Entschieden

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Antonia Göransson am Sonntag im Trikot ihres neuen Clubs Vittsjö GIK

Acht Spieltage vor Ende der Damallsvenskan 2014 ist die Meisterschaft zumindest aus meiner Sicht entschieden. Am Dienstagabend gewann Tabellenführer FC Rosengård mit 1:0 beim Zweiten KIF Örebro und sicherte sich damit zunächst einmal einen komfortablen 9-Punkte-Vorsprung vor dem heutigen Gegner, der allerdings ein Spiel weniger hat. Den entscheidenden Treffer erzielte Marta in der 22 Minute nach Vorlage von Ramona Bachmann. Am Ende hätte Rosengård sicher noch einen Treffer machen können, wenn Bachmann oder Anja Mittag mhr Entschlossenheit im Abschluss gezeigt hätten. Das Spiel hätte aber durchaus auch unentschieden enden können. Örebro zeigte, warum es ein unangenehmer Gegner ist und kam auch selber zu einer Reihe von Chancen, obwohl die Nigerianierin Sarah Michael zunächst auf der Bank saß. Julia Spetsmark vertrat Michael 52 Minuten lang ausgezeichnet und sorgte immer wieder für Unruhe.Bei Rosengård wurden wieder Abwehrschwächen deutlich, die im großen internationalen Konzert bestraft würden. Fehler leisteten sich Torhüterin Kathrin Längert, die zur Klasse der im Sommer zurück nach Hause gezogenen Thora Helgadottir noch ein Stück Weg vor sich hat, Line Røddik Hansen, Lina Nilsson und selbst Anita Asante Lediglich Ali Riley war nahezu fehlerfrei. Dabei war es am Ende aber wohl Asante, die den Sieg rettete mit zwei klärenden Aktionen in der zweiten Halbzeit Einmal gegen Sarah Michael, als Michael zu Fall kam. Obwohl Asante wohl den Ball gespielt zu haben scheint, brachte sie die Nigerianerin aber auch ebenso deutlich zu Fall. In jedem zweiten Fall entscheidet ein Schiedsrichter hier auf Strafstoß. Am Ende aber bedeutet das 1:0 aber wohl die Vorentscheidung´. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier noch etwas anbrennen wird und gehe davon aus, dass Rosengård auch theoretisch schon einige Spieltage vor Schluss im Ziel ist.

KIF Örebro aber wird um Platz 2 spielen und hat gute Chancen auf einen Champions League Platz. Mit seinen begrenzten Ressourcen arbeitet Trainer Richard Nilsson optimal. Das Mittelfeldzwillingspaar Irene und Lucie Martinkova aus Tschechien, das schon vergangene Saison nach Schweden kam, ist eine der klügsten Verpflichtungen der letzten Jahre. Stephanie Labbé im Tor ist inzwischen eine Klassetorhüterin, spannend wird ihr Versuch, bei der WM im eigenen Land 2015 die kanadischen Farben zu vertreten. Die Finnin Annika Kukkonen hat nach einigen eher gescheiterten Versuchen in Malmö und bei den Absteigern Djurgården und Sunnanå endlich den richtigen Club gefunden. Und Sanna Talonen und Sarah Michael habe ich schon vor drei Jahren als eines der potentiell besten Stürmerpaare der Liga bezeichnet. Jetzt ist es soweit.

Auch 1:2 ist verloren. Jitex Mölndal BK holte sich im 14. Spiel die 14. Niederlage daheim gegen Aufsteiger Eskilstuna am Dienstagabend.

Bereits am Sonntag gewann Vittsjö im „Spiel um den neunten Platz“ mit 2:0 bei AIK in Solna. AIK, das die Klasse nur erhalten wird, weil Tyresö sich zurückgezogen hat. Jitex ist mit 0 Punkten der unangefochtene Jumbo und könnte tatsächlich einen neuen Minusrekord aufstellen, wenn die restlichen acht Spiele auch noch verloren werden. AIK hat nur in drei von 13 Spielen Tore erzielt und am Sonntag wurde wieder deutlich, wie schwer man sich tut. Da gibt es durchaus einige begabte Spielerinnen und mit Emma Lundh ja eine schwedische und mit Maija Saari eine finnische Nationalspielerin, aber insgesamt reicht der Kader nicht für die erste Liga Dank Tyresö wird man aber dennoch drin bleiben in der Damallsvenskan, was spätestens im nächsten Jahr mit den voraussichtlichen Aufsteigern Mallbacken und Hammarby durchaus zu einem Qualitätsverlust führen könnte.

Vittsjö müsste eigentlich deutlich besser spielen, aber das Team brauchte mehr als eine halbe Stunde, um sich warm zu spielen und leistete sich in der verlängerten Aufwärmphase zahlreiche eklatante Abspielfehler und Missverständnisse. Dabei gibt es mit den drei schottischen Nationalspielerinnen Ifeoma Dieke, Hayley Lauder und Jane Ross wirklich Talente. Ross machte auch das 1:0 per Kopf und Emma Sjödahl ebenfalls mit dem Kopf erzielte den 2:0-Endstand. Antonia Göransson machte vor allem in der zweiten Halbzeit einen guten Eindruck auf der linken Seite, aber die vor zwei Jahren so famos aufspielende Kapitänin Sofie Andersson blieb relativ blass. Im Tor hat man mit der Finnin Minna Meriluoto eine der besten Torhüterinnen der Liga, die in ihrer Karriere mit Umeå Södra, Hammarby, Jitex und jetzt einem eher mediokren Vittsjö immer Vereine weit unter Wert verstärkt hat. Potential ist durchaus da beim Tabellenneunten, aber es wird schwer, sich wirklich nach oben zu verbessern, auch wenn das gut gestartete Piteå jetzt deutlich schwächelt. Am Sonntag leistete man sich daheim in der schwer zu erobendern LF-Arena eine 2:3 Niederlage gegen Kristianstad, für das die zurückgekehrte Amerikanerin Becky Edwards bereits ihren ersten Treffer erzielte.

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Bittere Heimpleite für Aufsteiger

Mit einer derben 1:5 Schlappe daheim in Skellefteå begann die Saison für Aufsteiger Sunnanå SK gegen Vittsjö. Dabei erzielte die aus Kristianstad gekommene Elin Nilsen gleich drei Tore und setzte sich an die Spitze der Torjögerliste. Wer in Kristianstad nichts wird oder nicht mehr erwünscht ist, der geht oft nach Vittsjö, das keine 50 km entfernt ist. Und Trainer Thomas Mårtensson macht dann oft aus diesen Spielerinnen Siegerinnen. So ist es ihm schon mit Sofie Andersson gelungen, die bei Elisabet Gunnarsdottir keine Rolle mehr hatte und nun wohl auch mit Nilsen, die schon in der Vorbereitung etliche Tore erzielt hat. Jane Ross und Emma Sjödahl für Vittsjö und Julia Spetsmark für Sunnanå erzielten die übrigen Tore.

