Schützenfest in Malmö

Mit 11:1 Toren und sechs Punkten liegt Meisterfavorit FC Rosengård an der Spitze der Tabelle. Im vorgezogenen TV-Spiel besiegte der amtierende schwedische Meister die bereits am Wochenende arg gebeutelten Vittsjöerinnen mit 7:1. Zweimal Ramona Bachmann und jeweils ein Tor von Anja Mittag, Sarah Mellouk, Nathalie Persson, Sara Björk Gunnarsdottir und Ali Riley erzielten die Tore.

Vittsjö liegt am anderen Ende mit einem katastrophalen Start mit 1:12 Toren und 0 Punkten.

 

Auftakt nach Maß

Wenig überraschend gelang Eskilstuna United ein Auftakt nach Maß. Der Aufsteiger lockte am Montagabend 1853 Zuschauer auf den heimischen Tunavallen zum ersten Spiel in der Damallsvenskan in seiner Vereinsgeschichte. Und die bejubelten frenetisch die Tore von Kim Arodin und Felicia Karlsson zum 2:0 Heimsieg gegen die stark eingeschätzten Gäste von KIF Örebro.

Der erste Spieltag hat damit dank Eskilstuna einen Zuschauerschnitt von 863.

Bereits heute Abend tritt das deutsche Trio Anja Mittag, Katrin Schmidt und Paula Radtke gegen den Regionalrivalen Vittsjö GIK an.

Zweite Liga (1)

Hammarby-Jubel nach dem 1:0 durch Helén Eke (20) gegen Hovås Billdal

Hammarby-Jubel nach dem 1:0 durch Helén Eke (20) gegen Hovås Billdal

Auch die zweite schwedische Liga, die Elitettan absolvierte am Wochenende ihre erste Runde. 14 Teams in der eingleisigen Ausgabe sollen mittelfristig die Klasse verbessern und den Abstand zur Damallsvenskan verringern. Nun beginnt Saison 2.

Und wie schon im letzten Jahr ist eine Prognose sehr schwer, wer am Ende der Saison die beiden begehrten Aufstiegsplätze holt.

Am Samstag war ich beim Spiel von Aufstiegsfavorit Hammarby gegen Hovås Billdal aus Göteborg und sah einen klaren 3:0 Sieg der Mannschaft, die vor drei Jahren aus der ersten Liga abstieg und sich dann drei (!) Jahre gab, um wieder aufzusteigen. Hammarby glänzte nicht, aber sie setzten sich durch, daran fühlte ich mich sehr stark gestern erinnert, als Rosengård 4:0 bei AIK gewann.

Der Kader ist gut besetzt, selbst Verletzungen sollten locker abgefangen werden können und mit Anna Lindblom, Matilda Agné und Helén Eke hat Hammarby viel Erstligaerfahrung.

Noch stärker vermutlich: Sunnanå aus dem hohen Norden, genauer aus Skellefteå. Perpetua Nkwocha ist dort heimisch geworden, scheints. Die mehrfache Fußballerin des Jahres in Afrika, dazu Carina Holmberg und Torfrau Sussie Nilsson (die unlängst für Serbien debütierte, nachdem sie gefühlte zwei Jahre vergeblich auf einen Anruf vom schwedischen Fußballverband gewartet hatte) sind drei Topnamen, die Sunnanå wieder nach oben führen sollten.

Konkurrenzfähig ist trotz vieler ausländischer Abgänge auch der zweite Absteiger Mallbacken und – eine Außenseiterchance könnte schon in diesem Jahr Djurgården haben. Letztes Jahr stieg man mit einem sehr jungen Kader entgegen aller Unkenrufe nicht ab und hat sich dieses Jahr u.a. durch die Norwegen-Heimkehrerin Mia Jalkerud gut verstärkt. Auch 2014 wird aber publikumstechnisch weitgehend gähnende Leere herrschen im weiten Rund des Stockholmer Olympiastadions von 1912. Unglaublich, dass es keine andere Arena für die Frauen von Djurgården gibt, zumal die einstige Heimarena Kristinebergs IP auch Jahre nach dem angeblich unmittelbar bevorstehenden Abriss immer noch da steht…

In Älta, unweit von Stockholm in der Gemeinde Nacka, gibt es auch ein interessantes Team, dessen Mittelfeld vorwiegend erstklassig ist: die ehemalige brasilianische Nationalspielerin Elaine Moura, die letztjährige englische Meisterin Louise Fors (die dieses Jahr in Schweden spielt, weil sie ihre Hochzeit plant und ein eigenes Fußballschulunternehmen auf die Beine stellen will) und bei Heimspielen bald Dr. Elin Ekblom, die früher bei Djurgården und später bei AIK und Tyresö zu den besten Spielerinnen der Damallsvenskan zählte.

Ich werde die Elitettan hier nur sporadisch behandeln und immer wieder mal etwas schreiben, wenn ich ein Spiel sehe, vielleicht auch mal ein Interview machen. Aber erwartet bitte nicht eine vollständige Berichterstattung. In der Seitenliste wie schon vergangenes Jahr immer die Tops in der Tabelle. Heute aber mal die Ergebnisse des ersten Spieltags:

Kvarnsveden – Limhamn Bunkeflo 2-1
QBIK – Brommapojkarna 3-1
Halmia – Djurgården 1-3
Hammarby – Hovås Billdal 3-0
Bollstanäs  – Mallbacken 1-3
Umeå Södra – Älta 3-2
Sirius – Sunnanå 0-3

 

 

Tyresö und Linköping verlieren

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Dass sein Arbeitgeber die Champions League eindeutig vor der Meisterschaft prioritiert, das hatte mir Tony Gustavsson, Tyresös Trainer, schon im Februar gesagt – bevor das Chaos auch nur andeutungsweise nach außen bekannt wurde.

Dass die Damallsvenskan in den Überlegungen Tyresös keine sonderlich große Rolle (mehr?) spielt, sah man auch heute in Kristianstad. Nach 50 Sekunden schoss die von mir hoch geschätzte Marija Banusic Kristianstad gegen Tyresö mit 1:0 in Führung. Olivia Welin machte in der 79. Minute alles klar, in Abwesenheit von Meghan Klingenberg, Caroline Seger, Marta und Vero Boquete. Letztere saß übrigens mit Annica Svensson (früher Tyresö, jetzt Eskilstuna und morgen dran) auf der Tribüne von Skytteholms IP und sah AIK gegen Rosengård verlieren. Fabiana hat keine Arbeitserlaubnis, die Startformation Tyresös sah so aus: Carola Söberg, Line Røddik Hansen, Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist, Rilany, Thaysa, Mayara, Johanna Rytting Kaneryd, Malin Diaz, Lisa Klinga, Madelaine Edlund.

