Damallsvenskan 2016 – der Tipp

22097780245_a3de16deea_k

Zwei Spielerinnen, die auch 2016 von sich reden machen dürften: Natalie Björn (hier noch AIK, jetzt Eskilstuna United) und Natasa Andonova (FC Rosengård)

Der FC Rosengård ist auch 2016 Topfavorit auf den Meistertitel in Schweden. Während der Saison 2015 gingen Anja Mittag und Ramona Bachmann, aber der übrig gebliebene Stamm plus die neu geholten Gaelle Engamanouit, Natasa Andonova und Lieke Martens geben der Mannschaft dennoch ausreichend Spitzenkompetenz, um mehr oder minder einsam an der Spitze zu kreisen. Zu rechnen ist überdies damit, dass Star Caroline Seger nach dem Ende der Saison in Frankreich zum FC Rosengård hinustösst, wo nicht nur die besten Rahmenbedingungen herrschen, sondern mit Therese Sjögran auch Segers BFF als Sportchefin tätig ist. Ausserdem lebt die Familie der 30-Jährigen unweit von Malmö.

Ich sehe nur ein Team, das Rosengård herausfordern kann und das ist der Vorjahresvierte Linköpings FC. Dort ist zwar die legendäre Charlotte Rohlin in Fussballerinnenrente gegangen, sie wird aber problemlos ersetzt durch Magdalena Ericsson. Die 22-Jährige, die in der Nationalmannschaft Linksverteidigerin spielt, wird von Coach Martin Sjögren (bester Trainer der Liga?) in die Mitte neben der routinierten Dänin Janni Arnth eingesetzt. Sjögren hat sich entschieden, auf 4-3-3 als Spielsystem zu setzen. Im Angriff haben die jungen Pernille Harder, Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius bereits in den Testspielen ordentlich hingelangt und selbst als Rolfö wegen Verletzung ausfiel, sorgte die Norwegerin Kristine Minde für Torjubel. Im Mittelfeld hat man mit der filigranen Technikerin Claudia Neto und Renée Slegers zwei exquisite Spielerinnen. Linköping wird Zweiter und erreicht sein Saisonziel Champions League.

Platz drei geht an den Viemeister von 2015. Eskilstuna United hat etliche Schlüsselspielerinnen durch Karriereende (Petra Larsson und Sofie Persson) verloren und die Kamerunerin Gaelle Engamanouit an den schärfsten Konkurrenten Rosengård. Aber Coach Victor Ericsson hat interessante Neuverpflichtungen geholt. Vor allem Marija Banusic könnte bei ihm den Durchbruch schaffen. Er hat bereits Olivia Schough zu neuen Karrierehöhen verholfen. Ausserdem holte Ericsson zwei AIK-Talente mit Petra Andersson und Natalie Björn. Björn habe ihm am meisten imponiert, sie sei schon jetzt eine Führungsspielerin, sagte Ericsson am Rande des Medienauftaktes der Damallsvenskan. Dennoch reicht das „nur“ zu Platz 3.

Dahinter wird es schwierig. Der Vorjahresdritte Piteå IF hat Pauline Hammarlund an Göteborg abgeben müssen, Hanna Pettersson og sich bei einem der ersten Trainings einen neuerlichen Kreuzbandriss zu. Aber mit Felicia Karlsson könnte Piteå einen Glücksgriff getan haben. Die vielleicht schnellste Stürmerin der Liga (Linda Sällström?) hat einen Durchbruch längst verdient und könnte ihn bei Stellan Carlsson schaffen, der schon Hammarlund und Emilia Appelqvist veredelt hat. Ich sehe Piteå knapp auf Platz vier vor Kopparberg/Göteborgs FC, das immer um den Titel mitspielen will, sich dann aber doch nicht entsprechend verstärkt. Die Niederländerinnen Manon Melis, Lieke Martens und Danielle van de Donk haben den Club verlassen, mit Pauline Hammarlund und Elin Landström hat man zwei grosse Talente geholt. Das Team ist jünger und wieder wird es nicht für die Champions League reichen. Platz 5. Sollte Lotta Schelin zurückkehren, wie Gerüchte besagen, dann könnte sie Göteborg doch noch ein wenig weiter nach oben bringen, aber wohl kaum in die Champions League.

