Tot ziens, Kirsten!

26960826710_191c8d2f72_bUnd noch mal ein bisschen persönlich. Kirsten van de Ven hört auf mit dem Fußball. Die 31-Jährige Niederländerin wird ihre Karriere nicht nach der Heim-EM im nächsten Jahr beenden, sondern mit sofortiger Wirkung. Und das ist auch gut so. Und ich werde sie vermissen.

Kirsten traf ich zum ersten Mal vor etwas mehr als sechs Jahren, als es mit Tyresö so richtig los ging. Ich saß mit ihr und der Dänin Line Röddik Hansen in einem Nebenraum der Geschäftsstelle von Tyresö FF und interviewte die beiden Neuzugänge. Es wurden dann fünf Spielzeiten für die Holländerin und wir sind uns oft begegnet auf anderen Fußballplätzen oder eben auf dem Tyresövallen, wenn sie spielte. Zusammen mit einigen der besten Spielerinnen der Welt: Marta, Veronica Boquete, Caroline Seger, Elaine Moura, Christen Press, Ali Krieger, Meghan Klingenberg, Whitney Engen, Ashlyn Harris. Kirsten hat sich auch in diesem grandiosen Team behauptet, saß manchmal auf der Bank, spielte aber auch sehr oft von Anfang an. Sie spielte mit einem überragenden Ehrgeiz, der aus großer Freude am Spiel herrührte.

Unvergesslich bleibt mit das dramatische Spiel zwischen LdB FC Malmö und Tyresö, als Tyresö im letzten Spiel mit einem 1:0 Auswärtssieg durch ein Tor von Madde Edlund schwedischer Meister wurde und den Südschwedinnen den Titel noch aus dem eigenen Stadion entführte.

Als Kirsten Meisterin wurde, feierte sie nicht sofort mit ihren Mannschaftskameradinnen, sondern tröstete erst einmal Malmös Katrin Schmidt, mit der van de Ven in Florida studiert und gespielt hat. Als ich ihr sagte, dass ich das toll fand, sagte Kirsten mit ihrer bekannt heiseren Stimme „Sie ist doch meine Schwester!“ zu mir. Das war schön und ehrlich und ein Grund, warum ich diesen Randsport so sehr mag.

Noch in Tyresö hatte sie in einem Spiel einen Zusammenstoß mit einer Gegnerin. Kopf gegen Kopf. Es ist diese Verletzung, die nun auch zum Ende ihrer Karriere führte. Denn manchmal sind Kopfverletzungen zwar physisch nicht lokalisierbar, nicht nachweisbar, führen aber zu langwierigen Folgen wie auch im Fall der ehemaligen isländischen Nationalspielerin Gudrun Gunnarsdottir, die nach der EM 2009 aufhören musste. Bei Kirsten van de Ven hat ihre Kopfverletzung bisweilen zu Orientierungsproblemen geführt. Als sie nach dem Zusammenbruch Tyresös nach Malmö wechselte, konnte sie auch nicht direkt spielen, später dann mit einem speziellen Stirnband.

Dass sie jetzt aufhört, bedauern alle Fans und es ist schade. Aber es ist auch gut zu wissen, dass sie sich der potentiellen Gefahr eines weiteren Zusammenstoßes nicht mehr aussetzt.Tot ziens, Kirsten! Auf ein Wiedersehen am Rande des Fußballfeldes.

 

 

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Vor dem Abschied

In knapp zwei Stunden fahre ich bei fantastisch sonnigem Wetter nach Tyresö zu dem, was 2012 und 2013 noch das absolute Topspiel der Liga war. Tyresö FF, gerade heimgekehrt von einem grandiosen, aber verlorenen CL-Finale, trifft auf den Meister FC Rosengård.

Heute steht aber das Wort Abschied über allem anderen. Zumindest für die Gastgeber. Abschied von Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Christen Press und Vero Boquete, die heute ihr letztes Spiel machen im rotgelben Dress.

Am Mittwoch ist dann noch Pokal daheim gegen Umeå und am 04.06. ein Auswärtsspiel in Linköping. Danach dann der Gerichtstermin, von dem alle glauben, dass er mit dem Bescheid enden wird, dass man Tyresö Fotboll AB in Konkurs versetzen wird.

Für Meister Rosengård geht es um drei Punkte, den Abstand zu vergrößern. Die Verfolger haben Federn gelassen. Gestern. Kopparberg/Göteborgs FC mit den ehemaligen Bundesliga-Spielerinnen Andrine Hegerberg und Lieke Martens verlor gestern gegen die starke Mannschaft von KIF Örebro zu Hause mit 0:2. Und Vittsjö verpasste Jitex beim 2:;1 Heimsieg die siebte Niederlage im siebten Spiel.

Jill Ellis macht das Rennen und Sommer in Schweden

Es wurde nicht Tony Gustavsson, sondern Jill Ellis. Aber noch bin ich nicht sicher, dass der Trainer von Tyresö FF nicht doch bald in einem Flugzeug über den Atlantik sitzen wird. Ellis hat noch keine Assistenten benannt und in London 2012 arbeiteten beide zusammen unter Pia Sundhage

Heute finden fünf Spiele in der Damallsvenskan statt und am Abend gibt es eine Zusammenfassung. In Stockholm wird nicht gespielt.

Aber dennoch gibt es viel zu tun für mich. Interviews wollen vertextet werden. Gestern hatte ich ein sehr langes Gespräch mit Tyresös amerikanischer Weltklassestürmerin Christen Press, in dem ich sie ihre etwas mehr als zwei Jahre in Europa zusammenfassen lassen wollte. Dabei verriet sie mir, und das schon mal hier vorab, dass der 22. Mai in Lissabon doch nicht das letzte Spiel für Tyresö FF für sie sein wird. Trainer Gustavsson sagte mir im Februar, dass es so aussehe, als ob Meghan Klingenberg, Whitney Engen und eben Press unmittelbar nach dem Finale nach Hause in die USA müssten.

