Linköpings FC ist schwedischer Meister 2016

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Jessica Samuelsson, Claudia Neto, Renée Slegers, Stina Blackstenius

Sie haben es früher geschafft als sie wohl selber geglaubt haben. Trotzdem hatte jemand goldene Hüte und Sekt eingepackt, als die Mannschaft am Sonntag zum Auswärtsspiel ins kleine Vittsjö fuhr.

Kristine Minde macht (wieder) ein Kopfballtor und besorgte die Führung und Stina Blackstenius entschied das Spiel als sie schneller als zwei Gegnerinnen war und dann auch noch Torfrau Katie Fraine umkurvte und den Ball ins leere Tor schob. Linköping hatte somit seinen Pflichtanteil geleistet. Den achtzehnten Sieg im zwanzigsten Spiel. Zwei Unentschieden gegen Rosengård und Örebro auswärts kamen dazu.

Rosengård, der Meister von 2010, 2011, 2013, 2014 und 2015, musste eine Stunde nach dem Anpfiff in Vittsjö daheim gegen den zweiten CL-Teilnehmer Eskilstuna United ran. Und erlebte sein blaues Wunder. Lotta Schelin und Lieke Martens verletzt und nicht einsatzfähig. Marta musste in der zweiten Halbzeit dann raus, als sie vom Ellenbogen Nathalie Björns getroffen wurde. Und nachzusetzen hatte man nichts mehr. 0:1 durch Mimmi Larsson und 0:2 durch Marija Banusics Freistoss. Beim 5-Punktevorsprung mit zwei Spielen ausstehend, war das die Meisterschaft. Am Ende schoss Natasa Andonova zwar noch den Anschlusstreffer, aber nur ein Sieg hätte die Meisterschaft für Linköping noch einmal aufgeschoben. Und davon waren die Rosengårdspielerinnen weit entfernt. Zu wenig motiviert, zu ausgelaugt, die Luft war wohl schon nach dem 0:1 in Linköping vergangenen Sonntag raus.

Linköping hat verdient den Titel geholt. Trainer Martin Sjögren, der meiner Meinung nach Nachfolger von Pia Sundhage werden wird 2018, hat in den letzten drei Jahren eine fantastische Arbeit geleistet. Ein Team, gemischt aus lokalen und regionalen Talenten, dau schwedischen Jungnationalspielerinnen und einigen ausländischen Ergänzungen, keine Stars sondern Spielerinnen wie die großartige Claudia Neto aus Portugal, die in Linköping ihren Weg machte -eine pure Freude, der 28-Jährigen zuzuschauen, wenn sie im zentralen Mittelfeld die Bälle verteilt und das Tempo bestimmt.

Jetzt muss man sehen, ob man es schaffen kann, Pernille Harder und Blackstenius zu halten, an denen die ausländischen Agenten und Topclubs interessiert sind. Linköping könnte aber auch mit dem Pfund wuchern, dass man hier etwas aufgebaut hat, das auch in Europa weit kommen könnte, wenn das Team zusammenbleibt und sich vielleicht sogar noch auf 2-3 Positionen klug verstärkt.

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Marta ist die beste Spielerin der Welt

28669538453_e51fe4f5a3_o27920367010_6c9c3200be_kSchreibts an alle Wände. Die beste Fußballspielerin der Welt heißt immer noch Marta Vieira da Silva. Gebt Preise an Ada Hegerberg, Amandine Henry, Dzsenifer Marozsan, Carli Lloyd und an wen auch immer, das sind tolle Vertreterinnen ihres Sports.

Aber an Marta kommen sie nicht ran.

Das schwedische Pokalfinale heute zwischen Rosengård und Linköping lieferte den Beweis für die exzeptionelle Klasse der 30-Jährigen Brasilianerin. Rosengård gewann nach einer überzeugenden Mannschaftsleistung hochverdient mit 3:1 und ich frage mich ernsthaft, wie Linköping den FC Rosengård davon abhalten will, abermals schwedischer Meister zu werden. Trotz eines potentiellen 2-Punktevorsprungs, wenn Linköping sein Nachhoslspiel gegen Göteborg auswärts gewinnt. Denn am 9. Oktober geht es in Linköping um die Wurst und in der Form von heute wird Rosengård nicht zu stoppen sein.

Überragend im defensiven Mittelfeld: Anita Asante. Die 31-Jährige Engländerin ist neben Katrin Schmidt die beste Mittelfeldspielerin Europas, die aus unerfindlichen Gründen nicht in einer Nationalelf spielt. Ich hoffe, dass Mark Sampson eine DVD des heutigen Spiels bekommt. Asante räumte alles ab im Mittelfeld, hielt den Ball, wenn es nötig war und spielte wunderbare Pässe nach vorn.

