Lösbare Aufgaben

Liver

Die Champions-League der Frauen beginnt Anfang Oktober und gestern wurde in Nyon sowohl die Runde der besten 32 und gleich auch mal schon das Achtelfinale gelost – für mich eine Unsitte, die sehr viel Spannung nimmt und im ungleich größeren Männerfußball undenkbar wäre.

Gesetzt wurde auch nur in der ersten der beiden Runden, trotz der katastrophalen Ergebnisse im vergangenen Jahr als etwa Turbine Potsdam in seinem Viertelfinale den Gegnerinnen aus Sardinien 16 Tore einschenkte. Solche Klassenunterschiede in der Runde der letztenAcht sollten vermieden werden, auch das die acht Tore vom dann erwartungsgemäß in Konkurs gegangenen schwedischen Vertreter Tyresö FF gegen Neulengbach im Viertelfinale zeigten, dass es noch keine sonderliche Leistungsdichte gibt.

Aberf die UEFA hat keine Konsequenzen gezogen – schon im Achtelfinale kommt es mit 99%-iger Wahrscheinlichkeit zum Aufeinandertreffen der beiden französischen und europäischen Topclubs Olympique Lyonnais und PSG.

Der schwedische Meister FC Rosengård (eigentlich hieß er ja LdB FC Malmö) trifft auf den russischen Vertreter Ryazan VDV, eine mehr als lösbare Aufgabe, geradezu ein Muss, hier weiterzukommen und zwar durch zwei souveräne Siege.

Ryazan, in Deutschland oft Rjazan geschrieben, liegt 200 km südöstlich von Moskau. Die Mannschaft besteht aus russischen und ukrainischen Spielerinnen, lediglich eine Weißrussin kommt zu den beiden Nationen hinzu. Die bekanntesten Spielerinnen sind die Russinnen Olga Petrova (letzte Saison kurz in Wolfsburg), Elena Danilova und Ksenia Tsybutovich, allesamt Nationalspielerinnen für Russland.

Schwieriger wird es dann wohl für Linköpings FC, den Dritten des Vorjahres in Schweden, der sich in Tyresö bedanken darf, dass man seine Mannschaft zurückgezogen hat, denn dem Reglement zufolge hätte Tyresö jetzt auch seine neue A-Mannschaft nach Europa schicken können. Die hat ein Durchschnittsalter von siebzehn Jahren und drei Monaten und liegt derzeit in der dritten Liga (Gruppe Södra Svealand) auf einem Abstiegsplatz. Vereinsvorsitzender Hans Lindberg hatte im Frühjahr zwischenzeitlich „gedroht“, dass man den Platz in der Champions League behalten könne, unabhängig davon, was mit der unbezahlbaren und unbezahlten ersten Mannschaft geschieht. Aber vermutlich hat der schwedische Fußballverband hier sehr nachdrücklich um Rückzug „gebeten“, denn eine Teilnahme des Drittligisten hätte dem schwedischen Fußball wohl sehr geschadet.

Gegner von Ersatzteam Linköping sind nun die Liverpool Ladies, der englische Meister von 2013. Zunächst geht es nach England und am 15./16.10. steht dann das Rückspiel in Schweden an. In der acht Mannschaften umfassenden englischen FA/WSL liegen die „Reds“ derzeit auf Platz drei, zwei Punkte hinter Tabellenführer Birmingham City Ladies, der allerdings zwei Spiele weniger hat und also davonziehen könnte.

Nicht mehr im Kader von Liverpool ist die Schwedin Louise Schillgard (geb. Fors), die in diesem Frühjahr geheiratet hat und jetzt auch ein Baby erwartet. Ihr Einsatz wäre pikant gewesen, denn „Lollo“ hat auch eine Vergangenheit in Linköping, wo sie 2012 noch aktiv war.

Mit Corina Schröder und Nicole Roiser wird Linköping auch auf zwei deutsche Spielerinnen treffen.

Hier die komplette Auslosung und mein Tip fürs Weiterkommen ist jeweils gefettet:

KKPK Medyk Konin (POL) – Glasgow City LFC (SCO)
60:40 für Konin, das in seiner Quali-Gruppe alle Gegner hinwegfegte

Ryazan-VDV (RUS) v FC Rosengård (SWE)
95:5 für Rosengård

ACF Brescia (ITA) – Olympique Lyonnais (FRA)
95:5 für Lyon

Clube Atlético Ouriense (POR) – Fortuna Hjørring (DEN)
10:90 für Hjørring

SK Slavia Praha (CZE) – FC Barcelona (ESP)
15:85 für Barcelona

Raheny United (IRL) – Bristol Academy WFC (ENG)
30:70 für Bristol

FC BIIK-Kazygurt (KAZ) – 1. FFC Frankfurt (GER)
1:99 für Frankfurt

Gintra Universitetas (LTU) – AC Sparta Praha (CZE)
5:95 für Prag

ŽNK Pomurje (SVN) – ASD Torres Calcio (ITA)
5:95 für Torres

Stabæk FK (NOR) – VfL Wolfsburg (GER)
10:90 für Wolfsburg

Apollon LFC (CYP) – Brøndby IF (DEN)
30:70 für Brøndby

MTK Hungária FC (HUN) – SV Neulengbach (AUT)
20:80 für Neulengbach

ŽNK Osijek (CRO) – FC Zürich Frauen (SUI)
10:90 für Zürich

Liverpool LFC (ENG)  – Linköpings FC (SWE)
35:65 für Linköping

FC Twente (NED) – Paris Saint-Germain FC (FRA)
5:95 für PSG

Stjarnan (ISL) v WFC Zvezda-2005 Perm (RUS)
30:70 für Zvezda

 

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Das Achtelfinale (mit den Tipps von ffschweden):

Zürich – Medyk Konin
70:30 für Zürich

Rosengård – Hjørring
85:15 für Rosengård

Paris – Lyon
60:40 für PSG

Wolfsburg – Neulengbach
95:5 für Wolfsburg

Linköping – Zvezda-2005
80:20 für Linköping

Barcelona – Bristol
70:30 für Barcelona

Frankfurt – Torres
95:5 für Frankfurt

Brøndby – Sparta
70:30 für Brøndby

 

 

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Tyresö: Rekonstruktion abgelehnt -Linköping spielt CL

Am Dienstagnachmittag hat das zuständige Amtsgericht in Nacka entschieden, dass die seit drei Monaten andauernde Rekonstruktion der Firma Tyresö Fotboll AB abgebrochen wird.

„Es gibt keine besonderen Gründe, eine fortgesetzte Rekonstruktion zu bewilligen. Die Firma kann den Beschluss in der nächsten Instanz überprüfen lassen,“ so der Verwalter Hans Ödén zum schwedischen Radio.

