Marta ist die beste Spielerin der Welt

28669538453_e51fe4f5a3_o27920367010_6c9c3200be_kSchreibts an alle Wände. Die beste Fußballspielerin der Welt heißt immer noch Marta Vieira da Silva. Gebt Preise an Ada Hegerberg, Amandine Henry, Dzsenifer Marozsan, Carli Lloyd und an wen auch immer, das sind tolle Vertreterinnen ihres Sports.

Aber an Marta kommen sie nicht ran.

Das schwedische Pokalfinale heute zwischen Rosengård und Linköping lieferte den Beweis für die exzeptionelle Klasse der 30-Jährigen Brasilianerin. Rosengård gewann nach einer überzeugenden Mannschaftsleistung hochverdient mit 3:1 und ich frage mich ernsthaft, wie Linköping den FC Rosengård davon abhalten will, abermals schwedischer Meister zu werden. Trotz eines potentiellen 2-Punktevorsprungs, wenn Linköping sein Nachhoslspiel gegen Göteborg auswärts gewinnt. Denn am 9. Oktober geht es in Linköping um die Wurst und in der Form von heute wird Rosengård nicht zu stoppen sein.

Überragend im defensiven Mittelfeld: Anita Asante. Die 31-Jährige Engländerin ist neben Katrin Schmidt die beste Mittelfeldspielerin Europas, die aus unerfindlichen Gründen nicht in einer Nationalelf spielt. Ich hoffe, dass Mark Sampson eine DVD des heutigen Spiels bekommt. Asante räumte alles ab im Mittelfeld, hielt den Ball, wenn es nötig war und spielte wunderbare Pässe nach vorn.

Lotta Schelin zeigte eine sehr starke erste Halbzeit und als Marta einen schwachen Pass von Magdalena Ericsson attackierte und die 32-Jährige mit einem perfekten Ball bediente, zog sie etwas nach links, um dann den Ball mit dem linken Fuß im rechten unteren Eck zu versenken.

Kurz nach Wiederanpfiff das 2:0. Marta auf der rechten Seite, alle erwarten eine scharfe Flanke oder einen Schuss, aber die Frau aus Diois Riachos hebt den Ball aus dem Stand etwa 15 Meter maßgerecht auf die neben dem linken Pfosten platzierte Lieke Martens die den Ball unhaltbar ins Tor drischt.

Nur sehr kurz kam Spannung auf, als Stina Blackstenius mit einem Kopfball den vermeintlichen Anschlusstreffer erzielte.

Fast im Gegenzug bekam Marta den Ball, im Zweikampf mit Jonna Andersson, immerhin Silvermedaillengewinnerin bei Olympia, drehte sich Marta fast zweimal um die eigene Achse und hatte so Andersson ausgetanzt. Zog mit links ab und erzielte das 3:1.

Es gab noch mehr Marta an diesem denkwürdigen Nachmittag, an dem die Brasilianerin zeigte, dass sie einfach immer noch ein Register hat, mit dem sie Spiele entscheidend verändern kann. „Als ich heute aufwachte, dachte ich sofort daran, dass wir diesen Titel gewinnen müssen. Auch weil ich unbedingt die Ereignisse der letzten Wochen etwas verdrängen wollte. Ich bin ganz zufrieden dem Spiel der Mannschaft und mit mir auch.“ Sagte sie zum schwedischen Fernsehen.

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Mehr von der Algarve und aus Zypern

Gestern gab es allerlei Länderspiele an der Algarve und auf Zypern. Hier ein wenig gesammelte Infos dazu. Hope Solo wieder im Tor der USA. Die 16-Jährige Jessie Fleming schoss ihr erstes Länderspieltor für Kanada gegen Schottland. Die 19-Jährige Larissa Crummer schoss das goldene australische Tor gegen Holland. Fleming und Crummer zwei Namen, die man sich merken sollte.