Sowohl Goalgetterin Christen Press wie Abwehrbollwerk Whitney Engen begannen auf der Bank, waren erst gestern von den beiden Länderspielen der USA gegen China aus Kalifornien zurückgekehrt. Die Brasilianerinnen landeten am Freitag nach einem Ausflug ihrer Natio nach Australien.

Allein schon deshalb war der Sieg Kristianstads keine Überraschung, es zeigt aber auch, dass Tyresö weiterhin wenig Interesse an der Liga hat und alles auf die an den nächsten beiden Sonntagen zu spielende Halbfinals gegen die Birmingham Ladies setzt.

Bei den Gastgebern lief übrigens Therese Björck heute mit der vermutlichen Rekordrückennummer 400 (!!) auf. Grund: Das Städtchen Kristianstad feiert in diesen Tagen und Wochen seinen 400. Geburtstag.

Die größere Überraschung schaffte aus meiner Sicht Piteå, dass dem von fast allen auf Platz 2 getippten Linköping gleich eine Auftaktniederlage beibrachte. Torschützin: Ausgerechnet die in Linköping ausgemusterte ehemalige Tyresöspielerin Pauline Hammarlund. Die 19-Jährige traf vor knapp über 1.000 Zuschauern in der LF-Arena, der nördlichsten Stadt in der Damallsvenskan. Dort ist es, das bezeugen alle, nicht leicht zu gewinnen, aber nach einem eher negativen Wechselverhältnis vor der Saison hatten viele Piteå alles zugetraut, aber nicht den von Martin Sjögren trainierten Mädels aus Linköping alle drei Punkte abzinöpfen. Die junge Keeperin Hilda Carlén zeigte offenbar eine Klasseleistung und Faith Ikidi wird hier als Abwehrchefin grundsätzlich gelobt:).

“Natürlich ist das eine Enttäuschung,” sagte die neue Torhüterin Linköpings, Katie Fraine, der Zeitung Östgöta Correspondenten.

“Aber wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die so sehr nach hinten arbeitet, wird es schwer, vorne was zu machen. Sie zwingen dich dazu, ein Spiel zu spielen, dass du eigentlich nicht spielen willst. Wir müssen besser werden, diese Art von “hässlichen” Spielen zu spielen, aber mich beunruhigt das Ergebnis nicht. Wir sind immer noch die beste Mannschaft der Liga,” so Fraine weiter.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das hochgetippte Umeå sich beim Jungbrunnen der Liga, dem als sicheren Absteiger gehandelten Jitex Mölndal BK sehr schwer tat und erst zehn Minuten vor dem Ende den Siegtreffer erzielen konnte.

Die Ergebnisse und die Toschützen aller Spiele könnt ihr übrigens ab jetzt immer auf der Seite Damallsvenskan 2014 (oben im Menü) finden. Da wird dann ab dem 2. Spieltag jeweils die aktuelle Tabelle auftauchen und auch die Torschützenliste.

 

 

 

 

Rosengård und Göteborg

Paula Radtke im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Paula Radtke im Gespräch mit ffschweden (Foto: Anders Henrikson)

Wenn man nach nur einem Spieltag eine Tendenz erkennen kann, was natürlich NICHT der Fall ist, aber wenn, nur mal angenommen, dann hießen die Favoriten der Saison 2014 eindeutig FC Rosengård und Kopparberg/Göteborgs FC.

Rosengård (zum letzten Mal: früher LdB FC Malmö) ging als Erster ins Rennen, auswärts bei Aufsteiger AIK und für schwedische Verhältnisse zur ungewöhnlich frühen Stunde: 12.30 Uhr Anstoß. Grund: AIKs Männermannschaft war um 15.00 Uhr in der gut einen Kilometer entfernten Friends Arena angesetzt gegen Örebro und man wollte sich nicht im Wege stehen bzw. hoffte, dass ganz Fußballverrückte zuerst zu den Frauen und dann zu den Männern gehen würden. Naja, so ganz haute das dann doch nicht hin: 466 sahen die Frauen 0:4 gegen Rosengård verlieren und 15 873 (34 mal so viel) sahen das 1:1 der Männer gegen Örebro.

Anja Mittag, Sarah Mellouk, Ramona Bachmann und Paula (Kathleen) Radtke schossen die Tore für den Meister, der sich noch besser einspielen muss, da war vieles noch nicht überzeugend, nicht ineinander verzahnt, aber die überragenden Einzelpielerinnen kriegen es dann doch irgendwie hin und zwar so, dass man sich nie fragte, ob hier etwas anderes als die gesetzte Auswärts-2 herauskommen könnte.

Später hatte es das umgekrempelte Göteborg auswärts mit Vittsjö zu tun, schon schwieriger die Aufgabe und die von Malmö nach Göteborg gewechselte Manon Melis schickt mit ihrem Hattrick zu Beginn eine Ansichtskarte nach Malmö. Natürlich ist der Wechsel von der einen (Melis) zur anderen (van de Ven) in Malmö nicht einfach nur ein Wechsel, sondern eine Schwächung. Nicht weil van de Ven keine gute Fußballerin wäre oder es an Ehrgeiz mangeln ließe. Aber Melis ist halt Weltklasse, wenn sie gut drauf ist und bei Kirsten van de Ven weiß man momentan nicht einmal, wann sie spielen kann. Statt einer Klassebank mit Spielerinnen wie Katrine Veje oder Yoreli Rincon setzt man jetzt auf eigene Talente und das mag richtig sein. Sarah Mellouk, gerade erst 15 Jahre und acht Monate alt, deutete das an. Spielte von Beginn und machte ein Kopfballtor und hatte ein paar gute Szenen. Auch Anja Mittag, Therese Sjögran und Paula Radtke gefielen, Thora Helgadottir gab bei den wenigen Bällen Rückhalt und Anita Asantes Zweikampfstärke wird Rosengård noch viel Freude machen, auch wenn AIK:s talentierte Ex-Malmöerin Sarah Storck ihr wenigstens einmal ganz schön auf der Nase herumtanzte, also bildlich gesprochen.

Neunationalspielerin Emma Lundh sah das alles von der Tribüne aus. Knieprobleme. “Ich bin magnetgeröngt worden, kriege das Ergebnis morgen. Irgendwas knackt im Meniskus,” sagte mir die Stürmerin nach dem Spiel. Auch die Routine von Maija Saari, der Mannschaftskapitänin der finnischen Nationalmannschaft wird AIK neben Malin Levenstad gut tun. Aber eben erst in einem Monat.

