Rettung innerhalb einer Woche

Was müssen die Spielerinnen von KIF Örebro gezittert haben? Eine hundsmiserable Saison wird es am Ende sein, aber das Abstiegsgespenst ist jetzt (fast) vertrieben. Das Konkursgespenst auch. Und zwei Tore reichten aus, um innerhalb von Wochenfrist Jitex und Umeå mit jeweils 1:0 zu schlagen und sechs Punkte zu machen, mit denen man AIK auf sechs und Djurgården auf sieben Punkte Abstand hält.

Linda Fransson erzielte das Tor des Tages in Umeå. In der 80. Minute einer Begegnung, in der Örebro mehr wollte. Und am Ende gewann. Die von mit sehr geschätzte Abwehrspielerin und Kapitänin Umeås Emma Berglund sollte gelernt haben, dass es trotz Frust bei einem 0:5-Rückstand dem eigenen Team nichts bringt, wenn man in der 90. Minute vom Platz gestellt wird und seiner Mannschaft im nächsten Spiel fehlt. Auch das war ein Vorteil für Örebro an diesem Samstag.

Thérese Boström nach Umeå

Thérese Boström wechselt nach Umeå

AIK hatte fünf nominierte Spielerinnen zur U19-EM in der Türkei, bei der Schweden den Titel gewann. Eine davon verlässt den Verein bereits jetzt mit sofortiger Wirkung aus eher privaten Gründen: Thérese Boström zieht es aus Studiengründen nach Norden, sie wird an der Universität Umeå ein Studium aufnehmen. Und Umeå IK vermeldet, dass man Boström mit sofortiger Wirkung in seinen Kader aufnehmen wird.

In 52 Spielen für AIK hat Thérese immerhin zehn Tore erzielt.

Jojo Göteborg

Falls sich Kopparberg/Göteborgs FC jemals umbenennen will, um seinen dank des Hauptsponsors ziemlich beknackten Vereinsnamen zu ändern, hätte ich einen Vorschlag: Jojo Göteborg. Auf und ab ging es diese Saison, die man bereits jetzt als insgesamt schlecht zu den Akten legen kann. Denn der angestrebte Spitzenplatz ist mindestens zehn Punkte weit weg, wobei die führenden Malmö und Tyresö sogar noch ein Spiel weniger haben.

Doch gestern, im Heimspiel gegen Umeå IK brillierte Torbjörn Nilssons Mannschaft mal wieder eine Halbzeit lang. 5:0 hieß es am Ende nach Toren von Christen Press (2), Anita Asante, Sara Lindén und Amanda Edengren.

Nach einer ereignislosen ersten Halbzeit drehte Göteborg in der zweiten Hälfte auf. Überragend: die neue Amerikanerin Yael Averbuch, die mit glänzenden Pässen brillierte. Christen Pressberichtet, dass man sich vor dem Spiel zusammengesetzt hatte: „Wir haben gesagt, dass wir nun für den Rest der Saison alles geben wollen. Es wie einen Endspurt betrachten werden.“ Press räumte selber ein, dass sie trotz ihrer zwölf Tore bislang eine durchwachsene Saison gespielt habe. „Vielleicht habe ich nicht alle Chancen verwertet, die ich bekommen habe, aber ich musste der Mannschaft auch auf andere Weise helfen.“

Anita Asante gelang mit einem fulminanten Schuss ein Traumtor. In der Schlussphase des Spiels wurde es ungewohnt hektisch: Christen Press sah gelb, weil sie eine Gegenspielerin in die Bande geschubst hatte und Umeås Mannschaftskapitänin Emma Berglund sah in der Nachspielzeit gar gelb-rot nach einem Disput mit der Schiedsrichtern. Wenn es stimmt, was Johanna Almgren (Göteborg) später auf Twitter schrieb, stellte Berglund der Schiedsrichtern wohl die klassische Frage, ob diese blind sei.

Umeå gewinnt die „Schlacht um Norrland“

Offenbar sind die Schweden weniger empfindsam, was militärische Metaphern angeht als wir Deutsche. Denn das Nordschwedenderby „die Schlacht um Norrland“ (slaget om Norrland) zu nennen, fand ich doch schon etwas naja.

