Tyresö bindet sich an neuen Sponsor

Eines der Erfolgsrezepte für den schnellen Aufstieg von Tyresö FF vom Viertligisten zum schwedischen Meister innerhalb von sieben Jahren war, dass Hans Löfgren ein feines Geflecht von kleinen und mittelgroßen Unternehmen gesponnen hat, dem er eine Identität und vor allem ein gemeinsames Ziel gab: aus einem Vorort von Stockholm die Metropole des schwedischen Frauenfußballs zu machen. Und den Unternehmen, die dazu beitragen, eben auch Vorteile zu verschaffen. Ein Netzwerk, in dem Geschäftskontakte entstehen und Geschäfte gemacht werden. Das schien, von außen betrachtet, auch weitgehend gelungen zu sein. Und fast auch ein Alleinstellungsmerkmal. Der sportlich größte Konkurrent LdB FC Malmö war einen ganz anderen Weg gegangen: Man hatte sich von einem Großsponsor vor dem unmittelbar vor der Tür stehenden Konkurs retten lassen, als man noch Malmö FF hieß und trug dankbar den Namen des Kosmetikunternehmens LdB und bot ihm eine Plattform in rosa mit einer Webseite, die itsawomensworld.se heißt.

Zwei Wege – ein Ziel.

Aber der Siebenjahresplan Tyresös, der mit der Meisterschaft 2012 erfüllt wurde, markiert noch nicht das Ende von Hans Löfgrens ehrgeizigen Plänen. In seiner legendären Power-Point-Präsentation, die er seinerzeit dem Vorstand des Vereins präsentierte, ist die Meisterschaft nur einer, wenngleich wichtiger Meilenstein.

Das Ziel ist der Gewinn der Champions League 2014 und der Aufstieg zur besten Mannschaft Europas und damit wohl auch der Welt.

Um solche Ziele erreichen zu können bedarf es heutzutage vor allem eines: Geld, viel Geld. Das gilt auch für den Frauenfußball. Olympique Lyonnais ist heute das Maß aller Dinge, Tyresö will die Französinnen vom Thron stoßen. Da hat man sich etwas vorgenommen, denn Lyon strotzt nur vor Selbstbewusstsein, wie ich selber am Samstag im Gespräch mit Lotta Schelin feststellen konnte.

Zeit, aufzurüsten und einen neuen Sponsor vorzustellen. Statt kleckern wird nun geklotzt. Gestern Vormittag lud Tyresö die Presse in den Vorort ein und viele kamen tatsächlich. Und der neue Sponsor ist: Prioritet Finans.

Deren Konzernchef Nils Wiberg hatte sich gestern nach Tyresö begeben, um die neue Zusammenarbeit, die beide Seiten als eine der größten in der Geschichte des schwedischen Frauenfußballs beschreiben, bekanntzugeben.

WIbergs Unternehmen macht Milliardenumsätze und das vor allem als Inkassounternehmen, d.h. man kauft Rechnungen von anderen Firmen an und treibt die Forderungen ein.

Prioritet Finans war im vergangenen Jahr ganz ordentlich ins Gerede gekommen. Die investigative Sendung Uppdrag Granskning im ersten schwedischen Staatsfernsehen SVT hatte eine Stunde lang über die Firma als Sponsor des Männerfußballvereins IFK Göteborg berichtet. Die Methoden der Reporter sind nicht immer astrein. In der Sendung gab sich Journalist Ali Fegan als Unternehmer aus, der eine Reihe von Schwarzarbeitern beschäftigt. Der Reporter erklärte dem Vertreter von Prioritet Finans, dass er seinen Fahrern schnell und bar Geld auszahlen müsse. Der jetzige Rechnungskäufer nehme 5-6% Provision, man wolle das billiger erledigen. Ausgerüstet mit versteckter Kamera und verstecktem Mikrofon bringt Fegan den Vertreter von Tyresös neuem Sponsor dazu, sich zu der illegalen Geldwäsche bereit zu erklären, für vier Prozent. Wer Schwedisch kann, kann den Dialog zwischen Fegan und dem Firmenvertreter hier nachlesen. Die Journalisten von Uppdrag Granskning behaupten in ihrem Programm, das Prioritet Finans Geschäfte mit mehreren Wirtschaftskriminellen gemacht haben soll.

Auf diese vermeintlichen Hintergründe angesprochen, erklärte Tyresös Vorsitzender Hans Lindberg gestern, dass man sich sehr genau umgehört habe. Die staatliche Finanzinspektion habe das Unternehmen untersucht und keine Anmerkungen gemacht. Damit sei alles in Ordnung.

Wie viel Geld Wiberg dem schwedischen Meister zukommen lässt, ist nicht bekannt. Da der Verein aber mitteilte, dass er seinen Umsatz von bislang 11 auf 20 Millionen Kronen jährlich steigern würde, kann man davon ausgehen, dass es sich um etwas weniger als zehn Millionen handeln dürfte.

Damit kann nun auch Marta bis zum Ende der CL-Saison 2013/14 gehalten werden. Auch die Verpflichtung von Christen Press dürfte letztlich im Wesentlichen dank des neuen Sponsors möglich gewesen sein.

 

 

Zugänge und Abgänge (Stand: 05.01.2013)

So allmählich füllen sich die Kader der Vereine in der Damallsvenskan. Es ist Zeit für einen ersten Überblick. Hier kommen die 12 Teams der Saison 2012 plus die beiden Neulinge.

Tyresö FF

Zugänge: Christen Press (Kopparberg/Göteborgs FC), Malin Diaz (AIK)

Abgänge: Helén Eke (Verein steht noch nicht fest)

Kommentar: Erstmals auf seiner Reise von der vierten Liga zum Meistertitel gibt es in Tyresö keine wesentlichen Personalwechsel. Marta, Vero Boquete, Caroline Seger hatten allesamt laufende Verträge auch für 2013, obwohl es um Marta wieder einmal Wechselgerüchte gab und auch noch gibt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Brasilianerin Tyresö in diesem Jahr verlässt. Für die USA ist ihr Marktwert nicht groß genug und keiner der neuen Vereine könnte sie mit den erlaubten Budgets bezahlen. Christen Press wird den Stammplatz von Madelaine Edlund gefährden. Sowohl deren wie Elaines auslaufender Vertrag wurde verlängert. Tyresö ist ein Topteam mit erstklassigen Alternativen auf der Bank. Auch Meghan Klingenberg hat verlängert. Wunschelf (Linda Sembrant in der Reha nach Kreuzbandriss):

Carola Söberg, Meghan Klingenberg, Johanna Frisk, Karin Lissel, Line Röddik Hansen, Lisa Dahlkvist, Caroline Seger, Vero Boquete, Marta, Kirsten van de Ven, Christen Press.

Bank: Annica Svensson, Elaine, Malin Diaz, Madelaine Edlund, Jessica Höglander.

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LdB FC Malmö

Zugänge: Yoreli Rincon (XV de Piracicaba), Zecira Musovic (Stattena), Manon Melis (Linköping)

Abgänge: Emma Wilhelmsson (Jitex), Christina Öyangen Örntoft (Bröndby), Hilda Carlén (noch unbekannt)

Kommentar: Nach der finanziellen Rettung durch Milliardär Dan Olofsson nimmt auch Malmö Kurs auf den Meistertitel. Die Liga wird (wenn sich nichts wesentlich ändert) zu einem Zweikampf Malmö – Tyresö werden, in dem Tyresö abermals klarer Favorit ist, trotz der Verpflichtung von Melis. Rincon überrascht, riskant, eine 19-Jährige Kolumbianerin zu integrieren. Die 1,54 m kleine Filigrantechnikerin wurde mit Marta verglichen, muss das aber noch beweisen. Malmö hat aber immer gut eingekauft…

Voraussichtlich:

Thora Helgadottir, Lina Nilsson, Malin Levenstad, Amanda Ilestedt, Ali Riley, Sara Björk Gunnarsdottir, Therese Sjögran, Ramona Bachmann, Elin Rubensson, Anja Mittag, Manon Melis.

Reserve:

Zecira Musovic, Frida Nordin, Katrin Schmidt, Katrine Veje, Yoreli Rincon, Sofi Anker Kofoed.

