Sara Thunebro kommt heim

SaraNach drei Jahren in Deutschland kommt Sara Thunebro nach Hause zurück. Die bald 34-Jährige Linksverteidigerin hatte sportlich schon länger kein Glück mehr in Frankfurt, kam überhaupt nicht mehr zum Einsatz. In der Nationalmannschaft setzte Pia Sundhage jedoch auf sie als ihre erste Alternative in der Startformation – auch, weil es keine Konkurrenz im eigenen Land gibt.

Gestern teilten sowohl der 1.FFC Frankfurt wie auch Tyresö FF mit, dass die Schwedin mit sofortiger Wirkung wechselt. In Tyresö sind Innenverteidigerin Linda Sembrant (Reha nach Kreuzbandriss) und Meghan Klingenberg (Schulterverletzung) noch nicht einsatzbereit und Trainer Tony Gustafsson erweitert sozusagen seinen Spielraum. Denn auf ihrer angestammten Position müsste Thunebro nun eigentlich mit der neun Jahre jüngeren Line Röddik Hansen konkurrieren, für mich die beste Außenverteidigerin der Damallsvenskan. Aber möglicherweise stellt Gustavsson Röddik Hansen so lange in die Mitte (wo sie in der Nationalelf spielt), bis Sembrant wieder zurück kommt.

Pia Sundhage jedoch dürfte sich freuen, denn ihre erste Wahl bekommt nun wohl eher das, was für eine Nationalspielerin, die in einer Mannschaft spielt, die Europameister werden will, dringend nötig ist: Spielpraxis.

Erstes Tor in Gelb für Press – Tyresö schlägt Åland United

C_PressChristen Press sorgt weiterhin für das, wofür sie engagiert wird: Sie schießt Tore. Im ersten Trainingsspiel ihres neuen Clubs Tyresö FF brachte sie den schwedischen Meister mit 1:0 in Führung.

Die Partie vor sicher mehr als 100 Zuschauern am mit – 5 Grad sonnigen, aber kalten Tyresövallen endete mit einem 4:1 Sieg Tyresös gegen den finnischen Vizemeister Åland United. Åland hätte eigentlich gegen Hammarby und am Sonntag spielen sollen, aber da der schwedische Zweiligist das Finalwochenende der Landesmeisterschaft im Futsal erreicht hat, sagte er die Begegnung relativ kurzfristig ab. Da sich auch Tyresös angedachter Sparringspartner Stabaek zurückzog, kam es zur Ansetzung des Spiels.

Tyresö dominierte vor allem in der ersten Halbzeit, obwohl Marta erst am Dienstag aus Brasilien zurückkommt und obwohl Stammpersonal wie Johanna Frisk immer noch und Kirsten van de Ven sowie Meghan Klingenberg nicht einsatzbereit war. Ein Eigentor und ein Treffer von Caroline Seger sorgten für die verdiente 3:0 Pausenführung. Nach oder aufgrund vieler Wechsel kamen die Finninnen in der zweiten Halbzeit besser ins Spiel, schafften den verdienten Anschlusstreffer, trafen zweimal die Latte, konnten den schwedischen Meister aber eigentlich nie gefährden. Dem blieb dann auch der Schlusspunkt, den Line Röddik Hansen mit dem 4:1 setzte. In der zweiten Halbzeit kam auch Malin Diaz zum Einsatz, der neben Press zweite offizielle Neuzugang.

Am spektakulärsten jedoch ein eventueller dritter Neuzugang. Mit Nummer 25 wechselte Trainer Tony Gustavsson nämlich Elin Ekblom Bak ein. Die 31-Jährige Mittelfeldspielerin war vor Jahresfrist von Tyresö zum Drittligisten Älta IF gewechselt und wollte sich scheinbar allmählich aus dem Fußball zurückziehen.

Wird man dich jetzt öfter im Dress von Tyresö sehen? wollte ich nach dem Spiel wissen.

„Mal sehen,“ sagte Ekblom Bak. „Ich bin in den nächsten Wochen mit dabei und werde mal schauen, wie das zu Hause klappt und dann werde ich eine Entscheidung treffen.“ Die ehemalige Spielerin von AIK und Djurgården wäre eine Verstärkung für den Kader, wenn nicht als Stammspielerin, so denn doch mindestens als hochwertiges Mitglied der Reserve.

 

Zugänge und Abgänge (Stand: 05.01.2013)

So allmählich füllen sich die Kader der Vereine in der Damallsvenskan. Es ist Zeit für einen ersten Überblick. Hier kommen die 12 Teams der Saison 2012 plus die beiden Neulinge.

Tyresö FF

Zugänge: Christen Press (Kopparberg/Göteborgs FC), Malin Diaz (AIK)

Abgänge: Helén Eke (Verein steht noch nicht fest)

Kommentar: Erstmals auf seiner Reise von der vierten Liga zum Meistertitel gibt es in Tyresö keine wesentlichen Personalwechsel. Marta, Vero Boquete, Caroline Seger hatten allesamt laufende Verträge auch für 2013, obwohl es um Marta wieder einmal Wechselgerüchte gab und auch noch gibt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Brasilianerin Tyresö in diesem Jahr verlässt. Für die USA ist ihr Marktwert nicht groß genug und keiner der neuen Vereine könnte sie mit den erlaubten Budgets bezahlen. Christen Press wird den Stammplatz von Madelaine Edlund gefährden. Sowohl deren wie Elaines auslaufender Vertrag wurde verlängert. Tyresö ist ein Topteam mit erstklassigen Alternativen auf der Bank. Auch Meghan Klingenberg hat verlängert. Wunschelf (Linda Sembrant in der Reha nach Kreuzbandriss):

Carola Söberg, Meghan Klingenberg, Johanna Frisk, Karin Lissel, Line Röddik Hansen, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete, Marta, Kirsten van de Ven, Christen Press.

Bank: Annica Svensson, Elaine, Malin Diaz, Madelaine Edlund, Jessica Höglander.

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LdB FC Malmö

Zugänge: Yoreli Rincon (XV de Piracicaba), Zecira Musovic (Stattena), Manon Melis (Linköping)

Abgänge: Emma Wilhelmsson (Jitex), Christina Öyangen Örntoft (Bröndby), Hilda Carlén (noch unbekannt)

Kommentar: Nach der finanziellen Rettung durch Milliardär Dan Olofsson nimmt auch Malmö Kurs auf den Meistertitel. Die Liga wird (wenn sich nichts wesentlich ändert) zu einem Zweikampf Malmö – Tyresö werden, in dem Tyresö abermals klarer Favorit ist, trotz der Verpflichtung von Melis. Rincon überrascht, riskant, eine 19-Jährige Kolumbianerin zu integrieren. Die 1,54 m kleine Filigrantechnikerin wurde mit Marta verglichen, muss das aber noch beweisen. Malmö hat aber immer gut eingekauft…

Voraussichtlich:

Thora Helgadottir, Lina Nilsson, Malin Levenstad, Amanda Ilestedt, Ali Riley, Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran, Ramona Bachmann, Elin Rubensson, Anja Mittag, Manon Melis.