Lotta Schelin zeigte eine sehr starke erste Halbzeit und als Marta einen schwachen Pass von Magdalena Ericsson attackierte und die 32-Jährige mit einem perfekten Ball bediente, zog sie etwas nach links, um dann den Ball mit dem linken Fuß im rechten unteren Eck zu versenken.

Kurz nach Wiederanpfiff das 2:0. Marta auf der rechten Seite, alle erwarten eine scharfe Flanke oder einen Schuss, aber die Frau aus Diois Riachos hebt den Ball aus dem Stand etwa 15 Meter maßgerecht auf die neben dem linken Pfosten platzierte Lieke Martens die den Ball unhaltbar ins Tor drischt.

Nur sehr kurz kam Spannung auf, als Stina Blackstenius mit einem Kopfball den vermeintlichen Anschlusstreffer erzielte.

Fast im Gegenzug bekam Marta den Ball, im Zweikampf mit Jonna Andersson, immerhin Silvermedaillengewinnerin bei Olympia, drehte sich Marta fast zweimal um die eigene Achse und hatte so Andersson ausgetanzt. Zog mit links ab und erzielte das 3:1.

Es gab noch mehr Marta an diesem denkwürdigen Nachmittag, an dem die Brasilianerin zeigte, dass sie einfach immer noch ein Register hat, mit dem sie Spiele entscheidend verändern kann. „Als ich heute aufwachte, dachte ich sofort daran, dass wir diesen Titel gewinnen müssen. Auch weil ich unbedingt die Ereignisse der letzten Wochen etwas verdrängen wollte. Ich bin ganz zufrieden dem Spiel der Mannschaft und mit mir auch.“ Sagte sie zum schwedischen Fernsehen.

Portugals zwei Welten

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Claudia Neto und Carolina Mendes am vergangenen Sonntag

Heute Abend spielt die portugiesische Nationalmannschaft der Männer gegen Wales um den Einzug ins EM-Finale. CR7 – Cristiano Ronaldo –lässt dabei niemanden kalt. Abgöttisch geliebt und bodenlos verachtet.

 

CN12?

So wie Ronaldo der mit Abstand beste Spieler seines Landes ist, so ist das Claudia Neto bei den Frauen. Die 28-Jährige aus dem idyllischen Ort Portimão an der Algarve hat als Erwachsene in Portugal nie Fußball gespielt, außer in der Nationalmannschaft.

Claudia spielte eine Saison lang Futsal, dann ging sie nach Spanien, zuerst nach Saragossa, fast 1.100 km entfernt von Portimão, da blieb sie fünf Jahre, bis es sie dann nach Barcelona zu Espanyol verschlug.

2014 im Sommer wurde sie von Linköpings FC geholt.

„In Claudia bekommen wir eine Spielerin, die ihre besten Eigenschaften in der Offensive hat mit ihrer feinen Technik und ihrem Gefühl für das Spiel. Sie hat große internationale Erfahrung durch ihre Einsätze für Portugals Nationalmannschaft. Sie wird eine interessante Neuverpflichtung sein für unseren Kader und ihre Eigenschaften passen gut zu unserer Spielweise,“  sagte Trainer Martin Sjögren zu der Verpflichtung.

Er wusste damals wohl nicht, wie Recht er hatte. Denn Claudia Neto schaffte es sofort in die Startformation und sie spielte so gut, dass sie dort auch nicht mehr wegzubekommen war, bis heute. 2015 wurde sie als eine der besten Mittelfeldspielerinnen auf der alljährlich stattfindenden Fußballgala nominiert – neben Malin Diaz Pettersson und Caroline Seger.

Die meisten Spielerinnen der portugiesischen Frauennationalmannschaft spielen in der Heimat bei Traditionsvereinen (der Männer) wie Benfica und Sporting. Im Ausland sind derzeit: Carole Costa, die beim BV Cloppenburg in der zweiten Staffel Nord spielt, Raquel Infante, die beim finnischen Erstligisten Åland United auf den Åland-Inseln spielt, Monica Mendes, die beim FC Neukirch in der Schweiz verteidigt, Suzane Pires in Brasilien bei Santos und Ana Borges bei den Chelsea Ladies. Hinzu kommen die beiden „Schwedinnen“, Caroline Mendes, die gerade erst aus Russland zu Djurgården kam und meist auf der Bank sitzt und eben Claudia Neto, die spielt und spielt und die Fäden zieht bei Linköping.

Am Sonntag nach dem Spiel bei Djurgården, bei dem Carolina Mendes und Claudia Neto wohl zum ersten Mal in ihrer Karriere gegeneinander gespielt haben, habe ich mich mit Claudia kurz unterhalten.