“Teilweise waren wir nur zu zehnt beim Training und haben mit ein paar Jungs aufgefüllt,” erzählte mir Paula Radtke nach dem Spiel. “Jetzt sind endlich alle wieder von ihren Nationalmannschaften zurück, das merkte man heute schon, dass die Abstimmung noch nicht da ist.”

Dass 79,5% der Experten Rosengård als Meister sehen, belastet Radtke nicht: “Das war ja schon letztes Jahr bei Tyresö so. Göteborg und Linköping ist das natürlich schon Recht, dass wir die Favoriten sind und sie so den Druck von sich nehmen können.”

Ob man sich denn bei vier Spielerinnen mit Muttersprache Deutsch auch mal auf Deutsch unterhalte, will ich noch wissen.

“Hast du was gehört vom Spielfeld?” fragt Paula zurück. “Manchmal rufen wir uns tatsächlich auch auf dem Platz was auf Deutsch zu, das ist ja dann schon fast Geheimsprache. Aber bei uns wird meist Schwedisch gesprochen. Ab und an erklärt der Trainer auch mal was auf Englisch.”

Sie hat ihren Platz gefunden, die Deutsche, die vom USV Jena kam. Anfangs waren viele, auch ich skeptisch, ob Paula Radtke sich beim schwedischen Topclub würde durchsetzen können, aber sie zeichnet sich durch hohe Professionalität aus und ist sehr flexibel einsetzbar, was natürlich ein großes Plus für Trainer Eidevall ist.

Göteborg und Rosengård führen die Tabelle an nach den ersten fünf Spielen. Mehr zu den anderen drei Begegnungen in einem späteren Post heute.

 

 

Damallsvenskan 2014: Mein Tipp

Upptakt29Morgen in zwei Minuten beginnt die neue Saison der Damallsvenskan auf Skytteholms IP, wenn der umgetaufte Meister FC Rosengård beim Fahrstuhlteam und wieder mal Aufsteiger AIK in Solna zu Gast ist.

Wie geht sie aus, die neue Saison? Alle Antworten darauf gibt es schon hier und heute. :)

1. FC Rosengård

Vergangenes Jahr noch ein Zweikampf, in diesem Jahr ein Durchmarsch. Man hat zwar eine Handvoll Spielerinnen abgegeben und sich eigentlich nur mit Anita Asante wirklich verstärkt, aber der Kader von Thora Helgadottir bis Anja Mittag enthält so viel Klasse und Potential, das ähnlich wie in der deutschen Männerbundesliga nach zwei Dritteln der Saison die große Langeweile eintreten wird, was den Meistertitel angeht. Ramona Bachmann ist die wohl beste Spielerin der Liga und eine der Weltbesten, ein Rätsel, warum die FIFA sie noch nie unter die Top 10 nominiert hat oder aber ein Zeichen von Inkompetenz.

2. Linköpings FC

Langfristig wird derzeit in keinem Club in der Liga so klug geplant wie in der Provinzhauptstadt von Östergötland. Trainerfuchs Martin Sjögren und Vereinsboss Anders Mäki haben eine Ansammlung von Talenten, wie es sie nirgends in Skandinavien an einem Ort konzentriert gibt. Zwar ist der kommende Weltstar Pernille Harder verletzt (Ermüdungsbruch im Fuß) und Linda Sällström ist in der Reha nach ihrem dritten (!) Kreuzbandriss innerhalb von zwei Jahren, aber aus einer von Routinier Charlotte Rohlin angeführten Abwehr mit der wohl besten Torhüterin der Liga (Katie Fraine, in vielen anderen Ländern stünde sie als Nummer 1 in der Natio) hinter sich, kommt der LFC mit viel Kreativität. Kristine Minde dürfte der interessanteste Neuzugang der Liga sein und die Holländerin Renée Slegers hatte eine Traumsaison. Wiederholt sie die, dann muss auch Rosengård sich vorsehen.

3. Kopparberg/Göteborgs FC

Wohl nur noch Lokalrivale Jitex Mölndal hatte so viele Abgänge zu verzeichnen: Die Hammarströms hörten auf, Jessica Landström verschwand sang- und klanglos (wohin eigentlich?), Anita Asante zog nach Malmö (ihre Entscheidung fiel schon, als man Christen Press fast widerstandslos ziehen ließ, wie sie mir sagte). Dennoch hat der neue Coach Stefan Rehn mit Hilfe von Sponsor und Vereinsboss Peter Bronsman die Verluste nahezu ausgeglichen. Loes Geurts im Tor, Lieke Martens und Manon Melis machen das Team zu einem Mini-Holland. Hinter Göteborg beginnt das Mittelfeld, das sich weit runter streckt.

4. KIF Örebro

Nach einer guten Vorsaison und mit Blick auf einen insgesamt ausgeglichenen Kader hat Örebro gute Chancen auf die beste Platzierung seiner Geschichte. Die Martinkova-Zwillinge im Mittefeld, vorn mit Sarah Michael die beste Targetstürmerin der Liga und Sanno Talonen, die zuletzt fünf Länderspieltore in zwei Begegnungen für Finnland machte, das alles spricht für eine Platzierung in der oberen Hälfte.

5. Umeå IK

Auch in Umeå wird (wie in Linköping) auf die Jugend gesetzt. Heißt der Star dort Harder, so ist es hier Lina Hurtig, die 18-Jährige hat ihren Vertrag trotz eines Angebots von Paris SG bei den Nordschwedinnen verlängert und will sich noch etwas in der Heimat entwickeln, bevor sie den Schritt ins Ausland tut. Zusammen mit Jenny Hjohlman wird sie nach vorn für viel Kraft sorgen, während hinten die nach ihrem Kreuzbandriss genesene Emma Berglund die Abwehr zusammenhält.

6. Vittsjö GIK

Das Mini-Schottland in Skåne (siehe Interview mit Sofie Andersson) hat sih endgültig in der Liga etabliert. Jane Ross würde Anja Mittag den Titel als Torschützenkönigin streitig machen können, wenn sie noch mehr Klasse um sich hätte, aber die gute und fruchtbare Arbeit von Coach Tomas Mårtensson führt das Team dennoch zu einem guten sechsten Platz.

7. Eskilstuna United

Der Überraschungssieger der ersten Auflage der Elitettan hat mit einer lokalen Bank einen guten Sponsor gefunden und sich hervorragend verstärkt. Mit einer Abwehr aus lauter Nationalspielerinnen (Annica Svensson, Sara Thunebro auf den Außenbahnen und dem irischen Duo Louise Quinn und Vaila Barsley in der Mitte, deren Stärke unlängst selbst die deutsche Nationalmannschaft zu spüren bekam) haben sie eine solide Grundlage, auf die sich aufbauen lässt. Kann die kamerunische Nationalspielerin und Torjägerin Gaelle Enganamouit ihren Trend aus der Vorsaison fortsetzen, dann wird Eskilstuna für mehr als eine Überraschung sorgen.