Wie auch immer: nach zwei Spielen zwischen Umeå und Piteå steht es 1:1, denn hatte Piteå in der hemischen LF-Arena noch mit 3:1 reüssiert, war gestern Umeås Stunde gekommen. 2:0 zu Hause durch Tore von Jenny Hjohlman und Emmelie Konradsson.

„Ich bin nicht so gut mit dem Kopf, Kopfballtore sind nicht so häufig für mich. Aber es war schön, ein Tor zu machen. Natürlich war es frustrierend, keine Tore zu schießen, denn man will ja letztlich Tore machen. Gleichwohl bin ich immer besser ins Spiel gekommen,“ sagte Hjohlman nach dem Spiel der Lokalzeitung Västerbottenkuriren.

Umeå gewinnt wichtige Punkte

Man hat kein gutes Gefühl für den Stockholmer Fußball. Nachdem Djurgården gestern nach seinem 12. Spiel auf sechs Punkten stehen blieb, ereilte AIK heute Abend dasselbe Schicksal. Das Nachholspiel in Umeå ging 1:3 verloren. Damit kann sich Umeå deutlich von den Abstiegsplätzen distanzieren. Neun Punkte beträgt jetzt der Abstand auf AIK und Djurgården.

Das Spiel war recht eindeutig. Lediglich ein Schuss auf das Tor von Umeå und der brachte auch das 1:3. Susan Varli traf für AIK, nachdem man bereits 0:3 zurücklag durch Tore von Tuija Hyyrynen, Lina Hurtig und Emma Åberg Zingmark.

Die Amerikanerin Lori Chalupny, die AIK verstärken soll, hat noch keine Arbeitserlaubnis, dürfte aber am Sonntag daheim gegen Göteborg (ffschweden wird dabei sein) spielen.

Malmö, Göteborg und Jitex im Halbfinale

Am Sonntag schon erreichte LdB FC Malmö durch einen knappen 1:0-Sieg über Umeå IK das Halbfinale des schwedischen Pokals. Die 17 Jahre alte Sofie Anker Kofoed erzielte den einzigen Treffer des Spiels. Ramona Bachmann wurde geschont und offenbar hat sich Anja Mittag leicht verletzt, denn sie fehlt heute Abend in der Truppe die Malmö nach Stockholm geschickt hat zum Nachholspiel gegen Djurgården. Ebenfalls nicht dabei Al Riley.

In Piteå kam es, wieder mal, zu einem spannenden Spiel gegen Jitex aus Mölndal bei Göteborg. Zwar sorgten Josefine Johansson und Hanna Pettersson für eine schnelle 2:0-Führung der Gastgeberinnen nach nur elf Minuten, aber der Anschlusstreffer von Elin Karlsson kurz vor der Pause war ungeheuer wichtig für die Gäste, die vor der Sommerpause eine Niederlagenserie hatten. Elin Sandgren schoss in der 64. Minute den Ausgleich und in der sechsten Minute der Verlängerung gelang Leena Puranen der Siegtreffer für die Gäste, die im Halbfinale in zwei Wochen auf den Sieger der heutigen Begegnung zwischen Zweitligatabellenführer Mallbacken und Tyresö treffen werden.

Auf Meister Malmö trifft im Halbfinale Pokaltitelverteidiger Kopparbergs/Göteborg. Nach den Abgängen von Lisa Ek und Jane Törnqvist vor der Sommerpause setzte man sich überraschend deutlich mit 3:0 gegen Kristianstad durch. Zweimal Christen Press und Linnéa Liljegärd die Tore für den Gastgeber, bei dem die neuen Amerikanerinnen Camille Levin und Yael Averbuch noch nicht zum Einsatz kamen.

P.S. Umeå IK und Dalsjöfors

Vorgestern schrieb ich hier über Umeå IK, es ist Zeit für ein post scriptum. Denn auf der Heimatseite des Vereins fasst der Vereinsvorsitzende Erik Orring das erste Halbjahr zusammen und es ist noch ein wenig ernüchternder als meine Zeilen…

Der 64-Jährige Orring hatte knapp 20 Jahre als Chef der Zeitung Västerbotten Kuriren gearbeitet und wurde nach Streit mit seinem Aufsichtsrat des Postens enthoben. Überraschend wurde er wenig später Vorsitzender von UIK. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, den Sportjournalisten Niklas Westman zum Clubchef zu ernennen.