Wie fandest du das Spiel bei Djurgårde, ihr habt 1-0 gewonnen, es war ganz schön hart?

„Ja, es war ganz schön hart, aber das Wichtigste ist, dass wir drei Punkte gewonnen haben.. Wir hatten eine ganze Menge Chancen, haben aber ganz einfach keine Tore daraus gemacht. Das passiert manchmal, so ist das im Fußball.“

Vor zwei Jahren bist du nach Schweden gekommen, den Vertrag mit Linköping hast du vorzeitig verlängert, es läuft richtig gut hier?

„Ich bin sehr zufrieden hier. Ich konnte habe alle Spiele absolviert, was natürlich gut für mich ist. Ich will der Mannschaft in jedem Spiel helfen.“

Die portugiesischen Medien haben ein wenig angefangen, sich für Claudia und damit dem Frauenfußball zu interessieren. Aber es ist noch ein weiter Weg.

„Wir träumen davon, an einer Endrunde teilnehmen zu können,“ hat sie vor ein paar Jahren gesagt, aber auch an der EM 2017 wird Portugal nicht teilnehmen, zu groß bereits der Rückstand auf den großen Nachbarn Spanien und auch auf Finnland. Selbst Irland ist noch vor den Südeuropäerinnen.

Warum seid ihr in Linköping so viel besser als letztes Jahr, wo ihr im Prinzip denselben Kader hattet? Ist die Erklärung, dass ihr jetzt ein klares 4-3-3 spielt mit Pernille (Harder), Stina (Blackstenius) und Fridolina (Rolfö) da vorne?

„Das Spielsystem passt uns besser, ja. Und alle drei Forwards sind wirklich sehr schnell und das führt dazu, dass wir einfach mehr Raum haben, in den wir spielen können.“

Wie siehst du deine eigene Rolle im Spiel?

Ich habe eine sehr technische Rolle. Ich versuche, meine Räume im Mittelfeld abzudecken und ein gutes Gleichgewicht zwischen Abwehr und Angriff herzustellen.“

 

Meisterstück?

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Die Portugiesin Claudia Neto – Mittelfeldmotor bei Linköpings FC

Nein, ich weiß nicht ob der FC Rosengård oder Linköpings FC schwedischer Meister wird. Aber gestern Abend hat Linköping dennoch ein Meisterstück abgeliefert. Gegen den Tabellendritten Kopparberg/Göteborgs FC, der eine EM-ähnliche Defensivtaktik an den Tag legte und kurz davor war, einen Punkt mitzunehmen aus der Linköping Arena, gewann man durch ein Tor von Stina Blackstenius mit 1:0.

 

Man hatte das Selbstvertrauen und die Geduld, auch noch in den letzten zehn Minuten, nicht in Panik zu verfallen und nur noch lange Bälle zu spielen. Martin Sjögren, der Trainerfuchs, hat es geschafft, dem Team einzuimpfen, dass man einfach immer nur weitermachen muss.

Und so spielten die Portugiesin Claudia Neto und die Niederländerin Renée Slegers im zentralen Mittelfeld ihren Schuh runter, unermüdlich. Und am Ende war es – wer sonst? – Pernille Harder, die den öffnenden Pass spielte, in den Lauf der richtig zum Tor stehenden Blackstenius. In der 86. Minute. Spiel aus. Drei Punkte. Linköping wieder Erster dank der mehr geschossenen Tore.

Linköping und Rosengård führen jetzt mit je 28 Punkten nach zehn Runden zwölf Punkte vor dem Dritten Eskilstuna und dreizehn Punkte vor Göteborg. Im Oktober spielen beide Teams in der Damallsvenskan gegeneinander. Vorher noch im Pokalfinale. Ob sie es schaffen, bis dahin verlustpunktfrei zu bleiben?

Eskilstuna – Linköping 1:3

16716719020_167b818c97_kDer Östgöta-Express rollt weiter. Vor etwas mehr als 1.000 Zuschauern gewann Linköpings FC auch das dritte Spiel der Saison, dieses Mal bei Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer (2016/17) Eskilstuna United mit 3:1.

Ein völlig ungefährdeter, überzeugender Sieg mit einer überragenden Pernille Harder, die im Regen ihre Saisontreffer 3 und 4 markierte. Und weil Stina Blackstenius an der Spitze der Torjägerliste bleiben wollte, erhöhte dio 20-Jährige noch auf 3:0 (Treffer # 5), ehe Marija Banusic in der 92. Minute der Ehrentreffer gelang.