Reserve:

Zecira Musovic, Frida Nordin, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Yoreli Rincon, Sofi Anker Kofoed.

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Linköpings FC

Zugänge: Lina Rinshamre (Sundsvalls DFF), Magdalena Ericsson (Djurgården), Stina Blackstenius (Vadstena GoIF), Renée Slegers (Djurgården), Emma Lennartsson (IFK Norrköping)

Abgänge: Manon Melis (LdB FC Malmö), Lisa DeVanna (Perth Glory), Emma Lundh (noch unbekannt, Hammarby?), Karen Bardsley (Lincoln LFC), Louise Fors (Western Sydney Wanderers, ab Frühjahr FC Liverpool Ladies), Nora Holstad Berge (Arna-Björnar), Matilda Agné (Hammarby DFF), Ingrid Schjelderup (Vålerenga), Josefine Alfsson (Kisa BK)

Kommentar: Linköping beendet nach einem Jahr seinen Versuch, mit Tyresö und Malmö zu konkurrieren und hat Sparmaßnahmen eingeführt. Neun Spielerinnen verlassen den Verein und fünf kommen neu hinzu, im Gespräch ist immer noch AIK:s U19-Europameisterin Jennie Nordin. Mit Ringshamre und Ericsson hat man zwei weitere junge Europameisterinnen verpflichtet. Linda Sällström, die gegen Ende der Saison noch gehen wollte (Jitex war eine Option), bleibt nun doch, vermutlich, weil die Konkurrenz in der Offensive nach ihrer Rehazeit nach dem Abgang von DeVanna, Melis und Lundh deutlich entspannter geworden ist. Linköping ist auch immer noch das bessere Team. Wichtig, dass Trainer Martin Sjögren zwei weitere Jahre bleibt.

Voraussichtlich:

Sofia Lundgren, Maja Krantz, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Marianne Gajhede Knudsen, Renée Slegers, Petra Larsson, Pernille Harder, Jonna Andersson, Linda Sällström.

Hier und bei den weiteren Clubs erspare ich mir die potentielle Bankbesetzung, da lediglich Malmö und Tyresö um die Meisterschaft spielen werden.

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Kopparberg/Göteborgs FC

Zugänge: Jessica Landström (Djurgården), Marie Hammarström (KIF Örebro), Cathrine Dyngvold (Klepp),

Abgänge: Christen Press (Tyresö FF), Ingrid Wells (noch unbekannt)

Göteborg wollte eigentlich angreifen. Dann kam der Abgang von Press dazwischen. Tyresös Zampano Hans Löfgren schnappte die Amerikanerin den Göteborgern vor der Nase weg. Landström ist vom Typ her kein Press-Ersatz, aber sie ist eine Kämpfernatur mit einer enormen fysischen Kraft. Dennoch muss sich das Angriffsspiel ändern. Torbjörn Nilsson hat seinen Trainervertrag um 2 Jahre verlängert, weil ihm versichert wurde, dass die Mannschaft sukzessiv verstärkt wird. Mindestens eine Klassespielerin muss noch kommen.

Voraussichtlich: Kristin Hammarström, Catrine Johansson, Anna Ahlstrand, Stina Segerström, Camille Levin, Yael Averbuch, Anita Asante, Johanna Almgren, Olivis Schough, Cathrine Dyngvold, Jessica Landström.

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Kristianstads DFF

Zugänge: Josefine Öqvist (vereinslos), Marija Banusic (IK Sirius), Brett Maron (Valur), Elin Borg (AIK)

Abgänge: Elin Nilsen (Vittsjö), Katrin Ómarsdóttir, Becky Edwards (beide unbekannt), Emelie Johnsson (Borens IK),  Moa Pettersson (Wä IF), Anna Persson (Glimåkra IF), Lisa Petersson, Julia Molin (AIK)

Auf den Plätzen 5-12 und bei den Aufsteigern erspare ich mir die mögliche Aufstellung am ersten Spieltag. Maron wird sicher in den ersten Monaten im Tor stehen, da Hedvig Lindahl in der Reha nach dem Kreuzbandriss ist. Trainerin Beta Gunnarsdottir ist wie immer super ambitioniert und will sicher Meister werden. Mit der Verpflichtung von Banusic ist ihr ein Coup gelungen. Für mich das größte Talent im schwedischen Fußball VOR der allenthalben gepriesenen Lina Hurtig (Umeå). Dass Josefine Öqvist letztlich der Offensive maßgebliches Gewicht verleihen wird, steht außer Frage. Kristianstad hat jetzt den drittbesten Angriff der Liga.

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Vittsjö GIK

Zugänge: Elin Nilsen (Kristianstad), Jane Ross (Glasgow City)

Abgänge: Emma Kullberg (Umeå Södra), Josefine Mårtensson (Glimåkra IF)

Das zweite Jahr ist immer das Schwerste. Das wird auch für Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK gelten. Niemand hätte das Team aus Skåne auf Rang 6 erwartet. Die Verpflichtung von Jane Ross deutet eventuell darauf hin, dass Danesha Adams geht. Die Amerikanerin war sehr wichtig. Möglich, dass Vittsjö, wie immer, von Beta Gunnarsdottir geschasste Spielerinnen überimmt. Becky Edwards?

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Umeå IK

Zugänge: Hanna Folkesson (AIK)

Abgänge: Erica Carlén (Morön)

Wenig passierte in Umeå. Keeperin Caroline Jönsson hat ihr Karriereende zur Saisonmitte angekündigt. Da braucht es Ersatz.

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Piteå IF

Zugänge: Clara Markstedt (AIK), Johanna Andersson (Assi)

Abgänge: Camilla Johansson, Jessica Olovsson (unbekannt), Ann-Mari Dovland (Klepp), Jennifer Nobis (Karriereende)

Piteå hat zwar die beste Torschützin Nobis durch Clara Markstedt ersetzt, aber es fehlt an einer weiteren offensiven Spielerin, die dem Angriff mehr Durchschlagskraft verleiht. Faith Ikidi hat ihren Vertrag bis einschließlich 2015 verlängert, eine finanzielle Deckung dafür gibt es noch nicht.

