Damallsvenskan 2016 – der Tipp

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Zwei Spielerinnen, die auch 2016 von sich reden machen dürften: Natalie Björn (hier noch AIK, jetzt Eskilstuna United) und Natasa Andonova (FC Rosengård)

Der FC Rosengård ist auch 2016 Topfavorit auf den Meistertitel in Schweden. Während der Saison 2015 gingen Anja Mittag und Ramona Bachmann, aber der übrig gebliebene Stamm plus die neu geholten Gaelle Engamanouit, Natasa Andonova und Lieke Martens geben der Mannschaft dennoch ausreichend Spitzenkompetenz, um mehr oder minder einsam an der Spitze zu kreisen. Zu rechnen ist überdies damit, dass Star Caroline Seger nach dem Ende der Saison in Frankreich zum FC Rosengård hinustösst, wo nicht nur die besten Rahmenbedingungen herrschen, sondern mit Therese Sjögran auch Segers BFF als Sportchefin tätig ist. Ausserdem lebt die Familie der 30-Jährigen unweit von Malmö.

Ich sehe nur ein Team, das Rosengård herausfordern kann und das ist der Vorjahresvierte Linköpings FC. Dort ist zwar die legendäre Charlotte Rohlin in Fussballerinnenrente gegangen, sie wird aber problemlos ersetzt durch Magdalena Ericsson. Die 22-Jährige, die in der Nationalmannschaft Linksverteidigerin spielt, wird von Coach Martin Sjögren (bester Trainer der Liga?) in die Mitte neben der routinierten Dänin Janni Arnth eingesetzt. Sjögren hat sich entschieden, auf 4-3-3 als Spielsystem zu setzen. Im Angriff haben die jungen Pernille Harder, Fridolina Rolfö und Stina Blackstenius bereits in den Testspielen ordentlich hingelangt und selbst als Rolfö wegen Verletzung ausfiel, sorgte die Norwegerin Kristine Minde für Torjubel. Im Mittelfeld hat man mit der filigranen Technikerin Claudia Neto und Renée Slegers zwei exquisite Spielerinnen. Linköping wird Zweiter und erreicht sein Saisonziel Champions League.

Platz drei geht an den Viemeister von 2015. Eskilstuna United hat etliche Schlüsselspielerinnen durch Karriereende (Petra Larsson und Sofie Persson) verloren und die Kamerunerin Gaelle Engamanouit an den schärfsten Konkurrenten Rosengård. Aber Coach Victor Ericsson hat interessante Neuverpflichtungen geholt. Vor allem Marija Banusic könnte bei ihm den Durchbruch schaffen. Er hat bereits Olivia Schough zu neuen Karrierehöhen verholfen. Ausserdem holte Ericsson zwei AIK-Talente mit Petra Andersson und Natalie Björn. Björn habe ihm am meisten imponiert, sie sei schon jetzt eine Führungsspielerin, sagte Ericsson am Rande des Medienauftaktes der Damallsvenskan. Dennoch reicht das „nur“ zu Platz 3.

Dahinter wird es schwierig. Der Vorjahresdritte Piteå IF hat Pauline Hammarlund an Göteborg abgeben müssen, Hanna Pettersson og sich bei einem der ersten Trainings einen neuerlichen Kreuzbandriss zu. Aber mit Felicia Karlsson könnte Piteå einen Glücksgriff getan haben. Die vielleicht schnellste Stürmerin der Liga (Linda Sällström?) hat einen Durchbruch längst verdient und könnte ihn bei Stellan Carlsson schaffen, der schon Hammarlund und Emilia Appelqvist veredelt hat. Ich sehe Piteå knapp auf Platz vier vor Kopparberg/Göteborgs FC, das immer um den Titel mitspielen will, sich dann aber doch nicht entsprechend verstärkt. Die Niederländerinnen Manon Melis, Lieke Martens und Danielle van de Donk haben den Club verlassen, mit Pauline Hammarlund und Elin Landström hat man zwei grosse Talente geholt. Das Team ist jünger und wieder wird es nicht für die Champions League reichen. Platz 5. Sollte Lotta Schelin zurückkehren, wie Gerüchte besagen, dann könnte sie Göteborg doch noch ein wenig weiter nach oben bringen, aber wohl kaum in die Champions League.

Vittsjö GIK hat sich nach zwei mittelmässigen Spielzeiten enorm verstärkt. Mit Katie Fraine holte man die beste Torhüterin der Liga aus Linköping und die Nigerianerin Ngozi Okobi wirbelte bei der WM in Kanada 2015 die schwedische Abwehr nach Belieben durcheinander. Schaun mer mal, ob sie das auch in der Liga schaffen wird. Hinzu kamen eine weitere Nigerianerin, die Finnin Emmi Alanen und die physisch starke Clara Markstedt. Platz sechs sollte keine Utopie sein, wenn das Trainerduo unter der Führung von Thomas Mårtensson das Team zügig einspielen kann.

