Hedvig Lindahl: „Herrlich, nun wird es keine Kanonade von Anklagen geben“

Sie polarisiert die Frauenfußballfans in Schweden: Thomas Dennerbys eindeutige Nummer 1 im schwedischen Tor, seit er 2005 das Amt des Nationaltrainers von Marika Domanski-Lyfors übernahm. Ich rede von Hedvig Lindahl, der 29-Jährigen Torfrau von Kristianstads DFF, deren immer wieder passierende Aussetzer immer wieder zu Diskussionen führen, ob nicht die für Linköping spielende Sofia Lundgren oder Göteborgs Kristin Hammarström verdient hätten, bei einem großen Turnier eine Chance zu bekommen.

Beim WM-Halbfinale gegen Japan in Deutschland vor einem Jahr, waren sich viele einig, dass Lindahl sowohl das 1:2 wie auch das 1:3 durch Nachlässigkeit und schlechtes Stellungsspiel verschuldete, damit auch Schweden aller Chancen in einem einseitigen Halbfinale beraubte. Obwohl Japan drückend überlegen war, brauchten die Asiatinnen die Schützenhilfe der schwedischen Torhüterin. Die Kritik, die in den Wochen danach vorgebracht wurde bezeichnete Lindahl als „oberflächlich“. Will sagen: die haben doch keine Ahnung.

Beim 4:1 Auftakt gegen Südafrika gab es keine Diskussionen über den schwedischen Sieg. Aber wohl über den Gegentreffer zum 1:3. Portia Odise, mit 1,52 m kleinste Spielerin des ganzen Turniers lobte aus geschätzt 45 Metern den Ball Richtung schwedisches Tor, weil Lindahl mal wieder einen kleinen Ausflug gemacht hatte, Hedvig sah den Ball über sich kommen, versuchte zurückzulaufe und sah ziemlich hilflos aus, wie das runde Leder dann doch vor ihr die Torlinie überquerte.

Gestern dann das 0:0 gegen Japan. Natürlich gab es keinen Wechsel auf der Nummer 1. Thomas Dennerby hatte der Öfentlichkeit gegenüber zwar erklärt, dass Lindahl den Ball hätte halten müssen, dass er mit ihr reden werde, aber auch, dass das ja nur ein Tor gewesen sei, mehr nicht. Also stand Hedvig Lindahl gestern wieder im Tor gegen Japan und sie machte ihre Sache sehr gut. Hochmotiviert, motiverter wohl als die meisten anderen, weil sie etwas beweisen wollte. Es gab einen unkoordinierten Ausflug, aber der blieb glücklicherweise ohne Folgen. Ansonsten hielt sie alles, was auf den Kasten kam, wobei man sagen muss, dass die Japanerinnen entweder unplatziert oder schwach schossen. Alles andere wäre oberflächlich. Dennoch strahlte Lindahl Sicherheit aus und war neben der überragenden Sara Thunebro die beste Akteurin in einer schwedischen Mannschaft, die vor allem in der Defensive überzeugte.

„Das fühlt sich gut an, jetzt komme ich ohne eine Kanonade von Anklagen aus,“ sagte die Torhüterin der Zeitung Aftonbladet. Aber Lindahl hat eine gehörige Portion Selbstbewusstsein: „Ich nehme das alles nicht mehr so ernst, so wie früher. Früher empfand ich das wie Anklagen und konnte nicht akzeptieren, dass das mein Fehler war. Aber ich bin älter geworden und kann das jetzt auf eine andere Art wegstecken. Ich glaube jetzt wird es kein Gerede mehr darüber geben, dass ich im Tor stehe. Es gehört nicht unbedingt zum Alltäglichen, dass man mitten im Turnier den Torwart wechselt.“

Es sind Sätze wie dieser letzte, die deutlich machen, dass Lindahl überzeugt ist, dass nur Lindahl i9ns Tor der schwedischen Natio gehört. Es sind leider auch diese Sätze einer fehlerhaften Selbstwahrnehmung, die dazu führen, dass man sie in Frage stellt. Stellen muss, denn die Fehler in den letzten fünf Jahren waren doch reichlich und nicht selten haben sie spielverändernden Charakter gehabt. Aber der letzte Satz ist auch einer an Dennerby: Es gehört nicht zum Alltäglichen, im Turnier einen Torwart zu wechseln. Also: Wage es nicht. Sie benutzt auch zweimal das Wort Anklagen in einem Atemzug. Einmal sagt sie, dass es so schön sei, dass es jetzt keine Anklagen geben werde und dann gleich, dass sie Kritik früher als Anklage empfunden hätte. War früher vor zehn Sekunden?

