Startelf gegen Norwegen – EM ohne Folkesson und Almgren

Für das morgige Länderspiel gegen Norwegen in Linköping sickerte die Startformation schon einige Stunden vorher an die Abendzeitung Aftonbladet durch, so dass man sich fragen kann, wie viele Personen die Aufstellung kannten und wer schließlich aus dem Leitungsteam von Pia Sundhage oder aus dem Kreis der Spieler der Presse das Papier steckte.

Schweden beginnt mit: Kristin Hammarström, Sara Thunebro, Charlotte Rohlin, Nilla Fischer, Jessica Samuelsson, Marie Hammarström, Caroline Seger, Antonia Göransson, Emmelie Konradsson, Kosovare Asllani, Lotta Schelin.

Diese Startformation wird derjenigen, die am 10. Juli die EM gegen Dänemark in Göteborg beginnen wird, schon sehr nahe kommen. Auf der Torwartposition scheint sich Sundhage für Kristin Hammarström zu entscheiden. Das Innenverteidigerpaar mit Rohlin und Fischer ist ebenso gesetzt wie Sara Thunebro auf links. Rechts wird morgen wieder Jessica Samuelsson getestet, die 21-Jährige hat nach der tollen Leistung gegen Malmö am Dienstag eventuellö bessere Chancen als Malmös Lina Nilsson. Samuelsson gehört in jedem Fall die Zukunft und auch auf links wird wohl nach der EM früher oder später die nun ebenfalls in Linköping spielende Stockholmerin Magdalena Eriksson eine Chance bekommen, dann könnte das komplette Abwehrquartett aus Linköping bei Sundhage auftreten.

Im Mittelfeld muss die normalerweise angestammte Lisa Dahlkvist aus Tyresö morgen erst mal auf der Bank beginnen. Co-Trainerin Lillie Persson hat bei der Vorstellung der Startelf gesagt, dass man sih von Marie Hammarström und Caroline Seger abwechselnd Arbeit in Defensive und Offensive erwartet und dass vor allem Seger mehr nach hinten arbeiten soll als in den letzten Begegnungen.

Asllanik und Schelin scheinen ebenso gesetzt zu sein wie Potsdams Antonia Göransson und kann sich Umeås Konradsson morgen beweisen, dann sind auch ihre Chancen gestiegen.

Zwei Spielerinnen sind aus den Überlegungen Pia Sundhages ganz herausgefallen. Eine erst heute: Hanna Folkesson aus Umeå riss sich beikm Training ein Band im Knie und fällt für mindestens sechs Wochen aus. Schon etwas länger wissen wir, dass auch Göteborgs Johanna Almgren auf die EM verzichten muss. Damit fallen gleich zwei Spielerinnen aus dem Mittelfeld aus, was die Chancen von Spielerinnen wie Carina Holmgen und Elin Magnusson erhöhen dürfte, die spät in den Kader kamen.

Von Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir sicherte auch durch, dass Sundhage die erst 17 Jahre alte Stürmerin Marija Banusic in den Kader gegen Norwegen nachnominieren wollte, aber auch Banusic fällt aufgrund einer Verletzung für ein paar Wochen aus.

Ausgerutscht und Malmö wieder top

Eine schnelle Zusammenfassung der fünf Sonntagsspiele in Runde 6 der Damallsvenskan.

LdB FC Malmö ist wieder Tabellenführer. Mit einem in der Höhe sicher unerwarteten 5:0 gegen Kristianstad im Skåne-Derby arbeitete der Meister von 2010 und 2011 für das Torverhältnis und dank der Tore von Sara Björk Gunnarsdottir und Ramona Bachmann (je 2) sowie Katrine Veje versetzte man den ambitionierten Kristianstädterinnen eine empfindliche Niederlage.

2:0 hatte es zur Halbzeit gestanden, da war Kristianstad durchaus noch im Spiel. Dann setzte Trainerin Elisabet Gunnarsdottir ales auf eine Karte und spielte 3-4-3, was Malmö weitere drei Tore und viel Platz gab.

„Wir machen ein schlechtes Spiel. Es ist nicht akzeptabel, mit fünf Toren zu verlieren. Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir mit unserer Taktik in der zweiten Halbzeit keinen Erfolg hatten. Malmö hat uns kaputt gelaufen und die fünf Tore verdient,“ zeigte sich Gunnarsdottir immerhin selbstkritisch.

