FC Rosengård – Kristianstads DFF 2:1

Die Saison ist eröffnet. Im einzigen Samstagsspiel gewann Meister FC Rosengård gegen die in dieser Saison wohl eher in der unteren Hälfte einzusortienden “Lokalrivalen” aus dem nicht weit entfernten Kristianstad mit 2:1.

Das erste Tor der neuen Saison schoss eine gewisse Marta Vieira da SilvaJohanna Rasmussen glich beinahe im Gegenzug überraschend aus, bevor dann die Niederländerin Lieke Martens mit einem möglicherweise von Marta abgefälschten Schuss das Siegtor in der ersten Halbzeit markierte. Dass Martens Schuss abgefälscht wurde, daran besteht kein Zweifel, auf den Livebildern des neuen Dienstes http://www.damallsvenskan.tv jedoch war nicht zu erkennen, wer exakt den Ball abgefälscht hat. Sollte es, wie mir schien, Marta gewesen sein, wäre der Treffer wegen Abseits irregulär. Die Rosengårdspielerinnen reagierten auch zweifelnd und jubelten erst, als ganz klar wurde, dass die Unparteiische das Spiel mit Anstoß für Kristianstad fortsetzen würde.

Überzeugend war das 4-1-4-1 System, das der dänische Trainer Jack Majgaard Jensen spielen ließ, noch keineswegs. Und Glück hatte man, dass Kristianstads Amanda Edgren in der Nachspielzeit den Ball nicht im leeren Tor unterbringen konnte.

Dort stand ansonsten die 33-Jährige Sofia Lundgren, die ihren Vertrag wohl auf ie komplette Saison 2016 ausdehnen wird. Denn Neueinkauf Erin McLeod zog sich bekanntermaßen im ersten Spiel für den neuen Arbeitgeber nach nur zehn Minuten einen neuerlichen Kreuzbandanriss zu und wird 1-2 Jahre (!!!) ausfallen. Rückkehr möglicherweise erst mit 35. Da Ehefrau Ella Masar auch einen Vertrag in Malmö bekam, wird McLeod nach Vernehmen ihre Reha in Schweden absolvieren. Olympia 2016 in Brasilien ist eh gelaufen für die Kanadierin. Wie man hört, wird bald Zecira Musovic ieder fit sein und dann beginnt ein interessanter Konkurrenzkampf zwischen Jung und Älter.

Auch in der zweiten Liga (Elitettan) wurden die ersten Begegnungen absolviert. Favorit Limhamn Bunkeflo lag mit 0:2 in Alingsås gegen Holmalund zurück, drehte das Spiel aber noch und gewann ,it 3:2. Absteiger AIK,. dem 14 Spielerinnen abhanden gingen con 2015 zu 2016, siegte 3:1 gegen Aufsteiger Sundsvall und das von der Brasilianerin Elaine Moura trainierte Älta (Außenbezirk von Stockholm) verlor gegen Kungsbacka DFF (aus der Nähe von Göteborg) mit 0:1. Morgen greift Damallsvenskanabsteiger und Wiederaufstiegstopfavorit Hammarby ins Geschehen ein. Man spielt auswärts bei QBIK in Karlstad.

Schwerer Start für Djurgården

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Emilia Appelqvist beim Presseauftakt der Damallsvenskan am 12.04.2016 (Foto: Anders Henrikson)

 

Ein Spielplaner, der einen Aufsteiger am ersten Spieltag auswärts beim Vorjahreszweiten und dann zu Hause gegen den amtierenden Meister ansetzt, meint es möglicherweise nicht gut mit dem Neuling. Oder aber er/sie will dem neuen Team eine Herausforderung ersten Ranges präsentieren.

Djurgården trifft es genauso. Morgen Nachmittag bei Eskilstuna United vor wohl großer Kulisse und am Mittwoch daheim im Olympiastadion von 1912 gegen Meister FC Rosengård.

Am vergangenen Dienstag befragte ich dazu Neuzugang Emilia Appelqvist, die nach zwei Jahren in Piteå und dem Sprung in die Nationalmannschaft nicht zuletzt aus privaten Gründen (ihr Freund spielt in Stockholm Eishockey) in die Hauptstadt zurückgekehrt ist, wo sie früher sowohl bei AIK wie auch bei Tyresö FF tätig war.

