Acht Spiele später

Es war still im Blog, viele andere Sachen sind im Augenblick zu tun. Acht Spiele in der Damallsvenskan wurden seit dem letzten Post gespielt. Heute Nachmittag fahre ich zum Spitzenspiel der Elitettan zwischen Hammarby DFF und Sunnanå SK. Vorteil Hammarby, aber sollte Sunnanå gewinnen, nähmen die Nordschwedinnen Kurs auf Aufstiegsplatz Nummer zwei.

Aber zurück zur Damallsvenskan. Es besteht sicher immer noch kein Grund daran zu zweifeln, dass der FC Rosengård seinen ersten Meistertitel gewinnen wird, obwohl man seine Überlegenheit relativieren sollte. Oder lag es an Martas verletzungsbedingtem Fehlen gegen Linköping, dass es am Mittwoch in Malmö eine hochverdiente 2:3-Heimniederlage gegen den zweiten CL-Teilnehmer gab. Linköping hat damit beide Spiele dieser Saison gegen Rosengård gewonnen. Und eindrucksvoll unterstrichen, warum man Favorit gegen Liverpool sein dürfte. Am Mittwoch wollte der LFC gewinnen, Trainer Martin Sjögren, der Malmö vielleicht (noch) besser kennt, als Rosengårds Trainer Marcus Tilly, weil er es war, der 2010 nach langer Durststrecke den ersten Titel nach Malmö holte, hatte vor dem Spiel selbstbewusst gesagt, dass man noch eine Chance auf Platz 2 hätte, wenn man alle Spiele bis Saisonende gewinnen würde, inklusive der Begegnung auf dem Malmö IP. Drei Mal gingen die Gäste in Führung. Zwei Mal konnte Malmö ausgleichen, einmal durch einen zweifelhaften Foulelfmeter, nachdem Anja Mittag im Strafraum fiel, beim zweiten Mal durch Ramona Bachmann, die durch die gesamte Hälfte Linköpings lief und fünf Gegnerinnen wie Slalomstangen stehen ließ und den Ball dann an Katie Fraine vorbeispitzelte. Das Tor des Tages. Spielerin des Tages aber eindeutig die Dänin Pernille Harder. Wo Bachmann für meinen Geschmack oft noch zu ballverliebt ist und nicht abspielt, da hat die jüngere Harder längst die richtige Mischung gefunden  Passend, dass es ihr Nachschuss nach Fridolina Rolfös Versuch war, der das Spiel entschied. Überhaupt Rolfö. Die 20-Jährige köpfte das 2:1  und wirbelte Rosengårds Abwehr mehrfach durcheinander. Und man fragt sich, warum Pia Sundhage Rolfö nicht nominiert. Fast 1,80 groß, athletisch und dynamisch. Mit einem starken linken Fuß und immer wieder überraschenden Aktionen. So eine Spielerin hat Sundhage nicht im Kader. Warum sie unverdrossen an Sofia Jakobsson und Olivia Schough festhält, darüber kann man nur spekulieren. Sportliche Gründe gibt es nicht.

Linköping hatte schon vorher gegen Kopparberg/Göteborgs FC ein weiteres Spitzenspiel mit 2:1 gewonnen. Obwohl die bessere Mannschaft gewann profitierte man hier jedoch von einem eklatanten Schiedsrichterfehler. Denn die glänzend spielende Norwegerin Kristine Minde erzielte das 2:0 für Linköping mit dem halb ausgestreckten rechten Arm, mit dem sie einen Schuss unhaltbar für Loes Geurts abfälschte.

Erfreulicherweise ist der Kampf um Platz zwei nun die spannende Frage in der Liga, in der Rosengård wohl doch durchmarschieren wird. Örebro leistete sich einen Ausrutscher beim wiedererstarkenden Vittsjö und gewann dann aber gegen Kristianstad durch einen Treffer der Finnin Sanna Talonen. Und Göteborg holte einen 0:2 Rückstand daheim gegen Eskilstuna am Donnerstagabend auf und gewann durch ein Kopfballtor von Lisa Ek doch noch mit 3:2. Alle anderen Fragen in der Liga sind entschieden. Die Abstände zwischen oben und unten mehr als deutlich.

Zwischen Platz 6 (Kristianstad) und 7 (Umeå) liegen acht Punkte, auch wenn die komplette untere Hälfte ein Spiel weniger hat als die komplettere obere Hälfte.

 

 

 

 

 

Entschieden

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Acht Spieltage vor Ende der Damallsvenskan 2014 ist die Meisterschaft zumindest aus meiner Sicht entschieden. Am Dienstagabend gewann Tabellenführer FC Rosengård mit 1:0 beim Zweiten KIF Örebro und sicherte sich damit zunächst einmal einen komfortablen 9-Punkte-Vorsprung vor dem heutigen Gegner, der allerdings ein Spiel weniger hat. Den entscheidenden Treffer erzielte Marta in der 22 Minute nach Vorlage von Ramona Bachmann. Am Ende hätte Rosengård sicher noch einen Treffer machen können, wenn Bachmann oder Anja Mittag mhr Entschlossenheit im Abschluss gezeigt hätten. Das Spiel hätte aber durchaus auch unentschieden enden können. Örebro zeigte, warum es ein unangenehmer Gegner ist und kam auch selber zu einer Reihe von Chancen, obwohl die Nigerianierin Sarah Michael zunächst auf der Bank saß. Julia Spetsmark vertrat Michael 52 Minuten lang ausgezeichnet und sorgte immer wieder für Unruhe.Bei Rosengård wurden wieder Abwehrschwächen deutlich, die im großen internationalen Konzert bestraft würden. Fehler leisteten sich Torhüterin Kathrin Längert, die zur Klasse der im Sommer zurück nach Hause gezogenen Thora Helgadottir noch ein Stück Weg vor sich hat, Line Røddik Hansen, Lina Nilsson und selbst Anita Asante Lediglich Ali Riley war nahezu fehlerfrei. Dabei war es am Ende aber wohl Asante, die den Sieg rettete mit zwei klärenden Aktionen in der zweiten Halbzeit Einmal gegen Sarah Michael, als Michael zu Fall kam. Obwohl Asante wohl den Ball gespielt zu haben scheint, brachte sie die Nigerianerin aber auch ebenso deutlich zu Fall. In jedem zweiten Fall entscheidet ein Schiedsrichter hier auf Strafstoß. Am Ende aber bedeutet das 1:0 aber wohl die Vorentscheidung´. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier noch etwas anbrennen wird und gehe davon aus, dass Rosengård auch theoretisch schon einige Spieltage vor Schluss im Ziel ist.

KIF Örebro aber wird um Platz 2 spielen und hat gute Chancen auf einen Champions League Platz. Mit seinen begrenzten Ressourcen arbeitet Trainer Richard Nilsson optimal. Das Mittelfeldzwillingspaar Irene und Lucie Martinkova aus Tschechien, das schon vergangene Saison nach Schweden kam, ist eine der klügsten Verpflichtungen der letzten Jahre. Stephanie Labbé im Tor ist inzwischen eine Klassetorhüterin, spannend wird ihr Versuch, bei der WM im eigenen Land 2015 die kanadischen Farben zu vertreten. Die Finnin Annika Kukkonen hat nach einigen eher gescheiterten Versuchen in Malmö und bei den Absteigern Djurgården und Sunnanå endlich den richtigen Club gefunden. Und Sanna Talonen und Sarah Michael habe ich schon vor drei Jahren als eines der potentiell besten Stürmerpaare der Liga bezeichnet. Jetzt ist es soweit.

Auch 1:2 ist verloren. Jitex Mölndal BK holte sich im 14. Spiel die 14. Niederlage daheim gegen Aufsteiger Eskilstuna am Dienstagabend.

Bereits am Sonntag gewann Vittsjö im “Spiel um den neunten Platz” mit 2:0 bei AIK in Solna. AIK, das die Klasse nur erhalten wird, weil Tyresö sich zurückgezogen hat. Jitex ist mit 0 Punkten der unangefochtene Jumbo und könnte tatsächlich einen neuen Minusrekord aufstellen, wenn die restlichen acht Spiele auch noch verloren werden. AIK hat nur in drei von 13 Spielen Tore erzielt und am Sonntag wurde wieder deutlich, wie schwer man sich tut. Da gibt es durchaus einige begabte Spielerinnen und mit Emma Lundh ja eine schwedische und mit Maija Saari eine finnische Nationalspielerin, aber insgesamt reicht der Kader nicht für die erste Liga Dank Tyresö wird man aber dennoch drin bleiben in der Damallsvenskan, was spätestens im nächsten Jahr mit den voraussichtlichen Aufsteigern Mallbacken und Hammarby durchaus zu einem Qualitätsverlust führen könnte.

