Halbzeit (7): Piteå IF

Faith Ikidi und AIK:s Susan Varli im Pokalspiel AIK -Piteå (1:3)

Fangen wir gleich mit dem wichtigsten an: Piteå IF steht besser da denn je zuvor. Ein gefestigter siebter Platz und mit dem Abstiegskampf hat man nichts, aber auch gar nichts zu tun. Zum ersten Mal. Frauenfußball ist in Piteå der Sport, der landesweit die höchste Division erreicht hat und vergangenes Jahr war man mit einem Schnitt von 1.700 Zuschauern die Nummer 1 in der Damallsvenskan.

Wo also sind die 600 Zuschauer geblieben, die man im Schnitt verloren hat? Naja, nicht immer nur negativ denken, vielleicht. Aber das ist schon ein immenser Verlujst an Publikum. Für mich ist die Erhöhung der Eintrittspreise die Ursache. Auch wenn ein Teil der Erhöhung dann wieder zurückgenommen wurde. Auch in Piteå ist das Geld knapper geworden, auch wenn das Horrorszenario Dalsjöfors hoffentlich auf lange Zeit einzigartig bleibt. Wichtig ist jedoch, dass man der Mannschaft nicht die Unterstützung durch das Publikum entzieht. Der Zuschauerschnitt wird weiter sinken, denn der Schnitt von jetzt 1100 beruht auch darauf, dass man gegen den „Lokalrivalen“ Umeå IK 2492 Zuschauer hatte, weil alle Teilnehmer der Piteå Summer Games, die an diesem Wochenende stattfanden, freien Eintritt hatten. Ohne diesen Spitzenwert läge man bei 840 Personen.

Jennifer Nobis ist zur mentalen Piteå-Bewohnerin des Jahres gewählt worden. Das hatte ich schon auf Twitter gelesen, dass sich die 28-Jährige Amerikanerin sehr darüber freute, nun in der Gesellschaft von Nelson Mandela und Mutter Theresa zu sein. Hätte nie gedacht, dass diese Beiden mal in diesem Blog Erwähnung finden würden. Mandela und Mutter Theresa allerdings haben nie in Piteå gewohnt, soweit ich weiß, im Gegensatz zu Nobis, die bereits in der dritten Saison beim nördlichsten Club der Liga spielt. Wie auch die Norwegerin June Pedersen, die inzwischen fast akzentfrei Schwedisch spricht nach Jahren in Umeå und Piteå, so gehört Nobis auch schon irgendwie zum Inventar. Mit bislang sechs Treffern spielt sie auch ihre beste Saison.

Sportlich geht es auf und ab für Piteå, aber man hat sich wohl im Mittelfeld der Liga, das allerdings sehr breit ist, etabliert. Nicht oft genug kann man die Nigerianerin Faith Ikidi hervorheben, die nahezu fehlerlos von Spiel zu Spiel agiert und für mich eine der besten Abwehrspielerinnen im internationalen Frauenfußball ist.

Sportlich am wertvollsten war wohl Piteås 2:0-Heimsieg gegen Kristianstad und für das eigene Selbstbewusstsein der 3:1 Heimsieg gegen den Rivalen Umeå, dem man zumindest bis jetzt den Rang als bester Mannschaft Nordschwedens abgelaufen hat. Und das ist in sich sicherlich ein Saisonziel, das neben dem sicheren Klassenerhalt alles andere in den Schatten stellen würde.

Wichtig für Piteå sind insbesondere drei Neuzugänge: Sofie Persson, die nach Jahren in Kristianstad und Tyresö nun endlich zu Hause angekommen ist. Die Architektin hat einen guten Job in Piteå bekommen, hat endlich einmal die Chance, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken, trägt die Nummer 10 und ist gleich Mannschaftskapitänin. Da können wir noch etwas nach oben erwarten. Die Norwegerin Ann Mari Dovland hat sich nach ein paar Spielen Eingewöhnung etabliert und spielt neben Persson eine wichige rolle im Mittelfeld und vorne wird auch die von Umeå gekommene Hanna Pettersson (früher auch Stattena und KIF Örebro) den einen oder anderen Treffer hinzufügen.