Einziger Lichtblick bei den Gästen: die erst 17-Jährige Marija Banusic, die selbst der Meinung war, dass die Unparteiische ihr einen klaren Elfmeter in der zweiten Halbzeit verweigert hatte.

Der Ausrutscher des Tages, vielleicht der Saison. Trotz einer abernals haushoch überlegenen Statistik kam Tyresö FF nicht über ein 1:1 bei Aufsteiger Mallbacken hinaus. Marta schoss zwar die Führung für den Meister, aber Linda Wallin glich elf Minuten vor Ende aus und dabei blieb es dann.

Tyresös Spielberichterstatter Hans Löfgren wettert über einen Rasen, der seiner Meinung nach in der ersten Liga nicht erlaubt sein dürfte. Und zum dritten mal hintereinander gibt es einen Vorwurf an erneut eine Schiedsrichterin, die einen an Marta verursachten Foulelfmeter nicht gesehen haben soll. In der zweiten Halbzeit dann hat Löfgren noch einen Handelfmeter nicht bekommen und zum vierten Mal hintereinander (!) sagt er, habe man Tyresö Elfmeter verweigert. Da muss dann doch schon fast Methode hinter stecken, wenn es denn wahr wäre.

Immerhin kommt er doch zu der Selbsterkenntnis, dass man so viele Torchancen hatte und nicht nutzte. Tyresö ist jetzt voller Revanchelust und will am Sonntag gegen den zweiten Aufsteiger daheim mehr als 2000 Zuschauer ins eigene Stadion locken.

Dritter ist jetzt – KIF Örebro. Helén Eke schoss schon ihr viertes Saisontor und das reichte zu einem 1:0 in Piteå. Der von vielen als Absteiger getippte Verein wird wohl in der oberen Hälfte zu finden sein.

0:0 spielten Vittsjö und Göteborg, beiden hilft das wenig, ein bisschen vielleicht Vittsjö, dass nach vier Niederlagen in Serie nun immerhin gegen den Pokalsieger zu einem Unentschieden kam. Jessica Landström wieder auf der Bank. Und Göteborg wohl raus aus dem Meisterschaftsrennen. Endgültig.

Unentschieden 1:1 auch die fünfte Begegnung zwischen Jitex und Linköping. Auch Linköping entwickelt sich damit wieder zum Remis-Spezialisten und seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel vor gefühlt 25 Jahren weiß man, dass einen das weit von der Spitze entfernt.

Das Interview der Woche mache ich morgen Abend mit der für Malmö spielenden Sara Björk Gunnarsdottir.

 

Josefine Öqvist glaubt an sich

JosefineAm Sonntag konnte Josefine Öqvist noch nicht beim Spiel ihres neuen Clubs Kristianstads DFF gegen Piteå IF (1:1) dabei sein. Sie leidet noch an einer leichteren Oberschenkelverletzung, die sie sich beim Training mit der Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Island, an dem sie dann auch nicht teilnehmen konnte, zuzog.

Nach einem Jahr Babypause verzögert sich das Comeback also noch ein wenig. Beim Pressetreffen vor knapp einer Woche in Stockholm habe ich „Jossan“ getroffen.

Irgendwie schien Kristianstad die logische Vereinswahl zu sein?

Ja, das war wohl ganz logisch. Kristianstad will sich weiter nach oben orientieren und ich wollte wieder Fußball spielen und das passte auch ganz gut damit zusammen, wo ich wohne. Dann haben wir noch einen guten Babysitter bekommen.

Ist das Leben als Mutter und Fußballprofi stressig? will ich wissen.

Naja, du siehst ja selber. (lacht, ihre Tochter macht auf sich aufmerksam). Man ist immer mit einer Riesenmenge Sachen unterwegs, das Auto ist proppevoll, da ist dann das Training oft eine richtige Entspannung.

Josefine Öqvists Verlobter Stefan Lassen ist Eishockeyprofi in Malmö, betreibt also einen Wintersport, während Öqvist selber eher einen Sommersport betreibt. Ob das denn nicht ideal ist, da kann man wechselweise sich mehr mit dem Kind beschäftigen?