Damit wäre die Mannschaft schon im Spiel gegen Meister Rosengård nächsten Sonntag deutlich dezimiert gewesen. Nun aber sagte Christen mir gestern, dass die Amerikanerinnen, aber auch Marta und Caroline Seger gegen Rosengård spielen würden. Vero Boquete geht es nach ihrer Oberschenkelverletzung übrigens wieder gut und sie wird spielen können, wie sie mir gestern Nachmittag bestätigte, als ich die Spielerinnen in der Stockholmer Innenstadt traf.

Es wird hier aber auch ausnahmsweise ein paar Stimmen direkt aus Deutschland geben vor dem Finale. Ich habe mich mit Alexandra Popp, Lena Goeßling, Ralf Kellermann und Nadine Keßler unterhalten, mündlich wie schriftich und diese Stimmen passen zu dem herannahenden Finale am nächsten Donnerstag.

Auch mit Dzsenifer Marozsan sprach ich vorvergangene Woche für einen Artikel für das amerikanische OurGameMagazine, in dem es um die Nummer 10 als Thema geht. Das alles kommt in der nächsten Woche auf die Leser hier zu.

 

Tyresö und Linköping verlieren

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Dass sein Arbeitgeber die Champions League eindeutig vor der Meisterschaft prioritiert, das hatte mir Tony Gustavsson, Tyresös Trainer, schon im Februar gesagt – bevor das Chaos auch nur andeutungsweise nach außen bekannt wurde.

Dass die Damallsvenskan in den Überlegungen Tyresös keine sonderlich große Rolle (mehr?) spielt, sah man auch heute in Kristianstad. Nach 50 Sekunden schoss die von mir hoch geschätzte Marija Banusic Kristianstad gegen Tyresö mit 1:0 in Führung. Olivia Welin machte in der 79. Minute alles klar, in Abwesenheit von Meghan Klingenberg, Caroline Seger, Marta und Vero Boquete. Letztere saß übrigens mit Annica Svensson (früher Tyresö, jetzt Eskilstuna und morgen dran) auf der Tribüne von Skytteholms IP und sah AIK gegen Rosengård verlieren. Fabiana hat keine Arbeitserlaubnis, die Startformation Tyresös sah so aus: Carola Söberg, Line Røddik Hansen, Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist, Rilany, Thaysa, Mayara, Johanna Rytting Kaneryd, Malin Diaz, Lisa Klinga, Madelaine Edlund.

Sowohl Goalgetterin Christen Press wie Abwehrbollwerk Whitney Engen begannen auf der Bank, waren erst gestern von den beiden Länderspielen der USA gegen China aus Kalifornien zurückgekehrt. Die Brasilianerinnen landeten am Freitag nach einem Ausflug ihrer Natio nach Australien.

Allein schon deshalb war der Sieg Kristianstads keine Überraschung, es zeigt aber auch, dass Tyresö weiterhin wenig Interesse an der Liga hat und alles auf die an den nächsten beiden Sonntagen zu spielende Halbfinals gegen die Birmingham Ladies setzt.

Bei den Gastgebern lief übrigens Therese Björck heute mit der vermutlichen Rekordrückennummer 400 (!!) auf. Grund: Das Städtchen Kristianstad feiert in diesen Tagen und Wochen seinen 400. Geburtstag.

Die größere Überraschung schaffte aus meiner Sicht Piteå, dass dem von fast allen auf Platz 2 getippten Linköping gleich eine Auftaktniederlage beibrachte. Torschützin: Ausgerechnet die in Linköping ausgemusterte ehemalige Tyresöspielerin Pauline Hammarlund. Die 19-Jährige traf vor knapp über 1.000 Zuschauern in der LF-Arena, der nördlichsten Stadt in der Damallsvenskan. Dort ist es, das bezeugen alle, nicht leicht zu gewinnen, aber nach einem eher negativen Wechselverhältnis vor der Saison hatten viele Piteå alles zugetraut, aber nicht den von Martin Sjögren trainierten Mädels aus Linköping alle drei Punkte abzinöpfen. Die junge Keeperin Hilda Carlén zeigte offenbar eine Klasseleistung und Faith Ikidi wird hier als Abwehrchefin grundsätzlich gelobt:).

„Natürlich ist das eine Enttäuschung,“ sagte die neue Torhüterin Linköpings, Katie Fraine, der Zeitung Östgöta Correspondenten.

„Aber wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die so sehr nach hinten arbeitet, wird es schwer, vorne was zu machen. Sie zwingen dich dazu, ein Spiel zu spielen, dass du eigentlich nicht spielen willst. Wir müssen besser werden, diese Art von „hässlichen“ Spielen zu spielen, aber mich beunruhigt das Ergebnis nicht. Wir sind immer noch die beste Mannschaft der Liga,“ so Fraine weiter.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das hochgetippte Umeå sich beim Jungbrunnen der Liga, dem als sicheren Absteiger gehandelten Jitex Mölndal BK sehr schwer tat und erst zehn Minuten vor dem Ende den Siegtreffer erzielen konnte.

Die Ergebnisse und die Toschützen aller Spiele könnt ihr übrigens ab jetzt immer auf der Seite Damallsvenskan 2014 (oben im Menü) finden. Da wird dann ab dem 2. Spieltag jeweils die aktuelle Tabelle auftauchen und auch die Torschützenliste.