Für KIF Örebro bleibt dann nur Rang 7 übrig. Hanna Folkesson absolvierte 2015 kein einziges Spiel für den ehemaligen Vizemeister und Lisa Dahlkvist verliess ihren Mutterclub, um mit Caroline Seger wesentlich lukrativer das PSG-Mittelfeld zu bespielen. Ende des Jahres hagelte es Rücktritte. Elin Magnusson, Sanna Talonen und Susanna Lehtinen hingen die Fussballschuhe an den Nagel und werden enorm fehlen. Das Gefüge im Team verändert sich. Hinzu kommt, dass die Nigerianerin Sarah Michael einen Kreuzbandriss erlitt und man deshalb schnell die 34-Jährige Melissa Tancredi aus Kanada holte. Interessant zu sehen wird, inwieweit Mittelfelddiamanttalent (ein neues Wort…) Michelle De Jongh weiter von sich reden machen wird. Ein Interview mit ihr kommt in der nächsten Woche.

Achter in der Liga ist dann die einstige Fussballgrossmacht Umeå IK, die längst auf dem Boden der finanziellen Realitäten angekommen ist. Immerhin konnte man Nationalspielerin Jenny Hjohlman behalten und auch Supertalent Lina Hurtig. Letztere ist allerdings noch verletzt, aber zu mehr als Platz acht reicht das nicht. Zu unbeständig war das Team 2015, was der mangelnden Routine und auch der fehlenden Breite im Kader geschuldet ist.

Elisabet Gunnarsdottir ist schon im achten Jahr Trainerin von Kristianstads DFF und gestern hat ihr Team ganz gut ausgeschaut bei Meister Rosengård, was allerdings an einer eher indiskutablen Leistung der Gastgeber in Malmö lag. Die finanziellen Probleme haben Gunnarsdottir zu einer erheblichen Verjüngung des Kaders gezwunfen, mehr als Platz neun ist damit leider nicht drin.

Aufsteiger Djurgården schafft es trotz interessanter Neuverpflichtungen nur knapp, in der Liga zu bleiben. Gegen Linköping erlitt man eine knallende 1:6-Niederlage, es hätte auch zweistellig ausgehen können und ich sah nur wenig Erstklassiges. Die Paraden von Gudbjörg Gunnarsdottir, die wieder dabei ist. Die Innenverteidigerinnen Sheila van den Bulk und Petronella Ekroth sind solide, aber nicht erstklassig. Das ist dafür das zentrale Mittelfeld mit Emilia Appelqvist und Katrin Schmidt. Vorne sollen Mia Jalkerud, Alexandra Höglund und Madeleine Stegius alles richten, verstärkt durch die Portugiesin Carolina Mendes. 

Mallbacken schaffte es letztes Jahr um Haaresbreite, ein Tor besser als Hammarby, die Klasse zu erhalten. In diesem Jahr hat man Mimmi Larsson an Eskilstuna abgeben müssen. Die Neuverpflichtungen, u.a. mit Kirsty Yallop aus Vittsjö sind solide, aber es reicht leider nicht aus. Möglich wird es, wenn man es schafft, zu Hause den Heimvorteil mehrfach zu nutzen. Ein Spiel in Mallbacken ist etwas Besonderes, das haben mir schon viele Spielerinnen anderer Clubs erzählt.

Kvarnsveden hatte kein Geld, nach dem Aufstieg etablierte Spielerinnen aus der ersten Liga zu holen. Stattdessen gab es nur vier Neue aus der Elitettan. Superstar Tabitha Chawinga, die das Team mit ihren 42 Toren in 26 Spielen fast im Alleingang nach oben schoss, alleine kann es auch nicht richten. Chawinga wird sowieso heiss begehrt von allen anderen Clubs sein. Die 20-Jährige Malawierin hat sich dennoch 25 Tore zum Ziel gesetzt. Schafft sie das, dann hat Kvarnsveden eine Chance. Aber woher sollen die Bälle kommen?

Also, noch einmal zusammengefasst:

  1. FC Rosengård
  2. Linköpings FC
  3. Eskilstuna United
  4. Piteå IF
  5. Kopparbergs/Göteborg FC
  6. Vittsjö GIK
  7. KIF Örebro
  8. Umeå IK
  9. Kristianstads DFF
  10. Djurgården
  11. Mallbacken
  12. Kvarnsveden
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ffschweden im Gespräch mit: Susanna Lehtinen

Wird auch 2015 wieder ein Jubeljahr für KIF Örebro?