Ja, das ist schon richtig so, allerdings führt es auch dazu, dass wir kaum zusammen freie Tage haben.

Was ist dein Eindruck von Kristianstad?

Das ist ein richtig gutes Team. Offensiv sind wir wirklich sehr gut aufgestellt, aber auch in der Abwehr haben wir gute Spielerinnen dazu bekommen. Die müssen aber erst mal richtig eingespielt sein. Ich denke, wir werden da oben mitspielen und manchmal auch an der Spitze riechen. Es wird auch toll sein, wenn Hedvig Lindahl zurückkommt. Sie beflügelt unser offensives Spiel, sie agiert ja weit draußen und hilft damit, dass die Mannschaft vorne bleibt. Aber auch unsere Nummer 2 Brett Maron hat eine tolle Vorsaison gespielt.

Du wirst wohl mit der erst 17 Jahre alten Marija Banusic spielen. Was kannst du über sie sagen?

Wir können ja nicht verlangen, dass sie schon in jedem Spiel gut sein wird. Aber sie ist eines der größten Talente, das ich je gesehen habe. Sie ist physisch sehr stark, hat eine gute Technik. Wenn die lernt, die Situationen einzuschätzen, wann muss ich den Ball abgeben, wann muss ich ihn halten, dann haben wir eine Weltklassespielerin, so einfach ist das.

Du warst jetzt gerade für die Nationalmannschaft nominiert, dann verletzt. Nur noch drei Monate bis zur EM. Geht das noch?

Ich konnte immerhin trainieren mit der Mannschaft, dann haben die mich nicht im Match gesehen. Aber sie werden mich in der Liga beobachten. Ich glaube, sie haben gesehen, dass ich wieder da bin. Wenn ich wieder für meinen Verein spielen kann, habe ich keinen Grund, unruhig zu sein. Ich glaube an mich. Wenn ich mich für etwas engagiere, dann tue ich das immer mit ganzem Herzen und zu 100%. Ich bin keine, die etwas nur halb macht.

Josefine Öqvist will also unbedingt bei der EM dabei sein. Sie ist mit ihren irrationalen Laufwegen und ihrer Schnelligkeit neben der derzeit überragenden Lotta Schelin die wohl beste schwedische Stürmerin gewesen – vor der Babypause und vor der Verletzung. Ob sie wieder da ist, wird sich in den Wochen, die da kommen, zeigen. Der versammelten Presse erzählte sie am Dienstagvormittag, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen der Öwvist vor und der nach der Babypause gibt: „In der Vorsaison habe ich wirklich aus jeder Chance ein Tor gemacht, so war es vorher nicht.“

Öqvist ist auch in der Öffentlichkeit eine Person, die Interesse weckt, bei den Medien wie beim Publikum. Ob es ihr berühmter Trikottausch nach dem Spiel gegen Nordkorea mit einem deutschen Fan in Augsburg ist, die rote Karte für das Revanchefoul an Sonia Bompastor im Spiel um Platz 3 oder als sie sich vor knapp zehn Jahren für ein sogenanntes Männermagazin auszog: Josefine Öqvist ist immer für eine Überraschung gut.

Sie ist aber auch eine sehr angenehme Gesprächspartnerin. Denn anders als nahezu alle anderen, die man interviewt, stellt sie auch dem Interviewer fragen und sie meint es ehrlich. Wohnst du eigentlich zentral in der Stadt, habe ich sie mal gefragt, als sie noch bei Tyresö spielte. Ja, hier ganz in der Nähe, wo wohnst du denn? Das ist typisch Öqvist. Und ihr Ehrgeiz scheint ungebremst zu sein. Das kann Schweden hoffen lassen. Am 23. Juli wird sie 30 Jahre alt. Vielleicht macht sie sich am Tag danach das schönste Geschenk und schießt ihre Mannschaft noch einmal in ein großes Finale. 2003 hat sie das mit ihrem Tor gegen Kanada schon einmal gemacht.

