Deutschland praktisch Gruppensieger

Der angepeilte Gruppensieg ist der deutschen Mannschaft bei der Fussball-WM in Kanada kaum noch zu nehmen. Nach dem 1:1 gegen Norwegen in Ottawa müssten die Norwegerinnen schon die Elfenbeinküste mit 8:0 schlagen und Deutschland nicht über ein 1:0 gegen Thailand hinauskommen.

Es spricht also vieles dafür, dass Deutschland am Samstag, den 20. Juni um 16.00 Uhr Ortszeit dann zum dritten Mal im Lansdowne Stadion von Ottawa einlaufen wird. Gegner könnten dann die Niederlande, China, Kamerun, Schweden, Nigeria oder Australiern sein. Das Viertelfinale für den Sieger dieser Begegnung findet im knapp drei Stunden entfernten Montreal statt, wo auch ein eventuelles Halbfinale für Deutschland angesetzt würde. Erst zum Finale am 5. Juli müsste man dann wieder in ein Flugzeug steigen und nach Vancouver weit in den Westen fliegen.

Nadine Angerer zeigte sich im Interview mit der Homepage des DFB begeistert von der Leistung in der ersten Halbzeit. Die Norwegerinnen hätten nicht mehr gewusst, wo hinten und vorne sei. Allerdings vermasselte dann die mangelhafte Chancenauswertung den Deutschen den Sieg. Über das deutliche Nachlassen in der zweiten Halbzeit sagte Angerer: „Ich möchte nicht ständig auf dem Thema Kunstrasen herumreiten, aber er ist sehr stumpf und hart. Das ist energieraubend. Wenn es 20 Grad Außentemperatur sind, sind da unten durch die Unmengen von schwarzem Granulat 40 Grad. Das ist super heiß. Unser Spiel ist sehr kraftraubend und auf so einem Boden natürlich doppelt und dreifach“

Maren Mjelde wars natürlich hoch zufrieden nach ihrem spektakulären Freistosstor: „Ich bin sehr glücklich, dass er reingegangen ist, und vor allem natürlich gegen Deutschland. Ich habe den ganzen letzten Monat sehr viel geübt,“ sagte sie nach dem Spiel zu Bergens Tidende. „Wir wissen, dass wir mental stark sind und gute Fähigkeiten haben. Wir haben darüber gesprochen, dass wir in allen Zweikämpfen auf dem Platz stark sein müssen, weil sie uns da überall geschlagen haben. Wir mussten schneller sein und haben das Spiel nach der Halbzeitpause besser kontrolliert.“

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Maren Mjelde verlässt Schweden

MarenNach nur einem halben Jahr in Schweden bei Kopparberg/Göteborgs FC zieht die ehemalige Potsdamerin Maren Mjelde abermals weiter und zwar in ihre Heimat Norwegen. Gestern vermeldete der Fußballimpresario Arne Utvik, dass Mjelde aus ihrem Vertrag in Schweden herausgekauft worden sei und zwar für eine nicht genannte, beträchtliche Ablösesumme und dass die 25-Jährige künftig für Utviks Truppe Avaldsnes IL spielen wird.

Die Kapitänin der norwegischen Nationalmannschaft ist neben Elise Thorsnes nun die zweite Nationalspielerin, die Utvik für die neue Saison nach Avaldsnes geholt hat.

Mit der Verpflichtung von Trainer Tom Nordlie hatte Utvik bereits ein Zeichen gesetzt. Der 52-Jährige hat im Männerfußball vorher die Erstligisten Odd, Vålerenga, Start, Viking, Lillestrøm und Fredrikstad trainiert. Sein Vorgänger Arne Møller schloss die Saison 2014 mit Avaldsnes auf einem für Arne Utvik enttäuschenden fünften Platz ab und musste gehen. Das Ziel des Vereins im Südwesten Norwegens ist weiterhin die Champions League.