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Jitex BK

Zugänge: Emma Wilhelmsson (LdB FC Malmö)

Abgänge: Katri Nokso-Koivisto (LSK Kvinner), Nanna Jansson (Hovås Billdal), Caroline Lindblad (unbekannt)

Jitex wird weder schwächer noch stärker.

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KIF Örebro

Zugänge: Fehlanzeige

Abgänge: Marie Hammarström (Kopparbergs/Göteborg FC), Emelie Lundberg (Eskilstuna United), Hanna Ågren-Åhbom, Nina Fellbrant,  Fanny Persson (hören auf), Edda Garðarsdóttir,  Ólína Viðarsdóttir (beide zurück nach Island, , Linda Fransson (noch nicht klar)

Das sieht wieder nicht gut aus für Örebro, das erhebliche finanzielle Probleme hat.

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Sunnanå SK

Zugänge: Anikka Kukkonen (Djurgården), Hanna Glas (Sundsvalls DFF),  Carys Hawkins (Perth Glory

Abänge: Anna Bodén (Morön),  Yanru Zhang (China)

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Mallbacken

Zugänge: Sarah Bergman, Emmie Johansson (beide QBIK), Maija Saari (AIK), Hayley Lauder (Åland United)

Abgänge: Anna Arnfeldt (Karriereende)

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Djurgården

Abgänge: Gudbjörg Gunnarsdottir, Mia Jalkerud, Freja Hellenberg (alle Avaldsnes IL), Jessica Landström (Göteborgs FC), Renée Slegers (Linköping), Anna Lindblom (Hammarby), Katrine Petrous, Natalia Rickne, Annika Kukkonen (Sunnanå), Katrin Jonsdottir, Caroline Frånberg.

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AIK

Zugänge: Lisa Pettersson, Julia Molin (beide Kristianstad)

Abgänge: Maija Saari (Mallbacken), Elin Borg (Kristianstad), Nazanin Vaseghpanah (hört auf), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz (Tyresö), Clara Markstedt (Piteå), Lori Chalupny (unbekannt)

Der Vergleich: Malmö – Tyresö (Abwehr)

Tyresös dänische Nationalspielerin Line Røddik Hansen

Die BILD-Zeitung hatte immer vor großen Spielen den Mann gegen Mann – Verleich und kam dann zu einem Ergebnis, welches Team besser ist. Wir machen das auch mal vor dem großen Spiel zwischen LdB FC Malmö und Tyresö FF. Das Ergebnis nimmt in keinem Fall das Ergebnis von Samstag vorweg:), denn Fußball bleibt ein Mannschaftssport, bei dem das Zusammenwirken entscheidet.

Tor. Thora Helgadottir – Carola Söberg. Punkt für Malmö. 1:0

Beide Teams haben sehr gute Torhüterinnen und Carola Söberg in Tyresö wird oft unterschätzt, aber die Isländerin in Malmö gehört wohl derzeit zu den 3-5 besten Torhüterinnen der Welt, was sie eindrucksvoll in Umeå unter Beweis stellte, wo Malmö auch hätte verlieren können, wenn Helgadottir (Schwester von Ex-Malmö-Stürmerin Asthildur Helgadottir) nicht Glanzparaden gezeigt hätte.

Lina Nilsson – Meghan Klingenberg. Punkt für Tyresö. 1:1.

Klingenberg kam nach Olympia zu Tyresö und verdrängte Nilssons Nationalmannschaftskonkurrentin Annica Svensson problemlos von dieser Position., Die kleine Amerikanerin ist stark in der Defensive, schnell und bringt viel nach vorn und ist auch noch direkt torgefährlich. Fraglich nur, ob sie Samstag hier oder im Mittelfeld spielen wird, wo sie auch schon agierte.

Amanda Ilestedt – Karin Lissel. Punkte für Malmö. 2:1

Das ist keine leichte Entscheidung, denn Tyresös Abwehr hat die wenigstens Gegentreffer und wie Söberg wird auch Lissel unterschätzt. Aber Ilestedt ist wohl die Abwehrspielerin der Zukunft und für mich jetzt schon besser als Malin Levenstad, die neben ihr in Malmö spielt.

Malin Levenstad Annica Svensson. Unentschieden. 2,5:1,5

Keine Ahnung, wer am Samstag neben Karin Lissel bei Tyresö in der Innenverteidigung spielt. Hier hat Tyresö Personalprobleme. Linda Sembrandt ausgefallen mit Kreuzbandriss, Johanna Frisk seit Wochen verletzt, soll jetzt wieder fit sein. Trainer Tony Gustavsson hat in den letzten beiden Spielen sowohl Svensson wie auch Line Röddik Hansen auf der Position getestet. Auch Emilia Appelqvist spielte hier schon und natürlich auch Allrounderin Elaine (auch verletzt). Sollten weder Frisk noch Elaine verfügbar sein, würde ich hier eher Svensson hinstellen, um nicht auf die offensive Kraft Röddik Hansens zu verzichten. Levenstad und Svensson sind beide etwas kurzgewachsen für eine Abwehrspielerin in der Mitte, aber nicht zu unterschätzen. Svensson machte bei ihrem früheren Verein Hammarby oft Kopfballtore.

Ali Riley – Line Röddik Hansen. Punkt für Tyresö. 2,5:2,5

Die Neuseeländerin bei Malmö ist eine Klasseverteidigerin. Keine Frage. Aber Line Röddik Hansen ist Weltklasse und zwar in der ganzen Saison schon und meine Favoritin auf den Titel „Beste Abwehrspielerin 2012“, ¨für den sie völlig zu Recht nominiert ist. Zusammen mit Marta bildet Line die wohl gefährlichste linke Flanke Europas.

And the nominees are… – Die Nominierungen zur Fussballgala

Traditionell werden im Frauken- und Männerfussball im November auf einer live im Fernsehen übertragenen Gala die besten Fussballer des Jahres ausgezeichnet. Am Freitagnachmittag wurden die Nominierungen bekanntgegeben, Hier sind die für den Frauenfussball:

Beste Torhüterin: Thora Helgadottir, Hedvig Lindahl, Kristin Hammarström, Gudbjörg Gunnarsdottir. 