 

 

Bittere Heimpleite für Aufsteiger

Mit einer derben 1:5 Schlappe daheim in Skellefteå begann die Saison für Aufsteiger Sunnanå SK gegen Vittsjö. Dabei erzielte die aus Kristianstad gekommene Elin Nilsen gleich drei Tore und setzte sich an die Spitze der Torjögerliste. Wer in Kristianstad nichts wird oder nicht mehr erwünscht ist, der geht oft nach Vittsjö, das keine 50 km entfernt ist. Und Trainer Thomas Mårtensson macht dann oft aus diesen Spielerinnen Siegerinnen. So ist es ihm schon mit Sofie Andersson gelungen, die bei Elisabet Gunnarsdottir keine Rolle mehr hatte und nun wohl auch mit Nilsen, die schon in der Vorbereitung etliche Tore erzielt hat. Jane Ross und Emma Sjödahl für Vittsjö und Julia Spetsmark für Sunnanå erzielten die übrigen Tore.

Wie schwer es ist, in der Damallsvenskan (wieder) Fuß zu fassen, mussten also die Aufsteiger Mallbacken (0:4 in Örebro) und Sunnanå bitter erfahren. Beide verloren zudem nicht gerade gegen Meisterschaftsaspiranten und das jeweils mit vier Toren Unterschied.

In Skellefteå hatte man der Premiere so entgegengefiebert und gottlob ist der Männereishockey-Verein gerade dabei, das Finale um die schwedische Eishockeymeisterschaft gegen den Rivalen aus Luleå zu gewinnen.

„Wir haben gegen eine bedeutend bessere Mannschaft gespielt,“ fasste Trainer Marti Tikkanen die Klatsche zusammen. „Wir machen zu viele individuelle Fehler und auf diesem Niveau sind die sehr teuer. In den Zweikämpfen sind wir zu zaghaft. Es gibt einen großen Unterschied zur zweiten Liga, wo wir scheinbar noch sind.“

Und die heutige Mannschaftskapitänin Annika Kukkonen fügt hinzu: „Wir müssen wesentlich tougher sein. Ein paar von uns sind einfach zu nett da draußen. Das müssen wir nächstes Mal besser machen. Es ist nicht lustig, einer Mannschaft zu begegnen, die hart spielt.“

Im zweiten Sonntagsspiel kam Kristianstads DFF, das ja Ambitionen auf einen Spitzenplatz hat, zu Hause nicht über ein 1:1 gegen Piteå hinaus. Victoria Forsmark hatte die Gäste in Führung gebracht und Marija Banusic glich mit einem Freistoßtor aus.

 

 

Damallsvenskan – Mein Tipp für 2013

Heute Nachmittag geht es los, die Damallsvenskan in der EM-Saison 2013 startet mit der Begegnung zwischen KIF Örebro und Mallbacken. Morgen stehen dann weitere drei Partien auf dem Programm, bis der Spieltag am Mittwoch mit Göteborg – Linköping abgeschlossen wird.

Mein Tipp steht schon seit dem letzten Wochenende, hier ist er.

1. Tyresö FF: Das Herzschlag-Finale aus dem letzten Jahr, als Malmö alles in der Hand hatte, wird es dieses Jahr nicht geben. Tyresö hat den besten Kader, mit Abstand. Das Mittelfeld mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist lässt sich nicht toppen. Die Abwehr bleibt der schwächste Mannschaftsteil hier, aber die meisten Teams werden gar nicht viel zum Angreifen gegen Tyresö kommen. Für die Champions League jedoch muss dann 2014 aufgerüstet werden. Christen Press ist die beste Verpflichtung der ganzen Liga. Sie wird Anja Mittag dieses Jahr einen heißen Kampf um die Torjägerinnenkrone liefern.

2. LdB FC Malmö: Wie im Vorjahr Zweiter, dieses Mal aber auf Abstand. Malmö hat mit Manon Melis eine Weltklassestürmerin zurück „nach Hause“ geholt, aber werden sich Mittag, Melis, Ramona Bachmann und Elin Rubensson da nicht auch auf den Füßen stehen. Wie klappt das Zusammenspiel? Kann man vor allem Bachmann-Mittag-Melis zu einer Einheit bringen mit sehr gutem Spielverständnis untereinander, kann Malmö sehr gefährlich werden. Therese Sjögran versucht ihr Comeback mit 36, in der Nationalmannschaft wohl zu spät. Wenn Yoreli Rincon (siehe Bachmann-Interview) sich akklimatisieren kann, dann kann sie mit ihrer einzigartigen Technik eins der Ausrufezeichen der Saison werden. Schwäche: Wie bei Tyresö die Abwehr. Zwar sind Lina Nilsson, Malin Levenstad und Amanda Ilestedt Nationalspielerinnen und auch Ali Riley für Neuseeland, keine von ihnen ist jedoch Weltklasse. Wird interessant sein zu sehen, wie Marta, Boquete und Press mit dieser Abwehr umgehen werden,