Die Vergabe von Stammplätzen ist Sache des Trainers. Er sollte aber immer danach streben, den jeweils Besten spielen zu lassen. Nicht denjenigen, der am meisten für Unruhe sorgen wird, wenn man ihn mal nicht an erster Stelle aufstellt. Es ist nicht so sehr der Charakter Lindahls, der ihre Gegner verärgert. Es ist vielmehr die Chancenlosigkeit der gleichaltrigen Lundgren und Hammarström. Hammarström nimmt das scheinbar stoisch nach außen, hofft wahrscheinlich, dass ihr Benehmen als brave Soldatin dazu führen könnte, dass sie doch mal den Vorzug bekommt. Lundgren hat sich mehrfach öffentlich geäußert, zuletzt nach dem Spiel gegen Südafrika. „Natürlich bin ich der Meinung, dass ich besser bin. Aber so sehr ich auch trainiere und versuche, mich zu beweisen, es nützt nichts.“ Und auf Radioreporterin Susanna Andréns Frage, ob sie denn von Thomas Dennerby eine Erklärung bekommt, warum sie nicht spielen darf, antwortet Lundgren: „Nein, man kann nicht sagen, dass wir darüber viel reden. Du musst ihn schon selber fragen, welche Gründe er hat. Er hat da vielleicht schon einen Grund, aber den hat er mir bisher noch nicht genannt.“

Und so wird Hedvig Lindahl mindestens noch bis zum Ende der Olympischen Spiele 2012 unangefochten im schwedischen Tor stehen. Danach läuft der Vertrag von Thomas Dennerby aus und alle erwarten, dass dann Pia Sundhage seine Nachfolgerin wird. Ob Sundhage den Mut haben wird, im Tor einen fairen Wettkampf zu ermöglichen, wird sich zeigen. Es könnte eine erste Bewährungsprobe sein.

Schweden bleibt Gruppenerster – 0:0 gegen Japan

Es war nicht so dramatisch und mitreißend wie vor Jahresfrist, als die Japanerinnen bei der WM in Deutschland mit 3:1 gewannen und ins Finale einzogen. In Coventry trennten sich Japan und Schweden im ersten Spiel der zweiten Runde beim Fußballturnier der Olympischen Spiele mit 0:0.

Dabei hatte Japan lange Zeit Oberwasser und Schweden hatte seine beste Zeit in der ersten und letzten Viertelstunde. Thomas Dennerby hatte seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert: Auf der rechten Abwehrseite spielte Annica Svensson anstelle von Lina Nilsson und im defensiven Mittelfeld musste Caroline Seger ein paar Schritte zurück und Nillas Fischer ersetzen, die aus Sicherheitsgründen geschont wurde. Die Ärzte hielten ihren Einsatz für möglich, aber der hätte das weitere Turnier riskieren können, weshalb sich die Mannschaftsführung entschied, statt ihrer Johanna Almgren auflaufen zu lassen.

Hedvig Lindahl hütete selbstverständlich trotz der Diskussionen um ihr Agieren beim südafrikanischen Gegentreffer das Tor und machte ihre Sache gut bis auf einen unkoordinierten Ausflug. Zu behaupten, sie hätte den Schwedinnen das Unentschieden gerettet, hieße jedoch die japanischen Abschlussqualitäten zu erhöhen. Die Schüsse, die Lindahl allesamt hielt, waren überwiegend direkt auf sie gezielt und oft zu schwach getroffen, um ernsthaft für Gefahr zu sorgen. Bis zum Strafraum waren die Japanerinnen gewohnt flink, technisch trickreich und agil.

Aber die schwedische Abwehr stand denn auch sehr gut. Alle Vier in der Defensivkette verdienten sich gute Noten. Sara Thunebro, die statt Nilla Fischer die Kapitänsbinde trug zeigte eine Weltklasseleistung mit souveräner Abwehrarbeit und kreativen Aktionen nach vorne.

Lotta Schelin hatte es schwerer als sonst und konnte sich nicht gegen die kleinen, aber kampfstarken Japanerinnen entscheidend durchsetzen.

Später noch Stimmen zum Spiel.