“Das Programm ist nicht nur schwer, es liegen auch wenige Tage dazwischen,” sagte Emilia Appelqvist. “Aber gerade jetzt am Anfang werden wir sehr viel Energie haben und es wird toll sein, gegen so gute Gegner spielen zu können. Ich sehe das vor allem positiv.”

Ein guter Start jedoch kann einen recht lange tragen, ein schlechter Start kann eine negative Spirale einleiten, versuchte ich es.

“Natürlich ist das so,” antwortete Emilia. “Es ist immer gut, wenn man einen positiven Start hat, aber gleichzeitig gilt, dass wir uns als Mannschaft während der Vorsaison eine Sicherheit erarbeitet haben. Je nachdem, wie es in den beiden Spielen laufen wird, wird es darauf ankommen, zu dieser Sicherheit zurückzufinden oder aber, wenn es gut läuft einfach so weiterzumachen.Wir haben etwas Gutes aufgebaut und jetzt geht es darum, gegen Eskilstuna und Rosengård so gut wie möglich zu spielen,” so Emilia Appelqvist.

Rosengård oder Linköping

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Obere Reihe von links nach rechts: Lina Hurtig (Umeå IK), Denise Sundberg (Kvarnsvedens IK), Carola Söberg (KIF Örebro), Emma Berglund (FC Rosengård), Clara Markstedt (Vittsjö GIK), Julia Karlenäs (Mallbackens IF Sunne). Untere Reihe von links nach rechts: Alice Nilsson (Kristianstads DFF), Irma Helin (Piteå IF), Elin Rubensson (Kopparbergs/Göteborg FC), Olivia Schough (Eskilstuna United), Emilia Appelquist (Djurgården), Magdalena Ericsson (Linköpings FC). Foto: Anders Henrikson

Zurück vom Medienauftakt der Damallsvenskan 2016. Wenn es nach den versammelten Trainern, Spielerinnen und Journalisten und sonstigen Teilnehmern geht, dann wird der schwedische Meistertitel in dieser Saison zwischen dem FC Rosengård (vier von fünf Titeln in den letzten Jahren) und Linköpings FC ausgespielt.

Bis auf die wegen Krankheit fehlende Maria Bergkvist (Umeå IK) waren alle Trainer anwesend und wie immer hatten diese auch Spielerinnen mitgebracht (auf dem Foto zu sehen und dort auch aufgelistet).

Da aber TV4 nicht mehr der Medienpartner ist, wurde die Veranstaltung vom Elitföreningen Damfotboll (EFD) und seinen Partnern selber moderiert und produziert und auch live auf http://www.damallsvenskan.tv gesendet.

Moderiert wurde das Ganze von der ehemaligen Spielerin Emelie Ölander und Expertin Hanna Marklund. Wie üblich mussten alle auf die Bühne und über Erwartungen und Aussichten sprechen, dazu kam natürlich Pia Sundhage, die über die Vorbereitungen auf Rio berichtete. Anna Oscarsson und Michelle De Jongh und ihr Trainer Calle Barrling freuen sich auf die U20-WM in Papua Neu Guinea im November und Oscarssons Mannschaft Hammarby gilt als Favorit für den Wiederaufstieg in die erste Liga.

Man ist sich allenthalben einig, dass es an der Spitze den oben genannten Zweikampf geben wird, dass Eskilstuna knapp dahinter kommen dürfte und dann Göteborg ein großes Mittelfeld anführen könnte. Unten rangiert das Quartett Kristianstad, Djurgården, Mallbacken und Kvarnsveden.

Göteborgs Trainer Stefan Rehn antwortete auf die Frage Ölanders, was denn dran sei an Gerüchten, dass Lotta Schelin eventuell zurück in die schwedische Liga kommen könnte: “Sie ist eine interessante Spielerin.”

Ein paar kürzere Interviews folgen in den nächsten Tagen.

Damallsvenskan live

Auch 2016 werden alle 132 Spiele der Damallsvenskan live übertragen. Allerdings gelang es dem Elitföreningen Damfotboll (EFD) nicht, die Rechte an einen Fernsehsender zu verkaufen.

Stattdessen nimmt man die Sache nun selber in die Hand und überträgt alle Spiele in Zusammenarbeit mit Medienpartnern im Internet.

