La reine – die Königin verabschiedet sich

Lotta Schelin spielte am Abend ihr letztes Spiel für Olympique Lyon. Wegen einer leichten Verletzung am Oberschenkel wurde sie erst in der 77. Minute eingewechselt und die Lyon-Fans riefen „Lotta, Lotta, Lotta“ als sie an der Seitenlinie wartete.

Zu dem Zeitpunkt führte Olympique hochverdient mit 1:0 durch ein frühes Tor, das Pauline Bremer für Ada Hegerberg aufgelegt hatte. Das französische Team war in allen Belangen überlegen, versäumte es aber, den berühmten Sack zu schließen.

Und dann kam Alexandra Popps Ausgleichsköpfer. Ein Tor wie es außer ihr nur von Abby Wambach im Frauenfußball kommen konnte. Das war die 88. Minute. Unverdient, aber das ist Fußball., Verlängerung. Elfmeterschießen.

Ada Hegerberg schießt mutig den ersten Elfer und war dafür vielleicht doch noch zu jung. Almuth Schult kann problemlos halten.

Dann ist Schelin an der Reihe und ihre letzte Aktion für Olympique nach acht Jahren in Frankreich bringt den ersten Treffer im Elferschießen. Souverän ins Eck.

Am Ende verschießen Nilla Fischer und Elise Bussaglia und die Japanerin Saki Kumagai trifft zum zweiten Mal in ihrer Karriere entscheidend: 2011 im Alter von 20 gegen die USA im WM-Finale in Frankfurt und fünf Jahre später wieder entscheidend im UWCL-Finale gegen Wolfsburg.

Kumagai und Bremer die besten Spielerinnen auf dem Platz. Lotta Schelin weint hemmungslos, vor Freude, aber sicher auch, dass es so ein gutes Ende für sie gefunden hat. Und auch weil sie weiss, dass acht Jahre Lyon vorbei sind. Und dass sie nun noch mal nach Hause fährt, um die Koffer zu packen.

ERGÄNZUNG: Schelins vermeintlicher USA-Trip ist eine kleine UEFA-Ente. Frauenfußball ist oft nicht der Journalisten Herzangelegenheit. Der UEFA-Kollege schrieb, dass Schelin in die USA gehen würde, während man weder von Necib noch von Henry wisse, was aus ihnen wird. Schlecht nachgelesen hat der Kollege. Amandine Henry geht nach Portland zu Nadine Angerers Thorns und Louisa Necib heiratet bald und wird ihre Karriere nach den Olympischen Spielen in Rio beenden. Wir setzen (wieder) weiter auf Lotta in Göteborg.

Und die UEFA nährt das Gerücht, dass es vielleicht doch noch nicht nach Schweden gehen könnte. Im Live-Kommentar auf der Webseite liest man am Abend, dass es in diue USA gehen könnte. Wohin nicht. Aber wenn, dann wohl nur nach Seattle, vermute ich. Denn da spielt ihre gute Freundin Hope Solo, mit der Lotta in Göteborg zusammen gespielt hat. Und da ist auch die Ex-Lyonerin Megan Rapinoe. Vielleicht also doch noch eine Saison in den USA, bevor es nach Hause geht. Bei Freundinnen in der Hipsterstadt am Pazifik? Wir werden sehen.

Was Schelin groß macht. Ihre Persönlichkeit. Nach dem Spiel geht sie auf die andere Spielhälfte zu ihrer langjährigen Mannschaftskameradin Elise Bussaglia, die den alles entscheidenden Elfer für Wolfsburg versemmelt hat. Sagt ein paar Worte, nimmt sie in den Arm und drückt sie ganz fest. Dann eine schwedische Flagge um die Schultern geht es zu Nilla Fischer, die den ersten Wolfsburger Elfer verschossen hat. Sie schlingt die Flagge um sich und Fischer und es gibt eine wortlose Umarmung. Erst dann geht es zurück zu ihrer Mannschaft zum Feiern. Auch Louisa Necib tröstet Bussaglia.