Dennerby kritisiert Lindahl

Hedvig Lindahl – verwundbar durch Lobs

So deutliche Kritik an seiner Nummer 1 hat man von Thomas Dennerby noch nicht gehört. Trotz des 4:1-Sieges gegen Südafrika wurde über den Gegentreffer von Portia Modise eifrig diskutiert. In der 60. Minute stand Hedvig Lindahl (nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere) zu weit vor dem Tor und die Südafrikanerin lobbte den Ball aus rund 45 Metern über eine verzweifelt zurückeilende Lindahl.

„Ich hatte in einem der früheren Spiele gesehen, dass deren Torhüterin immer weit rauskommt und hatte mir vorgenommen, es bei Gelegenheit zu versuchen,“ so Modise nach dem Spiel.

Gegenüber der Zeitung Aftonbladet kamen ungewöhnlich deutliche Worte vom Nationaltrainer: „Sie muss diesen Ball halten. Zweifellos. Wir hatten darüber vor dem Spiel gesprochen. Die japanische Mannschaft hat es ein paar Mal probiert, die USA einige Male, Großbritannien probierte es drei Mal. Wir wissen, dass andere Teams das sehr gut gescoutet haben, also haben wir mit Hedvig vor dem Spiel gesprochen. Sie war sich dieser Situationen sehr, sehr bewusst, aus diesem Grund hätte sie den Schuss halten müssen,“ so Dennerby zu der Boulevardzeitung.

Hedvig Lindahl ist seit langem in der Kritik in Schweden, aber bislang hält Thomas Dennerby ganz klar an ihr fest, obwohl es mit den ungefähr gleichaltrigen Sofia Lundgren und Kristin Hammarström zwei Alternativen geben würde.

Ob der gestrige Fehler zu einem Wechsel zu Lundgren führt, wollte Dennerby aber nicht sagen: „Wir reden immer mit den Spielerinnen nach einer Begegnung, was wir besser machen können. Das war lediglich ein Tor, also brauchen wir daraus keine so große Sache machen, aber natürlich werden wir mit ihr reden,“ sagte der 51-Jährige Aftonbladet.

Und Frankfurts Außenverteidigerin Sara Thunebro stärkte Lindahl den Rücken: „Hedvig ist sehr sicher in ihrem Spiel. Darüber braucht man sich keine Gedanken machen. Es ist immer sehr deutlich, wenn der Torwart Fehler macht. Von meiner Seite hat Hedvig vollstes Vertrauen“, so Thunebro zu Aftonbladet.

ffschweden glaubt, dass Hedvig Lindahl bis auf Weiteres im Tor der schwedischen Mannschaft stehen wird.

Uberzeugender Pflichtsieg

Schweden ist am Mittwochabend mit einem nie gefährdeten 4:1-Sieg gegen Südafrika ins olympische Turnier gestartet. In der Ricoh Arena in Coventry erzielten Lotta Schelin (2), Nilla Fischer und Lisa Dahlkvist die Tore für den WM-Dritten. Portia Modise lobbte den Ehrentreffer aus 40 Metern über eine (wieder einmal) viel zu weit vor dem Tor stehende Hedvig Lindahl.

Auf der rechten Seite in der Abwehr hatte sich Thomas Dennerby für Lina Nilsson anstatt Annica Svensson entschieden, eine leichte Überraschung, aber sicher auch noch keine Garantie für einen Stammplatz. Ansonsten wie erwartet. Raus mit Kosovare Asllani, da die leicht angeschlagene Lotta Schelin spielen konnte, Sofia Jakobsson wurde zurück ins Mittelfeld beordert.

 

Blogs, Facebook, Twitter – Aus

Morgen beginnen mit dem Spiel gegen Südafrika die Olympischen Spiele für die schwedische Nationalmannschaft, zwei Tage vor der Eröffnungsfeier.

Thomas Dennerby und seine Assistenztrainerin Ann-Helen Grahm haben gestern an die Mannschaft appelliert, alle sozialen Medien (Blogs, Facebook, Twitter, Pinterest, Instagram usw) für die Dauer des Turniers ruhen zu lassen.

Gleiches hatte man schon vor der WM in Deutschland getan. „Es handelt sich um eine Empfehlung von uns, das Lesen von und die Beschäftigung mit gewissen Medien zu vermeiden. Nicht, dass Energie kostet, soll vorkommen. Deshalb haben wir den Spielerinnen geraten, die sozialen Medien nicht zu benutzen,“ erklärte Dennerby.

