Alles entschieden in Schweden?

Zwei Spieltage vor dem Ende der Saison 2013 scheinen alle relevanten Entscheidungen in der Damallsvenskan gefallen zu sein. Im Fokus steht ab heute erst einmal die erste Hauptrunde der Champions League.

Nach dem gestrigen 1:1 von (Ex-?)Meister Tyresö FF bei Piteå konnte Malmö heute mit einem Heimsieg auf sechs Punkte davon ziehen.

Im Fernsehspiel dieser Runde gewann Malmö denn auch mit 4:2 über KIF Örebro. Ein ereignisreiches Spiel. In der ersten Halbzeit stand Anja Mittag mehrfach im Mittelpunkt des Geschehens vor lediglich 805 Zuschauern.

Aber erst einmal fiel das 1:0 für Malmö, eine typische Szene als Therese Sjögran sich auf der linken Seite auf engstem Raum gegen mehrere Gegenspielerinnen durchsetzte und dann schräg zurück nach innen passte. Da sah Manon Melis, was Sjögran vorhatte, lief in die Lücke und schoss das Führungstor.

Anja Mittag hätte dann auf 2:0 erhöhen können, wurde leicht am Arm gezogen und flog dann in hohem Bogen durch den Strafraum. Pernilla Larsson war aufgrund des Falls wohl überzeugt worden, zeigte auf den Elfmeterpunkt und Mittag lief selber an, schoss besser als vor Jahresfrist gegen Tyresö und Carola Söberg, aber Stephanie Labbé rettete mit einem beherzten Satz in die linke Ecke.

Vier Minuten später konnte Anja sich dann wieder bei Larsson bedanken. Nach einem Zweikampf mit der Nigerianerin Sarah Michael gingen beide zu Boden und reflexartig trat Anja der Nigerianerin leicht gegen den Oberschenkel. Etwas, das sie später in der Halbzeitpause schon arg bedauerte und zum Fernsehsender TV4 Sport sagte sie, dass sie sich selber gewundert habe, dass Pernilla Larsson ihr nur die gelbe Karte zeigte. Auch Michael reagierte zurück und sah ebenfalls nur gelb.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff zeigte Malmö dann seine Stärke, ein blitzschneller Angriff, ein brillanter Pass von Ramona Bachmann nach rechts außen auf Lina Nilsson, die aus vollem Lauf nach innen flankte und dort stand Kathleen „Paula“ Radtke und versenkte das Leder zum 2:0. Ähnlich schnell ging es zu, als Manon Melis dann Bachmann gar zum 3:0 auflegte. Und alles sah rosig aus.

Dass es heute nicht Anja Mittags Tag war, bescherte uns dann aber das Tor des Tages und wer kann so etwas besser schießen als Sarah Michael? Ein Kopfball zurück in die eigene Defensive von Anja landete vor den Füßen der Nigerianerin, die nicht fackelte und aus 22 Metern direkt und knallhart in den linken Winkel abzog.

Fast im Gegenzug dann das 4:1 durch ein Eigentor, wieder nach einer blitzartigen Attacke. Das sieht gut aus.

Was nicht gut aussieht vor der Champions-League ist, dass Örebro in den letzten 20 Minuten immer wieder Chancen bekam. Mittag und Bachmann gingen, für sie kamen Elin Rubensson und Yoreli Rincon. Und dann verletzte sich Lina Nilsson auch noch. Die Rechtsverteidigerin wurde ersetzt durch die erst 15-Jährige Sarah Mellouk.

Örebro kam zu mehreren Chancen, weil Malmö unter Druck durchaus anfällig ist für Flüchtigkeitsfehler. Hat der Gegner eine Klassestürmerin wie es Michael ist und auf europäischer Ebene gibt es mehr davon, dann ist Malmö verwundbar.

In der 87. Minute hat man das Spiel schon gewonnen und ist mit dem Gedanken in der Kabine oder gar zu Hause auf dem Sofa. Da gibt es Freistoß für Örebro und Marina Pettersson Engström zirkelt den von rechts in den Strafraum. Da steigt Malmös Ali Riley hoch, um sie herum aber drei (!) Örebroerinnen, die nur eine Gegnerin haben und Elin Magnusson kann schön zum 2:4 einköpfen.

Die Meisterschaft ist verdient. Die Meisterschaft MUSS in noch zwei ausstehenden Spielen nun mit einem Pünktchen gegen Umeå oder in Mallbacken gesichert werden, aber spätestens im Achtelfinale der Champions League gegen den VfL Wolfsburg braucht Malmö mehr als es in den letzten drei Spielen gezeigt hat. Die Spielerinnen sind jedoch fokussiert auf Lilleström SK, das gerade im norwegischen Pokal knapp an Stabæk gescheitert ist.

Auch der dritte Platz ist vergeben. Denn Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC versemmelt ein Spiel nach dem anderen und bezog heute eine bittere 0:3-Pleite bei Umeå IK. 0:7 Tore und ein Punkt aus den letzten vier Spielen, da kann man bei dem zwar kleinen, aber doch guten Kader schon von Krise sprechen und sollte Ursachenforschung betreiben. Die Verletzung von Johanna Almgren und vor allem der Weggang von Jodie Taylor haben das Team geschwächt. Aber was sagt das über Jessica Landström und Cathrine Dyngvold aus?

Den dritten Platz sicher hat Linköping nach seinem 2:1 Sieg bei Vittsjö. 16:3 Tore und 15 Punkte aus den letzten fünf Spielen, da hat man Göteborg elf Zähler abgenommen und holt sich das sogenannte „kleine Silber“ in Schweden. Theoretisch wäre auh noh Platz 2 drin, aber da müsste Tyresö völlig einbrechen und daheim gegen just Göteborg verlieren.

Und ganz unten ist auch fast alles entschieden. Denn zwei Runden vor Schluss liegt Jitex jetzt dank des Siegtores von Annica Sjölund gegen Kristianstad fünf Punkte vor Mallbacken, das sollte es also gewesen sein.

Zwei Runden vor Schluss. Zwölf Spiele stehen noch aus in der Liga und leider haben die Zuschauer kaum noch Dramatik zu erwarten. Malmös Meisterfeier müsste allem Ermessen nach am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Umeå besiegelt werden.

Vorher warten aber noch die LSK Kvinner und auf Tyresö am Mittwochabend Paris Saint-Germains. Am Dienstagnachmittag besuche ich die Pressekonferenz der Französinnen und halte euch auf dem Laufenden.

Spielerin der Woche: Pernille Harder (Interview)

 

Pernille Harder (Foto: Mirko Kappes)

Pernille Harder (Foto: Mirko Kappes)

Ich komme derzeit nicht ganz nach. Denn der 18. Spieltag läuft schon, vier von sechs Spielen sind absolviert (später dazu) und ich küre in diesem Post meine Spielerin der Runde 17.

Das ist etwas Neues und doch nicht, denn diese amerikanische „EInrichtung“ ist etwas Schönes, lenkt sie doch die Aufmerksamkeit auf eine konkrete Spielerin und trägt damit dazu bei, die Atrraktionskraft und das Interesse für den Frauenfußball zu erhöhen. Ich verstehe nicht, dass man so etwas Einfaches nicht auch offiziell in der Damallsvenskan einführt.

In Runde 17 schoss sie alle vier Tore für Linköpings FC beim Tabellenletzten Sunnanå. Damit erhöhte sie ihre Trefferquote auf 13 und zog an Anja Mittag vorbei auf Platz 2 der Torschützenliste.

Vor 2-3 Jahren habe ich Pernille Harder erstmals gesehen, damals im Dress der dänischen Nationalmannschaft und auf irgendeinem illegalen Live-Stream. Ich war tief beeindruckt von der jungen, hellblonden Stürmerin und erfreut, als sie dann vor gut einem Jahr auf einmal in die Damallsvenskan geworben wurde. Am Freitag habe ich mich mit Pernille unterhalten.

Warum bist du ausgerechnet nach Schweden und nach Linköping gegangen?

„Ich wollte im Ausland spielen, um neue Herausforderungen zu finden. Ich wusste natürlich, dass die schwedische Liga einen sehr guten Standard hat und gleichzeitig war ich mir darüber im Klaren, dass der Umzug nach Schweden als einem anderen skandinavischen Land, kein so großer Schritt sein würde. Natürlich gibt es Unterschiede, aber keine sehr großen und ich dachte, dass es nicht so schwer sein würde, mich gerade hier zu akklimatisieren.“

Wenn du die dänische 3F-Liga mit der Damallsvenskan vergleichen sollst?

„Die schwedische Liga ist ausgeglichener, in Dänemark gibt es zwei Mannschaften, die allen anderen überlegen sind und jedes Spiel mit vier, fünf Toren gewinnen. Es ist mehr Konkurrenz hier, auch wenn wir Malmö und Tyresö haben, aber in Schweden musst du wirklich in jedem Spiel hart arbeiten und das entwickelt dich als Spielerin. Und wir haben auch mehr Zuschauer in Schweden. In Dänemark liegen wir oft um die 100 Zuschauer und selbst während der EM, wo wir ja immerhin das Halbfinale erreicht haben, war anfangs das Interesse der Medien sehr gering. Das änderte sich aber dann, als wir ins Viertel- und dann ins Halbfinale eingezogen sind. Ich hoffe, dass wir eine gute Quali für die WM in Kanada spielen werden und damit dann mehr Leute für den dänischen Frauenfußball interessieren.“

Obwohl es mehr Konkurrenz in Schweden gibt, schien mir doch das Leistungsvermögen beider Nationalmannschaften relativ gleich stark zu sein. Ihr habt ein tolles 1:1 bei der EM gegen Schweden in Göteborg holt?

„Das war eine fantastische Erfahrung. Mit 17 000 Zuschauern die schreien und brüllen. Es war eine tolle Atmosphäre und ja, wir haben ein gutes Turnier gespielt, das natürlich noch besser gewesen wäre, wenn ich ein Tor geschossen hätte.

