Schweden ist durch

Spätestens nach dem 3:0 gestern Abend in der Slowakei und der Tatsache, dass Polen und Dänemark sich Donnerstagabend beim 0:0 Punkte abgenommen haben, dürfte klar sein, dass Schweden sich wieder einmal locker für ein großes Turnier qualifizieren wird. Nach Rio 2016 eben auch für die EURO 2017 in den Niederlanden.

Lotta Schelin saß auf der Bank, was einen Journalisten hierzulande schreiben ließ, dass Pia Sundhage ihren Star zugunsten von Pauline Hammarlund (Göteborg) in die zweite Reihe gestellt habe. Das entbehrte allerdings jeder Grundlage. Schelin laboriert an einer Oberschenkelverletzung, die sie schon aus Lyon mitbrachte und sollte es deshalb ruhiger angehen.

Die Tore erzielten Emilia Appelquist (Djurgården), Linda Sembrant (Montpellier) sowie Stina Blackstenius (Linköping). Bei den Gesprächen nach dem Spiel ging es denn auch mehr um die Olympischen Spiele in Rio als um die EM-Quali. Pia Sundhage will die Spielerinnen aus dem Ausland schon vor dem eigentlichen Trainingslager in Schweden versammeln und dann eine Woche vor dem Turnier nach Brasilien reisen, damit man sich sowohl akklimatisiert wie auch den Zeitunterschied rechtzeitig bewältigt. Es könnte und wird wohl Sundhages letzter Auftritt als Nationaltrainerin Schwedens sein. Ihr Vertrag läuft bekanntlich aus.

Als ein potentieller Nachfolger wird Andrée Jeglertz gehandelt. Der 44-Jährige, der mit Umeå IK mehrere schwedische Meisterschaften holte, hat vor kurzem erklärt, dass er seinen Vertrag als Nationaltrainer Finnlands nicht verlängern wird.

 

WM-Qualifikation ohne Überraschungen

Caroline Hansen im Zweikampf gegen Janice Cayman vom französischen Erstligisten Juvisy (Foto: Karin Reuter)

Caroline Hansen im Zweikampf gegen Janice Cayman vom französischen Erstligisten Juvisy (Foto: Karin Reuter)

Vor einer Woche begann der europäische Teil der WM-Qualifikation für Kanada und es gab bislang keine Überraschungen. Der Einrichtung dieses Blogs folgend konzentriere ich mich auf die nordeuropäischen Länder.

Finnland startete mit zwei Siegen in die Quali-Gruppe 7, in der Frankreich wohl durchmarschieren wird, die Truppe von Andrée Jeglertz jedoch gegen Österreich um Rang 2 kämpfen will. 2:0-Sieg in Kasachstans Hauptstadt Astana, 3739 km von Helsinki entfernt. Katri Nokso-Koivisto und Sanna Talonen schossen die Tore.

Wichtig vor allem der 2:1 Sieg über Hauptkonkurrent Österreich in Turku. Adelina Engman und Emmi Alanen trafen für Finnland, der Siegtreffer nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Nina Burger fiel erst in der 86. Minute. Wie schon bei der WM war Finnland in der Defensive, die Österreicherinnen gewannen die Torschussstatistik klar mit 13:6, verloren aber das Spiel…

Schwedens 2:0 gegen Polen in Malmö war glanzlos. Caroline Seger und Lotta Schelin trafen erst nach der Halbzeit gegen den Weltranglistendreißigsten, der sehr defensiv spielte und nicht ein einziges Mal auf des Gegners Tor schoss. Antonia Göransson spielte zehn Minuten in der Abwehr.

Norwegen ließ beim 4:1 über Belgien nichts anbrennen. Ein Hattrick von Kristine Hegland und ein Treffer von Caroline Hansen aus Tyresö setzten Norwegen auf die Spur zur WM. Solveig Gulbrandsen spielte zum 180. Mal (!!!) im Trikot des Vize-Europameisters.

Für Island wird es sehr schwer, sich zur WM zu qualifizieren. denn in Gruppe 3 hat man es nicht nur mit Favorit Dänemark zu tun, dass noch kein Spiel absolviert hat, sondern auch mit der Schweiz. Die kam mit dem Selbstbewusstsein eines 9:0 über Serbien auf die Atlantikinsel und nahm am Donnerstag alle drei Punkte mit. Ramona Bachmann und Lara Dickenmann schossen die Tore zum 2:0 Sieg der Schweizerinnen, die hoch überlegen waren. Im Tor Islands stand wieder Gudbjörg Gunnarsdottir, die wohl Thora Helgadottir aus Malmö durch eine hervorragende EM erst einmal vom Stammplatz verdrängt hat.

