Die Woche im Rückblick: Algarve-Aufgebot und mehr

Eine Woche herrschte Funkstille, was nur zum Teil daran liegt, dass wir uns immer noch in der Vorsaison befinden und die meisten Verpflichtungen getätigt sind.

Am Sonntag fand das erste Spitzenspiel der Saison statt, für Meister FC Rosengård das erste Aufwärmen vor dem CL-Viertelfinale gegen den VfL Wolfsburg Ende März, das den frühen Saisonhöhepunkt darstellen soll.

Es war ein guter Start für den Meister, das Pokalspiel beim Rivalen Kopparberg/Göteborgs FC, denn mit einem 2:1 nach Verlängerung verschaffte man sich mit Sicherheit eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Dabei fiel offenbar Ramona Bachmann zurück in alte Verhaltensweisen, denn die bald 25-Jährige flog schon nach weniger als einer Viertelstunde nach der zweiten gelben Karte vom Platz und brachte ihr Team somit in die Verlegenheit, 105 Minuten mit zehn gegen elf spielen zu müssen.

Göteborg übernahm die Führung durch Rebecca Blomqvist, eine 18-Jährige, die schon in Testspielen von sich reden machte durch zahlreiche Treffer. Rosengåds Kapitänin Sara Björk Gunnarsdottir glich per Kopfball aus und in der Verlängerung zeigte sich dann wieder einmal, warum Marta einfach das gewisse Extra hat. Sie schnappte sich den Ball auf halblinks, zog zu einem unwiderstehlichen Spurt über 25-30 Meter an, bewegte sich nach innen und schoss dann an Lois Geurts vorbei zum 2:1 Endstand ins Tor der Gastgeber.

Elin Rubensson spielte dabei erstmals gegen ihr altes Team aus Malmö und zwar im Mittelfeld. Die Gerüchteküche sagt, dass Nationaltrainerin Pia Sundhage, die Rubensson als Außenverteidigerin in der Natio haben möchte, bei Göteborgs Trainer Stefan Rehn angerufen haben soll und ihn gebeten hat, dass auch er Rubensson in der Abwehr einsetzen soll. Stimmt das, was man sich erzählt, dann hat Stefan Rehn nur gelacht. Rubensson ist auf der Homepage des Vereins als Mittelfeldspielerin geführt. und hat früher auch in Malmö auf der Außenbahn offensiv gespielt.

Pia Sundhage hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Solna ihr Aufgebot für das Turnier an der Algare bekanntgegeben und vieles spricht dafür, dass es nur winzige Veränderungen hin zum WM-Kader geben wird. Wieder dabei nach ihrer Hüftoperation ist Hedvig Lindahl, die nach Sundhages Auskunft mit Volldampf bei Chelsea trainieren würde und wieder einsatzfähig sei. Sie dürfte damit auch wieder erste Wahl vor Carola Söberg sein.

Das Aufgebot:

Tor: Hedvig Lindahl (Chelsea Ladies), Carola Söberg (KIF Örebro), Hilda Carlén (Piteå IF)

Abwehr: Nilla Fischer(VfL Wolfsburg), Linda Sembrant (SC Montpellier), Sara Thunebro (Eskilstuna United), Lina Nilsson (FC Rosengård), Elin Rubensson (Kopparberg/Göteborgs FC), Jessica Samuelsson (Linköpings FC), Charlotte Rohlin (Linköpings FC), Emma Berglund (FC Rosengård)

Mittelfeld & Angriff: Kosovare Asllani (Paris SG), Lotta Schelin (Olympique Lyon), Caroline Seger (Paris SG), Sofia Jakobsson (SC Montpellier), Lisa Dahlkvist (KIF Örebro), Malin Diaz Pettersson (Eskilstuna United), Hanna Folkesson (KIF Örebro), Antonia Göransson (Vittsjö GIK), Jenny Hjohlman (Umeå IK), Fridolina Rolfö (Linköpings FC), Olivia Schough (Eskilstuna United), Therese Sjögran (FC Rosengård).

Auf derselben Pressekonferenz gab man auch bekannt, dass Anfang April zwei Testspiele anberaumt sind, am 05.04. in Eskilstuna gegen die Schweiz und am 08.04. in Stockholm gegen Dänemark.

Megatalent Lina Hurtig (Umeå IK) ist wieder nicht im Aufgebot, eine Fußverletzung zwang sie aber auch zu einer OP und sie wird vermutlich einen Teil des Frühjahrs auf dem Platz verpassen. Hedvig Lindahls Mannschaftskameradin Marija Banusic ist ebenfalls nicht dabei und dürfte kaum Chancen auf eine Nominierung für die WM haben.

Beata Kollmats: Kreuzbandriss und andere Nachrichten

Der 22-Jährigen Innenverteidigerin Beata Kollmats (Kopparberg/Göteborgs FC) ist zum zweiten Mal in ihrer Karriere das Kreuzband gerissen. Beim 6:0 Freundschaftsspielsieg gegen Zweitligist Kungsbacka musste Kollmats mit starken Knieschmerzen den Platz verlassen, die Befürchtung bestätigte sich und damit fällt Beata für die gesamte Saison 2015 aus.

Pia Sundhages Äußerung vor gut einem Monat, dass sie wohl ihren Job verlieren werde, falls Schweden in einem WM-Viertelfinale ausscheidet, relativierte nun Sundhages Weggefährtin und Sportchefin beim schwedischen Fußballverband Marika Domanski-Lyfors in einem Interview mit der Zeitung Expressen: “Unsere Zielvorstellung vor Meisterschaften ist, dass die schwedische Frauenfußballnationalmannschaft eine Medaille gewinnen soll. Da kommt niemand dran vorbei und das scheint mir auch ein realistisches Ziel zu sein. Das ist unser Wunsch, aber dies als Bedingung dafür anzusehen, dass Pia ihren Job behält oder nicht behält, das haben wir nie gesagt.” Im selben Artikel sagt Lotta Schelin, dass sie niemanden kenne, der Sundhages Job besser machen könnte und dass siue sich vorstellen könne, dass Pia auch noch nach 2016 (Vertragsende) Nationaltrainerin sein könne.

Mit der 22-Jährigen Arna-Sif Ásgrímsdóttir kommt eine weitere Isländerin in die Damallsvenskan. Nach einer Woche Probetraining in Göteborg erhielt die Abwehr- und Mittelfeldspielerin einen Vertrag für eine Saison mit einer Option für ein weiteres Jahr.