Wie schwer es ist, in der Damallsvenskan (wieder) Fuß zu fassen, mussten also die Aufsteiger Mallbacken (0:4 in Örebro) und Sunnanå bitter erfahren. Beide verloren zudem nicht gerade gegen Meisterschaftsaspiranten und das jeweils mit vier Toren Unterschied.

In Skellefteå hatte man der Premiere so entgegengefiebert und gottlob ist der Männereishockey-Verein gerade dabei, das Finale um die schwedische Eishockeymeisterschaft gegen den Rivalen aus Luleå zu gewinnen.

„Wir haben gegen eine bedeutend bessere Mannschaft gespielt,“ fasste Trainer Marti Tikkanen die Klatsche zusammen. „Wir machen zu viele individuelle Fehler und auf diesem Niveau sind die sehr teuer. In den Zweikämpfen sind wir zu zaghaft. Es gibt einen großen Unterschied zur zweiten Liga, wo wir scheinbar noch sind.“

Und die heutige Mannschaftskapitänin Annika Kukkonen fügt hinzu: „Wir müssen wesentlich tougher sein. Ein paar von uns sind einfach zu nett da draußen. Das müssen wir nächstes Mal besser machen. Es ist nicht lustig, einer Mannschaft zu begegnen, die hart spielt.“

Im zweiten Sonntagsspiel kam Kristianstads DFF, das ja Ambitionen auf einen Spitzenplatz hat, zu Hause nicht über ein 1:1 gegen Piteå hinaus. Victoria Forsmark hatte die Gäste in Führung gebracht und Marija Banusic glich mit einem Freistoßtor aus.

 

 

Die Woche in Schweden

Zur Zeit ist es weiterhin relativ ruhig. In Stockholm schneit es und Fußballtraining draußen scheint im Moment Lichtjahre weit entfernt zu sein. Dennoch tut sich das eine oder andere und ich liefere es euch hier in der Wochenzusammenfassung. Sollten große Nachrichten kommen, gibt es selbstverständlich aktuelle Posts. Es sind auch diverse Interviews in Vorbereitung bzw. abgeschlossen, die ich in den nächsten Wochen hier einstreuen werde. Ich habe mich länger mit Anja Mittag, Christen Press und Vero Boquete unterhalten für einen Artikel, der jetzt gerade in der schwedischen Frauenfußballzeitschrift MARTA fotbollsmagasin erschienen ist und obwohl die Gespräche länger zurückliegen, haben viele Antworten daraus einen eher Saison-zusammenfassenden Charakter, weshalb sie sicher noch interessant sein dürften. Das kommt vielleicht schon nächste Woche.

Ein paar aktuellere Interviews wird es auch noch geben. Außerdem will ich noch für mich und für euch auf die Saison 2012 in Schweden zurückblicken und schon eine kleine Vorschau auf 2013 wagen, auf das wir uns besonders freuen, denn hier wird, wie alle wissen, die EURO stattfinden.

Eine meiner Lieblingsspielerinnen (ja, auch als schreibender und meist zumindest nach außen neutraler Mensch muss man sowas haben dürfen) hat ihren Vertrag mit Linköpings FC nun doch verlängert. Finnlands zweimalige Fußballerin des Jahres Linda Sällström bleibt und geht doch nicht, wie Gerüchte besagten nach Mölndal zu Jitex BK. Die 24-Jährige, die sicher ohne Übertreibung zu den schnellsten Spielerinnen der Welt gehört, ist nach ihrem Kreuzbandriss im Frühjahr wieder im vollen Training und mir sagte sie kurz, dass sie nach ausführlichen Überlegungen doch eine bessere sportliche Zukunft in Linköping sieht. Und Recht hat sie. Denn auch wenn Linköping zwar deutliche Schnitte in seinem außergewöhlich starken Kader gemacht hat, ich werde all die Abgänge nicht mehr hier auflisten, so sieht das Team mit Stützen wie Sofia Lundgren, Charlotte Rohlin, Nilla Fischer und nicht zuletzt dem dänischen Supertalent Pernille Harder immer noch recht stark aus und sollte in der oberen Hälfte der Tabelle locker mitspielen können.

Nicht nur „Sällis“ bleibt in Linköping, sondern auch der mitten in der Saison gekommene Trainer Martin Sjögren. Der Mann, der Malmö zu zwei Meistertiteln geführt hat, hat einen 2+1 Vertrag unterschrieben. Für alle bislang erwähnten dürfte es sicher auch eine tolle Saison in einem funkelnagelneuen Stadion werden, das nächstes Jahr bei der EURO von der Frankreich-Gruppe bespielt werden wird.

Eine, die Linköping nach nur einer, für sie missglückten, Saison verlässt ist Matilda Agné. Sie geht zurück zu ihrem früheren Verein Hammarby und sie ist nicht alleine. Ein paar Tage vorher unterschrieb auch Anna Lindblom nach einem Intermezzo bei Djurgården in der zweiten Liga bei ihrem früheren Verein, der durch diese beiden Verstärkungen offenbar Ambitionen hat, um die Spitzenplätze der neugegründeten Elitettan zu spielen. Nach einer Saison in Linköping geht ja auch Emma Lundh zurück nach Stockholm und auch wenn ihr neuer Club noch nicht feststeht, ein Wechsel zu Hammarby würde die grünweiße Traditionsmannschaft zu den Mitfavoriten um den Aufstieg machen…

Emma hat schon bei allen wichtigen Teams in Stockholm gespielt. Sie war bei AIK, Hammarby, Tyresö, Brommapojkarna und auch bei Djurgården. Der ehemalige Meister und Women’s Cup Finalist geht ungewissen Zeiten entgegen. Inzwischen hat wohl die gesamte Startformation des letzten Spiels gegen Piteå am 03.11. den Verein verlassen. Gestern wurde bekannt, dass Norwegens Aufsteiger Avaldsnes mit Abwehrspielerin Freja Hellenberg nach Gudbjörg Gunnarsdottir und Mia Jalkerud die dritte Spielerin aus Stockholm nach Westnorwegen importiert. Der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist die Tatsache, dass sich mit Sofia Nilsson, einer der auffälligsten Spielerinnen Djurgårdens, die achtzehnte Spielerin der Liga im vorletzten Spiel gegen Kristianstad einen Kreuzbandriss zuzog. Noch offiziell bei Djurgården, da nichts anderes verlautet ist, sind Jessica Landström und Susan Varli, aber beide dürften für viele andere Vereine interessant sein und wohl 2013 anderswo spielen.

