Eskilstuna das neue Tyresö?

Der schwedische Frauenfußball hat einen neuen Aufsteiger. Vergangenes Jahr war Eskilstuna United in die Damallsvenskan aufgestiegen und sorgte bereits im ersten Jahr für eine ordentliche Leistung, die mit einem am Ende guten siebten Platz belohnt wurde.Man war nicht unbedingt geplant aufgestiegen, hatte dann aber zielstrebig gute Verstärkungen geholt. Sara Thunebro und Annica Svensson wurden schon als Tyresö noch als Spitzenclub existierte dort nicht mehr gebraucht, als man die zukünftigen Weltmeisterinnen Meghan Klingenberg und Ali Krieger geholt hatte. Svensson landete mit einem Exkurs nach Vittsjö in Eskilstuna. Thunebro zog dorthin, weil sie ihren Eltern und ihrer Zwillingsschwester näher sein wollte. Malin Diaz kam ebenfalls aus der Konkursmasse des gescheiterten Stockholmer Vorortclubs und in der Kamerunerin Gaelle Engamanouit landete man einen Glücksgriff. Spätestens seit ihrem Hattrick gegen ein dennoch desolat schwaches Equador bei der WM ist die athletische Stürmerin aus Kamerun auch international ein Begriff. Mit Vaila Barsley und Louise Quinn hatte man bereits in der zweiten Liga ein äußerst kopfballstarkes Innenverteidigerpaar. Zur neuen Saison holte man das ewige Talent Olivia Schough, auch diese Verpflichtung entgegen allen Unkenrufen bislang ein Erfolg. Schough erzielte gestern ein äußerst wichtiges Tor gegen ihren ehemaligen Club Kopparberg/Göteborgs FC.

Ach ja, Eskilstuna gewann 3:1 in Göteborg und steht damit neben Linköping wohl als ernstzunehmender Konkurrent um den Champions-League-Platz für 2016/17 da. Mit 4-2-3 hat sich Göteborg, das wieder einmal ums Gold mitspielen wollte, wohl auch von Rang 2 verabschiedet. Drei Niederlagen und zwei Unentschieden sind eben 13 nicht eingefahrene Punkte, zu viel in einer so kurzen Saison.

KIF Örebro ist trotz des gestrigen Sieges die Enttäuschung der Saison. Der zweite schwedische Champions-League-Teilnehmer der kommenden Saison hatte fast eine komplette Mannschaft abgegeben und viele neue Spielerinnen geholt. Mit Hanna Folkessons Kreuzbandriss verschwand noch vor dem ersten Spiel der wichtigste Neuzugang und auch eine von Pia Sundhages Schlüsselspielerinnen, aber das alleine darf nicht der Grund sein, dass Örebro nun gerade mal zehn Pünktchen aus neun Spielen aufweist. In Umeå, das nach einem kurzzeitigen spielerischen Hoch wieder mal einen neuen Tiefpunkt lieferte, gewann Örebro dank zweier einfacher Torwartfehler von Malin Reuterwall.

Umeå IK – KIF Örebro (0:0) 0:2
Tore: 0:1 Sarah Michael (55.), 0:2 Lisa Dahlkvist (71.)
Zuschauer: 612

Kopparberg/Göteborgs FC – Eskilstuna United (1:3) 1:3
Tore: 1:0 Lieke Martens (10.), 1:1 Olivia Schough (12.), 1:2 Louise Quinn (30.), 1:3 Vaila Barsley (44.)

Und da waren’s plötzlich vier

Lange Jahre war Elisabet Gunnarsdottir (Kristianstads DFF) die einzige Frau unter elf Männern als Trainerin in der Damallsvenskan. Mit dem heutigen Tag haben wir nun schon vier Cheftrainerinnen.

Nazanin Vaseghpanah übernahm vom glücklosen Mattias Eriksson und ist selber erst mal glücklos und von Beginn an sitzt bei Umeå IK Maria Bergkvist auf der Bank.

Im Topspiel am Mittwoch in Linköping wird nun bei Meister FC Rosengård die gerade erst zurückgetretene Spielerin Therese Sjögran auf der Bank Platz nehmen. Ab heute ist nämlich Markus Tilly krank geschrieben und Sjögran wird ihn vertreten, teilte der Verein in einer Pressemitteilung mit. Tilly selber schrieb an die Medien, dass er u.a. einen Krankheitsfall in der Familie habe, der ihn daran hindere, sich voll auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Das klingt ein bisschen so, als ob es länger dauern könnte.

Erster Punktverlust ohne Mittag und Sjögran

Der FC Rosengård hat am Mittwoch seinen ersten Punkt in dieser Saison abgegeben. Im achten Spiel gab es lediglich ein 1:1 beim Tabellenvorletzten Mallbackens IF Sunne. Signifikant, dass es das erste Spiel ohne die zusammen mehr als 300-fachen Nationalspielerinnen Anja Mittag und Therese Sjögran war. Die eine ist bekanntlich in Diensten von Paris Saint-Germain, die andere wird den Posten der Sportchefin von Erling Nilsson übernehmen. Am kommenden Mittwoch muss Rosengård zu Linköpings FC, dass dann mit einem Sieg Punktegleichstand herstellen könnte.

Mallbackens IF Sunne – FC Rosengård (1:0) 1:1
Tore: 1:0 Zoe Ness (9.), 1:1 Sara Björk Gunnarsdottir (62.)
Zuschauer: 2.270

Umeå IK – Linköpings FC (0:1) 1:2
Tore: 0:1 Maja Krantz (16.), 1:1 Eigentor (60.), 1:2 Fridolina Rolfö (65.)
Zuschauer: 525

Kristianstads DFF – Piteå IF (1:0) 2:3
Tore: 1:0 Johanna Rasmussen (24.), 1:1 Hanna Pettersson (49.), 1:2 Nina Jakobsson (73.), 1:3 June Pedersen (80.), 2:3 Johanna Rasmussen (90.)
Zuschauer: 362

Vittsjö GIK – Mallbackens IF Sunne (0:0) 2:1
Tore: 1:0 Jane Ross (52.), 1:1 Madelen Janogy  (65.), 2:1 Jane Ross (67.)
Zuschauer: 489

Dänin zu Rosengård

Sie ist nicht die Spielerin, die Anja Mittag ersetzen soll. Diese Position beim schwedischen Meister FC Rosengård scheint vakant zu bleiben. In der Offensive verfügt man mit Marta und Ramona Bachmann bereits über zwei der besten Spielerinnen der Welt, die Niederländerin Kirsten van de Ven hat sich zudem immer besser ins Team integriert.