Algarve Cup

Gruppe A: Schweden – Deutschland 4:2, Brasilien – China 0:0
Gruppe B:
USA – Norwegen 2:1 (Tore: 0:1 Ada Hegerberg, 1:1, 2:1 Carli Lloyd)
Schweiz – Island 2:0 (1:0, 2:0 Lara Dickenmann)
Gruppe C:
Frankreich – Portugal 1:0 (Tor: 1:0 Eugénie Le Sommer)
Dänemark – Japan 2:1 (Tore: 1:0 Sanne Troelsgaard, 1:1 Kozue Ando, 2:1 Johanna Rasmussen)

Cyprus Cup

Gruppe A: Schottland – Kanada 0:2 (Tore: 0:1 Jessie Fleming, 0:2 Christine Sinclair), Südkorea – Italien 1:2
Gruppe B: Niederlande – Australien 0:1 (Tor: 0:1 Larissa Crummer), Finnland – England 1:3 (Tore: 0:1 Lianne Sanderson, 0:2 Eniola Aluko, 0:3 Jessica Clarke, 1:3 Maija Saari)
Gruppe C: Mexiko – Südafrika 2:0, Tschechien – Belgien 0:2

Schweden dreht 0:2 gegen Norwegen

Für das erste Länderspiel in der WM-Saison 2015 hatte Pia Sundhage vor, vor allem junge Spielerinnen einzusetzen, aber schon vorher hagelte es Absagen und dann vor Ort mussten auch noch Fridolina Rolfö und Caroline Seger ihre Einsätze wegen Verletzungen bzw. Verletzungsgefahr absagen.

Schweden begann als die dominierende, ballführende Mannschaft, ohne jedoch zu deutlichen Torchancen zu kommen. Stattdessen nutzten wachsame Norwegerinnen die zu Beginn teils eklatanten Schwächen der schwedischen Abwehr gnadenlos aus. Da funktionierte die Abstimmung zwischen Außen- und Innenverteidigung ebensowenig, wie die zwischen Torfrau und Viererkette. das 0:1 durch isabell Herlovsen ging auf Schlussfrau Carola Söbergs Kappe, die im Strafraum herumirrte und durch einen leichten Heber der in Mönchengladbach geborenen Stürmerin von Lillestrøm ausgetrickst wurde. Wenig später dann das 0:2 als Nilla Fischer in selten zu beobachtender Fehleinschätzung einen Ball hinter die zentrale Verteidigung völlig falsch beurteilte und abermals Herlovsen das 0:2 markieren konnte.

Nach vorne ging nur wenig, Kosovare Asllani war unsichtbar mit einer Ausnahme, als sie halbrechts vorm Tor zu einer Schussposition kam und Zeit hatte, aber nur einen kläglichen Abschluss direkt in die Arme von Routinier Ingrid Hjelmseth zustande brachte.

In der Halbzeitpause dann der Beginn der Wende von La Manga: „Als wir 0:2 zurücklagen, haben wir darüber gesprochen, dass wir dieses Spiel absolut drehen wolten,“ so Asllani auf der Homepage des schwedischen Fußballverbands. Und die in der ersten Halbzeit noch so blasse Spielerin von Paris SG glänzte in den zweiten 45 Minuten. Zunächst erzielte sie nach ebenfalls einfachen Fehlern nun der Norwegerinnen beide Tore zum 2:2-Ausgleich und dann legte sie auch noch Lotta Schelin zu ihrem 74. Länderspieltor und Siegtreffer auf. Da nützte es auch nichts mehr, dass die Norwegerinnen in den letzten zehn Minuten, u.a. mit der nun eingewechselten Ada Hegerberg gewaltig anrannten.

Lotta Schelin: „Toll gegen Norwegen nach so einer Wende zu gewinnen. Das ist gut fürs Selbstvertrauen.“ Recht hat die 30-Jährige Stürmerin von Olympique Lyon. Nilla Fischer nahm die Schuld für das 0:2 sportlich auf sich: „Da übernehme ich die Verantwortung, ich habe nicht schnell genug reagiert, glaubte, ich käme noch an den Ball ran, der aber dann über mich ging. Deshalb war es besonders schön, dass wir in der zweiten Halbzeit zurückkamen und gewonnen haben.“

Beste Schwedin an diesem Abend: KIF Örebros Neuzugang Hanna Folkesson, die unermüdlich rackerte.

