Hope Solo und ihre Vorbildfunktion

Pia Sundhage erklärte gestern, dass alle Spielerinnen, über die sie gesprochen habe Vorbilder als Spielerinnen und allgemein als Frauen wären. Im Fall Hope Solo habe ich da meine Zweifel.

Sicher, auch ich halte sie für die beste Torhüterin der Welt und sie ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Sports und ich warte noch immer auf die Gelegenheit zu einem längeren Interview mit ihr. Aber der amerikanische Sportsender ESPN hat erst vor wenigen Tagen einen längeren Artikel über die Ereignisse im Juni 2014 veröffentlicht.

Solo wurde demnach am 21.06.2014 nach einem Anruf wegen angeblich häuslicher Gewalt von Polizeibeamten in Seattle festgenommen und, weil sie erheblichen Widerstand leistete, zu Boden gedrückt und mit Handschellen versehen. Laut Polizeiprotokoll schrie sie: “Du bist solch eine Hure. Du hast Angst vor mir, denn du weißt genau, wenn die Handschellen nicht da wären, würde ich dich fertigmachen.”

Gebeten eine Halskette zu entfernen, rief sie einem anderen Polizisten zu, die Kette sei mehr wert, als was der Polizist im ganzen Jahr verdienen würde. Solo hat in einem Fernsehauftritt in der Sendung “Good Morning, America” erklärt, sie sei keine Täterin, sondern ein Opfer, eine fälschlicherweise angeklagte Athletin, die jetzt von der Wahrheit befreit worden sei.

Die Staatsanwaltschaft soll bis zum 13.07. ihre Darstellung des Falles vorlegen und Solos Anwälte können dann bis zum 10.08. darauf antworten. Am 11.09.soll eine mündliche Vorverhandlung stattfinden.

Bei der WM haben die Presseverantwortlichen des amerikanischen Teams alle Journalisten deutlich bis scharf darauf hingewiesen, dass man Hope Solo keine Fragen hierzu stellen darf und dass Journalisten, die das doch tun von den Teampressekonferenzen und Spielerinnengesprächen ausgeschlossen würden.

Im Juni 2014 soll Hope Solo in angetrunkenem Zustand ihre Halbschwester Teresa Obert und deren damals 17-Jährigen Sohn misshandelt haben. In Good Morning, America schob Solo die Schuld auf ihren Neffen. Der sei 2,03 Meter groß und Solo (1,75 m) stellte die Sache so dar, dass man einen so großen männlichen Jugendlichen als Frau gar nicht misshandeln könnte. Diese öffentlichen Äußerungen brachten nun wiederum Teresa Obert auf die Palme.

Laut ESPN, dass Zugang zu Polizeiakten hatte, hatte Hope Solo am Ärger mit ihrem Mann Jeremy Stevens am Abend des 20.06. Sie kündigte sich bei ihrer Halbschwester an und wartete in ihrem Auto auf Obert und deren Sohn. Die beiden Frauen tranken mehrere Gläser Wein. Danach kam es zu einem sich steigernden Streit. Solo soll Oberts Sohn beschimpft haben, sich auf ihn gestürzt haben und seinen Kopf mehrfach auf den Zementboden geschlagen haben. Solo sagte selber beim Eintreffen der Polizei, dass ihr Neffe sie attackiert habe. Die Polizei hörte sich die Aussagen vor Ort an und da Solos Neffe mehrere Verletzungen aufwies, Hope Solo aber nur sehr lindrige, dass es genügend Anlass gebe, die amerikanische Nationaltorhüterin festzunehmen. Im Untersuchungsgefängnis kam es dann zu Solos Bemerkung zu einer Wächterin, sie würde sie fertigmachen, wenn sie keine Handschellen hätte. Hopes Anwalt Maybrown erklärte hierzu, seine Mandantin sei wütend gewesen, wir alle wären wütend, wenn wir unschuldig festgenommen würden. Das Verhalten Solos, ihr unsteter Gang, das sie Polizeibeamten auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückführten (auch ihre angebliche Alkoholfahne wurde von zwei Beamten notiert) führte der Anwalt auf eine Gehirnerschütterung zurück, die Solo durch einen Schlag ihres Neffen zugefügt worden sei.)

Eine Woche nach dem Vorfall in Seattle wurde Hopes Ehemann Jeremy Stevens an der Ostküste der USA festgenommen, weil er mit Alkohol am Steuer gesessen hatte. Dummerweise fuhr er einen Minibus, der dem amerikanischen Fußballverband gehörte und dummerweise saß Hope Solo auf dem Beifahrersitz. Wenn sie in “Good Morning, America” sagt, dass wir alle Fehler machen würden und wir alle ein recht auf Wiedergutmachung hätten, dann stimme ich dem zu. Allerdings fällt gerade im Fall der vielleicht besten Torhüterin der Welt die Häufigkeit von ernsten Fehlern auf.

Wenn man jedoch ihre Autobiographie “A Memoir of Hope” gelesen hat, dann weiß man, dass Solo es niemals leicht im Leben hatte. Ihr Vater war während ihrer Kindheit und Jugend meist obdachlos, mit ihrem Bruder hatte sie eine jahrelange destruktive Beziehung, in der sie ständig geschlagen und getreten wurde.

Hier sind möglicherweise viele der aktuellen Ereignisse um die weltberühmte Spielerin verwurzelt. Diese Woche gab es wieder Schlagzeilen, nachdem der prominente ESPN-Moderator Keith Olbermann gefordert hatte, dass Hope Solo von der WM ausgeschlossen werden müsste. Wäre dies im amerikanischen Football passiert, so ist sich Olbermann sicher, hätte es eine sofortige Suspendierung gegeben.

