Wieder ohne Asante

Wenn England am Sonntag in Hartlepool auf Schweden trifft, wird Rosengårds Klassespielerin Anita Asante abermals nicht dabei sein. Trainer Mark Sampson strich die 29-Jährige, als er aus seinem 23er-Kader 18 Spielerinnen auswählte. Verletzt ist die Abwehr- und Mittelfeldspielerin nicht, erzielte am Mittwoch noch ein Tor in Umeå für Rosengård Aber offenbar hat sie bei dem neuen Coach schlechte Karten, denn so überragend ist das Angebot englischer Klassespielerinnen keineswegs, als dass man auf Asante verzichten könnte oder sollte.

Absage von Olivia

Olivia Schough musste ihre Teilnahme am Länderspiel Schweden gegen England, für das sie nachträglich nominiert worden war leider am Mittwoch absagen. Die 23-Jährige in Diensten des russischen Ersligisten Rossiyanka besitzt derzeit nur ein Visum, das zur zweimaligen Einreise nach Russland berechtigt. Sie hat aber bereits beide Einreisen “verbraucht” und kann daher Russland erst dann verlassen, wenn sie das beantragte Arbeitsvisum bekommt.

Pia Sundhage nominierte anstelle von Schough Schnell die ehemalige Potsdamerin Antonia Göransson (Vittsjö) nach.

Rosengård gewinnt in Umeå

Heute, am 30.07. begann in Schweden die Herbstsaison, wie sie hier genannt wird, der zweite Teil der diesjährigen Serie der Damallsvenskan.

Zum Auftakt empfing Umeå Tabellenführer Rosengård, der durch Tore von Anja Mittag und Anita Asante erwartungsgemäss seinen Vorsprung in der Tabelle auf KIF Örebro auf nun drei Punkte ausbaute. Marta wurde wegen einer Verletzung zunächst auf der Bank geschont und gab dann etwas mehr als 20 Minuten vor Schluss ihr Debüt für den nun dritten schwedischen Verein ihrer Karriere.

Den Gegentreffer besorgte Megatalent Lina Hurtig, ebenfalls eingewechselt.

Es war nicht nur Martas Debüt, Auch das von Trainer Marcus Tilly, Linksverteidigerin Line Röddik Hansen und Keeperin Kathrin Längert.

Als Marta in der 70. Minute eingewechselt wurde, gab es grossen Applaus vom Umeåer Publikum. Vor gut elf Jahren hat hier die Weltkarriere der Brasilianerin begonnen. In ihrem ersten Einsatz sah man, dass das Zusammenspiel noch nicht optimal ist, sie bekam nur wenig Bälle.

 

 

 

Nordkorea nächste Station für Pia Sundhage?

Am Wochenende hat ein Interview mit Pia Sundhage in Schweden für Aufregung gesorgt. In der fünften Folge von “Heja Sverige!”, einem Podcast des schwedischen Fussballverbands, den der 26-Jährige Komiker und Journalist Soran Ismail moderiert, anwortete Sundhage auf die Frage, welche Nationalmannschaft sie denn gerne nach Ende ihres Vertrags mit dem SvFF (Schwedischer Fusballverband) trainieren würde: “Nordkorea.”

Sie wäre einmal in Pyönjang gewesen, so Sundhage und habe ein Training gesehen. Auf der einen Hälfte habe eine Jungenauswahl trainiert, auf der anderen Hälfte des Platzes habe eine Mädchenmannschaft trainiert Da sei Ordnung gewesen, schnelle Pässe und viel Technik. Aber man käme ja in das Land nicht hinein. Sicherlich hätte Pia Sundhage hier besser vorher nachgedacht. Nordkorea ist eine der schlimmsten Dikaturen der Welt und selbst wenn die 53-Jährige bekennende Kommunistin ist, so sollte sie nicht dazu beitragen, das menschenverachtende Regime der Kim-Dynastie in irgendeiner Art zu verharmlosen.

Aber das Interview dauerte eine Stunde und sechs Minuten, aber es sind natürlich diese 45 Sekunden ds Gesprächs, die zu Schlagzeilen führten. In der übrigen Zeit geht es viel um die Kindheit und Jugend Pia Sundhages, wie schwer es Mädchen damals hatten und Ismail fragt Sundhage, ob denn nicht ein bisschen “gesunder Hass” auf den Gegner auch im Frauenfussball gut wäre, zumal Fussball ja eine Art Ersatzkrieg sei, was Sundhage kategorisch verneint. “Ehrlich gesagt, ich verstehe dich nicht,” sagte sie zu Ismail. “Vielleicht ist das ja ein männliches Bedürfnis, aber Hass hat im Fussball nichts zu suchen.”

Pia Sundhage äusserte sich auch über den Hass, der dem Frauenfussball immer wieder im Internet entgegengebracht wird und zeigte sich auch hier ratlos, aber kämpferisch. “Das Schlimme ist, dass viele von den jungen Männern, die so voller Hass und Abscheu sind, selber Fussball spielen und den Sport toll finden und dass sie es völlig ok finden, die Hälfte der Bevölkerung, ihre Mütter und Schwestern und Freundinnen von diesem Spass auszuschliessen.”

Soran Ismail hat auch früher schon mit Lotta Schelin, Kosovare Asllani, Nilla Fischer und Caroline Seger gesprochen. Das Gespräch mit Pia Sundhage war vor drei Monaten (!) aufgezeichnet worden und wurde also jetzt erst online gestellt.

 

11+

Bislang hat Schweden bei Olympischen Spielen noch keine Medaille im Frauenfussball gewinnen können. Nach dem Willen des Nationalen Olympischen Komitees soll sich das 2016 in Brasilien ändern.

