Frankreich

Die französische Saison endete am nächsten Wochenende, aber die Elf der Saison wurde bereits veröffentlicht, ihr gehören gleich sechs Spielerinnen vom UWCL-Finalisten Olympique an, keine Schwedin, dafür aber die überlegene Siegerin der Torschützenliste Ada Stolsmo Hegerberg aus Norwegen, die 33 Tore in 21 Spielen erzielte. Hegerberg liegt damit 18 Tore (!) vor der Brasilianerin Cristiane (PSG) und 19 vor Lotta Schelin aus dem eigenen Team.

Anja Mittag (PSG) traf neun Mal, Sofia Jakobsson (Montpellier) erzielte acht Tore. Lyons deutsche Spielerin Pauline Bremer traf immerhin fünf Mal.

Die Assistliste führt Lyons Camille Abily an (13), vor ihren Mannschaftskameradinnen Louise Necib (11) und Eugenie Le Somer sowie Elodie Thomis (je 9).

Lyon hat ein Torverhältnis von 114: 3 und könnte noch die 120er Grenze passieren, obwohl der letzte Gegner am Samstag Montpellier sein wird. Schon der Tabellenfünfte Rodez hat ein negatives Torverhältnis, weil halt alle Vereine hohe Niederlagen gegen Lyon und auch PSG beziehen. Das spricht nicht für die Stärke und Ausgeglichenheit einer Liga, die zwei europäische Topvereine hat, wobei Lyon allerdings noch einmal in einer eigenen Klasse spielt.

 

 

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Russische Profiträume – Sofia Jakobsson packt aus

Dieses Interview hätte ich gerne selber geführt. Nachdem Sofia Jakobsson wochenlang mehr oder weniger verzweifelt versucht hat, ihren russischen Club Rossiyanka zu verlassen und letztlich bei Chelsea London landete und dann auch noch Linnés Liljegärd mit dem russischen Meister brach, konnte man sich an den Fingern einer Hand abzählen, dass da einiges vorgefallen sein muss.

Bislang hat Jakobsson geschwiegen oder niemand hat sie danach gefragt. In einem Interview mit der Seite Fotbollskanalen des TV4-Imperiums hat Sofia Jakobsson jetzt breit und ausführlich über Russland gesprochen.

Im Sommer 2011, so erzählt Jakobsson dem Fernsehsender, tauchte Rossiyankas damaliger Trainer Farid Benstiti (früher Lyon und jetzt Paris) auf in Umeå und machte der jungen Schwedin sportliche Avancen. Er solle in Russland eine Weltklassemannschaft aufbauen und man wolle ganz hoch hinaus. Jakobsson behauptet heute, dass sie erst sehr zögerlich war, ablehnen wollte. Aber der Promi mit Frankreich-Hintergrund und seine Zukunftsvisionen, die er mit ihr verbinden wollte, schmeichelte ihr dann doch.Das Gehalt war sensationell und als Rossiyanka auch bereit war, 400.000 Kronen Ablöse an Umeå zu zahlen brachen die Dämme. Der Vertrag kam zustande.

In ihrem Vorort, nordöstlich von Moskau, lebten die Spielerinnen das gute Leben, das man heute in Russland leben kann. Schöne Wohnungen, eine internationale Athmosphäre mit vier Brasilianerinnen, darunter Weltklassespielerin Cristiane und eine Südafrikanerin, mit der sich Sofia anfreundete. Die Spielerinnen unternahmen Dinge in der Freizeit, registrierten die großen Unterschiede in der russischen Gesellschaft in Krasnoarmejsk, aber sie waren Profis und lebten ihren Traum.

Sofia Jakobsson sagt heute, dass die Qualität, das Talent vieler russischer Spielerinnen hoch sei, dass sich viele ihrer ehemaligen Mannschaftskameradinnen auch in der Damallsvenskan gut behaupten könnten. Das ist sowieso ein Punkt, den ich nicht verstehe, kleiner Exkurs: Warum holt man nicht öfters osteuropäische Spielerinnen nach Schweden? Sie sind talentiert, billiger als Amerikanerinnen und Afrikanerinnen und oft leichter zu integrieren.