Pia Sundhage erklärt

Nach dem am Mittwoch in der New York Times veröffentlichten Interview, in dem Pia Sundhage u.a. über Carli Lloyd, Abby Wambach, Hope Solo und Amy Rodriguez nicht nur positiv gesprochen hat, gab es naturgemäß eine Reihe Fragen von der versammelten schwedischen Presse bei der gestrigen Pressekonferenz in Winnipeg.

Sundhage begann ihre Antwort mit der Frage: “Was habe ich in dem Interview denn gesagt?” und lachte dann ihr entwaffnendes Lachen. Anschließend erklärte sie, dass das Interview im März stattgefunden habe.

“Der Kontext des Interviews war, dass es um die Zukunft des Frauenfußballs ging. Wenn man sich Carli Lloyd anschaut, eine meiner Lieblingsspielerinnen… Der Grund dafür, dass ich hier sitze, ist die USA. Sie haben mich als eine gute Trainerin aussehen lassen. Carli Lloyd hat für mich spielentscheidende Tore gemacht. Sie ist eine Spielerin, die sehr viel klüger ist als ich. Die Botschaft, die ich ihr zu geben versucht habe, an die hat sie oft gedacht, aber manchmal machte sie nicht das, was wir machen sollten. Sie ist eine Teamspielerin und sie hat viele Tore geschossen und ist eine der wichtigsten Spielerinnen, die ich gehabt habe. Ich könnte viele Beispiele geben. Manche Spielerinnen zu haben, ist eine Herausforderung. Aber es sind auch diese Spielerinnen, die dir Siege und Goldmedaillen bringen. Diejenigen, die genau das tun, was ich sage, sind nicht immer gleichermaßen gut.”

Über Abby Wambach hieß es in dem NYT-Interview, dass sie heute bei Sundhage nur noch Ersatzspielerin wäre. Auf der gestrigen Pressekonferenz sagte Pia: “Abby ist in vieler Hinsicht speziell, nicht zuletzt durch ihr Kopfballspiel. Ich glaube, sie kann weitermachen, bis sie 40 ist. Auch hier habe ich in einem größeren Kontext geantwortet. Ich habe erklärt, dass ich zu ihr gesagt habe: ‘du hast deine Rolle am Anfang von Spielen und am Ende von Spielen’. In meinem Fall hätte ich sie als ein Ass im Ärmel gehabt und sie am Ende von Spielen gebracht. Wie sie jetzt ausgesehen hat, würde ich sie jedoch von Anfang an spielen lassen, so gut war sie.”

Über Hope Solo hatte Sundhage gesagt, dass sie aufgrund der vielen Ereignisse in ihrem Privatleben  eine Herausforderung sei. Nun: “Hope Solo? Sie ist ein Stück Arbeit. Um sie herum passieren Sachen außerhalb des Spielfelds. Aber auf dem Platz ist sie die beste Torhüterin der Welt. Sie hat einen schweren Weg gehabt.”

Ob sie denn den Nervenkrieg mit den Amerikanerinnen durch das Interview habe anstacheln wollen, wurde sie gefragt?

“Überhaupt nicht. So schlau bin ich nicht. Ich antworte lediglich auf Fragen und weil ich erzählen will, wie toll Frauenfußball ist. Ich will, dass es mehr Interesse am Frauenfußball gibt. Wenn ich immer nur dieselben Antworten geben würde, wäre das langweilig. Ich möchte dem Frauenfußball das geben, was er wirklich verdient. Deshalb habe ich über Hope Solo, Carli Lloyd und eine Menge anderer Spielerinnen geredet, die ich für fantastisch halte. Das sind Vorbilder für den Fußball und ganz allgemein für Frauen. Ich kriege zu hören, dass ich zu viel rede. Aber was ist das Schlimmste, was passieren kann? Ich kriege eine weitere Frage von euch. Was auch immer passiert, morgen ist ein neues Spiel.”

Deutschland praktisch Gruppensieger

Der angepeilte Gruppensieg ist der deutschen Mannschaft bei der Fussball-WM in Kanada kaum noch zu nehmen. Nach dem 1:1 gegen Norwegen in Ottawa müssten die Norwegerinnen schon die Elfenbeinküste mit 8:0 schlagen und Deutschland nicht über ein 1:0 gegen Thailand hinauskommen.

Es spricht also vieles dafür, dass Deutschland am Samstag, den 20. Juni um 16.00 Uhr Ortszeit dann zum dritten Mal im Lansdowne Stadion von Ottawa einlaufen wird. Gegner könnten dann die Niederlande, China, Kamerun, Schweden, Nigeria oder Australiern sein. Das Viertelfinale für den Sieger dieser Begegnung findet im knapp drei Stunden entfernten Montreal statt, wo auch ein eventuelles Halbfinale für Deutschland angesetzt würde. Erst zum Finale am 5. Juli müsste man dann wieder in ein Flugzeug steigen und nach Vancouver weit in den Westen fliegen.

Nadine Angerer zeigte sich im Interview mit der Homepage des DFB begeistert von der Leistung in der ersten Halbzeit. Die Norwegerinnen hätten nicht mehr gewusst, wo hinten und vorne sei. Allerdings vermasselte dann die mangelhafte Chancenauswertung den Deutschen den Sieg. Über das deutliche Nachlassen in der zweiten Halbzeit sagte Angerer: “Ich möchte nicht ständig auf dem Thema Kunstrasen herumreiten, aber er ist sehr stumpf und hart. Das ist energieraubend. Wenn es 20 Grad Außentemperatur sind, sind da unten durch die Unmengen von schwarzem Granulat 40 Grad. Das ist super heiß. Unser Spiel ist sehr kraftraubend und auf so einem Boden natürlich doppelt und dreifach”

Maren Mjelde wars natürlich hoch zufrieden nach ihrem spektakulären Freistosstor: “Ich bin sehr glücklich, dass er reingegangen ist, und vor allem natürlich gegen Deutschland. Ich habe den ganzen letzten Monat sehr viel geübt,” sagte sie nach dem Spiel zu Bergens Tidende. “Wir wissen, dass wir mental stark sind und gute Fähigkeiten haben. Wir haben darüber gesprochen, dass wir in allen Zweikämpfen auf dem Platz stark sein müssen, weil sie uns da überall geschlagen haben. Wir mussten schneller sein und haben das Spiel nach der Halbzeitpause besser kontrolliert.”