Die neue Truppe von Eskilstuna hat Schwierigkeiten, klare Torchancen zu erarbeiten. Das war schon am letzten Wochenende in Vittsjö (0:1) so und setzte sich heute fort. Linköping dagegen übereugt mit seinem 4-3-3 System, obwohl dort immer noch Fridolina Rolfö und die seit langem verletzte Ukrainerin Vera Dyatel fehlen.

Linköping erster Tabellenführer

Eine Tabellenführung nach dem ersten Spieltag hat natürlich eher statistischen Wert. Linköping, für die meisten Experten auf dem Auftakttreffen am vergangenen Dienstag Topfavorit auf den Meistertitel, übernahm gleich Platz 1 der Liga durch sein 4:2 gegen Mallbacken. Stina Blackstenius ist auch die erste zweifache Torschützin, eine gute Stunde später folgte ihr Eskilstunas Neuzugang Mimmi Larsson nach.

Die bei weitem beste Zuschauerzahl gab es, ebenfalls nicht unerwartet, in Eskilstuna mit imponierenden 2980 Gästen, die das 2:1 gegen Djurgården bejubelten.

Linköpings FC – Mallbackens IF Sunne (3:0) 4:2
Tore: 1:0 Stina Blackstenius (11.), 2:0 Kristine Minde (34.), 3:0 Mariann Gajhede Knudsen (41.), 3:1 Tameka Butt (58.), 4:1 Stina Blackstenius (74.), 4:2 Clara Alm (92.)

Eskilstuna United – Djurgården (0:0) 2:1
Tore: 1:0, 2:0 Mimmi Larsson 50., 51.), 2:1 Johanna Rytting Kaneryd (94.)

In der Elitettan spielten am Sonntag:

IFK Kalmar – Östersunds DFF 3:2
QBIK – Hammarby 0:1
Växjö DFF – Hovås Billdal 1:1
Sunnanå SK – Sirius 0:1

 

 

„Frauenfußball ist kein Kassenschlager“ – ffschweden im Gespräch mit Anders Mäki

LFCIn dieser Woche hat er bekanntgegeben, dass er sich aus der Doppelbelastung Männereishockeyboss und Frauenfußballboss zurückzieht. Seine Nachfolgerin Maria Lindström wird sukzessive seine Arbeitsaufgaben beim schwedischen Erstligisten Linköpings FC übernehmen. Aber der 49-Jährige Anders Mäki behält seinen Posten als Clubchef beim Männereishockey-Erstligisten Linköpings HC. Die Zusammenarbeit zwischen Eishockey (Männer) und Fußball (Frauen) wird aber weitergehen.

Sichtbarstes Zeichen nach außen ist der Bus, mit dem die Frauen von April bis Oktober in Schweden zu Auswärtsspielen unterwegs sind und auf dem die Logos beider Vereine zu finden sind. Aber auch im Rahmen der gemeinsamen Nutzung von Trainingsanlagen und Personal aus dem medizinischen Bereich gibt es eine rege Kooperation.

Anders Mäki ist der Mann, der den Frauenfußballverein Linköpings FC aus dem Kenty BK entwickelt hat und innerhalb von knapp 15 Jahren zu einem der besten Clubs Schwedens gemacht hat.

Kurz vor der Saison hatte ich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Mäki.

Anders, wie sieht die Planung für die kommenden zwei, drei Jahre aus?

„Wir haben schon immer langfristig gedacht mit dem Ziel, die Mannschaft in der Spitze des schwedischen und europäischen Fußballs zu etablieren. Daran halten wir fest. Was die Geschwindigkeit beeinflusst, sind natürlich die wirtschaftlichen Voraussetzungen. Seit ein paar Jahren haben wir die Entwicklung eigener Talente durch unsere U19-Mannschaft und durch eine Zusammenarbeit mit dem regionalen Fußballverband von Östergötland sowie sämtlichen Mädchenmannschaften in unserer Gemeinde intensiviert.“

Das Konzept ähnelt dem vieler Vereine, die eine gesunde finanzielle Entwicklung anstreben. Auch in Umeå, wo ich mit Trainerin Maria Bergkvist sprach, hat man vergleichbare Gedanken.

„Wir sind stolz darauf, dass heute nicht weniger als acht Spielerinnen in unserem Kader sind, die in der Region aufgewachsen sind,“ erzählt Anders Mäki weiter.

„Unsere Absicht ist, auf dieser Seite so weiterzumachen und gleichzeitig auf der anderen Seite die Möglichkeit zu haben, uns mit Topspielerinnen zu verstärken.“

Schaut man sich den Kader an, so denkt man bei Spielerinnen aus der Region natürlich vor allem an Abwehrspielerin Charlotte Rohlin. Die 34-Jährige ist seit unglaublichen 27 Jahren bei Linköping und dessen Vorgänger Kenty BK aktiv gewesen.