Allerdings müssen sich die Fans auf eine saftige Preiserhöhung gefasst machen. Kostete der Service bei TV4 2015 noch 99 SEK im Monat, so will EFD oder http://www.damallsvenskan.tv pro Monat 169 SEK vom Fußballfan, also knapp 70% mehr. Bis zum 05.05. allerdings kann man das neue Angebot gratis testen, muss aber schon mal vorsorglich die Kreditkartennummer eingeben.

Die Sendungen haben keinen Geoblocker, man kann sie somit überall weltweit verfolgen.

Leider bin ich doch recht sicher, dass der neue Service zu einem erheblichen Userrückgang führen wird. Denn für die 99 SEK erhielt man 2015 eben auch den Zugang zu einer ganzen Reihe anderer Sendungen von TV4, darunter auch die niederländische Herrenfußballliga, während die 169 SEK an EFD nur für die Spiele der Damallsvenskan sind. Ergo werden hier nur die wirklichen Hardcorefans einsteigen. Positiv ist das natürlich dennoch, denn auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz können Frauenfußballfans für umgerechnet eta 18,40 € im Monat sehr viel Frauenfußball sehen…

Schweden ist durch

Spätestens nach dem 3:0 gestern Abend in der Slowakei und der Tatsache, dass Polen und Dänemark sich Donnerstagabend beim 0:0 Punkte abgenommen haben, dürfte klar sein, dass Schweden sich wieder einmal locker für ein großes Turnier qualifizieren wird. Nach Rio 2016 eben auch für die EURO 2017 in den Niederlanden.

Lotta Schelin saß auf der Bank, was einen Journalisten hierzulande schreiben ließ, dass Pia Sundhage ihren Star zugunsten von Pauline Hammarlund (Göteborg) in die zweite Reihe gestellt habe. Das entbehrte allerdings jeder Grundlage. Schelin laboriert an einer Oberschenkelverletzung, die sie schon aus Lyon mitbrachte und sollte es deshalb ruhiger angehen.

Die Tore erzielten Emilia Appelquist (Djurgården), Linda Sembrant (Montpellier) sowie Stina Blackstenius (Linköping). Bei den Gesprächen nach dem Spiel ging es denn auch mehr um die Olympischen Spiele in Rio als um die EM-Quali. Pia Sundhage will die Spielerinnen aus dem Ausland schon vor dem eigentlichen Trainingslager in Schweden versammeln und dann eine Woche vor dem Turnier nach Brasilien reisen, damit man sich sowohl akklimatisiert wie auch den Zeitunterschied rechtzeitig bewältigt. Es könnte und wird wohl Sundhages letzter Auftritt als Nationaltrainerin Schwedens sein. Ihr Vertrag läuft bekanntlich aus.

Als ein potentieller Nachfolger wird Andrée Jeglertz gehandelt. Der 44-Jährige, der mit Umeå IK mehrere schwedische Meisterschaften holte, hat vor kurzem erklärt, dass er seinen Vertrag als Nationaltrainer Finnlands nicht verlängern wird.

 

ffschweden im Gespräch mit: Guðbjörg Gunnarsdóttir

 

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Gudbjörg Gunnarsdottir 

 

Gugga ist wieder da. Die inzwischen 30-Jährige  Guðbjörg Gunnarsdóttir kehrte Ende letzten Jahres nach insgesamt drei Jahren bei Avaldsnes IL, Turbine Potsdam und Lilleström SK Kvinner zurück nach Schweden in ihre zweite Heimat Stockholm.

Inmitten der Vorsaison habe ich “Gugga”, wie alle sie nennen, in einem Café auf Östermalm getroffen, am vornehmen Karlaplan. Für sie lag das auf dem Weg zum Training auf dem Hjorthagen IP, einem Hallenplatz, auf dem die Mannschaft der neuen Trainerin Yvonne Ekroth trainieren kann, seit Djurgården dam wieder unter das Dach des Gesamtvereins genommen worden ist.

Djurgården wurde Zweiter in der Elitettan 2015, fünf Punkte hinter dem Überraschungsmeister Kvarnsvedens IK, den die Malawierin Tabitha Chawinga mehr oder weniger alleine in die erste Liga geschossen hat.