 

 

 

 

Malin Diaz: „Jetzt oder nie“

Upptakt02Tyresö FF wurde in Schweden seit 1-2 Jahren auch „Real Tyresö“ genannt, weil der Club über die Maßen international renommierte Spielerinnen an sich band, so wie das eben der spanische Männerhalbfinalist in der Champions League seit langer Zeit tut.

Die wenigen schwedischen Talente kamen dabei meist zu kurz und verließen oft den Verein, frustriert und enttäuscht. Beispiele hierfür sind Lisa Klinga (die jetzt zur neuen Saison wieder zurückkam), Pauline Hammarlund, Jennifer Egelryd und Madeleine Stegius.

Eine, die im Januar 2013 als Neuverpflichtung bekanntgegeben wurde und die noch immer in Tyresö unter Vertrag steht, ist die inzwischen 20 Jahre alte U19-Europameisterin von 2012, Malin Diaz Pettersson. Sie kam von AIK und bei ihrem Wechsel nach Tyresö gab es viel Kritik von einer beinahe einhelligen Expertenfront. Bei der Konkurrenz mit Tyresös Weltklassespielerinnen würde Diaz im Mittelfeld kaum eine Spielminute bekommen und somit ein Jahr verlieren. Besser wäre es, bei einem Team in der Mitte der Liga regelmäßig spielen zu können.

„Ich habe die Entscheidung, zu Tyresö gehen, getroffen, weil ich noch ein Jahr zur Schule gehen musste und auch in Stockholm wohnen bleiben wollte,“ erzählte mir jetzt Malin Diaz beim Presseauftakt der Damallsvenskan am Dienstag.

„Viele haben mich dafür kritisiert und irgendwo war das auch Ansporn für mich. Ich wollte denen zeigen, dass es trotzdem geht, auch wenn ich vielleicht nicht so viel spielen kann. Aber es ist schon wirklich hart, ins Fitnessstudio zu gehen, wenn die anderen Spielen,“ sagte die 20-Jährige, die also nun der Presse vorgestellt wurde, wo in den vergangenen Jahren noch Marta, Caroline Seger und Johanna Frisk waren.

Ich fragte sie, ob sie denselben Schritt noch einmal machen würde.

„Ich würd das heute wieder tun und bin wirklich froh, dass ich den Schritt getan habe. Ich denke, ich habe mich menschlich weiterentwickelt und bin, auch wegen der Rückschläge, stärker geworden. Natürlich ist man traurig, wenn man jeden Tag zwei Mal trainiert und dann nicht spielen darf. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um mich an das höhere Tempo beim Training zu gewöhnen. Die vielen bekannten Spielerinnen haben sich sehr professionell verhalten, ich habe mich da nie schlecht gefühlt oder als geringer geschätzt empfunden.“

Aber: „Es ist wohl klar, dass wenn eine Spielerin zwei Passalternativen hat, mich und Marta, den Ball zu Marta spielt.“

Trainer Tony Gustavsson hatte mir schon im Februar gesagt, dass er glaubt, dass die Zeit für die technisch hochversierte Mittelfeldspielerin nun reif ist. Jetzt fügte er hinzu, dass die WM 2015 in Kanada allem Anschein nach auf Kunstrasen gespielt wird und dass er in Schweden kaum eine bessere Spielerin auf Kunstrasen kenne als gerade Malin Diaz.

Wie sieht sie das selber? „Wenn ich irgendwann den Schritt in der Entwicklung machen soll, dann jetzt. Jetzt oder nie. Ich hatte ein hartes Jahr und habe wenig gespielt. Jetzt habe ich gemerkt, dass es beim Training immer besser klappt und da wächst man natürlich. Ich bin nicht nur auf dem Fußballplatz reifer geworden, sonden auch außerhalb des Platzes.“

Das klingt schon ein bisschen trotzig – Tyresö wird viele Spielerinnen schon nach dem ersten Saisondrittel abgeben: Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Caroline Seger und Marta. Eventuell kommen mehr hinzu. Da ist es klar, dass man auf Malin Diaz setzen muss, die zum einen weniger Konkurrenz haben wird und zum anderen bezahlbar ist. Aber ob es überhaupt ein Team geben wird, das die Saison zu Ende spielen kann, das steht derzeit in den Sternen und die meisten Beobachter gehen nicht davon aus.

 

 

Tyresö Fotboll AB in großen Schwierigkeiten

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Tyresö (hier Meghan Klingenberg) im freien Fall?

Was für ein Glück, dass man vor zwei Jahren die A-Mannschaft von Tyresö FF wirtschaftlich vom restlichen Verein abgekoppelt hat und die Tyresö Fotboll AB gegründet hat. Denn diese Firma, die das Team des Vizemeisters und Champions-League-Viertelfinalisten betreibt, steckt offenbar nun in sehr ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Aufgedeckt wurde das von der Lokalzeitung Mitt i Tyresö. („Tyresös Frauenmannschaft droht der Gerichtsvollzieher„).

Nach Angaben der Zeitung hat die TFAB (Tyresö Fotboll AB) von der Gemeinde eine einmalige Hilfszahlung von 2,7 Millionen SEK (304 480 €) beantragt, um dringende finanzielle Probleme zu lösen. Am Montag, den 24.02. habe die Gemeinde das aber abgelehnt. Beim Finanzamt hat die TFAB eine Steuerschuld in Höhe von 167.000 €. Die war am 12.02. fällig und ist noch nicht bezahlt.