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Linköpings FC

Zugänge: Lina Rinshamre (Sundsvalls DFF), Magdalena Ericsson (Djurgården), Stina Blackstenius (Vadstena GoIF), Renée Slegers (Djurgården), Emma Lennartsson (IFK Norrköping)

Abgänge: Manon Melis (LdB FC Malmö), Lisa DeVanna (Perth Glory), Emma Lundh (noch unbekannt, Hammarby?), Karen Bardsley (Lincoln LFC), Louise Fors (Western Sydney Wanderers, ab Frühjahr FC Liverpool Ladies), Nora Holstad Berge (Arna-Björnar), Matilda Agné (Hammarby DFF), Ingrid Schjelderup (Vålerenga), Josefine Alfsson (Kisa BK)

Kommentar: Linköping beendet nach einem Jahr seinen Versuch, mit Tyresö und Malmö zu konkurrieren und hat Sparmaßnahmen eingeführt. Neun Spielerinnen verlassen den Verein und fünf kommen neu hinzu, im Gespräch ist immer noch AIK:s U19-Europameisterin Jennie Nordin. Mit Ringshamre und Ericsson hat man zwei weitere junge Europameisterinnen verpflichtet. Linda Sällström, die gegen Ende der Saison noch gehen wollte (Jitex war eine Option), bleibt nun doch, vermutlich, weil die Konkurrenz in der Offensive nach ihrer Rehazeit nach dem Abgang von DeVanna, Melis und Lundh deutlich entspannter geworden ist. Linköping ist auch immer noch das bessere Team. Wichtig, dass Trainer Martin Sjögren zwei weitere Jahre bleibt.

Voraussichtlich:

Sofia Lundgren, Maja Krantz, Nilla Fischer, Charlotte Rohlin, Jessica Samuelsson, Marianne Gajhede Knudsen, Renée Slegers, Petra Larsson, Pernille Harder, Jonna Andersson, Linda Sällström.

Hier und bei den weiteren Clubs erspare ich mir die potentielle Bankbesetzung, da lediglich Malmö und Tyresö um die Meisterschaft spielen werden.

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Kopparberg/Göteborgs FC

Zugänge: Jessica Landström (Djurgården), Marie Hammarström (KIF Örebro), Cathrine Dyngvold (Klepp),

Abgänge: Christen Press (Tyresö FF), Ingrid Wells (noch unbekannt)

Göteborg wollte eigentlich angreifen. Dann kam der Abgang von Press dazwischen. Tyresös Zampano Hans Löfgren schnappte die Amerikanerin den Göteborgern vor der Nase weg. Landström ist vom Typ her kein Press-Ersatz, aber sie ist eine Kämpfernatur mit einer enormen fysischen Kraft. Dennoch muss sich das Angriffsspiel ändern. Torbjörn Nilsson hat seinen Trainervertrag um 2 Jahre verlängert, weil ihm versichert wurde, dass die Mannschaft sukzessiv verstärkt wird. Mindestens eine Klassespielerin muss noch kommen.

Voraussichtlich: Kristin Hammarström, Catrine Johansson, Anna Ahlstrand, Stina Segerström, Camille Levin, Yael Averbuch, Anita Asante, Johanna Almgren, Olivis Schough, Cathrine Dyngvold, Jessica Landström.

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Kristianstads DFF

Zugänge: Josefine Öqvist (vereinslos), Marija Banusic (IK Sirius), Brett Maron (Valur), Elin Borg (AIK)

Abgänge: Elin Nilsen (Vittsjö), Katrin Ómarsdóttir, Becky Edwards (beide unbekannt), Emelie Johnsson (Borens IK),  Moa Pettersson (Wä IF), Anna Persson (Glimåkra IF), Lisa Petersson, Julia Molin (AIK)

Auf den Plätzen 5-12 und bei den Aufsteigern erspare ich mir die mögliche Aufstellung am ersten Spieltag. Maron wird sicher in den ersten Monaten im Tor stehen, da Hedvig Lindahl in der Reha nach dem Kreuzbandriss ist. Trainerin Beta Gunnarsdottir ist wie immer super ambitioniert und will sicher Meister werden. Mit der Verpflichtung von Banusic ist ihr ein Coup gelungen. Für mich das größte Talent im schwedischen Fußball VOR der allenthalben gepriesenen Lina Hurtig (Umeå). Dass Josefine Öqvist letztlich der Offensive maßgebliches Gewicht verleihen wird, steht außer Frage. Kristianstad hat jetzt den drittbesten Angriff der Liga.

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Vittsjö GIK

Zugänge: Elin Nilsen (Kristianstad), Jane Ross (Glasgow City)

Abgänge: Emma Kullberg (Umeå Södra), Josefine Mårtensson (Glimåkra IF)

Das zweite Jahr ist immer das Schwerste. Das wird auch für Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK gelten. Niemand hätte das Team aus Skåne auf Rang 6 erwartet. Die Verpflichtung von Jane Ross deutet eventuell darauf hin, dass Danesha Adams geht. Die Amerikanerin war sehr wichtig. Möglich, dass Vittsjö, wie immer, von Beta Gunnarsdottir geschasste Spielerinnen überimmt. Becky Edwards?

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Umeå IK

Zugänge: Hanna Folkesson (AIK)

Abgänge: Erica Carlén (Morön)

Wenig passierte in Umeå. Keeperin Caroline Jönsson hat ihr Karriereende zur Saisonmitte angekündigt. Da braucht es Ersatz.

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Piteå IF

Zugänge: Clara Markstedt (AIK), Johanna Andersson (Assi)

Abgänge: Camilla Johansson, Jessica Olovsson (unbekannt), Ann-Mari Dovland (Klepp), Jennifer Nobis (Karriereende)

Piteå hat zwar die beste Torschützin Nobis durch Clara Markstedt ersetzt, aber es fehlt an einer weiteren offensiven Spielerin, die dem Angriff mehr Durchschlagskraft verleiht. Faith Ikidi hat ihren Vertrag bis einschließlich 2015 verlängert, eine finanzielle Deckung dafür gibt es noch nicht.

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Jitex BK

Zugänge: Emma Wilhelmsson (LdB FC Malmö)

Abgänge: Katri Nokso-Koivisto (LSK Kvinner), Nanna Jansson (Hovås Billdal), Caroline Lindblad (unbekannt)

Jitex wird weder schwächer noch stärker.

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KIF Örebro

Zugänge: Fehlanzeige

Abgänge: Marie Hammarström (Kopparbergs/Göteborg FC), Emelie Lundberg (Eskilstuna United), Hanna Ågren-Åhbom, Nina Fellbrant,  Fanny Persson (hören auf), Edda Garðarsdóttir,  Ólína Viðarsdóttir (beide zurück nach Island, , Linda Fransson (noch nicht klar)

Das sieht wieder nicht gut aus für Örebro, das erhebliche finanzielle Probleme hat.

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Sunnanå SK

Zugänge: Anikka Kukkonen (Djurgården), Hanna Glas (Sundsvalls DFF),  Carys Hawkins (Perth Glory

Abänge: Anna Bodén (Morön),  Yanru Zhang (China)

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Mallbacken

Zugänge: Sarah Bergman, Emmie Johansson (beide QBIK), Maija Saari (AIK), Hayley Lauder (Åland United)

Abgänge: Anna Arnfeldt (Karriereende)

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Djurgården

Abgänge: Gudbjörg Gunnarsdottir, Mia Jalkerud, Freja Hellenberg (alle Avaldsnes IL), Jessica Landström (Göteborgs FC), Renée Slegers (Linköping), Anna Lindblom (Hammarby), Katrine Petrous, Natalia Rickne, Annika Kukkonen (Sunnanå), Katrin Jonsdottir, Caroline Frånberg.

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AIK

Zugänge: Lisa Pettersson, Julia Molin (beide Kristianstad)

Abgänge: Maija Saari (Mallbacken), Elin Borg (Kristianstad), Nazanin Vaseghpanah (hört auf), Hanna Folkesson (Umeå), Malin Diaz (Tyresö), Clara Markstedt (Piteå), Lori Chalupny (unbekannt)

Freaky Friday: Christen Press und Malin Diaz nach Tyresö

cp

Christen Press – schnell und schussstark

Heute war was los. Der Transfermarkt in Schweden, der sich schläfrig von einem Jahr ins andere bewegt hatte, bekam auf einmal volle Fahrt.

Christen Press hätte man in Göteborg gerne behalten, kein Wunder, die Amerikanerin gehört zu den besseren Stürmerinnen der Welt und hat in ihrem ersten Jahr in Schweden 17 Tore in der Liga gemacht und im Pokalfinale im Grunde genommen das Spiel entschieden. Auch in der Champions League spielte sie eine wichtige Rolle. Aber Press sagte in den Vertragsverhandlungen, dass sie (wenn sie denn nominiert wird) an den Trainingslagern der USA unter dem neuen Trainer Tom Sermanni teilnehmen möchte und das war Göteborg dann zu viel, so oft will man seine Topstürmerin nicht freigeben.

Dass Press mit Tyresö verhandelte, wusste man schon im Dezember. Heute meldete ihr neuer Verein, dass die Amerikanerin die ohnehin schon starke Truppe von Trainer Tony Gustavsson, der ebenfalls zwei weitere Jahre unterschrieben hat, verstärkt. Hans Löfgren hat in seinem Power-Point-Vortrag vor fünf Jahren den Vereinsforderen den Sieg in der Champions League 2014 versprochen und dementsprechend rüstet man weiter auf.

Nun dürfte es für die beste schwedische Torschützin der Liga, Nationalspielerin Madelaine Edlund, schwer werden, ihren Stammplatz zu behaupten. Aber das zeichnet Vereine wie Tyresö eben auch im negativen Sinn aus. Hier kann (fast) jede von einem auf das andere Jahr von der Stammspielerin zur Reservistin werden.