Dass Lyon nach 120 Minuten und Elfmeterschioeßen hochverdient gewonnen hat, daran gibt es keinen Zweifel.

 

 

 

Frankreich

Die französische Saison endete am nächsten Wochenende, aber die Elf der Saison wurde bereits veröffentlicht, ihr gehören gleich sechs Spielerinnen vom UWCL-Finalisten Olympique an, keine Schwedin, dafür aber die überlegene Siegerin der Torschützenliste Ada Stolsmo Hegerberg aus Norwegen, die 33 Tore in 21 Spielen erzielte. Hegerberg liegt damit 18 Tore (!) vor der Brasilianerin Cristiane (PSG) und 19 vor Lotta Schelin aus dem eigenen Team.

Anja Mittag (PSG) traf neun Mal, Sofia Jakobsson (Montpellier) erzielte acht Tore. Lyons deutsche Spielerin Pauline Bremer traf immerhin fünf Mal.

Die Assistliste führt Lyons Camille Abily an (13), vor ihren Mannschaftskameradinnen Louise Necib (11) und Eugenie Le Somer sowie Elodie Thomis (je 9).

Lyon hat ein Torverhältnis von 114: 3 und könnte noch die 120er Grenze passieren, obwohl der letzte Gegner am Samstag Montpellier sein wird. Schon der Tabellenfünfte Rodez hat ein negatives Torverhältnis, weil halt alle Vereine hohe Niederlagen gegen Lyon und auch PSG beziehen. Das spricht nicht für die Stärke und Ausgeglichenheit einer Liga, die zwei europäische Topvereine hat, wobei Lyon allerdings noch einmal in einer eigenen Klasse spielt.

 

 

Maren Mjelde nach Schweden

marenUmeå IK hat nach drei Spielen ein Torverhältnis von 1:0. Gestern gab es daheim in der T3-Arena (einstmals Gammliavallen) ein am Ende durchaus glückliches 0:0 gegen Kopparberg/Göteborgs FC. Die Göteborgerinnen hatten sich vergangenes Jahr bei einem alles andere als glücklich verlaufenen Wechsel die Dienste von Andrine Stolsmo Hegerberg gesichert. Heute nun wurde bekannt, dass mit Maren Mjelde im Sommer die zweite Norwegerin Potsdam Richtung Göteborg verlassen wird. Die Nummer 3, Megatalent Ada Stolsmo Hegerberg hat noch Vertrag bis zum 30.06.2015. Dass Mjelde Potsdam verlassen würde, konnte man mehr als deutlich schon zwischen den Zeilen in einem Interview der Bergens Tidende in der vergangenen Woche lesen. Da sagte Mjelde, dass man in Potsdam leider nur erfahren würde ob man spielt oder nicht und keine konkreten Ratschläge bekomme, um sich spielerisch zu verbessern. Außerdem spiele man dort mit einer Dreierkette und Manndeckung, was im europäischen Spitzenfußball eher ungewöhnlich sei, so die 24-Jährige Norwegerin. In der heute offiziellen Erklärung gab Mjelde vor allem private Gründe für den Wechsel an, da sie näher an Oslo wohnen wolle, wo sowohl ihr Bruder Erik studiere wie auch ihr/e Liebste/r (im Norwegischen wird das nicht zwangsläufig deutlich, ist aber auch sowieso irrelevant) Göteborg hatte sich bereits vor der Saison mit einer weiteren Spielerin aus der Bundesliga, der Niederländerin Lieke Martens verstärkt, die bislang einen exzellenten Saisonstart hatte.

In Örebro gab es wieder einmal einen Galaauftritt der Nigerianerin Sarah Michael, die beim 3:1 gegen Vittsjö zwei Tore schoss und eines vorbereitete.