Weitere 95.000 € Schulden liegen schon beim Gerichtsvollzieher (‚kronofogden‘) und auch der Termin dieser Schuld ist verstrichen. Von dort war zu hören, dass man in Kürze mit einer Untersuchung beginnen werde, inwieweit die Schulden durch Pfändungen eingetrieben werden können.

Der Vorsitzende von Tyresö FF, der gleichzeitig Vorsitzender von Tyresö Fotboll AB ist, Hans Lindberg, sagte der Zeitung, dass die finanziellen Probleme einerseits durch ausgefallene Sponsoreinnahmen und andererseits durch den Bau einer zusätzlichen Tribüne am Tyresövallen zu erklären seien.

Mitt i Tyresö zufolge hat die Gemeinde Tyresö im Rahmen der Überprüfung des Hilfeersuchens der Aktiengesellschaft TFAB die Bücher der Firma durch Revisoren überprüfen lassen. Diese hätten viele Unregelmäßigkeiten gefunden und nach Angaben zweier Quellen, die unabhängig voneinander befragt wurden, belaufen sich die Verbindlichkeiten der Gesellschaft auf 5 Millionen Kronen (564 000 €). „Der Bericht der Revisoren schlug wie eine Bombe ein,“ wird eine anonyme Quelle zitiert. „Das ist eine enorme Suppe und die Lage ist sehr ernst. Ein Rätsel ist, warum die Gesellschaft die Ausgaben nicht schon früher gestoppt hat. Wenn hier keiner mit Geld einsteigt, gibt es einen Konkurs.“

Hans Lindberg hat bestätigt, dass TFAB die Gehälter der Spielerinnen nicht rechtzeitig überweisen konnte, bestreitet aber die Summe von 5 Millionen Kronen.

Inzwischen teilte Tyresö FF auf seiner Facebook-Seite mit, dass man die sogenannte „Rekonstruktion“ der Gesellschaft beantrage. Auch in dieser Erklärung ist wieder von ausgeblieben Sponsoreinnahmen und dem Bau der zusätzlichen Tribüne die Rede. Hinzugefügt wird: „Während des Jahres 2013 verringerten einige größere Sponsoren ihre Zuwendungen und einige Sponsoren entschieden sich, auszusteigen. Diese vermissten Millionen konnte die Gesellschaft während des Jahres nicht mehr ausgleichen.“

Und weiter: „Eine Maßnahme für 2014 war, den Kader zu verringern und die Vertragslage zu analysieren, was in einer wesentlich geringeren Truppe resultierte, gleichzeitig blieb jedoch das Ziel, ein Champions League-Finale zu erreichen.“

Das ist, mit Verlaub gesagt, blanker Unsinn. Nun verkauft man den von der NWSL erzwungenen Abgang von Ali Krieger und Ash Harris ebenso mit Sparmaßnahmen wie den Weggang von Caroline Graham Hansen, Jennifer Hermoso Fuentes und spätestens im Mai Christen Press, Whitney Engen und Meghan Klingenberg.

Um den weiteren Betrieb garantieren zu können, so schließt man in der Mitteilung, beantrage man die Rekonstruktion.

Noch vor einem Jahr kritisierte Hans Lindberg den Topkonkurrenten LdB FC Malmö scharf, weil er sich subventionieren lasse. Tyresö, so Lindberg damals sinngemäß, sei kerngesund und man müsse mit einem subventionierten Gegner konkurrieren, der über seine Verhältnisse lebe und darin noch unterstützt werde. Nun möchte derselbe Lindberg die Hilfe des Steuerzahlers in Anspruch nehmen, um die Champions League gewinnen zu können. Das ist schon etwas absurd.

Tyresö behauptet, man würde sparen und hat, wohl um die Situation wissend, im Januar vier Brasilianerinnen verpflichtet, davon drei Nationalspielerinnen. Hinzu kam die finnische Nationaltorhüterin Tinja-Riikka Korpela.

Die Rekonstruktion, die Tyresö nun beantragt, ist eine mildere Form des Konkurses. Das Unternehmen, dessen Rekonstruktion bewilligt wird, erhält eine Art Verwalter durch das zuständige Gericht. Der Betrieb kann im Rahmen einer Rekonstruktion jeweils immer nur um drei Monate verlängert werden. Danach muss neu geprüft und entschieden werden. maximal kann sich ein Unternehmen ein Jahr lang in diesem Zustand befinden. Während dieser Rekonstruktionszeit darf nicht gepfändet werden, wobei man sich im Falle Tyresös sowieso fragen kann, ob man Spielerinnen wie Marta oder Caroline Seger pfänden kann.

Öffentliche Ankündigungen, dass Frauenfußballvereine in Finanznot sind haben wir in den vergangenen Jahren öfters erlebt. Malmö hat 2012 und 2013 jeweils von einem möglichen Konkurs geredet und hat sich wohl vermutlich nur retten können, in dem man den maroden LdB FC in den FC Rosengård überführt hat. Auch bei KIF Örebro gab es vergangenes Jahr eine dringend benötigte Finanzbeatmung in letzter Sekunde durch die Gemeinde.

In Tyresö geht es durch den Antrag auf Rekonstruktion allerdings schon ein bisschen weiter. Sollte während des nun beginnenden Verfahrens, das wie gesagt maximal ein Jahr dauern darf, zu einem sogenannten „öffentlichen Akkord“ kommen, d.h. sollte es einen speziellen Antrag hierauf geben, der laut Gesetz möglich ist, dann würden die Summen, die TFAB seinen Gläubigern zahlen muss, deutlich reduziert. Es käme zu einem Vergleich. Dessen Folgen allerdings wären hart: Laut den Wettbewerbsbedingungen für 2014 des schwedischen Fußballverband, wird ein Verein, der es zu einem Vergleich kommen lässt, in der kommenden Saison um eine Klasse tiefer gestuft, d.h. schlimmstenfalls könnte ein potentieller Champions-League-Sieger Tyresö FF 2015 in der Elitettan und damit zweiten Liga spielen.