Auf außerordentlichen Jahreshauptversammlungen haben die beiden Vereine LdB FC Malmö und FC Rosengård die Fusion beschlossen. Wie schon vorher berichtet, soll der neue Verein FC Rosengård heißen und dann eben Männer- wie Frauenfußball unter seinem Dach vereinen. Bei Rosengård war das bisher schon so, aber LdB war ein reiner Frauenfußballverein. Die Fusion ist Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben von LdB als Spitzenverein. Neben seinem neuen Cheftrainer Jonas Eidevall hat Anja Mittags Team nun auch einen neuen Assistenztrainer: Markus Tilly, 36 Jahre alt, kommt aus der Region vom Männerfußballverein Ängelholm.

Hauptkonkurrent und Meister Tyresö FF hat bislang keine Neuverpflichtungen bekanntegeben, aber in der Szene ist bekannt, dass Tyresö an einer offensiven Verstärkung interessiert ist und auch Gespräche geführt hat und führt. Manon Melis geht nach Malmö und Christen Press allem Anschein nach zurück in die USA, aber mit beiden hat Tyresö gesprochen. Ein heißer Name ist der der kanadischen Sportlerin des Jahres Christine Sinclair, aber auch das dürfte schwer werden, da der kanadische Fußballverband wie früher berichtet, 16 Spielerinnen seiner A-Mannschaft voll in der neuen amerikanischen Profiliga finanzieren wird. Abby Wambach dagegen dürfte ganz kalt sein, denn Wambach wird mit großer Sicherheit für Western New York Flash spielen und nächstes Jahr auch eine Familie gründen und seßhaft werden. Alles deutet auf Rochester im Staat New York hin, wo Wambach auch aufgewachsen ist.

Viel wichtiger aber die Nachricht, dass sich Tyresö FF in eine Gesellschaft verwandeln wird. Wichtigster Punkt dabei nach dem Vorsitzenden Hans Lindberg ist, dass man die Frauenmannschaft vom Breitensport im Verein juristisch trennen will. Zwei Clubs haben das schon einmal gemacht in der Damallsvenskan, nämlich Bälinge IF und Djurgården/’Älvsjö und beide Clubs sind in Konkurs gegangen. Djurgården lebte als Djurgården damfotboll weiter. Inzwischen hat Tyresö mit 15 Millionen Kronen (1,714 Millionen €) den höchsten Umsatz in der Damallsvenskan. Der große Zampano des Vereins, der scheinbar im Hintergrund agierende Hans Löfgren, hat ein einzigartiges Netzwerk aus rund 150 kleinen, mittleren und großen Firmen gebastelt, das die Frauenmannschaft unterstützt und damit den Weg von der vierten Liga zum Meistertitel geschafft. „Für uns bedeutet das auch eine Sicherheit für die restlichen Aktivitäten des Vereins, wenn das Spitzenteam des Frauenfußballs getrennt ist. Wir werden nach der nächsten Saison evaluieren, im Augenblick glaube ich aber, dass dies die beste Lösung ist,“ so Hans Lindberg. Tyresö ist eben ein großer Verein mit Dutzenden von Kinder- und Jugendmannschaften.

Eines der ewigen Talente des schwedischen Frauenfußballs wechselt zu einem Verein, dessen Name vor allem im Männerfußball große Geschichte hat. Louise „Lollo“ Fors, die vielleicht den besten Linksfuß der Damallsvenskan hat, ist nach einer enttäuschenden Saison bei Linköpings FC gegenwärtig in Australien, hat aber jetzt für den FC Liverpool Ladies unterschrieben. Fors wurde früher bei ihrem ersten Verein in der Damallsvenskan Lollodinho genannt, weil sie immer wieder brasilianisch anmutende geniale Momente hatte. Leider ist ihr Talent über die Jahre nicht richtig entwickelt worden. Die ersten Spiele mit ihr habe ich gesehen, als sie mit 15 in der Damallsvenskan debütierte. Inzwischen ist Fors 23 und noch immer könnte sie den entscheidenden Schritt tun.

Manchmal sind auch Vertragsverlängerungen wichtige Nachrichten. Zwei will ich hier hervorheben: Sofie Andersson bleibt in Vittsjö, sie war die herausragende Akteurin der letzten beiden Jahre beim Aufsteiger und ihre Bedeutung ist unstrittig. Ebenso wichtig, dass Nationalspielerin Sara Larsson in Örebro bleibt. Bei dem wirtschaftlich und sportlich in diesem Jahr gebeutelten Tabellenzehnten könnte dies ein Signal für andere Spielerinnen sein, ebenfalls zu Kugelschreiber zu greifen und zu bleiben, nachdem mit  Marie Hammarström bereits eine Schlüsselspielerin gegangen ist (nach Göteborg).

 

 

 

Theoretisch noch alles drin da unten

Vittsjös Torhüterin Lois Geurts beim Warmmachen vor dem Spiel gegen Djurgården

In einer halben Stunde wird der 20. Spieltag der Liga mit der Begegnung Erster gegen Letzter LdB FC Malmö gegen AIK abgeschlossen, da bleibt nicht viel Zeit, die gestrigen fünf Begegnungen zu summieren.

Hanna Persson, Ersatz für Kristianstads kreuzbandverletzte Nationalkeeperin Hedvig Lindahl, hielt gegen Tyresö FF einige fulminante Schüsse und musste dennoch nach zehn Minutenmit einer Fußverletzung hinkend das Spielfeld verlassen. Reserve? Fehlanzeige. Elisabet Gunnarsdottir entschied, dass Mittelfeldspielerin Katrin Omarsdottir sich mal schnell umziehen musste und das gegen das torgefährlichste Team der Liga. Am Ende gewann Tyresö verdient nach zwei Toren von Kirsten van de Ven mit 2:0 und hielt damit den Kampf um die Meisterschaft einigermaßen offen.

Kristianstads Torwarttrainer Benny Johansson war voll des Lobes über die unfreiwillige Torhüterin Omarsdottir: „Sie hat sich selbst übertroffen. Dass sie das Spiel so gut lesen konnte, war keine Überraschung, aber das Spiel in der Luft war euine große Überraschung. Sie zeigte Mut, Sprungkraft und Timing bei fast allen Ecken und Standards von denen.“ Gleichzeitig äußerte er Mitleid mit Hanna Persson im Interview mit Kristianstadsbladet: „Sie hat lange auf so eine Chance gewartet und dann gleich im dritten Spiel selber verletzt zu werden, das ist bitter.“

Omarsdottir sagte, dass sie lieber im Mittelfeld spiele, aber falls Persson bis zum Ende der Saison ausfiele, würde sie da spielen wo Elisabet Gunnarsdottir sie haben will, notfalls auch im Tor. Wie eine Reihe Zuschauer bereits auf Twitter äußerten, war auch Katrin Omarsdottir der Ansicht, dass die 1:0-Führung Tyresös ein klares Abseitstor war.