Die große Freude Umeås ist, dass Eigengewächs Emma Berglund einen Stammplatz in der Nationalmannschaft hat. Alles andere klingt weniger gut.

„Die große Herausforderung für den Verein ist die wirtschaftliche Situation,“ schreibt Orring. „Wenn wir die Einnahmenseite nicht erhöhen können, gibt es keine Voraussetzungen Umeås Engagement im Leistungssport fortzusetzen. Aus unterschiedlichen Gründen wählten einige Sponsoren im Frühjahr, ihren Einsatz für Umeå und den Frauenfußball zu reduzieren. Ich will nicht verschweigen, dass dieses Engagement in den Männerfußball transferiert wurde“

Das klingt nicht gut und jetzt sucht der Verein einen Verkaufsexperten, der die Idee und das Konzept Umeå an Sponsoren in der Region und darüber hinaus verkaufen kann, um den Verein langfristig in der ersten Liga zu halten.

Noch ein PS. Dalsjöfors. Immer noch kämpft der Verein gegen die unsichtbaren Windmühlen und versucht, die notwendigen 1,4 Millionen Kronen aufzutreiben, um den Konkurs zu vermeiden, der ansonsten am 01.08. wirksam wird. Und heute Abend vermerldet man auf seiner Homepage, dass man nun 100.000 beisammen hat. Das ist rührend, aber leider sind das nur etwas mehr als 7%. Am Montagabend steht der nächste Spieltag auf dem Programm, wenn kein Wunder mehr geschieht, wird sich der Verein wohl aus dem Spielbetrieb zurückziehen, denn wie es heißt haben sich die Spielerinnen dagegen entschieden, dafür zu zahlen, dass sie spielen dürfen, um dann doch so oder so abzusteigen. Ich bin kein Sportjurist, aber wenn ich Paragraph 17 der Wettbewerbsbedingungen des schwedischen Fußballverbandes richtig verstehe, dann würde im Falle eines Rückzugs just Artikel 17 (walk over) greifen. Demnach würden alle Spiele mit Dalsjöfors aus der aktuellen Tabelle anulliert.

Lediglich drei Teams würden Punkte verlieren: Östers und Tölö je 3 und QBIK 1.

In der Tabelle würde der Zweite Mallbacken davon extrem profitieren, da die drei „Punkteabgeber“ auf den Rängen 3-5 liegen.

 

 

Halbzeit (9): Umeå IK

Joakim Blomkvist wirkt etwas ratlos

Als ich anfing, über Frauenfußball in Schweden zu schreiben, gab es eine Mannschaft, die alles dominierte: Umeå IK. Sie waren das Maß aller Dinge, sie hatten den „vinnarskalle“, den Sieger(innen)schädel, und setzten sich am Ende immer wieder durch. Manchmal auch schon viel früher mit gehörigem Abstand zum Rest des Feldes, das nur ehrfürchtig und bewundernd gen Norden blicken konnte, immerhin liegt die 100.000-Einwohnerstadt gut 800 km oder eine Flugstunde nördlich von Stockholm.

Damals hieß der Sportdirektor Roland Arnqvist, im Team gab es Spielerinnen wie Malin Moström, Anna Sjöström, Marta, Elaine, Maria Bergkvist und last but not least Hanna Ljungberg.

Das ist noch nicht so furchtbar lange her, aber wenn man UIK nach der Hälfte der Saison an neunter Stelle wiederfindet, dann weiß man, das es bergab gegangen ist. 2009 setzte die große Spielerinnenflucht ein, da verschwanden nach Marta auch Ramona Bachmann, Johanna Rasmussen, Mami Yamaguchi, Madelaine Edlund und Elaine Richtung USA, es gab ein mittelmäßiges Jahr, aber letztes Jahr war Umeå fast bis zum Ende der Saison imstande Meister zu werden. Ramona war zurück in der Stadt, die für sie neben Luzern als zweite Heimat erschien und Umeå spielte unter seinem jungen Trainer Joakim Blomqvist einen herzerfrischenden, attraktiven Fußball.

Zu dieser Saison gingen dann wieder einige. Bachmann wollte CL spielen und folgte dem Lockruf Malmös, Sofia Jakobsson ließ sich im Nordosten Moskaus in Rubel bezahlen und mit Hanna Pettersson verschwand eine weitere Goalgetterin, in diesem Falle nördlich nach Piteå. Und Umeå spielt wieder eine mittelmäßige Saison. Es fing so gut an mit dem 4:1 gegen Vittsjö, dem darauf folgenden Auswärtssieg in Örebro.