In Linköping trainiert derzeit mit der 16-Jährigen Courtney Strode eine offenbar hochtalentierte Amerikanerin. Trainer Martin Sjögren jedenfalls ist beeindruckt und sagte, dass Strode natürlich noch keine Startspielerin sei, aber dass nur sehr wenige 16-Jährige das wären

Finnland – Schweden 0:3

Auch im zweiten Testspiel 2015 trafen die Schwedinnen drei Mal, ersparten sich aber einen Rückstand wie gegen Norwegen im Januar in la Manga. Dieses Mal war es mehr oder minder eine klare Angelegenheit, auch wenn Finnland in der ersten Viertelstunde in Eerikkilä spritziger wirkte und mit schnellen Kontern die eine oder andere halbgefährliche Situation kreieren konnte.

Spätestens nach dem 0:1 durch Lotta Schelin war es dann aber mit der finnischen Unbekümmertheit vorbei. Es standen sich auch zwei sehr ungleiche Teams gegenüber. Andrée Jeglertz Finnland, das Spielerinnen im Hinblick auf die im Herbst beginnende EM-Qualifikation testet und Schweden, das seine Startelf für die im Juni in Kanada beginnende WM sucht.

Sofia Jakobsson und Nilla Fischer schossen die Tore zum 3:0 und in der Startformation scheint nun vieles klar zu sein. Mittelfeld und Angriff sollten für die WM weitgehend stehen.

Vorne wird Pia Sundhage auch gegen die USA, Nigeria und Australien, falls fit und gesund, mit Kosovare Asllani und Lotta Schelin operieren. Und im Mittelfeld kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Hanna Folkesson und Caroline Seger das zentrale Mittelfeld bilden werden und dass Sofia Jakobsson und Therese Sjögran an den Seiten.

In der zentralen Abwehr ist Nilla Fischer gesetzt, Sundhage testete in der ersten Halbzeit Veteranin Charlotte Rohlin und brachte in den zweiten 45 Minuten Emma Berglund. Außen spricht einiges dafür, dass Elin Rubensson auf der rechten Abwehrseite offensiv sein darf, während Lina Nilsson gerade auf links getestet wird. Sara Thunebro ist nicht mehr unbedingt erste Wahl in Sundhages Welt.

Mit der Torwartposition dürfte die Trainerin die größten Kopfschmerzen haben. Carola Söberg, die jetzt startete und in der zweiten durch Hilda Carlén ersetzt wurde. Schweden hat keine Klassetorhüterin, selbst wenn die nach Hüftoperation und Londonumzug zurückkehrende Hedvig Lindahl wieder auf dem Posten als Nummer 1 sein sollte. Kristin Hammarström war eine klare Nummer 1, wenngleich nicht Weltklasse, aber ihr Rücktritt scheint endgültig zu sein, auch wenn Sundhage es im Herbst/Winter noch mal mit dem Lockwort “WM” bei der 32-Jährigen versucht hat.

Eine heiße Kandidatin für das Mittelfeld wäre noch Linköpings Supertalent Fridolina Rolfö, aber vermutlich wird die 21-Jährige bestenfalls eine Jokerrolle bekommen. Pia Sundhage ist nicht für übergroßen Mut, sondern mehr für kontinuierliche Kärrnerarbeit bekannt.

Niederlande – Thailand 7:0

Zum ersten Mal standen sich gestern Abend in Almelo die beiden Nationalmannschaften der Niederlande und Thailands gegenüber und auch wenn die Thais tatsächlich 2-3 Torchancen hatten, so waren die Niederländerinnen, die bekanntermaßen nicht zu den Favoritinnen der WM in Kanada gehören, physisch, technisch und taktisch haushoch überlegen und gewannen am Ende locker mit 7:0.

Meine Zweifel, ob der Frauenfußball schon für ein Teilnehmerfeld mit 24 Mannschaften reif ist, bleiben bestehen. Deutschland braucht gegen diesen Gegner keine Angst zu haben und kann mit der B-Mannschaft dennoch etwas für das Torverhältnis tun.

ffschweden im Gespräch mit: Susanna Lehtinen

Wird auch 2015 wieder ein Jubeljahr für KIF Örebro?

Wird auch 2015 wieder ein Jubeljahr für KIF Örebro?

80 Länderspiele hat Susanna Lehtinen für Finnland gemacht und gerade bereitet sie sich auf ihre achte Saison für KIF Örebro vor, eine Saison in der sie erstmals Champions League spielen wird. Vergangene Woche hatte ich Gelegenheit, mich mit der 31-Jährigen Außenverteidigerin zu unterhalten.

In den vier Wochen in der Vorbereitung auf die Saison, die am Wochenende nach Ostern beginnt, hat KIF Örebro zwei Vorbereitungsspiele absolviert, gegen eine Jungenmannschaft Jahrgang 1998 und gegen den Ligarivalen Hammarby, die Begegnung endete 1:1. Wie sieht es im Kader aus?

“Bis auf Ogonna Chukwudi sind jetzt alle Spielerinnen zurück und das ist natürlich wichtig,” sagt Susanna Lehtinen.

Ein Teil eures Erfolgs im letzten Jahr ist sicher darauf zurückzuführen, dass ihr doch über mehrere Jahre lang mit einem sehr ähnlichen Kader gespielt habt. Nun aber haben Stephanie Labbé, Annika Kukkonen, Lucie und Irene Martinkova den Verein verlassen und ihr müsst fast das komplette Mittelfeld neu einspielen. Wie denkst du darüber?

“Natürlich ist das eine Veränderung und wir müssen uns einspielen, aber unsere Neuzugänge Carola Söberg, Hanna Folkesson und Lisa Dahlkvist sind allesamt routinierte Kräfte und ich gehe davon aus, dass sie sich leicht integrieren lassen.”

Der zweite Platz im Vorjahr war ein bisschen unerwartet für die Experten, wir hatten euch natürlich in der oberen Hälfte der Tabelle gesehen, aber nicht gedacht, dass ihr so renommierten Teams wie Kopparberg/Göteborgs FC und Linköpings FC den Champions-League-Platz wegschnappen würdet. Wieso habt ihr das geschafft?

“Wie du schon gerade gesagt hast, so haben wir eine Mannschaft, die lange zusammengespielt hat. Wir hatten absolut kein Glück. Nach der letzten Trainingswoche 2013 und ab da haben wir intensiv an Details in unserem Spiel arbeiten können. Wir hatten ja schon immer eine ordentliche Defensive und konnten darauf aufbauen.”

Über KIF Örebro haben mir andere Spielerinnen im Laufe der Jahre immer wieder gesagt, dass es sehr schwer ist, gegen euch zu spielen, aber auch, dass ihr einen ziemlich langweiligen Fußball spielt. Ich habe euch in der zweiten Hälfte der letzten Saison mehrmals im Stadion gesehen und kann sagen, dass ihr jetzt einen sehr schönen Fußball spielt, in dem sich die verschiedenen Mannschaftsteile harmonisch ergänzen. Was ist passiert?

“Es ist jetzt einfach so, dass wir heute mehr Ballbesitz haben als früher und wir wollen den Ball auch im Angriff behalten,” erklärt Susanne Lehtinen. Und sagt mir nochmals, dass man an sehr vielen Details im Spiel gearbeitet habe.