Samba in Tyresö

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Marta wird bei der Integration von vier weiteren Brasilianerinnen eine Schlüsselrolle zukommen

Man hat sich gefragt in den letzten beiden Wochen, was wohl in Tyresö los ist, denn nachdem bekannt wurde, dass alle fünf Amerikanerinnen den Stockholmer Vorort früher (Ashlyn Harris, Ali Krieger)  oder später (Christen Press, Meghan Klingenberg, Whitney Engen) verlassen müssen und dann auch noch andere ausländische Klassespielerinnen wie Kirsten van de Ven (FC Rosengård), Caroline Graham Hansen (Stabæk) und Jennifer Hermoso Fuentes (FC Barcelona) adieu oder besser hej då sagten, sah die Spielertruppe und vor allem auch die Ersatzbank sehr dünn aus bei dem Club, der sich mit einem 7-Jahresplan aus der vierten Liga an die europäische Spitze katapultieren will.

Da war zum einen sicher die falsche Hoffnung, dass man den amerikanischen Verband US Soccer doch irgendwie überzeugen können müsste, dass die US-Girls in Schweden bleiben können, auch noch nach der Champions League. Sowohl Ali Krieger wie Christen Press haben mir gegenüber vorsichtig angedeutet, dass sie gerne länger bleiben würden. Es klappte nicht und US Soccer wollte alle Nationalspielerinnen in der einheimischen NWSL haben.

Van de Ven ist sicher gegangen, weil sie schon letzte Saison immer wieder auf der Bank saß und eigentlich keine Bankspielerin ist. In Rosengård (früher Malmö) sah sie da mit Sicherheit eine längerfristige und bessere Perspektive.

Graham Hansen ging meiner Einschätzung nach, weil sie sich überschätzte und glaubte, sie könne schon fern der Heimat und der Familie im Ausland bestehen. Das klappte nicht und ist ihr auch nicht anzulasten. Vorher kann man das in dem Alter nicht wissen. Ihre Potsdamer Altersgenossin und Landsfrau Ada Stolsmo Hegerberg wirkt da wesentlich abgeklärter und reifer. Heißt nicht, dass aus Graham Hansen nicht doch die ganz Große werden kann, die viele in ihr sehen. Sie muss eigentlich nur noch lernen, ab und zu den Ball auch abzuspielen. Naja und ein bisserl mehr vielleicht, aber vor allem das.

In Tyresö herrschte schon so etwas wie Panik. Denn auf einmal sah es so aus, als ob man Ende Mai nur noch elf Spielerinnen zur Verfügung hätte.

In den USA gab es nichts mehr zu holen, in Deutschland und Frankreich ebensowenig wie in England. Da kamen eigentlich nur noch drei Märkte in Frage: Afrika, Osteuropa oder Brasilien. Und da Tyresö mit Marta schon eine Brasilianerin hat und man sich schon mit ihr und der ehemaligen Spielerin Elaine gern mit Samba-Trommeln anfeuern ließ, wurden die Personalprobleme nun durch ein brasilianisches Quartett gelöst:

Die 24-Jährige Fabiana da Silva Simões ist sicher die bekannteste Spielerin. Sie spielt schon seit 2008 in der Nationalmannschaft und war vergangenes Jahr noch beim russischen Topclub Rossiyanka. Tyresö will Fabiana im rechten Mittelfeld einsetzen.

Tyresö schreibt: „In Fabiana bekommt der Club eine Spielerin, die schon als Traumverpflichtung gesehen werden kann. 23 Jahre alt (!), aber bereits mit Meriten wie wenige in diesem Alter und da Fabiana schon in Europa war und in den USA gespielt hat, ist auch die Sprache kein Problem.“

Die zweite Brasilianerin ist Rilany Aguiar da Silva, sie ist 27 Jahre alt und wird auf einigen Seiten im Internet als Stürmerin geführt. Rilany kommt von Centre Olympico und Tyresö will sie als rechte Außenverteidigerin einsetzen (!). Hans Löfgren schreibt auf der Homepage von Tyresö: „Rilany ist eine ausgeprägte Abwehrspielerin von absoluter Weltklasse.“ Trainer Tony Gustavsson sagt, dass Rilany mit ihren schnellen Füßen, offensiven Läufen (!) an Meghan Klingenberg erinnert.

Die 24 Jahre alte Thaisa De Moraes Rosa Moreno ist erst seit 2013 Nationalspielerin. Sie soll hauptsächlich defensiv eingesetzt werden.

Last but not least kommt die 26-Jährige Mayara da Fonseca Bordin, die auch erst seit letztem Jahr in der Natio spielt. Sie lebte fünf Jahre in den USA und sei deshalb nicht auf dem Schirm in Brasilien gewesen.

Tyresö: Kein Grund zur Unruhe

Tyresö ist seit einigen Tagen das Gesprächsthema im schwedischen Frauenfußball und ich weiß, dass auch beim in den meisten Vereinen wieder aufgenommenen Training eifrig darüber spekuliert wird, was los sein mag in dem Verein, den der Unternehmer Hans Löfgren innerhalb von nur sieben Jahren aus der vierten Liga ins Viertelfinale der Champions-League mit guten Aussichten aufs Finale geführt hat.