Beste Abwehrspielerin: Emma Berglund, Linda Sembrant, Sara Thunebro, Line Röddik Hansen

Beste Mittelfeldspielerin: Anita Asante, Vero Boquete, Caroline Seger, Marta 

Beste Stürmerin: Christen Press, Ramona Bachmann, Anja Mittag, Lotta Schelin

Beste Spielerin der Damallsvenskan: Vero Boquete, Ramona Bachmann, Marta, Anja Mittag

Newcomer des Jahres: Amanda Ilestedt, Lina Hurtig, Jennie Nordin, Elin Rubensson

Trainer des Jahres: Elisabet Gunnarsdottir, Peter Moberg, Thomas Mårtensson und Ulf Palmqvist, Torbjörn Nilsson

Eine andere Dimension

Vero Boquete spaziert Richtung Tor von Umeå

Für mich ist Tyresö FF trotz des Zweipunkte-Rückstands der klare Favorit auf die schwedische Meisterschaft. Gestern Nachmittag kam Altmeister Umeå IK in die 20 km südlich von Stockholm gelegene Gemeinde. Das Hinspiel hatte Umeå daheim mit 1:5 verloren. Das sollte sich nicht wiederholen.

Aber Tyresö spielt seit der Olympia-Pause, seit Trainer Tony Gustavsson seinen Posten als Assistenztrainer der amerikanischen Frauen verlassen hat und Tyresö übernommen hat in einer anderen Dimension. Da hat sich ein Selbstbewusstsein aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Leider will der Fußballzuschauer aber nicht immer nur sehen, wie ein Team alle anderen problemlos niederwalzt. Ging mir gestern so durch den Kopf, verbunden mit der Frage, ob nicht das amerikanische Drafting-System in den Profiligen auch etwas für sich hat. Da ist die Liga das Unternehmen und jede Mannschaft ein Franchise. Da werden Spieler und Spielerinnen verteilt und zwar so durch ein ausgeklügeltes und für uns nicht immer nachvollziehbares System, das am Ende eine recht ausgeglichene Liga dabei herauskommt.

Zurück zum Spiel. Umeå vermied in der ersten Viertelstunde ein Gegentor trotz seiner völlig unbegreiflichen Dreierkette, die mit Alexandra Nilsson, Emma Berglund und Fanny Hjelm angetreten war, Tyresö zu stoppen. Vielleicht wollte Trainer Joakim Blomkvist das Mittelfeld so stark aufstellen, um Tyresös stärksten Mannschaftsteil aufzuhalten. Aber er hätte im Trainergrundkurs lernen müssen, dass man nicht mit Weltklassespielern beim Gegner mit einer Abwehr antreten sollte, die aus lediglich drei Arbeitskräften besteht.

Das 0:1 in der 24. Minuten besorgte Alexandra Nilsson selber. Sie spitzelte eine scharf hereingegebene Flanke von Ver Boquete ins eigene Tor. Danach nahm Tyresö das seltsame Defensivkonstrukt gnadenlos auseinander. Das 2:0 durch die starke Dänin Line Röddik Hansen war ein Tor, bei dem Tyresö den Ball im Tik-Tak-Tok-Verfahren wie am Schnürchen im gegnerischen Strafraum (!) jeweils weiterpasste auf die am günsgtigsten postierte Spielerin. 3:0 durch Kirsten van de Ven, die von ihrer guten Freundin Line Röddik Hansen maßgerecht bedient wurde. 4:0 zu Beginn der zweiten Halbzeit durch Madelaine Edlund, 5:0 wieder van de Ven und das 6:0 abermals von Vero vorbereitet durch einen Kopfball von Caroline Seger. Da waren gerade 60 Minuten und 2 Sekunden gespielt.

Zum Glück für Umeå ließ es Tyresö dann sehr gemächlich angehen. Man schaltete zwei Gänge zurück ohne dem Gegner deshalb Torchancen einzuräumen. Annica Svensson durfte spielen, kam rein für Lisa Dahlkvist und begab sich auf die rechte Außenverteidigerposition, während Meghan Klingenberg, an die Nationalspielerin Svensson ihren Stammplatz verloren hat ins defensive Mittelfeld aufrückte.

In der 41. Minute gab es einen Zusammenstoß mit möglichen Folgen. Eine Umeå-Angreiferin lief wohl eher unabsichtlich auf Linda Sembrant auf und die Nationalspielerin musste ausgewechselt werden. Ein Kreuzbandriss kann nicht ausgeschlossen werden, aber lasst uns einmal wenigstens optimistisch sein. Mehr zu Sembrants Wohlbefinden am Anfang der nächsten Woche.

 

Marta macht den Unterschied

Nein, das ist Effekthascherei und nicht korrekt. Vorgestern behauptete ich, dass Anja Mittag den Unterschied machte im Spiel gegen Vittsjö, weil sie in der 90. Minute beim Stand von 2:2 das Spiel entschied. Und das war richtig. Anja Mittag war Matchwinnerin.

Das war auch Marta am Dienstagabend in Solna. Allerdings war der Gegner nicht Vittsjö, sondern der zweite, wesentlich erfolglosere Aufsteiger AIK, und Marta schoss auch nicht das entscheidende Tor. Sie machte zwei und bereitete die anderen beiden vor. Tyresö gewann nach einer wieder einmal schwierigen ersten Halbzeit dann doch mit 4:0, weil es in jeder Hinsicht mehr Ressourcen hat als AIK. Man hat die besseren Spielerinnen auf jeder Position, man hat die Möglichkeit, diese Spielerinnen im Wesentlichen als Vollprofis leben zu lassen, man hat einen Vollzeit angestellten Konditionstrainer, man kann es sich leisten, wesentlich mehr Trainingseinheiten zu absolvieren als Spielerinnen, die nebenher arbeiten müssen oder zur Schule gehen und man hat einige der weltbesten Spielerinnen. Marta wird meiner Einschätzung nach in diesem Jahr nicht unter die ersten Drei der FIFA-Auswahl zur besten Spielerin des Jahres kommen. Aber wenn ich sie in den letzten Wochen so sehe, frage ich mich, ob es wirklich eine bessere Spielerin gibt auf der Welt. In der Torschützenliste liegt sie „nur“ auf Platz 3, aber neben ihren 12 Toren hat sie eben auch 13 Assists vorzuweisen und wenn ihre Mitspielerinnen manchmal ebenso schnell reagieren könnten oder so standsicher schießen könnten, dann wären es wesentlich mehr Vorlagen. Denn wie sie es etwa schafft auf einem Flügel die Hälfte einer gegnerischen Verteidigung auszuspielen und trotzdem voll im Blick zu haben, wer 5-6 Meter weiter innen wo frei steht und wie sie es dann immer wieder einmal kurz vor der Außenlinie in voller Fahrt schafft, den exakten Pass auf genau die freie Spielerin zu spielen, das ist Extraklasse. Das ist in der Dichte ein Alleinstellungsmerkmal.