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Malin Diaz (links) im Zweikampf mit Ali Riley (Malmö)

Keinen Stammplatz in Tyresö dürfte erst einmal die zweite Neuverpflichtung, Malin Diaz, bekommen. Die U19-Europameisterin, die im Finale in der Türkei den entscheidenden Treffer erzielte, gilt als großes technisches Talent im Mittelfeld und hatte bei anderen Clubs der Liga Probetrainingseinheiten absolviert, sich dann aber für den Meister entschieden. Da wird sie wohl die Bank (wenn überhaupt) drücken und bestenfalls 20 Minuten pro Spiel bekommen. Diaz begründete den Wechsel nach Tyresö damit, dass sie im Training mit den besten Spielerinnen Chancen zur Weiterentwicklung sieht. Das kann man verstehen, auch kann sie so daheim bei den Eltern wohnen bleiben, aber eher kann man sich fragen was Tyresö eigentlich mit Malin Diaz will, denn in einem Mittelfeld, in dem Marta, Elaine, Kirsten van de Ven, Caroline Seger, Vero Boquete und Lisa Dahlkvist spielen können, gibt es nun eine siebte Spielerin, die noch sehr viel zu lernen hat, Spielpraxis in einem Mittelklasseverein wäre da sicher besser gewesen – für beide Seiten.

Milliardär in Malmö

Wir haben uns alle die Finger wundgeschrieben über LdB FC Malmös finanzielle Krise. Sportdirektor Niclas Carlnén stand das Wasser mehrmals bis zum Hals und gefühlt bis zur Unterlippe, zuletzt als man in der ersten Instanz einen Prozess um Steuerschulden verlor und möglicherweise ein paar Hunderttausend Euro nachzahlen muss.

Heute, nachdem sich LdB FC Malmö und der FC Rosengård zur Fusion entschlossen haben, ist das alles bloß Geschichte.

Hans Löfgren hat seinen Tyresö FF in harter Arbeit in knapp fünf Jahren zum Meister gemacht und ist an Malmö vorbeigezogen.

Bald kann das ebenfalls Geschichte sein.

Denn der Mann hinter der Fusion in Malmö ist IT-Milliardär Dan Olofsson. Der heute 62-Jährige Olofsson ist Besitzer mehrerer IT-Unternehmen und kontrolliert mit seiner Firma Danir AB ein kleines Imperium mit mehreren tausend Angestellten. Dan Olofsson hat serienweise Auszeichnungen auch für sein soziales Engagement bekommen, u.a. für sein Engagement gegen AIDS in Südafrika oder für die Errichtung und den Betrieb des Women Village of Sport in Malmö, wo Frauensport unter verschiedensten Bedingungen erforscht wird.

Olofssons Sohn Johan sitzt im Vorstand des FC Rosengård und wird damit der verlängerte Arm des Vaters sein. Der Zeitung Sydsvenska Dagbladet hat Olofsson ein Interview gegeben.

„Ein Grund für mein Engagement waren die schwindenden Sponsoreinnahmen bei LdB. Der Club kam in die Situation, dass er eigentlich seine Aktivitäten als Spitzenclub hätte aufgeben müssen und das als Schwedens bester Frauenmannschaft. Ich habe mein ganzes Leben in Malmö verbracht und natürlich will ich, dass sich Malmö gut entwickelt,“ so Olofsson.

„Es wäre doch peinlich für Malmö, wenn die Stadt ihre Topfrauenmannschaft abschaffen müsste. Kent Widding Persson hat ja das Produkt LdB an Cederroth verkauft. Der Vertrag läuft 2013 aus. Wenn es kein Sponsorenengagement mehr gibt, gibt es auch keinen Grund, warum der Club weiterhin LdB heißen soll. Wie die Mannschaften heißen werden, steht noch nicht fest, aber der Verein wird FC Rosengård heißen. Alles Weitere muss dann von den Juristen geklärt werden, damit alles korrekt wird. Das sehe ich mehr als eine technische Frage,“ sagte Dan Olofsson zu Sydsvenska Dagbladet.

Als Ziel wird definiert, dass die Frauenmannschaft eine der besten Europas sein soll und dass die Männermannschaft des FC Rosengård bis in die zweite Liga kommen soll. Über die Millionenschulden und die Konkursdrohungen spricht nun niemand mehr in Malmö. Das Frauenteam des LdB FC Malmö wird irgendwann Geschichte sein. Wann, das steht noch nicht fest. Denn die UEFA erlaubt keinen Namenswechsel in einem laufenden Wettbewerb. Auch der schwedische Fußballverband nicht. Nun ist LdB FC Malmö trotz der Verpflichtung von Manon Melis sicher Außenseiter im Viertelfinale im März gegen den zweimaligen CL-Sieger Olympique Lyon. Aber ob es im Falle eines Ausscheidens möglich wäre, innerhalb von zwei Wochen den Namen zu ändern und in der Damallsvenskan als das Team formerly known as LdB FC Malmö aifzutreten, scheint fraglich. Und wenn die Damallsvenskan 2013 zu Ende ist, läuft schon wieder die neue CL-Saison…

Aber das ist derzeit das geringste Problem in Malmö, wo alle Akteure in Seelenruhe Weihnachten feiern dürften.

PS: Dan Olofsson sagte auch, dass das Frauenteam weiter auf dem Malmö IP spielen soll und nicht in Rosengård.

Ruhiger November

Bislang ist es auffallend ruhig im Wechselkarussell der Damallsvenskan. Viele Spielerinnen nutzen die Pause nach der Saison 2012 und reisen nach Thailand, Vietnam oder Ägypten. Dementsprechend ist in der Silly Season noch nicht so viel passiert.

Djurgårdens finnische Nationalspielerin Annika Kukkonen geht nach nur einer Saison und zieht ins kleine Skellefteå, 773 km nördlich von Stockholm gelegen. Nur noch Piteå ist ein wenig weiter im Norden Schwedens gelegen. In Skellefteå ist zwar nicht der Bär los (oder vielleicht doch?), aber Aufsteiger Sunnanå SK rüstet sich nach zwei Jahren Abstinenz für eine weitere Saison im Oberhaus und bislang sieht das gut aus. Wichtig, dass die unverwüstliche Perpetua Nkwocha noch ein Jahr dran hängt.

Katrine Petrous wird Djurgården verlassen, konnte man heute lesen. Auch Gudbjörg Gunnarsdottir wird wohl nach vier Jahren in Stockholm notgedrungen woanders ihre Zelte aufschlagen müssen. Jessica Landström kann kaum in der zweite Liga stürmen, wenn sie ihre Fußballkarriere nicht aufgeben will und um einen Platz in Pia Sundhages Nationalmannschaft konkurrieren will. Auch das spät von AIK gekommene Talent Susan Varli wird wohl anderweitig spielen müssen, wenn sie nicht stagnieren will. U19-Europameisterin Magdalena Ericsson dürfte eine begehrte Beute sein und ihre beste Freundin Anna Lindblom ist zwar privat an Stockholm gebunden, hat aber (eigentlich) zu viel Talent, um hier zu versauern. Islands Nationalmannschaftskapitänin Katrin Jonsdottir wird es mit ihren 35 Lenzen nicht ganz so einfach haben, einen neuen Verein zu finden, aber bei allen Spielerinnen mit EURO-Ambitionen ist die zweite Liga eigentlich keine Alternative.

Hollands Weltklassestürmerin Manon Melis ist derzeit bei ihrem Freund in Groningen, aber ihr Agent verhandelt nach Aussagen von Melis mit Tyresö, Göteborg und Malmö und Insider favorisieren Malmö, jenen Verein bei dem Melis in fünf Spielzeiten 84 Tore schoss. Aber kann sich Malmö auch noch die Holländerin leisten? Zumal Caroline Segerf schon öffentlich erklärt hat, dass sie gerne nach Malmö gehen würde. Aber Tyresös starker Mann Hasse Löfgren lässt Seger wohl nur gehen, wenn er etwas Gleichwertiges bekommt.

Ob Christen Press in Göteborg bleibt, ist noch nicht sicher. Die Amerikanerin könnte eine von 24 Spielerinnen werden, deren Gehalt vom amerikanischen Fußballverband in der sich neu gründenden Liga 2013 gezahlt wird. 24 Amerikanerinnen, 16 Kanadierinnen und 12 Mexikanerinnen sollen jeweils von ihren nationalen Verbänden in der neuen Liga finanziert werden, das würde dann wohl ausschließen, dass namhafte US-Girls nach Europa kommen. Auch für einen Umzug der Kanadierin Christine Sinclaiur dürften die Aktien dann tief fallen.

