ffschweden im Gespräch mit: Susanna Lehtinen

Wird auch 2015 wieder ein Jubeljahr für KIF Örebro?

Wird auch 2015 wieder ein Jubeljahr für KIF Örebro?

80 Länderspiele hat Susanna Lehtinen für Finnland gemacht und gerade bereitet sie sich auf ihre achte Saison für KIF Örebro vor, eine Saison in der sie erstmals Champions League spielen wird. Vergangene Woche hatte ich Gelegenheit, mich mit der 31-Jährigen Außenverteidigerin zu unterhalten.

In den vier Wochen in der Vorbereitung auf die Saison, die am Wochenende nach Ostern beginnt, hat KIF Örebro zwei Vorbereitungsspiele absolviert, gegen eine Jungenmannschaft Jahrgang 1998 und gegen den Ligarivalen Hammarby, die Begegnung endete 1:1. Wie sieht es im Kader aus?

„Bis auf Ogonna Chukwudi sind jetzt alle Spielerinnen zurück und das ist natürlich wichtig,“ sagt Susanna Lehtinen.

Ein Teil eures Erfolgs im letzten Jahr ist sicher darauf zurückzuführen, dass ihr doch über mehrere Jahre lang mit einem sehr ähnlichen Kader gespielt habt. Nun aber haben Stephanie Labbé, Annika Kukkonen, Lucie und Irene Martinkova den Verein verlassen und ihr müsst fast das komplette Mittelfeld neu einspielen. Wie denkst du darüber?

„Natürlich ist das eine Veränderung und wir müssen uns einspielen, aber unsere Neuzugänge Carola Söberg, Hanna Folkesson und Lisa Dahlkvist sind allesamt routinierte Kräfte und ich gehe davon aus, dass sie sich leicht integrieren lassen.“

Der zweite Platz im Vorjahr war ein bisschen unerwartet für die Experten, wir hatten euch natürlich in der oberen Hälfte der Tabelle gesehen, aber nicht gedacht, dass ihr so renommierten Teams wie Kopparberg/Göteborgs FC und Linköpings FC den Champions-League-Platz wegschnappen würdet. Wieso habt ihr das geschafft?

„Wie du schon gerade gesagt hast, so haben wir eine Mannschaft, die lange zusammengespielt hat. Wir hatten absolut kein Glück. Nach der letzten Trainingswoche 2013 und ab da haben wir intensiv an Details in unserem Spiel arbeiten können. Wir hatten ja schon immer eine ordentliche Defensive und konnten darauf aufbauen.“

Über KIF Örebro haben mir andere Spielerinnen im Laufe der Jahre immer wieder gesagt, dass es sehr schwer ist, gegen euch zu spielen, aber auch, dass ihr einen ziemlich langweiligen Fußball spielt. Ich habe euch in der zweiten Hälfte der letzten Saison mehrmals im Stadion gesehen und kann sagen, dass ihr jetzt einen sehr schönen Fußball spielt, in dem sich die verschiedenen Mannschaftsteile harmonisch ergänzen. Was ist passiert?

„Es ist jetzt einfach so, dass wir heute mehr Ballbesitz haben als früher und wir wollen den Ball auch im Angriff behalten,“ erklärt Susanne Lehtinen. Und sagt mir nochmals, dass man an sehr vielen Details im Spiel gearbeitet habe.

Sprecht ihr schon mal über die Champions League, die im Herbst auf euch wartet?

„Nein, ehrlich gesagt machen wir das nicht. Das ist einfach noch so weit weg, wir konzentrieren uns auf die Saison, die jetzt kommt und bemühen uns, dass wir unser Spiel zum Laufen bringen.“

Was müsst ihr denn noch verbessern?

„Vor allem das Spiel im klassischen letzten Dritten, da können wir noch besser und gefährlicher werden.“

Ihre Nationalmannschaftskarriere hat die 31-Jährige am Ende der Saison 2014 ebenso beendet wie Mannschaftskameradin und Landsmännin Sanna Talonen. Kein gemeinsamer Beschluss, versichert sie mir.