Wird auch 2015 wieder ein Jubeljahr für KIF Örebro?

80 Länderspiele hat Susanna Lehtinen für Finnland gemacht und gerade bereitet sie sich auf ihre achte Saison für KIF Örebro vor, eine Saison in der sie erstmals Champions League spielen wird. Vergangene Woche hatte ich Gelegenheit, mich mit der 31-Jährigen Außenverteidigerin zu unterhalten.

In den vier Wochen in der Vorbereitung auf die Saison, die am Wochenende nach Ostern beginnt, hat KIF Örebro zwei Vorbereitungsspiele absolviert, gegen eine Jungenmannschaft Jahrgang 1998 und gegen den Ligarivalen Hammarby, die Begegnung endete 1:1. Wie sieht es im Kader aus?

„Bis auf Ogonna Chukwudi sind jetzt alle Spielerinnen zurück und das ist natürlich wichtig,“ sagt Susanna Lehtinen.

Ein Teil eures Erfolgs im letzten Jahr ist sicher darauf zurückzuführen, dass ihr doch über mehrere Jahre lang mit einem sehr ähnlichen Kader gespielt habt. Nun aber haben Stephanie Labbé, Annika Kukkonen, Lucie und Irene Martinkova den Verein verlassen und ihr müsst fast das komplette Mittelfeld neu einspielen. Wie denkst du darüber?

„Natürlich ist das eine Veränderung und wir müssen uns einspielen, aber unsere Neuzugänge Carola Söberg, Hanna Folkesson und Lisa Dahlkvist sind allesamt routinierte Kräfte und ich gehe davon aus, dass sie sich leicht integrieren lassen.“

Der zweite Platz im Vorjahr war ein bisschen unerwartet für die Experten, wir hatten euch natürlich in der oberen Hälfte der Tabelle gesehen, aber nicht gedacht, dass ihr so renommierten Teams wie Kopparberg/Göteborgs FC und Linköpings FC den Champions-League-Platz wegschnappen würdet. Wieso habt ihr das geschafft?

„Wie du schon gerade gesagt hast, so haben wir eine Mannschaft, die lange zusammengespielt hat. Wir hatten absolut kein Glück. Nach der letzten Trainingswoche 2013 und ab da haben wir intensiv an Details in unserem Spiel arbeiten können. Wir hatten ja schon immer eine ordentliche Defensive und konnten darauf aufbauen.“

Über KIF Örebro haben mir andere Spielerinnen im Laufe der Jahre immer wieder gesagt, dass es sehr schwer ist, gegen euch zu spielen, aber auch, dass ihr einen ziemlich langweiligen Fußball spielt. Ich habe euch in der zweiten Hälfte der letzten Saison mehrmals im Stadion gesehen und kann sagen, dass ihr jetzt einen sehr schönen Fußball spielt, in dem sich die verschiedenen Mannschaftsteile harmonisch ergänzen. Was ist passiert?

„Es ist jetzt einfach so, dass wir heute mehr Ballbesitz haben als früher und wir wollen den Ball auch im Angriff behalten,“ erklärt Susanne Lehtinen. Und sagt mir nochmals, dass man an sehr vielen Details im Spiel gearbeitet habe.

Sprecht ihr schon mal über die Champions League, die im Herbst auf euch wartet?

„Nein, ehrlich gesagt machen wir das nicht. Das ist einfach noch so weit weg, wir konzentrieren uns auf die Saison, die jetzt kommt und bemühen uns, dass wir unser Spiel zum Laufen bringen.“

Was müsst ihr denn noch verbessern?

„Vor allem das Spiel im klassischen letzten Dritten, da können wir noch besser und gefährlicher werden.“

Ihre Nationalmannschaftskarriere hat die 31-Jährige am Ende der Saison 2014 ebenso beendet wie Mannschaftskameradin und Landsmännin Sanna Talonen. Kein gemeinsamer Beschluss, versichert sie mir.