Die fünf Amerikanerinnen werden den Verein spätestens nach dem Champions-League-Finale in Lissabon verlassen haben, Ali Krieger und Ash Harris sind schon weg. In den letzten Tagen kam fast jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft: Kirsten van de Ven nach Malmö, Caroline Graham Hansen zurück nach Norwegen, Johanna Frisk hört auf und Jennifer Hermoso Fuentes geht nach Barcelona.

Heute schreibt die Zeitung Expressen jedoch, dass es offenbar keinen Grund zur Unruhe gibt. „Wir wussten natürlich seit langem, dass eine solche Situation entstehen können würde. Und wir haben einen Plan, den wir bald vorstellen werden. Ich bin nicht im geringsten nervös,“ sagte der Vereinsvorsitzende Hans Lindberg gegenüber Expressen.

„Natürlich ist Kontinuität wichtig, aber wir werden auch im Sommer eine schlagkräftige Truppe haben,“ verspricht auch Trainer Tony Gustavsson. Kontinuität ist zwar wichtig, aber dennoch geben wir mal insgesamt zwölf Spielerinnen ab? Kein Kommentar. Ich bin gespannt auf den Plan.

 

 

Auch Jennifer Hermoso Fuentes verlässt Tyresö

Jennifer Hermoso Fuentes

Jennifer Hermoso Fuentes

Allmählich sollte es mal gut sein. Gestern gab Johanna Frisk wegen chronisch gewordenen Knieproblemen ihren Rücktritt vom Fußball bekannt. Heute meldet die spanische Frauenfußballseite Marca die seit Wochen erwartete Nachricht, dass auch Jennifer Hermoso Fuentes den Vizemeister Tyresö FFverlässt. Nach nur acht Monaten kehrt die Nationalspielerin in ihre Heimat zurück und wird für den FC Barcelona spielen.

Obwohl man mit den drei Amerikanerinnen Christen Press, Whitney Engen und Meghan Klingenberg sowie Caroline Seger, Marta, Vero Boquete und Lisa Dahlkvist für die Champions League noch eine exzellente Startformation aufbieten können wird, sieht es derzeit auf der Bank schon wesentlich dünner aus. Das könnte schon in den Halbfinals ein Problem werden. Nach der Champions League, wenn Press, Engen und Klingenberg mit One-Way-Tickets in die USA reisen, ist dann auch der Champions-League-Platz in der Liga schwer zu erreichen.

Ashlyn Harris geht, Carola Söberg bleibt

Carola Söberg (hier beim Training mit der Nationalmannschaft in der Friends Arena, Solna)

Carola Söberg (hier beim Training mit der Nationalmannschaft in der Friends Arena, Solna)

Das Engagement von Keeperin Ashlyn Harris in Tyresö war sehr kurz. Heute teilte der Champions-League-Viertelfinalist mit, dass Ash den Verein verlassen wird und dass Carola Söberg, die nach Harris‘ Ankunft sofort auf die Bank verbannt wurde, ein weiteres Jahr bleibt. Damit steht wohl fest, dass Söberg in den Champions-League-Spielen gegen Neulengbach, möglicherweise Arsenal London und einem möglichen Finale zwischen den Pfosten stehen wird. Denn die neu verpflichtete finnische Nationaltorhüterin Tinja Riikka Korpela ist nicht spielberechtigt für die Champions League in der Saison 2013/14, da sie bereits für LSK Kvinner in der laufenden Runde gespielt hat.

Wenn Harris geht, dürfte auch Ali Krieger nicht mehr nach Tyresö zurückkehren, denn beide Spielerinnen kommen und gehen derzeit im Doppelpack. Tyresö teilte vorige Woche mit, dass man Meghan Klingenberg, Whitney Engen und Torschützenkönigin Christen Press jetzt auf jeden Fall bis zum Ende der CL behalten könne. Jeff Kassouf, amerikanischer Frauenfußballexperte und Betreiber der Seite www.equalizersoccer.com schrieb am Freitag auf Twitter, dass er gehört habe, dass alle drei Spielerinnen spätestens im Juni in der NWSL spielen sollen.

Was bedeutet das dann für den Kader von Tyresö? Madelaine Edlund wird wohl Christen Press ersetzen, obwohl sie lange nicht die enorme Torgefährlichkeit der Amerikanerin hat. Die Schwedin ist eine gute Spielerin, aber Press zähle ich derzeit zu den besten Stürmerinnen der Welt. Ihre Erfolge 2013 auch im US-Team haben wohl entscheidend dazu beigetragen, dass die Liga sie jetzt haben will.

Wie sollen Engen und Klingenberg ersetzt werden? Kehrt die enttäuscht aufgrund geringer Spielzeit nach Vittsjö gegangene Annica Svensson zurück nach Tyresö? Zumal sie ihren Lebensmittelpunkt in Stockholm hat?

Nach Engens Weggang dürfte Line Røddik Hansen wieder einen Stammplatz bekommen. Vermutlich aber auf der linken Abwehrseite, wo ich sie stärker sehe als in der Mitte. Tyresö muss aber vor allem in der Abwehr jemanden verpflichten. Am besten eine Spielerin, die alle Positionen in der Viererkette einnehmen kann.

Tinja-Riikka Korpela nach Tyresö

Hinter dem Namen Gudbjörg Gunnarsdottir und Potsdam steht noch ein weiches Fragezeichen. Sicher dagegen ist die Verpflichtung einer weiteren Nationaltorhüterin in die schwedische Liga Damallsvenskan. Die 27 Jahre alte Finnin Tinja-Riikka Korpela wechselt vom norwegischen Erstligisten LSK Kvinner zum schwedischen Vizeiemeister und unterschrieb einen 2-Jahresvertrag.