„Das nächste große Turnier für Finnland ist frühestens 2017 [EM in den Niederlanden], also dachte ich, dass dies ein guter Zeitpunkt zum Aufhören ist und dass ich mich ganz auf den Vereinsfußball konzentriere. Jetzt kommen auch ganz viele junge Frauen aus dem Jahrgang 1994, der bei der WM in Kanada dabei war und wenn man sich die aktuelle Truppe anschaut, die Trainer Andrée Jeglertz für das Länderspiel gegen Schweden in der nächsten Woche nominiert hat, dann muss ich zugeben, dass ich viele von denen gar nicht kenne. Es ist eine gute Gelegenheit für Andrée jetzt eine neue Mannschaft aufzubauen.“

Susanna Lehtinen kennt man als Außenverteidigerin auf der rechten Seite, aber früher, in den USA, als sie für die Florida Atlantic spielte, da war sie mal eine sehr offensive Mittelfeldspielerin und machte 17 Tore und 29 Vorlagen in 60 Spielen. Aber jetzt bist und bleibst du Abwehrspielerin?

„Ich habe jetzt schon sehr lange in der Abwehr gespielt und fühle mich da auch sehr wohl. Aber in der Tat wurde ich erst in der finnischen Nationalmannschaft zur Abwehrspielerin und war auch bei KIF zuerst im Mittelfeld. Die Erfahrung von anderen Positionen ist etwas, das mir als Abwehrspielerin nutzt.“

Susanna ist neben Elin Magnusson und Marina Pettersson Engström nun die dienstälteste Spielerin bei KIF Örebro, folglich gefällt es ihr in der100.000-Einwohnerstadt, gut zwei Zugstunden von Stockholm entfernt.

Spürt ihr irgendeine Art von Druck jetzt als Vizemeister, sind die Erwartungen höher als 2014?

„Naja, wenn man sich das reine Ergebnis anschaut, gibt es da nur noch einen Platz, um den man sich verbessern könnte,“ beginnt Susanna Lehtinen.

„Aber ganz so einfach ist das nicht. Wir müssen realistisch sein und das Wichtigste ist, wie ich schon gesagt habe, dass unser Spiel funktioniert und dann werden wir wie letztes Jahr ein Spiel nach dem anderen sehen und am Ende schauen, wo wir stehen.“

Wie schon 2014 heißt der erste Gegner in einem Wettbewerbsspiel FC Rosengård. Vor Jahresfrist gewann man im schwedischen Pokal mit 2:1 in Malmö, jetzt kommt der Meister nach Örebro zum Ligaauftakt. Susanna weiß nicht recht, was sie davon halten soll, findet dann aber, dass man halt sehen wird, wie weit man in der Vorsaison gekommen ist.

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ffschweden im Gespräch mit: Stephanie Labbé

labbe_stephanie_4415Wenn es nach den Spielerinnen der Damallsvenkan geht, dann ist Stephanie Labbé aus Kanada die beste Torhüterin der Liga 2014. Die Jury der Fotbollsgalan, die überwiegend aus Mitarbeiterinnen des schwedischen Fußballverbands besteht, entschied sich mit Hedvig Lindahl wenig überraschend für eine Spielerin aus dem eigenen Stall. Aber Labbé hatte wesentlichen Anteil daran, dass ihr Verein KIF Örebro sich auf dem zweiten Platz wiederfand, als die Saison abgeschlossen wurde.

In der vergangenen Woche hatte ich Gelegenheit, mich mit der 28-Jährigen Kanadierin ausgiebig zu unterhalten.

Drei Jahre lang spielte „Steph“, wie sie von ihren Freunden und Mannschaftskameradinnen genannt wird, für Piteå IF im hohen Norden und da bin ich Labbé auch zum ersten Mal begegnet, als wir vor dem Spiel gegen KIF Örebro (!) gemeinsam einer Schülerin den ersten Preis in einem Aufsatzwettbewerb überreichten – eine Reise zu einem Sprach- und Fußballcamp nach Deutschland, das mit dem Einlauf der Preisträgerinnen im Berliner Olympiastadion endete, als die WM 2011 eröffnet wurde.

2012 wechselte Stephanie von Piteå zu Örebro. Piteå hatte sich für die Australierin Lydia Wiliams entschieden, die sich gleich in ihrem ersten Spiel das Kreuzband riss. In Stephanie Labbés erstem Ligaspiel für KIF hagelte es eine bittere 0:7-Pleite in Tyresö, dem Team, das alle als Favoriten für die Meisterschaft tippten und für das Marta, Vero Boquete, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist und viele mehr spielten. Die ganze Saison 2012 wurde ein Kampf gegen den Abstieg für Örebro, das in den Jahren zuvor immer in der oberen Hälfte rangiert hatte.