Sechs Monate und fünf Tage: Linda Sällström ist wieder da (Interview)

LindaMit Linda Sällström habe ich gelitten. Denn als ich im März die Nachricht sah, dass die heute 25-Jährige Stürmerin sich zum zweiten Mal nacheinander dasselbe Kreuzband gerissen hatte und das nach nur gut einem Monat nach ihrem Comeback, da war das ein echter Schock. Auch weil ich die schnelle Finnin kenne, seit sie als 18-Jährige vor sieben Jahren nach Schweden kam und ihre Karriere aufmerksam verfolgt habe und wir uns über die Jahre immer wieder hier und da begegnet sind.

Kurz dachte ich, es wäre vielleicht das Beste aufzuhören und doch das Medizinstudium aufzunehmen, für das sie sich interessiert hatte. Aber schon einen Tag danach dann schrieb die immer gut gelaunte Linda auf ihrer Facebook-Seite trotzig, dass sie jetzt beginne, an ihrem Comeback zu arbeiten und dass sie dann besser sein werde, als je zuvor.

Zu dieser Zeit fuhr die finnische U19-Nationalmannschaft zu einem Turnier nach Südeuropa und schickte einen rührenden Gruß per Facebook und Twitter an den Pechvogel Sällström: Die Mannschaft stellte sich in Herzform auf und widmete das Bild der zweifachen finnischen Fußballerin des Jahres.

Nach nur sechs Monaten und fünf Tage nach der Operation wurde Linda gestern Abend für Stina Blackstenius in der 77. Minute eingewechselt. Und war nah dran, noch das 4:0 für Linköping zu schießen.

Nach dem gestrigen Spiel habe ich mit Linda Sällström gesprochen.

„Es war wirklich fantastisch, wieder Fußball in der Damallsvenskan zu spielen. Du weißt ja, dass ich mein letztes Spiel da im Oktober 2011 gemacht habe, eine lange Zeit. Aber es war auch ein nervöses, aber insgesamt nur gutes Gefühl, zu spielen. Es war auch gut, dass wir schon 3:0 führten. Pernille (Harder) hatte gerade das 3:0 gemacht, als ich an der Seitenlinie stand und wartete. Da gab es dann keinen Stress und ich konnte ruhig zu Ende spielen.“

Wie ist die Reha verlaufen, dass es dann so schnell gehen konnte?

„Ich bin ziemlich viel zwischen Finland und Schweden hin- und hergereist. Meine Krankengymnasten in beiden Ländern haben toll zusammengearbeitet. Von denen habe ich grünes Licht bekommen für einen Einsatz heute und auch mein Trainer Martin Sjögren, der mich dann sportlich im Training beurteilt hat, war der Meinung, dass es jetzt passt,“

Hast du während der zweiten Rehazeit nie ein richtiges Tief gehabt? Wir haben uns letztes Jahr unterhalten, da warst du wie immer gut drauf, aber wenn das dann nochmal passiert, dann muss das doch ein Schock sein.

„Nein, es lief fast überwiegend sehr gut auch dieses Mal. Ich hatte schon sehr viel gelernt aus der ersten Reha und war deshalb wohl auch besser vorbereitet. Aber sicher gab es Tage, wo es schwer war, das Rehatraining durchzuhalten und wo ich mal nicht so gut drauf war, aber zum Glück hat man dann seine Familie und Freunde, die das ertragen müssen und die einem auch helfen.“

Die EM im Sommer war ein großes Ziel von dir. Wie hast du das dann erlebt?

„Es ist schon bitter, dass ich das verpasst habe. Aber ich war dennoch in sehr vielen Momenten bei der Mannschaft und durfte auch dabei sein und auch das hat mir sehr geholfen, weil die mir immer das Gefühl gegeben haben, dass ich zu ihnen gehöre, dass sie sozusagen auf mich warten und dass ich ein Teil von ihnen bin.
Die Niederlage gegen Schweden (0:5) war bitter. Ich war im Stadion und bevor es anfing, tat das schon etwas weh, weil ich wirklich so gerne hier gespielt hätte, aber danach dann war man fast froh, nicht unten auf dem Rasen gestanden zu haben.
Wir haben mit mehr gerechnet bei der EURO und die Mädels tun mir sehr leid, denn ich weiß, wie hart alle trainiert und gearbeitet haben. Nach vorne hat es einfach nicht geklappt. Aber, wenn Schweden seine beiden Elfer im Spiel gegen Dänemark am Anfang verwandelt hätte, dann wären wir gegen Russland in diese Auslosung gekommen.“

Ein österreichischer Journalist fragte mich vor kurzem, ob du und Maija Saari vielleicht aktuell für die WM-Qualifikation demnächst sein könnten. Aber das wird wohl nichts, oder?

