Jensen spielen ließ, noch keineswegs. Und Glück hatte man, dass Kristianstads Amanda Edgren in der Nachspielzeit den Ball nicht im leeren Tor unterbringen konnte.

Dort stand ansonsten die 33-Jährige Sofia Lundgren, die ihren Vertrag wohl auf ie komplette Saison 2016 ausdehnen wird. Denn Neueinkauf Erin McLeod zog sich bekanntermaßen im ersten Spiel für den neuen Arbeitgeber nach nur zehn Minuten einen neuerlichen Kreuzbandanriss zu und wird 1-2 Jahre (!!!) ausfallen. Rückkehr möglicherweise erst mit 35. Da Ehefrau Ella Masar auch einen Vertrag in Malmö bekam, wird McLeod nach Vernehmen ihre Reha in Schweden absolvieren. Olympia 2016 in Brasilien ist eh gelaufen für die Kanadierin. Wie man hört, wird bald Zecira Musovic ieder fit sein und dann beginnt ein interessanter Konkurrenzkampf zwischen Jung und Älter.

Auch in der zweiten Liga (Elitettan) wurden die ersten Begegnungen absolviert. Favorit Limhamn Bunkeflo lag mit 0:2 in Alingsås gegen Holmalund zurück, drehte das Spiel aber noch und gewann ,it 3:2. Absteiger AIK,. dem 14 Spielerinnen abhanden gingen con 2015 zu 2016, siegte 3:1 gegen Aufsteiger Sundsvall und das von der Brasilianerin Elaine Moura trainierte Älta (Außenbezirk von Stockholm) verlor gegen Kungsbacka DFF (aus der Nähe von Göteborg) mit 0:1. Morgen greift Damallsvenskanabsteiger und Wiederaufstiegstopfavorit Hammarby ins Geschehen ein. Man spielt auswärts bei QBIK in Karlstad.

ffschweden im Gespräch mit: Stephanie Labbé

labbe_stephanie_4415Wenn es nach den Spielerinnen der Damallsvenkan geht, dann ist Stephanie Labbé aus Kanada die beste Torhüterin der Liga 2014. Die Jury der Fotbollsgalan, die überwiegend aus Mitarbeiterinnen des schwedischen Fußballverbands besteht, entschied sich mit Hedvig Lindahl wenig überraschend für eine Spielerin aus dem eigenen Stall. Aber Labbé hatte wesentlichen Anteil daran, dass ihr Verein KIF Örebro sich auf dem zweiten Platz wiederfand, als die Saison abgeschlossen wurde.

In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit, mich mit der 28-Jährigen Kanadierin ausgiebig zu unterhalten.

Drei Jahre lang spielte „Steph“, wie sie von ihren Freunden und Mannschaftskameradinnen genannt wird, für Piteå IF im hohen Norden und da bin ich Labbé auch zum ersten Mal begegnet, als wir vor dem Spiel gegen KIF Örebro (!) gemeinsam einer Schülerin den ersten Preis in einem Aufsatzwettbewerb überreichten – eine Reise zu einem Sprach- und Fußballcamp nach Deutschland, das mit dem Einlauf der Preisträgerinnen im Berliner Olympiastadion endete, als die WM 2011 eröffnet wurde.

2012 wechselte Stephanie von Piteå zu Örebro. Piteå hatte sich für die Australierin Lydia Wiliams entschieden, die sich gleich in ihrem ersten Spiel das Kreuzband riss. In Stephanie Labbés erstem Ligaspiel für KIF hagelte es eine bittere 0:7-Pleite in Tyresö, dem Team, das alle als Favoriten für die Meisterschaft tippten und für das Marta, Vero Boquete, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist und viele mehr spielten. Die ganze Saison 2012 wurde ein Kampf gegen den Abstieg für Örebro, das in den Jahren zuvor immer in der oberen Hälfte rangiert hatte.

Ich habe mich gefragt, inwieweit diese schlimme Niederlage symbolisch und bestimmend für eure Saison 2012 war?