Mit der 23-Jährigen dänischen Nationalspielerin Sofie Junge Pedersen hat man eine defensive Mittelfeldspielerin verpflichtet. Da spricht einiges dafür, dass die Engländerin Anita Asante, die bei der WM bekanntlich nicht von Mark Sampson berücksichtigt wurde, perspektivisch nicht mehr lange in Malmö bleiben dürfte, denn auch in der zentralen Abwehr ist nur bei Verletzungen anderer Platz für die 30-Jährige.gewesen, die dann mal außen, mal innen spielen musste.

Heute Abend startet Rosengård bei Aufsteiger Mallbacken in die “Herbstsaison” und wird darum bemüht sein, seine weiße Weste (Sieben Spiele, 21 Punkte) zu behalten.

Rosengård und Linköping im Finale

Am 8. August bestreiten der FC Rosengård und Linköpings FC das Finale um den schwedischen Pokal. Beide Teams gewannen am Sonntag souverän ihre Heimspiele.

Rosengård schlug Umeå IK mit 4:1. Dabei stand der Abschied von Therese Sjögran im Mittelpunkt. Die 38-Jährige hängt nach 429 Spielen für Malmö/Rosengård und 213 Länderspielen ihre Fußballschuhe an den Nagel. Ihr gelang nach der Führung für Umeå mit einem verwandelten Elfer der Ausgleich, bevor Marta den schwedischen Meister gegen ihren alten Club auf die Siegesstraße brachte.

Wenig Mühe hatte Linköping mit dem kommenden Champions-League-Teilnehmer KIF Örebro. Zwei Tore der Dänin Pernille Harder und ein Tor der Norwegerin Kristine Minde brachten den Pokalsieger von 2014 wieder ins Endspiel, in dem er aber im Gegensatz zum Vorjahr ein Auswärtsspiel haben wird. Das Finale findet auf dem Malmö IP statt, dann aber ohne Anja Mittag, für die man bislang keinen Ersatz eingekauft hat. Therese Sjögrans Nachfolgerin soll die mazedonische Nationalspielerin Natasa Andonova werden, die von Turbine Potsdam gekommen ist.

Der Ball rollt wieder

Nach einer Woche Arbeit in München bin ich wieder zurück in Schweden. Die Liga hat hier bereits drei Tage nach dem WM-Finale wieder begonnen. Überraschungen blieben aus und zwei Topteams bestreiten das Pokalendspiel.

AIK – Piteå IF (0:1) 0:2
Tore: 0:1 Pauline Hammarlund (15.), 0:2 Pauline Hammarlund (69.)

KIF Örebro – Kopparberg/Göteborgs FC (0:1) 1:1
Tore: 0:1 Elin Rubensson (7.), 1:1 Sanna Talonen (63.)

Hammarby DFF – Vittsjö GIK (0:2) 2:2
Tore: 0:1 Linda Sällström (15.), 0:2 Linda Sällström (40.), 1:2 Emma Jansson (50.), 2:2 Clara Markstedt (83.)

Eskilstuna United – AIK (4:1), 5:1
Tore: 1:0 Elena Sadiku (9.), 2:0 Elena Sadiku (28.), 3:0 Petra Larsson (33.), 3:1 Julia Zigotti Olme (35.), 4:1 Elena Sadiku (40.), 5:1 Felicia Karlsson (86.)

Überrollt

Ich habe nur die erste Halbzeit des Finals USA – Japan gesehen, weil ich heute im Büro sitzen muss. Aber das wars ja dann auch. Man hätte nach 16 Minuten abschalten können. Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe.

Man ist versucht, kriegerische Metaphern zu strapazieren, um die Anfangsphase dieses WM-Endspiels zu beschreiben. Oder Gladiatorensprache aus dem alten Rom. Man könnte von wilden und hungrigen Löwinnen sprechen, die um 16.00 Uhr Vancouver-Ortszeit aus den Käfigen gelassen wurden und sich auf die Japanerinnen stürzten. Das Ganze vor einem nahezu ausschließlich aus US-Amerikanern bestehenden Publikum.

Keine Frage: Jill Ellis und Tony Gustavsson hatten das so geplant. Man wollte Japan überrollen und möglichst ein schnelles Tor machen. Dass es gleich vier wurden, das hat man der konsternierten japanischen Abwehr zu verdanken, dem Momentum des superschnellen 1:0 nach Megan Rapinoes Ecke, als sie den Ball flach beinahe auf den Elfmeterpunkt hereingab, wo Carli Lloyd ihn mit voller Wucht annahm.

Weltfußballerin des Jahres 2015. Carli Lloyd. Das können wir schon mal notieren.

Obwohl die Amerikanerinnen einen gerne mit ihren herrlichen “I love my team” und “I do everything for my team”-Sätzen bei Interviews zudecken, die bald 33-Jährige Lloyd, die ihrem Verlobten Brian verboten hat, nach Vancouver zu kommen, weil sie befürchtete, auch nur ein paar Prozent Fokus verlieren zu können, diese Carli Lloyd eben hat die USA mehr oder minder im Alleingang ins Finale und zum Titel geschossen. Ein Tor beim 1:0-Sieg gegen China, ein Tor und ein Assist beim 2:0 gegen Deutschland und nun drei Tore beim 5:2 gegen Japan.

