Der dritte Versuch – Profiliga in den USA

Sie haben sich den richtigen Tag ausgesucht. Am Tag des olympischen Finales zwischen den USA und Japan gab der Manager der Boston Breakers, Michael Stoller, bekannt, dass man 2013 wieder eine Profiliga in den USA starten werde.

In der Tat wurde der Sieg des USWNT (United States Women National Team) in den USA medial gebührend gefeiert. Die New York Times publizierte einen langen Spielbericht, die Live-Übertragung wude von 4,35 Millionen Zuschauern auf dem Sportkanal von NBC gesehen und sorgte damit für einen neuen Rekord. Selbst die Live-Sendung der Stanley-Cup-Eishockey-Finals 2009 und 2010 hatte weniger Zuschauer auf dem Network als das gestrige Frauenfussballspiel. 1,5 Millionen Internet-Livestreams wurden auf der NBC-Seite registriert – damit sorgten Solo, Morgan, Lloyd & Co. für einen neuen Rekord und hatten mehr Klicks als das 100-m-Finale mit Usain Bolt oder das gehypte Mannschaftsfinale im Kunstturnen der Frauen.

Ohne diesen neuerlichen Erfolg der USA wäre es sicher schwer gewesen, überhaupt wieder von einer Profiliga zu sprechen. Doch wie sieht das Konstrukt aus, dass gestern der Öffentlichkeit präsentiert wurde?

Fünf Teams stehen hinter der von Stoller publizierten Erklärung: Boston Breakers, Chicago Red Devils, Sky Blue sowie ein neu gegründetes Team in Seattle, also nicht die Sounders, bei denen Solo, Morgan und Sydney Leroux für diese Saison in einzelnen Spielen zur Verfügung standen. Das fünfte Team wird nicht genannt. Insgesamt ist von acht Franchises die Rede, wobei wenigstens ein Weiteres an der Westküste entstehen soll.

„Wir betonen, dass dies kein Wettbewerb gegen irgendeine der zur Zeit bestehenden Ligen ist. Es ist aber ein bedeutsamer Schritt auf eine andere Wettbewerbsebene und zu professionellen Strukturen. Es soll Teams ermöglicht werden, daran teilzuhaben oder auch auf die vorige Ebene zurückzukommen, falls sie eine Pause von höheren Ausgaben und stärkeren Wettbewerbsstrukturen brauchen,“ schreibt Michael Stoller.

Eines der wichtigsten Ziele, die genannt werden, ist, den Spielerinnen der amerikanischen Nationalmannschaft zu ermöglichen, auf einem professionellen Niveau zu spielen und sich zu entwickeln.
Das Interesse an ausländischen Stars dürfte, anders als bei der WPS-Gründung 2008/09 relativ gering sein. Man hat festgestellt, dass Ausländerinnen teuer sind und auf dem heimischen Markt nicht die Popularität erreichen wie die Stars der amerikanischen Nationalmannschaft. Ein Exodus aus Deutschland oder Schweden wird also nicht stattfinden, wohl aber vielleicht die eine oder andere amerikanische oder kanadische Spielerin, die in Europa aktiv ist, zurück auf den Heimatkontinent kehren, weil man dort nun auch wieder professionell spielen können soll.

Arnim Whistler, Besitzer der Chicago Red Devils, sagte, dass die neue Liga eine inklusive und keine exklusive Angelegenheit sein werde. Damit ist gemeint, dass man bal Mindestanforderungen an eine Mitgliedschaft definieren wird und alle Teams aus anderen, schon existierenden Ligen, die diese Anforderungen erfüllen, können sich beteiligen.

Vieles ist noch offen, ffschweden wird die weitere Entwicklung in den kommenden Wochen und Monaten verfolgen und im Blog darüber berichten.

 

Sundhage oder Dennerby?

In Schweden gibt es die Debatte schon ein ganzes Jahr und eine überwältigende Mehrheit der am Frauenfussball interessierten will, dass Pia Sundhage die schwedische Nationalmannschaft vor der EURO 2013 übernimmt. Und dass Thomas Dennerby aufhört.

Vergangenes Jahr, als die US Soccer Federation ihren Vertrag mit Sundhage um vier weitere Jahre verlängern wollte, lehnte die Schwedin ab. Nach so vielen Jahren im Ausland (China und USA) wolle sie nun wirklich endlich wieder in ihrer Heimat leben und arbeiten.

Der Vertrag der charismatischen Trainerin läuft im November aus, der Vertrag von Thomas Dennerby mit dem schwedischen Fussballverband geht bis Ende Dezember.