Damit ist sicherlich ein Teil der Antwort gegeben, ob Ashlyn Harris bzw. Carola Söberg im Club bleiben. Mindestens eine von beiden dürfte gehen.

Dazu passt auch die Nachricht, dass es Tyresö gelungen ist, Whitney Engen, Meghan Klingenberg und Christen Press bis Emnde Juni 2014 an Tyresö zu binden. Somit haben alle Drei die Möglichkeit, mit Tyresö am 22.05. in Lissabon Vereinsgeschichte zu schreiben. Der Champions-League-Sieg 2014 war fester Bestandteil der von Zampano Hans Löfgren 2007 erstellten Planung von der vierten Liga bis zum Champions-League-Sieg zu marschieren.

Damit müsste sich wohl auch Line Røddik Hansen bis Ende Juni mit einem Platz auf der Bank abfinden. Weder ihr Vertrag noch der von Kirsten van de Ven sind bis heute verlängert worden.

 

Sara Thunebro auf dem Weg zu Eskilstuna?

8729086897_8da11360eb_bSara Thunebro bekam nicht mehr viele Spielminuten, nachdem Tyresö FF nach der Sommerpause die Amerikanerinnen Whitney Engen, Ali Krieger und Ashlyn Harris verpflichtet hatte. Krieger verdrängte Thunebro von ihrem Stammplatz, Harris schmiss Carola Söberg aus der Startformation und selbst Dänemarks Weltklasseverteidigerin Line Røddik Hansen fand sich zugunsten von Whitney Engen in den Champions-League Spielen in Paris und gegen Fortuna Hjørring auf der Bank wieder.

Dass die 34-Jährige Thunebro keinesfalls ans Aufhören denkt, hat sie mehr oder weniger unmissverständlich trotzig ebenso kundgetan wie die zwei Jahre ältere Therese Sjögran. Beide wollen unverdrossen weitermachen.

Aber Sara Thunebro gedenkt offenbar, ihrer Heimat näher zu kommen. Geboren in dem kleinen Städtchen Strängnäs, gut 90 km von Stockholm entfernt, zog sie aus und spielte lange in Stockholm bei Djurgården, dann in Frankfurt und schließlich für Tyresö. Dass jetzt Eskilstuna United in die Damallsvenskan aufgestiegen ist, könnte eine Fügung sein.

Knapp 35 km entfernt von Strängnäs wäre „Thunis“ somit fast zu Hause und überdies in der Stadt, in der auch Zwillingsschwester Johanna wohnt.

Viktor Eriksson, Trainer und Sportchef des Aufsteigers: „Dass, was wir mal als Traumverpflichtung bezeichnet haben, ist auf einmal realistisch. Wir brauchen jetzt nicht mehr dazusitzen und zittern, wenn es um das Wirtschaftliche in Verhandlungen mit Sara Thunebro geht.,“ sagte er der Zeitung Folket.

Hauptsponsor Sparbanken Rekarne hat kürzlich die Zuwendungen für den Meister der Elitettan 2013 vervierfacht: Von in diesem Jahr 67.400 Euro auf mindestens 281.000 Euro im ersten Jahr in der Damallsvenskan. Im Gespräch für den Aufsteiger ist übrigens auch seit längerem die bei Meister LdB FC Malmö aussortierte Kolumbianerin Yoreli Rincon.

Whitney Engen: „I’m pissed off“

Die amerikanische Abwehrspielerin Whitney Engen war stocksauer. Gerade Meisterin in England geworden mit den Liverpool Ladies, wurde sie zum Abschluss der Saison nach Tyresö geholt und sollte am Mittwoch gegen Paris Saint Germain auflaufen. „Ich bin angepisst“, sagte sie ihrem Trainer Tony Gustavsson, „aber jetzt geht es nicht um mich, sondern um die Mannschaft.“

In der Damallsvenskan durfte sie ohnehin nicht spielen, da ihr Wechsel nach dem Transferfenster abgeschlossen wurde. Also sollte die amerikanische Innenverteidigerin die vier (?) Begegnungen in cer Champions League spielen, zunächst gegen die Französinnen und, bei einem möglichen Erfolg, auch gegen Tavagnacco oder Fortuna Hjörring.

Aber am Montag erst stellte sich heraus, dass man in Tyresö schlichtweg vergessen hatte, den Antrag auf Arbeitserlaubnis für Engen an die Migrationsbehörde zu schicken. Ohne Antrag keine Genehmigung. Die Frage, ob nun Linda Sembrant oder Line Røddik für Engen auf die Bank muss, war am Mittwoch obsolet, als wir uns alle wunderten, was mit Engen war.

Die erzählte den Reporten von Expressen, die sie nach dem Spiel irgendwo ausmachten, dass sie ganz schon angepisst sei von der Situation. Eigens für die Champions League noch einmal nach Tyresö gezogen zu sein und dann das große Spiel wegen einer Nachlässigkeit zu versäumen.

Trainer Tony Gustavsson sagte, dass Engen aber nun mit 95%-iger Wahrscheinlichkeit zum Rückspiel ihre Arbeitserlaubnis haben werde. Mal sehen, wer dann spielen wird…

Tschüss, Torbjörn!

TorbjörnNehmen wir es gleich einmal vorweg. Der Mann hat Charisma. Mit ihm verlässt einer der sympathischsten und mit Sicherheit der erfolgreichste ehemalige Fußballprofi die Damallsvenskan.

Torbjörn Nilsson und sein Club Kopparberg/Göteborgs FC gaben heute Nachmittag gemeinsam auf der Webseite des Vereins bekannt, dass nach sechs Spielzeiten Schluss ist für ihn als Cheftrainer.