Ja und dann gab es nach der Gruppenphase die Auslosung zwischen Dänemark und Russland. Wie hast du das erlebt?

„Das war wirklich unglaublich, wir waren alle so nervös. Wir waren in Göteborg und hatten uns das Spiel England – Frankreich im Fernsehen angeschaut und dann vom Ergebnis Spanien – Russland gehört. Es dauerte unglaublich lange, bestimmt zwei Stunden, bevor ausgelost wurde. Die Auslosung fand in Linköping statt und die einzige Verbindung, die wir hatten, war eine Telefonleitung.“

Pernille, viele sehen dich als das größte Talent des dänischen Fußballa seit vielen Jahren und einige glauben, dass du eine der besten Spielerinnen der Welt werden kannst. Wie kommst du damit zu Recht?

„Naja, ich versuche immer so hart wie möglich zu arbeiten. Ich suche immer neue Herausforderungen und mein Ehrgeiz ist es, jeden Tag eine bessere Fußballspielerin zu werden. Wenn Leute so etwas über mich sagen, dann ist das natürlich ein tolles Kompliment und natürlich gefällt mir das. Aber Talent alleine reicht nicht aus, wenn du nicht hart arbeitest und das ist es, was ich versuche, zu tun. Alles, was ich tun kann, ist weitermachen und arbeiten.“

Ihr Trainer in Linköping, Martin Sjögren, der mit Malmö zwei Meistertitel gewonnen hat, sagt über sie: „Sie hat das meiste, was eine Spielerin braucht. Sie hat den Speed, sie kann mit beiden Füßen schießen und sie hat ein gutes Spielverständnis.“

Die schwedische Nachrichtenagentur TT schrieb nach Pernille Harders „Quattrick“ in Sunnanå, di 20-Jährige Dänin habe ein Feuerwerk abgebrannt.

Mit noch einem Jahr Vertrag in Linköping, wie siehst du die Entwicklung deiner Mannschaft, Pernille?

„Es ist sehr schwer, mit Malmö oder Tyresö zu konkurrieren, die haben beide einfach viel mehr Geld. Schau die einfach nur mal Malmös Offensive an mit Anja Mittag, Ramona Bachmann und Manon Melis. Aber wir haben eine junge Mannschaft mit vielen Talenten und wenn die alle beim Verein bleiben, dann kann das richtig gut werden.“

Was sie denn außer ihrem Freund, der Familie und den Freunden am meisten vermisse in Dänemark, will ich wissen. Die Antwort braucht einen Moment und dann sagt Pernille Harder: „Frisch gebackenes Roggenbrot. Das ist so gut und das gibt es hier einfach nicht.“

Malmö siegt im TV-Spiel

Dienstags um 19.20 Uhr gibt es einen freien Slot beim Sender TV4 Sport. Deshalb wird das Spiel der Woche oft zu dieser Zeit ausgetragen.

Gestern Abend waren LdB FC Malmö und Linköpings FC an der Reihe. Die Story ist schnell geschrieben. Nach dem Weggang von Nilla Fischer wirkte die Abwehr von Linköping unsicherer und Malmö kombinierte blitzschnell, ließ den Gegner gar nicht erst zu Zweikämpfen kommen, der Ball war immer schon weg, wenn eine Abwehrspielerin an ihre Gegnerin ran wollte.

1:0 Anja Mittag, ein blitzschneller Schuss nach einem herrlichen Zuspiel von Ramona Bachmann.
2:0 Manon Melis in einer für sie typischen Weise, 1-1 Situation nach Pass in die Tiefe, Lob über Torhüterin Lina Ringshamre
3:0 Ramona Bachmann nach Vorarbeit von Therese Sjögran auf dem linken Flügel und diagonaler Hereingabe in die Mitte
4:0 Katrin Schmidt mit einem herrlichen Schuss aus der Drehung an den Pfosten und von da ins Tor kurz vor Schluss.

Anja Mittag hatte noch einen Schuss, den Ringshamre an die Querlatte retten konnte. Große Überlegenheit Malmös, das jetzt nur noch vermeintlich leichte Gegner hat bis zum Saisonende und zwei Punkte vor und zwei Tore hinter Tyresö liegt.

Malmö liegt zweimal zurück, Ilestedt sieht rot und Tyresö verliert

Es war ein verrücktes Spiel vor der Rekordkulisse (für Tyresö) von 2.800 Zuschauern. LdB FC Malmö gewinnt mit 3:2 bei Tyresö FF und hält damit den Zweikampf um die Meisterschaft in Schweden offen. Beide Teams liegen nun punktgleich an der Spitze.

Marta konnte tatsächlich nicht spielen, ihre Rückenprobleme erwiesen sich inzwischen als Bandscheibenvorfall und damit die erste ernste Verletzung für die fünffache Weltfußballerin des Jahres. Möglicherweise fällt sie bis Saisonende aus, möglicherweise ist die in 5-6 Wochen wieder dabei, bei der Bandscheibe kann man keine sicheren Prognosen treffen.

Aber Trainer Tony Gustavsson hatte der Presse nach der knappen Niederlage doch noch ein Zuckerl zu verkünden: Man verstärkt sich noch einmal und zwar mit der amerikanischen Nationalspielerin Ali Krieger, die vom Tabellenletzten der NWSL, den Washington Spirits nach Schweden wechselt. Erst einmal bis zum Ende der Saison.

Krieger ist dann die fünfte Amerikanerin im Kader von Tyresö nach Christen Press, Meghan Klingenberg, Ashlyn Harris und Whitney Engen.

Das Spiel am Tyresövallen fand auch noch statt und in der ersten Halbzeit war das alles andere als Spitzenklasse, auch wenn Hans Löfgren dem Publikum mehrfach mit sich überschlagender Stimme bekanntgab, dass heute 15 Spielerinnen auf dem Platz stehen würden, die an der EM teilgenommen hätten und dass das Garant für absolute Weltklasse am Tyresövallen sei.

Doch Weltklasse sieht anders aus. Malin Levenstad spielte eine kümmerliche Partie, in der ersten Halbzeit war auch Lina Nilsson technisch oft überfordert. Symptomatisch für eine schwache Malmöer Leistung Manon Melis, die nur noch ein Schatten ihrer Selbst ist und die kaum noch etwas von dem Selbstvertrauen übrig hat, das sie einst zur besten Schützin der Liga machte.

Zehn Minuten waren gespielt, da ging ein besseres, weil hungriger auftretendes Tyresö in Führung. Jennifer Fuentes Hermoso zirkelte den Ball von halbrechts in die linke untere Ecke und meiner Meinung nach stand Thora Helgadottir da falsch, aber sie mag den Ball auch spät gesehen habe.

Die ganze erste Halbzeit sah Tyresö souverän und gekont verteidigen gegen unbewegliche Malmöer. Und so begann auch die zweite Hälfte, in der man sich dringend die Auswechslung Elin Rubensson für Manon Melis wünschte. Was kam, war dann Katrin Schmidt für Katrine Veje und die Auswechslung veränderte das Spiel zum Besseren. Da war mehr Gewicht im Mittelfeld an der zentralen Nahtstelle und Tyresö geriet ins Hintertreffen.

Der Ausgleich kam wie aus heiterem Himmel. Anja Mittag bediente Ramona Bachmann, die endlich aufgewacht war aus einem 45-minütigen Dornröschenschlaf und es stand 1:1. Das Spiel schien nun zu kippen, einige Minuten lang, bis, ja bis Malin Levenstad nicht zum ersten Mal in diesem Spiel einen fahrlässigen Fehler machte, Christen Press in hoher Geschwindigkeit sich auf in Richtung Helgadottir machte und von Amanda Ilestedt gestoppt wurde. Gerempelt. Schiedsrichterin Jenny Palmquist nahm die rote Karte schon in zwanzig Meter Entfernung zu Ilestedt aus der Brusttasche und da war Malmö noch zu zehnt.

Freistoß Tyresö. Line Røddik Hansen gelingt ein Volltreffer und Tyresö führt wieder mit einer Frau mehr.

Aber abermals gelingt Malmö der Ausgleich. Bei einem Freistoß von Lina Nilsson steigt Katrin Schmidt hoch und ausgerechnet die Ex-TYresöspielerin befördert den Ball zum 2:2 in der 78. Minute ins Netz. Sechs Minuten später dann ein Bilderbuchangriff von Malmö: Therese Sjögran auf der rechten Seite flankt nach innen zu Anja Mittag, die sofort weiterleitet zu Ramona Bachmann, die sich in hoher Geschwindigkeit dem linken Torpfosten näherte und den Ball dann mit ausgetrecktem Fuß an der nicht gut aussehenden Carola Söberg vorbei zum Siegtreffer für Malmö ins Netz bugsiert.

„In der ersten Halbzeit waren wir sehr passiv und haben die das so machen lassen, wie sie das wollten. In der zweiten Halbzeit haben wir dann einfach wesentlich besseres Pressing gespielt. Naja, und als Amanda dann vom Platz gestellt wurde, da haben wir uns auf eine andere Weise zusammengerissen, wie wir das nicht vorher gemacht haben,“ sagte Therese Sjögran.

„Das bedeutet sehr viel hier heute zu gewinnen und die drei Punkte aufzuholen, denn sechs Punkte wären schon viel gewesen. In diesen Spielen steht immer viel auf dem Spiel, Tyresö ist eine gute Mannschaft und das sind wir auch. Wir haben gesagt, dass wir unser Verteidigungsspiel tief starten wollen und deshalb waren wir passiv. Wir sind einfach besser ins Spiel gekommen. Ich glaube schon, dass uns dieser Sieg Selbstvertrauen gibt für die kommenden Aufgaben“, so Sjögran weiter.