Karl-Erik Nilsson, der Vorsitzende des schwedischen Fussballverbands, hat unter der Woche in einem Interview mit der Zeitung Aftonbladet die Tür für Sundhage geöffnet und die für Dennerby scheint sich nach sieben Jahren zu schliessen.

Sieben Jahre hat Dennerby die schwedische Mannschaft betreut, sein grösster Erfolg die Bronzemedaille bei der WM 2011 in Deutschland. Doch die Spielerinnen gehen allmählich etwas auf Distanz. Lotta Schelin wirkte schon nach dem Kanada-Soiel in der Vorrunde (2:2) frustriert und klagte darüber, dass sie vorne ganz allein sei. Deutlicher wurde sie nach dem Ausscheiden gegen ihre französischen Vereinskameradinnen. 4-2-3-1 sei zu unflexibel gespielt worden, wenn der Gegner Druck mache, dann bekäme sie einfach keine Bälle mehr. Das war vorsichtige Kritik Richtung Trainerteam Dennerby / Ann-Helen Grahm, die stur an einem System festhielten.

Viel deutlicher wurde Caroline Seger am Tag nach dem Aus im Viertelfinale. Es sei Zeit für einen Trainerwechsel nach sieben Jahren. Dennerby habe das getan, was zu tun gewesen sei, aber nun seien auch mal neue Ideen gefragt.

Dabei müsste ein neuer Trainer gerade Spielerinnen wie Seger entweder neu motivieren oder auch einfach mal auf die Bank setzen. Die ehemalige Mannschaftskapitänin hat immer wieder mal zehn erstklassige Minuten, verschwindet dann aber in der Regel für eine gute Stunde in die Anonymität. Überhaupt wäre mehr Konkurrenzdruck gefragt. Logisch, dass Hedvig Lindahl ihren Platz als unumstrittene Nummer 1 im Tor räumen muss unter einem neuen Trainer. Trotz eklatanter Fehler in nahezu jedem Turnier bekam Lindahl immer wieder die Rolle der Nummer 1. Vermutlich wagte Dennerby nicht, der nicht unproblematischen Keeperin (bei Linköping und Göteborg wollte man sie jeweils nicht mehr haben) zu sagen, dass sie mindestens auf die Bank gehört.

Im Mittelfeld sind Spielerinnen wie Seger, Lisa Dahlkvist, Marie Hammarström und Nilla Fischer gesetzt gewesen und verkörpern eher den robusten schwedischen Spielstil. Was in Schweden unter Dennerby überhaupt nicht funktioniert, ist die schnelle Transition von den Jugendnationalmannschaften in die A-Mannschaft. Als sich Charlotte Rohlin und Sara Larsson aufgrund von Verletzungen von Olympia verabschieden mussten, rückten mit Emma Berglund und Linda Sembrant zwar gute Reservistinnen nach, aber Dennerby fehlte immer der Mut, wenigstens in den zahlreichen Vorbereitungsspielen einmal junge Nachwuchsspielerinnen zu nominieren, um auf die Arrivierten mehr Druck zu machen: Jennie Nordin, Amanda Ilestedt, Jessica Samuelsson in der Abwehr, Elin Rubensson und Malin Diazsollten in etwas weniger als einem Jahr unter vermutlich Pia Sundhage wenigstens im Gespräch sein.

Schon nach der EM 2009 soll gegen Dennerby aus Spielerinnenkreisen gemeutert worden sein. Man war bei der EM in Finnland gegen Norwegen klar ausgeschieden und der Spielerrat schrieb einen Brief an die stellvertretende Vorsitzende des Fusballverbands Susanne Erlandsson. Und bekam keine Antwort. Und schrieb noch einen Brief. Während der WM 2011, so behauptet ein Insider, hätte ein Kern der Mannschaft sich selber vor den Spielen zusammengesetzt und taktische Details ohne den Trainer besprochen und festgelegt. Harter Tobak, wenn das stimmen sollte.

Aber die voraussichtliche Nachfolgerin Pia Sundhage ist bei allem Respekt, den man vor ihr hat, auch keine Wunderheilerin. Mit der chinesischen Mannschaft ist sie an der Seite von Marika Domanski-Lyfors 2007 bei der WM gescheitert. Das lag wesentlich auch an dem Aufeinanderprallen der Kulturen der schwedischen demokratischen Mannschaftsführung und den anderen Vorstellungen des chinesischen Fussballverbands.