8. Kristianstads DFF

Kaum etwas hat sich im Kader zur Vorsaison geändet bei Beta Gunnarsdottir. Die isländische Filiale ist ins Stocken gekommen und die Schwangerschaft von Margrét Lara Vidarsdottir ist schön für sie, aber ihre dadurch bedingte Abwesenheit für die Mannschaft ein herber Verlust. Vieles hängt davon ab, ob Megatalent Marija Banusic den Durchbruch schafft. Im Vorjahr war sie immer wieder leicht verletzt und fiel alle paar Wochen für ein paar Spiele aus. Gunnarssdottir sprach auf dem Pressetreff am Dienstag beiläufig von “Mädchenproblemen” und der Hoffnung, in diesem Jahr davon verschont zu bleiben. Ob es sich da um Beziehungsprobleme handelte oder Cliquenbildung, ließ sie dahingestellt, aber offenbar war da am Betriebsklima nicht alles in Ordnung. Platz 8 für Kristianstad, das auch ökonomisch zumindest leicht wackelt.

9. Piteå IF

Sie haben immer noch Faith Ikidi, die beste Abwehrspielerin Afrikas und der Damallsvenskan. Aber eine Reihe wichtiger Spielerinnen hat den Norden verlassen, nicht zuletzt Sofie Persson, die manchmal etwas unscheinbare Klassespielerin im Mittelfeld. Gespannt bin ich auf die Saison von Jungtorhüterin Hilda Carlén, die vom Zweitligisten Hammarby kam. Schweden braucht dringend Nachwuchs auf der Nr 1 in der Natio, die mit Hedvig Lindahl nicht erstklassig besetzt ist und das seit Jahren.

10. AIK

Die Fahrstuhlmannschaft der letzten Jahre schafft den Verbleib im Oberhaus. Norwegische Torhüterin und Malin Levenstad als Stabilisatorin in der Innenverteidigung. Mit Finnlands Maija Saari habe ich Dienstag noch kurz gesprochen, sie ist vielleicht im Mai wieder dabei (Kreuzbandriss 2013) und dann hätte AIK ein richtig gutes Paar in der zentralen Abwehr. Ich traf Malin und Maija zu einem längeren Gespräch im Februar und stellte schon da die Frage, wer denn die Tore machen soll und Levenstad nannte die hochtalentierte, aber sehr verletzungsanfällige Sarah Storck und natürlich Neunationalspielerin Emma Lundh (“die beste, mit der ich je Fußball gespielt habe”, sagte mir einmal Potsdams Gudbjörg Gunnarsdottir VOR ihrer Zeit in Deutschland). Aber nach vorn wird es dennoch schwierig.

11. Jitex Mölndal BK

Abstieg jetzt mit einer komplett ausgewechselten Mannschaft, in der nun hauptsächlich Spielerinnen stehen, die aus der zweiten Liga gekommen sind. Finanzielle Probleme bis zuletzt, aber nun auf einmal zwei Sponsoren (ein Badmodenhersteller und die Gemeinde, die auch die Namensänderung in letzter Minute veranlasste). Filippa Curmark und Co. werden Erfahrung sammeln und im nächsten Jahr, wenn sie denn zusammenbleiben, in der Elitettan aufräumen. Und mit neuen Sponsoren kommen vielleicht noch einige etablierte Gesichter hinzu. In diesem Jahr jedoch hat man mit diesem Mädchenkader keine Chance.

12. Tyresö FF

Fast kein Kommentar nötig. Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Marta, Carola Söberg und Caroline Seger gehen schon nach wenigen Spielen und am 5. Juni trifft man sich wieder vor dem Amtsgericht Nacka. Champions-League-Sieg am 22. Mai in Lissabon und danach die Explosion. Konkurs. Herausnahme des Teams aus dem laufenden Spielbetrieb nach rücksichtslos, verantwortungsloser Politik von Vereinspräsident Hans Lindberg und dem starken Mann im Hintergrund, Hans Löfgren. Noch ist es nicht sicher, aber ich glaube nicht mehr an das noch unbekannte afrikanische Land, das mit vier Millionen Kronen netto jährlich das Team wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Ach ja, und Tony Gustavsson dürfte sehr gute Chancen haben, Nationaltrainer der USA zu werden.

 

Vittsjö (Sprich: Wittschö)

Sofie Andersson

Sofie Andersson

Ich wusste auch nicht, wo Vittsjö liegt, obwohl ich schon seit beinahe 20 Jahren in Schweden lebe. Es kam mir ins Bewusstsein, als auf einmal Vittsjö GIK in die Damallsvenskan kam, in der Saison, in der ein anderer, ehemaliger Aufsteiger seinen ersten Meistertitel gewann. Tyresö FF.

Vittsjö liegt in Skåne, in Schonen, wie man früher in deutschen Büchern über Schweden zu schreiben pflegte. Es liegt in der Nähe des Eisenbahnknotenpunkts Hässleholm, gut 45 Minuten von Malmö entfernt. In Hässleholm muss man umsteigen, wenn man z.B. von Stockholm kommend, nach Kristianstad fahren will.

Es gibt Orte auf den Landkarten Europas, die sind tatsächlich aufgrund der Existenz einer Fußballmannschaft einem größeren Kreis bekannt geworden, die sonst die Existenz des Ortes zeitlebens kaum zur Kenntnis genommen hätten.

Meine Heimatstadt Mönchengladbach ist so ein Ort. Es ist immer noch so. Wohin man auch kommt, die Assoziation zu Mönchengladbach ist Borussia. Auch wenn dann viele Ausländer glauben, dass müsse in unmittelbarer Nähe zu München sein. Neiiiiiin, ist es nicht.

Vittsjö spielte eine sensationelle erste Saison in der Damallsvenskan. Von mir und nahezu allen anderen “Experten” als klarer Absteiger getippt, stand das Team sogar mal an der Tabellenspitze und brach erst dann ein, als Verletzungen das solide Innenverteidigerinnenpaar Ifeoma Dieke (Schottland) und Kendall Fletcher (USA) auseinander brachte.