In natürlich enger Zusammenarbeit mit dem Fussballverband SvFF hat man das Programm 11+ aufgelegt, dem zwölf Spielerinnen angehören, die sich bis zur WM deutlich weiterentwickeln sollen.

“Es ist toll, dass wir mit diesen Spielerinnen langfristig zusammenarbeiten können und ich denke, wir haben eine gute Mischung gefunden,” sagte Nationaltrainerin Pia Sundhage. Am letzten Wochenende (Donnerstag/Freitag) hat sich die Gruppe, die von einem grossen Stab Experten betreut wird, erstmals in Umeå getroffen.

“Ich war sehr froh, als ich erfahren habe, dass ich eine der Zwölf sein soll,” sagte Umeå IK:s Mittelfeldspielerin Hanna Folkesson. “Ich hatte ein wenig Angst, dass ich vielleicht zu alt bin, aber so war es dann wohl nicht. Konkrete individuelle Hilfe zu bekommen wie Ernährung, Technik, Fysis, eigentlich alles, ist schon toll und ich will so viel wie möglich davon profitieren.”

Die zwölf nun besonders geförderten Spielerinnen sind:

Tor: Malin Reuterwall (*1990, Umeå IK), Hilda Carlén (*1991, Piteå IF)

Abwehr: Emma Berglund (*1988, Umeå IK), Jessica Samuelsson (*1992, Linköpings FC), Elin Rubensson (*1993, FC Rosengård)

Mittelfeld und Angriff: Hanna Folkesson (*1988, Umeå IK), Lina Hurtig (*1995, Umeå IK), Malin Diaz (*1994, Eskilstuna United), Marija Banusic (*1995, Kristianstads DFF), Jenny Hjohlman (*1990, Umeå IK), Emma Lundh (*1989, AIK), Olivia Schough (*1991, Rossiyanka/Russland)

 

 

Zwei Nachnominierungen

Am 4. August trifft Schweden in Hartlepool, südlich von Newcastle, auf England. Verletzungsbedingt gibt es im Kader von Pia Sundhage zwei Veränderungen: Elin Rubensson (Rosengård) und Malin Diaz (Eskilstuna) mussten absagen, dafür rücken Magdalena Ericsson (Linköping) und Olivia Schough (Rossiyanka) nach.

Marta wird Schwedin

Marta Vieira da Silva hat einen Antrag auf schwedische Staatsbürgerschaft gestellt und wird somit in wenigen Monaten Schwedin werden, sollten keine triftigen Gründe dagegen sprechen, was nicht anzunehmen ist.

Nach schwedischem (seit 2001) und brasilianischem (seit 1994) Recht ist es möglich, beide Staatsbürgerschaften zu besitzen. Marta kann also Schwedin werden und dennoch für Brasilien bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 antreten.

“Ich habe Schweden gewählt, weil ich hier bleiben will,” sagte die 28-Jährige der Zeitung Kvällsposten.

“Es geht hier nicht nur um Fussball. Ich bin gerne in Schweden und mag das Leben abseits des Fusballplatzes hier. Vielleicht hätte ich das schon früher machen sollen, aber als ich noch in Umeå spielte, habe ich nicht daran gedacht. und auch nicht verstanden, was es bedeuten¨würde.”

Martas Popularität in Schweden und in der Damallsvenskan dürfte dieser Antrag nun noch weiter steigern, auch wenn Spiele mit der schwedischen Nationalmannschaft ausgeschlossen sind, da Marta in allen Jugendauswahlen und in der A-Mannschaft für Brasilien gespielt hat.

Gewohnt bescheiden fügt sie hinzu: “Schweden hat ja auch so eine gute Mannschaft, dass ich vielleicht gar nicht gebraucht worden wäre.” Sie lacht jedoch, nachdem sie das gesagt hat, als ob sie sich vielleicht doch eines anderen besonnen hätte

Der gestrige Trainingsauftakt in Malmö für ihren neuen Club Rosengård wurde von ungewöhnlich vielen Journalisten begleitet, die vor allem mit der Brasilianerin und baldigen Schwedin sprechen wollten.

Schwedische U19 – Aus in der Gruppenphase

In Norwegen findet derzeit die U19-Europameisterschaft statt und am Sonntag werden Spanien und die Niederlande das Finale bestreiten.

Die schwedische Mannschaft schied mehr oder weniger sang- und klanglos in der Gruppenphase aus. Dabei standen niht weniger als elf Spielerinnen im Aufgebot, die ihren Alltag in der Damallsvenskan haben und mit Lina Hurtig (Umeå IK) und Stina Blackstenius (Linköpings FC) zwei der wohl grössten Talente des schwedischen Fussballs. Insbesondere Hurtig wird seit Monaten von Jounalisten in die A-Nationalmannschaft geschrieben und kürzlich hat Pia Sundhage bestätigt, dass man sich Grosses von der 19-Jährigen erwartet.

Nach einem mehr oder weniger glanzlosen 2:0 gegen England zu Beginn hatte man sich noch Hoffungen auf den Einzug ins Halbfinale gemacht. Stina Blackstenius hatte das 2:0 geschossen, nachdem die Engländerinnen nach einem Eigentor in Rückstand geratem waren.

Trainer Calle Barrling, der seit vielen Jahren die U19 betreut: “Ich erkenne das wieder aus vielen anderen Turnierstarts. Machmal ist es gut, Halbzeitpausen zu haben und sich gegenseitig gut zuzuhören. Es war gut für uns, uns in der Halbzeit zu treffen. Gegen Spanien müssen wir dann aber von Anfang an besser spielen.”

