Zurück aus Holland

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Österreichs Jubel nach dem entscheidenden Elfer von Sarah Puntigam gegen Spanien

Acht Tage habe ich in Rotterdam verbracht und von dort aus Spiele der EURO 2017 in Breda, Tilburg und Utrecht besucht. Und auch das „historische“ Viertelfinale der deutschen Mannschaft gegen Dänemark in Rotterdam.

Dominik Thalhammer hat am Tag nach dem Sieg seiner Österreicherinnen über Spanien gesagt: „Es ist der 31. Juli, Deutschland, Frankreich und Spanien packen die Koffer und wir bleiben hier.“

Ich würde noch Schweden ergänzen.

Drei Frauenfußballdinosaurier fuhren nach Hause und auch die mit viel Vorschusslorbeeren angereisten Spanierinnen konnten nur gegen Portugal zwei Tore in der ersten Halbzeit machen. Danach kam nichts mehr.

Wachablösung im Frauenfußball?

Schweden kam mit einer Trainerin, die in ihrem Berufsleben unheimlich viel für den Frauenfußball getan hat. Als Spielerin, als Trainerin und nicht zuletzt auch als Persönlichkeit. Pia Sundhage verkörpert heute noch für viele die Ideale des Frauenfußballs. Sie musste sich noch als Junge ausgeben, um Fußball spielen zu dürfen, sie gab nie auf, sie wurde Europameisterin 1984 (schoss den entscheidenden Elfmeter gegen England) und sie sagte vor gar nicht so langer Zeit, dass Frauen es niemals als selbstverständlich ansehen sollten, dass sie Fußball spielen. Denn wenn man sich zurücklehnen würde, käme jemand daher und würde die Errungenschaften wieder streichen. Das ist im Grunde nicht ganz abwegig, aber es verkennt dennoch die Weiterentwicklung des Sports und vieler Gesellschaften.

Frauenfußball ist nicht mehr abzuschaffen. Es gibt in den Internetforen in Deutschland, in Schweden und anderswo immer noch ewig Gestrige, die wollen, dass man den Frauenfußball abschafft. Aber leider wird es rechtsgerichtete und frauenfeindliche Dumpfbacken immer geben. In der breiten Gesellschaft ist der Sport jedoch längst angekommen und er enwtickelt sich weiter. Was nicht heißt, dass er zumindest zu unseren Lebzeiten niemals so groß sein wird wie der übermächtige Männerfußball in dem heute davon die Rede ist, dass PSG bis zu 500 Millionen € Ablöse für Neymar hinzublättern bereit ist.

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Lisa Dahlkvist (30) – macht Schweden jetzt den Generationswechsel?

Pia Sundhage hat große Verdienste, als Trainerin hat sie Schweden nicht weitergebracht und wenn wir ehrlich sind, auch die USA nicht. Die beiden Olympiasiege mit den Amerikanerinnen 2008 und 2012 sind natürlich großartig für den Lebenslauf, aber mit der US-Mannschaft konnte nicht viel schiefgehen und auch dort bereits hat Sundhage vor allem die alteingesessenen,. arrivierten Spielerinnen gefördert und immer spielen lassen. Christen Press kam erst nach dem Abgang Sundhages beim glücklosen Tom Sermanni zum Zuge und hat seitdem in 88 Spielen 43 Tore geschossen. Keine schlechte Quote.

Pia Sundhage hat in Schweden den notwenigen Generationswechsel nicht einmal begonnen. Die zentrale Linie mit Hedvig Lindahl (34), Nilla Fischer (33), Caroline Seger (32) und Lotta Schelin (33) ist in die Jahre gekommen und macht dennoch das Führungszentrum im schwedischen Fußball aus. An den Alten, zu denen sicher auch Lisa Dahlkvist (30) und Linda Sembrant (30) gehören, muss man vorbeikommen, wenn man einen dauerhaften Platz im Kader erreichen will.

Pausenclown Olivia Schough hat bis zum Ende der Gruppenphase spielen dürfen, obwohl sie sportlich nun wirklich nicht ins Team gehört. Nicht nur ihre missglückten Ecken gegen Deutschland sondern auch ihre fehlende Technik bei der Ballannahme und ihre zahlreichen Fehlpässe  dokumentieren, dass die wohl vor allem mitgenommen wurde und zur Lieblingsspielerin Pia Sundhages avancierte, weil sie durch ihre gute Laune und ihre wirklich sehr sympathische Art weite Teile des Teams bei Laune hielt.

Aber so kann man keine Mannschaft bauen, die um einen Titel spielen soll.

Erst im letzten Spiel gegen die Niederlande liess Sundhage das Stürmerduo Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius auflaufen, dass sich schon aus den Zeiten in Linköping kennt. Nun ist die eine in München und die andere in Montpellier (wo sie angeblich weg möchte), aber sie ergänzen sich nach wie vor gut. Gegen Holland musste „L8“ wie Schelin von ihren Fans geschrieben wird, dann zurück ins Mittelfeld und da gelang ihr nicht viel.

Überhaupt das Mittelfeld. Da war Kosovare Asllani noch die Beste, obwohl sie sich nachher wie ein kleines Kind über Schiedsrichterin Bibiane Steinhaus beschwerte, sogar noch am Tag nach dem Spiel. Steinhaus habe dem Druck des Publikums nicht standgehalten.

Wahr jedoch ist, dass der schwedischen Mannschaft durch ein jüngeres, technisch versierteres und schnelleres Team die Grenzen aufgezeigt wurden.