Sofie Andersson schoss in jedem Spiel ein Tor, zumindest anfangs. Die heute 28-Jährige war vorher von der charismatischen, aber nicht immer einfachen Elisabet Gunnarsdottir in Kristianstad ausgemustert worden. Der kluge Thomas Mårtensson hatte nicht nur Andersson, sondern auch weitere Spielerinnen geholt, die Gunnarsdottir nicht haben wollte oder mit denen sie nicht zu Recht kam.

Am Dienstag habe ich mich mit Sofie Andersson unterhalten.

“Die letzte Saison war wirklich eine Enttäuschung, wir landeten auf einem achten Platz,” berichtet Sofie Andersson, deren Team beim Auftakttreffen der Medien mit der Liga am Dienstag als solide Mittelfeldmannschaft getippt wurde.

“Wir wollen uns definitiv verbessern gegenüber dem Vorjahr, am Ende liegen wir vielleicht wirklich im Mittelfeld, aber wenn wir ein bisschen Glück haben, dann können wir einige Teams sicher gefährden.”

In der Tat, das Mittelfeld der Liga könnte so groß sein wie lange nicht. Mein Tipp kommt noch, bevor am Sonntag die Saison beginnt.

“Letztes Jahr hatten wir einige Verletzungen, nach der Sommerpause wurde es dann besser und der Herbst war ganz ordentlich, ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können,” so Andersson.

Schwedens einziger ernstzunehmender Gegner in der WM-Qualifikation ist Schottland, das bisher verlustpunktfrei die Tabelle anführt und übrigens von den Schwedinnen Anna Signeul und Ann-Helen Grahm (Ex-Assistentin von Thomas Dennerby) trainiert wird. Im September spielen Schwedinnen und Schottinnen die entscheidenden Begegnungen. Wenn sich Pia Sundhage mehr Wissen über Schottland verschaffen will, lohnt sich ein Trip in die Provinz von Skåne.

In Vittsjö verdienen vier Schottinnen ihr Brot: Ifeoma Dieke, Jane Ross, Hayley Lauder und ganz neu Shannon Lynn, die Torhüterin, die man verpflichtet hat, weil sich Finnlands Minna Meriluoto bei einem Fall auf die Schulter im Pokalkrimi in Örebro (Vittsjö verlor im Elfmeterschießen) verletzt hat und für vier bis sechs Wochen ausfällt.

“Wir sprechen meist Englisch in Vittsjö,” berichtet Sofie Andersson. “Manchmal fällt es mir echt schwer, Jane Ross und ihren Akzent zu verstehen, ich muss ihr dann sagen, langsamer zu sprechen und deutlicher Englisch. Oft ist es ja so, dass man eine Spielerin hat, die erzählt dann Gutes über den Verein und dann kommen mehr,” erklärt mir Sofie die möglicherweise höchste schottische Präsenz außerhalb Großbritanniens.

In Vittsjö übrigens, wohne keine Spielerin, erklärt mir Sofie. Entweder lebt man in Hässleholm oder auch in Kristianstad, in der Stadt des Ligakonkurrenten also. Ich weiß, dass die Amerikanerin Danesha Adams 2012 in Vittsjö wohnte und viele ruhige Stunden mit Bücher lesen am Strand des örtlichen Sees verbracht hat.

“Die Stimmung ist immer noch toll in Vittsjö. Man kann sich da kaum im ICA (Supermarkt) sehen lassen, weil das schon sehr auffällt. Vielleicht ist der erste große Enthusiasmus weg, als wir 2012 aufgestiegen waren und auch noch sehr erfolgreich spielten. Das war was ganz Neues, aber man unterstützt uns noch immer sehr.”

Am Sonntag kommt Kopparberg/Göteborgs FC zu Besuch. “Gegen die haben wir eine positive Bilanz und das nehmen wir natürlich mit in das Spiel. Ich denke, dass es für alle schwer sein wird, bei uns zu spielen, weil wir Naturgras haben,” so Andersson weiter.

Gegen den namhaften Gegner hat man in der noch jungen Vittsjöer Geschichte in der Damallsvenskan vier Mal gespielt. Zwei Auswärtssiege, ein Unentschieden und eine Niederlage. Aufpassen muss Göteborg vor allem auf Jane Ross und Sofie Andersson.

Carola Söbergs milde Worte

Tyresö bröckelt auseinander und die Implosion des Großprojekts hat längst begonnen, auch wenn die Spielerinnen am 22.05. die Champions-League-Trophäe in den Lissaboner Nachthimmel recken wollen.

In einem Interview mit der Zeitung Värmlands Folkblad hat Torhüterin Carola Söberg deutliche Worte gefunden.

Selbst gab der Verein am Dienstag bekannt, dass die Verträge mit Marta, Caroline Seger und Söberg aufgrund der wirtschaftlichen Situation nicht verlängert werden können. Carola Söberg legt Wert darauf, dass sie ihren Vertrag nicht verlängern will.

Sie sei enttäuscht über den nahezu völligen Mangel an Information den Spielerinnen gegenüber, die zu keinem frühen Zeitpunkt erfuhren, wie ernst es wirklich um den Club aussah. Dabei hatte allerdings Christen Press kürzlich in ihrem lesenswerten Blog geschrieben, dass der Verein, der allen Spielerinnen ein Auto zur Verfügung gestellt hatte, schon letzten Sommer darum bat, dass die Spielerinnen die Versteuerung selber übernehmen sollten. Söberg sagt jetzt, dass man das meiste, wie alle anderen auch, jeweils aus der Zeitung erfahren habe.

“Wir gegen den Rest,” beschreibt Söberg die aktuelle Lage. “Wir spielen für die Spielerinnen, die Mannschaftsführung und alle Fans, die an uns glauben. Dann habe ich nicht das geringste Gefühl für den Club. Leider.”

Auf die Frage des Kollegen, ob das nicht harte Worte gegenüber einem Verein wären, für den sie doch immerin 3,5 Jahre gespielt habe, antwortet Söberg: “Wenn man alles weiß, was passiert ist, dann sind das milde Worte.”

Carola Söberg, die ernsthaft erwogen hat, ihre Karriere zu beenden, sagt jedoch auch, dass sie jetzt einen neuen Verein suchen wolle, um weiterzumachen, auch weil sie immer häufiger in den Kreis der Nationalmannschaft eingeladen wurde. Zwei Hauptkonkurrentinnen, Kristin Hammarström und Sofia Lundgren haben ihre Karrieren beendet.

 

 

Malin Diaz: “Jetzt oder nie”

Upptakt02Tyresö FF wurde in Schweden seit 1-2 Jahren auch “Real Tyresö” genannt, weil der Club über die Maßen international renommierte Spielerinnen an sich band, so wie das eben der spanische Männerhalbfinalist in der Champions League seit langer Zeit tut.

