Favoriten siegen

In beiden Sonntagsspielen setzten sich die Favoriten jeweils mit 3:1 durch. Erst war Malmö an der Reihe, das gezwungen war, Piteå auf dem heimischen Malmö IP zu schlagen, um Tyresö wieder die Tabellenführung abzuknöpfen.

Katrin Schmidt brachte Malmö in Führung in einer ersten Halbzeit, die recht ausgeglichen war. Malmö überzeugt keinesfalls so wie Tyresö das tut, aber während Hans Löfgrens Auswahl jedes Mal die Kür läuft tut Malmö eben seine Pflicht. Entscheidend wird es dann am 3. November in Malmö.

Anna Westerlund erzielte in der zweiten Hälfte den überraschenden Ausgleich und während man vermutlich südlich von Stockholm überlegte, was man wohl den Spielerinnen aus Piteå zu Weihnachten schenken könnte, markierte Sara Björk Gunnarsdottir mit einem fulminanten Schuss von der Strafraumgrenze die abermalige Führung für den Meister, die Anja Mittag noch auf 3:1 erweiterte.

Wermutstropfen gab es zwei und es betrifft die wohl wichtigsten Füße des Teams: Ramona Bachmann wurde in der ersten Halbzeit bereits nach einem Schlag gegen den Fuß ausgewechselt und Anja Mittag verließ kurz nach ihrem Treffer den Platz.

Krankengymnastin Malin Lundgren: „Bei Ramona ist der Fuß nicht verstaucht, keine größere Gefahr. Anjas Fuß ist allerdings verstaucht, aber auch da habe ich keine großen Sorgen.“

Am Mittwoch wartet das nächste Spiel daheim gegen MTK Budapest. Da dürften Bachmann und Mittag wohl pausieren, da man bereits ein 4:0 mit nach Hause gebracht hat.

Auf dem Valhalla IP in Göteborg haben in dieser Saison sowohl Kopparberg/Göteborgs FC wie auch Jitex Heimrecht. Die Mölndaler warten auf den Bau eines neuen Stadions. Das mit Spannung erwartete Derby bot den Fans freien Eintritt und immerhin kamen 1153 und sahen einen Sieg der favorisierten Innenstädter gegen den Vorort. Die englischsprachigen Muttersprachler sind immens wichtig für Göteborg, einem Team, das noch vor zwei Jahren lediglich mit der Norwegerin Ingvild Stensland eine Ausländerin im Team hatte.

Heute sind die Leistungsträgerinnen aus den USA. Yael Averbuch hat Lisa Ek im Mittelfeld mehr als ersetzt. Die Klassespielerin erzielte zwei Tore und den dritten machte die Engländerin Anita Asante, die ihrerseits eine Vergangenheit in der amerikanischen Liga WPS hat. Zwischendurch hatte Kristine Lindblom die  frühe Führung durch Averbuch (2. Minute) ausgleichen können.

Göteborg konsolidierte somit seinen dritten Platz, 16 Punkte hinter Malmö und 14 hinter Tyresö, die damit beide die Champions-League-Qualifikation für die Saison 2013/14 in der Tasche haben.

Torbjörn Nilsson zu Göteborgs Posten über Averbuchs zweiten Treffer, einem Schuiss aus knapp 25-30 Metern Entfernung: „Das war ein toller Schuss. Sie schießt so wie ein Pferd tritt.“

 

 

 

Champions League ohne Überraschungen

Die Hauptrunde der Champions League Saison 2012/13 begann am Mittwoch mit insgesamt elf Begegnungen. Im Frauenfußball sind Überraschungen oder gar Außenseitersiege mindestens bis zum Viertelfinale wieder einmal eher nicht zu erwarten. Der schwedische Vizemeister und Pokalsieger (von 2011) Kopparberg/Göteborgs FC gewann sein Auswärtsspiel beim serbischen Meister Spartak Subotica mit 1:0. In einer ausgeglichenen Partie, in der beide Seiten je fünfmal auf das Tor der Gegnerinnen schossen, erzielte die Amerikanerin Camille Levin den Siegtreffer in der 40. Minute. Trainer Torbjörn Nilsson hatte interessanterweise die vor der Sommerpause zurückgetretene Jane Törnqvist im Aufgebot auf der Bank. Törnqvist wurde vorige Woche als neue Co-Trainerin bekanntgegeben, da die Truppe aber nach dem Weggang von Linnéa Liljegärd nach Russland und dem Kreuzbandriss von Sara Lindén arg dezimiert ist, wird Törnqvist möglicherweise öfters die Bank drücken.

Norwegens Meister Röa gewann seinen Auftritt beim kasachischen Vertreter BIIK Shymkent mit 4:0. Shymkent liegt knapp 700 km westlich der ehemaligen Hauptstadt Almaty im Süden des Landes und damit so tief in Zentralasien wie das nur irgend geht, aber da Kasachstan Mitglied der UEFA ist, spielt man in Europa mit und beschert so Besuchern weite Reisen in eine hochinteressante Region. Mit der 28-Jährigen Bruna und der 21-Jährigen Thaynara Lima spielen zwei Brasilianerinnen für die Kasachinnen, dazu die nigerianische Stürmerin Emueje Ogbiagbevha und die Serbin Milica Mijatović  – Frauenfußball auch in Kasachstan scheint sich zu entwickeln.

Für Röa trafen Stine Andreassen (2), Elise Thorsnes und Emilie Haavi.