Ich habe mich gefragt, inwieweit diese schlimme Niederlage symbolisch und bestimmend für eure Saison 2012 war?

„Nagtürlich war das nicht einfach,“ sagt mir Stephanie Labbé. Als wir miteinander skypen, befindet sie sich gerade in ihrem Heimatort Stony Plain in Alberta, unweit von Edmonton. Jeweils nach Saisonende kehrt Labbé immer zu ihrer Familie zurück.

„Das erste Spiel der Saison so hoch zu verlieren, ist natürlich eine große Enttäuschung, aber auf der anderen Seite ist die Saison auch ziemlich lang und vieles kann sich ändern. Als wir in das Spiel gingen, wussten wir, dass es nicht einfach werden würde, weil die einfach so ein starkes Team hatten. Für mich war es ok, dass das Spiel hinter uns lag, wir versuchten, nicht so sehr daran zu denken.“

Ein anderes Beispiel ist, dass ihr zu Anfang dieser Saison im Pokal bei Meister Rosengård gewonnen habt und die ganze Saison fantastisch verlief, vielleicht ist doch was dran, dass ein erstes Spiel so oder so eine Saison formen kann?

„Ich bin sicher, dass das einen mentalen Effekt haben kann. Du kannst auf der einen Seite einen guten Start haben und dein Selbstvertrauen ist ganz oben oder eben einen schlechten Start und dein Selbstvertrauen sackt runter. Ich finde aber, das wir 2012 eine Menge Probleme hatten: Verletzungen, keine sonderlich gute Bank, Sperren, das waren alles Faktoren, die eine Rollge gespielt haben. Ich finde es ziemlich hart zu sagen, dass das Spiel die ganze Saison dominiert hat. Ich denke, dass es sicher einen Effekt hatte auf uns, aber da war noch vieles andere, mit dem wir in diesem Jahr nicht richtig fertig wurden. In diesem Jahr hatten wir auch Verletzungen und auch Sperren, aber wir hatten eine viel stärkere Bank und Spielerinnen, die von der Bank in die Startelf gehen konnten und trotzdem behielten wir das hohe Niveau und das hatten wir einfach nicht vor zwei Jahren.“

In dieser Saison habt ihr unglaubliche neun Spiele in Serie gewonnen und dabei 21:5 Tore gemacht. Trainer Rickard „Rille“ Nilsson war in allen drei Spielzeiten der Coach. Wie hat er dieses Team gebaut, das mit einer guten Defensive anfing, aber inzwischen auch nach vorne eine starke Spielidee hat.

„Das hat Rickard schon im ersten Jahr versucht, bei uns zu verankern. Und ich glaube, dass es da noch zu schwierig für uns war, das umzusetzen und unsere Identität im Spiel zu finden. Vielleicht haben wir zu viel darüber nachgedacht, was genau er sagte, wir waren nicht in der Lage, auch mal zu improvisieren. In dieser Saison aber haben wir seine Struktur verinnerlicht und wir waren alle imselben Film. Und wenn du erst mal soweit gekommen bist, dann kannst du manchmal auch den Plan verlassen und mehr kreativ werden und deine individuellen Stärken und Schwächen zeigen. Im ersten Jahr waren wir vielleicht zu sehr auf die genaue Taktik fixxiert, so dass wir nicht wir selbst sein konnte.

Rickard hat dieses Team verändert und auch die Mentalität, mit der wir ins Spiel gehen, das ist so anders. In jedem Spiel, das wir heute machen, wissen wir genau, was wir tun müen, wie wir spielen müssen, um das andere Team zu knacken. Er hat wirklich einen tollen Job gemacht und analysiert jeden Gegner für sich.“

Die Truppe von KIF Örebro ist sehr international. Mit Stephanie und der kanadischen Abwehrspielerin Marie-Eve Nault, den finnischen Nationalspielerinnen Susanne Lehtinen, Annika Kukkonen und Sanna Talonen, den tschechischen Zwillingen Irene und Lucie Martinkova und den nigerianischen Spielerinnen Ogonna Chukwudi und Sarah Michael kommen neun von elf Spielerinnen aus der Anfangsformation aus dem Ausland.

Wie siehst du diese internationale Truppe, Stephanie?

„Naja, zunächst mal sprechen wir sehr viel Englisch und das ist natürlich gut für mich,“ lacht die Kanadierin.