„Maija schafft es nicht, aber was mich angeht, ist es nicht unmöglich. Ich werde tatsächlich morgen früh mit unserem Nationaltrainer Andrée Jeglertz gerade darüber reden. Vielleicht bin ich nur einfach dabei und auf der Bank, wir werden sehen. Aber ich hab ja gesagt, dass es wichtig ist, dabei zu sein.“

Nimmst du irgendetwas Positives mit aus dieser langen Zeit?

„Wenn ich etwas gelernt habe, dann alleine zu trainieren, meine eigenen Sachen zu machen und Geduld dabei zu haben. Das ist irgendwo auch eine Stärke, aber wenn es nach mir geht, dann brauche ich jetzt erst einmal keine Verletzungen mehr, davon habe ich wirklich genug.“

Linda Sällströms Vertrag läuft am Ende dieser Saison aus. Was sie dann machen wird, weiß sie noch nicht und mir sagt sie auch, dass sie darüber einfach noch nicht nachgedacht hat. Ihre ganze Energie war darauf gerichtet, endlich wieder spielen zu können.

Schweden – der Traum von der Friends Arena

Hohe Erwartungen an das eigene Team (Foto: Mirko Kappes)

Hohe Erwartungen an das eigene Team (Foto: Mirko Kappes)

Schweden stand irgendwie ein gutes halbes Jahr im Finale. Die Platzierung der Mannschaft als Kopf von Gruppe A und die Auslosung im Dezember 2012 verhiess einen Spaziergang ins Finale, „schlimmstenfalls“ Norwegen im Halbfinale hätte der Gegner sein können, so rechneten Journalisten und andere Experten aus. Und dem Erzrivalen aus dem kleineren westlichen Nachbarland war man doch so überlegen mittlerweile.

Doch das erste Spiel vor einem frenetisch begeisterten Publikum im Gamla Ullevi in Göteborg setzte ein paar Fragezeichen. Ein spielerisch erstaunlich starkes Dänemark kombinierte geschickt und deckte die Schwäche des schwedischen Teams schonungslos auf: die Aussenverteidigerpositionen waren mit Jessica Samuelsson (Linköping) und Sara Thunebro (vereinslos) bestenfalls durchschnittlich besetzt.

Die Däninnen aber können keine Tore schiessen, was ihnen weit später, im Halbfinale von Norrköping, dann auch zum Verhängnis werden sollte.

Und eine von Pia Sundhage geschärfte Waffe stach: Nilla Fischer sollte bei Standardsituationen ihre Physis nutzen. Sundhage ist der Meinung, dass im Frauenfussball viel zu wenig geköpft wird und damit hat sie Recht. Gerade bei Standards kann man hier entscheidend punkten. So verwendete sie die wohl beste Kopfballspielerin der Welt, Abby Wambach, in der amerikanischen Nationalmannschaft und das bleute sie Fischer in den knapp acht Monaten ihrer Amtszeit immer wieder ein.

Die bald-Wolfsburgerin Fischer köpfte den Ausgleich gegen Dänemark, es blieb beim 1:1 und damit war man eigentlich schon weiter. Denn das berauschende 5:0 gegen schwache Finninnen hatte man allenthalben erwartet. Dennoch weckten die fünf Tore gegen Andrée Jeglertz’ Team und weitere drei gegen eine italienische B-Auswahl endgültig Hoffnungen auf den Titel.

Dass der Gegner im Viertelfinale das sensationell weitergekommene Island war, unterfütterte nur die immensen Erwartungen. 3:0 stand es schon nach 18 Minuten, trotz einer überragenden Gudbjörg Gunnarsdottir zwischen den isländischen Pfosten wurden die Insulanerinnen geradezu überrollt von der schwedischen Offensive.

Da war es scheinbar nur ein Schönheitsfehler, dass der Gegner im Halbfinale nicht Norwegen hiess, sondern Deutschland. Die Deutschen hatten sich anders als Schweden ins Halbfinale gerumpelt. Und schienen so besiegbar wie lange nicht mehr. Alle sprachen davon, dass man jetzt, jetzt die Chance hätte, sich für alle schmachvollen Niederlagen der vergangenen 20 Jahre zu revanchieren. An die Wand spielen wollte man Deutschland und es kam ganz anders. Dszenifer Maroszan nutzte die fehlende Schnelligkeit von Charlotte Rohlin nach ihrer Kreuzband-OP und das mangelhafte Kommunikationsverhalten mit Keeperin Kristin Hammarström gnadenlos aus und aus war der Traum vom Finale in der Friends Arena. Deutschland spielte grandios, fightete und präsentierte sich erstmals in diesem Turnier als ein Team. Simone Laudehr spielte nichts weniger als Weltklasse und am Ende flossen bächeweise schwedische Tränen.

