Stefanie Sanders im Gespräch


Stefanie Sanders als UCF Knight in Florida (Foto: UCF Knights)

Eigentlich sollte am Freitag die erste rauschende Podcastfolge von Halbfinale entstehen, in der ich nicht Monologe halte, sondern euch die erste Spielerin im Gespräch vorstelle.
Aber leider hatten wir technische Probleme und statt auf Zoom auszuweichen, was immerhin dann sogar Bild und Ton geliefert hätte, schlug ich vor, dass wir telefonieren. Was am Ende immer wesentlich arbeitsaufwändiger ist und wohl auch weniger zeitgemäss.
Anyway. Es war dennoch ein interessantes und nettes Gespräch mit einer Spielerin, die ich dann im letzten Drittel unserer Unterhaltung „die Alessia Russo“ des FC Rosengård nannte, was ihr sicherlich irgendwo gefällt, wo sie aber (genau wie Russo) gerne rausmöchte.
Stefanie Sanders wurde am 12. Juni 1998 geboren, ist also heute 24 Jahre alt und lebt seit 18 Monaten in Schweden. Damit ist sie sicher von vielen Radargeräten in Deutschland verschwunden, aber es hat sie schon immer in die Ferne gezogen.


Aber erst einmal wuchs sie in der Nähe von Soltau in der Lüneburger Heide auf, in einer Familie mit drei Kindern. Vater und Bruder spielten ebenfalls Fussball, Mutter und Schwester schauen eher zu, wenn der Rest der Familie auf dem Fussballfeld aktiv ist.


Stefanie muss das schon von Beginn an richtig gut gemacht haben, denn sie spielte sich durch Kreis-, Regional- Landesauswahlen immer weiter nach oben und wurde schon als junger Teenager in die Niedersachsenauswahl berufen, spielte dann in der deutschen U15, der U17, der U19 und der U20 Nationalmannschaft für Deutschland.


Von ihrem ersten Verein, dem TSV Neuenkirchen wechselte sie zum SV Werder Bremen in die Großstadt, die sie aber weiterhin bequem in einer Stunde Fahrt von zu Hause erreichen konnte.


War sie denn schon imme Stürmerin? „Nein, ich habe sowohl Außenverteidigerin, Mittelfeld wie auch Sturm gespielt,“ erinnert sich Stefanie Sanders. Aber am Ende wurde es doch das Spiel im gegnerischen Drittel, das ihr am meisten zusagte.


In der B-Juniorinnenbundesliga schoss Sanders 54 Tore für den SV Werder und ist damit vermutlich bis heute Rekordhalterin. Ihre Quote fällt bei fast allen Mannschaften als besonders positiv auf.


Da sie sich schon früh für die USA, auch für amerikanische Popkultur interessierte, wie so viele Menschen in Europa, war der Schritt über den großen Teich nach Amerika nicht besonders überraschend.


Nachdem sie für Werder Bremen in 35 Spielen in der ersten und zweiten Bundesliga 18 Tore geschossen hatte, wechselte Stefanie Sanders in die USA zu Studium und Fußball an die University of Central Florida in der Millionenstadt Orlando.


Hier ist bis heute Michelle Akers die wohl größte Spielerin, die bislang das Trikot der UCF Knights getragen hat. Akers war Weltmeisterin 1999 und, wie Sanders, spielte auch sie in der Damallsvenskan, allerdings für den Stockholmer Vorortclub Tyresö FF.


In der „Klasse von 2017“, in der Sanders für die Knights spielte, entdecke ich auch die Schwedin Saga Fredriksson, die von 2014-2017 in den USA spielte und heute als Expertin für das schwedische Fernsehen arbeitet.


