ffschweden trifft (3): Madelaine Edlund

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Vor drei Monaten noch stand sie im Finale der UEFA Women’s Champions League in Lissabon und spielte mit ihrem Verein Tyresö FF gegen den VfL Wolfsburg. Doch sowohl das 3:4 gegen Wolfsburg wie auch die mit Stars gespickte A-Mannschaft von Tyresö ist längst Geschichte.

Als ich Madelaine Edlund traf, trug sie das Trikot ihres neuen Vereins Sunnanå SK, Tabellenfünfter der zweiten Liga, der Elitettan.

Ich war mit der 29-Jährigen verabredet, um von ihr selbst zu hören, warum sie den Schritt zurück vom europäischen Parkett in die nordschwedische Provinz getan hat und nicht etwa ihre Karriere in der Damallsvenskan oder im Ausland fortgesetzt hat.

„Ich habe mir überlegt, das ich einfach alles schon mehr oder weniger gemacht habe im Fußball,“ sagte mir Madde Edlund nach dem 3:3 ihres Teams beim Tabellenvierten Djurgården in Stockholm.

„Ich habe in Umeå gespielt, stand drei Mal im Finale der Champions League und hab auch ein bisschen in der Nationalmannschaft gespielt. Ich habe wirklich das Meiste gemacht und ich bin nicht mehr so ganz jung, vielleicht sogar irgendwo am Ende meiner Karriere als Fußballspielerin. Und dann bin ich auch Mutter. Ich bin ja in Jönköping geboren, aber aufgewachsen bin ich in Skellefteå und wie du sicher weißt, habe ich die ersten Jahre für Sunnanå gespielt, bevor ich nach Umeå ging.“

In Umeå gewann Madelaine Edlund zwei Mal die schwedische Meisterschaft, bis der Club in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet. Marta ging zu Los Angeles Sol in die amerikanische Profiliga WPS und viele andere Spielerinnen verließen den Verein. Edlund und die Brasilianerin Elaine Estrela Moura folgten Marta in die USA und heuerten bei St. Louis Athletica an, eine Manschaft, die aber schon nach wenigen Monaten zurückgezogen wurde, weil ihr Eigentümer begriffen hatte, dass Frauenfußball ihm keine Gewinne verschaffen würde.

Der umtriebige Unternehmer Hans Löfgren holte Elaine und Madelaine nach Tyresö. 2012 holte Tyresö sein erstes und Madde Edlund ihr drittes Gold in der schwedischen Meisterschaft. Im alles entscheidenden Spiel Anfang November 2012 in Malmö verschoss Anja Mittag zunächst einen Elfmeter und vergab damit dkie große Chance auf die Vorentscheidung zugunsten der Gastgeber. Stattdessen war es Madde Edlund, die in der 81. Minute das Blatt wendete. Ihr 0:1 war das Tor des Tages und meisterschaftsentscheidend.

Mir scheint es, als ob du jetzt nach Hause gekommen bist, Madelaine?

„Sunnanå war immer in meinem Herzen,“ antwortet Madelaine Edlund „Ich habe etliche Jahre in der Damallsvenskan gespielt und jetzt wollte ich zu einem Team, das durchaus in die Damallsvenskan aufsteigen will und ich wollte dabei sein, zu versuchen, das Team nach oben zu bringen. Denn der Ehrgeiz aufzusteigen, den gibt es hier.“

Was aber, wenn es Sunnanå tatsächlich gelingen sollte, aufzusteigen? Dann würde sich das Trainingspensum wieder erhöhen.

„Ich weiß nicht, was ich dann machen würde. Aber das hat bis nach dem Ende der Saison Zeit. Aber mir geht es in Skellefteå wirklich gut.“

Hast du lange überlegt, bis du dich entschlossen hast, diesen Schritt zurück zu machen?

„Nein, eigentlich gar nicht. Es war einfach. Ich habe eine Tochter und da hast du eine andere Perspektive auf das Leben. Ich bin im Ausland gewesen und habe so viel erlebt und gemacht, jetzt ging es darum, nach Hause zu kommen. Jetzt spielen andere Dinge in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle. Der Fußball ist nach wie vor wichtig, aber für mich ist das jetzt und hier ideal. Ich will wirklich was mit dieser Mannschaft erreichen.“

Ich frage Madelaine, ob das lange und schlimme Ende der Topmannschaft Tyresö FF für sie letzten Endes nicht irgendwo positiv war.

„Ja, so kann man das durchaus sehen,“ stimmt sie mir zu. „Ich war halt gezwungen, mir etwas Neues zu suchen. Aber es ist schon merkwürdig, es ist alles nicht einmal drei Monate her und wir sind in alle Winde in der ganzen Welt verstreut.“

Ob die junge Familie in Nordschweden bleibt, hängt laut Madd Edlund vor allem davon ab ob sie und ihr Freund einen Job dort finden Madelaine ist von ihrem Arbeitsplatz in Stockholm beurlaubt und ihre Freund ist im Elternurlaub, hat seine Arbeit ebenfalls in der schwedischen Hauptstadt. Aber allen gefällt es gut im Norden wo Madde wieder bei ihren Eltern wohnt, vorübergehend zumindest.

Sie gibt ein gutes Beispiel dafür, wie man eine Karriere allmählich würdevoll und klug abschließen kann Die großen Ambitionen sind nicht mehr da und teilweise auch erfüllt. Es gibt eine Zeit nach dem Fußball. Das sieht Madelaine Edlund ganz schmerzfrei und das imponiert mir

 

 

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Tyresö: Personalien

Tyresö_getrennte_wegeAcht Wochen nach dem Zusammenbruch der A-Mannschaft von Tyresö FF sind nun endlich fast alle Spielerinnen bei anderen Vereinen untergekommen.

Christen Press, Whitney Engen, Meghan Klingenberg, Vero Boquete zog es bekanntlich alle in die amerikanische Profiliga NWSL, die Amerikanerinnen wurden zurückgerufen, die Spanierin Boquete spielt bei Nadine Angerers Team in Portland und wurde kürzlich Spielerin der Woche,

Torfrau Tinja-Riikka Korpela war nur wenige Monate in Tyresö und wird neue Nummer 1 des FC Bayern München. Dessen Torfrau Kathrin Längert wechselte zu FC Rosengård, wo sie demnächst nicht nur mit Jahrgangsschwester Anja Mittag spielen darf, sondern auch mit der fünffachen Weltfussballerin Marta, die Tyresö verliess, aber nun Malmö und nicht Paris als neuen Wohnort wählte. Gut unterrichteten Kreisen zufolge denkt Marta auch schon an die Zeit nach dem Fussball und will die schwedische Staatsbürgerschaft beantragen. Fusballerisch würde sich dieser Schritt jedoch nicht auswirken.

Caroline Seger zog es nach Paris wo PSG in der kommenden Saison einen weiteren Versich machen wird, Lyon und Wolfsburg von den jeweiligen Thronen zu stossen.

Die kleine, aber technisch feine Malin Diaz Pettersson wechselt zu Eskilstuna United und mit Lisa Dahlkvist Lisa Klinga und Zweittorfrau Carola Söberg zieht gleich ein ganzes Trio zum norwegischen Erstligisten Avaldsnes IL, Solide Personalpolitik sieht anders aus.

Madelaine Edlund hat sich entschieden, in die Heimat zurückzugehen. Sie ist zwar in Jönköping geboren aber aufgewachsen in Skellefteå und bei dessen Zweitligaclub Sunnanå SK setzt die junge Mutter ihre Karriere bewusst in Liga 2 fort.

Jungtalent Johanna Rytting Kaneryd wechselt zum Zweitligisten Älta IF, der nach den Rücktritten von Elaine Moura und Louise Schillgard (früher Fors) zwei wichtige Spielerinnen verloren hat.

Linde Röddik Hansen verstärkt die Abwehr von Meister FC Rosengård und trifft in Malmö auf die alten Tyresöer Kameradinnen Marta, Katrin Schmidt und Kirsten van de Ven.

Linda Sembrant verzichtet auf die Champions League und wechselte zum französischen Spitzenclub Montepellier, zu dem sich jetzt auch Sofia Jakobsson gesellt, die nach Moskau, London und Cloppenburg nun zum vierten Mal das Auslandsglück versucht.

Trainer Tony Gustavsson wurde erwartungsgemäss Co-Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft.

