Eine andere Dimension

Vero Boquete spaziert Richtung Tor von Umeå

Für mich ist Tyresö FF trotz des Zweipunkte-Rückstands der klare Favorit auf die schwedische Meisterschaft. Gestern Nachmittag kam Altmeister Umeå IK in die 20 km südlich von Stockholm gelegene Gemeinde. Das Hinspiel hatte Umeå daheim mit 1:5 verloren. Das sollte sich nicht wiederholen.

Aber Tyresö spielt seit der Olympia-Pause, seit Trainer Tony Gustavsson seinen Posten als Assistenztrainer der amerikanischen Frauen verlassen hat und Tyresö übernommen hat in einer anderen Dimension. Da hat sich ein Selbstbewusstsein aufgebaut, das seinesgleichen sucht. Leider will der Fußballzuschauer aber nicht immer nur sehen, wie ein Team alle anderen problemlos niederwalzt. Ging mir gestern so durch den Kopf, verbunden mit der Frage, ob nicht das amerikanische Drafting-System in den Profiligen auch etwas für sich hat. Da ist die Liga das Unternehmen und jede Mannschaft ein Franchise. Da werden Spieler und Spielerinnen verteilt und zwar so durch ein ausgeklügeltes und für uns nicht immer nachvollziehbares System, das am Ende eine recht ausgeglichene Liga dabei herauskommt.

Zurück zum Spiel. Umeå vermied in der ersten Viertelstunde ein Gegentor trotz seiner völlig unbegreiflichen Dreierkette, die mit Alexandra Nilsson, Emma Berglund und Fanny Hjelm angetreten war, Tyresö zu stoppen. Vielleicht wollte Trainer Joakim Blomkvist das Mittelfeld so stark aufstellen, um Tyresös stärksten Mannschaftsteil aufzuhalten. Aber er hätte im Trainergrundkurs lernen müssen, dass man nicht mit Weltklassespielern beim Gegner mit einer Abwehr antreten sollte, die aus lediglich drei Arbeitskräften besteht.

Das 0:1 in der 24. Minuten besorgte Alexandra Nilsson selber. Sie spitzelte eine scharf hereingegebene Flanke von Ver Boquete ins eigene Tor. Danach nahm Tyresö das seltsame Defensivkonstrukt gnadenlos auseinander. Das 2:0 durch die starke Dänin Line Röddik Hansen war ein Tor, bei dem Tyresö den Ball im Tik-Tak-Tok-Verfahren wie am Schnürchen im gegnerischen Strafraum (!) jeweils weiterpasste auf die am günsgtigsten postierte Spielerin. 3:0 durch Kirsten van de Ven, die von ihrer guten Freundin Line Röddik Hansen maßgerecht bedient wurde. 4:0 zu Beginn der zweiten Halbzeit durch Madelaine Edlund, 5:0 wieder van de Ven und das 6:0 abermals von Vero vorbereitet durch einen Kopfball von Caroline Seger. Da waren gerade 60 Minuten und 2 Sekunden gespielt.

Zum Glück für Umeå ließ es Tyresö dann sehr gemächlich angehen. Man schaltete zwei Gänge zurück ohne dem Gegner deshalb Torchancen einzuräumen. Annica Svensson durfte spielen, kam rein für Lisa Dahlkvist und begab sich auf die rechte Außenverteidigerposition, während Meghan Klingenberg, an die Nationalspielerin Svensson ihren Stammplatz verloren hat ins defensive Mittelfeld aufrückte.

In der 41. Minute gab es einen Zusammenstoß mit möglichen Folgen. Eine Umeå-Angreiferin lief wohl eher unabsichtlich auf Linda Sembrant auf und die Nationalspielerin musste ausgewechselt werden. Ein Kreuzbandriss kann nicht ausgeschlossen werden, aber lasst uns einmal wenigstens optimistisch sein. Mehr zu Sembrants Wohlbefinden am Anfang der nächsten Woche.

 

Totgesagte leben länger

Jenny Hjohlmans Schuss - Gudbjörg Gunnarsdottir geht runterNein, das hätte ich Djurgården niccht zugetraut. Den gestrigen 1:0 Sieg über Umeå IK. Das frühe Tor von Mia Jalkerud versetzte Umeå in einen Zustand der Lähmung. Auch wenn die zwar zweimal die Querlatte trafen und sich die eine oder andere Chance erarbeiteten: Umeå wirkte einfallslos und enttäuschte auf der ganzen Linie gegen ein Djurgården, das kämpfte, füreinander spielte und zum ersten Mal in allen Mannschaftsteilen auch Verbindungen schaffte.

Smart von Trainer Patrick „Putte“ Eklöf die eigentliche Außenverteidigerin Sofia Nilsson ins rechte Mittelfeld aufrücken zu lassen. Das verbesserte die Qualität wesentlich. Abgesehen davon war es Nilsson, die sich in der sechsten Minute auf ihrem Flügel gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzte und Jalkerud den Ball servierte, den sie wie vergangenes Jahr öfter geschehen klinisch zum Führungs- und späteren Siegtor verwandelte.

Thomas Dennerbz, den Innenverteidigungssorgen plagen, nachdem sich Charlotte Rohlin am letzten Donnerstag das Kreuzband riss und Sara Larsson noch immer nicht mit dem Balltraining begonnen hat, sah keine überzeugende Leistung von Nachrückkandidatin Emma Berglund. Die und ihre Partnerin Alexandra Nilsson, beide normalerweise sehr sichert, offenbarten ein ums andere Mal Unsicherheiten und schlechte Abstiummung. Die sieben Gegentore von Malmö und die fünf vom Heimspiel gegen Tyresö zuletzt haben da Spuren hinterlassen.

„Jetzt fängt die Saison endlich für uns an, ich wusste schon gar nicht mehr wie das ist, zu gewinnen,“ sagte mir Katrin Jonsdottir nach der Partie. Und Kapitänin Gudbjörg Gunnarsdottir strahlte, aber auf meine Frage, ob sie denn wie früher öfter geschehen, die Mannschaft zu sich nach Hause einladen würde, um den ersten Sieg zu feiern, sagte sie leicht verzögert: „ich glaube nicht, einige müssen ja morgen arbeiten.“

Nächster Gegner der Stockholmerinnen ist am Wochenende Aufsteiger Vittsjö, erst einmal jedoch geht es nach Västerås zum schwedischen Pokal am Donnerstagmittag.

Umeå plagen Verletzungssorgen

Vier Tage vor dem Tpspiel der Damallsvenskan zwischen Umeå IK und LDB FC Malmö ist der Tabellenzweite von Verletzungssorgen geplagt. Beide Aussenverteidigerinnen Tuija Hyyrynen und Alexandra Nilsson sind verletzt und ihr Einsatz am Sonntag sowie beim Rückspiel in Malmö eine Woche später sind ungewiss.

„Fanny Hjelm und Pernilla Nordlund haben ihre Sache zuletzt sehr gut gemacht, aber ihnen fehlt Spielpraxis als Verteidigerinnen,“ sagte Trainer Joakim Blomqvist der Zeitung Västerbotten Kuriren.

Tuija Hyyrynen hat seit Anfang Juni nicht voll trainieren können, ihr stehen noch weitere Untersuchungen bevor. Alexandra Nilsson dagegen war kurz davor am Sonntag gegen Jitex zu spielen, brach jedoch den Versuch beum Aufwärmen ab.