Vor der Olympiapause verlängerte Sofia ihren Vertrag in Moskau um ein weiteres Jahr. Und als sie aus London bzw. Schweden nach dem Sommerurlaub zurückkam, war auf einmal alles anders. Farid Benstiti war nicht mehr da, er war von Paris SG abgeworben worden und auch die vier Brasilianerinnen hatten bereits die Koffer gepackt und Russland auf Nimmerwiedersehen verlassen.

Das Training übernahm der Sohn eines Vorstandsmitglieds und was Jakobsson derm Fernsehsender erzählt, so hätte wohl auch ich das Training übernehmen können, es wäre kaum schlechter gewesen.

„Es war fast wie eine Rückkehr zum Kinderfußball und für mich war das einfach nicht seriös,“ sagt Jakobsson dem Fernsehsender TV4. „Ich habe keine Ahnung, ob dieser Sohn irgendeine Fußballausbildung hatte, aber ich glaube es nicht. Er hatte einfach nicht die Art Übungen.“

Jakobsson packte langsam die Panik. Hier war sie in einem inzwischen runtergekommenen Verein und in Schweden löste Pia Sundhage Thomas Dennerby ab. Sofia sah ihre EM-Chance, noch dazu beim Turnier im eigenen Land, in großer Gefahr. Sprach mit Rossiyankam, bat entlassen zu werden. Dort zeigte man Verständnis, sagt sie, aber sie müsse ausgelöst werden aus dem Vertrag. Inzwischen war auch noch Göteborgs Linnéa Liljegärd eingetroffen, die Jakobsson in dem Interview merkwürdigerweise mit keinem einzigen Wort erwähnt.

In Moskau wusste man, dass die Schwedin weg will und setzte sie auf die Bank. Und manchmal nicht mal das. Nun hatte sie ein grottenschlechtes Training und dazu noch keine Spielpraxis. Dann kam ein deutscher Trainer (Achim Feifel, früher Hamburger SV), der Disziplin als Waffe benutzte, so der Artikel. Da er sich kaum mit dem Team verständigen konnte, hätte er oft „stopp, stopp, stopp“ über den Platz geschrien und als disziplinarische Maßnahme serienweise Strafrunden laufen lassen.

Ende Januar dann gelang der Schwedin der Absprung nach England, wo sie jetzt für Chelsea London spielen wird. Die Engländer zahlten eine Ablöse, von der es heißt, dass sie deutlich geringer war als die ursprüngliche Kaufsumme.

Cristiane vor Prinz

Die Brasilianerin Cristiane, die mit Sofia Jakobsson zusammen bei Rossiyanka in Moskau spielt, ist mit nunmehr 12 Toren bei drei olympischen Spielen die beste Goalgetterin aller Zeiten bei Olympischen Spielen. Birgit Prinz erzielte zehn Treffer bei Olympia.

Vor gut zwanzig Minuten machte Cristiane ihr 12. Tor gegen Neuseeland, das Brasilien zum glücklichen 1:0 Sieg reichte. Ein insgesamt sehr langweiliges Spiel, in dem Neuseeland kämpfte bis zum Umfallen und am Ende das Pech des Tüchtigen hatte. Martas Freistoß landete bei Cristiane, die den Ball über die herauseilende Jenny Bindon zum 1:0 versenkte. Bindon ist mit ihren 39 Jahren die älteste Spielerin im Turnier.

 

Halbzeit (2):LdB FC Malmö

Therese Sjögran fällt für den Rest der Saison aus – wer wird sie ersetzen?

Zweimal habe ich den amtierenden Meister LdB FC Malmö in dieser Saison „live“ gesehen. Einmal am Tyresövallen gegen den großen Herausforderer und einmal auf Skytteholms IP in Solna beim stark abstiegsgefährdeten AIK.

Beide Spiele hat Malmö mit 0:2 verloren, es waren die einzigen Niederlagen, ansonsten hat man nur gewonnen, neun Mal. Konsequenz? Sollte ich Stadionverbot bekommen, wenn Malmö sich irgendwo zeigt? Vielleicht.

Nach zahlreichen Abgängen, vor allem von Torschützenkönigin Manon Melis hatte man sich gefragt, wer die Nachfolge der Holländerin antreten könnte. Kaum Ramona Bachmann, die an guten Tagen zum Besten gehört, was diese Welt in Sachen Frauenfußball zu bieten hat, aber die bislang nicht als Torschützin in Serie von sich reden machte. Peter Moberg, der neue Trainer Malmös, sagte nach den ersten Testspielen, dass er sicher sei, dass die nach einer gefühlten Ewigkeit in Potsdam nach Schweden übergesiedelte Anja Mittag Tore in Serie produzieren würde, wenn erst mal der Knoten platzen würde.

