Zurück aus London – Nachrichten

Zurück aus London, wo wir am Montag ein tolles Halbfinale zwischen Japan und Frankreich gesehen haben. Das Beste: 61.000 Zuschauer zeigten, dass Frauenfussball doch ein Potential hat, auch wenn wir das in unseren heimischen Ligen im Alltagsgeschäft oft nicht so empfinden.

Es gibt allerhand Neues. Man nutzt den Tag des olympischen Finales zwischen Japan und den USA dazu, Ankündigungen und Neuverpflichtungen bekanntzugeben.

1) Es gibt eine neue amerikanische Profiliga 2013. Das ist wohl die wichtigste Nachricht. Bereits im Juli hatte sich eine Gruppe von Vertretern verschiedener Vereine getroffen und den Beschluss gefasst, der nun spruchreif ist und sicher einen Exodus amerikanischer Spielerinnen verhindern wird. Acht Vereine soll das neue Konstrukt haben, darunter die Boston Breakers, Chicago Red Devils und auch die Seattle Sounders, für die in dieser Saison Stars wie Hope Solo, Alex Morgan und Sydney Leroux einige Spiele absolviert haben. Wie die Liga konkret aussehen wird, soll in den nächsten Wochen festgelegt werden. Fünf Teams von der Ostküste und drei von der Westküste werden dabei sein. Weitere Investoren sind willkommen. Bald beginnen die Verhandlungen mit der US Soccer Federation bezüglich der Sanktionierung der neuen Liga.

2) In Schweden verstärkt sich der Tabellenelfte AIK mit der 92-fachen amerikanischen Nationalspielerin Lori Chalupny, die 2008 in Peking Gold mit den USA holte. Mich wundert etwas, dass es keine Stürmerin ist, die AIK holt, aber vielleicht soll Nazanin Vaseghpanah weiter nach vorne rücken, eine Rolle, die si früher schon erfolgreich gespielt hat.

Gestern Abend spielten Djurgården und Linköping in einem Testspiel 3:3. Djurgårdens Trikot mit der Nummer 8 trug die finnische Nationalspielerin Marianne Tolvanen, die eigentlich bei HJK Helsinki unter Vertrag steht. Möglicherweise soll Tolvanen also im Herbst helfen, den Tabellenletzten doch noch zu retten.

Markus Nilsson, erfolgreicher und junger Clubchef bei Aufsteiger Vittsjö GIK steigt aus. Nicht aus Unzufriedenheit, sondern weil man ihm einen Topjob angeboten hat: Nilsson wird Eventchef der EURO 2013, die kommendes Jahr in Schweden ausgetragen wird.

Kreuzbandriss bei Ifeoma Dieke

Am späten Sonntagabend bestätigten sich wieder einmal die Befürchtungen, die ich hege, wann immer eine Spielerin mit schweren Knieschmerzen vom Platz getragen wird: Ifeoma Dieke, 31-Jährige Abwehrspielerin im Team GB und bei Vittsjö GIK, erlitt im Spiel gegen Kamerun einen Kreuzbandriss und fällt damit nicht nur für den Rest von Olympia sondern für die komplette Saison 2012 aus.

Trainerin Hope Powell beantragte beim Internationalen Olympischen Komitee, dass Dunia Susi vom Erstligisten Chelsea Ladies an ihrer Stelle das Turnier weiterspielen darf.

Halbzeit (3): Vittsjö GIK

Sofie Andersson beim Presseauftakt der Damallsvenskan in Göteborg

Im April fand in Göteborg das Presseauftaktreffen der Saison statt. In einem Hotel unweit des Göteborger Bahnhofs versammelte sich die Szene: Die zwölf Trainer und jeweils mindestens eine Spielerin. Tyresö hatte gleich drei Damen mitgebracht: Caroline Seger, Kapitänin Johanna Frisk und Superstar Marta. So zog man auch das Medioeninteresse auf sich. Alle wollten nur mit einer reden, der 26-Jährigen Brasilianerin, die nach drei Jahren USA in ihre zweite Heimat Schweden zurückkehrte.

Am Vormittag gibt es immer Vorträge auf der Bühne, das meiste davon ist recht vorhersehbar und durchaus langweilig. Das Interessanteste für uns Journalisten ist dann am Nachmittag die Möglichkeit, sich mit Trainern und Spielerinnen zu unterhalten. Jedes Team bekommt seinen Tisch und dann darf man die Runde machen, warten musste man dann auf Linköpings Nilla Fischer oder Göteborgs Stina Segerström.