Man hat sich verstärkt für dieses Jahr. Im Mittelfeld vor allem mit Emilia Appelquist (Nationalspielerin) und Katrin Schmidt (die eine Berufung in Deutschland oder Schweden verdient hätte), in der Abwehr mit Michelle van der Bulk und Petronella Ekroth (ja, die Tochter der Trainerin) und im Tor eben mit Gugga. Auf den Kanten sieht es so aus wie im vorigen Jahr, sowohl in der Abwehr wie im Mittelfeld und für den Sturm hat man neben Djurgården-Urgestein Mia Jalkerud und Madeleine Stegius gerade letzten Donnerstag die Verpflichtung der portugiesischen Nationalspielerin Carolina Mendes am letzten Tag des schwedischen Transferfensters bekanntgegeben.

Was braucht man um in der Liga zu bleiben? Gugga muss es wissen, sie ist mit Djurgården 2012 abgestiegen.

“Ich weiß natürlich wie das zuletzt war, als ich hier gewesen bin. Es ist klar, dass sichj vielleicht viel in den letzten drei Jahren geändert hat, aber ich glaube, wir sind uns ziemlich darüber im Klaren, was gebraucht wird. Als ich anfing, wieder mit Djurgården zu sprechen, waren deren Gedanken und Pläne nicht kurz- sondern langfristig. Sie haben bei der Organisation angefangen, eine neue Trainerin, zwei Assistenten, einen Torwarttrainer, zwei Physios, eine medizinische Abteilung usw.”

“Sie haben das sehr gut gemacht. Das ist eine Investition, die halten soll und ein großer Unterschied ist, dass wir jetzt Teil des großen Vereins Djurgården sind. Früher war das DIFdam und wir waren ein eigener Verein, jetzt haben wir die Unterstützung des Vereins. Alles ist viel einfacher, angefangen bei den Trainingszeiten. Wenn du diese Vorsaison mit der letzten Vorsaison vergleichst in der ich hier war. Da war es verdammt schwer, einen beheizten Platz zu finden. Wir waren fast den ganzen Januar im Fitnessstudio, aber jetzt haben wir Hjorthagen, wo wir im Zelt trainieren können. Die Voraussetzungen sind viel besser.”

Was sagst du zum Kader?

“Ich finde, wie haben uns klug verstärkt. Es fing mit Milla iund Katta an (Appelquist und Schmidt; RF), zwei wichtige Spieler, die uns einen starken Stamm geben. Es ist klar, dass wir mehr gebrauchen könnten, aber es gibt viele Mannschaften, bei denen man echt nicht weiß, wie es für sie laufen wird. Ich hoffe wirklich, dass wir ein Team haben, dass es schaffen kann.”

Diese Unsicherheit ist typisch für die Vorsaison. Man macht zwar Vorbereitungsspiele, spielt auch mal gegen Ligakonkurrenten, aber meist fehlen Nationalspielerinnen. Wo man steht, erfährt man oft erst am ersten Spieltag.

Gugga sagt mir, dass es eine Herausforderung für sie sein wird, dass es so sein könnte, dass die eine oder andere Rettungstat von ihr dem Team einen Punkt oder gar drei bringen könnte. Fehler darfst du auch bei keinem Topverein machen, aber trotzdem ist da ein Unterschied.

“Wir haben Nella (Ekroth) bekommen und ich finde auch Michaela (van der Bulk) richtig gut. Ehrlich gesagt habe ich dem Verein den Tipp gegeben. Sheila (so wird Michaela genannt) war meiner Meinung nach die beste Spielerin bei Kolbotn in der norwegischen Liga, ich verstehe nicht, wieso die nicht in der holländischen Nationalmannschaft spielt. Wir haben eine Reihe von Spielerinnen von hoher Qualität und dann eine weitere Reihe junge Spielerinnen mit großem Entwicklungsporential.”

Dennoch bin ich spätestens nach dem 1:6 gegen Linköping am Samstag skeptisch. Das Spiel hätte auch zweistellig enden können und besonders auf den Flügeln wurde Djurgården ein ums andere Mal gnadenlos ausgespielt von einer Mannschaft, die allerdiungs auch gute Chancen hat, Rosengård zum Tanz aufzufordern. Djurgården wird auch in der Comeback-Saison von Guðbjörg Gunnarsdóttir wieder gegen den Abstieg spielen.

