Tyresö: Personalien

Tyresö_getrennte_wegeAcht Wochen nach dem Zusammenbruch der A-Mannschaft von Tyresö FF sind nun endlich fast alle Spielerinnen bei anderen Vereinen untergekommen.

Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Vero Boquete zog es bekanntlich alle in die amerikanische Profiliga NWSL, die Amerikanerinnen wurden zurückgerufen, die Spanierin Boquete spielt bei Nadine Angerers Team in Portland und wurde kürzlich Spielerin der Woche,

Torfrau Tinja-Riikka Korpela war nur wenige Monate in Tyresö und wird neue Nummer 1 des FC Bayern München. Dessen Torfrau Kathrin Längert wechselte zu FC Rosengård, wo sie demnächst nicht nur mit Jahrgangsschwester Anja Mittag spielen darf, sondern auch mit der fünffachen Weltfussballerin Marta, die Tyresö verliess, aber nun Malmö und nicht Paris als neuen Wohnort wählte. Gut unterrichteten Kreisen zufolge denkt Marta auch schon an die Zeit nach dem Fussball und will die schwedische Staatsbürgerschaft beantragen. Fusballerisch würde sich dieser Schritt jedoch nicht auswirken.

Caroline Seger zog es nach Paris wo PSG in der kommenden Saison einen weiteren Versich machen wird, Lyon und Wolfsburg von den jeweiligen Thronen zu stossen.

Die kleine, aber technisch feine Malin Diaz Pettersson wechselt zu Eskilstuna United und mit Lisa Dahlkvist Lisa Klinga und Zweittorfrau Carola Söberg zieht gleich ein ganzes Trio zum norwegischen Erstligisten Avaldsnes IL, Solide Personalpolitik sieht anders aus.

Madelaine Edlund hat sich entschieden, in die Heimat zurückzugehen. Sie ist zwar in Jönköping geboren aber aufgewachsen in Skellefteå und bei dessen Zweitligaclub Sunnanå SK setzt die junge Mutter ihre Karriere bewusst in Liga 2 fort.

Jungtalent Johanna Rytting Kaneryd wechselt zum Zweitligisten Älta IF, der nach den Rücktritten von Elaine Moura und Louise Schillgard (früher Fors) zwei wichtige Spielerinnen verloren hat.

Linde Röddik Hansen verstärkt die Abwehr von Meister FC Rosengård und trifft in Malmö auf die alten Tyresöer Kameradinnen Marta, Katrin Schmidt und Kirsten van de Ven.

Linda Sembrant verzichtet auf die Champions League und wechselte zum französischen Spitzenclub Montepellier, zu dem sich jetzt auch Sofia Jakobsson gesellt, die nach Moskau, London und Cloppenburg nun zum vierten Mal das Auslandsglück versucht.

Trainer Tony Gustavsson wurde erwartungsgemäss Co-Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft.

Noch unklar ist nun lediglich der Verbleib der vier Brasilianerinnen Thaysa, Rilany, Fabiana und Mayara, die Tyresö erst Anfang Februar verpflichtet hatte, als man schon wusste, dass man die Gehälter nicht zahlen können würde.

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Vor dem Abschied

In knapp zwei Stunden fahre ich bei fantastisch sonnigem Wetter nach Tyresö zu dem, was 2012 und 2013 noch das absolute Topspiel der Liga war. Tyresö FF, gerade heimgekehrt von einem grandiosen, aber verlorenen CL-Finale, trifft auf den Meister FC Rosengård.

Heute steht aber das Wort Abschied über allem anderen. Zumindest für die Gastgeber. Abschied von Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Christen Press und Vero Boquete, die heute ihr letztes Spiel machen im rotgelben Dress.

Am Mittwoch ist dann noch Pokal daheim gegen Umeå und am 04.06. ein Auswärtsspiel in Linköping. Danach dann der Gerichtstermin, von dem alle glauben, dass er mit dem Bescheid enden wird, dass man Tyresö Fotboll AB in Konkurs versetzen wird.

Für Meister Rosengård geht es um drei Punkte, den Abstand zu vergrößern. Die Verfolger haben Federn gelassen. Gestern. Kopparberg/Göteborgs FC mit den ehemaligen Bundesliga-Spielerinnen Andrine Hegerberg und Lieke Martens verlor gestern gegen die starke Mannschaft von KIF Örebro zu Hause mit 0:2. Und Vittsjö verpasste Jitex beim 2:;1 Heimsieg die siebte Niederlage im siebten Spiel.

Vor dem Finale 5: Christen Press

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Entscheidet Christen Press das CL-Finale 2014?

Ein Finale braucht Torschützen, am besten in der regulären Spielzeit oder Verlängerung, wenn am Ende nicht ein Elfmeterschießen einen eher glücklichen Sieger ermitteln soll.

Eine, die Tore schießen kann, die Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 war und auch die Torjägerliste der Champions League 2013/14 mit bislang neun Treffern anführt, ist Tyresös 25-Jährige amerikanische Nationalspielerin Christen Press. Am vergangenen Samstag habe ich mich mit der Weltklassestürmerin getroffen, um ausführlich über ihre Zeit in Europa zu sprechen. Das kommt in einem zweiten Teil in der kommenden Woche. Am Anfang unseres Gesprächs drehte es sich natürlich um das heutige Finale.

Christen, in fünf Tagen ist das große Finale (wir sprachen also letzten SAMSTAG) und morgen geht es nach Lissabon. Schläfst du noch gut?

„Als ich jünger war, konnte ich schon einen Monat vor einem Spiel kaum noch schlafen. Weißt du, meine Mutter erzählt da eine Geschichte aus der Zeit, als ich etwa 10 war. Wir standen vor einem entscheidenden Spiel und ich schlief kaum noch. Kam nachts um zwei und fragte, ob wir denn nicht bald losfahren müssten zum Spiel. Um vier Uhr wieder, Nein, sagte Mom, wir haben noch Zeit, du kannst dich wieder hinlegen, Christen. Heute bin ich viel entspannter. Ich werde einfach genießen, die Stadt genießen und mich entspannen und an das Spiel denke ich wenn Training angesagt ist oder das Spiel.“

Während Tyresö es in den letzten Wochen fußballerisch etwas ruhiger angehen ließ mit viel Rotationund Spielerinnen ausruhen lassen, musste Wolfsburg voll ran in der Meisterschaft. Ist das für irgendeine Seite von Vor- oder Nachteil?