Schwedens neuer Coach Peter Gerhardsson hat keine leichte Aufgabe. Er muss das neue Schweden bauen, denn Sundhage hat wohlwissend, dass ihr Vertrag ausläuft wenig für die nähere Zukunft der schwedischen Nationalmannschaft getan. Gerhardsson muss aufräumen, muss Spielerinnen allmählich ersetzen. Bereits Ende Oktober wartet Dänemark in der WM-Qualifikation. Diese Gruppe wird man nicht so selbstverständlich gewinnen wie in all den Jahren zuvor Qualifikationen Spaziergänge waren.

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Theresa Nielsen hat in der 83. Minute das 2:1 für Dänemark geköpft und das Spiel gegen den haushohen Favoriten Deutschland gedreht

Deutschland. Soll Steffi Jones zurücktreten, gefeuert werden?

Ich habe auf Twitter Ariane Hingst geantwortet, dass es vielleicht gut sei, dass Deutschland verloren hat. Sie fragte zurück, wie das denn bitte schön gut sein könne und da sie nah dran ist und selber mal drin war im Team, verstehe ich das gut.

Aber ich bleibe dabei, dass es gut war. Gut für den Frauenfußball international, wo alle anderen Nationen aufatmen und sich freuen, dass endlich mal jemand anderes gewinnen wird. Gut aber auch für Deutschland.

Silvia Neid hat großartige Erfolge eingefahren und ihre Fußstapfen sind groß, der Erwartungsdruck war enorm.

Dabei hat Neid nach 2009 eigentlich schon einer Mannschaft vorgestanden, die sich spielerisch nicht mehr weiterentwickelte. 2009 besiegte man England in einem fulminanten EM-Finale mit 6:2. Irgendwann ging Kelly Smith, Eni Aluko und all den anderen die Puste aus und Inka Grings und Birgit Prinz powerten einfach weiter. Die Zeiten änderten sich.

2011 gab es eine eher klägliche WM nach extremen Erwartungen. Der dritte WM-Titel war selbstverständlich, sowieso im eigenen Land. Dritte Plätze waren nur etwas für Männer. Und man wollte 2011 von seiner schönsten Seite zeigen. Alles furchtbare Aussagen, die den  Verantwortlichen im Halse steckenblieben, als Karina Maruyama in der 108. Minute den Ball an Nadine Angerer vorbeispitzelte. Aus und vorbei das zweite Sommermärchen. Silvia Neid hatte grosse Fehler gemacht und ihr Team verunsichert, nicht zuletzt als sie ihrer Kapitänin Birgit Prinz das Vertrauen entzog und sie auf die Bank setzte.

2013 war dann alles wieder gut. War es? In Schweden holte sich Deutschland den sechsten EM-Titel in Folge. Am Ende zählen in der Geschichte nur die Titel und niemand fragt, wie sie zustande gekommen sind. Irgendwann sind dann auch die Zeitzeugen nicht mehr da oder erinnern sich nur noch dunkel und dann steht da eine Goldmedaille in der Liste.

Deutschland spielte Unentschieden (0:0) gegen die Niederland, schlug Island mit 3:0 und verlor gegen Norwegen mit 0:1. In allen drei darauffolgenden Spielen gab es 1:0-Siege nach eher mäßigem Spiel, im Finale waren die Norwegerinnen nicht in der Lage auch nur einen von zwei Elfmetern zu verwandeln. Trine Rønning und Solveig Gulbrandsen scheiterten nicht nur an Nadine Angerer, sie machten es der Keeperin mit sehr schlecht geschossenen Strafstößen auch leicht. Aber beim Fußball gibt es keine B-Note. Nur das Ergebnis zählt. Ende gut, alles gut.

Weiter nach Kanada 2015. Endstation Halbfinale als die USA einfach zu stark war und zum ersten Mal Niederlage gegen eine englische Mannschaft, die auch deutlich besser war als Deutschland. Dennoch war selbst der vierte Platz wieder akzeptabel und es gab erneut keinen Grund für Änderungen.

In Rio dann setzte Silvia Neid den Schlusspunkt einer unglaublichgen Erfolgsserie als Trainerin. Der erste Olympiassieg und der Aufstieg in den Olymp. Gottlob gibt es die schon erwähnte B-Note nicht und du musst gegen die Teams gewinnen, gegen die du spielen musst. Und wenn dir jemand anders die USA, Frankreich und Brasilien aus dem Weg räumt, was willst du machen? Die Leistung der deutschen Mannschaft war nicht überragend, man rumpelte gegen Australien (2:2) gerade noch zu einem Unentschieden, verlor gegen Kanada. Da spielten die deutschen Männer (den Vergleich hat der DFB-Frauenfußball vorher ins Spiel gebracht „Dritte Plätze sind nur was für Männer“) beim 7:1 gegen Gastgeber Brasilien zwei Jahre vorher schon anders auf. Gold gegen Lieblingsgegner Schweden am Ende. Glänzend.

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Dänemarks Coach Niels Nielsen: „Wir sind erst in 3-4 Jahren da, wo wir spielerisch hinwollen.“

Und dann kam Steffi Jones. Und Steffi ist nicht Silv. Wo vorher einige Spielerinnen fehlende Nestwärme beklagten gab es jetzt eine soziale Revolution mit einer Trainerin, die noch nie eine Mannschaft veranwortlich trainiert hatte, die aber als Persönlichkeit herausragend im internationalen Frauenfußball war und ist.