Das klappte jedoch nicht und Spanien kam zu einem ungefährdeten 2:0 Sieg über die Schwedinnen. Obwohl Barrling sich hier positiv darüber äusserte, dass man die Spanierinnen in der zweiten Hälfte zurückgedrängt habe und auch drei Torchancen erspielt habe, verlangte er vor dem abschliessenden Irland-Spiel: “Wir müssen in den Zweikämpfen gegen Irland eine Stufe besser sein, sonst werden wir es nicht schaffen.”

Prophetische Worte, denn nach der Führung durch Stina Blackstenius, die somit beide schwedischen Tore bei den Turnier erzielte, wendeten die Irinnen das Spiel und zogen mit einem 2:1-Sieg ins Halbfinale gegen die Niederlande (0:4) ein.

“Die waren in Standards und in der Defensive mutiger. Ich denke, es geht hier viel um Mut und Eigeninitiative und das lassen wir in einigen Soielabschnitten vermissen. Ich habe es schon früher gesagt, man muss drei Mal 90 Minuten lang Leistung bringen, sonst fliegt man in der Gruppenphase raus. Gegen Spanien und Irland haben wir nicht das ganze Spiel über unsere Leistung abrufen können.”

Trotz des schlechte Abschneidens sieht Barrling jedoch eine gute Zukunft der Mannschaft, in der nun sieben von 18 Spielerinnen ausscheiden (Jahrgang 1995), in der aber theoretisch elf Spielerinnen Auch nächstes Jahr Wieder dabei sein könnten. Die Quali für die nächste EM beginnt bereits im Herbst, da trifft Schweden in der ersten Gruppenphase wieder auf Irland.

 

Schough nach Russland

De 23-Jährige schwedische Nationalspielerin Olivia Schough wechselt vom FC Bayern München zum russischen Club Rossiyanka.

“Ich wollte zu einem Verein in Schweden, aber alle haben ihre Kader fertig und sie hatten keinen Platz für mich,” sagte Olivia Schough der Lokalzeitung Hallands-Posten

Als der Deal mit Rossiyanka dann klar war, meldete sich Umeå IK, aber da war es bereits zu spät und der 6-Monats-Vertrag unterschrieben.

Nach Sofia Jakobsson und Linnéa Liljegärd ist Schough schon die dritte Schwedin bei dem einstigen Champions-League-Teilnehmer aus dem Nordosten Moskaus. Sowohl Jakobsson wie auch Liljegärd sind am Ende mehr oder minder “geflüchtet” ob der chaotischen Zustände im letzten Jahr. Das hat sich möglicherweise in diesem Jahr alles wesentlich gebessert.

2011 hatte der Club Schlagzeilen gemacht, als er zur “Werbung” für seine Heimspiele die Spielerinnen in knappen Bikinis posieren liess. Derzeit liegt Rossiyanka mit acht Punkten Rückstand auf Tabellenführer Zorkij auf Rang 4 der russischen Liga. Trainiert wird das Team inzwischen von der ehemaligen russischen Nationalspielerin Elvira Fomina.

Mit den meisten ihrer neuen Mannschaftskameradinnen wird sich Olivia Schough erst einmal nur mit Händen und Füssen unterhalten können, bis sie gelernt hat, fliessend Russisch zu sprechen. Sie spricht von einem “Abenteuer” und der Möglichkeit in nur drei Monaten zehn Wettkampfspiele zu absolvieren.

Pia Sundhage hat letztens u.a. Schough nicht mehr nominiert, weil diese noch keinen neuen Verein hat. Rossiyanka und Moskau zu wählen ist sicher auch darin begründet.

Ich halte die Entscheidung Olivia Schoughs zu Rossiyanka zu wechseln, für grundlegend falsch.Der Verein hat nach all den Eskapaden der letzten drei Jahre in der Branche keinen sonderlich guten Ruf mehr. Wie es Sofia Jakobsson an gleicher Stelle vor zwei Jahren erging, kann man hier nachlesen.

Hoffentlich habe ich unrecht und der Schritt bringt sie wirklich weiter. Aber offenbar stand sie auch unter enormem Druck, nicht zuletzt aufgrund des Wunsches, wieder in der Nationalmannschaft sein zu können. Ihr aklter Verein Göteborgs FC kommentierte kühl, dass man für sie keine Verwendung habe. Der Kader sei bereits gut aufgestellt und ausserdem habe Olivia Schough auch im letzten Jahr schon kaum einen Stammpatz gehabt, so Sportchef Lasse Svensson.

Mir scheint, da wurde schnell eine Sechsmonatslösung gestrickt und währenddessen soll dann nach dem Ende der schwedischen Saison ein neuer Verein gesucht. Die beiden Aufsteiger, von denen einer ziemlich sicher Mallbacken heissen wird oder ein anderer Club könnten zu diesem günstigeren Zeitpunkt vielleicht jemanden wie Schough suchen.

Tyresö: Personalien

Tyresö_getrennte_wegeAcht Wochen nach dem Zusammenbruch der A-Mannschaft von Tyresö FF sind nun endlich fast alle Spielerinnen bei anderen Vereinen untergekommen.

Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Vero Boquete zog es bekanntlich alle in die amerikanische Profiliga NWSL, die Amerikanerinnen wurden zurückgerufen, die Spanierin Boquete spielt bei Nadine Angerers Team in Portland und wurde kürzlich Spielerin der Woche,

Torfrau Tinja-Riikka Korpela war nur wenige Monate in Tyresö und wird neue Nummer 1 des FC Bayern München. Dessen Torfrau Kathrin Längert wechselte zu FC Rosengård, wo sie demnächst nicht nur mit Jahrgangsschwester Anja Mittag spielen darf, sondern auch mit der fünffachen Weltfussballerin Marta, die Tyresö verliess, aber nun Malmö und nicht Paris als neuen Wohnort wählte. Gut unterrichteten Kreisen zufolge denkt Marta auch schon an die Zeit nach dem Fussball und will die schwedische Staatsbürgerschaft beantragen. Fusballerisch würde sich dieser Schritt jedoch nicht auswirken.

