Tyresö bleibt dran

Marta in voller Fahrt gegen Jitex

Sie haben getan, was nötig war. Tyresö FF schlug Jitex mit 3:0 durch Tore von Vero Boquete (2) und Madelaine Edlund, aber man merkte dem Spiel an, dass Tyresö tief im Innern bereits den Meistertitel nicht mehr als möglich sieht.

Inszenierter Jubel für den neuen Werbefilm

2173 Zuschauer wurden offiziell vermeldet – wieder mal beim Frauenfußball eine Zahl, die man gerne einmal selber nachgerechnet hätte. Am Anfang drehte der ehemalige Sportchef Hans Löfgren (gestern Stadionsprecher) einen Werbefilm für 2013. Ein paar hundert Schulkinder, die in Tyresö, aber auch anderen Vereinen spielen wurden als Statisten eingesetzt und mussten eine Tribüne hinter dem Tor (siehe Foto) bevölkern. Auf Kommando war dann gemeinsames Jubeln angesagt, die Spielerinnen mussten kurz vor Anpfiff einmal raus und zur Tribüne laufen, damit auch alles echt und hübsch aussieht für gegenwärtige und neue Geldgeber. Vermutlich wurden alle Kinder, die gratis als Statisten fungierten, zur Zuschauerzahl hinzugerechnet. Sie froren brav eine Halbzeit, in der zweiten Hälfte waren nur noch sehr wenige von ihnen im Stadion.

Denn die Luft ist etwas raus aus dieser Saison in Tyresö. Pokalsieg und Meisterschaft hat man selber vergeigt und wieder einmal zeigt sich, dass man schnelle Erfolge nicht mit dem Scheckbuch erzielen kann. Nominell und mit Blick auf den Kader MUSS Tyresö schon in diesem Jahr Malmö klar hinter sich lassen. Eigentlich dürfte ein Mittelfeld mit Marta, Vero, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist und all den großartigen Alternativen, die man dort noch hat, keinen einzigen Punkt abgeben.

Gestern tat man das auch nicht. Tyresö dominierte völlig in der ersten Halbzeit und schickte Angriffswelle auf Angriffswelle auf das Tor von Minna Meriluoto, die gestern unter den Augen ihres Nationaltrainers Andrée Jeglertz eine Klasseleistung zeigte und sich nachdrücklich als Nummer 1 für das finnische Tor bei der EURO 2013 empfahl.

Auch wenn die Sponsoren Lisa Dahlkvist zur besten Spielerin Tyresös erklärten, geht mein Votum an Vero, die Spaniern dominierte mit ihrem technisch einzigartigen Spiel in der ersten Halbzeit und schoss zwei Tore, bereitete das dritte vor. Während Marta eine Spielerin ist, die immer nach vorne drängt und den Raum sucht, ist Vero die ideale Ergänzung, da sie auf engstem Raum brilliert und agieren kann. Unglaublich wirklich, dass diese beiden nicht am Ende den Meisterpokal in die Höhe halten. Warum das so ist, erkläre ich nach dem Malmö-Spiel in Umeå heute Abend.

 

Pia Sundhages erstes Aufgebot – Emmelie Konradsson die Überraschung

Emmelie Konradsson die größte Überraschung in Pia Sundhages erstem Kader

Vor einer guten halben Stunde hat Pia Sundhage ihr erstes Aufgebot als schwedische Nationaltrainerin für das Länderspiel am 23.10. in Växjö gegen die Schweiz benannt. Sundhage hat nicht weniger als 24 Spielerinnen ausgewählt. Hier sind sie:

Tor: Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Carola Söberg

Abwehr: Emma Berglund, Sara Larsson, Malin Levenstad, Lina Nilsson, Stina Segerström, Annica Svensson, Sara Thunebro

Mittelfeld: Johanna Almgren, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Nilla Fischer, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Sofia Jakobsson, Emmelie Konradsson, Caroline Seger

Angriff: Madelaine Edlund, Jessica Landström, Susanne Moberg, Elin Rubensson, Lotta Schelin

Carola Söberg aus Tyresö ist erstmals seit langer Zeit wieder in einem Aufgebot. Da Hedvig Lindahl durch ihren Kreuzbandriss lange ausfällt, wird interessant sein, zu sehen, welche der drei allesamt 30-Jährigen Keeperinnen sich durchsetzen wird.

Elin Rubensson aus Malmö ist die wohl am meisten erwartete neue Spielerin im Aufgebot.

Die größte Überraschung für mich indes ist die Nominierung der soliden Emmelie Konradsson aus Umeå. Mit der 23-Jährigen hatte sicher kaum jemand gerechnet.

 

Göteborg holt den Pokal – und Tyresö geht wohl leer aus

Mit einem durchaus verdienten 2:1 nach Verlängerung gewann gestern Abend Kopparberg/Göteborgs FC den schwedischen Pokal 2012 und verteidigte damit seinen Titel gegen denselben Gegner wie im Vorjahr an gleicher Stelle.

Wieder ging es in die Verlängerung. Christen Press hatte hoch konzentriert aufspielende Gastgeberinnen schon in der neunten Minute in Führung gebracht. Die erste Halbzeit endete mit einem klaren Punktsieg Göteborgs, dass vor allem durch exzellente Defensivarbeit bestach. Zwar hatte Tyresö mehr Ballbesitz und durchaus auch Chancen, aber Göteborg hätte etwa durch einen Freistoß von Yael Averbuch auf 2:0 erhöhen können, aber die nach leichten Rückenproblemen zurückgekehrte Carola Söberg rettete das Millionenteam von Hans Löfgren mit einer Glanzparade vor der Vorentscheidung.