3. Kopparberg/Göteborgs FC: Jessica Landström kam für Christen Press. Kein Ersatz. Aber die später durch Vermittlung der hervorragenden Anita Asante gekommene Britin Jodie Taylor wird Landström den Startplatz streitig machen. Schnell, physisch und kopfballstark. „Von hinten sieht sie sogar wie Press aus,“ scherzte Torbjörn Nilsson, mittlerweile der dienstälteste Trainer der Liga, auf dem Medientreffen am Dienstag. Die Norwegerin Cathrine Dyngvold ist ebenfalls ein großes Talent. Mit Yael Averbuch hat Göteborg darüber hinaus eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Das sieht USA-Trainer Tom Sermanni sicher genauso, denn er hat Averbuch zurück ins USWNT geholt. Es reicht für Platz 3, leider kann sich Göteborg nicht einmischen weiter oben, wo es um die CL-Plätze geht. Da hätte Supersponsor Peter Bronsman seine Versprechung aus dem Herbst Ernst machen und etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Olivia Schough hat durch die Nominierung in die schwedische Natio einen Quantensprung gemacht.

4. Kristianstads DFF: Elisabet Gunnarsdottir arbeitet sich langsam, aber sicher nach oben. Seit fünf Jahren in Schweden strickt die charismatische Isländerin weiter an ihrer Meistermannschaft. „Ein paar Spielerinnen wollten wir nicht mehr haben,“ sagte sie mir am Dienstag. In den nächsten Tagen wird KDFF, wie das Team in Kurzform genannt wird, mit einem neuen Youtube-Video von sich reden machen. „Hast du Regie geführt?“ fragte ich die 36-Jährige. „Darauf kannst du Gift nehmen,“ sagte sie. Offensiv sieht das sensationell aus. Josefine Öqvist gibt in zwei Wochen ihr Comeback nach Babypause, das meiner Meinung nach größte schwedische Fußballtalent seit ?, Marija Banusic, wird für Furore sorgen, wenn sie auf dem Teppich bleibt. Und Beta wies mich darauf hin, dass bald dem 90-Minuten-Einsatz von Margret Lara Vidarsdottir nichts mehr im Wege stehen wird. Beta glaubt an Margret und sieht ihre Rolle hinter Öqvist und Banusic. Und dann gibt es noch die starke Dänin Johanna Rasmussen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl ist nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll im Training und wird im Mai wieder der Trainerin zur Verfügung stehen, sagt sie selber. Das kann weit reichen…

5. Linköpings FC: Voriges Jahr wollten sie mit der Brechstange nach oben. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer… Es ging in die Hose, es gab finanzielle Probleme und geblieben ist erst mal nur Fischer. Geholt hat der unter der Saison gekommene Malmöer Meistertrainer Martin Sjögren aber sehr interessante junge Spielerinnen: U19-Europameisterinnen Magdalena Eriksson und Jennie Nordin für die Abwehr und vorne nach Banusic und Umeås Lina Hurtig wohl das dritte große Talent in der Offfensive: die noch 16-Jährige Stina Blackstenius, die in den Vorbereitungsspielen im Prinzip in jedem Spiel getroffen hat. Leider hat sich Finnlands Rakete Linda Sällström den zweiten Kreuzbandriss innerhalb eines Jahres im gleichen Knie eingefangen , was den Verdacht nahelegt, dass da was falsch gemacht wurde… Im Mittelfeld und offensiv wird die Dänin Pernille Harder der Star. Ich halte Harder ohnehin für eine der begabtesten Spielerinnen Nordeuropas. Charlotte Rohlin ist zurück, mal sehen. Nilla Fischer soll Mittelfeld spielen, sagt Sjögren, entgegen Pia Sundhages ausdrücklichem Wunsch, dass sie auch im Verein in der Abwehr spielen solle.

