Halbzeit (5): Kopparberg/Göteborgs FC

Göteborg etwas ratlos wie hier Anna Ahlstrand beim Spiel gegen Tyresö (1:3)

Ebenso wie Kristianstad, so wollte auch Göteborg in dieser Saison um die Meisterschaft mitspielen. Wie man das in den letzten beiden Jahren auch getan hat. Zwei zweite Plätze und der Pokalsieg im Finale über Tyresö sprachen da für sich, auch wenn man mit Linda Sembrant, Lisa Dahlkvist (beide nach Tyresö) und Ingvild Stensland empfindliche Abgänge zu verzeichnen hatte. Ersetzt wurden die Spielerinnen durch Ingrid Wells, Anita Asante und Christen Press. Wobei man nicht von 1:1 Ersatz sprechen konnte, Press ist Stürmerin, aber nach zehn Toren kann man sie wohl als den spektakulärsten Neuzugang bezeichnen. Sie erzielte gleich beide Tore im ersten Spiel, als man Djurgården mit 2:0 besiegte.

In Runde 3 kam Göteborgs Zug zum Stillstand. Die Heimniederlage gegen Vittsjö. Man hatte Press ziehen lassen, weil die von Pia Sundhage in ein amerikanisches Trainingslager nach Florida gerufen worden war. Und Torbjörn Nilsson saß nicht auf der Bank, er war von einem Hund gebissen worden, offenbar mit so ernsten Folgen, dass er insgesamt zwei Spiele verpasste. Das zweite Spiel wurde jedoch gewonnen. Nach dem überzeugenden 6:0 Auswärtssieg bei KIF Örebro waren alle davon überzeugt, dass Göteborg da oben wieder eine Rolle spielen könnte, obwohl der Kader relativ dünn besetzt war, aber war er das 2011 nicht auch schon gewesen?

Wir haben uns geirrt, denn ähnlich wie Kristianstad gab es bei Göteborg viele Höhen und Tiefen, die Tiefen sind neu bei den meist schwarz gekleideten Westschwedinnen: Immerhin 3:3 gegen Lokalrivale Jitex nach 0:3 Rückstand, danach aber 1:4 Klatsche bei Kristianstad. Am Ende, nach zwölf Spieltagen, kann man mit 11 Punkten Rückstand auf Tyresö und zehn auf Malmö konstatieren, dass ein neuerlicher CL-Platz für 2013/14 undenkbar ist.

Woran liegt das? Göteborg wollte doch spielen wie Barcelona. Neuverpflichtungen nicht blind tätigen wie manch andere, sondern exakt passend zum Team und zur Spielidee. Es liegt nicht an Asante oder Press. Ingrid Wells ist vielleicht jemand, der nicht sonderlich auffällt, sie kam mit vielen Vorschusslorbeeren, wurde im amerikanischen „College“-Fußball der“ kleine General“ genannt und landete weit oben bei den Drafts zur WPS 2012, die sich am Ende als Spiel für die Galerie entpuppt hatten. Aber Wells hat noch einen Weg zu gehen.

Da ist die merkwürdige Vertragspolitik des Vereins. Niemand erhält einen Vertrag, der länger als ein Jahr dauert. Ich habe mal mit Torhüterin Kristin Hammarström darüber gesprochen, aber natürlich fand sie das ganz ok und das sei nun mal so, aber niemand habe wirklich Angst, keinen neuen Vertrag zu bekommen. Und nach den Erfolgen des letzten Jahres soll der Verein ALLEN Spielerinnen einen neuen Vertrag angeboten haben. Während zweier Trainingseinheiten liefen alle mal nacheinander ins Clubhaus und unterschrieben. Torbjörn Nilsson sagte, dass noch nie eine Spielerin ein Vertragsangebot ausgeschlagen hätte, seit er da ist. Immerhin vier Jahre. Aber nun schlugen Sembrant und Dahlkvist das Angebot aus – Tyresö bot einfach wesentlich mehr Geld. Und Stensland wollte aus privaten Gründen in die Heimat zurück.

Dass mit Lisa Ek (Ziel noch unbekannt, aber es ist nicht Potsdam, wie wir mal gemutmaßt haben) und Jane Törnqvist (Rücktritt) nun zwei der wichtigsten Leistungsträgerinnen den Verein inmitten einer Saison verlassen, die nicht gerade einfach verläuft, spricht dafür, dass nicht alles um Kopparberg/Göteborgs FC zum Besten steht. Zwar hat man mit der Amerikanerin Camille Levin gleich Ersatz für Törnqvist geholt, aber Levin hat nicht die Erfahrung und den Pondus der 37-Jährigen Ex-Nationalspielerin. Camille Levin ist auch eine Verpflichtung, wie wir sie bei anderen Vereinen öfters sehen. Sie hat zusammen mit Christen Press an der Stanford Universität gespielt und ist wohl von Press oder denjenigen, die Press empfohlen haben, empfohlen worden. Das ist eine neue, schlechtere Qualität des Scouting bei einem Verein, der gerade so nicht arbeiten wollte. Ich hege keinen Zweifel daran, dass Camille Levin ein großes Talent ist, aber die veränderte Personalpolitik des Vereins Kopparberg/Göteborgs FC spricht dafür, dass die Höhen und Tiefen sich in den zehn Begegnungen nach den Sommerferien fortsetzen werden.