„Nagtürlich war das nicht einfach,“ sagt mir Stephanie Labbé. Als wir miteinander skypen, befindet sie sich gerade in ihrem Heimatort Stony Plain in Alberta, unweit von Edmonton. Jeweils nach Saisonende kehrt Labbé immer zu ihrer Familie zurück.

„Das erste Spiel der Saison so hoch zu verlieren, ist natürlich eine große Enttäuschung, aber auf der anderen Seite ist die Saison auch ziemlich lang und vieles kann sich ändern. Als wir in das Spiel gingen, wussten wir, dass es nicht einfach werden würde, weil die einfach so ein starkes Team hatten. Für mich war es ok, dass das Spiel hinter uns lag, wir versuchten, nicht so sehr daran zu denken.“

Ein anderes Beispiel ist, dass ihr zu Anfang dieser Saison im Pokal bei Meister Rosengård gewonnen habt und die ganze Saison fantastisch verlief, vielleicht ist doch was dran, dass ein erstes Spiel so oder so eine Saison formen kann?

„Ich bin sicher, dass das einen mentalen Effekt haben kann. Du kannst auf der einen Seite einen guten Start haben und dein Selbstvertrauen ist ganz oben oder eben einen schlechten Start und dein Selbstvertrauen sackt runter. Ich finde aber, das wir 2012 eine Menge Probleme hatten: Verletzungen, keine sonderlich gute Bank, Sperren, das waren alles Faktoren, die eine Rollge gespielt haben. Ich finde es ziemlich hart zu sagen, dass das Spiel die ganze Saison dominiert hat. Ich denke, dass es sicher einen Effekt hatte auf uns, aber da war noch vieles andere, mit dem wir in diesem Jahr nicht richtig fertig wurden. In diesem Jahr hatten wir auch Verletzungen und auch Sperren, aber wir hatten eine viel stärkere Bank und Spielerinnen, die von der Bank in die Startelf gehen konnten und trotzdem behielten wir das hohe Niveau und das hatten wir einfach nicht vor zwei Jahren.“

In dieser Saison habt ihr unglaubliche neun Spiele in Serie gewonnen und dabei 21:5 Tore gemacht. Trainer Rickard „Rille“ Nilsson war in allen drei Spielzeiten der Coach. Wie hat er dieses Team gebaut, das mit einer guten Defensive anfing, aber inzwischen auch nach vorne eine starke Spielidee hat.

„Das hat Rickard schon im ersten Jahr versucht, bei uns zu verankern. Und ich glaube, dass es da noch zu schwierig für uns war, das umzusetzen und unsere Identität im Spiel zu finden. Vielleicht haben wir zu viel darüber nachgedacht, was genau er sagte, wir waren nicht in der Lage, auch mal zu improvisieren. In dieser Saison aber haben wir seine Struktur verinnerlicht und wir waren alle imselben Film. Und wenn du erst mal soweit gekommen bist, dann kannst du manchmal auch den Plan verlassen und mehr kreativ werden und deine individuellen Stärken und Schwächen zeigen. Im ersten Jahr waren wir vielleicht zu sehr auf die genaue Taktik fixxiert, so dass wir nicht wir selbst sein konnte.

Rickard hat dieses Team verändert und auch die Mentalität, mit der wir ins Spiel gehen, das ist so anders. In jedem Spiel, das wir heute machen, wissen wir genau, was wir tun müen, wie wir spielen müssen, um das andere Team zu knacken. Er hat wirklich einen tollen Job gemacht und analysiert jeden Gegner für sich.“

Die Truppe von KIF Örebro ist sehr international. Mit Stephanie und der kanadischen Abwehrspielerin Marie-Eve Nault, den finnischen Nationalspielerinnen Susanne Lehtinen, Annika Kukkonen und Sanna Talonen, den tschechischen Zwillingen Irene und Lucie Martinkova und den nigerianischen Spielerinnen Ogonna Chukwudi und Sarah Michael kommen neun von elf Spielerinnen aus der Anfangsformation aus dem Ausland.

Wie siehst du diese internationale Truppe, Stephanie?

„Naja, zunächst mal sprechen wir sehr viel Englisch und das ist natürlich gut für mich,“ lacht die Kanadierin.