 

 

 

Nach dem Finale

200 000 Fernsehzuschauer sahen am Samstag die Begegnung der beiden besten Teams der Liga auf dem Sender TV4 Sport. Das ist neuer Rekord und auch die Medienberichterstattung hatte neue Dimensionen. Der Presseraum von LdB FC Malmö war nach dem Spiel hoffnungslos überfüllt und die Reporter saßen heillos durcheinander.

Sydsvenska Dagbladet , die große Regionalzeitung aus Skåne, widmete der Begegnung gegen Tyresö am Sonntag gleich vier ganze Seiten. Die ersten beiden Seiten wurden dominiert von der Frage, ob die Flanke von Elin Rubensson in der 85. Minute vor oder hinter der Torlinie war. Kommentator Max Wiman fordert Torkameras für die Zukunft und die handelnde Schiedsrichterin der Partie, die vorher so gerühmte Jenny Palmqvist ist auch der Meinung, dass man Torkameras braucht, um wirklich jeden Zweifel auszuräumen.

Wiman kommt zu einer harten Schlussfolgerung, basierend auf der Äußerung Palmquists, sie habe nach Gefühl entschieden: „Wird das Gegenteil bewiesen, ist das Vertrauen in Schwedens beste weibliche Schiedsrichtern erloschen, vor allem, wenn sie sagt, dass sie ihre Entscheidung auf Gefühle und Intuition begründet habe.“

Da hat Wiman natürlich Recht. Eine geradezu dumme Äußerung der international so renommierten Palmquist, die dann am Abend von Aftonbladet interviewt wurde und dabei sowohl Fernsehbilder wie auch Fotos zu sehen bekam. Nun sei sie sich ganz sicher, dass sie richtig gehandelt habe, der Ball sei eindeutig nicht hinter der Linie gewesen.

Mit dieser Meinung steht Palmquist allein mit den Fans und Verantwortlichen von Tyresö.

Es gibt kein einziges Foto, bei dem zu erkennen wäre, wo sich der Ball mit Ausschluss jeglichen Zweifels befunden haben kann, denn überall sieht man lediglich den Ball und Torhüterin Carola Söbergs Oberkörper und Hände – nicht aber wie sich alles im Verhältnis zur Torlinie zu jeder Hundertstel Sekunde des Geschehens abgespielt hat.

Ich saß ca. 5-6 Meter vom Geschehen entfernt hinter dem Tor Tyresös und mein erster Gedanke war, das gibt es doch gar nicht, sie lässt das Ding ins Tor rutschen. Dann der Jubel, dann der Zweifel und die für beide Teams quälenden Minuten danach. Bis Palmquist den Ball nahm und Söberg zum Abstoß brachte. Tor? Kein Tor? Ich weiß es ebenso wenig wie alle anderen. Söberg müsste es wissen, sie sagt, der Ball sei zu keinem Zeitpunkt hinter der Linie gewesen, sie habe ihn absichtlich gegen den Pfosten gedrückt, um zu zeigen, dass er nicht drin sei. Aber was war, bevor sie anfing, gegen den Pfosten zu drücken?

Wir werden das nicht klären. Gestern hatte ich eine Diskussion auf Twitter mit Lisa Ek, der kreuzbandverletzten Mittelfeldspielerin Malmös. Ich machte meinen Unmut über Palmquists Aussage von der Gefühlsmäßigkeit ihres Handelns Luft und irgendwann meinte Ek, diese ganze Diskussion sei doch destruktiv und schade nur der Mannschaft. Ich erwiderte, dass es nicht meine Aufgabe sei, mich um die Mannschaft zu kümmern, aber dass das öffentliche Interesse  natürlich auf eine solche Frage fokussiere und durchaus berechtigt sei. Außerdem so müsse sich Malmö um sein Spiel und nicht zuletzt seine wirtschaftliche Zukunft selber kümmern. Da gab es dann keine Antwort mehr und ich vermute, dass Lisa Ek nicht mehr zu meinen Fans gehört.

Natürlich muss die Mannschaft sich jetzt schnell wieder neu orientieren, denn am Mttwoch steht das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League an und Gegner Bardolina Verona sollte man nicht unterschätzen. Birmingham reiste mit einem 2:0 Vorsprung nach Italien und verlor dort 0:3. malmö hat lediglich ein 1:0 vorgelegt.

Aber die Diskussion um Tor oder nicht Tor können wir in der Tat ad acta legen. Wie hat Udo Lattek mal so richtig gesagt: „Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.“ Egal, was alle anderen gesehen oder nicht gesehen haben. Schiedsrichter treffen Tatsachenentscheidungen. Es ist grotesk, dass man im Jahr 2012 nicht die technische Hilfe nutzt, die möglich wäre. In Wimbledon erkennen haarfeine Messanlagen, ob ein 200 km schneller Aufschlag im Aus oder auf der Linie war, beim Eishockey haben wir seit vielen Jahren Kameras im Tor. Nur im Fußball gibt es ewig Gestrige, zu denen UEFA-Boss Michel Platini zählt, die gegen Torkameras sind. Da, wo es eindeutige Fehlentscheidungen gibt, sollte es möglich sein, diese zu korrigieren. Thierry Henrys unsägliches Tor mit doppeltem Handspiel gegen irland, dass Frankreich zur WM brachte etwa, hätte man an Ort und Stelle annuliieren können. Alle haben es gesehen, nur der schwedische Schiedsrichter nicht.

Tyresö FF hat den Meistertitel verdient gewonnen. Das muss auch mal gesagt werden. Keine Mannschaft hat in den besten Momenten der Saison so druckvollen Angriffsfußball gezeigt wie die Mannschaft von Hans Löfgren. Wie man Örebro mit 7:0 abfertigte beim Saisondebüt und dem Gegner somit die ganze Saison verkorkste, das war eine eindrucksvolle Demonstration der Stärke. Die Spielerinnen haben hart, sehr hart gearbeitet.

Aber auch Malmö hätte den Meistertitel verdient gewonnen. Im Gegensatz zu Tyresö hat man (wenn auch gezwungen durch Verletzungen) eigenen Nachwuchs wie Abwehrspielerin Amanda Ilestedt und Stürmerin Elin Rubensson auf beeindruckende Weise integriert. Und was Anja Mittag und Ramona Bachmann ablieferten, wenn sie gut drauf waren und das waren keine seltenen Momente, das waren fußballerische Delikatessen absoluter Weltklasse.

Wie geht es weiter? Auch damit befasste sich gestern Sydsvenskan. Malmös Clubchef Niclas Carlnén hatte zweimal den Konkurs als eine realistische Option ins Feld geführt und seine letzte Äußerung vor knapp sechs Wochen in dieser Richtung war, dass man bis Ende Oktober Geld habe.

Drei Szenarien für die nächste Saison skizzierte Carlnén nun. „Ich glaube an die mittlere Variante. Ein fortgesetzter Versuch, an der Spitze der Liga zu sein und das Viertelfinale der Champions League zu erreichen, gerne das Halbfinale,“ so Carlnén.

Das derzeitige Budget liegt bei 15 Millionen Kronen. Könne man 20 investieren, dann könnte man über einen Champions League Sieg 2014 mitstreiten und mehr Spielerinnen die Möglichkeit geben, ein weitgehend professionelles Leben als Fußballprofis zu führen. Die negative Variante will ich hier nicht beschreiben. Verträge mit Bachmann und Mittag laufen auch über 2013, mit Torhüterin Thora Helgadottir und Jungtalent Elin Rubensson haben gerade zwei wichtige Spielerinnen verlängert.

Als Stockholmer Zeitung stellt Dagens Nyheter noch einmal den Weg Tyresös aus der vierten Liga bis zum Meistertitel dar – im wesentlichen Verdienst des umtriebigen und gewieften ehemaligen Sportchefs Hans Löfgren, dessen Vision in der vierten Liga entstand und zum Ziel hatte, 2012 schwedischer Meister zu werden. Auf der berüchtigten Power Point Präsentation, die Löfgren damals dem Vorstand des Vereins zu Besten gab, stand übrigens auch, dass Tyresö 2013/14 die Champions League gewinnt.

Da ist gerüchteweise die Rede davon, dass man noch einen weiteren offensiven Weltstar verpflichten will für 2013 und die Champions League im Herbst nächsten Jahres. Im Spätsommer waren schon Namen wie Abby Wambach und Christine Sinclair im Gespräch. Und dann wird es möglicherweise ausgerechnet Madelaine Edlund erwischen, die mit dem goldenen Tor die Meisterschaft sicherte. Sie habe noch keinen Vertrag für nächstes Jahr, so Edlund nach dem Spiel, aber sie gehe davon aus, dass das eine Formsache sei. Mag sein, aber sollte eine der beiden nordamerikanischen Weltstars nach Tyresö kommen, würde Edlund wohl sehr schnell zum Joker werden und auf der Bank Platz nehmen dürfen.

