Zurück aus Holland

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Österreichs Jubel nach dem entscheidenden Elfer von Sarah Puntigam gegen Spanien

Acht Tage habe ich in Rotterdam verbracht und von dort aus Spiele der EURO 2017 in Breda, Tilburg und Utrecht besucht. Und auch das „historische“ Viertelfinale der deutschen Mannschaft gegen Dänemark in Rotterdam.

Dominik Thalhammer hat am Tag nach dem Sieg seiner Österreicherinnen über Spanien gesagt: „Es ist der 31. Juli, Deutschland, Frankreich und Spanien packen die Koffer und wir bleiben hier.“

Ich würde noch Schweden ergänzen.

Drei Frauenfußballdinosaurier fuhren nach Hause und auch die mit viel Vorschusslorbeeren angereisten Spanierinnen konnten nur gegen Portugal zwei Tore in der ersten Halbzeit machen. Danach kam nichts mehr.

Wachablösung im Frauenfußball?

Schweden kam mit einer Trainerin, die in ihrem Berufsleben unheimlich viel für den Frauenfußball getan hat. Als Spielerin, als Trainerin und nicht zuletzt auch als Persönlichkeit. Pia Sundhage verkörpert heute noch für viele die Ideale des Frauenfußballs. Sie musste sich noch als Junge ausgeben, um Fußball spielen zu dürfen, sie gab nie auf, sie wurde Europameisterin 1984 (schoss den entscheidenden Elfmeter gegen England) und sie sagte vor gar nicht so langer Zeit, dass Frauen es niemals als selbstverständlich ansehen sollten, dass sie Fußball spielen. Denn wenn man sich zurücklehnen würde, käme jemand daher und würde die Errungenschaften wieder streichen. Das ist im Grunde nicht ganz abwegig, aber es verkennt dennoch die Weiterentwicklung des Sports und vieler Gesellschaften.

Frauenfußball ist nicht mehr abzuschaffen. Es gibt in den Internetforen in Deutschland, in Schweden und anderswo immer noch ewig Gestrige, die wollen, dass man den Frauenfußball abschafft. Aber leider wird es rechtsgerichtete und frauenfeindliche Dumpfbacken immer geben. In der breiten Gesellschaft ist der Sport jedoch längst angekommen und er enwtickelt sich weiter. Was nicht heißt, dass er zumindest zu unseren Lebzeiten niemals so groß sein wird wie der übermächtige Männerfußball in dem heute davon die Rede ist, dass PSG bis zu 500 Millionen € Ablöse für Neymar hinzublättern bereit ist.

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Lisa Dahlkvist (30) – macht Schweden jetzt den Generationswechsel?

Pia Sundhage hat große Verdienste, als Trainerin hat sie Schweden nicht weitergebracht und wenn wir ehrlich sind, auch die USA nicht. Die beiden Olympiasiege mit den Amerikanerinnen 2008 und 2012 sind natürlich großartig für den Lebenslauf, aber mit der US-Mannschaft konnte nicht viel schiefgehen und auch dort bereits hat Sundhage vor allem die alteingesessenen,. arrivierten Spielerinnen gefördert und immer spielen lassen. Christen Press kam erst nach dem Abgang Sundhages beim glücklosen Tom Sermanni zum Zuge und hat seitdem in 88 Spielen 43 Tore geschossen. Keine schlechte Quote.

Pia Sundhage hat in Schweden den notwenigen Generationswechsel nicht einmal begonnen. Die zentrale Linie mit Hedvig Lindahl (34), Nilla Fischer (33), Caroline Seger (32) und Lotta Schelin (33) ist in die Jahre gekommen und macht dennoch das Führungszentrum im schwedischen Fußball aus. An den Alten, zu denen sicher auch Lisa Dahlkvist (30) und Linda Sembrant (30) gehören, muss man vorbeikommen, wenn man einen dauerhaften Platz im Kader erreichen will.

Pausenclown Olivia Schough hat bis zum Ende der Gruppenphase spielen dürfen, obwohl sie sportlich nun wirklich nicht ins Team gehört. Nicht nur ihre missglückten Ecken gegen Deutschland sondern auch ihre fehlende Technik bei der Ballannahme und ihre zahlreichen Fehlpässe  dokumentieren, dass die wohl vor allem mitgenommen wurde und zur Lieblingsspielerin Pia Sundhages avancierte, weil sie durch ihre gute Laune und ihre wirklich sehr sympathische Art weite Teile des Teams bei Laune hielt.