„Naja, erst mal denke ich, dass die Saison mit ihrem Verlauf die Teams aus Deutschland und Frankreich bevorzugt, weil wir in Schweden halt die Saison von April bis Oktober haben. Für Wolfsburg ist das eine harte Zeit, weil sie sich ja noch für die Champions League qualifizieren müssen und auf einen der ersten beiden Plätze kommen müssen oder aber uns schlagen. Für uns war es in der tat möglich, uns nur auf die Champions League zu konzentrieren.“

Man hat ja den Entscheidungen des Trainers Tony Gustavsson über wer in der Liga spielen durfte, aber auch eurem Spiel angemerkt, dass die Liga nicht so wichtig ist?

„Der Club ist in so einer Situation, dass die Ressourcen stark begrenzt sind und man hat alles auf die Champions League gesetzt und natürlich gibt es da ein hohes Risiko. Wir haben vielleicht 70% der Energie in die Ligaspiele investiert und nicht voll durchgespielt. Aber ich bin damit einverstanden, dass wir ein Risiko eingehen. Wir werden die Liga dieses Jahr nicht beenden [!] und wir mussten all unsere Energie auf etwas verwenden, dass wir abschließen können. Und es hat sich, wie zuletzt gegendie Birmingham Ladies gezeigt, dass es funktioniert, dass wir unser bestes Niveaui dennoch erreichen können, so wie Tony es will.“

Wenn man sich an das Spiel gegen Eskilstuna erinnert, ich schrieb an dm tag, dass tyresö die beste Ersatzbank der Welt hatte mit dir, Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz, Ohne euch war das ein ausgeglichenes Spiel, ihr lagt 0:1 hinten, dann kamen du und Seger rein, später Vero, aber ihr konntet an der Dramaturgie des Spiels nichts mehr drehen, die Rollen waren verteilt?

„Ja, das hast du gut analysiert. Es war etwas frustrierend. Man saß da auf der Bank und dachte, ah, wenn ich gleich reinkomme, dann muss ich einen Unterschied machen, ein Tor machen. Aber es gab nur einen kleinen, kurzen Effekt auf das Spiel, dann ging es wie vorher weiter und die schossen sogar das 2:0. Das war überraschend und negativ. Aber ein paar Tage danach haben wir auch das Halbfinale gegen Birmingham dann ganz souverän gespielt.“

In den schwedischen Medien ist Wolfsburg Favorit. Die Wolfsburgerinnen, mit denen ich sprach, sehen eher ein 50/50 Spiel heute Abend. Wie sieht das Christen Press?

„Wenn du dir die Mannschaften und deren Geschichte anguckst, dann ist Wolfsburg doch Favorit. Wenn du aber dann schaust, wer da im einzelnen auf dem, Platz stehen wird, dann ist es schwer, uns nicht als Favoriten zu sehen. Ich glaube, dass all die Perobleme, die wir mit unserem Club gehabt haben, dass uns das alles zu Außenseitern machen sollte. Als Außenseiter gehst du normal in ein Spiel und denkst, hier muss was Großes passieren, damit wir gewinnen, die anderen müssen schlecht spielen, wir brauchen ein Wunder. Das brauchen wir nicht. Wir wissen, dass wir gewinnen können, wenn wir unser bestes Spiel spielen. Ich sehe uns nicht als Außenseiter. SDie Umstände um das Spiel machen sie zum Favoriten, die haben in ihrer Organisation immerhin Stabilität und Beständigkeit, kümmern sich bereits um die nächste Saison – aber auf dem Spielfeld sind wir gleich stark.“

Dazu kommt dann noch der Trainerfuchs Tony Guistavsson, der aus der negativen Ausgangsbasis etwas Positives für das Mannschaftsgefühl ziehen wollte, was ihm gelang. Allenthalben hört man, dass die Mannschaft sich so nahe ist wie nie zuvor.

Und als ich Christen Press erzähle, wie ich mir vorstelle, dass Tony Gustavsson ihnen von diesem speziellen Abend des 22.05. in Lissabon erzählt hat, wie er sie damit motiviert, dass es das letzte Mal sein wid, da wird Christen Press’s Lächeln immer breiter und größer und ich ahne, dass ich den Nagel auf den Kopf getroffen habe.

„Weißt du,“ sagt sie mir da, „ich kann mir ehrlich gesagt, sehr gut vorstellen, wie Tony in seinem Haus sitzt und diesen Abend für uns plant, bis ins kleinste Detail.“

Den großen zweiten Teil des Interviews mit Christen Press, was sie über ihre Zeit in Europa sagt und was sie von Schweden nicht so erwartet hätte und einiges mehr, in der nächsten Woche.

 

 

Tyresö nach Lissabon

Großer Jubel nach Tyresös 2:0 gegen Birmingham

Großer Jubel nach Tyresös 2:0 gegen Birmingham

Tyresö FF steht erwartungsgemäß im Finale der Champions League. Am Sonntag besiegte das Team von Trainer Tony Gustavsson sicher mit 3:0.

Es war der erwartete Spielverlauf. Tyresö hatte vor etwas mehr als 2100 Zuschauern bei vorsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein mehr vom Spiel und das über 90 Minuten.

Das Mittelfeld dominierte mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Malin Diaz. Vor allem die junge Diaz imponierte als gleichwertig neben den drei Weltklassespielerinnen und dürfte nach dem baldigen Abgang der Drei die wichtigste Mittelfeldspielerin sein, wenn man denn Anfang Juni den möglichen Konkurs noch einmal vermeiden kann.

Aber lassen wir die selbstverschuldeten finanziellen Nöte des Clubs erst einmal an die Seite rücken. Wir kommen darauf zurück.

Tyresö dominierte, machte das Spiel und Birmingham verteidigte sich so gut es ging. Und die Leidenschaft, mit der die Spielerinnen aus der zweitgrößten englischen Stadt kämpften, war beeindruckend. Martas Gegenspielerin war über weite Strecken die 24-Jährige Chelsea Weston und eigentlich hätte ein Duell der Beiden in der 28. Minute das Matchbild verändern müssen. Nachdem Marta und Weston nach einem Zweikampf zu Boden gingen, wollte die Engländerin aufstehen als Marta, noch liegend, nach der Gegnerin trat. Ein sonnenklarer Platzverweis, der möglicherweise Sand ins Getriebe gebracht hätte.