Wie weit Finnland und seine „naistenliiga“ hinter den besten Teams zurückliegt, zumal fast alle finnischen Nationalspielerinnen in Schweden tätig sind, zeigte heute die 0:7 Heimpleite von Meister PK-35 aus Vantaa gegen den zweimaligen CL-Sieger Olympique Lyon. Laëtitia Tonazzi (2), Wendie Renard, Eugenie Le Sommer, Lara Dickenmann, Amel Majri und Camille Abily schossen die Tore in einer Lehranderthalbstunde, in der die Schussstatistik am Ende 22:1 Torschüsse für die Gäste aufwies.

In einer innernordischen Auseinandersetzung schlug Norwegens Vertreter Stabaek den dänischen Ex-Meister Bröndby mit 2:0. Ingvild Stensland und die gerade erst 17 gewordene Ada Hegerberg schossen die Tore.

Dänemarks Meister Fortuna Hjörring gewann in einem der spannenderen Spiele mit 2:1 bei Glasgow City. Dabei schoss Nationalspielerin Nadia Nadim beide Tore für die Däninnen. Nadim vergab kurz vor der Pause noch einen Strafstoß. Jane Ross erzielte den Anschlusstreffer.

Im sechsten Spiel mit nordeuropäischer Beteiligung kam Islands Meister Stjärnan nicht über ein 0:0 daheim gegen den russischen Vizemeister Zorkij Krasnogorsk hinaus.

Morgen um 18.00 Uhr dann noch LdB FC Malmös erstes Match beim ungarischen Meister MTK Budapest.

Noch einmal alle Ergebnisse auf einen Blick:

FC Zürich – Juvisy (F) 1:1 [Inka Grings schoss den Ausgleich für Zürich]
BIIK Shymkent (Kasachstan) – Röa (N) 0:4
Spartak Subotica (Serbien) – Kopparberg/Göteborgs FC 0:1
Birmingham Ladies – Verona 2:0
Apollon Limassol – Torres (Italien) 2:3 (Hattrick der 37-Jährigen Patrizia Panico)
Olimpija Cluj (Rumänien) – Neulengbach 1:1
PK-35 (Finnland) – Olympique Lyon 0:7
Stabaek (Norwegen) – Bröndby 2:0
FC Barcelona – Arsenal London 0:3
Standard Lüttich – Turbine Potsdam 1:3
Glasgow City – Fortuna Hjörring 1:2
Stjärnan – Zorkij 0:0

 

 

 

 

 

 

Zu Ende mit 9

Es geht um nichts mehr für Kopparberg/Göteborgs FC, aber das Team um Trainer Torbjörn Nilsson hat sich vorgenommen, die verkorkste Saison mit so vielen Punkten wie möglich zu beenden, um dann für 2013 die Kräfte neu zu formieren.

Zehn Minuten vor Schluss führte man durch Tore von Christen Press und Linnéa Liljegärd mit 2:0, Nilsson hatte dreimal ausgewechselt. Da verletzte sich Sara Lindén und kurz darauf auch Torfrau Kristin Hammarström (Gehirnerschütterung). Beide konnten nicht weitermachen. Auswechseln ging nicht mehr.

Ins Tor ging die sonst offensive Mittelfeldspielerin Johanna Almgren: „Ich habe vielleicht am wenigsten Angst vor dem Ball und war mal vor langer Zeit Handballtorwart,“ sagte Almgren nach dem Spiel. „Aber es war ganz schön aufregend, das Publikum war total nervös und jedes Mal wenn der Ball sich unserem Tor näherte, sahen meine Mannschaftskameraden erschrocken aus,“ so Almgren über das ungewöhnliche Ende ihres Arbeitstags.

Piteå gelang allerdings nur noch der Anschlusstreffer durch Jennifer Nobis und Göteborg fuhr den dritten Sieg in Folge ein (Pokal mitgerechnet).

Torbjörn Nilsson verlängert in Göteborg

Torbjörn Nilsson hat seinen Vertrag als Trainer von Kopparberg/Göteborgs FC um weitere zwei Jahre bis Ende 2014 verlängert. Das wurde am Wochenende mitgeteilt. Nilssons Entscheidung wurde nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden Peter Bronsman gefällt, der deutlich machte, dass Göteborg in den nächsten beiden Jahren angreifen und Tyresö und Malmö herausfordern will.

Jojo Göteborg

Falls sich Kopparberg/Göteborgs FC jemals umbenennen will, um seinen dank des Hauptsponsors ziemlich beknackten Vereinsnamen zu ändern, hätte ich einen Vorschlag: Jojo Göteborg. Auf und ab ging es diese Saison, die man bereits jetzt als insgesamt schlecht zu den Akten legen kann. Denn der angestrebte Spitzenplatz ist mindestens zehn Punkte weit weg, wobei die führenden Malmö und Tyresö sogar noch ein Spiel weniger haben.

Doch gestern, im Heimspiel gegen Umeå IK brillierte Torbjörn Nilssons Mannschaft mal wieder eine Halbzeit lang. 5:0 hieß es am Ende nach Toren von Christen Press (2), Anita Asante, Sara Lindén und Amanda Edengren.