Das seit Monaten angekündigte Afrika-Projekt mit Nigeria (Spielerinnen und Trainer aus dem bevölkerungsreichsten Staat des Kontinents sollten in Tyresö ausgebildet werden) sei zu vage formuliert, es sei überhaupt nicht klar, mit welchen Ressourcen man das Vorhaben in Angriff nehmen wolle.

„Ich habe mich als Rekonstrukteur geäußert und habe das Ersuchen um Verlängerung nicht befürwortet und da hat es auch das Finanzamt [als größter Gläubiger] nicht getan,“ so Ödén weiter.

Hans Lindberg, Geschäftsführer der Firma und Vorsitzender des Vereins Tyresö FF: „Wir werden das jetzt analysieren und melden uns dann wieder. Wie lange das dauert kann ich nicht sagen. Welche Vorteile es für die Firma haben kann, nicht in Konkurs zu gehen, wird unsere Analyse zeigen müssen.“

Am Dienstagnachmittag entschied die UEFA, dass Schweden entgegen den Meinungen vieler Experten doch mit zwei Teams an der Champions League teilnehmen 2014/15 teilnehmen wird. Neben Meister FC Rosengård rückt jetzt der Tabellendritte Linköpings FC nach, nachdem Tyresö FF auf seinen Platz verzichtet hatte.

In Linköping ist die Freude über den Bescheid natürlich riesengroß. Trainer Martin Sjögren sagte, dass man sich auch noch verstärken werde. Unter anderem sei man an ehemaligen Spielerinnen aus der nun aufgelösten Mannschaft der Tyresö Fotboll AB interessiert.

Tyresö: Aus die Maus

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresövallen beim CL-Halbfinale. Bald wird die Tribüne abgebaut, war sowieso alles nur provisorisch.

Tyresö FF hat gestern am späten Nachmittag seine A-Mannschaft im Prinzip aufgelöst und mit sofortiger Wirkung (da der schwedische Fußballverband das im Handumdrehen akzeptiert hat) den Spielbetrieb der Damallsvenskan verlassen. Der Satzung des schwedischen Fußballs gemäß hat dies den Abstieg mindestens bis in die „Division 2“, der vierten Liga, zur Folge. Damallsvenskan – Elitettan – Division 1 – Division 2 und so weiter.

Niemand ist darüber nach den Ereignissen der letzten Monate sonderlich überrascht, auch wenn man vielleicht nicht gedacht hätte, dass sich Hans Lindberg freiwillig (?!?) zurückzieht.

Aber der Donnerstag bot wieder einmal für gewohnt schlechtes Theater, was den Meister von 2012 und Champions-League-Finalisten von 2014 anging.

Kurz vor Mittag die für mich überraschende Nachricht, dass Hans Lindberg tatsächlich im Amtsgericht Nacka aufgetaucht war und einen Antrag auf Fortsetzung der Rekonstruktion der von ihm geführten Tyresö Fotboll AB eingereicht hat. Da gab sich er rüstige Rentner noch trotzig und kämpferisch. Das Nigeria-Projekt (angeblich ist der nigerianische Fußballverband daran interessiert, in Tyresö Mädchen und Jugendtrainer ausbilden zu lassen) sei noch nicht gaaaanz so weit, aber man stehe kurz vor der Unterzeichnung des Vertrags. Und man erwarte noch umgerechnet 200.000 € von der UEFA als Preisgeld für das Erreichen des Champions-League-Finals in Lissabon.

Falls das Gericht dem Antrag nicht stattgebe, so müsse Tyresö Fotboll AB Konkurs anmelden. Das würde aber, so Lindberg, keinesfalls bedeuten, dass Tyresö FF nicht die Saison zu Ende spielen könnte. Das Spielrecht würde den Regeln entsprechend von der Tyresö Fotboll AB an den Verein zurückgehen und der könnte dann mit seinen Juniorinnen sowohl Damallsvenskan wie Champions League spielen.

Ein Horrorszenario, das der 71-Jährige da gewohnt frech den Medienvertretern gegenüber entwarf.

Das Gericht ließ verlauten, dass die Entscheidung über den Rekonstruktionsverlängerungsantrag am kommenden Montag verkündet werden würde.

Zwischendurch unterschrieb dann noch Caroline Seger nun auh offiziell den schon längst bekannten Deal mit Paris Saint-Germains.

Und dann sah jemand gegen 18.00 Uhr auf Tyresös Homepage. Und da teilte der Verein mit (in einer ersten Version datiert auf den 23.05., dem Tag nach dem Champions-League-Finale), dass die Tyresö Fotboll AB die Damallsvenskan mit sofortiger Wirkung verlassen werden.

„Die Entscheidung liegt darin begründet, dass die Firma nicht genügend Spielerinnen hat, um auf eine sportlich gerechte Weise die 15 ausstehenden Spieltage zu absolvieren und dass der Eigentümer der Firma, Tyresö FF, nicht die Absicht hat, Juniorinnen aus den eigenen Reihen auszuleihen,“ schrieb der Verein.

Alle Spielerinnen hätten somit die Möglichkeit, mit anderen Vereinen zu verhandeln. Damit aber sei der Antrag auf Rekonstruktion nicht zurückgezogen, er würde weiterhin aufrechterhalten.

Es kann nur darüber spekuliert werden, was innerhalb weniger Stunden zum Sinneswandel von Lindberg geführt hat, vermutlich hat der schwedische Fußballverband zur Schadensbegrenzung Druck ausgeübt, denn der tiefe Fall von Tyresö ist nichts weniger als ein großer Skandal, der dem Frauenfußball in Schweden tiefen Schaden zugefügt hat.

Die Saison wird nun mit elf Mannschaften fortgesetzt. Wie erwartet. Schon im April beim Presseauftakttreffen tippte ich Tyresö als ersten Absteiger, weil abzusehen war, wie und wann die Reise endet.

Es ist ein unerhörter Skandal, dass man es diesem Konstrukt überhaupt erlaubt hat, ein Champions-League-Finale zu spielen bzw. in die Saison 2014 zu gehen. Mir gehen die Worte von Christen Press nicht aus dem Kopf, als sie mir sagte, dass sie beinahe glauben würde, dass alles so geplant war, dass es bis zum Finale geht und nicht (viel) weiter.

Auch ich habe in den letzten Monaten immer mehr mit diesem Gedanken gespielt. Das Projekt Aufstieg in die erste Liga, Meisterschaft und Champions-League-Finale war die Idee und die Vision des Hans Löfgren, der es mit allen Mitteln erreichen wollte. Danach war nichts mehr geplant in der Power-Point-Präsentation, die dem Verein vor 6-7 Jahren gezeigt wurde. Aus die Maus.