Piteå bleibt im gesicherten Mittelfeld, Warnzeichen ergeben sich leider eher aus dem Zuschauerschwund und der wirtschaftlichen Lage. Viele Ausländerinnen kosten viel Geld.

 

 

237 sahen Punkteteilung

Jitex‘ größtes Problem bleibt der Zuschauerzuspruch. 237 für ein Erstligaspiel sind definitiv zu wenig, um nicht zuletzt Sponsoren dazu zu bringen, mehr Geld in die Mannschaft zu pumpen. Denn mit dem Eintrittsgeld von 237 (- wievielen mit freiem Eintritt?) kann man nicht mal eine Saison lang die Trikots der Spielerinnen waschen und bügeln lassen.

Gestern trennte sich Jitex nach zweimaliger Führung mit 2:2 von Piteå IF. Dabei hatten Sofia Karlsson und Katri Nokso-Koivisto die Heimmannschaft jeweils in Führung gebracht, Jennifer Nobis und schließlich Ann-Marie Dovland glichen aus.

Zugänge aus Island und den Niederlanden

Hallberá Gisladottir

An Isländerinnen herrscht in der schwedischen Liga kein Mangel. In Malmö, Örebro, Kristianstad und bei Djurgården war 2011 jeweils mehr als eine Spielerin von der Lavainsel aktiv. Und es gibt immer noch welche, die noch nie in Schweden gespielt haben. Aber es werden weniger. Hallbera Gisládottir wurde schon mit Meister LdB FC Malmö und KIF Örebro in Verbindung gebracht, geht aber nun zum stetig aufrüsten Publikumsmeister nach Piteå.

Die 25-Jährige spielt in der isländischen Nationalmannschaft auf der linken Außenbahn, Sportchef Leif Strand gab allerdings bekannt, dass man Hallbera vor allem als offensive linke Außenverteidigerin geholt habe. Mit der Verpflichtung von Gisladottir ist Piteås Kader nun komplett für die Saison 2012, erklärte Strand. 17 Feldspielerinnen und drei Torhüterinnen. Der Sportchef sieht eine große Konkurrenz um die Startformationsplätze voraus und glaubt, dass das Team nun nicht mehr so verletzungsanfällig sei wie im Vorjahr.

Mit der Australierin Lydia Williams im Tor, der Isländerin Hallbera Gisladottir, der Nigerianerin Faith Ikidi, der US-Amerikanerin Jennifer Nobis, den Norwegerinnen June Pedersen und Ann-Mari Dovland sowie der Finnin Anna Westerlund hat Piteå nicht weniger sieben Ausländerinnen im Kader. Abgesehen von der beinahe völlig naturalisierten Pedersen, die schon einige Jahre in Umeå gespielt hat, sind ausländische Spielerinnen in der Regel teurer, weil man ihnen mehr (auch finanziell) unter die Arme greifen muss, um sie zu versorgen.

Dass das immer nicht so einfach ist, zeigt ein anderer Artikel auf der Homepage von Piteå. Da bittet nämlich eine Marianne Fors um Spenden zugunsten der Damenmannschaft. Es geht nicht so sehr um Geld, sondern um gebrauchte Fernseher, Möbel, Fahrräder und Küchenausstattung. Immerhin holt der Verein die Spende ab.

Von Nord nach Süd. Vittsjö GIK:s Kader kam mir bei einer früheren Betrachtung in diesem Blog als sehr zweitligabetont vor. Jetzt hat man sich unter der Woche die Unterstützung einer Nationalspielerin gesichert. Mit der 25-Jährigen holländischen Nationaltorfrau Loes Geurtz hat man immerhin nun eine sehr erfahrene Spielerin zwischen den Pfosten Geurtz hat nicht nur in den heimischen Niederlanden sondern auch in den USA (College Soccer in Illinois) und Deutschland (Heike Rheine) gespielt und bringt die Routine von mehr als 40 Länderspielen mit nach Schweden. Bis zum 31. Januar und dem Schließen des Transferfensters der FIFA sollte Vittsjö sich aber noch mehr verstärken, um eine Chance zu haben.