Dennoch: der schwedische Fussball hatte sich verändert. In nur acht Monaten hatte Pia Sundhage der Mannschaft ihren Stempel aufgedrückt und teilweise begeisternden Offensivfussball gespielt – auch gegen Deutschland, das bisweilen Glück hatte, etwa, dass die Schiedsrichterin das leichte Stossen von Lotta Schelin gegen Annike Krahn pfiff und den Ausgleichstreffer zu Recht nicht anerkannte.

Wenn man vielleicht etwas kritisch anmerken kann bei der schwedischen Nationalmannschaft: Pia Sundhage hat das Team offensiv sehr einseitig ausgerichtet – fast alle Spielertypen wurden gedoppelt. Lotta Schelin und Kosovare Asllani ganz vorne waren gesetzt, dahinter auf den Mittelfeldaussenpositionen spielten Josefine Öqvist oder Sofia Jakobsson und auf der anderen Seite Antonia Göransson, allesamt schnelle Konterspielerinnen. Was fehlte, war die sogenannte Target-Stürmerin. So etwas hat Schweden seit den Tagen einer Hanna Ljungberg oder Victoria Svensson nicht mehr in dieser Klasse. Thomas Dennerby versuchte es immer wieder mit Jessica Landström, die zwar die Athletik, aber bei weitem nicht die Technik hat, um diese Rolle auszufüllen. Eine, die es wirklich werden könnte, ist die hier schon so oft erwähnte Marija Banusic. Aber die wollte Sundhage noch nicht mitnehmen. Banusic soll auch auf die älteren Spielerinnen arrogant gewirkt haben, als sie beim Brasilienspiel doch noch in den Kader kam, aber nicht spielen durfte. Aber die 17-Jährige kann den Ball annehmen, er verspringt nicht wie bei Landström und sie hat eine schon hoch entwickelte Schusstechnik. Sie und Lina Hurtig werden wir in den kommenden beiden Jahren Richtung WM sicherlich sehen.

Die dritte Spielerin, die ich mir wünschen würde, heisst Elin Rubensson. Unverständlich, warum sie jetzt nicht dabei war, die quirlige, lernbegierige kleine Offensivspielerin aus Malmö ist für mich schon jetzt A-Klasse.

Wird jemand aufhören? Es sieht nicht so aus. Selbst Therese Sjögran, die 36-Jährige Mittelfeldveteranin, die wie durch ein Wunder noch in den Kader gerückt wa rund immerhin eine Italienerin zu einem Eigentor provozierte, schloss in einem Interview mit Dagens Nyheter nicht aus, bis zur WM in Kanada weiter zu machen.

Sara Thunebro hat gerade einen Vertrag bis zum Ende der Saison in Tyresö bekommen, die 34-Jährige sieht das Karriereende noch nicht, obwohl es lohnenswerte Alternativen gibt, die man testen sollte, etwa Linköpings Magdalena Ericsson, die dereinst von Djurgården bzw. Hammarby kam.

Fazit: Schweden war, wieder einmal, nah dran am Finale, an den Medaillen und gemeinsam mit Dänemark gab es am Ende Bronze. Aber die feinen, kleinen Unterschiede machen der Mannschaft von Pia Sundhage immer noch zu schaffen. Am gefährlichsten sind die Schwedinnen sowieso immer dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Dieses Mal rechnete das ganze Land mit ihnen. Spannend wird sein, Pia Sundhage nun durch die kommenden zwei Jahre auf dem Weg nach Kanada zu folgen, denn die richtigen Veränderungen könnten jetzt kommen.

Was sich ändern muss: Sundhage sollte sich von einer der drei Torhüterinnen Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Hedvig Lindahl trennen. Alle drei haben die 30 überschritten und sind nur mittelfristig zukunftsfähig. Am ehesten fällt jetzt wohl Lindahl heraus, die aber stark ist, ihre Position zu behaupten.

In der Abwehr muss ein Ersatz für Sara Thunebro gefunden werden. Auch sie sollte ihre Nationalmannschaftskarriere beenden. Im nächsten Jahr wird der Kampf um die Innenverteidigerposition spannend. Linda Sembrandt und Emma Berglund sollten dann wieder da sein. Auch Charlotte Rohlin wird 2015 vielleicht nicht mehr dabei sein. Stina Segerström dürfte ebenfalls wegfallen.