Vittsjö müsste eigentlich deutlich besser spielen, aber das Team brauchte mehr als eine halbe Stunde, um sich warm zu spielen und leistete sich in der verlängerten Aufwärmphase zahlreiche eklatante Abspielfehler und Missverständnisse. Dabei gibt es mit den drei schottischen Nationalspielerinnen Ifeoma Dieke, Hayley Lauder und Jane Ross wirklich Talente. Ross machte auch das 1:0 per Kopf und Emma Sjödahl ebenfalls mit dem Kopf erzielte den 2:0-Endstand. Antonia Göransson machte vor allem in der zweiten Halbzeit einen guten Eindruck auf der linken Seite, aber die vor zwei Jahren so famos aufspielende Kapitänin Sofie Andersson blieb relativ blass. Im Tor hat man mit der Finnin Minna Meriluoto eine der besten Torhüterinnen der Liga, die in ihrer Karriere mit Umeå Södra, Hammarby, Jitex und jetzt einem eher mediokren Vittsjö immer Vereine weit unter Wert verstärkt hat. Potential ist durchaus da beim Tabellenneunten, aber es wird schwer, sich wirklich nach oben zu verbessern, auch wenn das gut gestartete Piteå jetzt deutlich schwächelt. Am Sonntag leistete man sich daheim in der schwer zu erobendern LF-Arena eine 2:3 Niederlage gegen Kristianstad, für das die zurückgekehrte Amerikanerin Becky Edwards bereits ihren ersten Treffer erzielte.

Lösbare Aufgaben

Liver

Die Champions-League der Frauen beginnt Anfang Oktober und gestern wurde in Nyon sowohl die Runde der besten 32 und gleich auch mal schon das Achtelfinale gelost – für mich eine Unsitte, die sehr viel Spannung nimmt und im ungleich größeren Männerfußball undenkbar wäre.

Gesetzt wurde auch nur in der ersten der beiden Runden, trotz der katastrophalen Ergebnisse im vergangenen Jahr als etwa Turbine Potsdam in seinem Viertelfinale den Gegnerinnen aus Sardinien 16 Tore einschenkte. Solche Klassenunterschiede in der Runde der letztenAcht sollten vermieden werden, auch das die acht Tore vom dann erwartungsgemäß in Konkurs gegangenen schwedischen Vertreter Tyresö FF gegen Neulengbach im Viertelfinale zeigten, dass es noch keine sonderliche Leistungsdichte gibt.

Aberf die UEFA hat keine Konsequenzen gezogen – schon im Achtelfinale kommt es mit 99%-iger Wahrscheinlichkeit zum Aufeinandertreffen der beiden französischen und europäischen Topclubs Olympique Lyonnais und PSG.

Der schwedische Meister FC Rosengård (eigentlich hieß er ja LdB FC Malmö) trifft auf den russischen Vertreter Ryazan VDV, eine mehr als lösbare Aufgabe, geradezu ein Muss, hier weiterzukommen und zwar durch zwei souveräne Siege.

Ryazan, in Deutschland oft Rjazan geschrieben, liegt 200 km südöstlich von Moskau. Die Mannschaft besteht aus russischen und ukrainischen Spielerinnen, lediglich eine Weißrussin kommt zu den beiden Nationen hinzu. Die bekanntesten Spielerinnen sind die Russinnen Olga Petrova (letzte Saison kurz in Wolfsburg), Elena Danilova und Ksenia Tsybutovich, allesamt Nationalspielerinnen für Russland.

Schwieriger wird es dann wohl für Linköpings FC, den Dritten des Vorjahres in Schweden, der sich in Tyresö bedanken darf, dass man seine Mannschaft zurückgezogen hat, denn dem Reglement zufolge hätte Tyresö jetzt auch seine neue A-Mannschaft nach Europa schicken können. Die hat ein Durchschnittsalter von siebzehn Jahren und drei Monaten und liegt derzeit in der dritten Liga (Gruppe Södra Svealand) auf einem Abstiegsplatz. Vereinsvorsitzender Hans Lindberg hatte im Frühjahr zwischenzeitlich “gedroht”, dass man den Platz in der Champions League behalten könne, unabhängig davon, was mit der unbezahlbaren und unbezahlten ersten Mannschaft geschieht. Aber vermutlich hat der schwedische Fußballverband hier sehr nachdrücklich um Rückzug “gebeten”, denn eine Teilnahme des Drittligisten hätte dem schwedischen Fußball wohl sehr geschadet.

Gegner von Ersatzteam Linköping sind nun die Liverpool Ladies, der englische Meister von 2013. Zunächst geht es nach England und am 15./16.10. steht dann das Rückspiel in Schweden an. In der acht Mannschaften umfassenden englischen FA/WSL liegen die “Reds” derzeit auf Platz drei, zwei Punkte hinter Tabellenführer Birmingham City Ladies, der allerdings zwei Spiele weniger hat und also davonziehen könnte.

Nicht mehr im Kader von Liverpool ist die Schwedin Louise Schillgard (geb. Fors), die in diesem Frühjahr geheiratet hat und jetzt auch ein Baby erwartet. Ihr Einsatz wäre pikant gewesen, denn “Lollo” hat auch eine Vergangenheit in Linköping, wo sie 2012 noch aktiv war.

Mit Corina Schröder und Nicole Roiser wird Linköping auch auf zwei deutsche Spielerinnen treffen.

Hier die komplette Auslosung und mein Tip fürs Weiterkommen ist jeweils gefettet:

KKPK Medyk Konin (POL) – Glasgow City LFC (SCO)
60:40 für Konin, das in seiner Quali-Gruppe alle Gegner hinwegfegte

Ryazan-VDV (RUS) v FC Rosengård (SWE)
95:5 für Rosengård

ACF Brescia (ITA) – Olympique Lyonnais (FRA)
95:5 für Lyon

Clube Atlético Ouriense (POR) – Fortuna Hjørring (DEN)
10:90 für Hjørring

SK Slavia Praha (CZE) – FC Barcelona (ESP)
15:85 für Barcelona

Raheny United (IRL) – Bristol Academy WFC (ENG)
30:70 für Bristol

FC BIIK-Kazygurt (KAZ) – 1. FFC Frankfurt (GER)
1:99 für Frankfurt

Gintra Universitetas (LTU) – AC Sparta Praha (CZE)
5:95 für Prag

ŽNK Pomurje (SVN) – ASD Torres Calcio (ITA)
5:95 für Torres

Stabæk FK (NOR) – VfL Wolfsburg (GER)
10:90 für Wolfsburg

Apollon LFC (CYP) – Brøndby IF (DEN)
30:70 für Brøndby

MTK Hungária FC (HUN) – SV Neulengbach (AUT)
20:80 für Neulengbach

ŽNK Osijek (CRO) – FC Zürich Frauen (SUI)
10:90 für Zürich

Liverpool LFC (ENG)  – Linköpings FC (SWE)
35:65 für Linköping

FC Twente (NED) – Paris Saint-Germain FC (FRA)
5:95 für PSG

Stjarnan (ISL) v WFC Zvezda-2005 Perm (RUS)
30:70 für Zvezda

 

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Das Achtelfinale (mit den Tipps von ffschweden):

Zürich – Medyk Konin
70:30 für Zürich

Rosengård – Hjørring
85:15 für Rosengård

Paris – Lyon
60:40 für PSG

Wolfsburg – Neulengbach
95:5 für Wolfsburg

Linköping – Zvezda-2005
80:20 für Linköping

Barcelona – Bristol
70:30 für Barcelona

Frankfurt – Torres
95:5 für Frankfurt

Brøndby – Sparta
70:30 für Brøndby

 

 

ffschweden trifft (3): Madelaine Edlund

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Vor drei Monaten noch stand sie im Finale der UEFA Women’s Champions League in Lissabon und spielte mit ihrem Verein Tyresö FF gegen den VfL Wolfsburg. Doch sowohl das 3:4 gegen Wolfsburg wie auch die mit Stars gespickte A-Mannschaft von Tyresö ist längst Geschichte.