„Ich glaube wirklich, dass dieser Mix aus Spielerinnen ein großer Teil des Charakters dieser Mannschaft ist. Wie du gesagt hast, wir haben so viele Nationalspielerinnen und wir haben so einen ungeheuer guten Zusammenhalt dieses Jahr. Ich glaube wirklich, dass alle im selben Film sind und dass wir alle dasselbe wollten. Und alle bringen verschiedene Stile mit. Die beiden Nigerianerinnen zum Beispiel, die spielen einfach anders als alle anderen und das gilt auch für die tschechischen Mädchen. Die spielen ganz anders als alle andern. Ich würde das auch gern über uns Kanadierinnen sagen., Wir spielen anders als die Schwedinnen und zusammen sind wir in der Lage unsere Verschiedenheit dem Team zunutze zu machen.“

Steph rettet vor Göteborgs Sara Lindén

Steph rettet vor Göteborgs Sara Lindén

Die tollen Leistungen Labbés sind in ihrer Heimat nicht unbemerkt vorbeigegangen. Jahrelang „nur“ die Nummer 3 hinter Erin McLeod und Karina LeBlanc ist Stephanie so nah wie noch nie dran an der Startelf Kanadas und das acht Monate vor der WM. Ende Oktober spielte Kanada zweimal daheim gegen Japan und in der zweiten Begegnung gegen den Weltmeister im BC-Park, dem Stadion des WM-Finales in Vancouver (05.07.2015) spielte Labbé von Angfang an.

„Das war ungeheuer für mich gegen Japan von Anfang an spielen zu dürfen, eines der besten Teams der Welt. Das Vertrauen zu erhalten, dieses Spiel zu spielen. Ich denke, ich bin jetzt so gut wie noch nie zuvor und zur Zeit verbessere ich mich enorm und habe sehr viel Selbstvertrauen. Das Vertrauen von anderen auf diesem Level zu bekommen, das ist großartig. Es war fantastisch, da raus zu gehen und gegen die zu spielen. Und ich denke, das ich auch zeigen konnte, wo meine Stärken sind und was ich dem kanadischen Team bringen kann.“

Das Spiel endete 2:3 aus kanadischer Sicht. Zur Zeit wird viel disskutiert über Rasen oder Kunstrasen und mehr als 40 Spielerinnen, darunter Abby Wambach, Lotta Schelin und Anja Mittag, haben einen Aufruf unterschrieben und es läuft sogar eine Klage gegen den kanadischen Staat und die FIFA.

Egal, was du jetzt sagst, wird falsch sein, aber natürlich interessiert mich deine Meinung?

„Das ist wirklich eine sehr heikle Frage,“ sagt Stephanie Labbé. „Natürlich will doch jede Fußballspielerin auf Naturgras spielen, auf einem perfekten Naturrasen. Aber es ist nun mal wie es ist. Ich trainiere und spiele das ganze Jahr auf Kunstrasen, für mich ist das nur eine mögliche Ablenkung von meinem ganz persönlichen Ziel: ich will 2015 bei der WM die Torhüterin der kanadischen Startelf, egal ob ich da auf Naturrasen oder Kunstrasen stehen werde. Für mich ist diese Frage nicht der Fokus. Ich will alles tun, um in die Truppe zu kommen und die Nummer 1 zu werden, auf Naturgras oder nicht, das spielt für mich keine Rolle.“

Wirst du denn auch 2015 wieder für KIF Örebro spielen und sozusagen im Herbst in der Champions League die Früchte dieses Jahres ernten?

„Im Moment habe ich mit niemandem einen Vertrag, ich untersuche meine Möglichkeiten. Es gibt eine Reihe von Angeboten, natürlich würde ich gerne nach Örebro zurückkommen und Champions Leage spielen, zumal ich das immer mal tun wollte. Aber was Spielen vor der WM angeht, sind diese Chancen sehr gering bzw. gleich null. Ich bin in der Form meines Lebens und ich will die Nummer 1 für Kanada sein. Und es geht ja nicht nur darum, dass das eine WM ist, sie ist auch noch in meiner Heimat und das kannst du nur einmal im Leben erleben.“

In Örebro gibt es derweil Gerüchte, dass die zurückgetretene schwedische Nationaltorhüterin Kristin Hammarström ein Comeback machen könnte. Wenn, dann sicher in Örebro wo sie mit ihrem Freund und dem gemeinsamen Kind wohnt.