In Mittelfeld und Angriff wird es wohl erst einmal so weitergehen. Caroline Segen, Lisa Dahlkvist, auch wenn letztere offenbar nicht die Favoritin Sundhages ist. Marie Hammarström und die schon genannten schnellen Aussen. Olivia Schough, die in den Vorbereitungsspielen überzeugte, bekam beim Turnier in Schweden keine zwanzig Minuten. Auch ihre weitere Entwicklung wird interessant sein, Hier, in diesem Blog, könnt ihr das verfolgen.

Nach neun Runden

Erwartungsgemäß sind Tyresö und Malmö dem Rest des Feldes deutlich voraus. Die letzten vier Spiele des neunten Spieltags fanden vorgestern und vor allem gestern statt

Bereits am Mittwochabend führte Piteå zwar mit 1:0 gegen Linköping, aber Martin Sjögrens junge Mannschaft drehte die Begegnung und wie schon gegen Malmö am Spieltag zuvor wurde die Dänin Pernilla Harder zum Matchwinner für die Gäste. Piteå rutschte nun aufgrund der Donnerstagsergebnisse auf einen Abstiegsplatz, wo es definitiv nicht hingehört. Aber in der nördlichsten Stadt der Liga ist in der Lokalpresse jetzt schon die Devise durchhalten bis zur Sommerpause und Verstärkungen besorgen ausgegeben worden.

Piteå rutschte auf Rang 11, weil Vittsjö bei Mallbacken 3:1 gewann. Erste Niederlage der Värmländerinnen auf eigenem Platz seit zwei Jahren, der Strandvallen mit seinen fehlenden Tribünen (die Zuschauer sitzen meist auf selbst mitgebrachten Stühlen am Spielfeldrand) war eine Bastion. Er ist zudem Schwedens einziger Topfußballplatz, den man nur über eine Schotterstraße erreicht. Großes Pech für Mallbacken und noch mehr wohl fürr die finnische Nationalmannschaft:

Maija Saari, Kapitänin Finnlands und wichtiges Glied in der Abwehrkette Mallbackens, zog sich beim Training unter der Woche einen Kreuzbandriss zu. Maija ist damit schon das zehnte Opfer mit dieser Verletzung in der Damallsvenskan 2013.

Grund zur Freude hatte Finnlands Trainer Andrée Jeglertz auch gestern. Annica Sjölund, 2012 mit Kreuzbandriss ausgefallen, machte ihr erstes Spiel über 90 Minuten daheim gegen Umeå IK: Es kamen für Jitex sehr erfreuliche 900 Zuschauer und sie wurden zudem Zeugen eines eminent wichtigen 2:1 über Umeå. Zweifache Torschützin: Annica Sjölund.

Dass Kristianstad Sunnanå eine deutliche Niederlage mitgeben würde, glaubten wohl alle und tatsächlich gab es für den Aufsteiger (und wohl Absteiger) erneut ein empfindliches 5:1. Marija Banusic schoss das 1:0 schon in der ersten Spielminute, Margret Lara Vidarsdottir traf zweimal und Josefine Öqvist und Johanna Rasmussen je einmal. Mit Banusic hatte ich mich schon für Sonntag in Tyresö für ein Interview nach dem Spiel verabredet, aber die 17-Jährige sah ihre dritte gelbe Karte (wegen Wassertrinken auf dem Spielfeld!) und ist damit gegen Meister Tyresö gesperrt. Für ihre Handverletzung hat man ihr in Malmö übrigens eine Spezialmanschette angefertigt.

 

Anna Westerlund: „Unser Ziel, besser als Platz 8“

AnnaBei Piteå IF, das letztes Jahr an achter Stelle die Saison der Damallsvenskan beendet, spielt unter anderen auch die finnische Nationalspielerin Anna Westerlund. Anna hat bisher 53 Länderspiele für Finnland gemacht. Am Dienstag habe ich sie beim Presseauftakt der Damallsvenskan getroffen.

Piteå liegt weit im Norden, knapp 1.000 km von Stockholm entfernt im eher dünn besiedelten Teil Schwedens.

Wie gefällt dir das Leben in Piteå? [In Schweden duzt man sich grundsätzlich, was dazu führt, dass ich die Gespräche eben auch so übersetze]

Naja, ich war schon zwei Jahre in Umeå und nun in Piteå, also mir gefällt es gut, ich bleibe ja schließlich hier. Piteå ist natürlich kleiner als Umeå, wenn man diese beiden Städte vergleichen will, aber ich denke eben auch, dass ich kein Großstadtmädchen bin. Ich komme aus Pargas einer kleinen Stadt in der Nähe von Turku. Natürlich gibt es mal einen Tag, an dem man auf die Wände klettert, aber es ist schon ok.