Marta und Anja Mittag Weltklasse – Unentschieden in Malmö

Mein direkter Vergleich zwischen den beiden Teams endete mit einem deutlichen Plus für Tyresö, in der Realiät sieht es dann oft etwas anders ist, aber das hatte ich auch eingeräumt. Zunächst einmal muste Tony Gustavsson die halbe Abwehr umkrempeln. Kapitänin Johanna Frisk hat möglicherweise einen Kreuzbandriss und Sara Thunebro hatte Fieber und musste daheim bleiben.

Stattdessen stellte Gustavsson Annica Svensson und Karin Lissel auf den Platz. Das ist für jede Mannschaft eine Umstellung, aber bei der Qualität auch der Bank lassen wir das nicht als Entschuldigung für irgend etwas gelten.

Malmö war von Beginn an die bessere Mannschaft und hatte Vorteile in den ersten Minuten, aber es bahnte sich ein echtes Spitzenspiel an, bei dem auch Tyresö seine Gefährlichkeit andeutet. Über die Flügel wollte Jonas Eidevall seine Spielerinnen kommen lassen, um so Tyresös Außenverteidigerinnen, die meist sehr offensiv agieren, bloß zu stellen. Und das gelang erstaunlich oft.

Aber Amanda Ilestedt, die junge Innenverteidigerin Malmös, wirkte sehr unsicher und nervös zu Beginn und nach einem bitteren Abspielfehler von ihr, konnte Christen Press den Ball weiterbefördern zu Marta, die nicht lange fackelte und den Ball zum 0:1 nach 14 Minuten einlochte. Das saß dann tief im Selbstbewusstsein der Gastgeberinnen und offenbar hatte sich die Brasilianerin einiges vorgenommen, denn nur vier Minuten später wurde es sehr still auf dem Malmö IP, als Marta nach ein, zwei Finten den Ball noch einmal an Thora Helgadottir vorbei zum 2:0 ins Netz setzte.

Nun gab wohl kaum noch jemand einen Pfifferling oder war es ein Pfennig? auf Malmö. Aber was für die Mannschaft spricht, ist, dass sie sich aus diesem furchtbaren Tief wieder herauszog. Anja Mittag und Manon Melis erhöhten das Tempo und den Druck und im zentralen Mittelfeld ackerten und rackerten Sara Björk Gunnarsdottir und Katrin Schmidt wie eh und je und leisteten ein enormes Arbeeitspensum. Wichtig dabei, dass auch Malmös Abwehr sicherer wurde trotz des brillanten Auftakts von Marta, die zwei Chancen bekam und beide verwertete.

In der Viertelstunde vor der Halbzeit wurde Anja Mittag immer stärker, sie war immer anspielbar und bekam sie den Ball, wurde es gefährlich. Ich sah das Spiel im Fernsehen und murmelte vor mich hin, dass nur ein Tor vor der Halbzeit Malmö noch Chancen in der zweiten Halbzeit einräumen würde. Die Deutsche muss das gehört haben, denn keine 60 Sekunden vor der Pause schoss sie das 1:2, schnappte sich sofort den Ball und rannte Richtung Mittellinie. Ein klares Zeichen, dass sie eine Führungsrolle übernommen hat und ein Zeichen an ihre Mannschaft wie die Gegner, dass dies noch nicht das letzte Wort gewesen sein sollte.

Das Spiel hatte gerade wieder begonnen in Halbzeit 2, da spitzelte Anja schon wieder den Ball an einer vielleicht zu früh fallenden Carola Söberg vorbei zum umjubelten 2:2 Ausgleich. Und die nächsten 20-25 Minuten gehörten nur noch Malmö. Immer wieder Mittag, die jetzt von Marta das Prädikat Weltklasse übernahm und vorbildlich ein ums andere Mal passte, flankte und schoss.

Auch Ramona Bachmann wurde stärker und das Gefühl stellte sich ein, dass das 3:2 für die Gastgeber nur noch eine Frage der Zeit sei, verdient wäre es in dieser Phase gewesen. Bachmann und ihre ehemalige Mannschaftskameradin Marta (aus Zeiten bei Umeå IK) lieferten sich mehrere nicklige, physische Duelle, aber am Ende gab es dann doch ein freundschaftliches Lächeln und einen Klaps unter den Beiden.

Schrecksekunde am Ende: Islands Nationaltrainerin Thora Helgadottir , die mit einer Knieverletzung ins Spiel gegangen war, vertrat sich und verletzte sich am Oberschenkel. Das tat so weh, dass Helgadottir schon beim in die Knie gehen das Auswechselzeichen zur Bank machte. Gespielt waren fast 90 Minuten und in den verbleibenden fünf musste dann die 17-Jährige Zecira Musovic musste zum ersten Mal in der Damallsvenskan ins Tor und das gegen Marta, Christen Press, Vero Boquete und Co.

Aber sowohl Press wie auch Boquete blieben weitgehend farblos bei Tyresö. Auch Seger und Dahlkvist verloren den Kampf ums zentrale Mittelfeld, wenn auch nur knapp.

Malmö hat einen Schlüsselk gefunden, wie Tyresö ins Wanken zu bringen ist. Wenn man derart druckvoll über die Flügel kommt wie gestern Abend, dann gerät Tyresö ins Schwimmen. Dabei muss aber die eigene Abwehr stehen und darf eine Ausnahmespielerin, die Marta immer noch ist, nicht so ins Spiel kommen lassen wie in den ersten 20 Minuten geschehen.

Mittag und Marta überragten und in der zweiten Halbzeit brachte die 19-Jährige Elin Rubensson auf Malmös rechter Seite sehr viel frischen Wind und mehrere hervorragende Bälle ins Zentrum. Rubensson ist leider unterbewertet, sowohl in ihrer Mannschaft wie auch im Hinblick auf die schwedische Nationalelf.

Malmö und Tyresö im direkten Vergleich

Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben vergleicht vor großen und wichtigen Fußballspielen gerne die Startformationen im direkten Vergleich gegeneinander. Das ist mehr Unterhaltung als seriöse Berichterstattung oder Analyse, aber weil’s so schön ist, will ich das auch mal machen vor dem heutigen Knaller LdB FC Malmö – Tyresö FF (19.20 Uhr live im schwedischen Fernsehen).

Der direkte Vergleich endet mit einem klaren Sieg für Tyresö, das zudem noch die bessere Ersatzbank hat. Aber: Das ist ja nur ein Spiel und entscheidend ist bei allen individuellen Fähigkeiten, wie man zusammen spielt und agiert. Und wer das Quentchen Glück auf seiner Seite hat. Gewinnt Malmö, ist die Meisterschaft wieder offen. Gewinnt Tyresö, sind sie nach der Hinrunde sechs Punkte und mehr als elf Tore weg.

 

Thora Helgadottir vs Carola Söberg

Carola Söberg

Carola Söberg

Noch vor zwei Monaten hätte ich hier 1:0 für Malmö gesagt, denn Helgadottir gehört(e?) in Bestform zu den besseren Torhüterinnen der Welt. Aber gerade in den letzten beiden Spielen zeigte die Isländerin doch ungewohnte Unsicherheiten, die zu Gegentoren führten, die vermeidbar waren. Söberg wird selten geprüft, hat aber dieses Jahr noch nicht daneben gegriffen. Möglicherweise hat tatsächlich die fehlende Pause bei Helgadottir eine gewisse Müdigkeit verursacht, sie hat den ganzen Winter in der australischen Liga gespielt. Unentschieden: 0,5:0,5.

Lina Nilsson vs Meghan Klingenberg

Am Sonntag konnte Klingenberg gegen Kristianstad nicht spielen und wurde von Annica Svensson ersetzt. Wir gehen aber davon aus, dass die kleine Amerikanerin heute Abend spielt. Nilsson kämpft um einen Platz in der Startformation der schwedischen Nationalmannschaft gegen Linköpings Jessica Samuelsson. Heute Abend wird sie öfters auf Marta treffen, ein wichtiges Duell. Offensiv gewisse Stärken, defensiv wird sie von schnellen Gegenspielerinnen oft ausgetrickst. Meghan Klingenberg ist defensiv besser, nicht nur, weil sie den dritten schwarzenTaekwondo-Gürtel ihr eigen nennen kann. Auch nach vorne besticht Klingenberg durch brillante Flanken. Klarer Punkt für Tyresö: 0,5:1,5.

 

Amanda Ilestedt vs Johanna Frisk

Amanda Ilestedt

Amanda Ilestedt

Ilestedt ist schneller und kopfballstärker als Tyresös Mannschaftskapitänin, die zwar grundsolide, aber nicht unüberwindbar ist. Frisk wäre die erste, die ich bei einer Verstärkung des Kaders in der Abwehr aussortieren würde. Punkt für Malmö: 1,5:1,5.

 

Malin Levenstad vs Line Röddik Hansen

Malmös Mannschaftskapitänin kommt heute Abend nach guten Trainingsleistungen wieder in die Startelf, aus der sie zuletzt von Kathleen Radtke verdrängt worden war. Trainer Jonas Eidevall sagte auch, dass Levenstad wichtig bei der Kommunikation auf dem Platz sei. Das reicht aber trotzdem alles nicht, um die brillante Dänin auszustechen, die selbst auf der angestammten Innenverteidigerposition besser ist, im Spiel nach vorn, aber auch kompromisslos und souverän in der Defensive. Klarer Punkt für Tyresö: 1,5:2,5.

 

Ali Riley vs Sara Thunebro

Kein Zweifel, Sara Thunebro kommt mit 34 Jahren dem Karriereende näher. Ihre Flankenläufe sind längst nicht mehr so spektakulär und häufig wie vor Jahren, bevor sie nach Frankfurt wechselte, wo sie am Ende keine Spielzeit mehr bekam. Die Neuseeländerin Riley aber wird auch häufig überschätzt. Als sie nach Schweden kam, las ich, dass sie eine der besten Außenverteidigerinnen der Welt sei. Weltklasseleistungen aber hat man kaum gesehen. Beide Spielerinnen sind solide, aber verwundbar. Es wird interessant zu sehen, ob Ramona Bachmann Thunebro ab und an einen Knoten in die Beine spielt. Aber auch Riley wird mit Kirsten van de Ven ihre Müh und Not haben. Unentschieden: 2:3.