Aber so kann man keine Mannschaft bauen, die um einen Titel spielen soll.

Erst im letzten Spiel gegen die Niederlande liess Sundhage das Stürmerduo Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius auflaufen, dass sich schon aus den Zeiten in Linköping kennt. Nun ist die eine in München und die andere in Montpellier (wo sie angeblich weg möchte), aber sie ergänzen sich nach wie vor gut. Gegen Holland musste „L8“ wie Schelin von ihren Fans geschrieben wird, dann zurück ins Mittelfeld und da gelang ihr nicht viel.

Überhaupt das Mittelfeld. Da war Kosovare Asllani noch die Beste, obwohl sie sich nachher wie ein kleines Kind über Schiedsrichterin Bibiane Steinhaus beschwerte, sogar noch am Tag nach dem Spiel. Steinhaus habe dem Druck des Publikums nicht standgehalten.

Wahr jedoch ist, dass der schwedischen Mannschaft durch ein jüngeres, technisch versierteres und schnelleres Team die Grenzen aufgezeigt wurden.

Schwedens neuer Coach Peter Gerhardsson hat keine leichte Aufgabe. Er muss das neue Schweden bauen, denn Sundhage hat wohlwissend, dass ihr Vertrag ausläuft wenig für die nähere Zukunft der schwedischen Nationalmannschaft getan. Gerhardsson muss aufräumen, muss Spielerinnen allmählich ersetzen. Bereits Ende Oktober wartet Dänemark in der WM-Qualifikation. Diese Gruppe wird man nicht so selbstverständlich gewinnen wie in all den Jahren zuvor Qualifikationen Spaziergänge waren.

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Theresa Nielsen hat in der 83. Minute das 2:1 für Dänemark geköpft und das Spiel gegen den haushohen Favoriten Deutschland gedreht

Deutschland. Soll Steffi Jones zurücktreten, gefeuert werden?

Ich habe auf Twitter Ariane Hingst geantwortet, dass es vielleicht gut sei, dass Deutschland verloren hat. Sie fragte zurück, wie das denn bitte schön gut sein könne und da sie nah dran ist und selber mal drin war im Team, verstehe ich das gut.

Aber ich bleibe dabei, dass es gut war. Gut für den Frauenfußball international, wo alle anderen Nationen aufatmen und sich freuen, dass endlich mal jemand anderes gewinnen wird. Gut aber auch für Deutschland.

Silvia Neid hat großartige Erfolge eingefahren und ihre Fußstapfen sind groß, der Erwartungsdruck war enorm.

Dabei hat Neid nach 2009 eigentlich schon einer Mannschaft vorgestanden, die sich spielerisch nicht mehr weiterentwickelte. 2009 besiegte man England in einem fulminanten EM-Finale mit 6:2. Irgendwann ging Kelly Smith, Eni Aluko und all den anderen die Puste aus und Inka Grings und Birgit Prinz powerten einfach weiter. Die Zeiten änderten sich.

2011 gab es eine eher klägliche WM nach extremen Erwartungen. Der dritte WM-Titel war selbstverständlich, sowieso im eigenen Land. Dritte Plätze waren nur etwas für Männer. Und man wollte 2011 von seiner schönsten Seite zeigen. Alles furchtbare Aussagen, die den  Verantwortlichen im Halse steckenblieben, als Karina Maruyama in der 108. Minute den Ball an Nadine Angerer vorbeispitzelte. Aus und vorbei das zweite Sommermärchen. Silvia Neid hatte grosse Fehler gemacht und ihr Team verunsichert, nicht zuletzt als sie ihrer Kapitänin Birgit Prinz das Vertrauen entzog und sie auf die Bank setzte.

2013 war dann alles wieder gut. War es? In Schweden holte sich Deutschland den sechsten EM-Titel in Folge. Am Ende zählen in der Geschichte nur die Titel und niemand fragt, wie sie zustande gekommen sind. Irgendwann sind dann auch die Zeitzeugen nicht mehr da oder erinnern sich nur noch dunkel und dann steht da eine Goldmedaille in der Liste.