Da dachte man, dass man Umeå und seinen vielbeschworenen Kampfgeist wieder einmal unterschätzt hatte. Leider war es nicht so. Die Doppelklatsche am vierten und fünften Spieltag mit dem 1:7 in Malmö und danach daheim 1:5 gegen Tyresö versetzte dem Team einen Schock, von dem es sich nicht mehr erholte. Nach beiden Niederlagen sprach ich mit Kapitänin Emma Berglund, die heute Abend gegen Südafrika wohl von Beginn an für Schweden auflaufen wird, und Emma versicherte mir, dass man diese beiden Spiele abhaken würde und dass man nach vorne blicken würde. Es folgte das 0:1 bei Abstiegskandidat Djurgården.

Lediglich der Sieg bei Kristianstad machte zwischendurch etwas Mut. Absteigen wird Umeå nicht und auch wenn sich von den in der Tabelle weiter zurückliegenden Stockholmer Vereinen AIK und Djurgården einige Hoffnung machen, dass man just Umeå einholen könne, dann denke ich, dass man sich irrt. Das Spielermaterial, wie man so unschön sagt, reicht aus, um in der Damallsvenskan zu bestehen. Vor dem nächsten Jahr wird sich dann jedoch die Frage stellen, wohin Umeå gehen wird bzw. kann. Langfristig bedarf es Investitionen um die Klasse zu erhalten und sich nach oben zu orientieren.

Wochenspiele

Wegen einer Dienstreise nach München konnte ich nicht „zeitnah“ über die Spiele Göteborg – AIK und Piteå -Umeå schreiben.

Als ich am Dienstagnachmittag die fünf U19-Nationalspielerinnen von AIK traf (Artikel mit Bildern und Kurzinterview kommt morgen, einen Tag vor Beginn der EM in der Türkei), sagte ich ihnen noch zum Abschied, dass ich glaube, dass sie einen Punkt aus Göteborg mitbringen würden.

Ich hätte wetten sollen, denn als ich im LUFTHANSA-Bus vom Münchner Franz-Josef-Strauss-Flughafen auf dem Weg in die Innenstadt war, lag AIK durch einen Treffer von Susan Varli mit 1:0 in Führung und mehr als den Ausgleich durch die Engländerin Anita Asante brachte der Vizemeister nicht mehr zustande. AIK tauschte dank des Punktgewinns wieder den Platz mit Djurgården und ist jetzt Vorletzter.

Am Donnerstag abend kamen 2.492 in die LF Arena nach Piteå. Freier Eintritt für alle Teilnehmer eines Jugendturniers erklärt diese neue Jahresbestzahl eher als die Tatsache, dass es ein „Lokalderby“ ist. Fazit: Piteå ist nun die Nummer eins in Nordschweden. Durch den 3:1 Sieg über den Ex-Meister liegt Piteå nun erst einmal auf Platz fünf, vier Punkte vor dem Neunten Umeå. Hanna Pettersson und Josefine Johansson erzielten die Tore für Piteå, ein Eigentor Umeås brachte das 2:0 und Rita Chikwelu traf für Umeå, dessen Saison nach gutem Start nun in der Mittelmäßigkeit zu enden droht.

 

Die breite Mitte

Das Mittelfeld in dieser Saison ist groß. Bald wird auch der Sensationsaufsteiger Vittsjö GIK dazugehören, der heute mal wieder ein Spiel verlor, erst die dritte Niederlage im zehnten Spiel bei sieben Siegen. Immerhin 2.700 Zuschauer kamen zum Skåne-Derby nach Kristianstad und nach dem Tor durch Emma Sjödahl in der 58. Minute ging man scheinbar in Richtung Sieg Nummer acht.

Aber die Dänin Johanna Rasmussen drehte den Spieß um. Der Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß und dann auch das 3:1 nach einer „verunglückten“ Flanke gingen auf ihr Konto, dazwischen bediente sieKatrin Omarsdottir, die den Führungstreffer erzielte. Nach dem Rückstand spielte Kristianstad mit einer Dreierkette und setzte alles auf Offensive.