Nach einer ereignislosen ersten Halbzeit drehte Göteborg in der zweiten Hälfte auf. Überragend: die neue Amerikanerin Yael Averbuch, die mit glänzenden Pässen brillierte. Christen Pressberichtet, dass man sich vor dem Spiel zusammengesetzt hatte: „Wir haben gesagt, dass wir nun für den Rest der Saison alles geben wollen. Es wie einen Endspurt betrachten werden.“ Press räumte selber ein, dass sie trotz ihrer zwölf Tore bislang eine durchwachsene Saison gespielt habe. „Vielleicht habe ich nicht alle Chancen verwertet, die ich bekommen habe, aber ich musste der Mannschaft auch auf andere Weise helfen.“

Anita Asante gelang mit einem fulminanten Schuss ein Traumtor. In der Schlussphase des Spiels wurde es ungewohnt hektisch: Christen Press sah gelb, weil sie eine Gegenspielerin in die Bande geschubst hatte und Umeås Mannschaftskapitänin Emma Berglund sah in der Nachspielzeit gar gelb-rot nach einem Disput mit der Schiedsrichtern. Wenn es stimmt, was Johanna Almgren (Göteborg) später auf Twitter schrieb, stellte Berglund der Schiedsrichtern wohl die klassische Frage, ob diese blind sei.

AIK schöpft Hoffnung

Zweikampfballet zwischen Christen Press und Maija Saari

Es war weniger Neuzugang Lori Chalupny, der AIK seinen zweiten Saisonsieg bescherte, sondern vielmehr eine aufopferungsvolle Abwehrarbeit. Defensiv zeigteder Tabellenelfte in der zweiten Halbzeit eine tolle Leistung, wobei Göteborg sich allerdings auch nicht genügend entgegenstemmte.

Christen Press war in der ersten Halbzeit ein ständiger Unruheherd, wann immer sie angespielt wurde, sorgte sie mit schnellen Sprints und ansatzlosen Schüssen für Gefahr, eine richtige Klassestürmerin, die wohl nur nicht in ihrer Natioalmannschaft spielt, weil sie mit Kalibern wie Abby Wambach, Alex Morgan und Sydney Leroux konkurrieren muss. Immerhin war sie schon Reserve in London.

Auch Yael Averbuch wusste in der ersten Halbzeit bei Göteborg zu gefallen, trug mit Anna Ahlstrand und Johanna Almgren sowie Anita Asante stark dazu bei, dass immer wieder nach vorn gespielt werden konnte. 9:3 Ecken standen am Ende für Göteborg, aber 0:1 Tore. Das ist dann doch verloren. „Naja, jetzt bleibt uns halt nichts anderes übrig als die Champions-League zu gewinnen,“ sagte Trainer Torbjörn Nilsson ironisch. Er habe seinen Spielerinnen schon gesagt, so Nilsson zu ffschweden nach dem Abpfiff, dass er das Herz vermisst hätte. „Wenn man ein Spiel gewinnen will, dann muss man motiviert dazu sein, dann kann man gegen einen physisch spielenden Gegner nicht so auftreten wie wir das getan haben,“ so Nilsson weiter. Und: „Ich bin der Chef des Teams, das muss ich dann wohl auf meine Kappe nehmen.“

Das 1:0 fiel durch einen Foulelfmeter von Susan Varli in der 40. Minute, mehr geschah dann nicht mehr. Für Göteborg ist die Saison damit endgültig verkorkst und selbst der wertlose dritte Platz ist in weite Ferne gerückt. Für AIK bedeutet der Sieg große Hoffnung, denn Djurgården und Örebro haben verloren.

„Wenn wir am nächsten Wochenende Djurgården besiegen und Örebro nicht gegen Jitex gewinnt, dann kann man tatsächlich vom Klassenerhalt träumen,“ sagte mir die heute überragende AIK-Torfrau Susanne Nilsson.

 

Halbzeit (5): Kopparberg/Göteborgs FC

Göteborg etwas ratlos wie hier Anna Ahlstrand beim Spiel gegen Tyresö (1:3)

Ebenso wie Kristianstad, so wollte auch Göteborg in dieser Saison um die Meisterschaft mitspielen. Wie man das in den letzten beiden Jahren auch getan hat. Zwei zweite Plätze und der Pokalsieg im Finale über Tyresö sprachen da für sich, auch wenn man mit Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist (beide nach Tyresö) und Ingvild Stensland empfindliche Abgänge zu verzeichnen hatte. Ersetzt wurden die Spielerinnen durch Ingrid Wells, Anita Asante und Christen Press. Wobei man nicht von 1:1 Ersatz sprechen konnte, Press ist Stürmerin, aber nach zehn Toren kann man sie wohl als den spektakulärsten Neuzugang bezeichnen. Sie erzielte gleich beide Tore im ersten Spiel, als man Djurgården mit 2:0 besiegte.

In Runde 3 kam Göteborgs Zug zum Stillstand. Die Heimniederlage gegen Vittsjö. Man hatte Press ziehen lassen, weil die von Pia Sundhage in ein amerikanisches Trainingslager nach Florida gerufen worden war. Und Torbjörn Nilsson saß nicht auf der Bank, er war von einem Hund gebissen worden, offenbar mit so ernsten Folgen, dass er insgesamt zwei Spiele verpasste. Das zweite Spiel wurde jedoch gewonnen. Nach dem überzeugenden 6:0 Auswärtssieg bei KIF Örebro waren alle davon überzeugt, dass Göteborg da oben wieder eine Rolle spielen könnte, obwohl der Kader relativ dünn besetzt war, aber war er das 2011 nicht auch schon gewesen?

Wir haben uns geirrt, denn ähnlich wie Kristianstad gab es bei Göteborg viele Höhen und Tiefen, die Tiefen sind neu bei den meist schwarz gekleideten Westschwedinnen: Immerhin 3:3 gegen Lokalrivale Jitex nach 0:3 Rückstand, danach aber 1:4 Klatsche bei Kristianstad. Am Ende, nach zwölf Spieltagen, kann man mit 11 Punkten Rückstand auf Tyresö und zehn auf Malmö konstatieren, dass ein neuerlicher CL-Platz für 2013/14 undenkbar ist.