Noch unklar ist nun lediglich der Verbleib der vier Brasilianerinnen Thaysa, Rilany, Fabiana und Mayara, die Tyresö erst Anfang Februar verpflichtet hatte, als man schon wusste, dass man die Gehälter nicht zahlen können würde.

Tyresö: Aus die Maus

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresö FF hat gestern am späten Nachmittag seine A-Mannschaft im Prinzip aufgelöst und mit sofortiger Wirkung (da der schwedische Fußballverband das im Handumdrehen akzeptiert hat) den Spielbetrieb der Damallsvenskan verlassen. Der Satzung des schwedischen Fußballs gemäß hat dies den Abstieg mindestens bis in die „Division 2“, der vierten Liga, zur Folge. Damallsvenskan – Elitettan – Division 1 – Division 2 und so weiter.

Niemand ist darüber nach den Ereignissen der letzten Monate sonderlich überrascht, auch wenn man vielleicht nicht gedacht hätte, dass sich Hans Lindberg freiwillig (?!?) zurückzieht.

Aber der Donnerstag bot wieder einmal für gewohnt schlechtes Theater, was den Meister von 2012 und Champions-League-Finalisten von 2014 anging.

Kurz vor Mittag die für mich überraschende Nachricht, dass Hans Lindberg tatsächlich im Amtsgericht Nacka aufgetaucht war und einen Antrag auf Fortsetzung der Rekonstruktion der von ihm geführten Tyresö Fotboll AB eingereicht hat. Da gab sich er rüstige Rentner noch trotzig und kämpferisch. Das Nigeria-Projekt (angeblich ist der nigerianische Fußballverband daran interessiert, in Tyresö Mädchen und Jugendtrainer ausbilden zu lassen) sei noch nicht gaaaanz so weit, aber man stehe kurz vor der Unterzeichnung des Vertrags. Und man erwarte noch umgerechnet 200.000 € von der UEFA als Preisgeld für das Erreichen des Champions-League-Finals in Lissabon.

Falls das Gericht dem Antrag nicht stattgebe, so müsse Tyresö Fotboll AB Konkurs anmelden. Das würde aber, so Lindberg, keinesfalls bedeuten, dass Tyresö FF nicht die Saison zu Ende spielen könnte. Das Spielrecht würde den Regeln entsprechend von der Tyresö Fotboll AB an den Verein zurückgehen und der könnte dann mit seinen Juniorinnen sowohl Damallsvenskan wie Champions League spielen.

Ein Horrorszenario, das der 71-Jährige da gewohnt frech den Medienvertretern gegenüber entwarf.

Das Gericht ließ verlauten, dass die Entscheidung über den Rekonstruktionsverlängerungsantrag am kommenden Montag verkündet werden würde.

Zwischendurch unterschrieb dann noch Caroline Seger nun auh offiziell den schon längst bekannten Deal mit Paris Saint-Germains.

Und dann sah jemand gegen 18.00 Uhr auf Tyresös Homepage. Und da teilte der Verein mit (in einer ersten Version datiert auf den 23.05., dem Tag nach dem Champions-League-Finale), dass die Tyresö Fotboll AB die Damallsvenskan mit sofortiger Wirkung verlassen werden.

„Die Entscheidung liegt darin begründet, dass die Firma nicht genügend Spielerinnen hat, um auf eine sportlich gerechte Weise die 15 ausstehenden Spieltage zu absolvieren und dass der Eigentümer der Firma, Tyresö FF, nicht die Absicht hat, Juniorinnen aus den eigenen Reihen auszuleihen,“ schrieb der Verein.

Alle Spielerinnen hätten somit die Möglichkeit, mit anderen Vereinen zu verhandeln. Damit aber sei der Antrag auf Rekonstruktion nicht zurückgezogen, er würde weiterhin aufrechterhalten.

Es kann nur darüber spekuliert werden, was innerhalb weniger Stunden zum Sinneswandel von Lindberg geführt hat, vermutlich hat der schwedische Fußballverband zur Schadensbegrenzung Druck ausgeübt, denn der tiefe Fall von Tyresö ist nichts weniger als ein großer Skandal, der dem Frauenfußball in Schweden tiefen Schaden zugefügt hat.

Die Saison wird nun mit elf Mannschaften fortgesetzt. Wie erwartet. Schon im April beim Presseauftakttreffen tippte ich Tyresö als ersten Absteiger, weil abzusehen war, wie und wann die Reise endet.

Es ist ein unerhörter Skandal, dass man es diesem Konstrukt überhaupt erlaubt hat, ein Champions-League-Finale zu spielen bzw. in die Saison 2014 zu gehen. Mir gehen die Worte von Christen Press nicht aus dem Kopf, als sie mir sagte, dass sie beinahe glauben würde, dass alles so geplant war, dass es bis zum Finale geht und nicht (viel) weiter.

Auch ich habe in den letzten Monaten immer mehr mit diesem Gedanken gespielt. Das Projekt Aufstieg in die erste Liga, Meisterschaft und Champions-League-Finale war die Idee und die Vision des Hans Löfgren, der es mit allen Mitteln erreichen wollte. Danach war nichts mehr geplant in der Power-Point-Präsentation, die dem Verein vor 6-7 Jahren gezeigt wurde. Aus die Maus.

Zu sehr hatte man bereits nach den Sommerferien 2013 die Damallsvenskan vernachlässigt. Etliche Spielerwechsel und Neuzugänge im Herbst 2013: Ashlyn Harris, Alex Krieger, Caroline Graham Hansen zielten darauf ab, das Team für die Champions League zu optimieren. Dass der Abgang vieler arrivierter Spielerinnen das Gefüge durcheinanderbringen würde und den Erfolg in der Meisterschaft gefährden würde, nahm man in Kauf.

„Mein Auftrag ist es, auf allen Ebenen gut abzuschneiden, im Zweifelsfall eber die Champions-League zu priotieren;“ sagte mit Tony Gustavsson vor Beginn der Saison.

Welche Spielerinnen sind jetzt noch übrig?

Line Røddik Hansen wird wohl zum Meister FC Rosengård gehen, sie saß schon am Sonntag auf der Tribüne beim Spiel gegen Göteborg.

Madelaine Edlund wird mit dem Zweitligisten Sunnanå SK in Verbindung gebracht, sie hat selber der Zeitung Norran gesagt, dass sie dort am Dienstag hinreist. Sunnanå ist der Ursprungsverin der 28-Jährigen, hier wohnt auch ihre Familie.

Zu haben sind noch:

Tinja-Riikka Korpela, die finnische Nationaltorhüterin, die einen Zweijahresvertrag hatte und nur einen Monat (!!) Gehalt bekam.

Linda Sembrant, die 27-Jährige Innenverteidigerin und Nationalspielerin hat sich mit konstanten Leistungen nach ihrem Kreuzbandriss wieder in die Auswahl Pia Sundhages zurückgespielt.

Lisa Klinga, 22 Jahre alt, Tyresöer Eigengewächs. Hat unter anderem auch schon für Linköping und Piteå gespielt. Lisa Klinga ist vielfach einsetzbar, gelernte Stürmerin, die aber in letzter Zeit immer wieder in der Defensive außen gespielt hat.

Lisa Dahlkvist, 27 Jahre. Mittelfeldspielerin auch in der Nationalmannschaft. Wechselte mit Linda Sembrant von Göteborg nach Tyresö

Malin Diaz Pettersson, 20 Jahre alt. Kleine, hoch technische Mittelfeldspielerin, die noch an ihrer Physis arbeiten muss, um internationale Topklasse zu haben, die aber ein enormes Spielverständnis mitbringt.

Die drei Brasilianerinnen Thaysa, Mayara und Rilany und deren Landsfrau Fabiana, die aufgrund einer fehlenden Arbeitserlaubnis nicht spielen durfte.

Ungewiss ist noch der Verbleib von Marta, die aber schon längst nicht mehr zur „Firma“ gehörte.

 

 

 

Das letzte Aufgebot

Der achte Spieltag der Damallsvenskan wurde heute Abend mit der Begegnung Linköpings FC – Tyresö FF abgeschlossen. Das Spiel endete mit einem klaren 3:0-Sieg für Linköping, für das Pernille Harder erstmals nach ihrer Ermüdungsfraktur im Fuß wieder spielte und gleich wenige Minuten nach ihrer Einwechslung das 2:0 köpfte.