Denn Loyalitäten kennt Löfgren nicht. Die einzige, die er hat, ist sich selbst gegenüber. In den Jahren von Liga 4 bis zum Meistertitel ist keine einzige Spielerin übrig geblieben und mit jedem Aufstieg, mit jedem Niveauanstieg hat man sich relativ emotionslos von Spielerinnen getrennt, die ihre Funktion erfüllt hatten. Aus diesem Holz sind Sieger geschnitzt. Aftonbladets Chronist Simon Bank hat Tyresö gar als Kreatur von Doktor Frankenstein bezeichnet: „Tyresö ist ein Frankenstein, ein zusammengebautes Fußballmonster mit so enorm vielen Qualitäten, dass alles nur eine Frage der Zeit war. […] Es ist nach wie vor lediglich ein Embryo, die in der Zukunft so unendlich viel besser sein wird.“

Als seine Mannschaft ausgelassen feierte, Trainer Tony Gustavsson mit zwei Kübeln Wasser übergoss und sich Marta und eine andere Spielerin in gelbe Konfettischlangen wickelten und übers Feld in malmö rollten, da stand Hans Löfgren abseits am Spielfeldrand, beobachtend und nachdenklich. Es ist schade, dass sowohl der Verein wie auch er selbst immer dementierten, er habe etwas mit dem Club zu tun. ein ganz gewöhnliches Mitglied, mehr nicht. Ein Mitglied, dass Stadionsprecher ist, das allen Spielerinnen Anweisungen zuruft, dass Verträge aushandelt und den eigenen Fans die Fahnenstangen zuträgt, mit denen sie zu wedeln haben. Dabei ist Löfgren irgendwo auch der Erneuerer des Frauenfußballs in Schweden. Denn wo alle anderen Vereine (bis auf die beiden Absteiger AIK und Djurgården) wirtschaftlich an der Grenze sind oder diese gar überschritten haben, da hat Tyresö nach wie vor einen langen Atem. Getragen von einem Sponsorennetzwerk von kleinen, mittelständischen und großen Firmen, das sich mit der Mannschaft identifiziert. Tyresö ist Meister 2012 und das nach einem langen Weg und bei Punktgleichheit mit dem ehemaligen Meister. Das kann auch der Anfang einer langen Periode der Überlegenheit sein, denn im Gegensatz zu vielen anderen bin ich der Meinung, dass man schon eine Mannschaft zusammenkaufen kann. Das ist wie mit den Torkameras. Man wünscht es sich nicht so, aber wenn man noch einen Weltstar holt und noch einen und noch einen, dann kommt irgendwann der Erfolg in einem Sport, in dem die meisten nach wie vor nebenbei studieren oder arbeiten müssen.

Martas letztes Spiel für Tyresö?

Einem Artikel der Boulevardzeitung Aftonbladet zufolge könnte es sein, dass Marta am Samstag ihr letztes Spiel für Tyresö macht. Obwohl zwei Jahre unter Vertrag soll es da eine Klausel geben, die es ihr ermöglichen könnte, auszusteigen. „Wir müssen wieder reden, es handelt sich um einen großen Prozess, bis das nächste Jahr klar ist,“ so die Brasilianerin selber gegenüber der Zeitung.

Der stellvertrende Vorsitzende von Tyresö FF, Ulf Lönnqvist, sagte Aftonbladet: „Vor einem bestimmten Datum nächstes Jahr muss Bescheid gegeben werden, ob sie weitermacht oder nicht. Entscheidet man sich dafür, weiterzumachen, gibt es Bedingungen im Vertrag.“

Marta selber fügt hinzu: „Es gibt andere Mannschaften in Europa, die dabei sind, in den Frauenfußball zu investieren. Schweden hat derzeit die beste Liga, Deutschland und Frankreich sind dabei gleich stark zu werden. Ich finde, dass die Zukunft richtig gut aussieht.“

Für mich sind die Äußerungen Martas und des Vereins ein Spiel für die Galerie. Es geht wohl in erster Linie darum, mehr Geld von Sponsoren anzuwerben. Deshalb wird die Möglichkeit angesprochen, dass Marta und damit der Erfolg gehen könnte. Der starke Mann im Hintergrund des Vereins, der ehemalige Sportchef Hans Löfgren ist nach wie vor derjenige, der alle Fäden zieht und er hat möglicherweise auch diese Debatte gestartet, deren Ziel Fundraising sein dürfte.

Martas Äußerung, dass die schwedische Liga die beste sei und dass Deutschland und Frankreich aufholen würden, ist bei allem Respekt, unsinnig. In den letzten fünf Jahren haben lediglich Mannschaften aus Deutschland und Frankreich die Champions League gewonnen. Erst im Frühjahr verabschiedeten sich beide schwedische Clubs im Viertelfinale des Wettbewerbs.

Noch im Februar hatte Marta im Rahmen einer Pressekonferenz in Tyresö mit tränenerstickter Stimme gesagt, dass sie endlich wieder „nach Hause“ gekommen sei und dass „Geld nicht alles“ sei. Nun muss über alles wieder geredet werden und der Verein spricht von irgendwelchen rätselhaften Klauseln in einem Zweijahresvertrag ohne diese aber dann offen zu benennen. Mir scheint, mit diesem Artikel in einer Zeitung, die Tyresö sehr gewogen ist und bei der übrigens Tyresös schwedische Nationalspielerin Caroline Seger so nebenbei eine Art Volontariat absolvieren soll, sollen die Sponsoren nochmal um etwas mehr Geld gebeten werden.

Martas Marktwert in Schweden ist zweifellos hoch. Sie ist DER Star der Liga, zumindest was das Publikumsinteresse vor allem der unter 14-Jährigen Mädchen und auch vieler Jungs angeht. Insgesamt hat sich ihr Mythos doch in dieser Saison etwas normalisiert. Spielerinnen wie Mannschaftskameradin Vero Boquete oder Malmös Anja Mittag oder Ramona Bachmann standen Marta in dieser Saison in keinster Weise nach. Auch das mag ein Grund sein, warum es dann und wann nötig ist, die Sonderstellung wieder mit den Gerüchten, dass alle Vereine an Marta interessiert seien, zu untermauern.

Der einzige Verein, von dem ich mir sehr gut vorstellen könnte, dass er Marta haben will, ist der von der Qatar Investment Authority geführte französische Club Paris Saint-Germains. Die Investoren aus dem Emirat haben bekanntlich mit Kosovare Asllani, Linda Bresonik und Annike Krahn bereits drei Klassespielerinnen in die hauptstadt Frankreichs geholt. Im Männerteam brilliert der Schwede Zlatan Ibrahimovic und erst heute wird behauptet, dass man auch an Cristiano Ronaldo und José Mourinho interessiert ist.

Aber mir scheint sehr zweifelhaft, dass wir Marta am Samstag gegen Malmö zum letzten Mal im gelbroten Trikot sehen werden.

Ramona Bachmann und die Reflexe

Einen tag nach dem überraschenden 1:1 von Umeå gegen Malmö, das die schwedische Meisterschaft auf einmal wieder zu einer Möglichkeit für Tyresö hat werden lassen, zeigte sich Ramona Bachmann in einem Gespräch mit Sydsvenska Dagbladet reuig und einsichtig.

„Am meisten bin ich darüber enttäuscht, was ich damit meiner Mannschaft zugemutet habe,“ so die 21-Jährige Schweizerin. „Ich kann es nicht erklären, es waren Handspiele und zwei gelbe Karten.“ Möglicherweise sei sie im Spiel gegen ihre alten Mannschaftskameradinnen übermotiviert gewesen. „Es ist sehr schade, dass ich Samstag nicht spielen darf, aber wir haben andere Spielerinnen, die reinkommen können und die Arbeit machen,“ sagte Bachmann und das klingt ein wenig trotzig.

In Tyresö dagegen ist natürlich die Hoffnung auf den Titel wieder zurückgekehrt und die Mannschaft zu motivieren dürfte kein Problem mehr sein. Vero Boquete, die erst am Donnerstag nach einem 1:2 Rückstand gegen Schottland Spanien in allerletzter Minute doch noch zur EM schoss, twitterte: „Das kann doch nicht wahr sein, was für eine Woche“. Und Zampano Hans Löfgren, der für 2013/14 den Champions-League-Sieg anpeilt, organisiert jetzt doch noch Busreisen nach Malmö. Morgen wird bekanntgegeben, wann und wo es losgeht.

Malmö hat am Mittwoch aber noch Champions-League zu spielen. Geschickterweise hat man das Heimrecht mit Gegner Verona im Achtelfinale getauscht und spielt daheim, muss also nicht reisen in der Woche, in der sich die Meisterschaft entscheiden wird.

Tyresö hat morgen trainingsfrei, ist wahrscheinlich auch besser so, denn bei dem derzeit herrschenden Sauwetter könnten sich sonst noch Spielerinnen erkälten. Ich werde am Samstag in Malmö dabei sein und am Abend aus Malmö bloggen und verspreche schon mal viele Fotos und hoffentlich auch interessante Stimmen zum alles entscheidenden Topspiel.