„Das nächste große Turnier für Finnland ist frühestens 2017 [EM in den Niederlanden], also dachte ich, dass dies ein guter Zeitpunkt zum Aufhören ist und dass ich mich ganz auf den Vereinsfußball konzentriere. Jetzt kommen auch ganz viele junge Frauen aus dem Jahrgang 1994, der bei der WM in Kanada dabei war und wenn man sich die aktuelle Truppe anschaut, die Trainer Andrée Jeglertz für das Länderspiel gegen Schweden in der nächsten Woche nominiert hat, dann muss ich zugeben, dass ich viele von denen gar nicht kenne. Es ist eine gute Gelegenheit für Andrée jetzt eine neue Mannschaft aufzubauen.“

Susanna Lehtinen kennt man als Außenverteidigerin auf der rechten Seite, aber früher, in den USA, als sie für die Florida Atlantic spielte, da war sie mal eine sehr offensive Mittelfeldspielerin und machte 17 Tore und 29 Vorlagen in 60 Spielen. Aber jetzt bist und bleibst du Abwehrspielerin?

„Ich habe jetzt schon sehr lange in der Abwehr gespielt und fühle mich da auch sehr wohl. Aber in der Tat wurde ich erst in der finnischen Nationalmannschaft zur Abwehrspielerin und war auch bei KIF zuerst im Mittelfeld. Die Erfahrung von anderen Positionen ist etwas, das mir als Abwehrspielerin nutzt.“

Susanna ist neben Elin Magnusson und Marina Pettersson Engström nun die dienstälteste Spielerin bei KIF Örebro, folglich gefällt es ihr in der100.000-Einwohnerstadt, gut zwei Zugstunden von Stockholm entfernt.

Spürt ihr irgendeine Art von Druck jetzt als Vizemeister, sind die Erwartungen höher als 2014?

„Naja, wenn man sich das reine Ergebnis anschaut, gibt es da nur noch einen Platz, um den man sich verbessern könnte,“ beginnt Susanna Lehtinen.

„Aber ganz so einfach ist das nicht. Wir müssen realistisch sein und das Wichtigste ist, wie ich schon gesagt habe, dass unser Spiel funktioniert und dann werden wir wie letztes Jahr ein Spiel nach dem anderen sehen und am Ende schauen, wo wir stehen.“

Wie schon 2014 heißt der erste Gegner in einem Wettbewerbsspiel FC Rosengård. Vor Jahresfrist gewann man im schwedischen Pokal mit 2:1 in Malmö, jetzt kommt der Meister nach Örebro zum Ligaauftakt. Susanna weiß nicht recht, was sie davon halten soll, findet dann aber, dass man halt sehen wird, wie weit man in der Vorsaison gekommen ist.

Wieder mal auf Bosön

Die schwedische Nationalmannschaft beendet das Jahr 2013 nicht mit Qualifikationsspielen zur WM, sondern mit einem ausgiebigen Trainingslager, seit einigen Jahren auch gerne Lehrgang genannt, auf Bosön in der Nähe von Stockholm.

Recht abgeschieden von der Öffentlichkeit, die dennoch zugelassen wäre, lässt es sich hier, in einem der Leistungszentren des schwedischen Spitzensports arbeiten. In der „Vinnarhallen“ (Siegerhalle) gibt es einen vollgroßen, überdachten Kunstrasenplatz.

Pia Sundhage und ihre Assistentin Lillie Persson, in der Öffentlichkeit treten die Beiden in skandinavischer Eintracht immer mehr als nahezu gleichberechtigtes Team auf, hatten 28 Spielerinnen eingeladen, von denen eine ganze Reihe abgesagt, eine ganze Reihe nachnominiert wurden.

Kristin und Marie Hammarström waren im ersten Kaderentwurf dabei, beendeten dann aber, wie sich das für eineiige Zwillinge gehört, am selben Tag ihre Karrieren.

Abgesagt haben auch Charlotte Rohlin, Elin Rubensson, Josefine Öqvist, Carola Söberg, Marija Banusic und Josefin Johansson.

Auf Bosön dabei sind jetzt:

Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Malin Reuterwall (Umeå IK), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)

Mia Carlsson (Kristianstads DFF), Magdalena Ericsson Linköpings FC), Nilla Fischer (VfL Wolfsburg), Amanda Ilestedt (LdB FC Malmö), Elin Landström (Umeå IK), Lina Nilsson (LdB FC Malmö), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Sara Thunebro (vereinslos)
Petra Andersson (AIK), Emilia Appelqvist (Piteå IF), Kosovare Asllani (Paris SG), Lisa Dahlkvist(Tyresö FF), Hanna Folkesson (Umeå IK), Antonia Göransson (Turbine Potsdam), Jenny Hjohlman, Lina Hurtig (beide Umeå IK), Sofia Jakobsson (BV Cloppenburg), Emmelie Konradsson (Umeå IK), Emma Lundh (AIK), Elin Magnusson (KIF Örebro), Lotta Schelin (Olympique Lyonnais), Olivia Schough (Kopparberg/Göteborgs FC), Caroline Seger (Tyresö FF), Therese Sjögran (LdB FC Malmö).