Selber habe ich Piteå und die LF Arena vor zwei Jahren einmal besucht und hatte den Eindruck, dass das Publikum sehr engagiert ist, zahlreich kommt und eben auch die allgemeine Stimmung für den Frauenfußball und das Team sehr gut ist.

Die Stimmung in Piteå ist wirklich klasse. Das gehört zu den besten Stadien in der Damallsvenskan, finde ich. In Piteå braucht man nie Angst zu haben, dass keine Leute kommen.

Wo soll Piteå am Ende der Saison stehen?

Unsere Zielsetzung ist ganz klar, besser zu sein als im Vorjahr. Wir waren auf dem achten Platz letztes Jahr und es ist ganz natürlich, dass man weiter nach oben will.

Mit Finnland gab es am Sonntagmorgen eine überraschende 1:3 Niederlage in der Slowakei. Was war los?

Wir waren einfach nicht gut, wir haben gesagt, dass wir in den ersten 20 Minuten gut waren, dann wurde es schlechter. Klar, wir wissen jetzt, woran es lag. Auf Zypern war das genauso. Man kriegt ja auch immer Antworten, wenn man verliert. Wir sind noch nicht EM-reif, aber das müssen wir auch noch nicht sein. Das sind noch drei Monate, wir haben noch eine Reihe von Lehrgängen. Zentral müssen wir besser spielen. Wir wissen aus den 20 Minuten, in denen wir gut gespielt haben, das wir es können. Dann müssen wir einfach nur ein ganzes Spiel auf diesem Niveau schaffen.

Es fällt auf, dass in letzter Zeit immer mehr junge Spielerinnen aus der finnischen Liga im Kader stehen, das war früher anders. Da gab es teils ganze Startformationen aus Spielerinnen, die in Schweden aktiv waren. Wie kommt das?

Ja, wenn man heute mit der Zeit vergleicht, in der Michael Käld unser Trainer war, dann ist es jetzt beinahe 50/50 besetzt mit Spielerinnen aus der finnischen Liga und hauptsächlich der Damallsvenskan. Andrée Jeglertz musste ja auch den Generationswechsel vollziehen, während Michael noch mit Spielerinnen wie Anne Mäkinen, Sanna Valkonen und Laura Kalmari arbeiten konnte. Und da sind einfach mehr aus Finnland dazu gekommen. Vielleicht sieht das in einem Jahr schon anders aus, dass dann viele von den jungen Spielerinnen auch im Ausland sind. Aber es ist gut, dass die Spielerinnen, die in der finnischen Liga sind, das Gefühl bekommen, dass wenn sie gut genug spielen, gesehen werden und eine Chance haben, in die Nationalmannschaft zu kommen. Und unsere Jugendtrainer Marianne Miettinen und Markko Saloranta machen auch wirklich eine gute Arbeit.

Sonntag beginnt die Saison für euch in Kristianstad. Deine Gedanken dazu?

Ich hab noch gar nicht an das Spiel denken können. Das ist alles so schnell. Jetzt war ich eine Woche mit der Nationalmannschaft weg und dann fängt gleich die Liga an. Aber das ist nur schön, dass es los geht. Kristianstad ist immer schwer, das wissen wir und wir müssen mal sehen wie es auf dem Rasen geht. Am Anfang der Saison weiß man nie so recht wie man im Vergleich zu den anderen Teams steht. Ein Trainingsspiel ist immer ein Trainingsspiel. Wir spielen auf Sieg, als Fußballerin will man natürlich gewinnen, Das Ergebnis ist egal, ob es 1:0, 5:0 oder 2:1 ist.

Traumhaftes Comeback für Linda Sällström

Nach ihrem Kreuzbandriss vor gut einem Jahr bestritt Linköpings finnische Nationalspielerin Linda Sällström am Nachmittag ihr Comeback. Finnland schaffte ein überzeugendes 5:0 gegen eine enttäuschende Mannschaft Russlands in Eerikkilä. Dabei schossen Spielerinnen aus der finnischen Liga vier der fünf Tore: Marianna Tolvanen, Jaana Lyytikainen, Adelina Engman und Emmi Alanen. Das 4:0 aber besorgte Linda Sällström, gerade mal drei Minuten, nachdem Trainer Andrée Jeglertz sie in der 46. Minute eingewechselt hatte.

Finnland spielt bei der EURO in einer Gruppe mit Schweden, Dänemark und Italien. Russland trifft auf England, Frankreich und Spanien.