Kristianstads Vorsitzender Mikael Forsberg glaubt, dass die Liga am 12. November in Stockholm mit Sicherheit über die angestrengte wirtschaftliche Situation vieler Vereine reden wird. „Dass die Liga in einer Saison, in der wieder viele der besten Spieler der Welt in der Liga spielen Zuschauer verliert, ist beunruhigend. Diesen Trend müssen wir wenden. Wir selber können jetzt auch nur den nächsten Schritt nach oben mit einer breiter angelegten Organisation schaffen,“ so Forsberg.

In Göteborg trennten sich Jitex und Umeå 1:1. Umeå ging durch Ogonna Chukwudi in Führung und Sofia Skog glich wenig später aus. „Dieser Punkt kann wichtig sein,“ sagte Jitex‘ Trainer Stefan Rehn zu Göteborgs Posten. 174 Zuschauer bei Jitex bedeuteten wieder einmal die Minuskulisse der Liga. Jitex spielt und wenig mehr als Eltern, Geschwister und Freunde interessiert es. Schade.

99 Zuschauer zählte ich selber im Stockholmer Olympiastadion, fünf Minuten bevor das Spiel begann. Dabei schien die Sonne, aber das Wetter war sehr wechselhaft in den 90 Minuten, in denen Djurgården seinen dritten Heimsieg in Folge landen wollte. Aber Aufsteiger Vittsjö ging schnell mit 1:0 in Führung durch einen Treffer von Kapitänin Sofie Andersson. Keine sechs Minuten waren gespielt als Danesha Adams gute Vorarbeit leistete und Andersson einen Abpraller verwertete.

Daach hatte es Djurgården sehr schwer, erst in der zweiten Halbzeit kam man in Fahrt und dominierte die Begegnung und es dauerte bis zur 72. Minute, ehe Matilda Rosqvist der Ausgleich gelang. Die abschließende Druckperiode (Jessica Landström kämpfte um jeden Ball in Abwehr und Angriff) brachte dennoch keine klaren Torchancen mehr und der Punktgewinn gegen Vittsjö scheint zu wenig, besonders, wenn man die Punktgewinne der Konkurrenten Jitex und Piteå sieht und das Schlussprogramm von Djurgården und Hauptkonkurrent Örebro.

KIF Örebro kann nicht mehr nur von einer verkorksten Saison sprechen. Sie ist grottenschlecht und völlig misslungen. Früher und das ist höchstens ein Jahr her, konnte sich Örebro einer der besten Abwehrketten der Liga rühmen. Es war schwer gegen KIF Tore zu machen. 2012 aber ist der Tabellenzehnte die Schießbude der Liga mit den meisten Gegentoren. Zwar ging man gestern daheim gegen Mitkonkurrent Piteå (beide 19 Punkte vor dem Spiel) durch Linda Hallin mit 1:0 in Führung, zwar hielt Stephanie Labbé sogar einen Elfmeter von Piteå, aber am Ende stand dann doch 1:2 auf der Anzeigentafel. June Pedersen und Jennifer Nobis wendeten das Blatt und damit dürfte Piteå für dieses Mal gerettet sein. Örebro spielt nun in Göteborg (Djurgården in Kristianstad) und noch daheim gegen AIK (Djurgården gegen Piteå). Das Schlussprogramm verlangt von Djurgården mindestens vier Punkte, um die drei aufholen zu können. KIF Örebro wird wohl mit dem Schrecken davon kommen und Djurgården wird AIK Gesellschaft leisten beim Gang in die neue zweite Liga, die nun wohl Elitettan heißen wird, nachdem man Damettan nur als Arbeitsnamen geoutet hat.

Im Spitzenspiel des Tages schlug Linköping Göteborg mit 3:2. Nur zwei freie Tage zwischen den 120 Minuten Pokalfinale gegen Tyresö waren zu wenig für Göteborg. Aber Linköping ist mit dem neuen Trainer Martin Sjögren zu Saisonende auch gut drauf. Manon Melis schoss die Führung für Linköping und nachdem Christen Press mit zwei Toren das Spiel gedreht hatte, kam dann Lisa DeVanna immer besser in Form Zuerst besorgte die Norwegerin Nora Holstad Berge den Ausgleich und dann gelang DeVanna der Siegtreffer in einer sehenswerten Partie vor 407 (!) Zuschauern. Ein echtes Problem das kaum vorhandene Publikumsintereresse ein Jahr vor der EM. Hier schwant mir nichts Gutes.

 

 

Sieben Tore am Dienstag

Manon Melis schoss Saisontore 12 & 13

Mit dem 4:3 über Vittsjö hat Linköping sich nun auch ernsthaft im Rennen um Platz 4 eingeschaltet. Am Schluss wurde es noch einmal eng, denn der vor der Saison als Meisterschaftsfavorit gehandelte Gastgeber führte schon mit 4:1 ehe Emma Sjödahl und Sofie Andersson es noch einmal spannend machten. Linköping hatte einst eine Abwehr, die nur sehr wenig Gegentore zuließ. Das hat sich seit der Verletzung von Charlotte Rohlin geändert. 30 Gegentore in 18 Spielen sind die schlechteste Bilanz im Defensivbereich seit die Mannschaft 2004 in die Damallsvenskan aufstieg. Damals ließ man in 22 Spielen 37 Gegentore zu.

Dennoch, nach vorne geht jetzt wieder mehr. Und natürlich ist die „fliegende Holländerin“Manon Melis einer der Gründe. Ihre beiden Treffer (jetzt 13 insgesamt) sorgten für die klare Führung nachdem die junge, hochtalentierte Dänin Pernille Harder mit ihrem ersten Tor für Linköping das Eis gebrochen hatte. Dazwischen gelang noch Danesha Adams der zwischenzeitliche Anschlusstreffer. Und der Vollständigkeit halber: Es war Petra Larsson, die zum 4:1 traf.

Wieder einmal gab es Unzufriedenheit mit den Schiedsrichtern. Vittsjös Spielerinnen protestierten heftig nach dem 0:1 durch Harder.

„Die bekamen eine Ecke, der vorangegangen war, dass der Linienrichter die Abseitsflagge gehoben hatte, aber die Schiedsrichterin hob das auf,“ so Vittsjös Co-Trainer Ulf Palmquist. „Die Flanke, die dann kam, wurde von einer Spielerin Linköpings ins Aus geköpft. Aus der darauf folgenden Ecke machten sie das 1:0. Die Mädchen protestieren wirklich nicht oft und werden nicht oft sauer. Hier aber war es so. Diese Situation war ziemlich wichtig und spielentscheidend. Mit der Führung im Rücken konnte Linköping dann sein Konterspiel fahren,“ so Palmquist weiter.