Dass es dann tatsächlich so kam, haben nicht alle erwartet. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Die 27-Jährige Chemnitzerin, die 2011 für sie sehr schmerzhaft am Kader der Silvia Neid für die WM in Deutschland vorbeischrammte, ist in der Halbzeitpause der Liga als Spielerin der Saison angekommen. 13 Tore in elf Spielen, dazu immerhin vier Assists, meistens für die frischgebackene U19-Europameisterin Elin Rubensson sprechen eine deutliche Sprache. Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir brachte es auf Twitter auf den Punkt: „Anja Mittag ist eine der intelligentesten Stürmerinnen der Welt, schon immer ein persönlicher Favorit.“

Ramona Bachmann brauchte etwas länger, wurde am Anfang durch eine Fußverletzung behindert, die sie sich in der Vorbereitung zugezogen hatte. Aber jetzt ist die Schweizerin da und dieses Duo, oder besser Trio Bachmann – Mittag – Rubensson gehört zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Nicht vergleichbar mit Marta – Vero – Seger, vor allem die beiden Erstgenannten sind in Sachen Technik eine Klasse für sich, aber BMR spielen zusammen, füreinander, miteinander, das vermisst man oft schmerzlich bei den Spielerinnen aus Tyresö.

Apropos Verletzungen. Malmö hatte zwei Kreuzbandrisse zu verzeichnen. Zuerst Frida Nordin, das Arbeitstier in Abwehr und Mittelfeld, im Mai 30 Jahre alt geworden und dann die Grand Old Lady Therese Sjögran, 35 Jahre alt, im Training verletzte sich die Nationalspielerin, die nun definitiv nicht mehr an einer Olympiade teilnehmen wird in ihrer langen Karriere. Nordin wurde schnell ersetzt durch die neuseeländische Weltklassespielerin Al Riley, deren Vertrag inzwischen bis Ende 2013 verlängert wurde. Riley spielte zuletzt beim WPS-Meister Western New York Flash. Den Verein gibt es zwar noch, aber die WPS ist nach drei Jahren am Ende und die WPSL-Elite-League lockt nicht, so dass Riley ihren Schwerpunkt nach Europa verlagert hat. Für Sjögran sucht der Verein noch nach Ersatz für diese Saison: Tobin Heath war im Gespräch, ebenso Rossiyankas schnelle Schwedin Sofia Jakobsson, die sich aber inzwischen entschlossen hat, weiterhin gutes Geld in Moskau zu verdienen und außerdem mit brasilianischen Weltklassespielerinnen wie Aline und Cristiane weiterzuspielen. Rossiyanka hat Ambitionen in der Champions League und wird sich vielleicht noch weiter verstärken.

Finanziell gab es Turbulenzen, bevor die Saison begann. Man werde es ökonomisch nicht schaffen, schrieb der Verein in einem offenen Brief der Stadt und bei einem Gespräch mit den Funktionären beider Seiten gab es dann Zusicherungen und auch einige Sponsoren wurden durch die Hilferuf-Aktion neu ins Boot geholt. Sicher scheint der Verein aber den finanziellen Anforderungen der mittleren Zukunft nicht unbedingt gewappnet zu sein. Wir werden sicher noch etwas von dieser Front hören in den kommenden Monaten gegen Ende dieser und vor Beginn der nächsten Saison.

Malmö liegt ein Spiel hinter Tyresö und sollte am 15.08. die Tabellenführung bei Djurgården übernehmen. Vieles spricht im Moment tatsächlich dafür, dass Tyresö und Malmö die Meisterschaft unter sich ausmachen werden. Tyresö als der Verein mit den besten Spielerinnen in der Gesamtheit und Malmö als das in dieser Hinsicht knapp dahinter liegende Team, allerdings mit dem besseren Kollektiv. Am 02.11. könnte es demzufolge zu einem Endspiel um die Meisterschaft kommen auf dem Malmö IP und zum ersten Mal könnten zwei Deutsche schwedische Meisterinnen werden: Anja Mittag und Katrin Schmidt.