Keine Frage, dass die USA den Weltmeistertitel verdient haben. Auch wenn sie sich fußballerisch wenig entwickelt haben seit 1999. Ein wenig, aber nicht viel. Niemand kann so schnell und ausdauernd rennen, so ungestüm aggressiv pressen und dem Ball hinterherjagen, als ginge es darum, die Nation zu retten. Man hat die Japanerinnen mit den alten amerikanischen Tugenden weggehauen. Kick, rush, run, shoot. Opfere dich für das Team und die Nation auf.

Ich freue mich für Meghan Klingenberg, Ali Krieger und Christen Press und für Tony Gustavsson, die ich alle in Tyresö persönlich kennen lernen durfte. Aber ich bin nicht sonderlich ‘excited’. Respekt, kein Enthusiasmus. Dass die amerikanische Liga NWSL von dem Gewinn profitieren dürfte, ist schön für den Frauenfußball in Nordamerika, die Zuschauerzahlen auch außerhalb von Portland dürften steigen. Nadine Angerer kann somit hoffen, ihre Karriere vor vollen Häusern ausklingen zu lassen.

Japan hat mich ungemein beeindruckt in diesem Finale. Nach sechzehn Minuten im wichtigsten Spiel der letzten und kommenden vier Jahre 0:4 zurückzuliegen und dann die restlichen 74 Minuten mit Anstand und respektabel beenden, das hätten nicht viele andere Mannschaften geschafft. Trainer Norio Sasaki sagte, es habe irgendetwas gefehlt. Schön und sportlich, dass er nicht einfach der japanischen Liga die Schuld an der Niederlage gegeben hat.

Bronze verloren

Der vierte Platz bei der WM in Kanada könnte ein Erfolg für die meisten Teams der Welt sein. Für die (Noch)Nummer 1 der Weltrangliste sollte das zu wenig sein. Das Spiel gegen England gestern Abend wurde verdient verloren, auch wenn der Foulelfmeter, den sogar Silvia Neid als berechtigt ansah, ein grotesker Witz in der Fortsetzungsreihe “Die schlechtesten Schiedsrichterinnen der Welt treffen sich Kanada” war. Sorry für die Polemik. Denn Tabea Kemme hat Lianne Sanderson nicht umgerissen. Aber das ist eigentlich auch wurscht, denn wenn m,an in 120 Minuten gegen spielerisch eher begrenzte Engländerinnen kein Tor machen kann,. dann hat man nun mal keine Bronzemedaille verdient.

Vom Einsatz und Willen her waren die Inselbewohnerinnen den deutschen Spielerinnen ohnehin deutlich überlegen. In der ersten Halbzeit war Deutschland noch klar spielbestimmend, aber man setzt solche Überlegenheiten halt nicht mehr um. Als dann Eniola Aluko reinkam, brachte sie mit ihrer Geschwindigkeit ein ums andere Mal die deutsche Abwehr ins Schleudern und das Spiel wurde ebenbürtig. Auch die Einwechslung von Sanderson trug dazu bei.

Aber es gab einige Lichtblicke. Neid ließ einige der Jungen ran. Auch wenn Lena Petermanns Pulver schnell verschossen war, so war Sara Däbritz für mich die beste DFB-Spielerin auf dem Platz. Auch Tabea Kemme überzeugte und das sind positive Signale für die Zukunft.

Nadine Angerer trat mit zwei Niederlagen in Folge ab, aber sie wird das sicher schnell abschütteln. Die Frage jedoch ist, ob Almuth Schult ihre Fußstapfen wird ausfüllen können. In der Abwehr sollte sich Neid allmählich von Annike Krahn und Saskia Bartusiak verabschieden, so schwer ihr das menschlich auch fallen dürfte. Deutschland braucht eine schnelle und spielerisch starke Innenverteidigung. Vielleicht sollte eine der beiden Positionen durch Lena Goessling besetzt werden, die im Übrigen eine erschreckend schwache Vorstellung in den letzten Spielen bot. Melanie Leupolz konnte auf dem höchsten Niveau die ihr zugedachte Rolle noch nicht schultern, aber sie braucht noch ein wenig Zeit und wir können hoffen.

Insgesamt schien mir die deutsche Mannschaft nach dem Schlusspfiff auch keine Einheit zu sein. Da saßen fast alle Spielerinnen alleine auf dem Rasen oder der Bank und gaben sich ihren Gedanken hin. Die Trainerin war auf den Fernsehbildern nur wenig zu sehen. Da erinnere ich mich an die Bilder der Engländerinnen nach dem verlorenen Halbfinale gegen Japan, wo alle sich gegenseitig und alle zusammen Laura Bassett trösteten. Das mag ein Kulturunterschied sein, der mir entgangen ist, aber England war zumindest in diesem Fernsehbildern aus Nordamerika viel mehr eine EInheit als das deutsche Team. Doris Fitschen lief umher und verteilte schnelle, oberflächliche Deep-Fives, aber herzliche, tröstende Umarmungen hat man da nicht gesehen.

Vor den Finals 2

Spielerisch gesehen war die WM 2015 in Kanada eine Enttäuschung. Wenn die USA nun am Sonntag aller Voraussicht nach zum dritten Mal Weltmeister werden und damit auch Rekordweltmeister tun sie das nach einem Turnier, in dem der richtige Funken nie übergesprungen ist.

Was gab es an herausragenden Partien?

Trotz vieler Fehler auf beiden Seiten erinnere ich mich gerne an das spektakuläre 3:3 zwischen Schweden und Nigeria, in dem es zwar wenig fussballerische Klasse gab, aber in der nigerianischen Aufholjagd mit dem rohen, noch ungeschliffenen Talent afrikanischer Offensivkraft immerhin eine mitreissende Dramaturgie.