Marta erzielte in der zweiten Halbzeit, das ein deutlich stärkeres Tyresö sah, dann mit einem für sie typischen Treffer den Ausgleich, beide Seiten hätten das Spiel entscheiden können. Press und Kirsten van de Ven hatten weitere Möglichkeiten, am Ende gab es aber ein Unentschieden nach 90 Minuten und wie im Vorjahr Verlängerung.

In der brachte Elaine, die nach er Auswechslung von Emilia Appelquist als Innenverteidigerin eingesetzt wurde, Christen Press regelwidrig zu Fall und die insgesamt schlecht, sehr schlecht pfeifende Unparteiische Linn Andersson zeigte auf den Elfmeterpunkt. Eine vertretbare Entscheidung in diesem Fall. Mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck ließ Marlene Sjöberg Söberg keine Chance. Sjöberg war auch die auffälligste Spielerin auf dem Platz. Sie zeigte eine herausragende Leistung in der Abwehr und bereitete Marta einen eher unerfreulichen Abend. Die Brasilianerin meckerte auch immer wieder und beschwerte sich über Schiedsrichterentscheidungen, manchmal zu Recht, aber oft eben auch leider zu Unrecht.

„Ein tolles Gefühl, den Pokal wieder zu gewinnen. Das war ja unser Ziel und wir haben es geschafft,“ sagte Marlene Sjöberg nach dem Spiel zum schwedischen Radio. „Das war ein spezielles Gefühl mit dem Elfmeter. Ich bin ja die Elfmeterschützin der Mannschaft und als wir den Elfer bekamen, habe ich mich nur gefreut. Eine echte Traumsituation, toll. Ich denke wir haben das ganze Spiel wie eine Mannschaft gekämpft. Wir wissen, dass Tyresö individuell so stark ist und dass man die ganze Zeit über sehr aufmerksam sein muss. Aber wir haben wirklich toll gekämpft. Immer wenn sie eine von uns ausgespielt haben, war schon die nächste da und dann so weiter und irgendwann war Schluss.“

„Die haben zwei Tore geschossen und wir eins,“ sagte Tyresös Mittelfeldspielerin Caroline Seger nach dem Spiel auf die Frage warum Göteborg gewonnen hat. „Die haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht, aber ich denke das haben wir auch getan. Das war ein Spiel, in dem jeder seine Vorteile hatte. Wir haben bis zur letzten Sekunde gekämpft, dann denke ich, dass wir in den letzten Minuten einen Handelfmeter hätten bekommen müssen, aber da kann man nichts machen. Schade, dass das spielentscheidend ist. Wir sind eine Mannschaft die mit Rückenwind gut spielt und Schwierigkeiten hat, wenn wir Gegenwind bekommen und da haben wir einiges, woran wir arbeiten müssen. Ich glaube, dass viele bei uns frustriert werden und einfach den Kopf hängen lassen, wenn wir Schiedsrichterentscheidungen gegen uns bekommen.“

Marta hingegen übte in einem Interview mit der Zeitung Aftonbladet scharfe Kritik an der Schiedsrichterin. „Wir waren 100mal besser als die. Und die Schiedsrichter dürfen nicht auf einem so niedrigen Niveau pfeifen. Ich bin sehr enttäuscht,“ so Marta nach dem Spiel.

Nun sieht es so aus, als ob das wohl teuerste Team der Liga am Ende der Saison 2012 „lediglich“ die Qualifikation für die Champions League 2013/14 in den Händen halten wird. Die Meisterschaft MUSS LdB FC Malmö mit fünf Punkten Vorsprung bei drei ausstehenden Spielen einfahren, der Pokal wurde gestern Abend wieder im Trophäenschrank in Göteborg eingeschlossen. Mal schaun, wie es am Tyresövallen 2013 weitergeht.

Die Verträge von Elaine, Madelaine Edlund, Annica Svensson und anderen laufen aus. Marta, Caroline Seger, Vero Boquete sind auch nächstes Jahr vertraglich gebunden.

Möglicherweise wird Löfgren versuchen, noch einmal aufzurüsten, um dann das Gold wirklich ganz sicher zu holen und auch perspektivisch die Champions League gewinnen zu können. Man wird wohl versuchen, Meghan Klingenberg zu behalten. Die Amerikanerin hat sich als Glücksgriff erwiesen und die offensiv weniger starke Annica Svensson auf die Bank verdrängt. Im Tor sehen manche Beobachter noch „Luft“, aber Carola Söberg ist aus meiner Sicht eine sehr stabile und sichere Torfrau. Madelaine Edluind hat ihre große Qualitäten, ist sehr laufstark und mannschaftsdienlich, aber sie lässt einfach zu viele Chancen aus. Zwar hat sie elf Tore in der Liga gemacht, aber andere Stürmerinnen in Spitzenvereinen hätten aus den erstklassigen Vorlagen von nicht zuletzt Marta sicher fast doppelt so viele Tore erzielt.

In der Viererkette hat man mit Röddik Hansen und Klingenberg erstklassige Außen, aber in der Mitte könnte man nach dem Kreuzbandriss von Linda Sembrant auch noch jemanden holen. Fraglich ist nur, ob die Sponsoren des geschickt geknüpften Netzwerks weiterhin bereit sind, tief in die Tasche zu greifen, wenn die Titel ausbleiben, mit denen sie ihre Namen verknüpfen wollen.