 

Katrin Schmidt vs Lisa Dahlkvist

Katrin bekam in Tyresö keinen Vertrag mehr. Zu erklären ist das nur damit, dass die Deutsche schlechter Sponsoren gegenüber zu vermarkten war als schwedische Nationalspielerinnen wie Lisa Dahlkvist, die aber auch nicht gerade charismatisch ist. Darum geht es aber nicht. Dahlkvist ist bei Pia Sundhage wohl fast gesetzt, Katrin Schmidt wieder nicht von Silvia Neid gesehen worden. Spricht das für die enorme Breite des deutschen Frauenfußballs oder einfach eine ignorante Einstellung gegenüber Spielerinnen, die im Ausland herangereift sind? Beide Spielerinnen gewinnen ungeheuer viel Bälle und können gefährlich nach vorn sein. Unentschieden: 2,5:3,5

 

Sara Björk Gunnarsdottir vs Caroline Seger

(Sara) Björk Gunnarsdottir

(Sara) Björk Gunnarsdottir

Die junge Isländerin ist nicht mehr wegzudenken aus Malmös Mittelfeld. Enormer Einsatzwille, sechsfache Torschützin in dieser Saison. Seger tauchte vergangene Saison und zu Beginn der neuen allzu oft unter und machte zuletzt Schlagzeilen wegen ihres Coming Out. Knapper Punkt für Malmö: 3,5:3,5

 

Ramona Bachmann vs Veronica Boquete

Ojojoj, was für ein Vergleich. Zwei Weltklassespielerinnen, die wertvollste Spielerin der Liga 2011 gegen die beste Mittelfeldspielerin 2012. Beide können ein Spiel alleine entscheiden mit überragender Technik und erstklassiger Schusstechnik. Dennoch: der Punkt geht an die Spanierin, die als einzige auf dem berühmten Kanaldeckel Kunststücke vollführen kann, auf engstem Raum brilliert und auch insgesamt mannschaftsdienlicher ist. 3,5:4,5

 

Manon Melis vs Kirsten van de Ven

Zwei Holländerinnen im direkten Vergleich auf der rechten Angriffsseite. Jahrelang hätte Melis hier immer souverän gesiegt. Aber seit dem Weggang von Malmö nach Linköping 2011 und dem gescheiterten Engagement in der kollabierenden WPS ist die mehrfache Torschützenkönigin der schwedischen Liga von der Weltklassestürmerin die sie einmal war, weit entfernt. Ich hätte sie schon längst auf die Bank gesetzt und Talent Elin Rubensson in die Angriffskette geschickt. Van de Ven wird immer stärker, auch sie saß lange auf der Bank (!) und war hinter dem spanischen Neuzugang Jennifer Hermoso Fuentes einsortiert, aber seitdem sie wieder spielen darf, tut sie das mit Verve, viel Schwung und bislang sieben Toren. Punkt für Tyresö: 3,5:5,5.

 

Anja Mittag vs Christen Press

Ojojoj, noch so ein extrem harter Vergleich wie bei Bachmann vs Boquete. Anja hatte eine Supersaison 2012, die kaum zu toppen war. 21 Tore, drei Preise auf der Fußballgala in Schweden. Press schoss 17 für Göteborg und wechselte nach Tyresö und hier spielt sie so wie Anja in der vorigen Saison in Malmö: jeder Schuss ein Treffer. Bislang 12 in neun Spielen gegen Anjas sechs Tore. Deshalb auch hier schweren Herzens. Punkt für Tyresö: 3,5:6,5.

 

Katrine Veje vs Marta Vieira da Silva

Marta Vieira da Silva

Marta Vieira da Silva

Die Brasilianerin war früher stärker, glaube ich, als sie noch bei Umeå spielte. Oder die Gegnerinnen waren weniger in der Lage, ihr Probleme zu bereiten und sind besser geworden. Aber wer Marta sieht, weiß, dass sie immer noch in der Lage ist, einzigartige Dinge zu tun. Klarer Punkt für Tyresö: 3,5:7.5.

 

Malmö strauchelt in Linköping

Nicht einmal 700 Zuschauer wollten am Dienstagabend in der EM-Stadt Linköping das Spiel der Heimmannschaft gegen Vizemeister LdB FC Malmö sehen. Das lässt für die EM in Linköping nichts Gutes erahnen.

Vor den Augen weiter Teile der schwedischen Nationalmannschaft, die sich hier zu einem Lehrgang trifft, der am Samstag mit einem Länderspiel gegen Norwegen kulminiert, schlug Linköping Malmö verdient mit 3:1. Dabei zeigte die zweifache Torschützin, die Dänin Pernille Harder eine Klasseleistung, vor allem in der ersten Hälfte, als sie beim 2:0 den Ball volley und aus vollem Lauf aus rund 22 Metern in den WInkel beförderte.Das Tor des Monats, vielleicht der Saison im Frauenfussball in Schweden.

Malmö hatte nicht viel entgegenzusetzen. Die Abwehr Linköpings, ohnehin das Prunkstück, stand mit den Nationalspielerinnen Magdalena Eriksson, (U19), Charlotte Rohlin, Nilla Fischer und Jessica Samuelsson sehr sicher und ließ nicht viele Chancen von Anja Mittag oder Manon Melis durch. Ramona Bachmann erzielte kurz vor der Pause den Anschlusstreffer nach einer herrlichen Vorlage von Anja Mittag, aber als Malmö am Ende alles auf eine Karte setzen musste und auf die Dreierkette umsteigen musste, erzielte die erst 17 Jahre alte Stina Blackstenius ein Klassetor, bei dem sie nacheinander Malin Levenstad und Thora Helgadottir ausshen ließ wie Junioren.

„Auf diese Harder werden wir bei der EM aufpassen müssen,“ sagte Pia Sundhage nach dem Spiel dem schwedischen Fernsehen. Das hätte ich vorher sagen können, denn Harder zählte schon zu Zeiten ihres dänischen Vereins Skovbakken zu den großen skandinavischen Talenten. Von ihr werden wir noch viel hören.

In der Tabelle liegt Tyresö jetzt drei Punkte vor Malmö und bereits sechs vor Göteborg und Umeå.

 

Damallsvenskan – Mein Tipp für 2013

Heute Nachmittag geht es los, die Damallsvenskan in der EM-Saison 2013 startet mit der Begegnung zwischen KIF Örebro und Mallbacken. Morgen stehen dann weitere drei Partien auf dem Programm, bis der Spieltag am Mittwoch mit Göteborg – Linköping abgeschlossen wird.

Mein Tipp steht schon seit dem letzten Wochenende, hier ist er.

1. Tyresö FF: Das Herzschlag-Finale aus dem letzten Jahr, als Malmö alles in der Hand hatte, wird es dieses Jahr nicht geben. Tyresö hat den besten Kader, mit Abstand. Das Mittelfeld mit Marta, Vero Boquete, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist lässt sich nicht toppen. Die Abwehr bleibt der schwächste Mannschaftsteil hier, aber die meisten Teams werden gar nicht viel zum Angreifen gegen Tyresö kommen. Für die Champions League jedoch muss dann 2014 aufgerüstet werden. Christen Press ist die beste Verpflichtung der ganzen Liga. Sie wird Anja Mittag dieses Jahr einen heißen Kampf um die Torjägerinnenkrone liefern.

2. LdB FC Malmö: Wie im Vorjahr Zweiter, dieses Mal aber auf Abstand. Malmö hat mit Manon Melis eine Weltklassestürmerin zurück „nach Hause“ geholt, aber werden sich Mittag, Melis, Ramona Bachmann und Elin Rubensson da nicht auch auf den Füßen stehen. Wie klappt das Zusammenspiel? Kann man vor allem Bachmann-Mittag-Melis zu einer Einheit bringen mit sehr gutem Spielverständnis untereinander, kann Malmö sehr gefährlich werden. Therese Sjögran versucht ihr Comeback mit 36, in der Nationalmannschaft wohl zu spät. Wenn Yoreli Rincon (siehe Bachmann-Interview) sich akklimatisieren kann, dann kann sie mit ihrer einzigartigen Technik eins der Ausrufezeichen der Saison werden. Schwäche: Wie bei Tyresö die Abwehr. Zwar sind Lina Nilsson, Malin Levenstad und Amanda Ilestedt Nationalspielerinnen und auch Ali Riley für Neuseeland, keine von ihnen ist jedoch Weltklasse. Wird interessant sein zu sehen, wie Marta, Boquete und Press mit dieser Abwehr umgehen werden,

3. Kopparberg/Göteborgs FC: Jessica Landström kam für Christen Press. Kein Ersatz. Aber die später durch Vermittlung der hervorragenden Anita Asante gekommene Britin Jodie Taylor wird Landström den Startplatz streitig machen. Schnell, physisch und kopfballstark. „Von hinten sieht sie sogar wie Press aus,“ scherzte Torbjörn Nilsson, mittlerweile der dienstälteste Trainer der Liga, auf dem Medientreffen am Dienstag. Die Norwegerin Cathrine Dyngvold ist ebenfalls ein großes Talent. Mit Yael Averbuch hat Göteborg darüber hinaus eine der besten Mittelfeldspielerinnen der Liga. Das sieht USA-Trainer Tom Sermanni sicher genauso, denn er hat Averbuch zurück ins USWNT geholt. Es reicht für Platz 3, leider kann sich Göteborg nicht einmischen weiter oben, wo es um die CL-Plätze geht. Da hätte Supersponsor Peter Bronsman seine Versprechung aus dem Herbst Ernst machen und etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Olivia Schough hat durch die Nominierung in die schwedische Natio einen Quantensprung gemacht.