Nach einer enttäuschenden Rückrunde mit drei Siegen, einem Unentschieden und fünf Niederlagen ist die Luft raus, wie Nilsson selber klug sagte. Möglicherweise hatte er der Mannschaft nichts mehr zu geben, konnte definitiv kein Feuer mehr entzünden.

Aber Personalien fallen einem in Göteborg ein. Christen Press war die ideale Stürmerin für das Spiel Göteborgs. Als einzige Spitze hatte sie den Auftrag „in the deep“ zu gehen, wie Nilsson ihr vergangenes Jahr erklärte. Nach einer akzeptablen Saison, in der man aber weder Malmö noch Göteborg gefährden konnte, ließ es die sportliche Leitung und der Vorstand zu, dass Press dem aggressiven Werbegebaren von Meister Tyresö FF nachgab und den Verein wechselte. Da lockte wohl die Champions League, das Geld und auch die eine oder andere Mitspielerin in Tyresö.

Aber es gab einen Glücksgriff. Von den Birmingham Ladies kam Jodie Taylor, für die meisten ein unbeschriebenes Blatt, eine Spielerin, die dem Nationalkader von Hope Powell in England nicht angehörte. Und Jessica Landström wollte es auch noch einmal wissen und kam von Absteiger Djurgården.

Taylor schlug ein wie eine Bombe. Zehn Tore in zehn Spielen, ein perfekter Ersatz für Press und Taylors Erfolg war gleich mit Landströms Rückkehr auf die Bank – wie schon in Frankfurt. Jodie Taylor war schnell, schussstark, konnte das Spiel lesen und nutzte ihre Chancen. Und wurde nicht für die EURO nominiert. Eine Fehlentscheidung von Powell wie so viele andere, die dann zum kläglichen Ausscheiden Englands bei der EURO führten und zu Powells Abschied nach mehr als 15 Jahren an der Macht im englischen Frauenfußball. Jodie Taylor haute ab. Nach Hause. Sie sagte, sie habe so viel investiert, um in die Nationalmannschaft zu kommen, habe ihr Zuhause, ihre Freunde, sogar eine Beziehung aufgegeben dafür. Zu viel. Torbjörn Nilsson sagte, dass man jemanden, dem es so schlecht wie Taylor gehe, nicht aufhalten könne.

Da blieben Cathrine Dyngvold, Jessica Landström und Olivia Schough. Aber keine konnte Taylor ersetzen. Schough ist ein Wirbelwind auf den Außenpositionen, aber sie ist kein Goalgetter. Jessica Landström fehlt die Technik und Cathrine Dyngvold ist zu langsam. Und so holte man eine Spielerin, die in puncto Schnelligkeit angeblich auch noch nachlegen muss: Andrine Hegerberg und die Art wie dieser Wechsel zustande kam, mit Abschied ohne sich zu verabschieden, einem Testspiel, von dem der alte Verein Turbine Potsdam nichts wusste und einer Bitte um Freigabe 24 Stunden bevor das Transferfenster schloss, war schon kein gutes Zeichen. Am Samstag kann ich mir das alles noch einmal anschauen, dann gastiert Göteborg nach drei Niederlagen in Serie bei Tyresö.

Der Kader von Göteborg besteht nach wie vor aus 15-16 Spielerinnen, zu wenig, um an der Spitze mithalten zu können. In Tyresö sitzen derzeit Sara Thunebro, Kirsten van de Ven, Jennifer Hermoso Fuentes und Malin Diaz auf der Bank und nach der Ankunft Whitney Engens letzte Woche wird wieder eine geopfert werden müssen, möglicherweise Nationalspielerin Linda Sembrandt.

In Göteborg sitzt Jane Törnqvist (ja, genau die) offiziell zumindest auf der Bank, meist jedoch auf der Tribüne. Und unten zwei junge Spielerinnen und Landström.

Sponsor Peter Bronsman hatte Nilsson versprochen, dass der Club investiert, dass man mithalten wolle mit Tyresö und Malmö. Aber er hat seine Millionen dann doch lieber im Tresor gelassen. Das ist schon ein wenig unfair, denn wie ich es verstanden habe, hatte Nilsson gerade unter der Prämisse der Verstärkung für zwei Jahre unterschrieben, von denen er sich nun eines sparen wird.

Ich werde ihn vermissen, den verschmitzten Gentleman, den Mann, der seinerzeit seinen IFK Göteborg zum UEFA-Pokalsieg schoss, im Finale gegen den Hamburger SV. Den Mann, der seine Spielerinnen auch schon mal Samstagabend anrufen konnte, um zu hören wie es ihnen ging. Linnéa Liljegärd hat mir das einmal erzählt. „Das kann schon mal nerven,“ sagte sie lächelnd, „aber es ist eigentlich auch ganz schön, denn er meint es ernst.“

 

 

 

Ungewohnte Töne

Normalerweise werden im schwedischen Frauenfußball keine offenen Konflikte ausgetragen. Aber nach dem gestrigen 4:0 gegen Linköping zog Malmös Trainer Jonas Eidevall doch mal einen vom Leder: „Ich bin ein großer Fan des Modells, nach dem wir in Malmö arbeiten. Mit Langfristigkeit verglichen mit der anderen Mannschaft, mit der wir konkurrieren. Die kaufen und holen sich eine Menge Spielerinnen mit kurzfristigen Verträgen. Für mich ist das Zirkus. So arbeiten wie die, so will ich nicht in einem Fußballverein arbeiten.“

Deutliche Worte an Tyresö FF, das derzeit mit kurzfristigen Verträgen Sara Thunebro, Ashlyn Harris, Ali Krieger und bald auch Whitney Engen verpflichtet hat.