Nichts los war beim Aufsteiger Vittsjö GIK. Da saßen Trainer Thonas Mårtensson und seine Kapitänin und Zweitligatorschützenkönigin Sofie Andersson meist alleine da, in einer Ecke. Ohnehin hatten am Morgen bereits alle „Experten“, ich inklusive, per Manometer auf den Abstieg des südschwedischen Vereins getippt. Sofie dagegen hatte der Menge auf der Bühne verkündet, dass man sich einen Platz unter den ersten Acht vorgenommen habe. Daran glaubte nun außer den Spielerinnen und dem Verein wirklich niemand.

Vittsjö ist ein Kaff in Skåne, Malmö und Kristianstad sind nicht weit und der nächste größere Ort ist Hässleholm, das die meisten nur als Eisenbahnknotenpunkt kennen. 1.600 Einwohner leben in Vittsjö und mit Hilfe der Gemeinde und Sponsoren, aber auch der Bevölkerung des Ortes wurde das Stadion in mühseliger Kleinarbeit erstligatauglich gemacht. Über Facebook und Twitter rief man die Einwohner auf, an einigen Wochenenden zum Sportplatz zu kommen und zu helfen. Man müsse zimmern, basteln, streichen, damit alles fertig werde zum Start im April.

Nachdem Vittsjö das erste Spiel in der ersten Liga mit 1:4 in Umeå verloren hatte, glaubten nun alle, dass der Abstieg des Aufsteigers nun seinen Gang nehmen würde.

Wie sehr wir uns alle getäuscht haben. Vittsjö, das zeigte sich in den kommenden Wochen, hatte sich auf zentralen Positionen optimal verstärkt. Ausländerinnen sind nicht billig in der Damallsvenskan. Damit sie eine Arbeitserlaubnis bekommen können, müssen sie genug Geld verdienen, um selber über die Runden zu kommen. Vittsjö holte die niederländische Nationaltorhüterin Lois Geurts, in der Abwehr als Innenverteidigerinnen Ifeoma Dieke aus Schottland (bei der Olympiade im Team GB dabei) und Kendall Fletcher aus den USA. Dieke und Fletcher werden immer wieder als Basis für den Erfolg hervorgehoben. Im offensiven Mittelfeld spielt die Amerikanerin Danesha Adams, die schon in Norwegen gespielt hat und die Neuseeländerin Kirsty Yallop ist dabei. Yallop und auch Dieke haben schon in Kristianstad gespielt, beim Lokalrivalen und Nachbarn. Ebenso Sofie Andersson, die von der charismatischen, aber sicher nicht einfachen Elisabet Gunnarsdottir wie andere Spielerinnen auch ausgemustert wurde. Andersson passte nicht ins Konzept. Jetzt sagte Gunnarsdottir kürzlich bewundernd, Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson (auch der war mal Trainer in Kristianstad) habe offenbar die exakt richtige Rolle für Sofie gefunden.

Auf die deutliche Klatsche in Umeå zum Saisonauftakt folgten Siege. Daheim gegen AIK mit 3:1 – das wurde noch mit einem „Naja, gegen AIK“ von vielen quittiert, als Vittsjö dann aber beiTorbjörn Nilssons Göteborgerinnen mit dem 2:1 alle drei Punkte entführte, hätte man eigentlich aufhorchen müssen.

Und nun stehen sie da mit 25 Punkten auf dem dritten Platz und um den Klassenerhalt müssen sie nun wirklich nicht mehr bangen. AIK auf dem Abstiegsplatz 11 hat einen Rückstand von 19 Punkten auf Vittsjö. Das Saisonziel ist weiterhin Platz 8 und nach der Olympiade kommt mit Mandy van den Bergh eine weitere Niederländerin ins Team – auf die Außenposition in der Abwehr.

Andersson hat bislang acht Tore geschossen und liegt damit nur einen Treffer hinter Linköpings Tormaschine Manon Melis.

Ich fragte Vittsjös neuseeländische Olympiateilnehmerin Kirsty Yallop, warum Vittsjö so erfolgreich ist.

„Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist ganz einfach der, dass wir ein tolles Team haben und guten Fußball spielen. Wir haben kein Budget vergleichbar mit dem der großen Teams,“ sagt Kirsty. „Wir sind ein kleines Team vom Lande, aber wir spielen mit unglaublich viel Herz und wir haben großartige Unterstützung von unseren Fans und dem Verein. Thomas ist ein guter Trainer, der weiß, wie wir spielen müssen und wie wir das Beste aus unseren Voraussetzungen machen können.“

Mehr von Kirsty Yallop und der neuseeländischen Mannschaft vor der Olympiade in den nächsten Tagen.

Der kleine Unterschied

Mit drei Niederlagen in Folge im mentalen Gepäck kam Jitex BK gestern Abend nach Vittsjö zu einem Aufsteiger, der alle Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Vittsjö machte kein gutes Spiel und gewann am Ende mit 1:0 durch einen Treffer der Amerikanerin Danesha Adams.

„Es war stark von uns zu gewinnen, obwohl wir nicht gut gespielt haben,“ sagte Neuseelands Nationalspielerin Kirsty Yallop. In der ersten Halbzeit verzeichneten die Chronisten fast keine Torchancen. „Jitex hat uns Probleme gemacht, weil sie so viele Spielerinnen defensiv eingesetzt haben. In der ersten Halbzeit gab es fast keine Räume,“ so Yallop zu Norra Skåne.

Vittsjö trotzt Tyresö ein Unentschieden ab

Ida Olsson machte ein Riesenspiel gegen Marta

Die Überraschungsaufsteigerinnen von Vittsjö GIK trafen heute auf Tyresö FF. Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren, dass ein Spiel in der Damallsvenskan restlos AUSVERKAUFT war. 2.500 Zuschauer, mehr gegen in die kleine Arena des 1.600-Seelenörtchens in der Nähe von Hässleholm in Skåne nun mal nicht rein. Alle Einwohner plus 900 kamen ins Stadion, naja ein paar sind sicher daheim geblieben. Die Partie wurde im Fernsehen übertragen und am Ende strahlte Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson und war hochzufrieden mit dem Ergebnis und der kämpferischen Leistung seiner Mannschaft.

Denn das 1:1 gegen Tyresö, das immerhin mit Spielerinnen wie Marta, Caroline Seger und Vero Boquete angetreten war, ist eine weitere fabelhafte Leistung und bedeutete den 22. Punkt im elften Spiel. Platz drei nach der Hinrunde ist damit unter Dach und Fach, wer hätte das gedacht?

Emma Sjödahl hatte Vittsjö sogar in der 28. Minute in Führung geköpft, obwohl Tyresö, so ehrlich muss man sein, fast über die gesamte Spielzeit dominierte. Aber hinterher sprach man von Effektivität und die ist bei Vittsjö einfach meisterlich. Von den wenigen Chancen nutzte Sjödahl ihre und Nationalspielerin Linda Sembrant sah ebenso alt aus wie zuletzt Alexander Badstuber gegen Mario Balotelli, Sembrant hielt es nicht für nötig mit hochzuspringen, um Sjödahl wenigstens zu irritieren, so konnte diese den Ball wuchtig und unhaltbar für Carola Söberg platzieren.

Erst in der 73. Minute kam eine lange Ecke von Marta zu Lisa Dahlkvist und die konnte mit dem Fuß den Ausgleich erzielen. Marta wurde hervorragend immer wieder gestört von der erst 20-Jährigen Ida Olsson, die gegen die brasilianische Weltfußballerin ein Riesenspiel machte. Ganz ausschalten lässt sich Marta nicht und in der ersten Halbzeit traf sie die Querlatte, aber die 26-Jährige war zeitweise schon sehr genervt vom körperbetonten Spiel Olssons, die sie nicht zur Entfaltung kommen ließ.

Bei aller Überlegenheit konnte Tyresö seine Chancen nicht nutzen und die Mannschaft kommt einem immer wieder vor wie ein Orchester von Individualisten ohne Dirigent. Ob der frühere Co-Trainer Leif Edeborg, der nach dem plötzlichen Rücktritt Stefan Fredrikssons übernommen hatte, auch nach der bald bevorstehenden Sommerpause weiter auf dem Chefsessel sitzen wird, steht noch nicht fest. Tyresö hat möglicherweise zwei wichtige Punkte im kampf um die Meisterschaft verloren. In letzter Sekunde verpasst Lisa Dahlkvist noch den Siegtreffer und so blieb es beim aufgrund der aufopfernd kämpferischen Leistung der Gastgeber nicht unverdienten Unentschieden.