Deutschland spielte Unentschieden (0:0) gegen die Niederland, schlug Island mit 3:0 und verlor gegen Norwegen mit 0:1. In allen drei darauffolgenden Spielen gab es 1:0-Siege nach eher mäßigem Spiel, im Finale waren die Norwegerinnen nicht in der Lage auch nur einen von zwei Elfmetern zu verwandeln. Trine Rønning und Solveig Gulbrandsen scheiterten nicht nur an Nadine Angerer, sie machten es der Keeperin mit sehr schlecht geschossenen Strafstößen auch leicht. Aber beim Fußball gibt es keine B-Note. Nur das Ergebnis zählt. Ende gut, alles gut.

Weiter nach Kanada 2015. Endstation Halbfinale als die USA einfach zu stark war und zum ersten Mal Niederlage gegen eine englische Mannschaft, die auch deutlich besser war als Deutschland. Dennoch war selbst der vierte Platz wieder akzeptabel und es gab erneut keinen Grund für Änderungen.

In Rio dann setzte Silvia Neid den Schlusspunkt einer unglaublichgen Erfolgsserie als Trainerin. Der erste Olympiassieg und der Aufstieg in den Olymp. Gottlob gibt es die schon erwähnte B-Note nicht und du musst gegen die Teams gewinnen, gegen die du spielen musst. Und wenn dir jemand anders die USA, Frankreich und Brasilien aus dem Weg räumt, was willst du machen? Die Leistung der deutschen Mannschaft war nicht überragend, man rumpelte gegen Australien (2:2) gerade noch zu einem Unentschieden, verlor gegen Kanada. Da spielten die deutschen Männer (den Vergleich hat der DFB-Frauenfußball vorher ins Spiel gebracht „Dritte Plätze sind nur was für Männer“) beim 7:1 gegen Gastgeber Brasilien zwei Jahre vorher schon anders auf. Gold gegen Lieblingsgegner Schweden am Ende. Glänzend.

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Dänemarks Coach Niels Nielsen: „Wir sind erst in 3-4 Jahren da, wo wir spielerisch hinwollen.“

Und dann kam Steffi Jones. Und Steffi ist nicht Silv. Wo vorher einige Spielerinnen fehlende Nestwärme beklagten gab es jetzt eine soziale Revolution mit einer Trainerin, die noch nie eine Mannschaft veranwortlich trainiert hatte, die aber als Persönlichkeit herausragend im internationalen Frauenfußball war und ist.

Man musste nicht mehr sitzenbleiben bis die Letzte fertig gegessen hatte, man durfte jetzt auch zu einer Pressekonferenz mit offenen Haaren kommen. Und nach schlechten Spielen gab die Trainerin nicht mehr die Enttäuschung über die Leistung ihrer Mannschaft kund, sondern übernahm selber Verantwortung.

Vielleicht ist Steffi zu nett für den Trainerjob? Vielleicht hat sie ihr nicht junges Team überschätzt? Sie billigte den Spielerinnen sehr viel Eigenverantwortung zu, ging von erwachsenen, selbstbewussten Individuen aus. Aber in den vier Spielen in den Niederlanden ging wenig zusammen. Fünf Tore. Drei Elfmeter und zwei eklatante Torwartfehler. Ansonsten versiebten Anja Mittag, Mandy Islacker und Co.

Die vielen Wechsel sahen auf dem Papier demokratisch aus. Denn alle 20 Feldspielerinnen kamen zum Einsatz. Aber sie schafften Unsicherheit. Ein so kompliziertes Gebilde wie eine Abwehr darf man nicht ständigen Umstellungen aussetzen.

Und mir gefiel auch nicht Steffi Jones‘ Körpersprache an der Seitenlinie. Da war zu viel Mitleiden, zu viel Mitfreuen und ein bisschen zu wenig Distanz. Ich glaube, dass man am Spielfeldrand (wo ich ja noch nie gestanden habe, also wer bin ich schon, das zu sagen…) eine Rolle zu spielen hat. Stärke und Sicherheit dann ausstrahlen muss, wenn man sieht, dass die Mannschaft das nicht empfindet. Und man muss vermutlich auch zumindest einmal so tun, als ob man sauer ist, wenn etwas weniger gut läuft.

Der dänische Trainer Niels Nielsen sagte nach dem Spiel zu mir, dass man vor dem Spiel darüber gesprochen hatte, dass die Deutschen eventuell in Führung gegen. Die sind sehr gut nach vorne, also das kann passieren, sagte er seinem Team. Leider sei es schnell passiert, danach aber gar nicht gut gelaufen. Er hätte vom Team erwartet, dass dann seine Führungsspielerinnen das schlechte Spiel stoppen und umdrehen. Und genau das hätten Pernille Harder und Simone Boye gemacht, weshalb er sehr stolz auf sie sei.