Als ich Madelaine Edlund traf, trug sie das Trikot ihres neuen Vereins Sunnanå SK, Tabellenfünfter der zweiten Liga, der Elitettan.

Ich war mit der 29-Jährigen verabredet, um von ihr selbst zu hören, warum sie den Schritt zurück vom europäischen Parkett in die nordschwedische Provinz getan hat und nicht etwa ihre Karriere in der Damallsvenskan oder im Ausland fortgesetzt hat.

“Ich habe mir überlegt, das ich einfach alles schon mehr oder weniger gemacht habe im Fußball,” sagte mir Madde Edlund nach dem 3:3 ihres Teams beim Tabellenvierten Djurgården in Stockholm.

“Ich habe in Umeå gespielt, stand drei Mal im Finale der Champions League und hab auch ein bisschen in der Nationalmannschaft gespielt. Ich habe wirklich das Meiste gemacht und ich bin nicht mehr so ganz jung, vielleicht sogar irgendwo am Ende meiner Karriere als Fußballspielerin. Und dann bin ich auch Mutter. Ich bin ja in Jönköping geboren, aber aufgewachsen bin ich in Skellefteå und wie du sicher weißt, habe ich die ersten Jahre für Sunnanå gespielt, bevor ich nach Umeå ging.”

In Umeå gewann Madelaine Edlund zwei Mal die schwedische Meisterschaft, bis der Club in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet. Marta ging zu Los Angeles Sol in die amerikanische Profiliga WPS und viele andere Spielerinnen verließen den Verein. Edlund und die Brasilianerin Elaine Estrela Moura folgten Marta in die USA und heuerten bei St. Louis Athletica an, eine Manschaft, die aber schon nach wenigen Monaten zurückgezogen wurde, weil ihr Eigentümer begriffen hatte, dass Frauenfußball ihm keine Gewinne verschaffen würde.

Der umtriebige Unternehmer Hans Löfgren holte Elaine und Madelaine nach Tyresö. 2012 holte Tyresö sein erstes und Madde Edlund ihr drittes Gold in der schwedischen Meisterschaft. Im alles entscheidenden Spiel Anfang November 2012 in Malmö verschoss Anja Mittag zunächst einen Elfmeter und vergab damit dkie große Chance auf die Vorentscheidung zugunsten der Gastgeber. Stattdessen war es Madde Edlund, die in der 81. Minute das Blatt wendete. Ihr 0:1 war das Tor des Tages und meisterschaftsentscheidend.

Mir scheint es, als ob du jetzt nach Hause gekommen bist, Madelaine?

“Sunnanå war immer in meinem Herzen,” antwortet Madelaine Edlund “Ich habe etliche Jahre in der Damallsvenskan gespielt und jetzt wollte ich zu einem Team, das durchaus in die Damallsvenskan aufsteigen will und ich wollte dabei sein, zu versuchen, das Team nach oben zu bringen. Denn der Ehrgeiz aufzusteigen, den gibt es hier.”

Was aber, wenn es Sunnanå tatsächlich gelingen sollte, aufzusteigen? Dann würde sich das Trainingspensum wieder erhöhen.

“Ich weiß nicht, was ich dann machen würde. Aber das hat bis nach dem Ende der Saison Zeit. Aber mir geht es in Skellefteå wirklich gut.”

Hast du lange überlegt, bis du dich entschlossen hast, diesen Schritt zurück zu machen?

“Nein, eigentlich gar nicht. Es war einfach. Ich habe eine Tochter und da hast du eine andere Perspektive auf das Leben. Ich bin im Ausland gewesen und habe so viel erlebt und gemacht, jetzt ging es darum, nach Hause zu kommen. Jetzt spielen andere Dinge in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle. Der Fußball ist nach wie vor wichtig, aber für mich ist das jetzt und hier ideal. Ich will wirklich was mit dieser Mannschaft erreichen.”

Ich frage Madelaine, ob das lange und schlimme Ende der Topmannschaft Tyresö FF für sie letzten Endes nicht irgendwo positiv war.

“Ja, so kann man das durchaus sehen,” stimmt sie mir zu. “Ich war halt gezwungen, mir etwas Neues zu suchen. Aber es ist schon merkwürdig, es ist alles nicht einmal drei Monate her und wir sind in alle Winde in der ganzen Welt verstreut.”

Ob die junge Familie in Nordschweden bleibt, hängt laut Madd Edlund vor allem davon ab ob sie und ihr Freund einen Job dort finden Madelaine ist von ihrem Arbeitsplatz in Stockholm beurlaubt und ihre Freund ist im Elternurlaub, hat seine Arbeit ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Aber allen gefällt es gut im Norden wo Madde wieder bei ihren Eltern wohnt, vorübergehend zumindest.

Sie gibt ein gutes Beispiel dafür, wie man eine Karriere allmählich würdevoll und klug abschließen kann Die großen Ambitionen sind nicht mehr da und teilweise auch erfüllt. Es gibt eine Zeit nach dem Fußball. Das sieht Madelaine Edlund ganz schmerzfrei und das imponiert mir

 

 

Ausgesprochen

Es war denn dann wohl doch zu brisant, was sich gestern nach dem Spiel Polen – Schweden zwischen Trainerin Pia Sundhage und Spielerin Kosovare Asllani abgespielt hat. Asllani beklagte sich Journalisten gegenüber, dass sie nicht spielen durfte und sagte unter anderem, dass sie wohl gespielt hätte, wenn sie einen gewissen anderen Namen hätte und singen und tanzen würde (gemeint war Ex-Bayern-Spielerin Olivia Schough).

Sundhage wurde noch im Stadion von Journalisten darauf angesprochen.

Der schwedische Fußballverband beschloss, die Sache schnell zu lösen und schon im Hotel gab es ein Gespräch zwischen Trainerin und Spielerin und spät am Abend dann eine Nachricht auf der Homepage des Verbands: ‘Sundhage: “Es war ein gutes Gespräch.”‘

“Die Fragen, die ich nach dem Spiel bekam, erstaunten mich. Das führte zu einem Gespräch mit Kosse und es war ein gutes Gespräch,” so Sundhage.

Die PSG-Stürmerin selber wird zitiert: “Es war gut, mit Pia zu reden. Bei mir haben Gefühle die Oberhand bekommen. Jetzt haben wir das geklärt.”

Das klingt, bei aller Liebe zu Sundhage und Asllani, wie vom Pressereferat ausgedacht, um der Öffentlichkeit eine Einheit vorzuspielen, die so doch nicht existieren kann.

Asllanis Äußerung in Richtung Schough ist damit nicht aus der Welt. In der Tat gibt es seit längerem kritische Stimmen, die Nominierungspraxis der Trainerin betreffend. Kritische Stimmen, zu denen auch dieses Blog zählt.

Es ist in der Tat unverständlich, warum eine Handvoll Spielerinnen trotz alles andere als überragender Leistungen jedes Mal nominiert und gar aufgestellt wird, während junge Talente mal ein- dann wieder ausfgeladen werden und keine klare Perspektive für sich sehen.

Die Kaderzusammensetzung ist mittlerweile auch häufiger Gesprächsthema unter Spielerinnen der Damallsvenskan. Erfahrene Spielerinnen können durchaus einschätzen, welche Nominierungen unverständlich sind und sich fragen, warum andere Spielerinnen einfach nicht nominiert werden. Ich habe in letzter Zeit selber mehrfach erlebt, dass Spielerinnen mich (?!)  gefragt haben, ob ich ihnen erklären könnte, warum Spielerin X oder Spielerin Y jedes Mal in die Nationalmannschaft berufen würde. Das ist kein gutes Signal und der jüngste Eklat sollte beim Trainerteam zu Nach- und Umdenken führen, denn es gilt, das beste Team nach Kanada zu schicken.

Asllani sauer trotz 4:0-Sieg

Erwartet einfach gestaltete sich das drittletzte WM-Qualispiel der schwedischen Nationalmannschaft. Mit einem ungefährdeten 4:0-Sieg kam dabei die Equipe von Pia Sundhage dem Ziel Kanada 2015 einen weiteren Schritt näher.Lotta Schelin hatte in der ersten Halbzeit das Spiel schon nach acht Minuten im Prinzip entschieden, Treffer von Schelin, Kosovare Asllani und Linda Sembrant machten dann in der Nähe von Gdansk noch eine klare Sache draus.

