Halbfinale noch möglich für Linköping und Rosengård


Emma Madsen und ihre Mannschaftskameradinnen können ihr Glück kaum fassen nach dem 1:0 in Linköping

Emma Madsen und ihre Mannschaftskameradinnen können ihr Glück kaum fassen nach dem 1:0 in Linköping

Nach dem Spiel in einer gestern äußerst windigen Linköping Arena wussten die Spielerinnen und der Trainer von Linköpings FC warum es gelegen hatte, dass man dem dänischen Tabellenführer Brøndby mit 0:1 unterlegen war. Obwohl man am Drücker war und das Spiel über sehr weite Strecken dominiert hatte.

„Wir sind die bessere Mannschaft, wir haben besser als die gespielt,“ sagte mir Pernille Harder, die gleich mehrere Chancen auf den Ausgleich hatte, die beste, als sie in der 90. Minute von der Strafraumgrenze die Querlatte traf. Da hätte Katrine Abel keine Chance gehabt.

„Die hatten eine Torchance und haben ein billiges Tor gemacht,“ so Pernille weiter. „Aber im letzten Drittel hat es gefehlt, der letzte Pass kam nicht an und dann müsen wir natürlich die Chancen, die wir haben, auch nutzen.“

Aus nicht ganz klaren Gründen musste Linköping statt im gewohnten Dunkelblau ganz in Rot spielen, eigentlich nur die Reservekleidung des Teams. Optisch wäre Dunkelblau ein guter Kontrast zum Gelb der Gäste gewesen, warum die UEFA-Delegatin Rot anordnete, bleibt ein Rätsel.

Das Gegentor, ein Eigentor von Routinier Charlotte Rohlin fiel schon in der 14. Minute. Und danach rannte Linköping diesem Treffer vergeblich her. In der ersten Halbzeit sorgte die aus Malmö bestens bekannte Katrine Veje noch für Gefahr auf der linken Seite gegen Schwedens Nationalspielerin Jessica Samuelsson, aber in der zweiten Halbzeit musste dann Veje in der Defensive viel gegen eine immer offensivere Samuelsson arbeiten.

„Die haben ein frühes Tor gemacht, wo wir total kollabiert sind,“ analysierte Trainer Martin Sjögren  nach dem Spiel. „Wir haben zu wenig Druck auf deren rechte Außenverteidigerin gemacht und die spielte den Pass in die Tiefe [zu Nanna Christiansen] . Und dann haben sie eine Spielerin im Torraum, wo wir drei haben, da darf einfach kein Tor fallen. Aber wir haben auch Fehler nach vorne gemacht, viele Chancen nicht genutzt.“
Wie wird das Spiel in Kopenhagen verlaufen, fragte ich Sjögren?
„Ich glaube, es wird sehr ähnlich sein. Wir haben uns selber in diese Situation gebracht und Brøndby wird so weiterspielen wie nach dem Treffer, den sie gemacht haben.“
Rosengårds Spiel in Wolfsburg habe ich nicht gesehen, da ich im Zug nach Stockholm nur sehr schlechten Empfang hatte, aber das Ergebnis bürgt natürlich für ein spannendes Rückspiel. Interessant, dass jetzt offenbar die 18-Jährige Zecira Musovic die Nummer 1 imTor von Rosengård ist. Sie hat wohl mit einigen Paraden das Unentschieden gerettet. Bezeichnend, dass es wieder Marta war, die auf Pass von Anja Mittag Rosengård in Führung brachte. Wolfsburg bleibt aufgrund einer doch recht dominanten Leistung weiterhin Favorit auch für das Rückspiel, aber ein Weiterkommen scheint durchaus möglich für den schwedischen Meister, auch wenn man nach wie vor Außenseiter ist gegen den Goliath aus der Autostadt.Aber wieder einmal kochten die Emotionen hoch in Deutschland. Zuerst verpasste Vanessa Bernauer der Dänin Line Røddik Hansen mit ihrem Ellenbogen unabsichtlich das, was sich später dann zunächst nur als leichte Gehirnschütterung zu erwiesen schien. Aber damit fiel die Taktik Rosengårds schon früh in sich zusammen. Trainer Markus Tilly hatte auf eine offensive 5-3-2 Aufstellung gesetzt, mit Røddik und Lina Nilsson als offensive Außenverteidigerinnen. Eigentlich eher eine 3-5-2 mit Marta auf der linken Seite. Das Duo Røddik Hansen & Marta hatte früher in Tyresö sehr erfolgreich die linke Außenbahn bearbeitet. Røddik wurde, mit Decken abgschirmt, vom Platz getragen und direkt ins Krankenhaus gebracht. Sie wird kaum beim Rückspiel dabei sein. Emma Berglund hat sich wohl die Hand gebrochen, zimperlich wurde nicht gespielt, von beiden Seiten.Die Regionalzeitung Sydsvenska Dagbladet war natürlich vor Ort und ihr Sportchef Max Wiman feiert heute Torhüterin Musovic und Marta: „Ein völlig angstfreier Teenager und ein routinierter Weltstar, die beide die Situation einfach nur liebten, da habt ihr die Führungsfiguren, als sich der FC Rosengård eine glänzende Ausgangsposition in der Champions League gegen die Meistermannschaft Wolfsburg verschaffte.“

Wiman gerät ins Schwärmen über Musovic und sagt, dass Pia Sundhage, die gegenwärtig bekanntermaßen Torwartprobleme hat, durchaus einen Gedanken an die 18-Jährige verschwenden solte, die den Luftraum so beherrschen würde, wie das vor ihr nur Caroline Jönsson getan habe.