Den zweiten Teil des Interviews, in dem wir über Deutschland, Norwegen und Schweden gesprochen haben, könnt ihr in der nächsten Woche lesen.

 

Djurgården wird es nicht leicht haben

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Emma Lennartsson erzielt das 4:1 für Linköping

Aufsteiger haben es nie leicht, das wird in dieser Saison auch Kvarnsveden und Djurgården betreffen. Während sich aber Kvarnsveden nur mit Spielerinnen aus der Elitettan verstärkt hat, holte Djurgården eine Reihe von erfahrenen Spielerinnen, an der Spitze Mittelfeld-As Katrin Schmidt, die am Mittwoch noch für den FC Rosengård gegen Frankfurt eine tolle Leistung gezeigt hatte.

Vor drei Tagen noch auf internationalem Parkett gab es dann heute für Schmidt eine deftige 1:6-Niederlage gegen Linköpings FC und wohl die Erkenntnis, dass es sehr schwer werden dürfte die Klasse zu erhalten. Gudbjörg Gunnarsdotrir sorgte mit einigen Glanzparaden  dafür, dass die Niederlage nicht deutlicher ausfiel. Torschützinnen für Linköping: Kristine Minde und Stina Blackstenius und Pernille Harder (je 2).

 

Zwei Wahrheiten – Frankfurt/Rosengård

Nach dem Mittwochabendspiel in Frankfurt stehen die Vorwürfe rassistischer Entgleisungen durch Frankfurter Fans weiterhin im Raum. Auf deutscher Seite werden alle Vorwürfe als unverschämt und aus der Luft gegriffen zurückgewiesen. Beide Frankfurter Zeitungen, die Rundschau und die FAZ bekundeten einig und wissend, sie hätten nichts dergleichen gehört, die FR meint gar, die UEFA könne 3220 Zeugen einladen, die allesamt nichts Rassistisches gehört hätten.

Man hätte lediglich die unfaire Spielweise der Kamerunerin Gaelle Engamanouit und natürlich, wie immer in Deutschland, Martas mit Pfiffen und Buhrufen quittiert.

In Schweden genau die andere Version. Als ich versuche herauszufinden, was denn gerufen worden sei, bekomme ich von Max Wiman (Sydsvenska Dagbladet) die Antwort, es seien so schlimme Worte, die er niemals in den Mund nehmen würde. Klas Tjebbes, Clubchef von Rosengård sagt, er habe nicht genau gehört, was das Publikum gerufen habe, weil das ja auf Deutsch gewesen sei: “Ich hörte lediglich, dass sie wie verrückt buhten, wenn Marta und Gaelle den Ball hatten. Aber ich weiss, dass viele rassistische Dinge hörten und die Schiedsrichterin muss es auch gehört haben, schliesslich unterbrach sie das Spiel.” Tjebbes hat selber also nichts verstanden, aber “viele” haben es verstanden. Er nennt allerdings niemanden, der zu “viele” gehört. Man kann die Frage, was denn geschrien wurde, nicht weiterreichen.

Mannschaftskapitänin Emma Berglund: “Man hörte, dass sie jedes Mal buhten, wenn Gaelle den Ball hatte. Aber ich weiss nicht, was sie gesagt haben, denn das war auf Deutsch.”

Auch hier keine klare Auskunft. Auf Twitter gibt es Andeutungen, einige Zuschauer hätten Affenlaute in Bezug auf Engamanouit voin sich gegeben. Wenn das stimmen sollte, wäre das in der Tat hochrassistisch und der gastgebende Verein hätte diese Zuschauer unmittelbar des Stadions verweisen müssen.

Anita Asante, englische Allroundspielerin in Diensten des FC Rosengård mit familiären Wurzeln in Ghana gab der BBC ein Interview zum Thema: Anita sagt, sie wäre während des Spiels nicht belästigt worden, hat aber natürlich gemerkt, dass Marta und Engamanouit ausgebuht wurden. Sie habe geglaubt, man hätte das getan, weil sie beide sehr gute Spielerinnen sind und erst später erfahren, dass es möglicherweise auch andere Gründe gab.

“Es gab eine grosse Zahl von Fans, die sehr aggressiv buhten, aber nichts in Form von Worten, die ich verstanden hätte,” so Asante.