 

Alles entschieden in Schweden?

Zwei Spieltage vor dem Ende der Saison 2013 scheinen alle relevanten Entscheidungen in der Damallsvenskan gefallen zu sein. Im Fokus steht ab heute erst einmal die erste Hauptrunde der Champions League.

Nach dem gestrigen 1:1 von (Ex-?)Meister Tyresö FF bei Piteå konnte Malmö heute mit einem Heimsieg auf sechs Punkte davon ziehen.

Im Fernsehspiel dieser Runde gewann Malmö denn auch mit 4:2 über KIF Örebro. Ein ereignisreiches Spiel. In der ersten Halbzeit stand Anja Mittag mehrfach im Mittelpunkt des Geschehens vor lediglich 805 Zuschauern.

Aber erst einmal fiel das 1:0 für Malmö, eine typische Szene als Therese Sjögran sich auf der linken Seite auf engstem Raum gegen mehrere Gegenspielerinnen durchsetzte und dann schräg zurück nach innen passte. Da sah Manon Melis, was Sjögran vorhatte, lief in die Lücke und schoss das Führungstor.

Anja Mittag hätte dann auf 2:0 erhöhen können, wurde leicht am Arm gezogen und flog dann in hohem Bogen durch den Strafraum. Pernilla Larsson war aufgrund des Falls wohl überzeugt worden, zeigte auf den Elfmeterpunkt und Mittag lief selber an, schoss besser als vor Jahresfrist gegen Tyresö und Carola Söberg, aber Stephanie Labbé rettete mit einem beherzten Satz in die linke Ecke.

Vier Minuten später konnte Anja sich dann wieder bei Larsson bedanken. Nach einem Zweikampf mit der Nigerianerin Sarah Michael gingen beide zu Boden und reflexartig trat Anja der Nigerianerin leicht gegen den Oberschenkel. Etwas, das sie später in der Halbzeitpause schon arg bedauerte und zum Fernsehsender TV4 Sport sagte sie, dass sie sich selber gewundert habe, dass Pernilla Larsson ihr nur die gelbe Karte zeigte. Auch Michael reagierte zurück und sah ebenfalls nur gelb.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff zeigte Malmö dann seine Stärke, ein blitzschneller Angriff, ein brillanter Pass von Ramona Bachmann nach rechts außen auf Lina Nilsson, die aus vollem Lauf nach innen flankte und dort stand Kathleen „Paula“ Radtke und versenkte das Leder zum 2:0. Ähnlich schnell ging es zu, als Manon Melis dann Bachmann gar zum 3:0 auflegte. Und alles sah rosig aus.

Dass es heute nicht Anja Mittags Tag war, bescherte uns dann aber das Tor des Tages und wer kann so etwas besser schießen als Sarah Michael? Ein Kopfball zurück in die eigene Defensive von Anja landete vor den Füßen der Nigerianerin, die nicht fackelte und aus 22 Metern direkt und knallhart in den linken Winkel abzog.

Fast im Gegenzug dann das 4:1 durch ein Eigentor, wieder nach einer blitzartigen Attacke. Das sieht gut aus.

Was nicht gut aussieht vor der Champions-League ist, dass Örebro in den letzten 20 Minuten immer wieder Chancen bekam. Mittag und Bachmann gingen, für sie kamen Elin Rubensson und Yoreli Rincon. Und dann verletzte sich Lina Nilsson auch noch. Die Rechtsverteidigerin wurde ersetzt durch die erst 15-Jährige Sarah Mellouk.

Örebro kam zu mehreren Chancen, weil Malmö unter Druck durchaus anfällig ist für Flüchtigkeitsfehler. Hat der Gegner eine Klassestürmerin wie es Michael ist und auf europäischer Ebene gibt es mehr davon, dann ist Malmö verwundbar.

In der 87. Minute hat man das Spiel schon gewonnen und ist mit dem Gedanken in der Kabine oder gar zu Hause auf dem Sofa. Da gibt es Freistoß für Örebro und Marina Pettersson Engström zirkelt den von rechts in den Strafraum. Da steigt Malmös Ali Riley hoch, um sie herum aber drei (!) Örebroerinnen, die nur eine Gegnerin haben und Elin Magnusson kann schön zum 2:4 einköpfen.

Die Meisterschaft ist verdient. Die Meisterschaft MUSS in noch zwei ausstehenden Spielen nun mit einem Pünktchen gegen Umeå oder in Mallbacken gesichert werden, aber spätestens im Achtelfinale der Champions League gegen den VfL Wolfsburg braucht Malmö mehr als es in den letzten drei Spielen gezeigt hat. Die Spielerinnen sind jedoch fokussiert auf Lilleström SK, das gerade im norwegischen Pokal knapp an Stabæk gescheitert ist.