Wo waren die deutschen Führungsspielerinnen nach dem 1:1? Nach dem 1:2? Als das Spiel kippte.

Ich bin unsagbar enttäuscht von Dzsenifer Marozsan. Jahrelang wurde mir eingeredet, dass sie die beste Spielerin der Welt sei, worauf ich immer entgegnete, dass sie zwar hochtalentiert sei, aber noch nie gezeigt hätte, dass sie die Beste ist. Am Ende nach einem tollen Olympiafinale und einer guten Saison in Lyon begann ich zu glauben, dass die EURO 2017 das Turnier Marozsans wird. Nichts da. Sie versteckte sich, sie tauchte unter, ansatzweise schlug sie ein paar gute Bälle, aber die EURO wird nicht als ihr Turnier in die Fußballgeschichte eingehen. Wieder einmal nicht.

Das Turnier bislang ist das Turnier von Jackie Groenen, Lieke Martens, Jodie Taylor und, ja – Sarah Puntigam. 

Steffi Jones hat jetzt die schwere Bürde zu tragen, aber man muss ihr die Chance geben. Wie gesagt, seit 2009 befand sich Deutschland in einer Abwärtsbewegung spielerisch gesehen, die durch fleißig erarbeitete, aber nicht zuletzt auch glückliche Erfolge nicht so öffentlich wahrgenommen wurde.

Jones muss umbauen, sie will das Klima verändern (was richtig war und ist), sie will die Spielweise verändern (was richtig war und ist) und sie will Titel gewinnen (wovon das Team weit entfernt ist). Aber bis 2019 ist Zeit.

Spieltechnisch werden mindestens drei Spielerinnen dringend gesucht: schnelle, moderne Innenverteidigerinnen und jemand, der in die Fußstapfen von Birgit Prinz, Inka Grings und Celia Sasic treten kann.

Und, ach ja, eine Führungspersönlichkeit auch auf dem Spielfeld. Jemand, der das Ruder herumreissen kann, wenn es mal nicht läuft. Da war in NL niemand in der Lage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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La reine – die Königin verabschiedet sich

Lotta Schelin spielte am Abend ihr letztes Spiel für Olympique Lyon. Wegen einer leichten Verletzung am Oberschenkel wurde sie erst in der 77. Minute eingewechselt und die Lyon-Fans riefen „Lotta, Lotta, Lotta“ als sie an der Seitenlinie wartete.

Zu dem Zeitpunkt führte Olympique hochverdient mit 1:0 durch ein frühes Tor, das Pauline Bremer für Ada Hegerberg aufgelegt hatte. Das französische Team war in allen Belangen überlegen, versäumte es aber, den berühmten Sack zu schließen.

Und dann kam Alexandra Popps Ausgleichsköpfer. Ein Tor wie es außer ihr nur von Abby Wambach im Frauenfußball kommen konnte. Das war die 88. Minute. Unverdient, aber das ist Fußball., Verlängerung. Elfmeterschießen.

Ada Hegerberg schießt mutig den ersten Elfer und war dafür vielleicht doch noch zu jung. Almuth Schult kann problemlos halten.

Dann ist Schelin an der Reihe und ihre letzte Aktion für Olympique nach acht Jahren in Frankreich bringt den ersten Treffer im Elferschießen. Souverän ins Eck.

Am Ende verschießen Nilla Fischer und Elise Bussaglia und die Japanerin Saki Kumagai trifft zum zweiten Mal in ihrer Karriere entscheidend: 2011 im Alter von 20 gegen die USA im WM-Finale in Frankfurt und fünf Jahre später wieder entscheidend im UWCL-Finale gegen Wolfsburg.

Kumagai und Bremer die besten Spielerinnen auf dem Platz. Lotta Schelin weint hemmungslos, vor Freude, aber sicher auch, dass es so ein gutes Ende für sie gefunden hat. Und auch weil sie weiss, dass acht Jahre Lyon vorbei sind. Und dass sie nun noch mal nach Hause fährt, um die Koffer zu packen.