 

 

 

Stehaufmädchen

Am Montagabend erst bekamen sie fünf Dinger von Tyresö und nach diesem Spiel sprach ich mit Kendall Fletcher und sagte ihr, dass nach dem 1:4 zum Saisonauftakt gegen Umeå die Mannschaft wieder aufgestanden sei und fragte wie das nun nach dem 1:5 gegen Tyresö gehen würde. Fletcher war optimistisch und tatsächlich – das Derby von Nordskåne am Donnerstagabend, das den Auftakt yum 14. Spieltag bildete, gewann Vittsjö nach hartem Kampf gegen Kristianstad mit 2:1.

Susanne Moberg hatte die Gäste zur Halbzeit in Führung gebracht, aber ein Eigentor und ein von Danesha Adams verwandelter Elfmeter wendeten die Begegnung. Einen zusätzlichen Farbtupfer erhielt das Spiel dann noch durch einen Platzverweis für Kristianstads Sif Atladottir.

Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson fasste realistisch zusammen: „KDFF war die bessere Mannschaft, aber wir haben die Tore geschossen.“ Nach dem 0:1 hatte Moberg bereits Torhüterin Lois Geurts in einer weiteren Situation umkurvt und schoss dann den Ball über das leere Tor. Auch Katrin Omarsdottir verpasste Gelegenheiten, Kristianstads Führung zu erhöhen.

Vittsjö gewann, nachdem Sif Atladottir Sofie Andersson im Strafraum eine sichere Torchance durch ein Foul  nahm. Rote Karte und Adams ließ Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl beim Elfer keine Chance. Der achte Saisontreffer für die Amerikanerin und für Vittsjö nun abermals Platz 3.

 

Halbzeit (3): Vittsjö GIK

Sofie Andersson beim Presseauftakt der Damallsvenskan in Göteborg

Im April fand in Göteborg das Presseauftaktreffen der Saison statt. In einem Hotel unweit des Göteborger Bahnhofs versammelte sich die Szene: Die zwölf Trainer und jeweils mindestens eine Spielerin. Tyresö hatte gleich drei Damen mitgebracht: Caroline Seger, Kapitänin Johanna Frisk und Superstar Marta. So zog man auch das Medioeninteresse auf sich. Alle wollten nur mit einer reden, der 26-Jährigen Brasilianerin, die nach drei Jahren USA in ihre zweite Heimat Schweden zurückkehrte.

Am Vormittag gibt es immer Vorträge auf der Bühne, das meiste davon ist recht vorhersehbar und durchaus langweilig. Das Interessanteste für uns Journalisten ist dann am Nachmittag die Möglichkeit, sich mit Trainern und Spielerinnen zu unterhalten. Jedes Team bekommt seinen Tisch und dann darf man die Runde machen, warten musste man dann auf Linköpings Nilla Fischer oder Göteborgs Stina Segerström.

Nichts los war beim Aufsteiger Vittsjö GIK. Da saßen Trainer Thonas Mårtensson und seine Kapitänin und Zweitligatorschützenkönigin Sofie Andersson meist alleine da, in einer Ecke. Ohnehin hatten am Morgen bereits alle „Experten“, ich inklusive, per Manometer auf den Abstieg des südschwedischen Vereins getippt. Sofie dagegen hatte der Menge auf der Bühne verkündet, dass man sich einen Platz unter den ersten Acht vorgenommen habe. Daran glaubte nun außer den Spielerinnen und dem Verein wirklich niemand.

Vittsjö ist ein Kaff in Skåne, Malmö und Kristianstad sind nicht weit und der nächste größere Ort ist Hässleholm, das die meisten nur als Eisenbahnknotenpunkt kennen. 1.600 Einwohner leben in Vittsjö und mit Hilfe der Gemeinde und Sponsoren, aber auch der Bevölkerung des Ortes wurde das Stadion in mühseliger Kleinarbeit erstligatauglich gemacht. Über Facebook und Twitter rief man die Einwohner auf, an einigen Wochenenden zum Sportplatz zu kommen und zu helfen. Man müsse zimmern, basteln, streichen, damit alles fertig werde zum Start im April.

Nachdem Vittsjö das erste Spiel in der ersten Liga mit 1:4 in Umeå verloren hatte, glaubten nun alle, dass der Abstieg des Aufsteigers nun seinen Gang nehmen würde.

Wie sehr wir uns alle getäuscht haben. Vittsjö, das zeigte sich in den kommenden Wochen, hatte sich auf zentralen Positionen optimal verstärkt. Ausländerinnen sind nicht billig in der Damallsvenskan. Damit sie eine Arbeitserlaubnis bekommen können, müssen sie genug Geld verdienen, um selber über die Runden zu kommen. Vittsjö holte die niederländische Nationaltorhüterin Lois Geurts, in der Abwehr als Innenverteidigerinnen Ifeoma Dieke aus Schottland (bei der Olympiade im Team GB dabei) und Kendall Fletcher aus den USA. Dieke und Fletcher werden immer wieder als Basis für den Erfolg hervorgehoben. Im offensiven Mittelfeld spielt die Amerikanerin Danesha Adams, die schon in Norwegen gespielt hat und die Neuseeländerin Kirsty Yallop ist dabei. Yallop und auch Dieke haben schon in Kristianstad gespielt, beim Lokalrivalen und Nachbarn. Ebenso Sofie Andersson, die von der charismatischen, aber sicher nicht einfachen Elisabet Gunnarsdottir wie andere Spielerinnen auch ausgemustert wurde. Andersson passte nicht ins Konzept. Jetzt sagte Gunnarsdottir kürzlich bewundernd, Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson (auch der war mal Trainer in Kristianstad) habe offenbar die exakt richtige Rolle für Sofie gefunden.

Auf die deutliche Klatsche in Umeå zum Saisonauftakt folgten Siege. Daheim gegen AIK mit 3:1 – das wurde noch mit einem „Naja, gegen AIK“ von vielen quittiert, als Vittsjö dann aber beiTorbjörn Nilssons Göteborgerinnen mit dem 2:1 alle drei Punkte entführte, hätte man eigentlich aufhorchen müssen.

Und nun stehen sie da mit 25 Punkten auf dem dritten Platz und um den Klassenerhalt müssen sie nun wirklich nicht mehr bangen. AIK auf dem Abstiegsplatz 11 hat einen Rückstand von 19 Punkten auf Vittsjö. Das Saisonziel ist weiterhin Platz 8 und nach der Olympiade kommt mit Mandy van den Bergh eine weitere Niederländerin ins Team – auf die Außenposition in der Abwehr.

Andersson hat bislang acht Tore geschossen und liegt damit nur einen Treffer hinter Linköpings Tormaschine Manon Melis.

Ich fragte Vittsjös neuseeländische Olympiateilnehmerin Kirsty Yallop, warum Vittsjö so erfolgreich ist.

„Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist ganz einfach der, dass wir ein tolles Team haben und guten Fußball spielen. Wir haben kein Budget vergleichbar mit dem der großen Teams,“ sagt Kirsty. „Wir sind ein kleines Team vom Lande, aber wir spielen mit unglaublich viel Herz und wir haben großartige Unterstützung von unseren Fans und dem Verein. Thomas ist ein guter Trainer, der weiß, wie wir spielen müssen und wie wir das Beste aus unseren Voraussetzungen machen können.“

Mehr von Kirsty Yallop und der neuseeländischen Mannschaft vor der Olympiade in den nächsten Tagen.

Vittsjö gewinnt auch sein viertes Heimspiel

Djurgården hatte sich so viel vorgenommen nach dem Sieg gegen Umeå am letzten Sonntag. Da war die Hoffnung zurückgekehrt nach Stockholm und der Kampfgeist ebenso. In Vittsjö, gegen diesen mysteriösen Aufsteiger, da müsste man doch mit einer konzentrierten Leistung die Kurve fortsetzen können, die so vielversprechend gewendet worden war.

In der ersten Halbzeit war auch alles gut. Djurgården machte die Räume im Mittelfeld eng und Gudbjörg Gunnarsdottir, die Kapitänin zwischen den Pfosten, machte die größte Chance der Gastgeberinnen zunichte und hielt einen Foulelfmeter von Sandra Adolfsson.

Aber Adolfsson wollte den Fehler nicht auf sich sitzen lassen und hatte dabei mehr Erfolg als Robben gestern Abend in München. In der 66. Minute servierte ihr Sofie Andersson einen tollen Pass und es stand 1:0 für Vittsjö, das dieses Mal knapp unter 1.000 Zuschauern blieb. Der Bann war gebrochen. Sofie Andersson mit ihrem siebten Saisontreffer, Kirsty Yallop und Johanna Andersson erhöhten innerhalb von neun Minuten auf 4:0, ehe Natalia Rickne den Ehrentreffer für das neue Tabellenschlusslicht Djurgården erzielen konnte. Vittsjö, der von allen als Absteiger getippte Aufsteiger, liegt nach fast einem Drittel der Saison punktgleich mit Tyresö und Malmö auf Rang 3.

Ein Sonderlob meines Kollegen Fredrik Hasselgren verdiente sich IUnnenverteidigerin Ifeoma Dieke, die ihre Abwehr wohl so führte wie man das ansonsten nur von Faith Ikidi gewohnt ist.

Samstagsspiele: Susanne Moberg 3 und Anja Mittag 4?

Anja Mittag hat zum zweiten Mal in dieser Saison vier Tore in einem Spiel gemacht? Nachdem sie beim 7:1 gegen Umeå vor zwei Wochen viermal ins Schwarze getroffen hatte, taucht ihr Name viermal in der offiziellen Statistik nach dem 4:1-Sieg gegen Aufsteiger Vittsjö GIK auf.

Die Formulierung ist deshalb so gewählt, weil beim ersten Trefffer Unklarheit darüber bestand, ob es nicht ein Eigentor gewesen sei. Anja selbst hatte von einem Eigentor gesprochen, nachdem aber nun der schwedische Fußballverband für die 26-Jährige elf Treffer aus sechs Begegnungen auflistet, wurde ihr der Treffer zunächst also in der offiziellen Statistik zuerkannt. Mittag führt damit souverän die Torschützenliste vor Christen Press (Göteborg) und Sofie Andersson (Vittsjö) an, die zwar sechsmal trafen, aber eben schon fünf Treffer zurückliegen. Auf http://www.skanskan.se/webbtv/1635777577001/ldb-fc-malde-ner-vittsjo-gik kann man Ausschnitte aus dem Spiel sehen und dabei auch klar erkennen, dass der erste Treffer ein mustergültiges Eigentor ist. Dafür ist Anjas 2:1 ein Weltklasse-Tor, Ballannahme an der Strafraumkante und ein paar Zehntelsekunden später ein Schuss in den Winkel.

Ein paar Kilometer (96) weiter nordöstlich gab es eine weitere Spielerin, die ihren Samstag mit einem Hattrick krönte. Susanne Moberg schoss Kristianstad zum dritten Sieg in Folge und Kopparberg/Göteborgs FC erst einmal (?) weg aus der Spitzengruppe. Bemerkenswert, dass die beste Defensive der letzten Saison in zwei Spielen hintereinander nun sieben Gegentore bekommen hat. Johanna Rasmussen traf zwischendurch und Göteborg kam durch Sara Lindén zum 1:3.

Eine andere Nachricht aus Kristianstad dürfte insbesondere auch die deutschen Fans interessieren. Offenbar ist Margret Lará Vidarsdottir auf dem Weg zurück nach Skåne. Die Isländerin, die bei Turbine Potsdam nur wenige Spielminuten bekam, weil sie nach Meinung von Turbine-Coach Bernd Schröder zu untrainiert ist, leidet seit Jahren an Rückeproblemen. Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir ließ Margret Lara deshalb immer nur die Hälfte aller Trainungseinheiten absolvieren, ist der Meinung, dass die Isländerin eine Klassestürmerin ist. Immerhin traf sie 16mal in der letzten Saison und wurde gemeinsam mit Manon Melis Torschützenkönigin.

Es gibt Gespräche über eine Rückkehr Vidarsdottirs. Gleichzeitig soll Turbine Potsdam sehr stark an der schwedischen Nationalspielerin Sofia Jakobsson interessiert sein, deren Vertrag bei Rossiyanka in Moskau im Juni ausläuft.

„Wir wissen um Margrets Situation in Deutschland und die ist nicht gut. Sie wäre selbstredend herzlich willkommen in Kristianstad,“ sagte KDFF:s Sportdirektor Mikael Forsberg.

Die Begegnung von Malmö gegen Vittsjö war offener, als es das 4:1 für den Meister aussagt. Den Führungstreffer Mittags glich Danesha Adams mit ihrem fünften Saisontor aus.

Vittsjö stürmt Tabellenspitze

Nilla Fischer hatte sich ihre Rückkehr nach Vittsjö sicher anders vorgestellt. Vor zwölf Jahren hatte sie da zuletzt gespielt, heute kehrte sie mit dem zugegeben schlecht gestarteten Meisterschaftsanwärter Linköping  zurück in das 1600-Seelendorf. Wegen ihr hatte man gar einen Topspielzuschlag erhoben – 40 Kronen mehr für Erwachsene und 40 Kronen für Kinder, die in sieben anderen Heimspielen der Saison freien Eintritt haben.

Vittsjö hatte nach der Auftaktniederlage gegen Umeå nacheinander AIK, Göteborg und Piteå geschlagen und vieles sprach heute dafür, dass sich das teure Linköping zusammenreissen würde. Aber Charlotte Rohlins Gehirnerschütterung und die Ladehemmung bei den Topstürmerinnen waren auch nicht von der Hand zu weisen.