Torhüterin Hedvig Lindahl sagte, dass sie während des Turniers keinen Kontakt mit Personen außerhalb der Nationalmannschaft haben wolle und sogar ihre Freunde und Verwandten gebeten hätte, ihr keine SMS zu schicken.

Auch Lotta Schelin macht mit und so wird aus der vorgegebenen Freiwilligkeit kollektiver Zwang: „Ich verhalte mich jetzt, wie ich das immer tue und versuche, nicht zu lesen, was über mich geschrieben wird. Da ist nichts, das mir hilft und es ist besser sich auf die Mannschaft und den Fußball zu konzentrieren.“

18 der 22 schwedischen Spielerinnen (inkl der vier Reserven) haben Twitterkonten:

Gerade schreibt Johanna Almgren: „Jetzt. Fokus Olympia 2012. Letzter Tag auf Twitter, Facebook, wieder nach Olympia. Jetzt sind wärmende Glückwünsche willkommen:). Alles Gute, Alle!“

Hier sind die Twitterkonten der 18 inklusive Anzahl Tweets und Follower:

1 Hedvig Lindahl (1989 Tweets, 589 Follower; letzter Tweet 17.05.)

2 Linda Sembrant (kein Twitterkonto)

3 Emma Berglund (2864 Tweets, 453 Follower)

4 Annica Svensson (kein Twitterkonto)

5 Nilla Fischer (2930 Tweets, 1107 Follower)

6 Sara Thunebro (kein Twitterkonto)

7 Lisa Dahlkvist (35 Tweets, 231 Follower; Dahlkvist twittert kaum, hat aber ein gemeinsames Blog mit Linda Sembrant mit vielen Fotos wie diesem hier)

8 Lotta Schelin (348 Tweets, 6159 Follower)

9 Kosovare Asllani (408 Tweets, 1201 Follower)

10 Sofia Jakobsson (1194 Tweets, 363 Followers)

11 Antonia Göransson (kein Twitterkonto)

12 Marie Hammarström (266 Tweets, 132 Follower)

13 Lina Nilsson (2327 Tweets, 574 Follower)

14 Johanna Almgren (1932 Tweets, 748 Follower)

15 Caroline Seger (974 Tweets, 5393 Follower)

16 Madelaine Edlund (127 Tweets, 135 Follower)

17 Malin Levenstad (43 Tweets, 214 Follower)

18 Sofia Lundgren (1138 Tweets, 293 Follower)

19 Susanne Moberg (24 Tweets, 65 Follower)

20 Stina Segerström (1100 Tweets, 572 Follower)

21 Jessica Landström (289 Tweets, 1774 Follower)

22 Kristin Hammarström (323 Tweets, 243 Follower)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Generalprobe ohne Lotta

Keine Tore fielen am Freitagnachmittag bei der Generalprobe zwischen dem erstmals bei einem Turnier antretenden Team GB und dem WM-Dritten Schweden im Riverside Stadium in Middlesbrough.

Schweden musste wie schon berichtet, ohne Lotta Schelin antreten. Die Weltklassestürmerin von Olympique Lyon leidet an Schmerzen an der Wade und wieder einmal an einer Migräne. Noch ist davon auszugehen, dass sie am 25.07. gegen Südafrika dabei ist.

Es war ein typisches Vorbereitungsspiel. In der ersten Halbzeit gab es mehr Ballbesitz für die Britinnen, die immer wieder über Eniola Aluko kamen. Danach dann wurde das Spiel durch zahlreiche Wechsel verändert und am Ende gar verwässert. Die Aussagekraft solcher Partien ist sehr gering und das Wichtigste für die Trainer, ihre Spielerinnen in einer wettkampfähnlichen Situation Spielminuten sammeln zu lassen. Dass Sofia Lundgren die einzige Spielerin der 18 Nominierten war, die gestern Abend nicht zum Einsatz kam, spricht wohl Bände.

Thomas Dennerby hatte behauptet, dass er sich nach der aktuellen Form für die bessere der beiden Torhüterinnen entscheiden würde, aber hätte die staatliche Lotteriegesellschaft hierfür Quoten angeboten, hätte man für Hedvig Lindahl wohl 1,10 bekommen und für Sofia Lundgren 5,90 oder viel mehr.

Um zehn Uhr heute Morgen (MESZ) twitterte Lundgren denn auch lakonisch: „Gleich Training für die Ersatzbank, man kann ja immer hoffen, dass der Regen aufhört“.