Landström schießt Tyresö ab

Debriefing nach dem 0:2 bei Djurgården – Marta und Elaine

Es war die wohl größte Überraschung der Saison.Man kann fast das seltsam zu gebrauchende Wort Sensation in den Mund nehmen.

Der haushohe Favorit Tyresö FF verlor am Samstagnachmittag in einem strahlend sonnigen Stadion in Stockholm gegen den Tabellenvorletzten Djurgården mit 0:2 und es sieht ganz so aus, als ob dieses Spiel die Meisterschaft in Schweden entschieden haben könnte.

„Wir haben darüber gesprochen, dass wir Tyresö schlagen werden. Niemand hat an uns geglaubt, aber wir selber haben das wirklich getan,“ so Trainer Patrick Eklöf nach dem Spiel in einer Pressekonferenz, in der vier Vertreter zweier Vereine zwei Journalisten gegenübersaßen. In einem Raum, der sicher 120 – 150 Quadratmeter groß war. Regeln sind Regeln. Der Verband hat den Vereinen mitgeteilt, dass sie Pressekonferenzen abhalten sollen, egal wie viele Medienvertreter anwesend sind. Aber das ist ein anderes Thema.

Djurgården war wirklich bis in die Haarspitzen geladen. Man sieht es auf den Bildern, die ich gemacht habe. Man sah es auf dem Feld, in den Dialogen der Spielerinnen untereinander. Aber Tyresö hatte wesentlich mehr Chancen. Caroline Seger, Marta, Kirsten van de Ven und natürlich immer wieder Madelaine Edlund. Aber die Abwehr kämpfte schon fast heldenhaft. Noch nie habe ich Annika Kukkonen so stark gesehen. Die kleine Finnin stand Marta auf den Füßen, verfolgte sie auf Schritt und Tritt und brachte sie manchmal an den Rand der Verzweiflung. Katrin Jonsdottir brachte ihre Routine aus mehr als 110 Länderspielen für Island in die Waagschale und selbst eine Stürmerin wie Jessica Landström arbeitete defensiv wie selten zuvor.

Apropos, Landström. Selten habe ich die 27-Jährige so gut gesehen wie gestern. Rackerte in der Defensive und warf sich vorne in die Zweikämpfe und – wichtig für eine Stürmerin: Sie schoss die Tore. Caroline Segers Schuss streifte die Querlatte in der 55. Minute, knapp 90 Sekunden später schoss Landström Djurgården in Führung und brachte damit Tyresö in große Verlegenheit. Meist hatte man diese Spiele klar gewonnen, wo man am Anfang Probleme hatte, weil halt alle gegen Tyresö ihr Kämpferherz auspacken. Aber irgendwann ließ die Kraft nach bei den Gegnern. Am Samstag war das anders.

„Wir wussten, dass Tyresö irgendwann einen schlechten Tag haben würde. einen Tag, an dem es bei denen nicht so läuft. Das war heute und wir haben das ausgenutzt,“ so Eklöf weiter nach der Begegnung.

Auf der Tribüne stützte Tyresös starker Mann Hans Löfgren in der letzten halben Stunde seinen Kopf auf die Arme auf und als Jessica Landström in der 71. Minute gar auf 2:0 erhöhte, war dem ehemaligen Sportchef wohl klar, dass man heute drei Punkte liegen lassen würde.

Tony Gustavsson versuchte es. Verordnete der Mannschaft eine Dreierkette, aber Marta handelte sich noch eine gelbe Karte ein, die für sie die Sperre im Match gegen Kristianstad am kommenden Wochenende bedeutet.

Gudbjörg Gunnarsdottir. Eine fehlerlose Leistung der 27-´Jährigen Keeperin, die mit einigen unglaublichen Reaktionen wesentlich Anteil daran hatte, dass Djurgården am Ende gewann.

Jessica Höglander. Im Tor von Tyresö stand die U19-Europameisterin und nicht Stammtorfrau Carola Söberg. Aber an Landströms platzierten Schüssen in die rechte Ecke hätte wohl kaum jemand etwas machen können.

Mit dieser Niederlage ist Tyresös Traum von der Meisterschaft wohl ausgeträumt, vorausgesetzt, dass Malmö am Sonntag in Göteborg gewinnt. Während Djurgården, das alle auf der Absteigerliste hatten nun auf einmal wieder Tuchfühlung nach oben bekommen hat nach seinen Heimsiegen gegen Örebro und Tyresö.

Marta vor Mittag

Da der schwedische Fußballverband keine Statistik über Scorerpoints (also Tore + Vorlagen) führt, habe ich mal mühevoll (danke!) die beiden Statistiken addiert und komme so zu einer Scorerliste, die sehr schnell deutlich macht, wer die beiden mit Abstand wertvollsten Spielerinnen der Damallsvenskan 2012 sind.

1. Marta (Tyresö) 12 Tore + 15 Assists= 27 Punkte
2. Anja Mittag (Malmö) 20 + 5 = 25
3. Madelaine Edlund (Tyresö) 11 + 8 = 19
4. Christen Press (Göteborg) 15 + 2 = 17
5. Ramona Bachmann (Malmö) 11 + 4 = 15
6. Elin Rubensson (Malmö) 7 + 7 = 14

Marta macht den Unterschied

Nein, das ist Effekthascherei und nicht korrekt. Vorgestern behauptete ich, dass Anja Mittag den Unterschied machte im Spiel gegen Vittsjö, weil sie in der 90. Minute beim Stand von 2:2 das Spiel entschied. Und das war richtig. Anja Mittag war Matchwinnerin.