 

Die breite Mitte

Das Mittelfeld in dieser Saison ist groß. Bald wird auch der Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK dazugehören, der heute mal wieder ein Spiel verlor, erst die dritte Niederlage im zehnten Spiel bei sieben Siegen. Immerhin 2.700 Zuschauer kamen zum Skåne-Derby nach Kristianstad und nach dem Tor durch Emma Sjödahl in der 58. Minute ging man scheinbar in Richtung Sieg Nummer acht.

Aber die Dänin Johanna Rasmussen drehte den Spieß um. Der Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß und dann auch das 3:1 nach einer „verunglückten“ Flanke gingen auf ihr Konto, dazwischen bediente sieKatrin Omarsdottir, die den Führungstreffer erzielte. Nach dem Rückstand spielte Kristianstad mit einer Dreierkette und setzte alles auf Offensive.

Ex-Kristianstadspielerin Sofie Andersson: „Wenn man nicht sein normales Niveau erreicht, muss es wohl so ausgehen.“

Dass KIF Örebro kein Team ist, das im Abstiegsstrudel beheimat sein sollte, hatte man zuletzt bei zwei Heimniederlagen gezeigt (!). Sowohl gegen Vittsjö wie gegen LdB FC Malmö hatte es jeweils ein 3:4 gegeben, gegen Malmö verlor man erst in der Nachspielzeit. In einem ausgeglichenen Spiel in Göteborg gegen Jitex konnte man heute den Erfolg ernten. Linda Franssons Tor blieb das einzige der Begegnung, Örebro ist immer noch Zehnter mit nun zehn Punkten, aber wieder auf Tuchfühlung zum Mittelfeld, in dem Jitex mit 12 Punkten nun näher gekommen ist. Nationalspielerin Sara Larssón wurde nach ihrer Fersen-OP erstmals wieder eingewechselt, sie spielte sieben Minuten. Einige glauben, dass Thomas Dennerby die Innenverteidigerin noch diese Woche in seinen Olympia-Kader berufen könnte, was sicher sehr gewagt wäre.

Umeå und Göteborg trennen doch Welten mittlerweile. Umeå bleibt auf dem neunten Platz nach einem nie gefährdeten 3:0 Sieg Göteborgs in der T3-Arena in Umeå. Sara Lindén, Linnéa Liljegärd und Olivia Schough machten die Tore. Im Mittelfeld gibt es doch Unterschiede. Göteborg führt es auf Platz vier an und Umeå ist Neunter.

 

Aufsteiger übernimmt Tabellenführung

Durch einen 2:1–Sieg bei Jitex BK im einzigen Samstagsspiel übernahm gestern Aufsteiger Vittsjö GIK zumindest bis heute Nachmittag die Tabellenführung der Damallsvenskan. Und beim siebten Sieg im neunten Spiel kann man wohl nicht mehr von einer großen Überraschung reden.

Sofie Andersson brachte Vittsjö mit ihrem achten Saisontreffer in Führung und ist damit die beste Schwedin in der Torschützeniste, was aber nicht zu einer Berücksichtigung durch Thomas Dennerby für die Nationalelf reichte. Andersson verlängerter einen Freistoß der Neuseeländerin Kirsty Yallop mit dem Fuß. Der Ausgleich durch Christina Julien kam per Kopf, ebenfalls nach einem Freistoß.

Nach einer halben Stunde besorgte dann Emma Sjödahl den Siegtreffer in einem ausgeglicchenen Spiel.

„Es ist nicht leicht, gegen Jitex zu spielen, denn die geben einem kaum Chancen,“ sagte Vittsjös Trainer Thomas Mårtensson der Lokalzeitung Norra Skåne.

 

Vittsjö siegt und siegt

Drei Auswärtsspiele in Folge haben die genialen Terminplaner der diesjährigen Auflage der Damallsvenskan dem Aufsteiger Vittsjö GIK vom 8-10. Spieltag verpasst. Das heutige Spiel in der Behrns Arena bei KIF Örebro hätten wohl 95% aller Experten vor der Saison mit einer klaren 1 getippt. Zwei Monate nach Beginn der Saison sieht das anders aus.