Keine Revanche für Norwegen

Heute Abend steigt das Finale der Gruppe B in der Lansdowne Arena in Ottawa. Deutschland trifft zum neunundreißigsten Mal auf Norwegen. Keine andere Mannschaft hat öfter gegen die Neid-Truppe gespielt.

Wahrscheinlich muss der Vize-Europameister auf seine Mannschaftskapitänin Trine Rønning verzichten. Die 32-Jährige musste im Spiel gegen Thailand in der 63. Minute gegen Elise Thorsnes ausgewechselt werden, weil sie Schmerzen im Oberschenkel hatte, die von einer Verletzung herrühren, mit der sich Rønning das ganze Frühjahr geplagt hat.

Trainer Even Pellerud wollte es gestern noch nicht entscheiden, äußerte sich aber skeptisch über den Einsatz Rønnings: “Wir haben noch nichts entschieden, aber wir werden kein Risiko eingehen. Wenn es so sein sollte, dass es sich verschlimmern könnte, dann ist es besser zu warten. Es kann durchaus sein, dass wir diese Schlussfolgerung ziehen, aber soweit sind wir noch nicht,” sagte Pellerud der norwegischen Nachrichtenagentur NTB. Sollte Rønning heute Abend nicht dabei sein können, wird Torhüterin Ingrid Hjelmseth die Kapitänsbinde tragen.

Weder Rønning noch Solveig Gulbrandsen würden im Falle eines Falles einen Elfmeter schießen. Zur Erinnerung: 2013, im EM-Finale scheiterten beide an Nadine Angerer, die mit diesen Großtaten den Grundstein legte, um als erste Torhüterin Weltfußballerin des Jahres zu werden. Heute ist Maren Mjelde als Schützin vorgesehen, als Alternative steht Lene Mykjåland bereit.

Trine Rønning sieht das Gruppenspiel jedoch keinesfalls als Revanche: “Der Gedanke an eine Revanche kommt erst, wenn man sie auch ausschalten kann. Die Gruppenphase ist nur ein Schritt auf dem Weg und speziell heute brauchen wir Deutschland ja auch nicht unbedingt schlagen um weiterzukommen. Wir können da ganz locker reingehen und den Deutschen an die Kehle gehen, sie vielleicht sogar ein wenig schockieren,” sagte Rønning der Homepage des norwegischen Fußballverbands.

Pia Sundhage motiviert – die Amerikanerinnen vor dem Schwedenspiel

Es passiert immer wieder. 2009 bei der EM in Finnland schrieben viele schwedische Spielerinnen vor dem Viertelfinale gegen Norwegen in sozialen Medien, wie sie am nächsten Tag locker eine Runde weiter kommen würden. “Experte” Pontus Kåmark sagte im Fernsehen martialisch, dass Schweden auf jeder Position deutlich besser besetzt sei. Die Norwegerinnen hörten es, die arroganten Äusserungen stachelten sie nur an und am Ende gewannen sie locker mit 3:1 gegen die überheblichen Nachbarn.

Pia Sundhage ist 55 Jahre alt und ausgebildete Trainerin und müsste es eigentlich besser wissen. Ihr Interview mit der angesehenen New York Times fand offenbar schon im März statt, wurde aber gestern in den USA publiziert. Man kann sicher sein, dass Jill Ellis und Tony Gustavsson Teile daraus vergrössern und den Spielerinnen der USA in die UJmkleide hängen. Denn Sundhage äussert sich über einzelne Spielerinnen, die sie selber mal trainiert hat.

Sie habe sich nie besonders für das Leben ihrer Spielerinnen jenseits des Platzes interessiert, sagte sie der New York Times: “Ich rede mit ihnen über ihre Mütter, die Väter, den Freund oder die Freundin oder was auch immer und weisst du was? Es geht in einem Ohr rein und im anderen wieder raus. Ich versuche es, ich versuche es wirklich. Ich erinnere mich, dass ich mal ganz lange mit Amy Rodriguez sass, wir redeten und redeten und ich weiss trotzdem nichts über ihre Familie.

Über Carli Lloyd: “Es ist eine Herausforderung, sie zu trainieren. Wenn sie das Gefühl hatte, dass wir ihr vertrauen, konnte sie eine der besten Spielerinnen sein. Aber wenn sie begann, dieses Vertrauen in Frage zu stellen, konnte sie eine der schlechtesten sein.”

Auch Hope Solo sei eine sehr schwierige Spielerin gewesen, vor allem wegen ihrer Eskapaden ausserhalb des Platzes.

Und auch Abby Wambach bekommt ihr Fett ab: “Ich habe zu Abby gesagt, wenn ich geblieben wäre, wärst du auf der Bank. Die beste Ersatzspielerin aller Zeiten. Aber Ersatzspielerin .Darüber gab es in meinem Kopf keinen Zweifel.”

Das komplette Interview kann man hier lesen.

Bei Fox Sport in den USA diskutierten u.a. Heather Mitts und Ariane Hingst über das Interview. Beide ehemalige Spielerinnen waren sich einig, dass diese Äusserungen Öl ins Feuer giessen und die US-Spielerinnen nur noch weiter anstacheln würden.

Fazit 1 – Alle Teams im Turnier

Alle Teams der siebten Frauenfußball-WM haben nun ein Spiel absolviert. Es gibt noch für alle ein zweites und ein drittes Spiel, aber welche Eindrücke habe ich aus den ersten 90 + x Minuten gewonnen?