Aber auch Jessica Samuelsson oder Sturmmegatalent Stina Blackstenius etwa kommen aus der unmittelbaren Umgebung von Linköping. 2012 sah es aber so aus, als ob Linköping eine Kraftanstrengung enormen Ausmaßes machen wollte, um den Konkurrenten LdB FC Malmö und Tyresö FF auf den Pelz zu rücken. Mit Nilla Fischer, Lisa DeVanna und Manon Melis hatte man gleich drei sehr teure Spielerinnen im Kader, dazu eine Reihe schwedischer Topspielerinnen wie Louise Fors oder Emma Lundh. Für meinen Geschmack habt ihr nach diesem Jahr die Richtung wieder geändert?

Anders Mäki ist anderer Meinung: „Nein, wir haben die Richtung nicht geändert. Wir hatten in dem Jahr einfach nicht genügend gute Spielerinnen aus unserer Region. Es galt dieselbe Philophie, aber noch einmal, die wirtschaftlichen Voraussetzungen setzen die Meßlatte für die A-Mannschaft. Die Spielerinnen, die du nennst, konnten wir nicht behalten, da sie bessere Angebote von anderen Vereinen bekamen. Wir mussten das Wachstum etwas anhalten und mehr jüngere Spielerinnen mit Entwicklungspotential einbauen.“

Linköping deklassiert Zvezda

LKPGZVEZ03Linköping war klarer Favorit gegen Zvezda, das hatte Linda Sällström schon im Interview diese Woche gesagt, aber wohl der größte Optimist hätte sich kaum träumen lassen, dass das Achtelfinale gegen den frisch gebackenen russischen Meister zu einem Spaziergang werden könnte.

Wie gut, dass Linköping eine Halbzeit lang zu zehnt spielen musste: Die amerikanische Torhüterin Katie Fraine hatte kurz vor der Halbzeitpause beim Stand von 4:0 Zvezdas Stürmerin von der Elfenbeinküste, José Nahi, mehr als unsanft von den Beinen geholt und völlig zu recht die rote Karte bekommen. Den fälligen Elfmeter hielt die schnell eingewechselte norwegische Ersatztorhüterin Hilde Gunn Olsen mit der rechten Hand.

LKPGZVEZ05Nicht auszudenken, wie das Ergebnis hätte ausfallen können, wenn die Schwedinnen auch die zweiten 45 Minuten zu elft bestritten hätten. Zwar zeigten die Gäste gerade zu Beginn einige durchaus gefällige Aktionen, aber mit Ausnahme eines Schusses knapp neben das Tor und einem Freistoß den Fraine zur Ecke lenkte, war auch Nahi immer glänzend bei Maja Krantz oder Charlotte Rohlin aufgehoben, außer in der 43. Minute eben.

Fridolina Rolfö zeigte eine starke erste Halbzeit, wurde dann aber von Coach Martin Sjögren gegen die Ersatztorhüterin ausgewechelt, wohl vor allem, um sie zu schonen.

Am Montagmorgen starten 16 Spielerinnen nach Moskau und weiter nach Perm, wo am Mittwoch bei voraussichtlich leichten Minustemperaturen nur noch eine Pflichtaufgabe wartet. Das Linköping im März 2015 das Viertelfinale bestreiten wird, daran zweifelt niemand mehr. Zvezda 2005 hätte in Schweden sicherlich Probleme, die Klasse zu erhalten, vor allem wegen einer völlig desolaten Defensive.

Linköpings FC: 1 Katie Fraine (Rote Karte 45+4.), 21 Maja Krantz, 7 Charlotte Rohlin, 3 Janni Arnth, 20 Magdalena Ericsson,-, 6 Marianne Gajhede Knudsen, 12 Claudia Neto, 14 Fridolina Rolfö (ab 45+5 Hilde Gunn Olsen), 19 Christine Minde, 16 Pernille Harder (ab 78 Emma Lennartsson), 25 Jonna Andersson (ab 69. Linda Sällström).

Tore: 1:0 Charlotte Rohlin (11.), 2:0 Pernille Harder (26.), 3:0 Fridolina Rolfö (37.), 4:0 Magdalena Ericsson (39.), 5:0 Marianne Gajhede Knudsen (75.)