“Falls die Anschuldigungen war sein sollten, wäre es die Angelegenheit der UEFA sich mit Frankfurt zu befassen und dafür zu sorgen, dass Frankfurt sicher stellt, dass verantwortliche Fans für ihr Verhalten bestraft werden und nicht die Möglichkeit bekommen, es wieder zu tun.” Eine vorsichtige und korrekte Auskunft der Engländerin, ganz im Gegensatz zu ihrem Trainer Jack Majgaard Jensen, der nach dem Spiel konstatierte: “Das ist sehr traurig, hier gibt es viele Idioten.”

Aber auch Schwedens Nationaltrainerin Pia Sundhafe zeigte sich entsetzt: “Ich habe so etwas noch nicht erlebt, das ist völlig unakzeptabel. Man sollte nicht die Augen verschliessen und sagen ‘war doch gar nicht so schlimm’. Das ist einer Spiegelung der Gesellschaft und das ist eine grosse Gefahr.” Sundhage sah das Spiel auf Eurosport im Fernsehen.

Und zum Schluss noch einmal Rosengårds Clubchef Klas Tjebbes: “Es ist verdammt furchtbar, dass so etwas passiert. Man sollte nicht so eine Menge Mist von einer Menge Rassisten erdulden müssen. Das ist furchtbar.”

Wir können gespannt auf Dienstag sein. Mir ging es nur darum, zu zeigen, dass die Ansichten über das, was am Mittwochabend in Frankfurt passiert ist, völlig auseinanderdriften. Selber habe ich keine entscheidende Meinung hierzu, da ich nicht weiss, ob überhaupt und wenn ja was gerufen wurde. Auf beiden Seiten gibt es glaubwürdige Schilderungen, was mich stört ist die Selbstverständlichkeit, mit der deutsche Medien die möglichen Ereignisse verneinen und die Selbstverständlichkeit auf der anderen Seite der schwedischen Medien, die überzeugt sind, dass eine kleine oder grössere Anzahl von Zuschauern sich daneben benommen hat.

Klar ist, dass Medien hier wie dort und selbst im Ausland (siehe BBC) diesen Disput als “gefundenes Fressen” aufnehmen, um zu polarisieren und Aufregung in das ansonsten eher ruhig ablaufende Geschehen im Frauenfussball zu bringen. Die Fragen an Berglund und Tjebbes, die beide kein Deutsch verstehen wollen nur provozierende Äusserungen entlocken. Dass ausgerechnet Malmös Trainer darauf reinfällt und das gesamte Publikum verunglimpft, ist höchst bedauerlich.

Genauso bedauerlich allerdings, dass Jensen, der in der Pressekonferenz Dänisch sprach und schlecht von der schwedischen Dolmetscherin Frankfurts übersetzt wurde und gesagt haben soll, er sei froh, nicht Frankfurts Trainer zu sein (warum?), bedauerlich dass Jensen von der deutschen Fach(?)presse ausgebuht wird auf der Pressekonferenz. Das ist dann mindestens genauso niveaulos wie die Äusserungen des Trainers. Schade. Schade, dass diese Begegnung zweier europäischer Spitzenmannschaften so einen faden Beigeschmack bekommen hat.

 

EM ohne Manon

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Manon Melis (Foto: Anders Henrikson)

 

Manon Melis hat ihren Rücktritt aus der niederländischen Nationalmannschaft bekanntgegeben. Sie teilte Nationaltrainer Arjan van der Laan mit, dass sie ab sofort nicht mehr für Holland spielen wird. Die 29-Jährige will sich ganz auf das Spiel mit ihrem neuen amerikanischen Verein Seattle Reign konzentrieren.

 

In 136 Länderspielen erzielte Manon 59 Tore und ist damit die Nummer 1 in der Länderspielgeschichte ihres Landes.

“Ich habe zwölf Jahre lang mit viel Freude für die Nationalmannschaft gespielt. Ich bin stolz, das ich ein Teil dieser großartigen Mannschaft war und dass ich an der Entwicklung unseres Teams und des Frauenfußballs beteiligt war. Mein Fpkus liegt jetzt ganz auf Seattle Reign, wo die Saison im April beginnt.

Melis hat viele Jahre bei LdB FC Malmö, Linköpings FC und dann wieder Malmö und schließlich in Göteborg gespielt und war mehrfach Torschützenkönigin der Damallsvenskan.