Zunächst einmal haben alle an den Kopf einer Gruppe gesetzten Teams ihr Auftaktmatch gewonnen, was die Setzliste der FIFA dann doch auf dieser Position zu bestätigen scheint.

Überraschungen sind weitgehend ausgeblieben, wenn man vom furiosen Auftritt der Nigerianerinnen gegen Schweden absieht. 3:3 hatte wohl kaum jemand getippt, aber ein 1:1 wäre schon (wie 2007) weniger erstaunlich gewesen. Die sechs Gruppenköpfe aber haben gewonnen, Kanada, Japan und Frankreich mussten sich mit dem knappsten aller Resultate (1:0) begnügen. Dabei sollte sich der Gastgeber vor allem für das ungelenke Auftreten der Chinesin Zhao Rong bedanken, die die eingewechselte Adriana Leon im Strafraum so von den Beinen holte, wie das nur eine nominelle Stürmerin kann.

Auch Japan gewann lediglich per Strafstoß gegen starke Schweizerinnen und mein Favorit Frankreich wusste gegen England über weite Strecken nicht zu überzeugen. Je zwei Tore Differenz schafften die USA und Brasilien bei Siegen über Australien und Südkorea. Deutschland hielt sich beim 10:0 gegen die Elfenbeinküste schadlos an erschreckend schwachen WM-Neulingen.

Schweden enttäuschte auf der ganzen Linie und die Nachbarn aus Norwegen taten das Notwendige gegen Thailand und mehr nicht.

Mein WM-.Ranking nach den Eindrücken des ersten Spiels:

1. Deutschland, 2. USA, 3. Brasilien, 4. Norwegen, 5. Japan, 6. Nigeria, 7. Frankreich, 8. Niederlande, 9. Kanada, 10. Kamerun, 11. Australien, 12. Schweiz, 13. China, 14. England, 15. Neuseeland, 16. Schweden, 17. Südkorea, 18. Spanien, 19. Mexiko, 20. Kolumbien, 21. Costa Rica, 22. Ecuador, 23. Thailand, 24. Elfenbeinküste.

Spielerin des ersten Spieltags: Asisat Oshoala. Die 20-Jährige kam mit großen Erwartungen belastet zur WM und zeigte eine tolle Leistung. Sie könne eines der Ausrufezeichen dieser WM werden. Anja Mittag und Celia Sasic sind heiße Kandidatinnen auf die Torjägertrophäe, denn auch Thailand dürfte in der einfachsten WM-Gruppe kaum einstellig gegen Deutschland verlieren.

Enttäuschung: Schweden und Spanien. Die Schwedinnen, als WM-Mitfavorit von Silvia Neid gehandelt, zeigten eine schwache Leistung und könnten tatsächlich Gruppenletzter werden, wenn sie sich nicht deutlich steigern können. Von Spanien hatte man gegen eher harmlose Costa Ricanerinnen ebenfalls weitaus mehr erwartet.

Überraschung: Obwohl Ecuador für mich schon vorher eines der drei schwächsten Teams war, überzeugte doch der souveräne Auftritt der Kamerunerinnen, die sich dank des fragwürdigen 24er-Modus damit wohl schon ins Achtelfinale geschossen haben.

Nie mehr Kunstrasen. Das verlautete aus FIFA-Kreisen. Ein paar Plätze (z.B. Winnipeg) sehen alles andere als WM-würdig aus. Allerdings war Kanada nach dem Rückzug  Simbabwes (wie das wohl geworden wäre) der einzige Bewerber um die Ausrichtung der WM.

Pressestimmen aus Schweden nach dem Nigeria-Spiel

Das 3:3 gegen Nigeria liegt den Schwedinnen schwer im Magen. Die Reaktionen der heimischen Presse sparen nicht mit Kritik.

So schreibt Tomas Pettersson in der Zeitung Expressen: „Wenn Schweden diese Spiele [gegen die USA und Australien] auf dieselbe Weise wie gestern durchführt, dann sollte man alle Gedanken an Siege vergessen. Sowohl die USA wie Australien sind bedeutend homogener als das Nigeria, das besser als Schweden war. Und plötzlich scheint das unmöglich Schreckliche möglich. Dass Schweden in dieser Gruppe tatsächlich Letzter werden könnte.“

Emelie Ölander, selber einmal Spielerin in der Damallsvenskan: „Gegen die USA wird Schweden für alle Hausaufgaben bestraft, die es bisher noch nicht gemacht hat. Die Abwehrkette wird in der Tiefe getestet. Blaugelb hatte schon im ersten Spiel Krämpfe und die USA werden das Tempo erhöhen und es über das gesamte Spiel behalten. Es wäre fantastisch zu sehen, wie Schweden sich wieder erhebt, den Scheiß abbürstet und sich mit den USA misst. Ich hoffe wirklich, dass es so kommt, denn es gibt zu viele Nationalmannschaften, die zu viele Schritte in ihrer Entwicklung gemacht haben, gleichzeitig wie Schweden nicht denselben Takt beibehalten hat.“

Aus Jennifer Wegerups Artikel (Aftonbladet) nur den sehr wahren Satz: Hätte Nigeria etwas disziplinierter gespielt, hätte es eine schallende Niederlage geben können.“  Ein Rätsel ist, dass praktisch die halbe Mannschaft von Muskelkrämpfen geplagt wurde. Kosovare Asllani erzählte, dass sie nach zehn Minuten bereits einen Krampf hatte. Nilla Fischer hatte Krämpfe, und musste schließlich ins Mittelfeld aufrücken, damit sie keinen schweren Schaden in der Abwehr anrichtet. Fortan spielten Linda Sembrant und Amanda Ilestedt in der zentralen Abwehr, beide eingewechselt.