Sprecht ihr schon mal über die Champions League, die im Herbst auf euch wartet?

“Nein, ehrlich gesagt machen wir das nicht. Das ist einfach noch so weit weg, wir konzentrieren uns auf die Saison, die jetzt kommt und bemühen uns, dass wir unser Spiel zum Laufen bringen.”

Was müsst ihr denn noch verbessern?

“Vor allem das Spiel im klassischen letzten Dritten, da können wir noch besser und gefährlicher werden.”

Ihre Nationalmannschaftskarriere hat die 31-Jährige am Ende der Saison 2014 ebenso beendet wie Mannschaftskameradin und Landsmännin Sanna Talonen. Kein gemeinsamer Beschluss, versichert sie mir.

“Das nächste große Turnier für Finnland ist frühestens 2017 [EM in den Niederlanden], also dachte ich, dass dies ein guter Zeitpunkt zum Aufhören ist und dass ich mich ganz auf den Vereinsfußball konzentriere. Jetzt kommen auch ganz viele junge Frauen aus dem Jahrgang 1994, der bei der WM in Kanada dabei war und wenn man sich die aktuelle Truppe anschaut, die Trainer Andrée Jeglertz für das Länderspiel gegen Schweden in der nächsten Woche nominiert hat, dann muss ich zugeben, dass ich viele von denen gar nicht kenne. Es ist eine gute Gelegenheit für Andrée jetzt eine neue Mannschaft aufzubauen.”

Susanna Lehtinen kennt man als Außenverteidigerin auf der rechten Seite, aber früher, in den USA, als sie für die Florida Atlantic spielte, da war sie mal eine sehr offensive Mittelfeldspielerin und machte 17 Tore und 29 Vorlagen in 60 Spielen. Aber jetzt bist und bleibst du Abwehrspielerin?

“Ich habe jetzt schon sehr lange in der Abwehr gespielt und fühle mich da auch sehr wohl. Aber in der Tat wurde ich erst in der finnischen Nationalmannschaft zur Abwehrspielerin und war auch bei KIF zuerst im Mittelfeld. Die Erfahrung von anderen Positionen ist etwas, das mir als Abwehrspielerin nutzt.”

Susanna ist neben Elin Magnusson und Marina Pettersson Engström nun die dienstälteste Spielerin bei KIF Örebro, folglich gefällt es ihr in der100.000-Einwohnerstadt, gut zwei Zugstunden von Stockholm entfernt.

Spürt ihr irgendeine Art von Druck jetzt als Vizemeister, sind die Erwartungen höher als 2014?

“Naja, wenn man sich das reine Ergebnis anschaut, gibt es da nur noch einen Platz, um den man sich verbessern könnte,” beginnt Susanna Lehtinen.

“Aber ganz so einfach ist das nicht. Wir müssen realistisch sein und das Wichtigste ist, wie ich schon gesagt habe, dass unser Spiel funktioniert und dann werden wir wie letztes Jahr ein Spiel nach dem anderen sehen und am Ende schauen, wo wir stehen.”

Wie schon 2014 heißt der erste Gegner in einem Wettbewerbsspiel FC Rosengård. Vor Jahresfrist gewann man im schwedischen Pokal mit 2:1 in Malmö, jetzt kommt der Meister nach Örebro zum Ligaauftakt. Susanna weiß nicht recht, was sie davon halten soll, findet dann aber, dass man halt sehen wird, wie weit man in der Vorsaison gekommen ist.

ffschweden im Gespräch mit: Katrin Schmidt

KatrinKatrin Schmidt ist eine der besten Mittelfeldspielerinnen der schwedischen Liga. Zwei Mal wurde sie mit dem FC Rosengård Meisterin (einmal als LdB FC Malmö) und wie selbstverständlich stand die 28-Jährige in der Startformation der Startruppe, in der neben Schmidt neun Nationalspielerinnen standen und lediglich noch die aus München gekommene Kathrin Längert ebenfalls keine A-Länderspiele für ihr Land absolviert. In der Champion-League erreichte Rosengård das Viertelfinale und trifft im März auf den VfL Wolfsburg. Aber Katrin Schmidt entschied sich gegen Malmö und für Stockholm.

Warum, das hat sie mir vorletzte Woche bei einem Gespräch erzählt. “Ich wollte schon lange zurück nach Stockholm, hauptsächlich um mein Studium abzuschließen. Das war mir eigentlich schon lange klar, aber dadurch, dass wir in der Champions League weitergekommen sind, war es natürlich auch eine sehr schwere Entscheidung. Aber den Kurs, den ich noch machen muss, den kann ich nur im Frühjahr machen und ich wollte nicht noch ein weiteres Jahr warten. Ich habe Stockholm vermisst und es hat sich einfach richtig angefühlt, diesen Schritt jetzt zu machen. An dem Tag, an dem Rosengård dann Champions League spielen wird, wird es sicher noch mal richtig hart. Ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht, ob ich da hinfahren kann oder werde. Auf jeden Fall drücke ich der Mannschaft von ganzem Herzen die Daumen. Sonst bin ich total zufrieden mit meiner Entscheidung.”

Das ist ja ein Wechsel, der nicht so unbedingt üblich ist, von den hochprofessionellen Bedingungen, die du beim FC Rosengård hattest zu einem Verein, der sich erst wieder etablieren muss.

“Es wird ganz anders, aber es ist auch irgendwie spannend. In erster Linie war meine Entscheidung nicht sportlich, ich wollte nach Stockholm. Was es einfacher gemacht hat, war, dass sich Hammarbys Pläne sehr gut angehört haben. Es wird eine ganz andere Situation, aber das hat doch auch positive Seiten. Ich werde mehr Verantwortung haben, auch mehr in die Offensive involviert sein und es ist eine Herausforderung, auf die ich mich wirklich freue.”

Ich sprach im Januar mit deiner ehemaligen Mannschaftskameradin Anita Asante, die seinerzeit von den “Unschlagbaren” bei den Arsenal Ladies zu Chelsea wechselte, wo es mehr darum ging, etwas Neues aufzubauen, eine ganz andere Rolle zu haben.

“Ja, die Rolle ist eine andere, man hat mehr Verantwortung, die will ich übernehmen und muss ich auch übernehmen. Wir bauen etwas Neues auf. Es gibt viele Spielerinnen, die unglaublich talentiert sind und dabei sind, glaube ich, auch einige, die es noch weit bringen werden.”

Nun habt ihr zwei Wochen miteinander trainiert, du hast die ersten Eindrücke gesammelt und ihr habt auch schon die Hiobsbotschaft bekommen, dass ihr nicht auf dem Kanalplan spielen könnt, weil da renoviert werden wird. Was sind die ersten Impressionen vom Team?