Als man Sundhage dann in die USA holte, wo sie mit den Boston Breakers den Meistertitel gewann, erhielt sie zu Recht den Traumjob im Frauenfussball. Und bedankte sich mit einer Silbermedaille bei der WM 2011 sowie zwei olympischen Goldmedaillen. Aber – bei der US Soccer Federation handelt es sich auch um eine Organisation, die den Frauenfussball ganz hoch ansiedelt und die eine hervorragende Struktur mit allen notwendigen Ressourcen anbietet. Darüber hinaus ist Frauenfussball in den USA vergleichsweise hoch angesehen und es gibt ein schier unerschöpfliches Reservoir an hervorragenden Spielerinnen und Talenten.

In Schweden ist das alles eine Nummer kleiner, der Verband ist in Wirklichkeit auch nicht so sehr am Frauenfussball interessiert, er generiert ja auch (fast) kein Geld.

Gestern Abend stand Pia Sundhage nach dem Spiel und der Siegerehrung alleine auf dem Rasen des Wembley-Stadions als ihre Spielerinnen Hope Solo, Alex Morgan, Carli Lloyd, Megan Rapinoe und Abby Wambach ausgelassen feierten und sich von Zuschauern fotografieren liessen.

Was ihr in diesem stillen Moment durch den Kopf gegangen sei, wollten Journalisten später von ihr wissen: „Ich habe mir selber klar gemacht, dass wir im Wembley-Stadion sind. Dass wir das Finale gespielt haben und die Spielerinnen ihr Gold gewonnen haben. Es ist schwer, das auf Englisch, selbst auf Schwedisch zu erklären. Ich hab auch gedacht, dass wir ein Teil einer richtig grossen Sache im Frauenfussball waren. Und dass wir nur der Anfang von etwas ganz Fantastischem sind.“

 

USA gewinnt hochklassiges Finale

Vor einem Jahr wurde Japan Weltmeister nach einem Spiel, das weitgehend von den USA dominiert wurde. Am Donnerstagabend gewann die USA ihre dritte Goldmedaille in Folge bei Olympischen Spielen nach einem 2:1-Sieg in einem Spiel, das weitgehend von Japan dominiert wurde.

Es muss eines der besten Spiele der letzten Jahre gewesen sein. Vielleicht hat Frauenfussball noch nie auf diesem hohen Niveau stattgefunden. Die USA gingen früh in Führung durch Carli Lloyd, die schon vor vier Jahren in Peking im Finale gegen Brasilien den einzigen Treffer markiert hatte Lloyd verwandelte eine fantastische Hereingabe von Alex Morgan, die endgültig auf dem Weg ist, die beste amerikanische Feldspielerin zu werden.

Die USA waren der haushohe Favorit, aber nach dem Führungstreffer verging noch eine Periode von zehn Minuten und Japan wurde immer stärker. Vorne Turbine Potsdams Yuki Ogimi, die ich spätestens nach diesem brillant von ihr gespielten Turnier zu den besten Stürmerinnen der Welt zähle. Ihr Kopfball aus vollem Lauf, den die überragende Hope Solo mit den Fingerspitzen an die Latte lenkte – grossartig. Kein Wunder, dass sie es war, die in der zweiten Halbzeit, nachdem die USA scheinbar alles klar gemacht hatten, als wieder Carli Lloyd traf, dieses Mal mit einem Weitschuss, den Ball nach einer Billardszene ins Tor bugsierte. Yuki steht fast immer goldrichtig, sie ist schnell, technisch, mannschaftsdienlich und hat einen vorzüglichen Instinkt.

Hope Solo – ihre Glanzparaden retteten die USA wieder einmal an diesem Abend vor über 80.000 in Wembley. 80.000 im Stadion und Millionen in aller Welt, die ein Spiel sahen, dass eine Werbung für den Fusball war. Leider nicht ganz auf der Höhe die sonst so souveräne deutsche Schiedsrichterin Bibiane Steinhaus, die in der ersten Halbzeit Japan einen klaren Handelfmeter versagte.

Japan spielte und dominierte, die USA kämpften und retteten sich am Ende sehr glücklich über die Zeit. Der verdiente Olympiasieg eines Teams, das schon im Halbfinale gegen Kanada aufgrund eines unberechtigten Handelfmeters überhaupt noch in die Verlängerung kam. Und trotzdem in jedem Spiel dieses Turniers eine Klasseleistung zeigte.