Olof Lundh vom alle Spiele der WM übertragenden Sender TV4: „Haben sie [die Stars des schwedischen Teams] geliefert? Antwort: nein. Caroline Seger verlor viele Bälle, war offensiv überhaupt nicht gut. Lotta Schelin, hat sie mitgespielt? Schlechte Ballannahmen, kaum eine Chance. Wenn wir über Stars reden, die ihre Leistung nicht gebracht haben können wir uns auch Kosovare Asllani anschauen. Sie spielte eine schlechte erste Halbzeit und wurde dann ausgewechselt. Rein kommt Olivia Schough und sie hat vielleicht nicht dieses Niveau. Bereits da ist Schweden geschwächt und das ist Pias Problem – ihre Bank ist zu schlecht. Und wenn die Bank nichts taugt, dann reicht es nun mal nicht.“

Pia Sundhage versuchte vor den Mikrofonen das Beste daraus zu machen: „Wir haben in einer schweren Gruppe einen Punkt gewonnen. Sie [die Nigerianerinnen] haben so gespielt, wie wir vermutet haben. Wir haben trainiert, wir hatten eine Taktik, aber wenn es stressig wird, machen die Spielerinnen nicht immer was wir sagen. Aber wir waren wirklich vorbereitet. Ich bin nicht die Person, die unruhig wird. Ich vermeide es auch gerne von individuellen Fehlern zu sprechen, sondern denke eher, dass Nigeria zu viele Chancen hatte. Wir haben darüber gesprochen, kompakt zu stehen, damit sie, wenn sie an uns vorbei wollen, auf der Außenseite gehen müssen. Das müssen wir bis zum Spiel gegen die USA verbessern.“

Nigeria spielt sich in die Herzen der Fans

Wie schön Fussball sein kann, sahen wir am Abend in Winnipeg als die Nigerianerinnen im Spiel gegen Schweden über 90 Miniuten die bessere Mannschaft waren und ein hochverdientes 3:3 mit ins Hotel nehmen konnten.

Bei Schweden stimmte so gut wie nichts. Das Angriffsspiel mit Weltstar Lotta Schelin praktisch nicht vorhanden. In der Abwehr die ansonsten hochgelobte Nilla Fischer mit Koordinationsproblemen und ebenso nicht die Schnellste wie Lina Nilsson, die in der ersten Halbzeit Mal um Mal vom 20-Jährigen Ausnahmetalent Asisat Oshoala ausgetanzt wurde. Dass Nigeria nicht zur Pause führte, sondern Schweden mit 2:0 das Spiel scheinbar entschieden hatte, das ist Fussball. Zwei Eckbälle von Therese Sjögran, denen Nigeria defensive Schwächen offenbafte und ein Eigentor von Oparanozie und ein Stochertor von Fischer hatten die Schwedinnen auf die Siegesstrasse gebracht.,

Aber wie Francisca Ordega nach dem Spiel sagte: “Unser Trainer Edwin Okon hat uns in der Pause gesagt, dass wir besser sind als die und dass wir einfach so weitermachen sollen.”

Wie Recht er hatte. Nigeria glich durch einen Doppelschlag von Ngozi Okobi und Asisat Oshoala aus und das Stadion begann zu toben. Längst waren die neutralen kanadischen Zuschauer auf die Seite Nigerias gewechselt. Als Schweden nach einem der wenigen guten Angriffe erneut per Stolpertor die Führung gelang, liess Nigeria nicht nach und kam schliesslich durch Ordega zum hochverdienten Ausgleich. Mehr wäre drin gewesen.

Schweden steht nach abermals immensen Abwehrproblemen und einem Spiel in dem Lotta Schelin und Caroline Seger erschreckend blass blieben mit enem Punkt als sehr gut bedient da. Aber Pia Sundhage sagte trotzig, dass man im nächsten Spiel gegen die USA wesentlich besser spielen werde. Schaun mer mal…

Was sagt das 10:0 über den Frauenfußball aus?

Ich habe mich ein klein wenig vor dem Sonntag gefürchtet. Norwegen – Thailand und Deutschland – Elfenbeinküste. In der wohl leichtesten Gruppe dieses Turniers trafen zwei der weltbesten Mannschaften auf die vermeintlich zwei schlechtesten WM-Teilnehmer. Und ehrlich gesagt hatte ich durchaus mit mehr als 14 Toren gerechnet, aber die Norwegerinnen begnügten sich mit einem 4:0-Spaziergang, während die Deutschen aus allen Rohren schossen. Sportlich gesehen ist das sicher richtig. Die eigene Mannschaft 90 Minuten lang durchspielen zu lassen. Politisch und für das Ansehen des Frauenfußballs ist es eine Katastrophe, wie die von Hass und Hohn triefenden Kommentare in vielen Internet-Foren und auf Twitter zeigen.

Aber den Personenkreis der Männer, die sich durch kaum etwas so herausgefordert sehen, als durch Frauen, die Fußball spielen, würden wir auch nicht durch 52 hochklassige Spiele gleichwertiger Mannschaften bekehren. Diesen Neandertalern geht es darum, dass Frauen bestenfalls als Accessoires mit ins Stadion kommen, als Spielerfrau eben und nicht als Frauenspielerinnen.

Die Elfenbeinküste gab eine betrüblich schwache Vorstellung ab. Da gab es nicht den geringsten Anflug von Organisation, weshalb ich trotz aller Gegenreden von “bei Weltmeisterschaften nehmen halt Teams aus der ganzen Welt teil” eine andere Auffassung vertrete: Für Teams wie die Elfenbeinküste kommt eine WM-Teilnahme um 8-12 Jahre zu früh. Vermutlich gilt dasselbe für Thailand und Ecuador. Alle drei Teams sind übrigens dabei, weil sie in der Quali auch sehr viel Dusel gehabt haben. Ecuador gelang erst in der Nachspielzeit im Auswärtsplayoffspiel bei Trinidad & Tobago das einzige Tor beider Begegnungen. Thailand sollte Danktelegramme nach Pjöngjang schicken und die Elfenbeinküste setzte sich mit Ach und Krach gegen ein schwächelndes Südafrika durch.