Caroline Seger zog es nach Paris wo PSG in der kommenden Saison einen weiteren Versich machen wird, Lyon und Wolfsburg von den jeweiligen Thronen zu stossen.

Die kleine, aber technisch feine Malin Diaz Pettersson wechselt zu Eskilstuna United und mit Lisa Dahlkvist Lisa Klinga und Zweittorfrau Carola Söberg zieht gleich ein ganzes Trio zum norwegischen Erstligisten Avaldsnes IL, Solide Personalpolitik sieht anders aus.

Madelaine Edlund hat sich entschieden, in die Heimat zurückzugehen. Sie ist zwar in Jönköping geboren aber aufgewachsen in Skellefteå und bei dessen Zweitligaclub Sunnanå SK setzt die junge Mutter ihre Karriere bewusst in Liga 2 fort.

Jungtalent Johanna Rytting Kaneryd wechselt zum Zweitligisten Älta IF, der nach den Rücktritten von Elaine Moura und Louise Schillgard (früher Fors) zwei wichtige Spielerinnen verloren hat.

Linde Röddik Hansen verstärkt die Abwehr von Meister FC Rosengård und trifft in Malmö auf die alten Tyresöer Kameradinnen Marta, Katrin Schmidt und Kirsten van de Ven.

Linda Sembrant verzichtet auf die Champions League und wechselte zum französischen Spitzenclub Montepellier, zu dem sich jetzt auch Sofia Jakobsson gesellt, die nach Moskau, London und Cloppenburg nun zum vierten Mal das Auslandsglück versucht.

Trainer Tony Gustavsson wurde erwartungsgemäss Co-Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft.

Noch unklar ist nun lediglich der Verbleib der vier Brasilianerinnen Thaysa, Rilany, Fabiana und Mayara, die Tyresö erst Anfang Februar verpflichtet hatte, als man schon wusste, dass man die Gehälter nicht zahlen können würde.

Marta stürmt mit Anja Mittag

Neun Tage lang gab es im Blog eine Schreibpause, bedingt durch eine Urlaubsreise, aber die wichtigste Personalie wurde erst gestern bekannt: Marta, die wohl immer noch beste Fußballspielerin der Welt, hat einen neuen Verein gefunden. Und es ist weder Avaldsnes IL noch Paris SG, zwei gegensätzliche Clubs, die immer wieder in den Spekulationen vorgekommen waren.

Die 28-Jährige Brasilianerin und fünffache Weltfußballerin wechselt zum schwedischen Tabellenführer FC Rosengård und wird damit die ohnehin schon mit Weltklassespielerinnen wie Anja Mittag und Ramona Bachmann gespickte Offensive noch weiter verstärken. Bachmann war vor einigen Wochen gerüchtehalber mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht worden. Der Champions-League-Sieger sucht händeringend nach Weltklassestürmerinnen.

Nun ist es also im Falle Martas doch Schweden geworden oder geblieben. Malmös  Erling Nilsen erklärte auf der gestrigen Pressekonferenz, auf der Marta bereits im neuen Trikot präsentiert wurde, dass die Brasilianerin durch ihren Agenten Fabiano Farah bereits vor einigen Wochen angeboten wurde, Rosengård habe doch passen müssen, da die Gehaltsvorstellungen jenseits des Machbaren gelegen hätten. Nun aber habe man einen wesenbtlicch reduzierten Gehaltsvorschlag bekommen und darauf habe man sich dann auch geeinigt.

Marta wird zunächst bis zum Ende der Saison unter Vertrag sein. Es gibt eine Option auf weitere sechs Monate. Die schwedische Meisterschaft dürfte, vorausgesetzt, dass alle Stars gesund bleiben, damit eendgültig entschieden sein, denn dass das punktgleiche Örebro gegen diese Offensive bestehen kann, ist kaum anzunehmen. Sollten Marta und Anja Mittag spielerisch zusammenfinden, dürfte Rosengård damit das beste Stürmerpaar der Welt unter Vertrag haben. Eine Flut von Toren und Assists beider Spielerinnen scheint nicht undenkbar zu sein.

Die Verpflichtung ist aber vor allem ein Schritt zur ernsthaften Kandidatur um den CL-Titel 2014/15, denn der VfL Wolfsburg und Paris SG dürften aufhorchen.

ffschweden trifft: Christen Press

Christen Press und ffschweden auf dem Norrmalmstorg in Stockholm (Foto: Vero Boquete)

Christen Press und ffschweden auf dem Norrmalmstorg in Stockholm (Foto: Vero Boquete)

Tyresö FF ist inzwischen Geschichte und aus der Konkursmasse sind beinahe alle Spielerinnen versorgt mit neuen Vereinen. Niemals hat ein schwedischer Club so viele aktuelle amerikanische Nationalspielerinnen in seinen Reihen gehabt, im letzten Herbst waren es fünf.

Eine, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat und die meiner Meinung nach eine der großen Stars der Weltmeisterschaft 2015 werden könnte, ist die 25-Jährige Christen Press. Vor ihrer Abreise nach Chicago Ende Mai diesen Jahres habe ich mich mit der Stürmerin der Chicago Red Stars zu einem längeren Gespräch getroffen.