Nordlie: „Ich bin nicht hierhin gekommen, um Siebter zu werden. Ich bin hier, um etwas aufzubauen. Ich will, dass die Mannschaft norwegischer und jünger wird.“ (BERGENS TIDENDE, 15.12.2014)

Mjelde selber sagte der Zeitung Haugesunds Avis: „Es gibt viele Gründe, warum ich Avaldsnes zugesagt habe. Ich komme meiner Familie in Bergen näher. Darüber hinaus kommt mein Freund aus Stord. Darüber hinaus habe ich die Möglichkeit, als Profi in Norwegen zu leben. Ich rechne auch damit, dass Avaldsnes in der kommenden Saison um die Meisterschaft spielen wird, ich komme nicht, um Dritter zu werden.“

Maren Mjelde sagte weiter, dass sie in Avaldsnes im zentralen Mittelfeld nach vorn spielen werde, was ihre Wunschrolle sei und wo sie sich entwickeln möchte.

Die Entscheidung, nach Avaldsnes zu wechseln, traf Maren Mjelde bereits vor Weihnachten, aber da Göteborg die Spielerin behalten wollte, haben sich die Verhandlungen bis zuletzt hingezogen.

Dem Mäzen Arne Utvik zufolge wird Maren Mjelde die bestbezahlte Spielerin in Avaldsnes sein.

 

Linköpings FC gewinnt den schwedischen Pokal

Vor 1.200 Zuschauern in der heimischen Linköping Arena gewann der LFC am Donnerstagabend das Finale um den schwedischen Pokal mit 2:1 gegen Kristianstads DFF.

Ein hochverdienter Sieg, an dem es nichts zu deuteln gibt. Allerdings ist auch der Kader Linköpings wesentlich besser als der des wirtschaftlich arg gebeutelten Gastes. Mit der Dänin Janni Arnth Jensen und der Portugiesin Claudia Neto von Beginn an bot Trainer Martin Sjögren gleich zwei der vier Neuverpflichtungen aus der Sommerpause auf. Beide boten eine gute Partie und besonders Neto wusste durch brillante Technik und gute Spielübersicht zu gefallen.

Dennoch begann das Spiel denkbar schlecht. Charlotte Rohlin gab ihr Comeback in der Innenverteidigung und nach drei Minuten war klar, warum Pia Sundhage sie (noch?) nicht in den Nationalmannschaftskader berufen hat. Rohlin vertändelte den Ballin der Mitte der eigenen Hälfte gegen Susanne Moberg, die mit einem Ball in die Tiefe Marija Banusic bediente. Die 18-Jährige, die gerade wieder mal in den Nationalmannschaftskader berufen wurde, lief ein paar Schritte und spielte dann der herauseilenden amerikanischen Torhüterin Katie Fraine den Ball überlegt und eiskalt durch die Beine ins Tor.

Das hätte ein sehr schweres Spiel für den Gastgeber werden können, wenn es Kristianstad gelungen wäre, die eigenen Reihen zu schließen. Aber keine drei Minuten später leistete sich Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl einen kapitalen Fehler. Pernille Harder hatte die 20-Jährige Fridolina Rolfö in Szene gesetzt und im Nachsetzen gelang Rolfö der Ausgleich als Lindahl sträflich ihr kurzes Eck vernachlässigte.

Überhaupt war Rolfö eine der stärksten Akteure in der ersten Halbzeit und verschwand dann zunehmend in der Wärme des Abends. Mir selber hatte sie vor eineinhalb Wochen noch genau das gesagt, dass sie physisch arbeiten müsse, um ein anfangs sehr hohes Tempo auch über 90 Minuten durchhalten zu können. Junge Talente müssen kontinuierlich an die Nationalmannschaft beim nächsten Mal wieder nicht berücksichtigt werden, sagte TV-Expertin und Ex-Nationalspielerin Frida Östberg (früher Umeå IK und Linköpings FC) in der Pause und übte damit für schwedische Verhältnisse recht offene Kritik an der Nominierungspraxis von Pia Sundhage; ganz in dem Sinn, in dem ich mich hier auch schon vor wenigen Tagen geäußert habe.

Rolfö war gegen England dabei, bekam keine Minute Spielzeit. Jetzt ist Banusic gegen Polen dabei und vermutlich wird es ihr ebenso ergehen wie Rolfö zuletzt. Schön, dass beide Youngster am Donnerstagabend das Spiel mit ihren Toren eröffneten.

Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich der Gastgeber viele Chancen, die Lindahl teils mit großartigen Reflexen auf der Linie verhinderte. Da machte sie ihren Fehler aus der sechsten Minute mehrfach wieder gut.