Das war auch Marta am Dienstagabend in Solna. Allerdings war der Gegner nicht Vittsjö, sondern der zweite, wesentlich erfolglosere Aufsteiger AIK, und Marta schoss auch nicht das entscheidende Tor. Sie machte zwei und bereitete die anderen beiden vor. Tyresö gewann nach einer wieder einmal schwierigen ersten Halbzeit dann doch mit 4:0, weil es in jeder Hinsicht mehr Ressourcen hat als AIK. Man hat die besseren Spielerinnen auf jeder Position, man hat die Möglichkeit, diese Spielerinnen im Wesentlichen als Vollprofis leben zu lassen, man hat einen Vollzeit angestellten Konditionstrainer, man kann es sich leisten, wesentlich mehr Trainingseinheiten zu absolvieren als Spielerinnen, die nebenher arbeiten müssen oder zur Schule gehen und man hat einige der weltbesten Spielerinnen. Marta wird meiner Einschätzung nach in diesem Jahr nicht unter die ersten Drei der FIFA-Auswahl zur besten Spielerin des Jahres kommen. Aber wenn ich sie in den letzten Wochen so sehe, frage ich mich, ob es wirklich eine bessere Spielerin gibt auf der Welt. In der Torschützenliste liegt sie „nur“ auf Platz 3, aber neben ihren 12 Toren hat sie eben auch 13 Assists vorzuweisen und wenn ihre Mitspielerinnen manchmal ebenso schnell reagieren könnten oder so standsicher schießen könnten, dann wären es wesentlich mehr Vorlagen. Denn wie sie es etwa schafft auf einem Flügel die Hälfte einer gegnerischen Verteidigung auszuspielen und trotzdem voll im Blick zu haben, wer 5-6 Meter weiter innen wo frei steht und wie sie es dann immer wieder einmal kurz vor der Außenlinie in voller Fahrt schafft, den exakten Pass auf genau die freie Spielerin zu spielen, das ist Extraklasse. Das ist in der Dichte ein Alleinstellungsmerkmal.

Dabei will ich es nach diesem Spiel einfach mal belassen. Die beiden Tore, die Marta auflegtem, schoss Madelaine Edlund. AIK kämpfte brav 45 Minuten lang, danach schaltete Marta zwei Gänge höher und das Spiel wurde innerhalb von 20 Minuten entschieden. Ich habe es vorher gesagt, ich wiederhole es. Marta macht den Unterschied. Am 3. November spielt sie in Malmö gegen Ramona Bachmann und Anja Mittag, die im Hinspiel nicht viel gesehen haben. Da schossen Marta und die heute verletzte Elaine die Tore zum 2:0. Die Stärke Tyresös liegt in der Breite. Denn selbst wenn Marta einmal nicht überragen sollte, was sie im Moment jedoch tut, dann sind da mit Vero Boquete, Caroline Seger, Kirsten van de Ven, Line Röddik Hansen andere, die den Unterschied machen können. Ich bin mir jedoch sicher, dass es Marta sein wird…

Tyresö – bester Angriff, beste Abwehr

Meghan Klingenberg gelang mit dem 4:0 ihr erstes Tor für Tyresö

5:0 gewann Tyresö am Abend bei KIF Örebro und marschiert damit weiter Richtung Finale gegen Malmö am 3. November. Aber während Malmö am Samstag große Probleme mit Jitex hatte und erst in der Nachspielzeit zum 2:0 kam, war Tyresös Spiel in der zweiten Halbzeit wieder einmal hochklassig.

In der ersten Halbzeit allerdings sorgte eine Szene für große Aufregung: Sarah Michael war durch Richtung Tyresös Tor als sie von hinten von Emilia Appelquist zu Fall gebracht wurde. Kein schlimmes Foul, aber eine Notbremse. Und die Regel sagt eigentlich, dass es in so einem Fall ROT geben muss. Aber Annica Andric gehört leider nicht zu den besseren Schiedsrichterinnen der ersten Liga, sie hat sogar bei vielen Spielerinnen einen ausgesprochen schlechten Ruf. Und dem wurde sie wieder einmal gerecht. Der Linienrichter winkte wild mit seiner Flagge, Andric lief zu ihm und beriet sich fast eine Minute lang, ließ sich von ihm die Sünderin zeigen, da sie die Situation offenbar überhaupt nicht gesehen hatte. Und zeigte Appelquist – gelb.

Offenbar hat sich die Unparteiische nach dem Spiel bei Spielerinnen von Örebro für ihre katastrophale Fehlentscheidung entschuldigt – was die Sache eigentlich noch schlimmer macht.

Fast im Gegenzug zeigte sich Marta wieder einmal als die wertvollste Spielerin der Liga. Ihr exakter Pass auf Caroline Seger brachte das 1:0. Martas zwölfter (!) Assist in dieser Saison.

Statt 0:1 oder nur noch mit zehn Spielerinnen lag Tyresö nun vorn und ging mit der Führung in die Pause. Trainer Tony Gustavsson nahm zu Beginn der zweiten Hälfte Kirsten v an de Ven und die Sünderin Appelquist raus und brachte Linda Sembrant und Elaine. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Auf Tyresös Bank saßen zu Beginn mit Sembrant, Elaine und der ohnehin nach Meghan Klingenbergs zur zweiten Wahl gewordenen Annica Svensson drei A-Nationalspielerinnen und zwei U19-Europameisterinnen.