Vittsjö spielt auf einer Woge des Erfolgs und wie Sofie Andersson heute sagte: „Wir haben ein wenig Glück gehabt, das wir so gut gestartet sind, denn die noch unerfahrenen Spielerinnen sind gar nicht zum Nachdenken gekommen, sie gehen raus und machen ihr Spiel und jetzt mit immer mehr Selbstvertrauen.“

Sofie hat auch im zwanzigsten Ligaspiel hintereinander getroffen. In der 77. Minute leitete sie den, darf man noch sensationell sagen?, 3:0 Sieg gegen Linköping ein. Den Gegner ergriff nach Anderssons sechstem Saisontreffer endgültig die Panik eines völlig verkorksten Saisonstarts. Das Trainerduo Christian Andersson und Denise Reddy brachte die offenbar angeschlagene Manon Melis für Lisa DeVanna rein und Vittsjö konterte Linköping eiskalt aus. Zweimal kam Danesha Adams zum Zug und auf einmal hieß es 3:0 für den Fußballzwerg, den alle als Absteiger gesehen haben und der nun bereits 11 Punkte Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze hat.

Die Schussstatistik ging mit 12:5 an Vittsjö, die Ecken mit 7:3. Schon gegen Göteborg hatte Vittsjö diese Statistiken dominiert, die einen gewissen Eindruck geben.

„Man muss froh sein, so lange es dauert. Das Märchen geht weiter,“ strahlte Mannschaftskapitänin Sofie Andersson.

Anja Mittag schießt Umeå ab

Anja Mittag - vierfache Torschützin gegen Umeå

Der Wechsel von Turbine Potsdam zu LdB FC Malmö hat Anja Mittag offenbar mehr als gut getan. Mit vier Toren heute Abend beim 7:1 gegen Umeå IK kommt die Chemnitzerin auf nunmehr sieben Saisontore aus vier Spielen und führt die Torschützenliste damit vor Christen Press und Sofie Andersson mit je 5 Treffern an. Umeå hatte nicht den Hauch einer Chance und fing sich weitere Gegentreffer von Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran (jeweils auf Vorlage von Mittag) und Elin Rubensson ein. Die 19-Jährige Rubensson wurde bislang viermal engewechselt und kommt auch schon auf drei Tore für den schwedischen Meister.

Enttäuischend allein, dass lediglich 731 Zuschauer die Galavorstellung von Malmö sahen. „7:1 war vielleicht zu viel,“ sagte Anja gewohnt bescheiden der Lokalzeitung Sydsvenska Dagbladet. Das Spiel wurde dabei im Mittelfeld entschieden: „Wir wussten, dass sie sich übers Mittelfeld langsam nach vorn spielen,“ sagte Ramona Bachmann, die heute ihre bislang stärkste Saisonleistung zeigte. Katrin Schmidt als Ballgewinnerin im Mittelfeld zeigte ebenfalls eine länderspielreife Leistung.

Für Umeå war es nach dem 0:6 bei Älvsjö AIK 1998 die höchste Niederlage seit 14 Jahren.

 

Vittsjö – Das Märchen geht weiter

In der Saison 2012 verabschiedeten sich die Absteiger Hammarby und Dalsjöfors mit jeweils acht Punkten aus der Liga. Hammarby erzielte sieben, Dalsjöfors neun Tore – in der ganzen Saison. Nimmt man diese Vergleichszahlen, dann sieht es für Aufsteiger Vittsjö GIK, den ALLE Experten auf der Abstiegsliste hatten, rosig aus. Nach nur vier Spieltagen hat man bereits neun Punkte auf der Habenseite und acht Tore geschossen. Fünf davon gehen auf das Konto von Kapitänin Sofie Andersson, die nun das Kunststück geschafft hat, in 19 aufeinander folgenden Ligaspielen in Liga 2 und Liga 1 jeweils Tore zu schießen.

Gestern am frühen Nachmittag kamen 1100 Zuschauer auf den Sportplatz von Vittsjö und sahen den 2:1 Erfolg des Aufsteigers über Piteå IF. Zwei Tore von Sofie Andersson in der ersten Halbzeit bahnten den Weg. Der zweite Treffer ging dabei auf die Kappe von Ersatztorhüterin Maria Rönnbäck (die Australierin Lydia Williams erlitt einen Kreuzbandriss), die einen Abstoß kerzengerade in die Luft setzte, der Ball landete kurz hinter der eigenen (!) Strafraumgrenze bei Danesha Adams, die den Ball schnell zu Sofie Andersson weiterköpfte, die den Ball dann nur noch an Rönnbäck vorbei ins Netz rollen musste.

In der zweiten Halbzeit nahm Piteå das Heft die Hand,kam aber nur noch zum Anschlusstreffer durch die Amerikanerin Jennifer Nobis, die auch schon zum vierten Mal traf. Am Abend schrieb Nobis in ihrem Blog, dass sie Vittsjö eigentlich stärker erwartet hatte. Piteå hätte wenigstens einen Punkt gewinnen müssen in einem ausgeglichenen Spiel. Piteå-Tidningens Reporter Bo Lundkvist zeigt sich in seinem Bericht nicht begeistert von der Schiedsrichterin, die in engen Situationen immer für die Heimmannschaft gepfiffen hätte. Vittsjö hat am kommenden Wochenende ein weiteres Heimspiel gegen Meisterschaftsmitfavoriten Linköpings FC.

Die erste Sensation – Vittsjö gewinnt in Göteborg

Die Damallsvenskan 2012 hat ihre erste faustdicke Überraschung. Der gemeinhin als sichere Absteiger getippte Aufsteiger aus dem kleinen Nest Vittsjö in der Nähe von Hässleholm. Absteiger Hammarby schoss in der letzten Saison in 22 Spielen lediglich sieben Tore und holte ebenso wie Dalsjöfors nicht mehr als acht Punkte.

Vittsjö steht nach drei Begegnungen schon bei sechs Toren und sechs Punkten. Und bringt einen dicken Skalp mit nach Hause – 2:1 gewinnt der Aufsteiger bei Kopparberg/Göteborgs FC. Der Pokalsieger und Vizemeister bedauert sicher jetzt, dass er seiner Stürmerin Christen Press erlaubt hat, eine Woche ins Trainingslager der amerikanischen Nationalmannschaft nach Florida zu reisen. Drei Punkte gegen Vittsjö hatte man mit oder ohne Press fest einkalkuliert.

Das wirklich Erstaunliche an der Begegnung am Abend ist die Statistik. Oft entstehen solche großen Überraschungen dadurch, dass sich der vermeintliche Zwerg hinten reinstellt und mit zwei Kontern zweimal trifft. Nichts da.