Dabei will ich es nach diesem Spiel einfach mal belassen. Die beiden Tore, die Marta auflegtem, schoss Madelaine Edlund. AIK kämpfte brav 45 Minuten lang, danach schaltete Marta zwei Gänge höher und das Spiel wurde innerhalb von 20 Minuten entschieden. Ich habe es vorher gesagt, ich wiederhole es. Marta macht den Unterschied. Am 3. November spielt sie in Malmö gegen Ramona Bachmann und Anja Mittag, die im Hinspiel nicht viel gesehen haben. Da schossen Marta und die heute verletzte Elaine die Tore zum 2:0. Die Stärke Tyresös liegt in der Breite. Denn selbst wenn Marta einmal nicht überragen sollte, was sie im Moment jedoch tut, dann sind da mit Vero Boquete, Caroline Seger, Kirsten van de Ven, Line Röddik Hansen andere, die den Unterschied machen können. Ich bin mir jedoch sicher, dass es Marta sein wird…

Tyresö legt nach

Line Röddik Hansen schießt das 1:0 für Tyresö

Keine Blöße gab sich Tyresö FF gegen Linköpings FC. Die Gäste hatten vor über 2.000 Zuschauern nicht den Hauch einer Chance am Tyresövallen und verloren durch Tore von Line Röddik Hansen, Caroline Seger und Marta, alle in der ersten Halbzeit, mit 0:3. Es hätte wesentlich schlimmer kommen können, aber Tyresö tat in der zweiten Hälfte nur noch das Notwendige, um die drei Punkte ohne Reibungsverlust einzufahren.

Seitdem der neue Trainer Tony Gustavsson im Amt ist hat Tyresö somit in fünf Pflichtspielen fünf Siege und 24:5 Tore eingefahren. Und während Malmö eigentlich immer durch Tore von Ramona Bachmann und Anja Mittag gewinnt (so war es beim 5:3 in Linköping und 3:0 in Kristianstad) sind die Torschützen bei Tyresö sehr gleichmäßig verteilt.

Dabei gibt es in der Abwehr durchaus Probleme, durch Verletzungen. Heute spielten Karin Lissel und Emilia Appelquist in der Mitte. Johanna Frisk ist immer noch verletzt, auch Linda Sembrant fiel wieder aus. Das Mittelfeld allerdings mit Elaine, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete und Marta dürfte allerdings einer der besten Mannschaftsteile in einer europäischen Vereinsmannschaft sein und steht weder Lyon noch Frankfurt in irgendetwas nach. Auf der rechten Abwehrposition kam heute Meghan Klingenberg zum Einsatz, die Annica Svensson auf die Bank verdrängt hat. Und Klingenberg ist auch die bessere Wahl, schneller, beweglicher und auch noch aggressiver als die schwedische Nationalspielerin, die nun ebenso zweite Wahl ist wie die holländische Klassespielerin Kirsten van de Ven. Um den Betriebsfrieden aufrech zu erhalten, wurden beide in der enttäuschenden zweiten Halbzeit eingewechselt.

Apropos enttäuschend. Linköping enttäuschte auf der ganzen Linie. Nilla Fischer, die gegen andere Gegner noch eine gute Rolle in der ungewohnten Innenverteidigungsposition gespielt hatte, wurde heute von Marta und Vero aufgezeigt, wie unbeweglich sie ist. Als Rammbock im defensiven Mittelfeld ist sie besser geeignet, aber durch die vielen Verletzungen bei Linköping (Charlotte Rohlin, Linda Sällström, Tilda Heimersson) müssen Positionen geändert werden. Auf der Bank starteten heute Lisa DeVanna und Emma Lundh, die beide nicht mannschaftsdienlich genug gespielt haben. Beide kamen rein, DeVanna vergab die beste Chance mit einem Distanzschuss übers Tor. Auf das Tor von Carola Söberg, die wohl NICHT von Hope Solo ersetzt werden wird, kam ein einziger Schuss. Über fehlende Arbeit beklagen konnte sich indes nicht Sofia Lundgren, die beim ersten Tor von Röddik nicht gut aussah, dafür aber in der zweiten Halbzeit eine Glanzparade gegen einen Schuss von Marta zeigte. Tyresö hätte hier durchaus 5, 6:0 gewinnen können, wenn man nur gewollt hätte. Alles läuft auf den abschließenden Showdown in Malmö hinaus. Siegen beide Teams weiter bis dahin, muss Tyresö am 3. November in Malmö gewinnen und wird schwedischer Meister. Meiner Meinung nach ist die gesammelte individuelle Klasse Tyresös größer. Denn in Malmö sitzen noch keine schwedischen Nationalspielerinnen auf der Bank.

Halbzeit (1): Tyresö

Marta im Trikot von Tyresö – wohin zeigt der Daumen am Ende?

Halbzeit in der Damallsvenskan. Vor gut einer Woche habe ich eine subjektive Zusammenfassung angekündigt. Im Gegensatz zu anderen Bloggern habe ich es in diesem Jahr unterlassen, eine Schlusstabelle zu tippen. Es endet eben nur peinlich mit in der Regel 2 richtigen und 10 falschen Prognosen. Zwölf Spieltage sind absolviert, es gibt zwei Nachholspiele im Kielwasser der U19-EM in der Türkei. Vom elften Spieltag ist Djurgården – LdB FC Malmö (15.08.) nachzuholen und vom 12. Spieltag dann noch Umeå IK – AIK (16.08.).