Ein höherer Sieg wäre möglich gewesen, aber die Finnin Tinja-Riikka Korpela machte ein großes Spiel und rettete mehrere Großchancen der Gastgeber. Die Schussstatistik endete mit 19:2 für Linköping, daran sieht man, wie sehr sich das Team Tyresös seit der Finalniederlage gegen Wolfsburg in Lissabon vor zwei Wochen geändert hat.

Um seine Juniorinnen, die er einsetzen musste, nicht zu Kanonenfutter werden zu lassen, ließ Tony Gustavsson neben Lisa Klinga, Linda Sembrant und Line Røddik Hansen ausnahmsweise Madelaine Edlund (!) in der Rechtsverteidigung auflaufen. Malin Diaz und Lisa Dahlkvist im Mittelfeld und der Sturm bestand nicht mehr aus Marta, Christen Press undEdlund, sondern aus Emelie Högman, Lina Sundelin und Rebecca Nyberg. Eingewechselt wurden später Astrid Wemö Larsson, Hanna Mohammed und Linda Tzelidis. Das zeigt, wie sich der Kader verändert hat. Wie bereits früher berichtet, befinden sich Rilany, Thaysa und Mayara mit der brasilianischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat, Fabiana hat meines Wissens nie eine Arbeitserlaubnis bekommen.

Vorsitzender Hans Lindberg bleibt immer noch cool. Morgen muss er Papiere beim Antsgericht einreichen, die dann Grundlage für drei Monate Forsetzung der Rekonstruktion bedeuten. Aber selbst im Falle eines Konkurses gedenkt Lindberg nicht, aus der Liga zu verschwinden. Er machte darauf aufmerksam, dass das Spielrecht in der Damallsvenskan dann juristisch von der Firma Tyresö Fotboll AB an den Verein Tyresö FF zurückgehen würde. Theoretisch könne man dann den Rest der Saison mit Juniorinnen in der höchsten Spielklasse Schwedens bestreiten.

Die professionellen Spielerinnen hingegen sind alle in Kontakt mit Vereinen. In den nächsten Wochen werden wir viele Wechsel erleben. Auch in Deutschland soll es Interesse an Spielerinnen des Champions-League-Finalisten geben.

 

 

Tyresö und Linköping verlieren

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Torhüterin Hilda Carlén zeigte eine Klasseleistung gegen Linköping (hier noch im Hammarbydress von 2013)

Dass sein Arbeitgeber die Champions League eindeutig vor der Meisterschaft prioritiert, das hatte mir Tony Gustavsson, Tyresös Trainer, schon im Februar gesagt – bevor das Chaos auch nur andeutungsweise nach außen bekannt wurde.

Dass die Damallsvenskan in den Überlegungen Tyresös keine sonderlich große Rolle (mehr?) spielt, sah man auch heute in Kristianstad. Nach 50 Sekunden schoss die von mir hoch geschätzte Marija Banusic Kristianstad gegen Tyresö mit 1:0 in Führung. Olivia Welin machte in der 79. Minute alles klar, in Abwesenheit von Meghan Klingenberg, Caroline Seger, Marta und Vero Boquete. Letztere saß übrigens mit Annica Svensson (früher Tyresö, jetzt Eskilstuna und morgen dran) auf der Tribüne von Skytteholms IP und sah AIK gegen Rosengård verlieren. Fabiana hat keine Arbeitserlaubnis, die Startformation Tyresös sah so aus: Carola Söberg, Line Røddik Hansen, Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist, Rilany, Thaysa, Mayara, Johanna Rytting Kaneryd, Malin Diaz, Lisa Klinga, Madelaine Edlund.

Sowohl Goalgetterin Christen Press wie Abwehrbollwerk Whitney Engen begannen auf der Bank, waren erst gestern von den beiden Länderspielen der USA gegen China aus Kalifornien zurückgekehrt. Die Brasilianerinnen landeten am Freitag nach einem Ausflug ihrer Natio nach Australien.

Allein schon deshalb war der Sieg Kristianstads keine Überraschung, es zeigt aber auch, dass Tyresö weiterhin wenig Interesse an der Liga hat und alles auf die an den nächsten beiden Sonntagen zu spielende Halbfinals gegen die Birmingham Ladies setzt.

Bei den Gastgebern lief übrigens Therese Björck heute mit der vermutlichen Rekordrückennummer 400 (!!) auf. Grund: Das Städtchen Kristianstad feiert in diesen Tagen und Wochen seinen 400. Geburtstag.

Die größere Überraschung schaffte aus meiner Sicht Piteå, dass dem von fast allen auf Platz 2 getippten Linköping gleich eine Auftaktniederlage beibrachte. Torschützin: Ausgerechnet die in Linköping ausgemusterte ehemalige Tyresöspielerin Pauline Hammarlund. Die 19-Jährige traf vor knapp über 1.000 Zuschauern in der LF-Arena, der nördlichsten Stadt in der Damallsvenskan. Dort ist es, das bezeugen alle, nicht leicht zu gewinnen, aber nach einem eher negativen Wechselverhältnis vor der Saison hatten viele Piteå alles zugetraut, aber nicht den von Martin Sjögren trainierten Mädels aus Linköping alle drei Punkte abzinöpfen. Die junge Keeperin Hilda Carlén zeigte offenbar eine Klasseleistung und Faith Ikidi wird hier als Abwehrchefin grundsätzlich gelobt:).

„Natürlich ist das eine Enttäuschung,“ sagte die neue Torhüterin Linköpings, Katie Fraine, der Zeitung Östgöta Correspondenten.

„Aber wenn du gegen eine Mannschaft spielst, die so sehr nach hinten arbeitet, wird es schwer, vorne was zu machen. Sie zwingen dich dazu, ein Spiel zu spielen, dass du eigentlich nicht spielen willst. Wir müssen besser werden, diese Art von „hässlichen“ Spielen zu spielen, aber mich beunruhigt das Ergebnis nicht. Wir sind immer noch die beste Mannschaft der Liga,“ so Fraine weiter.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das hochgetippte Umeå sich beim Jungbrunnen der Liga, dem als sicheren Absteiger gehandelten Jitex Mölndal BK sehr schwer tat und erst zehn Minuten vor dem Ende den Siegtreffer erzielen konnte.

Die Ergebnisse und die Toschützen aller Spiele könnt ihr übrigens ab jetzt immer auf der Seite Damallsvenskan 2014 (oben im Menü) finden. Da wird dann ab dem 2. Spieltag jeweils die aktuelle Tabelle auftauchen und auch die Torschützenliste.

 

 

 

 

Ashlyn Harris geht, Carola Söberg bleibt

Carola Söberg (hier beim Training mit der Nationalmannschaft in der Friends Arena, Solna)

Carola Söberg (hier beim Training mit der Nationalmannschaft in der Friends Arena, Solna)

Das Engagement von Keeperin Ashlyn Harris in Tyresö war sehr kurz. Heute teilte der Champions-League-Viertelfinalist mit, dass Ash den Verein verlassen wird und dass Carola Söberg, die nach Harris‘ Ankunft sofort auf die Bank verbannt wurde, ein weiteres Jahr bleibt. Damit steht wohl fest, dass Söberg in den Champions-League-Spielen gegen Neulengbach, möglicherweise Arsenal London und einem möglichen Finale zwischen den Pfosten stehen wird. Denn die neu verpflichtete finnische Nationaltorhüterin Tinja Riikka Korpela ist nicht spielberechtigt für die Champions League in der Saison 2013/14, da sie bereits für LSK Kvinner in der laufenden Runde gespielt hat.

Wenn Harris geht, dürfte auch Ali Krieger nicht mehr nach Tyresö zurückkehren, denn beide Spielerinnen kommen und gehen derzeit im Doppelpack. Tyresö teilte vorige Woche mit, dass man Meghan Klingenberg, Whitney Engen und Torschützenkönigin Christen Press jetzt auf jeden Fall bis zum Ende der CL behalten könne. Jeff Kassouf, amerikanischer Frauenfußballexperte und Betreiber der Seite www.equalizersoccer.com schrieb am Freitag auf Twitter, dass er gehört habe, dass alle drei Spielerinnen spätestens im Juni in der NWSL spielen sollen.

Was bedeutet das dann für den Kader von Tyresö? Madelaine Edlund wird wohl Christen Press ersetzen, obwohl sie lange nicht die enorme Torgefährlichkeit der Amerikanerin hat. Die Schwedin ist eine gute Spielerin, aber Press zähle ich derzeit zu den besten Stürmerinnen der Welt. Ihre Erfolge 2013 auch im US-Team haben wohl entscheidend dazu beigetragen, dass die Liga sie jetzt haben will.