Bronze holte ebenfalls verdient und unverdient zugleich Kanada. Verdient, weil man im Halbfinale heroisch gegen die übermächtige USA gekämpft hatte, dreimal führte und nur mit Hilfe der Schiedsrichterin geschlagen wurde. Unverdient, weil Frankreich das Spiel um den dritten Platz vollständig dominierte und massenweise Torchancen vergab, während Kanada nur eine einzige hatte – die Diane Mattheson in der 92. Minute nutzte.

Auflösungserscheinungen

Mit dem Bloggen ist es derzeit ruhiger geworden, da ich seit vorgestern in England bin. Heute Nachmittag in London eingetroffen, wo es am Montag einen Besuch im Wembley-Stadion beim Halbfinale Frankreich  – Japan gibt. Aber ich werde nur sporadisch updaten, bis ich wieder zu Hause in Stockholm bin.

Gestern verlor Schweden bekanntlich mit 1:2 gegen Frankreich. Hedvig Lindahl zeigte ihren zweiten kapitalen Fehler im Turnier, dieses Mal war er im Gegensatz zum ersten Fehler (gegen Südafrika) spielentscheidend und der Anfang vom Ende der Schwedinnen im Turnier. Außer Thomas Dennerby und Lindahl selbst wunderte sich wohl niemand darüber.

Heute werden in der schwedischen Presse Stimmen laut, die sich ein Ender der Ära Dennerby wünschen. Der Vertrag des Kriminalkommissars geht noch bis Ende Dezember. Aber Lotta Schelin sagte zwar gestern nichts über Dennerby, stellte aber das Spielsystem in Frage. 4-5-1 lasse sie ziemlich oft alleine da vorne, zumal wenn die Gegnerinnen Schweden unter Druck setzen. Schon gegen Kanada hatte man Schelin angemerkt, dass sie nicht so ganz glücklich war. Deutlicher wurde Caroline Seger, die in den Abendzeitungen Expressen und Aftonbladet zitiert wird. Sie ist der Meinung, dass man bald den Trainer wechseln solle. Dennerby hätte sieben Jahre lang gut gearbeitet, nun sei es ander Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Pia Sundhages Vertrag mit den USA läuft noch bis November, aber allenthalben wird erwartet, dass der Wechsel von Dennerby zu Sundhage in den nächsten Wochen bekanntgeben wird.

Schweden gewinnt seine Gruppe – jetzt Frankreich

Das Spiel gegen Kanada in Newcastle begann mit einer kanadischen Offensive. Mindestens einen Punkt brauchte die Mannschaft von John Herdman, um sich wirklich eines Viertelfinalplatzes sicher sein zu können, zumal man als erste von drei Gruppen spielte und wie unsportlich das Dreigruppen-Prinzip ist, haben wir zuletzt bei der EM 2009 in Finnland gesehen, wo Dänemark als erster Dritter einfach ausmanövriert wurde. Das Spiel Norwegen – Frankreich habe ich selber in Helsinki gesehen, wo beide Teams eine halbe Stunde lang an die Schande von Cordoba erinnern wollten.

Schweden wollte gewinnen und ging mit drei Änderungen an den Start: Lina Nilsson spielte wieder statt Annica Svensson, Nilla Fischer kam für Lisa Dahlkvist zum Zuge und im offensiven Mittelfeld wich Johanna Almgren für Kosovare Asllani. Insbesondere Asllani spielt sich derzeit in die Herzen der Fans. Obwohl Kanada dominierte, ging Schweden durch einen Doppelschlag in Führung: Marie Hammarström und Sofia Jakobsson trafen, an beiden Toren war Asllani entscheidend beteiligt.

Kanada liess sich nur wenig beirren, setzte weiterhin auf ein von ihnen selten so gesehenes Angriffsspiel. Christine Sinclair und Melissa Tancredi hatten im Angriff Gesellschaft von Jonelle Filigno. Da wurde über die Flügel attackiert, durch die Mitte und letztlich auch mit Erfolg. Tancredi schoss beide Tore für Kanada. Die ehemalige Stürmerin des bankrott gegangenen Zweitligistn Dalsjöfors führt damit die Torschützenliste des Turniers mit vier Toren alleine nach der Vorrunde an.

Die Führung vergaben die Schwedinnen. Das Unentschieden war hochverdient und vielleicht sogar etwas glücklich für Schweden.

Stimmen.