4. Kristianstads DFF: Elisabet Gunnarsdottir arbeitet sich langsam, aber sicher nach oben. Seit fünf Jahren in Schweden strickt die charismatische Isländerin weiter an ihrer Meistermannschaft. „Ein paar Spielerinnen wollten wir nicht mehr haben,“ sagte sie mir am Dienstag. In den nächsten Tagen wird KDFF, wie das Team in Kurzform genannt wird, mit einem neuen Youtube-Video von sich reden machen. „Hast du Regie geführt?“ fragte ich die 36-Jährige. „Darauf kannst du Gift nehmen,“ sagte sie. Offensiv sieht das sensationell aus. Josefine Öqvist gibt in zwei Wochen ihr Comeback nach Babypause, das meiner Meinung nach größte schwedische Fußballtalent seit ?, Marija Banusic, wird für Furore sorgen, wenn sie auf dem Teppich bleibt. Und Beta wies mich darauf hin, dass bald dem 90-Minuten-Einsatz von Margret Lara Vidarsdottir nichts mehr im Wege stehen wird. Beta glaubt an Margret und sieht ihre Rolle hinter Öqvist und Banusic. Und dann gibt es noch die starke Dänin Johanna Rasmussen. Nationaltorfrau Hedvig Lindahl ist nach ihrem Kreuzbandriss wieder voll im Training und wird im Mai wieder der Trainerin zur Verfügung stehen, sagt sie selber. Das kann weit reichen…

5. Linköpings FC: Voriges Jahr wollten sie mit der Brechstange nach oben. Lisa DeVanna, Manon Melis, Nilla Fischer… Es ging in die Hose, es gab finanzielle Probleme und geblieben ist erst mal nur Fischer. Geholt hat der unter der Saison gekommene Malmöer Meistertrainer Martin Sjögren aber sehr interessante junge Spielerinnen: U19-Europameisterinnen Magdalena Eriksson und Jennie Nordin für die Abwehr und vorne nach Banusic und Umeås Lina Hurtig wohl das dritte große Talent in der Offfensive: die noch 16-Jährige Stina Blackstenius, die in den Vorbereitungsspielen im Prinzip in jedem Spiel getroffen hat. Leider hat sich Finnlands Rakete Linda Sällström den zweiten Kreuzbandriss innerhalb eines Jahres im gleichen Knie eingefangen , was den Verdacht nahelegt, dass da was falsch gemacht wurde… Im Mittelfeld und offensiv wird die Dänin Pernille Harder der Star. Ich halte Harder ohnehin für eine der begabtesten Spielerinnen Nordeuropas. Charlotte Rohlin ist zurück, mal sehen. Nilla Fischer soll Mittelfeld spielen, sagt Sjögren, entgegen Pia Sundhages ausdrücklichem Wunsch, dass sie auch im Verein in der Abwehr spielen solle.

6. Umeå IK: Ich habe Umeå in Tyresö gesehen in der Vorbereitung (1:1) und hatte wieder mal einen sehr positiven Eindruck von Joakim Blomquists Team. Sein drittes Jahr, der Psychologe tut Umeå gut. Emma Berglund steuert die Abwehr, im Mittelfeld ist man mit Hanna Folkesson enorm verstärkt im zentralen Bereich. Nach oben (1-5) fällt die Offensive trotz Hurtig etwas ab, daher nur Platz 6, denn es wird auch wieder die Downs des letzten Jahres geben, auch wenn man jetzt mit Katrin Jonsdottir Routine in die Abwehr geholt hat.

7. Piteå IF: Anna Westerlund sagte mir (siehe Interview mit ihr) am Dienstag, dass man den achten Platz des Vorjahres unbedingt verbessern wolle. Aber wegen der starken Konkurrenz springt nicht mehr als ein Platz heraus. Ein sehr internationales Team, angefangen bei der australischen Torfrau Lydia Williams, im zweiten Jahr, aber eigentlich neu, da sie sich direkt im ersten Spiel 2012 einen Kreuzbandriss zuzog. Aufgehört bei der neuen nigerianischen Stürmerin Francesca Ordega, die sich sicher erst akklimatisieren muss. In der Abwehr ist Faith Ikidi eine Bank. Ein solides Team mit gutem Publikum.

8. Sunnanå SK: Vielleicht zu optimistisch getippt. Aber der Aufsteiger hat große Tradition in der Damallsvenskan und hat sich auch gut verstärkt. Susanne Nilsson im Tor ist wohl die beste schwedische Torfrau unter 30 (leider hat das Pia Sundhage noch nicht verstanden, Eile ist geboten, da Nilsson auch einen serbischen Pass hat) und mit Annika Kukkonen ist eine hart arbeitende zentrale Mittelfeldspielerin dazu gekommen. Die unverwüstliche und großartige Perpetua Nkwocha wird auch mit 37Jahren noch starke Akzente setzen. Und Carina Holmberg ist Nationalspielerin geworden, sie war schon immer gut, aber diese Nominierung hat ihr sicher noch zusätzlich Flügel verliehen.

9. Vittsjö GIK: Das zweite Jahr ist immer schwieriger als das erste, heißt es, wenn es einem Aufsteiger gelingt, sich in der Liga zu halten… Das klingt gemein, ist aber oft so. Leider hat die starke Amerikanerin Danesha Adams Vittsjö Richtung NWSL verlassen, aber dafür ist mit der Schottin Jane Ross gleichwertiger Ersatz gekommen, sagen die Trainer. Immerhin ist Kendall Fletcher geblieben und wenn es Ifeoma Dieke nach ihrem Kreuzbandriss wieder gelingt, die Vorjahresform zu erreichen und auch noch Sofie Andersson ihre sensationelle Hinrunde wiederholen kann… Ein bisschen zu viel wenn, um weiter oben zu landen, aber Vittsjö wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen.

10. Jitex BK: Leider. Das versprochene Stadion wird erst gegen Sommer fertig, anders als versprochen und nun müssen die ersten Heimspiele in Lindome gespielt werden, weit vom Schuss, vermutlich vor allem vor Freunden und Verwandten. Ein robustes, physisches Team mit zwei großen schwedischen Talenten, an die ich glaube: Fridolina Rolfö und Mimmi Löfwenius. Eine exzellente Torhüterin mit der Finnin Minna Meriluoto. Wenn Annica Sjölund nach ihrem Kreuzbandriss wieder zurückfindet, dann kann es besser als Rang 10 werden, aber die Konkurrenz ist stark.

11. KIF Örebro: Nochmal leider. Sie haben sich verstärkt mit dem tschechischen Zwillingspaar Lucie und Irene Martinkova, aber sie haben Marie Hammarström verloren, die wohl zentrale Spielerin des gesamten Teams. Das wird ihnen zu schaffen machen, ebenso, dass Edda Gardarsdottir, die hart schuftende Mittelfeldspielerin, mit ihrer Freundin Olina Vidarsdottir nach London gegangen ist. Sarah Michael kann an ihren guten Tagen Weltklasse sein. Örebro wird einige dieser Tage brauchen, um sich in der Liga zu halten.

12. Mallbacken: Wenn schon der eigene Trainer sagt, dass man einen äußerst dünnen Kader und auch schmale Ressourcen hat… Es gibt diese Überraschungsaufsteiger, die selber davon überrascht werden, auf einmal (wieder) in der ersten Liga zu sein. Wenn man dann nicht investieren kann, muss man auch mit dem Schlimmsten rechnen. Gerne hätte Mallbacken ja noch eine Stürmerin verpflichtet, aber Trainer Stefan Johansson sagte auf dem Pressetreffen, dass man keine gefunden habe… Ja, dann.

Zu viele Ausländerinnen in der Damallsvenskan?

Pia Sundhage hat sich aufgeregt. Das tut sie eigentlich oft und gerne und das macht sie auch sympathisch, das sie Gefühle zeigt und voll bei der Sache ist. Manchmal allerdings frage ich mich inzwischen, ob sie sich nicht ein wenig zurückhalten sollte, zumindest in den Medien.

Denn die schnappen dankbar jede Silbe der angehenden Ehrendoktorin, Gastprofessorin, Frau des Jahres 2012, Welttrainerin des Jahres und was weiß ich nicht noch alles, auf.

Am Donnerstagabend war sie wie ich auf dem Malmö IP und sprach anschließend wie immer frank und frei ins Mikrofon der Reporter von Sydsvenska Dagbladet. Dass sie mal besser nichts gesagt hätte, war ihr dabei aber offenbar schon selber klar, denn: „Das jetzt sollte ich eigentlich nicht sagen,“ begann Sundhage ihre Ausführungen und echauffierte sich darüber, dass sie zu einem Champions-League-Spiel käme und alles, was sie als Nationaltrainerin beobachten könnte, wären drei Spielerinnen bei Malmö und eine Spielerin des Gegners.

In der Tat begann Malmö die Begegnung mit nicht weniger als acht Ausländerinnen: Thora Helgadottir, Ali Riley, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Manon Melis, Ramona Bachmann, Anja Mittag.

Bei Olympique Lyonnais dagegen standen in der Anfangsformation nicht weniger als neun Französinnen und lediglich Lara Dickenmann und Lotta Schelin haben einen ausländischen Pass.

Eines ist klar. Pia Sundhage hat sich nicht darin einzumischen, wie die Vereine ihre Kader bestücken und welchen Pass die Spielerinnen haben. Und wenn sie in dem oben genannten Interview sagt, dass alles noch vor 5-6 Jahren (bevor sie zuerst nach China und dann in die USA ging) anders gewesen wäre, dann muss sie eigentlich besser als viele andere wissen, dass sich Frauenfußball in 5-6 Jahren enorm entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.