Aber seit Udo Lattek weiß man, dass Elfmeter oder rote Karten nur dann Realität werden, wenn der Schiedsrichter pfeift und das Machtinstrument der italienischen Unparteiischen blieb stumm.

Tyresö hätte das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden müssen, aber Birmingham drosch alles aus dem Strafraum und was die Abwehr nicht rausbrachte, das hielt die exzellente Torfrau Rebecca Spencer. 

Einmal traf Superstar Christen Press mit dem Kopf, aber das Tor wurde wegen Schubsens im Fünfmeterraum nicht gegeben, die Kommandobrücke in Tyresö hatte schon mal den Torknopf gedrückt und den eingespielten Tyresö-Song auf volle Lautstärke laufen lassen.

So ging es in die zweite Halbzeit und als dann ein unberechtigter Handelfmeter gegeben wurde, da rechnete man allenthalben mit dem Führungstor. Aber als ausgerechnet Marta sich den Ball zurecht legte, hatte ich negative Vibes. Wie oft schon hat die Brasilianerin wichtige Strafstöße versemmelt? Auch heute war es nicht anders, gut einen Meter über die Querlatte ballerte die 28-Jährige und spätestens jetzt hätte man nach der alten Fußballweisheit „Wer seine Chancen nicht nutzt….“ argumentieren können.

Nichts da. Marta wurde noch wütender und legte einen Gang zu und das restliche Team besann sich auf die eindringlichen Reden seines Trainers. Gustavsson hatte in allen Besprechungen Geduld gefordert. Es kann lange dauern, aber wir werden Chancen bekommen und früher oder später eine rein machen.

Irgendwann musste bei Birmingham auch die Kraft nachlassen. Malin Diaz fand in der 62. Minute natürlich Christen Press, die den Ball mit fantastischer Annahme mitführte und Sekundenbruchteile später unhaltbar an der herauseilenden Spencer vorbeischob.

Das war eigentlich die Entscheidung. Denn niemand erwartete wohl ernsthaft einen Sturmlauf der großartig diszipliniert spielenden Engländerinnen. Birmingham hatte eine aktuelle Nationalspielerin (Karen Carney) in der Startformation, Tyresö begann das Spiel mit elf aktuellen Nationalspielerinnen aus sechs Ländern.

Christen Press wurde noch einmal von Malin Diaz bedient und es stand 2:0 und als man schon an das Endergebnis glaubte, da stand das Publikum noch einmal auf und feuerte seine Truppe an und Christen Press machte das, was sonst andere für sie tun, sie setzte sich auf der linken Seite durch und passte maßgerecht auf Marta, die das 3:0 Endergebnis feststellte.

 

Karen Carney im Gespräch vor dem Halbfinale

Karen_CarneyMorgen Nachmittag spielt Tyresö FF sein Halbfinale gegen die Birmingham City Ladies und wie immer bei Champions-League-Spielen bittet die UEFA darum, dass beide Teams zu Pressekonferenzen zur Verfügung stehen.

Tyresö machte das bereits am Vormittag und hielt auch ein öffentliches Training ab, Birmingham reiste erst um 11.00 Uhr mitteleuropäischer Ortszeit von London ab und kam demzufolge recht spät im Süden von Stockholm (Regierungsbezirk) an. Man entschied sich sogar, direkt zum Training zu fahren und erst später im Hotel einzuchecken.

Nach einem nicht unerwartet eher lockeren Training, bei dem sich einer der Assistentrainer bei einem Sprint zur Belustigung der Spielerinnen eine Oberschenkelzerrung zuzog, hatte ich dann Gelegenheit, mit der wohl namhaftesten Spielerin Birminghams, der 90fachen englischen Nationalspielerin Karen Carney zu sprechen.

Karen, das Hinspiel konnte ich leider nicht sehen. Kannst du das vielleicht kurz für mich aus deiner Sicht zusammenfassen?

„In der ersten Halbzeit war Tyresö besser als wir, aber ich finde, dass wir in der zweiten Hälfte besser waren. Dann war es ziemlich ausgeglichen und ich denke, dass das 0:0 ein gerechtes Ergebnis war. Die hatten vielleicht ein paar Chancen, die besser als unsere waren, aber insgesamt war es ausgeglichen und daher ging das Ergebnis in Ordnung.“

In der Champions League habt ihr bisher nur in einem Spiel [gegen Zorky beim 5:2] Gegentore bekommen. Das spricht für eine starke Abwehr, obwohl die noch alle jung sind dahinten?

„Ja, wir sind stolz auf unsere Abwehr. Hoffentlich gelingt es uns auch morgen Nachmittag zu Null zu spielen.“

Wie habt ihr euch auf den Kunstrasen hier vorbereitet? Zu Hause habt ihr Naturgras und Tyresö ist immer sehr bewusst, den Kunstrasen als Vorteil darzustellen.

„Wir müssen uns auf unser Spiel konzentrieren. Wir alle wissen, dass wir viel besser spielen können als in der ersten Halbzeit vor einer Woche. Unabhängig davon, auf welchem Boden wir spielen, es geht hier um zwei Mannschaften, die aufeinander treffen und es geht um Herz und Leidenschaft. Wir können nicht den Bodenbelag als Entschuldigung für etwas anführen, hier geht es um Fußball.“

Irgendwelche speziellen Diskussion oder Gedanken darüber, wie ihr Weltstars wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete stoppen könnt?

„Nein, wir spielen unser Spiel. Natürlich haben die Trainer dann taktische und strategische Gedanken, aber es geht in erster Linie wirklich darum, dass wir unser Spiel spielen. Die haben ein paar sehr gute Spielerinnen, aber die haben wir auch. In Birminghams jetziger Lage können wir uns die Topnamen nicht leisten, aber wir arbeiten hart. Gleichzeitig zeigen wir dem Gegner auch den gebotenen Respekt. Aber auf dem Platz geht es nicht darum, welchen Namen du hast, da musst du immer wieder aufs Neue 90 Minuten lang eine gute Leistung bringen.“

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich eigentlich erwartet, heute hier die Arsenal Ladies zu treffen, aber ihr habt sie zweimal geschlagen.