In der zweiten Hälfte, als Linköping dann noch einen Gang höher schaltete, dann wieder ein Lindahl-Fehler und die Entscheidung. Pernille Harder, die allmählich wieder zu ihrer Großform zurückfindet (Vertrag läuft Ende 2014 aus für alle, die an einer der wohl besten Spielerinnen ihres Alters in Europa interessiert sind...), spielte sich auf der linken Seite durch und schoss aus spitzem Winkel aufs Tor und Hedvig Lindahl boxte den Ball fast genau vor die Füße der schräg vor ihr auftauchenden zweiten von drei Däninnen in der Startelf Linköpings, Marianne Gajhede Knudsen, die das Spiel dann entschied.

Kristianstad wechselte nur einmal aus, Trainerin Elisabet Gunnarsdottir wusste sicher auch, dass sie auf der Bank niemanden mehr hatte, der dem Spiel eine entscheidende Wendung hätte geben können. Linköping hatte alles im Griff und gewann hochverdient den Pokal zum vierten Mal. Abermals lieferte Innenverteidigerin Mia Carlsson eine tolle Partie ab.

In einem Spiel der Damallsvenskan am Donnerstagabend schlug Kopparberg/Göteborgs FC Piteå mit 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Lisa Ek in ihrem Comeback für Göteborg bereits nach drei Minuten. Piteås Torfrau Hilda Carlén soll die beste Spielerin auf dem Platz gewesen sein und weitere Treffer Göteborgs, in der auch Maren Mjelde ihren Pflichtspieleinstand im defensiven Mittelfeld gab, verhindert haben.

Die Tabelle:

Die Woche in Schweden

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Die Aufsteiger AIK und Eskilstuna trennten sich gestern 2:2 unentschieden (rechts: AIKs finnische Nationalspielerin Maija Saari)

Acht Spiele haben in der letzten Woche stattgefunden in der Damallsvenskan und nun steht noch ein Spiel an (die Ligaausgabe des Pokalfinales KIF Örebro – Linköpings FC), bevor alle Spielerinnen und Betreuer in den schwedischen Sommerurlaub gehen können.

An der Spitze breitet sich die erwartete Langeweile allmählich aus. Ich möchte leider behaupten, dass die Saison 2014 als eine Spielzeit in die Annalen eingehen wird, die man einfach voraussagen konnte.

Rosengård schlug am Mittwochabend Piteå mit 6:1 und tat einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft. Kein anderer Verein wird die Südschwedinnen auch nur annähernd gefährden können. Überragend Anja Mittag, die mit drei Toren und zwei Assists ebenfalls unangefochten Richtung Torschützenkönigin und „Stürmerin des Jahres“ marschiert. Anja hat jetzt 12 Tore erzielt und auch wenn Ex-Mitspielerin Manon Melis sechs der zehn Tore von Kopparberg/Göteborgs FC gegen AIK (6:0) und Jitex (4:0 erzielte und mit elf Toren nur einen Zähler hinter Mittag rangiert, muss man anmerken, dass Manon Melis ihre Tore gegen die beiden schwächsten Teams der Liga erzielt hat, Anja dagegen immer trifft.

Die einzige Entscheidung, die für Spannung sorgen dürfte, ist Platz zwei, immehin relevant für einen Champions-League-Platz in der Saison 2015/16. Da hat KIF Örebro derzeit die Nase vorn, drei Punkte hinter Rosengård und drei Punkte vor Göteborg, das wie bemerkt, einiges für sein Torverhältnis getan hat. Die Westschwedinnen bekommen nach dem Urlaub auch noch Verstärkung durch Maren Mjelde (Potsdam) und Lisa Ek (Rosengård), die nach sportlich unglücklichen 1,5 Jahren (Kreuzbandriss) in Malmö wieder die Küste hinaufzieht.

Auch Linköping kann, sechs Punkte hinter Örebro, durchaus noch eingreifen in den Kampf um den zweiten Platz. Nach Tyresös Rückzug hat die UEFA ja entschieden, dass der LFC Champions League spielen darf in der kommenden Saison. Und Trainer Martin Sjögren shloss auch Verstärkungen nicht aus.

Überhaupt dürften vor allem die drei genannten Teams ihre Reihen nochmals verstärken, wobei KIF Örebro finanziell den geringsten Spielraum hat.