Finnland nach Italien, Deutschland und Schweden qualifiziert

Zugegeben, Finnland hatte wahrscheinlich die leichteste Qualifikationsgruppe zur EURO 2013 mit der Ukraine, Weißrussland und der Slowakei als stärksten Gegnern. Aber dass man letztlich souverän aus dieser Gruppe als Sieger zur EURO 2013 fahren kann ist ein großer Erfolg für den Schweden Andrée Jeglertz und seine Truppe.

Gestern beim Schwesternvolk in Estland gab es ein ungefährdetes 5:0 gegen die Gastgeber in Tallinn. Schon nach 20 Minuten führte man mit 3:0. Es war Leena Puranen, die Finnland in der siebten Minute auf die Siegerstraße schoss. Danach kamen noch drei Tore von Sanna Talonen (KIF Örebro) und eines von Maija Saari (AIK). Alle Torschützinnen hatten in ihren schwedischen Vereinen nicht so viel zu lachen in dieser Saison. Um so schöner, dass es in der Nationalmannschaft klappt.

Anna Westerlund (Piteå IF): „Schau dir mal Schweden an. Da ist Zlatan der einzige Große. Und dann schau dich mal hier um. Wir sind viele, die interviewt werden, da ist nicht immer nur derselbe Spieler interessant. Wir haben nicht einen Star, wir sind elf Stars,“ so die 23-Jährige begeistert zur schwedischsprachigen finnischen Zeitung Hufvudstadsbladet.

„In den Jahren mit Andrée Jeglertz haben wir ungeheure Fortschritte gemacht und haben jetzt eine klare Spieltaktik. Bisweilen war es schwer, vor allem in den Auswärtsspielen, aber mit jedem Spiel sind wir besser geworden,“ so Maija Saari.

 

Siege für Finnland, Norwegen und Schweden

In der 92. Minute fiel das Tor des Tages in Bratislava. Es war ein Eigentor von Eva Kolénova, die natürlich auch noch die Unglück bringende Nummer 13 im slowakischen Nationalteam trug. Finnland nahm damit drei sehr wichtige Punkte mit und übernahm zunächst die Tabellenführung. Beide Teams treffen schon am kommenden Donnerstag wieder aufeinander, dann ist es Zeit für das Rückspiel in Vantaa.

Unter schwierigen Bedingungen (es regnete stark während des Spiels) trafen die  beiden Teams aufeinander, die in der Weltrangliste auf den Plätzen 37 (Slowakei) und 20 stehen. Chancen gab es auf beiden Seiten, die Gäste versuchten es wie gewohnt zumeist mit langen Bällen auf die pfeilschnelle Linda Sällström, bei den Slowakinnen war die 20-Jährige Dominika Skorvánková in zwei Situationen gefährlich. In einer Gruppe, in der vier Teams für die ersten beiden Plätze in Frage kommen (außer den beiden Kontrahenten von heute noch die Ukraine und Weißrussland), ist aber noch nichts entschieden, obwohl Finnland einen wichtigen Sieg errungen hat.

„In der Anfangsphase haben wir dem Gegner zu viel Raum gelassen, so dass die Slowakinnen ihr Spiel aufbauen konnte,“ sagte Finnlands schwedischer Trainer Andrée Jeglertz. „In der zweiten Halbzeit haben wir uns dann jedoch auf das besonnen, was wir vor dem Spiel geplant hatten. Dennoch bin ich etwas enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, die Entscheidung früher herbeizuführen. Jetzt wird nicht gefeiert, wir müssen uns ab sofort auf das Rückspiel am Donnerstag vorbereiten,“ so Jeglertz.

Norwegen stand das Wasser bis zum Hals, aber der 3:0-Sieg bei Tabellenschlusslicht Bulgarien war nicht mehr als eine Pflichtübung. Auf Platz 56 stehen die Bulgarinnen, wogegen die Norwegerinnen, ehemals beständiges Mitglied der weltbesten Zehn, inzwischen auf Platz 13 abgerutscht sind. Bis zur 90. Minute stand es lediglich 1:0 durch das Tor von Gry Tofte Ims in der 70. Minute. Dann sorgte aber Hege Hansen mit einem Doppelschlag für den standesgemäßen Endstand. Sie war erst in der 84. Minute eingewechselt worden.

„Wir nehmen drei Punkte mit. Das ist eine Mannschaft, die wir wirklich deutlicher als 3:0 schlagen müssen, aber mir scheint, dass der Ernst der Situation zu viel Schwere auf den Platz gebracht hat,“ sagte die weiterhin in der Kritik stehende Trainerin Eli Landsem nach der Begegnung.

Am Sonntag reisen die Norwegerinnen von Bulgarien weiter nach Ungarn, wo sie am Mittwoch ein weiteres wichtiges Auswärtsspiel in der Qualifikation bestreiten, in der Island und Belgien die Hauptkonkurrenten sind.