„Wir haben von Anfang an geglaubt, dass wir Arsenal schlagen können und als es dann passierte, war es auch keine Überraschung für uns. Wir wussten, dass wir gewinnen und haben danach auch den Respekt bekommen, den wir uns verdient haben.“

Zuerst wollte sich Karen dann nicht fotografieren lassen, ok, sagte sie, wenn noch jemand drauf ist und da gerade der 29-Jährige Cheftrainer David Parker in der Nähe war (der Jüngste, der je in England die höchste Trainerlizenz erworben hat), kam es zum diesen Post einleitenden Bild. Morgen Abend mehr vom Tyresövallen.

Tyresö und Linköping verlieren

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Dass sein Arbeitgeber die Champions League eindeutig vor der Meisterschaft prioritiert, das hatte mir Tony Gustavsson, Tyresös Trainer, schon im Februar gesagt – bevor das Chaos auch nur andeutungsweise nach außen bekannt wurde.

Dass die Damallsvenskan in den Überlegungen Tyresös keine sonderlich große Rolle (mehr?) spielt, sah man auch heute in Kristianstad. Nach 50 Sekunden schoss die von mir hoch geschätzte Marija Banusic Kristianstad gegen Tyresö mit 1:0 in Führung. Olivia Welin machte in der 79. Minute alles klar, in Abwesenheit von Meghan Klingenberg, Caroline Seger, Marta und Vero Boquete. Letztere saß übrigens mit Annica Svensson (früher Tyresö, jetzt Eskilstuna und morgen dran) auf der Tribüne von Skytteholms IP und sah AIK gegen Rosengård verlieren. Fabiana hat keine Arbeitserlaubnis, die Startformation Tyresös sah so aus: Carola Söberg, Line Røddik Hansen, Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist, Rilany, Thaysa, Mayara, Johanna Rytting Kaneryd, Malin Diaz, Lisa Klinga, Madelaine Edlund.

Sowohl Goalgetterin Christen Press wie Abwehrbollwerk Whitney Engen begannen auf der Bank, waren erst gestern von den beiden Länderspielen der USA gegen China aus Kalifornien zurückgekehrt. Die Brasilianerinnen landeten am Freitag nach einem Ausflug ihrer Natio nach Australien.

Allein schon deshalb war der Sieg Kristianstads keine Überraschung, es zeigt aber auch, dass Tyresö weiterhin wenig Interesse an der Liga hat und alles auf die an den nächsten beiden Sonntagen zu spielende Halbfinals gegen die Birmingham Ladies setzt.

Bei den Gastgebern lief übrigens Therese Björck heute mit der vermutlichen Rekordrückennummer 400 (!!) auf. Grund: Das Städtchen Kristianstad feiert in diesen Tagen und Wochen seinen 400. Geburtstag.

Die größere Überraschung schaffte aus meiner Sicht Piteå, dass dem von fast allen auf Platz 2 getippten Linköping gleich eine Auftaktniederlage beibrachte. Torschützin: Ausgerechnet die in Linköping ausgemusterte ehemalige Tyresöspielerin Pauline Hammarlund. Die 19-Jährige traf vor knapp über 1.000 Zuschauern in der LF-Arena, der nördlichsten Stadt in der Damallsvenskan. Dort ist es, das bezeugen alle, nicht leicht zu gewinnen, aber nach einem eher negativen Wechselverhältnis vor der Saison hatten viele Piteå alles zugetraut, aber nicht den von Martin Sjögren trainierten Mädels aus Linköping alle drei Punkte abzinöpfen. Die junge Keeperin Hilda Carlén zeigte offenbar eine Klasseleistung und Faith Ikidi wird hier als Abwehrchefin grundsätzlich gelobt:).

„Natürlich ist das eine Enttäuschung,“ sagte die neue Torhüterin Linköpings, Katie Fraine, der Zeitung Östgöta Correspondenten.

„Aber wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die so sehr nach hinten arbeitet, wird es schwer, vorne was zu machen. Sie zwingen dich dazu, ein Spiel zu spielen, dass du eigentlich nicht spielen willst. Wir müssen besser werden, diese Art von „hässlichen“ Spielen zu spielen, aber mich beunruhigt das Ergebnis nicht. Wir sind immer noch die beste Mannschaft der Liga,“ so Fraine weiter.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das hochgetippte Umeå sich beim Jungbrunnen der Liga, dem als sicheren Absteiger gehandelten Jitex Mölndal BK sehr schwer tat und erst zehn Minuten vor dem Ende den Siegtreffer erzielen konnte.

Die Ergebnisse und die Toschützen aller Spiele könnt ihr übrigens ab jetzt immer auf der Seite Damallsvenskan 2014 (oben im Menü) finden. Da wird dann ab dem 2. Spieltag jeweils die aktuelle Tabelle auftauchen und auch die Torschützenliste.

 

 

 

 

Kein Geld für Marta und Caroline Seger

Tyresös Präsident Hans Lindberg teilte vor wenigen Minuten mit, dass der Verein im Rahmen seiner Rekonstruktiion konstatieren muss, dass man bei den gegenwärtigen Gehältern keine Möglichkeit hat, Marta und Caroline Seger nach dem Auslaufen der Verträge Ende Juni zu behalten.

Beide Spielerinnen würde man deshalb erlauben, bereits Ende Mai den Verein zu verlassen, um eventuell in die USA zu wechseln.

Gestern Abend wurde bekannt, dass Vero Boquete zu Portland Thorns in die NWSL wechselt, wo sie ab 01.07. unter Vertrag ist.

Vero Boquete verlässt Tyresö

Wenn der Staat einem das Gehalt zahlt, weil der eigene Verein es nicht mehr kann, dann sollte man sich allmählich einen neuen Club suchen.

Vero Boquete hat dies getan und kehrt nach zwei Jahren in Tyresö zurück zu ihrem früheren Trainer Paul Riley, den es von Philadelphia nach Portland verschlagen hat. Nadine Angerer, Christine Sinclair, Alex Morgan und Tobin Heath werden die Mannschaftskameradinnen der übermorgen 27-Jährigen Spanierin sein.

Auch Caroline Seger und Marta sitzen auf auslaufenden Verträgen in Tyresö, das wohl kaum in der Lage sein dürfte die Beiden über das ganze Jahr mit den ursprünglich vereinbarten Gehältern zu bezahlen.

Morgen findet hier in Stockholm das jährliche Presseauftakttreffen der Damallsvenskan statt. Ich werde dabei sein und bin schon jetzt sicher, dass Tyresö wieder einmal in aller Munde sein wird.