 

Tyresö bleibt dran

Marta in voller Fahrt gegen Jitex

Sie haben getan, was nötig war. Tyresö FF schlug Jitex mit 3:0 durch Tore von Vero Boquete (2) und Madelaine Edlund, aber man merkte dem Spiel an, dass Tyresö tief im Innern bereits den Meistertitel nicht mehr als möglich sieht.

Inszenierter Jubel für den neuen Werbefilm

2173 Zuschauer wurden offiziell vermeldet – wieder mal beim Frauenfußball eine Zahl, die man gerne einmal selber nachgerechnet hätte. Am Anfang drehte der ehemalige Sportchef Hans Löfgren (gestern Stadionsprecher) einen Werbefilm für 2013. Ein paar hundert Schulkinder, die in Tyresö, aber auch anderen Vereinen spielen wurden als Statisten eingesetzt und mussten eine Tribüne hinter dem Tor (siehe Foto) bevölkern. Auf Kommando war dann gemeinsames Jubeln angesagt, die Spielerinnen mussten kurz vor Anpfiff einmal raus und zur Tribüne laufen, damit auch alles echt und hübsch aussieht für gegenwärtige und neue Geldgeber. Vermutlich wurden alle Kinder, die gratis als Statisten fungierten, zur Zuschauerzahl hinzugerechnet. Sie froren brav eine Halbzeit, in der zweiten Hälfte waren nur noch sehr wenige von ihnen im Stadion.

Denn die Luft ist etwas raus aus dieser Saison in Tyresö. Pokalsieg und Meisterschaft hat man selber vergeigt und wieder einmal zeigt sich, dass man schnelle Erfolge nicht mit dem Scheckbuch erzielen kann. Nominell und mit Blick auf den Kader MUSS Tyresö schon in diesem Jahr Malmö klar hinter sich lassen. Eigentlich dürfte ein Mittelfeld mit Marta, Vero, Caroline Seger und Lisa Dahlkvist und all den großartigen Alternativen, die man dort noch hat, keinen einzigen Punkt abgeben.

Gestern tat man das auch nicht. Tyresö dominierte völlig in der ersten Halbzeit und schickte Angriffswelle auf Angriffswelle auf das Tor von Minna Meriluoto, die gestern unter den Augen ihres Nationaltrainers Andrée Jeglertz eine Klasseleistung zeigte und sich nachdrücklich als Nummer 1 für das finnische Tor bei der EURO 2013 empfahl.

Auch wenn die Sponsoren Lisa Dahlkvist zur besten Spielerin Tyresös erklärten, geht mein Votum an Vero, die Spaniern dominierte mit ihrem technisch einzigartigen Spiel in der ersten Halbzeit und schoss zwei Tore, bereitete das dritte vor. Während Marta eine Spielerin ist, die immer nach vorne drängt und den Raum sucht, ist Vero die ideale Ergänzung, da sie auf engstem Raum brilliert und agieren kann. Unglaublich wirklich, dass diese beiden nicht am Ende den Meisterpokal in die Höhe halten. Warum das so ist, erkläre ich nach dem Malmö-Spiel in Umeå heute Abend.

 

Göteborg holt den Pokal – und Tyresö geht wohl leer aus

Mit einem durchaus verdienten 2:1 nach Verlängerung gewann gestern Abend Kopparberg/Göteborgs FC den schwedischen Pokal 2012 und verteidigte damit seinen Titel gegen denselben Gegner wie im Vorjahr an gleicher Stelle.

Wieder ging es in die Verlängerung. Christen Press hatte hoch konzentriert aufspielende Gastgeberinnen schon in der neunten Minute in Führung gebracht. Die erste Halbzeit endete mit einem klaren Punktsieg Göteborgs, dass vor allem durch exzellente Defensivarbeit bestach. Zwar hatte Tyresö mehr Ballbesitz und durchaus auch Chancen, aber Göteborg hätte etwa durch einen Freistoß von Yael Averbuch auf 2:0 erhöhen können, aber die nach leichten Rückenproblemen zurückgekehrte Carola Söberg rettete das Millionenteam von Hans Löfgren mit einer Glanzparade vor der Vorentscheidung.

Marta erzielte in der zweiten Halbzeit, das ein deutlich stärkeres Tyresö sah, dann mit einem für sie typischen Treffer den Ausgleich, beide Seiten hätten das Spiel entscheiden können. Press und Kirsten van de Ven hatten weitere Möglichkeiten, am Ende gab es aber ein Unentschieden nach 90 Minuten und wie im Vorjahr Verlängerung.

In der brachte Elaine, die nach er Auswechslung von Emilia Appelquist als Innenverteidigerin eingesetzt wurde, Christen Press regelwidrig zu Fall und die insgesamt schlecht, sehr schlecht pfeifende Unparteiische Linn Andersson zeigte auf den Elfmeterpunkt. Eine vertretbare Entscheidung in diesem Fall. Mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck ließ Marlene Sjöberg Söberg keine Chance. Sjöberg war auch die auffälligste Spielerin auf dem Platz. Sie zeigte eine herausragende Leistung in der Abwehr und bereitete Marta einen eher unerfreulichen Abend. Die Brasilianerin meckerte auch immer wieder und beschwerte sich über Schiedsrichterentscheidungen, manchmal zu Recht, aber oft eben auch leider zu Unrecht.

„Ein tolles Gefühl, den Pokal wieder zu gewinnen. Das war ja unser Ziel und wir haben es geschafft,“ sagte Marlene Sjöberg nach dem Spiel zum schwedischen Radio. „Das war ein spezielles Gefühl mit dem Elfmeter. Ich bin ja die Elfmeterschützin der Mannschaft und als wir den Elfer bekamen, habe ich mich nur gefreut. Eine echte Traumsituation, toll. Ich denke wir haben das ganze Spiel wie eine Mannschaft gekämpft. Wir wissen, dass Tyresö individuell so stark ist und dass man die ganze Zeit über sehr aufmerksam sein muss. Aber wir haben wirklich toll gekämpft. Immer wenn sie eine von uns ausgespielt haben, war schon die nächste da und dann so weiter und irgendwann war Schluss.“

„Die haben zwei Tore geschossen und wir eins,“ sagte Tyresös Mittelfeldspielerin Caroline Seger nach dem Spiel auf die Frage warum Göteborg gewonnen hat. „Die haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht, aber ich denke das haben wir auch getan. Das war ein Spiel, in dem jeder seine Vorteile hatte. Wir haben bis zur letzten Sekunde gekämpft, dann denke ich, dass wir in den letzten Minuten einen Handelfmeter hätten bekommen müssen, aber da kann man nichts machen. Schade, dass das spielentscheidend ist. Wir sind eine Mannschaft die mit Rückenwind gut spielt und Schwierigkeiten hat, wenn wir Gegenwind bekommen und da haben wir einiges, woran wir arbeiten müssen. Ich glaube, dass viele bei uns frustriert werden und einfach den Kopf hängen lassen, wenn wir Schiedsrichterentscheidungen gegen uns bekommen.“

Marta hingegen übte in einem Interview mit der Zeitung Aftonbladet scharfe Kritik an der Schiedsrichterin. „Wir waren 100mal besser als die. Und die Schiedsrichter dürfen nicht auf einem so niedrigen Niveau pfeifen. Ich bin sehr enttäuscht,“ so Marta nach dem Spiel.

Nun sieht es so aus, als ob das wohl teuerste Team der Liga am Ende der Saison 2012 „lediglich“ die Qualifikation für die Champions League 2013/14 in den Händen halten wird. Die Meisterschaft MUSS LdB FC Malmö mit fünf Punkten Vorsprung bei drei ausstehenden Spielen einfahren, der Pokal wurde gestern Abend wieder im Trophäenschrank in Göteborg eingeschlossen. Mal schaun, wie es am Tyresövallen 2013 weitergeht.

Die Verträge von Elaine, Madelaine Edlund, Annica Svensson und anderen laufen aus. Marta, Caroline Seger, Vero Boquete sind auch nächstes Jahr vertraglich gebunden.

Möglicherweise wird Löfgren versuchen, noch einmal aufzurüsten, um dann das Gold wirklich ganz sicher zu holen und auch perspektivisch die Champions League gewinnen zu können. Man wird wohl versuchen, Meghan Klingenberg zu behalten. Die Amerikanerin hat sich als Glücksgriff erwiesen und die offensiv weniger starke Annica Svensson auf die Bank verdrängt. Im Tor sehen manche Beobachter noch „Luft“, aber Carola Söberg ist aus meiner Sicht eine sehr stabile und sichere Torfrau. Madelaine Edluind hat ihre große Qualitäten, ist sehr laufstark und mannschaftsdienlich, aber sie lässt einfach zu viele Chancen aus. Zwar hat sie elf Tore in der Liga gemacht, aber andere Stürmerinnen in Spitzenvereinen hätten aus den erstklassigen Vorlagen von nicht zuletzt Marta sicher fast doppelt so viele Tore erzielt.

