Lotta über Menstruation, Siegtor in der 91.

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Lotta Schelin (Foto: Anders Henrikson)

Lotta Schelin ist eine der großen Persönlichkeiten des internationalen Frauenfußballs. Wer sie schon einmal getroffen hat, wird mir zustimmen, dass sie die wesentlichen Charaktereigenschaften eines Vorbilds auf beste Weise vereint: Sie ist eine herausragende Sportlerin, sympathisch, offen für Anliegen von Fans und Journalisten und sie steht für Werte ein: für Gleichberechtigung und gegen Rassismus um nur zwei Dinge zu nennen.

Jetzt versucht sie, ein bislang tabuisiertes Thema ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Lotta Schelin will, dass man endlich offen darüber spricht, wie die Menstruation Sportlerinnen beeinflusst, will, dass endlich eine ernstzunehmende Forschung in Gang gesetzt wird, die analysiert, ob etwa das Verletzungsrisiko steigt, wenn Frauen während ihrer Menstruation gleichermaßen hart trainieren und spielen wie außerhalb dieser Tage.

„Man glaubt immer, dass das privat ist, dass man sich selber darum kümmern muss, aber Tatsache ist, dass es uns extrem beeinflusst,“ sagt die 32-Jährige Weltklassestürmerin in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen SVT.

„Man forscht über alle möglichen Dinge bei Spitzensportlern, man will alles wissen und macht Herzuntersuchungen, Blutproben usw. Aber kein einziges Mal hat man meine Menstruation untersucht und festgestellt, wie sie mich beeinflusst. Wenn mal jemand nicht zum Training kommt, heisst es oft, sie hat Bauchschmerzen.“

Schelin findet, dass etwa die Nationalmannschaft auf Reisen alles dabei hat, Kaugummi, Nasentropfen, Verbandszeug, das einzige, was nicht im Mannschaftsgepäck ist, sind Binden und Tampons.

Hätten Männer Menstruation, da ist Lotta sich sicher, wäre dieser physiologische Zustand bereits bis ins Kleinste erforscht worden. Insofern sieht die gebürtige Stockholmerin, die in Göteborg aufgewachsen ist, das Thema auch als Gleichberechtigungsfrage und möchte eine Diskussion anstoßen. Es ist ihr gelungen, da alle großen Zeitungen das Interview aufgreifen und andere Sportlerinnen, etwa die Boxerin Klara Svensson sich ebenfalls dazu äußern und Schelin loben und sich bei ihr bedanken, dass sie dieses Tabuthema aus der Schamgefühlecke holt, aus einer Ecke, in die es nicht hingehört.

Lotta sagt, dass ihre eigene Menstruation nicht sonderlich stark sei, aber dennoch würde sie an ein, zwei Tagen im Monat davon ganz klar beeinflusst.

Wir bleiben bei Lotta Schelin, kommen aber zum Geschehen in der Liga zurück. In der 91. Minute erzielte Lotta Schelin am Mittwoch das Siegtor für ihren FC Rosengård gegen Kopparberg/Göteborgs FC. Nochmal Glück gehabt kann man da sagen, andernfalls wäre Linköping potentiell vier Punkte davon gezogen, denn die Frauschaft aus Östergötland gab sich beim 4:0 gegen das wohl dem Abstieg geweihten Umeå keine Blöße. Dabei hatte Rosengård großes Glück, dass Schiedsrichterin Pernilla Larsson Elfmeter für Rosengård gab, als Marta in der 40. Minute Beata Kollmats in deren Strafraum (!) anrempelte und dabei selber aus dem Gleichgewicht geriet. Eine krasse Fehlentscheidung, die auf den TV-Bildern überdeutlich zu erkennen ist. Am Ende gewann Rosengård mit 2:1 durch einen unberechtigten Elfer und ein Tor in der Nachspielzeit. Das Glück des Tüchtigen?!

Ansonsten setzt sich die obere Hälfte der Tabelle immer weiter von der unteren ab. Jetzt sind es fünf Punkte, die den Sechsten Göteborg vom Siebten Vittsjö trennen. Am Sonntag geht es schon weiter, bevor die Schwedinnen dann in die Länderspielpause gehen.

En detail mal wieder vom Mittwochabend:

Kristianstads DFF – KIF Örebro (2:1) 2:2
Tore: 1:0 Jenny Danielsson (21.), 2:0 Johanna Rasmussen (27.), 2:1 Julia Spetsmark (39.), 2:2 Melissa Tancredi (46.)

Umeå IK – Linköpings FC (0:2) 0:4
Tore: 0:1 Stina Blackstenius (15.), 0:2 Renée Slegers (25.), 0:3, 0:4 Pernille Harder (52., 75.)

Kvarnsvedens IK – Eskilstuna United (1:0) 1:1
Tore: 1:0 Meghan Toohey (26.), 1:1 Mimmi Larsson (50.)

FC Rosengård .- Kopparberg/Göteborgs FC (1:0) 2:1
Tore: 1:0 Marta (Foulelfmeter, 40.), 1:1 Elin Landström (80.), 2:1 Lotta Schelin (91.)

Piteå IF – Vittsjö GIK (0:0) 2:1
Tore: 1:0 Elin Bragnum (48.), 2:0 Felicia Karlsson (58.), 2:1 Anna Hjälmkvist (94.)

