Sechs Monate und fünf Tage: Linda Sällström ist wieder da (Interview)


LindaMit Linda Sällström habe ich gelitten. Denn als ich im März die Nachricht sah, dass die heute 25-Jährige Stürmerin sich zum zweiten Mal nacheinander dasselbe Kreuzband gerissen hatte und das nach nur gut einem Monat nach ihrem Comeback, da war das ein echter Schock. Auch weil ich die schnelle Finnin kenne, seit sie als 18-Jährige vor sieben Jahren nach Schweden kam und ihre Karriere aufmerksam verfolgt habe und wir uns über die Jahre immer wieder hier und da begegnet sind.

Kurz dachte ich, es wäre vielleicht das Beste aufzuhören und doch das Medizinstudium aufzunehmen, für das sie sich interessiert hatte. Aber schon einen Tag danach dann schrieb die immer gut gelaunte Linda auf ihrer Facebook-Seite trotzig, dass sie jetzt beginne, an ihrem Comeback zu arbeiten und dass sie dann besser sein werde, als je zuvor.

Zu dieser Zeit fuhr die finnische U19-Nationalmannschaft zu einem Turnier nach Südeuropa und schickte einen rührenden Gruß per Facebook und Twitter an den Pechvogel Sällström: Die Mannschaft stellte sich in Herzform auf und widmete das Bild der zweifachen finnischen Fußballerin des Jahres.

Nach nur sechs Monaten und fünf Tage nach der Operation wurde Linda gestern Abend für Stina Blackstenius in der 77. Minute eingewechselt. Und war nah dran, noch das 4:0 für Linköping zu schießen.

Nach dem gestrigen Spiel habe ich mit Linda Sällström gesprochen.

„Es war wirklich fantastisch, wieder Fußball in der Damallsvenskan zu spielen. Du weißt ja, dass ich mein letztes Spiel da im Oktober 2011 gemacht habe, eine lange Zeit. Aber es war auch ein nervöses, aber insgesamt nur gutes Gefühl, zu spielen. Es war auch gut, dass wir schon 3:0 führten. Pernille (Harder) hatte gerade das 3:0 gemacht, als ich an der Seitenlinie stand und wartete. Da gab es dann keinen Stress und ich konnte ruhig zu Ende spielen.“

Wie ist die Reha verlaufen, dass es dann so schnell gehen konnte?

„Ich bin ziemlich viel zwischen Finland und Schweden hin- und hergereist. Meine Krankengymnasten in beiden Ländern haben toll zusammengearbeitet. Von denen habe ich grünes Licht bekommen für einen Einsatz heute und auch mein Trainer Martin Sjögren, der mich dann sportlich im Training beurteilt hat, war der Meinung, dass es jetzt passt,“

Hast du während der zweiten Rehazeit nie ein richtiges Tief gehabt? Wir haben uns letztes Jahr unterhalten, da warst du wie immer gut drauf, aber wenn das dann nochmal passiert, dann muss das doch ein Schock sein.

„Nein, es lief fast überwiegend sehr gut auch dieses Mal. Ich hatte schon sehr viel gelernt aus der ersten Reha und war deshalb wohl auch besser vorbereitet. Aber sicher gab es Tage, wo es schwer war, das Rehatraining durchzuhalten und wo ich mal nicht so gut drauf war, aber zum Glück hat man dann seine Familie und Freunde, die das ertragen müssen und die einem auch helfen.“

Die EM im Sommer war ein großes Ziel von dir. Wie hast du das dann erlebt?

„Es ist schon bitter, dass ich das verpasst habe. Aber ich war dennoch in sehr vielen Momenten bei der Mannschaft und durfte auch dabei sein und auch das hat mir sehr geholfen, weil die mir immer das Gefühl gegeben haben, dass ich zu ihnen gehöre, dass sie sozusagen auf mich warten und dass ich ein Teil von ihnen bin.
Die Niederlage gegen Schweden (0:5) war bitter. Ich war im Stadion und bevor es anfing, tat das schon etwas weh, weil ich wirklich so gerne hier gespielt hätte, aber danach dann war man fast froh, nicht unten auf dem Rasen gestanden zu haben.
Wir haben mit mehr gerechnet bei der EURO und die Mädels tun mir sehr leid, denn ich weiß, wie hart alle trainiert und gearbeitet haben. Nach vorne hat es einfach nicht geklappt. Aber, wenn Schweden seine beiden Elfer im Spiel gegen Dänemark am Anfang verwandelt hätte, dann wären wir gegen Russland in diese Auslosung gekommen.“

Ein österreichischer Journalist fragte mich vor kurzem, ob du und Maija Saari vielleicht aktuell für die WM-Qualifikation demnächst sein könnten. Aber das wird wohl nichts, oder?

„Maija schafft es nicht, aber was mich angeht, ist es nicht unmöglich. Ich werde tatsächlich morgen früh mit unserem Nationaltrainer Andrée Jeglertz gerade darüber reden. Vielleicht bin ich nur einfach dabei und auf der Bank, wir werden sehen. Aber ich hab ja gesagt, dass es wichtig ist, dabei zu sein.“

Nimmst du irgendetwas Positives mit aus dieser langen Zeit?

„Wenn ich etwas gelernt habe, dann alleine zu trainieren, meine eigenen Sachen zu machen und Geduld dabei zu haben. Das ist irgendwo auch eine Stärke, aber wenn es nach mir geht, dann brauche ich jetzt erst einmal keine Verletzungen mehr, davon habe ich wirklich genug.“

Linda Sällströms Vertrag läuft am Ende dieser Saison aus. Was sie dann machen wird, weiß sie noch nicht und mir sagt sie auch, dass sie darüber einfach noch nicht nachgedacht hat. Ihre ganze Energie war darauf gerichtet, endlich wieder spielen zu können.

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