Lindahl ist also wieder gesetzt, weil sie halt im Training besser war. Das müssen wir Thomas Dennerby einfach glauben. Auf der rechten Außenverteidigerposition stand mit Annica Svensson eine weitere persönliche Favoritin des Trainers und nicht Malmös Lina Nilsson. Die durfte aber immerhin ab Minute 46 ran, womit diese Personalentscheidung vielleicht noch nicht endgültig gefallen zu sein scheint. Aber vielleicht soll das auch nur den Anschein erwecken. Wir rechnen fest mit Tyresös Abwehrspielerin bei Olympia.

Team GB? Ifeoma Dieke wurde zur besten Spielerin ernannt. Wie immer vermisste ich bei der von Hope Powell betreuten Auswahl die Genauigkeit und Entschlossenheit im letzten Drittel. Die größte Chance hatte man als Rachel Yankey den Innenpfosten traf. Schweden war zweimal nahe dran, aber beide Male versemmelte Caroline Seger gute EInschussmöglichkeiten.

Ansonsten fand ich das schwedische Angriffsspiel einfallslos, die Defensive recht sicher. Wie immer eigentlich. Nur, dass die Blaugelben halt so spielten, als ob Lotta Schelin vorne wäre, da war aber „nur“ Sofia Jakobsson, die keine Schlechte ist, an die Klasse der in Stockholm geborenen Göteborgerin allerdings bei weitem nicht heranreicht.

Heute gegen Team GB

In fünf Tagen beginnt die Olympiade in London. Offiziell wird in sieben Tagen eröffnet, aber das Frauenfußballturnier hat seinen ersten Spieltag also bereits am 25.07. Da spielt Schweden gegen Südafrika. Heute probt das Team von Thomas Dennerby und Ann-Helen Grahm gegen das erstmals gebildete Team GB.

Im Riverside Stadion von Middlesbrough muss der WM.Dritte dabei auf Lotta Schelin verzichten. Ausgerechnet. Die wohl wichtigste Spielerin vom CL-Sieger Olympique Lyon hat Probleme mit der Wade und wird in der gestern am späten Abend bekannt gegebenen Mannschaftsaufstellung erwartungsgemäß von Russland-Legionörin Sofia Jakobsson ersetzt.

Dennerby hatte bekanntermaßen gesagt, dass bei Olympia jene Torhüterin spielen werde, die im Training die beste Form aufweisen würde. Noch erwartungsgemäßer ist das natürlich niemand anderes als Hedvig Lindahl, die heute im Tor steht.

Die Aufstellung: Hedvig Lindahl, Emma Berglund, Linda Sembrant, Annica Svensson, Sara Thunebro, Lisa Dahlkvist, Nilla Fischer, Caroline Seger, Kosovare Asllani, Marie Hammarström, Sofia Jakobsson.

Auch erwartet, dass letztlich Annica Svensson den Vorzug vor Lina Nilsson erhält und auch keine Überraschung, dass Dennerby meint, das er schon mit Asllani und Jakobsson zwei schnelle Offensivkräfte aufbietet und daher mit Marie Hammarström statt Potsdams Antonia Göransson Gleichgewicht zwischen Abwehr und Angriff aufbieten muss.

Malmö zieht nach

Nachdem Aufsteiger Vittsjö GIK am Sonntag bei Kristianstads DFF gestrauchelt war, gelang es gestern Abend dem Meister LdB FC Malmö gegen Linköpings FC den notwendigen Sieg einzufahren, um an der Spitze jetzt ein Duo zu bilden. Durch Tore von Sara Björk Gunnarsdottir und Ramona Bachmann gab es ein 2:1. Tyresö hatte 5:1 gegen Piteå gewonnen und sein ohnehin schon gutes Torverhältnis weiter verbessert.

Ex-Malmöstürmerin Manon Melis hatte diue Gäste in der siebten Minute in Führung gebracht. „Ich war noch nie in der Umkleide der Gäste in Malmö, das wird schon komisch sein,“ hatte die Niederländerin noch vor dem Spiel gesagt.

Im Stadion befanden sich auch die Nationaltrainer Thomas Dennerby und Ann-Helen Grahm, die heute ihr 18-köpfiges Aufgebot (plus vier Reservistinnen) für die Olympischen Spiele in London bekanntgeben werden.

VOLVO WINNERS CUP: Schweden – Japan= (0:1) 0:1

Schweden hat auch sein zweites Spiel beim Volvo Winners Cup verloren. Am Mittwochabend gewann Weltmeister Japan im Stadion Nya Gamla Ullevi in Göteborg durch einen Treffer von Yuki Nagasato mit 1:0.