Nun bleiben noch Spiele gegen Bosnien-Herzegowina und Schottland in Göteborg Mitte September. Sollten die Schwedinnen aus diesen Begegnungen mindestens vier Punkte holen, dann sind sie für die WM direkt qualifiziert.

Aber trotz des Erfolgs kam es zum Eklat. Denn nach dem Spiel zeigte sich PSG-Stürmerstar Kosovare Asllani sauer darüber, dass sie nicht von Anfang an spielen durfte.

“Wenn ich anders heißen würde und gelacht und getanzt hätte, dann hätte ich wohl von Beginn an gespielt,” so Asllani nach dem Spiel. Eine deutliche Anspielung auf die heute überraschend von Anfang an eingesetzte Olivia Schough, die nach Aussage von Sundhage im Training den besseren Eindruck gemacht hatte.

Kosovare Asllani ging noch weiter und sagte auch, dass sie glaube, dass Sundhage ein persönliches Problem mit ihr habe. “Da ist was zwischen uns und das ist seit einer Weile so. Es ist ein Fragezeichen. Bei der WM will man ja dabei sein, aber danach müssen wir weitersehen.”

Pia Sundhage zeigte sich von der unerwarteten Kritik Asllanis überrascht. Sie lobte die in Paris spielende Stürmerin auch für ihren Einsatz in der zweiten Halbzeit und meinte, das Gesagte müsse für Asllani stehen. Sundhage sagte weiter, sie glaube nicht, dass es vor den letzten beiden Spielen eine Spaltung in der Nationalmannschaft geben werde.

Aber der deutliche Seitenhieb Asllanis auf Schough wird zumindest das Binnenverhältnis der beiden Spielerinnen nicht gerade verbessern.

Dass Pia Sundhage wie gewohnt mit jungen Spielerinnen umgeht, nämlich Supertalent Marija Banusic wie erwartet nicht einmal auf der Bank sitzen durfte, ist typisch. Vermutlich wird die 18-Jährige auch gegen Bosnien und Schottland gar nicht wieder nominiert. Das Ein- und Ausladen ist seit geraumer Zeit gängige Praxis.

Wichtiger ist es jedoch, dass sich Pia Sundhage und Kosovare Asllani zusammensetzen und ihre Probleme bereinigen. Denn die Spielerdecke der ersten Garnitur ist dünn und Asllani gehört definitiv dazu.

 

 

Linköping und Rosengård siegen vor großem Publikum

Dass in Malmö mit über 2000 Zuschauern ein neuer Saisonrekord aufgestellt wurde, kann man wohl mit fünf Buchstaben erklären: Marta machte ihr erstes Heimspiel im Trikot des schwedischen Meisters und brauchte lediglich 13 Minuten gegen Tabellenschlusslicht Jitex, um ihren ersten Treffer für den neuen Club abzuliefern.

Am Ende hieß es dann 3:0 gegen den punktlosen Jumbo, nachdem auch noch Anja Mittag und Amanda Ilestedt (nach Ecke von Marta) in die Torerubrik Eingang fanden

Die Brasilianerin wurde nach etwas mehr als einer Stunde ausgewechselt und für sie kam die Niederländerin Kirsten van de Ven, die ihre ersten Heimminuten für den Club absolvierte, dem sie schon das ganze Jahr angehört. Van de Ven hat nach mindestens zwei Gehirnerschütterungen in den letzten Jahren immer wieder mal Probleme mit dem Kopf gehabt und scheint nun endlich wieder fit zu sein Hoffentlich ist sie auch gesund.

Da Ali Riley und Lina Nilsson auf den Außenverteidigerpositionen starteten, musste auch Dänemarks Nationalmannschaftskapitänin Line Røddik Hansen auf der Bank Platz nehmen und bekam nur 14 Minuten am Ende Neben van de Ven und Røddik saß auch Elin Rubensson unter Plexiglas. Durch die Personalverstärkungen wird Rosengårds Bank inzwischen immer hochkarätiger.

Wo man die 2.000 plus von Malmö recht leicht erklären kann, schienen mir die 5.200 von Linköping zunächst sehr rätselhaft. Warum wollten so viele den frisch gebackenen Pokalsieger (vielleicht deswegen?) sehen?

Freier Eintritt alleine war es nicht, was so viele Menschen wie seit der Europameisterschaft nicht mehr in die Linköping Arena lockte Ein offenbar rundum gelungenes Wochenende unter dem alten EM-Motto “Winning Ground” (Raum für den Frauenfußball gewinnen) fand in Linköping am Samstag und Sonntag statt und viele Akteure machen mit: die Stadt, die Region, Hotels, lokale Unternehmer machten das Wochende speziell. Zwei Tage, angefüllt mit Fußball-Aktivitäten, bei denen das Spiel von Linköping gegen Umeå dann der Höhepunkt war.

Und die Spielerinnen dankten es mit einem Sieg. Pernille Harder und Fridolina Rolfö schossen die Tore zum 2:0-Sieg und die Damallsvenskan scheint einen neuen Star zu bekommen. Abermals wird die neue Portugiesin Claudia Neto gefeiert und alle noch kommenden Gegner von Linköping werden vor der Kombination Neto/Harder gewarnt. Dazu kommt auch Rolfö in immer bessere Verfassung.

Aber der Rückstand von Linköping auf KIF Örebro beträgt dennoch satte sechs Punkte mit einem Spiel mehr als der Tabellenzweite.

 

 

Tor in Eskilstuna

Die Spieltage der Damallsvenskan sind immer mehr auseinandergezerrt, so dass man eigentlich nicht mehr durchblickt, welches Spiel nun zu welchem Spieltag gehört. Am Donnerstag spielten Göteborg und Piteå, heute Eskilstuna und Vittsjö, morgen dann Linköping, Umeå, Rosengård und Jitex, die Begegnung zwischen Örebro und Kristianstad ist auf Anfang September verlegt worden. Ein Blick auf die Webseite des schwedischen Fussballverbands verrät mir, dass die heutige Begegnung zwischen Eskilstuna und Vittsjö zum 13. Spieltag gehört.

Wieder 1500 Zuschauer am Tunavallen sahen bei herrlichem Sommerwetter, das wir in Schweden schon seit etlichen Wochen haben und dass, nicht so weit entfernt von Stockholm und Eskilstuna in der Landschaft Västmanland zu extremen Waldbränden geführt hat, eine Partie die früh entschieden wurde. Das weiss man aber immer erst, wenn abgepfiffen wurde. Den einzigen Treffer des Tages für die Gastgeber schoss Neuzugang Kimberly De Cesare in der 17. Spielminute. Die Amerikanerin kam in der Sommerpause von den Boston Breakers nach Schweden.

Eskilstuna war durchgehend die bessere Mannschaft, aber die exzellent aufgelegte Minna Meriluoto im Tor der Gäste, eine Spielerin, die auch in einer internationalen Toppmannschaft spielen könnte, verhinderte Schlimmeres. Und man hätte gar einen Punkt mitnehmen können, was Meriluoto zweifellos zur Heldin des Spiels gemacht hätte. In der 57. Minute nämlich setzte die Schottin Jane Ross einen Foulelfmeter auf die falsche Seite neben den Pfosten.

Antonia Göransson spielte 90 Minuten für Vittsjö während Malin Diaz für ihren neuen verein Eskilstuna sieben Minuten am Ende bekam.

Linköpings FC gewinnt den schwedischen Pokal

Vor 1.200 Zuschauern in der heimischen Linköping Arena gewann der LFC am Donnerstagabend das Finale um den schwedischen Pokal mit 2:1 gegen Kristianstads DFF.

Ein hochverdienter Sieg, an dem es nichts zu deuteln gibt. Allerdings ist auch der Kader Linköpings wesentlich besser als der des wirtschaftlich arg gebeutelten Gastes. Mit der Dänin Janni Arnth Jensen und der Portugiesin Claudia Neto von Beginn an bot Trainer Martin Sjögren gleich zwei der vier Neuverpflichtungen aus der Sommerpause auf. Beide boten eine gute Partie und besonders Neto wusste durch brillante Technik und gute Spielübersicht zu gefallen.