„Ich glaube wirklich, dass dieser Mix aus Spielerinnen ein großer Teil des Charakters dieser Mannschaft ist. Wie du gesagt hast, wir haben so viele Nationalspielerinnen und wir haben so einen ungeheuer guten Zusammenhalt dieses Jahr. Ich glaube wirklich, dass alle im selben Film sind und dass wir alle dasselbe wollten. Und alle bringen verschiedene Stile mit. Die beiden Nigerianerinnen zum Beispiel, die spielen einfach anders als alle anderen und das gilt auch für die tschechischen Mädchen. Die spielen ganz anders als alle andern. Ich würde das auch gern über uns Kanadierinnen sagen., Wir spielen anders als die Schwedinnen und zusammen sind wir in der Lage unsere Verschiedenheit dem Team zunutze zu machen.“

Steph rettet vor Göteborgs Sara Lindén

Steph rettet vor Göteborgs Sara Lindén

Die tollen Leistungen Labbés sind in ihrer Heimat nicht unbemerkt vorbeigegangen. Jahrelang „nur“ die Nummer 3 hinter Erin McLeod und Karina LeBlanc ist Stephanie so nah wie noch nie dran an der Startelf Kanadas und das acht Monate vor der WM. Ende Oktober spielte Kanada zweimal daheim gegen Japan und in der zweiten Begegnung gegen den Weltmeister im BC-Park, dem Stadion des WM-Finales in Vancouver (05.07.2015) spielte Labbé von Angfang an.

„Das war ungeheuer für mich gegen Japan von Anfang an spielen zu dürfen, eines der besten Teams der Welt. Das Vertrauen zu erhalten, dieses Spiel zu spielen. Ich denke, ich bin jetzt so gut wie noch nie zuvor und zur Zeit verbessere ich mich enorm und habe sehr viel Selbstvertrauen. Das Vertrauen von anderen auf diesem Level zu bekommen, das ist großartig. Es war fantastisch, da raus zu gehen und gegen die zu spielen. Und ich denke, das ich auch zeigen konnte, wo meine Stärken sind und was ich dem kanadischen Team bringen kann.“

Das Spiel endete 2:3 aus kanadischer Sicht. Zur Zeit wird viel disskutiert über Rasen oder Kunstrasen und mehr als 40 Spielerinnen, darunter Abby Wambach, Lotta Schelin und Anja Mittag, haben einen Aufruf unterschrieben und es läuft sogar eine Klage gegen den kanadischen Staat und die FIFA.

Egal, was du jetzt sagst, wird falsch sein, aber natürlich interessiert mich deine Meinung?

„Das ist wirklich eine sehr heikle Frage,“ sagt Stephanie Labbé. „Natürlich will doch jede Fußballspielerin auf Naturgras spielen, auf einem perfekten Naturrasen. Aber es ist nun mal wie es ist. Ich trainiere und spiele das ganze Jahr auf Kunstrasen, für mich ist das nur eine mögliche Ablenkung von meinem ganz persönlichen Ziel: ich will 2015 bei der WM die Torhüterin der kanadischen Startelf, egal ob ich da auf Naturrasen oder Kunstrasen stehen werde. Für mich ist diese Frage nicht der Fokus. Ich will alles tun, um in die Truppe zu kommen und die Nummer 1 zu werden, auf Naturgras oder nicht, das spielt für mich keine Rolle.“

Wirst du denn auch 2015 wieder für KIF Örebro spielen und sozusagen im Herbst in der Champions League die Früchte dieses Jahres ernten?

„Im Moment habe ich mit niemandem einen Vertrag, ich untersuche meine Möglichkeiten. Es gibt eine Reihe von Angeboten, natürlich würde ich gerne nach Örebro zurückkommen und Champions Leage spielen, zumal ich das immer mal tun wollte. Aber was Spielen vor der WM angeht, sind diese Chancen sehr gering bzw. gleich null. Ich bin in der Form meines Lebens und ich will die Nummer 1 für Kanada sein. Und es geht ja nicht nur darum, dass das eine WM ist, sie ist auch noch in meiner Heimat und das kannst du nur einmal im Leben erleben.“

In Örebro gibt es derweil Gerüchte, dass die zurückgetretene schwedische Nationaltorhüterin Kristin Hammarström ein Comeback machen könnte. Wenn, dann sicher in Örebro wo sie mit ihrem Freund und dem gemeinsamen Kind wohnt.