Woran liegt das? Göteborg wollte doch spielen wie Barcelona. Neuverpflichtungen nicht blind tätigen wie manch andere, sondern exakt passend zum Team und zur Spielidee. Es liegt nicht an Asante oder Press. Ingrid Wells ist vielleicht jemand, der nicht sonderlich auffällt, sie kam mit vielen Vorschusslorbeeren, wurde im amerikanischen „College“-Fußball der“ kleine General“ genannt und landete weit oben bei den Drafts zur WPS 2012, die sich am Ende als Spiel für die Galerie entpuppt hatten. Aber Wells hat noch einen Weg zu gehen.

Da ist die merkwürdige Vertragspolitik des Vereins. Niemand erhält einen Vertrag, der länger als ein Jahr dauert. Ich habe mal mit Torhüterin Kristin Hammarström darüber gesprochen, aber natürlich fand sie das ganz ok und das sei nun mal so, aber niemand habe wirklich Angst, keinen neuen Vertrag zu bekommen. Und nach den Erfolgen des letzten Jahres soll der Verein ALLEN Spielerinnen einen neuen Vertrag angeboten haben. Während zweier Trainingseinheiten liefen alle mal nacheinander ins Clubhaus und unterschrieben. Torbjörn Nilsson sagte, dass noch nie eine Spielerin ein Vertragsangebot ausgeschlagen hätte, seit er da ist. Immerhin vier Jahre. Aber nun schlugen Sembrant und Dahlkvist das Angebot aus – Tyresö bot einfach wesentlich mehr Geld. Und Stensland wollte aus privaten Gründen in die Heimat zurück.

Dass mit Lisa Ek (Ziel noch unbekannt, aber es ist nicht Potsdam, wie wir mal gemutmaßt haben) und Jane Törnqvist (Rücktritt) nun zwei der wichtigsten Leistungsträgerinnen den Verein inmitten einer Saison verlassen, die nicht gerade einfach verläuft, spricht dafür, dass nicht alles um Kopparberg/Göteborgs FC zum Besten steht. Zwar hat man mit der Amerikanerin Camille Levin gleich Ersatz für Törnqvist geholt, aber Levin hat nicht die Erfahrung und den Pondus der 37-Jährigen Ex-Nationalspielerin. Camille Levin ist auch eine Verpflichtung, wie wir sie bei anderen Vereinen öfters sehen. Sie hat zusammen mit Christen Press an der Stanford Universität gespielt und ist wohl von Press oder denjenigen, die Press empfohlen haben, empfohlen worden. Das ist eine neue, schlechtere Qualität des Scouting bei einem Verein, der gerade so nicht arbeiten wollte. Ich hege keinen Zweifel daran, dass Camille Levin ein großes Talent ist, aber die veränderte Personalpolitik des Vereins Kopparberg/Göteborgs FC spricht dafür, dass die Höhen und Tiefen sich in den zehn Begegnungen nach den Sommerferien fortsetzen werden.

Marta überragt und Tyresö bleibt oben

Lisa Dahlkvist, Linda Sembrant und Anita Asante

Am Dienstag begann mit dem TV-Spiel Tyresö FF – Kopparbergs/Göteborgs FC die Rückrunde der Damallsvenskan. Der zwölfte Spieltag wird am Mittwoch mit vier Begegnungen fortgesetzt und dann geht es in die Sommer- und Olympiapause. Lediglich das Spiel Umeå IK – AIK findet dann erst Mitte August statt, da AIK derzeit vier Spielerinnen bei der U19-EM in der Türkei hat.

In der ersten Halbzeit hatte Tyresö die besseren Chancen, aber Göteborg ging durch Sara Lindén in Führung. Und Tyresö zeigte sich auch nicht als Mannschaft, sondern – wieder einmal – als ein Haufen von Individualistinnen. Die Spielphilosophie scheint oft darin zu bestehen, dass Vero Boquete und Marta den Ball bekommen sollen, manchmal auch Caroline Seger und dann soll halt durch ihre individuelle Klasse etwas passieren. Boquete und Marta tanken sich manchmal dank ihrer Technik durch, Seger aufgrund ihrer Kraft. Dennoch – gegen die meisten Gegner reicht das ja. Man kann damit Meister werden.

Göteborg führte zur Pause, hatte den Ball in der ersten Halbzeit auch streckenweise gut in den eigenen Reihen gehalten und über weite Strecken ein organisiertes Spiel des Gegners verhindern können.

In der zweiten Halbzeit dann ließ Torbjörn Nilsson seine Mannschaft weiter vorne spielen, wurde er übermütig? Jedenfalls hatten vor allem die brandgefährlichen Marta und Vero wesentlich mehr Raum und das wurde Göteborg in der 54. und 57. Minute zum Verhängnis. Zuerst kam Marta über die linke Seite und setzte sich mit Technik und Geschwindigkeit durch und bezwang Kristin Hammarström mit einem strammen Flachschuss ins rechte untere Eck. Danach dann eine brillante Kombination, an der Vero, Marta und Emilia Appelkvist beteiligt waren, ehe Elaine Moura das Leder in die Maschen hämmerte. Das ging einfach zu schnell für Göteborg und Tyresö stand dann in den zweiten 45 Minuten eher als Team auf dem Platz. Eine Niederlage heute wäre fatal gewesen, denn Malmö liegt schon zwei gefühlte Punkte voraus, das nachzuholende Auswärtsspiel bei Djurgården darf für den Meister nicht mehr als eine Formsache sein.