Ex-Kristianstadspielerin Sofie Andersson: „Wenn man nicht sein normales Niveau erreicht, muss es wohl so ausgehen.“

Dass KIF Örebro kein Team ist, das im Abstiegsstrudel beheimat sein sollte, hatte man zuletzt bei zwei Heimniederlagen gezeigt (!). Sowohl gegen Vittsjö wie gegen LdB FC Malmö hatte es jeweils ein 3:4 gegeben, gegen Malmö verlor man erst in der Nachspielzeit. In einem ausgeglichenen Spiel in Göteborg gegen Jitex konnte man heute den Erfolg ernten. Linda Franssons Tor blieb das einzige der Begegnung, Örebro ist immer noch Zehnter mit nun zehn Punkten, aber wieder auf Tuchfühlung zum Mittelfeld, in dem Jitex mit 12 Punkten nun näher gekommen ist. Nationalspielerin Sara Larssón wurde nach ihrer Fersen-OP erstmals wieder eingewechselt, sie spielte sieben Minuten. Einige glauben, dass Thomas Dennerby die Innenverteidigerin noch diese Woche in seinen Olympia-Kader berufen könnte, was sicher sehr gewagt wäre.

Umeå und Göteborg trennen doch Welten mittlerweile. Umeå bleibt auf dem neunten Platz nach einem nie gefährdeten 3:0 Sieg Göteborgs in der T3-Arena in Umeå. Sara Lindén, Linnéa Liljegärd und Olivia Schough machten die Tore. Im Mittelfeld gibt es doch Unterschiede. Göteborg führt es auf Platz vier an und Umeå ist Neunter.

 

Zwei Serien gehen zu Ende

Linda Molin (Foto: Umeå IK)

Alle Serien gehen bekanntlich mal zu Ende. Die Gastgeber hatten viermal in Serie gewonnen, die Gäste viermal nicht gewonnen. Am Ende holte Umeå IK drei Punkte in Kristianstad und gewann 1:0 durch ein Tor von Einwechselspielerin Linda Molin.

1398 Zuschauer waren gekommen, Rekord in der kleinen Stadt in Skåne, weil einer der Hauptsponsoren des Vereins allen freien Eintritt bot und natürlich auch weil die Mädels um Kosovare Asllani eben deutlich Richtung Tabellenspitze tendierten. Ab heute hat man wieder fünf Punkte Rückstand auf das Trio Tyresö, Malmö und Vittsjö und ist nur die Nummer drei in Skåne. Kristianstadsbladet schreibt, dass KDFF durchweg mehr Ballbesitz hatte, aber ungewöhnlich ineffektiv war. Und nach dem Gegentreffer warf man alles nach vorne und die eingewechselte Elin Nilsen hämmerte das Leder an die Latte, es blieb aber beim 1:0 für Umeå, das sich nun wieder in die sichere Mitte der Tabelle einsortiert hat.

Auf der neugestalteten Homepage des Rekordmeisters kommt die 20-Jährige Torschützin zu Wort: „Wir haben uns maximal auf dieses Spiel vorbereitet und unseren Plan durchgezogen. Kristianstad ist stark und besonders zu Hause sehr schwer zu spielen. Aber wir haben uns gut gewehrt und nie zurückgesteckt,“ so Linda Molin.

 

Punkteteilung in Umeå

Leena Puranen, finnische Nationalspielerin und seit dieser Saison bei Jitex BK unter Vertrag, schrieb heute Abend auf Facebook, dass sie diesen Abend nicht geniessen könne in ihrem Hotel in Umeå. Ich antwortete ihr, dass es ihr vermutlich dennoch besser gehen müsste als einem gewissen Bastian Schweinsteiger. Irgendwo kann man sie aber schon verstehen, denn Jitex ging in der 87. Minute durch Kapitänin Sofia Karlsson nach einer Ecke mit 1:0 in Führung. In einem sehr ausgeglichenen Spiel. schoss dann aber Fanny Hjelm noch den Ausgleich in der Nachspielzeit.

Irgendwo kann man Leena Puranen schon verstehen, denn Jitex hat jetzt zum dritten Mal in Folge unentschieden gespielt. Und dabei hatte man gegen Göteborg eine Viertelstunde vor Schluss noch 3:0 geführt, gegen Piteå lag man zweimal in Führung und heute habe ich schon geschildert.