Während die Japanerinnen in der ersten Halbzeit das Spiel bestimmten und erwartungsgemäß viel Ballbesitz hatten, wurde Schweden in der zweiten Hälfte deutlich stärker und dominierte in den letzten 20 Minuten beinahe vollständig. Vor allem Lotta Schelin hatte mehrere Chancen zum Ausgleich, zielte allerdings jeweils knapp am Tor der Weltmeisterinnen vorbei.

Thomas Dennerby hatte sein Team auf zwei Positionen in der Abwehr verändert: für Annica Svensson spielte Lina Nilsson auf der rechten Abwehrposition und in der Mitte ersetzte Tyresös Linda Sembrant die routinierte Stina Segerström. Stark in der zweiten Halbzeit in der Offensive die bei Frankfurt kaum zum Einsatz kommende Sara Thunebro, die mehrfach durch starken Zug zum japanischen Tor auffiel.

Thomas Dennerby war nach dem Spiel der Meinung, dass ein Unentschieden gerecht gewesen wäre. 5000 Zuschauer bei dieser Begegnung lassen nicht unbedingt die Hoffnung aufkeimen, dass die EURO 2013 ein Zuschauererfolg wird. Immerhin waren wieder über 40 japanische Journalisten akkrediert.

USA gewinnt 3:1 in Halmstad

Ein Jahr vor der EURO 2013 wird in Halmstad und Göteborg an der schwedischen WSestküste der Volvo Winners Cup gespielt. Drei Teams sind dabei: die Medaillengewinner der FIFA WM 2011 in Deutschland. Japan, USA, Schweden.

Gestern beim Auftakt in Halmstad siegte die USA nach einem furiosen Start gegen Schweden mit 3:1. Abby Wambach, Alex Morgan und Tobin Heath trafen für die USA und Lotta Schelin verkürzte zwischendurch auf 1:2.

Besonders in der Abwehr offenbarte Schweden Schwächen. Das 0:1 ging (wieder einmal) auf die Kappe von Hedvig Lindahl, die viel zu weit vor dem Tor stand, was Abby Wambach mit einem Heber in der achten Minute bestrafte. Dieses Tor brachte die Schwedinnen auf die Verliererstraße, die Torwartfrage sollte sich Thomas Dennerby noch einmal genau überlegen, aber Hedvig scheint den Nummer-1-Posten bei Dennerby abonniert zu haben. Bei der WM waren ihre beiden groben Schnitzer gegen Japan ausschlaggebend für die Niederlage im Viertelfinale.

Das 0:2 ist ebenfalls ein kapitaler Abwehrfehler. Stina Segerström kann sich gegen die jüngere, agilere Alex Morgan einfach nicht behaupten und lässt zu, dass diese den Ball ins Netz forciert.

Beim 1:3 durch Tobin Heath sieht Annica Svensson sehr alt aus durch völlig falsches Stellungsspiel. Aber meiner Meinung nach wird Schweden in London auch mit den Medaillen nichts zu tun haben. Um die sollten Japan, die USA, Brasilien und Frankreich spielen.

Hier sind die Tore der Begegnung:

 

Schweden – USA um 16.00 Uhr

Heute beginnt der Volvo Winners Cup in Halmstad an der schwedischen Westküste mit dem ewigen Klassiker Schweden – USA. Seit mehr als einer Woche sind die Amerikanerinnen schon in Schweden, erklärbar sicherlich durch den Umstand, dass die Trainerin Pia Sundhage bekanntermaßen aus dem Land der Mitternachtssonne kommt, wo es in diesen Tagen nur für kurze Zeit dunkel wird.

Heute spielt Schweden gegen die USA und auf der Homepage des schwedischen Verbands ist der Frauenfußball auf einmal sichtbar geworden. Dominierten in den letzten Wochen hier ausschließlich die Sorgen und Freuden der Männer, die gestern Abend nach gutem Spiel in der zweiten Halbzeit nicht unerwartet in der Vorrunde der EM gescheitert sind, setzt man jetzt auf das wesentlich erfolgreichere Frauenteam. Ob heute Abend am Örjans Vall eine gute Zuschauerzahl rausspringt, ein Jahr vor der EURO 2013 bleibt abzuwarten. Das Spiel wird live auf TV4 Sport übertragen und man hat es strategisch gut angesetzt, nach dem Ende hat man noch eine gute Stunde Zeit, bevor man dann die Männerbegegnung Tschechien – Polen sehen kann.