Man musste nicht mehr sitzenbleiben bis die Letzte fertig gegessen hatte, man durfte jetzt auch zu einer Pressekonferenz mit offenen Haaren kommen. Und nach schlechten Spielen gab die Trainerin nicht mehr die Enttäuschung über die Leistung ihrer Mannschaft kund, sondern übernahm selber Verantwortung.

Vielleicht ist Steffi zu nett für den Trainerjob? Vielleicht hat sie ihr nicht junges Team überschätzt? Sie billigte den Spielerinnen sehr viel Eigenverantwortung zu, ging von erwachsenen, selbstbewussten Individuen aus. Aber in den vier Spielen in den Niederlanden ging wenig zusammen. Fünf Tore. Drei Elfmeter und zwei eklatante Torwartfehler. Ansonsten versiebten Anja Mittag, Mandy Islacker und Co.

Die vielen Wechsel sahen auf dem Papier demokratisch aus. Denn alle 20 Feldspielerinnen kamen zum Einsatz. Aber sie schafften Unsicherheit. Ein so kompliziertes Gebilde wie eine Abwehr darf man nicht ständigen Umstellungen aussetzen.

Und mir gefiel auch nicht Steffi Jones‘ Körpersprache an der Seitenlinie. Da war zu viel Mitleiden, zu viel Mitfreuen und ein bisschen zu wenig Distanz. Ich glaube, dass man am Spielfeldrand (wo ich ja noch nie gestanden habe, also wer bin ich schon, das zu sagen…) eine Rolle zu spielen hat. Stärke und Sicherheit dann ausstrahlen muss, wenn man sieht, dass die Mannschaft das nicht empfindet. Und man muss vermutlich auch zumindest einmal so tun, als ob man sauer ist, wenn etwas weniger gut läuft.

Der dänische Trainer Niels Nielsen sagte nach dem Spiel zu mir, dass man vor dem Spiel darüber gesprochen hatte, dass die Deutschen eventuell in Führung gegen. Die sind sehr gut nach vorne, also das kann passieren, sagte er seinem Team. Leider sei es schnell passiert, danach aber gar nicht gut gelaufen. Er hätte vom Team erwartet, dass dann seine Führungsspielerinnen das schlechte Spiel stoppen und umdrehen. Und genau das hätten Pernille Harder und Simone Boye gemacht, weshalb er sehr stolz auf sie sei.

Wo waren die deutschen Führungsspielerinnen nach dem 1:1? Nach dem 1:2? Als das Spiel kippte.

Ich bin unsagbar enttäuscht von Dzsenifer Marozsan. Jahrelang wurde mir eingeredet, dass sie die beste Spielerin der Welt sei, worauf ich immer entgegnete, dass sie zwar hochtalentiert sei, aber noch nie gezeigt hätte, dass sie die Beste ist. Am Ende nach einem tollen Olympiafinale und einer guten Saison in Lyon begann ich zu glauben, dass die EURO 2017 das Turnier Marozsans wird. Nichts da. Sie versteckte sich, sie tauchte unter, ansatzweise schlug sie ein paar gute Bälle, aber die EURO wird nicht als ihr Turnier in die Fußballgeschichte eingehen. Wieder einmal nicht.

Das Turnier bislang ist das Turnier von Jackie Groenen, Lieke Martens, Jodie Taylor und, ja – Sarah Puntigam. 

Steffi Jones hat jetzt die schwere Bürde zu tragen, aber man muss ihr die Chance geben. Wie gesagt, seit 2009 befand sich Deutschland in einer Abwärtsbewegung spielerisch gesehen, die durch fleißig erarbeitete, aber nicht zuletzt auch glückliche Erfolge nicht so öffentlich wahrgenommen wurde.

Jones muss umbauen, sie will das Klima verändern (was richtig war und ist), sie will die Spielweise verändern (was richtig war und ist) und sie will Titel gewinnen (wovon das Team weit entfernt ist). Aber bis 2019 ist Zeit.

Spieltechnisch werden mindestens drei Spielerinnen dringend gesucht: schnelle, moderne Innenverteidigerinnen und jemand, der in die Fußstapfen von Birgit Prinz, Inka Grings und Celia Sasic treten kann.

Und, ach ja, eine Führungspersönlichkeit auch auf dem Spielfeld. Jemand, der das Ruder herumreissen kann, wenn es mal nicht läuft. Da war in NL niemand in der Lage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Siri Nordby wütend über Solidaritätserklärung von Stabæk-Spielerinnen

Die ehemalige norwegische Nationalspielerin Siri Nordby (35) hat sich zu der letzten Freitag veröffentlichten Solidaritätserklärung von Ingvild Stensland, Ingrid Hjelmseth, Cathrine Dekkerhus und Trine Rønning geäußert.

„Wenn nur ein Bruchteil von dem stimmt, was gesagt wird, und die Mannschaft einer Spielerin auf diese Art den Rücken zuwendet, muss ich sagen, dass ich ungeheuer froh bin, mein ganzes Leben für einen anderen Club gespielt zu haben,“ so Siri Nordby.

„Diese Erklärung ist das pathetischste, was ich je gelesen habe. Total skandalös,“ schreibt die Norwegerin auf ihrer Facebook-Seite.