Denn alle anderen Plätze werden unstrittig sein oder haben keine besondere Bedeutung. Neben dem erwartungsgemäß ausgestiegenen Tyresö FF dürfte mit der Mädchenmannschaft von Jitex BK der zweite Absteiger ebenfalls feststehen. Null Punkte aus elf Spielen sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn man „nur“ 33 Gegentore kassiert hat. Die Mölndaler (Mölndal ist ein Stadtteil von Göteborg) hatten wurden vor der Saison von rund 15 Spielerinnen verlassen und haben sich aus überwiegend sehr jungen Zweitligaspielerinnen ein neues Team für die erste Liga aufgebaut, der Abstieg war vorprogrammiert.

Auch wenn da noch nicht aller Tage Abend ist, mathematisch. Denn in der Theorie kann man die sieben Punkte Rückstand auf AIK durchaus aufholen, praktisch aber wäre das so, wenn der Iran bei der Herren-WM das Halbfinale erreicht hätte.

 

Maren Mjelde nach Schweden

marenUmeå IK hat nach drei Spielen ein Torverhältnis von 1:0. Gestern gab es daheim in der T3-Arena (einstmals Gammliavallen) ein am Ende durchaus glückliches 0:0 gegen Kopparberg/Göteborgs FC. Die Göteborgerinnen hatten sich vergangenes Jahr bei einem alles andere als glücklich verlaufenen Wechsel die Dienste von Andrine Stolsmo Hegerberg gesichert. Heute nun wurde bekannt, dass mit Maren Mjelde im Sommer die zweite Norwegerin Potsdam Richtung Göteborg verlassen wird. Die Nummer 3, Megatalent Ada Stolsmo Hegerberg hat noch Vertrag bis zum 30.06.2015. Dass Mjelde Potsdam verlassen würde, konnte man mehr als deutlich schon zwischen den Zeilen in einem Interview der Bergens Tidende in der vergangenen Woche lesen. Da sagte Mjelde, dass man in Potsdam leider nur erfahren würde ob man spielt oder nicht und keine konkreten Ratschläge bekomme, um sich spielerisch zu verbessern. Außerdem spiele man dort mit einer Dreierkette und Manndeckung, was im europäischen Spitzenfußball eher ungewöhnlich sei, so die 24-Jährige Norwegerin. In der heute offiziellen Erklärung gab Mjelde vor allem private Gründe für den Wechsel an, da sie näher an Oslo wohnen wolle, wo sowohl ihr Bruder Erik studiere wie auch ihr/e Liebste/r (im Norwegischen wird das nicht zwangsläufig deutlich, ist aber auch sowieso irrelevant) Göteborg hatte sich bereits vor der Saison mit einer weiteren Spielerin aus der Bundesliga, der Niederländerin Lieke Martens verstärkt, die bislang einen exzellenten Saisonstart hatte.

In Örebro gab es wieder einmal einen Galaauftritt der Nigerianerin Sarah Michael, die beim 3:1 gegen Vittsjö zwei Tore schoss und eines vorbereitete.

Die schwedische Meisterschaft könnte 2014 spannender werden, als man vor Beginn geglaubt hat. Denn Rosengård wird es mit Göteborg und Linköping im Titelkampf zu tun bekommen. Der gestrige Ausrutscher des Meisters hat gezeigt, dass der Abstand geringer ist als vermutet. Zu Tyresö, das auch wenn es nicht spielt, immer für neue Nachrihten gut ist, im nächsten Post.

Heia Norge!

Ich gebe es zu. Ich bin für Norwegen. Nicht gegen Deutschland. Aber für Norwegen. Seit vierzehn Tagen bin ich im Turnier und seit vierzehn Tagen habe ich nun mit der norwegischen Mannschaft zu tun. Ich habe mit zahlreichen Spielerinnen geredet, konnte das Training der Mannschaft beobachten und habe wie viele andere die entspannte, familiäre Atmosphäre im norwegischen Team untereinander, aber auch mit den Fans beobachtet und genossen.

Da wird nicht abgeschirmt, quotiert, ausgesperrt, verweigert. Da wird das norwegische Fernsehen NRK natürlich mit Interviews gefüttert, aber die anderen, die sich für den Frauenfußball einsetzen, werden nicht stiefmütterlich behandelt und lediglich zu nichtssagenden und langweiligen Pressekonferenzen eingeladen. Die Norweger freuen sich über jeden, der Interesse zeigt und hilft, den Sport zu fördern.