Wie immer in Freundschaftsspielen hat Schwedens Trainer Thomas Dennerby seine Aufstellung einen Tag vorher bekanntgegeben, sie könnte die angedachte Elf sein, die Dennerby auch bei der Olympiade in sechs Wochen auflaufen lassen will, mit einer Ausnahme: die noch angeschlagene Linda Sembrant dürfte Emma Berglund ersetzen:

Hedvig Lindahl, Annica Svensson, Stina Segerström, Emma Berglund, Sara Thunebro, Nilla Fischer, Caroline Seger, Lisa Dahlkvist, Antonia Göransson, Sofia Jakobsson, Lotta Schelin.

 

Aufsteiger übernimmt Tabellenführung

Durch einen 2:1–Sieg bei Jitex BK im einzigen Samstagsspiel übernahm gestern Aufsteiger Vittsjö GIK zumindest bis heute Nachmittag die Tabellenführung der Damallsvenskan. Und beim siebten Sieg im neunten Spiel kann man wohl nicht mehr von einer großen Überraschung reden.

Sofie Andersson brachte Vittsjö mit ihrem achten Saisontreffer in Führung und ist damit die beste Schwedin in der Torschützeniste, was aber nicht zu einer Berücksichtigung durch Thomas Dennerby für die Nationalelf reichte. Andersson verlängerter einen Freistoß der Neuseeländerin Kirsty Yallop mit dem Fuß. Der Ausgleich durch Christina Julien kam per Kopf, ebenfalls nach einem Freistoß.

Nach einer halben Stunde besorgte dann Emma Sjödahl den Siegtreffer in einem ausgeglicchenen Spiel.

„Es ist nicht leicht, gegen Jitex zu spielen, denn die geben einem kaum Chancen,“ sagte Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson der Lokalzeitung Norra Skåne.

 

Schweden siegt locker in Schottland

Mit nichts anderem war zu rechnen. Der Ausflug nach Edinburgh und das Spiel gegen Schottland in einem Vorort endete ähnlich locker mit einem schwedischen Sieg wie am Abend der Eurovision Song Contest in Baku. Durch Tore von je zweimal Lotta Schelin und Sofia Jakobsson bei einem Gegentreffer durch Elfmeter durch Kim Little gewannen die Schwedinnen mit 4:1.

Fraglich ist, ob dieser Test Thomas Dennerby wirklich Erkenntnisse gebracht hat. In Sachen Abwehr etwa, wo es in der Innenverteidigung zahlreiche Verletzte gibt und heute Emma Berglund und Malin Levenstad erstmals miteinander spielten, ohne aber wirklich auf die Probe gestellt zu werden.

„Ich bin froh, wir waren kreativ und haben viele Torchancen erarbeitet,“ sagte Thomas Dennerby. „Mit etwas mehr Entschlossenheit und Glück hätten wir weitere Tore machen können. Vor der Halbzeit spielten wir 99% gut, zeigen dann aber etwas fehlende Erfahrung in der Sequenz, die der Ecke vorausgeht, auf die dann der Elfmeter folgt. Deshalb steht es zur Halbzeit nur 2:1.“

„In der zweiten Halbzeit haben wir 4-4-2 gespielt und nicht mehr so viele Kombinationen zustande gebracht. Aber wir haben direkter gespielt und Schottlands nicht gerade schnelle Viererkette bekam noch grössere Probleme mit Lotta und Sofia,“ so Dennerby weiter.

In drei Wochen spielt Schweden den Volvo Cup daheim gegen die USA und Japan in Halmstad und Göteborg.

Die Tore des Spiels kann man in diesem schwedischsprachigen Klipp auf YouTube sehen:

 

Schwedens Startformation gegen Schottland

Nein, das Samstagsspiel Schottland – Schweden wird leider nicht übertragen. Das schwedische Fernsehen meldet Fehlanzeige. Um 16.00 Uhr unserer Zeit beginnt die Begegnung in Kirkcaldy, einer 40.000 Einwohnerstadt, rund 30 km von Edinburgh entfernt. Eintritt: Erwachsene 6 €, Kinder 2,50 €. Normalerweise spielen in der 121 Jahre alten Arena, dem Stark’s Park die Raith Rovers und können maximal 10.400 Zuschauer unterbringen. So viele dürften es aber nicht werden, wenn Schottlands schwedische Trainerin Anna Signeul morgen ihr Team einlaufen lassen wird.