„Wir gingen mit der Hoffnung auf ein gutes Resultat in die Pause,“ sagte Trainer Evan Pellerud auf der Homepage des norwegischen Verbands. Das haben wir nicht bekommen und das ist sehr irritierend, wenn man so eine sichere Führung aufgibt. Es war ein ausgeglichenes Spiel, aber die Schwedinnen zeigten Willen und waren gut. Ein gutes Spiel, das auch unentschieden hätte enden können.“

„Es ist bnlöd, Spiele zu verlieren, über die man in der ersten Halbzeit noch gute Kontrolle hatte,“ sagte Goalgetterin Isabell Herlovsen.

Göteborg nach Nilsson

Wird Olivia Schough 2014 einer der letzten Stars in Göteborg sein?

Wird Olivia Schough 2014 einer der letzten Stars in Göteborg sein?

Torbjörn Nilsson hat Kopparberg/Göteborgs FC nach sechs Jahren verlassen, mit Stefan Rehn übernimmt ein weiterer, ehemaliger Spieler des IFK Göteborg der Stadt bestes Frauenteam.

Aber wohin geht die Reise? Zweimal holte Nilsson den Pokal, dieses Jahr noch den Supercup nach einem dramatischen Elfmeterschießen in Tyresö. Der Vorsitzende des Vereins, Peter Bronsman, ist gleichzeitig Boss des erfolgreichen Brauereiunternehmens Kopparberg. War mal Weltmarktführer im Export von Cider. Gelder sind vorhanden.

Aber sie werden nicht notwendigerweise in den Verein investiert. Das ist bestenfalls halbherzig, was man an der Westküste macht. Torbjörn Nilsson wurde versprochen, dass man investieren würde, um mit Tyresö und Malmö mitzuhalten, um ihn zu einer Unterschrift unter einen 2-Jahresvertrag zu bewegen.

Christen Press war eine Neuverpflichtung, die viele 2012 nicht kannte, die aber in der Liga für Furore sorgte und entscheidend beitrug, dass Göteborg auch im vergangenen Jahr noch zumindest zeitweise mithalten konnte mit den beiden Giganten der Liga.

Aber wie schon Nationalspielerin Olivia Schough mir vor wenigen Wochen in Tyresö frustriert nach dem 1:4 sagte: „Wir haben einfach keine Breite im Kader. Wir sind zu wenige.“ Manchmal saßen bei Göteborg nur drei Spielerinnen auf der Bank bei Auswärtsspielen und manchmal war eine davon noch die längst zurückgetretene Jane Törnqvist. 

Nun geht mit Anita Asante der letzte Star und in einem Interview mit der Zeitung Expressen sagten die beiden Nationalspielerinnen Kristin und Marie Hammarström, dass sie nicht mehr hinterherlaufen wollen. Sie verlangen Investitionen oder aber sie überlegen, ihre Karrieren zu beenden.

Bronsman sagt, dass Asante gegangen sei, weil sie unbedingt Champions League spielen wollte. Die Engländerin ist jedoch weit klüger. Mir sagte sie in Göteborg, dass der Entschluss Göteborg zu verlassen aufkeimte, als der Verein Christen Press mehr oder weniger sang- und klanglos von Tyresö abwerben ließ. Anita verstand, dass Göteborg nicht mehr mit den beiden Topteams mithalten wollte oder konnte.

Yael Averbuch wird mit ziemlicher Sicherheit 2014 wieder in der NWSL spielen. Damit geht eine weitere wichtige Spielerin. Mit Cathrine Dyngvold und Jessica Landström wurden zwei Spielerinnen verpflichtet, die nicht ansatzweise das brachten, was man sich erhofft hatte. Und die mitten in der Saison unter merkwürdigen Umständen verpflichtete Andrine Hegerberg besitzt nicht entfernt die Schnelligkeit ihrer kleinen Schwester Ada, ist für einen Topverein viel zu langsam.

Wird Göteborg investieren?

„Einfache Antwort, ja. Wir werden in der nächsten Saison ein größeres Spielerinnenbudget haben, aber wir werden nicht unsere finanzielle Basis gefährden. Stefan wird jetzt besonders wichtig, da er die Spielerinnen finden muss, die er haben will. Gleichzeitig soll er einen Kern aufbauen, der schon in der Mannschaft ist. Wir werden auch längerfristige Verträge mit Spielerinnen machen,“ sagt Bronsman, der bislang lediglich 1-Jahresverträge mit allen Spielerinnen abschloss. Ausnahmen waren Asante und Averbuch, die jeweils 1,5 Jahre bekamen, weil sie mitten in einer Saison kamen.