Wie sollen Engen und Klingenberg ersetzt werden? Kehrt die enttäuscht aufgrund geringer Spielzeit nach Vittsjö gegangene Annica Svensson zurück nach Tyresö? Zumal sie ihren Lebensmittelpunkt in Stockholm hat?

Nach Engens Weggang dürfte Line Røddik Hansen wieder einen Stammplatz bekommen. Vermutlich aber auf der linken Abwehrseite, wo ich sie stärker sehe als in der Mitte. Tyresö muss aber vor allem in der Abwehr jemanden verpflichten. Am besten eine Spielerin, die alle Positionen in der Viererkette einnehmen kann.

Tyresö holt zweite Spaniern, Rohlin spielt 45 Minuten und Segerström wird nachnominiert

Seit Wochen war es immer wieder von den Dächern gepfiffen worden und im Frauenfußball ist es auch üblich, dass man da ne alte Freundin kennt, die auch noch gut zur Mannschaft passen würde. Das finde ich manchmal unprofessionell, aber Verbindungen und Kontakte sind schließlich alles. Sie haben mir heute Abend auch ein Türchen nach London aufgestoßen, aber dazu später in diesem hoffentlich bald beginnenden Frühling.

Natürlich kommt die spanische Nationalspielerin Jennifer Hernoso auf Empfehlung ihrer Landsfrau Vero Boquete nach Tyresö. Der Club gab zwei Tage nach Schließen des Transferfensters bekannt, dass Hernoso mit sofortiger Wirkung für Tyresö spielen wird. Sie kommt vom spanischen Erstligistin Raya Vallecano und ist 22 Jahre alt. Laut Tyresös Homepage soll sie gleich drei Spielerinnen ersetzen, wie immer das gehen soll: Madelaine Edlund, Lisa Klinga und Pauline Hammarlund.

Südlich von Tyresö, in Småland, hat Charlotte Rohlin ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss erstmals wieder eine Halbzeit absolviert, im Trainingsspiel gegen Öster in Växjö. Das Ergebnis (4:0 für Linköping) ist Nebensache. „Man weiß nicht, was man erwarten soll, wenn man elf Monate nicht gespielt hat,“ sagte Rohlin. „Aber es war eingutes Gefühl, ich hatte ein paar Aktionen in meiner Rolle in der Innenverteidigung und habe mich dabei sicher gefühlt.“

Dass es ihr ähnlich gehen könnte wie ihrer finnischen Mannschaftskameradin Linda Sällström, davor hat Rohlin keine Angst. Sällström war nur wenige Wochen nach dem Comeback wieder mit einem Kreuzbandriss im selben Knie ausgefallen. Rohlin sagte, sie habe  mit Söällström darüber gesprochen und offenbar sei bei ihr etwas falsch gelaufen.

Und noch eine Abwehrspielerin jenseits der 30 machte heute von sich reden. Stina Segerström aus Göteborg, die man längst für die EM abgeschrieben hatte, wurde von Pia Sundhage für das Länderspiel am Donnerstag gegen Island nachnominiert für die verletzte Jessica Samuelsson. Möglicherweise könnte das altbewährte Innenduo Segerström/Rohlin zumindest zeitweise zum Einsatz gegen zuletzt harmlose Isländerinnen kommen.

Bei denen fehlt immer noch die in Schweden bekannte zweite Torhüterin Gudbjörg Gunnarsdottir, inzwischen beim ehrgeizigen norwegischen Aufsteiger Avaldsnes IL unter Vertrag. Wie die isländische Zeitung Morgunbladid berichtet, lag Gunnarsdottir im Februar wegen einer Hirnhautentzündung eine Woche im Krankenhaus und flog dann zuerst mit der isländischen Nationalmannschaft zur Algarve und dann mit dem Verein nach La Manga. Bei beiden Lagern konnte die 27-Jährige jedoch nicht mittrainieren geschweige denn spielen und ihr Arzt hat ihr jetzt Ruhe verordnet.

Tyresö eröffnet Saison in Friends Arena

Am Mittwoch gab Tyresö FF bekannt, dass man einen neuen Sponsor hat, dass Marta bis zum erhofften Champions-League-Sieg 2014 bleibt und dass Madelaine Edlund schwanger ist und die Saison verpasst.

Noch nicht mitgeteilt hat der Verein zwei Nachrichten, die aber schon seit geraumer Zeit durch Tyresö und Stockholm geistern und ich bin auch nicht der Erste, der sie veröffentlicht (auf Deutsch allerdings).

Zum einen wird Tyresö FF sein erstes Saisonspiel 2013 in der Friends Arena bestreiten. Nicht ganz geklärt ist, ob es sich um das Supercup-Finale gegen Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC handeln wird oder um das erste Ligaspiel gegen Umeå IK.

Zum anderen hat Hans Löfgren wieder eine Rolle im Verein: Er ist Chef der Tyresö FF AB, der neugegründeten Gesellschaft rund um die erste Mannschaft. Nach seiner Sexkaufaffäre im Dezember 2011, für die er im April 2012 verurteilt wurde, war er für einen Monat in der Versenkung (USA) verschwunden, dann aber wieder aufgetaucht und hatte das Ruder wieder übernommen, obwohl der Verein auf hanebüchene Weise stets dementierte, dass Löfgren etwas anderes als ein einfaches Vereinsmitglied sei.

 

Madelaine Edlund legt Pause ein

MaddeViele Spekulationen gab es in den vergangenen Wochen um Tyresös Stürmerin Madelaine Edlund. Die 27-Jährige war zwar 2012 mit 13 Saisontoren Tyresös beste Angreiferin und schoss auch das meisterschaftsentscheidende Tor in Malmö, aber nicht wenige waren der Ansicht, dass sie aus den vielen Chancen zu wenig gemacht hatte.

Als Tyresö vor einigen Wochen die Verpflichtung von Christen Press bekanntgab, sah man Edlund schon auf der Bank sitzen.

Auf der heutigen Pressekonferenz in Tyresö (mehr dazu in einem anderen Post) gab der Verein nun bekannt, dass Madde Edlund 2013 weder im Team spielen noch auf der Bank sitzen wird. Edlund ist schwanger und setzt das ganze Jahr aus.

 

Pia Sundhage reduziert von 28 auf 23

Olivia_Schough

Olivia Schough (Göteborg) immer noch dabei – sie könnte die eigentliche Überraschung im Kader Pia Sundhages werden

Waren im Januar noch 28 Spielerinnen in einem erweiterten Kreis beim Trainingslager im Leistungszentrum auf Bosön, so werden es vom 9.-14. Februar nur noch 23 sein. Der Kreis wird enger und die EURO rückt näher.

Mit dabei: Olivia Schough aus Göteborg, die unter Vorgänger Thomas Dennerby kein einziges Mal nominiert wurde. Die 21-Jährige wurde bei der Bekanntgabe des Kaders von Sundhage speziell erwähnt: „Jetzt bin ich sehr gespannt, welche Spielerinnen in diesem Lager bereit sind, den nächsten Schritt zu machen. Olivia Schough zum Beispiel hat ein gutes Spielverständnis, exzellente Ballannahme und lässt andere gut aussehen,“ so Sundhage auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands SvFF.

Die Nominierungen.

Tor: Kristin Hammarström, Sofia Lundgren, Carola Söberg

Abwehr: Emma Berglund, Nilla Fischer, Amanda Ilestedt, Lina Nilsson, Jessica Samuelsson, Annica Svensson, Sara Thunebro

Mittelfeld: Johanna Almgren, Kosovare Asllani, Lisa Dahlkvist, Antonia Göransson, Marie Hammarström, Carina Holmberg, Emmelie Konradsson, Susanne Moberg, Caroline Seger

Angriff: Sofia Jakobsson, Elin Rubensson, Lotta Schelin, Olivia Schough.

Im Vergleich mit der 28er-Gruppe von Mitte Januar sind Malin Levenstad, Hanna Folkesson, Malin Diaz, Lina Hurtig und Julia Spetsmark nicht mehr dabei. Überraschend ist das höchstens bei Levenstad, die anderen vier Spielerinnen bekamen wohl ein Lob durch die Nominierung und die anderen etwas mehr Druck im Training.