Tyresö kam aggressiver und entschlossener aus der Pause und das Spiel geriet zur Show. Zweimal Marta, Meghan Klingenberg und Madelaine Edlund erhöhten mühelos auf 5:0, Örebro hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Während Tyresö nun mit 49:10 Toren sowohl den besten Sturm wie auch die beste Abwehr hat, bleibt Örebro Zehnter und nur noch Djurgården hat zwei Tore mehr reinbekommen als man selber. Von den 42 Gegentoren gingen 12 auf das Konto von Tyresö, das ja das Hinspiel 7:0 gewonnen hatte.

Pokalfinale Göteborg – Tyresö

Wie schon 2011 stehen auch in diesem Jahr Kopparberg/Göteborgs FC und Tyresö FF im Finale des schwedischen Pokals.

Wie erwartet setzte sich dabei Tyresö vor heimischem Publikum gegen Jitex BK deutlich mit 6:2 durch. Je zwei Tore erzielten Vero Boquete, Kirsten van de Ven und Madelaine Edlund. Gegentreffer durch Mikaele Uthas und Kristine Lindblom. Tyresö führte zur Halbzeit bereits 4:0 und spielte in der zweiten Halbzeit schon im Schongang mit Gedanken an das nächste Meisterschaftsspiel.

Für zumindest eine kleine Überraschung sorgte Göteborg, das Tabellenführer Malmö mit 2:1 aus dem Pokal warf. Christen Press und Sara Lindén brachten eine 2:0 Führung, die erst in der Nachspielzeit durch einen Elfmeter von Anja Mittag verkürzt wurde. Göteborg ist nach wie vor in der Lage, den Topteams mit einer konzentrierten Leistung gefährlich zu werden und man hatte nach dem 0:1 bei AIK auch gesagt, dass man nun die Saison so erfolgreich wie nur möglich beenden wolle, auch wenn der angestrebte Champions-League-Platz jetzt außer Reichweite sei.

Tyresö nicht aufzuhalten

Tyresös Starensemble ist nicht aufzuhalten. Beim 5:1 in Piteå gab es keine Diskussionen darüber, wer hier am Ende die drei Punkte mitnehmen würde. Zweimal Kirsten van de Ven und Caroline Seger sowie ein Treffer von Madelaine Edlund bedeuteten einen weiteren Schritt Richtung Champions League und die vorläufige Tabellenführung vor Malmö, das erst am Abend spielte.

Jennifer Nobis hatte zwar zwischenzeitlich den Ausgleich erzielt, aber die 2203 Zuschauer in der LF Arena erlebten eine einseitige Partie. Immer mehr deutet darauf hin, dass sich die beiden Topteams immer weiter absetzen werden.

Tyresö entzaubert Vittsjö

Fünf Mal konnte Tyresö heute jubeln – so wie hier nach dem 1:0 durch Linda Sembrant

Von einem Spitzenspiel war vorher die Rede. Tyresö FF gegen den Sensations-Aufsteiger Vittsjö GIK, der immerhin als Tabellenvierter mit einem Spiel weniger nach Stockholm kam als der Dritte Kristianstads DFF.

Die Begegnung wurde live im Fernsehen übertragen und nach etwas mehr als einer halben Stunde war alles gelaufen.

Als sie noch bei Umeå IK spielte, sagte ich zum Verdruss einiger ihrer Gegner, dass sie ein Spiel allein entscheiden könne, vielleicht sogar eine Meisterschaft. In Tyresö hatte sie nach drei Jahren in den USA noch nicht ganz an die Form anschließen können, in der ich sie oft auf dem Platz gesehen habe, vor 2009. Schon kurz vor der Sommerpause sah ich aber Tendenzen, dass wir die alte Marta bald wieder zurück haben. Heute war sie zwar nicht allein der Unterschied, aber überragend. Ihren Eckball köpfte Linda Sembrant ins Tor – da sah Lois Geurts nicht gut aus. Sechs Minuten später ein Alleingang, in der sie die ansonsten aufopferungsvoll kämpfenden Abwehrspielerinnen wie Slalomstangen umkurvte und mit einem Schuss in den Winkel abschloss. Nach 35 Minuten ein unwiderstehlicher Antrirr auf dem linken Flügel, eine maßgenaue Flanke und ein schulmäßiger Kopfball von Madelaine Edlund. Tyresö führte 3:0.

Und hätte sicher mehr Tore schießen können. Am Ende wurden es fünf. Kirsten van de Ven köpfte eine Flanke von Lisa Dahlkvist rein und Vero Boquete schoss wieder einmal das Tor des Monats, tanzte Gegenspielerinnen auf engstem Raujm aus und schlenzte den Ball hoch ins Netz. Tyresö hat geradezu einen Überschuss an Klassespielerinnen. Denn als Kollektiv funktioniert das nicht immer. Man hat bisweilen den Eindruck, dass man bewusst auf die individuelle Klasse der Mannschaft setzt. Vero, Marta, Caroiine Seger, Kirsten van de Ven, Madelaine Edlund, irgendeine wird schon was machen, das dann gefährlich wird.

Nach dem Spiel sprach ich mit Vittsjös amerikanischer Abwehrspielerin Kendall Fletcher.

Wie fasst du das Spiel zusammen?

„Naja, ganz einfach, dass das unser erstes Spiel nach einer längeren Pause war und wir gegen eines der besten Teams der Liga gespielt haben. Die haben drei Mittelfeldspielerinnen, die absolute Weltklasse sind. Wenn du solche Spielerinnen auf der Gegenseite hast, ist es sehr schwer, sich zu verteidigen. Und selbst wenn du alles richtig machst, kann das trotzdem nicht genug sein. Wir wissen, dass wir Aufsteiger sind, und dass wir viel lernen müssen. Jetzt müssen wir aus diesem Spiel Lehren ziehen, uns motivieren und zusammenhalten, denn am Donnerstag ist schon wieder ein wichtiges Spiel.“ (Skåne-Derby gegen Kristianstad in Vittsjö)

Ausflug nach Värmland – Tyresö komplettiert Halbfinale

Wie erwartet, komplettiert Tyresö FF das Halbfinale des schwedischen Pokals.Gestern Abend spielte der Tabellenführer der Damallsvenskan beim Tabellenführer der zweiten Liga Süd, Mallbackens IF in der värmländischen Provinz. Mallbacken gehört zu dem Örtchen Lysvik, das 341 Einwohner hat.