Lotta Schelin: „Naja, wir führten mit 2:0 un natürlich will man das dann nicht mehr abgeben. Ich fand auch, dass wir Chancen hatten, weitere Treffer zu erzielen. Aber wir sind weiter, wir sind Gruppenerster, da gibt’s nicht so viel zu reden.“

Caroline Seger: „Wir haben Kanada zurück ins Spiel kommen lassen, die haben sehr hart gearbeitet und leider kriegen wir diese Scheisstore rein. Kanada spielt gerne offensiv mit seinen Aussenverteidigerinnen, also war das für uns eine gute Gelegenheit. Wir waren vielleicht etwas müde heute. Natürlich ist es nicht optimal, dass wir im Mittelfeld tauschen müssen, aber die Spielerinnen, die rein kommen, sind auch gut. Hoffentlich sind Lisa Dahlkvist und Nilla Fischer beide im Viertelfinale dabei. Wir wissen, dass wir besser sind als wir das heute gezeigt haben.“

Munter weiter twittern

Vor der Olympiade berichtete ffschweden, dass die mannschaftsführung Schwedens die Devise ausgegeben hatte, dass das Team möglichst wenig bis gar nicht Facebook, Twitter usw. benutzen sollte, um sich nicht ablenken zu lassen.

Die Mannschaft zeigt sich erwachsen – und twittert weiter. Zwar nicht in demselben Umfang wie bisher, aber regelmäßig und auch ab und an mit Fotos, die das Leben in den verschiedenen Hotels zeigen.

Dass Malin Levenstad das Zimmer mit Emma Berglund teilt, war bekannt. Heute morgen lud Malin ein Foto aus dem Zimmer des Hotels in Newcastle hoch.

Überall sind Volontäre. Stina Segerström, eine von vier Reserven im schwedischen Team, suchte gestern Abend den Trainingsraum, landete in der Garderobe und wurde von einem Volontär der Spiele ins richtige Zimmer geführt. Segerström hatte offenbar gestern auch die Schlüsselkarte ihres Zimmers vergessen und fand glücklicherweise ihre Zimmergenossin auf dem Flur.

Nilla Fischer hing vor dem Fernseher und schaute Turnen und anschließend Schwimmen, während Sofia Lundgren viel Besuch in Newcastle hat und gestern sogar frischgebackene Zimtschnecken bekam.

Es wird sparsam getweetet, aber immerhin leistete man dem nordkoreanisch anmutenden Appell des twitterlosen Trainerteams nicht 100%-ig Folge. Das meiste ist jedoch Gossip, aber auch das kann ja mal interessant sein. Wer der schwedischen Mannschaft folgen will und Twitter hat, dem sei die Liste https://twitter.com/#!/damfotboll_com/svenska-landslaget empfohlen, da sind die Twitterkonten aller 19 Spielerinnen gebündelt. Viele schreiben Schwedisch, aber Nilla Fischer, Sofia Lundgren und auch Caroline Seger meist Englisch.

 

 

Ausgewechselt

24 Stunden vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Schweden hat Kanadas Trainer John Herdman zwei Spielerinnen austauschen können, die verletzt sind. Für Emily Zurrer (früher Essen-Schönebeck und Dalsjöfors) und Robin Gayle rücken Marie-Eve Nault und Melanie Booth in den Kader der Kanadierinnen nach.

Der inoffizielle schwedische Olympiasong: Die Schough-Schwestern

Kopparberg/Göteborgs offensive Mittelfeldspielerin Olivia Schough (sprich: Skuuk)und ihre Schwester Lydia haben dieses tolle Video gemacht, um die schwedische Nationalmannschaft zu pushen. Das schwedische Team ist begeistert und immerhin ist Birgit Prinz auch dabei.

Leider höre ich, dass man das Video in Deutschland aus rechtlichen Gründen nicht sehen kann (GEMA). Ich habe gesucht, aber nirgendwo anders eine Version gefunden. Bleibt nur die Möglichkeit, einen VPS-Tunnel zu verwenden, also dem Internet vorzugaukeln, dass man sich nicht in Deutschland befindet. DIE LÖSUNG (danke, Alex): Mithilfe der Webseite www.keepvid.com lassen sich Videos von YouTube auf dem eigenen Computer abspeichern und dann auch ansehen!

Kreuzbandriss bei Ifeoma Dieke

Am späten Sonntagabend bestätigten sich wieder einmal die Befürchtungen, die ich hege, wann immer eine Spielerin mit schweren Knieschmerzen vom Platz getragen wird: Ifeoma Dieke, 31-Jährige Abwehrspielerin im Team GB und bei Vittsjö GIK, erlitt im Spiel gegen Kamerun einen Kreuzbandriss und fällt damit nicht nur für den Rest von Olympia sondern für die komplette Saison 2012 aus.