Mallbackens IF Sunne – Djurgården (0:1) 0:3
Tore: 0:1 Hanna Lundqvist (32.), 0:2 Johanna Rytting Kaneryd (64.), 0:3 Madeleine Stegius (85.)

Die Tabelle:

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In der Torschützenliste sieht es derweil so aus: Pernille Harder 17, Stina Blackstenius (beide Linköping) 15, Marta 11, Ella Masar 10, Lieke Martens (alle Rosengård) 8, Tabitha Chawinga (Kvarnsveden), Pauline Hammarlund (Göteborg), Mia Jalkerud (Djurgården), Mimmi Larsson (Eskilstuna) alle je 7 Tore.

Der Zuschauerschnitt beträgt nach 15 Runden (bei einem Nachholspiel) 814 Zuschauer. Die Tendenz ist leicht steigend. Das liegt meiner Einschätzung nach weniger an der olympischen Silbermedaille, sondern vielmehr daran, dass zB Linköping jetzt die 100e0er-Marke im Schnitt passiert hat, weil das Publikum in der Stadt allmählich mitbekommt, dass da eine Meisterschaft möglich ist.

 

 

Beata Kollmats: Kreuzbandriss und andere Nachrichten

Der 22-Jährigen Innenverteidigerin Beata Kollmats (Kopparberg/Göteborgs FC) ist zum zweiten Mal in ihrer Karriere das Kreuzband gerissen. Beim 6:0 Freundschaftsspielsieg gegen Zweitligist Kungsbacka musste Kollmats mit starken Knieschmerzen den Platz verlassen, die Befürchtung bestätigte sich und damit fällt Beata für die gesamte Saison 2015 aus.

Pia Sundhages Äußerung vor gut einem Monat, dass sie wohl ihren Job verlieren werde, falls Schweden in einem WM-Viertelfinale ausscheidet, relativierte nun Sundhages Weggefährtin und Sportchefin beim schwedischen Fußballverband Marika Domanski-Lyfors in einem Interview mit der Zeitung Expressen: „Unsere Zielvorstellung vor Meisterschaften ist, dass die schwedische Frauenfußballnationalmannschaft eine Medaille gewinnen soll. Da kommt niemand dran vorbei und das scheint mir auch ein realistisches Ziel zu sein. Das ist unser Wunsch, aber dies als Bedingung dafür anzusehen, dass Pia ihren Job behält oder nicht behält, das haben wir nie gesagt.“ Im selben Artikel sagt Lotta Schelin, dass sie niemanden kenne, der Sundhages Job besser machen könnte und dass siue sich vorstellen könne, dass Pia auch noch nach 2016 (Vertragsende) Nationaltrainerin sein könne.

Mit der 22-Jährigen Arna-Sif Ásgrímsdóttir kommt eine weitere Isländerin in die Damallsvenskan. Nach einer Woche Probetraining in Göteborg erhielt die Abwehr- und Mittelfeldspielerin einen Vertrag für eine Saison mit einer Option für ein weiteres Jahr.

In Linköping trainiert derzeit mit der 16-Jährigen Courtney Strode eine offenbar hochtalentierte Amerikanerin. Trainer Martin Sjögren jedenfalls ist beeindruckt und sagte, dass Strode natürlich noch keine Startspielerin sei, aber dass nur sehr wenige 16-Jährige das wären

Rippenbruch – durch die eigene Torhüterin

Beata Kollmats vom Tabellendritten Kopparberg/Göteborgs FC wurde am Dienstagabend mit Blaulicht ins Sahlgrenska Krankenhaus gefahren. Bei einem Eckball war ihr die eigene Torhüterin Kristin Hammarström mit dem Knie in den Rücken gesprungen und hatte ihr eine Rippe gebrochen.

„Eine Rippe ist gebrochen, aber keine inneren Organe verletzt,“ so Kollmats zur Zeitung Göteborgs Posten.

Göteborg gewann sein Pokalspiel gegen den Drittligisten Kungsbacka mit 4:1.

Torbjörn Nilsson nicht zu schlagen

Anders Nord & Torbjörn Nilsson (Foto: Kopparberg/Göteborgs FC)Vergleiche zwischen Männern und Frauen sind im Frauenfußball tabu, heißt es immer. Das stimmt nur bedingt, denn man kann schon das eine oder andere mit vielen Spielerinnen diskutieren, wenn sie wissen, dass man ihnen und ihrem Sport wohlgesonnen ist und man es ernst mit ihnen meint. Aber man sagt nicht, dass sie mal gegen die Männer von XYZ aus der 5. Liga spielen sollen und dass sie dann keine Chance hätten.

Nein, Frauen können nicht gegen Männer antreten.

Beim Trainingslager des schwedischen Vizemeisters Kopparberg/Göteborgs FC taten sie es dann doch und waren chancenlos. Während ihres einwöchigen Aufenthalts in der Türkei wird nicht nur Fußball sondern in der Freizeit auch Tennis gespielt. Es geht um Teambuilding. Und die nicht mehr ganz so jungen Trainer Torbjörn Nilsson und Anders Nord schlugen zunächst Kristin Hammarström und Jane Törnqvist mit 6:1, danach dann sogar Beata Kollmats und Olivia Schough mit 6:0 und posierten anschließend so cool wie man mit 50+ noch aussehen kann für die Homepage des Vereins.