Auch der dritte Platz ist vergeben. Denn Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC versemmelt ein Spiel nach dem anderen und bezog heute eine bittere 0:3-Pleite bei Umeå IK. 0:7 Tore und ein Punkt aus den letzten vier Spielen, da kann man bei dem zwar kleinen, aber doch guten Kader schon von Krise sprechen und sollte Ursachenforschung betreiben. Die Verletzung von Johanna Almgren und vor allem der Weggang von Jodie Taylor haben das Team geschwächt. Aber was sagt das über Jessica Landström und Cathrine Dyngvold aus?

Den dritten Platz sicher hat Linköping nach seinem 2:1 Sieg bei Vittsjö. 16:3 Tore und 15 Punkte aus den letzten fünf Spielen, da hat man Göteborg elf Zähler abgenommen und holt sich das sogenannte „kleine Silber“ in Schweden. Theoretisch wäre auh noh Platz 2 drin, aber da müsste Tyresö völlig einbrechen und daheim gegen just Göteborg verlieren.

Und ganz unten ist auch fast alles entschieden. Denn zwei Runden vor Schluss liegt Jitex jetzt dank des Siegtores von Annica Sjölund gegen Kristianstad fünf Punkte vor Mallbacken, das sollte es also gewesen sein.

Zwei Runden vor Schluss. Zwölf Spiele stehen noch aus in der Liga und leider haben die Zuschauer kaum noch Dramatik zu erwarten. Malmös Meisterfeier müsste allem Ermessen nach am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Umeå besiegelt werden.

Vorher warten aber noch die LSK Kvinner und auf Tyresö am Mittwochabend Paris Saint-Germains. Am Dienstagnachmittag besuche ich die Pressekonferenz der Französinnen und halte euch auf dem Laufenden.

Schwedens Kader – wenig Überraschungen

Therese Sjögran, Fußballerin des Jahres 2010 (Archivbild)

Therese Sjögran, Fußballerin des Jahres 2010 (Archivbild)

Beim großen chinesischen Automobilhersteller Volvo (die einstmals urschwedische Automarke gehört der chinesischen Zhejiang Geely Holding Group) in Göteborg gab Pia Sundhage in einer vom EM-Fernsehsender TV4 übertragenen Sendung ihren 23-köpfigen Kader für die EURO 2013 bekannt.

Zwei Überraschungen:

Die 36-Jährige Rekordnationalspielerin Therese Sjögran wurde nominiert, obwohl sie an keinem einzigen Lehrgang Sundhages teilgenommen hat und ihr letztes Länderspiel absolvierte Sjögran am 31.03.2012 in Malmö gegen Kanada. In der Damallsvenskan sitzt die Mittelfeldspielerin unter ihrem sechs Jahre jüngeren Trainer Jonas Eidevall auf der Bank und kam in den elf Spielen dieser Saison bislang auf 238 Minuten Spielzeit, einmal immerhin sogar 41 Minuten beim 2:2 in Piteå.

Wenn Hanna Folkesson und Johanna Almgren sich im Vorfeld der EM nicht verletzt hätten, wäre es wohl nicht zu dieser Nominierung gekommen, aber sie ist schon bemerkenswert. Noch zum Brasilien-Lehrgang hatte Sundhage die beiden Supertalente Lina Hurtig und Marija Banusic eingeladen, die zusammen zwei Jahre jünger sind als Sjögran.

Elin Rubensson, 20 Jahre alte Mittelfeldspielerin und Angreiferin vom selben Verein LdB FC Malmö, wurde von Sundhage zwar gegen die Schweiz im Oktober 2012 noch nominiert, dann aber ausgemustert. Zu Thomas Dennerbys Zeiten hatten noch alle, die etwas auf sich hielten die Nominierung Rubenssons gefordert. Zuletzt beim 2:2 Malmös gegen Tyresö kam die U19-Europameisterin in der zweiten Halbzeit ins Spiel und machte von Beginn an durch glänzende Aktionen auf sich aufmerksam.

Statt der Zukunft wurde die Vergangenheit gewählt, eine Nominierung der einen Monat jüngeren Victoria Sandell Svensson oder der fast zwei Jahre jüngeren Hanna Ljungberg wäre fast ebenso konsequent gewesen. Und warum nicht auch die ein halbes Jahr jüngere Hanna Marklund?