Die schwedische Meisterschaft könnte 2014 spannender werden, als man vor Beginn geglaubt hat. Denn Rosengård wird es mit Göteborg und Linköping im Titelkampf zu tun bekommen. Der gestrige Ausrutscher des Meisters hat gezeigt, dass der Abstand geringer ist als vermutet. Zu Tyresö, das auch wenn es nicht spielt, immer für neue Nachrihten gut ist, im nächsten Post.

Samba in Tyresö

brasil

Marta wird bei der Integration von vier weiteren Brasilianerinnen eine Schlüsselrolle zukommen

Man hat sich gefragt in den letzten beiden Wochen, was wohl in Tyresö los ist, denn nachdem bekannt wurde, dass alle fünf Amerikanerinnen den Stockholmer Vorort früher (Ashlyn Harris, Ali Krieger)  oder später (Christen Press, Meghan Klingenberg, Whitney Engen) verlassen müssen und dann auch noch andere ausländische Klassespielerinnen wie Kirsten van de Ven (FC Rosengård), Caroline Graham Hansen (Stabæk) und Jennifer Hermoso Fuentes (FC Barcelona) adieu oder besser hej då sagten, sah die Spielertruppe und vor allem auch die Ersatzbank sehr dünn aus bei dem Club, der sich mit einem 7-Jahresplan aus der vierten Liga an die europäische Spitze katapultieren will.

Da war zum einen sicher die falsche Hoffnung, dass man den amerikanischen Verband US Soccer doch irgendwie überzeugen können müsste, dass die US-Girls in Schweden bleiben können, auch noch nach der Champions League. Sowohl Ali Krieger wie Christen Press haben mir gegenüber vorsichtig angedeutet, dass sie gerne länger bleiben würden. Es klappte nicht und US Soccer wollte alle Nationalspielerinnen in der einheimischen NWSL haben.

Van de Ven ist sicher gegangen, weil sie schon letzte Saison immer wieder auf der Bank saß und eigentlich keine Bankspielerin ist. In Rosengård (früher Malmö) sah sie da mit Sicherheit eine längerfristige und bessere Perspektive.

Graham Hansen ging meiner Einschätzung nach, weil sie sich überschätzte und glaubte, sie könne schon fern der Heimat und der Familie im Ausland bestehen. Das klappte nicht und ist ihr auch nicht anzulasten. Vorher kann man das in dem Alter nicht wissen. Ihre Potsdamer Altersgenossin und Landsfrau Ada Stolsmo Hegerberg wirkt da wesentlich abgeklärter und reifer. Heißt nicht, dass aus Graham Hansen nicht doch die ganz Große werden kann, die viele in ihr sehen. Sie muss eigentlich nur noch lernen, ab und zu den Ball auch abzuspielen. Naja und ein bisserl mehr vielleicht, aber vor allem das.

In Tyresö herrschte schon so etwas wie Panik. Denn auf einmal sah es so aus, als ob man Ende Mai nur noch elf Spielerinnen zur Verfügung hätte.

In den USA gab es nichts mehr zu holen, in Deutschland und Frankreich ebensowenig wie in England. Da kamen eigentlich nur noch drei Märkte in Frage: Afrika, Osteuropa oder Brasilien. Und da Tyresö mit Marta schon eine Brasilianerin hat und man sich schon mit ihr und der ehemaligen Spielerin Elaine gern mit Samba-Trommeln anfeuern ließ, wurden die Personalprobleme nun durch ein brasilianisches Quartett gelöst:

Die 24-Jährige Fabiana da Silva Simões ist sicher die bekannteste Spielerin. Sie spielt schon seit 2008 in der Nationalmannschaft und war vergangenes Jahr noch beim russischen Topclub Rossiyanka. Tyresö will Fabiana im rechten Mittelfeld einsetzen.