6. Umeå IK: Ich habe Umeå in Tyresö gesehen in der Vorbereitung (1:1) und hatte wieder mal einen sehr positiven Eindruck von Joakim Blomquists Team. Sein drittes Jahr, der Psychologe tut Umeå gut. Emma Berglund steuert die Abwehr, im Mittelfeld ist man mit Hanna Folkesson enorm verstärkt im zentralen Bereich. Nach oben (1-5) fällt die Offensive trotz Hurtig etwas ab, daher nur Platz 6, denn es wird auch wieder die Downs des letzten Jahres geben, auch wenn man jetzt mit Katrin Jonsdottir Routine in die Abwehr geholt hat.

7. Piteå IF: Anna Westerlund sagte mir (siehe Interview mit ihr) am Dienstag, dass man den achten Platz des Vorjahres unbedingt verbessern wolle. Aber wegen der starken Konkurrenz springt nicht mehr als ein Platz heraus. Ein sehr internationales Team, angefangen bei der australischen Torfrau Lydia Williams, im zweiten Jahr, aber eigentlich neu, da sie sich direkt im ersten Spiel 2012 einen Kreuzbandriss zuzog. Aufgehört bei der neuen nigerianischen Stürmerin Francesca Ordega, die sich sicher erst akklimatisieren muss. In der Abwehr ist Faith Ikidi eine Bank. Ein solides Team mit gutem Publikum.

8. Sunnanå SK: Vielleicht zu optimistisch getippt. Aber der Aufsteiger hat große Tradition in der Damallsvenskan und hat sich auch gut verstärkt. Susanne Nilsson im Tor ist wohl die beste schwedische Torfrau unter 30 (leider hat das Pia Sundhage noch nicht verstanden, Eile ist geboten, da Nilsson auch einen serbischen Pass hat) und mit Annika Kukkonen ist eine hart arbeitende zentrale Mittelfeldspielerin dazu gekommen. Die unverwüstliche und großartige Perpetua Nkwocha wird auch mit 37Jahren noch starke Akzente setzen. Und Carina Holmberg ist Nationalspielerin geworden, sie war schon immer gut, aber diese Nominierung hat ihr sicher noch zusätzlich Flügel verliehen.

9. Vittsjö GIK: Das zweite Jahr ist immer schwieriger als das erste, heißt es, wenn es einem Aufsteiger gelingt, sich in der Liga zu halten… Das klingt gemein, ist aber oft so. Leider hat die starke Amerikanerin Danesha Adams Vittsjö Richtung NWSL verlassen, aber dafür ist mit der Schottin Jane Ross gleichwertiger Ersatz gekommen, sagen die Trainer. Immerhin ist Kendall Fletcher geblieben und wenn es Ifeoma Dieke nach ihrem Kreuzbandriss wieder gelingt, die Vorjahresform zu erreichen und auch noch Sofie Andersson ihre sensationelle Hinrunde wiederholen kann… Ein bisschen zu viel wenn, um weiter oben zu landen, aber Vittsjö wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

10. Jitex BK: Leider. Das versprochene Stadion wird erst gegen Sommer fertig, anders als versprochen und nun müssen die ersten Heimspiele in Lindome gespielt werden, weit vom Schuss, vermutlich vor allem vor Freunden und Verwandten. Ein robustes, physisches Team mit zwei großen schwedischen Talenten, an die ich glaube: Fridolina Rolfö und Mimmi Löfwenius. Eine exzellente Torhüterin mit der Finnin Minna Meriluoto. Wenn Annica Sjölund nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückfindet, dann kann es besser als Rang 10 werden, aber die Konkurrenz ist stark.

11. KIF Örebro: Nochmal leider. Sie haben sich verstärkt mit dem tschechischen Zwillingspaar Lucie und Irene Martinkova, aber sie haben Marie Hammarström verloren, die wohl zentrale Spielerin des gesamten Teams. Das wird ihnen zu schaffen machen, ebenso, dass Edda Gardarsdottir, die hart schuftende Mittelfeldspielerin, mit ihrer Freundin Olina Vidarsdottir nach London gegangen ist. Sarah Michael kann an ihren guten Tagen Weltklasse sein. Örebro wird einige dieser Tage brauchen, um sich in der Liga zu halten.