Die wenigen schwedischen Talente kamen dabei meist zu kurz und verließen oft den Verein, frustriert und enttäuscht. Beispiele hierfür sind Lisa Klinga (die jetzt zur neuen Saison wieder zurückkam), Pauline Hammarlund, Jennifer Egelryd und Madeleine Stegius.

Eine, die im Januar 2013 als Neuverpflichtung bekanntgegeben wurde und die noch immer in Tyresö unter Vertrag steht, ist die inzwischen 20 Jahre alte U19-Europameisterin von 2012, Malin Diaz Pettersson. Sie kam von AIK und bei ihrem Wechsel nach Tyresö gab es viel Kritik von einer beinahe einhelligen Expertenfront. Bei der Konkurrenz mit Tyresös Weltklassespielerinnen würde Diaz im Mittelfeld kaum eine Spielminute bekommen und somit ein Jahr verlieren. Besser wäre es, bei einem Team in der Mitte der Liga regelmäßig spielen zu können.

“Ich habe die Entscheidung, zu Tyresö gehen, getroffen, weil ich noch ein Jahr zur Schule gehen musste und auch in Stockholm wohnen bleiben wollte,” erzählte mir jetzt Malin Diaz beim Presseauftakt der Damallsvenskan am Dienstag.

“Viele haben mich dafür kritisiert und irgendwo war das auch Ansporn für mich. Ich wollte denen zeigen, dass es trotzdem geht, auch wenn ich vielleicht nicht so viel spielen kann. Aber es ist schon wirklich hart, ins Fitnessstudio zu gehen, wenn die anderen Spielen,” sagte die 20-Jährige, die also nun der Presse vorgestellt wurde, wo in den vergangenen Jahren noch Marta, Caroline Seger und Johanna Frisk waren.

Ich fragte sie, ob sie denselben Schritt noch einmal machen würde.

“Ich würd das heute wieder tun und bin wirklich froh, dass ich den Schritt getan habe. Ich denke, ich habe mich menschlich weiterentwickelt und bin, auch wegen der Rückschläge, stärker geworden. Natürlich ist man traurig, wenn man jeden Tag zwei Mal trainiert und dann nicht spielen darf. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um mich an das höhere Tempo beim Training zu gewöhnen. Die vielen bekannten Spielerinnen haben sich sehr professionell verhalten, ich habe mich da nie schlecht gefühlt oder als geringer geschätzt empfunden.”

Aber: “Es ist wohl klar, dass wenn eine Spielerin zwei Passalternativen hat, mich und Marta, den Ball zu Marta spielt.”

Trainer Tony Gustavsson hatte mir schon im Februar gesagt, dass er glaubt, dass die Zeit für die technisch hochversierte Mittelfeldspielerin nun reif ist. Jetzt fügte er hinzu, dass die WM 2015 in Kanada allem Anschein nach auf Kunstrasen gespielt wird und dass er in Schweden kaum eine bessere Spielerin auf Kunstrasen kenne als gerade Malin Diaz.

Wie sieht sie das selber? “Wenn ich irgendwann den Schritt in der Entwicklung machen soll, dann jetzt. Jetzt oder nie. Ich hatte ein hartes Jahr und habe wenig gespielt. Jetzt habe ich gemerkt, dass es beim Training immer besser klappt und da wächst man natürlich. Ich bin nicht nur auf dem Fußballplatz reifer geworden, sonden auch außerhalb des Platzes.”

Das klingt schon ein bisschen trotzig – Tyresö wird viele Spielerinnen schon nach dem ersten Saisondrittel abgeben: Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Caroline Seger und Marta. Eventuell kommen mehr hinzu. Da ist es klar, dass man auf Malin Diaz setzen muss, die zum einen weniger Konkurrenz haben wird und zum anderen bezahlbar ist. Aber ob es überhaupt ein Team geben wird, das die Saison zu Ende spielen kann, das steht derzeit in den Sternen und die meisten Beobachter gehen nicht davon aus.

 

 

Abgelehnt: Fabiana ohne Arbeitserlaubnis

Etwas mehr als zwei Monate befindet sich die Brasilianerin Fabiana bereits in Tyresö. Heute hat das Einwanderungsamt (‘Migrationsverket’) den Antrag auf eine Arbeitserlaubnis der 24-Jährigen abgelehnt.

Offenbar hatte die Nationalspielerin bei der Antragstellung nur einen vorläufigen brasilianischen Reisepass. Über die Gründe für die nun erfolgte Ablehnung kann dennoch nur spekuliert werden, möglicherweise erschien es den entscheidenden Beamten angesichts eines Arbeitgebers, der möglicherweise in sechs Wochen in Konkurs gehen könnte, als zu unsicher, der Brasilianerin das erwünschte Papier zu geben.

Wie auch immer ist es eine weitere negative Nachricht aus Tyresö. Nur noch eingefleischte Fans und unverbesserliche Optimisten scheinen zu glauben, dass die A-Mannschaft die am Sonntag beginnende Serie durchspielt. Caroline Seger und Marta, die der Verein gestern quasi nach Ablaufen ihres Vertrags oder schon einen Monat früher freistellt, weil er nach eigener Aussage die hohen Gehälter nicht mehr zahlen kann, wurden heute von der Zeitung Expressen mit dem aufstrebenden französischen Erstligisten Paris Saint-Germains in Verbindung gebracht. Ihr Agent Fabiano Farah ruft offenbar derzeit jeden europäischen Club an, von dem er meint, dass er die ca. 15.000 € oder mehr Monatsgehalt für die 28-Jährige Brasilianerin aufbringen könnte.

Rosengård haushoher Favorit

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fast 80% der Teilnehmer am traditionellen “Anstoß”-Treffen der Damallsvenskan, dem medialen Kick-Off, tippten am Dienstagvormittag den FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö, ehemals Malmö FF) als alten und neuen schwedischen Meister. Linköping wird Zweiter und Tresö Dritter, wenn man den Experten glauben schenken darf.

Der schwedische Fußballverband und der Elitföreningen Damfotboll (Interessenvereinigung der ersten und zweiten Liga) hatten zum dritten Mal nacheinander in die prächtigen Berns Salonger in Stockholm eingeladen. Am Vormittag parlierten eine Moderatorin von TV4 und die ehemalige Weltklassespielerin und jetzige Expertin Hanna Marklund mit Trainerpaaren und dann sechs Spielerinnen über die kommende Saison.