“Es ist ein sehr nettes Team, eine sehr engagierte Mannschaft, die viel erreichen will. Alle trainieren hart. Natürlich sind die Voraussetzungen ganz anders als in Malmö. Hier arbeitet niemand hauptamtlich für den Verein und es nicht so optimal wie bei Rosengård.”

In Malmö war Katrin Vollprofi, hat sich ganz dem Fußball widmen können, nun in Stockholm wird die Fußballspielerin gleichzeitig studieren. Katrin, du bist 2009 nach Schweden gekommen und bald fängst du deine siebte Saison an. War das so geplant, hast du überhaupt deine eigene Entwicklung so geplant, dass du dich wirklich konstant zu einer Spitzenspielerin entwickelt hast, die beim schwedischen Meister nicht mehr wegzudenken war?

“Damals (2009) dachte ich, dass ich nur eine Saison in Tyresö spielen würde und dann weiter in Deutschland. Aber dann hat es mir hier doch sehr gut gefallen und ich habe erst dann neue Ziele im Fußball entwickelt. Nach Malmö zu gehen, war ein Schritt nur für den Fußball. Da habe ich mich entschieden, dass ich alles auf Fußball setze. Jetzt merke ich halt, dass ich das wieder mehr kombinieren will.”

Noch ein Wort zu Rosengård und dem Umfeld?

“Das ist eine unglaublich professionelle Organisation und die Langfristigkeit, mit der Riosengård arbeitet, ist speziell. Ich habe zwei schwedische Meisterschaften mitgenommen, das ist schon toll.”

Ich habe manchmal schon gedacht, dass Silvia Neid doch mal zum Telefonhörer greifen könnte und dich anrufen. Du bist als eine der besten Mittelfeldspielerinnen in einer der besten Ligen der Welt. Hat sie angerufen?

“Ich habe gar keinen Kontakt nach Deutschland gehabt, das ist weit weg. Und es gibt einfach eine Riesenauswahl an Topspielerinnen.”

Dein ganzes Erwachsenenleben hast du im Ausland verbrachtm zuerst in den USA und dann hier. Was nimmst du aus den Fußballkulturen für dich selber mit?

“In den USA habe ich vor allem als Person viel gelernt. Ich war das erste Mal weit weg. Die Siegermentalität ist einfach unglaublich. Die Umgebung war sehr professionell, da kann keine Mannschaft, in der ich jemals spielen werde, mitreden. Ich hatte einen Trainer, der sehr europäischen Fußball spielen wollte. Unser Spielstil war sehr technisch. Es gab viel physisches Training und ich bin das erste Mal richtig fit geworden in den USA. In Schweden war es dann viel taktischer.”

Ein Wort zu Tyresö?

“Es war eine schöne Zeit und es war super, was die am Anfang aufgebaut haben und es ist schade, dass das dann außer Kontrolle geraten ist.”

Und zum Schluss, wo werdet ihr mit Hammarby in diesem Jahr landen?

“Es ist schwer zu sagen, aber unser Ziel ist Klassenerhalt und ich glaube, dass wir das gut erreichen können ohne bis zum letzten Spieltag zittern zu müssen.

Annika Kukkonen steigt ab

In der Saison 2014 schien die 24-Jährige Finnin Annika Kukkonen sportlich endlich nach Hause gefunden zu haben. Sie spielte jeweils von Beginn an bei KIF Örebro und trug so dazu bei, dass die Mannschaft aus der kleinen Landschaft Närke den Sprung in die Champions League schaffte.

Aber sowohl Im Skype-Interview mit mir im Herbst wie auch bei einer kurzen Begegnung in der Behrn Arena am Rande des Länderspiels Schweden – Deutschland war Annika unsicher und wohl eher skeptisch, was ihr Bleiben In Örebro betraf. Ich bekam ein “Naja, ich weiss nicht, noch nichts klar, wir werden sehen”, was in mir den Eindruck weckte, dass Annika wohl kaum in Örebro bleiben würde. Und nachdem der Verein sich mit den schwedischen Nationalspielerinnen Hanna Folkesson und Lisa Dahlkvist im zentralen Mittelfeld verstärkt (?) hat, wurde ein Bleiben der sympathischen Finnin noch unwahrscheinlicher, auch wenn Örebro unverständlicherweise die beiden tschechischen Zwillinge Irene und Lucie Martinkova zurück nach Prag ziehen liess, Weil die dort angeblich viel mehr verdienen können (??).

Gestern teilte Annikas früherer Verein, der Zweitligist Sunnanå SK mit, dass man die Nationalspielerin wieder verpflichtet habe und sie schon ein Testspiel gegen Alvik absolviert habe.

Allerdings steht Annika Kukkonen noch Eine Fussoperation bevor, bei der ein beschädigtes Band geflickt werden soll. Das seí Eine Schlüsselloch-OP, so Annika und sie werde zwischen 6-12 Wochen fehlen.

Die Wechselübersicht ist jetzt auch wieder auf dem aktuellen Stand. Linköping verpflichtete die 30-Jährige ukrainische Nationalspielern Vera Djatel und Vittsjö holt zwei nordamerikanische Spielerinnen aus der zweiten Reihe.

Personalien

Erling Nilsson, der 72 Jahre alte Sportchef vom FC Rosengård (früher Ldb, früher Malmö FF) hat seinen Rücktritt erklärt. Er wollte eigentlich das ganze Jahr noch arbeiten, aber er habe aufgrund seiner kritischen  Äußerungen im Kontext der Fußballgala sehr viele Anfeindungen bekommen. Nilsson hatte kritisiert, dass die Frauen auf der Veranstaltung diskriminiert würden und das Herausschneiden eines Filmbeitrags anlässlich des 200. Länderspiels von Therese Sjögran als Beispiel genannt. Er würde aber noch weitermachen, bis ein Nachfolger gefunden sei, so Nilsson.

Nazanin Vaseghpanah, früher AIK und Hammarby, die in einem Interview mit ffschweden vor eineinhalb Jahren ihren Rücktritt vom aktiven Sport bekanntgegeben hatte, ist wieder da. Sie wird in der Saison 2015 eine von zwei Assistenztrainerinnen von AIK sein. Vaseghpanah ist 27 Jahre alt und hat 2 A-Länderspiele absolviert.

Emma Wilhelmsson, immerhin zwei Mal Meisterin mit LdB FC Malmö, hat ihren Rücktritt vom Fußball erklärt. Die 28-Jährige spielte zuletzt bei den Chelsea Ladies in London. Ihr fehle es einfach an der Motivation, sagte sie zu Sydsvenska Dagbladet.

TV4 hat netterweise die Tore des Spiels Schweden – Norwegen (3:2) ins Internet gestellt. So kann man nun auch sehen, wie Kosovare Asllani das Spiel am letzten Dienstag gedreht hat.