Deutschland gegen Frankreich war eine Klassepartie vor allem, weil Frankreich nach wackligem Start ins Turnier aufgewacht war und wohl das Beste zeigte, was der Frauenfussball derzeit optisch zu bieten hat. Grosse Technik und atemberaubende Geschwindigkeit. Zum Erfolg reichte es wieder nicht, weil man im entscheidenden Moment eben am Tor vorbeischoss. Bei der WM im Heimatland 2019 wird nun eine Weltklassespielerin wie Louisa Necib auch schon 32 Jahre alt sein, Camille Abily ist dann 34 und die unglaublich schnelle Elodie Thomis 32. Möglicherweise hat diese goldene französische Generation die letzte Chance zum Gold verpasst. Aber es gibt ja noch Olympia 2016 und die EM 2017 in den Niederlanden…

Schweden hat auf ganzer Linie enttäuscht, aber da man immer das Positive in meiner Wahlheimat mitnimmt, ist man nun mit dem Erreichen der Olympia-Qualifikation zufrieden und der Meinung, dass niemand anders als Pia Sundhage geeignet ist, das Team in diese brisante Vierer-Konstellation Anfang 2016 zu führen. Zurückgetreten aus dem Team sind nur Therese Sjögran und Sara Thunebro. 

Auch Norwegen hat in diesem Turnier enttäuscht, das Achtelfinalaus gegen kämpferisch starke Engländerinnen. Wieder einmal stellt sich die Frage, ob Norwegens beste aller Zeiten, Solveig Gulbrandsen nun wirklich die Schuhe an den Nagel hängt. “Das einzige, was ich weiss, ist, dass ich im Juli nach Thailand in Urlaub fliege,” sagte Gulbrandsen. Und dass es bis zur Olympia-Quali lang sei. Trainer Even Pellerud haderte nach dem Spiel damit, dass die Engländerinnen eigentlich gar nicht so toll gewesen wären und Recht hat er.

Die FIFA hatte die eine Hälfte des Turniers ganz im Sinne Kanadas geplant, damit der Gastgeber ins Finale kommen können sollte. Damit nahm man viel Spannung aus dem Turnier. Dass mit England nun eine Überraschungsmannschaft vielleicht sogar eine Medaille gewinnen kann, ist die Lex Kanada. Denn der Gastgeber ist eine der grössten Enttäuschungen des Turniers. Kein einziges Spiel haben sie gezeigt, das auch nur ansatzweise an die Klasse erinnerte, die man 2012 bei Olympia in London hatte, als man in einem unvergesslichen Halbfinale nahe dran war, den haushohen Favoriten USA ins Spiel um Bronze zu schicken.

Wenn Mark Sampson sein englisches Team jetzt in den höchsten Tönen lobt, dann hat das mit solider Arbeit zu tun, die er seit 2013 geleistet hat. England ist gewachsen, vor allem als kämpferische Einheit, aber viel mehr ist da noch nicht.

So hat sich auch Weltmeister Japan mit eher mittelprächtigen Leistungen bis ins WM-Finale spielen können. Kamerun, Ecuador, die Schweiz, die Niederlande und Australien waren unterschiedlich schwere Aufgaben für Norio Sasakis Nadeshiko, aber wirklich geglänzt hat das Team aus dem Land der aufgegenden Sonne nur bei dem einen oder anderen Tor. Vielleicht reicht das zum Titel, aber ich habe meine Zweifel.

Auf den Rängen gab es auch kein Fussballfest, von den in Kanada anwesenden Kollegen aus Schweden habe ich gehört, dass es in den WM-Spielorten nur wenig Werbung gegeben habe. Taxifahrer wussten nicht einmal, dass eine Weltmeisterschaft stattfindet. “Wo und wann ist das?” fragte ein Fahrer in Montreal ein schwedisches Kommentatorenteam, das sich vom Flughafen in die Stadt bewegte. Das Motto “From coast to coast” klingt fantastisch als Fremdenverkehrswerbung, aber das Turnier war geographisch zu weit auseinandergezogen, um für kontinuierliche Begeisterung in der Breite zu sorgen. So waren die Spielstätten meistens Tausende Kilometer voneinander entfernt (Ausnahme Montréal und Ottawa). Am Kunstrasen wurde schon ein Jahr vorher durch ein internationales Spielerinnenkollektiv zu Recht gemäkelt, aber nachdem sich der zweite Bewerber für die WM, Simbabwe (!?), zurückgezogen hatte, war jedem klar, welches Land aus dem berühmten Umschlag gezogen würde.

Das Konzept der FIFA, die gesamte Welt demokratisch und paritätisch zu beteiligen, ist erst einmal wunderbar. Josef “Sepp” Blatter hat darauf seine Macht begründet, die Delegaten aus Afrika, Asien und Südamerika verehren ihn deshalb wie andere “Mutter Teresa oder Jesus” (wer hat das noch gesagt?).

So schön es ist, Spielerinnen aus der Elfenbeinküste und Ecuador zu sehen, die fröhlich um den WM-Titel spielen wollen, so wenig gehören sie sportlich in dieses Turnier. Es ist eine Weltmeisterschaft und man muss die philosophische Frage beantworten, ob hier die ganze Welt teilnehmen soll (dann sollte man vielleicht auch Ozeanien einen zweiten Platz anbieten?) oder ob die besten Mannschaften der Welt spielen sollen. Dänemark hätte sportlich mehr geboten als Ecuador. Schottland weniger hoch gegen Deutschland verloren als die Elfenbeinküste. Ich habe kein perfektes System für die Qualifikation und Verteilung, die Weltrangliste allein taugt nicht, aber eine Kommission der FIFA sollte sich das einmal ansehen, ohne dass dadurch Afrika oder Asien benachteiligt werden müssten. Im Gegenteil: Man sollte den reichen Nationen wie Deutschland und den USA ins Buch schreiben, dass sie dabei helfen müssen durch Ressourcen wie Personal, den Frauenfussball in noch nicht entwickelten Ländern zu fördern. Mehr als das bisher getan wird.