Tyresö schreibt: „In Fabiana bekommt der Club eine Spielerin, die schon als Traumverpflichtung gesehen werden kann. 23 Jahre alt (!), aber bereits mit Meriten wie wenige in diesem Alter und da Fabiana schon in Europa war und in den USA gespielt hat, ist auch die Sprache kein Problem.“

Die zweite Brasilianerin ist Rilany Aguiar da Silva, sie ist 27 Jahre alt und wird auf einigen Seiten im Internet als Stürmerin geführt. Rilany kommt von Centre Olympico und Tyresö will sie als rechte Außenverteidigerin einsetzen (!). Hans Löfgren schreibt auf der Homepage von Tyresö: „Rilany ist eine ausgeprägte Abwehrspielerin von absoluter Weltklasse.“ Trainer Tony Gustavsson sagt, dass Rilany mit ihren schnellen Füßen, offensiven Läufen (!) an Meghan Klingenberg erinnert.

Die 24 Jahre alte Thaisa De Moraes Rosa Moreno ist erst seit 2013 Nationalspielerin. Sie soll hauptsächlich defensiv eingesetzt werden.

Last but not least kommt die 26-Jährige Mayara da Fonseca Bordin, die auch erst seit letztem Jahr in der Natio spielt. Sie lebte fünf Jahre in den USA und sei deshalb nicht auf dem Schirm in Brasilien gewesen.

Ärger um Andrine

twitVorige Woche gab Kopparberg/Göteborgs FC die Verpflichtung der Norwegerin Andrine Stolsmo Hegerberg bekannt, da ging man überall davon aus, dass alles rechtens sei.

In dieser Woche meldet sich Turbine Potsdam, das einen Vertrag mit Stolsmo Hegerberg hat, der bis Ende Juli 2015 läuft. Und sagt offenbar, dass die offizielle Anfrage des Agenten erst Anfang DIESER Woche zum Verein gekommen sei, wobei man sie also schon letzte Woche im Trikot von Göteborg im Internet gesehen hatte.

Heute schrieben die Spielerinnen von Turbine (zu denen auch Andrines jüngere Schwester Ada Stolsmo Hegerberg gehört) auf der Homepage des Vereins, dass sie enttäuscht von dem Verfahren sind und überrascht, dass sie nichts gewusst haben, vom Weggehen ihrer Mannschaftskameradin, die auf Facebook schon vor gut einer Woche geschrieben hatte, dass sie nicht länger mit Bernd Schröder als Trainer arbeiten wolle.

Dem Verein hatte sie zu Beginn der Vorsaison mitgeteilt, dass sie weg will. Am liebsten angeblich zu einem deutschen Verein in der Bundesliga, aber das habe Potsdam angeblich nicht gewollt.

Wie auch immer eine sehr unglückliche Aktion, die wohl damit enden wird, dass Stolsmo Hegerberg in Göteborg spielen wird, aber das Ganze wird einen sehr bitteren Beigeschmack haben. Ob Turbine Potsdam rechtliche Schritte einleitet, wird man noch sehen, gleichwohl hat Bernd Schröder mal in einem anderen Wechselfall gesagt, dass man Reisende nicht aufhalten solle.

 

Andrine Stolsmo Hegerberg nach Göteborg

Während der EM, in Kalmar, diskutierten Fans von Turbine Potsdam darüber, wo denn eigentlich Ada Hegerbergs grosse Schwester Andrine abgeblieben sei. Sie war nicht in der Nationalmannschaft dabei und beim gerade wieder aufgenommenen Training der Turbienen hatte man sie auch nicht gesehen. Sie wolle weg, hiess es am Rand des Gröndals IP.

Am Samstagnachmittag ist das Rätsel gelöst worden. Andrine Stolsmo Hegerberg unterschrieb einen Vertrag beim schwedischen Tabellenvierten Kopparberg/Göteborgs FC und wird wohl bereits im übernächsten Spiel der Torbjörn-Nilsson-Truppe einsetzbar sein. Damit sicherte sich der Topclub der Damallsvenskan die Dienste eines der grösseren Talente des norwegischen Fussballs, auch wenn die meisten Beobachter kleine Schwester Ada als d a s Talent betrachten.

Wir werden Andrines Werdegang hier beobachten und darüber berichten.