Als ich Stephanie nach der Wichtigkeit der WM im nächsten Jahr für den kanadischen Frauenfußball frage, träumt sie von einer kanadischen Profiliga: „Ich denke, die WM ist sehr wichtig. Man spürt schon jetzt die Energie, wenn wir unterwegs sind. So viele Leute kommen zu den Testspielen und sagen, dass sie es kaum erwarten können, dass es Juni wird und endlich losgeht. Es ist wirklich unheimlich toll zu sehen, wie die kleinen Kinder zu uns aufschauen und wie begeistert sie von der WM sind. Unser Graswurzel-Förderprogramm ist sehr wichtig für unsere Zukunft. Wie sie da sagen, wir brauchen mehr Christine Sinclairs, die es durch das System schaffen. Ich glaube, dass die WM eine gigantische Plattform für das Jugendprogramm sein wird.“

„Und ich hoffe auch, dass wir in den nächsten drei Jahren in Kanada unsere eigene kanadische Profiliga bekommen werden. Das ist der nächste Schritt und wir brauchen den. Weil wir brauchen, dass die Leute uns täglich oder besser wöchentlich sehen können. Sie müssen unsere Gesichter sehen und unsere Namen hören. Im Moment hören sie, dass wir im Ausland spielen, sie hören, dass wir un der NWSL in den USA spielen. Das reicht aber nicht, um den Sport vollständig zu verinnerlichen. Ich glaube, dass eine eigene Profiliga großartig für unseren Sport wäre.“

Zu guter Letzt. Nach sechs Jahren in Schweden, gibt es etwas, das du in Schweden kennen gelernt hast und ohne dass du nicht mehr sein möchtest?

„Ich will nicht ohne „Fika“ leben. Das ist ganz sicher. Das ist wirklich etwas, das ich liebe, Ich liebe es, dass die Schweden sich am Tag ganz einfach ein wenig Zeit nehmen können, sich hinsetzen und einen Kaffee trinken und miteinander reden. Hier in Kanada läuft das mehr so ‚Ah, du willst einen Kaffee?‘. Und dann gehst du schnell und kaufst dir einen zum Mitnehmen und hetzt zurück zu deiner Arbeit. Ich finde es toll, dass die Schweden einen Schritt zurück machen können und sich eine Stunde oder wie lange es auch dauert Zeit füreinander nehmen, um die Gesellschaft der anderen zu genießen.“

Zu viele Ausländerinnen in der Damallsvenskan?

Pia Sundhage hat sich aufgeregt. Das tut sie eigentlich oft und gerne und das macht sie auch sympathisch, das sie Gefühle zeigt und voll bei der Sache ist. Manchmal allerdings frage ich mich inzwischen, ob sie sich nicht ein wenig zurückhalten sollte, zumindest in den Medien.

Denn die schnappen dankbar jede Silbe der angehenden Ehrendoktorin, Gastprofessorin, Frau des Jahres 2012, Welttrainerin des Jahres und was weiß ich nicht noch alles, auf.

Am Donnerstagabend war sie wie ich auf dem Malmö IP und sprach anschließend wie immer frank und frei ins Mikrofon der Reporter von Sydsvenska Dagbladet. Dass sie mal besser nichts gesagt hätte, war ihr dabei aber offenbar schon selber klar, denn: „Das jetzt sollte ich eigentlich nicht sagen,“ begann Sundhage ihre Ausführungen und echauffierte sich darüber, dass sie zu einem Champions-League-Spiel käme und alles, was sie als Nationaltrainerin beobachten könnte, wären drei Spielerinnen bei Malmö und eine Spielerin des Gegners.

In der Tat begann Malmö die Begegnung mit nicht weniger als acht Ausländerinnen: Thora Helgadottir, Ali Riley, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Manon Melis, Ramona Bachmann, Anja Mittag.

Bei Olympique Lyonnais dagegen standen in der Anfangsformation nicht weniger als neun Französinnen und lediglich Lara Dickenmann und Lotta Schelin haben einen ausländischen Pass.

Eines ist klar. Pia Sundhage hat sich nicht darin einzumischen, wie die Vereine ihre Kader bestücken und welchen Pass die Spielerinnen haben. Und wenn sie in dem oben genannten Interview sagt, dass alles noch vor 5-6 Jahren (bevor sie zuerst nach China und dann in die USA ging) anders gewesen wäre, dann muss sie eigentlich besser als viele andere wissen, dass sich Frauenfußball in 5-6 Jahren enorm entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.