Am meisten bleiben mir eventuell nach diesem Turnier die katastrophalen Schiedsrichterinnenleistungen im Gedächtnis. Shame on you, FIFA! Es macht keinen Sinn, Schiedsrichterinnen aus Ländern zu nominieren, in denen Fussball im Schneckentempo gespielt wird. Wir haben zahlreiche sehr fragwürdige Elfmeterentscheidungen gesehen, die Spiele entscheidend beeinflusst haben. Laura Bassett hätte nicht Rotz und Wasser heulen müssen (die Arme), wenn die unsägliche neuseeländische Schiedsrichterin Anna-Marie Keighley nicht die schlechteste Schwalbe, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, mit einem Elfer für England belohnt hätte. Stephanie Houghton hätte die gelbe Karte sehen müssen. Auf der anderen Seite geschah das Foul an der Japanerin, das zum Elfmeter führte, möglicherweise Zentimeter vor dem Strafraum. Leider wurde auch das andere Halbfinale durch zwei Elfmeter entschieden. Die Rumänin Teodora Albon pfiff berechtigt Strafstoss für Deutschland nach dem Foul an der zugegeben fallsüchtigen Alexandra Popp, da es sich hierbei allerdings um eine klare Notbremse handelte, hätte Albon der US-Amerikanerin Julie Johnston die rote Karte zeigen müssen. Das hat Albon bei ihrer Schiedsrichterscheinprüfung offenbar überlesen. Auf der Gegenseite brachte Annike Krahn Alex Morgan auch VOR dem Strafraum zu Fall, der von Carli Loyd souverän verwandelte Strafstoss war unberechtigt.

Nun ist Elfmeter immer dann, wenn der Schiedsrichter pfeift. Kein Geringerer als der legendäre und in diesem Jahr verstorbene Udo Lattek hat diesen wunderbaren Satz geprägt und beantwortete so die Fragen von Journalisten, ob er denn diesen oder jenen Elfmeter für berechtigt hielt. Aber auch die miserablen Einsätze der Schiedsrichterinnen sollte man sich ansehen und dann beim nächsten Turnier entsprechend agieren und die besten Schiedsrichterinnen einsetzen.

Vielleicht werde ich mich auch weniger an diese WM erinnern, weil sie zumindest bis vor den letzten beiden Begegnungen keine richtigen Stars produziert hat. Es gab keine überragenden Spielerinnen, die dem Turnier ihren Stempel aufgedruckt hätten. So wie Homore Sawa das 2011 getan hat, Marta in China 2007 oder Birgit Prinz beim ersten deutschen Triumpf in den USA 2003.

Célia Šašić dürfte dank Hattrick gegen die Elfenbeinküste und zweier verwamdelter Elfmeter Torschützenkönigin von Kanada werden, aber überragt hat sie ebensowenig wie eine angeschlagene Dzsenifer Marozsan, die von verantwortlicher deutscher Seite seit Jahr und Tag als beste Fussballspielerin der Welt gefeiert wird, den Beweis dafür aber bis heute schuldig geblieben ist. Viellecht hätte sie ja, wenn sie nicht verletzt ins Turnier gegangen wäre, alle anderen überstrahlt.

Louisa Necib hätte es wieder einmal werden können, hätte sie nicht im entscheidenden Moment, als Nadine Angerer schon geschlagen war, am deutschen Tor vorbei geschossen. Eugenie LeSommers brillante Form aus Frankreich reichte zu zwei Toren gegen Südkorea, aber Frankreich strich früh die Segel.

Christen Press hatte ich auf meiner Liste. Das mag an persönlichen Sympathien liegen, denn in Schweden hatte ich Gelegenheit, die intelligente und sympathische Torschützenkönigin von 2013 mehrfach bei persönlichen Gesprächen kennen zu lernen. Aber Press hat die Qualitäten einer Tormaschine (“goal scoring machine”) hatte sie Ex-Kameradin Ali Riley mir gegenüber genannt. Nur: In den USA hat Jill Ellis Spielerinnen, die noch einen Tick besser in das Gesamtkonzept passen. Alex Morgan und Sydney Leroux etwa, die aber auch das Turnier nicht zu ihrem machen konnten.

Der goldene Ball, da bin ich schon jetzt sicher, wird an Carli Lloyd gehen,. Die bald 33-Jährige von Houston Dash hat das Spiel gegen Deutschland entschieden, den einzigen Treffer gegen China im Viertelfinale erzielt und auch schon früher zweimal olympische Endspiele mit ihren Toren alleine entschieden. Lloyd verdient sich den goldenen Ball durch ein sehr hohes Niveau ohne aber den grossen Starglanz zu haben. Das soll ihre Grösse nicht schmälern.

Vor den Finals

Im Blog war es sehr ruhig. Zum einen, weil die schwedische Mannschaft ausgeschieden ist, zum anderen, weil ich zehn Tage in Japan war.

Das Finale in Vancouver spielen also nun (wie auch in Frankfurt 2011) die USA und Japan, das Spiel um Platz 3 in Edmonton am Samstag ist eine Neuauflage des EM-Endspiels von 2009 in Helsinki, Deutschland gegen England.

Zuerst Schweden. Sara Thunebro hat wenig überrraschend ihren Rücktritt von der Nationalmannschaft bekanntgegeben. Überraschender für mich aber die Gründe der 36-Jährigen. Sie habe lediglich eine Viertelstunde Spielzeit in Kanada bekommen und offenbar nicht das Vertrauen von Pia Sundhage, so Thunebro im Gespräch mit der Lokalzeitung Eskilstuna Kuriren. Da sie auch nicht glaube, dass sich daran etwas ändern werde, habe sie sich zu dem Schritt entschlossen.

Traurig. Das ist fehlende Selbsteinsicht, die schon ein wenig weh tut. Thunebro ist eben auch 36 Jahre alt und sie ist in den letzten Jahren nicht schneller geworden und wurde unlängst in der Damallsvenskan von 17-Jährigen überlaufen. Immerhin sollte nun endlich die Möglichkeit bestehen, dass mit der 21-Jährigen Magdalena Eriksson endlich die Spielerin nominiert werden wird, die schon in Kanada hätte dabei sein müssen.