Kein Zuschuss

Kurzmitteilung

 

Linköpings FC trifft nach dem Sieg über den alten und neuen englischen Meister Liverpool Ladies FC nun auf den russischen Vertreter Zvezda aus der Stadt Perm im Uralgebirge. Die knapp 3000 km lange Reise zum Rückspiel in Perm kostet nach Angaben des Vereins umgerechnet rund 43.000 €. Der Beitrag der UEFA deckt ungefähr ein Drittel. Nun hatte der Verein die Stadt Linköping um einen Beitrag von 300.000 Kronen in die Reisekasse gebeten. Abgelehnt! Es sei unangemessen, dass die Stadt aus Steuergelden internationalen sportlichen Austausch fördere, so hieß es aus dem Rathaus. Ganz anders bestückt dagegen der Achtelfinalist Paris Saint-Germains PSG flog gestern Abend seine Nationalspielerinnen Lira Alushi, Kosovare Asllani, Josephine Henning, Annike Krahn und Caroline Seger mal eben mit der Privatmaschine von Örebro nach Paris, damit sie am Samstag fit sind, um gegen Olympique Lyonnais zu bestehen

ffschweden hat mal nachgerechnet. Der Hin- und Rückflug ist für rund 500 € pro Kopf mit einer guten Verbindung zu bekommen. Die Ankunft in Perm mit allen Linienflügen ist mitten in der Nacht. Wenn 25 Personen reisen, bekommt man den Flug also für 12.500 €. Bleiben also nach der Angabe des Clubs 30.500 € für Übernachtungen und Verpflegung sowie lokale Transporte.

Im teuersten Hotel der Stadt, dem Expeditsja, kosten 13 Doppelzimmer (je 45 Quadratmeter groß und jeweils mit offenem Kamin) für drei Nächte umgerechnet 7.850 €.

Demnach blieben dann immer noch 21.650 € für die Verpflegung an drei Tagen. Mir scheint, die Reise müsste günstiger zu organisieren sein.

 

 

Janni Arnth Jensen nach Linköping

Janni Arnth (Foto: dbu.dk)

Janni Arnth (Foto: dbu.dk)

Die 44-fache dänische Nationalspielerin Janni Arnth Jensen verstärkt ab sofort Linköpings FC. Die 27-Jährige Innenverteidigerin spielte bislang beim dänischen Spitzenclub Fortuna Hjørring und ist schon heute Abend im Pokalfinale 2013/14 gegen Kristianstads DFF spielberechtigt.

Linköping nahm die Dänin bis Ende 2015 unter Vertrag. Der Club reagiert mit der Verpflichtung auf die Verletzungssorgen, die man zunächst mit Charlotte Rohlin und nun mit U19-Europameisterin (von 2012) Jennie Nordin in der Innenverteidigung hat. Außerdem laufen sowohl Rohlins wie auch Nordins Verträge nach dem Ende der Spielzeit aus.

Im Kader hat sich in der Sommerpause noch mehr getan. Lina Ringshamre (ebenfalls U19.-Europameisterin) wechselte zum Zweitligazweiten Hammarby, um dort Stammtorhüterin zu werden. Als Ersatz holte man sich AIK:s Torhüterin Hilde Gunn Olsen. Nicht verlängert wurde der Vertrag der Japanerin Aya Noguchi.

Aus Portugal kamen zwei Spielerinnen zur Mannschaft hinzu: Die 19-Jährige Jéssica da Silva und die 26-Jährige Claudie Neto, beides Mittelfeldspielerinnen und letztere Kapitänin der portugiesischen Nationalmannschaft.

Örebro ist der Verfolger

Wenn es derzeit einen Verfolger vom FC Rosengård gibt, dann ist das etwas überraschend KIF Örebro. Am Montagabend gewann die Mannschaft aus der Landschaft Närke ihr Auswärtsspiel beim nun frisch gekürten CL-Teilnehmer Linköpings FC sensationell deutlich mit 4:0.

Ogonna Chukwudi hatte Örebro in der ersten Halbzeit mit einem Doppelschlag auf die Siegerstraße gebracht. „Die waren einfach viel besser als wir heute und mengtal haben sie schon nach dem ersten Tor gewonnen, so fühlt es sich an. Da haben wir unser ganzes Selbstvertrauen verloren,“ sagte eine enttäuschte Magdalena Eriksso der Zeitung Östgöta Correspondenten.

„Örebro ist mit 100% in jeden Zweikampf gegangen, das haben wir nicht getan. Deshalb haben sie gewonnen und wir verloren,“ so Eriksson weiter.

Unterdessen wird sich Linköping in der bald beginnenden Sommerpause mit drei Spielerinnen verstärken, eine in jedem Mannschaftsteil. Das sagte Trainer Martin Sjögren im Hinblick auf die Teilnahme an der Champions League.

Lisa Ek, die am Montag mitteilte, dass sie ihr Engagement beim FC Rosengård ab dem Sommer nicht mehr weiterführen wird, kommt aber aufgrund ihrer Verletzungsgeschichte nicht in Frage. Die 32-Jährige hat bereits drei Kreuzbandrisse und zahlreiche andere Verletzungen in ihrer Biografie.