Da besteht also durchaus Handlungsbedarf für Trainer Stefan Rehn, denn drei Mal hat man Führungen immer wieder aus der Hand gegeben und so gesehen sechs Punkte liegen lassen. Für Umeå immerhin nach drei Niederlagen jetzt mit einem blauen Auge davon gekommen.

Aber auch ökonomisch geht es Umeå längst nicht gut. Dieser Tage las ich einen Artikel in der Regionalzeitung Västerbottens Kuriren, in dem davon die Rede war, dass dem Verein umgerechnet 164.000 € fehlen, um den Haushalt 2012 ins Gleichgewicht zu bringen. Im Frauenfußball ist das bekanntermaßen viel Geld. Aber der Vereinsvorsitzende Erik Orring übt sich in Gelassenheit. „Es gibt absolut keine Krise. Vergangenes Jahr waren wir ungefähr in einer vergleichbaren Situation. Wenn es eine Krise gibt, verspreche ich, euch das zu erzählen.“

Fügt dann aber hinzu: „Wenn wir uns verbessern sollen, brauchen wir mehr Geld. Wenn das nicht geht, müssen wir unsere Zielvorstellungen modifizieren.“

Pokal, Runde 3, Teil 2

Dass der schwedische Pokal glanzlos über die Runden gebracht wird, darüber regen sich Frauenfußballfans und -experten schon seit Jahren auf. Umsonst. Vergangenes Jahr wurde das Finale zwischen Kopparberg/Göteborgs FC und Tyresö FF im Fernsehen übertragen, es war sogar hinreichend dramatisch und erst im Elfmeterschießen von der Heimmannschaft (!) gewonnen, aber es kamen dennoch nur 920 Zuschauer. Das nimmt man grad nun gern zum Vergleich, wenn in Köln beklagt wird, dass „nur“ knapp 16.000 den FC Bayern seinen ersten großen Titel gegen bis heute in dieser Saison titellose Frankfurterinnen gewinnen sahen.

Immerhin: Gestern Abend kamen zum Zweitligisten Sirius in Uppsala sage und schreibe 1.526 Zuschauer zum Pokalspiel der dritten Runde. Warum? Marta Vieira da Silva war zu Gast und im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen, die in solchen Begegnungen die Stars auf der Bank sitzen lassen, muss man Tyresö und seinem Trainer Stefan Fredriksson ein Kompliment machen. Zwar ließ auch er Torfrau Carola Söberg, dazu Linda Sembrant, Johanna Frisk und Madelaine Edlund zunächst auf der Bank sitzen und gab den Reserven Jessica Höglander (U19-Nationaltorfrau), Jennifer Egelryd, Pauline Hammarlund (U19-Torschützin beim 1-0 in Västerås, das Deutschland aus der EM kickte) und Helén Eke einen Starteinsatz, aber Superstar Marta spielte von Beginn an und wurde erst nach 75 Minuten vom Feld geholt. Bis dahin war das Spiel aber auch schon gelaufen. Kirsten van de Ven hatte zweimal getroffen und Lisa Dahlkvist ihren ersten Treffer in einem Wettbewerbsspiel für Tyresö erzielt. Da war nur noch Statistik, als am Ende U16-Nationalspielerin Marija Banusic (die ich im Januar traf und deren Talent mich sehr beeindruckte) noch das umjubelte Ehrentor schoss.

Djurgården verbrachte den Abend in Västerås beim Drittligisten Gideonsberg und gewann locker mit 8:0. Torschützen: Mia Jalkerud, Sofia Nilsson (je 2), Madeleine Stegius, Irma Helin, Natalia Rickne, Linda Lundberg. Dort stand Ersatztorfrau Tove Enblom erstmals in einem Wettkampfspiel zwischen den Pfosten.

Jitex gewann 7:0 in Mariestad, einem idyllischen Ort am südlichen Ufer des großen Vänern-Sees. 200 Zuschauer sahen Tore von Annica Sjölund (3), Caroline Lindblad, Kristine Lindblom, Christina Julien und Kristin Karlsson.