Ausgeschieden – Bitterer Beigeschmack

Der FC Rosengård ist erneut im Viertelfinale der UEFA Champions League gescheitert. Nachdem man das Spiel am Brentanobad in Frankfurt durch einen Treffer von Sara Björk Gunnarsdottir mit 1:0 gewonnen und damit die Verlängerung erzwungen hatte, setzte sich der 1.FFC Frankfurt im Elfmeterschießen durch und schlug nach Lilleström aus Norwegen auch den schwedischen Meister vom Punkt aus. Torschützin Sara Björk verschoss ihren Elfer, alle anderen trafen. Frankfurt trifft auf Wolfsburg.

Der bittere Beigeschmack, den der Sieg der deutschen Elf hinterlässt, kommt daher, dass das Teile des Frankfurter Publikums offenbar rassistische Zurufe zu Rosengårds kamerunischer Nationalspielerin Gaelle Engamanouit machten. Auch Marta wurde nach Angaben der Vereinsführung aus Malmö immer wieder mit herabsetzenden geschrieenen Kommentaren bedacht.

Rosengårds dänischer Trainer Jack Majgaard Jensen: “Wir haben das die ganze Zeit gehört. Sobald sie merkten, dass sie (Gaelle Engamanouit) gut ist, versuchten sie, sie dazu bringen, dass sie ihre Energie auf anderes vergeudet. Ich bin stolz auf meine Mannschaft und froh, dass ich sie trainiere. Die Einstellung, die Frankfurt hat, sich ständig hinzuwerfen und den Kopf hängen zu lassen, ist für mich kein Fußball. Aber leider spielen sie so. Das würden sie nicht tun, wenn ich ihr Trainer wäre.”

Zu den Angriffen des Publikums gegen Marta: “Das ist sehr traurig. Besonders wenn eine Spielerin so viel für den Frauenfußball getan hat. Natürlich dürfen sie buhen und schreien, aber wenn es rassistisch und persönlich wird, dann hat das nichts im Fußball zu suchen.”

Die italienische Schiedsrichterin unterbrach das Spiel kurz, der Stadionsprecher rief das Publikum zur Ordnung auf und verwahrte sich gegen Rassismus, die UEFA untersucht den Fall und möglicherweise droht Frankfurt eine Geldstrafe.

Saisonstart in Norwegen

Während die Fans in Schweden noch ganze zwei Wochen warten müssen, bis die Damallsvenskan losgeht, hat sich unser westlicher Nachbar Norwegen schon am Ostermontag auf die Fußballplätze begeben und den ersten Spoieltag der Toppserien absolviert.

Stabæk aus dem Osloer Vorort Bærum gelang dabei ein fulminanter Start gegen den Lokalrivalen Vålerenga. Schon zur Halbzeit führte das Team von Trainer Öyvind Eide (ja, genau der) mit 5:0 beim Gastgeber und dabei blieb es dann aber auch. Dabei standen sich auch zwei ehemalige Mannschaftskameradinnen vom Stockholmer Zweitligaverein AIK gegenüber. Die Finnin Maija Saari bei den siegreichen Gästen und Jennie Nordin bei Vålerenga.

Die übrigen Resultate:

Klepp – Avaldsnes 0:2
Sandviken – Arna-Björnar 1:1
Röa – Urædd 1:0
Kolbotn – LSK Kvinner 1:1 (Mimmi Löfwenius spielte die 2. Halbzeit)
Trondheims Örn – Medkila 2:0

Alle Spiele fanden (leider wie üblich in Norwegen) vor kleinen Zuschauerkulissen statt, zwischen 200 und 350 Personen pro Spiel.

 

Aus für Antonia Göransson

Die 25-Jährige Antonia Göransson (früher u.a. Kristianstad, Vittsjö und Turbine Potsdam) wechselte im November 2015 überraschend in die amerikanische Profiliga NWSL zu Hope Solo’s Club Seattle Reign.

Am Freitag teilte ihr Verein mit, dass man sie im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Kader genommen hat. Die Gründe hierfür seien medizinischer Art, Genaues wird nicht gesagt. Eine etwas rätselhafte Erklärung, in der es heißt, es sei wohl am besten für Göransson, in dieser Saison nicht zu spielen.