ERGÄNZUNG: Schelins vermeintlicher USA-Trip ist eine kleine UEFA-Ente. Frauenfußball ist oft nicht der Journalisten Herzangelegenheit. Der UEFA-Kollege schrieb, dass Schelin in die USA gehen würde, während man weder von Necib noch von Henry wisse, was aus ihnen wird. Schlecht nachgelesen hat der Kollege. Amandine Henry geht nach Portland zu Nadine Angerers Thorns und Louisa Necib heiratet bald und wird ihre Karriere nach den Olympischen Spielen in Rio beenden. Wir setzen (wieder) weiter auf Lotta in Göteborg.

Und die UEFA nährt das Gerücht, dass es vielleicht doch noch nicht nach Schweden gehen könnte. Im Live-Kommentar auf der Webseite liest man am Abend, dass es in diue USA gehen könnte. Wohin nicht. Aber wenn, dann wohl nur nach Seattle, vermute ich. Denn da spielt ihre gute Freundin Hope Solo, mit der Lotta in Göteborg zusammen gespielt hat. Und da ist auch die Ex-Lyonerin Megan Rapinoe. Vielleicht also doch noch eine Saison in den USA, bevor es nach Hause geht. Bei Freundinnen in der Hipsterstadt am Pazifik? Wir werden sehen.

Was Schelin groß macht. Ihre Persönlichkeit. Nach dem Spiel geht sie auf die andere Spielhälfte zu ihrer langjährigen Mannschaftskameradin Elise Bussaglia, die den alles entscheidenden Elfer für Wolfsburg versemmelt hat. Sagt ein paar Worte, nimmt sie in den Arm und drückt sie ganz fest. Dann eine schwedische Flagge um die Schultern geht es zu Nilla Fischer, die den ersten Wolfsburger Elfer verschossen hat. Sie schlingt die Flagge um sich und Fischer und es gibt eine wortlose Umarmung. Erst dann geht es zurück zu ihrer Mannschaft zum Feiern. Auch Louisa Necib tröstet Bussaglia.

Dass Lyon nach 120 Minuten und Elfmeterschioeßen hochverdient gewonnen hat, daran gibt es keinen Zweifel.

 

 

 

Deutschland praktisch Gruppensieger

Der angepeilte Gruppensieg ist der deutschen Mannschaft bei der Fussball-WM in Kanada kaum noch zu nehmen. Nach dem 1:1 gegen Norwegen in Ottawa müssten die Norwegerinnen schon die Elfenbeinküste mit 8:0 schlagen und Deutschland nicht über ein 1:0 gegen Thailand hinauskommen.

Es spricht also vieles dafür, dass Deutschland am Samstag, den 20. Juni um 16.00 Uhr Ortszeit dann zum dritten Mal im Lansdowne Stadion von Ottawa einlaufen wird. Gegner könnten dann die Niederlande, China, Kamerun, Schweden, Nigeria oder Australiern sein. Das Viertelfinale für den Sieger dieser Begegnung findet im knapp drei Stunden entfernten Montreal statt, wo auch ein eventuelles Halbfinale für Deutschland angesetzt würde. Erst zum Finale am 5. Juli müsste man dann wieder in ein Flugzeug steigen und nach Vancouver weit in den Westen fliegen.

Nadine Angerer zeigte sich im Interview mit der Homepage des DFB begeistert von der Leistung in der ersten Halbzeit. Die Norwegerinnen hätten nicht mehr gewusst, wo hinten und vorne sei. Allerdings vermasselte dann die mangelhafte Chancenauswertung den Deutschen den Sieg. Über das deutliche Nachlassen in der zweiten Halbzeit sagte Angerer: „Ich möchte nicht ständig auf dem Thema Kunstrasen herumreiten, aber er ist sehr stumpf und hart. Das ist energieraubend. Wenn es 20 Grad Außentemperatur sind, sind da unten durch die Unmengen von schwarzem Granulat 40 Grad. Das ist super heiß. Unser Spiel ist sehr kraftraubend und auf so einem Boden natürlich doppelt und dreifach“

Maren Mjelde wars natürlich hoch zufrieden nach ihrem spektakulären Freistosstor: „Ich bin sehr glücklich, dass er reingegangen ist, und vor allem natürlich gegen Deutschland. Ich habe den ganzen letzten Monat sehr viel geübt,“ sagte sie nach dem Spiel zu Bergens Tidende. „Wir wissen, dass wir mental stark sind und gute Fähigkeiten haben. Wir haben darüber gesprochen, dass wir in allen Zweikämpfen auf dem Platz stark sein müssen, weil sie uns da überall geschlagen haben. Wir mussten schneller sein und haben das Spiel nach der Halbzeitpause besser kontrolliert.“

Vero Boquete verlässt Tyresö

Wenn der Staat einem das Gehalt zahlt, weil der eigene Verein es nicht mehr kann, dann sollte man sich allmählich einen neuen Club suchen.