„In Lyon werden ausländische Spielerinnen nur dann verpflichtet, wenn ihre Qualität definitiv besser ist als das, was man auf dem franösischen Markt bekommen kann“, schrieb mir gestern ein Fan aus Frankreich via Twitter.

In Schweden, und da hat Sundhage Recht, ist das augenscheinlich nicht der Fall, auch wohl nicht in Deutschland.

Ich habe mir die aktuellen Kader in der Damallsvenskan angesehen und komme auf folgende Liste ausländischer Spielerinnen. Es sind 66 Spielerinnen. Sie verteilen sich auf: 1. Finnland 9, 2. Island, Nigeria, USA je 7, 5. Dänemark, Holland je 5 und auf zwölf weitere Länder. Bei den Vereinen liegt Malmö klar vorn.

10 LdB FC Malmö: Thora Helgadottir, Ali Riley, Paula Radtke, Katrine Veje, Sara Björk Gunnarsdottir, Katrin Schmidt, Yoreli Rincon, Ramona Bachmann, Manon Melis, Anja Mittag

7 Tyresö FF: Line Röddik Hansen, Meghan Klingenberg, Elaine Moura, Kirsten van de Ven, Vero Boquete, Christen Press, Marta

7 KIF Örebro: Stephanie Labbé, Marie-Eva Nault, Susanna Lehtinen, Irena Martinkova, Lucie Martinkova, Sanna Talonen, Sarah Michael

7 Kristianstads DFF: Brett Maron, Sif Atladottir, Nicole Sykes, Gudny Odinsdottir, Margret Lara Vidarsdottir, Johanna Rasmussen, Lorca van de Putte

6 Vittsjö GIK: Lois Geurts, Kendall Fletcher, Ifeoma Dieke, Mandy van den Berg, Kirsty Yallop, Jane Ross

6 Piteå IF: Lydia Williams, Faith Ikidi, Hallbera Gisladottir, Anna Westerlund, June Pedersen, Francesca Ordega

5 Kopparberg/Göteborgs FC: Camille Levin, Anita Asante, Yael Averbuch, Cathrine Dyngvold, Jodie Taylor

4 Linköpings FC: Marianne Gajhede, Renée Slegers, Pernille Harder, Linda Sällström

4 Umeå IK: Katrin Jonsdottir, Ogonna Chukwudi, Rita Chikwelu, Tuija Hyyrynen

4 Sunnanå SK: Carys Hawkins, Helene Ukaonu, Annika Kukkonen, Perpetua Nkwocha

3 Mallbacken: Kaitlynn Fraine, Maija Saari, Hayley Lauder,

3 Jitex BK: Minna Meriluoto, Annica Sjölund, Leena Puranen

Frankreich stärker als Schweden

Eines ist an diesem Champions-League-Mittwochabend deutlich geworden. Zwischen den Spitzenclubs der französischen Liga und der Damallsvenskan gibt es einen deutlichen Unterschied. Zählt man beide Spiele zusammen landen wir bei einem Torverhältnis von 6:0 für Lyon/Juvisy gegen Malmö/Göteborg, aber wenn man sieht, dass die Schussstatistik für Göteborgs Spiel ein deutliches 11:1 für die Gastgeber ausweist, dann ahnt man, dass Kristin Hammarström im Tor ein tolles Spiel gemacht hat (sie boxte einen Elfmeter gegen den Pfosten und hielt mehrere andere Schüsse) und dass die Französinnen insgesamt deutlich überlegen waren.

Selber sah ich lediglich das Spiel Olympique Lyonnais – LdB FC Malmö am Computerbildschirm. Und Lyon war noch deutlicher überlegen, als ich das angenommen hatte. Nach den beiden Toren von Elodie Thomis und der überragenden Lotta Schelin brach der Widerstand Malmös zusammen.

Zu offensiv hatte Neutrainer Jonas Eidevall sein Team gegen die wohl beste Vereinsmannschaft der Welt aufgestellt. Gegen Lyons pfeilschnelle und spielstarke Offensivkräfte offensiv agieren zu wollen und damit seine Defensivkräfte immer wieder 1:1 Situationen auszusetzen, denen sie nicht gewachsen sind, das kam sportlichem Selbstmord gleich. Jonas Eidevall hat nach dem Spiel trotzig behauptet, dass sei schon die richtige Einstellung gewesen. Nein, das war es nicht.

Lara Dickenmann hatte auf der linken Seite sehr leichtes Spiel mit Nationalspielerin Lina Nilsson, das müsste eine Alarmglocke bei Pia Sundhage ausgelöst haben. Symbolisch irgendwie, als Dickenmann Nilsson den Ball zwischen die Beine schob und ganz einfach an ihr vorbeispazierte. Es war nicht die einzige Szene. Als dann Lyon auswechselte und Megan Rapinoe (was für eine Einwechslung!!) für Dickenmann kam, wurde es nicht gerade besser für Schwedens erste Wahl auf der rechten Abwehrposition.

Neuverpflichtung Kathleen „Paula“ Radtke musste von Beginn an ran, weil Jugendeuropameisterin Amanda Ilestedt wegen leichter Verletzung nicht neben Malin Levenstad spielen konnte. Leider stellte sich heraus, dass man vom USV Jena kommend im Viertelfinale der Champions League gegen das weltbeste Team vielleicht doch nicht richtig am Platz war. Radtke war an einigen Toren der Gegnerinnen beteiligt und hatte auch mit Fehlpässen im Aufbauspiel, die zu sofortigen schnellen Angriffen Lyons führten nicht unmaßgeblichen Anteil an der hohen Niederlage.

Aber ihr den schwarzen Peter zuzuschieben, wäre ungerecht und würde es nicht treffen. Lediglich Sara Björk Gunnarsdottir hat mir an diesem Abend gefallen. Die Isländerin wuchtete sich wie gewohnt mit vollem Einsatz in die Zweikämpfe und stemmte sich gegen die Übermacht an – vergeblich.

Der entscheidende Punkt ist neben der völlig verfehlten Taktik aber auch die Personalpolitik Malmös. Man hat vor der Saison mit Manon Melis und Yoreli Rincon zwei weitere Spielerinnen für die Offensive geholt, die mit Anja Mittag, Ramona Bachmann, Elin Rubensson schon stark besetzt war, in der Abwehr allerdings hat man keine Weltklassespielerin verpflichtet.

Die Viererkette bestehend aus Nilsson, Ilestedt, Levenstad und Ali Riley ist international bei allem Respekt bestenfalls durchschnittlich. Da nützt es wenig, wenn dahinter mit Thora Helgadottir eine der besseren Torhüterinnen der Welt steht. Das haben wir am Mittwoch gesehen, wie selbst das Tor einer Weltklassefrau beinahe zur Schießbude gerät, wenn der Mannschaftsteil vor ihr hoffnungslos überfordert ist.

Nun hat Malmö sich für as Rückspiel vorgenommen, die mehr als 100 Spiele anhaltende Serie ohne Niederlage Lyons zu brechen. Ein sehr ehrgeiziges Vorhaben. Nicht zuletzt auch, weil nämlich die Abwehr der Französinnen Weltklasse ist und seit fast einem Jahr in der Champions League kein Gegentor mehr gefangen hat. Damals war es Bianca Schmidt mit dem 1:5-Ehrentreffer für Turbine Potsdam in Lyon. (In einer ersten Version dieses Artikels hatte ich irrtümlich zwei Jahre geschrieben. Siehe dazu den Kommentar.)

Finanzielles aus Linköping und Malmö

Zwei Zeitungen berichten heute über die finanzielle Situation „ihres“ Clubs. Östgöta Correspondenten (im Volksmund Corren genannt) befasst sich mit Linköpings FC und teilt mit, dass der LFC seine Anteile an einem Trainingsplatz verkaufen musste, damit die wirtschaftliche Balance des Vereins für 2012 nicht negativ ausfiel.

„Wir mussten einen Rettungsring anwenden, den wir jetzt nicht mehr haben und deshalb ist es wichtig, mit einem exakten Budget in die neue Saison zu gehen. Unsere Zielsetzung ist jedoch weiterhin hoch, wir wollen Frauenfußball auf Weltklasseniveau spielen, wir müssen ganz einfach effektiver werden,“ sagt der starke Mann des Clubs, Anders Mäki, der Zeitung.

Mit Spielerinnen wie Manon Melis und Lisa DeVanna hatte Linköping neben der gebliebenen Nationalspielerin Nilla Fischer mindestens drei teure Angestellte auf der Gehaltsliste.

„Es war eine Fehleinschätzung von meiner Seite und vielleicht auch vom Frauenfußball insgesamt, dass wir von der Anziehungskraft der Nationalmannschaftserfolge bei der WM profitieren würden. Wir bekamen keinen vergleichbaren Aufschwung wie 2003 und leider scheint es so zu sein, dass die Leute Frauenfußball den Rücken zuwenden, wenn sie sich für etwas in unserer stressigen Informationsgesellschaft engagieren sollen,“ so Mäki weiter zu der Zeitung.

Für die neue Saison wurden Gehälter gekürzt. Der Verein setzte 10,1 Millionen Kronen um, etwa 1,2 Millionen €.

Die in Malmö fusionierenden Vereine LdB FC Malmö und FC Rosengård werden ab 2014 FCR Malmö heißen. Das schreibt Sydsvenska Dagbladet in einem Bericht über weitere Vereinsversammlungen, die die Fusion vorantreiben sollen.

Jeweils zwei Mitglieder aus beiden Vereinsvorständen sollen dann im neuen, gemeinsamen Vorstand sitzen. „Für 2013 haben wir ein Budget von 17,5 Millionen Kronen,“ sagte Clubchef Niclas Carlnén. Knapp 2 Millionen Euro also hat Malmö verplant. 2012 habe man 14,2 Millionen Kronen umgesetzt, am Ende sei sogar trotz aller Unkenrufe (am lautesten rief Carlnén jeweils selbst) ein kleines Plus herausgekommen.