Versprochen haben Sportchefs und Präsidenten von Frauenfußballvereinen schon sehr viel, seit ich den Sport verfolge, aber selten wurde das letztlich auch umgesetzt. In Göteborg jedenfalls steht ein enormer Wechsel an vor der kommenden Saison.

Heia Norge!

Ich gebe es zu. Ich bin für Norwegen. Nicht gegen Deutschland. Aber für Norwegen. Seit vierzehn Tagen bin ich im Turnier und seit vierzehn Tagen habe ich nun mit der norwegischen Mannschaft zu tun. Ich habe mit zahlreichen Spielerinnen geredet, konnte das Training der Mannschaft beobachten und habe wie viele andere die entspannte, familiäre Atmosphäre im norwegischen Team untereinander, aber auch mit den Fans beobachtet und genossen.

Da wird nicht abgeschirmt, quotiert, ausgesperrt, verweigert. Da wird das norwegische Fernsehen NRK natürlich mit Interviews gefüttert, aber die anderen, die sich für den Frauenfußball einsetzen, werden nicht stiefmütterlich behandelt und lediglich zu nichtssagenden und langweiligen Pressekonferenzen eingeladen. Die Norweger freuen sich über jeden, der Interesse zeigt und hilft, den Sport zu fördern.

Många bäckar små, sagen wir in Skandinavien. Viele kleine Rinnsale werden zum Fluss.

Die norwegische Pressekonferenz fand voillständig auf Englisch statt, damit alle Journalisten gleichermaßen teilnehmen konnten und die norwegischen Medien wurden keineswegs bevorzugt. In Deutschland gibt es Vorfahrt für Deutschland. Auch die öffentlichen Kanäle und Zeitungen führen sich oft dementsprechend auf. Das fällt auf. Wie angenehm dagegen die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Norwegen.

Nach dem Training dann Mixed Zone. Gelegenheit, ohne vorher in jahrelangen Beziehungsgeflechten zwischen Presseabteilung und Journalisten ausgehandelte Privilegien mit Spielerinnen zu sprechen. Regel: Wer zuerst steht, mahlt zuerst.

Maren Mjelde

Maren Mjelde

Maren Mjelde. Am Donnerstag haben wir uns zuzletzt getroffen. Da warst du sehr müde nach dem Spiel. Wie sieht das heute aus?

„Ja, da war ich schon sehr müde. Aber jetzt bin ich wieder fit. Ich bin erwartungsvoll und richtig glücklich. Diese Arena ist einfach Wahnsinn. Eine fantastisch schöne Arena. Das wird ein unglaublich schönes Erlebnis, hier spielen zu dürfen.

Morgen sind dann ja auch viele Leute hier, da geht dann wirklich ein Traum für mich in Erfüllung. Heute Abend werden wir nicht mehr so viel machen. Ausruhen, uns auf das Spiel mental vorbereiten. Ich schlafe normalerweise sehr gut, ich glaube, das wird auch heute Abend klappen. Nach dem Finale habe ich dann noch eine Woche frei, gehe nach Norwegen und dann ist es wieder Zeit für das Training in Potsdam.“

Ada Hegerberg

Ada Hegerberg

„Für mich war das bisher ein geradezu unglaubliches Jahr,“ erzählte mir Norwegens Supertalent Ada Hegerberg.

„Ich habe gleich ein paar Schritte als Fußballspielerin getan und mich doch sehr weiterentwickelt. Es ist nicht einfach, auf diesem Niveau zu bleiben, um dann auch hier spielen zu können. Man kann wirklich sagen, dass das ein arbeitsreiches Jahr ist,“ so Ada.

Ada, die mit gerade einmal 18 Jahren und 18 Tagen unglaublich reif wirkt. Ada, die nach dem Training immer eine der Letzten ist, die noch trainieren. Schüsse aufs Tor. Liegestütze und Balanceübungen mit Händen und Füßen auf Bällen. Eine fleißige Arbeiterin ohne Allüren mit dem fußballerischen Talent und, viel wichtiger dem Charakter, den es braucht, um eine ganz Große zu werden. Eine uneingebildete, herrlich normale junge Frau, die mit beiden Beinen auf der Erde steht.