Dennoch begann das Spiel denkbar schlecht. Charlotte Rohlin gab ihr Comeback in der Innenverteidigung und nach drei Minuten war klar, warum Pia Sundhage sie (noch?) nicht in den Nationalmannschaftskader berufen hat. Rohlin vertändelte den Ballin der Mitte der eigenen Hälfte gegen Susanne Moberg, die mit einem Ball in die Tiefe Marija Banusic bediente. Die 18-Jährige, die gerade wieder mal in den Nationalmannschaftskader berufen wurde, lief ein paar Schritte und spielte dann der herauseilenden amerikanischen Torhüterin Katie Fraine den Ball überlegt und eiskalt durch die Beine ins Tor.

Das hätte ein sehr schweres Spiel für den Gastgeber werden können, wenn es Kristianstad gelungen wäre, die eigenen Reihen zu schließen. Aber keine drei Minuten später leistete sich Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl einen kapitalen Fehler. Pernille Harder hatte die 20-Jährige Fridolina Rolfö in Szene gesetzt und im Nachsetzen gelang Rolfö der Ausgleich als Lindahl sträflich ihr kurzes Eck vernachlässigte.

Überhaupt war Rolfö eine der stärksten Akteure in der ersten Halbzeit und verschwand dann zunehmend in der Wärme des Abends. Mir selber hatte sie vor eineinhalb Wochen noch genau das gesagt, dass sie physisch arbeiten müsse, um ein anfangs sehr hohes Tempo auch über 90 Minuten durchhalten zu können. Junge Talente müssen kontinuierlich an die Nationalmannschaft beim nächsten Mal wieder nicht berücksichtigt werden, sagte TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Frida Östberg (früher Umeå IK und Linköpings FC) in der Pause und übte damit für schwedische Verhältnisse recht offene Kritik an der Nominierungspraxis von Pia Sundhage; ganz in dem Sinn, in dem ich mich hier auch schon vor wenigen Tagen geäußert habe.

Rolfö war gegen England dabei, bekam keine Minute Spielzeit. Jetzt ist Banusic gegen Polen dabei und vermutlich wird es ihr ebenso ergehen wie Rolfö zuletzt. Schön, dass beide Youngster am Donnerstagabend das Spiel mit ihren Toren eröffneten.

Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich der Gastgeber viele Chancen, die Lindahl teils mit großartigen Reflexen auf der Linie verhinderte. Da machte sie ihren Fehler aus der sechsten Minute mehrfach wieder gut.

In der zweiten Hälfte, als Linköping dann noch einen Gang höher schaltete, dann wieder ein Lindahl-Fehler und die Entscheidung. Pernille Harder, die allmählich wieder zu ihrer Großform zurückfindet (Vertrag läuft Ende 2014 aus für alle, die an einer der wohl besten Spielerinnen ihres Alters in Europa interessiert sind...), spielte sich auf der linken Seite durch und schoss aus spitzem Winkel aufs Tor und Hedvig Lindahl boxte den Ball fast genau vor die Füße der schräg vor ihr auftauchenden zweiten von drei Däninnen in der Startelf Linköpings, Marianne Gajhede Knudsen, die das Spiel dann entschied.

Kristianstad wechselte nur einmal aus, Trainerin Elisabet Gunnarsdottir wusste sicher auch, dass sie auf der Bank niemanden mehr hatte, der dem Spiel eine entscheidende Wendung hätte geben können. Linköping hatte alles im Griff und gewann hochverdient den Pokal zum vierten Mal. Abermals lieferte Innenverteidigerin Mia Carlsson eine tolle Partie ab.

In einem Spiel der Damallsvenskan am Donnerstagabend schlug Kopparberg/Göteborgs FC Piteå mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Lisa Ek in ihrem Comeback für Göteborg bereits nach drei Minuten. Piteås Torfrau Hilda Carlén soll die beste Spielerin auf dem Platz gewesen sein und weitere Treffer Göteborgs, in der auch Maren Mjelde ihren Pflichtspieleinstand im defensiven Mittelfeld gab, verhindert haben.

Die Tabelle:

Janni Arnth Jensen nach Linköping

Janni Arnth (Foto: dbu.dk)

Janni Arnth (Foto: dbu.dk)

Die 44-fache dänische Nationalspielerin Janni Arnth Jensen verstärkt ab sofort Linköpings FC. Die 27-Jährige Innenverteidigerin spielte bislang beim dänischen Spitzenclub Fortuna Hjørring und ist schon heute Abend im Pokalfinale 2013/14 gegen Kristianstads DFF spielberechtigt.

Linköping nahm die Dänin bis Ende 2015 unter Vertrag. Der Club reagiert mit der Verpflichtung auf die Verletzungssorgen, die man zunächst mit Charlotte Rohlin und nun mit U19-Europameisterin (von 2012) Jennie Nordin in der Innenverteidigung hat. Außerdem laufen sowohl Rohlins wie auch Nordins Verträge nach dem Ende der Spielzeit aus.

Im Kader hat sich in der Sommerpause noch mehr getan. Lina Ringshamre (ebenfalls U19.-Europameisterin) wechselte zum Zweitligazweiten Hammarby, um dort Stammtorhüterin zu werden. Als Ersatz holte man sich AIK:s Torhüterin Hilde Gunn Olsen. Nicht verlängert wurde der Vertrag der Japanerin Aya Noguchi.

Aus Portugal kamen zwei Spielerinnen zur Mannschaft hinzu: Die 19-Jährige Jéssica da Silva und die 26-Jährige Claudie Neto, beides Mittelfeldspielerinnen und letztere Kapitänin der portugiesischen Nationalmannschaft.

Kader gegen Polen

Es bleibt dabei, ich kann mich mit Pia Sundhages und Lillie Perssons Personalpolitik nicht anfreunden und ich verstehe sie auch nicht. Oder, ich beginne sie zu verstehen, halte sie aber teilweise für falsch.

Gestern Nachmittag um 14.00 Uhr gab Sundhage auf einer Pressekonferenz des schwedischen Fußballverbands in Solna den Kader für das am 21.08. in Gdansk stattfindende WM-Qualifikationsspiel gegen Polen bekannt.

Nominiert sind:

Tor: Hedvig Lindahl (Kristianstads DFF), Carola Söberg (Avaldsnes IL/N), Stephanie Öhrström (Bardolino Verona)
Abwehr: Emma Berglund (Umeå IK), Amanda Ilestedt (FC Rosengård), Lina Nilsson (FC Rosengård), Marina Pettersson Engström (KIF Örebro), Linda Sembrant (Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna)
Mittelfeld und Angriff: Emilia Appelquist (Piteå IF), Kosovare Asllani (PSG), Marija Banusic (Kristianstad), Lisa Dahlkvist (Avaldsnes IL), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna), Antonia Göransson (Vittsjö), Sofia Jakobsson (Montpellier), Emma Lundh (AIK), Lotta Schelin (Lyon), Olivia Schough (Rossiyanka), Caroline Seger (PSG), Therese Sjögran (Rosengård)

Der Kader umfasst 23 Spielerinnen, gegen England zuletzt waren Öhrström, Pettersson Engström, Banusic und Schough nicht dabei. Rausgeflogen aus dem Englandkader sind Magdalena Ericsson, Nilla Fischer (Gesperrt), Fridolina Rolfö, Jenny Hjohlman und Elin Wahlström.

Sundhages und Perssons Ärger nach dem 0:4 gegen England, als die dem Team mangelnden Kampgeist vorwarfen, nach dem Spiel aber “ein sehr gutes Gespräch” hatten, hat sich also vor allem auf diejenigen ausgewirkt, die gegen England gar nicht gespielt haben. Rolfö und Wahlström durften erstmals schnuppern und sind erst gar nicht wieder dabei. Nun dürfen Banusic und Pettersson Engström wiederkommen, aber es ist mehr als zweifelhaft, ob etwa Marija Banusic nur eine einzige Spielminute bekommen wird. Denn Pia Sundhages Personalpolitik beinhaltet, dass sie junge Spielerinnen mal dazukommen lässt, dann aber wieder mit Arbeitsaufträgen zurückschickt. Sowohl im Fall Rolfö wie auch schon jetzt wieder vorab bei Banusic hat sich die Trainerin kritisch über die Physis der Nachwuchstalente geäußert.