Als ich Stephanie nach der Wichtigkeit der WM im nächsten Jahr für den kanadischen Frauenfußball frage, träumt sie von einer kanadischen Profiliga: „Ich denke, die WM ist sehr wichtig. Man spürt schon jetzt die Energie, wenn wir unterwegs sind. So viele Leute kommen zu den Testspielen und sagen, dass sie es kaum erwarten können, dass es Juni wird und endlich losgeht. Es ist wirklich unheimlich toll zu sehen, wie die kleinen Kinder zu uns aufschauen und wie begeistert sie von der WM sind. Unser Graswurzel-Förderprogramm ist sehr wichtig für unsere Zukunft. Wie sie da sagen, wir brauchen mehr Christine Sinclairs, die es durch das System schaffen. Ich glaube, dass die WM eine gigantische Plattform für das Jugendprogramm sein wird.“

„Und ich hoffe auch, dass wir in den nächsten drei Jahren in Kanada unsere eigene kanadische Profiliga bekommen werden. Das ist der nächste Schritt und wir brauchen den. Weil wir brauchen, dass die Leute uns täglich oder besser wöchentlich sehen können. Sie müssen unsere Gesichter sehen und unsere Namen hören. Im Moment hören sie, dass wir im Ausland spielen, sie hören, dass wir un der NWSL in den USA spielen. Das reicht aber nicht, um den Sport vollständig zu verinnerlichen. Ich glaube, dass eine eigene Profiliga großartig für unseren Sport wäre.“

Zu guter Letzt. Nach sechs Jahren in Schweden, gibt es etwas, das du in Schweden kennen gelernt hast und ohne dass du nicht mehr sein möchtest?

„Ich will nicht ohne „Fika“ leben. Das ist ganz sicher. Das ist wirklich etwas, das ich liebe, Ich liebe es, dass die Schweden sich am Tag ganz einfach ein wenig Zeit nehmen können, sich hinsetzen und einen Kaffee trinken und miteinander reden. Hier in Kanada läuft das mehr so ‚Ah, du willst einen Kaffee?‘. Und dann gehst du schnell und kaufst dir einen zum Mitnehmen und hetzt zurück zu deiner Arbeit. Ich finde es toll, dass die Schweden einen Schritt zurück machen können und sich eine Stunde oder wie lange es auch dauert Zeit füreinander nehmen, um die Gesellschaft der anderen zu genießen.“

Konkurs angemeldet: Zweitligatabellenführer Dalösjöfors vor dem Aus

Vor zweieinhalb Wochen habe ich berichtet, dass Zweitliga(süd)tabellenführer Dalsjöfors GoIF in ernsthaften finanziellen Problemen steckt. Am Donnerstag reichten die Verantwortlichen beim zuständigen Amtsgericht in Borås einen Konkursantrag ein.

Nun muss sehr bald ein noch nicht vorhandener Sponsor kommen und die ca. 150.000 € aufbringen, die dem Klub fehlen, um sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen. Die Hoffnung allerdings dürfte gering sein.

Wie es nun weitergeht, ist noch ungewiss. Sicher dürfte sein, dass die beiden kanadischen Nationalspielerinnen Erin McLeod und Melissa Tancredi nicht mehr ins beschauliche Borås zurückkehren nach den Olympischen Sommerspielen.

Ob am 30.07. um 19.00 Uhr eine Mannschaft beim Schlusslicht Kenty antritt oder ob die Söderettan mit elf Vereinen zu Ende gespielt werden muss, wird sich vermutlich in den nächsten beiden Wochen zeigen. Wir bleiben wie immer am Ball. Ein Ausstieg inmitten der Saison würde nicht nur Dalsjöfors, sondern dem Sport an sich großen Imageschaden zufügen.