Zur Vorbereitung hatte ich mir vorgenommen, alle Texte ihres Blogs zu lesen, das sie mit ihrem Umzug nach Göteborg Anfang 2012 gestartet hatte. Aber das gab ich, vier Tage vor unserem Treffen, auf. Mehr als 150 Seiten auf A4 blieben übrig, als ich schon alle Fotos mühselig aus dem Text gelöscht hatte.

“Schreiben muss eine wichtige Rolle in deinem Leben spielen,” begann ich als wir uns am Samstag vor dem Champions-League-Finale in Lissabon in einem der inzwischen vielen Filialen von Joe & The Juice auf der Hamngatan trafen, in der Christen Press, dem Namen des Cafés gerecht, einen Smoothie schlürfte.

“Ja, das stimmt. Am Anfang war das Blog für mich ein Weg, mit meinen Verwandten und Freunden in den USA den Kontakt aufrecht zu erhalten. In meinem Jahr in Göteborg habe ich so gut wie über alles geschrieben, ich war nicht in der Nationalmannschaft, ich war raus aus dem Scheinwerferlicht. Ich war der Auffassung, dass ich so ganz gut nach Haus berichten konnte, wie es mir erging. Ich schrieb viel über all die kleinen Missgeschicke, die einem am Anfang in einem fremden Land passieren. Heute schreibe ich vielleicht nur noch einmal im Monat.

Ich habe geschrieben, seit ich ein kleines Schulkind war. Das ist etwas, das mir Freude bereitet, es ist ein Ventil für mich, aber ich denke, jetzt ist das Blog ein bisschen ernster geworden. Jetzt, wo ich in der Nationalmannschaft spiele, habe ich ein viel größeres Publikum. Mit all den dramatischen Sachen, die in letzter Zeit passiert sind, ist es auch ein bisschen mehr Nachrichtenblog geworden.”

Christen Press, Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 (Foto: Anders Henrikson)

Christen Press, Torschützenkönigin der Damallsvenskan 2013 (Foto: Anders Henrikson)

Schreibst du deine Texte und postest du sie fast direkt oder bist du der Typ, der schreibt, noch einmal liest, korrigiert und feilt und erst dann postet?

“Ich bin jemand, der sehr viel korrigiert. Ich bin eine Amateur-Autorin und wenn ich einmal im Monat schreibe, dann schau ich mir das sieben bis acht Mal an und schicke es dann meiner Schwester. Sie redigiert das dann nochmal, also man kann schon sagen, dass ich das als Amateur-Autorin ernst nehme. An der Stanford Universität hatte ich Kommunikation als Hauptfach und da geht es viel um Berichten, die journalistische Seite davon. Ich habe auch an einer Reihe von Kursen im Kreativen Schreiben teilgenommen und auch persönliche Essays. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.”

Deine Blogposts unterschreibst du immer mit Christen, aber auch mit dem Zusatz “rookie for life” (Ein Leben lang Anfängerin). Ist das so eine Art Lebensphilosophie für dich?

“So hab ich mich einfach gefühlt. Nach vier Jahren im College und es waren vier harte Jahre, wo ich viel gelernt habe, aber um meine Karriere kämpfen musste, war ich dabei mir ein Leben außerhalb meines Elternhauses zu bauen. Dann hab ich meine Anfänger-Saison in der Profiliga WPS gespielt, die irgendwo eine große Katastrophe war. Ich habe für magicJack gespielt, einen sehr kontroversiellen Club und danach bin ich nach Schweden gezogen und natürlich war ich auch in dieser Situation eine Anfängerin. Ein Jahr später habe ich wieder den Verein gewechselt, ich denke, dass “Anfängerin ein Leben lang” bedeutet, dass man die Wechsel im Leben willkommen heißt. Das war hart für mich mein ganzes Leben, es bedeutet aber auch eine Einstellung zu haben, dass man nett zu sich selbst ist. Wenn Sachen schief gehen und du landest in verrückten Situationen, musst du ein bisschen ruhig bleiben.”

Es gibt eine wunderbare Geschichte in deinem Blog, wo ich dachte, dass du irgendwo schon auch ein unsicherer Mensch bist, eine Geschichte, die aber auch zeigt, wie wichtig Rückhalt ist.

Du bist erst ein paar Wochen in Tyresö und weißt nicht, ob du den Erwartungen entsprechen kannst. Normalerweise machst du nach dem Training immer ein freiwilliges individuelles Schusstraining. Aber an einem Tag fühlst du dich unsicher, ob du mit den großen Spielerinnen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete mithalten kannst und du verzichtest auf das Schusstraining, willst nach Hause. Umgezogen aus der Dusche kommend begegnest du Trainer Tony Gustavsson auf dem Parkplatz, der auf dich wartet. Er sieht dich an und lächelt, gibt dir einen Klaps auf die Schulter und sagt irgendwas wie, dass es schon gutgehen wird.

Foto: Anders Henrikson

Foto: Anders Henrikson

Ein Jahr später im finanziellen Chaos fühlst du dich wieder nicht gut. Und wieder willst du nach Hause und wieder steht Tony auf dem Parkplatz und wartet auf dich, aber dieses Mal sucht er nur deinen Blick, lächelt aufmunternd und geht.

“Ich würde sagen, jeder Mensch ist irgendwo ein wenig unsicher. Ich fände es wirklich verrückt, wenn man das nicht wäre. Ich gehe immer sehr vorsichtig in eine Situation hinein. Ich versuche, ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen. Ich denke, dass ich so gepolt bin, mir Gedanken zu machen, bevor Dinge passieren. Ich denke schon Monate vorher über manche Dinge nach und dann, wenn eine Krisensituation eintrifft, bin ich ganz gut darin, damit fertig zu werden. Ich erinnere mich sehr stark an negative Dinge, also, vielleicht kommt das daher.”