Nein, lasst diese Teams besser 8-12 Jahre sich entwickeln und nehmt sie dann mit ins Turnier. Gebt lieber Europa weitere drei Plätze. Wäre man da nach der Rangliste gegangen, hätte Deutschland gestern gegen Island und Norwegen gegen Italien gespielt. Vermutlich hätten beide Favoriten gewonnen, aber mit Sicherheit nicht zusammen 14 Tore erzielt. Statt auf Ecuador würde Kamerun heute Nacht übrigens auf Dänemark treffen.

Gebt Europa drei weitere Plätze, nicht weil ich Europäer bin, aber weil der Frauenfußball in Europa am weitesten entwickelt ist. Manchmal muss man Tatsachen einfach anerkennen. Und liebe FIFA, lasst die Elfenbeinküste, Thailand und Ecuador dann aber nicht alleine, sondern schickt ihnen immer wieder Fußballehrer, die den Fußball gerne auf die Kosten der reichen Verbände fördern. Ladet die Trainer dieser Länder auch zu Lehrgängen nach Deutschland, Schweden, die USA oder Frankreich ein und bringt ihnen Fußballwissen und Rund-um-den-Fußball-Wissen bei. Damit fördert man den Frauenfußball perspektivisch mehr, als dass man die Welt scheindemokratisch und proportional an solchen Turnieren teilnehmen lässt.

ffschweden im Gespräch mit Melanie Leupolz

MLHeute Abend um 22.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt dann auch die deutsche Mannschaft ein in die WM 2015, das letzte Turnier dieser Art mit Silvia Neid als Trainerin. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit Melanie Leupolz unterhalten, die nicht erst seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Nadine Kessler eine wichtige Rolle im deutschen Team hat.

Der geneigte Leser möge bedenken, dass das Interview vor der WM und   vor dem Ende der Bundesligasaison gemacht wurde. Es ist ursprünglich zentraler Teil einer WM-Vorschau, die in der Printausgabe des amerikanischen Our Game Magazine erscheint. Ich denke, dass es dennoch ganz gut in den Kontext des heute Abend stattfindenden Spiels passt.

Frau Leupolz, Sie haben erst 2013 ihr erstes Länderspiel gegen Kanada gemacht und sind jetzt auf dem besten Weg zur WM nach Kanada. Das ging schnell.

„Es kam damals schon etwas unerwartet, dass ich gleich nach meinem ersten Länderspiel auch zur EM nach Schweden mitfahren durfte. Ich habe inzwischen 26 Länderspiele gemacht und bin zu recht vielen Einsatzzeiten gekommen. Der Kader für die WM wird ja erst noch veröffentlicht. Ich werde weiterhin versuchen, mich mit konstant guten Leistungen bei Bayern und in den noch anstehenden Länderspielen zu empfehlen. Natürlich hoffe ich, dass ich dann dabei sein werde.“

Waren Sie schon einmal in Kanada?

„Nein, in Kanada war ich noch nie. Ich sollte letztes Jahr an der U20-WM in Kanada teilnehmen, aber das Turnier habe ich leider wegen Rückenproblemen verpasst.“

Vor der Saisonm 2014/15 sind Sie vom SC Freiburg zum FC Bayern München gewechselt. Wie sehen Sie diese Veränderung?

„Das war der absolut richtige Wechsel für mich. Ich habe mich hier in München sportlich schnell zurechtgefunden und fühle mich auch privat sehr wohl. Der schöne Nebeneffekt: Zu meiner Familie in Ratzenried sind es auch nur rund 180 km, was man mit dem Auto relativ schnell schaffen kann.“

Nadine Kessler und Luisa Wensing werden dem deuitschen Team in Kanada fehlen. Wie ist das zu verkraften?

„Das ist ganz bitter. Ich fürchte, dass die Teilnahme an der WM für Luisa Wensing wohl beinahe ausgeschlossen ist. Denn ein Wadenbeinbruch und ein Syndesmosebandriss verheilt leider nicht in drei Monaten. Nadine Keßler ist ja wieder am Knie operiert worden. Wenn sie auch nicht dabei sein kann, wird auch sie uns sehr fehlen. Sie ist auch neben dem Platz eine sehr wichtige Persönlichkeit.“

Nadine Kessler wird aller Voraussicht nach bei der WM fehlen. Sie ist eine der Leistungsträgerinnen auf der 6er Position, die Sie ja auch spielen. Wären Sie bereit, Nadine Kessler zu ersetzen?

„Ich spiele ja bei Bayern schon die ganze Saison neben Melanie Behringer auf dieser Position und habe sie zuletzt auch öfters in der Nationalmannschaft gespielt. Ich fühle mich deshalb schon reif genug, um im zentralen Mittelfeldfeld Verantwortung zu übernehmen. Wenn ich das Vertrauen bekomme, bin ich bereit voran zugehen. Aber letztendlich entscheidet einzig und allein die Bundestrainerin, wer spielt. Sie hat gerade auf dieser Position eine große Auswahl an richtig starken Spielerinnen.“

Gibt es noch Nervosität bei der Natio wie zu Beginn?

„Mittlerweile bin ich total in die Mannschaft integriert, bin einfach ein Teil von ihr. Klar: Anfangs war es schon ein komisches Gefühl, mit all den bekannten Nationalspielerinnen gemeinsam im Bus zu sitzen. Da war schon eine gewisse Nervosität da, aber die ist verschwunden. Jetzt überwiegt stets die Freude, wenn ich zur Nationalmannschaft eingeladen werde. Es macht immer Spaß, alle wiederzusehen.“

Die Gruppengegner Thailand und Elfenbeinküste sind auf dem Papier ein recht einfaches Los, das müsste doch locker anzugehen sein?