In der Viererkette hat man mit Röddik Hansen und Klingenberg erstklassige Außen, aber in der Mitte könnte man nach dem Kreuzbandriss von Linda Sembrant auch noch jemanden holen. Fraglich ist nur, ob die Sponsoren des geschickt geknüpften Netzwerks weiterhin bereit sind, tief in die Tasche zu greifen, wenn die Titel ausbleiben, mit denen sie ihre Namen verknüpfen wollen.

Landström schießt Tyresö ab

Debriefing nach dem 0:2 bei Djurgården – Marta und Elaine

Es war die wohl größte Überraschung der Saison.Man kann fast das seltsam zu gebrauchende Wort Sensation in den Mund nehmen.

Der haushohe Favorit Tyresö FF verlor am Samstagnachmittag in einem strahlend sonnigen Stadion in Stockholm gegen den Tabellenvorletzten Djurgården mit 0:2 und es sieht ganz so aus, als ob dieses Spiel die Meisterschaft in Schweden entschieden haben könnte.

„Wir haben darüber gesprochen, dass wir Tyresö schlagen werden. Niemand hat an uns geglaubt, aber wir selber haben das wirklich getan,“ so Trainer Patrick Eklöf nach dem Spiel in einer Pressekonferenz, in der vier Vertreter zweier Vereine zwei Journalisten gegenübersaßen. In einem Raum, der sicher 120 – 150 Quadratmeter groß war. Regeln sind Regeln. Der Verband hat den Vereinen mitgeteilt, dass sie Pressekonferenzen abhalten sollen, egal wie viele Medienvertreter anwesend sind. Aber das ist ein anderes Thema.

Djurgården war wirklich bis in die Haarspitzen geladen. Man sieht es auf den Bildern, die ich gemacht habe. Man sah es auf dem Feld, in den Dialogen der Spielerinnen untereinander. Aber Tyresö hatte wesentlich mehr Chancen. Caroline Seger, Marta, Kirsten van de Ven und natürlich immer wieder Madelaine Edlund. Aber die Abwehr kämpfte schon fast heldenhaft. Noch nie habe ich Annika Kukkonen so stark gesehen. Die kleine Finnin stand Marta auf den Füßen, verfolgte sie auf Schritt und Tritt und brachte sie manchmal an den Rand der Verzweiflung. Katrin Jonsdottir brachte ihre Routine aus mehr als 110 Länderspielen für Island in die Waagschale und selbst eine Stürmerin wie Jessica Landström arbeitete defensiv wie selten zuvor.

Apropos, Landström. Selten habe ich die 27-Jährige so gut gesehen wie gestern. Rackerte in der Defensive und warf sich vorne in die Zweikämpfe und – wichtig für eine Stürmerin: Sie schoss die Tore. Caroline Segers Schuss streifte die Querlatte in der 55. Minute, knapp 90 Sekunden später schoss Landström Djurgården in Führung und brachte damit Tyresö in große Verlegenheit. Meist hatte man diese Spiele klar gewonnen, wo man am Anfang Probleme hatte, weil halt alle gegen Tyresö ihr Kämpferherz auspacken. Aber irgendwann ließ die Kraft nach bei den Gegnern. Am Samstag war das anders.

„Wir wussten, dass Tyresö irgendwann einen schlechten Tag haben würde. einen Tag, an dem es bei denen nicht so läuft. Das war heute und wir haben das ausgenutzt,“ so Eklöf weiter nach der Begegnung.

Auf der Tribüne stützte Tyresös starker Mann Hans Löfgren in der letzten halben Stunde seinen Kopf auf die Arme auf und als Jessica Landström in der 71. Minute gar auf 2:0 erhöhte, war dem ehemaligen Sportchef wohl klar, dass man heute drei Punkte liegen lassen würde.

Tony Gustavsson versuchte es. Verordnete der Mannschaft eine Dreierkette, aber Marta handelte sich noch eine gelbe Karte ein, die für sie die Sperre im Match gegen Kristianstad am kommenden Wochenende bedeutet.

Gudbjörg Gunnarsdottir. Eine fehlerlose Leistung der 27-´Jährigen Keeperin, die mit einigen unglaublichen Reaktionen wesentlich Anteil daran hatte, dass Djurgården am Ende gewann.

Jessica Höglander. Im Tor von Tyresö stand die U19-Europameisterin und nicht Stammtorfrau Carola Söberg. Aber an Landströms platzierten Schüssen in die rechte Ecke hätte wohl kaum jemand etwas machen können.

Mit dieser Niederlage ist Tyresös Traum von der Meisterschaft wohl ausgeträumt, vorausgesetzt, dass Malmö am Sonntag in Göteborg gewinnt. Während Djurgården, das alle auf der Absteigerliste hatten nun auf einmal wieder Tuchfühlung nach oben bekommen hat nach seinen Heimsiegen gegen Örebro und Tyresö.

Hope Solo nach Tyresö?

Seit ein paar Wochen hält sich das hartnäckige Gerücht, dass Hope Solo möglicherweise für ein paar Spiele zu Tyresö FF stoßen könnte. Sportlich gesehen, könnte Solo sicher im vielleicht alles entscheidenden Spiel gegen LdB FC Malmö Anfang November den Unterschied machen, aber ansonsten kann der Verein mit seiner angestammten Nummer 1, Carola Söberg, sehr zufrieden sein.

Solo aber würde dem Club und seinem ehemaligen Sportchef Hans Löfgren, der weiterhin die Fäden in der Hand hält, einen gigantischen Medienrummel bescheren, was in der Endphase der Meisterschaft zusätzlich Publikum anlocken und auch das Sponsoreninteresse noch einmal steigern würde.

Zwar spielt Solo noch zwei Länderspiele mit den USA am 1. September in Rochester gegen Costa Rica und am 15. September in Carson gegen Australien, aber am 25.09. bei AIK und fünf weiteren Ligaspielen sowie einem zu erwartenden Pokalfinale könnte Hope Solo zwischen den Pfosten stehen.

Immerhin bekäme ich dann vermutlich endlich mein Interview mit ihr…

Jetzt geht’s wieder los – vor dem 13. Spieltag

In gut zwei Stunden mache ich mich auf den Weg nach Soina zum Spiel AIK – Kopparberg/Göteborgs FC in der Damallsvenskan. Nachdem zwei Nachholspiele (Djurgården-Malmö 1:2, Umeå – AIK 3:1) am Mittwoch und Donnerstag absolviert wurden, steht nun nach der langen Sommer- und Olympiapause der 13. Spieltag der Damallsvenskan bevor. Eine vorläufige Zusammenfassung der Saison für jeden einzelnen Verein habe ich bereits gegeben.

Malmö spielt heute zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen gegen Djurgården, dieses Mal daheim und wohl wieder mit Anja Mittag, die mir gestern noch am Telefon sagte, dass ihrem Einsatz wohl nichts im Wege stehen wird. In der Truppe für das Spiel steht auch Gudbjörg Gunnarsdottir, deren Schulter nach dem unglückseligen Zusammenprall mit Landsfrau Sara Björk Gunnarsdottir (keinesfalls ihre Schwester, der Name ist in dieser Generation häufig auf Island) zwar unerhört wehtat, die aber offenbar das Wohl der Mannschaft über das eigene Wohlergehen steht. Aus diesem Holz sind wohl Sieger geschnitzt, obschon ich das für unvernünftig halte, denn die drei Punkte bleiben so oder so in Malmö.

KIF Örebro wäre das Team auf Platz 10, das sowohl AIK wie auch Djurgården „angreifen“ müssten. Vier Punkte gutmachen und noch einen mehr, um dem Abstieg doch noch zu entgehen. Für Örebro beginnt die gefühlte Rückrunde in Kristianstad bei noch einer Gunnarsdottir, nämlich Trainerin Elisabet. Deren Team spielt sehr launisch und hat es nicht geschafft, ein gleichbleibendes Niveau nach oben oder unten zu erreichen. Das muss die größte Kritik an Gunnarsdottir sein, denn selber wollte Beta ganz hoch hinaus. Das Potential ist zweifelsfrei hoch und Kristianstads Ziel dürfte Platz 3 sein, denn Malmö und Tyresö werden weiter enteilen. Ein Spiel, in dem alles möglich ist, aber am wahrscheinlichsten scheint dann doch ein Heimsieg auf Vilans IP.

Offen ist wohl auch Jitex – Linköping. Das geht schon um 15 Uhr los und heute Morgen war auf Twitter zu lesen, dass Linköping ohne Nilla Fischer kommen muss, deren Wehwehchen von der Olympiade doch langwieriger sind als gehofft. Das ist natürlich ein herber Verlust, denn der Defensivbereich hatte sich gerade mit Fischers Rücktritt von Mittelfeld in die Abwehr stabilisiert. Jitex kommt mit einem Sieg gegen Göteborg (Freundschaftsspiel 1:0) und einem Pokalsieg in Piteå nach Verlängerung (3:2) mit einer ordentlichen Portion Kampfesmut, was gerade beim wohl physischsten aller Teams in der ersten Liga dem Gegner zu denken geben sollte. Alles drin mit leichter Tendenz zu Jitex aufgrund des Fischer-Fehlens.