Pia Sundhage wird bleiben, ebenso Lillie Persson und Marika Domanski Lyfors. Das bedeutet, das sich wenig ändern wird und möglicherweise erst nach einer eventuellen, verlorenen Olympia-Qualifikation für 2016 Änderungen im Personal erfolgen. Denn Erneuerer sind die Damen Sundhage, Persson und Domanski eben leider nicht. Dabei müsste jetzt vcrsichtig mit Blick auf die WM 2019 in Frankreich ein Generationswechsel behutsam eingeleitet werden. Die Olympia-Qualifikation findet Ende Februar / Anfang März 2016 statt und wird im Gruppenmodus (jeder gegen jeden) gespielt, wobei dann der Gruppensieger nach Rio fahren darf.

Olympia-Quali-Gegner der Schwedinnen werden die Niederlande, die Schweiz und Norwegen sein. Das sind allenthalben starke Gegner und eine Vorhersage, wer das Rennen machen wird, ist keine Selbstverständlichkeit.

Zur deutschen Mannschaft. Von der ersten Spielminute an sprach man in Schweden darüber, dass die deutsche Innenverteidigung, in der Silvia Neid nibelungentreu an den arg in die Jahre gekommenen Annike Krahn und Saskia Bartusiak festhielt, die Achillesferse ist. Und so war es denn am Ende auch. Während man gegen Frankreich zwar gerade hier schon arg in die Bredouille gebracht wurde, aber noch mit unendlich viel Glück, Angerers Knie und französischem Unvermögen, Bälle ins leere Tor zu schieben, als Sieger reüssierte, reichte das gegen die USA natürlich nicht mehr.

Vor anderthalb Jahren hatte ich ein langes Gespräch mit dem jetzigen Co-Trainer der USA, dem Schweden Tony Gustavsson, damals Tyresös Cheftrainer. Wir sprachen über den internationalen Fussball und dass die USA erkennen müssten, dass der Welt(frauen)fussball sich spielerisch enorm weiterentwickelt hätte und dass der Fussball der Zukunft, so Gustavsson, von Frankreich und Japan gespielt werde.

Deutschland erwähnte Gustavsson nicht in seinem kleinen Vortrag über den Weg, den der Weltfussball nehmen wird. Die USA nutzten Deutschlands Achillesferse immer wieder aus, liessen die wieselflinke und behende Alex Morgan gegen den starren Panzer Annike Krahn anrennen, am Ende muss der Neu-Leverkusenerin schwindlig gewesen sein. Silvia Neid ist kein Match-Coach, so hat es immer schon geheissen, sie ist keine Trainerin, sagt man, die intellektuell in der Lage ist, ihr starres Konzept zu ändern und bei starkem Widerstand, Dinge taktisch oder personell so zu verändern, dass ein Spielverlauf gedreht werden kann. Gegen die USA hat sich dies offenbar bestätigt. Der deutschen Mannschaft fehlen aber auch Spielerinnen der äussersten Weltklasse, möglicherweise hat Nadine Kesslers schwere Verletzung (kommt sie jemals zurück?) auch schon das Schicksal dieses deutschen Teams besiegelt. Denn die Führungsfigur, die man in Kessler nicht hatte, haben die Amerikanerinnen seit Jahren in Carli Lloyd. Sie hat mit ihren Toren zwei olympische Endspiele entschieden und sie hat auch das Spiel gegen Deutschland mit einem souverän verwandelten Strafstoss und einer brillanten Hereingabe zu Kelly O’Hara entschieden.

Der deutsche Fussball ist sehr erfolgreich ,man hat sechs Mal hintereinander die EM gewonnen. Man hat aber dadurch auch an Selbstzufriedenheit angesetzt und zugenommen. Wenn man die EM in Finnland 2009 mit der in Schweden 2013 vergleicht, muss man doch sagen, dass der deutsche Gewinn vorletztes Jahr mehrfach an einem seidenen Faden hing. In Solna war es einzig Nadine Angerer, die Deutschland im Finale den Titel rettete, im Halbfinale schon waren die Schwedinnen in Göteborg ebenbürtig (um dann nach zwei weiteren Jahren mit Pia Sundhage in die hintere Spitzengruppe Europas zurückzufallen).

In Deutschland aber hat sich spielerisch, taktisch und organisatorisch auch nichts verändert. Frauenfussball in DFB-Frankfurt wird von einer Gruppe von Frauen diktiert, die ebenso wie in Schweden wenig ändern wollen. Spielerinnen werden nicht nur taktisch und spielerisch mit dem jahrein, jahraus immergleichen Konzept ausgebildet, sie werden auch menschlich und charakterlich “erzogen”, jedwede Kante soll da abgeschliffen werden, jede Spur von möglicherweise brillanter Kreativät und Eigensinn ausgemerzt werden. “Der Star ist die Mannschaft”, dieses Mantra wiederholte Berti Vogts 1996, als Deutschland im Männerfussball Europameister wurde.

Dabei entwickelt sich Fussball um uns herum weiter. Japans WM-Sieg vor vier Jahren war genauswenig Zufall wie der Finaleinzug in diesem Jahr. Der technisch versierte, auif Ballbesitz ausgerichtete Fussball der Japanerinnen, der mit sehr viel Geduld gespielt wird, um den Gegner laufen zu lassen, zu ermüden und zu Fehlern zu verleiten,. ist schon eine ganze Generation weiter als das, was Deutschland dieser Tage noch spielen lässt. Frankreich ist in Europa schon deutlich besser als Deutschland, sie sind nur noch nicht in der Lage, den Sack bei entscheidenden Turnieren  auch zuzumachen. Aber: Der Tag wird kommen und dann wird die deutsche Vormacht auch in Europa dahin sein.

Schon am Samstag dürfte es gegen die Überraschungsmannschaft des Turniers, England, nicht mehr so einfach sein wie noch 2009 im EM-Finale, als man dank Inka Grings und Birgit Prinz ein 6:2-Schützenfest gegen das damals noch von Hope Powell angeführte England veranstaltete.