Ein Höhepunkt hätte die Begegnung zwischen Jitex’ ehemaligem Sportchef und neuen Trainer Anders Holmvén und Jitex’ ehemaligem Trainer und nun Göteborgs Trainer Stefan Rehn werden können. Rehn hatte den Lokalrivalen Jitex verlassen und darüber hinaus auch noch gleich eine Handvoll Spielerinnen mitgenommen. Aber die Beiden beließen es dabei, sich mehr oder weniger zu ignorieren.

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Als dann die ersten sechs Spielerinnen die Bühne betraten und befragt wurden, sah man auf einmal wie Rosengårds Therese Sjögran (die heute ihren 37. Geburtstag feierte) Piteås Stürmerin Hanna Pettersson von der Bühne führen wollte. Pettersson sackte dann schon fast zusammen, es ging ihr offenbar nicht gut, und begleitet von Sjögran und einem Funktionär wurde sie in den Nebenraum geführt. Nur zwei Minuten später war die 26-Jährige wieder da. Von der Moderatorin befragt, ob denn wirklich alles wieder in Ordnung sei, sagte Pettersson: “Ja, danke. Man tut halt alles, um Aufmerksamkeit zu erregen.”

Und das war auch schon der Witz des Tages. Als dann die zweite Liga ihren 20-minütigen Auftritt hatte, kam die 19-Jährige Torhüterin Fanny Edström mit Gitarre und Mikrofon auf die Bühne und wenn man sich in die Nationalmannschaft singen könnte, dann wäre Edström wohl im nächsten Aufgebot, denn die nicht gerade unmusikalische Pia Sundhage wiegte sich begeistert im Takt.

Wie immer gab es eine Menge interessanter und weniger interessanter Umfragen, die wir Anwesenden mit unseren Abstimmungsgeräten klären sollten. Und da ergaben sich nicht weniger als 79,5%, die auf Rosengård als Meister tippen. Stefan Edberg, nein, nicht der Tennisspieler, sondern sein Namensvetter von der staatlichen Lotteriegesellschaft Svenska Spel, die sich zum wichtigsten Sponsor entwickelt hat, gab die Langzeitquoten bekannt. Rosengård bringt lediglich 1,7 als Meister, man ist bei der Lotterie aber optimistisch, was Tyresö angeht, denn die sollen Zweiter werden. Glaubt man Edberg, dann wird Anja Mittag zum zweiten Mal nach 2012 Torschützenkönigin.

Und obwohl Tyresö am Vormittag nicht auf die Bühne musste, dominierte es doch an der Nachrichtenfront. Auf Facebook gab Präsident Hans Lindberg bekannt, dass man in der jetzigen Situation nicht imstande sei, die im Sommer auslaufenden Verträge von Marta und Caroline Seger zu verlängern. Man könne sich vorstellen, die Spielerinnen schon Ende Mai freizugeben, damit sie z.B. in die USA wechseln könnten.

Marta wird schon seit einigen Tagen in der norwegischen Presse mit Tyresö-Nachahmer Avaldsnes IL in Verbindung gebracht. Arne Utvik, der Löfgren aus Norwegen, bestätigte gegenüber dem norwegischen Fernsehen auch, dass er mal eine Anfrage von Martas Agent bekommen habe, aber es sei daraufhin nichts weiter geschehen. Viel Rauch um fast gar nichts in dieser Norwegen-Spur, scheint mir.

Caroline Seger wurde dann gleich mal vom schwedischen Fernsehen angerufen und zeigte sich gelinde gesagt, empört. Sie hatte um die Mittagszeit, vor oder nach der Facebooknachricht des Clubs, eine E-Mail bekommen, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie sich wohl einen neuen Verein suchen müsse. “Ich weiß nicht so recht, was passiert. Enttäuscht ist zu wenig gesagt. All das ist in sehr kurzer Zeit geschehen und mit dem Gedanken an die Champions League ist das sicher nicht optimal,” so Seger.

Sie wolle weg, sagte sie denn auch erstmals so deutlich wie nie zuvor. “Das einzige, was ich weiß, ist, dass mein nächster Verein nicht solche Probleme haben wird. Es wird ein professioneller Club sein und eine Organisation, die das erledigt, was erledigt werden muss, damit ich mich auf den Fußball konzentrieren kann. Das ist das einzige, was ich über meine Zukunft weiß.”

Auch Carola Söbergs Vertrag läuft aus und auch ihr legt man keine Steine in den Weg, um Gehaltskosten zu sparen.

Interessierte deutsche Vereine können sich also umgehend bei Caroline Seger oder Marta melden… Tyresö würde sie ab dem 31.05. freistellen, was mit dem Gedanken an die Saison in Deutschland oder Frankreich sicher nicht optimal ist.

Trainer Tony Gustavsson sprach dann später von der weißen Linie, innerhalb derer sich die Mannschaft bewege. Man sei noch enger zusammengewachsen und es klingt fast als sei das Team und die Trainer auf der einen Seite und die Welt auf der anderen. Freundschaftlich scheint da niemand mehr dem Vorstand mit Hans Lindberg verbunden zu sein. Lindberg saß denn auch alleine beim Mittagessen. Über das Afrika-Projekt, das den Verein angeblich in der ersten Liga halten kann, konnte er noch immer nichts bekanntgeben. Man arbeite daran.

Als die junge Malin Diaz auf der Bühne stand, Trainer Gustavsson hatte sie vorher noch als eine der besten Kunstrasenspielerinnen Schwedens bezeichnet, da sprachen die Blicke der Konkurrentinnen Bände, dabei kann die kleine, junge Malin natürlich nichts für die Misere, in die gierige und unkundige Funktionäre den Verein reingewirtschaftet haben.

Zuviel Tyresö.

Was gab es sonst noch? Interessant, dass sich Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir sehr selbstkritisch gab und vor allem für 2014 weniger “Mädchenprobleme” wünschte. Ein zarter Hinweis darauf, dass es in der Mannschaft 2013 betriebsklimatische Probleme gab, die zum schlechten Abschneiden beitrugen.

Man fragt sich ja immer, warum es in der ersten und zweiten Liga jeweils nur eine Trainerin unter lauter Männern gibt. Vielleicht haben Gunnarsdottir und die Zweitligatrainerin und Ex-Nationalspielerin Linda Fagerström (Trainerin bei Jennifer Meiers letztem Verein Bollstanäs SK) darauf eine Antwort gegeben, denn auch Fagerström sagte, dass es “verdammt schwer” sei, “eine Truppe Mädels zu bändigen”.

Über das Publikumsproblem wurde diskutiert und Victoria Sandell Svensson meinte, darüber würdn wir jedes Jahr reden und dabei sei es einfach so, dass viele Schweden im Sommer zu ihren Hütten fahren und den Fußball sein ließen. Ihr Ex-Clubchef und jetzige Präsident des EFD Per Darnell sagte, man habe eigentlich schon alles probiert und wisse auch nicht so genau, woran es liegt, man habe tolle Stadien… Hallo?