 

Guro Pettersens „Qualitäten“

Zufällig fand ich gerade einen Hinweis auf einen alten Post in diesem Blog, den ich am 19.10.2012 veröffentlicht habe. Damals hatten u.a. Leni Larsen Kaurin und Trine Rønning ihrer Mannschaftskameradin Guro Pettersen (damals Ersatztorhüterin bei Stabæk) einen Streich gespielt und folgendes getweetet:

guro

„Durfte heute schon wieder nicht von Beginn an spielen! An der Zeit, Øyvind Eide einige meiner anderen Qualitäten zu zeigen #frauenfussball #spreizdiebeinejetzt“.

Was damals noch wie ein Streich unter Mannschaftskameradinnen aussah, gewinnt heute andere, neue Bedeutung. Guro Pettersen hat Stabæk verlassen und spielt beim Osloer Club Vålerenga.

Leni Larsen Kaurin hat übrigens auf diesen mit Kameradinnen selbst geschriebenen Tweet von ihrem Konto geantwortet:

leni

„wir haben doch den bestaussehendsten Trainer in der Toppserie, also… #vielemöglichkeiten“

Der Fall Stabæk

Leni Larsen Kaurin in Kalmar (Juli 2013)

Leni Larsen Kaurin in Kalmar (Juli 2013)

Gestern Morgen veröffentlichte die Lokalzeitung Budstikka, die eine überschaubare Auflage von ca. 23.000 Exemplaren hat und in den an Oslo grenzenden Gemeinden Asker und Bærum erscheint, ein Interview mit der norwegischen Nationalspielerin Leni Larsen Kaurin, in der sie erstmals offen über die Ereignisse des vergangenen Jahres aus ihrer Sicht sprach.

Zur Erinnerung: Kaurins Freundin Lisa Marie Woods hatte in ihrem englischsprachigen Blog aus Australien vor Wochenfrist über eine Spielerin berichtet, die von ihrem Trainer über Monate sexuell belästigt wurde. Selbst ich, der mit dem norwegischen Frauenfußball nicht sonderlich vertraut war, hatte als erste Idee, dass es sich um Kaurin und den norwegischen Meister- und Pokalsieger Stabæk handeln könnte, was sich also gestern bestätigte. In Norwegen muss das ein offenes Geheimnis gewesen sein.

Im folgenden nun eine ausführliche Zusammenfassung des Interviews und der Geschehnisse aus Sicht von Leni Larsen Kaurin.

Warum?

In diesem Blog geht es um Frauenfußball. Vornehmlich aus Schweden, aber nicht zuletzt seit der EM in Schweden 2013 bin ich dem norwegischen Nationalteam näher gerückt, weil wir fast zwei Wochen miteinander Tür an Tür gewohnt bzw. trainiert haben. ALLE Spiele, die ich bei der EM gesehen habe, hatten Norwegen als eines der spielenden Teams. Fünf Mal hatte ich die Gelegenheit in der Mixed Zone mit den norwegischen Spielerinnen zu sprechen, 3-4 mal besuchten wir das Training auf Gröndals IP in Kalmar und hatten angenehme Begegnungen und gute Gespräche.

In diesem Fall, denn es ist einer, ein Fall, den ich Fall Stabæk nennen möchte, geht es aber auch um etwas, das weit über den Fußball hinausgeht. Es geht darum, was sich Frauen in einem Arbeitsverhältnis gefallen lassen müssen und wie Arbeitgeber darauf reagieren, wenn weibliche Arbeitnehmer sexuellen Belästigungen durch leitende Angestellte ausgesetzt sind. Leni Larsen Kaurin hat mir gestern Abend noch einmal persönlich bestätigt, dass genau das eines der zentralen Anliegen ist, warum sie sich an die Öffentlichkeit gewandt hat: Anderen zu zeigen, was nicht erlaubt sein darf und dass man sich wehren muss.

Blenden wir also zurück. Was ist geschehen? Aus der Sicht der 32-Jährigen Spielerin.

Im Sommer 2012 unterschrieb Leni Larsen Kaurin beim Osloer Topclub Stabæk. Trainer war und ist bis heute Øyvind Eide. Von Beginn an habe sich Eide an der neuen Spielerin interessiert gezeigt. Man sah sich täglich auf dem Trainingsplatz und es habe auch sporadischen Kontakt außerhalb des Platzes gegeben. Am Anfang habe die 32-Jährige noch die Aufmerksamkeit und Komplimente, die bekam eher positiv gesehen, aber mit der Zeit hätte das deutlich zugenommen in Form von SMS, E-Mails und handgeschriebenen Notizen.

„Unter anderem bekam ich Links zu der Internetseite von VG [einer norwegischen Boulevardzeitung] und deren Seiten über Sex und Partnerschaft, auf denen Øyvind Model auf mehreren Illustrationsbildern war,“ berichtet Leni Larsen Kaurin gegenüber Budstikka.

Die Bilder des entkleideten Trainers fungierten hier als Illustration zu Artikeln über Sex. (Hier ein Beispiel mit anonymen Personen). Da mag man sich wirklich schon einmal wundern, was das für ein Trainer ist, der mehr oder weniger nackt in solchen Kontexten posiert. Und laut Budstikka erhielt Larsen Kaurin die Mails mit den anzüglichen Links mit der Unterschrift: „med sportslig hilsen Stabæk Fotball, Øyvind Eide, Hovedtrener Stabæk Kvinner“ (Mit sportlichen Grüßen, Stabæk Fußball, Cheftrainer Stabæk Frauen). Schlimmer gehts nimmer.