Många bäckar små, sagen wir in Skandinavien. Viele kleine Rinnsale werden zum Fluss.

Die norwegische Pressekonferenz fand voillständig auf Englisch statt, damit alle Journalisten gleichermaßen teilnehmen konnten und die norwegischen Medien wurden keineswegs bevorzugt. In Deutschland gibt es Vorfahrt für Deutschland. Auch die öffentlichen Kanäle und Zeitungen führen sich oft dementsprechend auf. Das fällt auf. Wie angenehm dagegen die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Norwegen.

Nach dem Training dann Mixed Zone. Gelegenheit, ohne vorher in jahrelangen Beziehungsgeflechten zwischen Presseabteilung und Journalisten ausgehandelte Privilegien mit Spielerinnen zu sprechen. Regel: Wer zuerst steht, mahlt zuerst.

Maren Mjelde

Maren Mjelde

Maren Mjelde. Am Donnerstag haben wir uns zuzletzt getroffen. Da warst du sehr müde nach dem Spiel. Wie sieht das heute aus?

„Ja, da war ich schon sehr müde. Aber jetzt bin ich wieder fit. Ich bin erwartungsvoll und richtig glücklich. Diese Arena ist einfach Wahnsinn. Eine fantastisch schöne Arena. Das wird ein unglaublich schönes Erlebnis, hier spielen zu dürfen.

Morgen sind dann ja auch viele Leute hier, da geht dann wirklich ein Traum für mich in Erfüllung. Heute Abend werden wir nicht mehr so viel machen. Ausruhen, uns auf das Spiel mental vorbereiten. Ich schlafe normalerweise sehr gut, ich glaube, das wird auch heute Abend klappen. Nach dem Finale habe ich dann noch eine Woche frei, gehe nach Norwegen und dann ist es wieder Zeit für das Training in Potsdam.“

Ada Hegerberg

Ada Hegerberg

„Für mich war das bisher ein geradezu unglaubliches Jahr,“ erzählte mir Norwegens Supertalent Ada Hegerberg.

„Ich habe gleich ein paar Schritte als Fußballspielerin getan und mich doch sehr weiterentwickelt. Es ist nicht einfach, auf diesem Niveau zu bleiben, um dann auch hier spielen zu können. Man kann wirklich sagen, dass das ein arbeitsreiches Jahr ist,“ so Ada.

Ada, die mit gerade einmal 18 Jahren und 18 Tagen unglaublich reif wirkt. Ada, die nach dem Training immer eine der Letzten ist, die noch trainieren. Schüsse aufs Tor. Liegestütze und Balanceübungen mit Händen und Füßen auf Bällen. Eine fleißige Arbeiterin ohne Allüren mit dem fußballerischen Talent und, viel wichtiger dem Charakter, den es braucht, um eine ganz Große zu werden. Eine uneingebildete, herrlich normale junge Frau, die mit beiden Beinen auf der Erde steht.

Ich habe in den Jahren, in denen ich nun Frauenfußball verfolge und darüber schreibe, viele Talente gesehen. Das, was letztlich die Spreu vom Weizen trennt, ist der Charakter. Jedenfalls bilde ich mir das ein. Der Fleiß, die Energie, aber nicht zuletzt auch die Demut. Ada Hegerberg hat das Zeug dazu. Es wird sehr interessant sein, ihren weiteren Weg zu verfolgen. Wenn sie sich nicht schwer verletzt und wenn sie am Boden bleibt, dann wird man sehr viel von ihr hören.

Genug des Lobes.

Sowohl meine Schwester Andrine als auch ich sind im Januar bei Mutter und Vater ausgezogen und haben unsere Eltern erst einmal alleine gelassen. Aber uns geht es gut in Deutschland und wir haben schon viel Besuch bekommen,“ erzählt sie mir. „Natürlich entwickelt man sich dadurch auch weiter als Mensch.“

Ingrid Hjelmseth

Ingrid Hjelmseth

Wesentlich routinierter dagegen die 33-Jährige Torfrau Ingrid Hjelmseth. Sie schaut sich mein Namensschild genau an, als ich sie gefühlt zum fünften Mal während des Turniers anspreche.