Ich habe keine Probleme mit den Sportplätzen und Stadien, aber vom Wohlfühlfaktor der bei der EM letztes Jahr benutzen Männerstadien sind die Frauenarenen doch noch weit entfernt. Aber vielleicht ist es Murphy’s Gesetz. Da sagte einer, er ginge nicht hin, weil da so wenig Zuschauer seien und auf die Frage, ob er denn selber hingehe, sagte er nein.

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage hatte einen Auftritt und beschrieb den Weg der Nationalelf nach Kanada. Sie wolle enger mit den Vereinen zusammenarbeiten und will alle Clubs besuchen und auch das Training anschauen. Eigentlich wünscht sie sich, dass Blöcke der Nationalelf in schwedischen Vereinen spielen, aber sie ahnt wohl, dass das nicht mehr geht.

Und so endete der Tag dann mit der Gelegenheit, Interviews zu machen und die streue ich in den nächsten Tagen hier ein.

Am Sonntag spielt dann Meister Rosengård in Solna bei Aufsteiger AIK und die Liga startet in die neue Saison.

Kein Geld für Marta und Caroline Seger

Tyresös Präsident Hans Lindberg teilte vor wenigen Minuten mit, dass der Verein im Rahmen seiner Rekonstruktiion konstatieren muss, dass man bei den gegenwärtigen Gehältern keine Möglichkeit hat, Marta und Caroline Seger nach dem Auslaufen der Verträge Ende Juni zu behalten.

Beide Spielerinnen würde man deshalb erlauben, bereits Ende Mai den Verein zu verlassen, um eventuell in die USA zu wechseln.

Gestern Abend wurde bekannt, dass Vero Boquete zu Portland Thorns in die NWSL wechselt, wo sie ab 01.07. unter Vertrag ist.

Vero Boquete verlässt Tyresö

Wenn der Staat einem das Gehalt zahlt, weil der eigene Verein es nicht mehr kann, dann sollte man sich allmählich einen neuen Club suchen.

Vero Boquete hat dies getan und kehrt nach zwei Jahren in Tyresö zurück zu ihrem früheren Trainer Paul Riley, den es von Philadelphia nach Portland verschlagen hat. Nadine Angerer, Christine Sinclair, Alex Morgan und Tobin Heath werden die Mannschaftskameradinnen der übermorgen 27-Jährigen Spanierin sein.

Auch Caroline Seger und Marta sitzen auf auslaufenden Verträgen in Tyresö, das wohl kaum in der Lage sein dürfte die Beiden über das ganze Jahr mit den ursprünglich vereinbarten Gehältern zu bezahlen.

Morgen findet hier in Stockholm das jährliche Presseauftakttreffen der Damallsvenskan statt. Ich werde dabei sein und bin schon jetzt sicher, dass Tyresö wieder einmal in aller Munde sein wird.

Afrikanisches Rätsel

Auch elf Tage nach dem zunächst drei Monate verlängerten Fortbestehen der Firma Tyresö Fotboll AB, die die A-Mannschaft von Tyresö FF betreibt, bleibt allen Beobachtern weiterhin ein Rätsel, welches afrikanische Land mit welchem Projekt den Schwedinnen vier Millionen Kronen netto noch in diesem Jahr bringen soll.

War am Ende alles ein Bluff des Vorsitzenden Hans Lindberg und seiner Gefolgschaft, um das Team ins Champions-League-Finale am 22.05. in Lissabon zu retten? In den im April anstehenden Halbfinals gegen den überraschend weitergekommenen vermeintlich schwächeren englischen Verein Birmingham City jedenfalls muss die derzeit aus Steuergeldern finanzierte Supertruppe als haushoher Favorit gelten. Kaum zu glauben, dass es den Engländerinnen gelingen könnte, der “gedopten gelben Lokomotive” (Simon Bank, Aftonbladet) ernsthaft Widerstand zu leisten.

Fotbollskanalen, der dem TV4-Imperium angehörende Kanal hat sich noch einmal mit dem Steuerbeamten Göran Källqvist unterhalten, dessen Nachgeben am 20.03. erst das Halbfinale möglich machte.

“Wenn die nicht mit mehr Informationen kommen, wird es schwer fallen zu glauben, dass sie ihre Schulden bezahlen können,” so Källqvist nun, nachdem sich der 71-Jährige Vereinspräsident Lindberg statthaft weigert, Details der angeblich millionenschweren Zusammenarbeit bekannt zu geben.

“Im Augenblick kann ich nichts sagen,” so seine Standardantwort. Und auf die Zusatzfrage, ob denn alles feststehen werde, wenn man sich am 5. Juni wieder vor Gericht treffen werde, antwortet er fast schon dreist: “Jetzt stellen Sie wieder eine Teilfrage. Ich beantworte keine Teilfragen.”

Die Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Staat, den man noch nicht nennen könne (Expressen vermutete die Diktatur Äquatorial-Guinea), habe plangemäß nach dem CL-Viertelfinale begonnen, so Lindberg.

Ich vermute: Man will sich zum Sieg in der Champions-League durchkämpfen und hofft dann auf das Wunder, das man (UEFA, schwedischer Fußballverband, Sponsoren…) eine Mannschaft, die gerade Europas wchtigsten Titel gewonnen hat, retten will. Irgendwie. Vielleicht. Ja sicher.

Sabrina Viguier wechselt nach Göteborg

Stina Segerström bekommt ein Baby und setzt diese Saison aus, da brauchte Kopparberg/Göteborgs FC einen guten Ersatz in der zentralen Abwehr. Nun wechselt die 33-Jährige französische Nationalspielerin Sabrina Viguier zu dem schwedischen Club, wie Olympique Lyon gestern Abend mitteilte.

Allenthalben ist zu lesen und zu hören, dass Lyon in finanzellen Schwierigkeiten steckt, vor allem wegen der defizitären Männermannschaft. Auch das Frauenteam, so kann man mutmaßen, wird sich den hohen Standard nicht ewig erhalten können, wenn es nicht Sparmaßnahmen gibt.

Vermutlich hat Lotta Schelin mitgeholfen, dass ihre gute Freundin Viguier nach Schweden wechselt. Schon wird spekuliert, ob die 30-Jährige Starstürmerin ihren erst im Herbst unterzeichneten Zweijahresvertrag wirklich bis zum Ende erfüllen wird. Auf jeden Fall hat sie mehrfach gesagt, dass sie ihre Karriere dereinst in Göteborg beenden möchte.