Nach drei Niederlagen in Folge gewann Umeå IK sein Auswärtsspiel beim Tabellenführer der zweiten Liga Nord, Sunnanå SK, mit 2:1. Nationalspielerin Emma Berglund brachte Umeå durch einen Foulelfmeter in der zweiten Halbzeit in Führung. Nina Jakobsson glich nach Vorlage von Perpetua Nkwocha aus. Jenny Hjohlman sorgte schließlich für die Entscheidung in der 67. Minute, obwohl Sunnanå durchaus Chancen zum Ausgleich hatte. Die UIK-Spielerinnen, deren bizarre Trikot- oder besser Hosenbodenwerbung ich in einem Ohne-Worte-Post gezeigt habe, feierten den Sieg mit einem Duschwettkampf zwischen Caroline Jönsson und Pernilla Nordlund, deren Siegerin mir aber nicht gemeldet wurde.

Ebenfalls nur 2:1, wenn man so will, siegte der Pokalsieger 2010 KIF Örebro bei Jennifer Meiers früherem Club Bollstanäs SK. Sarah Michael und Marie Hammarström schossen die Tore für die Gäste, den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Jocelyn Charetteerzielt.

In einem Spiel zweier Drittligisten gewann Torslanda bei Stångenäs mit 5:4.

Und in Stockholm trafen die Traditionsclubs Hammarby und AIK aufeinander. Der Erstligist AIK siegte durch einen Treffer von Clara Markstedt verdient mit 1:0. Allerdings war ein Klassenunterschied weder im Ergebnis noch im Spiel zu bemerken. Der größte Unterschied zwischen beiden Teams schien mir, dass Hammarby, dass eben bis auf die Torhüterin einen völlig neuen Kader hat, sich in allen Mannschaftsteilen noch finden muss. AIK ist da wesentlich weiter. Der Tabellenletzte der Damallsvenskan hatte in Malin Diaz und Elin Bragnum seine besten Spielerinnen. Die früheren Hammarby-Spielerinnen Nazanin Vaseghpanah und Madeleine Tegström wurden eingewechselt.

Totgesagte leben länger

Jenny Hjohlmans Schuss - Gudbjörg Gunnarsdottir geht runterNein, das hätte ich Djurgården niccht zugetraut. Den gestrigen 1:0 Sieg über Umeå IK. Das frühe Tor von Mia Jalkerud versetzte Umeå in einen Zustand der Lähmung. Auch wenn die zwar zweimal die Querlatte trafen und sich die eine oder andere Chance erarbeiteten: Umeå wirkte einfallslos und enttäuschte auf der ganzen Linie gegen ein Djurgården, das kämpfte, füreinander spielte und zum ersten Mal in allen Mannschaftsteilen auch Verbindungen schaffte.

Smart von Trainer Patrick „Putte“ Eklöf die eigentliche Außenverteidigerin Sofia Nilsson ins rechte Mittelfeld aufrücken zu lassen. Das verbesserte die Qualität wesentlich. Abgesehen davon war es Nilsson, die sich in der sechsten Minute auf ihrem Flügel gegen mehrere Gegnerinnen durchsetzte und Jalkerud den Ball servierte, den sie wie vergangenes Jahr öfter geschehen klinisch zum Führungs- und späteren Siegtor verwandelte.

Thomas Dennerbz, den Innenverteidigungssorgen plagen, nachdem sich Charlotte Rohlin am letzten Donnerstag das Kreuzband riss und Sara Larsson noch immer nicht mit dem Balltraining begonnen hat, sah keine überzeugende Leistung von Nachrückkandidatin Emma Berglund. Die und ihre Partnerin Alexandra Nilsson, beide normalerweise sehr sichert, offenbarten ein ums andere Mal Unsicherheiten und schlechte Abstiummung. Die sieben Gegentore von Malmö und die fünf vom Heimspiel gegen Tyresö zuletzt haben da Spuren hinterlassen.

„Jetzt fängt die Saison endlich für uns an, ich wusste schon gar nicht mehr wie das ist, zu gewinnen,“ sagte mir Katrin Jonsdottir nach der Partie. Und Kapitänin Gudbjörg Gunnarsdottir strahlte, aber auf meine Frage, ob sie denn wie früher öfter geschehen, die Mannschaft zu sich nach Hause einladen würde, um den ersten Sieg zu feiern, sagte sie leicht verzögert: „ich glaube nicht, einige müssen ja morgen arbeiten.“

Nächster Gegner der Stockholmerinnen ist am Wochenende Aufsteiger Vittsjö, erst einmal jedoch geht es nach Västerås zum schwedischen Pokal am Donnerstagmittag.