Dennoch kamen gestern 1750 Zuschauer zum Strandvallen , um Marta & Co. zu sehen. Tyresö gewann mit 5:1 mit Toren von u.a.  Madelaine Edlund (2) und Marta (die komplette Statistik des Spiels liegt nicht vor). Mallbackens Torhüterin Katlynn Fraine zeigte eine Klasseleistung und verhinderte eine höhere Niederlage.

Im Halbfinale am 29.08. spielen:

Kopparberg/Göteborgs FC – LdB FC Malmö
Tyresö FF – Jitex BK

Halbzeit (9): Umeå IK

Joakim Blomkvist wirkt etwas ratlos

Als ich anfing, über Frauenfußball in Schweden zu schreiben, gab es eine Mannschaft, die alles dominierte: Umeå IK. Sie waren das Maß aller Dinge, sie hatten den „vinnarskalle“, den Sieger(innen)schädel, und setzten sich am Ende immer wieder durch. Manchmal auch schon viel früher mit gehörigem Abstand zum Rest des Feldes, das nur ehrfürchtig und bewundernd gen Norden blicken konnte, immerhin liegt die 100.000-Einwohnerstadt gut 800 km oder eine Flugstunde nördlich von Stockholm.

Damals hieß der Sportdirektor Roland Arnqvist, im Team gab es Spielerinnen wie Malin Moström, Anna Sjöström, Marta, Elaine, Maria Bergkvist und last but not least Hanna Ljungberg.

Das ist noch nicht so furchtbar lange her, aber wenn man UIK nach der Hälfte der Saison an neunter Stelle wiederfindet, dann weiß man, das es bergab gegangen ist. 2009 setzte die große Spielerinnenflucht ein, da verschwanden nach Marta auch Ramona Bachmann, Johanna Rasmussen, Mami Yamaguchi, Madelaine Edlund und Elaine Richtung USA, es gab ein mittelmäßiges Jahr, aber letztes Jahr war Umeå fast bis zum Ende der Saison imstande Meister zu werden. Ramona war zurück in der Stadt, die für sie neben Luzern als zweite Heimat erschien und Umeå spielte unter seinem jungen Trainer Joakim Blomqvist einen herzerfrischenden, attraktiven Fußball.

Zu dieser Saison gingen dann wieder einige. Bachmann wollte CL spielen und folgte dem Lockruf Malmös, Sofia Jakobsson ließ sich im Nordosten Moskaus in Rubel bezahlen und mit Hanna Pettersson verschwand eine weitere Goalgetterin, in diesem Falle nördlich nach Piteå. Und Umeå spielt wieder eine mittelmäßige Saison. Es fing so gut an mit dem 4:1 gegen Vittsjö, dem darauf folgenden Auswärtssieg in Örebro.

Da dachte man, dass man Umeå und seinen vielbeschworenen Kampfgeist wieder einmal unterschätzt hatte. Leider war es nicht so. Die Doppelklatsche am vierten und fünften Spieltag mit dem 1:7 in Malmö und danach daheim 1:5 gegen Tyresö versetzte dem Team einen Schock, von dem es sich nicht mehr erholte. Nach beiden Niederlagen sprach ich mit Kapitänin Emma Berglund, die heute Abend gegen Südafrika wohl von Beginn an für Schweden auflaufen wird, und Emma versicherte mir, dass man diese beiden Spiele abhaken würde und dass man nach vorne blicken würde. Es folgte das 0:1 bei Abstiegskandidat Djurgården.

Lediglich der Sieg bei Kristianstad machte zwischendurch etwas Mut. Absteigen wird Umeå nicht und auch wenn sich von den in der Tabelle weiter zurückliegenden Stockholmer Vereinen AIK und Djurgården einige Hoffnung machen, dass man just Umeå einholen könne, dann denke ich, dass man sich irrt. Das Spielermaterial, wie man so unschön sagt, reicht aus, um in der Damallsvenskan zu bestehen. Vor dem nächsten Jahr wird sich dann jedoch die Frage stellen, wohin Umeå gehen wird bzw. kann. Langfristig bedarf es Investitionen um die Klasse zu erhalten und sich nach oben zu orientieren.

Blogs, Facebook, Twitter – Aus

Morgen beginnen mit dem Spiel gegen Südafrika die Olympischen Spiele für die schwedische Nationalmannschaft, zwei Tage vor der Eröffnungsfeier.

Thomas Dennerby und seine Assistenztrainerin Ann-Helen Grahm haben gestern an die Mannschaft appelliert, alle sozialen Medien (Blogs, Facebook, Twitter, Pinterest, Instagram usw) für die Dauer des Turniers ruhen zu lassen.

Gleiches hatte man schon vor der WM in Deutschland getan. „Es handelt sich um eine Empfehlung von uns, das Lesen von und die Beschäftigung mit gewissen Medien zu vermeiden. Nicht, dass Energie kostet, soll vorkommen. Deshalb haben wir den Spielerinnen geraten, die sozialen Medien nicht zu benutzen,“ erklärte Dennerby.