12. Mallbacken: Wenn schon der eigene Trainer sagt, dass man einen äußerst dünnen Kader und auch schmale Ressourcen hat… Es gibt diese Überraschungsaufsteiger, die selber davon überrascht werden, auf einmal (wieder) in der ersten Liga zu sein. Wenn man dann nicht investieren kann, muss man auch mit dem Schlimmsten rechnen. Gerne hätte Mallbacken ja noch eine Stürmerin verpflichtet, aber Trainer Stefan Johansson sagte auf dem Pressetreffen, dass man keine gefunden habe… Ja, dann.

Ohne Öqvist

Nach einem Jahr Babypause war für Samstag das Comeback vonm Josefine „Jossan#“ Öqvist erwartet worden, beim Spiel der Nationalmannschaft gegen Island. Daraus wird nun nichts. Beim Training zog sich die Stürmerin eine Zerrung im Oberschenkel zu, sie wird daher nicht zum EInsatz kommen.

Erkältet sind die Zwillingsschwestern Kristin und Marie Hammarström.

Josefine Öqvists Vereinskameradin, die 17-Jährige Marija Banusic schoss den einzigen Treffer in der U19-Vorentscheidung in Holland gegen den Gastgeber. Schweden ist Titelverteidiger, spielt aber naturgemäss mit einem wesentlich veränderten Team, in dem aber mit Malin Diaz noch die Schützin des Siegestores im letztjährigen Finale gegen Spanien steht.

Josefine Öqvist spielt für Kristianstad

So allmählich setzt sich das Puzzle der nächsten Saison zusammen. Nachdem am Freitag schon einige spektakuläre Wechsel bekannt wurden, stellte Kristianstads DFF heute am frühen Nachmittag die 70-fache Nationalspielerin Josefine Öqvist als Neuzugang vor.

Öqvist und Kristianstad kommt mehr als erwartet, denn nach der Geburt ihrer Tochter Stella im Juli war die Stürmerin nach Malmö zu ihrem Freund Stefan Lassen gezogen. Lassen steht bei den Malmö Redhawks als Eishockeyprofi unter Vertrag.

Da bei LdB FC Malmö alle Plätze im Angriff besetzt sind, kamen als potentielle Spielorte der 29-Jährigen  nur Vittsjö und Kristianstad in Frage, wenn die Familie zusammen bleiben wollte. Vittsjö war zwar Sechster als Aufsteiger, aber Kristianstad hat das etabliertere Team und dort wird die schnelle Angreiferin nun neben Johanna Rasmussen, Susanne Moberg und Jungstar Marija Banusic eine starke Offensive bilden.

Wie üblich spare ich mir die formelhaften Aussagen auf Pressekonferenzen bei der Vorstellung neuer Spielerinnen.

Pokal, Runde 3, Teil 2

Dass der schwedische Pokal glanzlos über die Runden gebracht wird, darüber regen sich Frauenfußballfans und -experten schon seit Jahren auf. Umsonst. Vergangenes Jahr wurde das Finale zwischen Kopparberg/Göteborgs FC und Tyresö FF im Fernsehen übertragen, es war sogar hinreichend dramatisch und erst im Elfmeterschießen von der Heimmannschaft (!) gewonnen, aber es kamen dennoch nur 920 Zuschauer. Das nimmt man grad nun gern zum Vergleich, wenn in Köln beklagt wird, dass „nur“ knapp 16.000 den FC Bayern seinen ersten großen Titel gegen bis heute in dieser Saison titellose Frankfurterinnen gewinnen sahen.

Immerhin: Gestern Abend kamen zum Zweitligisten Sirius in Uppsala sage und schreibe 1.526 Zuschauer zum Pokalspiel der dritten Runde. Warum? Marta Vieira da Silva war zu Gast und im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen, die in solchen Begegnungen die Stars auf der Bank sitzen lassen, muss man Tyresö und seinem Trainer Stefan Fredriksson ein Kompliment machen. Zwar ließ auch er Torfrau Carola Söberg, dazu Linda Sembrant, Johanna Frisk und Madelaine Edlund zunächst auf der Bank sitzen und gab den Reserven Jessica Höglander (U19-Nationaltorfrau), Jennifer Egelryd, Pauline Hammarlund (U19-Torschützin beim 1-0 in Västerås, das Deutschland aus der EM kickte) und Helén Eke einen Starteinsatz, aber Superstar Marta spielte von Beginn an und wurde erst nach 75 Minuten vom Feld geholt. Bis dahin war das Spiel aber auch schon gelaufen. Kirsten van de Ven hatte zweimal getroffen und Lisa Dahlkvist ihren ersten Treffer in einem Wettbewerbsspiel für Tyresö erzielt. Da war nur noch Statistik, als am Ende U16-Nationalspielerin Marija Banusic (die ich im Januar traf und deren Talent mich sehr beeindruckte) noch das umjubelte Ehrentor schoss.