Ich denke, das Niveau der Torhüterinnen hat sich deutlich erhöht. Wir haben in diesem Turnier wirklich eine ganze Reihe guter Torfrauen gesehen,“ sagt Hjelmseth und ist nach Meinung vieler, die ich getroffen habe, die Beste von allen, nicht erst seit ihren beiden Glanzparaden im Elfmeterschießen gegen Dänemark.

Nein, ich habe noch nicht geschaut, wie die Deutschen Elfer schießen,“ beantwortet sie meine Frage. „Aber ich gehe davon aus, dass unser Trainerteam sich das angesehen hat. Spielerisch gesehen glaube ich, dass wir ein ähnliches Spiel wie das in Kalmar sehen werden. Jetzt hatten alle von uns Gelegenheit, wieder Kräfte zu sammeln und ich glaube auch, dass selbst wenn jemand müde sein sollte, so wird sie beflügelt werden beim Gedanken an das Finale und die 50.000 Zuschauer, die da morgen auf uns warten.“

Solveig Gulbrandsen

Solveig Gulbrandsen

Und schließlich läuft mir noch Solveig Gulbrandsen über den Weg, eine Spielerin, die ich extrem schätze, ein Genuss, sie am Ball zu sehen. Sie kann das Spiel langsam oder schneller machen, den Ball halten, andere in Szene setzen und selber Tore schießen.

Wird das dein größtes Spiel morgen? Du hast ja doch schon einiges in deiner Karriere erlebt.

Es ist schwer, diese Spiele alle miteinander zu vergleichen,“ sagt Solveig Gulbrandsen. „Es wird ein großes Spiel, keine Frage, das ist ein tolles Stadion und das wird ein großer Spaß werden. Ich habe schon einige FInals gespielt und wie gesagt ist es schwer, das zu vergleichen. Wir sind wirklich wie eine große Familie in unserem Team. Wir haben einen großartigen Zusammenhalt. Für mich ist das unglaublich, denn vor einem halben Jahr wusste ich wirklich nicht, dass ich heute hier sein würde.“

 

Testspiele am Samstag

Am Samstag spielten schwedische Mannschaften eine Reihe von Testspielen.

Bereits um 11.00 Uhr standen sich KIF Örebro und Djurgården in der Behrns Arena gegenüber. Eine Neuauflage des Pokalfinales von 2010. Örebro dominierte wie Erwarten nach Belieben, erzielte aber lediglich zwei Tore durch die Youngster Moa Narving (19) und Linda Hallin (16). Djurgården sieht vor der neuen Saison recht schwach aus. Zwar hat man sich mit Anna Lindblom gut verstärkt, schwerer wird aber der Verlust von Dora Maria Larusdottir und Emma Lundh werden. Auf beiden Positionen gibt es keinen auch nur annähernd vergleichbaren Ersatz, sondern eine bunte Sammlung junger Spielerinnen,die ihre Feuertaufe erst noch bestehen müssen.

Umeå IK und Sunnanå SK spielen ständig gegeneinander, naja sagen wir öfters. Für beide Teams aus dem Norden ist es auch schwer, ohne längere Reisen machen zu müssen, gute Gegner zu finden. Heute siegte der Erstligist mit 3:2. Jenny Hjohlman, Ogonna Chukwudi und Linda Molin hatten den Gastgeber 3:0 in Führung gebracht, ehe dann gegen Ende Erika Nilsson Waara und Perpetua Nkwocha gute Ergebniskosmetik betrieben. Nächste Woche dürften sich beide Teams wiedersehen beim Norrporten Cup.

Die aus den USA nach Dänemark zurückgekehrte Tiffany Weimer schoss das Tor des Tages als Fortuna Hjörring den schwedischen Goldanwärter Linköpings FC verdient, aber etwas überraschend mit 1:0 schlug. Die Schwedinnen sind allerdings gestern lange mit dem Bus unterwegs gewesen und bleiben noch ein paar Tage in Dänemark. Immerhin hielt Sofia Lundgren einen Elfmeter der Norwegerin Lisa Marie Woods in einer Begegnung, in der die Däninnen tonangebend waren.

Noch ein Spiel mit zwei Teams aus der Damallsvenskan fand statt. Jitex BK besiegte Aufsteiger Vittsjö GIK mit 2:0 nach Toren von Christina Julien und Elin Carlsson. Laut Homepage von Vittsjö eine ausgeglichene Angelegenheit, das habe ich öfter bei Vittsjö gelesen, aber all diese Spiele gehen verloren.