Schweden dreht 0:2 gegen Norwegen

Für das erste Länderspiel in der WM-Saison 2015 hatte Pia Sundhage vor, vor allem junge Spielerinnen einzusetzen, aber schon vorher hagelte es Absagen und dann vor Ort mussten auch noch Fridolina Rolfö und Caroline Seger ihre Einsätze wegen Verletzungen bzw. Verletzungsgefahr absagen.

Schweden begann als die dominierende, ballführende Mannschaft, ohne jedoch zu deutlichen Torchancen zu kommen. Stattdessen nutzten wachsame Norwegerinnen die zu Beginn teils eklatanten Schwächen der schwedischen Abwehr gnadenlos aus. Da funktionierte die Abstimmung zwischen Außen- und Innenverteidigung ebensowenig, wie die zwischen Torfrau und Viererkette. das 0:1 durch isabell Herlovsen ging auf Schlussfrau Carola Söbergs Kappe, die im Strafraum herumirrte und durch einen leichten Heber der in Mönchengladbach geborenen Stürmerin von Lillestrøm ausgetrickst wurde. Wenig später dann das 0:2 als Nilla Fischer in selten zu beobachtender Fehleinschätzung einen Ball hinter die zentrale Verteidigung völlig falsch beurteilte und abermals Herlovsen das 0:2 markieren konnte.

Nach vorne ging nur wenig, Kosovare Asllani war unsichtbar mit einer Ausnahme, als sie halbrechts vorm Tor zu einer Schussposition kam und Zeit hatte, aber nur einen kläglichen Abschluss direkt in die Arme von Routinier Ingrid Hjelmseth zustande brachte.

In der Halbzeitpause dann der Beginn der Wende von La Manga: “Als wir 0:2 zurücklagen, haben wir darüber gesprochen, dass wir dieses Spiel absolut drehen wolten,” so Asllani auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands. Und die in der ersten Halbzeit noch so blasse Spielerin von Paris SG glänzte in den zweiten 45 Minuten. Zunächst erzielte sie nach ebenfalls einfachen Fehlern nun der Norwegerinnen beide Tore zum 2:2-Ausgleich und dann legte sie auch noch Lotta Schelin zu ihrem 74. Länderspieltor und Siegtreffer auf. Da nützte es auch nichts mehr, dass die Norwegerinnen in den letzten zehn Minuten, u.a. mit der nun eingewechselten Ada Hegerberg gewaltig anrannten.

Lotta Schelin: “Toll gegen Norwegen nach so einer Wende zu gewinnen. Das ist gut fürs Selbstvertrauen.” Recht hat die 30-Jährige Stürmerin von Olympique Lyon. Nilla Fischer nahm die Schuld für das 0:2 sportlich auf sich: “Da übernehme ich die Verantwortung, ich habe nicht schnell genug reagiert, glaubte, ich käme noch an den Ball ran, der aber dann über mich ging. Deshalb war es besonders schön, dass wir in der zweiten Halbzeit zurückkamen und gewonnen haben.”

Beste Schwedin an diesem Abend: KIF Örebros Neuzugang Hanna Folkesson, die unermüdlich rackerte.

“Wir gingen mit der Hoffnung auf ein gutes Resultat in die Pause,” sagte Trainer Evan Pellerud auf der Homepage des norwegischen Verbands. Das haben wir nicht bekommen und das ist sehr irritierend, wenn man so eine sichere Führung aufgibt. Es war ein ausgeglichenes Spiel, aber die Schwedinnen zeigten Willen und waren gut. Ein gutes Spiel, das auch unentschieden hätte enden können.”

“Es ist bnlöd, Spiele zu verlieren, über die man in der ersten Halbzeit noch gute Kontrolle hatte,” sagte Goalgetterin Isabell Herlovsen.

Maren Mjelde verlässt Schweden

MarenNach nur einem halben Jahr in Schweden bei Kopparberg/Göteborgs FC zieht die ehemalige Potsdamerin Maren Mjelde abermals weiter und zwar in ihre Heimat Norwegen. Gestern vermeldete der Fußballimpresario Arne Utvik, dass Mjelde aus ihrem Vertrag in Schweden herausgekauft worden sei und zwar für eine nicht genannte, beträchtliche Ablösesumme und dass die 25-Jährige künftig für Utviks Truppe Avaldsnes IL spielen wird.

Die Kapitänin der norwegischen Nationalmannschaft ist neben Elise Thorsnes nun die zweite Nationalspielerin, die Utvik für die neue Saison nach Avaldsnes geholt hat.

Mit der Verpflichtung von Trainer Tom Nordlie hatte Utvik bereits ein Zeichen gesetzt. Der 52-Jährige hat im Männerfußball vorher die Erstligisten Odd, Vålerenga, Start, Viking, Lillestrøm und Fredrikstad trainiert. Sein Vorgänger Arne Møller schloss die Saison 2014 mit Avaldsnes auf einem für Arne Utvik enttäuschenden fünften Platz ab und musste gehen. Das Ziel des Vereins im Südwesten Norwegens ist weiterhin die Champions League.

Nordlie: “Ich bin nicht hierhin gekommen, um Siebter zu werden. Ich bin hier, um etwas aufzubauen. Ich will, dass die Mannschaft norwegischer und jünger wird.” (BERGENS TIDENDE, 15.12.2014)

Mjelde selber sagte der Zeitung Haugesunds Avis: “Es gibt viele Gründe, warum ich Avaldsnes zugesagt habe. Ich komme meiner Familie in Bergen näher. Darüber hinaus kommt mein Freund aus Stord. Darüber hinaus habe ich die Möglichkeit, als Profi in Norwegen zu leben. Ich rechne auch damit, dass Avaldsnes in der kommenden Saison um die Meisterschaft spielen wird, ich komme nicht, um Dritter zu werden.”

Maren Mjelde sagte weiter, dass sie in Avaldsnes im zentralen Mittelfeld nach vorn spielen werde, was ihre Wunschrolle sei und wo sie sich entwickeln möchte.

Die Entscheidung, nach Avaldsnes zu wechseln, traf Maren Mjelde bereits vor Weihnachten, aber da Göteborg die Spielerin behalten wollte, haben sich die Verhandlungen bis zuletzt hingezogen.

Dem Mäzen Arne Utvik zufolge wird Maren Mjelde die bestbezahlte Spielerin in Avaldsnes sein.

 

Jessica Landström vor einem Comeback

Die wegen ihrer Zeit beim 1.FFC Frankfurt auch in Deutschland alles andere als unbekannte Jessica Landström hatte nach ihrem Engagement bei Kopparberg/Göteborgs FC 2013 offenbar die Fußballschuhe an den Nagel gehängt.