Marta, so Wiman, habe wie ein Porsche agiert. Sie habe durch und durch Qualität gezeigt, von ihrem eiskalten Treffer bis hin zu dem Faktum, wie sie die Deutschen aus der Fassung gebracht habe. Wiman sieht die rote Karte Graham Hansens übrigens als durchaus diskutabel an und räumt ein, dass es umstritten gewesen sei. Frappart habe aber völlig den Ellbogeneinsatz Bernauers gegen Røddik übersehen. Wiman fordert die Zuschauer auf, am Samstag zum Malmö IP zu kommen. Rosengård könnte Geschichte schreiben.

Auch die große Boulevardzeitung Aftonbladet war in Wolfsburg vertreten. „Anja hat gesehen, dass ich in einer sehr guten Position war,“ sagte Marta „und ich habe einfach versucht, den Ball dorthin zu spielen, wo die Torhüterin nicht rankommen konnte. Es ist immer schön, wenn man solche Tore machen kann, aber unser Ergebnis hier ist eine Mannschaftsarbeit,“ so die Brasilianerin.

Zu der roten Karte von Graham Hansen sagte Marta: „Sie hat mein Bein mit einem sehr harten Tritt getroffen. Dann habe ich nichts mehr gesehen. Ich lag auf dem Rasen und wartete auf Hilfe. Ich habe nicht einmal gesehen, dass sie die rote Karte bekam und danach schrien alle gegen mich. Was?“

„Wenn man so einen Tritt abbekommt, darf man dann nicht liegen und Schmerzen haben? Ich bin ein Mensch,“ so Marta weiter. „Ein paar Spielerinnen von Wolfsburg kamen zu mir und sagten, sie würden nicht verstehen, warum das Publikum sich so verhielt, aber das kümmert mich nicht. Sachen, die nicht positiv sind, muss man ablegen. Ich habe das schon vergessen.“

Der Zeitung Expressen sagte sie: „Die scheinen mich zu hassen. Aber sie müssen verstehen, dass man nicht immer gewinnen kann, das müssen sie akzeptieren. Die haben sehr schlecht reagiert.“

Und die Situation, als das Wolfsburger Publikum einen Elfmeter haben wollte, als Marta gegen Ellbogensünderin Bernauer hohes Bein spielte, kommentierte die 29-Jährige: „Das war nicht einmal nah an einem Elfmeter. Sie hat geschauspielert.“

Freuen wir uns auf die beiden Rückspiele am Samstag. Das eine in Kopenhagen um 14.00 Uhr und das andere, keine 40 km entfernt auf der anderen Seite des Öresunds, um 15.00 Uhr.

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7 Gedanken zu „Halbfinale noch möglich für Linköping und Rosengård

  1. was sagt man denn in schweden zum foul gegen gössling und der tätlichkeit des rosengard trainers gegenüber gössling, bitte als journalisten nicht verschweigen.
    ja, marta, was soll man sagen, die schwalbenkönigin.
    zum elfmeter gegen marta der 100% einer war, denn, das sie das bein zu hoch hatte ist auf den fernsehbildern klar zusehen, und das heisst normalerweise, elfmeter.
    aber da es die fifa und uefa regel gibt, marta darf alles und bekommt keine karte, war dies zu erwarten

    • Ich habe höchstens fünf Minuten des Spiels gesehen, da ich im Zug von Linköping nach Stockholm ganz miserables Internet hatte. Ich suche noch nach einer Aufzeichnung im Netz und kann hier nur das wiedergeben, was schwedische Zeitungen schreiben.

    • Sehe gerade, dass Aftonbladet auch schreibt, dass Amanda Ilestedt einer am Boden liegenden Gegnerin einen Fausthieb verpasst hat und schon in der ersten Halbzeit vom Platz hätte fliegen können. Meintest du das?

      • nein ich meinte den tritt gegen lena gössling im spiel vfl wolfsburg-fc rosengard, wo der trainer gleich daneben stand und lena gössling gestossen hat.
        ein trainer sollte eine spielerin nicht schlagen oder stossen, das geht garnicht.

        diese szene ist sehr gut bei eurosport zu sehen, gibt es in schweden darüber berichte oder wird das vertuscht.

  2. Bei der Aktion von Marta mit dem hohen Bein – Wenn sie die Gegenspielerin nicht trifft, muss es einen indirekten Freistoß geben. Es ist dann gefährliches Spiel. Trifft sie dabei die Gegnerin, so wird aus dem gefährlichen Spiel ein verbotenes Spiel. Und dann gibt es einen direkten Freistoß.

    • Gibt es irgendwo eine Aufzeichnung im Netz? Ich würde mir gern das ganze Spiel mal ansehen, weil da offenbar so viel war, dass umstritten ist.

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