Sonderlich viel Mut zu Neubesetzungen hat Pia Sundhage auch schon nicht als Trainerin der USA gehabt. Christen Press etwa, die ich für eine der weltbesten Stürmerinnen halte, bekam unter Sundhage keine einzige Spielminute und kam dann erst unter dem bereits geschassten Nachfolger Tom Sermanni zum Spiel und erzielte gleich in ihrem ersten Länderspiel zwei Tore. Seitdem ist sie in der Truppe neben Abby Wambach, Sydney Leroux und Alex Morgan nicht mehr wegzudenken.

Pia Sundhage hatte in den Trainingslagern vor der EM jeweils weibliche Persönlichkeiten aus anderen Bereichen dabei, etwa Schauspielerin Inger Nilsson (Pippi Langstrumpf), Skiolympiasiegerin Anja Pärson oder Sängerin Louise Hoffsten oder Hochspringerin Kaisa Bergquist. Sie ist bekanntermaßen immer wieder für einen alten Klassiker auf ihrer abgewetzten akustischen Gitarre gut, aber was Personalentscheidungen angeht, zeigt sie ähnlich viel Loyalität wie ihr Vorgänger Thomas Dennerby zu seinen Favoritinnen.

Sara Thunebros defensive Qualitäten werden mit den Jahren nicht besser, mit Magdalena Ericsson gibt es hier eine 14 Jahre jüngere, interessante Alternative, die man aufbauen sollte, anstatt sie durch Nominierungen und Streichungen, rein und raus, zu verunsichern. Bei der WM in Kanada wird Thunebro nicht unbedingt schneller sein als heute.

Die ständigen Nominierungen von Sofia Jakobsson, Antonia Göransson und Olivia Schough zuungunsten von hochtalentierten Akteuren wie Lina Hurtig, Fridolina Rolfö, Marija Banusic, Jenny Hjohlman sind ebenfalls kaum nachzuvollziehen. Schough, so wird in Spielerkreisen gemunkelt, wird vorwiegend als Spaßmacherin, analog zu Lukas Podolski in der deutschen Männermannschaft, nominiert. Als Stürmerin hatte sie bei ihren letzten beiden Vereinen Bayern München und Kopparberg/Göteborgs FC keinen Stammplatz.

Auch Sofia Jakobssons Karriere ist sichtlich abgebremst. Aus der Überfliegerin der U19-EM 2009, die Schweden damals mit drei Toren im Halbfinale gegen Frankreich ins Finale schoss ist ein Dauertalent geworden, das im Wesentlichen von den nun fünf Jahre alten Meriten lebt. Dennoch kassiert sie Nominierung nach Nominierung.

Antonia Göransson kam in Potsdam kaum aufs Feld in der letzten Saison, weshalb sie auch letztlich nach Vittsjö gegangen ist. Auch ihr ist der Durchbruch in der Natio noch nicht gelungen.

Und so muss Sundhage weiterhin auf die 37-Jährige Therese Sjögran setzen, die jedwede Konkurrenz von Jakobsson, Schough oder Göransson mit der linken Hand lässig abwinken kann, weil sie einfach besser als die Drei ist und inzwischen neben Lotta Schelin zweite Spitze spielt.

Würde es gelingen, Marija Banusic zu entwickeln und zu integrieren, würde Sjögran ins Schwitzen kommen. Denn die weniger als halb so alte Banusic ist eine unglaublich treffsichere Stürmerin mit einem Klasseschuss – rechts wie links. Natürlich muss sie noch dazu lernen, aber die Gelegenheit dazu gibt man ihr bislang nicht. Vielleicht nach der WM.

Und so redet man sich das 0:4 dann doch schön. Man wisse, dass man viel besser sei. Ein schlechtes Spiel mache eine gute Mannschaft nicht vom einen auf den anderen Tag zu einer schlechten. man habe gute Gespräche gehabt. Dabei wurde Schweden dieses Jahr schon vier Mal besiegt, sehr klar durch Frankreich und England und knapp von Japan und Island (!). Und auch die Niederlagen gegen Frankreich und Island waren diskutabel. Frankreich in der Vorsaison und ohne einige Stammspielerinnen, aber man kann sich fragen, warum Sundhage und Persson einen Termin gegen Frankreich akzeptieren, an dem die eigene Mannschaft also quasi mit Ansage durcheinandergewirbelt und abgeschossen wird. Warum das eigene Selbstvertrauen schwächen und das der Französinnen für 2015 aufbauen?

Die WM-Quali wird kein Problem. Bei der WM aber wird es, auch mit Pia Sundhage, wohl kaum eine Medaille geben, wenn den Arrivierten nicht mehr Druck gemacht wird. Vergessen wir nicht, dass es die Leistungsträgerinnen waren, der Kern der Mannschaft, der am Sonntag in Hartlepool untergegangen ist und keine Führungsspielerin hat in irgendeiner Weise das Blatt wenden können. Das ist kein gutes Zeichen.

 

 

 

 

Schweden geht unter – 0:4 in Hartlepool

Schon die mediale Begleitung des Länderspiels England – Schweden in Hartlepool hätte schlechter kaum sein können. Keine TV-Übertragung weder auf der Insel noch in Schweden. Lediglich ein Audiolivestream der BBC, den ich nach einer guten halben Stunde bekam, der nicht im Internet Explorer funktionerte, aber in Google Chrome.

Und die Engländerinnen schenkten Schweden gehörig ein. 4:0 hiess es am Ende und glaubt man den Kommentatorinnen der BBC, hätte sich Pia Sundhage auch nicht über ein 0:5 oder 0:6 beklagen können. “Ich erkenne meine Nationalmannschaft nicht wieder,” sagte denn auch Sundhage der Zeitung Aftonbladet per Telefon. Selbst die grossen schwedischen Zeitungen, die über Reisebudgets verfügen, hatten den Weg nach Hartlepool gescheut. Man kommt auch nicht so leicht dahin. Die Schwedinnen reisten von Stockholm nach Amsterdam, dann nach Newcastle und schließlich weiter mit dem Bus. Kaum denkbar, dass eine Schwedin nach dieser Klatsche nochmals nach Hartlepool möchte.

Hedvig Lindahl, die umstrittene unumstrittene Nummer 1 im schwedischen Tor (nach dem Rücktritt von Kristin Hammarström und dem Bandscheibenvorfall von Sofia Lundgren gibt es auch derzeit keine Alternative) feierte ihr 100. Länderspiel, bekam aber nur den Nachschuss von Karen Carneys Elfer rein in der ersten Halbzeit. Dafür musste Ersatzfrau Carola Söberg (Avaldsnes IL) in der zweiten Halbzeit nach weiteren Toren von Karen Carney, Lianne Sanderson und der Debütantin Fran Kirby gleich dreimal die Kugel aus dem Netz holen. Kirby spielt in der zweiten englischen Liga bei Reading und wurde gleich auch noch zum “Player of the match” gewählt.

Eni(ola) Aluko traf die Querlatte, während die fast in Bestbesetzung aufgelaufenen Schwedinnen nur halbe Chancen hatten. Sundhage vermisste vor allem das, was sie auf guit Schwedisch als “jävlaranamma” bezeichnete, in Deutschland würde man wohl Kampfgeist sagen. Lediglich Hanna Folkesson bescheinigte Sundhage eine akzeptable Leistung.

“Eigentlich sind vier Tore nicht die Welt. Aber die Art, in der wir spielen und verlieren. Das werde ich thematisieren. Ich werde thematisieren, wie wir zusammenarbeiten. Das war unser Gütesiegel während der WM-Quali und davon habe ich heute nichts gesehen,” so Sundhage, die das Spiel am liebsten sofort vergessen möchte.

Nachdem die Schwedinnen bereits in Frankreich unter die Räder gekommen sind, war dies nun der zweite Denkanstoß für Sundhage und Co-Trainerin Lillie Persson. Sobald es gegen Gegner geht, die auf Augenhöhe sind, wird es schwer, sehr schwer. Da sind die Siege gegen eine angeschlagene USA (1:0) und gegen das in der WM-Quali arg strauchelnde Dänemark (2:0) an der Algarve auf der einen Seite, die Niederlagen gegen Japan (1:2) und selbst im Spiel um Platz 3 gegen Island (1:2) auf der anderen, dunkleren Seite in diesem Jahr.