Kürzlich aber, so verlautete es von Pär Lagerström, Trainer von Aufsteiger Hammarby in Stockholm, habe “Landis”, wie die 30-Jährige genannt wird, zwei Mal mit der ersten Mannschaft trainiert. Sie sei physisch in besserer Verfassung als je zuvor, so Lagerström und sagte, Landström habe 2013 viel Lauftraining und auch einen Marathon absolviert. Selber sagt die Stürmerin freilich noch nichts, aber laut Lagerström hat Jessica noch bis Ende des Monats Zeit, sich die Sache zu überlegen. Man habe eigentlich nicht mit ihr geplant, aber falls sie dabei sein möchte, wäre sie willkommen.

Banusic und Folkesson gehen

Zwei schwedische Nationalspielerinnen verlassen ihre Vereine. Dass Marija Banusic Kristianstads DFF verlassen würde, war schon im November klar, als Marija über ihr Twitterkonto mitteilte, dass sie nun nach Hause zu ihrer Familie ziehen würde und Kristianstad für alles dankte.

Spekulationen beschäftigten sich deshalb vor allem mit Clubs im Großraum Stockholm, da Banusics Familie in Uppsala lebt. Nun aber folgt die 19-Jährige Torfrau Hedvig Lindahl, die schon vor Weihnachten als Neuverpflichtung von Chelsea-Trainerin Emma Hayes bekanntgegeben wurde.

Gleichzeitig verlässt Yuki Ogimi den Londoner Traditionverein und verstärkt den deutschen Meister und Champions-League-Sieger VfL Wolfsburg. Ogimi ist spielberechtigt für das im März stattfindende Viertelfinale gegen den FC Rosengård und ihre ehemalige Mannschaftskameradin Anja Mittag. Yuki Ogimi verbrachte 1,5 Jahre in London. Schon bei Bekanntgabe des Wechsels nach London hatte es in ihrem Fall Gerüchte gegeben, dass London nur eine Zwischenstation für einen späteren Wechsel nach Wolfsburg sein würde.

Bei wem Nationalspielerin Hanna Folkesson künftig spielen wird, ist indes nicht bekannt. Die 26-Jährige hat der Vereinsführung von Umeå IK lediglich mitgeteilt, dass sie ihren Vertrag nicht verlängern wird.

ffschweden im Gespräch mit Alexandra Riley

Alexandra_Riley_by_ffschwedenDie 27 Jahre alte Abwehrspieleri Alexandra Riley spielt seit 2012 für den amtierenden schwedischen Meister FC Rosengård (früher LdB FC Malmö). 2015 nimmt sie an ihrer dritten Weltmeisterschaft teil, als eine der Schlüsselspielerinnen für Neuseeland. Dabei ist Ali Riley in Los Angeles geboren und auch in Kalifornien aufgewachsen. Aber da Vater John Neuseeländer ist, hatte sie von Geburt an zwei Pässe und entschied sich früh für das Land am anderen Ende der Welt. Darüber und über die Champions League, Marta und die Abgänge von Kathrin Schmidt und Elin Rubensson habe ich mich mit Ali Riley unterhalten.

Während wir in Stockholm kurz vor Weihnachten graues, eher trostloses Wetter hatten, schien bei Ali in Los Angeles die Sonne. Neun Stunden Zeitunterschied und etliche Flugstunden entfernt.

Wie lange habt ihr noch frei und fährst du noch weg?

“Wir fangen am 7. Januar wieder mit dem Training an. Ich war schon in Urlaub in der Dominikanischen Republik, jetzt bin ich einfach nur zu Hause, am 6. Januar geht es zurück nach Malmö.”

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Marta einen 3-Jahresvertrag in Malmö unterschrieben hat. Du hast mit ihr schon in jetzt drei Vereinen zusammengespielt. Was sagst du zu der langfristigen Bindung an den Verein?

“Ich bin begeistert. Natürlich haben wir gehofft, dass sie bleiben würde. Sie war ein toller Zugewinn für das Team, um die Explosivität zu bringen, die wir brauchten. Es lief auch schon vorher gut für das Team, aber sie bringt uns ganz einfach diesen Faktor X und ich glaube, das ist genau das, was wir brauchen, wenn wir raus aus Schweden gehen und nach Europa. Ich mag sie sehr sowohl als Spielerin wie auch als Person. Wir haben auf der linken Seite zusammengespielt und ich habe viel von ihr gelernt. Nächstes Jahr wird das vierte Jahr, in dem wir zusammen spielen.”

Schon mit dem FC Gold Pride und mit Western New York Flash haben Marta und Riley zusammen in der WPS Titel geholt. Wie war diese WPS-Erfahrung für dich?

“Es war der Anfang meiner Karriere als Profi und ich liebte es. Was das Spielen auf dem Platz angeht und die Teams, in denen ich war: Ich habe mit Christine Sinclair gespielt, mit Marta, mit Alex Morgan und mit Ashlyn Harris, wirklich mit den Besten der Welt. Ich hatte wirklich großes Glück in zwei tollen Teams zu sein, aber natürlich gibt es auch einen bitteren Nachgeschmack, weil unser Team aufgelöst wurde und später dann sogar die ganze Liga. Das wird leider immer bleiben und ist schon etwas traurig, aber ich liebte es und denke, dass es klug ist, wie sie jetzt arbeiten in den USA und irgendwann in der Zukunft werde ich vielleicht auch wieder in der Liga spielen. Natürlich könnte man dassselbe auch über Schweden und Tyresö sagen, aber dass eine ganze Liga aufgelöst wird, das wird es mit der Damallsvenskan wohl nicht geben.”

In einem Interview mit ESPN hast du dich mal als Spätentwicklerin beschrieben, kannst du das ein wenig erklären?

Ali lacht und sagt: “Naja, ich habe ja erstmals mit 14 in einem Verein gespielt und viele der Mädchen da draußen, die in Jungsmannschaften sind oder in Vereinen, sind viel früher dran. Ich war sehr schnell, hatte aber null Technik. Und ich hatte auch nicht das beste Training, du kannst sagen, dass es eigentlich erst losging als ich in Stanford an der Uni studierte, weil da auch ein Trainer war, der sich Zeit für mich nahm. Er hat mich von einer Flügelstürmerin zur Abwehrspielerin gemacht und das war vermutlich der wichtigste Schritt in meiner Karriere. Und ich entwickle mich immer noch und finde, dass das auch gut so ist. Ich bin keineswegs ausgebrannt, sondern voller Leidenschaft für das Spiel. Erst als ich an der Uni spielte und dann bei der WM 2007 dabei war, kam ich auf das internationale Level und bekam den Geschmack dafür und sah auch mein eigenes Potential.”

Du hättest eigentlich für die USA spielen können und wärst dann bei der aktuellen Nummer 2 der Welt dabei, startest aber für Neuseeland. Ich weiß, dass du das schon oft gefragt wurdest, aber erzähle es doch bitte nochmal.