Zu sehr hatte man bereits nach den Sommerferien 2013 die Damallsvenskan vernachlässigt. Etliche Spielerwechsel und Neuzugänge im Herbst 2013: Ashlyn Harris, Alex Krieger, Caroline Graham Hansen zielten darauf ab, das Team für die Champions League zu optimieren. Dass der Abgang vieler arrivierter Spielerinnen das Gefüge durcheinanderbringen würde und den Erfolg in der Meisterschaft gefährden würde, nahm man in Kauf.

„Mein Auftrag ist es, auf allen Ebenen gut abzuschneiden, im Zweifelsfall eber die Champions-League zu priotieren;“ sagte mit Tony Gustavsson vor Beginn der Saison.

Welche Spielerinnen sind jetzt noch übrig?

Line Røddik Hansen wird wohl zum Meister FC Rosengård gehen, sie saß schon am Sonntag auf der Tribüne beim Spiel gegen Göteborg.

Madelaine Edlund wird mit dem Zweitligisten Sunnanå SK in Verbindung gebracht, sie hat selber der Zeitung Norran gesagt, dass sie dort am Dienstag hinreist. Sunnanå ist der Ursprungsverin der 28-Jährigen, hier wohnt auch ihre Familie.

Zu haben sind noch:

Tinja-Riikka Korpela, die finnische Nationaltorhüterin, die einen Zweijahresvertrag hatte und nur einen Monat (!!) Gehalt bekam.

Linda Sembrant, die 27-Jährige Innenverteidigerin und Nationalspielerin hat sich mit konstanten Leistungen nach ihrem Kreuzbandriss wieder in die Auswahl Pia Sundhages zurückgespielt.

Lisa Klinga, 22 Jahre alt, Tyresöer Eigengewächs. Hat unter anderem auch schon für Linköping und Piteå gespielt. Lisa Klinga ist vielfach einsetzbar, gelernte Stürmerin, die aber in letzter Zeit immer wieder in der Defensive außen gespielt hat.

Lisa Dahlkvist, 27 Jahre. Mittelfeldspielerin auch in der Nationalmannschaft. Wechselte mit Linda Sembrant von Göteborg nach Tyresö

Malin Diaz Pettersson, 20 Jahre alt. Kleine, hoch technische Mittelfeldspielerin, die noch an ihrer Physis arbeiten muss, um internationale Topklasse zu haben, die aber ein enormes Spielverständnis mitbringt.

Die drei Brasilianerinnen Thaysa, Mayara und Rilany und deren Landsfrau Fabiana, die aufgrund einer fehlenden Arbeitserlaubnis nicht spielen durfte.

Ungewiss ist noch der Verbleib von Marta, die aber schon längst nicht mehr zur „Firma“ gehörte.

 

 

 

7: Topteams geben Punkte ab

Christen Press holt aus zum Tor des Monats gegen Rosengård (Foto: Anders Henrikson)

Christen Press holt aus zum Tor des Monats gegen Rosengård (Foto: Anders Henrikson)

Der siebte Spieltag der Damallsvenskan markiert das Ende des ersten Drittels der Saison. Und alle Topteams gaben Punkte ab.

Meister Rosengård verlor seinen Auftritt bei Champions-League-Finalist Tyresö FF mit 1:2. Verdienter Sieg der Elf, die zum letzten Mal in dieser Formation zusammen spielte. Marta hat die Mannschaft bereits am Donnerstagabend nach dem Finale verlassen und wird nicht mehr nach Tyresö zurückkehren.

Auf dem Feld standen aber die drei amerikanischen Nationalspielerinnen und Vero Boquete. Rosengård begann stark und nach achtzehn Minuten spielte Ramona Bachmann wunderbar auf Elin Rubensson, die mit einem geraden, strammen Schuss der am Sonntag stehenden Tinja-Riikka Korpela keine Chance ließ. Alles schien seinen Gang zu gehen.

Aber Malmö oder Rosengård kam Sand ins Getriebe. Und Tyresö hatte (doppelte Bedeutung) Christen Press. In der 28. Minute bekam sie einen Ball im Strafraum und machte die schwedische Nationalspielerin Lina Nilsson buchstäblich schwindlig und nass. Mit zwei Körpertäuschungen brachte sie Nilsson wie eine Anfängerin aus dem Glechgewicht und zu Fall und verwandelte trocken aus nun schussfreier Bahn zum Ausgleich.

Zwar blieb Rosengård im Spiel und hatte Chancen, meisterlich sah das aber nicht aus. In der 63. Minute wurde dann Caroline Seger für Malin Diaz ausgewechselt Die Umarmungen zwischen Seger und Diaz und Seger und Trainer Tony Gustavsson ließen mehr auf einen unmittelbar bevorstehnden Abschied schließen, offiziell macht Seger jedoch noch einen Monat weiter.

Immer wieder setzte Christen Press die überforderte Amanda Ilestedt unter Druck, die mehrfach ihre Nervosität zeigte und Fehler machte, die Anita Asante ausbügeln musste. Nilsson hatte bereits in der ersten Halbzeit das Nachsehen gegen die 25-Jährige Amerikanerin gehabt, die sich dann in der 85. Minute einen fantastischen Abgang verschaffte. Anspiel, kurze Wende und dann aus 25 Metern der Schuss in den Winkel. Tony Gustavsson hielt es nicht mehr, er rannte vor Begeisterung die Linie rauf und runter, der Sieg war ihm sehr wichtig in diesem wohl letzten Spiel der dann vielleicht doch besten Mannschaft Schwedens, zumindest an diesem Tag. Hungriger wirkte Tyresö, weil sich Press und Boquete mit einem guten Spiel verabschieden wollten.

Wie es jetzt weitergeht: Mittwoch Pokalviertelfinale gegen Umeå daheim, ohne mindestens fünf Leistungsträgerinnen und vielleichtauch ohne Caroline Seger. Dann Linköping auswärts und dann Nacka – Gerichtstermin. Und wohl das Aus, wenn kein Wunder geschieht und Hans Löfgren mit einem Geldkoffer über die Oberfläche des Mälarsees spazieret kommt.