Tyresö, Vittsjö und Sirius im Viertelfinale

Drei Spiele des Achtelfinales im schwedischen Pokal wurden am Sonntagnachmittag absolviert. Es gewannen jeweils die Favoriten.

Der in den letzten Tagen in den Schlagzeilen befindliche Tyresö FF gewann sein Spiel bei Aufsteiger Eskilstuna United leicht mit 2:0. Dabei brachte Christen Press das Team aus dem Stockholmer Süden in Führung und Marta erzielte kurz vor Schluss per Foulelfmeter das 2:0. Nicht im Aufgebot waren Vero Boquete und Fabiana.

Ebenfalls 2:0 endete das zweite Spiel zwischen zwei Teams der ersten Liga. Dabei musste Vittsjös neue Torhüterin Minna Meriluoto gleich gegen ihr altes Team Jitex antreten, bei dem sie 2012 und 2013 gespielt hat. Die schottischer Nationalspielerin Jane Ross schoss beide Tore für Vittsjö in der ersten Viertelstunde, den Führungstreffer per Strafstoß.

250 Zuschauer sahen das Spiel zweier Zweitligisten, bei dem Älta gegen Sirius mit 1:2 unterlag.

Zwei Achtelfinals stehen noch aus. Das Viertelfinale wurde bereits gelost und sieht wie folg aus:

Kristianstads DFF – AIK
Sirius IK – Linköpings FC/Kopparberg Göteborgs FC
Umeå IK/Piteå IF – Tyresö FF
KIF Örebro – Vittsjö GIK

Die Viertelfinals müssen bis spätestens 15.05. absolviert sein, eine Woche vor dem Champions-League-Finale in Lissabon. Für Tyresö bedeutet das Los eine Flugreise in den Norden Schwedens. Denkbar ungünstig im Angesicht der finanziellen Situation der Firma, die die Mannschaft trägt.

Tyresö hat 882.000 € Schulden – kommt der Zwangsabstieg?

Marta am Boden. Caroline Seger will helfen. Zusammen verdienen sie 28.000 € im Monat in einem hochverschuldeten Verein

Marta am Boden. Caroline Seger will helfen. Zusammen verdienen sie 28.000 € im Monat in einem hochverschuldeten Verein

Das Amtsgericht in Nacka hat einen Rekonstruktionsverwalter auserkoren, der jetzt dabei ist, die finanzielle Situation der Tyresö Fotboll AB zu untersuchen, die die A-Mannschaft von Tyresö FF betreibt. Hans Ödén heißt der und der Zeitung Expressen sagte Ödén nun, dass sich die Verbindlichkeiten nicht auf die bislang genannten 4,5 Millionen Kronen beschränken, sondern vielmehr 7,8 Millionen (882.000 €) betragen.

Alle Ausgaben, die der Verein während der maximal sechs Monate dauernden Zeit der Rekonstruktion hat, müssen nach den Regeln in bar getätigt werden. Momentan hat man kein Bargeld, Rechnungen sind verschickt und die Tyresö Fotboll AB, deren Vorsitzender Hans Lindberg gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins Tyresö FF ist, hofft, dass die Rechnungen bald bezahlt werden, damit man für das in neun Tagen bevorstehende Heimspiel in der Champions League gegen den SV Neulengbach einkaufen kann.

Hans Löfgren (mit Mütze) bedankt sich mit Blumensträußen bei den Schiedsrichtern nach dem letzten Heimspiel gegen Göteborg im Oktober 2013 - offiziell hat er keine Rolle im Verein

Hans Löfgren (mit Mütze) bedankt sich mit Blumensträußen bei den Schiedsrichtern nach dem letzten Heimspiel gegen Göteborg im Oktober 2013 – offiziell hat er keine Rolle im Verein

Der Mann im Hintergrund, Hans Löfgren, hält sich derweil äußerst bedeckt. Seit seiner im April Verurteilung 2012 für den in Schweden verbotenen Kauf sexueller Dienste, tritt Löfgren in den Medien selten bis gar nicht in Erscheinung. Es ist jedoch in Frauenfußballkreisen in Schweden unstrittig, dass keine Entscheidung in Tyresö ohne Löfgren gefällt wird. Der 48-Jährige ist Gründer und Chef des Stockholm Business Network, einer Wirtschaftsvereinigung, die hinter dem Verein Tyresö FF steht, von der Webseite des Vereins verlinkt ist. Löfgren hat auch nach seinem angeblichen Rückzug weiterhin Verhandlungen mit Spielerinnenagenten geführt, Fanfahnen getragen und verteilt und ist bei jedem Spiel der Mannschaft Regisseur und Strippenzieher. Hans Löfgren müsste jetzt Geld locker machen, die Frage ist, ob ihm das gelingt. Ob er es überhaupt will, nachdem nun wohl allmählich klar wird, dass das große Geld nicht mehr weiter zu verdienen ist?

Die Bestimmungen des schwedischen Fußballverbands sehen vor, dass ein Verein, der im Laufe einer Rekonstruktion die Abschreibung der Schulden beantragt, in der nächsten Saison eine Klasse tiefer spielen muss.

Rekonstrukteur Hans Ödén: „Die werden niemals alle Schulden bezahlen können, es wird wohl auf einen Antrag auf Abschreibung hinauslaufen müssen.“ Behält Odén Recht, muss Tyresö 2015 eine Klasse runter.

Die Verträge von Marta, Veronica Boquete und Caroline Seger laufen bis Ende Juni. Ende Mai, spätestens Ende Mai, verlassen Christen Press, Meghan Klingenberg und Whitney Engen den Verein. Die vier Brasilianerinnen Rilany, Thaysa, Fabiana und Mayara haben zwar alle einen Zweijahresvertrag mit einem monatlichen Gehalt um 3.500 € pro Nase, aber keine einzige von ihnen dürfte den Schritt in die zweite Liga mitmachen.

 

 

Öffentliche Gehälter in Tyresö

Tyresö FF wird am 23.03. sein Viertelfinalspiel gegen den österreichischen Meister SV Neulengbach bestreiten können. Das zuständige Amtsgericht in Nacka gab dem Antrag der Tyresö Fotboll AB auf Rekonstruktion (ffschweden berichtete) statt. Was nicht heißt, das der Verein damit gänzlich aus dem Schneider ist. Im Gegenteil. Jetzt hat die Topmannschaft einen öffentlichen Verwalter und ist damit eine öffentliche Angelegenheit. Damit sind auch die Gehälter der Spielerinnen öffentlich einsehbar und wenn man sich die Bruttoeinkommen der Startruppe anschaut, wundert man sich kaum noch darüber, dass Tyresö in sehr ernsthaften Schwierigkeiten ist.