Wie ist die Saison bisher gelaufen, wir gehen die Tabelle von oben nach unten durch:

Tyresö FF: Der Goldfavorit steht oben. Ziel erreicht? Malmö ist mit einem Punkt Rückstand Zweiter und hat ein Spiel weniger,  die Führung wackelt also am 15.08., wenn Malmö sein Nachholspiel beim Tabellenletzten Djurgården absolviert.
Mit diesem Kader müsste Tyresö eigentlich nahezu unschlagbar sein. Sicher, es gab eine Reihe von Verletzungen, die Niederländerin Kirsten van de Ven pausierte zuletzt mit ihrer dritten Gehirnerschütterung (!) in dieser Saison ebenso wie die Dänin Line Röddik Hansen. Aber mit dem Samba-Trio Marta, Vero Boquete und Elaine, dazu mit der Schweden Caroline Seger und allen anderen Nationalspielerinnen hätte Tyresö eine Hinrunde spielen müssen, die mit dem 7:0 Heimsieg gegen Örebro so begann, wie man das erwartet hatte. Danach kam Sand ins Getriebe. Der ehemalige Sportchef Hans Löfgren wurde wegen des Kaufes sexueller Dienste zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt und auch wenn der 46-Jährige offiziell nichts mehr mit dem Verein zu tun haben soll – glauben tut das niemand, denn Löfgren steht weiterhin auf der „Brücke“ des Vereins, zeichnet die besten Spielerinnen aus, herzt und umarmt seine Mädels und gibt Anweisungen. Beim Spiel gegen Vittsjö Ende Juni war er als „Sportchef“ Tyresös akkrediert und auf Nachfragen der Zeitung Kristianstadsbladet erklärte er, er könne sich gar nicht dran erinnern, wie das mit der Akkreditierung war, gut eine Woche war vergangen…

Trainer Stefan Fredriksson, ein ebenso kompetenter wie sympathischer Fußballlehrer, den ich mehrfach gesprochen habe und wegen seiner verbindlichen Art schätzte, trat von einem auf den anderen Tag zurück. Grund: Er sei nahe an einem Burn-Out, könne die Doppelarbeit als Trainer und Familienvater nicht mehr leisten, ohne dass er Schaden nehmen würde. Offenbar wurde Fredriksson nicht ernst genommen von einer Truppe selbstbewusster und teils ungebändigter Stars.

Wenn Tyresö dieses Jahr nicht Gold gewinnt, dann ist das eine mittlere Katastrophe, denn der Kader muss für den Frauenfußball enormes Geld verschlingen. Geld, dass Ex-Manager Löfgren dank des von ihm ins Leben gerufenen Netzwerks von Sponsoren auftreibt, aber auch das Netzwerk will Resultate sehen.
Spielerisch fehlt der Mannschaft oft die Einheit, da wird überdeutlich, dass es sich um ein Ensemble von hochtalentierten Individualisten handelt, die zusammen wenig miteinander anfangen können. Aber wenn Marta oder Vero zu Dribblings ansetzen oder Seger sich Richtung gegnerisches Tor durchtankt, dann reicht das eben sehr oft. Tyresö hat jetzt zwei seiner eigenen Talente, Helen Eke und Jennifer Egelryd an den finnischen Erstligisten Åland United ausgeliehen, damit die Beiden Spielzeit bekommen. Das ist ein weiterer Punkt, den einige an Tyresö kritisieren: Es sei eine zusammengekaufte Söldnertruppe ohne lokale Verankerung. Das stimmt nicht so ganz, denn heute Abend steht mit Pauline Hammarlund ein eigenes Talent in den Reihen der schwedischen U19, die nach dem EM-Titel in Antalya greift.
Auch wenn vieles im Argen liegt: An Tyresö kommt man nicht vorbei, wenn es um die Vergabe des Meistertitels geht und es ist möglich, dass die Entscheidung am letzten Spieltag in Malmö fällt, dann kommt nämlich Tyresö zu Besuch.

Tyresö schlägt Djurgården im Regen

Djurgården unter Druck – Kopfball von Elaine Moura

Mit 2:0 gewann Tyresö FF am Samstagnachmittag gegen den Tabellenletzten Djurgården durch Tore von Madelaine Edlund und Lisa Dahlkvist. Aber der Tabellenführer tat sich trotz fast totaler Dominanz sehr schwer, das Tor zu treffen.

„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, aber da vorne lassen wir einfach zu viele Chancen aus, wir müssen uns das ansehen. Ich habe in der ersten Halbzeit auch einen Ball verschossen, den ich normalerweise immer reinmache,“ sagte mir Marta nach dem Spiel, die ich noch „erwischte“, als sie wie immer sehr geduldig und freundlich Autogramme für die Kinder schrieb, die ihr hinterherlaufen. Inzwischen muss wohl jedes Kind zwischen fünf und vierzehn in Tyresö ein Autogramm der Brasilianerin habe, dachte ich mir. Marta war’s dennoch zufrieden. „Das Spiel war wegen der ausgelassenen Torchancen nicht so lustig, aber am Ende bin ich dann doch zufrieden mit den drei Punkten,“ so Marta weiter.

Überragend auf dem Platz: Vero Boquete. Die kleine Spanierin zeigte Kabinettstückchen, filigrane Finten und leistete so ganz nebenbei hervorragende Defensivarbeit. Der neue Trainer (Stefan Fredriksson trat Donnerstag offiziell wegen Überarbeitung zurück) Leif Edeborg (bisheriger Assistent Fredrikssons) hatte etwas ummöbliert. Line Röddik-Hansen, wohl beste Linksverteidigerin der Liga, musste aus unerfindlichen Gründen in die Innenverteidigung für die angeschlagene Linda Sembrant, während Elaine auf Röddik-Hansens angestammter Position spielte.

Bei Djurgården überragte wie so oft in Begegnungen gegen wesentlich stärkere Teams Torfrau Gudbjörg Gunnarsdottir. „Das Wetter heute ist so wie bei uns zu Hause in Island,“ sagte sie mir nach dem Spiel, für das sie als Beste ihres Teams einen Picknick-Korb des Sponsors bekommen hatte.

Kaum Bälle bekommen hatte eine Debütantin, die wir seit dem November 2009 erstmals wieder in der schwedischen Liga sahen: Djurgårdens neue Nummer 6, Nationalspielerin Jessica Landström, die 95 Minuten durchspielte.

Fotos vom Spiel gibt es leider nur eines (von der Tribüne), da der stete Regen, der eisige Wind und Temperaturen unter zehn Grad dazu beitrugen, dass ich dieses Spiel zu dem mit dem bisher schlechtesten Wetter in allen sieben Spielzeiten küren möchte, in denen ich die Damallsvenskan verfolgt habe.

Nach dem Spiel joggte Landström, die als einzige mit Handschuhen spielte, erst noch einmal in Ruhe aus, ehe sie mir dann im Medienraum von Tyresö doch noch vor das Mikrofon lief.

„Ich glaube, da fehlt einfach noch viel Selbstvertrauen bei Djurgården. Dass man den Ball haben will und dass man sich traut, ihn auch erst einmal zu behalten. Man konnte das bei Tyresö sehen, die wollen den Ball haben. Wir laufen sehr viel, aber wir könnten effektiver laufen, wenn mehr Ballbesitz wollten, denn so müssen wir sehr viel in der Defensive laufen,“ sagte Jessica Landström, befragt nach ihren ersten Eindrücken vom (alten und) neuen Team.