Kaurin sagt, dass ihr damit klar geworden sei, was der Trainer wolle. Bei einem Restaurantbesuch mit Eide im November 2012 habe die Kellnerin ihr einen Strauß roter Rosen gebracht und gesagt, dass die von Eide seien. „Ich bekam den Eindruck, dass die Kellnerin und die Personen um uns herum das Ganze als Verlobungssituation auffassten, wobei ich mich sehr schlecht fühlte.“

Zusätzlich zu den Blumen bekam Larsen Kaurin an diesem Abend einen Geschenkgutschein von Eide, auf dem er ihr eine „erotische Massage mit Happy End“ versprach, ausgeführt von ihm selber.

Nun begann sie zu überlegen, wie sie mit dieser Situation umgehen könne und müsse. Eide sei trotz allem ihr Trainer gewesen, sagt Kaurin und da sie nicht im geringsten dieselben Absichten wie er hatte, versuchte sie verzweifelt nach der richtigen Art von Reaktion zu suchen, die für alle Seiten den geringsten Schaden verursachen würde.

Genau hier wird der Fall Stabæk typisch. Sehr oft in solchen Situationen versucht das Opfer von exzessiver Verfolgung den Schaden zu minimieren, zum einen aus Selbsterhaltungstrieb und weil man gelehrt wurde, große Konflikte tunlichst zu vermeiden. Zum anderen aber sicher auch, weil man sich schämt, zügig öffentliche Hilfe zu suchen, aus der falschen Überlegung heraus, dass es jemanden geben könnte, der einen für „mitschuldig“ hält. Auch ich habe gestern überlegt, ob nicht an irgendeiner frühen Stelle schon ein deutlicheres Nein oder Absagen statt Zusagen etwa zu einem Abendessen zu Zweit hätten erfolgen können. Hätte man die Entwicklung dann stoppen können? Die Frage mag berechtigt sein, allerdings ist ein wie auch immer geartetes Nein, zu welchem Zeitpunkt auch immer ein NEIN, das man in zwischenmenschlichen Beziehungen zu akzeptieren hat.

Øyvind Eide hat dies offenbar nicht kapiert. Er hat es auch nicht akzeptiert. Der Übungsleiter von Stabæk outet sich aber auch als selbstverliebter Narziss, wenn er Kaurin Internetlinks schickt, auf denen er mehr oder weniger unbekleidet in nachgestellten erotischen Situationen posiert. Eide wollte sich das holen, von dem er überzeugt war, dass es ihm zustand. Und gesellte sich zu der leider nicht kleinen Schar Männer, für die ein weibliches Nein lange erst mal ein Ja ist.

„Das war nur der Auftakt des schlimmen Klimas, das sich entwickelte und das für mich nur schlimmer und schlimmer wurde, weil er einfach nicht nachließ,“ erzählt Leni Larsen Kaurin der ehemaligen Mannschaftskameradin und heutigen Journalistin Ragnhild Gulbrandsen.

Leni begann, auch das wieder typisch und vielerorts nachzulesen, sich Schutzmechanismen auszudenken und zuzulegen. Man vermeidet den Augenkontakt mit dem Chef, den man täglich sehen muss, versucht ihm aus dem Weg zu gehen, um bloß nicht wieder in eine unangenehme Situation zu kommen. „Ich lief umher und musste die ganze Zeit daran denken,“ sagt sie und man kann ihre Qualen und Hölle verstehen, die sie offenbar erst einmal mit niemandem teilen konnte.

„Ich weiß jetzt, dass ich viel früher mit anderen hätte reden müssen,“ sagt sie denn auch, „aber es ist leicht nachher klug zu sein.“

Die EM in Schweden stand vor der Tür. Es gab Ablenkung durch mehrere Lehrgänge und das Turnier, das für die Norwegerinnen bekanntlich sehr positiv verlief.

Nach der EM eskaliert die Situation. Leni hält es nicht mehr aus und geht zu einem Psychologen, der ihr rät, mit dem Trainer zu reden. Aber das kann sie nicht und man kann es ihr auch nicht verdenken. Sie denkt an die Mannschaft, die fast alle Spiele gewinnt, will nicht im Weg sein, denkt selber daran, aufzuhören und weiß nicht, was sie tun soll, zumal die meisten anderen den Trainer mögen, sein wahres Gesicht aber auch nicht kennen.

Sie trifft die falsche Entscheidung und beschließt, hart zu trainieren, den Mund zu halten und irgendwie damit fertig zu werden. Der eitle Øyvind Eide aber akzeptiert scheinbar nicht, abgewiesen worden zu sein. Larsen Kaurin landet im Herbst 2013 immer häufiger auf der Ersatzbank. Im Pokalendspiel gegen Avaldsnes im November wurde sie nicht aufgestellt und nicht einmal eingewechselt.

Leni Larsen Kaurin geht zu Stabæks Sportchef Richard Jansen und erzählt ihm, was geschehen ist.

„Ich wollte ihm eine Erklärung geben, warum ich so in mich gekehrt war und nicht die übliche Gute-Laune-Macherin, die ich früher einmal war.“

Sie erzählt Jansen die ganze Geschichte, zeigt ihm den inzwischen berüchtigten Massagegutschein. Jansen habe sich geschockt gezeigt, glaubt Larsen Kaurin, habe wenig kommentiert. Schon in diesem Gespräch stellt sich aber heraus, dass Eide ihr einen Schritt voraus ist. Richard Jansen erzählt Leni Larsen Kaurin, dass er ein Gespräch mit dem Trainer über sie gehabt habe und dass man gemeinsam beschlossen habe, ihr keinen Vertrag für 2014 anzubieten, da man die Mannschaft gezielt verjüngen wolle. Jansen verspricht ihr jetzt, unter Berücksichtigung des Gehörten noch einmal mit Eide zu sprechen und seine Version zu hören. Larsen Kaurin hört jedoch nichts mehr von Jansen.