Topverdienerinnen beim ehemaligen schwedischen Meister sind nicht ganz unerwartet Marta und die Spanierin Vero Boquete. Marta verdient derzeit 19.000 € brutto pro Monat, Boquete liegt mit ihren 18.725 € nur knapp dahinter.

Dahinter gibt es einen großen Abstand zu Platz 3, den Caroline Seger mit vergleichsweise „bescheidenen“ 7.917 € einnimmt.

Die amerikanische Weltklassestürmerin Christen Press muss sich in Tyresö mit dürftigen 3.620 € zufrieden geben. Davon kann man leben, dass aber Boquete fünf Mal so viel verdient wie die 23-fache Torschützin der letzten Saison, ist nicht ganz nachvollziehbar.

Wir sehen ein sehr hohes Gehaltsgefüge, in dem kaum jemand aus der Startelf unter 3.500 € im Monat verdient. Das wäre schön für den Frauenfußball, wenn das alles solide finanziert werden könnte. Aber bei einem Zuschauerschnitt von 1.200 pro Spiel erzielt man Einnahmen, die nicht einmal das Gehalt von Marta decken. Kein Wunder, das dann wie jetzt 4,5 Millionen Kronen fehlen. Die Rekonstruktion ist erst einmal ein Schritt weg vom Konkurs, aber lange keine Gesundung. Die Firma Tyresö Fotboll AB wird langfristig nur weitermachen können, wenn vernünftig gewirtschaft wird. Das scheint aber in Tyresö längst alles aus dem Ruder gelaufen zu sein.

 

Testspiele

Auch am vergangenen Wochenende gab es wieder eine Reihe von Testspielen in Schweden und im Ausland unter Beteiligung schwedischer Mannschaften. Letztes Jahr habe ich die Ergebnisse aller Testspiele gesammelt, in diesem Jahr scheint mir das nicht mehr so sinnvoll, da die Aussagekraft solcher Tests sehr begrenzt ist und manchmal halbe oder ganze Mannschaften ausgewechselt werden, eine oder mehrere Leistungsträger aus welchen Gründen auch immer fehlen etc.

Vittsjö GIK schlug den Zweitligisten LB 07 mit 5:0. In einem Spiel zweier erstklassiger Mannschaften gewann Aufsteiger Eskilstuna United gegen KIF Örebro mit 2:1. Annica Svensson und Gaelle Enganamouit trafen dabei für Eskilstuna. Für Örebro die dritte Niederlage im dritten Testspiel, aber eben ohne seine ausländischen Leistungsträgerinnen, Sanna Talonen mal ausgenommen, die das zwischenzeitliche Führungstor schoss. AIK zeigte sich in Schusslaune, man schlug den guten Zweitligisten Kvarnsveden mit 6:0. Elin Sjölander, gerade mal 17 Jahre alt und Mitte letzter Saison aus Örebro gekommen, gelang dabei ein lupenreiner Hattrick in der zweiten Halbzeit.

Piteå siegte beim finnischen Erstligisten Merilappi United in Kemi mit 2:1. CL-Viertelfinalist Tyresö FF besiegte daheim den wie im Vorjahr schnell mal zum Testspiel angeflogenen Umeå IK mit 4:1. Dabei zeigte sich die gerade vor einer Woche zurückgekehrte Christen Press erneut in bester Torlaune. Nach drei Treffern gegen KIF Örebro legte sie gegen Umeå noch mal zwei hinterher. Vero Boquete und Lisa Dahlkvist trafen des weiteren für die Gastgeber. Umeå hatte durch einen Elfmeter von Linnéa Ågren vorübergehend ausgeglichen. Linköpings FC kommt mit zwei Siegen aus Finnland zurück. Nach einem 8:0 Kantersieg gegen den finnischen Meister Åland United gab es gestern in Eerikilä bei Helsinki ein 2:1 gegen das Hauptstadtteam von PK-35. Supertalent Stina Blackstenius und Emma Lennartsson schossen dir Tore für den Tabellendritten der letzten Saison.

 

 

Die letzte Runde – Damallsvenskan 2013

Tanz zwischen Göteborg und Sunnanå

Tanz zwischen Göteborg und Sunnanå

Die Saison ist vorbei, zumindest für die Clubs zwischen Platz 3-12. Lediglich Meister LdB FC Malmö und Tyresö FF spielen noch in der Champions League gegen den VfL Wolfsburg und Fortund Hjørring.

Und wie so oft haben letzte Spieltage ihre eigenen Ergebnisse.

In Mallbacken, beim Tabellenvorletzten durften heute Anja Mittag & Co. den Meisterpokal in Empfang nehmen. Mallbacken steigt ab, aber auf dem sehr speziellen Strandvallen in den värmländischen Wäldern, zu dem nur eine Schotterpiste führt, haben die besten drei Teams des Jahres alle Punkte gelassen. Auch Malmö lag zurück, konnte durch Mittag ausgleichen, beim 1:1 blieb es.

Tyresö trat nach der Abwehrschlacht von Paris am Mittwoch beim Tabellendritten Linköping ohne seine Amerikanerinnen Ashlyn Harris, Meghan Klingenberg, Ali Krieger und Christen Press an, ließ darüber hinaus noch Marta zu Hause und Vero Boquete auf der Bank. Die immer noch ganz ordentliche Elf, die dann auf Seriensieger Linköping traf, verlor am Ende deutlich mit 1:4, was den Vorsprung Malmös in der Abschlusstabelle auf sieben Punkte anwachsen ließ.