Seger machte aus ihrem Herzen nach dem Spiel keine Mördergrube und sagte dem Fernsehsender TV4Sport, dass sie sich nun überlegen würde wie es weitergeht. „Wenn du die ganze Zeit für jemanden was tust, der seinerseits nichts für dich tust, dann fängst du an nachzudenken. Seit März kriegen wir kein Gehalt mehr.“

Vor dem Spiel überreichte Präsident Hans Lindberg den Spielerinnen Wimpel und auch hier sagte Seger, dass sie sich bei der Übergabe sehr unwohl gefühlt habe und am liebsten weggegangen wäre. „Fünf Monate lang habe ich nichts von ihm gehört und dann kommt er und will uns Wimpel überreichen.“

Im zweiten Spitzenspiel teilten sich Eskilstuna und Linköping die Punkte und weiter überzeugt der Aufsteiger aus Eskilstuna vor allem mit solider Abwehrarbeit. 1:1 hieß es am Ende vor 1.500 Zuschauern.

Nach dem Sieg bei Abstiegskandidat Jitex gewann AIK am Sonntag auch gegen Piteå. Dieses Mal 2:1 und AIK entfernte sich damit sogar von den Abstiegsplätzen.

Kristianstad schlug Umeå durch einen von Linnéa Liljegärd in der ersten Minute erzielten Treffer mit 1:0.

 

Vor dem Finale 4: Tyresös schuldengepflasterter Weg nach Lissabon

tyresöDer schwedische Rundfunk bringt heute eine 24 Minuten lange Sendung mit dem Titel „Tyresö FF:s skuldkantade väg till Lissabon“ (Übersetzung in der Überschrift). Ein sehr lesenswerter Artikel und eine hörenswerte Sendung.

Leider kann ich das hier nicht en detail beschreiben, man darf nicht eine ganze Sendung übersetzen und es wäre auch sehr zeitaufwändig. Über einiges habe ich hier schon im Blog berichtet in früheren Posts. Aber mir hat es dennoch den Atem verschlagen bei einigen Details, die ich noch nicht wusste.

Die Journalistin Linn Ninzén hat alle Fakten zusammengetragen. Und schildert den Aufstieg, den der Verein durch Hans Löfgren gemacht hat. Und auch den gigantischen Abstieg.

Es heisst immer wieder, dass der Verein Tyresö FF durch de Gründung der Firma Tyresö Fotbolls AB, in der Hans Lindberg der Vorsitzende ist, in beiden also, keinen Verlust gemacht habe. Die Frauenmannschaft sei komplett der neuen Aktiengesellschaft zugeordnet. Damit der Breitensportverein geschützt sei, falls vielleicht einmal etwas passieren würde.

Der Artikel von Nenzén weist nach, dass der Verein eine Million Kronen (ca. 110 000 €) verloren hat, die der Frauentopmannschaft zugeflossen sind. Als Folge hat man den Mitgliederbeitrag im Verein Tyresö FF von 100 auf 200 Kronen verdoppelt.

Löfgren baute auf und zog sich zurück, hatte angeblich dann keine Rolle mehr beim Verein, obwohl er immer auf der Brücke stand, die man kennt, wenn man mal am Tyresövallen war. Er überreichte Blumensträusse an Schiedsrichterinnen, Preise an de besten Spielerinnen von Gast- und Heimmannschaft, verhandelte nach Auskunft von Agenten über neue Spielerinnen, er und niemand anders, hatte aber keine Rolle im Verein.

Seit Januar ist Löfgren bei der Tyresö Fotbolls AB angestellt mit einem Monatseinkommen von 50.000 Kronen (ca. 5.600 €). So viel verdient niemand anders in einem schwedischen Frauenfussballverein, der hinter den Kulissen arbeitet.

Was macht er dafür? „Ich habe eine Sache auf meinen Schultern, mit der ich gearbeitet habe. Da geht es um ein bisschen Verkaufen und Marketing,“ sagte er dem Radio.

Für das „bisschen“ bekam er ein grosszügiges Gehalt. Und seit Tyresö in der Rekonstruktion ist, zahlt man ihm das Gehalt nicht mehr. Nein, da begann ich, zusammen mit vielen anderen Steuerzahlern Schwedens, das Gehalt Löfgrens zu zahlen. Das ist dann schon ein sehr starkes Stück. Denn glaubt man Menschen in Tyresö, dann waren es Lindberg und vor allem Löfgren, die die Tyresö Fotboll AB ins Verderben gestürzt haben. Und dass lässt sich Löfgren jetzt sogar aus Steuergeldern bezahlen.

Was Hans Löfgren denn für sein Geld tue, fragte das Radio den Vorsitzenden Lindberg?

„Er hat im Verkauf des Stockholm Business Network gearbeitet“

Macht er das immer noch?

„Im Moment arbeitet Hans nicht damit. Die Firma ist in einer Verwaltungsphase.“

Aber auf der Homepage des Stockholm Business Network steht er als Hauptverantwortlicher?

„Ja, jo, er hat da eine Verbindung, aber die ist heute rudimentär.“

Was bedeutet das?

„Ein sehr geringer Umfang.“

Arbeitet er gar nicht für Tyresö?

„Jo, er steht auf der Liste der Mitarbeiter“

Ganztags?

„Ja, mehr oder weniger.“

Wie viel verdient Tyresö an diesem Netzwerk?

„Eine Anzahl Kohle. Wir veröffentlichen keine Einzelheiten.“

So der vielsagende Dialog zwischen der Journalistin und dem Vorsitzenden der Tyresö Fotboll AB, Hans Lindberg, über die Beschäftigung des Hans Löfgren.

 

 

 

 

Rosengård haushoher Favorit

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fanny Edström (Älta IF) mit einer schönen musikalischen Einlage

Fast 80% der Teilnehmer am traditionellen „Anstoß“-Treffen der Damallsvenskan, dem medialen Kick-Off, tippten am Dienstagvormittag den FC Rosengård (ehemals LdB FC Malmö, ehemals Malmö FF) als alten und neuen schwedischen Meister. Linköping wird Zweiter und Tresö Dritter, wenn man den Experten glauben schenken darf.

Der schwedische Fußballverband und der Elitföreningen Damfotboll (Interessenvereinigung der ersten und zweiten Liga) hatten zum dritten Mal nacheinander in die prächtigen Berns Salonger in Stockholm eingeladen. Am Vormittag parlierten eine Moderatorin von TV4 und die ehemalige Weltklassespielerin und jetzige Expertin Hanna Marklund mit Trainerpaaren und dann sechs Spielerinnen über die kommende Saison.

Ein Höhepunkt hätte die Begegnung zwischen Jitex‘ ehemaligem Sportchef und neuen Trainer Anders Holmvén und Jitex‘ ehemaligem Trainer und nun Göteborgs Trainer Stefan Rehn werden können. Rehn hatte den Lokalrivalen Jitex verlassen und darüber hinaus auch noch gleich eine Handvoll Spielerinnen mitgenommen. Aber die Beiden beließen es dabei, sich mehr oder weniger zu ignorieren.