 

Eidevall: Wir wollen zu den Besten in Europa gehören

LdB FC Malmös Trainer Jonas Eidevall, der seit November das Zepter am Malmö IP hinter dem Konzerthaus und vor dem Pildams-Park schwingt, ist mit seinen 29 Jahren jünger als manche seiner Spielerinnen. Therese Sjögran etwa ist sechs Jahre älter als Eidevall, dessen eigene aktive Fußballerkarriere abrupt mit 18 nach einer bösen Knieverletzung endete.

Vielleicht kann man Eidevall denn auch aufgrund seines für Übungsleiter einer nationalen Spitzenmannschaft geringen Alters so etwas wie jugendlichen Leichtsinn attestieren. Denn wie aus einem Interview mit dem regionalen Sydsvenska Dagbladet heute hervorgeht, will es mit dem zweimaligen Champions-League-Sieger Olympique Lyonnais nicht nur aufnehmen, man will die Französinnen aus dem Wettbewerb kicken.

Zwei Monate und zwei Tage noch, so Eidevall, dann sollen alle Spielerinnen die maximale Höchstform erreicht haben, denn „wir werden zur europäischen Spitze gehören“, sagt er in dem Interview. „Ich sage nicht, dass wir zwei Jahre Zeit haben, um die Spitze zu erreichen. Wir müssen da so schnell wie möglich hin, aber nicht auf Kosten der langfristigen Entwicklung.“

Das ist nicht unbedingt ohne Widersprüchlichkeit, schnellstens nach oben, aber nicht auf Kosten der langfristigen Entwicklung. Kann man noch schneller als schnellstens nach oben?

Die Verpflichtung von Manon Melis, so Eidevall, sei bestens dazu geeignet, die Konkurrenz im Team zu erhöhen und somit noch mehr Leistung aus den Spielerinnen abzurufen bzw. herauszupressen. Beide Verben funktionieren, wobei das eine positiver klingt als das andere, es kommt aber dasselbe dabei heraus.

Melis und Anja Mittag, so sieht man gemeinhin die neue Sturmformation mit Ramona Bachmann und Elin Rubensson auf den Außenbahnen im Mittelfeld. „Die Formation, die man in den Zeitungen sehen kann, ist nicht interessant für mich“, sagt Jonas Eidevall, „für mich sieht sie so lediglich beim Anstoß aus. Interessanter ist dann, wie sie aussieht, wenn wir das Spiel spielen.“

Da tut sich dann ein neuerliches Fragezeichen auf. Beim Anstoß könnten Melis und Mittag also vorn sein, Rubensson und Bachmann auf den Außen, in der zwanzigsten Minute aber nicht mehr? Häufige Beweglichkeit, ständiges Verändern der Positionen. Natürlich ist das mit diesem exzellenten Personal möglich.

Aber Eidevall spricht auch von der Notwendigkeit einer Verstärkung. Man sucht nach einer Spielerin für die Defensive und auch im zentralen Mittelfeld wäre noch was drin. Da geht ja seit Wochen schon das Gerücht, dass die 19-Jährige Kolumbianerin Yoreli Rincon kommen wird. Die twittert schon ihre neu eingekaufte lange Unterwäsche für das kalte Schweden und jubelte dieser Tage, dass sie nun positiven Bescheid von der schwedischen Botschaft in Bogota habe. LdB FC Malmö gibt dazu keinen Kommentar ab. Vielleicht plant Rincon ja, als Au Pair nach Malmö zu gehen und setzt ein Jahr mit dem Fußball aus.

Wohin geht Sofia Jakobsson?

Sofia Jakobsson wurde groß in Umeå, spielte sich über die U19 in die schwedische A-Nationalmannschaft und wurde dann zum russischen Erstligisten FC Rossiyanka geholt, wo sie Ende des Jahres 2012 Gesellschaft von Linnéa Liljegärd bekam. Dann „verschwand“ die 22-Jährige Schweden scheinbar aus dem Kader von Rossiyanka. Eine Bemerkung Liljegärds in ihrem Blog, das Fehlen auf der Homepage.

In Malmö soll sie im Gespräch gewesen sein, dort kam aber Manon Melis und offensiv braucht man dort nun keine Verstärkung mehr. Es ist auch nicht Turbine Potsdam. Bernd Schröder hatte sich im Sommer für die schnelle Schwedin interessiert, man konnte aber nicht mit dem Geld in Russland konkurrieren. Mit Frankreich ginge das wohl auch nicht.

Denn die französische Frauenfußball-Seite Une-deux.net platziert die Schwedin zusammen mit ihrer ehemaligen Mannschaftskameradin Olga Petrova beim Hauptstadtclub Paris Saint-Germaines, für den bereits Kosovare Asllani und die Deutschen Linda Bresonik und Annike Krahn spielen.

Zugänge und Abgänge (Stand: 05.01.2013)

So allmählich füllen sich die Kader der Vereine in der Damallsvenskan. Es ist Zeit für einen ersten Überblick. Hier kommen die 12 Teams der Saison 2012 plus die beiden Neulinge.

Tyresö FF

Zugänge: Christen Press (Kopparberg/Göteborgs FC), Malin Diaz (AIK)

Abgänge: Helén Eke (Verein steht noch nicht fest)

Kommentar: Erstmals auf seiner Reise von der vierten Liga zum Meistertitel gibt es in Tyresö keine wesentlichen Personalwechsel. Marta, Vero Boquete, Caroline Seger hatten allesamt laufende Verträge auch für 2013, obwohl es um Marta wieder einmal Wechselgerüchte gab und auch noch gibt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Brasilianerin Tyresö in diesem Jahr verlässt. Für die USA ist ihr Marktwert nicht groß genug und keiner der neuen Vereine könnte sie mit den erlaubten Budgets bezahlen. Christen Press wird den Stammplatz von Madelaine Edlund gefährden. Sowohl deren wie Elaines auslaufender Vertrag wurde verlängert. Tyresö ist ein Topteam mit erstklassigen Alternativen auf der Bank. Auch Meghan Klingenberg hat verlängert. Wunschelf (Linda Sembrant in der Reha nach Kreuzbandriss):

Carola Söberg, Meghan Klingenberg, Johanna Frisk, Karin Lissel, Line Röddik Hansen, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete, Marta, Kirsten van de Ven, Christen Press.

Bank: Annica Svensson, Elaine, Malin Diaz, Madelaine Edlund, Jessica Höglander.

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LdB FC Malmö

Zugänge: Yoreli Rincon (XV de Piracicaba), Zecira Musovic (Stattena), Manon Melis (Linköping)

Abgänge: Emma Wilhelmsson (Jitex), Christina Öyangen Örntoft (Bröndby), Hilda Carlén (noch unbekannt)

Kommentar: Nach der finanziellen Rettung durch Milliardär Dan Olofsson nimmt auch Malmö Kurs auf den Meistertitel. Die Liga wird (wenn sich nichts wesentlich ändert) zu einem Zweikampf Malmö – Tyresö werden, in dem Tyresö abermals klarer Favorit ist, trotz der Verpflichtung von Melis. Rincon überrascht, riskant, eine 19-Jährige Kolumbianerin zu integrieren. Die 1,54 m kleine Filigrantechnikerin wurde mit Marta verglichen, muss das aber noch beweisen. Malmö hat aber immer gut eingekauft…

Voraussichtlich:

Thora Helgadottir, Lina Nilsson, Malin Levenstad, Amanda Ilestedt, Ali Riley, Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran, Ramona Bachmann, Elin Rubensson, Anja Mittag, Manon Melis.

Reserve:

Zecira Musovic, Frida Nordin, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Yoreli Rincon, Sofi Anker Kofoed.

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Linköpings FC

Zugänge: Lina Rinshamre (Sundsvalls DFF), Magdalena Ericsson (Djurgården), Stina Blackstenius (Vadstena GoIF), Renée Slegers (Djurgården), Emma Lennartsson (IFK Norrköping)

Abgänge: Manon Melis (LdB FC Malmö), Lisa DeVanna (Perth Glory), Emma Lundh (noch unbekannt, Hammarby?), Karen Bardsley (Lincoln LFC), Louise Fors (Western Sydney Wanderers, ab Frühjahr FC Liverpool Ladies), Nora Holstad Berge (Arna-Björnar), Matilda Agné (Hammarby DFF), Ingrid Schjelderup (Vålerenga), Josefine Alfsson (Kisa BK)

Kommentar: Linköping beendet nach einem Jahr seinen Versuch, mit Tyresö und Malmö zu konkurrieren und hat Sparmaßnahmen eingeführt. Neun Spielerinnen verlassen den Verein und fünf kommen neu hinzu, im Gespräch ist immer noch AIK:s U19-Europameisterin Jennie Nordin. Mit Ringshamre und Ericsson hat man zwei weitere junge Europameisterinnen verpflichtet. Linda Sällström, die gegen Ende der Saison noch gehen wollte (Jitex war eine Option), bleibt nun doch, vermutlich, weil die Konkurrenz in der Offensive nach ihrer Rehazeit nach dem Abgang von DeVanna, Melis und Lundh deutlich entspannter geworden ist. Linköping ist auch immer noch das bessere Team. Wichtig, dass Trainer Martin Sjögren zwei weitere Jahre bleibt.

Voraussichtlich:

Sofia Lundgren, Maja Krantz, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Marianne Gajhede Knudsen, Renée Slegers, Petra Larsson, Pernille Harder, Jonna Andersson, Linda Sällström.

Hier und bei den weiteren Clubs erspare ich mir die potentielle Bankbesetzung, da lediglich Malmö und Tyresö um die Meisterschaft spielen werden.