Ich habe in den Jahren, in denen ich nun Frauenfußball verfolge und darüber schreibe, viele Talente gesehen. Das, was letztlich die Spreu vom Weizen trennt, ist der Charakter. Jedenfalls bilde ich mir das ein. Der Fleiß, die Energie, aber nicht zuletzt auch die Demut. Ada Hegerberg hat das Zeug dazu. Es wird sehr interessant sein, ihren weiteren Weg zu verfolgen. Wenn sie sich nicht schwer verletzt und wenn sie am Boden bleibt, dann wird man sehr viel von ihr hören.

Genug des Lobes.

Sowohl meine Schwester Andrine als auch ich sind im Januar bei Mutter und Vater ausgezogen und haben unsere Eltern erst einmal alleine gelassen. Aber uns geht es gut in Deutschland und wir haben schon viel Besuch bekommen,“ erzählt sie mir. „Natürlich entwickelt man sich dadurch auch weiter als Mensch.“

Ingrid Hjelmseth

Ingrid Hjelmseth

Wesentlich routinierter dagegen die 33-Jährige Torfrau Ingrid Hjelmseth. Sie schaut sich mein Namensschild genau an, als ich sie gefühlt zum fünften Mal während des Turniers anspreche.

Ich denke, das Niveau der Torhüterinnen hat sich deutlich erhöht. Wir haben in diesem Turnier wirklich eine ganze Reihe guter Torfrauen gesehen,“ sagt Hjelmseth und ist nach Meinung vieler, die ich getroffen habe, die Beste von allen, nicht erst seit ihren beiden Glanzparaden im Elfmeterschießen gegen Dänemark.

Nein, ich habe noch nicht geschaut, wie die Deutschen Elfer schießen,“ beantwortet sie meine Frage. „Aber ich gehe davon aus, dass unser Trainerteam sich das angesehen hat. Spielerisch gesehen glaube ich, dass wir ein ähnliches Spiel wie das in Kalmar sehen werden. Jetzt hatten alle von uns Gelegenheit, wieder Kräfte zu sammeln und ich glaube auch, dass selbst wenn jemand müde sein sollte, so wird sie beflügelt werden beim Gedanken an das Finale und die 50.000 Zuschauer, die da morgen auf uns warten.“

Solveig Gulbrandsen

Solveig Gulbrandsen

Und schließlich läuft mir noch Solveig Gulbrandsen über den Weg, eine Spielerin, die ich extrem schätze, ein Genuss, sie am Ball zu sehen. Sie kann das Spiel langsam oder schneller machen, den Ball halten, andere in Szene setzen und selber Tore schießen.

Wird das dein größtes Spiel morgen? Du hast ja doch schon einiges in deiner Karriere erlebt.

Es ist schwer, diese Spiele alle miteinander zu vergleichen,“ sagt Solveig Gulbrandsen. „Es wird ein großes Spiel, keine Frage, das ist ein tolles Stadion und das wird ein großer Spaß werden. Ich habe schon einige FInals gespielt und wie gesagt ist es schwer, das zu vergleichen. Wir sind wirklich wie eine große Familie in unserem Team. Wir haben einen großartigen Zusammenhalt. Für mich ist das unglaublich, denn vor einem halben Jahr wusste ich wirklich nicht, dass ich heute hier sein würde.“

 

Algarve und Zypern, Tag 1

Norwegen, Dänemark und Finnland können mit dem ersten Spieltag der Turniere an der Algarve bzw. in Zypern zufrieden sein. Vor allem die Norwegerinnen sorgten für einen kleinen Paukenschlag durch ihren 2:0-Sieg gegen den amtierenden Weltmeister und Olympiazweiten Japan. Dabei erzielten die Teenager Caroline Graham Hansen (18) und Ada Hegerberg (17) die Tore für den rechtzeitig im Europameisterschaftsjahr wiedererstarkten ehemaligen Weltmeister (von1995, damals allerdings mit demselben Trainer wie heute Evan Pellerud).