Das Opfer sollte also schlicht und einfach weg. Entsorgt werden. Natürlich hat der Verein offiziell erst spät von der Geschichte erfahren. Sicher zu spät. Aber klug ist man leicht hinterher. Da hat Leni Recht. Eide muss das Ganze extrem peinlich gewesen sein. Er wollte Larsen Kaurin haben, die lehnte ihn ab, da machte es keinen Sinn mehr für ihn, die ohnehin sich ablehnend verhaltende Frau um ihn herum zu haben, zumal er sicher ständig befürchtet haben muss, dass sie über seine eher peinlichen, kläglichen und dümmlich-widerlichen Annäherungsversuche (Massagegutschein…) mal etwas zu Mannschaftskameradinnen wie Trine Rønning, Ingrid Hjelmseth oder Ingvild Stensland erzählen. Übrigens sind die alle Drei auch deutlich jenseits der 30 und wenn man die Mannschaft wirklich verjüngen wollte, dann…

Warum sie denn jetzt doch damit an die Öffentlichkeit gehe, fragt Gulbrandsen sie? Und es ist ihre Antwort, die überzeugt und die auch rechtfertigt, dass man auch außerhalb Oslos und Norwegens davon schreibt, liest und darüber spricht.

„Weil ich weiß, dass mein Fall kein Einzelfall ist. […] Auch, weil ich es jüngeren Spielerinnen, die viel mehr zu verlieren haben, leichter machen will, aber auch für die Erhaltung meiner Selbstachtung. […] Ich hoffe auch auf einen größeren Fokus auf dieses Thema in der Sport- und Berufswelt. Man wird unsicher und verletzbar, wenn eine Person mit Macht im Verhältnis zu deiner eigenen Entwicklung, nicht mit sexuellen Annäherungsversuchen aufhört. […] Ein Nein muss ein Nein bleiben, auch dem Chef gegenüber, wenn er oder sie über die Grenze gegangen ist, die man eigentlich nicht überschreiten darf. “

Ihre Zukunft lässt die 32-Jährige in dem Interview noch offen, sagt, sie habe den Kopf noch nicht frei darüber nachzudenken. Um weiterzumachen, müsse man mental und physisch bereit sein. Und da sei sie heute noch nicht.

Die Rolle des Vereins hier ist leider auch typisch, wodurch aus dem Fall Eide der Fall Stabæk wird. Still halten, aussitzen, hoffentlich ist der Sturm bald vorbei. Das Opfer soll verschwinden, bekommt keinen neuen Vertrag. Was die Mannschaft wohl zu einem solch charakterlosen Haufen Funktionäre sagt? Gar nichts? Gibt es einen Maulkorb für Spielerinnen? Oder kümmern die sich nicht, weil nur der Erfolg zählt und Eide hat ja das Double geholt?

Fünf Tage nach dem Blogpost von Lisa Marie Woods schaffte es der norwegische Meister ein kurzes Statement abzugeben. „Kein Kommentar.“ Dabei wurde erst im Herbst 2012 ein Juniorentrainer Stabæks zu sieben Monaten Haft verurteilt, weil er drei Jungs sexuell belästigt hatte.

Diesem Verein darf eigentlich niemand mehr seine Kinder anvertrauen. Man hat nichts gelernt.

Gesagt hat der Beschuldigte erst einmal nichts. Auch auf Anfrage von Budstikka und allen anderen norwegischen Medien.

Heute aber wurde der Druck wohl doch zu groß. Øyvind Eide äußerte sich. Ausgerechnet in der Zeitung, in der er schon als halberotisches Model zu sehen war und ist, VG (= Verdens gang; etwa: Der Lauf der Welt).

Er bedauere den Umgangston, den er mit einer seiner Spielerinnen an den Tag gelegt habe, so Eide. VG schreibt, dass man den Trainer gestern Abend im Schneetreiben getroffen habe, an seiner Seite seien drei Vertreter des Vereins gewesen (die ihn dann wohl gezwungen haben sich zu äußern?!`). Man habe ihm angemerkt, dass er von der Sache tief betroffen sei, er habe müde und kaputt ausgesehen.

Jetzt räumt er Fehler und unpassendes Verhalten ein: „Das war während 2-3 Monaten im Herbst 2012. Ich war fasziniert von einer Spielerin und wir waren vielleicht 3-4 Mal zusammen aus. Während dieser Zeit gab es einen flirtenden Jargon und es gab einen SMS-Austausch, der innerhalb dieses Jargons normal war,“ so Eide gegenüber VG.

„Auch wenn sie de facto älter ist als ich, habe ich damals schlechtes Beurteilungsvermögen an den Tag gelegt in Bezug auf die Rolle in der ich war, und ich bedauere, dass sie all das auf die Art und Weise empfunden hat, in der sie es offensichtlich getan hat,“ so Eide weiter.