Spielt man da hauptsächlich Fussball, ist das Verhältnis Studium/Sport 50:50?
„Es wird da schon sehr viel Wert darauf gelegt, dass man sein Studium und seine Kurse ordentlich absolviert. Ich habe verschiedene Kurse belegt, hatte aber nicht geplant, meinen Abschluss in Amerika zu machen.“


Die Ausstattung der Sporteinrichtungen Stefanie Sanders wie alle diejenigen, mit denen ich bislang über College-Fussball gesprochen habe: „Das ist schon toll, da. Du hast dieselben Einrichtungen zur Verfügung, die auch die anderen Sportler und Sportlerinnen benutzen, z.B. die American Football Mannschaften.“


Eine andere frühere Mannschaftskameradin von Stefanie, die Kanadierin Kayla Adamek spielt für Vittsjö GIK in der Damallsvenskan. Die Jamaikanerin Konya Plummer spielte vergangenes Jahr für AIK in Solna. Die Knights haben also den Weg nach Schweden gefunden.


Das Spielen in den Jugendauswahlen für Deutschland bringt eine dann für gewöhnlich etwas um die Welt. So hat Stefanie bereits 2014 Costa Rica besuchen können, wo in diesen Tagen die U20-Weltmeisterschaft stattfindet. Sanders war bei der U17-WM dabei, als eine der jüngsten Spielerinnen bekam sie aber nicht viele Minuten und das Team aus Deutschland musste auch bereits nach der Vorrunde abreisen.


Ihre schönste Erinnerung aber hat sie an die U20-WM in Papua Neu Guinea. Immerhin ist diese WM auch mit drei Sanders-Toren verknüpft, auch wenn Deutschland am Ende ausscheidet und Nordkorea den Titel holt.


Zurück in Deutschland wechselt Stefanie zum SC Freiburg, kurz nachdem dessen Trainer Jens Scheuer sich auf den Weg nach München davon gemacht hat. Sanders erleidet einen Bänderriss, ist mal drin im Team und mal draussen.


„In Freiburg habe ich mit Giulia Gwinn, Klara Bühl und Laura Freigang gespielt,“ erinnert sie sich, als ich nach eventuellen Bekanntschaften in der Nationalmannschaft frage, die EM-Silber in England gewonnen hat.


Nachdem es in Freiburg nicht so richtig wie gewünscht läuft, denkt Stefanie Sanders darüber nach, noch einmal ins Ausland zu gehen. Nicht so weit wie in die USA, ihr Agent lebt in Schweden und hat gute Kontakte zu den Vereinen der Damallsvenskan.


Es wird der FC Rosengård. Im April 2021 wechselt sie nach Malmö. Der Club will endlich wieder die schwedische Meisterschaft gewinnen. Um einen Stammplatz muss sie hier konkurrieren, sie startet manchmal, aber meistens wird Stefanie Sanders eingewechselt.
Am 17. Oktober 2021 kann Rosengård mit einem Sieg in Piteå vorzeitig die Meisterschaft gewinnen. Den entscheidenden Treffer zum 3:2 erzielt – Stefanie Sanders. Auch im Pokalfinale gegen BK Häcken am 26.05.2022 erzielt Stefanie das entscheidende Tor zum 2:1 Sieg in der 109. Spielminute.


Bis nach der EM-Pause kommt die Soltauerin auf 14 Einsätze in 15 Spielen der Damallsvenskan. Dreimal durfte sie von Beginn an spielen, elf Mal wurde sie eingewechselt und schoss dabei fünf Tore. Mehr als jede Einwechselspielerin. Das macht sie zum Supersub. Die eine wichtige Rolle hat in dem, was der schwedische Nationaltrainer Peter Gerhardsson Schlusself nennt.


Aber zufrieden ist sie damit natürlich nicht.


„Man muss das natürlich akzeptieren, wenn man auf der Bank sitzt und von da reinkommt. Aber klar, ich will mehr spielen. Ich will, dass wir unseren Meistertitel verteidigen und die Gruppenphase der Champions League erreichen,“ sagt die 24-Jährige.


In Malmö spricht sie vor allem Englisch im Team und in der Freizeit. „In Amerika musstest du Englisch lernen, um durchzukommen. In Schweden funktioniert es sehr gut mit Englisch. Aber ich besuche auch Schwedischkurse und werde langsam besser,“ erzählt sie.
Das erste Spiel nach der EM-Pause für sie findet am kommenden Freitag in Piteå statt.

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