Ebenfalls nicht dabei sind Madelaine Edlund und Stina Segerström, die ihre Nominierung im Januar wegen Verletzungen abgesagt hatten. Beide sind damit möglicherweise endgültig aus dem Rennen um einen Platz bei der EURO. Edlund wird bei ihrem Verein Tyresö FF überdies um ihren Stammplatz bangen müssen, jetzt wo man Christen Press hat.

Die beiden Routiniers Charlotte Rohlin und Therese Sjögran versuchen sich unterdessen, nach ihren Kreuzbandverletzungen wieder heranzuarbeiten. Chancenlos sind sie nicht, aber es dürfte schwer werden, sehr schwer, denn Pia Sundhage scheint nur eines zu bewerten: die aktuelle Leistung.

Die Nummer 1 im Tor, sagt sie, ist noch nicht gefunden. Alle drei Keeperinnen haben noch die Chance. Rechtzeitig vor der EM werde sie sich entscheiden, aber momentan sei eben keine deutlich besser als die anderen.

 

Zwei Absagen – zwei Nachnominierungen

Zwei Absagen bekam Pia Sundhage für das morgen auf Bosön (kleine Halbinsel auf der Insel Lidingö, ca. 20 Minuten vom Stockholmer Zentrum entfernt) beginnende dritte Trainingslager unter ihrer Leitung.

Madelaine Edlund und Stina Segerström haben abgesagt. Und wie es Tradition beim schwedischen Fußballverband ist, wurden zwei Spielerinnen nachnominiert. Hanna Folkesson aus Umeå (2009-2012 noch AIK) und Julia Spetsmark (noch QBIK; wird aber mit fast allen Erstligavereinen in Verbindung gebracht) wurden erstmals in den Kontext der A-Nationalmannschaft berufen. Damit hat Pia Sundhage nun schon eine ganze Reihe von neuen Spielerinnen seit September in ihren Kreis geholt. Mit Carina Holmberg und eben Spetsmark sogar zwei Akteure, die vergangenes Jahr noch in der zweiten Liga gespielt haben.

Damit erhöht Pia Sundhage natürlich die Konkurrenzsituation unter den Arrivierten, die bei Thomas Dennerby lange brauchten, um in den Kader zu kommen, dann aber nicht mehr rauskamen.

Zugänge und Abgänge (Stand: 05.01.2013)

So allmählich füllen sich die Kader der Vereine in der Damallsvenskan. Es ist Zeit für einen ersten Überblick. Hier kommen die 12 Teams der Saison 2012 plus die beiden Neulinge.

Tyresö FF

Zugänge: Christen Press (Kopparberg/Göteborgs FC), Malin Diaz (AIK)

Abgänge: Helén Eke (Verein steht noch nicht fest)

Kommentar: Erstmals auf seiner Reise von der vierten Liga zum Meistertitel gibt es in Tyresö keine wesentlichen Personalwechsel. Marta, Vero Boquete, Caroline Seger hatten allesamt laufende Verträge auch für 2013, obwohl es um Marta wieder einmal Wechselgerüchte gab und auch noch gibt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Brasilianerin Tyresö in diesem Jahr verlässt. Für die USA ist ihr Marktwert nicht groß genug und keiner der neuen Vereine könnte sie mit den erlaubten Budgets bezahlen. Christen Press wird den Stammplatz von Madelaine Edlund gefährden. Sowohl deren wie Elaines auslaufender Vertrag wurde verlängert. Tyresö ist ein Topteam mit erstklassigen Alternativen auf der Bank. Auch Meghan Klingenberg hat verlängert. Wunschelf (Linda Sembrant in der Reha nach Kreuzbandriss):

Carola Söberg, Meghan Klingenberg, Johanna Frisk, Karin Lissel, Line Röddik Hansen, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete, Marta, Kirsten van de Ven, Christen Press.

Bank: Annica Svensson, Elaine, Malin Diaz, Madelaine Edlund, Jessica Höglander.

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LdB FC Malmö

Zugänge: Yoreli Rincon (XV de Piracicaba), Zecira Musovic (Stattena), Manon Melis (Linköping)

Abgänge: Emma Wilhelmsson (Jitex), Christina Öyangen Örntoft (Bröndby), Hilda Carlén (noch unbekannt)

Kommentar: Nach der finanziellen Rettung durch Milliardär Dan Olofsson nimmt auch Malmö Kurs auf den Meistertitel. Die Liga wird (wenn sich nichts wesentlich ändert) zu einem Zweikampf Malmö – Tyresö werden, in dem Tyresö abermals klarer Favorit ist, trotz der Verpflichtung von Melis. Rincon überrascht, riskant, eine 19-Jährige Kolumbianerin zu integrieren. Die 1,54 m kleine Filigrantechnikerin wurde mit Marta verglichen, muss das aber noch beweisen. Malmö hat aber immer gut eingekauft…

Voraussichtlich:

Thora Helgadottir, Lina Nilsson, Malin Levenstad, Amanda Ilestedt, Ali Riley, Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran, Ramona Bachmann, Elin Rubensson, Anja Mittag, Manon Melis.

Reserve:

Zecira Musovic, Frida Nordin, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Yoreli Rincon, Sofi Anker Kofoed.

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Linköpings FC

Zugänge: Lina Rinshamre (Sundsvalls DFF), Magdalena Ericsson (Djurgården), Stina Blackstenius (Vadstena GoIF), Renée Slegers (Djurgården), Emma Lennartsson (IFK Norrköping)

Abgänge: Manon Melis (LdB FC Malmö), Lisa DeVanna (Perth Glory), Emma Lundh (noch unbekannt, Hammarby?), Karen Bardsley (Lincoln LFC), Louise Fors (Western Sydney Wanderers, ab Frühjahr FC Liverpool Ladies), Nora Holstad Berge (Arna-Björnar), Matilda Agné (Hammarby DFF), Ingrid Schjelderup (Vålerenga), Josefine Alfsson (Kisa BK)

Kommentar: Linköping beendet nach einem Jahr seinen Versuch, mit Tyresö und Malmö zu konkurrieren und hat Sparmaßnahmen eingeführt. Neun Spielerinnen verlassen den Verein und fünf kommen neu hinzu, im Gespräch ist immer noch AIK:s U19-Europameisterin Jennie Nordin. Mit Ringshamre und Ericsson hat man zwei weitere junge Europameisterinnen verpflichtet. Linda Sällström, die gegen Ende der Saison noch gehen wollte (Jitex war eine Option), bleibt nun doch, vermutlich, weil die Konkurrenz in der Offensive nach ihrer Rehazeit nach dem Abgang von DeVanna, Melis und Lundh deutlich entspannter geworden ist. Linköping ist auch immer noch das bessere Team. Wichtig, dass Trainer Martin Sjögren zwei weitere Jahre bleibt.

Voraussichtlich:

Sofia Lundgren, Maja Krantz, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Marianne Gajhede Knudsen, Renée Slegers, Petra Larsson, Pernille Harder, Jonna Andersson, Linda Sällström.

Hier und bei den weiteren Clubs erspare ich mir die potentielle Bankbesetzung, da lediglich Malmö und Tyresö um die Meisterschaft spielen werden.

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Kopparberg/Göteborgs FC

Zugänge: Jessica Landström (Djurgården), Marie Hammarström (KIF Örebro), Cathrine Dyngvold (Klepp),

Abgänge: Christen Press (Tyresö FF), Ingrid Wells (noch unbekannt)

Göteborg wollte eigentlich angreifen. Dann kam der Abgang von Press dazwischen. Tyresös Zampano Hans Löfgren schnappte die Amerikanerin den Göteborgern vor der Nase weg. Landström ist vom Typ her kein Press-Ersatz, aber sie ist eine Kämpfernatur mit einer enormen fysischen Kraft. Dennoch muss sich das Angriffsspiel ändern. Torbjörn Nilsson hat seinen Trainervertrag um 2 Jahre verlängert, weil ihm versichert wurde, dass die Mannschaft sukzessiv verstärkt wird. Mindestens eine Klassespielerin muss noch kommen.

Voraussichtlich: Kristin Hammarström, Catrine Johansson, Anna Ahlstrand, Stina Segerström, Camille Levin, Yael Averbuch, Anita Asante, Johanna Almgren, Olivis Schough, Cathrine Dyngvold, Jessica Landström.