Nach der Führung brachte Torbjörn Nilsson dann endlich Christen Press. Ich fragte, die Amerikanerin nach dem Spiel, wie es ihr gehen würde. „Gut, danke,“ sagte sie etwas verständnislos. Ebenso verständnislos war ich, dass Nilsson offenbar aus taktischen Gründen seine stärkste Waffe (10 Saisontore) auf der Bank gelassen hatte. „Nein, nein, ich bin nicht verletzt,“ lächelte sie und muss wohl gesehen haben, wie mir da beinahe die Kinnlade herunterfiel.

Press kam nach einer Stunde und sorgte auch gleich für Unruhe, aber da Tyresö das Spiel jetzt im Griff hatte und die Heimmannschaft sich zusammengerissen hatte, bekam das Spiel einen neuen Touch. Und es hatte eben Marta. Rechtzeitig zu den Olympischen Spielen scheint die Brasilianerin endlich wieder yur Höchstform aufzulaufen. Noch eine typische Einzelaktion auf dem linken Flügel führte zum entscheidenden 3:1. Vero Boquete zauberte noch dann und wann gegen Göteborgerinnen auf Flächen irgendwo zwischen Briefmarke und Kanaldeckel, allerdings ohne zählbaren Erfolg. Und am Ende verabschiedete sich Göteborg aus dem Reigen der CL-Kandidaten. Mit nun elf Punkten Rückstand auf Tyresö ist da in zehn verbleibenden Spielen wohl nichts mehr aufzuholen.

Nach dem Spiel sprach ich mit Christen Press und Anita Asante. Später in dieser Woche kommen die Texte zu diesen Gesprächen, die sich um eine Zwischenbilanz nach vier Monaten Schweden und einer Vorschau auf Olympia drehten.

Jane Törnqvist beendete ihre Karriere (ffschweden berichtete), noch nichts wurde über ihre Nachfolge bekannt. Gemeinhin wird vermutet, dass bald der Wechsel der deutschen Nationalspielerin Annike Krahn nach Schweden verkündet wird.

Zweite Klatsche für KIF Örebro

KIF Örebro war immer ein Garant für relativ spektakulärarmen, defensiv ausgerichteten Fußball. Stabilität hinten, vorn gefährlich mit Sanna Talonen und Sarah Michael. Zwei fünfte Plätze in Folge, im letzten Jahr sogar streckenweise mit einer Chance, im Titelrennen mitzuspielen. Man tat das dann indirekt, besiegte Tyresö zu Hause mit 1:0 durch ein Tor von Talonen in der Nachspielzeit und stieß damit Tyresö von der Tabellenspitze, einen Spieltag vor Saisonende.

Auch vor dieser Saison sprach alles dafür, dass Örebro sich im oberen Mittelfeld festsetzen würde. Momentan, nach vier Spieltagen sieht es aber nicht so aus. 15 Gegentore in vier Spielen. Am ersten Spieltag an die Wand gespielt von Marta & Co. in Tyresö. Da hatte es 0:7 geheißen und man nahm das als Ausrutscher und sich viel vor, als der erfste Gast Umeå IK in die Behrns Arena kam. Nach einer ersten torlosen Halbzeit, in der KIF eigentlich das Heft in der Hand gehabt hatte, glitt das Spiel aus der Hand und Umeå gewann mit 2:0. Immerhin gab es im Gefolge dann den ersten Sieg und mit dem 2:0 bei Aufsteiger und Abstiegskandidat AIK sollte alles anders werden.

Heute jedoch ging man daheim gegen auf Wiedergutmachung nach dem sensationellen 1:2 gegen Vittsjö aufspielende Göteborgerinnen (wieder ohne Trainer Torbjörn Nilsson, der angeblich immer noch nach einem Hundebiss im Krankenhaus liegt) mit sage und schreibe 0:6 daheim ein.

Drei Spielerinnen fehlen bei Örebro: Nationalspielerin Sara Larsson in der Innenverteidigung und Olina Vidarsdottir im linken Mittelfeld, dazu Kim Arodin, die nach ihrer Hochzeit im Herbst wieder zurück in die Heimatstadt Eskilstuna und die zweite Liga wechselte. Larsson sollte in ein paar Wochen wieder dabei sein, Vidarsdottir ist schwanger und wenigstens diese Saison nicht dabei.

Zwei Bälle schoss Örebro während der 90 Minuten auf das Tor von Kristin Hammarström. Zehnmal zischte die Lederkugel auf das Gehäuse von Stephanie Labbé, sechs Mal ging sie rein. Christen Press, die in der letzten Woche zweimal über den Atlantik geflogen war und ein paar Tage im Traingscamp der US-Nationalmannschaft verbrachte, zeigte jedenfalls nicht auf dem Feld, dass der Jetlag sie behinderte. Mit ihren Saisontreffern vier und fünf setzte sie sich an die Spitze der Torjägerinnenliste. Zweimal traf auch Lisa Ek, die viele noch gerne in der schwedischen Nationalmannschaft sehen würden, je einmal waren Anita Asante und Sara Lindén erfolgreich.

Krise in Örebro und in Göteborg ist man nach dem Ausrutscher wieder obenauf.

Damallsvenskan 2012

Morgen Mittag mache ich mich auf den Weg nach Tyresö, südöstlich von Stockholm, wo Hans Löfgrens Werk, das er vor gut fünf Jahren begonnen hat, den ersten Schritt seiner Bollendung erleben soll. Von der vierten Liga zum Meistertitel. Damals, so hat er mir einmal erzählt, spielte seine Tochter in einer Jugendmannschaft von Tyresö FF. Er hatte mitbekommen, dass die erste Mannschaft Tyresös gerade abgestiegen war. Und ein Gedanke keimte auf. In den Wochen darauf hat er dann seine legendäre Power-Point-Präsentation geschrieben, ist damit zum Vorstand des Vereins gegangen und hat seinen Plan vorgestellt. Das gerade abgestiegene Team sollte 2012 schwedischer Meister werden und 2014 die Champions League gewinnen.