Sicher, England hat vom Versuch der FIFA profitiert, dem Gastgeberland Kanada einen weichen Weg ins Finale zu gestalten. Da hatte man kurzerhand die grössten Favoriten im Vorfeld, Deutschland, die USA und Frankreich in eine Hälfte gepackt, damit Kanada wenigstens unter die ersten Vier kommen kann und bis zum Ende des Turniers dabei ist. Der Versuch ist gescheitert. England gelang ein Doppelschlag und erst durch ein fast tragisches Eigentor von Laura Bassett in der 92. Minute war der Traum vom Finale ausgeträumt. Coach Mark Sampson war gerade aus Schweden und auch von mir dafür kritisiert worden, die 30-Jährige Anita Asante vom FC Rosengård nicht nach Kanada mitgenommen zu haben, aber der Erfolg gibt ihm Recht. England verlor gegen Frankreich knapp und gewann danach bis zur gestrigen 92. Minute jedes einzelne Spiel.

Weltmeister dürfte nun die USA werden. Denn der unbändige Wille der Amerikanerinnen, ihre überlegene Athletik und die Revanchelust nach dem Finale 2011 dürften genug Energie freisetzen, um das Finale gegen Japan klar zu gewinnen. Das System, mit dem in den USA Frauenfussball gefördert wird, ist aber auch nicht kopierbar. Hier ist Fussball ein Universitätssport, an den Colleges gibt es Hunderte von hochtalentierten Spielerinnen, die bereits in den College-Teams einen Förderapparat zur Verfügung haben, den die meisten Teams in der Damallsvenskan oder Bundesliga gerne hätten.

So können die verantwortlichen Trainer, nun also Jill Ellis, ihre Kader aus rund einhundert exzellent begabten Spielerinnen formen und zudem haben sie noch die Möglichkeit, die Kerntruppe sehr oft zu versammeln und einzuspielen. Die Nationalmanschaft hat immer Vorrang, auch weil der Verband seine Topspielerinnen bezahlt und nicht die Vereine.

In Schweden wird schon in sechs Tagen wieder Damallsvenskan gespielt. Die Liga geht weiter in die “Herbstrunde”. Es wird interessant sein, zu sehen, wie sich das Verhältnis zwischen Verband ujnd Vereinen hierzulande weiter entwickelt, nachdem sowohl Lillie Persson wie auch Pia Sundhage die Verantwortung für das schlechte Abschneiden in Kanada zu einem grossen Teil der Liga zugeschoben hat, die nicht bereit gewesen sei, die Spielerinnen häufiger abzustellen.

Augen zu und durch?

Die Schwedinnen sind wieder daheim. 1:4 gegen Deutschland und ansonsten Unentschieden. Eine mehr als mittelmässige Gesamtleistung. Und allenthalben in den Medien die Forderung nach dem Rücktritt von Pia Sundhage. 

Aber in der Chefetage des schwedischen Fussballverbands hat man geredet. Miteinander. Und da zum Beispiel die Journalistin Jennifer Wegerup den Rücktritt aller Verantwortlicher fordert, weil sie der Auffassung ist, dass nur gänzlich neue Strukturen einen wahren Wandel einleiten können, der verhindert, dass Schweden immer mehr Anschluss verliert, schliessen sich die Reihen im Verband.

Gegenreaktion.

Lillie Persson und Pia Sundhage haben beide larmoyant bemerkt, dass Ex-Kollege Thomas Dennerby vor vier Jahren eine ganze Woche mehr Vorbereitungszeit mit den Spielerinnen hatte. Und auch in Deutschland hätte Silvia Neid ihre Truppe wesentlich früher beisammengehabt als in Schweden, wo das anstrengende Spiel in der Damallsvenskan an den Kräften der Spielerinnen zehrt und die mangelnde Zeit der Vorbereitung mit allen ins Gewicht fällt.

Und so geben sowohl Persson wie auch Sundhage wieder malk indirekt direkt der Liga und ihren zwölf Vereinen die Schuld, dass sie nicht genügend Zeit mit den Spielerinnen gehabt hätten. Das ist mit Verlaub gesagt eine billige Ausrede. Aber Persson, Nationalmannschaftschefin Marika Domanski Lyfors und zuletzt auch Sundhage hängen an ihren mehr oder minder gut bezahlten Jobs und vermutlich wissen sie auch nicht, was sie sonst machen sollten. So unterstützt man sich jetzt gegenseitig und entledigt sich somit auch am Ende jedweder Verantwortung für eine grottenschlechte WM.

Pia Sundhage sagt, man müsse auch an die bevorstehende EM-Quali denken und an das nächste Spiel gegen Moldawien. Moldawien? Die EM 2017 wird mit 16 Ländern in den Niederlanden gespielt und die Qualifikation dafür würde selbst ich als völlig ahnungsloser und unausgebildeter Blogger mit dem schwedischen Team schaffen. Polen, die Slowakei und Dänemark sind noch in der schwedischen Gruppe und zwei kommen weiter…

Man muss also an Moldawien denken. Vielleicht könnten die ja die Dienste von Sundhage, Domanski Lyfors und Persson gebrauchen? Wäre eine Überlegung wert. Schweden braucht Veränderung. Bald auch einen Generatinswechsel, denn die Tage von Nilla Fischer, Sara Thunebro, Caroline Seger, Therese Sjögran, Charlotte Rohlin und auch Lotta Schelin sind wenn noch nicht, dann doch bald gezählt und man braucht neue Spielerinnen und auch Trainer, die den Mut haben, etwas Neues aufzubauen und neu zu denken. Risiken eingehen, ausprobieren und nicht immer nur am bereits bestehenden festhalten.

Sundhage sagte, man habe das Spiel Brasilien – Costa Rica, das über das schwedische Weiterkommen entschied, mit dem Führungsstab in einem Zimmer geschaut. Die Spielerinnen hätten es in einem anderen Zimmer gesehen und irgendwie sei es ihnen gelungen, auch das Spiel Spanien – Südkorea auf den Bildschirm zu bekommen, also zwei Spiele auf einem Schirm. Sie (die Leiter) selber seien wohl zu alt dafür. Eben!