 

„Die sind mit 100% in jede

Tyresö: Rekonstruktion abgelehnt -Linköping spielt CL

Am Dienstagnachmittag hat das zuständige Amtsgericht in Nacka entschieden, dass die seit drei Monaten andauernde Rekonstruktion der Firma Tyresö Fotboll AB abgebrochen wird.

„Es gibt keine besonderen Gründe, eine fortgesetzte Rekonstruktion zu bewilligen. Die Firma kann den Beschluss in der nächsten Instanz überprüfen lassen,“ so der Verwalter Hans Ödén zum schwedischen Radio.

Das seit Monaten angekündigte Afrika-Projekt mit Nigeria (Spielerinnen und Trainer aus dem bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents sollten in Tyresö ausgebildet werden) sei zu vage formuliert, es sei überhaupt nicht klar, mit welchen Ressourcen man das Vorhaben in Angriff nehmen wolle.

„Ich habe mich als Rekonstrukteur geäußert und habe das Ersuchen um Verlängerung nicht befürwortet und da hat es auch das Finanzamt [als größter Gläubiger] nicht getan,“ so Ödén weiter.

Hans Lindberg, Geschäftsführer der Firma und Vorsitzender des Vereins Tyresö FF: „Wir werden das jetzt analysieren und melden uns dann wieder. Wie lange das dauert kann ich nicht sagen. Welche Vorteile es für die Firma haben kann, nicht in Konkurs zu gehen, wird unsere Analyse zeigen müssen.“

Am Dienstagnachmittag entschied die UEFA, dass Schweden entgegen den Meinungen vieler Experten doch mit zwei Teams an der Champions League teilnehmen 2014/15 teilnehmen wird. Neben Meister FC Rosengård rückt jetzt der Tabellendritte Linköpings FC nach, nachdem Tyresö FF auf seinen Platz verzichtet hatte.

In Linköping ist die Freude über den Bescheid natürlich riesengroß. Trainer Martin Sjögren sagte, dass man sich auch noch verstärken werde. Unter anderem sei man an ehemaligen Spielerinnen aus der nun aufgelösten Mannschaft der Tyresö Fotboll AB interessiert.

Das letzte Aufgebot

Der achte Spieltag der Damallsvenskan wurde heute Abend mit der Begegnung Linköpings FC – Tyresö FF abgeschlossen. Das Spiel endete mit einem klaren 3:0-Sieg für Linköping, für das Pernille Harder erstmals nach ihrer Ermüdungsfraktur im Fuß wieder spielte und gleich wenige Minuten nach ihrer Einwechslung das 2:0 köpfte.

Ein höherer Sieg wäre möglich gewesen, aber die Finnin Tinja-Riikka Korpela machte ein großes Spiel und rettete mehrere Großchancen der Gastgeber. Die Schussstatistik endete mit 19:2 für Linköping, daran sieht man, wie sehr sich das Team Tyresös seit der Finalniederlage gegen Wolfsburg in Lissabon vor zwei Wochen geändert hat.

Um seine Juniorinnen, die er einsetzen musste, nicht zu Kanonenfutter werden zu lassen, ließ Tony Gustavsson neben Lisa Klinga, Linda Sembrant und Line Røddik Hansen ausnahmsweise Madelaine Edlund (!) in der Rechtsverteidigung auflaufen. Malin Diaz und Lisa Dahlkvist im Mittelfeld und der Sturm bestand nicht mehr aus Marta, Christen Press undEdlund, sondern aus Emelie Högman, Lina Sundelin und Rebecca Nyberg. Eingewechselt wurden später Astrid Wemö Larsson, Hanna Mohammed und Linda Tzelidis. Das zeigt, wie sich der Kader verändert hat. Wie bereits früher berichtet, befinden sich Rilany, Thaysa und Mayara mit der brasilianischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat, Fabiana hat meines Wissens nie eine Arbeitserlaubnis bekommen.

Vorsitzender Hans Lindberg bleibt immer noch cool. Morgen muss er Papiere beim Antsgericht einreichen, die dann Grundlage für drei Monate Forsetzung der Rekonstruktion bedeuten. Aber selbst im Falle eines Konkurses gedenkt Lindberg nicht, aus der Liga zu verschwinden. Er machte darauf aufmerksam, dass das Spielrecht in der Damallsvenskan dann juristisch von der Firma Tyresö Fotboll AB an den Verein Tyresö FF zurückgehen würde. Theoretisch könne man dann den Rest der Saison mit Juniorinnen in der höchsten Spielklasse Schwedens bestreiten.