Djurgården verbrachte den Abend in Västerås beim Drittligisten Gideonsberg und gewann locker mit 8:0. Torschützen: Mia Jalkerud, Sofia Nilsson (je 2), Madeleine Stegius, Irma Helin, Natalia Rickne, Linda Lundberg. Dort stand Ersatztorfrau Tove Enblom erstmals in einem Wettkampfspiel zwischen den Pfosten.

Jitex gewann 7:0 in Mariestad, einem idyllischen Ort am südlichen Ufer des großen Vänern-Sees. 200 Zuschauer sahen Tore von Annica Sjölund (3), Caroline Lindblad, Kristine Lindblom, Christina Julien und Kristin Karlsson.

Nach drei Niederlagen in Folge gewann Umeå IK sein Auswärtsspiel beim Tabellenführer der zweiten Liga Nord, Sunnanå SK, mit 2:1. Nationalspielerin Emma Berglund brachte Umeå durch einen Foulelfmeter in der zweiten Halbzeit in Führung. Nina Jakobsson glich nach Vorlage von Perpetua Nkwocha aus. Jenny Hjohlman sorgte schließlich für die Entscheidung in der 67. Minute, obwohl Sunnanå durchaus Chancen zum Ausgleich hatte. Die UIK-Spielerinnen, deren bizarre Trikot- oder besser Hosenbodenwerbung ich in einem Ohne-Worte-Post gezeigt habe, feierten den Sieg mit einem Duschwettkampf zwischen Caroline Jönsson und Pernilla Nordlund, deren Siegerin mir aber nicht gemeldet wurde.

Ebenfalls nur 2:1, wenn man so will, siegte der Pokalsieger 2010 KIF Örebro bei Jennifer Meiers früherem Club Bollstanäs SK. Sarah Michael und Marie Hammarström schossen die Tore für die Gäste, den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Jocelyn Charetteerzielt.

In einem Spiel zweier Drittligisten gewann Torslanda bei Stångenäs mit 5:4.

Und in Stockholm trafen die Traditionsclubs Hammarby und AIK aufeinander. Der Erstligist AIK siegte durch einen Treffer von Clara Markstedt verdient mit 1:0. Allerdings war ein Klassenunterschied weder im Ergebnis noch im Spiel zu bemerken. Der größte Unterschied zwischen beiden Teams schien mir, dass Hammarby, dass eben bis auf die Torhüterin einen völlig neuen Kader hat, sich in allen Mannschaftsteilen noch finden muss. AIK ist da wesentlich weiter. Der Tabellenletzte der Damallsvenskan hatte in Malin Diaz und Elin Bragnum seine besten Spielerinnen. Die früheren Hammarby-Spielerinnen Nazanin Vaseghpanah und Madeleine Tegström wurden eingewechselt.

Aufsteiger schlägt Absteiger

In einem Testspiel vor der ebenfalls im April beginnenden letzten Auflage der Norrettan, der zweiten Liga Nord, besiegte Aufsteiger IK Sirius aus Uppsala den Erstligaabsteiger Hammarby IF DFF mit 3:2. Es ist das erste Trainingsspiel unter freiem Himmel für beide Vereine, aber trotzdem wohl ein kleiner Fingerzeig, dass die Befüchtungen, dass Hammarby möglicherweise Probleme mit der Qualifikation für die 2013 zu bildende Superettan haben könnte, nicht unangebracht sind. Die letzte Saison noch für Djurgården spielende Caroline Lundberg war mit einem Assist und einem Treffer maßgeblich an Sirius Sieg beteiligt. Jugendnationalspielerin Marija Banusic, die mir beim Cup Kommunal vor einigen Wochen in der Halle imponierte, spielt in der neuen Saison übrigens für Sirius. Auf die Entwicklung der 16-Jährigen darf man sehr gespannt sein.