ffschweden im Gespräch mit: Linda Sällström

Linda

Drei Kreuzbandrisse 2012, 2013 und 2014. Zweimal schon war sie dennoch bereits Finnlands Fußballerin des Jahres. Und ist trotzdem erst 26 Jahre alt.

Linda Sällström kenne ich seit sechs Jahren. Zwei Spielzeiten stand sie bei Djhurgården unter Vertrag, fünf bei Linköpings FC. Morgen gibt die schnelle Finnin ihren Abschied vor heimischem Publikum in der für die EM gebauten Linköpings Arena gegen den russischen Meister Zvezda. Champions-League-Achtelfinale.

Am Dienstag habe ich mich mit Linda unterhalten. Über den Gegner Zvezda weiß sie nicht all zu viel: „Ich habe gehört, dass die eine Stürmerin von der Elfenbeinküste haben. Unser Trainer Martin Sjögren hat sie natürlich gescoutet und uns gesagt, dass sie eine ziemlich wechselhafte Saison gespielt haben.“

In der Tat. In der Runde der letzten 32 schaltete Zvezda den isländischen Vertreter Stjärnan souverän auis (5:2, 3:1 – im Hinspiel schoss die von Sällström genannte Ivorianerin José Nahi vier von fünf Toren). Am Dienstag, kurz vor unserem Gespräch, hatte Linda noch Zvezda via deren Homepage im Spitzenspiel gegen Zorkij gesehen, dass man zu Hause mit 0:5 verlor.

Linda stimmt zu, dass Linköping der Favorit in der Begegnung ist. Anders als im Spiel gegen die Liverpool Ladies, denen viele gleiche Chancen eingeräumt hatten.

„In Liverpool waren wir schon die bessere Mannschaft, haben aber verloren. Deshalb waren wir beim Rückspiel ganz schön revanchelustig. Zu Hause in Linköping hatten wir eine tolle Vorbereitung vor dem Spiel und die Stimmung im Team war ganz einfach so, dass wir spürten, dass wir das drehen würden und so kam es dann ja auch.“

3:0 siegten die Blauen gegen die Roten und alle Tore schoss der neue Start Fridolina Rolfö.

Nach drei Punktverlusten, mit denen man sich aller Chancen beraubt hatte, um einen Platz in der UWCL 2015/16 zu konkurrieren, konnte man gegen Liverpool einen Trend wenden, der auf einen negativen Saisonabschluss hinzudeuten schien.

Linda Sällström: „Wir hatten drei schlechte Ergebnisse hintereinander, haben aber nicht schlecht gespielt. Wir machten einfach keine Tore, obwohl wir eine Menge Chancen produzierten. Ich bin deiner Meinung, wenn du sagst, dass unsere Saison damit am Ende verkorkst war, weil wir halt nicht auf dem zweiten Platz gelandet sind. Aber jetzt haben wir wirklich die Möglichkeit, die Saison damit zu beenden, dass wir das Viertelfinale der Champions League erreichen und das wäre natürlich toll.“

Falls Linköping im März unter den besten Acht in Europa sein sollte, dann wird aber Linda Sällström nicht mehr dabei sein. Der Verein macht keinen Gebrauch von der Option ihren Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern.

„Ich wusste eigentlich sofort, als mir in Thailand das Kreuzband im linken Knie rioss, dass ich in Linköping keine Verlängerung bekommen würde. Das war mir innerlioch also schon lange klar. Nach fünf Jahren und drei Kreuzbandrissen hier, finde ich auch selber, dass ich da wegmuss und einen neuen Anfang gut gebrauchen kann.“

„Die nächste Saison wird sehr wichtig für mich und es gilt, die richtigen Voraussetzungen zu finden, damit ich wirklich zurückkommen kann und einen weiteren Schritt in meiner Entwicklung gehen kann. Ich bin sehr hungrig und fühle, dass ich noch viel zu geben habe. Wo das sein wird, das werden wir noch sehen, aber ich weiß auf alle Fälle, dass ich nicht ohne Verein dastehen werde.“

Linköping hat auch schon früher Spielerinnen, die langzeitverletzt waren, nach Auslaufen ihres Vertrags ausgemustert. Im vorigen Jahr traf das Schicksal Torhüterin Sofia Lundgren, der man nach ihrem Bandscheibenvorfall keine Rückkehr mehr zutraute. Sie war anderer Meinung, bislang hat der Verein jedoch Recht behalten.

Hast du eigentlich nicht nach dem dritten Kreuzbandriss mal ernsthaft ans Aufhören gedacht?

„Oh ja, das habe ich. Als ich auf unsere Teamreise in Thailand in der MRT lag, habe ich dran gedacht. Ich dacht, nein, das reicht mir jetzt, jetzt pfeife ich auf Fußball, aber dann haben mich viele Bekannte und Unbekannte kontaktiert und mir eine schnelle Genesung gewünscht und gesagt, dass sie hoffen, dass ich bald wieder auf dem Platz stehe, das hat mir einen Riesenschub gegeben.“

Die Zeit der Reha war auch in diesem Jahr ein ständiges Hin- udn Herpendeln zwischen Linköping und ihrer finnischen Heimat. Linda lobt besonders ihre finnische Physiotherapeutin Titta Nyström.

„Ohne sie wäre ich heute niemals wieder hier. Sie kennt sich einfach so unglaublich gut aus und hat sehr viel Zeit in mich investiert, das war schon fantastisch,“ sagt Linda Sällström.

Am Samstag wird Linda vermutlich zum letzten Mal auf der Bank sitzen und vielleicht auch ein paar Minuten spielen so wie zuletzt in der Liga und im Pokal.

„Ich bin jetzt sowas wie eine Reha-Expertin. Kenne unheimlich viele verschiedene Übungen und hatte nie Probleme allein zu trainieren, das ist etwas, das ich aus meiner Zeit als Leichtathletin in der Jugend mitbringe. Aber jetzt reicht es mal mit Reha. Jetzt will ich zum Teufel noch mal einen schönen Abschluss für diese Saison und eine supergute Vorsaison 2015.“

Auch vor der Reise ins russische Perm, knapp 2.000 km und vier Zeitzonen entfernt, ist ihr nicht bange. Dort kann es schon bis – 10 Grad kalt werden.

„Ich vertrage die Kälte sehr gut, am besten von allen, schließlich bin ich Finnin. Und verrät mir gleichzeitig, dass die Mannschaftskameradinnen Katie Fraine und Charlotte Rohlin besonders empfindlich gegen niedrige Temperaturen sind.

Morgen um 15.00 Uhr spielt Linköping gegen Zvezda. ffschweden wird vor Ort sein.

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