Vittsjö holte seinen sechsten Sieg und liegt mit nunmehr 18 Punkten wenigstens bis morgen Abend auf dem zweiten Platz hinter Tyresö. Mit 4:3 gewann der Aufsteiger und liess es dabei erst in den letzten sieben Minuten spannend werden, als man die sichere 4:1 Führung noch in Gefahr brachte. Zweimal Sandra Adolfsson, Danesha Adams und Kirsty Yallop erzielten die Tore für den Aufsteiger, bei dem die Schottin Ifeoma Dieke nur auf der Bank sitzen konnte.

Örebro hat nur gegen die beiden Tabellenletzten AIK und Djurgården gewonnen, sowie gegen den derzeitigen Tabellenneunten Linköping einen Punkt geholt.

„Wir haben zu viele Fehler gemacht und zu einfache Tore zugelassen,“ sagte Örebros bislang weitgehend erfolgloser Trainer Rickard Nilsson. „Der Statistik zufolge hat Vittsjö bei fünf Schüssen auf das Tor viermal getroffen. Das ist ganz schön hart, weil die Mädels so gut gespielt haben,“ so Nilsson weiter. Bei Örebro schoss Neuzugang Linda Fransson (kam von Zweitligist Sunnanå) ihre ersten beiden Tore. Möglicherweise führt die Erkenntnis, dass Fransson ganz vorne besser zur Geltung kommt dazu, dass sie neben Sarah Michael, die den dritten Treffer erzielte, spielen wird.

Mandy van den Berg nach Vittsjö

Manchmal ist Twitter eben schneller als die Vereine mit ihren offiziellen Kommunikationswegen. Die 21-Jährige niederländische Nationalspielerin Mandy van den Berg verlässt ihren Verein ADO Den Haag, mit dem sie gerade niederländischer Meister wurde und kommt als fünfte Holländerin nach Manon Melis, Kirsten van De Ven, Renée Slegers und Lois Geurts nach Schweden. Wie Geurts wird van den Berg für den bislang sehr erfolgreichen Aufsteiger Vittsjö GIK aktiv sein.

Auf der Vereinsseite von ADO Den Haag wird van den Berg schon nach Schweden verabschiedet, lediglich der Verein wird noch nicht genannt. Diese Info sickerte aber heute in mehreren Tweeds durch.

Mandy van den Berg (Foto: ADO Den Haag)

Vittsjö gewinnt auch sein viertes Heimspiel

Djurgården hatte sich so viel vorgenommen nach dem Sieg gegen Umeå am letzten Sonntag. Da war die Hoffnung zurückgekehrt nach Stockholm und der Kampfgeist ebenso. In Vittsjö, gegen diesen mysteriösen Aufsteiger, da müsste man doch mit einer konzentrierten Leistung die Kurve fortsetzen können, die so vielversprechend gewendet worden war.

In der ersten Halbzeit war auch alles gut. Djurgården machte die Räume im Mittelfeld eng und Gudbjörg Gunnarsdottir, die Kapitänin zwischen den Pfosten, machte die größte Chance der Gastgeberinnen zunichte und hielt einen Foulelfmeter von Sandra Adolfsson.

Aber Adolfsson wollte den Fehler nicht auf sich sitzen lassen und hatte dabei mehr Erfolg als Robben gestern Abend in München. In der 66. Minute servierte ihr Sofie Andersson einen tollen Pass und es stand 1:0 für Vittsjö, das dieses Mal knapp unter 1.000 Zuschauern blieb. Der Bann war gebrochen. Sofie Andersson mit ihrem siebten Saisontreffer, Kirsty Yallop und Johanna Andersson erhöhten innerhalb von neun Minuten auf 4:0, ehe Natalia Rickne den Ehrentreffer für das neue Tabellenschlusslicht Djurgården erzielen konnte. Vittsjö, der von allen als Absteiger getippte Aufsteiger, liegt nach fast einem Drittel der Saison punktgleich mit Tyresö und Malmö auf Rang 3.

Ein Sonderlob meines Kollegen Fredrik Hasselgren verdiente sich IUnnenverteidigerin Ifeoma Dieke, die ihre Abwehr wohl so führte wie man das ansonsten nur von Faith Ikidi gewohnt ist.

Dritte Pokalrunde, erster Tag

Vier Spiele von 16 fanden am Dienstagabend statt. Dabei gab es drei standesgemäße Ergebnisse und eine faustdicke Überraschung: Drittligist Rödeby AIF warf den sensationellen Aufsteiger Vittsjö GIK aus dem Rennen – 2:1.