Torhüterin Hedvig Lindahl sagte, dass sie während des Turniers keinen Kontakt mit Personen außerhalb der Nationalmannschaft haben wolle und sogar ihre Freunde und Verwandten gebeten hätte, ihr keine SMS zu schicken.

Auch Lotta Schelin macht mit und so wird aus der vorgegebenen Freiwilligkeit kollektiver Zwang: „Ich verhalte mich jetzt, wie ich das immer tue und versuche, nicht zu lesen, was über mich geschrieben wird. Da ist nichts, das mir hilft und es ist besser sich auf die Mannschaft und den Fußball zu konzentrieren.“

18 der 22 schwedischen Spielerinnen (inkl der vier Reserven) haben Twitterkonten:

Gerade schreibt Johanna Almgren: „Jetzt. Fokus Olympia 2012. Letzter Tag auf Twitter, Facebook, wieder nach Olympia. Jetzt sind wärmende Glückwünsche willkommen:). Alles Gute, Alle!“

Hier sind die Twitterkonten der 18 inklusive Anzahl Tweets und Follower:

1 Hedvig Lindahl (1989 Tweets, 589 Follower; letzter Tweet 17.05.)

2 Linda Sembrant (kein Twitterkonto)

3 Emma Berglund (2864 Tweets, 453 Follower)

4 Annica Svensson (kein Twitterkonto)

5 Nilla Fischer (2930 Tweets, 1107 Follower)

6 Sara Thunebro (kein Twitterkonto)

7 Lisa Dahlkvist (35 Tweets, 231 Follower; Dahlkvist twittert kaum, hat aber ein gemeinsames Blog mit Linda Sembrant mit vielen Fotos wie diesem hier)

8 Lotta Schelin (348 Tweets, 6159 Follower)

9 Kosovare Asllani (408 Tweets, 1201 Follower)

10 Sofia Jakobsson (1194 Tweets, 363 Followers)

11 Antonia Göransson (kein Twitterkonto)

12 Marie Hammarström (266 Tweets, 132 Follower)

13 Lina Nilsson (2327 Tweets, 574 Follower)

14 Johanna Almgren (1932 Tweets, 748 Follower)

15 Caroline Seger (974 Tweets, 5393 Follower)

16 Madelaine Edlund (127 Tweets, 135 Follower)

17 Malin Levenstad (43 Tweets, 214 Follower)

18 Sofia Lundgren (1138 Tweets, 293 Follower)

19 Susanne Moberg (24 Tweets, 65 Follower)

20 Stina Segerström (1100 Tweets, 572 Follower)

21 Jessica Landström (289 Tweets, 1774 Follower)

22 Kristin Hammarström (323 Tweets, 243 Follower)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tyresö schlägt Djurgården im Regen

Djurgården unter Druck – Kopfball von Elaine Moura

Mit 2:0 gewann Tyresö FF am Samstagnachmittag gegen den Tabellenletzten Djurgården durch Tore von Madelaine Edlund und Lisa Dahlkvist. Aber der Tabellenführer tat sich trotz fast totaler Dominanz sehr schwer, das Tor zu treffen.

„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, aber da vorne lassen wir einfach zu viele Chancen aus, wir müssen uns das ansehen. Ich habe in der ersten Halbzeit auch einen Ball verschossen, den ich normalerweise immer reinmache,“ sagte mir Marta nach dem Spiel, die ich noch „erwischte“, als sie wie immer sehr geduldig und freundlich Autogramme für die Kinder schrieb, die ihr hinterherlaufen. Inzwischen muss wohl jedes Kind zwischen fünf und vierzehn in Tyresö ein Autogramm der Brasilianerin habe, dachte ich mir. Marta war’s dennoch zufrieden. „Das Spiel war wegen der ausgelassenen Torchancen nicht so lustig, aber am Ende bin ich dann doch zufrieden mit den drei Punkten,“ so Marta weiter.

Überragend auf dem Platz: Vero Boquete. Die kleine Spanierin zeigte Kabinettstückchen, filigrane Finten und leistete so ganz nebenbei hervorragende Defensivarbeit. Der neue Trainer (Stefan Fredriksson trat Donnerstag offiziell wegen Überarbeitung zurück) Leif Edeborg (bisheriger Assistent Fredrikssons) hatte etwas ummöbliert. Line Röddik-Hansen, wohl beste Linksverteidigerin der Liga, musste aus unerfindlichen Gründen in die Innenverteidigung für die angeschlagene Linda Sembrant, während Elaine auf Röddik-Hansens angestammter Position spielte.

Bei Djurgården überragte wie so oft in Begegnungen gegen wesentlich stärkere Teams Torfrau Gudbjörg Gunnarsdottir. „Das Wetter heute ist so wie bei uns zu Hause in Island,“ sagte sie mir nach dem Spiel, für das sie als Beste ihres Teams einen Picknick-Korb des Sponsors bekommen hatte.

Kaum Bälle bekommen hatte eine Debütantin, die wir seit dem November 2009 erstmals wieder in der schwedischen Liga sahen: Djurgårdens neue Nummer 6, Nationalspielerin Jessica Landström, die 95 Minuten durchspielte.

Fotos vom Spiel gibt es leider nur eines (von der Tribüne), da der stete Regen, der eisige Wind und Temperaturen unter zehn Grad dazu beitrugen, dass ich dieses Spiel zu dem mit dem bisher schlechtesten Wetter in allen sieben Spielzeiten küren möchte, in denen ich die Damallsvenskan verfolgt habe.

