Unentschieden in Sheffield


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Das Spiel Niederlande – Schweden sollte der erste große Höhepunkt der EM werden, immerhin traf die Nummer 4 der Welt, der amtierende Europameister und Vizeweltmeister, auf die Nummer 2 der Welt (1 in Europa), den Vize-Olympiasieger und WM-Bronzemedaillengewinner.

Das 1:1 ist ein gerechtes Resultat, auch wenn die schwedische Öffentlichkeit in den sozialen Medien und den etablierten Mainstreammedien überwiegend der Auffassung ist, dass Schweden deutlich besser war.

Für die erste Halbzeit würde ich da zustimmen. Da war Holland in seinen leuchtenden orangefarbenen Outfits erstaunlich blass. Und das keinesfalls wegen der unglücklichen Verletzungen von Sari van Veenendal und Anouk Nouwen die beide schon in der ersten Halbzeit rausmussten.

Schweden spielte ein überraschendes 3-4-3, da setzte Peter Gerhardsson auf Überraschung weil er glaubte, dass das im Vorwärtsspiel gegen zwei niederländische Spitzen Vorteile geben könnte. Die in letzter Zeit in der Nationalmannschaft unglücklich agierende Sofia Jakobsson musste auf die Bank, wo sie die gesamten 102 Minuten (Sieben Minuten Nachspielzeit in der ersten, fünf in der zweiten HZ) verbrachte.

Stattdessen also die Dreierkette, die man seit dem letzten Jahr nicht mehr öffentlich vorgeführt hatte: Nathaliue Björn, Amanda Ilestedt und Magdalena Eriksson. Eriksson deutlich entschlossener und sicherer als zuletzt, ihr aggressives, erfolgreiches Tackling gegen Jill Roord verhinderte wohl ein zweites holländisches Tor. Dafür wackelte Ilestedt etwas, besonders beim Ausgleich von Roord.

Aber zurück zur Ortseit 20.00 – 20.52 am 09.07. an der Bramall Lane in Sheffield. Schweden spielte sowohl offensiv ausgerichtet, wie defensiv eingeigelt sobald die Niederländerinnen versuchten sich in der Hälfte der ganz in Dunkelblau spielenden Schwedinnen. Da wurden die Räume zugemacht und da es zahlreiche ungenaue Pässe gab und Holland wie ein Nahverkehrszug von Breda nach Venlo agierte und nicht wie der CGV von Amsterdam nach Paris, hatte Hedvig Lindahl eine gemütliche erste Halbzeit und hätte sich mal besser etwas zu lesen mitgebracht.

Vorne wirbelte Kosovare Asllani, gestern mal als eine von drei Spitzen. Ihre Kreativität, Bissigkeit und individuella Klasse bereitet dann auch das 1:0 vor, sie setzte sich rechts energisch durch und ihre Flanke segelte zunächst über Freund wie Feind im Torraum, landete aber vor den Füßen von Abwehrspielerin Jonna Andersson. Der Neuzugang von Hammarby IF wirkte verdutzt, überrascht, aber nur wenige Hunderstelsekunden.

Dann drückte sie den Ball über die Linie zu ihrem dritten Länderspieltor. Und so ging es in die Halbzeit. Ich war überzeugt, dass das Ding gelaufen sei. Holland wirkte wie ein weichgekochter Spargel, kraftlos und auch mutlos und ich wusste, dass Gerhardsson mit dem Trio Stina Blackstenius Johanna Rytting Kaneryd und Hanna Bennison noch einmal eine gefährliche Injektion bringen würde, die das Spiel noch mehr zugunsten Schwedens kippen würde, zumal Mark Parsons nur noch eine Gelegenheit zum Wechseln haben würde und die niederländische Bank zumindest auf dem Papier schwächer aussieht als die schwedische.

Aber Parsons hielt wohl eine funktionierende Ansprache, denn die Niederländerinnen hatten auf einmal Mut, liefen wesentlich aufrechter und selbstbewusster. Vielleicht nahmen sie sich alle ein Beispiel an Ersatztorhüterin Daphne van Domselaar. Die 22-Jährige mit nur einem Länderspiel im Gepäck war in diesem großen Match auf einmal zwischen den Pfosten und agierte kouragiert und souverän bis zum Schluss. Für mich deshalb die Spielerin des Spiels.

Man merkte es den Niederlanden sofort an, dass da auf einmal der Glanz der Trikots mit der Attitüde übereinstimmte. Vivianne Miedema setzte sich auf der linken Seite durch, düpierte Ilestedt und Jill Roord bekam eine maßgerechte Hereingabe und schoss den Ball Nathalie Björn durch die Beine an Lindahl vorbei – 1:1.

Niemand kann ganz zufrieden sein, niemand muss enttäuscht sein. Mit Beiden ist im weiteren Verlauf des Turniers zu rechnen.

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