Lass uns noch mal die Uhr zurücckdrehen, als du nach Europa kamst. Mir warst du schon aufgefallen, ich hatte zwei Spiele mit dir im Internet gesehen und war beeindruckt, aber soweit ich verstanden habe, hatte dein erster schwedischer Trainer Torbjörn Nilsson in Göteborg noch nichts von dir gesehen?

“Die hatten keine Ahnung, wer ich war. Und ich hatte keine Ahnung, wer die waren. Ich hatte ein Tryout bei Atlanta Beat in der WPS gemacht, aber dann brach die ganze Liga zusammen und vier Tage später schloss das Transferfenster in Europa. Ich hatte vier Tage, ein Team zu finden und ich war verzweifelt. Ich schrieb an alle meine Kontakte, Trainer, andere Agenten , Spielerinnen, die was wissen konnten. Ich versuchte, herauszufinden, ob es irgendwo Interesse gab und in dem Moment waren 50 – 100 andere Spielerinnen in derselben Situation. Es waren echt panische Zeiten für Spielerinnen, die nicht in der Nationalmannschaft waren. Ich hatte einen Kontakt, der den Besitzer von Kopparberg/Göteborgs FC kannte. Die haben mich unbesehen unter Vertrag genommen. Ich war aber schon vorher mal in Göteborg gewesen und hatte beim Kinder- und Jugendturnier Gothia-Cup mitgespielt. Daran konnte ich mich aber nicht erinnern. Aber meine Schwester und mein Vater hatten eine gute Erinnerung und meinten ‘Hey, das war doch nett da, da gibt’s doch diese Wasserwege und wir hatten eine schöne Zeit’. Was passiert, passiert und ich hatte zu den Zeitpunkt nichts zu verlieren.”

Du hattest also auch keine großen Erwartungen. Erinnerst du dich noch an die ersten Wochen?

“Als ich dahin kam, war ich so verwirrt von all den Dingen, die mit Fußball nichts zu tun hatten. Fußball war so ziemlich das einzige, was ich wiedererkannte und was mir vertraut war. Es war so kalt im Februar, ich kannte die Stadt nicht und ich wurde jeden Tag im Hotel vom Manager zum Training abgeholt. Fußball war meine Schutzburg. Ich verstand mich von Anfang an sehr gut mit Torbjörn Nilsson, er hat mir so unglaublich viel beigebracht. Mein Spiel veränderte sich, der Stil, den ich spielte, veränderte sich sehr und zwar dank ihm. Er hat ja selber als Stürmer gespielt und er sah etwas in mir und wir arbeiteten viel zusammen. Am Ende denke ich, dass dieses Jahr ungeheuer ergiebig war für meine Karriere. Ich habe mir alte Videos mit Torbjörn angeschaut und er zeigte mir seine Bewegungen. Manchmal kam er zum Trainingsplatz und dann haben wir daran gearbeitet, das richtige Timing für die Sprints zu erarbeiten. Er war sehr detailversessen.”

Was nimmst du an Eindrücken mit, was hat dich geprägt?

“Die größte Lektion, die ich hier in Europa gelernt habe, ist, dass kontinuierlicher Druck dir nicht notwendigerweise die besten Ergebnisse gibt. Und ich habe hier durh meine Erfahrungen gelernt, dass es gut ist, manchmal die Dinge laufen zu lassen und weniger extrem zu sein. In Amerika sind wir so fokussiert darauf, immer die Besten zu sein. In Schweden ist es meh so, dass man die Dinge nimmt wie sie kommen. Ich mag wirklich das schwedische Wort “lagom”, ich mag den Gedanken dahinter. Dass du die Dinge laufen lässt und dass du trotzdem glücklich werden kannst und Dinge schätzen kannst.”

Was würdest du amerikanischen Spielerinnen sagen, die nicht das Privileg haben oder hatten, im Ausland spielen zu können?

“In den USA gibt es so viel Antrieb, so viel Fokus auf das Ziel. Hier in Schweden schätzen die Menschen mehr den Weg. Sie verstehen die Aufs und Abs einer Karriere. Sie lassen sich nicht dadurch definieren. in Schweden geht es mehr darum Spiel für Spiel zu absolvieren, Moment für Moment zu leben, es zu genießen, wenn die Sonne scheint. Wenn die Sonne scheint, lässt du alles auch mal liegen und genießt die Sonne. Ich habe hier erfahren, dass Spielerinnen mehr Spaß am Fußball haben. Sie verstehen das Spiel besser, sie leben es mehr und ich hoffe wirklich, dass ich ein bisschen davon nach Chicago mitnehmen kann. Ich denke, dass ich da in meinem neuen Team mehr eine Führungsrolle haben werde und wenn ich jüngeren Spielerinnen, die ihere Karrieren gerade beginnen, etwas vermitteln könnte, dass sie das Spiel mehr genießen lässt und dass sie dann erfolgreicher sein können, dann wäre ich zufrieden. Hört auf, euren Fokus auf den Erfolg zu setzen! Fokussiert auf das, was ihr könnt und der Erfolg wird kommen!”

Lass mich bitte noch einmal auf deine Unsicherheit zurückkommen. Es gibt einen Moment in Tyresö, wo sich der Kreis schließt, ein Moment, in dem gerade diese Unsicherheit auf immer verschunden sein muss, den du als den stolzesten Moment deiner Fußballkarriere beschrieben hast. Würdest du uns davon erzählen?