„Nur weil der Name vielleicht nicht so groß klingt, sollten wir uns nicht weniger fokussieren. Wir haben uns in der Vergangenheit schon mal gegen vermeintlich schwächere Gegner sehr schwer getan. Bei einer WM darf man sich keinen Patzer erlauben. Das wissen wir alle. Wir werden mit vollem Ernst an die Aufgaben herangehen.“

Ein Wort zum Thema Kunstrasen?

„Das ist schon komisch und ungewohnt für uns. Es wird eine totale Umstellung sein, nicht zuletzt für die Knochen und Gelenke. Aber die Sache ist jetzt vom Tisch und wir haben alle akzeptiert, dass es so ist. Wir müssen das Beste daraus machen. Der Kunstrasen darf keine Ausrede sein.“

Wer sind die WM-.Favoriten?

Frankreich, Schweden, Norwegen, Brasilien, USA. Und wir!

Jetzt geht’s los

Ich bin nicht nach Kanada geflogen. Und werde es auch in diesem Fussballsommer 2015 nicht tun. Die Akkreditierung hatte ich bekommen, erstmals von der FIFA (danke, Sepp Blatter), aber dann haben sich Pläne geändert. Es gibt wichtigere Dinge. Und die Spielorte liegen so weit auseinander, dass man eine gehörige Portion investieren muss, um den ganzen Monat dabei zu sein. “From coast to coast” ist das Motto im zweitgrössten Land der Welt.

Gestern Abend wurde gespielt. In Edmonton. Gastgeber Kanada und die Niederlande gewannen ihre Spiele in Gruppe A jeweils mit 1:0. Positiv: Die mehr als 53.000 Zuschauer in Edmonton. Der Treffer von Lieke Martens. Aus der Damallsvenskan. Christine SInclair war mal auf dem Weg in die schwedische Liga. Zampano Hans Löfgren wollte sie seinerzeit in seiner grenzenlosen Maßlosigkeit nach Tyresö holen. Vielleicht war sie zu teuer. Negativ: Das Eröffnungsspiel wurde schöngeredet. Kanada agierte sehr nervös, hatte nicht entfernt die Klasse, die man 2012 bei den Olympischen Spielen in London an den Tag gelegt hatte. Das gibt sich vielleicht noch. China spielte sehr gut organisiert, die Spielerinnen bewiesen exzellente Ballbehandlung, aber es war wenig, das einen wirklich erwärmte bei diesem Eröffnungsspiel. Das kann besser werden. Das wird besser werden, da bin ich sicher.

Dennoch: Ich bin derselben Meinung wie FIFA-Frau Tatjana Haenni, die gesagt hat, dass wir bei dieser WM krasse Resultate erleben werden. Die ersten beiden womöglich heute Abend, denn alles andere als klare bis haushohe Siege von Norwegen gegen Thailand und Deutschland gegen die Elfenbeinküste kämen einer Sensation gleich. Man hat auf 24 Mannschaften aufgestockt, das ist gut, das ist ein richtiger Schritt. Aber seien wir ehrlich: Bei der politischen Zusammensetzung des Teilnehmerfelds, wo eben nicht die besten Mannschaften der Welt, sondern die jeweils besten Teams aller Kontinente teilnehmen, wird es zwangsläufig zu vielen Klatschen und teilweise nicht WM-würdigen Auftritten kommen. Neuseeland hat noch nie ein Spiel bei einer WM gewonnen, aber trotzdem werden die “Kiwis” jedes Mal dabei sein, denn im Ozeanischen Fussballverband, aus dem Australien aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten vor einigen Jahren ausgestiegen ist, gibt es außer Neuseeland halt Fischi, Tonga und den regelmäßigen Finalgegner bei Qualifikationen Papua-Neuguinea, im Englischen meist nur PNG genannt.  Aber die Neuseeländerinnen spielen dennoch ordentlichen Fussball, auch wenn es dann nicht zu Siegen reicht.

Die FIFA-Weltrangliste ist schon ab dem 20. Platz sehr fragwürdig,. da viele Teams meist nur gegen andere Länder aus ihren jeweiligen Komföderationen spielen und so relevante Punkte erwerben. Aber wenn man auf die aktuelle Liste schaut, die Top 24 dieser Welt., dann fehlen in Kanada folgende Teams: Nordkorea (aus bekanntem Grund), Italien, Dänemark, Island, Schottland, Ukraine, Russland und Finnland. Das sind immerhin sieben europäische Nationen. Diese europäische Dominanz unter den weltbesten Teams müsste auch in wenigstens zwei weiteren europäischen Plätzen Niederschlag finden, aber die FIFA ist in ihrer Zwickmühle der Korruption und Desorganisation ja auch, weil sie der Weltöffentlichkeit mit dem Prinzip “One country – one vote” eine Scheindemokratie vorgaukelt. Da mehr als 2/3 der Länder dieser Erde beim Korruptions-Index ziemlich schlecht aussehen, braucht man sich nicht zu wundern. Auch der Kontinents-Schlüssel ist ein Ausdruck falscher Grundeinstellungen. Man stelle sich vor, der Welteishockeyverband (ein Sport, den ich nicht verfolge) würde auch Mannschaften aus Afrika, Südamerika, Asien und Ozeanien in das WM-Turnier quotieren. Fussball ist sicher ausgeglichener, weil wesentich verbreiteter, aber man sollte der Leistung Rechnung tragen und auch und nicht zuletzt der Darstellung des Frauenfussballs.

Denn die Verächter des Frauenfussballs sind in den Startlöchern. Spiegel Online hatte die Kommentarfunktion bei seinem Artikel über die WM nicht abgeschaltet und dort ziehen die üblichen Verdächtigen vom Leder und giessen kübelweise Hass uind Spott über den Sport aus. Als ich das heute Morgen las, wurde mir wieder einmal klar, dass einige unter uns sich in der Evolution nicht weit vom guten alten Neandertaler befinden.