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Umeås Emma Berglund (links) erleichtert, dass es Piteås Hanna Pettersson wieder besser geht

Als dann die ersten sechs Spielerinnen die Bühne betraten und befragt wurden, sah man auf einmal wie Rosengårds Therese Sjögran (die heute ihren 37. Geburtstag feierte) Piteås Stürmerin Hanna Pettersson von der Bühne führen wollte. Pettersson sackte dann schon fast zusammen, es ging ihr offenbar nicht gut, und begleitet von Sjögran und einem Funktionär wurde sie in den Nebenraum geführt. Nur zwei Minuten später war die 26-Jährige wieder da. Von der Moderatorin befragt, ob denn wirklich alles wieder in Ordnung sei, sagte Pettersson: „Ja, danke. Man tut halt alles, um Aufmerksamkeit zu erregen.“

Und das war auch schon der Witz des Tages. Als dann die zweite Liga ihren 20-minütigen Auftritt hatte, kam die 19-Jährige Torhüterin Fanny Edström mit Gitarre und Mikrofon auf die Bühne und wenn man sich in die Nationalmannschaft singen könnte, dann wäre Edström wohl im nächsten Aufgebot, denn die nicht gerade unmusikalische Pia Sundhage wiegte sich begeistert im Takt.

Wie immer gab es eine Menge interessanter und weniger interessanter Umfragen, die wir Anwesenden mit unseren Abstimmungsgeräten klären sollten. Und da ergaben sich nicht weniger als 79,5%, die auf Rosengård als Meister tippen. Stefan Edberg, nein, nicht der Tennisspieler, sondern sein Namensvetter von der staatlichen Lotteriegesellschaft Svenska Spel, die sich zum wichtigsten Sponsor entwickelt hat, gab die Langzeitquoten bekannt. Rosengård bringt lediglich 1,7 als Meister, man ist bei der Lotterie aber optimistisch, was Tyresö angeht, denn die sollen Zweiter werden. Glaubt man Edberg, dann wird Anja Mittag zum zweiten Mal nach 2012 Torschützenkönigin.

Und obwohl Tyresö am Vormittag nicht auf die Bühne musste, dominierte es doch an der Nachrichtenfront. Auf Facebook gab Präsident Hans Lindberg bekannt, dass man in der jetzigen Situation nicht imstande sei, die im Sommer auslaufenden Verträge von Marta und Caroline Seger zu verlängern. Man könne sich vorstellen, die Spielerinnen schon Ende Mai freizugeben, damit sie z.B. in die USA wechseln könnten.

Marta wird schon seit einigen Tagen in der norwegischen Presse mit Tyresö-Nachahmer Avaldsnes IL in Verbindung gebracht. Arne Utvik, der Löfgren aus Norwegen, bestätigte gegenüber dem norwegischen Fernsehen auch, dass er mal eine Anfrage von Martas Agent bekommen habe, aber es sei daraufhin nichts weiter geschehen. Viel Rauch um fast gar nichts in dieser Norwegen-Spur, scheint mir.

Caroline Seger wurde dann gleich mal vom schwedischen Fernsehen angerufen und zeigte sich gelinde gesagt, empört. Sie hatte um die Mittagszeit, vor oder nach der Facebooknachricht des Clubs, eine E-Mail bekommen, in der ihr mitgeteilt wurde, dass sie sich wohl einen neuen Verein suchen müsse. „Ich weiß nicht so recht, was passiert. Enttäuscht ist zu wenig gesagt. All das ist in sehr kurzer Zeit geschehen und mit dem Gedanken an die Champions League ist das sicher nicht optimal,“ so Seger.

Sie wolle weg, sagte sie denn auch erstmals so deutlich wie nie zuvor. „Das einzige, was ich weiß, ist, dass mein nächster Verein nicht solche Probleme haben wird. Es wird ein professioneller Club sein und eine Organisation, die das erledigt, was erledigt werden muss, damit ich mich auf den Fußball konzentrieren kann. Das ist das einzige, was ich über meine Zukunft weiß.“

Auch Carola Söbergs Vertrag läuft aus und auch ihr legt man keine Steine in den Weg, um Gehaltskosten zu sparen.

Interessierte deutsche Vereine können sich also umgehend bei Caroline Seger oder Marta melden… Tyresö würde sie ab dem 31.05. freistellen, was mit dem Gedanken an die Saison in Deutschland oder Frankreich sicher nicht optimal ist.

Trainer Tony Gustavsson sprach dann später von der weißen Linie, innerhalb derer sich die Mannschaft bewege. Man sei noch enger zusammengewachsen und es klingt fast als sei das Team und die Trainer auf der einen Seite und die Welt auf der anderen. Freundschaftlich scheint da niemand mehr dem Vorstand mit Hans Lindberg verbunden zu sein. Lindberg saß denn auch alleine beim Mittagessen. Über das Afrika-Projekt, das den Verein angeblich in der ersten Liga halten kann, konnte er noch immer nichts bekanntgeben. Man arbeite daran.

Als die junge Malin Diaz auf der Bühne stand, Trainer Gustavsson hatte sie vorher noch als eine der besten Kunstrasenspielerinnen Schwedens bezeichnet, da sprachen die Blicke der Konkurrentinnen Bände, dabei kann die kleine, junge Malin natürlich nichts für die Misere, in die gierige und unkundige Funktionäre den Verein reingewirtschaftet haben.

Zuviel Tyresö.

Was gab es sonst noch? Interessant, dass sich Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir sehr selbstkritisch gab und vor allem für 2014 weniger „Mädchenprobleme“ wünschte. Ein zarter Hinweis darauf, dass es in der Mannschaft 2013 betriebsklimatische Probleme gab, die zum schlechten Abschneiden beitrugen.

Man fragt sich ja immer, warum es in der ersten und zweiten Liga jeweils nur eine Trainerin unter lauter Männern gibt. Vielleicht haben Gunnarsdottir und die Zweitligatrainerin und Ex-Nationalspielerin Linda Fagerström (Trainerin bei Jennifer Meiers letztem Verein Bollstanäs SK) darauf eine Antwort gegeben, denn auch Fagerström sagte, dass es „verdammt schwer“ sei, „eine Truppe Mädels zu bändigen“.

Über das Publikumsproblem wurde diskutiert und Victoria Sandell Svensson meinte, darüber würdn wir jedes Jahr reden und dabei sei es einfach so, dass viele Schweden im Sommer zu ihren Hütten fahren und den Fußball sein ließen. Ihr Ex-Clubchef und jetzige Präsident des EFD Per Darnell sagte, man habe eigentlich schon alles probiert und wisse auch nicht so genau, woran es liegt, man habe tolle Stadien… Hallo?

Ich habe keine Probleme mit den Sportplätzen und Stadien, aber vom Wohlfühlfaktor der bei der EM letztes Jahr benutzen Männerstadien sind die Frauenarenen doch noch weit entfernt. Aber vielleicht ist es Murphy’s Gesetz. Da sagte einer, er ginge nicht hin, weil da so wenig Zuschauer seien und auf die Frage, ob er denn selber hingehe, sagte er nein.

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage skizzierte den Weg nach Kanada 2015

Pia Sundhage hatte einen Auftritt und beschrieb den Weg der Nationalelf nach Kanada. Sie wolle enger mit den Vereinen zusammenarbeiten und will alle Clubs besuchen und auch das Training anschauen. Eigentlich wünscht sie sich, dass Blöcke der Nationalelf in schwedischen Vereinen spielen, aber sie ahnt wohl, dass das nicht mehr geht.

Und so endete der Tag dann mit der Gelegenheit, Interviews zu machen und die streue ich in den nächsten Tagen hier ein.

Am Sonntag spielt dann Meister Rosengård in Solna bei Aufsteiger AIK und die Liga startet in die neue Saison.

Kein Geld für Marta und Caroline Seger

Tyresös Präsident Hans Lindberg teilte vor wenigen Minuten mit, dass der Verein im Rahmen seiner Rekonstruktiion konstatieren muss, dass man bei den gegenwärtigen Gehältern keine Möglichkeit hat, Marta und Caroline Seger nach dem Auslaufen der Verträge Ende Juni zu behalten.

Beide Spielerinnen würde man deshalb erlauben, bereits Ende Mai den Verein zu verlassen, um eventuell in die USA zu wechseln.

Gestern Abend wurde bekannt, dass Vero Boquete zu Portland Thorns in die NWSL wechselt, wo sie ab 01.07. unter Vertrag ist.

Afrikanisches Rätsel

Auch elf Tage nach dem zunächst drei Monate verlängerten Fortbestehen der Firma Tyresö Fotboll AB, die die A-Mannschaft von Tyresö FF betreibt, bleibt allen Beobachtern weiterhin ein Rätsel, welches afrikanische Land mit welchem Projekt den Schwedinnen vier Millionen Kronen netto noch in diesem Jahr bringen soll.

War am Ende alles ein Bluff des Vorsitzenden Hans Lindberg und seiner Gefolgschaft, um das Team ins Champions-League-Finale am 22.05. in Lissabon zu retten? In den im April anstehenden Halbfinals gegen den überraschend weitergekommenen vermeintlich schwächeren englischen Verein Birmingham City jedenfalls muss die derzeit aus Steuergeldern finanzierte Supertruppe als haushoher Favorit gelten. Kaum zu glauben, dass es den Engländerinnen gelingen könnte, der „gedopten gelben Lokomotive“ (Simon Bank, Aftonbladet) ernsthaft Widerstand zu leisten.

Fotbollskanalen, der dem TV4-Imperium angehörende Kanal hat sich noch einmal mit dem Steuerbeamten Göran Källqvist unterhalten, dessen Nachgeben am 20.03. erst das Halbfinale möglich machte.

„Wenn die nicht mit mehr Informationen kommen, wird es schwer fallen zu glauben, dass sie ihre Schulden bezahlen können,“ so Källqvist nun, nachdem sich der 71-Jährige Vereinspräsident Lindberg statthaft weigert, Details der angeblich millionenschweren Zusammenarbeit bekannt zu geben.

„Im Augenblick kann ich nichts sagen,“ so seine Standardantwort. Und auf die Zusatzfrage, ob denn alles feststehen werde, wenn man sich am 5. Juni wieder vor Gericht treffen werde, antwortet er fast schon dreist: „Jetzt stellen Sie wieder eine Teilfrage. Ich beantworte keine Teilfragen.“

Die Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Staat, den man noch nicht nennen könne (Expressen vermutete die Diktatur Äquatorial-Guinea), habe plangemäß nach dem CL-Viertelfinale begonnen, so Lindberg.

Ich vermute: Man will sich zum Sieg in der Champions-League durchkämpfen und hofft dann auf das Wunder, das man (UEFA, schwedischer Fußballverband, Sponsoren…) eine Mannschaft, die gerade Europas wchtigsten Titel gewonnen hat, retten will. Irgendwie. Vielleicht. Ja sicher.

Rettet Äquatorialguinea Tyresö?

Heute meldet die Zeitung Expressen unter Berufung auf Quellen, die dem Verein nahestehen, was es mit dem geheimnisumwobenen afrikanischen Entwicklungshilfeprojekt auf sich hat, zu dem der in Personalunion als Vorsitzende von Tyresö FF und gleichzeitig Chef der in der Rekonstruktion befindlichen TYresö Fotboll AB agierende Hans Lindberg nichts sagen wollte.

4 Millionen Kronen Nettoeinnahmen pro Jahr sollen Tyresö nun retten. Geld, das offenbar aus Äquatorialguinea stammt, das nach einem Militärputsch im Jahr 1979 von Teodoro Obiang autoritär regiert wird. Obiang wurde zuletzt 2009 mit überzeugenden 95,4% der Stimmen als Präsident vom Volk wiedergewählt. Der 71-Jährige gilt als eines der reichsten Staatsoberhäupter Afrikas.

Das mit Tyresö gemeinsame Projekt soll schon am Tag nach dem CL-Viertelfinale in Neulengbach beginnen. Am Sonntag wird bereits eine Delegation aus Äquatorialguinea das Spiel Tyresö FF – SV Neulengbach besuchen. In Tyresö soll eine Fußballakademie gegründet werden, zu der in mehreren Lehrgängen innerhalb der kommenden vier Jahre Mädchen aus Äquatorialguinea kommen, um in Tyresö zur Schule zu gehen und sich im Fußballspielen weiter ausbilden lassen sollen.

Wegen dieses Projektes hat das Finanzamt Tyresö weitere Zeit eingeräumt, an der Rekonstruktion zu arbeiten. Pikanterweise ist die Frist verlängert bis zum 72. Geburtstag des mutmaßlichen Diktators am 05. Juni 2014. Der Vertreter der Finanzbehörde Göran Källqvist zu Expressen: „Weil es jetzt ein Projekt gibt, das Tyresö Geld bringen kann, geben wir Tyresö drei Monate, um herauszufinden, ob das Projekt eine Zukunft hat.“

Ob das denn nicht ein bisserl gewagt sei, da ja noch nichts offiziell sei um das Projekt mit Äquatorialguinea, wollte Expressen wissen. Källqvist: „Wir verlassen uns darauf, dass wir es mit einem ehrenwerten Vorsitzenden zu tun haben und dass das Projekt das Geld bringt, von dem die Rede ist.

Expressens Konkurrent Aftonbladet behauptet zu wissen, dass es sich nicht um Äquatorialguinea, sondern um ein anderes afrikanisches Land handele und beruft sich auf zuverlässige Quellen aus dem Verein. Wir dürfen weiterhin gespannt sein.

Leider verpasse ich das Spiel in Tyresö am Sonntag, da ich beruflich verhindert bin.

Geht Tyresö heute in Konkurs?

Die Nachrichtenlage am Donnerstag ist hektisch. Vor einer knappen Stunde meldeten viele Medien, darunter seriöse Zeitungen wie Dagens Nyheter oder Sportportale wie der große Fotbollskanalen, dass die Tyresö Fotboll AB heute in Konkurs versetzt wurde bzw. wird. Das würde den Zusammenbruch der Mannschaft noch vor dem Viertelfinale in der Champions League am Sonntag bedeuten. Offenbar ist das schwedische Finanzamt Skatteverket nicht bereit, die mehreren Millionen Steuerschulden zu erlassen bzw. eine Lösung dafür zu finden.

Würden die Schulden erlassen, so bedeutete dies nach schwedischem Recht den sogenannten „ackord“ und damit den Abstieg des Teams 2015. Man muss also eine Zwischenlösung finden, die das Schuldenproblem löst, ohne dass die Schulden abgeschrieben werden.

Den gemeldeten Konkurs dementierte Tyresö FF inzwischen auf das Heftigste und hat wohl auch Recht. Die Entscheidung des Gerichts fällt erst um 15.00 Uhr.

Hans Lindberg, Vorsitzender sowohl von Tyresö FF als auch von der ominösen Tyresö Fotboll AB, um die es jetzt geht, sagte inzwischen der Zeitung Aftonbladet, dass man zuversichtlich ist, durch ein Projekt im Rahmen humanitärer Zusammenarbeit mit einem afrikanischen Staat vier Millionen Kronen pro Jahr auf drei Jahre zu bekommen und dass man über diesen Weg die Rettung der Gesellschaft versuche.

Es bleibt also spannend.

Tyresö hat 882.000 € Schulden – kommt der Zwangsabstieg?

Marta am Boden. Caroline Seger will helfen. Zusammen verdienen sie 28.000 € im Monat in einem hochverschuldeten Verein

Marta am Boden. Caroline Seger will helfen. Zusammen verdienen sie 28.000 € im Monat in einem hochverschuldeten Verein

Das Amtsgericht in Nacka hat einen Rekonstruktionsverwalter auserkoren, der jetzt dabei ist, die finanzielle Situation der Tyresö Fotboll AB zu untersuchen, die die A-Mannschaft von Tyresö FF betreibt. Hans Ödén heißt der und der Zeitung Expressen sagte Ödén nun, dass sich die Verbindlichkeiten nicht auf die bislang genannten 4,5 Millionen Kronen beschränken, sondern vielmehr 7,8 Millionen (882.000 €) betragen.

Alle Ausgaben, die der Verein während der maximal sechs Monate dauernden Zeit der Rekonstruktion hat, müssen nach den Regeln in bar getätigt werden. Momentan hat man kein Bargeld, Rechnungen sind verschickt und die Tyresö Fotboll AB, deren Vorsitzender Hans Lindberg gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins Tyresö FF ist, hofft, dass die Rechnungen bald bezahlt werden, damit man für das in neun Tagen bevorstehende Heimspiel in der Champions League gegen den SV Neulengbach einkaufen kann.

Hans Löfgren (mit Mütze) bedankt sich mit Blumensträußen bei den Schiedsrichtern nach dem letzten Heimspiel gegen Göteborg im Oktober 2013 - offiziell hat er keine Rolle im Verein

Hans Löfgren (mit Mütze) bedankt sich mit Blumensträußen bei den Schiedsrichtern nach dem letzten Heimspiel gegen Göteborg im Oktober 2013 – offiziell hat er keine Rolle im Verein

Der Mann im Hintergrund, Hans Löfgren, hält sich derweil äußerst bedeckt. Seit seiner im April Verurteilung 2012 für den in Schweden verbotenen Kauf sexueller Dienste, tritt Löfgren in den Medien selten bis gar nicht in Erscheinung. Es ist jedoch in Frauenfußballkreisen in Schweden unstrittig, dass keine Entscheidung in Tyresö ohne Löfgren gefällt wird. Der 48-Jährige ist Gründer und Chef des Stockholm Business Network, einer Wirtschaftsvereinigung, die hinter dem Verein Tyresö FF steht, von der Webseite des Vereins verlinkt ist. Löfgren hat auch nach seinem angeblichen Rückzug weiterhin Verhandlungen mit Spielerinnenagenten geführt, Fanfahnen getragen und verteilt und ist bei jedem Spiel der Mannschaft Regisseur und Strippenzieher. Hans Löfgren müsste jetzt Geld locker machen, die Frage ist, ob ihm das gelingt. Ob er es überhaupt will, nachdem nun wohl allmählich klar wird, dass das große Geld nicht mehr weiter zu verdienen ist?

Die Bestimmungen des schwedischen Fußballverbands sehen vor, dass ein Verein, der im Laufe einer Rekonstruktion die Abschreibung der Schulden beantragt, in der nächsten Saison eine Klasse tiefer spielen muss.

Rekonstrukteur Hans Ödén: „Die werden niemals alle Schulden bezahlen können, es wird wohl auf einen Antrag auf Abschreibung hinauslaufen müssen.“ Behält Odén Recht, muss Tyresö 2015 eine Klasse runter.

Die Verträge von Marta, Veronica Boquete und Caroline Seger laufen bis Ende Juni. Ende Mai, spätestens Ende Mai, verlassen Christen Press, Meghan Klingenberg und Whitney Engen den Verein. Die vier Brasilianerinnen Rilany, Thaysa, Fabiana und Mayara haben zwar alle einen Zweijahresvertrag mit einem monatlichen Gehalt um 3.500 € pro Nase, aber keine einzige von ihnen dürfte den Schritt in die zweite Liga mitmachen.

 

 

Tyresö Fotboll AB in großen Schwierigkeiten

meghan

Tyresö (hier Meghan Klingenberg) im freien Fall?

Was für ein Glück, dass man vor zwei Jahren die A-Mannschaft von Tyresö FF wirtschaftlich vom restlichen Verein abgekoppelt hat und die Tyresö Fotboll AB gegründet hat. Denn diese Firma, die das Team des Vizemeisters und Champions-League-Viertelfinalisten betreibt, steckt offenbar nun in sehr ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Aufgedeckt wurde das von der Lokalzeitung Mitt i Tyresö. („Tyresös Frauenmannschaft droht der Gerichtsvollzieher„).

Nach Angaben der Zeitung hat die TFAB (Tyresö Fotboll AB) von der Gemeinde eine einmalige Hilfszahlung von 2,7 Millionen SEK (304 480 €) beantragt, um dringende finanzielle Probleme zu lösen. Am Montag, den 24.02. habe die Gemeinde das aber abgelehnt. Beim Finanzamt hat die TFAB eine Steuerschuld in Höhe von 167.000 €. Die war am 12.02. fällig und ist noch nicht bezahlt.

Weitere 95.000 € Schulden liegen schon beim Gerichtsvollzieher (‚kronofogden‘) und auch der Termin dieser Schuld ist verstrichen. Von dort war zu hören, dass man in Kürze mit einer Untersuchung beginnen werde, inwieweit die Schulden durch Pfändungen eingetrieben werden können.

Der Vorsitzende von Tyresö FF, der gleichzeitig Vorsitzender von Tyresö Fotboll AB ist, Hans Lindberg, sagte der Zeitung, dass die finanziellen Probleme einerseits durch ausgefallene Sponsoreinnahmen und andererseits durch den Bau einer zusätzlichen Tribüne am Tyresövallen zu erklären seien.

Mitt i Tyresö zufolge hat die Gemeinde Tyresö im Rahmen der Überprüfung des Hilfeersuchens der Aktiengesellschaft TFAB die Bücher der Firma durch Revisoren überprüfen lassen. Diese hätten viele Unregelmäßigkeiten gefunden und nach Angaben zweier Quellen, die unabhängig voneinander befragt wurden, belaufen sich die Verbindlichkeiten der Gesellschaft auf 5 Millionen Kronen (564 000 €). „Der Bericht der Revisoren schlug wie eine Bombe ein,“ wird eine anonyme Quelle zitiert. „Das ist eine enorme Suppe und die Lage ist sehr ernst. Ein Rätsel ist, warum die Gesellschaft die Ausgaben nicht schon früher gestoppt hat. Wenn hier keiner mit Geld einsteigt, gibt es einen Konkurs.“

Hans Lindberg hat bestätigt, dass TFAB die Gehälter der Spielerinnen nicht rechtzeitig überweisen konnte, bestreitet aber die Summe von 5 Millionen Kronen.

Inzwischen teilte Tyresö FF auf seiner Facebook-Seite mit, dass man die sogenannte „Rekonstruktion“ der Gesellschaft beantrage. Auch in dieser Erklärung ist wieder von ausgeblieben Sponsoreinnahmen und dem Bau der zusätzlichen Tribüne die Rede. Hinzugefügt wird: „Während des Jahres 2013 verringerten einige größere Sponsoren ihre Zuwendungen und einige Sponsoren entschieden sich, auszusteigen. Diese vermissten Millionen konnte die Gesellschaft während des Jahres nicht mehr ausgleichen.“

Und weiter: „Eine Maßnahme für 2014 war, den Kader zu verringern und die Vertragslage zu analysieren, was in einer wesentlich geringeren Truppe resultierte, gleichzeitig blieb jedoch das Ziel, ein Champions League-Finale zu erreichen.“

Das ist, mit Verlaub gesagt, blanker Unsinn. Nun verkauft man den von der NWSL erzwungenen Abgang von Ali Krieger und Ash Harris ebenso mit Sparmaßnahmen wie den Weggang von Caroline Graham Hansen, Jennifer Hermoso Fuentes und spätestens im Mai Christen Press, Whitney Engen und Meghan Klingenberg.

Um den weiteren Betrieb garantieren zu können, so schließt man in der Mitteilung, beantrage man die Rekonstruktion.

Noch vor einem Jahr kritisierte Hans Lindberg den Topkonkurrenten LdB FC Malmö scharf, weil er sich subventionieren lasse. Tyresö, so Lindberg damals sinngemäß, sei kerngesund und man müsse mit einem subventionierten Gegner konkurrieren, der über seine Verhältnisse lebe und darin noch unterstützt werde. Nun möchte derselbe Lindberg die Hilfe des Steuerzahlers in Anspruch nehmen, um die Champions League gewinnen zu können. Das ist schon etwas absurd.

Tyresö behauptet, man würde sparen und hat, wohl um die Situation wissend, im Januar vier Brasilianerinnen verpflichtet, davon drei Nationalspielerinnen. Hinzu kam die finnische Nationaltorhüterin Tinja-Riikka Korpela.

Die Rekonstruktion, die Tyresö nun beantragt, ist eine mildere Form des Konkurses. Das Unternehmen, dessen Rekonstruktion bewilligt wird, erhält eine Art Verwalter durch das zuständige Gericht. Der Betrieb kann im Rahmen einer Rekonstruktion jeweils immer nur um drei Monate verlängert werden. Danach muss neu geprüft und entschieden werden. maximal kann sich ein Unternehmen ein Jahr lang in diesem Zustand befinden. Während dieser Rekonstruktionszeit darf nicht gepfändet werden, wobei man sich im Falle Tyresös sowieso fragen kann, ob man Spielerinnen wie Marta oder Caroline Seger pfänden kann.

Öffentliche Ankündigungen, dass Frauenfußballvereine in Finanznot sind haben wir in den vergangenen Jahren öfters erlebt. Malmö hat 2012 und 2013 jeweils von einem möglichen Konkurs geredet und hat sich wohl vermutlich nur retten können, in dem man den maroden LdB FC in den FC Rosengård überführt hat. Auch bei KIF Örebro gab es vergangenes Jahr eine dringend benötigte Finanzbeatmung in letzter Sekunde durch die Gemeinde.

In Tyresö geht es durch den Antrag auf Rekonstruktion allerdings schon ein bisschen weiter. Sollte während des nun beginnenden Verfahrens, das wie gesagt maximal ein Jahr dauern darf, zu einem sogenannten „öffentlichen Akkord“ kommen, d.h. sollte es einen speziellen Antrag hierauf geben, der laut Gesetz möglich ist, dann würden die Summen, die TFAB seinen Gläubigern zahlen muss, deutlich reduziert. Es käme zu einem Vergleich. Dessen Folgen allerdings wären hart: Laut den Wettbewerbsbedingungen für 2014 des schwedischen Fußballverband, wird ein Verein, der es zu einem Vergleich kommen lässt, in der kommenden Saison um eine Klasse tiefer gestuft, d.h. schlimmstenfalls könnte ein potentieller Champions-League-Sieger Tyresö FF 2015 in der Elitettan und damit zweiten Liga spielen.