Marta (links), Christen Press (Foto: Anders Henrikson)

Marta (links), Christen Press (Foto: Anders Henrikson)

“Das war das dritte Tor im Champions-League-Halbfinale gegen Birmingham. Birmingham spielte unfair, Marta war respektlos angemacht worden vor dem Elfmeter, den sie dann verschoss. Sie ist eine ungeheuer emotionale Spielerin. Sie nimmt das mit, wenn sie spielt und du kannst es in ihrem Gesicht sehen. Wir führten mit 2:0 und wir würden gewinnen, aber man konnte es trotzdem in ihrem Gesicht sehen, dass sie fühlte, sie hätte uns im Stich gelassen, als sie den Elfmeter verschoss. Das Schöne an diesem Sport ist, dass es nicht nur um dich geht, es geht darum, mit anderen Menschen Verbindungen zu schaffen. Im letzten Moment des Spiels, wir waren in der Nachspielzeit schnappte ich mir den Ball und dachte eigentlich nicht, dass etwas Großes passieren würde. Marta und ich kommunizierten nie viel auf dem Platz, sie sagt mir nie, wenn ich passen soll, sie sagt mir nicht wo sie ist. Sie ist eine stille Spielerin, die stillste, mit der ich je gespielt habe und sie spricht niemals Englisch. Wenn sie was sagt, dann Spanisch, das ist ihre dritte Sprache und meine sehr schlechte Zweite. Am Ende des Spiels dann aber spielte sie mir den Ball zurück und sie rief ‘Wait!’, weil sie das auf Englisch sagte, war mir klar, dass es ihr sehr ernst war und dann setzte sie zum Sprint an und ich spielte ihr den Ball zurück und sie schoss das 3:0. Als sie zu mir kam liefen ihr Tränen übers Gesicht und sie war so dankbar, dass wir diesen gemeinsamen Moment und diese Verbindung hatten. Sie sagte ‘Thank you!’ Dieser Moment gab mir ein unglaubliches Glücksgefühl, ich fühlte mich so stark als Spielerin und so stolz als Mannschaftskameradin.”

Christen, wir müssen kurz über Tyresö reden, man würde mich sonst für verrückt halten. Aber ich will keine geheimen Details wissen, sondern mehr, wie das alles dein zukünftiges Verhalten beeinflusst und ob du glaubst, noch einmal vorbehaltlos Vertrauen zu einem Verein haben zu können?

“Nun, ehrlich gesagt, war ich sehr überrascht, dass so etwas in Schweden passieren konnte. Die Situation war insgesamt sehr ähnlich der, die ich schon mal mit magicJack erlebt habe. Da gab es kein Vertrauen in die Organisation, die Umwelt war hart gegen uns, das war absolut unakzeptables Benehmen und kaum zu ertragen. Die Liga ging kaputt und Teams gingen rechts und links kaputt. Es gab keinen Spielraum für Vertrauen mehr. Als ich nach Schweden kam, fühlte ich mich geborgen. Diese Mannschaften würden nirgends hingehen {magicJack verlegte seinen Standort von Washington DC nach Florida}, die sind schon lange hier, das ist stabil. Also, als das mit Tyresö dann losging war das schon ein Schlag. Ich glaube, dass ich jetzt in den USA nicht mehr dasselbe Vertrauen empfinden kann, dass ich einmal hatte.”

In Tyresö habt auch ihr immer sehr viel erst aus den Medien erfahren und wurdet nicht vom Arbeitgeber informiert. Du hast geschrieben, dass jed E-Mail vom Verein Angst ausgelöst hat und du erst einmal gewartet hast, bis du sie aufgemacht hast.

“Es geht ja nicht nur um das Geld. Es geht darum, wie wir behandelt wurden, man hat uns ausgenutzt. Wir haben viele Nachrichten aus den Medien bekommen, vieles davon war dann auch noch falsch. Aber weil wir keine Infos vom Verein bekamen, wussten wir gar nicht, was falsch war und was nicht. Wir fühlten alle, dass man uns eiskalt ausgenutzt hat. Die wussten genau, wieviel uns die Champions League bedeutete. Sie wussten, dass sie uns nicht bezahlen konnten und haben es durchgezogen.”

 

Wechsel

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Lisa Dahlkvist zieht es nach Norwegen ins kleine Dörfchen Avaldsnes

Das Transferkarussell in Schweden ist in diesen ersten Tagen recht bescheiden, das liegt wohl daran, dass die meisten Entscheidungen mehr oder weniger klar sind und auch, dass der Schock des Verschwindens von Tyresö auch andere wirztschaftlich klamme Vereine zur Zurückhaltung mahnt.

Lisa Dahlkvist, einer der letzten übrig gebliebenen Restposten aus der Konkursmasse von Tyresö, geht nun zum ambitionierten norwegischen Topclub Avaldsnes IL. Dessen starker Mann Arne Utvik ist offenbar in Kroatien im Badeurlaub und postet seit 24 Stunden jeden erreichbaren Link, der über die Verpflichtung der schwedischen Nationalspielerin berichtet. Avaldsnes liegt nach der Hälfte der Spielzeit in Norwegen auf einem eher enttäuschenden siebten Rang, zwölf Punkte hinter den führenden LSK Kvinner. Die wiederum haben sich die Dienste der in Potsdam ein Jahr früher scheidenden Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir im Tor gesichert.

‘Gugga’ bekam in Potsdam zuletzt keine Spielzeit mehr und der Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen vor ein paar Wochen aufgelöst.

Unklar noch der Verbleib von Malin Diaz und Carola Söberg sowie Lisa Klinga.

Nach einem halben Jahr Ausleihe an AIK, beendet Malin Levenstad vertragsgemäß ihre Sejour in Solna. Es heißt jedoch, dass sie nicht zu dem sie entleihenden Verein FC Rosengård zurückkehrt, sondern erst einmal ohne Verein nach Paris zieht, wo Freundin Caroline Seger ab der kommenden Saison unter Vertrag ist.