Ausgeschieden

Gegen den Weltranglistenersten Deutschland auszuscheiden, ist keine Schande. Aber die Art und Weise, wie sich gestern die schwedische Nationalmannschaft sang- und klanglos aus dem WM-Turnier 2015 verabschiedet hat, ist schon enttäuschend.

Zunächst stelle Pia Sundhage mit Linda Sembrant, Emma Berglund, Amanda Ilestedt und Nilla Fischer vier nominelle Innenverteidigerinnen auf den Platz, dazu noch Jessica Samuelsson. Als Deutschland die schwedische Abwehr trotzdem auseinandernahm, und zur Pause 2:0 führte, brachte Sundhage in der 46. Minute keine Stürmerin, nein, sie tauschte eine Abwehrspielerin (Samuelsson) aus und brachte eine neue Verteidigerin, als ob man nicht im Achtelfinale einer WM im Rückstand war, sondern ein munteres, aber bedeutungsloses Spielchen an der Algarve machen würde.

Danach Leere. Caroline Seger spricht darüber, dass sie nachdenken werde, ob sie überhaupt weiter in der Nationalmannschaft spielen werde. Die 30-Jährige sieht eine lange Durststrecke vor der EM 2017 in den Niederlanden vor sich. Für Therese Sjögran, mit 38 Jahren und nach 214 Länderspielen vielleicht die beste schwedische Spielerin bei der WM, was aus Sjögrans Perspektive beeindruckend, aus schwedischer Sicht erschreckend ist, war dies das letzte Länderspiel. Oder? Sara Thunebro sollte auch aufhören. Fischer und Schelin werden kaum bei der nächsten WM dabei sein, aber wohl bei der EM 2017.

Und in Schweden diskutierte man im Studio des WM Senders TV4 schon die Sundhage-Nachfolge., Bilder wurden gezeigt. Assistentin Lillie Persson  vielleicht? Linköpings Trainer Martin Sjögren oder der ehemalige LFC-Trainer Magnus Wikman? Schottlands Nationaltrainerin Anna Signeul? Sundhage selber sagte, ihr sei diese Frage im Moment scheissegal. Das war unmittelbar nach Schlusspfiff. Sie müsse sich erst mal um die Spielerinnen kümmern, ihre eigene Position sei da nicht wichtig.

Und einig waren sich alle, ob Sundhage, Schelin, Seger oder sonstwer, dass die Deutschen an diesem Abend wesentlich besser waren – und – dass der Abstand zwischen beiden Teams bedeutend grösser sei als im Halbfinale der EM 2013.

Achtelfinale

Heute abend geht die WM in Kanada richtig los. 16 Mannschaften sind übrig, in jedem Spiel geht es jetzt um “vinna eller försvinna” wie man hier in Schweden sagt: gewinnen oder verschwinden. Und den Anfang macht die Nummer eins gegen die Nummer fünf der Weltrangliste. Deutschland gegen Schweden. Ein Spiel, das sich mit Sicherheit beide Teams nicht gewünscht hätten für eine so frühe Begegnung, auch wenn Deutschland der Topfavorit ist. Zuletzt hat Schweden vor etwas mehr als 20 Jahren ein Wettbewerbsspiel (Algarve zählt nicht) gegen Deutschland gewonnen. Am 07.06.1995 in Helsingborg gewann man mit 3:2. Deutschland führte mit 2:0, aber Schweden drehte das Spiel und kam durch eine gewisse Pia Sundhage zum Ausgleich.

Lang, lang ists her. In Kanada sind die anwesenden schwedischen Journalisten sauer wegen des sehr begrenzten Zugangs zu Spielerinnen. Pia Sundhage sagte gestern, solche Fragen müsse man an Pressechefin Rebecca Hedin richten, sie hätte nichts damit zu tun. Bei jedem Pressetreff sind immer nur drei Spielerinnen für 20 Minuten zugegen, was dazu führt, dass keine Zeitung ein exklusives Interview bekommt, weil um jede Spielerin ein Dutzend Medienvertreter wimmelt und 20 Minuten sind schnell vorbei. Auch die fehlende Präsenz auf den sozialen Medien erlebe man ansonsten nur beim chinesischen Team, beklagt Bloggerkollege Johan Rydén, der von Edm,onmton nach Ottawa gereist ist und offenbar auch dabei war, als die sachwedische Mannschaft auf dem Flughafen aus dem Hintgerausgabng verschwand, um nicht die Medienvertreter und Fans treffen zu müssen.

Heute Abend ist Deutschland haushoher Favorit.,  und gerade das könnte die Schwedinnen sehr gefährlich machen. Nur, weil sie bisher noch nicht gezaubert haben, sind nämlich Lotta Schelin oder Kosovare Asllani nicht ungefährlich. Allemal ist die eher lahme deutsche Innenverteidigung in Gefahr, wenn etwa Schelin oder die bei Montpellier zur Klassespielerijn herangereifte Sofia Jakobsson zu Sprints ansetzen. Von Schweden erwartet man sich eigentlich nichts und das kommt den Skandinavierinnen sehr gelegen.

Und wenn es schief gehen sollte für Seger & Co., dann hat man vorher ja auch nichts anderes erwartet. Eigentlich eine win-win-Siktuation,. Deutschland dagegen würde im Falle einer Niederlage sogar noch die Pleite gegen Japan bei der Heim-WM toppen.

Gut getippt

Getippt hatte ich folgendes Achtelfinale vor dem letzten Gruppenspieltag:

DeutschlandAustralien
China – Kamerun
Brasilien – Schweden
Frankreich – Südkorea
Kanada – Schweiz
NorwegenKolumbien
USAEngland
Japan – Niederlande

Alle 16 Achtelfinalisten waren damit richtig getippt, lediglich die Positionen von Australien/Schweden und England/Kolumbien waren falsch herum.