„Ich denke, dass ich in guter Form bin, habe drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Wir müssen einander kennen lernen und einander vertrauen. Ich rede gerne viel und steuere auch die Dinge, aber das ist natürlich noch nicht so einfach, ich kenne ja noch nicht mal alle meine neuen Mannschaftskameradinnen mit Namen.“

Was hast du aus deiner Zeit in Frankfurt mitgebracht?

„Sehr viel. Das ist ein sehr professioneller Verein mit Weltklassespielern. Alle haben ein sehr hohes indivioduelles Leistungsniveau. Die Trainingsvoraussetzungen und das Training da haben mich enorm entwickelt. Hier ist eine andere Situation, hier bin ich sicher eine der kreativeren und aktiveren Spielerinnen, in Frankfurt waren sehr viele andere auch aktiv, das wird anders. Ich habe mich als Mensch weiterentwickelt und auch als Person.“

Und du hast auch Deutsch gelernt? Ich habe Tweets auf Twitter gelesen, die du auf Deutsch geschrieben hast?

„Ich verstehe alles, würde ich sagen, wenn es nicht gerade Fachsprache ist. Bücher kann ich auch lesen, aber Sprechen geht so lala.“

Siehst du dich unter Druck hier, du kommst in einer schweren Situation, die Mannschaft ist Letzter, man erwartet Tore?

„Den Druck, den ich von anderen bekomme, den kann man nie vergleichen mit dem Druck unter den ich mich selber setze.“

Wie würdest du Tyresö und Frankfurt vergleichen?

„Das wäre sicher ein interessantes Spiel.“

 

Auch Tyresö demontiert Umeå

Line Röddik Hansen (rechts) im Spiel gegen KIF Örebro, April 2012

Nachdem es schon vergangenen Spieltag eine bittere 1:7 Klatsche für Rekordmeister Umeå IK bei LdB FC Malmö gab, setzte es heute vor 3125 Zuschauern (neue Saisonbestmarke) in der T3-Arena (früher Gammliavallen) eine bittere 1:5 Schlappe.Dabei hatte alles ganz gut begonnen. Umeå spielte sein schnelles Kurzpassspiel und hatte zumindest ein ausgewogenes Spiel in den ersten 20-25 Minuten und sogar die beste Chance durch Emmelie Konradsson, als Lisa Dahlkvist auf der Linie klären musste. Aber dann setzte sich mit zunehmender Spieldauer die bessere Qualität der Einzelspielerinnen durch. Auf fast allen Positionen ist Tyresö deutlich besser besetzt, mit Ausnahme von Annica Svensson, die ein ums andere Mal von Ogonna Chukwudi düpiert wurde. Auf der anderen Seite bei Tyresö verteidigt die Dänin Line Röddik Hansen, die jedem Bundesligaverein gut zu Gesicht stehen würde. Röddik Hansen begann und beendete den Torreigen. Dazwischen traf zweimal die heute für Caroline Seger aufgebotene Kirsten van de Ven und die kleine Spanierin Vero Boquete trug sich mit einem Kopfballaufsetzer in die Annalen ein.

Als es schon hoffnungslos 0:5 stand, vermochte lediglich Kapitänin Emma Berglund noch mit einem Kopfball den Ehrentreffer zu markieren.

Die Damallsvenskan 2012 ist wie selten gespalten und gegen die Topteams Malmö und Tyresö hat wohl keiner eine reele Chance mehr. Denn Umeå wird keineswegs unten mitspielen, sondern wohl eher im oberen Mittelfeld um die Plätze 5-6.

Martas Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte endete mit einem weitern Dreier, der Tyresö jetzt dank der besseren Tordifferenz vor Malmö an die Spitze bringt. Am Samstag geht Tyresö dann daheim gegen AIK auf Torejagd. Umeå spielt einen Tag später im Stockholmer Stadion gegen Schlusslicht Djurgården und will dann wieder punkten.

Tyresö schlägt Malmö

Jubel und auch Erleichterung bei Tyresö nach dem Sieg gegen Malmö

Für Tyreseö war es das zweite Topspiel innerhalb einer Woche und man war zum Siegen verdammt, um nicht in größeren Rückstand zu geraten. Das merkte man der Mannschaft von Stefan Fredriksson in der ersten halben Stunde auch an. Am Ende gewann der Gastgeber jedoch hochverdient mit 2:0 nach Toren der beiden Brasilianerinnen Marta und Elaine.

Ins improvisierte Stadion, nur wenige hundert Meter vom Einkaufszentrum in Tyresö gelegen kamen 2332 Zuschauer, eine Zahl, die an sich respektabel ist, die aber angesichts des Topspielcharakters und der Tatsache, dass beim ersten Spiel Tyresös gegen Örebro rund fünfhundert Menschen mehr kamen, eine Enttäuschung ist. Man hatte eigentlich mit einem Rekord gerechnet am Tyresövallen.

Malmö begann ruhig und kontrolliert und Tyresö bemühte sich, das Heft in die Hand zu nehmen, aber das Team wirkte gestresst.

„“Tyresö hat auf dem Papier eine unheimlich starke Mannschaft, aber es ist sicher nicht leicht für die, unter diesem enormen Druck Leistung zu bringen,“ sagte mir Malmös Mannschaftskapitänin Malin Levenstad nach der Begegnung, der offensichtlich der Hype um die Stockholmer Vorortmannschaft etwas Kopfzerbrechen bereitet. „Ok, heute haben sie gegeh uns gewonnen, aber ich finde, dass der Unterschied zwischen uns nicht so groß ist. Die stehen nicht irgendwo da oben und alle müssen sie vergöttern, nein wir spielen in der Damallsvenskan und es ist ganz schön ausgeglichen hier,“ so Levenstad weiter.

Der Führungstreffer zu Beginn der zweiten Halbzeit resultierte dann auch nicht aus brillantem Kombinationsspiel, sondern aus einem individuellen Fehler. Die allerdings darf man sich gegen Marta nicht erlauben. Lina Nilsson war die Unglücksrabin, der das falsche Abspiel unterlief und Marta schoss aus gut 16 Metern ins rechte untere Eck. Danach nahm Tyresö das Heft endgültig in die Hand, hatte mehrere Chancen. Während Thora Helgadottir durchaus beschäftigt war, konnte sich Carola Söberg im Tor der Gastgeberinnen einen mehr oder weniger ruhigen Abend machen. Weil die defensive Arbeit bei Tyresö viel besser als erwartet war. Zum ersten Mal bestand die Viererkette aus Annica Svensson, Johanna Frisk, Linda Sembrant und Line Röddik Hansen. Die Abwehr Tyresös, oft als die Achillesferse bezeichnet, entschied gestern das Spiel, weil sie aufopferungsvoll kämpfte, relativ weit hinten stand und sich deshalb nicht von den schnellen Malmöerinnen überlaufen ließ.