Nach dem Spiel joggte Landström, die als einzige mit Handschuhen spielte, erst noch einmal in Ruhe aus, ehe sie mir dann im Medienraum von Tyresö doch noch vor das Mikrofon lief.

„Ich glaube, da fehlt einfach noch viel Selbstvertrauen bei Djurgården. Dass man den Ball haben will und dass man sich traut, ihn auch erst einmal zu behalten. Man konnte das bei Tyresö sehen, die wollen den Ball haben. Wir laufen sehr viel, aber wir könnten effektiver laufen, wenn mehr Ballbesitz wollten, denn so müssen wir sehr viel in der Defensive laufen,“ sagte Jessica Landström, befragt nach ihren ersten Eindrücken vom (alten und) neuen Team.

„Ich denke, dass ich in guter Form bin, habe drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Wir müssen einander kennen lernen und einander vertrauen. Ich rede gerne viel und steuere auch die Dinge, aber das ist natürlich noch nicht so einfach, ich kenne ja noch nicht mal alle meine neuen Mannschaftskameradinnen mit Namen.“

Was hast du aus deiner Zeit in Frankfurt mitgebracht?

„Sehr viel. Das ist ein sehr professioneller Verein mit Weltklassespielern. Alle haben ein sehr hohes indivioduelles Leistungsniveau. Die Trainingsvoraussetzungen und das Training da haben mich enorm entwickelt. Hier ist eine andere Situation, hier bin ich sicher eine der kreativeren und aktiveren Spielerinnen, in Frankfurt waren sehr viele andere auch aktiv, das wird anders. Ich habe mich als Mensch weiterentwickelt und auch als Person.“

Und du hast auch Deutsch gelernt? Ich habe Tweets auf Twitter gelesen, die du auf Deutsch geschrieben hast?

„Ich verstehe alles, würde ich sagen, wenn es nicht gerade Fachsprache ist. Bücher kann ich auch lesen, aber Sprechen geht so lala.“

Siehst du dich unter Druck hier, du kommst in einer schweren Situation, die Mannschaft ist Letzter, man erwartet Tore?

„Den Druck, den ich von anderen bekomme, den kann man nie vergleichen mit dem Druck unter den ich mich selber setze.“

Wie würdest du Tyresö und Frankfurt vergleichen?

„Das wäre sicher ein interessantes Spiel.“

 

AIK schlägt sich selbst und Martas Sprache

Marta im Spiel gegen AIK am letzten Samstag

Irgendwo zwischen 5 und 8 zu Null. Das hatte Linköpings Stürmerin Emma Lundh erwartet, mit der ich mich nach dem Spiel unterhielt. Dass Tyresö aber bis 13 Minuten vor Schluss brauchen würde und dazu noch ein Eigentor von Maija Saari, hatte sie genausowenig vorhergesehen wie ich.Es war denn auch alles andere als ein aufregendes und sehenswertes Spiel, dessen Spannung mit zunehmender Spieldauer lediglich in der Frage bestand, ob Tyresö hier sensationelle zwei Punkte abgeben könnte mit seiner Weltklassetruppe gegen AIK:s sehr junge Mannschaft.

AIK spielte mit zwei Viererketten, aber so diszipliniert, dass Marta & Co. nichts Zählbares zustande brachten. Ok, es gab Torchancen, aber die wurden bisweilen leichtfertig versiebt. Und die sonst so explosive Madelaine Edlund wirkte bestens aufgehoben in der Zentralverriegelung der Gäste mit U19-Nationalspielerin Jennie Nordin.

Da kam es dann zu anderen Themen im kühlen Maiwetter. Marta und ihr Verhalten wieder einmal. Die Brasilianerin sah in der 90. Minute die gelbe Karte wegen Meckerns und musste fast gewaltsam von Mannschaftskameradinnen zurückgehalten werden, um nicht weiter zu klagen und dann vielleicht rot von der inkonsequenten Schiedsrichterin Annika Andric zu sehen. Inkonsequent, denn Marta hätte in der Tat rot sehen müssen. Ich finde ihr Verhalten auf dem Platz nicht mehr akzeptabel. Wenn man fotografiert und oft nur wenige Meter entfernt steht, bekommt man einiges mit. Etwa als Marta in der ersten Halbzeit den Linienrichter anschrie: „Was zum Teufel soll das?“ nach dieser die Abseitsfahne gehoben hatte. Oder auch „Halt das Maul!“ zu einem zugegeben wenig geistreichye Schlachtrufe produzierenden AIK-Anhänger.

Der Zuneigung der Fans in Schweden tut all das keinen Abbruch, denn gleichzeitig kann man konstatieren, dass Marta ein Publikumsmagnet ist. Der Zuschauerschnitt in den Spielen, in denen sie, heim wie auswärts zu sehen ist, liegt ein Vielfaches über dem eigentlichen Durchschnitt. Tyresös Trainer Stefan Fredriksson verteidigt seine Spielerin: „Nein, ich sehe das nicht so, das für Marta andere Regeln gelten. Man muss aber auch sagen, dass sie wirklich sehr viel gefoult wird, sie muss mehr einstecken als die meisten anderen und da ist es nur verständlich, wenn sie dann auch darauf reagiert.“

Drei Punkte für Tyresö, am Ende ist nicht mehr wichtig, wie sie zustande gekommen sind. In der Meisterschaft läuft alles immer mehr auf einen Zweikampf zwischen LdB FC Malmö und Tyresö FF hin, die nun beide dieLiga mit ihren 15 Punkten anführen. Malmö hat mehr Tore erzielt, selbst die Tordifferenz ist gleich.