Norwegen ist damit seit einem Jahr (und der Niederlage gegen Dänemark an der Algarve 2012) unbesiegt. In den zwölf Spielen seitdem gab es zehn Siege und zwei Unentscchieden. Allerdings war Japan jetzt der erste Top-10-Gegner, den man seit dem Viertelfinalsieg über Schweden bei der EURO 2009 in Finnland geschlagen hat.

Finnland holte ein Unentschieden gegen EURO-09-Halbfinalist Holland und war nah am Sieg. Sanna Talonen hatte das Führungstor erzielt, das erst sieben Minuten vor Schluss ausgeglichen wurde.

Dänemarks gutes 0:0 gegen ein eher blasses Deutschland braucht aus deutscher Sicht hier nicht kommentiert zu werden. Das haben alle Frauenfußballseiten in Deutschland bereits geleistet.

Islands 0:3 gegen die Olympiasieger und Weltranglistenersten USA ist sicher standesgemäß.

Bleibt das Spiel der schwedischen Mannschaft gegen China. Mehr als ein mageres 1:1 gege China (Torschützin: Sara Thunebro) hatte man sich sicher schon erwartet. „Ich hätte nie gedacht, dass eine schwedische Mannschaft unter Pia Sundhage so schwach spielt,“ sagte mir heute Abend eine ehemalige Spielerin etwas enttäuscht.

Sara Thunebros Situation in Frankfurt wird von Expressen beleuchtet. Keine einzige Spielminute dort, aber ein Stammplatz in der schwedischen Nationalmannschaft als linke Außenverteidigerin. „Es gibt harte Konkurrenz um diesen Platz in Frankfurt und unser Trainer bevorzugt einen anderen Spielertypus,“ sagt die 33-Jährige.

Sundhage will die ehemalige Djurgården-Spielerin in allen Begegnungen an der Algarve einsetzen: „Wir haben in Schweden niemanden auf dieser Position, der besser ist als Sara. Manchmal macht sie jedoch Fehler in der Einschätzung von Abständen und das ist ein typisches Zeichen für fehlende Spielpraxis. Du wirst unsicher, aber heute ist Sara meine erste Wahl,“ so Sundhage zu Expressen.

„Mein Vater sagt oft, dass ich öfters schießen sollte, und heute habe ich das getan. Ich denke mal, dass er zufrieden ist. Selber bin ich in erster Linie sauer, dass wir zwei Punkte verloren haben,“ so Thunebro.

Scharfe Kritik übte Pia Sundhage an ihrer Torhüterin Kristin Hammarström. Die Göteborgerin solle nach Hause fahren und das Spiel mit den Füßen trainieren. „Das muss sie jetzt lesen und akzeptieren können. Kann sie das nicht, dann kann sie auch keine EM spielen,“ so Pia Sundhage gegenüber Aftonbladet.

„Als ich Trainerin von KIF Örebro war [2006] hatte sie einen Wahnsinnsschuss. Den hat sie verloren. Meine Forderung ist, dass sie das Spiel mit den Füßen verbessert. Das ist so wichtig. Sie muss nach Hause fahren und das trainieren. Natürlich haben wir darüber gesprochen. Ich will nicht sagen, warum, aber das ist schlechter geworden. Ich habe sie in Hallenturnieren Tore schießen sehen, aber das ist verschwunden. Das war mal ihre Stärke und dafür braucht sie keinen Schusstrainer. Sie soll verdammt nochmal einfach trainieren.“

Pia Sundhage ist gnadenlos offen, heute wurde sie von Expressen zur Frau des Jahres 2012 ausgerufen. Sie hat in Schweden inzwischen den Höhepunkt ihrer Popularität erreicht.

Kristin Hammarström hat gesagt, dass sie das Problem ihres angeblich zu schlechten Spiels mit den Füßen nicht sieht. Aber dass sie selbstverständlich bereit sei, mehr Fußarbeit zu trainieren.

Mal sehen, wie das gegen Island läuft.