Selber war ich nach einem Wochenende auf einer Deutschlehrertagung in Göteborg und ging heute Nachmittag zum Valhalla IP, einer älteren Sportanlage unweit des Scandinaviums und sah das letzte Spiel von Torbjörn Nilsson als Trainer. Göteborg spielte gegen den Tabellenletzten Sunnanå, gewann mit 3:0 und beendet die Saison zwar als Vierter, aber unzufrieden mit einem riesigen Abstand zu Meister Malmö. In der zweiten Halbzeit unterhielt ich mich lange mit der englischen Nationalspielerin Anita Asante, die dem Spiel auf Krücken beiwohnte. Anita hat sich im Training einen Knochen im Fuß gebrochen. Gemeinhin wird erwartet, dass die 28-Jährige im kommenden Jahr für Meister Malmö spielen wird. Sie gab mir zwar keine 100%-ige Antwort auf die Frage nach dem Vereinswechsel, aber sagte, dass die meisten in Göteborg nicht damit rechnen würden, dass sie auch 2014 für Göteborg spielen würde. Immer ein Vergnügen, mit der Londonerin zu reden, die tiefe Einsichten und Analysen hat und die ihren Weg zielstrebig und konsequent gegangen ist. Mehr zum englischen Fußball und Anita Asante in einigen Wochen, wenn mein England-Artikel, mit dem ich mich schon gut fünf Monate beschäftigt habe, endlich fertig ist.

Umeå schlug Kristianstad mit 3:1 und sicherte sich damit doch noch Rang fünf und fing KIF Örebro am letzten Spieltag ab. Auch hier verabschiedet man sich von einem Trainer. Joakim Blomqvist verlässt Umeå IK, wie Torbjörn Nilsson mit einem Sieg. Trotz einer mehr als enttäuschenden Saison wird aber Elisabet Gunnarsdottir wohl auf der Bank von Kristianstad sitzen bleiben. Sie, die eigentlih Meister werden wollte mit KDFF, beendet die Saison somit auf Rang 9.

Örebro gab Rang fünf in der letzten Runde ab, nicht unerwartet gewann ein zum Schluss der Saison stabil spielendes Vittsjö GIK mit 3:0.

Und Jitex verabschiedete sich von Trainer Stefan Rehn, der nun doch Nilssons nachfolger beim Lokalrivalen Göteborg wird. Ob Rehn der Richtige ist, bleibt abzuwarten. Symptomatisch, dass er nicht mit einem Sieg geht, sondern mit einem schmeichelhaften Unentschieden, dass Mimmi Löfwenius erst in der 88. Minute rettete. 1:1 gegen Piteå.

Showdown in Tyresö

sabrinaHeute Abend treffen mit Tyresö FF und Paris Saint-Germains zwei der besten zehn Teams Europas schon in der Runde der letzten 32 aufeinander.

Am Dienstag hielten beide Mannschaften Pressekonferenzen am Tyresövallen ab. Dabei verglich Tyresös Trainer Tony Gustavsson den Gegner etwas unpassend mit einem Drachen, der ein doppelt so hohes Budget hätte wie seine Truppe.

Als die Gäste dann wenig später in einem Mietwagen ankamen und leise ins Vereinshaus gingen und sich dann den Fragen der Presse stellten, erlebten wir einen sanften, leisen und sehr intelligenten, freundlichen Drachen.

Trainer Farid Benstiti gehört seit einigen Jahren zu den Trainern im Frauenfußball, die einen exzellenten Ruf genießen. Er baute über Jahre Olympique Lyon auf, das dann unter seinem Nachfolger Patrice Lair erst einmal lange unschlagbar war. Ging dann zu Rossiyanka, wo die großen Investitionen jedoch wieder abgesagt wurden und wurde dann von PSG:s Investor und Besitzer Nasser al Khelaifi zu PSG geholt. al Khelaifi will aus PSG im Männer- wie Frauenfußball eine Macht in Europa machen. Noch ist es aber nicht soweit, denn das wichtigste Spiel der Hauptstädterinnen gegen den großen Konkurrenten aus Lyon ging vorletzte Woche 0:2 verloren, schon eine Vorentscheidung um die Meisterschaft. Lotta Schelin und Lara Dickenmann schossen die Tore.

Nach der Pressekonferenz in Tyresö habe ich mich mit PSG:s Mannschaftskapitänin Sabrina Delannoy unterhalten.

Ist es morgen das erste Mal, dass du in Schweden spielst?

„Mit PSG ist es das erste Mal, ja, aber ich war ja schon mit der Nationalmannschaft im Sommer bei der EM. Wir sind schon gestern hier angekommen und das ist wirklich gut, denn wir konnten das Stadion besuchen und anschauen und haben Zeit uns vorzubereiten.“

Habt ihr viel Ausschnitte aus Spielen von Tyresö gesehen?

„Wir Spielerinnen haben noch gar nichts gesehen. Aber unser Leitungsstab hat sich einiges angesehen und ich bin sicher, dass wir heute Abend oder morgen früh die wichtigsten Ausschnitte sehen werden. Aber in erster Linie kommt es darauf an, dass wir unser Spiel spielen, das ist die beste Strategie.“

Auf welcher Position spielst du jetzt selber?

„Zu Anfang der Saison war ich in der Innenverteidigung. Aber zuletzt gegen Montpellier spielte ich rechte Außenverteidigerin. Ich habe auch schon im defensiven Mittelfeld gespielt. Ich spiele einfach da, wo Farid mich haben will. Ich will ja spielen und der Mannschaft helfen, zu gewinnen.“

Eure Defensive sieht sehr stark aus?

„Vielleicht haben wir ein paar der besten Abwehrspielerinnen Europas. Laura Georges und Annike Krahn. Die Defensive ist sehr wichtig für uns, wenn wir hinten gut stehen, kriegen wir auch die Chance, nach vorn Tore zu machen und zu gewinnen. Ein gutes Ergebnis morgen ist sehr wichtig für uns. Wir wissen, dass wenn wir ein Auswärtstor mache, das eine große Bedeutung für das Rückspiel in Paris haben wird.“

Wie viel Respekt habt ihr vor den Tyresö-Stars wie Marta, Vero Boquete oder Caroline Seger?

„Das sind großartige Spielerinnen. Wir wissen, was wir tun müssen, um Tore zu verhindern. Und nochmal: Wir müssen selber unser Spiel spielen und nicht so sehr auf die schauen. Ich will meinen Job in der Abwehr erledigen und konzentriere mih darauf. Dass Krahn und Georges auch hochkonzentriert dabei sind, weiß ich auch. Sie haben sehr viel Erfahrung.“

Nach der EM in Schweden habt ihr einen neuen Nationaltrainer bekommen, Philippe Bergeroo. Wie lässt sich das an mit ihm?