Dalsjöfors spielt immer besser und verliert weiter

Mit Erin McLeod, Emily Zurrer, India Trotter und Sandra Krantz standen alle Neuverpflichtungen auf dem Platz und trugen dazu bei, dass der Tabellenletzte aus Borås (Dalsjöfors ist ein Stadtteil) bei der 0:2 Niederlage gegen Tabellenführer und Meister Malmö sein „bestes Spiel“ (Joakim Carlsson) dieser Saison machte.

Nilla Fischer und Katrine Veje sorgten für die Tore beim Comeback von Therese Sjögran, die in dieser Saison bislang für den knapp am Playoff der WPS gescheiterten FC Sky Blue gespielt hatte.

Dalsjöfors Trainer Joakim Carlsson verbreitet dank des guten Spiels und trotz weiterer Niederlagen Zweckoptimismus. Um 21 Punkte würde noch gespielt werden und davon müsse man 18 gewinnen, dann habe man eine realitische Chance auf den Klassenerhalt.

Mit anderen Worten muss sein Team also sechs von noch sieben ausstehenden Spielen gewinnen. Kein Problem, wenn man in 15 Begegnungen nicht ein einziges hat für sich entscheiden können. Die nächsten beiden Gegner sind Linköping (A) und der nächste Gast in der Borås Arena ist der Tabellenzweite Umeå IK.

 

Almgrens frühes Tor entscheidend

Johanna Almgren

2287 Zuschauer (bei freiem Eintritt) besuchten am Samstagnachmittag die Borås Arena. Neuer Rekord für den Aufsteiger im Westderby gegen Vizemeister Kopparbergs/Göteborgs FC. Das Spiel war nach vier Minuten bereits entschieden, nach Pass von Jenny Hallstensson erzielte die knapp am WM-Kader vorbeigeschlitterte Johanna Almgren das 1:0 für die Gäste.

Und die Damallsvenskan hat einen neuen Torwartstar. Die Kanadierin Erin McLeod zeigte auch gestern wieder ihre Klasse und verhinderte in der ersten Halbzeit einen deutlicheren Rückstand. Dann wurde es etwas besser für den Aufsteiger, bei dem auch Neuzugang India Trotter erstmals im linken Mittelfeld aktiv war. Aber am Ende standen dann doch wieder 0 Punkte auf dem Habenkonto und der nächste Gegner daheim heisst LdB FC Malmö, der Tabellenführer.

Göteborgs Trainer Torbjörn Nilsson zu Göteborgs Posten: „Unsererseits das schlechteste Spiel des Jahres, aber schön trotzdem mit vollem Pott nach Hause zu fahren. Wir bekommen jetzt einen schönen Herbst, weil wir weiterhin um die Meisterschaft spielen, wir können das Finale des schwedischen Pokals erreichen und am Dienstag wird die Champions League ausgelost.“

Dalsjöfors sucht weiter

Heute, nein es ist ja schon spät:), gestern landeten Erin McLeod und Emily Zurrer auf schwedischem Boden und kamen nach Borås zu ihren neuen Mannschaftskameradinnen von Dalsjöfors GoIF. Tabellenletzter der schwedischen Damallsvenskan, fast hoffnungslos hinten liegend, denken alle. India Trotter, die dritte neue Spielerin, ist diese Nacht (Zeitverschiebung) auf dem Abschlussfest ihres Clubs Atlanta Beat, spielt nochmal am Wochenende und kommt dann nächste Woche nach Schweden.

Aber damit nicht genug. Irgendjemand muss Geld gefunden haben in Borås oder endlich hat jemand die Sponsoren und potentiellen Geldgeberm von denen es in der Versandhaushauptstadt Schwedens und der Stadt des Firmensitzes der superdupererfolgreichen Kleiderkette Gina Tricot eigentlich genug gibt.

In dieser Woche trainiert die 35-Jährige Stürmerin Sandra Krantz mit der Mannschaft. Krantz spielte bis vor einigen Wochen und seit vielen Jahren beim ehemaligen Erstligisten Falköping, überwarf sich jedoch mit dem neuen Trainer Slavko Melic und verliess den Verein. Krantz selber sagte zu Radio Skaraborg, dass sie eigentlich davon ausgegangen sei, dass diese Saison für sie gelaufen sei, aber nun wollen beide Parteien am Freitag entscheiden, ob Sandra Krantz bald schon für Dalsjöfors stürmen wird, das angeblich mit einer weiteren ausländischen Spielerin im Gespräch ist.