Göteborger Personalien: Levin kommt, Ek geht

Camille Levin (Foto: collegesoccer360.com)

Nachdem sie ihren bevorstehenden Umzug nach Schweden zui Kopparberg/Göteborgs FC schon per Twitter sopät vorgestern Abend mitgeteilt hatte und sich das dann in Eile verbreitete, konnte Göteborgs Sportchef Peter Bronsman nicht anders als zu verkünden, dass nach der gherade begonnenen Sommeropause die 22-Jährige Amerikanerin Camille Levin  den Kader von Göteborg verstärken wird. Levin kommt von derselben renommierten Stanford Unioversity wie Stürmerin Christen Press. Sie gehörte schon zum Kader US-amerikanischer Jugendnationalmannschaften und spielte in den letzten beiden Jahren als rechte, offensive Außenverteidigerin.

„Cammi“, wie sie genannt wird, soll nach Angaben der Göteborger Homepage vor allem die kürzlich zurückgetretene 37-Jährige Jane Törnqvist ersetzen. Damit erhielten die Spekulationen, dass sich die Ex-Duisburgerin Annike Krahn auf dem Weg nach Schweden befände, einen Dämpfer.

Auf zwei Zeilen teilt der Verein auch mit, dass sich die 29-Jährige Mittelfeldspielerin Lisa Ek entschlossen habe, ihren Vertrag nicht zu verlängern. Wobei man sich fragt, was für Verträge Göteborg eigentlich macht, die mitten in der Saison enden (Törnqvist, Ek). Gerüchte platzieren Lisa Ek in Deutschland, gerade Turbine Potsdam könnte eine Spielerin des Typs Jennifer Zietz nach dem Kreuzbandriss der Kapitänin dringend gebrauchen.

Von verschiedenen Seiten war Lisa Ek wegen ihrer hervorragenden Leistungen in der Saison 2011 und auch bislang in diesem Jahr im Kontext mit der Nationalmannschaft Schwedens in Verbindung gebracht worden, Thomas Dennerby aber hielt an seinen treuen Spielerinnen fest.

Linköping tief in der Krise

Als Meisterschaftsfavorit in die Saison gegangen, liegt Linköping nach einer desolaten Leistung am Dienstagabend lediglich auf dem neunten Platz.

Man verlor die Hängepartie gegen Pokalsieger und Vizemeister Kopparberg/Göteborgs FC mit sage und schreibe 0:6.

Petra Larsson, Mittelfeldspielerin von Linköping, brachte es nach dem Spiel auf den Punkt. „Wir standen einfach nicht als Team auf dem Platz.“ Christen Press, die pfeilschnelle Amerikanerin, schoss drei Tore und liess die sonst so sichere Abwehr von Linköping ein ums andere Mal aussehen wie eine Jugendauswahl. Die drei weiteren Treffer erzielten Lisa Ek, Linnéa Liljegärd und Sara Lindén. 

In Linköping sollte man möglichst bald darüber nachdenken, ob das Trainergespann Christian Andersson und Denise Reddy in der Lage ist, aus diesem Haufen Individualisten eine Mannschaft zu machen. Sportchef Jörgen Pettersson wird nun auch im dritten Jahr in Linköping erfolglos bleiben, nachdem er zuvor schon jahrelang in Malmö den Titeln nur hinterhergehechelt war. Die Leistung des Teams am Dienstagabend war völlig indiskutabel.

Zweite Klatsche für KIF Örebro

KIF Örebro war immer ein Garant für relativ spektakulärarmen, defensiv ausgerichteten Fußball. Stabilität hinten, vorn gefährlich mit Sanna Talonen und Sarah Michael. Zwei fünfte Plätze in Folge, im letzten Jahr sogar streckenweise mit einer Chance, im Titelrennen mitzuspielen. Man tat das dann indirekt, besiegte Tyresö zu Hause mit 1:0 durch ein Tor von Talonen in der Nachspielzeit und stieß damit Tyresö von der Tabellenspitze, einen Spieltag vor Saisonende.

Auch vor dieser Saison sprach alles dafür, dass Örebro sich im oberen Mittelfeld festsetzen würde. Momentan, nach vier Spieltagen sieht es aber nicht so aus. 15 Gegentore in vier Spielen. Am ersten Spieltag an die Wand gespielt von Marta & Co. in Tyresö. Da hatte es 0:7 geheißen und man nahm das als Ausrutscher und sich viel vor, als der erfste Gast Umeå IK in die Behrns Arena kam. Nach einer ersten torlosen Halbzeit, in der KIF eigentlich das Heft in der Hand gehabt hatte, glitt das Spiel aus der Hand und Umeå gewann mit 2:0. Immerhin gab es im Gefolge dann den ersten Sieg und mit dem 2:0 bei Aufsteiger und Abstiegskandidat AIK sollte alles anders werden.