Torwartprobleme in Malmö

Am kommenden Mittwoch wird der FC Rosengård wohl nur mit einer grandiosen Leistung das Blatt noch einmal wenden können. Das 0:1 gegen den 1.FFC Frankfurt nach einem Aussetzer von Lina Nilsson, die den Ball im Strafrauym unnötigerweise mit der Hand spielte und der darauf folgende Elfmeter von Dszenifer Marozsan haben wohl dafür gesorgt, dass man zum dritten Mal hintereinander im Viertelfinale der Champions League scheitert.

Schon nach zehn Minuten in ihrem ersten Pflichtspiel verletzte sich überdies die 33-Jährige Kanadierin Erin McLeod im Tor und musste durch Ersatzersatz Sofia Lundgren ersetzt werden. Die vereinslose Lundgren, die man mit Djurgården in Verbindung gebracht hatte, bevor die Isländerin Gudbjörg Gunnarsdottir erneut verpflichtet wurde, erhielt einen Vertrag bis zum Sommer, denn auch Malmös (Rosengårds) Ersatztorfrau, die hochtalemtierte Zecira Musovic fällt noch einige Wochen aus.

Nun wäre Lundgren am Mittwoch also alleine am Brentanobad. Nicht auszudenken, wenn ihr etwas passieren würde, also besorgte Sportchefin Therese Sjögran kurzerhand das zweite Backup: Jessica Höglander, einstige Europameisterin der U19 und in Diensten beim Zweitligisten Sirius, wird direkt von Stockholm aus nach Frankfurt reisen und erhält einen Vertrag über ein (!!) Spiel.

Für McLeod könnte die Saison schon beendet sein. Sie zog sich am Mittwoch einen Anriss des Kreuzbands zu und dürfte etliche Wochen oder gar Monate ausfallen. Eventuell sind die Olympischen Spiele in Gefahr. Vielleicht muss ja Rosengård dann doch das tun, wovon es ansonsten viel redet, nämlich auf schwedische Talente setzen. Die 19-Jährige Zecira Musovic hat schon vergangenes Jahr in mehreren Begegnungen gezeigt, dass sie ein Ausnahmetalent ist.

 

Rosengård gewinnt letzten Supercup

Vor lediglich 321 Zuschauern gewann Meister Rosengård gestern Abend auf dem heimischen Malmö IP das Supercupspiel gegen Pokalsieger Linköpings FC mit 2:1.

Lieke Martens brachte die Gastgeber mit einem Heber in Führung, der arg nach einem bösen Fehler von LFC:s neuer Torfrau Cajsa Andersson aussah.

Fridolina Rolfö gelang der Ausgleich, unhaltbar für die gestern Abend dann doch erstmals spielende Erin McLeod.

Nach einer maßgerechten Ecke von Marta köpfte fast anschließend Emma Berglund den Siegtreffer für die Heimmannschaft. Trainer Jack Majgaard Jensen teilte mit, dass McLeod auch gegen den 1.FFC Frankfurt spielen werde. Die eigens verpflichtete Sofia Lundgren wird also lediglich auf der Bank Platz nehmen dürfen.

 

Finanzspritze für Rosengård

Insgesamt rund 2,4 Millionen € in zusätzlichen Sponsorengeldern wird der schwedische Meister FC Rosengård in den kommenden drei Jahren von einem Konsortium bestehend aus lokalen und regionalen Sponsoren erhalten. Das gaben die Beteiligten am Montag in Malmö bekannt.

Vereinsboss Klas Tjebbes feierte den für Frauenfußballverhältnisse lukrativen Vertrag mit der Bemerkung, das dies der bislang umfangreichste seiner Art im schwedischen Frauenfußball sei.

In der letzten Woche trafen sich die Vereinsbosse der größten Frauenfußballclubs in Barcelona und dort sprach sich Tjebbes dafür aus, dass die UEFA den Anteil des Frauenfußballs bei den Startgeldern für die Champions-League von 0,2% auf 2% verzehnfachen solle. Leider fand Tjebbes dafür aber kein Gehör.

Zum Vergleich: Die Frauenclubs bekommen derzeit insgesamt 2,4 Millionen Euro (alle Vereine zusammen) während die Männer etwa 1,25 Milliarden Euro bekommen.