Hammarby dagegen, der andere Abstiegskandidat, hat bislang lediglich die Amerikanerin Katie Kelly verpflichtet, die Kanadierin Kaylyn Kyle reist munter durch Kanada und scheint nun doch nicht nach Schweden zu kommen.

Mindestens den finanziell klammen Stockholmer Verein könnte Dalsjöfors mit seiner gestärkten Truppe noch einholen und damit wenigstens die rote Laterne abgeben, ob es reicht, die Klasse zu erhalten, bezweifeln wir noch wider besseren Wissens.

Halbzeit

Die Hälfte der Saison ist vorbei  Schweden. Mit der 1:4-Heimniederlage von Linköping gegen Tyresö haben nun alle Teams jeweils elf Begegnungen absolviert. Am Samstag geht es schon weiter in einer Liga, die Aufwind verspürt nach dem dritten Platz der Nationalmannschaft bei der WM und in der eine ganze Reihe von Vereinen das am Montag geöffnete Transferfenster ausnützt, um sich vor der Rückrunde, die mit den Spielen gegen die Gegner des 11. Spieltags am Samstag beginnt,

Die Kurzanalyse für alle Vereine:

Sara Björk Gunnarsdottir

Ldb FC Malmö: Trotz der Abgänge von Therese Sjögran (kommt nach der WPS-Saison zurück), Kathryn Gill und Pavlina Scasna weiterhin Spitze. Mit Manon Melis hat man eine der weltbesten Stürmerinnen. Malmö hat nicht nur Geld, sondern macht auch was damit. Exzellentes Scouting: Alle nationalen und internationalen Talente sind gut ausgewählt. Sara Björk Gunnarsdottir und Annika Kukkonen etwa. Jetzt kommt mit der Dänin Katrine Veje ein weiteres Grosstalent und nach dem Ende der WPS wohl auch Caroline Seger.

 

 

Umeå IK: Trainer Blomqvist sprach beim Auftaktmeeting davon, dass Umeå Top 3 sein will. Nach der Hälfte der Saison sind sie zweiter und haben Tuchfühlung nach ganz oben. Mit Ramona Bachmann und Sofia Jakobsson ist der Angriff vielleicht noch einen Tick besser besetzt als bei Malmö. Aber der Gesamtkader spricht für den Meister. Mit Umeå jedoch ist wieder zu rechnen. Tendenz klar positiv. Negativ: Ausmusterung von Anna Paulson, das war taktlos und unnötig.

Sarah Michael (Foto: Mikael Sundberg/Skillnad AB)

KIF Örebro: Der neue Trainer Mikael Fahlén hatte versprochen, dass man endlich mal versuchen wolle, attraktiven Fussball zu spielen. Das hat nicht unbedingt geklappt, am Anfang sah es unverändert aus. Örebro hat seit einigen Jahren eine stabile Truppe, Sara Larsson und Sarah Michael sind hervorragende Neuzugänge. KIF wird ein sehr unangenehmer Gegner bleiben.

Tyresö FF: Ursprünglich mein Meisterschaftsfavorit. Mit einer imponiernden Startformation. Aber man kann Erfolg nicht kaufen und man muss Teams erst einmal einspielen. Hatte ein gefährliches Zwischentief, das wahrscheinlich den Titel gekostet hat. Kann aber nun nach drei Siegen in Folge und 10:1 Toren Richtung Platz 3 marschieren, ohne 100% überzeugt zu haben.Sportchef Hans Löfgren droht abzuheben und wird sicher alles tun, das Team nächste Saison noch einmal deutlich zu verstärken.

Kopparbergs/Göteborg: Viele glaubten, dass Torbjörn Nilssons Team Malmö ernsthaft Konkurrenz machen könnte. Aber ein Fehlstart und zuletzt die Niederlage gegen Örebro haben das verhindert. Auch Göteborg ist weit von den Champions League Plätzen weg, darf aber im Herbst erstmals in der Königsklasse spielen. Verstärkt mit der Norwegerin Ingvild Stensland, die nach Ausflug nach Lyon wieder in ihre zweite Heimat zurückkehrt. Ob sie wieder fit ist, wird sich zeigen.