Trainerin Hope Powell beantragte beim Internationalen Olympischen Komitee, dass Dunia Susi vom Erstligisten Chelsea Ladies an ihrer Stelle das Turnier weiterspielen darf.

Hedvig Lindahl: „Herrlich, nun wird es keine Kanonade von Anklagen geben“

Sie polarisiert die Frauenfußballfans in Schweden: Thomas Dennerbys eindeutige Nummer 1 im schwedischen Tor, seit er 2005 das Amt des Nationaltrainers von Marika Domanski-Lyfors übernahm. Ich rede von Hedvig Lindahl, der 29-Jährigen Torfrau von Kristianstads DFF, deren immer wieder passierende Aussetzer immer wieder zu Diskussionen führen, ob nicht die für Linköping spielende Sofia Lundgren oder Göteborgs Kristin Hammarström verdient hätten, bei einem großen Turnier eine Chance zu bekommen.

Beim WM-Halbfinale gegen Japan in Deutschland vor einem Jahr, waren sich viele einig, dass Lindahl sowohl das 1:2 wie auch das 1:3 durch Nachlässigkeit und schlechtes Stellungsspiel verschuldete, damit auch Schweden aller Chancen in einem einseitigen Halbfinale beraubte. Obwohl Japan drückend überlegen war, brauchten die Asiatinnen die Schützenhilfe der schwedischen Torhüterin. Die Kritik, die in den Wochen danach vorgebracht wurde bezeichnete Lindahl als „oberflächlich“. Will sagen: die haben doch keine Ahnung.

Beim 4:1 Auftakt gegen Südafrika gab es keine Diskussionen über den schwedischen Sieg. Aber wohl über den Gegentreffer zum 1:3. Portia Odise, mit 1,52 m kleinste Spielerin des ganzen Turniers lobte aus geschätzt 45 Metern den Ball Richtung schwedisches Tor, weil Lindahl mal wieder einen kleinen Ausflug gemacht hatte, Hedvig sah den Ball über sich kommen, versuchte zurückzulaufe und sah ziemlich hilflos aus, wie das runde Leder dann doch vor ihr die Torlinie überquerte.

Gestern dann das 0:0 gegen Japan. Natürlich gab es keinen Wechsel auf der Nummer 1. Thomas Dennerby hatte der Öfentlichkeit gegenüber zwar erklärt, dass Lindahl den Ball hätte halten müssen, dass er mit ihr reden werde, aber auch, dass das ja nur ein Tor gewesen sei, mehr nicht. Also stand Hedvig Lindahl gestern wieder im Tor gegen Japan und sie machte ihre Sache sehr gut. Hochmotiviert, motiverter wohl als die meisten anderen, weil sie etwas beweisen wollte. Es gab einen unkoordinierten Ausflug, aber der blieb glücklicherweise ohne Folgen. Ansonsten hielt sie alles, was auf den Kasten kam, wobei man sagen muss, dass die Japanerinnen entweder unplatziert oder schwach schossen. Alles andere wäre oberflächlich. Dennoch strahlte Lindahl Sicherheit aus und war neben der überragenden Sara Thunebro die beste Akteurin in einer schwedischen Mannschaft, die vor allem in der Defensive überzeugte.

„Das fühlt sich gut an, jetzt komme ich ohne eine Kanonade von Anklagen aus,“ sagte die Torhüterin der Zeitung Aftonbladet. Aber Lindahl hat eine gehörige Portion Selbstbewusstsein: „Ich nehme das alles nicht mehr so ernst, so wie früher. Früher empfand ich das wie Anklagen und konnte nicht akzeptieren, dass das mein Fehler war. Aber ich bin älter geworden und kann das jetzt auf eine andere Art wegstecken. Ich glaube jetzt wird es kein Gerede mehr darüber geben, dass ich im Tor stehe. Es gehört nicht unbedingt zum Alltäglichen, dass man mitten im Turnier den Torwart wechselt.“

Es sind Sätze wie dieser letzte, die deutlich machen, dass Lindahl überzeugt ist, dass nur Lindahl i9ns Tor der schwedischen Natio gehört. Es sind leider auch diese Sätze einer fehlerhaften Selbstwahrnehmung, die dazu führen, dass man sie in Frage stellt. Stellen muss, denn die Fehler in den letzten fünf Jahren waren doch reichlich und nicht selten haben sie spielverändernden Charakter gehabt. Aber der letzte Satz ist auch einer an Dennerby: Es gehört nicht zum Alltäglichen, im Turnier einen Torwart zu wechseln. Also: Wage es nicht. Sie benutzt auch zweimal das Wort Anklagen in einem Atemzug. Einmal sagt sie, dass es so schön sei, dass es jetzt keine Anklagen geben werde und dann gleich, dass sie Kritik früher als Anklage empfunden hätte. War früher vor zehn Sekunden?