Wenn man gerade in die vierte Liga abgestiegen ist, hält man solche Pläne und Visionen sicher für Wolkenkuckucksheime. Aber Löfgren kann Leute überzeugen, der Verfein sagte: „Mach mal“ und ernannte den Mittvierziger zum Sportchef. Er besorgte gleich fünf neue Spielerinnen aus der zweiten Liga und die Reise startete. Trainer war damals Tino Katsoulakis, ein Mann der Fußball mit großem Engagement lehrt und der bis heute sehr beliebt bei seinen Spielerinnen ist. Azra Durakovic ist ein großes Stück des Wegs mitgegangen, sie war Mannschaftskapitänin und spielte noch ein Jahr in der erstn Liga, 2010. Dann war sie aber schon nicht mehr gut genug. Und das ist das Traurige an der Erfolgsgeschichte. Von denen, die vor fünf Jahren den rasanten Aufstieg durch das Seriensystem begannen, ist heute keine einzige Spielerin mehr aktiv in der Mannschaft.

Stattdessen Weltklasse und schwedische Spitze: Marta, Vero Boquete, Caroline Seger, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Madelaine Edlund, Lisa Dahlkvist, Line Röddik Hansen, Linda Sembrant, Johanna Frisk, Annika Svensson, Carola Söberg. Das sind schon 12 Namen. Eine aus dieser beeindruckenden Auswahl wird morgen auf der Bank sitzen müssen. Trainer Stefan Fredriksson sagte mir am Dienstag in Göteborg, dass das auch seine Aufgabe sei: „Ich muss vermitteln und erklären, warum einige nicht spielen werden. Aber wir haben auch einen einzigartigen Luxus. Für die Nationalspielerinnen hat eine Saison bis zu 40 Spiele. Es gibt immer Wehwehchen. Wenn mal jemand angeschlagen ist, können wir sie immer fast gleichwertig ersetzen.“

Tyresö ist also der haushohe Favorit auf die Meisterschaft. Und Linköping, das sich so grandios verstärkt hat, wird durch den Kreuzbandriss von Linda Sällström zwar nicht wesentlich schwächer, aber die Alternativen werden geringer für Sportdirektor Jörgen Pettersson. Für Emma Lundh kann die Verletzung Sällströms allerdings den Stammplatz bedeuten. Eine Spielerin, der ich den Durchbruch und eine sensationelle Saison zutraue.

Ich werde jetzt nicht die Vereine der Liga herunterbeten. Malmö und Göteborg heißen die anderen beiden Teams, die es packen könnten, aber wohl eher um Bronze spielen werden. Aber an einem guten Tag können sie fast alle schlagen. Aber da Tyresö nicht nur die beste Spielerin der Welt hat, sondern vielleicht auch die zweit- oder drittbeste in Vero, muss sich schon eine der Beiden verletzen, damit es schief gehen soll. Achillesferse ist die Abwehr, die Vier sind nicht sonderlich schnell, das sind aber eben Manon Melis und Lisa DeVanna. Kriegt die portugiesischstämmige Australierin ihr berüchtigtes Temperament in den Gridd und bildet ein Angriffspaar mit Melis, dann dürfte das eine der besten Sturmreihen der Welt sein. Nicht auszudenken, wie das mit Sällström hätte aussehen können. Tyresös Abwehr wäre schwindlig geworden und hätte hinterhergehechelt.

Wir werden ein großes Mittelfeld haben in dieser Saison. Fünf Vereine: Kristianstad, Umeå, Örebro, Jitex und Piteå. Je nachdem, wer das Puzzle besser hinbekommt, wird vorne landen. Ein bisserl Glück gehört auch dazu und um mit Bernd Schröder zu sprechen: „Fußball ist keine Naturwissenschaft.“

Das Jahr ist wichtig. Nächstes Jahr ist nämlich EURO angesagt in Schweden. Wir müssen alles tun, um eine stabile und gute Zuschauerbasis aufzubauen. Schon wieder macht das Gerede von der besten Liga der Welt die Runde, nachdem Malmö und Göteborg im Viertelfinale der CL Tschüss sagen mussten. Dummes Geschwätt? Mitnichten. Die Saison in Schweden liegt halt so verquer, dass man immer ein Jahr auf die CL-Teilnahme wartet. Jetzt werden wieder Malmö und Göteborg teilnehmen. Beide werden wieder ins Viertelfinale kommen, dann werden wir sehen. Aber die eigentlich aktuellen Topteams Tyresö und Linköping steigen im August 2013 ein, nach der EM. Das ist schon ein verzerrter Wettbewerb. Mal schauen, ob Tyresö dann Lyon Konkurrenz machen kann. Denn die Französinnen holen den Cup i München.

Eine andere Prognose. Die WPS wird nicht mehr zurückkommen, aber trotzdem wird es Profifußball in den USA geben. Fußball ohne Gehirn hat der charismatische Torbjörn Nilsson das genannt. Rauf, runter, rauf, runter, schießenm schießen, schießen. Physisch ist man in den USA auf einem sehr hohen Niveau, Taktisch und vor allem technisch weit hinter Europa zurück, wenn man mal von den privilegierten Spielerinnen des USWNT absieht, der Nationalelf. Aber an Christen Press werden wir unsere Freude haben in Schweden. Habe nie verstannden, warum Pia Sundhage sie nicht auf den vorderen Seiten ihres Notizbuches hatte.