Aufsteiger Vittsjö gewann die Eckballstatistik mit 8:1 und hatte dazu noch 11:4 Schüsse auf das Tor des haushohen Favoriten. Dieses Ergebnis sendet eine kleine Schockwelle der Angst nach Stockholm zu vor allem Djurgården, das von vielen als Zehnter getippt wurde und in drei Begegnungen lediglich ein Tor erzielt hat. Und nun schon sechs Punkte hinter Vittsjö liegt. Nicht unmöglich scheint an diesem Abend, dass nach Hammarby im letzten Jahr nun gar die zwei weiteren Stockholmer Traditionsvereine in die zweite Liga absteigen. Aber gemach, noch sind erst drei von 22 Runden absolviert. Jessica Landström, deren Frankfurt heute mit 2:1 beim FC Bayern München gewann, dürfte die Stirn in Falten gelegt haben, sie wird mit ziemlicher Sicherheit in Schweden ab Juni oder Juli mitten im Abstiegskampf stecken.

Danesha Adams und Sofie Andersson brachten Vittsjö vor 382 Zuschauern in Göteborg mit 2:0 zur Halbzeit in Front, ehe dann die eingewechselte Amanda Edgren sieben Minuten vor Schluss den Anschlusstreffer markierte.

Djurgården und AIK liegen jetzt punktlos auf den Abstiegsplätzen. Kristianstad, mit einem Punkt lediglich Zehnter, kommt am Samstag nach Stockholm und das wird fast schon ein Schicksalsspiel für Djurgården und das Team aus Skåne. Vittsjö dagegen auf Platz Sieben, punktgleich mit Tyresö und Göteborg und Malmö. Hätte man darauf mal gewettet.

Vittsjö gewinnt das erste Heimspiel

1271 Zuschauer in einer Gemeinde, die nur 1600 Einwohner hat – das ist keine schlechte Leistung. Emsig, fleissig und unbeirrt hatte sich die Bürger schon vor zwei Wochen eingesetzt, als viele dem Aufruf folgten und den Sportplatz der Gemeinde der für eine fünfstellige Summe Euros aufgerüstet worden war, für das Spiel in der ersten Liga herzurichten.

Und kurz nach der Halbzeit beim parallel stattfindenden Spiel Djurgården – Jitex, später dazu, sah ich auf der schwedischen Videotextseite 382, dass Vittsjö mit sage und schreibe 3:0 gegen Mitaufsteiger AIK führte. Die Stimmung muss mit anderen Worten grossartig gewesen sein. Beide Teams hatten das Spiel relativ vorsichtig begonnen, bis Vittsjö dann das Heft in die Hand nahm. Und nach den ersten beiden Toren, die jeweils nach Ecken fielen und durch die beiden Amerikanerinnen per Kopf erzielt wurden – zuerst Danesha Adams in ihrem ersten Spiel (sie hatte vorige Woche noch keine Arbeisterlaubnis) und dann Kendall Fletcher. Das junge Team von AIK brach in sich zusammen. Nach der Pause machte Sofie Andersson gar das 3:0 nach einem Pass in die Gasse, ehe dann Susan Varli für AIK mit der ersten richtigen Torchance den Ehrentreffen markieren konnte.

Varli wurde vier Minuten später die erste Spielerin der Damallsvenskan, die 2012 eine rote Karte sah – ein Revanchefoul war die Ursache. AIK hatte wohl nie eine Chance, Schüsse auf das Tor verzeichnete die Statistik 17:1 für die Gastgeberinnen. Bereits nach zwei Spieltagen stellt sich schon die Frage, wen AIK mit seiner jungen, unerfahrenen Truppe eigentlich schlagen will.

 

Umeå IK – Vittsjö GIK= (3:1) 4:1, AIK – Piteå= (0:1) 0:3, Kristianstad – Linköping= (0:0) 1:1,

Keine Probleme hatte Umeå IK mit Aufsteiger Vittsjö. Nach neun Minuten verwandelte die finnische Nationalspielerin Tuija Hyyrynen einen Freistroß direkt und Hyyrynen war es auch, die zum 2:0 durch Emmelie Konradsson ebenfalls mit einem Freistoß auflegte. Da war eine halbe Stunde gespielt. Vittsjö stand relativ hoch und bereitete Umeå damit durchaus Probleme. Vorne hatte man aber nur die Torschützenkönigin der zweiten Liga Süd Sofie Andersson, denn Neuzugang Danesha Adams hatte noch keine Arbeitserlaubnis und durfte demzufolge nicht spielen auf dem Gammliavallen, pardon in der T3-Arena.

Linda Molin erzielte das 3:0 und noch vor der Halbzeit gelang dann Sofia Andersson der erste Treffer von Vittsjö in der Damallsvenskan. Die 16-Jährige Lina Hurtig kam rein und schoss das 4:1 für Umeå in einer flotten Begegnung.

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Während Marta & Co. in Tyresö ihr Debut gaben, waren nur etwas mehr als 300 Zuschauer ins 30 km entfernte Solna gekommen, um sich die Heimpremiere von Aufsteiger AIK anzuschauen, den viele als Absteiger Nummer 1 sehen. Die aus Tyresö gekommene Mannschaftskapitänin Sofie Persson markierte in der siebten Minute den ersten Treffer der Damallsvenskan 2012. Ein Eigentor nach Flanke von Jennifer Nobis und in der Nachspielzeit die aus Umeå gekommene Hanna Pettersson sorgten für einen glatten 3:0-Sieg von Piteå, den Beobachter allerdings als leicht schmeichelhaft schilderten, zumindest zu hoch, da AIK doch eine gute Leistung gezeigt habe. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass es sehr schwer werden wird, die Klasse zu erhalten.

Am zweiten Spieltag treffen beide Aufsteiger in Vittsjö aufeinander.

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Das einzige Spiel, in dem es keinen klaren Sieger gab, sondern ein Unentschieden hätte beinahe einen Sieger gehabt. Wenn nicht Manon Melis in der 91. Minute für den Ausgleich für Meisterschaftsmitfavorit Linköping gesorgt hätte. Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir dürfte sich sehr geärgert haben. Elin Nilsen hatte die Gastgeber vor 800 Zuschauern in Führung gebracht. Lob an Linköping, das Trainerreaktionen auf seiner Homepage hat.

LFC-Trainer Christian Andersson: „Mit dem Spiel als solchem sind wir nicht zufrieden. Kristianstad spielte auf eine Weise, die uns sehr gestört hat und uns ist es nicht gelungen, uns aus dieser Spielweise zu befreien. Die haben viele Leute nach vorne gebracht und wir haben keine Ordnung in unsere Offensive bekommen. Teilweise war der Abstand zwischen den Mannschaftsteilen zu groß, aber es war schön den Ausgleich zu bekommen, das ist wichtig für die Moral des Teams.“