„In Lyon werden ausländische Spielerinnen nur dann verpflichtet, wenn ihre Qualität definitiv besser ist als das, was man auf dem franösischen Markt bekommen kann“, schrieb mir gestern ein Fan aus Frankreich via Twitter.

In Schweden, und da hat Sundhage Recht, ist das augenscheinlich nicht der Fall, auch wohl nicht in Deutschland.

Ich habe mir die aktuellen Kader in der Damallsvenskan angesehen und komme auf folgende Liste ausländischer Spielerinnen. Es sind 66 Spielerinnen. Sie verteilen sich auf: 1. Finnland 9, 2. Island, Nigeria, USA je 7, 5. Dänemark, Holland je 5 und auf zwölf weitere Länder. Bei den Vereinen liegt Malmö klar vorn.

10 LdB FC Malmö: Thora Helgadottir, Ali Riley, Paula Radtke, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt, Yoreli Rincon, Ramona Bachmann, Manon Melis, Anja Mittag

7 Tyresö FF: Line Röddik Hansen, Meghan Klingenberg, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Vero Boquete, Christen Press, Marta

7 KIF Örebro: Stephanie Labbé, Marie-Eva Nault, Susanna Lehtinen, Irena Martinkova, Lucie Martinkova, Sanna Talonen, Sarah Michael

7 Kristianstads DFF: Brett Maron, Sif Atladottir, Nicole Sykes, Gudny Odinsdottir, Margret Lara Vidarsdottir, Johanna Rasmussen, Lorca van de Putte

6 Vittsjö GIK: Lois Geurts, Kendall Fletcher, Ifeoma Dieke, Mandy van den Berg, Kirsty Yallop, Jane Ross

6 Piteå IF: Lydia Williams, Faith Ikidi, Hallbera Gisladottir, Anna Westerlund, June Pedersen, Francesca Ordega

5 Kopparberg/Göteborgs FC: Camille Levin, Anita Asante, Yael Averbuch, Cathrine Dyngvold, Jodie Taylor

4 Linköpings FC: Marianne Gajhede, Renée Slegers, Pernille Harder, Linda Sällström

4 Umeå IK: Katrin Jonsdottir, Ogonna Chukwudi, Rita Chikwelu, Tuija Hyyrynen

4 Sunnanå SK: Carys Hawkins, Helene Ukaonu, Annika Kukkonen, Perpetua Nkwocha

3 Mallbacken: Kaitlynn Fraine, Maija Saari, Hayley Lauder,

3 Jitex BK: Minna Meriluoto, Annica Sjölund, Leena Puranen

Sällström schlug wieder zu

Eine tolle Überschrift des finnischen Fußballverbands Suomen Palloliitto zum heutigen Spiel um Platz 5 beim Zypern-Cup. Linda Sällström schoss ihr fünftes Tor im vierten Spiel, verwandelte dann noch einen Elfmeter, aber die 7:8 Niederlage gegen Südkorea konnte die zweifache Fußballerin des Jahres nicht verhindern.

In der 53. Minute ging Finnland in Führung durch die 23-Jährige, die für Linköping spielt und durch das fünfte Tor die beste Torschützin des gesamten Turniers wurde  Emmi Alanen, die nicht nur Fußballnationalspielerin ist, sondern in ihrer Jugend eine vielversprechende Ringerin war, hatte wieder einmal die Vorlage geliefert.

Nur drei Minuten später stand es jedoch 1:1, als Yun Hee Cha mit ihrem Treffer alles wieder offen gestaltete. Trainer Andrée Jeglertz sagte, dass einige seiner Spielerinnen offenbar müde gewesen seien. Im unmittelbar nach 90 Minuten erfolgenden Elfmeterschießen verwandelten alle Spielerinnen, ehe Unglücksrabin Susanna Lehtinen aus Örebro den entscheidenden Elfmeter verschoss,

Finnland spielte mit fast derselben Elf, die am Samstag mit 3:1 gegen die Schweiz gewonnen hatte, lediglich Tinja-Riikka Korpela anstelle von Minna Meriluoto im Tor und statt Leena Puranen im Mittelfeld mit Sanna Talonen.

Andrée Jeglertz war mit dem Turnier und dem sechsten Platz zufrieden. „Heute war die Müdigkeit besonders in der zweiten Halbzeit zu sehen. Aber wir haben in diesen zehn Tagen mehr über unsere Schwächen und Stärken gelernt, das war eine gute Vorbereitung auf unser EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei am 31.03.“