Pia Sundhage hat nach achtzehn Monaten noch nicht das Wunder vollbracht, das sich alle (und sie selbst wohl auch?) von ihr erwarten. Und natürlich braucht sie mehr Zeit. Aber sie scheint auf der Stelle zu treten. Es ist um vieles leichter, in den USA erfolgreich zu sein, wo ganz andere Ressourcen vorhanden sind und wo man überdies ein Reservoir von 50-60 Klassespielerinnen hat, aus dem man mehr oder minder frei auswählen kann, als im kleinen Schweden, in dem es doch auf einigen Positionen nicht unbedingt Weltklasse gibt. Für die WM-Quali wird es locker reichen, denn im Frauenfußball ist die internationale Leistungsdichte eher dünn. Selbst Polen und stärker werdene Schottinnen werden Schweden nicht annähernd gefährden können.

Mit Therese Sjögran (37), Sara Thunebro (35), Hedvig Lindahl (31), Nilla Fischer (30), Lotta Schelin (30) und Caroline Seger (29) kommen einige Leistungsträgerinnen allmählich in die Jahre,im Fall von Sjögran und Thunebro sagt die Tatsache, dass beide unumstrittene Startplätze haben, leider auch einiges über die mangelnde Konkurrenz.

Mit Sofia Jakobsson, Lina Nilsson, Amanda Ilestedt, Antonia Göransson gibt es eine Reihe von Spielerinnen, deren vielversprechendes Talent zumindest bislang den Durchbruch zu internationaler Topklasse noch nicht geschafft hat und wo allmählich Zweifel angebracht sind. Ilestedt gehört der U19-Goldelf von 2012 an, da gibt es noch mehr Talent, aber Elin Rubensson war verletzt und Magdalena Ericsson etwa bekam nicht den Vorzug vor Thunebro, leider. Fridolina Rolfö war erstmals dabei, wird sicher eher froh sein im Nachhinein, dass sie nicht zu ihren ersrten Minuten kam, denn bei einer 0:4 Schlappe zu debütieren, tut keiner gern, da bleibt den Trainerinnen auch nichts Gutes in Erinnerung.

Lina Hurtig und Marija Banusic sind zwei Goldkörner, zwei Offensivtalente internationaler Klasse, aber sie müssen beide geführt werden. Hurtig spielt in dieser Saison lange nicht so gut wie vergangenes Jahr und Banusic, deren Ballannahme und Schusstechnik schon mit 16 sensationell war, muss noch physisch dazulegen,muss aber auch geführt werden, dann könnte aus ihr ein Weltstar werden Ob Sundhage sie für die WM schon so weit bringt, scheint zweifelhaft, da weder Hurtig noch Banusic bislang Berücksichtigung in der A-Nationalmannschaft gefunden haben.Gegen Brasilien vergangenes Jahr waren sie im Kader, wurden aber nicht eingesetzt. Banusic wäre im Übrigen erst die zweite Spielerin mit Migrationshintergrund, die es in die Natio schaffen würde. Damit tut Schweden sich im Frauenbereich bislang sehr schwer. Lediglich Kosovare Asllani hat das geschafft, aber Asllani wirkt auch sehr integriert und angepasst und frei von jedweden Ecken und Kanten. Oft wird kritisiert, dass es Schweden zwar im Männerbereich toleriert, wenn jemand “anders” als die Norm ist, man denke nur an Zlatan Ibrahimovic, der sich viele Dinge erlauben kann, bei denen nahezu alle anderen in der gesellschaftlichen Debatte ausgescholten würden. Von Frauen, so scheint es bisweilen, verlangt man im System jedoch mehr Anpassung und duldet weder Temperamentsausbrüche noch eine über einen kleinen Rahmen hinausgehende Individualität

ffschweden trifft (2): Fridolina Rolfö

FridolinaAm Sonntag trifft die schwedische Nationalmannschaft in Hartlepool auf England. Vorbereitungsspiel für die im Herbst anstehenden WM-Qualispiele gegen u.a. Polen und Schottland.

Zwei Debütanten hat Pia Sundhage im Aufgebot: Elin Wahlström und Fridolina Rolfö. Da ich das Wochenende in Linköping war, habe ich mich mit der 20-Jährigen U19-Europameisterin von 2012, Fridolina Rolfö getroffen.

In Schweden ist es dieser Tage wesentlich wärmer als normal. Die Temperaturen im östlichen Landesteil stiegen Ende letzter Woche auf über 30 Grad und das staatliche metereologische Institut SMHI gab sogar erstmals eine Hitzewarnung heraus.

Am letzten Freitag nahm Champions-League-Teilnehmer und Pokalfinalist Linkpings FC das Training wieder auf und Fridolina kam pünktlich von zwei Woche Urlaub in Griechenland zurück. Als wir uns Samstagmittag in einem ihrer Lieblingscafés in der Mitte Linköpings trafen, lag bereits eine Traningseinheit hinter ihr, eine weitere Laufeinheit stand bevor.

Wie trainiert man bei diesen fast schon tropischen Temperaturen, wollte ich wissen?

“Naja, eigentlich nicht anders als sonst. Es kann ja sein, dass wir bei der Hitze auch mal spielen müssen,” sagt Fridolina. Natürlich mache man häufiger Trinkpausen als sonst. So richtig sagt ihr das heisse Wetter aber für das Training nicht zu. “Die Füsse werden sehr heiss und man kriegt auch Blasen.”

Dass die Westschwedin jetzt im Kader von Sundhage dabei ist, war für einige überraschend, für andere überfällig. Rolfö hat alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen und mit dem Wechsel vom Abstiegskandidaten Jitex zum Topclub Linköping einen klugen und wichtigen Schritt getan.

Es gab mehrere Angebote, verrät sie mir, aber sie habe gesagt, wenn Linköping dabei sein sollte, dann “nehmen wir das” und so gab es keine weiteren Verhandlungen, zumal Fridolina in Schweden bleiben wollte.

2012 war ein sehr guter U19-Jahrgang für Schweden. Die nicht erfolgsverwöhnten Blaugelben unter der Leitung von Calle Barrling holten sich ausnahmsweise den Titel in der Türkei mit einem 1:0 Sieg über Spanien. Einige der Europameisterinnen von vor zwei Jahren haben inzwischen den Weg nach Linköping gefunden. Die Abwehrspielerinnen Jennie Nordin und Magdalena Ericsson etwa, aber auch Torhüterin Lina Ringshamre (die allerdings gerade zu Hammarby in die zweite Liga gewechselt ist). Junge, entwicklungsfähige Spielerinnen sind überhaupt das tragende Konzept in Linköping geworden. Die “Chaos”-Saison vor zwei Jahren als man mit viel Geld und teuren Spielerinnen wie Manon Melis, Nilla Fischer und Lisa DeVanna ganz nach oben strebte, die individuellen Charaktere aber nicht geordnet bekam, wurde abgelöst von einer anderen Strategie, kombiniert mit (Malmös) Meistertrainer Martin Sjögren, der an einem tollen Team bastelt, in dem vergangenes Jahr die Dänin Pernille Harder die beste Torschützin war, in der aber vor allem die Niederländerin Renée Slegers im zentralen Mittelfeld in den Olymp der besten Spielerinnen der Liga aufstieg.

Mit Spielerinnen wie Nordin, Ericsson und nicht zuletzt auch Rolfö versucht man eine langfristige Topmannschaft aufzubauen. In diesem Jahr lief nicht alles so rund, Linda Sällströms Kreuzband riss zum dritten Mal innerhalb von nur zwei Jahren und auch Star Pernille Harder hatte mit einem Ermüdungsbruch zu laborieren. Aber dank Tyresös Rückzug aus allen Wettbewerben steht Linköping nun in der Champions League und wird dort sogar gesetzt. Am 7. August gibt es überdies daheim das Pokalfinale gegen Kristianstad. Für Fridolina läuft es rund.

Und so ist die 20-Jährige auch guter Dinge. Der Salat, den sie sich in der Trainingspause gönnt, zeugt davon, dass man ihr von guter Ernährung nichts mehr erzählen muss.