Außerdem spielten:

Vaksala – Sndsvall DFF 0:4
IFK Kalmar – Kristianstads DFF 0:5
Smedby AIS – Linköpings FC 0:5

Samstagsspiele: Susanne Moberg 3 und Anja Mittag 4?

Anja Mittag hat zum zweiten Mal in dieser Saison vier Tore in einem Spiel gemacht? Nachdem sie beim 7:1 gegen Umeå vor zwei Wochen viermal ins Schwarze getroffen hatte, taucht ihr Name viermal in der offiziellen Statistik nach dem 4:1-Sieg gegen Aufsteiger Vittsjö GIK auf.

Die Formulierung ist deshalb so gewählt, weil beim ersten Trefffer Unklarheit darüber bestand, ob es nicht ein Eigentor gewesen sei. Anja selbst hatte von einem Eigentor gesprochen, nachdem aber nun der schwedische Fußballverband für die 26-Jährige elf Treffer aus sechs Begegnungen auflistet, wurde ihr der Treffer zunächst also in der offiziellen Statistik zuerkannt. Mittag führt damit souverän die Torschützenliste vor Christen Press (Göteborg) und Sofie Andersson (Vittsjö) an, die zwar sechsmal trafen, aber eben schon fünf Treffer zurückliegen. Auf http://www.skanskan.se/webbtv/1635777577001/ldb-fc-malde-ner-vittsjo-gik kann man Ausschnitte aus dem Spiel sehen und dabei auch klar erkennen, dass der erste Treffer ein mustergültiges Eigentor ist. Dafür ist Anjas 2:1 ein Weltklasse-Tor, Ballannahme an der Strafraumkante und ein paar Zehntelsekunden später ein Schuss in den Winkel.

Ein paar Kilometer (96) weiter nordöstlich gab es eine weitere Spielerin, die ihren Samstag mit einem Hattrick krönte. Susanne Moberg schoss Kristianstad zum dritten Sieg in Folge und Kopparberg/Göteborgs FC erst einmal (?) weg aus der Spitzengruppe. Bemerkenswert, dass die beste Defensive der letzten Saison in zwei Spielen hintereinander nun sieben Gegentore bekommen hat. Johanna Rasmussen traf zwischendurch und Göteborg kam durch Sara Lindén zum 1:3.

Eine andere Nachricht aus Kristianstad dürfte insbesondere auch die deutschen Fans interessieren. Offenbar ist Margret Lará Vidarsdottir auf dem Weg zurück nach Skåne. Die Isländerin, die bei Turbine Potsdam nur wenige Spielminuten bekam, weil sie nach Meinung von Turbine-Coach Bernd Schröder zu untrainiert ist, leidet seit Jahren an Rückeproblemen. Kristianstads Trainerin Elisabet Gunnarsdottir ließ Margret Lara deshalb immer nur die Hälfte aller Trainungseinheiten absolvieren, ist der Meinung, dass die Isländerin eine Klassestürmerin ist. Immerhin traf sie 16mal in der letzten Saison und wurde gemeinsam mit Manon Melis Torschützenkönigin.

Es gibt Gespräche über eine Rückkehr Vidarsdottirs. Gleichzeitig soll Turbine Potsdam sehr stark an der schwedischen Nationalspielerin Sofia Jakobsson interessiert sein, deren Vertrag bei Rossiyanka in Moskau im Juni ausläuft.

„Wir wissen um Margrets Situation in Deutschland und die ist nicht gut. Sie wäre selbstredend herzlich willkommen in Kristianstad,“ sagte KDFF:s Sportdirektor Mikael Forsberg.

Die Begegnung von Malmö gegen Vittsjö war offener, als es das 4:1 für den Meister aussagt. Den Führungstreffer Mittags glich Danesha Adams mit ihrem fünften Saisontor aus.

Vittsjö stürmt Tabellenspitze

Nilla Fischer hatte sich ihre Rückkehr nach Vittsjö sicher anders vorgestellt. Vor zwölf Jahren hatte sie da zuletzt gespielt, heute kehrte sie mit dem zugegeben schlecht gestarteten Meisterschaftsanwärter Linköping  zurück in das 1600-Seelendorf. Wegen ihr hatte man gar einen Topspielzuschlag erhoben – 40 Kronen mehr für Erwachsene und 40 Kronen für Kinder, die in sieben anderen Heimspielen der Saison freien Eintritt haben.