“Ich habe nie in einer der Jugendmannschaften für eine Nationalmannschaft gespielt und kam auch nicht in das Olympiaentwicklungsteam (ODT) der USA. Da waren einige meiner Teamkameradinnen, aber wie ich schon gesagt habe, brauchte ich etwas mehr Zeit, um mich zu entwickeln. Neuseeland bot mir 2006 die Möglichkeit an, für die U20 zu spielen und das war dann schon mein letztes Jugendjahr. 2007 dann hatte ich die Chance an der WM in China teilzunehmen und ich wäre doch blöd gewesen, wenn ich das nicht gemacht hätte, mit 20 Jahren. Ich musste das einfach machen und ich habe jede einzelne Minute mit der Mannschaft Neuseelands genossen. Wir haben tolle Dinge vor uns. Natürlich ist das was anderes, für die Nr 1 oder 2 der Welt zu spielen, aber ich habe die Reise, die ich gemacht habe, genossen. Und die Mannschaft bedeutet mir viel und ist sowas wie eine Familie für mich.”

Riley gewinnt dem Spiel für Neuseeland aber auch positive Seiten für ihre eigene Entwicklung ab.

“Als wir nicht so gut gespielt haben, bedeutete es schon viel, diesen enormen Druck auf die Abwehr zu haben und mit 18, 19 Jahren in Turnieren gegen die USA und Japan spielen zu können, war gut. Du wächst sehr schnell daran und siehst auch, was du noch brauchst, um die beste Abwehrspielerin zu werden. Diese Entscheidung zu treffen, war richtig, das hat meine Entwicklung befördert.”

An der Stanford Universität hast du für das Uni-Team, die Cardinals, gespielt, wahrscheinlich also auch mit Christen Press?

“Ja, ich habe mit Christen Press gespielt, aber auch mit Kelly O’Hara und Rachel Buehler. Christen ist sowas wie eine Tormaschine, sie ist einfach jedes Jahr besser geworden und es ist toll zu sehen, wie sie weiterkommt. Ich glaube, es war sehr mutig von ihr, nach Schweden zu gehen, was sicher nicht einfach war und ich glaube, hier haben sich die Dinge für sie geändert. Ich bin immer sehr beeindruckt von ihr und glaube, dass sie eine sehr wichtige Spielerin für die USA sein wird. Und ich freue mich darauf, sie bei der WM zu sehen.”

irgendwo habe ich gelesen, dass es in Schweden zuerst mal eine Sprachbarriere gab, wie sieht das nach drei Spielzeiten aus?

“Im alltäglichen Leben schaffe ich es gut auf Schwedisch, wenn ich über Politik diskutieren sollte, dann würde ich wohl nicht viel sagen, dazu fehlen mir die Vokabeln. Ich lebe in Schweden, warum sollte ich da Englisch reden, obwohl die meisten Schweden das sehr gut können? Ich finde, das macht der Verein ganz toll, sie zwingen dich nicht, aber motivieren dich. Alle Trainingseinheiten und Mannschaftsbesprechungen sind auf Schwedisch und ich weiß von Mannschaftskameradinnen, dass das ein großer Unterschied ist zu Teams wie Vittsjö oder Göteborg, wo überwiegend Englisch gesprochen wird. In Malmö übersetzen die anderen Mädels anfangs für dich beim Training, bis du selber verstehen kannst. Ramona und Marta konnten ja schon Schwedisch, die Isländerinnen wie Sara Björk schnappen das sehr schnell auf, auch bei Anja war es so, für Anita und mich war es vielleicht die größte Herausforderung, aber alle wollen wirklich lernen und ein Teil der Kultur werden.”

Wo du schon Anita Asante erwähnst, ich habe gesehen, dass ihr beide Videos dreht, die “A & A Show”. Kannst du erklären, was es damit auf sich hat und wird es weitere Folgen geben?

“Wir werden tatsächlich eine neue Folge in den nächsten Tagen hinzufügen. Wir machen sehr gerne Videos. Ich habe das schon an der Uni mit dem Standord-Team gemacht und dann mit Kelly O’Hara, dann habe ich das für ESPNW und die Flash in der WPS gemacht und habe die Fans auch durch unsere neuseeländische WM-Reise 2011 geführt. Anita hat eine tolle Persönlichkeit und sie liebt es, vor der Kamera zu stehen. Ich glaube, wir hatten ein Treffen im Verein, es ging um soziale Medien und Anita sagte, dass sie gerne öfter vor Leuten sprechen würde und ich sagte gleich, dass wir uns zusammentun sollten. Wir haben Ideen gesammelt und lustige Sachen gemacht. Am Ende der Saison haben wir etwas für das Team gemacht. Ein paar Episoden sind auf YouTube, aber wir haben die “A & A Show” jetzt der Frauenfußballseite Women Soccer United gegeben und da sind die Videos zu finden.”

Ein paar gibt es auf YouTube, hier die Premiere mit den zehn wichtigsten Wörtern, die man als Fußballerin in Schweden wissen sollte:

Lass uns vielleicht gegen Ende nochmal auf die Champions League zurückkommen, du hast schon gesagt, dass Marta da die ideale Ergänzung für eine sonst gute Truppe ist. Aber habt ihr sie wirklich gebraucht?

“Tyresö war ja auch ein sehr starkes Team mit tollen Spielern, aber man hat gemerkt, wenn Marta nicht dabei war. Als sie ein paar Spiele verpasste 2013, übernahmen wir in der Liga die Führung. Allein, wenn man sie 2014 im Champions League Finale gesehen hat – sie war phänomenal, sie bringt einfach dieses gewisse Extra. Jeder kennt sie, jeder hat Angst vor ihr und du willst gegen sie definitiv nicht verteidigen müssen, selbst ihr rechter Fuß hat sich jetzt toll entwickelt. Sie hat einfach alles und ist so eine unglaublich hart arbeitende Mannschaftsspielerin. Und das ist, glaube ich, etwas, was nicht alle begreifen.”

Jetzt geht es gegen Wolfsburg, gegen die in der letzten Saison ausgeschieden seid. Den zweifachen Sieger und mit 34:1 Toren souveränen Tabellenführer der Bundesliga.

“Ich glaube, der Schlüssel zum Erfolg ist der klinische Abschluss. Wie du schon gesagt hast, die sind sehr stark in der Defensive und wenn wir Chancen bekommen, dann müssen wir sie nutzen. Wir hätten damals gegen sie zu Hause gewinnen müssen, haben aber so viele Chancen ausgelassen und dann war es aus nach diesem Spiel. Klinische Abschlüsse und ich denke, es ist alles eine Mentalitätssache. Die sind selbstbewusst, haben eine tolle Einstellung. Nimm nur das Champions League Finale, was die da mitgemacht haben und wie sie es trotzdem geschafft haben. Ich denke, dass wir uns gerade da verbessern müssen. Wir haben eine gute Abwehr, wir haben gute Teamarbeit, es dreht sich alles um den Kopf und den Abschluss. Gegen Wolfsburg wird unser erstes richtiges Spiel in der Vorsaison sein. Wir müssen in der Vorsaison die Einstellung bekommen, dass wir tough sind und unbesiegbar. Die ersten zehn Minuten werden entscheidend sein und den Ton bestimmen.”