AIK – Göteborg. Vermutlich stehen fünf Amerikanerinnen auf dem Feld, wenn Lori Chalupny (AIK) und Yael Averbuch (Göteborg) ihre Arbeitserlaubnis bekommen haben. Averbuch tweetete gestern, dass sie spielen werde. Es wird sehr schwer für den Vorletzten, auch wenn Lisa Ek und Jane Törnqvist nicht mehr für Göteborg spielen. Ob Chalupny die Chancenhäufigkeit erhöhen kann und man endlich Tore, Tore schießt mit einem ansonsten hochtalentierten und jungen Team wird sich zeigen. Nach dem sang- und klanglosen 1:3 in Umeå am Donnerstag bin ich sehr skeptisch. Alles spricht für Göteborg.

Tyresö empfängt morgen den Aufsteiger Vittsjö und das ist dann die Liga-Premiere für den neuen Trainer Tony Gustavsson, der die letzten Monate als Pia Sundhages Assistent der amerikanischen Nationalelf verbracht hat. Vermutlich deshalb hat er auch die Handynummern aller amerikanischer Olympiasiegerinnen. Denn es geht das Gerücht, Tyresö und sein inzwischen unsichtbarer Zampano Hans Löfgren hätten noch einen Mediencoup für den Herbst vor. Von Hope Solo oder Abby Wambach ist die Rede. Das kann ein Körnchen Wahrheit enthalten, kann aber auch ein geschickt lanciertes Gerücht sein, um klar zu machen, dass es KEINEN Namen mehr gibt, der nicht für Tyresö in Frage käme. Die amerikanischen Frauen jedenfalls müssen ja noch die äusserst wichtige Victory-Tour spielen, in der es am 1. September in Abbys Heimatstadt Rochester gegen Costa Rica geht (11 000 Tickets sind schon weg) und am 16. September dann in Carson (Kalifornien) gegen Australien. Danach gibt es in Schweden nur noch sechs Spieltage.

Dienstag schliesst das Nordderby Umeå – Piteå die 13. Runde ab. Wir können einen heissen Kampf vor vielen Zuschauern erwarten. Ausgang offen.

Halbzeit (1): Tyresö

Marta im Trikot von Tyresö – wohin zeigt der Daumen am Ende?

Halbzeit in der Damallsvenskan. Vor gut einer Woche habe ich eine subjektive Zusammenfassung angekündigt. Im Gegensatz zu anderen Bloggern habe ich es in diesem Jahr unterlassen, eine Schlusstabelle zu tippen. Es endet eben nur peinlich mit in der Regel 2 richtigen und 10 falschen Prognosen. Zwölf Spieltage sind absolviert, es gibt zwei Nachholspiele im Kielwasser der U19-EM in der Türkei. Vom elften Spieltag ist Djurgården – LdB FC Malmö (15.08.) nachzuholen und vom 12. Spieltag dann noch Umeå IK – AIK (16.08.).

Wie ist die Saison bisher gelaufen, wir gehen die Tabelle von oben nach unten durch:

Tyresö FF: Der Goldfavorit steht oben. Ziel erreicht? Malmö ist mit einem Punkt Rückstand Zweiter und hat ein Spiel weniger,  die Führung wackelt also am 15.08., wenn Malmö sein Nachholspiel beim Tabellenletzten Djurgården absolviert.
Mit diesem Kader müsste Tyresö eigentlich nahezu unschlagbar sein. Sicher, es gab eine Reihe von Verletzungen, die Niederländerin Kirsten van de Ven pausierte zuletzt mit ihrer dritten Gehirnerschütterung (!) in dieser Saison ebenso wie die Dänin Line Röddik Hansen. Aber mit dem Samba-Trio Marta, Vero Boquete und Elaine, dazu mit der Schweden Caroline Seger und allen anderen Nationalspielerinnen hätte Tyresö eine Hinrunde spielen müssen, die mit dem 7:0 Heimsieg gegen Örebro so begann, wie man das erwartet hatte. Danach kam Sand ins Getriebe. Der ehemalige Sportchef Hans Löfgren wurde wegen des Kaufes sexueller Dienste zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt und auch wenn der 46-Jährige offiziell nichts mehr mit dem Verein zu tun haben soll – glauben tut das niemand, denn Löfgren steht weiterhin auf der „Brücke“ des Vereins, zeichnet die besten Spielerinnen aus, herzt und umarmt seine Mädels und gibt Anweisungen. Beim Spiel gegen Vittsjö Ende Juni war er als „Sportchef“ Tyresös akkrediert und auf Nachfragen der Zeitung Kristianstadsbladet erklärte er, er könne sich gar nicht dran erinnern, wie das mit der Akkreditierung war, gut eine Woche war vergangen…

Trainer Stefan Fredriksson, ein ebenso kompetenter wie sympathischer Fußballlehrer, den ich mehrfach gesprochen habe und wegen seiner verbindlichen Art schätzte, trat von einem auf den anderen Tag zurück. Grund: Er sei nahe an einem Burn-Out, könne die Doppelarbeit als Trainer und Familienvater nicht mehr leisten, ohne dass er Schaden nehmen würde. Offenbar wurde Fredriksson nicht ernst genommen von einer Truppe selbstbewusster und teils ungebändigter Stars.

Wenn Tyresö dieses Jahr nicht Gold gewinnt, dann ist das eine mittlere Katastrophe, denn der Kader muss für den Frauenfußball enormes Geld verschlingen. Geld, dass Ex-Manager Löfgren dank des von ihm ins Leben gerufenen Netzwerks von Sponsoren auftreibt, aber auch das Netzwerk will Resultate sehen.
Spielerisch fehlt der Mannschaft oft die Einheit, da wird überdeutlich, dass es sich um ein Ensemble von hochtalentierten Individualisten handelt, die zusammen wenig miteinander anfangen können. Aber wenn Marta oder Vero zu Dribblings ansetzen oder Seger sich Richtung gegnerisches Tor durchtankt, dann reicht das eben sehr oft. Tyresö hat jetzt zwei seiner eigenen Talente, Helen Eke und Jennifer Egelryd an den finnischen Erstligisten Åland United ausgeliehen, damit die Beiden Spielzeit bekommen. Das ist ein weiterer Punkt, den einige an Tyresö kritisieren: Es sei eine zusammengekaufte Söldnertruppe ohne lokale Verankerung. Das stimmt nicht so ganz, denn heute Abend steht mit Pauline Hammarlund ein eigenes Talent in den Reihen der schwedischen U19, die nach dem EM-Titel in Antalya greift.
Auch wenn vieles im Argen liegt: An Tyresö kommt man nicht vorbei, wenn es um die Vergabe des Meistertitels geht und es ist möglich, dass die Entscheidung am letzten Spieltag in Malmö fällt, dann kommt nämlich Tyresö zu Besuch.

Skandal um Tyresös ehemaligen Sportchef

Der kauf sexueller Dienste ist in Schweden strafbar. Nicht das Angebot, aber der Kauf. Einem Bericht der Zeitung Aftonbladet zufolge rief Tyresö FF:s ehemaliger Sportchef Hans Löfgren am 27.12.2011 eine Prostituierte an, verabredete sich mit ihr und kaufte sexuelle Dienste. Die Polizei nahm den 46-Jährigen fest. Er war geständig. Gestern wurde Löfgren vom Amtsgericht Stockholm zu einer Geldstrafe in Höhe von ca. 4.000 € verurteilt.

In einem offenen Brief an die Zeitung entschuldigte sich Löfgren am Nachmittag: „Ich habe einen Fehler gemacht und entschuldige mich für mein Handeln. Ein feuchtfröhlicher Männerabend in einer Kneipe endete völlig falsch, was fahrlässig von mir war, darüber hionaus ungesetzlich, aber eine Einmaligkeit, die sich nicht wiederholen wird und von der ich mich distanziere. Ich habe meine Strafe von der gesellschaft bekommen und akzeptiert und hoffe, dass diejenigen mir mit der Zeit verzeihen werden, die mir etwas bedeuten.“ Löfgren betonte weiter, dass diese Angelegenheit nichts mit Tyresö FF zu tun habe.

Im Verein hat Hans Löfgren keine aktuelle Funktion mehr, er zeichnete allerdings beim 7:0 gegen Örebro am letzten Sonntag Marie Hammarström und Marta als beste Spielerinnen aus. Unklar ist weiterhin, wer Martas Gehalt von geschätzt 130.000 € für diese Saison eigentlich bezahlt. Der Verein hatte bei der Bekanntgabe der Verpflichtung der Brasilianerin bekanntgeben, dass es einen Sponsor gäbe, der für sämtliche Kosten Martas stehe. Bis heute ist allerdings nicht bekannt, wer der Sponsor ist, was Spekulationen genährt hatte, es könne sich bei dem unbekannten Sponsor um Löfgren selber handeln.