Die Vergabe von Stammplätzen ist Sache des Trainers. Er sollte aber immer danach streben, den jeweils Besten spielen zu lassen. Nicht denjenigen, der am meisten für Unruhe sorgen wird, wenn man ihn mal nicht an erster Stelle aufstellt. Es ist nicht so sehr der Charakter Lindahls, der ihre Gegner verärgert. Es ist vielmehr die Chancenlosigkeit der gleichaltrigen Lundgren und Hammarström. Hammarström nimmt das scheinbar stoisch nach außen, hofft wahrscheinlich, dass ihr Benehmen als brave Soldatin dazu führen könnte, dass sie doch mal den Vorzug bekommt. Lundgren hat sich mehrfach öffentlich geäußert, zuletzt nach dem Spiel gegen Südafrika. „Natürlich bin ich der Meinung, dass ich besser bin. Aber so sehr ich auch trainiere und versuche, mich zu beweisen, es nützt nichts.“ Und auf Radioreporterin Susanna Andréns Frage, ob sie denn von Thomas Dennerby eine Erklärung bekommt, warum sie nicht spielen darf, antwortet Lundgren: „Nein, man kann nicht sagen, dass wir darüber viel reden. Du musst ihn schon selber fragen, welche Gründe er hat. Er hat da vielleicht schon einen Grund, aber den hat er mir bisher noch nicht genannt.“

Und so wird Hedvig Lindahl mindestens noch bis zum Ende der Olympischen Spiele 2012 unangefochten im schwedischen Tor stehen. Danach läuft der Vertrag von Thomas Dennerby aus und alle erwarten, dass dann Pia Sundhage seine Nachfolgerin wird. Ob Sundhage den Mut haben wird, im Tor einen fairen Wettkampf zu ermöglichen, wird sich zeigen. Es könnte eine erste Bewährungsprobe sein.

Cristiane vor Prinz

Die Brasilianerin Cristiane, die mit Sofia Jakobsson zusammen bei Rossiyanka in Moskau spielt, ist mit nunmehr 12 Toren bei drei olympischen Spielen die beste Goalgetterin aller Zeiten bei Olympischen Spielen. Birgit Prinz erzielte zehn Treffer bei Olympia.

Vor gut zwanzig Minuten machte Cristiane ihr 12. Tor gegen Neuseeland, das Brasilien zum glücklichen 1:0 Sieg reichte. Ein insgesamt sehr langweiliges Spiel, in dem Neuseeland kämpfte bis zum Umfallen und am Ende das Pech des Tüchtigen hatte. Martas Freistoß landete bei Cristiane, die den Ball über die herauseilende Jenny Bindon zum 1:0 versenkte. Bindon ist mit ihren 39 Jahren die älteste Spielerin im Turnier.

 

Schweden bleibt Gruppenerster – 0:0 gegen Japan

Es war nicht so dramatisch und mitreißend wie vor Jahresfrist, als die Japanerinnen bei der WM in Deutschland mit 3:1 gewannen und ins Finale einzogen. In Coventry trennten sich Japan und Schweden im ersten Spiel der zweiten Runde beim Fußballturnier der Olympischen Spiele mit 0:0.

Dabei hatte Japan lange Zeit Oberwasser und Schweden hatte seine beste Zeit in der ersten und letzten Viertelstunde. Thomas Dennerby hatte seine Mannschaft auf zwei Positionen verändert: Auf der rechten Abwehrseite spielte Annica Svensson anstelle von Lina Nilsson und im defensiven Mittelfeld musste Caroline Seger ein paar Schritte zurück und Nillas Fischer ersetzen, die aus Sicherheitsgründen geschont wurde. Die Ärzte hielten ihren Einsatz für möglich, aber der hätte das weitere Turnier riskieren können, weshalb sich die Mannschaftsführung entschied, statt ihrer Johanna Almgren auflaufen zu lassen.