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Kristianstads DFF

Zugänge: Josefine Öqvist (vereinslos), Marija Banusic (IK Sirius), Brett Maron (Valur), Elin Borg (AIK)

Abgänge: Elin Nilsen (Vittsjö), Katrin Ómarsdóttir, Becky Edwards (beide unbekannt), Emelie Johnsson (Borens IK),  Moa Pettersson (Wä IF), Anna Persson (Glimåkra IF), Lisa Petersson, Julia Molin (AIK)

Auf den Plätzen 5-12 und bei den Aufsteigern erspare ich mir die mögliche Aufstellung am ersten Spieltag. Maron wird sicher in den ersten Monaten im Tor stehen, da Hedvig Lindahl in der Reha nach dem Kreuzbandriss ist. Trainerin Beta Gunnarsdottir ist wie immer super ambitioniert und will sicher Meister werden. Mit der Verpflichtung von Banusic ist ihr ein Coup gelungen. Für mich das größte Talent im schwedischen Fußball VOR der allenthalben gepriesenen Lina Hurtig (Umeå). Dass Josefine Öqvist letztlich der Offensive maßgebliches Gewicht verleihen wird, steht außer Frage. Kristianstad hat jetzt den drittbesten Angriff der Liga.

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Vittsjö GIK

Zugänge: Elin Nilsen (Kristianstad), Jane Ross (Glasgow City)

Abgänge: Emma Kullberg (Umeå Södra), Josefine Mårtensson (Glimåkra IF)

Das zweite Jahr ist immer das Schwerste. Das wird auch für Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK gelten. Niemand hätte das Team aus Skåne auf Rang 6 erwartet. Die Verpflichtung von Jane Ross deutet eventuell darauf hin, dass Danesha Adams geht. Die Amerikanerin war sehr wichtig. Möglich, dass Vittsjö, wie immer, von Beta Gunnarsdottir geschasste Spielerinnen überimmt. Becky Edwards?

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Umeå IK

Zugänge: Hanna Folkesson (AIK)

Abgänge: Erica Carlén (Morön)

Wenig passierte in Umeå. Keeperin Caroline Jönsson hat ihr Karriereende zur Saisonmitte angekündigt. Da braucht es Ersatz.

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Piteå IF

Zugänge: Clara Markstedt (AIK), Johanna Andersson (Assi)

Abgänge: Camilla Johansson, Jessica Olovsson (unbekannt), Ann-Mari Dovland (Klepp), Jennifer Nobis (Karriereende)

Piteå hat zwar die beste Torschützin Nobis durch Clara Markstedt ersetzt, aber es fehlt an einer weiteren offensiven Spielerin, die dem Angriff mehr Durchschlagskraft verleiht. Faith Ikidi hat ihren Vertrag bis einschließlich 2015 verlängert, eine finanzielle Deckung dafür gibt es noch nicht.

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Jitex BK

Zugänge: Emma Wilhelmsson (LdB FC Malmö)

Abgänge: Katri Nokso-Koivisto (LSK Kvinner), Nanna Jansson (Hovås Billdal), Caroline Lindblad (unbekannt)

Jitex wird weder schwächer noch stärker.

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KIF Örebro

Zugänge: Fehlanzeige

Abgänge: Marie Hammarström (Kopparbergs/Göteborg FC), Emelie Lundberg (Eskilstuna United), Hanna Ågren-Åhbom, Nina Fellbrant,  Fanny Persson (hören auf), Edda Garðarsdóttir,  Ólína Viðarsdóttir (beide zurück nach Island, , Linda Fransson (noch nicht klar)

Das sieht wieder nicht gut aus für Örebro, das erhebliche finanzielle Probleme hat.

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Sunnanå SK

Zugänge: Anikka Kukkonen (Djurgården), Hanna Glas (Sundsvalls DFF),  Carys Hawkins (Perth Glory

Abänge: Anna Bodén (Morön),  Yanru Zhang (China)

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Mallbacken

Zugänge: Sarah Bergman, Emmie Johansson (beide QBIK), Maija Saari (AIK), Hayley Lauder (Åland United)

Abgänge: Anna Arnfeldt (Karriereende)

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Djurgården

Abgänge: Gudbjörg Gunnarsdottir, Mia Jalkerud, Freja Hellenberg (alle Avaldsnes IL), Jessica Landström (Göteborgs FC), Renée Slegers (Linköping), Anna Lindblom (Hammarby), Katrine Petrous, Natalia Rickne, Annika Kukkonen (Sunnanå), Katrin Jonsdottir, Caroline Frånberg.

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AIK

Zugänge: Lisa Pettersson, Julia Molin (beide Kristianstad)

Abgänge: Maija Saari (Mallbacken), Elin Borg (Kristianstad), Nazanin Vaseghpanah (hört auf), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz (Tyresö), Clara Markstedt (Piteå), Lori Chalupny (unbekannt)

Freaky Friday: Christen Press und Malin Diaz nach Tyresö

cp

Christen Press – schnell und schussstark

Heute war was los. Der Transfermarkt in Schweden, der sich schläfrig von einem Jahr ins andere bewegt hatte, bekam auf einmal volle Fahrt.

Christen Press hätte man in Göteborg gerne behalten, kein Wunder, die Amerikanerin gehört zu den besseren Stürmerinnen der Welt und hat in ihrem ersten Jahr in Schweden 17 Tore in der Liga gemacht und im Pokalfinale im Grunde genommen das Spiel entschieden. Auch in der Champions League spielte sie eine wichtige Rolle. Aber Press sagte in den Vertragsverhandlungen, dass sie (wenn sie denn nominiert wird) an den Trainingslagern der USA unter dem neuen Trainer Tom Sermanni teilnehmen möchte und das war Göteborg dann zu viel, so oft will man seine Topstürmerin nicht freigeben.

Dass Press mit Tyresö verhandelte, wusste man schon im Dezember. Heute meldete ihr neuer Verein, dass die Amerikanerin die ohnehin schon starke Truppe von Trainer Tony Gustavsson, der ebenfalls zwei weitere Jahre unterschrieben hat, verstärkt. Hans Löfgren hat in seinem Power-Point-Vortrag vor fünf Jahren den Vereinsforderen den Sieg in der Champions League 2014 versprochen und dementsprechend rüstet man weiter auf.

Nun dürfte es für die beste schwedische Torschützin der Liga, Nationalspielerin Madelaine Edlund, schwer werden, ihren Stammplatz zu behaupten. Aber das zeichnet Vereine wie Tyresö eben auch im negativen Sinn aus. Hier kann (fast) jede von einem auf das andere Jahr von der Stammspielerin zur Reservistin werden.

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Malin Diaz (links) im Zweikampf mit Ali Riley (Malmö)

Keinen Stammplatz in Tyresö dürfte erst einmal die zweite Neuverpflichtung, Malin Diaz, bekommen. Die U19-Europameisterin, die im Finale in der Türkei den entscheidenden Treffer erzielte, gilt als großes technisches Talent im Mittelfeld und hatte bei anderen Clubs der Liga Probetrainingseinheiten absolviert, sich dann aber für den Meister entschieden. Da wird sie wohl die Bank (wenn überhaupt) drücken und bestenfalls 20 Minuten pro Spiel bekommen. Diaz begründete den Wechsel nach Tyresö damit, dass sie im Training mit den besten Spielerinnen Chancen zur Weiterentwicklung sieht. Das kann man verstehen, auch kann sie so daheim bei den Eltern wohnen bleiben, aber eher kann man sich fragen was Tyresö eigentlich mit Malin Diaz will, denn in einem Mittelfeld, in dem Marta, Elaine, Kirsten van de Ven, Caroline Seger, Vero Boquete und Lisa Dahlkvist spielen können, gibt es nun eine siebte Spielerin, die noch sehr viel zu lernen hat, Spielpraxis in einem Mittelklasseverein wäre da sicher besser gewesen – für beide Seiten.

Nach dem Finale

200 000 Fernsehzuschauer sahen am Samstag die Begegnung der beiden besten Teams der Liga auf dem Sender TV4 Sport. Das ist neuer Rekord und auch die Medienberichterstattung hatte neue Dimensionen. Der Presseraum von LdB FC Malmö war nach dem Spiel hoffnungslos überfüllt und die Reporter saßen heillos durcheinander.

Sydsvenska Dagbladet , die große Regionalzeitung aus Skåne, widmete der Begegnung gegen Tyresö am Sonntag gleich vier ganze Seiten. Die ersten beiden Seiten wurden dominiert von der Frage, ob die Flanke von Elin Rubensson in der 85. Minute vor oder hinter der Torlinie war. Kommentator Max Wiman fordert Torkameras für die Zukunft und die handelnde Schiedsrichterin der Partie, die vorher so gerühmte Jenny Palmqvist ist auch der Meinung, dass man Torkameras braucht, um wirklich jeden Zweifel auszuräumen.