Wer Weltmeister wird? Wenn die Gruppen so ausgehen, wie man das erwartet, kommt es schon im Viertelfinale zu einem vorweggenommenen FInale zwischen Deutschland und Frankreich. Im Halbfinale würde der Sieger dann auf die USA treffen. Die andere Hälfte ist bedeutend “leichter” gebaut. Da können die Schwedinnen tatsächlich weit kommen, wenn sie Brasilien aus dem Weg räumen. Möglicherweise käme es dann zu ener Neuauflage gegen Japan. Das wir schlecht einschätzen können, aber vermutlich sind die Nadeshiko nicht so stark wie vor vier Jahren, als sie trotz aller Warnungen noch den Outsider-Bonus hatten.

Überraschungsteam kann wirklich die Schweiz werden. Sie werden nicht den Titel holen, aber sie können tatsächlich das Viertelfinale erreichen, was ein Riesenerfolg wäre.

Welche neuen Spielerinnen werden ins Scheinwerferlicht der Weltbühne treten? Ich nenne da mal Christen Press, Melanie Leupolz und Nahomi Kawasumi.

AIK entlässt Trainer

Nazanin Vaseghpanah ist die dritte Frau, die nun einen Damallsvenskan-Verein in dieser Saison übernimmt (Foto: Anders Henrikson)

Nazanin Vaseghpanah ist die dritte Frau, die nun einen Damallsvenskan-Verein in dieser Saison übernimmt (Foto: Anders Henrikson)

Der Tabellenletzte der Damallsvenskan AIK hat seinen Cheftrainer Mattias Eriksson beurlaubt. Damit trägt man der sportlichen Entwicklung Rechnung. AIK ist Letzter mit lediglich einem Punkt aus sieben Begegnungen. Mattias Eriksson betreute AIK bereits in der fünften Spielzeit.

Nachfolger des 37-Jährigen, der eine neue Rolle (Sportchef?) im Verein erhalten soll wird die 27-Jährige ehemalige Erstligaspielerin Nazanin “Naza” Vaseghpanah.

Magdalena Ericsson – Operation

Magdalena Ericsson (Foto: Anders Henrikson)

Magdalena Ericsson (Foto: Anders Henrikson)

Vor ein paar Tagen noch habe ich Pia Sundhage u.a. dafür kritisiert, dass sie statt der formstarken, jungen Magda(lena) Ericsson die in die Jahre gekommene Sara Thunebro mitnimmt, da zeigt sich, dass Sundhage unwissentlich weise und richtig entschieden hat.

Magdalena Ericsson zog sich nämlich im letzten Ligaspiel vor der WM gegen Vittsjö am Donnerstag einen Jochbeinbruch zu und muss operiert werden. Als hätte Pia es geahnt. Damit fällt Ericsson auch als dritte Reserve in Schweden aus, ein Status, den sie offenbar hatte, der aber nicht auf der Pressekonferenz und Kaderbekanntgabe publiziert wurde. Ericsson sprach selber davon, dass ihr Jochbein mehrere Zentimeter eingedrückt worden sei. Klingt sehr unangenehm, scheint aber nicht so schlimm zu sein wie man glaubt. Hoffen wir mal. Gute Besserung, Magdalena!

Schweden in Kanada

Die schwedische Nationalmannschaft ist schon am Wochenende in Toronto eingetroffen, wo sie bis kurz vor Turnierbeginn Quartier bezogen hat, um dann kurz vor dem ersten Spiel gegen Nigeria weiter nach Winnipeg zu reisen.

Die schwedischen Abendzeitungen Expressen und Aftonbladet haben bereits Personal vor Ort, die täglich vom Training berichten.

Da die Kollegen Spalten füllen und ihre Existenz vor Ort rechtfertigen müssen, muss man sicher nicht alles bierernst nehmen.

Also bin ich mir nicht ganz sicher, ob Lotta Schelins Einsatz wirklich gefährlich ist. Aber Aftonbladet bringt ein Foto der 31-Jährigen, wo sie auf dem bunten Kunstrasen in Toronto sitzt mit einem leicht getapedtem Knie. “Hat man Probleme mit einer Sehne, ist das auf Kunstgras etwas schwieriger,” sagte Schelin dazu.

Im Übrigen hat Pia Sundhage die Zielsetzung Schwedens wieder nach oben korrigiert. Nachdem sie auf der Pressekonferenz zur Bekanntgabe des Kaders noch vom Viertelfinale als dem neuen Ziel gesprochen hatte, geht es jetzt wieder um eine Medaille. Da ist ihr sicher von Nationalmannschaftschefin Marika Domanski Lyfors nochmal freundschaftlich zugeredet worden.

Peinlich, Schweden

Die Schweden glauben von sich, dass sie weltweit am besten Englisch sprechen, die Muttersprachler mal ausgenommen. Abgesehen davon, dass ich diese Selbsteinschätzung für falsch halte, hat die Medienabteilung der schwedischen Frauenfußballnationalmannschaft nun einen peinlichen Beweis für meine Behauptung geliefert.

Um auf Twitter und Instagram für Schweden zu werben, hat man den Hashtag #klappaförsverige kreiert. Das heißt einfach nur “Klatsch für Schweden”. Da man aber auch international Fans gewinnen will, hat man auch den englischsprachigen Hashtag #clapforsweden in einem Werbevideo veröffentlicht.

Das heißt zunächst auch mal “Klatsch für Schweden”, aber “clap” ist umgangssprachlich im Englischen auch eine Bezeichnung der Geschlechtskrankheit Tripper. Da hätte die Presseverantwortliche vielleicht doch besser mal vorher recherchiert…