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Kopparberg/Göteborgs FC

Zugänge: Jessica Landström (Djurgården), Marie Hammarström (KIF Örebro), Cathrine Dyngvold (Klepp),

Abgänge: Christen Press (Tyresö FF), Ingrid Wells (noch unbekannt)

Göteborg wollte eigentlich angreifen. Dann kam der Abgang von Press dazwischen. Tyresös Zampano Hans Löfgren schnappte die Amerikanerin den Göteborgern vor der Nase weg. Landström ist vom Typ her kein Press-Ersatz, aber sie ist eine Kämpfernatur mit einer enormen fysischen Kraft. Dennoch muss sich das Angriffsspiel ändern. Torbjörn Nilsson hat seinen Trainervertrag um 2 Jahre verlängert, weil ihm versichert wurde, dass die Mannschaft sukzessiv verstärkt wird. Mindestens eine Klassespielerin muss noch kommen.

Voraussichtlich: Kristin Hammarström, Catrine Johansson, Anna Ahlstrand, Stina Segerström, Camille Levin, Yael Averbuch, Anita Asante, Johanna Almgren, Olivis Schough, Cathrine Dyngvold, Jessica Landström.

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Kristianstads DFF

Zugänge: Josefine Öqvist (vereinslos), Marija Banusic (IK Sirius), Brett Maron (Valur), Elin Borg (AIK)

Abgänge: Elin Nilsen (Vittsjö), Katrin Ómarsdóttir, Becky Edwards (beide unbekannt), Emelie Johnsson (Borens IK),  Moa Pettersson (Wä IF), Anna Persson (Glimåkra IF), Lisa Petersson, Julia Molin (AIK)

Auf den Plätzen 5-12 und bei den Aufsteigern erspare ich mir die mögliche Aufstellung am ersten Spieltag. Maron wird sicher in den ersten Monaten im Tor stehen, da Hedvig Lindahl in der Reha nach dem Kreuzbandriss ist. Trainerin Beta Gunnarsdottir ist wie immer super ambitioniert und will sicher Meister werden. Mit der Verpflichtung von Banusic ist ihr ein Coup gelungen. Für mich das größte Talent im schwedischen Fußball VOR der allenthalben gepriesenen Lina Hurtig (Umeå). Dass Josefine Öqvist letztlich der Offensive maßgebliches Gewicht verleihen wird, steht außer Frage. Kristianstad hat jetzt den drittbesten Angriff der Liga.

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Vittsjö GIK

Zugänge: Elin Nilsen (Kristianstad), Jane Ross (Glasgow City)

Abgänge: Emma Kullberg (Umeå Södra), Josefine Mårtensson (Glimåkra IF)

Das zweite Jahr ist immer das Schwerste. Das wird auch für Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK gelten. Niemand hätte das Team aus Skåne auf Rang 6 erwartet. Die Verpflichtung von Jane Ross deutet eventuell darauf hin, dass Danesha Adams geht. Die Amerikanerin war sehr wichtig. Möglich, dass Vittsjö, wie immer, von Beta Gunnarsdottir geschasste Spielerinnen überimmt. Becky Edwards?

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Umeå IK

Zugänge: Hanna Folkesson (AIK)

Abgänge: Erica Carlén (Morön)

Wenig passierte in Umeå. Keeperin Caroline Jönsson hat ihr Karriereende zur Saisonmitte angekündigt. Da braucht es Ersatz.

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Piteå IF

Zugänge: Clara Markstedt (AIK), Johanna Andersson (Assi)

Abgänge: Camilla Johansson, Jessica Olovsson (unbekannt), Ann-Mari Dovland (Klepp), Jennifer Nobis (Karriereende)

Piteå hat zwar die beste Torschützin Nobis durch Clara Markstedt ersetzt, aber es fehlt an einer weiteren offensiven Spielerin, die dem Angriff mehr Durchschlagskraft verleiht. Faith Ikidi hat ihren Vertrag bis einschließlich 2015 verlängert, eine finanzielle Deckung dafür gibt es noch nicht.

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Jitex BK

Zugänge: Emma Wilhelmsson (LdB FC Malmö)

Abgänge: Katri Nokso-Koivisto (LSK Kvinner), Nanna Jansson (Hovås Billdal), Caroline Lindblad (unbekannt)

Jitex wird weder schwächer noch stärker.

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KIF Örebro

Zugänge: Fehlanzeige

Abgänge: Marie Hammarström (Kopparbergs/Göteborg FC), Emelie Lundberg (Eskilstuna United), Hanna Ågren-Åhbom, Nina Fellbrant,  Fanny Persson (hören auf), Edda Garðarsdóttir,  Ólína Viðarsdóttir (beide zurück nach Island, , Linda Fransson (noch nicht klar)

Das sieht wieder nicht gut aus für Örebro, das erhebliche finanzielle Probleme hat.

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Sunnanå SK

Zugänge: Anikka Kukkonen (Djurgården), Hanna Glas (Sundsvalls DFF),  Carys Hawkins (Perth Glory

Abänge: Anna Bodén (Morön),  Yanru Zhang (China)

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Mallbacken

Zugänge: Sarah Bergman, Emmie Johansson (beide QBIK), Maija Saari (AIK), Hayley Lauder (Åland United)

Abgänge: Anna Arnfeldt (Karriereende)

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Djurgården

Abgänge: Gudbjörg Gunnarsdottir, Mia Jalkerud, Freja Hellenberg (alle Avaldsnes IL), Jessica Landström (Göteborgs FC), Renée Slegers (Linköping), Anna Lindblom (Hammarby), Katrine Petrous, Natalia Rickne, Annika Kukkonen (Sunnanå), Katrin Jonsdottir, Caroline Frånberg.

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AIK

Zugänge: Lisa Pettersson, Julia Molin (beide Kristianstad)

Abgänge: Maija Saari (Mallbacken), Elin Borg (Kristianstad), Nazanin Vaseghpanah (hört auf), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz (Tyresö), Clara Markstedt (Piteå), Lori Chalupny (unbekannt)

Milliardär in Malmö

Wir haben uns alle die Finger wundgeschrieben über LdB FC Malmös finanzielle Krise. Sportdirektor Niclas Carlnén stand das Wasser mehrmals bis zum Hals und gefühlt bis zur Unterlippe, zuletzt als man in der ersten Instanz einen Prozess um Steuerschulden verlor und möglicherweise ein paar Hunderttausend Euro nachzahlen muss.

Heute, nachdem sich LdB FC Malmö und der FC Rosengård zur Fusion entschlossen haben, ist das alles bloß Geschichte.

Hans Löfgren hat seinen Tyresö FF in harter Arbeit in knapp fünf Jahren zum Meister gemacht und ist an Malmö vorbeigezogen.

Bald kann das ebenfalls Geschichte sein.

Denn der Mann hinter der Fusion in Malmö ist IT-Milliardär Dan Olofsson. Der heute 62-Jährige Olofsson ist Besitzer mehrerer IT-Unternehmen und kontrolliert mit seiner Firma Danir AB ein kleines Imperium mit mehreren tausend Angestellten. Dan Olofsson hat serienweise Auszeichnungen auch für sein soziales Engagement bekommen, u.a. für sein Engagement gegen AIDS in Südafrika oder für die Errichtung und den Betrieb des Women Village of Sport in Malmö, wo Frauensport unter verschiedensten Bedingungen erforscht wird.

Olofssons Sohn Johan sitzt im Vorstand des FC Rosengård und wird damit der verlängerte Arm des Vaters sein. Der Zeitung Sydsvenska Dagbladet hat Olofsson ein Interview gegeben.

„Ein Grund für mein Engagement waren die schwindenden Sponsoreinnahmen bei LdB. Der Club kam in die Situation, dass er eigentlich seine Aktivitäten als Spitzenclub hätte aufgeben müssen und das als Schwedens bester Frauenmannschaft. Ich habe mein ganzes Leben in Malmö verbracht und natürlich will ich, dass sich Malmö gut entwickelt,“ so Olofsson.

„Es wäre doch peinlich für Malmö, wenn die Stadt ihre Topfrauenmannschaft abschaffen müsste. Kent Widding Persson hat ja das Produkt LdB an Cederroth verkauft. Der Vertrag läuft 2013 aus. Wenn es kein Sponsorenengagement mehr gibt, gibt es auch keinen Grund, warum der Club weiterhin LdB heißen soll. Wie die Mannschaften heißen werden, steht noch nicht fest, aber der Verein wird FC Rosengård heißen. Alles Weitere muss dann von den Juristen geklärt werden, damit alles korrekt wird. Das sehe ich mehr als eine technische Frage,“ sagte Dan Olofsson zu Sydsvenska Dagbladet.

Als Ziel wird definiert, dass die Frauenmannschaft eine der besten Europas sein soll und dass die Männermannschaft des FC Rosengård bis in die zweite Liga kommen soll. Über die Millionenschulden und die Konkursdrohungen spricht nun niemand mehr in Malmö. Das Frauenteam des LdB FC Malmö wird irgendwann Geschichte sein. Wann, das steht noch nicht fest. Denn die UEFA erlaubt keinen Namenswechsel in einem laufenden Wettbewerb. Auch der schwedische Fußballverband nicht. Nun ist LdB FC Malmö trotz der Verpflichtung von Manon Melis sicher Außenseiter im Viertelfinale im März gegen den zweimaligen CL-Sieger Olympique Lyon. Aber ob es im Falle eines Ausscheidens möglich wäre, innerhalb von zwei Wochen den Namen zu ändern und in der Damallsvenskan als das Team formerly known as LdB FC Malmö aifzutreten, scheint fraglich. Und wenn die Damallsvenskan 2013 zu Ende ist, läuft schon wieder die neue CL-Saison…

Aber das ist derzeit das geringste Problem in Malmö, wo alle Akteure in Seelenruhe Weihnachten feiern dürften.

PS: Dan Olofsson sagte auch, dass das Frauenteam weiter auf dem Malmö IP spielen soll und nicht in Rosengård.