Es ging allerdings hier um den letzten Platz, sagte Sundhage, man habe sich erst am Tag vorher entschieden, dabei ist das nicht unbedingt glaubwürdig, da sich das Gerücht schon lange hartnäckig hielt und auch ehemalige Mitstreiterinnen und jetzt objektive (?) TV-Expertinnen wie Malin Swedberg und Frida Östberg die Nominierung erwarteten bzw. massiv forderten. Die Szene ist klein…

Pia Sundhages Begründung: „Therese hat massenhaft Erfahrung von großen Turnieren, das gab am Ende den Ausschlag. Sie ist die einzige Spielerin im Kader, die nicht viel in ihrem Verein gespielt hat, also so gesehen kann man das möglicherweeise als Risiko ansehen, weil wir nicht wissen, wie sie im Spiel aussieht. Ich erwarte von ihr, dass sie vom ersten Aufwärmen bis zum letzten alles gibt.“ klingt nicht sehr überzeugend.

Überraschung zwei ist Jenny Hjohlman, die talentierte Stürmerin von Umeå IK mit Vergangenheit beim jetzigen Zweitligaschlusslicht Sundsvalls DFF. Die hat noch nie für Schweden gespielt und getreu dem Motto, wat jeht mich denn mein Jequatsche von jestern an (Altkanzler Adenauer) nimmt Pia Sundhage die 24-Jährige mit. Denn sie hatte erst vvor Wochenfrist gesagt, dass niemand, der noch nicht für Schweden gespielt hätte, mit zur EM komme. Aber Hjohlman kann ja Anfang Juni gegen England in Stenungssund bei der Generalprobe ein paar Minuten bekommen.

Der Kader:

Tor: Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Hedvig Lindahl

Abwehr: Jessica Samuelsson, Lina Nilsson, Stina Segerström, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Sara Thunebro, Amanda Ilestedt

Mittelfeld: Caroline Seger, Lisa Dahlkvist, Antonia Göransson, Therese Sjögran, Elin Magnusson, Olivia Schough, Marie Hammarström, Emmelie Konradsson, Josefine Öqvist.

Angriff: Lotta Schelin, Kosovare Asllani, Sofia Jakobsson, Jenny Hjohlman

 

Brasilien-Kader: Ohne Sjögran, aber mit Hurtig & Banusic

Pia Sundhage überrascht auch 20 Tage vor der Benennung des 23-Spielerinnenkaders für die EURO 2013. Heute gab die Trainerin Schwedens ihr Aufgebot für das Länderspiel gegen Brasilien am 19.06. bekannt und da wo viele die 36-Jährige Therese Sjögran erwartet hätten, nominierte Sundhage stattdessen zwei Spielerinnen, die zusammen jünger sind als die Rekordnationalspielerin: Lina Hurtig (Umeå) und Marija Banusic (Kristianstad), beide 17 Jahre alt und wohl die größten Talente im offensiven Bereich seit vielen Jahren, stehen erstmals im Aufgebot der Welttrainerin. Damit hatte wohl kaum noch jemand vor der EM gerechnet.

Raus ist Tyresös Torfrau Carola Söberg, die monatelang im Kader war, aber nun wohl endgültig für die rückkehrende Hedvig Lindahl weichen muss. Zurück auch Routinier Stina Segerström in der Innenverteidigung.

Hier alle 23 Namen:

Tor: Kristin Hammarström, Hedvig Lindahl, Sofia Lundgren

Abwehr: Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Stina Segerström, Sara Thunebro

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani, Marija Banusic, Lisa Dahlkvist, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Lina Hurtig, Sofia Jakobsson, Emmelie Konradsson, Elin Magnusson, Lotta Schelin, Olivia Schough, Caroline Seger, Josefine Öqvist.

 

Punktlos und ein Tor – Djurgården weiterhin Letzter

0:2, 0:2, 1:3, 0:1, 0:3. Mit nur einem erzielten Treffer liegt Djurgården weiterhin auf dem letzten Platz der Damallsvenskan. Bei den ebenfalls unter Erwartung gestarteten Kickerinnen von KIF Örebro verlor Djurgården am Samstag deutlich mit 0:3 und fing sich damit die höchste Saisonniederlage ein. Zum Nichabstiegsplatz 10, auf dem nach wie vor der heutige Gegner steht, beträgt der Abstand aber nun schon sechs beunruhigende Punkte.

Immerhin gab es in der zweiten Halbzeit einige Torchancen und vier Schüsse auf das von Stephanie Labbé gehütete Tor. Wie immer konnte sich Gudbjörg Gunnarsdottir bei Djurgården nicht über Arbeit beklagen. Mit nunmehr 37 gehaltenen Schüssen hat keine andere Keeperin der Damallsvenskan bislang so viel Arbeit gehabt wie die 26-Jährige Isländerin.