Olympia wird sehr spannend. Es gibt zwei Favoriten. Die USA und Japan. Und in Frankreich einen ernst zu nehmenden Außenseiter. Ich glaube weder an Brasilien noch an Schweden. Obwohl beide den drei Genannten einen Strich durch die Rechnung machen können, wenn diese nicht 100%-ig vorbereitet sind. Leider ist Deutschland nicht dabei, aber man selber seine Chancen auf tölpelhafte Weise versemmelt. Jetzt bomben sich die Deutschen zur EURO und mit jedem Vierer-, Fünfer- und Sechserpack scheinen sie einen Aufschrei auszustoßen, dass man sie nicht vergessen soll. Wird man nicht. Deutschland mit dem neuen Traumduo Anja Mittag und Celia Okoyino da Mbabi ist Topfavorit auf die EURO,

Aber auch nicht bei der U19-EM dabei. Zum ersten Mal. Das Team, das Maren Meinert in Västerås antreten ließ, spielte gef’ällig, überzeugte aber nicht. Schweden ganz anders. Elin Rubensson brachte es auf den Punkt. Wir haben das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht, strahlte die Malmöerin, der Anja Mittag und Katrin Schmidt bei den Deutsch-Hausaufgaben helfen, nach dem Spiel und in freudiger Erwartung einer Reise in die Türkei.

Morgen aber erst einmal geht die Damallsvenskan los, 3.000 werden in Tyresö zur Premiere erwartet.Mehr dazu in etwa 24 Stunden. Ein spannendes Fußballjahr beginnt. Freuen wir uns darauf.

Göteborgs Kader komplett – Anita Asante letzter Baustein

Anita Asante

In Kopparberg/Göteborgs FCs Umkleide wird diese Saison verstärkt Englisch zu hören sein, auf alle Fälle jedenfalls bis die Neuzugänge Ingrid Wells, Christen Press und ganz aktuell Anita Asante fließend Schwedisch können, was ein Weilchen dauern könnte.

Die 26-Jährige englische Nationalspielerin Asante unterschrieb einen Einjahresvertrag in Göteborg. Von 2003-2008 spielte Anita Asante bei Göteborgs Viertelfinalgegner in der Champions League, den Arsenal Ladies. Zuletzt war die aus Ghana stammende Britin beim amerikanischen WPS-Club FC Sky Blue tätig.

Als die WPS Ende Januar den Spielbetrieb einstellte, wollte Anita Asante ursprünglich in den USA bleiben und College Fußball spielen. „Dank eines Kontakts hörten wir, dass sie ihre Meinung geändert hatte und auf einem höheren Niveau spielen wollte. Wir haben mehrere Wochen daran gearbeitet und jetzt ist es ein sehr gutes Gefühl, sagen zu können, dass unser Kader steht. Ich habe sie noch nicht spielen sehen, aber ich habe verstanden, dass sie eine sehr geschickte defensive Mittelfeldspielerin ist und das war genau, was wir gebraucht haben bei all den offensiven Spielerinnen in unserem Kader,“ sagte Göteborgs Trainer Torbjörn Nilsson der Zeitung Göteborgs Posten.

Christen Press zweite Reise nach Göteborg

Göteborgs Neuzugang Christen Press trifft nächste Woche Samstag in Westschweden an. Es ist ihre zweite Reise nach Göteborg: „Ich spielte beim Gothia Cup, als ich 14 Jahre alt war. Das war eine meiner ersten Auslandsreisen und ich erinnere mich an Göteborg als eine sehr schöne Stadt,“ sagte die heute 23-Jährige in einem Interview mit der Zeitung Kvällsposten.

Möglicherweise spielte Göteborgs zweite Amerikanerin Ingrid Wells eine wichtige Rolle bei Press‘ Entscheidung: „Ich kenne sie sehr gutund wir sind gute Freundinnen. Das ist für mich schon ein Gefühl von Sicherheit, dass ich weiß, dass da jemand ist, mit dem ich reden kann,“ sagte Press weiter.

Göteborgs Trainer Torbjörn Nilsson sagte, dass er Christen Press noch nicht hat spielen sehen: „Wir haben sie nicht gesehen und uns nach Empfehlungen entschieden. Uns auf Menschen verlassen, auf die wir uns normalerweise verlassen können. Christen Press ist eine sehr interessante Verpflichtung. Sit hat enorm viel Speed, ist torgefährlich und kann sowohl im äußeren Mittelfeld wie im Angriff spielen.“

Mit dem Kader ist Nilsson soweit zufrieden, aber: „Wir brauchen noch eine Mittelfeldspielerin. Dann glaube ich, dass wir stärker sind als im Vorjahr. Aber das betrifft ebenso Malmö, Tyresö und Linköping. Die Liga ist dieses Jahr wieder schwer vorauszusagen. Es scheint vier starke Teams zu geben, die sich um die Spitzenposition streiten. Der Plan ist, dass wir eins davon sind,“ sagt Torbjörn Nilsson im Interview mit Kvällsposten.

Die beste Liga der Welt?

Christen Press

Die Damallsvenskan war mal die beste Liga der Welt, das war ihr Claim, und als Marta und viele andere ausländische Stars wie Ariane Hingst, Nadine Angerer, Lisa DeVanna, Anne Mäkinen, Cristiane usw. in Schweden spielten, gab es nirgends eine interessantere Serie als in Schweden.