Wiman kommt zu einer harten Schlussfolgerung, basierend auf der Äußerung Palmquists, sie habe nach Gefühl entschieden: „Wird das Gegenteil bewiesen, ist das Vertrauen in Schwedens beste weibliche Schiedsrichtern erloschen, vor allem, wenn sie sagt, dass sie ihre Entscheidung auf Gefühle und Intuition begründet habe.“

Da hat Wiman natürlich Recht. Eine geradezu dumme Äußerung der international so renommierten Palmquist, die dann am Abend von Aftonbladet interviewt wurde und dabei sowohl Fernsehbilder wie auch Fotos zu sehen bekam. Nun sei sie sich ganz sicher, dass sie richtig gehandelt habe, der Ball sei eindeutig nicht hinter der Linie gewesen.

Mit dieser Meinung steht Palmquist allein mit den Fans und Verantwortlichen von Tyresö.

Es gibt kein einziges Foto, bei dem zu erkennen wäre, wo sich der Ball mit Ausschluss jeglichen Zweifels befunden haben kann, denn überall sieht man lediglich den Ball und Torhüterin Carola Söbergs Oberkörper und Hände – nicht aber wie sich alles im Verhältnis zur Torlinie zu jeder Hundertstel Sekunde des Geschehens abgespielt hat.

Ich saß ca. 5-6 Meter vom Geschehen entfernt hinter dem Tor Tyresös und mein erster Gedanke war, das gibt es doch gar nicht, sie lässt das Ding ins Tor rutschen. Dann der Jubel, dann der Zweifel und die für beide Teams quälenden Minuten danach. Bis Palmquist den Ball nahm und Söberg zum Abstoß brachte. Tor? Kein Tor? Ich weiß es ebenso wenig wie alle anderen. Söberg müsste es wissen, sie sagt, der Ball sei zu keinem Zeitpunkt hinter der Linie gewesen, sie habe ihn absichtlich gegen den Pfosten gedrückt, um zu zeigen, dass er nicht drin sei. Aber was war, bevor sie anfing, gegen den Pfosten zu drücken?

Wir werden das nicht klären. Gestern hatte ich eine Diskussion auf Twitter mit Lisa Ek, der kreuzbandverletzten Mittelfeldspielerin Malmös. Ich machte meinen Unmut über Palmquists Aussage von der Gefühlsmäßigkeit ihres Handelns Luft und irgendwann meinte Ek, diese ganze Diskussion sei doch destruktiv und schade nur der Mannschaft. Ich erwiderte, dass es nicht meine Aufgabe sei, mich um die Mannschaft zu kümmern, aber dass das öffentliche Interesse  natürlich auf eine solche Frage fokussiere und durchaus berechtigt sei. Außerdem so müsse sich Malmö um sein Spiel und nicht zuletzt seine wirtschaftliche Zukunft selber kümmern. Da gab es dann keine Antwort mehr und ich vermute, dass Lisa Ek nicht mehr zu meinen Fans gehört.

Natürlich muss die Mannschaft sich jetzt schnell wieder neu orientieren, denn am Mttwoch steht das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League an und Gegner Bardolina Verona sollte man nicht unterschätzen. Birmingham reiste mit einem 2:0 Vorsprung nach Italien und verlor dort 0:3. malmö hat lediglich ein 1:0 vorgelegt.

Aber die Diskussion um Tor oder nicht Tor können wir in der Tat ad acta legen. Wie hat Udo Lattek mal so richtig gesagt: „Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.“ Egal, was alle anderen gesehen oder nicht gesehen haben. Schiedsrichter treffen Tatsachenentscheidungen. Es ist grotesk, dass man im Jahr 2012 nicht die technische Hilfe nutzt, die möglich wäre. In Wimbledon erkennen haarfeine Messanlagen, ob ein 200 km schneller Aufschlag im Aus oder auf der Linie war, beim Eishockey haben wir seit vielen Jahren Kameras im Tor. Nur im Fußball gibt es ewig Gestrige, zu denen UEFA-Boss Michel Platini zählt, die gegen Torkameras sind. Da, wo es eindeutige Fehlentscheidungen gibt, sollte es möglich sein, diese zu korrigieren. Thierry Henrys unsägliches Tor mit doppeltem Handspiel gegen irland, dass Frankreich zur WM brachte etwa, hätte man an Ort und Stelle annuliieren können. Alle haben es gesehen, nur der schwedische Schiedsrichter nicht.

Tyresö FF hat den Meistertitel verdient gewonnen. Das muss auch mal gesagt werden. Keine Mannschaft hat in den besten Momenten der Saison so druckvollen Angriffsfußball gezeigt wie die Mannschaft von Hans Löfgren. Wie man Örebro mit 7:0 abfertigte beim Saisondebüt und dem Gegner somit die ganze Saison verkorkste, das war eine eindrucksvolle Demonstration der Stärke. Die Spielerinnen haben hart, sehr hart gearbeitet.

Aber auch Malmö hätte den Meistertitel verdient gewonnen. Im Gegensatz zu Tyresö hat man (wenn auch gezwungen durch Verletzungen) eigenen Nachwuchs wie Abwehrspielerin Amanda Ilestedt und Stürmerin Elin Rubensson auf beeindruckende Weise integriert. Und was Anja Mittag und Ramona Bachmann ablieferten, wenn sie gut drauf waren und das waren keine seltenen Momente, das waren fußballerische Delikatessen absoluter Weltklasse.

Wie geht es weiter? Auch damit befasste sich gestern Sydsvenskan. Malmös Clubchef Niclas Carlnén hatte zweimal den Konkurs als eine realistische Option ins Feld geführt und seine letzte Äußerung vor knapp sechs Wochen in dieser Richtung war, dass man bis Ende Oktober Geld habe.

Drei Szenarien für die nächste Saison skizzierte Carlnén nun. „Ich glaube an die mittlere Variante. Ein fortgesetzter Versuch, an der Spitze der Liga zu sein und das Viertelfinale der Champions League zu erreichen, gerne das Halbfinale,“ so Carlnén.

Das derzeitige Budget liegt bei 15 Millionen Kronen. Könne man 20 investieren, dann könnte man über einen Champions League Sieg 2014 mitstreiten und mehr Spielerinnen die Möglichkeit geben, ein weitgehend professionelles Leben als Fußballprofis zu führen. Die negative Variante will ich hier nicht beschreiben. Verträge mit Bachmann und Mittag laufen auch über 2013, mit Torhüterin Thora Helgadottir und Jungtalent Elin Rubensson haben gerade zwei wichtige Spielerinnen verlängert.

Als Stockholmer Zeitung stellt Dagens Nyheter noch einmal den Weg Tyresös aus der vierten Liga bis zum Meistertitel dar – im wesentlichen Verdienst des umtriebigen und gewieften ehemaligen Sportchefs Hans Löfgren, dessen Vision in der vierten Liga entstand und zum Ziel hatte, 2012 schwedischer Meister zu werden. Auf der berüchtigten Power Point Präsentation, die Löfgren damals dem Vorstand des Vereins zu Besten gab, stand übrigens auch, dass Tyresö 2013/14 die Champions League gewinnt.

Da ist gerüchteweise die Rede davon, dass man noch einen weiteren offensiven Weltstar verpflichten will für 2013 und die Champions League im Herbst nächsten Jahres. Im Spätsommer waren schon Namen wie Abby Wambach und Christine Sinclair im Gespräch. Und dann wird es möglicherweise ausgerechnet Madelaine Edlund erwischen, die mit dem goldenen Tor die Meisterschaft sicherte. Sie habe noch keinen Vertrag für nächstes Jahr, so Edlund nach dem Spiel, aber sie gehe davon aus, dass das eine Formsache sei. Mag sein, aber sollte eine der beiden nordamerikanischen Weltstars nach Tyresö kommen, würde Edlund wohl sehr schnell zum Joker werden und auf der Bank Platz nehmen dürfen.