Aus der schottischen Formation sollte man vor allem wohl Abwehrspielerin Ifeoma Diele hervorheben, die im Alltag bei Vittsjö GIK in der Damallsvenskan spielt. Und nicht zu vergessen natürlich Arsenal Londons schnelle Mittelfeldspielerin Kim Little. Ebenfalls im Ausland spielen Haylee Lauter (Åland United) und Jennifer Beattie (Arsenal).

In jedem Fall ist WM-Bronzemedaillengewinner Schweden Favorit beim Weltranglisten-21. Schottland.

Auch wenn Thomas Dennerby Verletzungssorgen plagen. Nach dem Kreuzbandriss Charlotte Rohlin und dem Trainingsrückstand, den Sara Larsson immer noch hat, nominierte Dennerby vier Innenverteidigerinnen, aber sowohl Stina Segerström wie auch Linda Sembrant können morgen ebenfalls nicht spielen. Sie sind nicht verletzt, haben aber Beschwerden in Wade und Oberschenkel und werden sicherheitshalber geschont.

Deshalb kommt es zur Premiere des Duos Emma Berglund und Malin Levenstad, die mit den Aussen Sara Thunebro und Annica Svensson die Viererkette bilden werden. Dahinter steht Sofia Lundgren im Tor, da auch Hedvig Lindahl zwar mitgereist ist, wegen Fieber aber nicht spielen kann.

Ausfallen tun auch Caroline Seger und Therese Sjögran. Auf dem Platz werden nun Nilla Fischer, Lisa Dahlkvist, Marie Hammarström , Sofia Jakobsson stehen. Dazu die in brillanter Form befindliche Kosovare Asllani und natürlich unangefochten Lotta Schelin, die mit ihrem Club Olympique Lyon in Frankreich und Europa das Triple geholt hat.

Totgesagte leben länger

Jenny Hjohlmans Schuss - Gudbjörg Gunnarsdottir geht runterNein, das hätte ich Djurgården niccht zugetraut. Den gestrigen 1:0 Sieg über Umeå IK. Das frühe Tor von Mia Jalkerud versetzte Umeå in einen Zustand der Lähmung. Auch wenn die zwar zweimal die Querlatte trafen und sich die eine oder andere Chance erarbeiteten: Umeå wirkte einfallslos und enttäuschte auf der ganzen Linie gegen ein Djurgården, das kämpfte, füreinander spielte und zum ersten Mal in allen Mannschaftsteilen auch Verbindungen schaffte.

Smart von Trainer Patrick „Putte“ Eklöf die eigentliche Außenverteidigerin Sofia Nilsson ins rechte Mittelfeld aufrücken zu lassen. Das verbesserte die Qualität wesentlich. Abgesehen davon war es Nilsson, die sich in der sechsten Minute auf ihrem Flügel gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzte und Jalkerud den Ball servierte, den sie wie vergangenes Jahr öfter geschehen klinisch zum Führungs- und späteren Siegtor verwandelte.

Thomas Dennerbz, den Innenverteidigungssorgen plagen, nachdem sich Charlotte Rohlin am letzten Donnerstag das Kreuzband riss und Sara Larsson noch immer nicht mit dem Balltraining begonnen hat, sah keine überzeugende Leistung von Nachrückkandidatin Emma Berglund. Die und ihre Partnerin Alexandra Nilsson, beide normalerweise sehr sichert, offenbarten ein ums andere Mal Unsicherheiten und schlechte Abstiummung. Die sieben Gegentore von Malmö und die fünf vom Heimspiel gegen Tyresö zuletzt haben da Spuren hinterlassen.

„Jetzt fängt die Saison endlich für uns an, ich wusste schon gar nicht mehr wie das ist, zu gewinnen,“ sagte mir Katrin Jonsdottir nach der Partie. Und Kapitänin Gudbjörg Gunnarsdottir strahlte, aber auf meine Frage, ob sie denn wie früher öfter geschehen, die Mannschaft zu sich nach Hause einladen würde, um den ersten Sieg zu feiern, sagte sie leicht verzögert: „ich glaube nicht, einige müssen ja morgen arbeiten.“

Nächster Gegner der Stockholmerinnen ist am Wochenende Aufsteiger Vittsjö, erst einmal jedoch geht es nach Västerås zum schwedischen Pokal am Donnerstagmittag.