Für AIK ein herber Verlust, aber andererseits hat man bei sieben Punkten Vorsprung auf Jitex Mölndal auf dem elften Platz den Klassenerhalt so gut wie sicher.

 

Die Woche in Schweden

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Acht Spiele haben in der letzten Woche stattgefunden in der Damallsvenskan und nun steht noch ein Spiel an (die Ligaausgabe des Pokalfinales KIF Örebro – Linköpings FC), bevor alle Spielerinnen und Betreuer in den schwedischen Sommerurlaub gehen können.

An der Spitze breitet sich die erwartete Langeweile allmählich aus. Ich möchte leider behaupten, dass die Saison 2014 als eine Spielzeit in die Annalen eingehen wird, die man einfach voraussagen konnte.

Rosengård schlug am Mittwochabend Piteå mit 6:1 und tat einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft. Kein anderer Verein wird die Südschwedinnen auch nur annähernd gefährden können. Überragend Anja Mittag, die mit drei Toren und zwei Assists ebenfalls unangefochten Richtung Torschützenkönigin und “Stürmerin des Jahres” marschiert. Anja hat jetzt 12 Tore erzielt und auch wenn Ex-Mitspielerin Manon Melis sechs der zehn Tore von Kopparberg/Göteborgs FC gegen AIK (6:0) und Jitex (4:0 erzielte und mit elf Toren nur einen Zähler hinter Mittag rangiert, muss man anmerken, dass Manon Melis ihre Tore gegen die beiden schwächsten Teams der Liga erzielt hat, Anja dagegen immer trifft.

Die einzige Entscheidung, die für Spannung sorgen dürfte, ist Platz zwei, immehin relevant für einen Champions-League-Platz in der Saison 2015/16. Da hat KIF Örebro derzeit die Nase vorn, drei Punkte hinter Rosengård und drei Punkte vor Göteborg, das wie bemerkt, einiges für sein Torverhältnis getan hat. Die Westschwedinnen bekommen nach dem Urlaub auch noch Verstärkung durch Maren Mjelde (Potsdam) und Lisa Ek (Rosengård), die nach sportlich unglücklichen 1,5 Jahren (Kreuzbandriss) in Malmö wieder die Küste hinaufzieht.

Auch Linköping kann, sechs Punkte hinter Örebro, durchaus noch eingreifen in den Kampf um den zweiten Platz. Nach Tyresös Rückzug hat die UEFA ja entschieden, dass der LFC Champions League spielen darf in der kommenden Saison. Und Trainer Martin Sjögren shloss auch Verstärkungen nicht aus.

Überhaupt dürften vor allem die drei genannten Teams ihre Reihen nochmals verstärken, wobei KIF Örebro finanziell den geringsten Spielraum hat.

Denn alle anderen Plätze werden unstrittig sein oder haben keine besondere Bedeutung. Neben dem erwartungsgemäß ausgestiegenen Tyresö FF dürfte mit der Mädchenmannschaft von Jitex BK der zweite Absteiger ebenfalls feststehen. Null Punkte aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn man “nur” 33 Gegentore kassiert hat. Die Mölndaler (Mölndal ist ein Stadtteil von Göteborg) hatten wurden vor der Saison von rund 15 Spielerinnen verlassen und haben sich aus überwiegend sehr jungen Zweitligaspielerinnen ein neues Team für die erste Liga aufgebaut, der Abstieg war vorprogrammiert.

Auch wenn da noch nicht aller Tage Abend ist, mathematisch. Denn in der Theorie kann man die sieben Punkte Rückstand auf AIK durchaus aufholen, praktisch aber wäre das so, wenn der Iran bei der Herren-WM das Halbfinale erreicht hätte.

 

Im Schatten Brasiliens

Natürlich überschattet die Männer-WM in Brasilien dieser Tage alles andere und nicht zuletzt das laufende Geschehen im Frauenfußball. Das schwedische Fernsehen überträgt trotz Abwesenheit der eiegenn Mannschaft alle Spiele und ist mit einem üppigen Team von “Experten” vertreten, denen eine Brasilien-Reise im schwedischen Sommer 2014 nicht sonderlich unangenehm ist.

Im staatlichen SVT hat Nationaltrainer Erik Hamrén in den ersten beiden Wochen trocken, langweilig und immer voller Lampenfieber zusammen mit dem geschwätzigen, ehemaligen China- und Norwegenprofi Daniel Nannskog. Der bekommt jetzt jedoch sehr ernste Konkurrenz, denn wie geplant wurde Hamrén nach der ersten Hälfte der WM ersetzt durch Nationalspielerin Lotta Schelin, deren Ankunft und erster Einsatz in Rio bereits heute von den schwedischen Medien gefeiert wurde. Bereits bei der EM vor zwei Jahren hatte Schelin Bestnoten bekommen und ist dieses Mal auch vor Ort in Brasilien bis zum Finale dabei.

Unter der Woche wurde auch in der ersten Liga gespielt. Rosengård mühte sich zu einem 1:0 gegen Abstiegskandidat Jitex, KIF Örebro gewann bei Kristianstad und Göteborg siegte vor 2.000 Zuschauern (freier Eintritt) in Piteå mit 1:0. Die Auswirkungen auf die Tabelle habe ich jetzt erst übernommen, da ich dienstlich fast die gesamte letzte Woche in München verbringen musste.

Am heutigen Sonntag wird nicht nur Achtelfinale in Brasilien gespielt, sondern auch dreimal Damallsvenskan. Die Ergebnisse kommen dieses Mal zeitnäher ins Blog.