Denn Loyalitäten kennt Löfgren nicht. Die einzige, die er hat, ist sich selbst gegenüber. In den Jahren von Liga 4 bis zum Meistertitel ist keine einzige Spielerin übrig geblieben und mit jedem Aufstieg, mit jedem Niveauanstieg hat man sich relativ emotionslos von Spielerinnen getrennt, die ihre Funktion erfüllt hatten. Aus diesem Holz sind Sieger geschnitzt. Aftonbladets Chronist Simon Bank hat Tyresö gar als Kreatur von Doktor Frankenstein bezeichnet: „Tyresö ist ein Frankenstein, ein zusammengebautes Fußballmonster mit so enorm vielen Qualitäten, dass alles nur eine Frage der Zeit war. […] Es ist nach wie vor lediglich ein Embryo, die in der Zukunft so unendlich viel besser sein wird.“

Als seine Mannschaft ausgelassen feierte, Trainer Tony Gustavsson mit zwei Kübeln Wasser übergoss und sich Marta und eine andere Spielerin in gelbe Konfettischlangen wickelten und übers Feld in malmö rollten, da stand Hans Löfgren abseits am Spielfeldrand, beobachtend und nachdenklich. Es ist schade, dass sowohl der Verein wie auch er selbst immer dementierten, er habe etwas mit dem Club zu tun. ein ganz gewöhnliches Mitglied, mehr nicht. Ein Mitglied, dass Stadionsprecher ist, das allen Spielerinnen Anweisungen zuruft, dass Verträge aushandelt und den eigenen Fans die Fahnenstangen zuträgt, mit denen sie zu wedeln haben. Dabei ist Löfgren irgendwo auch der Erneuerer des Frauenfußballs in Schweden. Denn wo alle anderen Vereine (bis auf die beiden Absteiger AIK und Djurgården) wirtschaftlich an der Grenze sind oder diese gar überschritten haben, da hat Tyresö nach wie vor einen langen Atem. Getragen von einem Sponsorennetzwerk von kleinen, mittelständischen und großen Firmen, das sich mit der Mannschaft identifiziert. Tyresö ist Meister 2012 und das nach einem langen Weg und bei Punktgleichheit mit dem ehemaligen Meister. Das kann auch der Anfang einer langen Periode der Überlegenheit sein, denn im Gegensatz zu vielen anderen bin ich der Meinung, dass man schon eine Mannschaft zusammenkaufen kann. Das ist wie mit den Torkameras. Man wünscht es sich nicht so, aber wenn man noch einen Weltstar holt und noch einen und noch einen, dann kommt irgendwann der Erfolg in einem Sport, in dem die meisten nach wie vor nebenbei studieren oder arbeiten müssen.

Noch 24 Stunden – Anja Mittag vor dem Finale

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Anja Mittag im VIP-Raum von LdB FC Malmö (Foto: Marcus Sporkmann)

n 24 Stunden steigt das Spiel der Spiele. Zumindest seit September 2008. Damals spielten Linköping und Umeå gegeneinander und die Gäste aus Nordschweden sicherten sich mit dem 4:1 Auswärtssieg vor der Rekordkulisse von 9418 Zuschauern im Prinzip ihren bislang letzten Meistertitel.

Damals standen auf Seiten Umeås Lisa Dahlkvist, Marta, Ramona Bachmann, Carola Söberg, Johanna Frisk und Madelaine Edlund. Auf der Gegenseite spielte Caroline Seger. Sechs der sieben Spielerinnen stehen heute in Diensten von Tyresö und Ramona Bachmann ist morgen gesperrt.

Die Zuschauerzahl von 9418 wird man morgen schon deswegen nicht erreichen können, weil das Stadion offziell nur 7800 fasst. Aber der Medienhype war wohl noch nie so groß vor einem Frauenfußballvereinsspiel in Schweden. Mehr als doppelt so viele Medienvertreter wie normal bedeuten, dass man einen kleinen Teil der Zuschauertribüne in Presseplätze umwandeln wird, das kam bisher noch nicht vor in Malmö.

Zwei Tage vor dem Spiel sprach ich mit Anja Mittag, die morgen Nachmittag gegen 15.00 Uhr mindestens alleinige Torschützenkönigin der Liga sein dürfte, wenn nicht die Amerikanerin Christen Press (Göteborg) mindestens vier Mal trifft und Anja leer ausgeht.

Als Ramona Bachmann in Umeå ihr zweites Handspiel machte und noch verletzt am Boden lag, was hast du da gedacht, ihr lagt schon 0:1 hinten und Ramona hatte schon gelb wegen Handspiels in der ersten Halbzeit?

„Ich hab mich mit Schmitti {Katrin Schmidt} unterhalten. Man hat schon geahnt, dass da was kommt, zumal die Schiedsrichtern mit ihren Assistenten redete und als Ramona wieder aufstand gab es dann ja auch gelb-rot.“

Ich hatte den Eindruck, dass du dann in den letzten 35 Minuten total gewachsen bist und mit eine Führungsrolle übernommen hast. Da war wesentlich mehr Pondus beim Laufen und in den Zweikämpfen?

„Ja, das stimmt vielleicht, aber es gilt wohl für die ganze Mannschaft. Wir hatten noch sehr viele Chancen, aber es ist uns trotzdem nicht gelungen, den ganzen Weg zu gehen und das Spiel zu gewinnen. Irgendwie scheint die letzte Konzentration gefehlt zu haben.“

Da wirklich alle Medienvertreter, Experten und Fans damit gerechnet hatten, dass Malmö mit einem Sieg in Umeå den Meistertitel holt, kann es aber auch sein, dass das in den Köpfen der Spielerinnen doch den üblichen Gedanken „wir nehmen ein Spiel nach dem anderen“ verdrängt hat. Das 1:1 wurde am Ende wie eine Sensation in manchen Medien dargestellt. Vero Boquete sprach mir gegenüber von einem „Wunder“.

Glücklicherweise musste Malmö am Mittwoch gleich wieder in der Champions League ran, geschickterweise hatte man das Heimrecht mit Bardolina Verona getauscht.

„Natürlich haben wir über das Spiel in Umeå gesprochen, aber wir mussten es ziemlich bald sein lassen, denn drei Tage später mussten wir schon gegen Verona spielen,“ erzählt Anja.

Auf das Spiel morgen bereitet sie sich auf die für sie so kennzeichnende professionelle Weise vor. Auch Anja Mittags Gedanken sind wie die ihrer Mannschaftskameradinnen und Gegnerinnen oft beim Samstagspiel. Heute Morgen etwa schrieb Elin Rubensson, die vermutlich morgen neben Anja stürmen wird: „Match, match, match“ auf Twitter und kann es kaum noch erwarten.

Dass Tyresö stark ist und eine beeindruckende Zahl von Klassespielerinnen hat, weiß Anja Mittag natürlich. Respekt vor dem Gegner ist etwas, das ich immer wieder bei ihr anerkennend feststelle, egal ob der Gegner USA, Tyresö oder Stattena (dritte Liga) heißt. Über morgen sagt sie unter anderem. „Es kommt darauf an, die Chancen zu nutzen, wenn sie kommen. Und in einem Spiel über 90 Minuten kommt früher oder später eine gute Gelegenheit.“

Genau das hat die 27-Jährige aus Chemnitz, die jetzt in Malmö ein neues Zuhause gefunden hat (mehr darüber in einem späteren Artikel), schon mehrfach diese Saison bewiesen. Ich erinnere mich an das Spiel in Linköping, wo es nicht gut für Malmö aussah und Reporter Daniel Kristiansson Anja schon als eine zu Hause erfolgreiche, auswärts eher unscheinbare Spielerin kritisierte. Als ob sie das gehört hatte, machte sie daraufhin einen Hattrick und entschied die Begegnung und Kristiansson musste Abbitte leisten.

Wie auch immer, es wird einen tollen Rahmen geben, leider ist Regen angesagt, aber alles spricht dafür, dass wir morgen in Malmö ein historisches Finale erleben werden.

„Es wird sicher ein toller Rahmen. Wir hätten natürlich viel lieber schon am Sonntag die Meisterschaft gewonnen, aber das hat nun mal nicht geklappt. Jetzt gibt es am Samstag ein großes Spiel und ich freue mich drauf,“ sagt Anja Mittag.

P.S.: Auch Anja hätte eine Nominierung unter die besten zehn Spielerinnen auf der FIFA-Liste in diesem Jahr verdient gehabt. Marta wurde zu Recht nominiert, denn auch sie spielt bei Tyresö eine herausragende Rolle. Aber Mittag und Boquete stehen ihr aus unterschiedlichen Gründen nicht viel nach, sondern bewegen sich, wie man auf Neudeutsch sagt, auf Augenhöhe.