Das Problem bei solchen Statistiken ist, dass die Torhüterinnen, die sehr viel halten, meist auch viel reinbekommen. Denn oft steht halt ihre Abwehr ziemlich unter Druck. In Örebro trafen heute Elin Magnusson, Caroline Näfver und Marie Hammarström gegen das Stockholmer Team, das am nächsten Sonntag Umeå IK zu Gast haben wird.

Trainer Putte Eklöf sagte nach dem Spiel, dass man ja immer noch auf Spielerinnen warte, die in der Rekonvaleszenz seien – etwa Alexandra Höglund und Jessy Sharro, aber das ist die typische Rhetorik eines Trainers, der eigentlich wissen sollte, wie ernst es um sein Team bestellt ist, der es aber nicht sagen kann, will und darf. Denn sowohl von Höglund und Sharro, auch von Renée Slegers kann und wird man keine Wunder erwarten können. Das sind ordentlich begabte Spielerinnen – die bitter erforderliche Wende werden sie nicht herbeiführen können.

Djurgården wird in diesem Jahr Opfer seiner nicht vorhandenen Planung. Und natürlich der Tatsache, dass sich die Ressourcen massiv verschlechtert haben. Aber der Kader wurde auch seit langem nicht mehr wohlüberlegt zusammengestellt. Victoria Sandell Svensson war eine Weltklassespielerin, ob sie die Richtige war, den Posten einer Sportchefin zu bekleiden, darf bezweifelt werden. Im Jahr 1 nach dem Karriereende stand für Vickan erst mal die Familiengründung im Vordergrund, das ist akzeptabel, verständlich und nachvollziehbar. Man hätte aber eine erfahrene Position die Schwangerschaftsvertretung machen lassen müssen. Nun ist Svensson zurückgekehrt, aber ein Blick auf den Kader zeigt, dass da wenig von Planung zu sehen ist.

Man hat sich gleich mit vier Spielerinnen von Absteiger Hammarby eingedeckt, die vor allem in Stockholm bleiben wollten, aus privaten und beruflichen (nicht-fußballerischen) Gründen. Auch das ist legitim. Ein Erstliga-Club, der es bleiben will, sollte seine Positionen allerdings nach Notwendigkeiten und Zielen besetzen. In Ermangelung einer Nachfolgerin für Emma Lundh wird jetzt die 17-Jährige Madeleine Stegius vermutlich so lange in der Offensive verheizt, bis Jessica Landström kommt. Die wird die Niederlage ihres künftigen (und früheren) Vereins sicher auf ihrem Smartphone während der Busreise nach Potsdam mitbekommen haben.

Während Landström in Frankfurt zumindest davon träumen kann, für ein paar Minuten oder länger beim Champions-League-Finale in München eingesetzt zu werden, wird sie hier in Schweden einen gigantischen Rückstand aufholen müssen. Und so ist auch Landström das Beispiel einer Spielerin, die eher aus privaten, denn aus sportlichen Gründen wechselt. Kann man von dieser Art Spielerin dasselbe Engagement erwarten wie von einer Spielerin, die ihre Entscheidungen allein aus sportlichen Gesichtspunkten trifft?

 

 

Unter die Räder gekommen 1 – Djurgården

Matilda Rosquist im Duell mit Marie Hammarström (Foto: Mikael Sundberg / Skillnad AB)

Chancenlos war am Sonntag Djurgården beim Pokalsieger und Tabellenvierten KIF Örebro. Bereits das Hinspiel hatte Mikael Fahléns Truppe mit 3:1 auf dem einmalig benutzten Grimsta IP gewonnen. Heute stand es am Ende gar 4:0 für die Heimmannschaft, die drückende Überlegenheit hatte.

Vier verschiedene Torschützinnen: Zunächst Sarah Michael, die man bei Djurgården bestens kennt – die Nigerianerin stürmte vergangenes Jahr in Stockholm. Dann erhöhte die Isländerin Olina Viðarsdóttir auf 2:0 kurz nach der Pause, ehe Elin Magnusson (72.) und Emelia Erixon (75.) mit einem Doppelschlag den klaren Sieg sicherstellten.

Djurgården muss wohl erkennen, dass es nach unten optimal punktet, nach oben aber kaum Aussichten auf Erfolg hat. Die sechs bislang eingefahrenen Siege wurden mit einer Ausnahme (2:0 gegen Kristianstad) ausnahmslos gegen tabellenschwächere Teams geholt. Alle anderen Begegnungen gingen verloren. Das bestimmt die Position des Clubs ziemlich genau und sollte für nächstes Jahr zu denken geben.