Schweden bestreitet als Gastgeber der EURO 2013 lediglich Freundschaftsspiele. Heute kam der Weltranglistensiebte Kanada nach Malmö, wo bescheidene 2.000 Zuschauer uns allmählich etwas Sorgen machen, gut 15 Monate vor dem Turnier. Denn immerhin spielte der WM-Dritte Weltranglistenfünfte gegen den Siebten. Und wie erwartet hatte man gegen Kanada relativ leichtes Spiel, denn die Kanadierinnen verfügen zwar über eine gute Offensive, vor allem durch ihren Welrstar Christine Sinclair, aber die Abwehr und das defensive Mittelfeld lassen zu wünschen übrig. Caroline Seger mit einem herrlichen Heber und Lotta Schelin mit einem für sie typischen Tor (sie wurde in die Gasse geschickt und vollendete) entschieden das Spiel ehe der dritte Treffer von Kosovare Asllani (Comeback nach einer Weile Draußensein aus dem Kader) auf einen sehr klaren Sieg hinzudeuten schien. Aber Sophie Schmidt konnte nach einem Abwehrfehler völlig frei vor Hedvig Lindahl abziehen und so kam ein Ergebnis heraus, das letztlich noch ok für Kanada ist.

„Die Spiele an der Algarve gegen Deutschland und die USA waren ein kollektiver Zusammenbruch, besonders gegen Deutschland. Gegen die USA waren wir viel besser, das Ergebnis spiegelt nicht den Spielverlauf wider. Wir haben darüber geredet und es ist nichts, was uns beunruhigt. Heute haben wir kompakt gespielt und denen nicht viel Raum zum Agieren überlassen. Aber es war auch nicht das beste Kanada, gegen das ich gespielt habe,“ sagte Ex-Mannschaftskapitänin Caroline Seger.

Das nächste Länderspiel zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London bestreitet Schweden am 26.Mai auswärts gegen Schottland.

 

Sällström schlug wieder zu

Eine tolle Überschrift des finnischen Fußballverbands Suomen Palloliitto zum heutigen Spiel um Platz 5 beim Zypern-Cup. Linda Sällström schoss ihr fünftes Tor im vierten Spiel, verwandelte dann noch einen Elfmeter, aber die 7:8 Niederlage gegen Südkorea konnte die zweifache Fußballerin des Jahres nicht verhindern.

In der 53. Minute ging Finnland in Führung durch die 23-Jährige, die für Linköping spielt und durch das fünfte Tor die beste Torschützin des gesamten Turniers wurde  Emmi Alanen, die nicht nur Fußballnationalspielerin ist, sondern in ihrer Jugend eine vielversprechende Ringerin war, hatte wieder einmal die Vorlage geliefert.

Nur drei Minuten später stand es jedoch 1:1, als Yun Hee Cha mit ihrem Treffer alles wieder offen gestaltete. Trainer Andrée Jeglertz sagte, dass einige seiner Spielerinnen offenbar müde gewesen seien. Im unmittelbar nach 90 Minuten erfolgenden Elfmeterschießen verwandelten alle Spielerinnen, ehe Unglücksrabin Susanna Lehtinen aus Örebro den entscheidenden Elfmeter verschoss,

Finnland spielte mit fast derselben Elf, die am Samstag mit 3:1 gegen die Schweiz gewonnen hatte, lediglich Tinja-Riikka Korpela anstelle von Minna Meriluoto im Tor und statt Leena Puranen im Mittelfeld mit Sanna Talonen.

Andrée Jeglertz war mit dem Turnier und dem sechsten Platz zufrieden. „Heute war die Müdigkeit besonders in der zweiten Halbzeit zu sehen. Aber wir haben in diesen zehn Tagen mehr über unsere Schwächen und Stärken gelernt, das war eine gute Vorbereitung auf unser EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei am 31.03.“

Zweite Niederlage für Finnland auf Zypern

Nicht unerwartet verlor Finnland auch das zweite Spiel auf Zypern. Der WM-Vierte Frankreich gewann mit 2:1. Linda Sällström erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich, ein Traumtor. Insgesamt zeigten die Finninnen eine ansprechende Leistung, konnten aber (wie immer?) ihre Chancen dann letztlich nicht zu einem weiteren Treffer nutzen.

Trainer Andrée Jeglertz hatte im Vorfeld schon gesagt, dass man gegen eines der stärksten Teams Europas spiele.

Im letzten Spiel kann Finnland dann gegen die Schweiz spielen, die ohne die verletzte Ramona Bachmann auf der Mittelmeerinsel ist.