Kristianstads DFF: Wieder gut gestartet, wieder mit einem Tief ab dem Sommer, aber die Verpflichtung der Schweizerin Sandra Betschart und vor allem der Klassedänin Johanna Rasmussen sollten spielerisch wieder Auftrieb geben für die isländische Filiale in Skåne. Torhüterin Hedvig Lindahl heiratet Ende August und sucht noch Spielideen sowie eine Band, die auf der Hochzeit spielt. Die beiden Fehlgriffe gegen Japan zu kritisieren, findet sie oberflächlich.

Djurgården: Fünf Siege und nichts mit dem Abstieg zu tun. Mit Emma Lundh und Mia Jalkerud ein Sturmduo, das Torinstinkt hat und auch trifft, insgesamt elf Mal bisher. Das ist gut für ein im Prinzip zusammengewürfeltes Team, das von der Vereinsführung nicht strategisch ausgesucht wurde. Dora Maria Larusdottir zieht im Mittelfeld inzwischen die Fäden und Gudbjörg Gunnarsdottir kocht für alle, ist DJ und inzwischen auch Führungsfigur. Mal sehen, ob das Geld reicht. Sicherer Mittelfeldplatz.

Linköpings FC: Achter Platz. Katastrophe. Linköping spielte selbst im  Meisterjahr langweiligen Fussball, aber immerhin erfolgreich. Mit Trainer Pettersson verschwand jedoch der Erfolg. Das Team steht am Scheideweg, denn ie professionelle Organisation und die Investitionen verlangen nach Siegen. Wird weiterdümpeln, aber wenn sich hier nichts ändert, sollte sich die eine oder andere Spielerin mit dem Gedanken tragen, wegzugehen.

Jitex BK: Das die zweite Saison für einen Aufsteiger oft schwieriger ist als die erste, bewahrheitet sich nicht unerwartet bei Jitex. Letzte Saison konnten sie noch viele überraschen mit ihrem geradlinigen, schnörkellosen, kampfbetonten Spiel, in dem die begrenzten spielerischen Möglichkeiten optimal ausgenutzt wurden, dieses Jahr ist das anders. Jitex bleibt aber in der Liga und im Clubhaus sollten sie schon mal nachdenken, was für nächste Saison zu tun ist. Riesentalent: Fridolina Rolfö.

Stephanie Labbé

Piteå IF: Dürfte eigentlich mit seinem Kader nicht da stehen, vier Punkte vor dem Abgrund. Aber die Verletzungen von Keeperin Stephanie Labbé und Faith Ikidi haben das Team verunsichert. Am Sonntag beim Rückspiel bei Djurgården sind mit Melissa Tancredi und Carmelina Moscato zwei weitere kanadische Nationalspielerinnen dabei. Das müsste für den Klassenerhalt reichen.

 

 

 

Mami Yamaguchi

Hammarby DFF: In der schwedischen Frauenfussballszene gelten sie als die Unabsteigbaren. Der von Tyresö gekommene Trainer Tino Katsoulakis wollte ein spielendes Team machen aus den Grünweissen und hat nun doch erkennen müssen, dass alleine der Kampf Punkte bringen kann. Nach vorne noch harmloser als im Vorjahr. Zwei Tore in elf Spielen. Selbst bei Aufsteiger Dalsjöfors konnte man nicht gewinnen. Jetzt wird schnell schnell auf dem Transfermarkt zugeschlagen, aber eher unprofessionell. Das geht nicht gut. Hammarby ist 2012 in der Norrettan trotz einer internationalen Klassetorhüterin wie der Finnin Minna Meriluoto.Sensationsverpflichtung Mami Yamaguchi hätte es bei einem anderen Club vielleicht in die Weltmeistersmannschaft geschafft.

Dalsjöfors GoIF: Nach 2:44 Toren und mit nur einem Punkt aus elf Spielen hoffnungslos am Ende. Das wird nichts mehr, auch wenn wohl schon am Samstag gegen Tyresö Kanadas Erin McLeod im Tor steht und Emily Zurrer neben Alex Singer in der Abwehr. Riesentalent: Mimmi Löfwenius. Aber Dalsjöfors sollte schon mal heimlich für die Söderettan planen.