 

 

Champions League ohne Überraschungen

Die Hauptrunde der Champions League Saison 2012/13 begann am Mittwoch mit insgesamt elf Begegnungen. Im Frauenfußball sind Überraschungen oder gar Außenseitersiege mindestens bis zum Viertelfinale wieder einmal eher nicht zu erwarten. Der schwedische Vizemeister und Pokalsieger (von 2011) Kopparberg/Göteborgs FC gewann sein Auswärtsspiel beim serbischen Meister Spartak Subotica mit 1:0. In einer ausgeglichenen Partie, in der beide Seiten je fünfmal auf das Tor der Gegnerinnen schossen, erzielte die Amerikanerin Camille Levin den Siegtreffer in der 40. Minute. Trainer Torbjörn Nilsson hatte interessanterweise die vor der Sommerpause zurückgetretene Jane Törnqvist im Aufgebot auf der Bank. Törnqvist wurde vorige Woche als neue Co-Trainerin bekanntgegeben, da die Truppe aber nach dem Weggang von Linnéa Liljegärd nach Russland und dem Kreuzbandriss von Sara Lindén arg dezimiert ist, wird Törnqvist möglicherweise öfters die Bank drücken.

Norwegens Meister Röa gewann seinen Auftritt beim kasachischen Vertreter BIIK Shymkent mit 4:0. Shymkent liegt knapp 700 km westlich der ehemaligen Hauptstadt Almaty im Süden des Landes und damit so tief in Zentralasien wie das nur irgend geht, aber da Kasachstan Mitglied der UEFA ist, spielt man in Europa mit und beschert so Besuchern weite Reisen in eine hochinteressante Region. Mit der 28-Jährigen Bruna und der 21-Jährigen Thaynara Lima spielen zwei Brasilianerinnen für die Kasachinnen, dazu die nigerianische Stürmerin Emueje Ogbiagbevha und die Serbin Milica Mijatović  – Frauenfußball auch in Kasachstan scheint sich zu entwickeln.

Für Röa trafen Stine Andreassen (2), Elise Thorsnes und Emilie Haavi.

Wie weit Finnland und seine „naistenliiga“ hinter den besten Teams zurückliegt, zumal fast alle finnischen Nationalspielerinnen in Schweden tätig sind, zeigte heute die 0:7 Heimpleite von Meister PK-35 aus Vantaa gegen den zweimaligen CL-Sieger Olympique Lyon. Laëtitia Tonazzi (2), Wendie Renard, Eugenie Le Sommer, Lara Dickenmann, Amel Majri und Camille Abily schossen die Tore in einer Lehranderthalbstunde, in der die Schussstatistik am Ende 22:1 Torschüsse für die Gäste aufwies.

In einer innernordischen Auseinandersetzung schlug Norwegens Vertreter Stabaek den dänischen Ex-Meister Bröndby mit 2:0. Ingvild Stensland und die gerade erst 17 gewordene Ada Hegerberg schossen die Tore.

Dänemarks Meister Fortuna Hjörring gewann in einem der spannenderen Spiele mit 2:1 bei Glasgow City. Dabei schoss Nationalspielerin Nadia Nadim beide Tore für die Däninnen. Nadim vergab kurz vor der Pause noch einen Strafstoß. Jane Ross erzielte den Anschlusstreffer.

Im sechsten Spiel mit nordeuropäischer Beteiligung kam Islands Meister Stjärnan nicht über ein 0:0 daheim gegen den russischen Vizemeister Zorkij Krasnogorsk hinaus.

Morgen um 18.00 Uhr dann noch LdB FC Malmös erstes Match beim ungarischen Meister MTK Budapest.

Noch einmal alle Ergebnisse auf einen Blick:

FC Zürich – Juvisy (F) 1:1 [Inka Grings schoss den Ausgleich für Zürich]
BIIK Shymkent (Kasachstan) – Röa (N) 0:4
Spartak Subotica (Serbien) – Kopparberg/Göteborgs FC 0:1
Birmingham Ladies – Verona 2:0
Apollon Limassol – Torres (Italien) 2:3 (Hattrick der 37-Jährigen Patrizia Panico)
Olimpija Cluj (Rumänien) – Neulengbach 1:1
PK-35 (Finnland) – Olympique Lyon 0:7
Stabaek (Norwegen) – Bröndby 2:0
FC Barcelona – Arsenal London 0:3
Standard Lüttich – Turbine Potsdam 1:3
Glasgow City – Fortuna Hjörring 1:2
Stjärnan – Zorkij 0:0