Vittsjö hatte nach der Auftaktniederlage gegen Umeå nacheinander AIK, Göteborg und Piteå geschlagen und vieles sprach heute dafür, dass sich das teure Linköping zusammenreissen würde. Aber Charlotte Rohlins Gehirnerschütterung und die Ladehemmung bei den Topstürmerinnen waren auch nicht von der Hand zu weisen.

Vittsjö spielt auf einer Woge des Erfolgs und wie Sofie Andersson heute sagte: „Wir haben ein wenig Glück gehabt, das wir so gut gestartet sind, denn die noch unerfahrenen Spielerinnen sind gar nicht zum Nachdenken gekommen, sie gehen raus und machen ihr Spiel und jetzt mit immer mehr Selbstvertrauen.“

Sofie hat auch im zwanzigsten Ligaspiel hintereinander getroffen. In der 77. Minute leitete sie den, darf man noch sensationell sagen?, 3:0 Sieg gegen Linköping ein. Den Gegner ergriff nach Anderssons sechstem Saisontreffer endgültig die Panik eines völlig verkorksten Saisonstarts. Das Trainerduo Christian Andersson und Denise Reddy brachte die offenbar angeschlagene Manon Melis für Lisa DeVanna rein und Vittsjö konterte Linköping eiskalt aus. Zweimal kam Danesha Adams zum Zug und auf einmal hieß es 3:0 für den Fußballzwerg, den alle als Absteiger gesehen haben und der nun bereits 11 Punkte Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze hat.

Die Schussstatistik ging mit 12:5 an Vittsjö, die Ecken mit 7:3. Schon gegen Göteborg hatte Vittsjö diese Statistiken dominiert, die einen gewissen Eindruck geben.

„Man muss froh sein, so lange es dauert. Das Märchen geht weiter,“ strahlte Mannschaftskapitänin Sofie Andersson.

Vittsjö – Das Märchen geht weiter

In der Saison 2012 verabschiedeten sich die Absteiger Hammarby und Dalsjöfors mit jeweils acht Punkten aus der Liga. Hammarby erzielte sieben, Dalsjöfors neun Tore – in der ganzen Saison. Nimmt man diese Vergleichszahlen, dann sieht es für Aufsteiger Vittsjö GIK, den ALLE Experten auf der Abstiegsliste hatten, rosig aus. Nach nur vier Spieltagen hat man bereits neun Punkte auf der Habenseite und acht Tore geschossen. Fünf davon gehen auf das Konto von Kapitänin Sofie Andersson, die nun das Kunststück geschafft hat, in 19 aufeinander folgenden Ligaspielen in Liga 2 und Liga 1 jeweils Tore zu schießen.

Gestern am frühen Nachmittag kamen 1100 Zuschauer auf den Sportplatz von Vittsjö und sahen den 2:1 Erfolg des Aufsteigers über Piteå IF. Zwei Tore von Sofie Andersson in der ersten Halbzeit bahnten den Weg. Der zweite Treffer ging dabei auf die Kappe von Ersatztorhüterin Maria Rönnbäck (die Australierin Lydia Williams erlitt einen Kreuzbandriss), die einen Abstoß kerzengerade in die Luft setzte, der Ball landete kurz hinter der eigenen (!) Strafraumgrenze bei Danesha Adams, die den Ball schnell zu Sofie Andersson weiterköpfte, die den Ball dann nur noch an Rönnbäck vorbei ins Netz rollen musste.

In der zweiten Halbzeit nahm Piteå das Heft die Hand,kam aber nur noch zum Anschlusstreffer durch die Amerikanerin Jennifer Nobis, die auch schon zum vierten Mal traf. Am Abend schrieb Nobis in ihrem Blog, dass sie Vittsjö eigentlich stärker erwartet hatte. Piteå hätte wenigstens einen Punkt gewinnen müssen in einem ausgeglichenen Spiel. Piteå-Tidningens Reporter Bo Lundkvist zeigt sich in seinem Bericht nicht begeistert von der Schiedsrichterin, die in engen Situationen immer für die Heimmannschaft gepfiffen hätte. Vittsjö hat am kommenden Wochenende ein weiteres Heimspiel gegen Meisterschaftsmitfavoriten Linköpings FC.