Larsen Kaurin ist acht Monate älter als Eide. Und seine Äußerungen klingen auswendig gelernt und die anwesenden Vereinsvorsitzenden haben sie sicher vorher schon mit einem Anwalt abgesprochen. Zumal er jetzt trainerväterlich-scheinheilig sagt: „Es ist natürlich sehr schade, dass sie solche Gefühle hatte. Ich hätte mir gewünscht, dass wir darüber einen Dialog hätten führen können, aber ich habe sie mit meiner Hinwendung nicht erreicht,“ so Eide in Begleitung des Trios. Das Wort Hinwendung hätte er sich sparen können, es kommt sehr doppeldeutig daher.

Aber typischerweise versucht man das Opfer jetzt als ‚Sensibelchen‘ zu diskreditieren, dass alles viel zu sehr ernst genommen habe und dass sich doch mal in einem Vieraugengespräch (nackt, Herr Eide?) hätte artikulieren können.

„Dass sie keinen neuen Vertrag bekommen hat, hat ausschließlich sportliche Gründe,“ so Eide. Er habe nun einmal vier Nationalspielerinnen, die alle jünger seien und Larsen Kaurins Position spielen könnten. „Attraktive Spielerinnen, die damals und jetzt verfügbar waren,“ so Eide und die Doppeldeutigkeit sprüht nur so, aber das mag an der Übersetzung liegen, tatsächlich aber verwendet Eide sowohl das Wort „attraktive“ wie auch „tillgenglig“ (= verfügbar).

Die Geschenkkarte mit dem Gutschein für eine erotische Massage mit Happy End, so Eide, habe er ihr tatsächlich gegeben, aber das sei doch ein Scherz gewesen. Ein Scherz!! Den muss ich mir merken und auch mal benutzen, wenn ich mich alleine mit einer Bekannten in einem Restaurant treffe und ihr durch die Kellnerin rote Rosen überreichen lasse… Jede Frau wird doch schallend lachen über solch kreative Scherze. Ist das norwegischer Humor?

Larsen Kaurin habe ihm übrigens an jenem Abend selber auch ein Geschenk gegeben, als sie gemeinsam das Pizzarestaurant verlassen hätten, so Eide weiter. Und was die leichtbekleideten Bilder in der Zeitung VG angehe, so habe er diese 2004 gemacht und der gesamten Mannschaft gezeigt, da er der Meinung war, dass dies besser sei, als dass es Spielerinnen zufällig herausgefunden hätten, dass er solche Bilder dereinst von sich machen ließ.

Die anwesenden Vorstandsmitglieder räumten im Gespräch mit VG ein, dass Eide tatsächlich einige unkluge Dinge getan habe in jenem Herbst 2012, dass es sich dabei aber keinesfalls um sexuelle Belästigungen gehandelt habe. Der Vorstandsvorsitzende Stabæks, Espen Moe: „Wir hatten ein sehr gutes Treffen mit Leni und sind die Angelegenheit im Detail durchgegangen. Sie hat bei unserem Treffen bestätigt, dass sexuelle Belästigung ein zu starkes Wort wäre, dass es sich mehr um Belästigung gehandelt habe,“ so Moe gegenüber VG.

Leni hat diese angebliche Äußerung gegenüber VG jedoch dementiert.

Stabæk kommuniziert nun also, dass es diese Sache ernst nehme, dass man Respekt für Kaurin habe. Eides Stellung im Verein jedoch ist offenbar ungebrochen.

„Sie müssen die Spielerinnen fragen, aber ich habe das Gefühl, dass ich ihre Unterstützung habe,“ so Øyvind Eide abschließend im Gespräch mit VG.

Und so wird dieser Fall enden, wie es leider zu erwarten war. Der Trainer hat sich ein bisserl blöd verhalten. Und die Frau hat allen Respekt verdient, Frauen fühlen ja nunmal anders als Männer. Irgendwie komisch halt. War doch ein guter Witz mit der erotischen Massage! Und wenn der Trainer sagt, wackel nicht so mit dem Hintern, ich kann mich ja gar nicht konzentrieren, dann muss sich die Spielerin umdrehen und ihn halb amüsiert, halb erotisch hingebungsvoll anschauen. Nee, nee. Allen Respekt verdient, aber immer so empfindlich diese Frauen. Unser Trainer macht weiter, hat doch Erfolg. Und attraktive und verfügbare Spielerinnen gibts auch noch…

Ich wünsche Leni Larsen Kaurin, die ich letzten Sommer kennen gelernt habe, als eine sympathische und bestens trainierte Athletin, dass sie sich erholt von dieser Angelegenheit und dass sie noch ein Jahr dran hängt im Fußball. Nicht unbedingt vielleicht in Norwegen. Ich wünsche mir ein bisschen mehr Zivilcourage von den älteren Spielerinnen von Stabæk, auch weibliche Solidarität, das sie dem Verein sagen, was sie von all dem halten und dass sie sich andere Chefs wünschen als einen halbseidenen Trainer, der angeblich 16-Jährige Spielerinnen entjungfert (ist diese Geschichte jetzt eigentlich ganz vom Tisch?) und anderen erotische Massagen mit Happy-Ending (Was ist das eigentlich? Orgasmus-Garantie?) als Scherz anbietet.

Die stümperhaften Erklärungsversuche im Stabæker Schneetreiben gestern Abend jedenfalls taugen nicht dazu, das zu erreichen, was Stabæk am liebsten will: Weg mit Larsen Kaurin in die Vergessenheit und alles unter den Teppich kehren. Nein, dies ist die mit Abstand schmutzigste und widerlichste Geschichte, die mir bislang im Frauenfußball untergekommen ist.