Vittsjö GIK hat sich nach zwei mittelmässigen Spielzeiten enorm verstärkt. Mit Katie Fraine holte man die beste Torhüterin der Liga aus Linköping und die Nigerianerin Ngozi Okobi wirbelte bei der WM in Kanada 2015 die schwedische Abwehr nach Belieben durcheinander. Schaun mer mal, ob sie das auch in der Liga schaffen wird. Hinzu kamen eine weitere Nigerianerin, die Finnin Emmi Alanen und die physisch starke Clara Markstedt. Platz sechs sollte keine Utopie sein, wenn das Trainerduo unter der Führung von Thomas Mårtensson das Team zügig einspielen kann.

Für KIF Örebro bleibt dann nur Rang 7 übrig. Hanna Folkesson absolvierte 2015 kein einziges Spiel für den ehemaligen Vizemeister und Lisa Dahlkvist verliess ihren Mutterclub, um mit Caroline Seger wesentlich lukrativer das PSG-Mittelfeld zu bespielen. Ende des Jahres hagelte es Rücktritte. Elin Magnusson, Sanna Talonen und Susanna Lehtinen hingen die Fussballschuhe an den Nagel und werden enorm fehlen. Das Gefüge im Team verändert sich. Hinzu kommt, dass die Nigerianerin Sarah Michael einen Kreuzbandriss erlitt und man deshalb schnell die 34-Jährige Melissa Tancredi aus Kanada holte. Interessant zu sehen wird, inwieweit Mittelfelddiamanttalent (ein neues Wort…) Michelle De Jongh weiter von sich reden machen wird. Ein Interview mit ihr kommt in der nächsten Woche.

Achter in der Liga ist dann die einstige Fussballgrossmacht Umeå IK, die längst auf dem Boden der finanziellen Realitäten angekommen ist. Immerhin konnte man Nationalspielerin Jenny Hjohlman behalten und auch Supertalent Lina Hurtig. Letztere ist allerdings noch verletzt, aber zu mehr als Platz acht reicht das nicht. Zu unbeständig war das Team 2015, was der mangelnden Routine und auch der fehlenden Breite im Kader geschuldet ist.

Elisabet Gunnarsdottir ist schon im achten Jahr Trainerin von Kristianstads DFF und gestern hat ihr Team ganz gut ausgeschaut bei Meister Rosengård, was allerdings an einer eher indiskutablen Leistung der Gastgeber in Malmö lag. Die finanziellen Probleme haben Gunnarsdottir zu einer erheblichen Verjüngung des Kaders gezwunfen, mehr als Platz neun ist damit leider nicht drin.

Aufsteiger Djurgården schafft es trotz interessanter Neuverpflichtungen nur knapp, in der Liga zu bleiben. Gegen Linköping erlitt man eine knallende 1:6-Niederlage, es hätte auch zweistellig ausgehen können und ich sah nur wenig Erstklassiges. Die Paraden von Gudbjörg Gunnarsdottir, die wieder dabei ist. Die Innenverteidigerinnen Sheila van den Bulk und Petronella Ekroth sind solide, aber nicht erstklassig. Das ist dafür das zentrale Mittelfeld mit Emilia Appelqvist und Katrin Schmidt. Vorne sollen Mia Jalkerud, Alexandra Höglund und Madeleine Stegius alles richten, verstärkt durch die Portugiesin Carolina Mendes. 

Mallbacken schaffte es letztes Jahr um Haaresbreite, ein Tor besser als Hammarby, die Klasse zu erhalten. In diesem Jahr hat man Mimmi Larsson an Eskilstuna abgeben müssen. Die Neuverpflichtungen, u.a. mit Kirsty Yallop aus Vittsjö sind solide, aber es reicht leider nicht aus. Möglich wird es, wenn man es schafft, zu Hause den Heimvorteil mehrfach zu nutzen. Ein Spiel in Mallbacken ist etwas Besonderes, das haben mir schon viele Spielerinnen anderer Clubs erzählt.

Kvarnsveden hatte kein Geld, nach dem Aufstieg etablierte Spielerinnen aus der ersten Liga zu holen. Stattdessen gab es nur vier Neue aus der Elitettan. Superstar Tabitha Chawinga, die das Team mit ihren 42 Toren in 26 Spielen fast im Alleingang nach oben schoss, alleine kann es auch nicht richten. Chawinga wird sowieso heiss begehrt von allen anderen Clubs sein. Die 20-Jährige Malawierin hat sich dennoch 25 Tore zum Ziel gesetzt. Schafft sie das, dann hat Kvarnsveden eine Chance. Aber woher sollen die Bälle kommen?