Hedvig Lindahl hütete selbstverständlich trotz der Diskussionen um ihr Agieren beim südafrikanischen Gegentreffer das Tor und machte ihre Sache gut bis auf einen unkoordinierten Ausflug. Zu behaupten, sie hätte den Schwedinnen das Unentschieden gerettet, hieße jedoch die japanischen Abschlussqualitäten zu erhöhen. Die Schüsse, die Lindahl allesamt hielt, waren überwiegend direkt auf sie gezielt und oft zu schwach getroffen, um ernsthaft für Gefahr zu sorgen. Bis zum Strafraum waren die Japanerinnen gewohnt flink, technisch trickreich und agil.

Aber die schwedische Abwehr stand denn auch sehr gut. Alle Vier in der Defensivkette verdienten sich gute Noten. Sara Thunebro, die statt Nilla Fischer die Kapitänsbinde trug zeigte eine Weltklasseleistung mit souveräner Abwehrarbeit und kreativen Aktionen nach vorne.

Lotta Schelin hatte es schwerer als sonst und konnte sich nicht gegen die kleinen, aber kampfstarken Japanerinnen entscheidend durchsetzen.

Später noch Stimmen zum Spiel.

Dennerby kritisiert Lindahl

Hedvig Lindahl – verwundbar durch Lobs

So deutliche Kritik an seiner Nummer 1 hat man von Thomas Dennerby noch nicht gehört. Trotz des 4:1-Sieges gegen Südafrika wurde über den Gegentreffer von Portia Modise eifrig diskutiert. In der 60. Minute stand Hedvig Lindahl (nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere) zu weit vor dem Tor und die Südafrikanerin lobbte den Ball aus rund 45 Metern über eine verzweifelt zurückeilende Lindahl.

„Ich hatte in einem der früheren Spiele gesehen, dass deren Torhüterin immer weit rauskommt und hatte mir vorgenommen, es bei Gelegenheit zu versuchen,“ so Modise nach dem Spiel.

Gegenüber der Zeitung Aftonbladet kamen ungewöhnlich deutliche Worte vom Nationaltrainer: „Sie muss diesen Ball halten. Zweifellos. Wir hatten darüber vor dem Spiel gesprochen. Die japanische Mannschaft hat es ein paar Mal probiert, die USA einige Male, Großbritannien probierte es drei Mal. Wir wissen, dass andere Teams das sehr gut gescoutet haben, also haben wir mit Hedvig vor dem Spiel gesprochen. Sie war sich dieser Situationen sehr, sehr bewusst, aus diesem Grund hätte sie den Schuss halten müssen,“ so Dennerby zu der Boulevardzeitung.

Hedvig Lindahl ist seit langem in der Kritik in Schweden, aber bislang hält Thomas Dennerby ganz klar an ihr fest, obwohl es mit den ungefähr gleichaltrigen Sofia Lundgren und Kristin Hammarström zwei Alternativen geben würde.

Ob der gestrige Fehler zu einem Wechsel zu Lundgren führt, wollte Dennerby aber nicht sagen: „Wir reden immer mit den Spielerinnen nach einer Begegnung, was wir besser machen können. Das war lediglich ein Tor, also brauchen wir daraus keine so große Sache machen, aber natürlich werden wir mit ihr reden,“ sagte der 51-Jährige Aftonbladet.

Und Frankfurts Außenverteidigerin Sara Thunebro stärkte Lindahl den Rücken: „Hedvig ist sehr sicher in ihrem Spiel. Darüber braucht man sich keine Gedanken machen. Es ist immer sehr deutlich, wenn der Torwart Fehler macht. Von meiner Seite hat Hedvig vollstes Vertrauen“, so Thunebro zu Aftonbladet.

ffschweden glaubt, dass Hedvig Lindahl bis auf Weiteres im Tor der schwedischen Mannschaft stehen wird.

Uberzeugender Pflichtsieg

Schweden ist am Mittwochabend mit einem nie gefährdeten 4:1-Sieg gegen Südafrika ins olympische Turnier gestartet. In der Ricoh Arena in Coventry erzielten Lotta Schelin (2), Nilla Fischer und Lisa Dahlkvist die Tore für den WM-Dritten. Portia Modise lobbte den Ehrentreffer aus 40 Metern über eine (wieder einmal) viel zu weit vor dem Tor stehende Hedvig Lindahl.

Auf der rechten Seite in der Abwehr hatte sich Thomas Dennerby für Lina Nilsson anstatt Annica Svensson entschieden, eine leichte Überraschung, aber sicher auch noch keine Garantie für einen Stammplatz. Ansonsten wie erwartet. Raus mit Kosovare Asllani, da die leicht angeschlagene Lotta Schelin spielen konnte, Sofia Jakobsson wurde zurück ins Mittelfeld beordert.