Vero Boquete hat dies getan und kehrt nach zwei Jahren in Tyresö zurück zu ihrem früheren Trainer Paul Riley, den es von Philadelphia nach Portland verschlagen hat. Nadine Angerer, Christine Sinclair, Alex Morgan und Tobin Heath werden die Mannschaftskameradinnen der übermorgen 27-Jährigen Spanierin sein.

Auch Caroline Seger und Marta sitzen auf auslaufenden Verträgen in Tyresö, das wohl kaum in der Lage sein dürfte die Beiden über das ganze Jahr mit den ursprünglich vereinbarten Gehältern zu bezahlen.

Morgen findet hier in Stockholm das jährliche Presseauftakttreffen der Damallsvenskan statt. Ich werde dabei sein und bin schon jetzt sicher, dass Tyresö wieder einmal in aller Munde sein wird.

„Die Tore sparen wir uns für ein anderes Spiel auf“

Schwedens Startformation gegen Kolumbien. Jessica Landström, Lotta Schelin, Charlotte Rohlin, Caroline Seger, Sara Larsson, Hedvig Lindahl. Vorne: Lisa Dahlkvist, Therese Sjögran, Sara Thunebro, Linda Forsberg, Annica Svensson. Foto: Marion Kehren

Die Schwedinnen jubelten und strahlten, als hätten sie bereits das Viertelfinale erreicht. Nach einem hochverdienten 1:0-Sieg gegen WM-Neuling Kolumbien ist damit die Pflicht erledigt. Und die Angst besiegt.

Denn obwohl Schweden haushoch überlegen war, vor allem in den ersten 45 Minuten – Lotta Schelin und Jessica Landström versiebten Chancen, mit denen man drei Spiele hätte gewinnen können.

Dass dann nach einer knappen Stunde das erlösende Tor fiel, war letztlich keine Befreiung. Zu verkrampft wirkte Schweden vor allem im Spiel nach vorne. Kolumbien hatte kaum etwas entgegen zu setzen und die Taktik Dennerbys (Starke Physis gegen ballgewandte, aber unerfahrene Südamerikanerinnen) ging letztlich auf. Aber wie leicht man bei einem Freistoß dann doch noch ein unerwartetes Gegentor einfangen kann, haben wir Sonntag in Berlin gesehen, als Christine Sinclair den Ball an Nadine Angerer vorbei ins Netz hämmerte. Im Falle Schwedens wäre das eine Katstrophe gewesen. Geführt hatte man nämlich auch vor vier Jahren gegen Nigeria und dann nach einem individuellen Fehler das letztlichj schicksalhafte 1:1 kassieren müssen, auch da nach deutlicher Überlegenheit.

Zweimal die Acht im Laufduell. Schwedens Lotta Schelin umrundet Andrea Peralta. Foto: Marion Kehren

Nun ist die Ausgangsposition durchweg positiv. Am Samstag kommt es dennoch zu einem spannenden Duell, in dem aber Nordkorea in Augsburg mehr unter Druck stehen wird als Schweden. Dennerby wird auch in diesem Spiel vor allem auf körperliche Überlegenheit setzen, der Gegner ist aber sicher deutlich stärker als am Dienstag in Leverkusen, wo wir das bislang schwächste Team der WM gesehen haben.

Nach einer halben Stunde erhielt Schwedens Mannschaftskapitänin Caroline Seger die gelbe Karte. Nach einem weiteren Foul und 70 Minuten holte Thomas Dennerby seine Kapitänin vom Feld und brachte Nilla Fischer – aus Angst, seger könnte die zweite gelbe Karte bekommen und gegen Nordkorea fehlen.

„Das war ja richtig nett,“ kommentierte Caroline Seger mit kaum verhohlenem Sarkasmus die Entscheidung ihres Trainers. Sie spiele nun mal sehr körperbetont, hätte aber immer die Kontrolle über ihr Handeln gehabt. „Ich weiß nicht was Thomas über meine Auswechslung gesagt hat,“ sagte sie vorher, „aber als Spielerin will man natürlich spielen.“