Heute jedoch ging man daheim gegen auf Wiedergutmachung nach dem sensationellen 1:2 gegen Vittsjö aufspielende Göteborgerinnen (wieder ohne Trainer Torbjörn Nilsson, der angeblich immer noch nach einem Hundebiss im Krankenhaus liegt) mit sage und schreibe 0:6 daheim ein.

Drei Spielerinnen fehlen bei Örebro: Nationalspielerin Sara Larsson in der Innenverteidigung und Olina Vidarsdottir im linken Mittelfeld, dazu Kim Arodin, die nach ihrer Hochzeit im Herbst wieder zurück in die Heimatstadt Eskilstuna und die zweite Liga wechselte. Larsson sollte in ein paar Wochen wieder dabei sein, Vidarsdottir ist schwanger und wenigstens diese Saison nicht dabei.

Zwei Bälle schoss Örebro während der 90 Minuten auf das Tor von Kristin Hammarström. Zehnmal zischte die Lederkugel auf das Gehäuse von Stephanie Labbé, sechs Mal ging sie rein. Christen Press, die in der letzten Woche zweimal über den Atlantik geflogen war und ein paar Tage im Traingscamp der US-Nationalmannschaft verbrachte, zeigte jedenfalls nicht auf dem Feld, dass der Jetlag sie behinderte. Mit ihren Saisontreffern vier und fünf setzte sie sich an die Spitze der Torjägerinnenliste. Zweimal traf auch Lisa Ek, die viele noch gerne in der schwedischen Nationalmannschaft sehen würden, je einmal waren Anita Asante und Sara Lindén erfolgreich.

Krise in Örebro und in Göteborg ist man nach dem Ausrutscher wieder obenauf.

Traumstart für Anja Mittag

Im ersten Wettkampfspiel für ihren neuen Verein LdB FC Malmö konnte Anja Mittag am Sonntagnachmittag beinen Einstand nach Maß feiern. Denn die 26-Jährige gebürtige Chemnitzerin schoss Malmö in der 88. Minute zum Sieg im schwedischen Supercup-Finale gegen Vizemeister und Pokalsieger Kopparberg/Göteborgs FC.

Das Spiel der beiden besten schwedischen Vereine 2011, die am Mittwoch in der Champions League ausgeschieden waren, wurde vor bescheidenen 311 Zuschauern auf dem Malmö IP und dem Publikum des Fernsehsenders TV4 Sport gespielt. Bei traumhaften Vorfrühlingswetter hätte die Begegnung mehr Publikum in der Arena verdient gehabt.

Mannschaftlich geschlossener wirkte lange Zeit der Gast aus Göteborg, der in Abwehr und Mittelfeld gefällig spielte, mehr Ballbesitz hatte, nach vorne aber recht einfallslos lange Bälle auf die schnelle Christen Press spielte, die in ihrer besten Szene von halbrechter Position aus den Pfosten traf.

Malmö hatte durchweg die besseren Chancen, ein eingespieltes Kollektiv ist das aber noch nicht, da wirkten die Göteborgerinnen besser aufgestellt. Dennoch: Anja Mittag hätte in der ersten Halbzeit das Tor machen müssen, als sie eine Hereingabe von rechts aus 5-6 Metern auf den Kasten zog, aber Kristin Hammarström rettete mit einem brillanten Reflex.

Die Führung für die Gäste in der zweiten Halbzeit kam dennoch wie aus heiterem Himmel, denn es war einer jener seltenen Vorstöße die nicht auf Christen Press getimt waren. Olivia Schough flankte von links und Lisa Ek erzielte die Führung unhaltbar für Thora Helgadottir mit einem herrlichen Flugkopfball. Im Frauenfußball eine eher seltene Torkategorie.

Die Wende resultierte dann aus zwei individuellen Fehlern. Zum einen ein schlampiger Pass einer Abwehrspielerin, den sich Ramona Bachmann schnappte, die dann mit viel Enerie unwiderstehlich an Jane Törnqvist und Stina Segerström vorbeizog und den Ball schräg links in die Ecke schoss.

Und das Siegtor von Anja Mittag dann als Kristin Hammarström zu weit vor dem Kasten stand und Anja mit einem gefühlvollen Schlenzer die 311 Zuschauer, das Fernsehpublikum, die Akteure und mich vor einer Verlängerung bewahrte. Ich musste nämlich noch einkaufen und hatte schon zeitlichen Stress auf mich zukommen sehen.

„Wir haben hier unten noch nie gewonnen,“ sagte Torbjörn Nilsson, Trainer von Kopparberg/Göteborgs FC. „Wir sind schon ausgespielt worden, das war heute nicht der Fall. Wir waren nahe an einer Verlängerung und hatten selber auch Chancen auf das 2:1. Jetzt müssen wir unsere Wunden nach diesen Spielen lecken und schauen, dass wir ein gutes Gefühl bekommen.“