“Ich hatte eine gute Frühjahrssaison,” sagt Fridolina. “Ich fühle mich bereit für die Nationalmannschaft, ich denke das wird sehr viel Spass machen. Aber es war auch eine Riesenüberraschung, als ich erfuhr, dass ich dabei bin. Pia Sundhage hatte versucht mich anzurufen, aber ich war in Urlaub in Griechenland und ihre Nachricht landete auf meiner Mailbox. Direkt erfahren habe ich es deshalb von Amanda Ilestedt, die mich anrief und mir eine SMS schickte.”

Pia Sundhage verbindet Nominierungen neuer Spielerinnen oft mit einer Reihe von Kommentaren für die Medien. In Rolfös Fall hiess es, dass sie einen exzellenten linken Fuss habe, sehr oft für Überraschungen gut sei, dass sie aber ihr Tempo erhöhen müsste

“Ich finde es gut, dass sie sehr klar und deutlich sagt, was sie denkt,” meint Fridolina. “Mir hat sie das bisher noch nicht gesagt, ich kenne das nur aus den Medien, aber sie hat Recht. Ich muss an meiner Physis arbeiten. 60 Minuten schaffe ich ohne Problem, aber auch in den restlichen 30 Minuten muss ich hohes Tempo gehen können. Auch am ersten Touch kann ich noch arbeiten. Das will ich auch tun.”

Fridolina Rolfö macht einen gesetzten, reifen Eindruck, sie hat das System viele Jahre lang durchlaufen und bringt eine gehörige Portion Disziplin mit. Als sie in den vergangenen Jahren bei Jitex in Göteborg spielte, hatte sie bei dem stets in der unteren Tabellenregion spielenden Club am Ende eine tragende Rolle. Das hat sich in Linköping geändert, wo sie nun mit Stars wie Charlotte Rohlin oder Pernille Harder zusammenspielt. Aber Rolfö bleibt auf dem Teppich und ist sich ihrer Rolle bewusst.

“Sicher hatte ich eine grössere Rolle bei Jitex, aber das das anders sein kann, wusste ich schon aus den verschiedenen Nationalmannschaften. Ich habe sowohl Verantwortung übernehmen dürfen wie auch eine von allen anderen sein können. Ich finde es eigentlich nur gut, wenn andere mehr Raum bekommen, dann kann ich ohne Druck spielen und vielleicht überraschen.”

In einem zwei Jahre alten Interview, da war sie 18, hat Fridolina gesagt, dass sie sich in der Freizeit eigentlich nicht für Fussball interessiere.

“Das ist irgendwie falsch rüber gekommen damals. Aber alle Leute, die über mich recherchieren, lesen das jetzt. Ich schaue mir sicher nicht jedes Fussballspiel an, aber die schwedische Nationalmannschaft Männer wie Frauen immer und auch von der WM jetzt habe ich einiges gesehen Wir hatten in der Mannschaft auch einen grossen Tippwettbewerb, haben alle Spiele getippt, da musste man schon den Durchblick haben.”

Mit Deutschland habe wirklich die beste Mannschaft gewonnen, sie hatte auch auf Deutschland getippt, sagt sie. “Mir hat der moderne Fussball bei dem Turnier sehr gefallen. Viele Mannschaften spielen sehr schnell und sind voll auf die Zuückeroberung des Balles eingestellt

Kann man beim Frauenfussball etwas lernen vom Männerfussball ider ist das völlig tabu?

“Ja natürlich kann man was lernen. Wenn man die Ganzheitsperspektive hat, sich die Lösungen und die Systeme anschaut. Ich erinnere mich daran, dass Martin [Sjögren; LInköpings Trainer] uns vor einem Spiel gesagt hat, wir sollten uns ganz besonders anschauen, wie die Kolumbianer sich den Ball zurückholen.”

Die anderen in der A-Nationalmannschaft kennt sie nicht alle, zunächst sollte sie sogar die einzige aus Linköping sein, aber da Elin Rubensson absagen musste, kam Magdalena Ericsson ins Team. Gemeinsam mit Lotta Schelin zu tranieren, das wird schon was, sagte sie mir, schliesslich habe man ja gerade Lotta schon seit vielen Jahren verfolgt.

Fridolina Rolfö ist schon die nächste Generation hinter Lotta Schelin, die dieses Jahr 30 Jahre alt wurde. Therese Sjögran ist 37 und denkt nicht ans Aufhören. Sara Thunebro hat ihre Rücktrittspläne vergangenes Jahr verschrottet und will mit nun 35 um einen WM-Platz kämpfen. Aber mit Rubensson und Ericsson, Diaz, Hurtig, Marija Banusic und eben Fridolina Rolfö klopft die nächste Generation schon an die Tür.

 

 

Mehr Zuschauer, aber…

Die Damallsvenskan 2014 hat gut 10% mehr Zuschauer als 2013. Das ist die gute Nachricht Gefeiert wird hierzulande auch, dass Marta sich entschlosen hat, in Schweden weiterzumachen, was allenthalben als Signal gesehen wird, dass die Liga weiterhin hochattraktiv ist

Schaut man genauer hin, stellt man jedoch fest, dass der Anstieg der Zuschauerzahlen einen Namen hat; Eskilstuna United.

Der Aufsteiger hat einen unerreichten Schnitt von 2.064 Personen pro Heimspiel und dazu trägt eine gute Öffentlichkeitsarbeit und natürlich auch ein mehr als geglückter Saisonstart bei. Der lokale Sponsor, eine Bank, erhöhte ihr Engagement beträchtlich und ausserdem holte das Management klug Verstärkungen für alle Mannschaftsteile, zuletzt Tyresös U19-Europameisterin Malin Diaz, die im nächsten Spiel gegen Vittsjö am 09.08. bereits auflaufen kann.

Ein Blick auf die neun Vereine, die auch letztes Jahr in der Liga gespielt haben, zeigt jedoch, dass wir im Grunde genommen weiterhin auf der Stelle treten, was den Publikumszuspruch angeht. Meister FC Rosengård hat den Namenstausch (von LdB FC Malmö) nicht in mehr Zuschauer umsetzen können. Im Gegenteil: Kamen letztes Jahr noch 956 Zuschauer im Schnitt zum Malmö IP, so sind es 2014 nur noch 774, ein Rückgang von 19%. Auch CL-Teilnehmer Linköping hat einen Publikumschwund u verzeichnen, ein Hinweis darauf, dass die Fans Siege sehen wollen- in dieser Saison liegt Linköping bereits weit hinter Rosengård und selbst neun Punkte hinter dem zweiten CL-Platz, den derzeit KIF Örebro innehat.

Aber selst wenn man an der Spitze mitspielt, heisst das nicht notwendigerweise, dass mehr Zuschauer kommen. KIF Örebro steht so gut wie noch nie da, aber trotzdem sind weniger Zuschauer in die Behrns Arena gekommen als vergangenes Jahr. Statt 648 nur noch 533.

Vittsjö hat nach schwachem Start in die Serie an Publikum verloren und kommt nur noch auf 479 im Schnitt, ein Warnsignal an Eskilstuna, denn beim Aufsteiger von 2012 hatte anfangs auch grosse Publikumseuphorie geherrscht,

Ager erfreulicherweise gibt es auich vier Aufsteiger. Piteå kommt auf 1384 (2013: 1011) Zuschauer, Umeå hat jetzt 921 (689), Jitex 510 (467) und Kopparberg/Göteborgs FC 589 (477).

Dass Aufsteiger AIK mit 334 Zuschauern Schlusslicht ist, war leider zu erwarten. In Stockholm (hier: Solna) kommt das Publikum nur bei anhaltendem Erfolg. Die Konkurrenz durch andere Sportarten ist immens.

Wieder ohne Asante

14820660203_586b8ee146_kWenn England am Sonntag in Hartlepool auf Schweden trifft, wird Rosengårds Klassespielerin Anita Asante abermals nicht dabei sein. Trainer Mark Sampson strich die 29-Jährige, als er aus seinem 23er-Kader 18 Spielerinnen auswählte. Verletzt ist die Abwehr- und Mittelfeldspielerin nicht, erzielte am Mittwoch noch ein Tor in Umeå für Rosengård Aber offenbar hat sie bei dem neuen Coach schlechte Karten, denn so überragend ist das Angebot englischer Klassespielerinnen keineswegs, als dass man auf Asante verzichten könnte oder sollte.