Deutschland hielt mit seinen Spitzenteams durchaus mit, in der Breite aber war Schweden stärker und ausgeglichener, auch wesentlich internationaler.

Das änderte sich mit Martas Weggang. Viele folgten der Brasilianerin in die USA, andere gingen zurück nach Deutschland. Nun aber, mit der EURO 2013 als dem nächsten großen Event und dem (vorläufigen?) Zusammenbruch  der WPS sieht die Damallsvenskan sieben Wochen vor dem ersten Spieltag wieder sehr stark aus.

Der neueste Zugang in die schwedische Liga ist die 23-Jährige Amerikanerin Christen Press, die vor etwas mehr als einer Woche schon hier auf der Wunschliste erwähnt wurde. Press gab heute Morgen auf Twitter bekannt, dass sie in einer Woche nach Göteborg reisen wird. Der Trainer des Vizemeisters Torbjörn Nilsson bestätigte Press‘ Verpflichtung auf Nachfrage.

Ein paar andere glanzvolle Namen, die schon vor Wochen oder Monaten in Schweden unterschrieben haben, unterstreichen, dass die Damallsvenskan einen neuen Höhenflug startet:

Anja Mittag (LdB FC Malmö), Veronica Boquete, Caroline Seger (beide Tyresö FF), Lisa DeVanna, Manon Melis (beide Linköpings FC), Ingrid Wells (Göteborg).

 

Torbjörn Nilsson nicht zu schlagen

Anders Nord & Torbjörn Nilsson (Foto: Kopparberg/Göteborgs FC)Vergleiche zwischen Männern und Frauen sind im Frauenfußball tabu, heißt es immer. Das stimmt nur bedingt, denn man kann schon das eine oder andere mit vielen Spielerinnen diskutieren, wenn sie wissen, dass man ihnen und ihrem Sport wohlgesonnen ist und man es ernst mit ihnen meint. Aber man sagt nicht, dass sie mal gegen die Männer von XYZ aus der 5. Liga spielen sollen und dass sie dann keine Chance hätten.

Nein, Frauen können nicht gegen Männer antreten.

Beim Trainingslager des schwedischen Vizemeisters Kopparberg/Göteborgs FC taten sie es dann doch und waren chancenlos. Während ihres einwöchigen Aufenthalts in der Türkei wird nicht nur Fußball sondern in der Freizeit auch Tennis gespielt. Es geht um Teambuilding. Und die nicht mehr ganz so jungen Trainer Torbjörn Nilsson und Anders Nord schlugen zunächst Kristin Hammarström und Jane Törnqvist mit 6:1, danach dann sogar Beata Kollmats und Olivia Schough mit 6:0 und posierten anschließend so cool wie man mit 50+ noch aussehen kann für die Homepage des Vereins.

Djurgården besiegt Göteborg

Johanna Almgren versucht sich gegen Stürmerin Mia Jalkerud vorbeizutanken

In der 94. Minute fiel die Entscheidung. Ein schneller Querpass bei einem Konter, Emma Lundh zu Mia Jalkerud und die kleine Stürmerin erzielte ihr achtes Saisontor und kurz danach pfiff Annica Andric dann auch ab.

Der haushohe Favorit in den neongrünen Trikots hatte nicht nur mit 0:1 verloren, sondern sich vermutlich uch vom Kampf um die Meisterschaft (nun sieben Punkte hinter Malmö sechs Spieltage vor Schluss) verabschiedet. Auch der Champions League Platz dürfte mit diesem Ergebnis schwerlich erreichbar sein, denn die Konkurrenz heisst Tyresö FF, KIF Örebro und Umeå IK.

In der ersten Halbzeit wartete ich die ganze Zeit darauf, dass Göteborg das Heft in die Hand nehmen würde, aber Djurgården arbeitete hart und verhinderte, dass die Gäste länger im Ballbesitz waren, wenn sie ie Mittelinie passiert hatten. Und hinten zeigte Kapitänin Gudbjörg Gunnarsdottir im wieder einmal eine tadellose Leistung und trieb von hinten ihre Mannschaft lautstark an.

Nach dem Seitenwechsel war Göteborg dann doch drückend überlegen bis zur 80. Minute und manchmal hatte Gugga dann das Glück der Tüchtigen als die Angreiferinnen um Sara Lindén und Johanna Almgren aus aussichtsreicher Position vorbeisemmelten. Linnéa Liljegärd sass erst einmal auf der Bank (wie Emma Lundh auf der Gegenseite). Beide wurden eingewechselt.

„Wir sind keine B-Mannschaft, bei uns können alle spielen, letztes Mal sass Sara Lindén auf der Bank, kam rein und entschied das Spiel,“ erklärte Trainer Torbjörn Nilsson uns nach der Begegnung die Personalmassnahme.

„Emma ist im Moment nicht fit für 90 Minuten,“ sagte Djurgårdens Coach Putte Eklöf. „Sie steht unter grossem Druck und ist zur Zeit nicht fit für 90“. Dann kam sie doch noch rein und ab der 80.Minute ging Göteborg das Risiko ein, mit einer Dreierkette zu spielen, um das Spiel zu entscheiden.

Mal um Mal kam jetzt Djurgården zu gefährlichen Kontern, hatte sehr viel Platz und in der letzten Minute der Nachspielzeit dann fand Emma Lundh Mia Jalkerud, die Göteborg die Busreise noch frustrierter antreten liess, als das beim 0:0 der Fall gewesen wäre.

Ein sehr glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg für eine 94 Minuten lang kämpfende Truppe, die einen stärkeren Gegner bezwang. So schön kann Fussball manchmal sein.