Auf Lidingö bei Stockholm gewann Piteå auch sein zweites Spiel im Trainingslager, dieses Mal 6:0 gegen Zweitligist Bollstanäs SK. Jessica Olovsson 2, Hanna Petterson, Victoria Forsmark und Jennifer Nobis trafen, der sechste Treffer war ein Eigentor. Das erste Spiel hatte Piteå am Mittwoch 3:1 gegen Djurgården gewonnen.

Tyresö will unbedingt Meister werden in diesem Jahr, aber eine meisterliche Berichterstattung auf der eigenen Homepage steht noch aus. Um herauszufinden, wie denn das erste Spiel beim Traningslager von Marta & Co. in der Türkei ausgegangen ist, musste ich meine Norwegischkenntnisse hervorkramen und auf die Seite des gestrigen Gegners Arna-Björnar gehen. 2:1 gewann Tyresö gegen das Team aus der westnorwegischen Stadt Bergen. Dabei verschoss Maren Mjelde in der 72. Minute einen Elfmeter und die große Chance zum Ausgleich für die Norwegerinnen. Wer für Tyresö traf, bleibt ein Geheimnis.

Blick nach Westen: Norwegen (1)

Die norwegische Liga Toppserien hat wie ihr schwedisches Pendant, die Damallsvenskan, zwölf Mitglieder. In diesem Jahr ist der Kampf um die norwegische Meisterschaft besonders spannend. Fünf Clubs haben nach gespielten 13 Runden noch die Möglichkeit Meister zu werden.

Punktgleich vorne sind Röa und Stabaek mit jeweils 30 Punkten, Röa hat eine um sechs Tore bessere Differenz.

Die Dynamite Girls, wie sie sich selber nennen,  haben bislang viermal die norwegische Meisterschaft gewonnen, zuletzt zwischen 2007-2009 und wurden letztes Jahr von Stabaek abgelöst. Nicht weniger als acht aktuelle norwegische Nationalspielerinnen stehen im Kader von Röa, die bekanntesten darunter vielleicht Lene Mykjåland und Elise Thorsnes.

Stabaek, ebenfalls aus Oslo, hat Röa schon vor einigen Jahren zum Hauptkonkurrenten ernannt. Beide Teams spielen in der Umgebung von Oslo. Röas Torfrau Caroline Knudsen hat Stabaek mal eine zusammengekaufte Mannschaft genannt, was da natürlich nicht sonderlich gut ankam. Aber Stabaek spielte bis 2007 noch in der vierten norwegischen Liga. Da ging jedoch die Erstligamannschaft Asker in Konkurs und Stabaek kaufte im Prinzip den Grossteil der Spielertruppe auf, avancierte schnell durch die Ligen und holte schon vergangenes Jahr den Meistertitel. Bekannteste Spielerinnen bei Stabaek sind Nationaltorhüterin Ingrid Hjelmseth, Lise Klaveness (früher Umeå IK), Trine Rönning und Melissa Wiik. Stabaek hat auch einige ausländische Spielerinnen: Amelie Rybäck (Schweden, früher Kopparbergs/Göteborgs FC), Kristy Moore (Neuseeland) und Maiken Pape (Dänemark).

Tabellendritter ist Arna-Björnar aus der westnorwegischen Stadt Bergen. Über das Hochgebirge der Hardanger Vidda fährt man gut neun Stunden von Oslo nach Bergen – eine atemberaubend schöne Fahrt, die zu den spektakulärsten Eisenbahnstrecken der Welt gezählt wird. Arna ist ein Stadtteil im Nordosten von Bergen, die Männer spielen brav in der vierten norwegischen Liga, sie Frauen sind seit 1997 erstklassig (ein Jahr verbrachten sie mal in der zweiten Liga). Auch Arna-Björnar haben aktuelle Nationalspielerinnen, dazu gehören Torfrau Erika Skarbö, Maren Mjelde und Madeleine Giske. Die einzige Ausländerin kommt aus – Deutschland. Seit wenigen Tagen gehört Torhüterin Tessa Rinke zu Arnar-Björnar. ie 24-Jährige stand früher in der Bundesliga beim SC Herford im Tor.