„Dazu wollen wir zur Zeit keine Fragen beantworten. Es ist ein neues Abenteuer. Und das ist gut, denn die EM ging für uns sehr schlecht aus. Gegen Dänemark hatten wir sehr viel Pech. Ich finde, wir waren die bessere Mannschaft und hatten viele Chancen, aber das Glück fehlte. Es war sehr schwer, dieses Turnier abzuhaken. Aber jetzt spielen wir die Quali für Kanada 2015. Mental müssen wir stärker werden, vor allem im Sturm. Das Talent und die Kapazität gibt es in Frankreich. Sowohl technisch wie physisch. Es muss einfach klicken. Nimm nur mal die Deutschen. Die glauben immer, dass sie die Besten sind. Und selbst, wenn sie mal nicht so gut spielen, dann glauben sie es trotzdem, schaffen es ins Finale und gewinnen.“

 

Eine Schottin in Värmland

Hayley Lauder in Tyresö

Hayley Lauder in Tyresö

In der Damallsvenskan spielen auch diese Saison wieder mehr als 60 Ausländerinnen. Viele, wie Nationaltrainerin Pia Sundhage, sind der Meinung, das sei entschieden zu viel und die schwedischen Talente könnten sich nicht richtig entwickeln, weil sie allzu oft ausländische Spielerinnen vor die Nase gesetzt bekommen, die ihnen mögliche Spielpraxis in der ersten Liga wegschnappen.

Andere, zu denen Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir gehört, sagen, dass ausländische Spielerinnen erstens billiger seien, weil einheimische Talente oft unverhältnismäßig hohe Gehaltsvorstellungen haben und auch Malmös Trainer Jonas Eidevall sagte mir im Frühjahr beim Auftakttreffen, dass die jungen U19-Spielerinnen etwa sehr oft fehlen würden, was bei den meisten Ausländerinnen nicht der Fall wäre.

Am vergangen Sonntag habe ich in Tyresö nach dem Spiel mit der Schottin Hayley Lauder gesprochen. Hayley hat mit 23 Jahren schon einiges an Auslandserfahrung gesammelt. Sie war fünf Jahre bei den Spartans, einem Team aus ihrer Heimatstadt Edinburgh, bevor sie sich dann auf den Weg nach Zypern machte, um bei Apollon Limassol Champions League zu spielen.

„Es war wirklich unglaublich warm da,“ sagt sie lachend, als ich sie darauf anspreche und meine, dass das graue Wetter in Tyresö sie wohl mehr an ihre Heimat erinnern müsse. „Das stimmt, Schweden ist da schon mehr wie Schottland.“

Hayley Lauder spielt bei Mallbacken im linken Mittelfeld, ich habe sie an diesem Sonntag speziell beobachtet, weil wir nach dem Spiel verabredet waren. Mallbacken bekam, wie die meisten Teams, die nach Tyresö kommen, wenig Gelegenheit, ein eigenes Angriffsspiel aufzubauen, die Stärke von Hayley liegt in der Offensive. Da bekam sie es wenige Male mit Ali Krieger zu tun, die bei Tyresö auf der rechten Seite verteidigt bzw. angreift.

In der finnischen Liga verbrachte Hayley Lauder die Saison 2012 und da schoss sie in 26 Spielen immerhin 18 Tore für den Tabellenzweiten des Vorjahres, der sich dieses Jahr bereits die finnische Meisterschatt gesichert hat.

Ob das nicht ein Unterschied sei, ein Jahr bei einem Spitzenteam zu spielen, das meist auf Angriff setzen kann und nun fast eine Saison bei einem Aufsteiger, der sich verzweifelt gegen den Abstieg wehrt?

„Ich wollte wirklich in der Damallsvenskan spielen. Das ist eine der besten Ligen in Europa,vielleicht sogar die Beste. Man sieht das an der Qualität der Spieler, gegen die wir heute in Tyresö gespielt haben. Ich genieße es wirklich, hier in Schweden zu spielen, man kann einfach so viel lernen und auch Erfahrung sammeln. Åland United war ein richtig gutes Team, aber wenn man die Gesamtheit betrachtet, dann hat Schweden ganz klar eine bessere Liga als Finnland.“

Hayley im Duell mit Ali Krieger

Hayley im Duell mit Ali Krieger

Du spielst in der schottischen Nationalmannschaft und ihr wart sehr nah dran, euch für die EURO in diesem Jahr zu qualifizieren. Im entscheidenden Spiel in Spanien, wo die Spanierinnen gewinnen mussten, führtet ihr mit 2:1 in der 89. Minute, um dann doch noch 2:3 zu verlieren.

„In diesem Spiel ist man wirklich durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Mit ein wenig Abstand kann man jetzt sagen, dass wir wirklich ganz nah dran waren und wenn man sieht, wie gut es für Spanien bei der EM lief, dann weiß man vielleicht auch, wozu wir in der Lage sein müssten. Vero Boquete hat damals das Siegtor für Spanien geschossen, die ist in ihren besten Momenten in einer Klasse für sich, auch heute hat sie das wieder für Tyresö gezeigt. Unser nächstes Ziel muss die WM 2015 in Kanada sein. Wir haben eine schwere Gruppe mit Schweden, Polen und Nordirland, aber das Ziel muss die WM sein.“

Es gibt jetzt eine Reihe von Schottinnen im Ausland. Du spielst in Mallbacken, Jane Ross mit viel Erfolg in Vittsjö, Lisa Evans in Potsdam und nicht zuletzt Kim Little in London bei Arsenal. Wie wichtig ist das für die Entwicklung des schottischen Fußballs?

„Naja, man hat jetzt die Augen aufbekommen für Spielerinnen aus Schottland und wir haben bewiesen, dass wir uns in guten Ligen behaupten können. Das wird letztlich nur gut für unsere Nationalmannschaft sein.“

Und die Spiele gegen Schweden?

„Das sind natürlich die Spiele, auf die wir uns am meisten freuen, man will sich immer mit den Besten messen. Auf dem Weg dahin sind wir gezwungen, alle Spiele zu gewinnen. Unsere schwedischen Trainerinnen Anna Signeul und Ann-Helen Grahm wissen natürlich fast alles über die Schwedinnen und das kann nur von Vorteil für uns sein.“

Wie geht die Saison für Mallbacken aus? Ihr seid auf dem Abstiegsplatz, drei Punkte hinter Jitex.

„Die Saison nähert sich jetzt dem Ende, aber wir kämpfen weiter um den Klassenerhalt. Das Heimspiel gegen Sunnanå nächsten Sonntag {lies: heute} müssen wir unbedingt gewinnen.“