Die professionellen Spielerinnen hingegen sind alle in Kontakt mit Vereinen. In den nächsten Wochen werden wir viele Wechsel erleben. Auch in Deutschland soll es Interesse an Spielerinnen des Champions-League-Finalisten geben.

 

 

Eskilstuna an der Spitze

Eine Entdeckung - Eskilstunas kamerunische Stürmerin Gaelle Engamanouit

Eine Entdeckung – Eskilstunas kamerunische Stürmerin Gaelle Engamanouit

Nach dem vierten Spieltag der Damallsvenskan übernimmt Aufsteiger Eskilstuna United überraschend die Tabellenführung in Schweden. Nach drei Spielen, die man jeweils mit 2:0 gewonnen hatte, gab es zwar gestern Nachmittag das erste Gegentor durch die Nigerianerin Francesca Ordega in Piteå, aber man nahm aus der in Spielerinnenkreisen durchaus gefürchteten LF-Arena im hohen Norden immerhin einen Punkt mit. Die Kamerunerin Gaelle Engamanouit hatte Eskilstuna mit dem Halbzeitpfiff in Führung gebracht. Statistisch gesehen hat Eskilstuna das Auswärtsspiel durchaus dominiert und kam auf 19:5 Abschlüsse. Piteå kommt nun auf acht, Eskilstuna auf zehn Punkte in der laufenden Saison. Beide Teams wurden nicht so weit oben erwartet.

Hätte der amtierende Meister FC Rosengård gegen ein Linköping in Bestbesetzung antreten müssen, wäre eine Niederlage nicht überraschend gewesen. Aber nun fehlen einmal Ex-Malmö-Trainer Martin Sjögren sowohl Magdalena Ericsson und Charlotte Rohlin in der Abwehr, Pernille Harder im Mittelfeld und Linda Sällström im Angriff, während Rosengård weitgehend in Bestbesetzung antreten konnte. Am Ende gewann der Gastgaber Linköping vor 1.024 Zuschauern durch Tore von Jennie Nordin und Stina Blackstenius mit 2:0. Schon 2013 war es Linköping gelungen, den späteren Meister mit 3:1 zu schlagen. Martin Sjögren ist für seine taktischen Finessen bekannt und gestern blieb ihm nichts anderes übrig als die offensive Mittelfeldspielerin Christine Minde aus Norwegen auf die Position neben Jennie Nordin in der Innenverteidigung zu stellen – ein offenbar genialer Schachzug. Nordin zeigte eine fehlerfreie Leistung und handelte sich ein Sonderlob Sjögrens ein: „Macht sie so weiter, glaube ich, dass sie einen weiteren Schritt Richtung Nationalmannschaft tut,“ so Sjögren über die U19-Europameisterin von 2012. Dass ihre Europameisterkollegin Fridolina Rolfö eine der besten Neuerwerbungen innerhalb der Liga war, konnte man annehmen. Gestern sorgten Rolfö und die noch jüngere Blackstenius ständig für Gefahr. Die 18-Jährige hat 23 Spiele in der Liga absolviert und 14 Tore geschossen, ein sensationelles Resultat. Linköpings kluge EInkaufspolitik der vergangenen zwei Jahre kann man wohl Sjögren zuschreiben, der sich mit der Amerikanerin Katie Fraine auch die meiner Meinung nach beste Torhüterin der Liga (trotz der Nationaltorfrauen Lindahl, Helgadottir) geholt hat. „Sie standen hoch und zwangen uns, weite Bälle zu schlagen. Wir haben unser Niveau heute nicht erreicht,“ so Rekordnationalspielerin Therese Sjögran nach dem Spiel.

 

Linköping ins Viertelfinale

Im Achtelfinale des schwedischen Pokals gewann Linköping am Abend das Spitzenspiel gegen Kopparberg/Göteborgs FC mit 3:1. Torschützen: Renée Slegers, Stina Blackstenius und Emma Lennartsson für die Gastgeberinnen und am Ende dann noch Göteborgs teurer Neuzugang Manon Melis.

Alle Toren fielen in der zweiten Halbzeit. Linköpings Trainer Martin Sjögren auf der Homepage des Vereins: „Wir haben in der ersten Halbzeit zögerlich und abwartend gespielt anstatt zu agieren. Nach der Halbzeit wurde das anders, wo wir Stina gebracht haben, die eine große Gefahr ist. Aber am Wichtigsten war, dass wir endlich agiert haben, längere Angriffe gespielt haben und uns näher an deren Tor begeben haben.“

Mit Stina meint Sjögren Stina Blackstenius, eines der wohl größten schwedischen Sturmtalente – Anfang Februar gerade mal 18 Jahre alt geworden. Merkt euch den Namen.