Also, noch einmal zusammengefasst:

  1. FC Rosengård
  2. Linköpings FC
  3. Eskilstuna United
  4. Piteå IF
  5. Kopparbergs/Göteborg FC
  6. Vittsjö GIK
  7. KIF Örebro
  8. Umeå IK
  9. Kristianstads DFF
  10. Djurgården
  11. Mallbacken
  12. Kvarnsveden
Advertisements

Punktlos und ein Tor – Djurgården weiterhin Letzter

0:2, 0:2, 1:3, 0:1, 0:3. Mit nur einem erzielten Treffer liegt Djurgården weiterhin auf dem letzten Platz der Damallsvenskan. Bei den ebenfalls unter Erwartung gestarteten Kickerinnen von KIF Örebro verlor Djurgården am Samstag deutlich mit 0:3 und fing sich damit die höchste Saisonniederlage ein. Zum Nichabstiegsplatz 10, auf dem nach wie vor der heutige Gegner steht, beträgt der Abstand aber nun schon sechs beunruhigende Punkte.

Immerhin gab es in der zweiten Halbzeit einige Torchancen und vier Schüsse auf das von Stephanie Labbé gehütete Tor. Wie immer konnte sich Gudbjörg Gunnarsdottir bei Djurgården nicht über Arbeit beklagen. Mit nunmehr 37 gehaltenen Schüssen hat keine andere Keeperin der Damallsvenskan bislang so viel Arbeit gehabt wie die 26-Jährige Isländerin.

Das Problem bei solchen Statistiken ist, dass die Torhüterinnen, die sehr viel halten, meist auch viel reinbekommen. Denn oft steht halt ihre Abwehr ziemlich unter Druck. In Örebro trafen heute Elin Magnusson, Caroline Näfver und Marie Hammarström gegen das Stockholmer Team, das am nächsten Sonntag Umeå IK zu Gast haben wird.

Trainer Putte Eklöf sagte nach dem Spiel, dass man ja immer noch auf Spielerinnen warte, die in der Rekonvaleszenz seien – etwa Alexandra Höglund und Jessy Sharro, aber das ist die typische Rhetorik eines Trainers, der eigentlich wissen sollte, wie ernst es um sein Team bestellt ist, der es aber nicht sagen kann, will und darf. Denn sowohl von Höglund und Sharro, auch von Renée Slegers kann und wird man keine Wunder erwarten können. Das sind ordentlich begabte Spielerinnen – die bitter erforderliche Wende werden sie nicht herbeiführen können.

Djurgården wird in diesem Jahr Opfer seiner nicht vorhandenen Planung. Und natürlich der Tatsache, dass sich die Ressourcen massiv verschlechtert haben. Aber der Kader wurde auch seit langem nicht mehr wohlüberlegt zusammengestellt. Victoria Sandell Svensson war eine Weltklassespielerin, ob sie die Richtige war, den Posten einer Sportchefin zu bekleiden, darf bezweifelt werden. Im Jahr 1 nach dem Karriereende stand für Vickan erst mal die Familiengründung im Vordergrund, das ist akzeptabel, verständlich und nachvollziehbar. Man hätte aber eine erfahrene Position die Schwangerschaftsvertretung machen lassen müssen. Nun ist Svensson zurückgekehrt, aber ein Blick auf den Kader zeigt, dass da wenig von Planung zu sehen ist.

Man hat sich gleich mit vier Spielerinnen von Absteiger Hammarby eingedeckt, die vor allem in Stockholm bleiben wollten, aus privaten und beruflichen (nicht-fußballerischen) Gründen. Auch das ist legitim. Ein Erstliga-Club, der es bleiben will, sollte seine Positionen allerdings nach Notwendigkeiten und Zielen besetzen. In Ermangelung einer Nachfolgerin für Emma Lundh wird jetzt die 17-Jährige Madeleine Stegius vermutlich so lange in der Offensive verheizt, bis Jessica Landström kommt. Die wird die Niederlage ihres künftigen (und früheren) Vereins sicher auf ihrem Smartphone während der Busreise nach Potsdam mitbekommen haben.

Während Landström in Frankfurt zumindest davon träumen kann, für ein paar Minuten oder länger beim Champions-League-Finale in München eingesetzt zu werden, wird sie hier in Schweden einen gigantischen Rückstand aufholen müssen. Und so ist auch Landström das Beispiel einer Spielerin, die eher aus privaten, denn aus sportlichen Gründen wechselt. Kann man von dieser Art Spielerin dasselbe Engagement erwarten wie von einer Spielerin, die ihre Entscheidungen allein aus sportlichen Gesichtspunkten trifft?