Zwei wichtige Spielerinnen haben den Verein verlassen, Kathrin Schmidt und Elin Rubensson, sie werden euch fehlen, besonders Kathrin, die meiner Meinung nach eine der besten defensiven Mittelfeldspielerinnen ist.

“Das sind wirklich zwei große Veränderungen, besonders mit Schmittie. Sie war meine Zimmerkameradin und eine meiner besten Freundinnen in der Mannschaft und ja, ich gebe dir Recht: Ich finde, sie wird unterschätzt; so wie wir spielen, brauchst du eine Spielerin die diese Art von ruhmloser Arbeit mache, da hinten drin ist, die wichtige Tacklings macht und wichtige Pässe spielt, aber niemand sieht sie da so richtig und das ist wirklich eine harte Rolle. Ich glaube aber, dass Anita und ich bin nicht sicher, dass es so kommt, aber wenn Anita ihre Rolle übernehmen soll, dann glaube ich, dass sie das brilliant lösen wird. Ich glaube,dass sie nach vorne dann auch etwas mehr Freiheiten bekommen würde, was sie mögen dürfte. Aber ich habe auch tolle Sache über Emma Berglund gehört und bin sicher, dass sie ein toller Neuzugang ist. Was Elin angeht, so freue ich mich für sie, denn sie sollte von Beginn an spielen können und das ist auch wichtig für die schwedische Nationalmannschaft, die inzwischen sowas wie mein zweites Team ist.

Zum Schluss noch ganz kurz zur WM, wo ihr mit Neuseeland unter anderem gegen den Gastgeber Kanada spielen müsst.

“Wir hatten China als sie Gastgeber waren, wir hatten Großbritannien, als sie Gastgeber waren. Diese Ehre zu haben ist entweder ein Fluch oder ein Segen. Es ist aufregend und ich denke, unsere Gruppe ist ganz schön ausgeglichen. Da gibt es kein Team, das einfach überrollt wird. Ich bin froh, dass es Kanada geworden ist und nicht eines der fünf Powerhäuser der WM. Kanada ist ei sehr respektables Team und die machen tolle Arbeit, aber es ist ein Unterschied, ob du gegen die USA, Deutschland, Japan oder Frankreich spielen musst. Es ist eine gefährliche Gruppe, weil es keine einfachen Siege gibt, aber es ist auch gut für uns. Wir spielen oft gegen China, wir spielen oft gegen Kanada und Holland kennen wir aus jedem Jahr beim Zypern-Cup. Wir hoffen natürlich, die Gruppe zu gewinnen, aber Erster oder Zweiter muss das Ziel sein, um dann eine gute Position in der nächsten Runde zu haben.”

Carola Söberg zurück nach Schweden

Während Hedvig Lindahl Schweden Richtung England verlässt, kommt Carola Söberg aus Norwege zurück. Die Nationaltorhüterin verlässt den norwegischen Erstligisten Avaldsnes und spielt 2015/16 für Schwedens Vizemeister KIF Örebro.

Hiermit werden zwei weitere Personalien in Frage gestellt: Einerseits das Comeback von Kristin  Hammarström, das im Herbst aktuell schien und nicht zuletzt durch den öffentlich bekanntgemachten Anruf von Pia Sundhage bei Hammarström angeheizt wurde. Kristin Hammarström wohnt mir Freund und Kind in Örebro, ein Engagement anderswo scheint aus privaten Gründen eher fraglich. Andererseits eine Rückkehr von Kanadas Nationaltorhüterin Stephanie Labbé nach Örebro. Unter anderem im Interview mit ffschweden hatte Stephanie Labbé gesagt, dass sie vor der WM keinesfalls nach Schweden zurückkehren würde, dass danach aber alles offen sei.

In eigener Sache

Am Ende eines Jahres bekommt man von WordPress immer eine Statistik zugeschickt, die das Blogjahr zusammenfasst. Ein paar Daten möchte ich gerne weitergeben.

ffschweden hatte 2014 insgesamt etwas mehr als 66.000 Besucher. Für ein Blog über eine Nischensportart,noch dazu auf Deutsch über (hauptsächlich) Frauenfußball in Schweden, finde ich das ganz hervorragend. Mehr als 5.500 Besucher im Monat, knapp 180 pro Tag also. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Lesern!!

Aus 97 Ländern sind Menschen auf diese Seite gekommen, hauptsächlich aus Deutschland, Schweden, den USA, der Schweiz und Österreich. In Russland hat das Interesse zugenommen.

Der mit Abstand erfolgreichste Artikel mit 983 Lesern war mein Interview mit der Kapitänin des VfL Wolfsburg, Nadine Keßler. Wenn Interviews in regionalen und überregionalen Zeitungen erscheinen, dann haben sie natürlich eine wesentlich höhere Auflage, allerdings ist damit nicht sichergestellt, dass auch jeder Käufer oder Leser der Zeitung ein Interview mit einer Fußballspielerin auch zur Kenntnis nimmt, bzw. liest. Ich habe festgestellt, dass Interviews mit Spielerinnen, die in Deutschland gespielt haben oder spielen, naturgemäß auf größeres Interesse stoßen als etwa Beiträge über in Schweden tätige Profis. 2013 traf ich in Tyresö Ali Krieger und das auf Deutsch geführte Interview mit ihr war der meistgelesene Beitrag im vorigen Jahr. Deswegen nehme ich mir für 2015 schon mal vor, einen ider zwei Ausflüge in den Frauenfußball Deutschlands zu machen.

2014 war das Jahr in dem Tyresö FF’s A-Mannschaft implodierte. Schon als die ersten Berichte in den Medien zu lesen waren, konnte man das leider erwarten. Das führte leider dazu, dass ich mit AIK nur noch einen Erstligaverein “vor der Haustüre” hatte. Nun kommt Hammarby zurück und damit hat man hier Gelegenheit, 22 Erstligaspiele zu sehen. Wobei ich den Saisonauftakt gleich verpassen werde.

Längere Interviews konnte ich dieses Jahr mit Tony Gustavsson, Christen Press, Anja Mittag, Annika Kukkonen, Fridolina Rolfö, Stephanie Labbé, Linda Sällström, Anita Asante,  Pernilla Ekroth und Ali Riley führn. Die letzten drei werden noch veröffentlicht.

Mal sehen, was 2015 bringt. Ich wünsche euch allen ein gesundes und gutes neues Jahr und auf ein Wiedersehen!