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PS: Nun haben sich heute auch Stabæks Spielerinnen zu Wort gemeldet. In einer Presseerklärung, unterschrieben vom Spielerinnenrat: Hjelmseth, Rønning, Stensland und Cathrine Dekkerhus.

Die Erklärung im Wortlaut:

„Zuerst ist dies eine schlimme Sache für alle Seiten.

Wir von Stabæk Fußball Frauen sind eine verantwortungsbewusste und erwachsene Spielerinnengruppe und wären selbstverständlich eingeschritten, wenn wir der Auffassung gewesen wären, dass jemand aus der Mannschaft oder jemand anders im Club sexueller Belästigung ausgesetzt gewesen sei.

Wir sind uns einig darin, dass es von Øyvind unpassend war, im Herbst 2012 eine unglückliche Beziehung mit einer unserer Spielerinnen einzuleiten und dies hat er auch vor uns bedauert. Øyvind war Verdächtigungen und Anklagen ausgesetzt, die weit außerhalb der Proportionen dessen liegen, was er tatsächlich getan hat.

Er und unsere sportlichen Leiter haben unsere volle Unterstützung und wir stehen hinter ihren sportlichen Beschlüssen und Entscheidungen.

Jetzt freuen wir uns mit der Saison 2014 in Gang zu kommen, in der viele Herausforderungen auf uns warten.“

Ingvild Stensland, Ingrid Hjelmseth, Trine Rønning, Cathrine Dekkerhus (Spielerrat)

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Übrigens müssen die vier Spielerinnen ihre Presseerklärung in La Manga (Spanien) verfasst haben, denn alle befinden sich schon die ganze Woche mit der norwegischen Nationalmannschaft dort.

Ja, da wird Leni Larsen Kaurin schon nicht einmal mehr namentlich genannt. Der Spielerinnenrat spricht von einem Verhältnis (?), was dann auf Gegenseitigkeit beruht hätte. Ansonsten liest sich der Text so, als sei er von denselben Strategen geschrieben worden, die einige Stunden zuvor noch das Interview Eides gesteuert haben, in der er ja noch die Unterstützung der Spielerinnen erhofft. Jetzt ist sie da. Anders war das auch kaum zu erwarten. Rückgrat wird nicht häufig trainiert. Aber das eigene Wohlergehen ist einem dann doch wichtiger. Und man will noch mal Meister werden und Champions League spielen. Denn man weiß, es gibt „attraktive“ junge Spielerinnen, die „verfügbar“ sind, vielleicht ja sogar gefügig. Da kann man schnell draußen sein. Volles Vertrauen.

Blick nach Westen: Norwegen (1)

Die norwegische Liga Toppserien hat wie ihr schwedisches Pendant, die Damallsvenskan, zwölf Mitglieder. In diesem Jahr ist der Kampf um die norwegische Meisterschaft besonders spannend. Fünf Clubs haben nach gespielten 13 Runden noch die Möglichkeit Meister zu werden.

Punktgleich vorne sind Röa und Stabaek mit jeweils 30 Punkten, Röa hat eine um sechs Tore bessere Differenz.

Die Dynamite Girls, wie sie sich selber nennen,  haben bislang viermal die norwegische Meisterschaft gewonnen, zuletzt zwischen 2007-2009 und wurden letztes Jahr von Stabaek abgelöst. Nicht weniger als acht aktuelle norwegische Nationalspielerinnen stehen im Kader von Röa, die bekanntesten darunter vielleicht Lene Mykjåland und Elise Thorsnes.

Stabaek, ebenfalls aus Oslo, hat Röa schon vor einigen Jahren zum Hauptkonkurrenten ernannt. Beide Teams spielen in der Umgebung von Oslo. Röas Torfrau Caroline Knudsen hat Stabaek mal eine zusammengekaufte Mannschaft genannt, was da natürlich nicht sonderlich gut ankam. Aber Stabaek spielte bis 2007 noch in der vierten norwegischen Liga. Da ging jedoch die Erstligamannschaft Asker in Konkurs und Stabaek kaufte im Prinzip den Grossteil der Spielertruppe auf, avancierte schnell durch die Ligen und holte schon vergangenes Jahr den Meistertitel. Bekannteste Spielerinnen bei Stabaek sind Nationaltorhüterin Ingrid Hjelmseth, Lise Klaveness (früher Umeå IK), Trine Rönning und Melissa Wiik. Stabaek hat auch einige ausländische Spielerinnen: Amelie Rybäck (Schweden, früher Kopparbergs/Göteborgs FC), Kristy Moore (Neuseeland) und Maiken Pape (Dänemark).

Tabellendritter ist Arna-Björnar aus der westnorwegischen Stadt Bergen. Über das Hochgebirge der Hardanger Vidda fährt man gut neun Stunden von Oslo nach Bergen – eine atemberaubend schöne Fahrt, die zu den spektakulärsten Eisenbahnstrecken der Welt gezählt wird. Arna ist ein Stadtteil im Nordosten von Bergen, die Männer spielen brav in der vierten norwegischen Liga, sie Frauen sind seit 1997 erstklassig (ein Jahr verbrachten sie mal in der zweiten Liga). Auch Arna-Björnar haben aktuelle Nationalspielerinnen, dazu gehören Torfrau Erika Skarbö, Maren Mjelde und Madeleine Giske. Die einzige Ausländerin kommt aus – Deutschland. Seit wenigen Tagen gehört Torhüterin Tessa Rinke zu Arnar-Björnar. ie 24-Jährige stand früher in der Bundesliga beim SC Herford im Tor.