 

 

 

 

Zurrer zu Dalsjöfors

Mit Emily Zurrer ist nun bereits die vierte Kanadierin nach der Fussbal-WM nach Schweden vermittelt worden. 2010 spielte die 24-Jährige Abwehrspielerin bereits in der Bundesliga bei der SG Essen-Schönebeck, absolvierte neun Spiele ehe ihr Vertrag vom Verein aufgelöst wurde. Grund waren keinesfalls fehlende Leistung, sondern die Tatsache, dass Emily Zurrer wegen zahlreicher Lehrgänge der kanadischen Nationalmannschaft zu oft fehlte. Insgesamt 48mal hat sie für Kanada gespielt, u.a. zuletzt in allen drei Gruppenspielen bei der WM.

Emily Zurrer soll erstmals am 13. August beim Auswärtspiel in Örebro zum Einsatz kommen. „Ich bin zu der Auffassung gelangt, dass Emily eine stabile, defensiv starke Abwehrspielerin mit gutem Kopfballspiel ist. Damit wird auch die Konkurrenz in der Abwehr grösser. Dass sie Erin [McLeod] kennt und dass die beiden eingespielt sind, sehe ich als Vorteil,“ sagte Trainer Joakim Carlsson der Webseite von Dalsjöfors GoIF.

Vonseiten des Vereins wurde betont, dass noch eine Mittelfeldspielerin und eine Stürmerin hinzukommen sollen.

 

Dalsjöfors verliert und freut sich

Am zehnten Spieltag setzte es die neunte Niederlage. Gestern Nachmittag verlor Dalsjöfors daheim in der Boras Arena mit 1:3 gegen KIF Örebro, das durch seinen Auswärtssieg zumindest vorübergehend auf Platz 3 vorrückte.

Aber beim Aufsteiger verbreitet man dennoch gute Laune. Der neue Trainer Joakim Karlsson, der das Team schon vergangenes Jahr betreute und mit ihm den Aufstieg schaffte zur Zeitung Boras Tidning: „Es ist niemals schön, zu verlieren, aber es machte Spaß zu sehen, dass die Mädchen Fußball spielen wollten und nicht den Ball wegtreten sobald sie ihn bekommen.“

Fast zwanzig Minuten lang spielte Dalsjöfors mit hohem Pressing gegen Örebro und erspielte sich tatsächlich Torchancen, meistens waren Mimmi Löfwenius und Rebecca Johnson daran beteiligt.

Dann aber setzte sich das routinertere Team aus der Landschaft Närke doch immer stärker in Szene und kam durch Edda Gardarsdottir zur 1:0 Pausenführung, die Marie Hammarström (genau die mit dem Hammer im Spiel um Platz 3) auf 2:0 kurz nach der Halbzeit ausbauen konnte.  Die 17-Jährige Mimmi Löfwenius erzielte dann nach Pass von Klara Lindberg ihr zweites Saisontor (gleichzeitig das zweite Tor in der jungen Erstligageschichte von Dalsjöfors), ehe Marina Pettersson den alten Abstand wiederherstellte.

Ein sicherer Sieg für die Gäste, die aber dennoch ein Team verliessen, dass wieder einmal neue Hoffnung geschöpft haben will und dass trotz einer Niederlage und obwohl man zum Ende der Hinrunde kommende Woche noch ohne die kanadische Nationaltorhüterin Erin McLeod zu Tyresö FF reisen muss.

Erin McLeod kommt nach Schweden

Bei der EM haben lediglich Kanada und Äquatorial-Guinea alle Spiele verloren. Im Falle Kanadas war das sicher unerwartet und eine grosse Enttäuschung. Ab dem 01.08. spielen vier Kanadierinnen in der schwedischen Damallsvenskan. Die 28-Jährige Torhüterin Erin McLeod wechselt nach Angaben ihres Agenten für den Rest der Saison nach Schweden.

Die Spielerinnen in Borås können sich schon mal auf musikalische Darbietungen freuen: