Schweden dreht 0:2 gegen Norwegen

Für das erste Länderspiel in der WM-Saison 2015 hatte Pia Sundhage vor, vor allem junge Spielerinnen einzusetzen, aber schon vorher hagelte es Absagen und dann vor Ort mussten auch noch Fridolina Rolfö und Caroline Seger ihre Einsätze wegen Verletzungen bzw. Verletzungsgefahr absagen.

Schweden begann als die dominierende, ballführende Mannschaft, ohne jedoch zu deutlichen Torchancen zu kommen. Stattdessen nutzten wachsame Norwegerinnen die zu Beginn teils eklatanten Schwächen der schwedischen Abwehr gnadenlos aus. Da funktionierte die Abstimmung zwischen Außen- und Innenverteidigung ebensowenig, wie die zwischen Torfrau und Viererkette. das 0:1 durch isabell Herlovsen ging auf Schlussfrau Carola Söbergs Kappe, die im Strafraum herumirrte und durch einen leichten Heber der in Mönchengladbach geborenen Stürmerin von Lillestrøm ausgetrickst wurde. Wenig später dann das 0:2 als Nilla Fischer in selten zu beobachtender Fehleinschätzung einen Ball hinter die zentrale Verteidigung völlig falsch beurteilte und abermals Herlovsen das 0:2 markieren konnte.

Nach vorne ging nur wenig, Kosovare Asllani war unsichtbar mit einer Ausnahme, als sie halbrechts vorm Tor zu einer Schussposition kam und Zeit hatte, aber nur einen kläglichen Abschluss direkt in die Arme von Routinier Ingrid Hjelmseth zustande brachte.

In der Halbzeitpause dann der Beginn der Wende von La Manga: „Als wir 0:2 zurücklagen, haben wir darüber gesprochen, dass wir dieses Spiel absolut drehen wolten,“ so Asllani auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands. Und die in der ersten Halbzeit noch so blasse Spielerin von Paris SG glänzte in den zweiten 45 Minuten. Zunächst erzielte sie nach ebenfalls einfachen Fehlern nun der Norwegerinnen beide Tore zum 2:2-Ausgleich und dann legte sie auch noch Lotta Schelin zu ihrem 74. Länderspieltor und Siegtreffer auf. Da nützte es auch nichts mehr, dass die Norwegerinnen in den letzten zehn Minuten, u.a. mit der nun eingewechselten Ada Hegerberg gewaltig anrannten.

Lotta Schelin: „Toll gegen Norwegen nach so einer Wende zu gewinnen. Das ist gut fürs Selbstvertrauen.“ Recht hat die 30-Jährige Stürmerin von Olympique Lyon. Nilla Fischer nahm die Schuld für das 0:2 sportlich auf sich: „Da übernehme ich die Verantwortung, ich habe nicht schnell genug reagiert, glaubte, ich käme noch an den Ball ran, der aber dann über mich ging. Deshalb war es besonders schön, dass wir in der zweiten Halbzeit zurückkamen und gewonnen haben.“

Beste Schwedin an diesem Abend: KIF Örebros Neuzugang Hanna Folkesson, die unermüdlich rackerte.

„Wir gingen mit der Hoffnung auf ein gutes Resultat in die Pause,“ sagte Trainer Evan Pellerud auf der Homepage des norwegischen Verbands. Das haben wir nicht bekommen und das ist sehr irritierend, wenn man so eine sichere Führung aufgibt. Es war ein ausgeglichenes Spiel, aber die Schwedinnen zeigten Willen und waren gut. Ein gutes Spiel, das auch unentschieden hätte enden können.“

„Es ist bnlöd, Spiele zu verlieren, über die man in der ersten Halbzeit noch gute Kontrolle hatte,“ sagte Goalgetterin Isabell Herlovsen.

Algarve und Zypern, Tag 1

Norwegen, Dänemark und Finnland können mit dem ersten Spieltag der Turniere an der Algarve bzw. in Zypern zufrieden sein. Vor allem die Norwegerinnen sorgten für einen kleinen Paukenschlag durch ihren 2:0-Sieg gegen den amtierenden Weltmeister und Olympiazweiten Japan. Dabei erzielten die Teenager Caroline Graham Hansen (18) und Ada Hegerberg (17) die Tore für den rechtzeitig im Europameisterschaftsjahr wiedererstarkten ehemaligen Weltmeister (von1995, damals allerdings mit demselben Trainer wie heute Evan Pellerud).

Norwegen ist damit seit einem Jahr (und der Niederlage gegen Dänemark an der Algarve 2012) unbesiegt. In den zwölf Spielen seitdem gab es zehn Siege und zwei Unentscchieden. Allerdings war Japan jetzt der erste Top-10-Gegner, den man seit dem Viertelfinalsieg über Schweden bei der EURO 2009 in Finnland geschlagen hat.

Finnland holte ein Unentschieden gegen EURO-09-Halbfinalist Holland und war nah am Sieg. Sanna Talonen hatte das Führungstor erzielt, das erst sieben Minuten vor Schluss ausgeglichen wurde.

Dänemarks gutes 0:0 gegen ein eher blasses Deutschland braucht aus deutscher Sicht hier nicht kommentiert zu werden. Das haben alle Frauenfußballseiten in Deutschland bereits geleistet.

Islands 0:3 gegen die Olympiasieger und Weltranglistenersten USA ist sicher standesgemäß.

Bleibt das Spiel der schwedischen Mannschaft gegen China. Mehr als ein mageres 1:1 gege China (Torschützin: Sara Thunebro) hatte man sich sicher schon erwartet. „Ich hätte nie gedacht, dass eine schwedische Mannschaft unter Pia Sundhage so schwach spielt,“ sagte mir heute Abend eine ehemalige Spielerin etwas enttäuscht.

Sara Thunebros Situation in Frankfurt wird von Expressen beleuchtet. Keine einzige Spielminute dort, aber ein Stammplatz in der schwedischen Nationalmannschaft als linke Außenverteidigerin. „Es gibt harte Konkurrenz um diesen Platz in Frankfurt und unser Trainer bevorzugt einen anderen Spielertypus,“ sagt die 33-Jährige.

Sundhage will die ehemalige Djurgården-Spielerin in allen Begegnungen an der Algarve einsetzen: „Wir haben in Schweden niemanden auf dieser Position, der besser ist als Sara. Manchmal macht sie jedoch Fehler in der Einschätzung von Abständen und das ist ein typisches Zeichen für fehlende Spielpraxis. Du wirst unsicher, aber heute ist Sara meine erste Wahl,“ so Sundhage zu Expressen.

„Mein Vater sagt oft, dass ich öfters schießen sollte, und heute habe ich das getan. Ich denke mal, dass er zufrieden ist. Selber bin ich in erster Linie sauer, dass wir zwei Punkte verloren haben,“ so Thunebro.

Scharfe Kritik übte Pia Sundhage an ihrer Torhüterin Kristin Hammarström. Die Göteborgerin solle nach Hause fahren und das Spiel mit den Füßen trainieren. „Das muss sie jetzt lesen und akzeptieren können. Kann sie das nicht, dann kann sie auch keine EM spielen,“ so Pia Sundhage gegenüber Aftonbladet.

„Als ich Trainerin von KIF Örebro war [2006] hatte sie einen Wahnsinnsschuss. Den hat sie verloren. Meine Forderung ist, dass sie das Spiel mit den Füßen verbessert. Das ist so wichtig. Sie muss nach Hause fahren und das trainieren. Natürlich haben wir darüber gesprochen. Ich will nicht sagen, warum, aber das ist schlechter geworden. Ich habe sie in Hallenturnieren Tore schießen sehen, aber das ist verschwunden. Das war mal ihre Stärke und dafür braucht sie keinen Schusstrainer. Sie soll verdammt nochmal einfach trainieren.“

Pia Sundhage ist gnadenlos offen, heute wurde sie von Expressen zur Frau des Jahres 2012 ausgerufen. Sie hat in Schweden inzwischen den Höhepunkt ihrer Popularität erreicht.

Kristin Hammarström hat gesagt, dass sie das Problem ihres angeblich zu schlechten Spiels mit den Füßen nicht sieht. Aber dass sie selbstverständlich bereit sei, mehr Fußarbeit zu trainieren.

Mal sehen, wie das gegen Island läuft.