Erstaunlich auch, wie viel defensive Arbeit Spielerinnen wie Marta und Vero gestern Abend verrichteten. Besonders bei Marta habe ich noch nie so viel Aktivität nach hinten gesehen. Den zweiten Treffer erzielte Elaine mit einem prachtvollen Schuss nach einem Abpraller, den Line Röddik Hansen herbeigeführt hatte.

Malmö rannte sich immer wieder fest. Anja Mittag war sehr bemüht, Therese Sjögran kämpfte aufopferungsvoll und am besten, wenn sie üer rechts kam, aber eine Weltklassespielerin wie Ramona Bachmann hat nach ihrer Verletzung noch lange nicht die Form erreicht, die man von ihr gewohnt ist und die sie 2011 zur besten Spielerin der Liga machte. Auch im Mittelfeld ging der Punktsieg an Tyresö, da kontrollierten Caroline Seger und Lisa Dahlkvist das Geschehen.

Die Meisterschaft ist wieder völlig offen. Heute kann Göteborg mit einem Sieg über Vittsjö die alleinige Tabellenführung übernehmen.

Marta & Co. stürmen mit 7:0 an die Tabellenspitze

Marta ist wieder zu Hause - großer Trubel um die 26-Jährige Brasilianerin

2892 Zuschauer am Tyresövallen, der mit zwei neuen Tribünen versehen worden ist, denn Hans Löfgren und sein Team wollen hier Maßstäbe setzen. Alles ist noch ein wenig behelfsmäßig und nicht so ganz ist man darauf vorbereitet, dass alles aus den Nähten platzen soll. Vor dem Stadion werden jetzt Wellenbrecher aufgebaut, die Zuschauer in Richtung auf verschiedene Eingänge gelotst. Diejenigen, die sich eine Karte im Vorverkauf gekauft haben nach rechts, die anderen nach links. Vorverkauf.

Für Frauenfußball in Schweden war das bisher ein Fremdwort. In Tyresö setzt man Maßstäbe. Da müssen sich sogar Spielerinnen Karten kaufen für Freunde und Verwandte, wenn die sitzen wollen. Immerhin ermäßigt. Aber nummeriert.

Das mag jetzt etwas negativ klingen und vielleicht schwingt da tatsächlich ein bisschen Larmoyanz mit, dass andere Zeiten anbrechen. Oder zumindest der Versuch gemacht wird, andere Zeiten anbrechen zu lassen. Immerhin: Nach dem Spiel darf man auf den Platz gehen und schlimmer vorher in den Medienraum. Ich war akkreditiert, wollte mir lediglich die Karten für den Zugang für den Innenraum holen, die Fotoweste, wie das hier genannt wird. Und da waren Journalisten und ein Karton mit Pressekarten und ein Ständer mit Fotowesten. Das ist dann durchaus noch sympathisch.

Line Röddik Hansen - Außenverteidigerin in blendender Form

Das Spiel in einem Absatz. KIF Örebro versuchte, kompakt zu stehen und die ersten Angriffswellen zu überstehen. 20 Minuten lang lief das ganz ordentlich, obwohl man selber nichts nach vorn brachte. Dann wurde Tyresö wärmer, Line Röddik Hansen und Kirsten van de Ven fielen besonders auf dem Flügel auf und sorgten für Gefährliches. Nach dem 1:0 durch Caroline Seger in der 26. Minute brach der Damm. Allmählich. Flanke von Kirsten van de Ven und Moa Narving köpft den Ball aus sechs Metern in den Winkel an Stephanie Labbé vorbei. Ein herrlicher Kopfball, wenn Narving nicht weiß gekleidet wäre und mit dem Eigentor zum 0:2 die Niederlage wohl besiegelt hätte. So geht es in die Halbzeit, nachdem Labbé das eine oder andere Mal zeigen konnte, dass sie eine schnelle, athletische und reaktionsschnelle Keeperin ist. In der zweiten Halbzeit leitete dann ein schneller Doppelschlag die Katastrophe ein. 3:0 Line Röddik Hansen, 4:0 Caroline Seger. Innerhalb von zwei Minuten. Danach war da endgültig das Kaninchen und die Schlange. Örebro immer ängstlicher, wenn Tyresö mit seiner Übermacht aus besseren Spielerinnen angriff. Vafriationsreich. Die Aussenverteidigerinnen, heute Röddik Hansen und Elaine gingen über die Flügel und dazu kamen Kirsten van de Ven und natürlich Marta. Während ím zentralen Mittelfeld Lisa Dahlkvist nach hinten dicht macht und nach vorne Caroline Seger und nicht zuletzt Vero Dampf machen. Die nächsten beiden Treffer gehören Marta. Den einen macht sie mit der Hacke. „Ich bin noch nicht in Topform,“ sagte sie uns nach dem Spiel. „Den kleinen Tanz, den Elaine und ich nach dem ersten Tor von mir aufgeführt haben, hatten wir uns vorher überlegt. Wir haben gesagt, egal wer von uns das erste brasilianische Tor macht, wir machen den Tanz.“ Und bei jedem Marta-Tor schallt ein brasilianischer Schlager aus den Lautsprechern.  Am Ende gibt es noch das 7:0 gegen den Vorjahresfünften. Stephanie Labbé holt Vero von den Beinen und hätte eigentlich rot sehen müssen, aber Jenny Palmqvist ist gnädig und gibt nur gelb, aber Elfmeter und die heute 25 Jahre alt gewordene Spanierin markiert den Schlusspunkt.

Fazit: KIF Örebro ist keinesfalls ein Absgtiegskandidat, wird aber von Tyresö dermaßen ausgespielt, dass man sich fragen kann, wer das Team aufhalten können soll. Sie haben in jedem Fall ihre Anwärterschaft auf die Meisterschaft eindrucksvoll untermauert. Nächste Woche Dienstag (am 17.04.) wird man beim Spiel in Linköping sehen, ob die Meisterschaft zu einem Spaziergang werden könnte oder ob es doch einen ausgeglichenen Kampf geben kann. Die Achillesferse ist die Abwehr, die heute nicht gefordert wurde, aber wer weiß, wenn Seger auf Nilla Fischer trifft und vor allem Johanna Frisk und Karin Lissel oder die heute verletzte Linda Sembrant auf Manon Melis und Lisa DeVanna…